Schon fast unentschuldbar lange waren Renate und ich nicht am Haidsteig. Wir haben uns blitzblauen Himmel ausgesucht. Es ist angenehm warm. Beste Bedingungen!
„Haidsteig“ weiterlesenÜber den Gamsblick-Klettersteig auf den Traweng
Schon am Vorabend sind wir auf die Tauplitzalm gereist. Renate gefällt es hier. Wir erkunden die Umgebung des Hotels nach dem Abendessen, und auf der Karte sieht es so aus, als hätten wir schon die halbe Tour hinter uns. Die Tagen werden kürzer, kein Zweifel. Morgen wird alles gutgehen, zu Mittag sollten wir zurück sein,
„Über den Gamsblick-Klettersteig auf den Traweng“ weiterlesenHaidsteig – Königschusswand
Ein bisserl spät, ein bisserl konfus. So starte ich in Griesleiten aber ohne Helm und in den falschen Schuhe. Ja, so etwas kommt vor. Am Internet ist man derart der „Vollkoffer in Laufschuhen und ohne Helm“. Aber jede Krise bietet auch eine Chance! Mah, sind die Schuhe leicht. Los geht’s!
„Haidsteig – Königschusswand“ weiterlesenHohe Wand – Triologie
Am Plan stehen ÖTK-Steig, Blutspur und Matthias-Prinner-Steig. Die Bedingungen sind recht gut. Das Auto parke ich am Sonnenuhr-Parkplatz. Drei Stunden sollten leicht reichen. Der Zustieg zum ersten Steig ist kurz. Am Wandfußsteig verplaudere ich mich ein bisserl, aber sonst alles normal. Der Fels kommt mir sehr rutschig vor. Hmm, die Schuhe sind dieselben, und so schnell wird Fels auch nicht speckig? Also, es muss an mir liegen. Ich setze die Sohlen besser auf den Fels. Nach ein paar Metern geht es auch schon besser.
„Hohe Wand – Triologie“ weiterlesenHaidsteig – Königschuss
In Wien liegt seit Tagen oder gar Wochen der Nebel. In den Bergen hingegen lacht oft die Sonne. Haidsteig und, wenn es gut geht, auch Königschusswandsteig. Gernot verwendet lieber Knieschusswandsteig. Ihn brauche ich also gar nicht fragen. Renate bevorzugt auch sicherere Bedingungen. Mio wäre für alles zu begeistern, aber.. Also, geht es alleine los.
Der Zustieg geht schnell, weil schneefrei und gar nicht kalt. Die Madonna ist auch bald erreicht, wo ich die beim Spar gekauften Spitzbuben auspacke. Ulli lehnt dankend ab und so mampfe ich das ganze Packerl alleine runter. 500g, immerhin ein halber Kilo! Prompt ist mir auch bald ein bisserl schlecht. Also, genau gesagt, ist noch ein anderer Steiggeher nachgekommen, der mir ein Keks abgenommen hat. Vier Jahre ist er jünger, wir tauschen uns aus. Und dann kommt noch einer daher. Ohne Klettersteigset schwebt er vorbei, biegt nach links ab und tänzelt den Malersteig hinauf. Ich schau‘ nicht schlecht!
Ein bisserl bleibe ich noch, genieße die Sonne und Ullis schweigsame Gesellschaft, ehe ich weiter steige und auch zeitnahe das Preinerwandkreuz erreiche. Ich fühle mich fit und einige mich mit mir selbst auf den Königschusswandsteig. Zwischen den Latschen liegt Schnee, aber sonst alles easy. Also, zum Einstieg.
Die Sonne lacht, das langärmlige Shirt reicht. Mir fehlt ein bisserl die Übung, und so nehme ich den Königschusswandsteig heute als deutlich schwieriger wahr als sonst. Auf die Frage, welcher Steig denn schwieriger sei, hatte ich nie so recht eine Antwort. Hier im Osten sind alle ähnlich, aber heute merke ich den Unterschied. Die Bedingungen sind zumindest richtig fein, womit auch der Königschuss ein Genuss ist.
Runter dann den Holzknechtsteig, an den ich mich auch irgendwann gewöhnt habe. Und ab zum Auto! Edler Tag, Sonne getankt, alles gut!







Haidsteig
Tadellose Sonne, aber kalt und sehr einsam. So lässt sich mein diesmaliger Besuch beschreiben. Aus der Ferne möchte man überhaupt bezweifeln, dass ein Aufstieg möglich sein wird. Das Phänomen kennen wir: je näher man kommt, umso weniger Schnee liegt. Der Parkplatz ist verwaist, Iduna fühlt sich einsam, ich starte. Schon herunten liegt Schnee. Schauen ma a mal!
Erst ist noch eine Spur eines Menschen zu sehen, der mit einem Hund spaziert ist. Aber irgendwann gibt es nur noch Tierspuren. Ich bin entsprechend langsam, aber so langsam? Egal, das überlege ich mir wann anders.
Über eine Stunde brauche ich bis zum Einstieg. Im Steig lächeln mir dann früh Eiszapfen entgegen. Der Fels ist entweder aper, mit losem Eis, mit festem Eis oder Pulverschnee überzogen. So muss ich viele Schritte öfters setzen. Oh ja, ich spüre in den Sohlen, was mich erwartet. Am wenigsten Komfort macht sich breit, wenn Eis unter der Sohle ist. Denn dann muss ich mich ordentlich ins Seil hängen. Das ist eigentlich nur zur Sicherung da. Heute wird es aber auch mal von mir an diesen Stellen zum Raufziehen und Reibungsaufbau missbraucht. Der Steigerhalter mag es mir nachsehen.
Bei der Madonna pausiere ich lange. Es ist einer der seltenen Tage, an dem kein Wind geht. Ich trinke meinen Tee und denke mir, dass Ulli die Ewigkeit sicherlich schon auf die Nerven geht. Nun ja, hier kommt wenigstens Unterhaltung vorbei. Vielleicht bin ich heute der einzige Besuch. Und das Portal! Das muss natürlich eingenommen werden. Alles unverständlich – gut so!
Weiter geht es langsam Richtung Plateau und zum Preinerwandkreuz. Den Königschusswandsteig habe ich schon früh von der heutigen Liste gestrichen. Es liegt daran, dass die Bedingungen heute etwas ermüdend waren. So bleibt mir nur noch ein Abstecher zur Neuen Seehütte, wo ebenfalls ein Portal umgefärbt werden will.
Der Holzknechtsteig ist wie erhofft heute erträglich, ja gar fast angenehm. Am Weg liegt Schnee, und dieser dämpft und bremst den Schritt. Schnee kommt in den Schuh, aber das ist angenehmer als die Steinchen, die es sonst sind. Worüber man sich so freuen kann!
Beim Abstieg passiere ich den Einstieg zum Haidsteig. Hier sehe ich, dass noch zwei andere Klettersteiggeher gefolgt sind. Wie gesagt, am Haidsteig ist eigentlich immer etwas los. Und das ist gut so!
So steige ich nach diesem ruhigen, einsamen Tag ins Auto und rolle heim. Passt so!









Haidsteig -Königschuss – Haid
Ein Auto in der Griesleiten – da ist ja wie damals! Die Sommerferien sind vorbei, da wird es einsam an einem Mittwoch werden. Ich bin alleine unterwegs und will zügig den Haidsteig und den Königschusswandsteig gehen. #beatYesterday lautet Garmins Motto. Ich will auch besser sein als gestern. Schauen ma a mal! So ziehe ich los ohne übertriebene Eile, aber auch ohne Trödeln und verliere bis zum Einstieg gegenüber meinen schnellsten Tagen als Ü50 ganze zehn Minuten. Oida, wie geht denn das? Das muss ich daheim studieren. Nix mit #beatYesterday, eher #beatenByYesterday.
Der Haidsteig ist fein wie immer. So ganz alleine für mich mag ich ihn besonders. Bei Ulli schaue ich vorbei. Da ist ein neuer Aufkleber an der Hüttenbuchbox angebracht – siehe Fotos. Seltsam, ob sie das war? Ich bleibe ein bisserl bei ihr.
Der weitere Aufstieg ist natürlich auch kein Problem, nach knapp über eineinhalb Stunden bin ich am Ausstieg. Da fehlt dann eine Viertelstunde auf die alten Zeiten bzw. die Zeiten eines Ü50-Alten. Damit kann ich leben. Vielleicht will ich es ja einmal wissen und es in weniger als 90 Minuten schaffen. Die eineinviertel Stunden scheinen nicht mehr erreichbar. Wichtig war es nie und ist es nicht. Die Sportuhr muss herhalten! Sie ist schuld, weil sie mir das immer vorzeigt bzw. mich nachschauen lässt. Wie schnell ich mit 30 war? Keine Ahnung, da gab es solche Uhren noch nicht.
Beim Preinerwandkreuz treffe ich dann erste Wanderer. Aber kaum verlasse ich das Plateau und steige zum Königschusswandsteig ab, bin ich wieder alleine. Die Querung treffe ich diesmal gut. Beim Einstieg ein Packerl Schnitten und los geht es. Gut geht es. Das Felsenfenster ist gar nicht so feucht wie befürchtet und diesmal tritt ein, was selten vorkommt. Ich komme fast elegant, also ohne Quetschen, Schieben und Drücken, durch. Recht so, das gibt Auftrieb!
Wieder oben am Plateau sehe ich plötzlich das Gesicht eines finster dreinschauenden Kameraden in der gegenüberliegenden Felswand – siehe Fotos. Den habe ich noch nie gesehen. Es muss an der Wolkenstimmung oder am Sonnenstand bzw. der Jahreszeit liegen. Oder er war schon immer da, nur ich blicke diesmal in die richtige Richtung.
Der Boden ist „übersät“ mit Edelweiß. Die haben sich über die Jahre ausgebreitet. Ich mache Fotos und beschließe, den Haidsteig wieder abzusteigen. Man muss ja variieren. Beim Abstieg kommen mir dann vier Gruppen mit insgesamt zehn Kraxlern entgegen. Gleich viele Frauen wie Männer sind unterwegs. Ich plaudere und hole das soziale Defizit der letzten Stunden nach. Die tschechische Vierergruppe ist sehr jung und etwas verwundert, dass man den Steig auch bergab gehen kann. Kann man, ist leichter als gedacht.
Müde aber doch rolle ich wieder heim. Auch wenn alles unerklärlicherweise laut Uhr langsamer geworden ist, habe ich mich fast so gefühlt wie vor ein paar Jahren. Ich muss das noch einmal überprüfen oder – besser – einfach akzeptieren. Fein war es jedenfalls allemal!






Weg ohne Grenze
Gernot hat Geburtstag – ein Grund nach Kärnten zu kommen. Am Vortag seines Ehrentages fahren wir gemeinsam vom Wörthersee auf den Plöckenpass. Zwei Klettersteige haben wir uns ausgesucht: den Cellonstollen und den „Weg ohne Grenze“. Ein gut besuchter Parkplatz auf italienischer Seite erwartet uns. Ein Stück müssen wir zurück Richtung Österreich (aber nicht im Tunnel!), ehe, gut angeschrieben, der Steig über die Verbauung bergauf führt. Der Zustieg ist kurz.
Geschichte ist hier angesagt, zumal der Cellon bzw. Frischkofel im ersten Weltkrieg wild umkämpft war. Wer die Gipfel hat, kontrolliert die Pässe und damit die Grenzen – so das damalige Motto. Als der Cellongipfel schon von den Italienern erobert war, schlugen die Österreicher den Stollen in den Stein, um die Stellung auf der Cellon-Schulter halten zu können. Steil geht es im Stollen hinauf. Alle 20 bis 30 Meter ein Luftloch. Damals waren Holzstufen verbaut, heute sind es ein Seil und dort, wo notwendig, Eisenklammern. Bei unserer Begehung war es feucht und ein bisserl rutschig, aber alles gut machbar. Wir haben so viele Fragen und sind voller Respekt, was das für eine Arbeit war. Die Begehung ist ebenso kurzweilig wie spektakulär.
An der Schulter angekommen, geht es weiter zum Klettersteig „Weg ohne Grenze“. Auch der Abschnitt ist nicht sonderlich weit und bald stehen wir am Einstieg des Klettersteigs. Die Schwierigkeit ist mit D angegeben. Entsprechend respektvoll blickt eine von uns den Herausforderungen entgegen. Einige Klettersteiggeher sind unterwegs, aber die lassen wir vor. Renate bekommt eine Blitz-Einschulung von Gernot in die Verwendung des Skylotecs, einem Sicherungsgerät, das die Sturzlänge im Falle eines Falles minimiert. Nicht wissend, was ich zwischenzeitlich mit meiner Zeit anfangen soll, mampfe ich den Proviant für den heutigen Tag in mich hinein.
Dann geht es los. Nach ein paar einfachen Metern erwartet uns eine steile Rampe. Sie ist mit B/C bewertet. Mit Erfahrung ist sie wirklich nicht annähernd so schwer wie sie spektakulär ist. Der gesamte Steig ist toll angelegt, der Fels ist durchgängig griffig und kein bisschen abgeschliffen (2025). Es warten eine C/D- und zwei D-Stellen. Alle drei Stellen sind eher kurz und somit nicht allzu kraftraubend. Dies vorausgesetzt, dass man zügig über die Stellen kommt. Zum Abschluss dann noch eine Wand mit der Schwierigkeit C und das Ende ist erreicht. Was sich kurz liest, ist zeitlich und von den Höhenmetern ein ganzes Stück. Es ist ein überaus feiner Steig, der das Prädikat „Empfehlenswert“ verdient. Für Anfänger und Kinder gibt es Passenderes. Wer es trotzdem probieren will, soll zu jedem Anfänger bzw. Kind jemand mit Erfahrung dabei haben, der gegebenenfalls an einem Seil sichert. Der Steig ist mit Klebehaken ausreichend versorgt.
Gegen Ende des Klettersteigs ist Nebel aufgezogen. Den Frischenkofel, oder besser bekannt als Cellon oder Creta di Collinetta, nehmen wir natürlich mit. Der Weg dorthin ist gesäumt, von von Menschen geschlagenen Höhlen mit Fenstern, um Richtung Plöckenpass feuern zu können. Hier auszuhalten, muss Irrsinn gewesen sein. Wie das im Winter war, 1916 war es sicher deutlich kälter, mag man sich gar nicht vorstellen. Gernots späte Berufung zum Immobilientreuhänder beweist sich hier. Er ist versucht, jede Höhle zu begehen, meint, Schlaf- und Essraum zu erkennen. Er schreitet ab, will ausmessen und überlegt wohl, wie er das potenziellen Mietern schmackhaft machen könnte. Jede Höhle beeindruckt ihn, uns weniger.
Wir rasten am Gipfel, die verbliebenen Kokoskuppeln müssen weg, aber ich explodiere gleich. Eine neue Form der Bedrohung hier heroben. Im Abstieg weichen wir von der geplanten Route ab, steigen kühn einen anderen, möglichweise zwar eingezeichneten, aber nicht offiziellen Weg ab und sparen uns derart doch einiges. Renates Fußballen streiken wieder einmal und so sind wir froh über die abgekürzten Kilometer.
Am Plöckenpass gibt es noch Pasta. Gernot hat nicht nur eine Leidenschaft für Erdlöcher sondern ebenso für alles, was aus Italien kommt. Er bestellt auf Italienisch – die vielen Duolingo-Stunden und Online-Kurse machen sich bezahlt. Ob es dann die beste Pasta war? Ich weiß es nicht. Vielleicht hatte ich einfach zu viel während der Tour in mich hineingestopft.
Die Runde kann man jedenfalls jedem empfehlen, der Freude an schönen, ausgesetzten und etwas fordernden Klettersteigen hat. Ein toller Tag war es auf jeden Fall!





















Tassilo – Schermberg
Der Tassilo-Klettersteig im Toten Gebirge steht auf der Liste. Und weil wir es gemütlicher angehen wollen, reservieren wir uns zwei Plätze auf der Welser Hütte.
Jede Tour beginnt mit einer sorgfältigen Vorbereitung. Diese sieht bei uns so aus, dass eine von uns beiden extrem großes Interesse zeigt, was der andere so einpackt. Also, ob ich eh weiß, dass es am Donnerstag in der Nacht nur 3° am Gipfel haben wird. Mag sein, aber um vier in der Früh werde ich da eh nicht oben sein. Sollen wir nicht doch auch die warmen Jacken mitnehmen? Zusätzlich zu den drei anderen? Mann oh! Während ich also packen will, bekomme ich das Handy vor die Nase gehalten, ob denn diese Kletterstelle mit jener vergleichbar ist, die sie am Hilde-Klettersteig bewältigt hat. Es reicht! Da bietet sich an, dass DPD heute eine neue Kaffeemaschine liefern will. Warum die alte Maschine bei der Reparatur ist? Na, da hat eine von uns beiden solange die Knöpfe gedrückt, bis eine Luftblase im Boiler hängen geblieben ist. Aber das ist eine andere Geschichte. Den Lieferwagen von DPD kann man am Internet verfolgen, und so kommt mir die Idee, ob Renate nicht dem Lieferwagen entgegenfahren will, um unsere neue Maschine zu holen. Das sollte mir Ruhe zum Packen verschaffen. Claro! Weg ist sie! Den findet sie nie.
Und schon läutet das Handy:
„Ich glaub‘, ich bin gerade am DPD-Auto vorbeigefahren?
Kannst du schauen, wo es ist?“
„Wo bist du denn?“
„Da bei der Kreuzung, wo wir eh auch vorgestern waren.“
„Ah, dann kenn‘ ich mich aus!“
Das wiederholt sich so ein paar Mal. Mein Plan war also für die Fische. Tja, dann läutet es erneut: „Ich hab‘ den Fahrer! Er sitzt vorm Billa und macht seine Mittagspause.“. So erjagt Massima die Kaffeemaschine – Respekt! Mein Respekt gilt auch dem Fahrer, denn der hat es mit Humor genommen. Immerhin erspart er sich so eine Fahrt. Sagt er, was er denkt, wissen wir nicht.
Renate hat bei der Anfahrt schon jede Menge Fragen an den Wirt, unter anderem, ob er einen Rucksack-Service anbietet. Der arme Wirt wirkt entnervt. Okay, dann müssen wir schleppen. Ich überlege, Renate das Handy abzunehmen.
Wir starten vom Parkplatz des Almtalerhauses. Zuerst geht es über einige Kilometer eine Schotterstraße bis zur Talstation der Materialseilbahn, nun noch ein bisserl Schonfrist im mäßig steilen Wald, ehe die Route ordentlich bergauf zur bereits früh sichtbaren Welser Hütte ansteigt. Zwei, drei Leitern warten auf dem von der Nachmittagssonne gut ausgeleuchteten Anstieg. Zum Glück ist es heute nicht so heiß.
Es geht erstaunlich gut und wir schaffen es mit Leichtigkeit pünktlich zum Abendessen auf die Hütte. Den Tisch teilen wir mit zwei Oberösterreichern. Es sind zwei Strukturbiologen, der eine unterrichtet an der Uni, der andere erfindet mRNA-Impfstoffe. Na, damit hätte ich nicht gerechnet. Wir diskutieren Renates Lieblingsthema, nämlich die kabellose Stromübertragung mit Tesla-Spulen. Weiter geht es mit Fragen wie, welche Strahlen auf welche Art Körperzellen erwärmen und warum KI auch nur die konsequente und rechenintensive Umsetzung der alten Ideen aus dem vorigen Jahrtausend ist. Yeah, ich war der erste Jahrgang an der TU, bei dem schon einige Übungen auf einem PC gemacht wurden und habe meinen Abschluss am Institut für Datenbanksysteme und Künstliche Intelligenz gemacht. Ja, da schaut ihr alle!
Wir haben ein Achterzimmer zu zweit. Das klingt widersprüchlich, zumal die Hütte keine freien Betten hat. Aber der Wirt und die Infrastruktur sind am Limit und so haben wir zu zweit die geräumige Juniorsuite. Ober uns quietscht der Holzboden, wenn jemand herumgeht, wir hören die abschließende Worte anderer BergsteigerInnen aus anderen Etagen vor dem Einschlafen und sind fast live dabei, wenn jemand noch aufs WC geht. Hüttenleben vom Feinsten, und trotzdem finden wir unseren Schlaf.
Der Morgen erwartet uns mit traumhaften Bedingungen. Renate fühlt sich fit und so geht es nach dem Frühstück los. Die meisten besteigen den Großen Priel, aber wir biegen nach 20 Minuten gemeinsamen Wegs rechts in die Einsamkeit ab und erreichen nach weiteren zehn Minuten den Einstieg des Tassilo-Klettersteigs.
Die Bedingungen sind wirklich einmalig. Der Steig ist wohl selten begangen, denn der Fels zeigt keinerlei oder kaum Abriebspuren. Die technischen Schwierigkeiten sind mit C/D fair beurteilt. D erscheint mir dann doch zu hoch. Ein paar Mal hat man kurz Zug auf den Armen. Nach so einer Stelle lässt der Steig aber sofort wieder locker. So erreichen wir das Almtaler Köpfl, womit wir laut Topo die Schwierigkeiten hinter uns haben sollten.
Ein Hubschrauber schwirrt am Plateau herum. Er setzt Leute am Seil ab und nimmt wieder welche auf. Übt man hier? Jedenfalls stört das Gerattere die Ruhe da heroben. Erst wieder daheim werden wir lesen, dass einer der beiden Wissenschaftler gestürzt ist und aufgrund seiner Verletzung am Unterschenkel vom Hubschrauber geholt werden musste. Uje, ihm alles Gute!
Der restliche Anstieg auf den Schermberg ist dann länger als erwartet und auch noch ein paar Mal zum Anhalten. Renate schnauft. Am Gipfel erwartet uns ein eher bescheidenes „Gipfelkreuz“ und vier andere BergsteigerInnen, die von der anderen Seite heraufgekommen sind. Das Wetter lädt zu einer Pause ein. Tadellos!
Der Abstieg erfolgt über den Hermann-Wöhs-Steig. Der ist technisch nicht schwierig, aber eben der Abstieg. Es geht über Gletscherabschliff an teils ordentlichen Felsspalten und Dolinen vorbei. Die Sohlen halten auf dem steilen Fels recht gut. Aber dann passiert es. Renate hält sich an einem größeren Felsbrocken, und der bricht aus. Die Folge sind ein schmerzverzerrtes Gesicht und ein offenkundig bald blutendes Schienbein. Ich überlege. Blöd, dass der Hubschrauber schon weg ist, sonst hätten die zwei Sturzpiloten in Gegenwart des Hubschrauberpiloten ein bisserl über Renates zweites Lieblingsthema „Herausforderungen des Beamens und Klärung der Frage, ob Renate das noch erleben wird“ fachsimpeln können.
Aber so muss Renate tapfer alleine absteigen. Heute wird nicht gebeamt. Eher mühsam vernichten wir Höhenmeter, bis wir endlich die Welser Hütte wieder erreichen. Es gibt ein ausreichendes Mittagessen und ein bisserl Erholung.
Jetzt fehlen nur 1.012 Höhenmeter im Abstieg. Das klingt nicht übertrieben viel, ist aber so mühsam, dass Renate ab der Talstation der Materialseilbahn nicht mehr so recht weiß, wie sie ihre Füße aufsetzen soll. Die Ballen streiken. Den letzten Kilometer stakst sie mehr als sie geht. Schaue ich sie an, höre ich ein: „Der Klettersteig war es aber wert!“. Na, dann! Und wie so oft erreichen wir dann doch noch den Parkplatz, von wo wir nach einer gelungenen Tour Richtung Heimat gleiten.
Die Details auf Garmin
























Matthias-Prinner-Steig
Ganz ohne schlechtes Gewissen machen wir uns im E-Auto zu Mittag auf den Weg an die Hohe Wand. Renate möchte einen Klettersteig mit Seilbrücke ausprobieren. Das wird gemacht.
Bin ich mal zu ungewöhnlicher Zeit unterwegs, treffe ich ungewöhnliche Leute. Einige Novizen sind im Steig. Nach einem Klettersteig der Schwierigkeit A/B ist nun dieser Steig mit C/D dran. Und das klappt auch recht gut. Als nächstes Ziel verraten sie mir die Zugspitze. Ah ja, wer denn diese Ideen hat? Einer von den drei jungen Herren schaut YouTube und hat die Klettersteige entdeckt. Und es macht Spaß! Was soll da schon schiefgehen? Die Erfahrung wird kommen. Aufrichtig und ehrlich: alles Gute und viel Freude in den Bergen!
Die Krönung ist aber ein Paar, das wir nach der Frauenlucke im Abstieg treffen. Sie befinden sich im Aufstieg. Auch sie haben sich ein Klettersteigset ausgeborgt und sind begeistert. Welchen Steig sie denn gehen wollen? „We don’t mind!“. Ich vermute, sie wollen den Matthias-Prinner-Steig gehen, sind aber 50 Meter zu früh links weg, wo sie in der Frauenlucke recht wenig mit dem Klettersteigset als Sicherung anfangen können. Denn da fehlt das Seil. Sprachschwierigkeiten und meine vehement Aufmerksamkeit einfordernde Frau lassen es nicht zu, dass diese seltsame Situation aufgeklärt wird. Aber der junge Mann grinst, erkennt den Ernst meiner Lage und macht weiter. Den beiden gefällt es, was könnte besser sein?
Der Steig selbst ist nicht sonderlich lange und wird oft als einer von mehreren an einem Tag gemacht. Renate ist aber hier, um die Seilbrücke zu probieren. Am Königsjodler soll immerhin so ein Seiltanzstück auf sie warten. Da schau‘ her, ist mir gar nicht so erinnerlich.
Die steile Strickleiter am Einstieg des Matthias-Prinner-Steigs macht ihr keine Mühe und auch die Seilbrücke nicht. So sind wir recht rasch durch den Steig. Das Selbstvertrauen ist wieder ein bisserl gewachsen, neue Herausforderungen mögen kommen.
Runter dann durch die Frauenlucke, die mich mit ihrer 15 Meter hohen Leiter immer wieder überrascht. Also, es sind keine technischen Fähigkeiten nötig, wenn man von oben einsteigt. Aber ein bisserl Überwindung muss man schon aufbringen.
So rollen wir nach bestandener Probe wieder nach Breitenfurt. Strom haben wir so viel, da bleibt nur das bisserl Reifenabrieb. Alles gut!








