Schneeloch – Hochtor – Josefinensteig

Mit Renate fahre ich nach Johnsbach zum Kölblwirt. Wir wollen hier übernachten und dann am nächsten Tag in der Früh über das Schneeloch aufs Hochtor und von dort über den Josefinensteig zur Hesshütte und wieder zurück nach Johnsbach.

Das Abendessen ist schon mal ein Genuss und auch das Zimmer ist fein. Der Gastwirt, mutmaßlich der Senior, der von der nächsten Generation gerade abgelöst wird, ist sympathisch und zuvorkommend. Er erkundigt sich zu den Bedingungen wie von Renate erbeten. Die neue, junge Hüttenwirtin der Hesshütte meint, dass geübte Bergsteiger mit dem Schnee, der noch liegt, fertig werden sollten. Na fein, ich bin in den leichten Trail-Bergschuhen und ohne Grödel unterwegs. Nicht einmal eine lange Berghose habe ich mit, abgesehen von der Regenhose. Der Wetterbericht sagt einen bedeckten, aber trockenen Vormittag und einen sonnigen Nachmittag ohne Gewitter voraus. Meteoblue, mein Lieblingswetterdienst, schätzt die Vorhersagekraft mit sehr hoch ein.

Nach ebenfalls feinem Frühstück steigen wir los. Über 1.600 Hm im Auf- und dann im Abstieg erwarten uns. Das wird also schon eine ordentliche Tour. So wandern wir bei feuchtwarmer Luft und dichten Wolken erst im Wald und dann allmählich durch Latschen immer höher. Dichte Nebelwolken umhüllen Hochtor, Ödstein und wie die so grimmig dastehenden Riesen noch heißen mögen. Die feuchtwarme Luft ist mittlerweile nicht mehr warm. Die ersten Schneefelder sind zu umgehen. Das geht noch alles leicht. Im Schneeloch dann das erste Schneefeld, das man tatsächlich überqueren muss. Es ist flach und kein bisschen gefährlich. Wenn ich hinaufschaue – und 400 bis 500 Höhenmeter sind es noch -, wird es mir jedoch mulmig. Einerseits könnte ich das erste Mal zu wenig zum Anziehen mithaben. Renate kann ich auch nicht beliebig antreiben, sodass mir wärmer wird. Anderseits könnte uns die Querung eines steileren Schneefelds eine unüberwindbare Barriere sein. Renate spürt meinen Zweifel und hat gleich „wild feuernde“ Nerven im rechten Arm.

Jeder bekommt einen der Wanderstöcke. Das wird schon gehen. Sonst müssen wir halt umdrehen. Der Weg führt zum Glück am Schnee vorbei. Die Stöcke sind bald hinderlich, weil wir nun unsere Hände zum Anhalten brauchen. Keine Sorge, wir haben uns vorbereitet, Renate hat sogar Videos auf YouTube zu den Steigen angeschaut. Trotzdem sind wir überrascht, dass es eine leichte Kraxelei wird. Mit jedem Höhenmeter steigt auch der Nebel höher. Der Wetterbericht passt. Das ist ja mal beruhigend. Die Schneefelder haben auch schon Platz gemacht. Auch das ist fein so. Schon sehen wir das Gipfelkreuz. Nach meiner Einschätzung hält uns da kein Schneefeld mehr auf. An den Beinchen friert es, aber das kann ich aushalten. Renate ist berauscht. Immerhin steht sie in kurzen Hosen da und friert kein bisserl. Am Gipfel hält es uns nicht lange, das ist den Temperaturen und der fehlenden Aussicht geschuldet. Man sieht die nächsten Gipfel, aber wenig Panorama oder Fernblick.

Nun kommt der Abstieg, das ist so gar nicht Renates Lieblingsdisziplin. Wir rechnen mit einem weniger steilen Abstieg als Aufstieg, Schon nach hundert oder zweihundert Metern stellt sich uns ein Schneefeld in den Weg. Man kann es umgehen, aber so richtig angenehm ist das nicht. Moment, das war so nicht ausgemacht. Was mag da noch kommen?

In der Ferne sehen wir einen Wanderer entgegenkommen, der erste Mensch auf der Tour heute. Er erkundigt sich nach den Bedingungen im Schneeloch. Okay, der ist noch übler ausgerüstet als ich. Seine Sneaker haben schon einige große Löcher, aus denen die Socken schauen. Dafür hat er einen Helm. Aha, wofür? Er ist alleine unterwegs. Sein Lachen ist voller Zuversicht. Nein, er wird kaum Schneekontakt haben. Einzig, eine Stelle wartet noch im Aufstieg auf ihn. Er sagt uns für den Josefinensteig absolut apere Bedingungen zu. Schauen ma a mal.

Der Josefinensteig ist landschaftlich recht spektakulär und bei weitem nicht so zahnlos, wie wir dachten. Wie schon erwähnt, geht es mit Renate kaum schneller bergab als bergauf. Da habe ich es schon viel leichter. Irgendwann habe ich alles am Körper, was ich im Rucksack finde. Ich könnte mir noch den Biwaksack überstülpen, aber das erscheint mir dann doch als übertrieben. Steil geht es da entlang eines doch eher dünnen Stahlseils die Ostseite hinunter. Der Wind hat aufgefrischt und vertreibt die Wolken. Aber je weiter wir absteigen, umso erträglicher wird das Wetter. Und irgendwann erreichen wir die Hesshütte, wo ich das letzte Mal 1978 war.

In diesem Jahr hat eine junge Slowakin die Hütte übernommen. 100 Schlafplätze bietet die Hütte mittlerweile. Zu Pfingsten waren die Hütte gar voll. Da hatte die junge Frau wohl ihre Feuertaufe. Sie wird das schaffen, wir wünschen ihr das Allerbeste. Das Essen ist jedenfalls schon mal eine Freude. Wird schon gutgehen. Zeit, die Wege selbst zu begehen, hat sie nicht. So geben wir Auskunft, wie die Überschreitung war. Ihre letzte Auskunft ist schon wieder eine knappe Woche alt. Tja, der Kölblwirt hat bei der Hesshütte angerufen und hier hatte man keine aktuellere Information, Dessen muss man sich bewusst sein, wenn man den Wirt fragt.

Gestärkt treten wir den Abstieg nach Johnsbach an. Drei Murmel begrüßen uns. Die sind so fett. Das mag man gar nicht recht glauben. Der Winter ist doch erst vorbei. Renate ist wieder voller Zuversicht. Der Weg liegt ihr eher als das steile, rutschige Fels-Geröll-Zeugs im Josefinensteig. So werden Pläne geschmiedet. Keine Spur von Müdigkeit. Knapp vor Johnsbach kommt uns eine junge Frau entgegen. Sie ist im Aufstieg zu Rebecca, ihrer Freundin und Wirtin der Hesshütte. Aus dem Rucksack schaut ein übergroßer Spätzlehobel. Was soll da noch schiefgehen? Die nächste Generation hat übernommen, gut so!

So endet die Tour nochmals bei einer Kleinigkeit beim Kölblwirt. Respekt meiner Renate, die diese lange Tour mit ihren verschiedenen Herausforderungen ausgehalten hat. Renate meint, all das hat der Kurzweiligkeit gedient. Mir soll es recht sein, fein war’s, Heim geht’s!

Die Tour auf Garmin

Novembergrat und Fadensteig

Wir starten beim Sessellift in Losenheim in der Zuversicht, dass wir weder Grödel brauchen noch Schneekontakt haben werden. Selbst gehe ich gar in kurzen Hosen. Der Zustieg von Losenheim zum Novembergrat ist zwar lange, aber unseres Erachtens angenehmer als von Schneebergdörfl aus. Die Sonne lacht, heiß ist es nicht, Mio geht vor. Einer kennt sich aus.

Dort, wo der Novembergrat beginnt, endet für uns der Grafensteig. Wir rasten plaudern, haben eine gute Zeit – wie man so schön sagt. Mir geht es heute konditionell gut. Garmin ist zufrieden mit mir. Am Abend wird Garmin resümieren, dass ich heute eine Erholungstour hatte. Ich vermute, dass es keiner der beiden Garmin-Gründer, Gary Burrell und Min H. Kao, mit den Bergen hatten. Meine Oberschenkel werden am nächsten Tag jedenfalls anderer Meinung sein und Erholung einfordern.

Der Novembergrat sieht teils wild aus, bleibt aber stets zahm. Lediglich einmal braucht Mio Unterstützung seiner Zweibeiner. Wahrscheinlich würde er es auch ohne Hilfe schaffen, aber so eine Aktion würde wiederum unser Nervenkostüm strapazieren.

Wir kehren im Dammböckhaus ein. Es wurde in den letzten Jahren renoviert. Die Zahnradbahn sorgt verlässlich für Gäste. Entsprechend ist hier das Service. Wir verdrücken riesige Schnitzel. Die Nachspeise lassen wir aus, da wir auch noch bei der Fischerhütte einkehren wollen. Ohne Visite da oben fürchten wir des Hüttenwirts, Michl, Rache. Das will ja keiner.

Wir gehen vom Dammböckhaus zum Klosterwappen. Das Schnitzel liegt im Magen, besonders Gernot leidet. Mio, der sein Futter erst ganz oben bekommen soll – großes Hundeehrenwort – ist da agiler unterwegs. Er fetzt über die Almen, verschwindet, testet die letzten Schneefelder und sucht Kontakt zu den Murmeln, zu denen er aber letztlich doch respektvoll Abstand hält.

Am Gipfel sorgt der Wind für Unbehagen. Das beschleunigt den Schritt zur Fischerhütte. Wir haben den richtigen Anstieg gewählt. Der Hüttenwirt beklagt, dass noch ein bisserl zu viel Schnee liegt, um die Straße frei zu bekommen. So müssen die Wanderer mutig ein geschätzt 50 Meter langes Schneefeld im Ab- und Aufstieg meistern. Für uns, die wir vom Klosterwappen kommen, ist das kein Thema.

Wegen der Cremeschnitte sind wir da. Offensichtlich hatte sie in der Gefriertruhe einen langen Winterschlaf. Okay, die Zufahrt ist zu und für eine Palette Cremeschnitten den Hubschrauber kommen lassen, ist auch nicht umweltfreundlich. So kauen wir in Gedanken an den vergangenen Winter an der Cremeschnitte, die sonst so wunderbar ist. Zu meinem Entsetzen habe ich Mios Futter vergessen. Mein großes Hundeehrenwort ist damit nichts, absolut nichts, wert. Mann, Mio! Sorry!

Runter geht es über den Fadensteig. Hier muss Mio mindestens einmal und ein weiteres Mal aus Gründen seines Komforts über Felsstufen gehoben werden. Wer im Fadensteig Schnee sehen will, muss gegen Ende des Jahres wieder kommen. Alles aper.

Der Sessellift in Losenheim dient nun den Mountainbikern als Aufstiegshilfe, seit auf den Winter kein rechter Verlass mehr ist. Uns soll es recht sein, wir fahren damit ab. Renate stellt mit der Frage: „Warum soll ich gehen, wenn eh ein Lift fährt?“ die ganze Bergsteigerei in Frage. Aber, um das zu diskutieren, haben wir doch zu viel gemacht. Frohen Mutes und mit Mio am Schoß fahren wir Lift und schauen den MTB-Fahrern zu. Fein, was hier aus der verlassenen Anlage gemacht wurde.

Fixpunkt ist dann noch die Fleischerei in Puchberg. Ich kaufe einen Würstelvorrat zusammen, als müssten wir mit den Reserven durch den Winter. Nein, „selbstgemacht“ und „günstig“ sind die Argumente für meine Hamsterattacke.

Alles tadellos!

Die Tour auf Garmin

Haidsteig – Königschusswand

Ein bisserl spät, ein bisserl konfus. So starte ich in Griesleiten aber ohne Helm und in den falschen Schuhe. Ja, so etwas kommt vor. Am Internet ist man derart der „Vollkoffer in Laufschuhen und ohne Helm“. Aber jede Krise bietet auch eine Chance! Mah, sind die Schuhe leicht. Los geht’s!

Der Zustieg ist beeilt und trotzdem um fünf bis zehn Minuten langsamer als noch vor fünf Jahren. Wie geht denn das? Ich muss das nachschauen. Dabei fühle ich mich so fit!? Bei der Madonna bleibe ich lange sitzen. Die Sonne lacht, Jause habe ich dabei und auch Ullis Songs. Von der Jause nimmt sie wieder nichts.

Nach 90 Minuten und 40 Sekunden bin ich beim Haidsteig-Schild. Na geh, die 40 Sekunden! Aber auch hier wieder die Frage: „Wo ist im letzten Jahrzehnt die Viertelstunde verlorengegangen?“. Zum Glück gehen meine Aufzeichnungen nur rund zehn Jahre zurück.

Wurscht, schön war es. Mit den falschen Schuhen war ich sicher, dass ich den Königschusswandsteig nicht gehen werde. Die Entscheidung habe ich rausgeschoben, bis ich mit dem Haidsteig fertig bin: „Schauen ma, wie es mir dann geht!“. Schon bei dem Gedanken wusste ich, dass die Wahrscheinlichkeit gering ist. Aber siehe, da was sollte besser sein?

Am Preinerwandkreuz und am Plateau verquatsche ich mich zweimal wieder endlos. Die Geschichten sind teils wild, teils unterhaltsam. Wild ist dann auch der Schneehase, der mitten am Weg sitzt und nicht im Entferntesten daran denkt, Platz zu machen. Er wechselt gerade auf Sommerfell. Vielleicht juckt das oder ist sonst anstrengend. Jedenfalls wirkt er entnervt. Als ich dann näher komme, erwägt der Hase einen Angriff. Geistesgegenwärtig zücke ich das Handy und filme. Ja, so macht man das heutzutage! Der Schneehase wählt dann doch die friedvollere Option und verschwindet in den Latschen, wo er dann prompt über seine Latschen, die größer sind als die eines normalen Hasen, stolpert.

So, jetzt noch den Königschusswandsteig, der heute auch noch erfreulich gut geht. Sogar beim Felsenfenster komme ich zwar nicht unbedingt elegant aber unter Wahrung einer Restwürde durch. Am Plateau lege ich mich in die Sonne. Das kommt überaus selten vor.

Tadelloser Tag!

Die Tour auf Garmin

Hohe Wand – Triologie

Am Plan stehen ÖTK-Steig, Blutspur und Matthias-Prinner-Steig. Die Bedingungen sind recht gut. Das Auto parke ich am Sonnenuhr-Parkplatz. Drei Stunden sollten leicht reichen. Der Zustieg zum ersten Steig ist kurz. Am Wandfußsteig verplaudere ich mich ein bisserl, aber sonst alles normal. Der Fels kommt mir sehr rutschig vor. Hmm, die Schuhe sind dieselben, und so schnell wird Fels auch nicht speckig? Also, es muss an mir liegen. Ich setze die Sohlen besser auf den Fels. Nach ein paar Metern geht es auch schon besser.

Die Schlüsselstelle weit unten nehme ich ohne Anstrengung gut. Dann ein bisserl Tempo rausnahmen, um nicht zu sehr außer Atem zu kommen. Diesem Motto treu bleibend komme ich oben nach 35 Minuten an. Geht doch.

Die Blutspur ist noch kürzer. Wieder ohne Eile sind es gerade Mal weniger als vier Minuten. Wer den ÖTK-Steig schafft, schafft auch die Blutspur. Wer hier festgelegt hat, dass die Schwierigkeit um eine halbe Stufe höher ist? Man darf sich nicht von der Kürze täuschen lassen, da es um die technische Schwierigkeit geht – meinetwegen.

Nächster Abschnitt: Über die Völlerin im Abstieg zum Matthias-Prinner-Steig. Diesen habe ich auch schon hier beschrieben. Die technische Schwierigkeit ist mit B angegeben. Da scheinen sich dann einige doch mehr gefürchtet zu haben. So ist das B auf der Tafel beim Einstieg mit einem C/D überschrieben. Das mag daran liegen, dass der untere Teil an einen alpinen Ninja-Parcours erinnert. Das ist alpintechnisch weniger eine Herausforderung als eine Überwindung. Die metallene Strickleiter wackelt, der darauffolgende Teil ist ausgesetzt und steil, aber mit Metalltritten technisch gänzlich entschärft, und die Seilbrücke ist spektakulär und vermutlich nicht jedermanns Sache. Egal, nach weniger als 15 Minuten bin ich beim Ausstieg.

Runter steige ich über den Frauenluckensteig. Der ist schon uralt und ich bin ihn auch schon oft gegangen. Der Einstieg von oben ist technisch nicht schwer (auch B), hat es aber meiner Meinung nach in sich. Ich überlege mir, ob ich da mit einem Kind runterklettern würde – nein! Die Leiter weist eine Höhe von geschätzt zehn bis 15 Metern auf. Ein Sicherungsseil sucht man vergeblich. Ob man da zu einem Kind sagen darf: „Da kletterst jetzt runter, aber schön festhalten!“? Na, ich weiß nicht.

So sind es eigentlich vier Steige, ehe ich wieder heimzische.

Die Tour auf Garmin

Fuchsloch – Martinsteig

Wieder einmal Rax – zweifelhaft prickelnd, aber notwendig für die Vorbereitung bzw. um in Schwung zu bleiben! Am Vorabend fragt Gernot in die Gruppe, ob wir ihm Grödel mitbringen können, und Renate lässt mich wissen, dass Gernot Grödel will. Was ist denn das wieder für ein Blödsinn? Ich überlege die Kurze, verwerfe den Gedanken aber, weil Temperaturgrade um die Null und Wind am Plateau zu erwarten sind. Gernot hat außerdem nur die Trailrunningschuhe in Wien. Und ich hab den El Sombrero in Laufschuhen ohne jedes Profil bestiegen. Aber meinetwegen, soll sein.

So stehen wir am Preinergscheid und los kann es gehen. Beim Einstieg des Fuchslochsteigs erwartet uns dann ein erstaunlich langes Schneefeld. Hart ist es auch. Na, zum Glück haben wir die Grödel mit. Mit den Grödeln ist all das kein Problem. Mio schafft sogar ohne Hilfe das kurze, steile Wandl, das in manchem Bergführer, als zwei Meter hohe, senkrechte Schlüsselstelle beschrieben wird. Okay, Mio haben ein bisserl die Haxen gezittert, aber – schwupps – und oben war er. Nochmals ein Schneefeld, wo die Grödel nicht ganz falsch sind und auf der anderen Seite runter zum Karl-Ludwig-Haus.

Schlangenweg oder Karl-Kantner-Steig? Wir probieren den Karl-Kantner-Steig und finden ihn nicht. Das Waxriegelhaus bleibt links liegen. Und dabei wäre heute gar nicht Suppen-Dienstag. Mann oh! Der Grund fürs Falschgehen mag wohl darin begründet sein, dass wieder einiges an Schnee liegt. Zum Glück sind Latschen da, an denen man sich elegant oder auch weniger elegant ablassen kann. Mio rutscht gelegentlich am Bauch und bremst mit den Gogerln. Effizient, aber auch nicht elegant. Ich mache es jedenfalls nicht nach. Da hänge ich lieber wie ein Affe an den Latschen. Der Verdacht härtet sich, dass wir den Martinsteig gehen. Auch recht! Hunger ist eh keiner recht vorhanden.

Wir erreichen also ohne Einkehr wieder das Auto, und sind derart zu einer völlig überraschend kurzweiligen Bergtour gekommen. Tadellos!

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Altenbergersteig – Heukuppe

Renate, Mio und ich starten an diesem Dienstag vom Preiner Gscheid aus. Renate hat die Tour ausgesucht. Wir starten wieder einmal in den einsamen Teil der Rax. Alles geht gut dahin. Der Schnee wird weniger, die Schneerosen werden mehr. Bei der Karneralm wird gerastet. Mio weiß, wo gejausnet wird. Da gibt es heute keine Programmänderung.

Am Plateau liegt dann durchgängig eine Schneedecke. Kalt ist es, wir packen uns fest ein. Mio jagt auch nicht mehr jeder Gämse nach. Er könnte, wenn er wollte. Aber warum auch?

Runter geht es den Schlangenweg. Man kommt schon gut ohne Grödel runter. Die einzige Auffälligkeit sind ein paar Bergschuhe, die jemand hier am Rand schon weit unten abgestellt hat. Sachen gibt’s, ich melde es dem Hüttenwirt beim Waxriegelhaus.

Im Siebenbrunnenkessel ist Mio plötzlich weg. Auf meinen Pfiff vergehen schon ein, zwei Minuten. Mio hat den richtigen Weg eingeschlagen und ist zum Waxriegelhaus vorgelaufen. Ja, er kennt das Programm. Jetzt musste er nochmals zurück. Völlig außer Atem steht er da, holt sich das Leckerli ab und ist wieder weg. Bei der Hütte wartet er. Er weiß ja, was sich gehört.

Einziges Low-Light des Tages ist, dass am Waxriegelhaus dienstags nur Suppen serviert werden. Na ja, das halten wir auch aus! Fein war’s!

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Schneeberg

Mio und ich starten am Parkplatz des Sesselliftes in Losenheim. Tourengeher kommen uns vergnügt und zufrieden entgegen. Ich staune, was haben denn die heute gemacht? Es ist kalt, der Boden hart, aber wenig Schnee. Keine Wolke trübt das Blau des Himmels, ein feiner Tag wartet, aber die sind schon fertig – hmm?

Die Bürklehütte ist bald erreicht, die beiden jungen Damen, die wir dort treffen, wollen Mio nichts von ihrer Jause abgeben. So hart kann das Leben sein. Wir machen weiter, trotzdem. Nach eineinhalb Stunden bin ich mitten im Nandlgrat. Nach 90 Minuten enden meine Touren am Hometrainer, aber hier ist noch lange kein Ende in Sicht. Die Grödel versehen gute Dienste, ohne sie wäre es kaum machbar. Mio ist immer voraus. Als ich dann auf allen Vieren weitermache, wundert er sich. Was ist denn heute mit seinem Zweibeiner los? Ja, der ist fertig. Beim Spar habe ich mir so eine Trinkmahlzeit mitgenommen. Über 2.000 Kalorien schütte ich mir fast in einem Zug rein, das hilft – ein bisserl.

Und irgendwann sind wir dann doch am Plateau. Jetzt muss ich nur noch durchhalten. Das kann ich, der Geist ist stark. Im Winterraum der Fischerhütte erhole ich mich gut, wir können weiter zum Klosterwappen. Runter geht es den Wurzengraben. Die Tourengeher, die sich da herauf und danach auch wieder hinunterquälen verdienen Anerkennung. Ich komme auch so gut voran. Die Bedingungen sind ideal, ich sinke gerade mal die obersten paar Zentimeter ein. Die Spuren zeigen, dass vor ein paar Tagen andere Fußgänger unterwegs waren, die wohl bis zum Oberschenkel eingebrochen sind. That’s bad, so bad!

Die Schneedecke geht allmählich in eine Eisdecke über. Ab der Edelweißhütte sind die Eisflächen dann schon sehr oft unterbrochen. Ein Tourenfahrer, der wohl nie aufgibt, rutscht diese seitlich ab. Ein Lärm ist das, als würde jemand mit schwerem Gerät den Berg umackern. Am letzten Zipfel holen Mio und ich ihn ein. Glückseligkeit findet sich in seinem Gesicht. Was hat der? Aber er berichtet von den besten Firnbedingungen seit Ewigkeiten hier am Schneeberg. Oben kann ich mir das sogar vorstellen. Man muss halt bereit sein, so einiges an aperen Höhenmetern auf sich zu nehmen.

Ich habe mich ausreichend ermüdet und lasse mich zufrieden ins Auto fallen. Mit ein bisserl Aufwand werde ich meine Radkondition in eine Bergkondition wandeln – soweit der Plan. Alles gut!

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Predigtstuhl

Neue Bergschuhe wollen ausprobiert werden, und überhaupt war ich schon lange nicht am Berg. Der angesagte Wind schreckt Renate ab und so mache ich mich mit Mio auf den Weg.

In Reichenau stoppt ein junger Mann Auto. Er hat eine Stofftrainingshose und Sneakers an. Von den Bergen hat er wenig Ahnung, aber die Natur mag er. Sein Plan ist es, mit der Rax-Seilbahn aufs Plateau zu fahren. Ich empfehle ihm Schneeschuhe, die gratis bei der Bergstation verliehen werden. Bis zum Otto-Haus sollte er es schaffen. Von der Statur her ist ihm einiges zuzutrauen. Er ist mit dem Flugzeug gekommen und hatte nur wenig Handgepäck mit. Da ich ihm nicht abrate, will er mehr wissen, wie lange es geht, wenn er die Seilbahn sparen will. Da wird es mir zu viel. Ein bis zwei Stunden, aber mit diesen Schuhen heute wahrscheinlich gar nicht.

Mio und ich fahren aufs Preinergscheid. Es hat Schneeregen. Fein, was will man mehr? Aber das Wetterradar sieht eine trockene Zukunft. Am Waxriegelhaus trocknen wir die Jacke und warten kurz bei Kaffee und Kuchen aufs Ende des Niederschlags.

Der Waxriegelsteig hat ganz wenig Schnee. Eine Eisschicht von ein paar Zentimeter mir zwei bis drei Zentimeter Neuschnee ist nicht so übel. Keine Grödel, die neuen Schuhe halten auch so – edel!

Blickt man zur Preinerwand, sieht man schon reichlich blauen Himmel. Blickt man zur Heukuppe, drängt sich ein „Na, servas!“ auf. Die Fotos zeigen es. Wir steigen weiter auf. Auf der Leeseite des Grates ist es nicht wild. Beim Einstieg des Bismarcksteiges kommt der Wind. Nur noch geschätzt 80 Höhenmeter unter dem Gipfel setzt ein Inferno light ein. Ich halte mich vom Grat fern. Wenn eine Böe kommt, die noch ein bisserl mehr Kraft hat, haut es mich da runter. Mio muss auf sich selbst achten. Anfangs findet er es noch lustig, aber die bodennahen Eiskristalle, die der Sturm entgegenschleudert, werden ihm zu viel. Er flüchtet in den Langermanngraben. Ich folge und dort wird es auch erträglicher. Wir schaffen den Gipfel, und ich schieße ein paar Fotos.

Der Abstieg Richtung Karl-Ludwig-Haus ist wieder beeindruckender. Der Wind reißt an der Jacke. Der Lärm erinnert an ein losgerissenes Segel im Sturm. Mio ist auf Mission, er hat seine Freude an den Naturgewalten. Ein Bergsteiger kommt mir entgegen. Per Handzeichen und schreiend tauschen wir uns aus. Er will den Waxriegelsteig runter. Daumen hoch, viel Glück, wird gehen!

Der Winterraum im Karl-Ludwig-Haus ist fast Luxus, mehrere Betten stehen da und ein WC gibt es auch. Tadellos! Trotzdem bleiben wir nicht lang. Heute hacke ich nicht einmal das Ingress-Portal. Wir folgen der Eisenkette Richtung Schlangenweg. Wie erwartet, verliert der Wind hier rasch an Kraft. Mir geht’s gut. Ich laufe in den neuen Schuhen bergab. Das wird ein Muskelkater werden. Heute, zwei Tage später, kann ich noch immer nicht die Stiegen geschmeidig runtergehen. Mio ist ganz gaga, er schnappt nach Schuhbändern, den Handschuhen und bellt seine Begeisterung in die kalte Luft hinaus. Immer wieder stürmt er vor, dreht um und schießt den Weg zurück herauf – ein Spiel, das wir gut kennen.

Das Waxriegelhaus lassen wir im Abstieg aus. Die alte Skipiste hat sich den Renaturierungsversuchen widersetzt. Der Schnee wird weniger, beim Preinergscheid sind nur noch ganz spärlich weiche Schneeflecken übrig. Eine Abfahrt vom Waxriegelhaus mit Skiern ist nicht möglich.

Wieder im Auto schaue ich bei der Fahrt noch einmal zurück zum Predigtstuhl. Weiß glitzert er vor blauem Himmel, als wäre nichts gewesen. Lediglich ein paar hohe Schneefahnen verraten, dass es sicher noch immer nicht allzu gemütlich da oben ist.

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Thörlweg – Gsohlhirnsteig

Gernot, Mio und ich sind unterwegs. In Wien ist es seit Weihnachten ungewöhnlich kalt. Also, die letzten paar Jahre war es deutlich wärmer. Egal, oben soll es wärmer sein. Schauen ma a mal.

Wir parken auf dem eisigen Parkplatz am Knappenhof. Die schweren Schuhe kommen dran, auch wenn es nach wenig Schnee aussieht. Aber in den Rinnen und im Windschatten wird schon so viel liegen, dass die halbhohen Schuhe keine Freude wären.

Mit den Grödeln im Rucksack haben wir Nöte, die Eispiste bis in den Wald zu meistern. Aber ab dem Wald wird alles gut und immer wärmer. Und irgendwann sitzt Gernot Mitte Jänner auf einem Baumstumpf und legt Schichten ab. Dazu sitzt er gar unbeeilt mit blanken Beinen in der Jännerluft. Die Klimaerwärmung ist back, und eine Schneerose auch schon da. Oha, die muss sich aber im Kalender verlesen haben.

So schwitzen wir den Thörlweg hinauf. Oben liegt dann tief Schnee. Schneerutsche unterschiedlicher Größe haben ihn weg- oder zusammengeschoben. Die Schuhwahl war korrekt. An eine Skitour ist nicht zu denken. Am Plateau dann wildester Bruchharsch. Da wäre man mit Skiern zumindest im Aufstieg besser dran, aber abfahren magst du da nicht.

Wir erreichen das Otto-Haus und besteigen den Jakobskogel. Weiter geht es zur Bergstation der Rax-Seilbahn. Nix los, weit und breit. Leider ist auch die Menüauswahl sehr eingeschränkt.

Runter sind wir dann die ersten seit den letzten Schneefällen, die den Gsohlhirnsteig gehen. Mio springt und versinkt. Bergab hält er das aus und hat Freude am Abstieg. Auch für uns ist der Abstieg im Schnee angenehm. Im Wald dann noch ein bisserl Eis, ehe es aper wird und die Schneerosen übernehmen. Irgendwann wird es ihnen bei uns zu warm werden. Viel früher als Mitte Jänner können Sie ja nicht blühen.

Auch der Knappenhof hat seinen Eispanzer abgeworfen. Alles gut! Tadellose Tour mit doch um die tausend Höhenmeter an der frischen Luft!

Haidsteig – Königschuss

In Wien liegt seit Tagen oder gar Wochen der Nebel. In den Bergen hingegen lacht oft die Sonne. Haidsteig und, wenn es gut geht, auch Königschusswandsteig. Gernot verwendet lieber Knieschusswandsteig. Ihn brauche ich also gar nicht fragen. Renate bevorzugt auch sicherere Bedingungen. Mio wäre für alles zu begeistern, aber.. Also, geht es alleine los.

Der Zustieg geht schnell, weil schneefrei und gar nicht kalt. Die Madonna ist auch bald erreicht, wo ich die beim Spar gekauften Spitzbuben auspacke. Ulli lehnt dankend ab und so mampfe ich das ganze Packerl alleine runter. 500g, immerhin ein halber Kilo! Prompt ist mir auch bald ein bisserl schlecht. Also, genau gesagt, ist noch ein anderer Steiggeher nachgekommen, der mir ein Keks abgenommen hat. Vier Jahre ist er jünger, wir tauschen uns aus. Und dann kommt noch einer daher. Ohne Klettersteigset schwebt er vorbei, biegt nach links ab und tänzelt den Malersteig hinauf. Ich schau‘ nicht schlecht!

Ein bisserl bleibe ich noch, genieße die Sonne und Ullis schweigsame Gesellschaft, ehe ich weiter steige und auch zeitnahe das Preinerwandkreuz erreiche. Ich fühle mich fit und einige mich mit mir selbst auf den Königschusswandsteig. Zwischen den Latschen liegt Schnee, aber sonst alles easy. Also, zum Einstieg.

Die Sonne lacht, das langärmlige Shirt reicht. Mir fehlt ein bisserl die Übung, und so nehme ich den Königschusswandsteig heute als deutlich schwieriger wahr als sonst. Auf die Frage, welcher Steig denn schwieriger sei, hatte ich nie so recht eine Antwort. Hier im Osten sind alle ähnlich, aber heute merke ich den Unterschied. Die Bedingungen sind zumindest richtig fein, womit auch der Königschuss ein Genuss ist.

Runter dann den Holzknechtsteig, an den ich mich auch irgendwann gewöhnt habe. Und ab zum Auto! Edler Tag, Sonne getankt, alles gut!

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