Mios Snorre

In Breitenfurt liegt so viel Schnee wie seit Jahren nicht mehr. Man könnte sicherlich schon eine Skitour gehen, aber das darf ich ja noch nicht. So machen wir uns auf den Weg zum Preiner Gscheid. Mios Beinlänge wird voraussichtlich der limitierende Faktor sein. Gernot meint, dass der Gretchensteig die richtige Wahl ist. Ich meine, dass der Waxriegelsteig und der Predigtstuhl besser geeignet sind. Wir fassen den Gretchensteig ins Auge. Ich denke mir: „Schauen ma a mal, wie es am Preiner Gscheid!“ ausschaut.

Bei der Anfahrt hat es weniger Schnee als in Breitenfurt. In Gloggnitz denke ich mir dann, dass es wohl wurscht sein wird, welchen Steig wir wählen. Wir starten also Richtung Gretchensteig. Upps, da ist jetzt aber doch viel Schnee. Mio kämpft schon jetzt tapfer. Ab der Reißthaler Hütte wird es abenteuerlich. Die Zweibeiner kommen noch voran, aber der Vierbeiner stochert im für ihn bodenlosen Pulver. Ich hebe die Beine schon nicht mehr, um einen Kanal für Mio zu formen. Der folgt auch im Kielwasser, aber eher begeisterungslos. Irgendwann geht er nicht mehr weiter. Er sagt nichts, aber er geht auch nicht. Mit ein bisserl Trara geht es ein Stückerl, aber im Windschatten einer vom Wind arg gebogenen Latsche ist dann endgültig aus. Gernot ist noch ein paar Höhenmeter weiter, aber die spannenden Abschnitte warten noch. Ohne Mio wäre es mühsam aber machbar. Nur mit geht es nicht. Mio schließt sich Calle Halfvarssons Forderung an. Dem guten Mann ist sein „Snorre“ eingefroren. Mios Snorre hängt auch die ganze Zeit im Schnee. Ich mache mir Sorgen. Wir drehen um.

Bergab versuche ich, den Kanal durch wuchtiges Auftreten zu verbreitern, aber Mio kommt nicht. So nimmt Renate Mio hoch. Der hat mittlerweile das Manterl seiner Nachbarin an und geniert sich gerade noch ein bisserl. So entsteht das einzige Foto, auf dem Mio getragen wird. Aber Gernot und ich werden noch schwitzen.

Wieder im Wald übernimmt Mio die Führung und zieht konsequent Richtung Auto ab. Aber wir wollen zum Waxriegelhaus queren. Im Wald wird schon nicht so viel Schnee sein – zweiter Fehlschluss. Da liegt erst Schnee und keine Idee von einer Spur. Zum Glück sind da Markierungen, aber für Mio ist es nicht zu packen. Gernot und ich tragen ihn abwechselnd und kommen dabei ordentlich ins Schwitzen. Mio zittert und grunzt. Ja, wie weit ist denn das noch! Aber alles geht vorbei, wenn man nur weitergeht. Und so kommen wir auch irgendwann zum Waxriegelhaus. Mio wird seiner anhaftenden Schneeklumpen befreit und wir kalorisch versorgt. Die beste offene Hütte weit und breit und auch die einzige.

Wieder bei Kräften ist die Welt in Ordnung. Einer von uns hat auf der alten Skipiste die größte Freude am Leben. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass Mios Snorre gerettet werden konnte. Ach ja, und am Waxriegelsteig wären wir auch nicht viel weiter gekommen.

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Fuchslochsteig

Orthopäde, Physio und ich haben mich für geheilt erklärt. Da wird es Zeit für mehr Höhenmeter. Eigentlich habe ich damit gerechnet, dass ich frühestens wieder im Mai in die Berge komme, aber die Rehabilitation geht deutlich schneller, als erhofft. So fahren wir aufs Preiner Gscheid. Mio hat eine neue Frisur und würde vielleicht frieren. So starten wir zu zweit in den Winter hinauf.

Erfreulich gut geht das alles. Renate ist mittlerweile deutlich besser ausgerüstet als am Gretchensteig im April. Es geht wieder Wind, es liegt wieder Schnee, es ist wieder bitterkalt. Man möchte meinen, Renate sucht diese Bedingungen. Also, Schnee ist gar nicht so viel. So kommen wir leicht über die „Kletterpassage“ von ein paar Metern. Hund muss auch keiner hinaufgehievt werden. Rutschig ist es trotzdem ein bisserl. Ausreichend, um der Tour einen Schuss Abenteuer zu verpassen. Der Himmel ist fetzblau, aber sonst sind die Bedingungen unwirtlich. Am Grat bläst es Renate zweimal fast um. Übers Plateau fliegt der Schnee, dass es eine Freude ist.

Am Karl-Ludwig-Haus muss ich das Ingress-Portal erobern. So eine Macke will gepflegt werden. Renate flüchtet sich schon in den Windschatten Richtung Waxriegelhaus. Vier Tage vor meiner OP, im September bin ich auch den Schlangenweg hinunter. Damals war es definitiv wärmer, aber der Abstieg war mühsamer. Die alte Hüfte hat schon ordentlich gebockt. Da geht es mir heute viel besser. Die Knie und die Muskel müssen sich wieder an die Berge gewöhnen, aber das rechte Hüftgelenk ist geheilt. Na ja, es ist ja gar nicht mehr mit dabei und das neue Titanimplantat hat nichts zu melden.

Am Waxriegelhaus warten Linsen, Schweinsbraten und Kuchen. Kulinarisch ist es überschaubar, aber es ist die einzige Hütte weit und breit, die offen- und durchhält. So lassen wir einen gelungenen Tag hier ausklingen, ehe es zurück zum Auto geht.

Die Tour bei garmin.com

Wochenende Zürich

Wir besuchen Lydia in Zürich! Carina, Jasmin, Renate und ich starten ins Wochenende. Das Hotel Ameron ist es diesmal. es passt gut, da kann man herfahren. Jasmin verbringt das Wochenende mit unterschiedlichen Freunden, die sie in Kanada kennengelernt hat. Am Samstag gibt es einen Stadtbummel durch Zürich. Groß ist Zürich ja nicht, da reichen zwei Stunden.

Am Nachmittag wartet Thomas Maschine in seinem Büro. Er hat über mehrere Jahre hinweg eine Fitness-Maschine entwickelt und von Schweizer Maschinenbauern zusammenbauen lassen. Die Maschine stimuliert innerhalb von 30 Minuten deine Muskeln, ohne dass du ins Schwitzen kommst. Man strengt sich schon an, aber bekommt keine Schweißflecken und auch keinen Muskelkater. Software berechnet die optimale Belastung. Das Gerät ist so groß wie ein Kleinwagen und daher nicht unbedingt für den privaten Abnehmer gedacht. Stattdessen sollte es in Büros stehen und die Mitarbeiter fit machen. So der Plan! Mittlerweile kenne ich Thomas schon über 20 Jahre und bin sicher, dass er Abnehmer finden wird, selbst wenn meine 40 Jahre Fitnesscenter-Erfahrung mich ein bisserl zweifeln lassen. Man sieht Thomas jedenfalls an, dass ihm die endlosen Selbstversuche gut tun, und das ist gut so.

Am Abend sind wir bei Thomas und seiner Familie zum Abendessen, pardon Nachtessen, eingeladen. Carina kommt mit und auch Darek stößt dazu. Ein gelungener Abend ist das! Am Sonntag regnet es, wie so oft um diese Jahreszeit, in Zürich. Ein paar Maroni am See und heim geht es wieder.

Gebirgsvereinsteig

Der Herr Doktor hat’s erlaubt. So machen wir uns auf den Weg zum Seiser Toni. Renate hat ein mulmiges Gefühl. Sie sagt meinetwegen. Ich bin sicher, dass mir der Anstieg nichts machen wird. Der Abstieg könnte halt spannend werden. Denn Bergabgehen ist noch immer die Herausforderung mit dem neuen Hüftgelenk!

So ist jeder auf sein eigenes mulmiges Gefühl konzentriert und wir wandern los. Krücken habe ich nicht mit. Ich hätte sie ja beim Einstieg stehen lassen und von dort wieder holen müssen. Das ist doch mühsam. So nehme ich zumindest die Stöcke für den Abstieg mit. Man weiß ja nie. Das gäbe im Falle eines Falles auch so viele Fragen bei der Bergrettung und der Versicherung.

Im Steig sind drei Männer vor uns, die wahrlich langsam unterwegs sind. Es staut gar an diesem Wochentag. Zwei geduldig wartende Bergsteigerinnen aus dem Osten lassen uns den Vortritt und so steigen wir in die Gelbe Wand ein. Das Hüftgelenk macht überhaupt keine Probleme. Die großen Schritte, sofern denn überhaupt welche von Nöten sind, lasse ich dem nicht operierten Bein. Bei meiner Fokussierung auf mein Handicap vergesse ich ganz auf Renate. Die steht plötzlich an. „Wie komme ich da jetzt weiter?“. „Na ja, so wie du bis hierher gekommen bist. Immer dem Seil entlang.“. Meine jahrelange Erfahrung sagt aber, dass solche Aussagen wenig hilfreich sind. Ich steige wieder ab. Ja, auch das geht. Nun steigt Renate vor. Alles geht.

Ich bekomme ihr Schnaufen mit, aber nicht ihre Anspannung. Die überspielt sie gut. Ich blödle in meiner Freude herum. In dieser Konstellation schaffen wir den Steig mit seiner Hängebrücke, der Strickleiter, etc.. Sind wir zu schnell, so bremst uns das Dreiergespann vor uns. Und dann ist es auch geschafft. Renate freut sich. Ich weiß nicht, ob das jetzt gespielt ist. Nein, sie freut sich ehrlich. Ich freue mich vor allem darüber, dass ich so früh wieder nach der OP in die Berge kann, aber halt leiser.

Vor kurzem wurde übrigens ein Einsatz der Bergrettung ausgelöst, weil sich ein Kletterer zu laut gefreut hat. Diesmal war es aber nicht so. Zumindest bekommen wir nichts mit. Wir gehen weiter zur Wilhelm-Eichert-Hütte und vor allem ich völlere bei den neuen Pächtern.

Der Abstieg über das Zahme Pechersteiglein geht für mich überraschend gut. Kurz, alles gut. Im Auto sagt dann Renates Aufzeichnung, dass sie sich gewaltig angestrengt haben muss. Sie ist ein bisserl aufgekratzt, zeigt aber keine Spur von Erschöpfung. Ihre Uhr sieht das anders und verordnet ihr 95 Stunden Erholungszeit. Ich staune, das ist irre!

So haben wir beide einen überaus erfreulichen Tag in den Bergen gehabt. Ich war sicher, dass bis April 2024 in den nichts gehen wird und siehe da: es kommt immer ein bisserl anders, als man denkt! Sehr fein!

Details bei garmin.com

Mein neues Hüftgelenk

11.11.2023

Am Dienstag war ich beim Orthopäden. Es war die letzte Untersuchung, wenn sich nicht noch etwas verschlechtert. Somit ist alles gut am Weg, aber es wird noch dauern. Ich darf nun nach sechs Wochen wieder wandern, bergsteigen und auch ein bisserl kraxeln. Sogar ins Fitness Center darf ich wieder. Alles halt mit Maß und Ziel. Radfahren ist wieder möglich. Der Ellipsentrainer ist sicherlich optimal. Auf dem will ich mich ein paar Mal die Woche abrackern.

Eindrucksvoll hat mir der Orthopäde vorgehüpft, warum ich bergsteigen, aber nicht laufen kann. In sechs Wochen sollte dann aber auch Laufen wieder möglich sein. Im März besteht die Möglichkeit, dass alles so weit gefestigt ist, dass ich gar wieder skifahren kann. Es wird.

Ein bisserl einen Schrecken habe ich dem guten Mann auch eingejagt, als ich ihm berichtet habe, dass ich mit meiner Hüfte schnappen kann. Er hat das Vorführgelenk hervorgeholt und damit aufeinandergeschlagen. Klingt das so? Ja! Renate hat bestätigt, dass es so klingt. Ich habe aber auch gemeint, dass es bei mir so klingt, als ob ein gespannter Draht über eine Kante schnalzt. Es fühlt sich auch eher so an. Das hat ihn beruhigt. Seine Untersuchung hat bestätigt, dass mein verkürzter Hüftbeuger, der in den letzten Jahren wirklich nur noch kurz geführt wurde, jetzt ob der neuen Bewegungsfreiheit ein bisserl gestresst und angespannt ist. Meine Verdachtsdiagnose Coxa saltans hat sich damit bestätigt. Wenn es nicht besser wird oder sich gar verschlimmert, dann weiß der Orthopäde Mittel dagegen. Unter Lokalanästhesie wird die Sehne gedehnt. Ich denke, es hat sich schon gebessert, eigentlich spontan geheilt.

Meine grippaler Infekt und der Magen-Darm-Virus könnte auch eine andere Erklärung haben als ein unglücklicher Zusammenfall zweier Infekte. Die neue Covid-Variante bringt oft Durchfall mit. Das würde einige Symptome erklären, unter anderem, dass ich bei einem der Spaziergänge ordentlich beim Abstieg von der Wiener Hütte die Zähne zusammenbeißen musste. Da habe ich schon fast an die Bergrettung gedacht. Egal, Mio war eh mit und außerdem ist es Vergangenheit.

Vorgestern haben wir den Gebirgsvereinsteig gemacht. Damit endet auch mein regelmäßiger Hüftbericht. Ich bin froh, dass ich zu den 92,5% gehöre, für die die OP ohne Nacharbeiten ein Erfolg ist. Ich habe einiges dazugelernt und verstehe besser, warum man manches nach der OP so lange nicht tun darf. Die Muskelschmerzen stehen zumindest bei mir im Vordergrund. Ich bin beeindruckt, wie lange so ein Muskel und seine Sehnen nach so einem massiven Eingriff beleidigt sein können. Die Schmerzen sind im Ausmaß aktuell ähnlich wie vor der OP. Das halte ich problemlos aus. Vor allem, weil sie anders sind. Es überwiegt nämlich die Zuversicht, dass diese Schmerzen im Laufe der kommenden Wochen immer schwächer werden. Passt doch!

3.11.2023

Nun hat mich ein Magen-Darm-Virus niedergestreckt. Ich meine, geht’s noch? Da lässt sich schwer sagen, ob und wie die Genesung voranschreitet. So bin ich die Woche eben viel herumgelegen. Aber beim Herumliegen haben sich zumindest meine Oberschenkelmuskel erholt. Solange mich der Virus gequält hat, haben auch die Muskeln geschmerzt. Gestern konnte mein Immunsystem aber ein Ende der Kampfhandlungen bekanntgeben. Siehe da, die Beine waren okay, Das heißt, ich spüre nur noch minimale Auswirkungen der OP. Das ist sehr gut, aber auch nicht. Denn in meinem Übermut habe ich mich heute auf Renates Ellipsentrainer, was immer das auch ist, für 30 Minuten gestellt. Was war das für ein herrlicher Auslauf nach so langer Zeit! Allerdings habe ich schon nach einer Stunde ein vertrautes Gefühl wahrgenommen. Ein Gefühl, das einen ordentlichen Muskelkater in den nächsten 48 Stunden verspricht. Letzte Woche war ich schlapp, weil mich der Männerschnupfen erledigt hat, diese Woche war es das Magen-Darm-Virus und jetzt wieder gesund, ist es das erste Training, das mich ermüdet beim Fenster rausstarren lässt.

Egal, I’ll be back! Alles gut, am Dienstag geht es zum Orthopäden. Mal schauen, ob wir uns ein Glaserl Champagner auf den Erfolg reinzischen werden!

24.10.2023

Eine weitere Woche ist vergangen. Eine grippaler Infekt (Selbstdiagnose) hat mich mit Fieber wie schon seit Jahren nicht (mit Ausnahme Covid) umgelegt. Der Männerschnupfen (Fremddiagnose) hatte es in sich. Der Zustand war derart, dass ich gar beim Arzt angerufen habe. Denn plötzlich konnte ich nicht einmal Stiegen steigen und bin gar wieder auf Krücken durchs Haus. Nach einer Stunde waren die Schmerzen wieder weg. Ein Wunder? Was weiß ich! Für eine Obduktion ist es zu früh. Der Arzt hat am Abend zurückgerufen. Einen viralen Infekt hält die Hüfte aus, alles gut!

Seit gestern bin ich frei von Schmerzmitteln. Na ja, heute morgen habe ich mir ein einzelnes Novalgin gegönnt. Aber das zählt ja fast nicht. Die Physiotherapeutin meint, dass das eben die Muskeln sind. Auch der Chirurg meinte schon kurz nach der OP, dass die Muskelschmerzen gekommen sind, um eine ganze Zeit lange zu bleiben. Sehr gut!

So starte ich weiterhin zuversichtlich in die fünfte Woche nach der OP.

17.10.2023

Drei Wochen und einen Tag habe ich nun das neue Gelenk. Ich meine, dass sich die Genesungskurve abgeflacht hat. Gestern will es aber der Zufall, dass wir nochmals auf die Rax fahren. Eigentlich wollten wir auf den Schneeberg, aber die letzte Zahnradbahn fährt schon um 15:15. So wählen wir nochmals die Seilbahn, die immerhin bis 17:00 fährt. Renate und Gernot gehen den Alpenvereinssteig. Mio und ich fahren Seilbahn und besteigen wie vor knapp einer Woche wieder den Jakobskogel. Was merke ich da für einen Unterschied! Ich kann schnell gehen und das, obwohl ich gar keine Schmerztablette eingeworfen habe. Der Jakobskogel ist mir zu wenig und so gehen wir ihn ein zweites Mal. Ich habe vergessen, die Ingress-Schlüssel oben abzuholen. Da muss ich ein zweites Mal rauf – alles klar?

Danach gehen wir Renate und Gernot entgegen. Mio fetzt durch den ersten Schnee in dieser Saison, ich muss aufpassen, dass es mich bei meinem Geschick nicht auflegt. Es ist jedenfalls der erste Tag seit der OP, an dem ich über 1.000 kCal verbrannt habe. Kurz, es geht bergauf. Am Abend bin ich dann in den Beinen mächtig erschöpft, kann kaum gehen. Vielleicht ist das schon der Männerschnupfen, der sich über Nacht meiner bemächtigt. So gibt es an diesem Dienstag fix einen Rasttag mit weiterhin viel Zuversicht!

11.10.2023

Gestern waren es über 15.000 Schritte. Heute war die Rax dran. Renate ist mit Mio den Törlweg vom Knappenhof zum Otto-Haus gesprintet. Ich bin (noch) mit der Seilbahn rauf und von dort zum Otto-Haus. Auch wenn es ein bisserl mühsam für mich war, haben wir doch den Jakobskogel bestiegen.

Kurz, mir geht’s gut, auch wenn das Bein schon noch schmerzt. Natürlich bin ich bei meinen Ausflügen extra konzentriert. Heute und morgen ist jedenfalls eher Ruhe angesagt.

09.10.2023

Gestern wollte Mio erst gar nicht spazieren mit mir. Er war fassungslos, weil ich die Reste vom Grillhendl in der Mülltonne entsorgt habe und weil es nieselte. Aber dann konnte ich ihn doch überzeugen. Unverhofft waren wir bei der Wiener Hütte und einer von uns beiden stolz wie Oskar. Der Abstieg war von Vorsicht geprägt, weil ich nicht die Straße ausgehen sondern den direkten Weg durch den Wald nehmen wollte. Danach habe ich die Belastung ordentlich gespürt, aber das soll ruhig so sein.

Vor zwei Wochen wurde das rechte Hüftgelenk durch eine Prothese (TEP) ersetzt. Nach zwei Wochen kann ich mich bereits sehr gut bewegen. Schmerzmittel nehme ich auch wegen ihrer entzündungshemmenden Wirkung. Vor übermäßiger Belastung bin ich gefeit, weil mir das Körpergefühl davon abrät. Somit sieht das alles nach einem vollen Erfolg aus.

08.10.2023

Im Schrank habe ich noch ein Hydal gefunden. Als sparsamer Patient habe ich das im Krankenhaus, weil tadellos zugedröhnt, gespart und dann nicht übers Herz gebracht, es zu entsorgen. Noch ein bisserl Arthotec und gut geschlafen. All das hat mich am Freitag wieder gesund sein lassen. Ich habe mich gar als „bedingt geheilt“ erklärt. Als „bedingt geheilt“ habe ich die Krücken Krücken sein lassen. Falls jemand Interesse hat, ich habe da ein Paar kaum benützt zur Abgabe. Der erste Weg hat mich zur Tierärztin geführt. Das sind insgesamt gute zwei Kilometer. Den Polo habe ich auch gleich wieder in Betrieb genommen und den Weg zum Hofer riskiert. Am Abend haben wir uns mit Thomas und Ivana getroffen. Selbst die drei Stunden Sitzen beim Artner waren auszuhalten. Was heiß aushalten? Es war besser als vor der OP – kann aber auch an den Schmerzmitteln und den zwei Gläsern Rotwein liegen.

Am Samstag habe ich die Dosis dann weiter reduziert. Es geht gut. Heute am Sonntag habe ich bis lang (14:30) noch gar nichts genommen. Sicherlich werde ich mir aber noch eine Dosis reinzischen. Denn ich mag nicht, dass sich der Schmerz wieder allzu heftig meldet. Er ist da und sagt mir auf vernünftig erträgliche Art und Weise, dass ich eben nur „bedingt geheilt“ bin.

Meine Erlerntes aus den letzten ein, zwei Wochen ist: ich bin völlig fasziniert, dass man einem Menschen den Oberschenkelknochen abschneiden, diesen mit einem Titan-Span füllen, den Hüftknochen ausfräsen und dort eine Titanpfanne einschlagen kann. All das, ohne dass der Patient völlig aus dem Leben geschossen ist. Was war ich verwundert, dass ich am ersten Tag nach der OP aufstehen und über den Gang spazieren konnte. Da dachte ich mir schon, dass ich halt ein Wahnsinn bin. Das wahre Wunder ist, was Schmerzmittel zu leisten vermögen. Also, eigentlich beginnt es schon bei der Narkose. Der Chirurg hat mir erklärt, was während der OP mit mir gemacht wurde. Da möchte ich wahrlich nicht bewusst dabei sein. Deswegen auch meine super klare Empfehlung bei der Wahl, ob Narkose oder „Kreuzstich“. Beim Erwachen aus der Narkose hat das Bein geschmerzt, als wäre ich mit dem Mountain Bike gestürzt und mit dem Bein gegen einen Baum gekracht. Aber das war es. Am nächsten Tag habe ich ja, wie oben beschrieben, gedacht, dass ich mich wie ein Jugendlicher von dem Trauma erholt habe. Das fälschliche Absetzen der Schmerzmittel hat mir dann gezeigt, wie es bei und nach einer OP vor sechzig oder mehr Jahren gewesen sein muss.

Tja, und in dreißig Jahren wird der Knochen vielleicht gar nicht mehr abgeschnitten. Da wird eine Coxarthrose ohne chirurgischen Eingriff korrigiert. Irgendwo zwischen einst, heute und morgen bin ich jedenfalls recht zufrieden und in Vorfreude, was sich da noch alles verbessern mag.

05.10.2023

„Mutig“ gibt der Arzt als Antwort auf meine Ausführungen zu den letzten Tagen. Seit Dienstag geht es nämlich kontinuierlich bergab. Erst dachte ich, dass das schon mal vorkommen kann. Als es heute morgen nochmals härter war, habe ich mir mit „In zwei Wochen oder Monaten schmunzelst du darüber“ Mut zugesprochen. Sogar die Krücken kommen wieder zum Einsatz. Erwähnenswert ist das zeitliche Zusammenfallen des Einsetzens der Schmerzen mit dem Absetzen der Schmerzmittel. Als Informatiker habe ich nach ausführlicher Analyse den Verdacht, dass hier auch ein kausaler Zusammenhang bestehen könnte. Auch diese Vermutung bringe ich nicht unstolz vor. So fasst der Arzt zusammen: „Sie haben also alle Schmerzmittel am Dienstag abgesetzt. Das nenne ich mutig.“. „Na ja, steht ja so im Entlassungsbrief.“. „Es steht im Brief, was Sie mindestens nehmen müssen, um einer Ossifikation vorzubeugen. Da hätte ich vielleicht ausdrücklicher sagen sollen, dass Sie die Mittel danach nach Bedarf anpassen sollen.“. Ja, das mit der Ossifikation hat er gesagt. Das habe ich mir gemerkt und als Hypochonder auch sicherlich entwickelt. Egal, ich nehme jetzt nach Bedarf. Dann wird alles gut. Der Grat zwischen Mut und Dummheit ist bekanntlich ein schmaler.

Die Nähte sind draußen. Wir speisen noch im Stasta, ehe ich mich wieder daheim gierig der Drogenabteilung im Küchenkastl widme.

02.10.2023

Hier tut sich nicht viel. Die Krücken verwende ich nicht mehr. Wenn ich mich dann irgendwann von meiner Liegestatt erhebe, die Brüder Karamasov zur Seite lege, denke ich mir manchmal nach ein paar Schritten: „Halt, was ist denn mit meinem Bein?!“, um gleich zu erinnern: „Ah ja, ich hatte ja diese OP, das war wirklich und nicht nur geträumt.“. Eigentlich ein gutes Zeichen.

Am Donnerstag bin ich beim Orthopäden. Da werde ich mich meiner Punkte nochmals versichern. Auch zu meinem Verhalten werde ich ehrlich und ungefragt Auskunft geben. Er wird mich schon nicht entmündigen.

Also, am Donnerstagabend gibt es wieder ein Update hier. Ausgenommen sind natürlich Breaking News – eigentlich keine schöne Wortwahl in dem Zusammenhang. Falls am Freitag noch nichts da steht, hat man mich in Gewahrsam genommen. Schauen ma a mal!

30.09.2023

Renate sagt, das Foto könne ich ruhighochladen. Ich bin g’schamig, meinen durchleuchteten Hintern hier zu präsentieren, und habe das Foto daher ein bisserl verkleinert. Ich will ja meine Leserschaft nicht zu sehr belasten. Mich fasziniert es jedenfalls. Wie unvorstellbar ist mir, was medizinisch möglich ist! Ich habe Fragen über Fragen. Wieso stört der abgesägte Knochen nicht? Das ist sieht ja sogar ein bisserl ausgefranst aus. Muss man das Knochenmark vor dem Reintreiben der Prothese auskratzen oder wird das Mark komprimiert? Weitere Fragen zur Verwendung des Knochenmarks, speziell in Kombination mit Schwarzbrot, lasse ich bewusst aus. Wieso ist der Schaft so dünn? Ich dachte, ein Oberschenkelknochen ist extrem hart und bruchfest. Und dann wird er durch so einen dünnen Schaft ersetzt!

Heute haben anscheinend die Drogen nachgelassen. Ab morgen fallen dann alle Schmerzmittel weg. Das ist schlecht und das ist gut. Gut ist es, weil es meinen Bewegungsdrang dämpft. Mich stört der Schmerz nicht so, da ich ja daran gewöhnt bin, dass sich meine Hüfte meldet. Aber mit Schmerzmitteln möchte ich am liebsten loslegen.

Mittlerweile gehe ich die Treppen schon im normalen Schritt hinauf und das Gefühl dabei lässt vermuten, dass Bergsteigen richtig edel werden könnte, wenn das alles verheilt ist. Ich freue mich drauf! Hoffentlich erfüllt sich meine Erwartung. Haltet mir die Daumen!

29.09.2023

So, ich bin wieder daheim und mir ist ein bisserl gar fad. Sogar Tristan war auf Besuch.

Wofür die Krücken da sind, habe ich gehört. Aber anfangen kann ich mit denen nichts. Sie sollen mich nicht entlasten, sondern vor einem Sturz bewahren. So habe ich sie in den ersten Stunden im Haus rumgetragen und wäre einmal fast darüber gestolpert. Auch Stiegen steigen immer mit einem Bein voran und das andere nachsteigen lassen, ist gewöhnungsbedürftig. Okay, immerhin vertut man damit die doppelte Zeit.

Schaue ich mich im Spiegel an, so erkenne ich rechts eine recht venusförmige Rundung. Die neue Hüfte ist deutlich ausladender als die alte. Das wird sich hoffentlich zurückbilden.

Richtig lustig finde ich, dass ich am Hintern noch eine ähnliche Farbe habe wie der ehemalige, amerikanische Präsident im Gesicht. Das wird sich auch legen – also, bei mir, nicht bei ihm.

In meiner Langeweile habe ich bei Garmin nachgeschaut: im Schnitt verbrauche ich pro Nix-tu-Tag um 500 bis 1.500 Kalorien weniger als sonst. Nehmen wir 800 Kalorien im Schnitt. Das sind 100g Fett pro Tag! Upps, in sechs Wochen, also nach 42 Tagen habe ich um 4,2 kg mehr Fettdepots. Ein halbes Jahr bringen dann knapp über 18 kg zusätzlich, womit ich den 100er durchbrechen würde. Anderseits würde die geschwollene Hüfte dann nicht mehr auffallen. Hmm, seltsamer Ausblick.

28.09.2023

Geduscht und in Zivilkleidung warte ich auf die letzte Lymphdrainage. Mir geht es gut. Ich kann aufrecht stehen und gehen. Die Krücken verwende ich, weil sie vorgeschrieben sind. Ich fühle mich aber auch ohne sicher. Der Bewegungsapparat fühlt sich noch ein bisserl verzogen und beansprucht an. Das wird werden. Baba, Krankenhaus.

27.09.2023

Gestern habe ich mich mit einem Schlafmittel sediert. Hui, das hat gewirkt. Schmerzmittel gibt es reichlich, und so habe ich tief geschlafen. Der Therapeut war um halbacht da und musste einsehen, dass mit mir nichts anzufangen ist. Nach dem Frühstück gab es die Stiegen. Alles easy.

Die Krücken brauche ich nur als Schutz vor einem Sturz und nicht zur Entlastung. Somit könnte ich auch ohne Krücken gehen. Wenn ich so dastehe, hat sich mein Körpergefühl etwas geändert. Ich meine, dass ich aufrechter stehe. Dabei fühle ich mich gar jünger. Tja, da werdet ihr schauen.

Jetzt warte ich auf den Arzt. Lymphdrainage steht dann noch am Programm und natürlich Renates Besuch.

Kurz vor 20 Uhr kommt der Arzt. Alles gut! Schöne Bilder einer perfekt sitzenden Prothese hat er mit dabei. Einer Entlassung steht nichts im Wege. Gerne auch schon am Donnerstag. Ich brauche mir auch nicht allzu viel Sorgen machen. Das sitzt alles bombenfest. Wenn in ein paar Wochen der Muskelschmerz weg ist, wird es herrlich sein.

So gönne ich mir auch heute Abend wieder ein Schlafmittel. Der Wirkstoff macht sehr schnell süchtig, weiß das Internet. Dafür lasse ich halt das Morphin weg. Morgen endet das Drogenparadies ohnedies.

26.09.2023

Die OP gestern ist nach Aussagen der Ärzte optimal verlaufen. Die Keramiken (von Villeroy & Boch? ) und das Titan (Pfanne von Fissler?) passen perfekt. Die Beine sind gleich lang. Was will man mehr? Sieht gut aus.

Das Erwachen war mühsam und auch schmerzhaft. Das mag daran liegen, dass mein Aufwachengel nicht sonderlich aussagefreudig und ausschließlich auf die Sache fokussiert war. Der Arzt hat es dann in Ordnung gebracht. Alles tadellos. Das beruhigt.

Mein aufgefangenes Blut wollte nur langsam wieder in seine Heimat zurück. So hat es bis 19:45 gedauert, dass ich wieder ins Zimmer durfte. Ein paar Minuten später war auch schon Renate da. Sie war für 17 Uhr vorbereitet und wollte schon das Aufwachzimmer stürmen. In Renates Anwesenheit ging es dann gleich dramatisch bergauf.

Die Nacht war gut, da ich unter meinem Schnarchen ja nicht so leide. Um vier versuche ich wie ein Astronaut stoffzuwechseln. Da kommt nach einer halben Stunde zufällig der Pfleger, erfasst das erbärmliche Spiel, holt Krücken und macht wohl eine Ausnahme. Als ich in der Früh das Spiel wiederholen will, gibt’s ein Njet. Ich muss im Bett bleiben. Hoffentlich hat mein gnädiger Pfleger nicht Ärger bekommen. Auch er bleibt beim „Leider nicht“. Aber der Physiotherapeut wird zur offiziellen Mobilisierung angefordert.

Wie auf der Löwinger Bühne geht nach ein paar Minuten wieder die Türe auf und diesmal schaut der Arzt herein und stellt fest, dass ich topfit bin. Auf den Therapeuten warten? Der kommt nicht vor zehn. Was soll schon passieren? Weiß ja keiner. Problem gelöst.

Weil man hier ums Wohle der Patienten bemüht ist, steht nach zwanzig Minuten der Physiotherapeut da. Der reißt ein Aug‘ auf, weil ich ihm von meiner Übung nichts verrate und selbstsicher aus dem Bett springe. Das nennt er eine Auferstehung. Er wird mich für die Entlassung am Donnerstag bereit machen. Ich habe nach dieser kurzen Session die Lizenz zum selbständigen Aufstehen. Morgen wird Stiegensteigen geübt. Ob ich wieder ein bisserl üben soll? Das wird jedenfalls schwierig, da man mir noch das Gewand verweigert.

Auch wenn ich kaum Schmerzen habe, empfiehlt der Arzt die Einnahme der Tabletten. Ja, da ist ein Hydal dabei. Ich staune nicht schlecht, denn die gab es bei Ulli, weil morphiumhaltig, in der Apotheke nur mit Drogendealerpickerl.

Der Tag verläuft sonst unspektakulär. Ich bin ein bisserl zugedröhnt und schlummere vor mich hin. Zwei neue Patienten sind gekommen und werden sogleich operiert. Gelegentlich spazieren ich herum. Ruhige Genesung!

Kurz, weiterhin alles am besten Wege. Daumen halten!

25.09.2023

12:34 – eingeliefert, aufgenommen, ausgeliefert! Plötzliche Hektik – Fehlalarm, alles beim ursprünglichen Plan. Um 14 Uhr wird operiert.

Für sechs bis zehn Tage bin ich hier eingebucht. Detailliert darf ich die Essenswünsche für zehn Tage formulieren. Der Kaffee stark oder mild, die Milch warm oder kalt,… Blöd, dass ich nüchtern sein muss und hungrig bin. Ich kreuze mal alles an.

Ich liege alleine in einem Dreibettzimmer. Okay, bei der Buchung kein Wunder. Mein Bett steht hoffentlich ab Freitag dann auch leer.

24.09.2023

Morgen, am 25.9.2023, soll mein rechtes Hüftgelenk ersetzt werden. Seit Geburt an ist die Gelenkspfanne links und auch rechts ein Stückerl zu klein. Der Gelenkskopf ragt ein ganzes Stück aus der Gelenkspfanne. So ist eigentlich schon immer die Beweglichkeit eingeschränkt. Über die Jahre hat sich zu dieser Dysplasie eine Arthrose, also Abnützung, entwickelt. Mittlerweile liegt auf der rechten Seite Knochen auf Knochen. Das hat zur Folge, dass das Bein fast ständig leicht schmerzt. Schlafen geht noch gut, Laufen geht seit einem Anfang des Jahres nicht mehr. Dabei hält mich nicht ein starker Schmerz vom Laufen ab. Es ist eher ein dumpfer Dauerschmerz. Dass ich diesen nicht ignorieren kann, fasziniert mich.

Das Bergsteigen geht gut, solange es bergauf geht. Das Bergabgehen ist von Tour zu Tour nun schwieriger geworden. Der Körper weicht aus und belastet damit den restlichen Bewegungsapparat. So tun mir die Knie mittlerweile weh. Ich hoffe sehr, dass diese Beschwerden nach der OP und dem Wiederaufbau weg sind. Aber nicht nur der Bewegungsapparat sondern auch die Bewegung selbst hat gelitten. Mein Bergabgehen ist mehr ein Staksen als ein sportliches Runterzischen. Da leidet auch die Sicherheit darunter. Nein, das passt nicht.

Einigkeit besteht wohl, dass die Arthrose irreversibel ist. Mit Physiotherapie lassen sich die Symptome deutlich reduzieren, aber die weitere Verschlechterung kann sie auch nicht aufhalten. Da ich weiterhin Bergsteigen, Laufen und Radfahren will, habe ich mich zur OP entschieden. Schauen ma a mal!

Gretchensteig

Uh, in diesem Jahr war ich nicht viel auf meinen Hausbergen unterwegs. Und dieses Jahr kommt auch nicht mehr viel. Wenn mir nicht noch ganz schnell etwas einfällt, dann ist es am Montag mit meinem Hüftgelenk passé. In diesem Jahr werde ich nicht mehr in die Berge kommen.

Also, schnell noch mal eine kleine Hausrunde mit Mio. Mio ist ein bisserl wenig ambitioniert. Jetzt geht er schon ein paar Mal solche Steige mit, aber eine Verbesserung geschweige denn Begeisterung lässt sich nicht feststellen. Heute muss ich ihn gar ein paar Mal raufheben. Das ist ihm aber auch nicht peinlich. Seine Erfahrung spiegelt sich darin, dass er sich an die „kniffligen“ Stellen schön zur Wand stellt und wartet, bis der Lift losgeht. Steht er oben, will er sogleich ein Leckerli. Ob das noch was wird mit ihm als Berghund?

Am Plateau hat der Herbst Einzug genommen. Der Wind treibt den Nebel über die Wand rauf, hinter dem Gedenkstein auf der Heukuppe picknicken zwei verzweifelte Wanderer und üben ein bisserl Überleben in der Todeszone. Mios Herrl ist aber mit den Eigenschaften von Luv und Lee durchaus vertraut. Ja, auch wir könnten uns ins Lee des Denkmals flüchten. Stattdessen steigen wir zwanzig Meter ins Lee der Heukuppe. Da ist die Welt spätsommerlich.

Beim Abstieg zum Karl-Ludwig-Haus umstellen uns Gämsen. Mio ist älter geworden und hat auch da seine Ambitionen fast verloren. Er lässt sich an die Leine nehmen und beobachtet aus dieser Position. An Angriff denkt er ebenso wenig wie die Gämsen.

Schon im Winter habe ich mich gewundert, wie das hier heroben und auch irgendwann dann unten mit den geringen Schneemengen und der Wasserversorgung ausgehen soll. Hier heroben hat das Karl-Ludwig-Haus schon seit fast einem Jahr geschlossen und auch das Habsburghaus quält notorischer Wassermangel. So steigen wir zum Waxriegelhaus ab. Das ist entsprechend voll. Passt so!

Runde erledigt, das nächste Mal komme ich hoffentlich mit ein bisserl Keramik in mir hier vorbei. Frohe Weihnachten kann ich eigentlich auch schon wünschen.

Tour auf garmin

Amsterdam


Fotos


Diesmal habe ich von Amsterdam wesentlich mehr mehr mitbekommen, als bei meinem letzten Besuch. Und das, was ich mitbekommen habe, hat mir sehr gut gefallen. Hier ist jedenfalls etwas los. Vielleicht liegt es an der Jahreszeit, vielleicht an unserem Glück mit dem Wetter, vielleicht an der Hotelauswahl. Schön war’s, Amsterdam gefällt.

Wir haben uns im The Dylan einquartiert und dort ein Zimmer im letzten Stockwerk bezogen. Mit Blick über die benachbarten Häuser genießen wir hier absolute Ruhe. Für den ersten Abend ist ein Essen im Hotelrestaurant Vinkeles geplant. Ich erwarte nicht so viel und werde völlig überrascht. Das war dann doch das beste Essen seit vielen Jahren. Und ich war schon ein paar Mal gut essen 😉 Michelin, ja das testende Reifenmännchen, hat dem Restaurant zwei Sterne gegeben. Ich hätte da noch einen draufgelegt. Gehet hin und genießet es!

Am zweiten Tag machen wir es wie die Amsterdamer, wir radeln. Da die größten Anstiege die Brücken über die Grachten sind, macht das Spaß. So durchqueren wir die gar nicht so große Stadt mehrere Male.

Beim letzten Mal war die ganze Stadt eingeraucht. Der Kaiser hatte seinen 50er gefeiert. Diesmal ist es in diesem Belange weit ruhiger hier. Trotzdem verstehe ich jetzt Mio besser. Jedes Mal, wenn ich an so einem Coffeeshop vorbeiradle, reißt es mich. An diesen Orten muss man ein bisserl achtsamer unterwegs sein, sonst kracht man in so einen friedlich grinsenden Passanten, an dem alles gaaaanz schnell vorbeizieht.

Stockholm oder Amsterdam? Schwer zu sagen. Renate meint, dass Kopenhagen das jeweils Beste der beiden Städte vereint. Dann irgendwann auch noch diest Stadt!

Überaus fein war’s!

Hintere Schwärze (3.624 m)

Als Gernot und ich letztes Jahr über den Marzellkamm auf den Similaun gestiegen sind, haben wir immer wieder zur Hinteren Schwärze geschaut. Bedrohlich hat sie damals gewirkt. Das lag sicherlich am Nebel, den Wolken und dem spaltenreichen Marzellferner. Da war auch bald fix, dass wir da hinauf wollen. Doch dieses Jahr wird’s eng. Gernot ist mit seiner neuen Wohnung in Kärnten beschäftigt, und bei mir steht in zwei Wochen das neue Hüftgelenk an. Natürlich bin ich voller Zuversicht, dass der Tausch ein voller Erfolg werden wird. Anderseits gilt: was man hat, das hat man. So engagiere ich wieder einen Bergführer, denn alleine geht man so lange Gletschertour nicht.

Was ich mir immer vor so einer Tour an irrationalen Sorgen mache! Okay, durch die endlosen Gletscherspalten, wird mich Alex, der Bergführer, leiten. Das ist sein Job. Wie er überhaupt den Weg zu finden hat. Aber was, wenn Alex nicht bei der Martin-Busch-Hütte ist oder am Vorabend zu wild gefeiert hat. Lauter Mist geht mir durch den Kopf, sodass ich mich selbst nicht kenne!

Egal, um fünf Uhr läutet der Wecker. Leise stehle ich mich aus dem Zimmer. Renate wünscht mir Glück, Mio ignoriert mich. Das Hotel hat mir ein Lunch-Paket hergerichtet – sehr fein. Am Vortag habe ich mir in Vent ein E-Bike ausgeliehen. Das ist ein Hardtail, also hinten nicht gefedert. Egal, der Verleiher meint, dass ich damit mühelos zur Martin-Busch-Hütte komme. So starte ich um halbsechs. Es ist noch stockfinster, als ich losradle. Die Stirnlampe leuchtet den Weg. Aber das Radl ist suboptimal. Die Federung hinten bietet meines Erachtens nicht nur Komfort sondern auch Grip bei steilen Anstiegen. Passe ich nicht auf, liefert zwar der E-Motor ausreichend Kraft, aber der Reifen dreht durch. Zum Schieben ist das Radl viel zu schwer und die Zeit viel zu knapp. So bin ich ein bisserl gestresst. Aber was ist das? Was funkelt da so auf dem Weg? Wer hat da so viele Reflektoren aufgestellt? Ehe ich das checke, stehe ich schon in einer Herde schlafender Schafe. Mann oh, zur Seite! Ich hab’s echt eilig! Als dann noch zweimal die Kette rausspringt, bin ich knapp dran, den Dreck in den Graben zu werfen und weiter zu Fuß zu gehen. Das ist natürlich keine Option, und ich steige wieder auf mein „Haibike“ auf. Also, Gaßbock oder Bockende Sau fände ich passender!

Etwas zu spät, aber doch komme ich bei der Hütte an. Dort wartet schon Alex auf mich. Alex ist ein paar Jahre jünger als ich, hauptberuflich Berg- und Schiführer, Bergretter sowie gerichtlicher Sachverständiger für Alpinunfälle. Ich geniere mich für meine Sorgen. In besseren Händen könnte ich nicht sein.

Um kurz nach halbsieben starten wir. Ich bin vergnügt aufgekratzt. Alex geht vor, ich folge ihm auf den Marzellkamm. All das in einer Geschwindigkeit wie vor ein paar Jahren, als die Hüfte noch Laufen zuließ und ich entsprechend fit war. Auf 2.820m dann der Abstieg zum Marzellferner. 120 Höhenmeter muss man mittlerweile absteigen, um zum Eis zu gelangen. Wir legen Steigeisen und Klettergurt an. Ich bin umsorgt: „Ja Gottfried, du kannscht auch schon die Handschuhe bereithalten. Nicht wegen der Kälte, sondern wegen dem Schutz vorm Eis! Vielleicht magscht auch schon die Sonnenbrille griffbereit haben.“.

Wir steigen los. Das Morgenlicht lässt einen Blick nach oben zu. Keine Spalte weit und breit im ersten Abschnitt. Das Eis ist griffig! Ich dachte, wir werden unentwegt über Spalten steigen. Völliger Quatsch, wieder eine Sorge fürs Erste entsorgt. Alex geht vor und ich steige nach. Schnell sind wir unterwegs, ich sage nichts. Im Nachhinein weiß ich, dass ich mir dazu Sorgen machen hätte sollen.

Rasch sind wir auf 3.000 Meter angelangt. Ein paar Spalten versperren den Weg, aber nichts Dramatisches. Alex sucht und findet schnell einen Weg. Springen kann ich nicht und balancieren will ich nicht, das habe ich rechtzeitig angemerkt. Vorgewarnt, dass sich das vielleicht nicht ganz vermeiden lässt, stehe ich nun da und sehe, dass mir da nichts als besonders herausfordernd erscheint. Abseits der Anstrengung, aber die kenne ich ja.

Der Gletscher ist nicht sonderlich steil, und so spazieren wir in dieser tollen Eislandschaft. Selten kommt hier jemand her, meint Alex. Auch heute macht sich von der Hütte niemand sonst auf den Weg. Die Hintere Schwärze liegt abseits der ausgetretenen Pfade. Die Nordwand ist noch bekannt. Noch hat die Klimaerwärmung genug übrig gelassen. Aber die lassen wir aus.

Der flache Teil liegt hinter uns und wir machen wieder Höhe. Das Eis ist griffig und nicht ganz hart. Optimale Bedingungen sind das. Wir sind bald auf knapp 3.400m und da ist sie plötzlich. Körperliche Erschöpfung ist da. Ja, woher denn? Sonst achte ich so sehr auf mich, aber diesmal bin ich da immer brav hinten nach marschiert. Das war nicht schlau, zumal der, dem ich nach bin, als Bergführer ein bisserl öfters als ich unterwegs ist. Und steil wird es jetzt auch nochmal im letzten Anstieg! Eine alte Spur führt den Hang schnurstracks hinauf. Alex meint, dass das Eis hier 35 bis 40 Grad steil ist. Mir kommt es steiler vor. Mulmig wird es mir. So vertraut sind mir die Steigeisen dann doch nicht. Mag sein, dass ich seit Jahrzehnten sie immer wieder anhabe, aber eben nur ein, zwei Mal pro Jahr. So folge ich am kurzen Seil. Wie Mio, wenn er Angst hat, weiche ich keinen Schritt von Alex Seite. Ich bezweifle, dass uns etwas hält, wenn einer von uns beiden ausrutscht oder stolpert. Meinen Hang zum Stolpern kenne ich. Also, Blick auf den nächsten Schritt und schön eng hinten nach. Die Luft geht aus und wir müssen gar ein paar Mal innehalten. Alles geht vorbei, auch diese wahrscheinlich nicht einmal 50 Höhenmeter. Eine paar Meter steiles Eis nochmals und wir legen Steigeisen, Pickel und Handschuhe ab. Jetzt geht es den Fels hinauf. Erst steil und dann flach. Bei mir ist die Luft draußen. Pech, dass mich das so knapp vorm Ziel einholt. Aber die letzten 50 Höhenmeter schaffe ich auch noch. Das weiß ich. Da beißt keine Maus einen Faden ab!

Schon weiter unten waren wir der Meinung, dass wir zwei Menschen am Gipfel sehen. Nun haben wir sie das letzte Mal gesehen. Lange waren sie heroben, aber begrüßen wollten sie uns nicht. Auch Alex ist ein bisserl ratlos, wo sie her und nun wieder hin sind. So bleibt uns der Gipfel alleine. Kein Wind, uneingeschränkt Sonne und angenehme Temperaturen. Jause und Plaudern stehen am Programm. Besser könnte es nicht sein.

Gut gestärkt und ein bisserl erholt gehen wir den Abstieg an. Wie ich den steilen Hang wieder runterkomme? Nun ja, mit dem Gesicht voran ist mir das zu steil. Im allgemeinen und auch ein bisserl wegen der Hüfte. Beim Abstieg merke ich sie doch beträchtlich, mein Gang hat sich in den letzten Monaten recht versteift. Keine Sorge, zur Not seilt mich Alex ab. Schon ist die erste kurze Steilstufe geschafft, wir kommen zum längeren Hang. Ich soll der alten Spur da folgen, die den Hang nach unten quert. Dabei soll ich immer nur auf den nächsten Schritt schauen. Ja, die Tipps kenne ich, nur halt nicht als Empfänger. Aber ich halte mich daran und mache mechanisch einen Schritt nach dem anderen. Querungen mag ich für gewöhnlich nicht, aber diesmal geht es deutlich besser als sonst. Und dann ist der Hang auch schon vorbei. Mann oh, nichts ist leichter als überstandene Herausforderungen.

Der Abstieg ist erträglich, ein Stolpern gehört bei mir fix dazu, aber sonst geht’s gut. Alex hatte beim Aufstieg die Augen offen. Und so umgehen wir den Spaltenbereich, in dem er beim Aufstieg ein bisserl suchen musste, orographisch ganz rechts. Alles ab nun unspektakulär bis zum Ende des Eises. Ein kleines Workout mit 120 Höhenmetern auf den Marzellkamm wartet und nervt ein bisserl. Oben angekommen biete ich Alex an, dass er schon vorzischen kann, aber er verweigert. So steigen wir noch die 300 Höhenmeter zur Hütte ab, wo wir uns Getränke und ein bisserl etwas zu essen gönnen. Tadellose Tour, tadellose Bedingungen! Ich bin stolz wie Oskar!

Auf mich wartet noch der mühsame Ritt auf meinem Geißbock. Der ist nicht angenehm, aber unvergleichbar besser als die knapp acht Kilometer zu Fuß. Auf einem Fully wäre es es ein Spaß, so ist es zumindest eine Erleichterung. Nach einer halben Stunde bin ich in Vent. Yes, geschafft! Ein bisserl ausgebrannt, ein bisserl sehr ausgebrannt. Stiegen steigen ist kein Spaß. Liege ich im Bett, kann ich meinen Oberschenkeln zuschauen, wie sie auf noch nie da gewesener Art und Weise krampfen. Das Schauspiel ist beeindruckend und auch schaurig. Egal, wie ich die Beine lagere, irgendwo krampft ein überanstrengter Muskel. Irgendwann ist das bislang in meinem Leben einmalige Phänomen vorbei. Das ändert nichts: wert war die Tour das allemal!

Resümee: Ich hatte wieder einmal viel mehr Sorgen als angebracht. Nicht ein Bruchteil ist eingetreten. Der Marzellferner ist zerklüftet, aber bei diesen Bedingungen meines Erachtens nicht sonderlich gefährlich. Ich war in besten Händen, ein erfahrener Bergführer hat mich durch das Labyrinth geleitet. Da lässt es sich leicht sagen, dass es eine einfache Angelegenheit ist. Der eine steile Abschnitt war für mich an diesem Tag die Schlüsselstelle. Da hatte ich mit mir selbst genug zu tun. An anderen Tagen mag dieser Hang einfacher oder auch deutlich schwerer sein. Oder die Herausforderung besteht im Finden des richtigen Wegs durch die Spalten. Ich hatte jedenfalls weit mehr Spalten erwartet! Die Tour ist lange und anstrengend. Aber das darf sie ruhig sein. Und edel ist die Tour! So edel, dass ich mir wiederum denke, warum die Hintere Schwärze im Sommer so selten besucht wird. Aber das muss ich ja nicht verstehen. Ich kann die Tour jedenfalls empfehlen!

Aufstieg auf Garmin
Abstieg auf Garmin (nicht vollständig)

Vent


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Nach dem Trüffelschnüffelkurs brechen wir nach Vent auf. Das Wetter soll noch bis mindestens Dienstagmorgen halten. Da mag ich noch einen Berg meiner Bergliste erledigen. Renate hat sich bei unserer Tour auf der Hochalmspitze ein bisserl zerstört und muss rasten. Ich lerne, dass man sich auch in 3.000m Höhe einen Tennsiarm holen kann. Sie wird wieder fit werden, da habe ich keine Sorge.

Wir sind diesmal im Hotel Post in Vent untergebracht. Vent ist ein kleines Bergsteigerdorf in den Ötztaler Alpen. Das Hotel bietet freundliche Gastgeber und feines Essen. Das Hotel kann ich empfehlen.

Am ersten Abend spazieren wir spontan zu den Rofenhöfen. Die Abendstimmung ist fantastisch. Mio ist froh, dass er die stets für ihn mühsame Autofahrt hinter sich hat, und bei den Temperaturen vergnügt ausgelassen. Die Fotos vermögen das kaum einzugfangen.

Am Montag starte ich um halbsechs zu meiner Tour auf die Hintere Schwärze – siehe eigenen Beitrag. Renate und Mio schlafen ein bisserl länger und meistern von Vent aus das Wilde Mannle (3.024 m). Am Nachmittag komme ich mit dem Gipfel in der Tasche, aber doch ziemlich zerstört zurück. Viel mehr als Kalorien- und Flüssigkeitszufuhr, krampfende Oberschenkel und ein kleiner Abendspaziergang sind da nicht mehr drinnen.

Am Dienstagmorgen weckt Mio uns mit Bauchweh. Renate opfert sich für die Morgenrunde und ich kann in Summe 12 Stunden ausschlafen. Die für Dienstag geplante Fineilspitze habe ich schon am Vortag abgesagt. Stattdessen wählen wir den Gaislochkogel von Sölden aus. Die Gondel bringt uns auch dort auf über 3.000m. Das IceQ ist ein mit zwei Michelin-Hauben ausgezeichnetes Restaurant´, und so kommt Renate mit ihrer Vorliebe für exzellentes Essen auch noch auf ihre Rechnung.

Die Heimfahrt ist gewohnt lange. Aber die herrlichen Tage in Vent waren und sind den Aufwand jedes Mal wert.

Prädikat: unvergesslich!

Hochalmspitze (3.360m)


Fotos


Ein Besuch bei der Tauernkönigin steht an. Das Ötztal ist von den unglaublichen Regenmengen in Mitleidenschaft gezogen, Gernot verweilt in Viktring und der Wetterbericht ist für den Süden besser, obschon nicht tadellos. So treffen wir uns am Friedhofsparkplatz in Gmünd in Kärnten, von wo es weiter über Malta und dann nach Westen über eine doch recht lange einspurige Straße zum Gößkarspeicher geht.

Was alles mitnehmen? Vor sechs Jahren habe ich die Tour schon einmal gemacht. Ich kann mich noch allzu gut erinnern, wie ich den Rucksack nach der anstrengenden Tagestour in die Q fallen lassen konnte. Ich hatte fast alles mit, was die Bergsportabteilung so bietet. Auch erinnere ich mich an den Übergang vom Klettersteig aufs Trippkees.

Diesmal wollen wir einiges geschickter machen. Wir haben auf der Gießener Hütte zwei Doppelzimmer gebucht. Sogar Sauna, Whirlpool und Duschen sind angekündigt. Die Hütte ist überaus fein, die Mitarbeiter super nett. Und weil es weder GSM-Abdeckung noch WLAN gibt, geht der Wirt mit jeder Gruppe auf Wunsch die anstehende Tour und den Wetterbericht durch. Die Klimaerwärmung hat meine Tour von vor sechs Jahren so stark verändert, dass wir sie diesmal gegen den Uhrzeigersinn gehen wollen. Das heißt, wir wollen über den Rudolstädter Weg aufsteigen und über den Detmolder Grat wieder runter. Der Wirt bestätigt diese Option als vernünftige Wahl, die Tourenführer werden diese Richtung ab nächstem Jahr ohnedies vorschlagen. Vom Trippkees ist nicht mehr viel über. Mit Übung werden wir es laut ihm ohne Seil und ohne Steigeisen schaffen. In meiner Erinnerung ist es mulmig. Nein, das steile Eisfeld will ich weder ohne Steigeisen noch ohne Seil rauf oder runter. Auch der Einstieg in den Klettersteig am Detmolder Grat wurde verlegt. Das Seil, an dem ich mich noch hochziehen musste, ist Vergangenheit. Ein solider Klettersteig ist gebaut, in die Nähe des Gletschers kommt man nicht mehr. So weit die vorbereitenden Worte des Wirtes.

Wir starten kurz nach sieben mit Seil und Steigeisen in den Rucksäcken. Das macht sie recht schwer. Die Kamera habe ich mit, das Seil schleppt Gernot. Recht kurzweilig geht es bei Kaiserwetter über den Rudolstädter Weg zum Trippkees. Wir fotografieren, lachen, scherzen und haben definitiv eine gute Zeit. Das Trippkees schockiert mich dann ein wenig. Nicht, weil es so wild, sondern so wenig ist. Das Eis hat sich weitgehend zurückgezogen. Zwanzig Höhenmeter mit tadellosem Sommerfirn sind zu bewältigen. Das verlangt weder nach Steigeisen noch nach Seil. Dafür ist die Felswand länger. Aber das sollte alles gehen.

Im untersten Teil kann man sich entweder an Seilen über den glatten Fels hochziehen oder in Aufstiegsrichtung gesehen rechts herum über geschätzt 30 bis 35 Grad steilen Firn wandern. Das Seil ist mehr Show, die Wanderung entspannter. Wir mischen beides – siehe Fotos. Vom Einstieg des Klettersteigs trennen uns irgendwann noch vier, fünf Meter steile Felswand. Alte Seile hängen herunter. An diesen muss man sich nun „hinaufhangeln“. Das erfordert Kraft. Alternativ gibt es wieder eine „Umgehung“ in der Wand, aber die ist gar schmal.

So schicke ich Renate am Seil nach oben. Weil ich nicht will, dass sie mir entgegenkommt, gebe ich ihr eine Behelfsseilklemme mit. Ich sehe Knoten bei Beginn des Drahtseils am Klettersteig. Das muss aber gehen. Renate kraxelt die fünf Meter und hängt .. am Knoten. Gernot steigt die Umfahrung auf, ihm gleitet die Klemme nicht fein genug, um auch das Seil zu nehmen. Ich steige hinter Renate her. Bei ihr angelangt, drücke ich ihr die beiden Karabiner ihres Klettersteigsets in die Hand, die sie auch brav in das Drahtseil einhängt. Gut, die ist mal gesichert. Ich vermute, dass sie im Klettersteigset sitzt und es entspannt hat. Leider zieht sie die Behelfsklemme gegen den Knoten, und mir will das Aushängen des Karabiners nicht gelingen, ohne dass die Klemme in die Tiefe stürzt.

So fummle ich da rum. Selbst hänge ich an einem Arm. Die Handschuhe sind im Weg. Der Arm meint, dass er dafür nicht trainiert ist. Ich ziehe mir die Handschuhe aus, die jetzt lose herumbaumeln, aber noch will ich die Klemme nicht aufgeben. Renate jammert, dass sie sich nicht mehr lange halten kann. Was soll denn der Quatsch? Sie sitzt doch gut, bei mir wird es zäh! Gernot sieht aus zwei Meter Entfernung zu und bewahrt professionell die Ruhe. Auch er will ungesichert dort nicht weiter. Irgendwann habe ich dann die Klemme frei und nicht verloren.

Was ist denn da los? Da hat jemand mit blonden Locken vergessen, dass sie eh gesichert ist. Entsprechend hat sich Renate mit einem Arm am Stahlseil festgeklammert. Ihr linker Fuß wollte keinen Halt finden. So war ihre Situation zwanglos unkomfortabel. Mein linker Unterarm zeigt sich wenig zufrieden. Und da ist noch Gernot. Der hat mit aller Geduld und professioneller Unaufgeregtheit ausgeharrt und fragt nun mit britischer Gelassenheit, ob ich ihm das zweite, herunterhängende Seil reichen kann. Das würde seinen weiteren Aufstieg ermöglichen, einen Sturz vermeiden und unsere Tour dem Erfolg näherbringen. Aber sicher, my dear! So balanciert Gernot auf dem sieben Zentimeter breiten Felsband an der überaus steilen Felswand entlang. Wenn ihn diese abdrängt, dann fällt er nicht weit. Er würde mit Schwung pendeln und mich in die Sicherung wuchten. Nur darauf habe ich gar keine Lust. Alles halb so wild, denn es geht wie fast immer gut!

So stehen wir zu dritt im Klettersteig und der ist wirklich steil. Technisch ist er nicht schwer. Nur die Steilheit führt dazu, dass wir uns wie die Bergziegen an einer Staumauer an die Wand drängen. Wir sind nicht ganz so geschickt wie die Ziegen, aber dafür gesichert.

Die Steinernen Mandln sind bald erreicht. Nun geht es den Grat entlang Richtung Gipfel. Der erste Teil ist noch mit Stahlseilen gesichert. Alles keine Schwierigkeit oder Ausgesetztheit. Landschaftlich ist es traumhaft schön. Nebel steigt ein bisserl dramatisch auf. Neuschnee liegt noch da, sieht auch schön aus. Der Grat ist wenig überraschend länger als gedacht. Nach der Aufregung in der Wand machen sich da Motivationslücken breit. Da hilft nur eines – Weitergehen. Und da ist er schon der Gipfelaufschwung. Nochmals wird gekraxelt, teils mit Stahlseilen gesichert und schon stehen wir am Gipfel. Aber just jetzt hat es zugezogen. Schade! Aber ist das schon die angekündigte Veränderung für den Nachmittag? So bleiben wir nur kurz. Nach einigen Fotos und ein paar Schnitten machen wir uns auf den Weg.

Runter geht’s den Detmolder Grat. Das ist ein Klettersteig und der ist deutlich länger als jener vom Trippkees rauf. Die Sonne hat den neuen Schnee und das Eis weitgehend entfernt. Fein ist das! Ach, die Sonne ist wieder da. Aber zurück auf den Gipfel will nun auch keiner mehr. So steigen wir den Klettersteig ab. Wir steigen und steigen, verlieren aber keine Höhe.

Technisch ist der Steig manchmal spannend. So denke ich mir ein paar Mal, wie man da im Aufstieg raufkommen soll. Gelegentlich muss man sich ganz schön strecken. Aber was soll’s? Wir machen weiter und erreichen irgendwann den letzten Teil. Schon wie vor sechs Jahren geht es direkt am Seil über die abgeschliffenen Felsen runter bzw. damals rauf. Aber die elastischen, alten Bergseile sind durch gut verankerte Stahlseile ersetzt. Das macht die Sache wesentlich leichter. Geschafft, schon etwas müde und noch immer deutlich über 3.000m haben wir den Klettersteig geschafft. Na servas!

Jetzt kommt der mühsame Teil der Tour. Über endlos Blockwerk geht es zur Winkelscharte (2.860m). Hier treffen wir zwei junge Bergsteiger, die noch auf die Hochalmspitze und dann weiter zu irgendeiner Hütte wollen. Viel Spaß! Ich lasse das mal aus. Mir reicht der Abstieg zur Gießener Hütte. Und der ist zäh. Blockwerk, das nicht enden will. Dafür ist das Trinkwasser längst aus. Mühsal macht sich breit. Aber dann kommt das erste Bächlein, wir füllen die Wasserdepots auf und schon ist uns wieder ein bisserl Leben eingehaucht. Ein bisserl und sicher nicht mehr!

Die Zwischenräume im Blockwerk werden mit jedem Meter Höhe, die wir verlieren, mehr durch Gras und Erde aufgefüllt. Irgendwann geht es fast entspannt auf Wanderwegen zur Gießener Hütte. Kulinarisch hat sich eine neue Hirschvariante auf die Speisekarte verirrt. Wir konsumieren fleißig, ehe wir die verbleibenden sechshundert Höhenmeter zum Auto absteigen.

Eine lange, anstrengende, abwechslungsreiche und letztlich fantastische Tour geht zu Ende. Ob die Hochtourensaison damit auch zu Ende ist? Für heute und die kommenden Tage auf jeden Fall. Aber schauen wir einmal, wie es in ein, zwei Wochen aussieht.

Garmin
Zustieg Gießener Hütte vom Gößkarspeicher
Rudolstädter Weg – Hochalmspitze – Detmolder Grat – Gießener Hütte – Gößkarspeicher