Klettersteig Hilde

Ganz schön lange zieht sich die Stoderzinken Alpenstraße von Gröbming zum Parkplatz der Rosemialm herauf. Wir sind an einem Montag in der Zwischensaison hier heraufgefahren. Entsprechend leer ist der große Parkplatz. Der Ausblick war schon während der Anfahrt beeindruckend.

Grödel brauchen wir keine, hätten wir eh daheim vergessen. Aber die festeren Schuhe nehmen wir statt der Zustiegschuhe. Das macht das Kraxeln ein bisserl schwieriger, aber wer weiß, vielleicht verbirgt sich in einer steileren Rinne Schnee. So viel sei vorweggenommen, der Steig ist am 28.4.25 schneefrei. Die Sonne brennt in den Südhang und auf über 1.800m herrscht T-Shirt-Wetter.

Der Zustieg führt erst kurz bergauf, ehe es runter geht. Kurz ist der Zustieg. Auch in aller Gemütlichkeit brauchen wir nicht mehr als 35 Minuten. Nach einem kurzen, einfachen Geröllfeld wartet der Einstieg. Sogar ein schattiges Platzerl gibt es fürs Anlegen von Helm und Klettersteigset.

Der Einstieg ist ein B/C. Erstaunlich, was sich zwischen den Latschen hier findet. Der Fels ist warm und super griffig. Alles sieht nach komfortabel aus und trotzdem geht es gleich merklich los. Renate schnauft – was ist denn da heute los?

Weiter geht es einerseits harmlos zwischen den Latschen und anderseits spektakulär unter einem Überhang dahin. Da hat sich jemand bei der Routenwahl Mühe gegeben. Die Klammernwand ist dann erstmals spannend. Es geht da wirklich senkrecht in die Höhe. Aber die in die Wand geschlagenen Bügel sind beachtlich. Da steht es sich wie auf einer Leiter beim Apfel pflücken. Mit Übung kann man das alles mit wenig Armkraft und nur „aus den Beinen“ gehen. Mit weniger Übung schnauft man da schon ganz schön. Nach ein paar einfacheren Stellen geht es dann in C/D weiter. Wieder Senkrechte, große Bügel und Armbelastung je nach Übung. Fels, Ausblick und Landschaft sind überaus edel. Fein für den, der es genießen kann.

Nach diesen Herausforderungen haben wir ein bisserl die Orientierung verloren. Wir meinen, dass der Ausstieg bald erreicht sein müsste. Aber der Höhenmesser meint, dass wir gerade mal die Hälfte haben. Juchhu, nochmal so viel Freude. Oder, Mist nochmal so viel – das kommt ganz auf die Situation an, in der man sich befindet. Renates Zustand hat sich deutlich verbessert, Garmin gibt ihr zur Sicherheit trotzdem schon mal 4,8 für die aerobe Leistung. Ob sie den Fünfer noch schafft?

Da wir dem Höhenmesser nach den nächsten Latschen beim Blick auf die Höhlenwand Recht geben müssen und wir tatsächlich eher in der Mitte sind, erledigt sich auch das Thema mit dem Fünfer rasch. Renate kämpft tapfer.

Wieder Latschen und dann der Blick auf den Plattenpfeiler! Wau, der sieht auch cool aus. Wieder ist die Wand mit ausreichend Stahl versehen. Die Schwierigkeit ist meines Erachtens somit mit C bzw. B/C richtig angegeben. Das ist auch irgendwie cool, da man bei mittlerer, technischer Schwierigkeit viel Luft unter Sohlen und Hintern bekommt.

Nach diesem Pfeiler rückt das Ende spürbar näher. Die eine oder andere Felsstufe wird noch gekraxelt, ehe der Steig sein Ende findet. Ein paar Minuten und wir stehen beim Gipfelkreuz des Stoderzinkens! Renate hat sich schnell wieder aufgeladen. Fröhlich über den Erfolg wird gescherzt und gelacht.

Runter geht es dann übers Friedenskircherl überraschend kurz zum Parkplatz zurück. Unsere Iduna lädt sich die steile Mautstraße runter fast so schnell auf wie Renate. Wir fahren zurück ins Schlosshotel Pichlarn, wo wir den Nachmittag vertrödeln. Tadellos!

Zusammengefasst: Der Hilde Klettersteig ist ein ganz toll gemachter Steig. Bei mittlerer Schwierigkeit kann man Pfeiler und Wände erleben, die ohne die fetten Stahlhilfen für die Allermeisten unerreichbar sind. Für Anfänger und Kinder ist das aber trotzdem alles nichts. Wer wenig Erfahrung hat, wird die Arme spüren. Wer noch nicht fertig ausgewachsen ist, wird mangels nötiger Arm- und Beinlänge ordentlich gefordert. Das kann man mit Erfahrung leicht kompensieren. Aber Kindern fehlt eben oft beides. Und dann ist da noch die Höhe. Die Ausgesetztheit sollte einem nichts ausmachen. Sonst, so kann ich mir das vorstellen, wird es einem hie und da ein bisserl mulmig werden.

Für uns war es ein superedler Tag. Ende April im T-Shirt hatten wir eine Genusskraxelei der Sonderklasse. Bei diesen Bedingungen ist der Steig eine klare Empfehlung.

Die Tour auf Garmin

Haidsteig

Am Vortag habe ich mich auf unserem Tacx NEO Bike Plus Trainer doch beansprucht, und soll der heutige Tag eine Wanderung mit Renate und Mio auf einen neuen Gipfel von Hinternasswald aus bringen. Aber dann ereignet sich das Hoppala auf unserer Treppe. Renate stürzt, hält das Wasserglas und weitere Utensilien hoch, während sie im Langsitz die Stufen nimmt. Das Bürzel ist geprellt. Wir müssen umdisponieren. Und weil mir nichts besseres einfällt, gehe ich den Haidsteig.

Dort geht aber nicht viel. Ich bin einfach schlapp. Am Zustieg überholt mich einer. Uje, ich werde alt. Oberhalb der Waldgrenze meldet sich Wind. Zumindest für Renate wäre das nichts gewesen.

Den Überholer hole ich beim Einstieg ein. Aber im Steig gibt er erst richtig Gas. Also das ist mir bislang auch nicht passiert. Die Uhr sagt, dass ich mich ein bisserl anstrengen könnte. Das ist ein amerikanisches Produkt, da will ich ein „You’re awesome!“ hören. Darauf wartet man bei Garmin aber ewig, heute ganz besonders.

In der Wand beutelt es mich hin und her. Da freut es mich nicht einmal sonderlich. Bei der Madonna ist auch kein Platz zum Verweilen. Da muss man froh sein, wenn einen der Wind nicht von dem Platzl dort bläst.

Ein bisserl Schnee und Eis ist auch noch da. Und so kommt es, dass ich im einfachen Teil abrutsche – die Bergschuhe sind heute auch nicht die richtigen – und ich mir die Fingerknöchel aufschürfe, ordentlich. Heute freut es mich gar nicht mehr, den Königschuss streiche ich.

Am Plateau lasse ich mich vom Wind bergauf zum Preinerwandkreuz treiben, ehe ich mich an den Abstieg mache. Die Neue Seehütte verweigere ich, auch wenn der Wirt ein einladende Tafel gegen den Wind platziert hat. Vor dem Holzknechtsteig lege ich mich zwischen die Latschen und suche Windschatten. Ich habe Renates Proviant mit. Ein Weckerl in drei Schichten mit Frischhaltefolie dazwischen. Das habe ich auch noch nie gesehen. Prompt nutzt der Wind die Chance, entreißt mir das Jausensackerl und ich muss hinterherrennen. Geh bitte! Echt jetzt?

Am Holzknechtsteig wird es wieder ein bisserl wärmer, mir kommt ein junger Bergsteiger entgegen. Deutsch ist nicht seine Muttersprache, und so verstehe ich nicht ganz, was er heute schon gemacht hat. Ich vermute, er war am Haidsteig und ist den Preinerwandsteig runter. Jetzt will er „hinten herum“ zum Königschusswandsteig. Ich zeige ihm die gelbe Tafel am Einstieg zu seinem Steig, und das ist eher die andere Richtung. Da zeigt er mir sein Planungstool am Handy. Ich hab‘ keine Lesebrille mit und bin verwirrt. Jedenfalls muss er wieder zurück. Ich empfehle ihm einen kurzen Abstieg, weil die Rinne unangenehm sein kann und das Überqueren der Rinne erst weit oben gut geht. Danach müsste er wieder absteigen. Er hört auf meinen Rat – oha. So steigen wir gemeinsam ab und hören nach dem Queren der Rinne ein ordentliches Gepolter. Da kommt ein Fels von der Größe eines Medizinballs in der Rinne runter. Wir schauen uns beide an. Jepp, da haben wir Glück gehabt.

Mir reicht es endgültig, ich steige ab. Ab ins Auto und nach Hause. Heute war ich einfach in der falschen Verfassung am falschen Ort!

Die Tour auf Garmin

ÖTK, Blutspur, Matthias-Prinner

Und schon wieder Hohe Wand, aber diesmal alleine! Na ja, alleine bin ich nicht, denn hier an diesem sonnigen Freitag wimmelt es nur so. Wanderer, Klettersteiggeher, Kletterer sind am Boden unterwegs, in der Luft surren die Paragleiter.

ÖTK-Steig und Blutspur sind heute gefühlt schwieriger. Was lerne ich daraus? Eigentlich ist es nur beschränkt verwertbar, was ich auf die Frage antworte: „Und wie schwer ist dieser oder jener Steig?“. Ganz so klar ist es nicht, womit das zusammenhängt. Als Einflussgrößen habe ich:

  • Die Erinnerung vom letzten Mal. War es das letzte Mal leicht, dann ist es beim nächsten Mal gefühlt ein bisserl schwerer und umgekehrt.
  • Bei den schwierigen Stellen hängt es davon ab, wie ich sie erwische. Das ist faszinierend, da ich die Steige und ihre „Schlüsselstellen“ zu kennen glaube. Selbst, wenn ich mich erinnere, die Stelle ein bisserl weiter außen zu nehmen, ist es nicht gesichert, dass sie mir dieses Mal leicht fällt. Da staune ich.

Letztlich ist es egal, weil ich auch diesmal beide Steige ohne Probleme bewältige.

Den Matthias-Prinner-Steig bin ich erst einmal gegangen. Die Strickleiter habe ich als mühsam in Erinnerung und die Seilbrücke als leichter als gedacht. Prompt kommt es anders! Die Strickleiter ist eigentlich easy und die Seilbrücke ein bisserl Überwindung. Der restliche Steig ist dann einfaches Gelände der Schwierigkeit B. Die vielen Besucher haben den Steig ausgeputzt. Also, kaum noch loses Material. Nach knapp 15 Minuten bin ich durch und gönne mir eine Pause.

Runter geht es den Frauenluckensteig. Zuerst wundere ich mich über die vielen jungen Steinböcke. Wer Steinböcke sehen will, sollte auf die Hohe Wand. Man wird nicht enttäuscht. Es sind irritierend viele und verstörend zutraulich. Das nächste Mal streichle ich einen. Scherzerl, aber viel fehlt nicht.

Der Frauenluckensteig ist dann unerwartet spannend, steigt man doch in schwindelerregender Höhe von Metallbügeln auf eine wirklich senkrechte geschätzt zehn Meter hohe Leiter. Ob das jedermanns Sache ist? Hmm!

Weiter unten habe ich zum Abschluss noch eine Begegnung, die mir den Abschied für heute leichter macht. Am Fuße einer Wand frage ich freundlich ein Kletterpaar in meinem Alter, was sie sich denn vorgenommen haben, und bekomme in tadellosem Hietzinger-Deutsch als Antwort: „Das wissen wir noch nicht so recht! Das schauen wir uns noch an.“. Ja, eh, genau! Ihr habt halt einmal alles eingepackt, was man so bis zum VI. Schwierigkeitsgrad braucht, und oben drauf noch ein paar Kilo Reservematerial dazugelegt. Ich ärgere mich kurz, weil ich wirklich zurückhaltend freundlich gefragt habe, aber mir der Gleichaltrige mit seinem Allerwertesten ins Gesicht fahren muss. Seine Begleiterin lächelt entschuldigend. Wie auch immer, sie muss es mit ihrem Herzilein aushalten.

Abgesehen davon war es ein feiner Tag auf einer diesmal stärker frequentierten Hohen Wand!

Die Tour auf Garmin

Gebirgsvereinssteig

Gernot ist mal in Wien, da müssen wir etwas unternehmen. Die Sonne lacht, und diesmal ist es warm. Trotzdem wählen wir „nur“ die Hohe Wand. Weiter oben hat es geschneit. Gernot hat gar nicht die passende Ausrüstung für den unerwarteten Schnee dabei. Renate hat noch im Hinterkopf, dass es in den Bergen auch kalt sein kann.

Den Steig erledigen wir ohne jeden Zwischenfall. Man sieht dem Steig schon etwas an, dass er sehr, sehr oft begangen wird. Aber es ist tadellos gewartet, lediglich der Fels ist stellenweise abgeschliffen wie so mancher Kirchenpfeiler im Vatikan.

Meine beiden Begleiter schnaufen ein bisserl. Ist ja noch früh in der Saison. Das darf noch sein. Anderseits müssen wir noch einiges trainieren, um unsere Ziele wie Königsjodler oder den Klettersteig am Großen Priel zu schaffen.

Auf der Hohen Wand ist den Steinböcken so fad, dass sich gar einer der jungen Steinböcke hinreißen lässt und einen Baum erklimmt. Sachen gibt’s.

Nach einem üppigen Mittagessen auf der Wilhelm-Reichert-Hütte – vor allem ich lange übermaßen zu – geht es den Wagnersteig wieder runter.

Netter Tag bei blitzblauem Himmel!

Die Tour auf Garmin

HTL-Steig und Blutspur

Eigentlich könnte ich ins Fitness Center gehen. Das kann ich eh brauchen, um wieder fit für die Klettersteige zu werden. Da fällt mir ein, dass ich ja gleich einen Klettersteig gehen könnte. Mit dem E-Auto ist mein grünes Gewissen nicht ganz so stark belastet, wie mit dem alten Schweröl-Panzer. Passt also, los geht’s!

Der HTL-Steig hat einen Zustieg von zehn bis fünfzehn Minuten, oder halb so lange, wenn man doppelt so schnell geht. Kurz gesagt, der Zustieg ist denkbar kurz. So stehe ich gerade ein bisserl aufgewärmt am Einstieg. Wohlwissend, was mich erwartet, ziehe ich die Jacke aus und fröstle lieber ein bisserl.

Die Erinnerungen sind derart, dass ich kaum überrascht bin. Es geht leicht und ich bin schnell unterwegs. Nur die Luft muss heute etwas dünner sein. Gelegentlich erwische ich mich beim Keuchen. An der „Überholspur“ findet sich noch jemand zu einem Plauscherl. Ja, das Leben, die Berge, usw.

Nach 48 Minuten bin ich oben. Ich taumle weiter zur Blutspur. Ein junger Steinbock macht mir widerwillig den Weg frei. Hurra, ich habe ihn vertrieben. Beim Foto schaut er dann doch so genervt, dass ich lieber über eine Abkürzung ausweiche. Wir wollen es ja nicht übertreiben.

Die Blutspur, wo ich vor 25 Jahren mal in Not gekommen bin, hat sich eingebrannt. Aber sie wurde auch wiederholt entschärft. Ich vermute, dass auch seit meiner letzten Begehungen die Seilführung am exponierten Eck umgelegt wurde. Oder, ich habe heute Glück und erwische eine einfache Linie. Nach drei Minuten und 33 Sekunden, so sagt es die Uhr, bin ich ohne jedwede Eile durch den Steig durch. Das wird wohl der kürzeste Steig mit Schwierigkeit E sein.

Runter geht es über die Völlerin. Eineinhalb Stunden dauert der Ausflug von Auto zu Auto. Feines Workout, feine Steige!

Die Tour auf Garmin

Haidsteig

Wir sind wieder mobil. Unsere Iduna, ein schwarzer VW ID.7, bringt uns ganz umweltfreundlich, weil elektrisch, in die Griesleiten. Kurz habe ich Sorge, ob sie die Unebenheiten des Parkplatzes packen wird. Aber alles kein Grund zur Sorge. Passt!

Renate hat so oft gefragt, ob es eh nicht kalt sein wird und ob denn das Wetter eh passt, dass ich schon in kurzen Hosen gehen will. Je mehr sie gefragt hat, umso sicherer war ich, dass es ein Ausflug im T-Shirt wird. Ja, so funktioniert das in Gruppen am Berg, auch wenn es ganz kleine Gruppen sind. Kurz, ein bisserl kalt ist es schon und von der Sonne auch nicht viel zu sehen. Dafür geht oben offensichtlich einiges an Wind. Und der Regen am Nachmittag könnte auch früher da sein.

Egal, wir starten! Außer uns parkt nur einer. Das heißt, es wird ähnlich wenig Menschen wie Schnee geben. So soll es sein!

So wandern wir zum Einstieg. Alles ohne Zwischenfälle. Keinerlei Schnee und am Plateau auch nur ganz wenig davon zu sehen. Beim Einstieg dann bläst es schon ordentlich. Renate fragt sich doch hörbar, warum sie sich das antut. Dabei ist sie aber reflektiert genug, um zu erkennen, dass sie sich wieder wahnsinnig freuen wird, wenn sie es geschafft hat. Halt, war da jetzt ein Unterton dabei?

Zum Steig gibt es nichts zu sagen. Er ist schneefrei und trocken. Bei der Madonna grüßen wir Ulli, aber können nur ganz kurz bleiben. Im Süden, von wo der Wind kommt, schauen schon Schauer her. Zumindest die bei Nässe unangenehmeren Stellen haben wir. Aber selbst nass wollen wir trotzdem nicht werden. Weiter geht’s ins letzte Drittel des Steigs. Alles easy. Wir erreichen das Plateau, wo wir uns vom Südwind zum Gipfelkreuz treiben lassen. Auch hier ist der Moment des Verweilens denkbar kurz. Nach ein paar Fotos verlassen wir rasch diesen unwirtlichen Ort.

Spompanadeln lassen wir aus, wir wählen den Holzknechsteig für den Abstieg. Mah, ist der wie jedes Mal entbehrlich. Uns beide setzt es einmal auf den Hintern, das tut auch den Handgelenken nicht gut. Trotzdem ist es der kürzeste Abstieg. Lieber trocken am Holzknechsteig als gewaschen beispielsweise im Preinerwandsteig.

Und wirklich erreichen wir trocken, ganz abgesehen von ein paar Tropfen, das Auto. Im Payerbachhof gönnen wir uns noch ein spätes Mittagessen. Die Dorfpromillienz streitet schon mit schwerer Zunge ein bisserl, wer der seltenen Besucherin an diesem frühen Montagnachmittag den Weg zur Toilette beschreiben darf. Als ich mit ähnlichem Anliegen starte, bleibt es ruhig in der Stube. „Er wird scho‘ ned verlorengehen und wenn, is‘ a ned schod!“ mag sich der eine oder andere beim Blick in den Grünen Veltliner denken.

Wie auch immer, wir hatten einen feinen Tag und noch genug Strom, um locker heimzukommen. Sehr fein!

Die Tour auf Garmin

Gebirgsvereinssteig

Kaiserwetter ist angesagt, die Q verweilt weiter in der Werkstatt und so entscheiden wir uns im E-Mini für die Hohe Wand. Der Gebirgssvereinsteig ist jener Steig in unserem Bereich mit den meisten Begehungen. So hat es mir der Steigerhalter auf der Rax erzählt. Das mag sein, aber heute sind wir fast alleine. Erst beim Ausstieg holt uns ein anderer Kraxler fast ein.

Die vielen Begehungen gehen nicht spurlos am Steig vorbei. Technisch ist er wirklich toll instand gehalten. Der Fels ist abgerieben, speckig und oft recht rutschig. Aber so passiert das halt, wo jedes Jahr Zehntausende rauf kraxeln.

Unsere Besteigung verläuft schon fast als Genusstour. Renate wird immer besser. Für den ÖTK-Steig müssen wir noch ein bisserl üben, aber das wird werden.

Dann gibt es doch noch ein „Erstes Mal“. Zum ersten Mal steigen wir den Springlessteig ab. Der ist fein und eine angenehme Möglichkeit, nach dem Gebirgsvereinssteig wieder zum Auto zurückzukommen.

Die Tour auf Garmin

Haidsteig

Das wird Renates dritte Begehung und unsere erste als verheiratetes Paar. Renate überlegt, ob sie die beheizbaren Socken brauchen wird. Und da ist sie schon die erste Ehekrise: entweder die beheizbaren Socken oder ich! Auch die von Renate zusammengestellte Garderobe lässt den Gentleman in mir verschwinden. Dafür stehe ich nicht zur Verfügung. Wer drei oder vier Jacken am Berg dabei haben will, muss schleppen. So schaut’s aus 😉

Renate berichtet, dass der Steig beim dritten Mal nun schon fast ein Genuss war. Alles klappt geschmeidig, die Bedingungen sind gut, die Sonne lacht, wir besuchen Ulli, und eine von uns ist am Plateau dann aber doch ein bisserl erschöpft. Sehr fein, eine sehr tolle Begleiterin habe ich da!

Der toneo hat meine Portale von grün auf blau gedreht. Das geht mal gar nicht. Die Madonna und das Preinerwandkreuz hole ich zurück. Das Portal im Königschusswandsteig sollte ich aber auch mitnehmen. Wer weiß, wie lange das Knie nach der OP nervt. Also, frage ich an, ob es denn okay sei, wenn ich den Königschusswandsteig ein Stückerl abklettere. Ein geduldiges „Mach nur!“ ist eine feine Antwort. Und da zum Glück kein Heizsockenwetter herrscht, kann Renate in einer ihrer vier mitgeschleppten Jacken die Sonne genießen, während ich immer weiter absteige. Gar durchs Felsfenster muss ich durch. Wenig elegant mache ich das im Rückwärtsgang, was aber eher wurscht ist, weil mich ja eh keiner sieht. An der ungünstigsten Stelle löst sich noch die Trinkflasche aus dem Rucksack. Die balanciert auf meinem Nacken. Ich bin begeistert. Wenn ich jetzt noch wie eine Seerobbe in die Pfoten klatsche, jubelt das Publikum. Da gelingt mir das Meisterstück: in der Höhle verstaue ich die Flasche wieder – yess! Na ja, das Portal hole ich auch noch. Auftrag erledigt, ich darf wieder durchs Fenster rauf.

Zur Auswahl stehen nun die Neue Seehütte oder der Holzknechtsteig. Der Steig ist echt mies, wie ich hier schon oft beschrieben habe, aber deutlich besser als die Seehütte zur Zeit. Renate ist fassungslos ob des Mangels an Genuss im Abstieg, ich bin seit Jahrzehnten auf den Mist hier vorbereitet. Diesmal hat es der Steig wieder in sich! Ja, das ist jedes Mal derselbe Steig. Aber nach jedem Starkregen schaut er anders aus. Und geregnet hat es diesen Herbst schon genug. Die Schotterfelder, die man sonst abfahren und so das Leid lindern kann, sind weggespült. Aber alles geht vorbei, irgendwie kommen wir zum Auto. Eine feine Tour heute!

Die Q ist mittlerweile gefühlt schon öfters in der Werkstatt als auf der Straße. So sind wir im E-Mini unterwegs. Der ist sehr fein, sehr umweltfreundlich und sehr schick, hat aber eine kleine Batterie und die ist in der Griesleiten mehr als zur Hälfte geleert. Ich soll fahren, auch wenn es anders vereinbart war. Aber ich darf nur 80 fahren, weil sich das sonst nicht bis nach Hause ausgeht. 80 auf der Autobahn ist hart! Einmal erwische ich mich dabei, wie ich die Grünstreifen längs der Autobahn absuche und tatsächlich einen riesigen Pilz entdecke. Beim Spazierengehen gelingt mir so ein Kunststück eher selten. Mah, das werde ich nicht aushalten. Da erinnere ich mich an die Zeiten vor 40 Jahren. Gernot und ich haben auf unseren Fahrrädern auf den 15A (Autobus) gewartet. Sobald der uns überholt hat, haben wir reingetreten und haben uns im Windschatten „ziehen“ lassen. LKW gibt es hier und heute auf der Autobahn einige, ich hänge mich bei 90km/h hinter so einem an. Wie ein Drängler klebe ich eine Autolänge hinter ihm und gewinne dabei an Reichweite. Mein grünes Herz triumphiert. Renate ist da nicht so entspannt, sieht uns schon schiebend, weil wir hier mit besinnungslosen 90 km/h dahinrasen. Es ist eigentlich eh klar, wer schieben wird müssen. Das sage ich auch zu, aber nur unter der Bedingung, dass sie das Rekuperieren deaktiviert, während ich schieben muss. Aber soweit wird es nicht kommen!

Überholt ein LKW, dann hänge ich mich an den schnelleren LKW. Jetzt sind wir schon mit über 100 unterwegs. Viel Abstand zur fahrenden Wand vor uns ist nicht. Die Stimmung ist im Wageninneren doch etwas angespannt. Aber wie kann ich mich wieder zurückfallen lassen?

So und so weiter vergeht diese Fahrt in ihrer eigenen Kurzweile. Wir erreichen Breitenfurt mit einer Reserve von ein paar Kilometer – geht doch! Garmin empfiehlt dem Mini eine Erholungszeit von 48 Stunden an der Steckdose. Einen ähnlichen Wert bekommt auch Renate aufgebrummt!

Leider habe ich bei der Madonna die Uhr gestoppt. Der Track ist damit gestoppelt und entfällt heute. Dies im Ersuchen um Nachsicht.

Haidsteig – Königschusswandsteig

Meine übliche Runde steht an. Es gibt wenig zu berichten. Der Haidsteig fällt mir richtig leicht. Ich brauche die Hände fast nur zur Stabilisierung. Die Arbeit leisten die Beine. So soll es beim Bergsteigen und Klettern sein. Ich verweile länger bei der Madonna. Im Steig ist kein Mensch, da habe ich meine Ruhe.

Den Abstieg zum Königschusswandsteig finde ich jedes Mal besser. Hier sitzen am Einstieg drei Burschen. Die haben den Haidsteig schon hinter sich. Oh, da hatte Ulli also schon Besuch. Die drei klingen so vernünftig, dass es mir schon fast unheimlich ist. Nein, nein auch das passt schon. Man lässt mich vor. Der Königschusswandsteig ist eine Stufe schwerer als der Haidsteig. Ich muss die Arme deutlich mehr belasten. Das Ingress-Portal erobere ich wieder. Alles muss seine Ordnung haben.

Nach dem Königschusswandsteig schaue ich bei der Neuen Seehütte vorbei. Na ja, kulinarisch ist es ein bisserl besser geworden, aber herkommen muss ich da nicht unbedingt. Die tschechische oder slowakische Betreiberin gibt sich Mühe. Sie nimmt die Bestellungen im Nebengebäude entgegen, schenkt Getränke in Einwegbechern aus und kassiert. In der eigentlichen Hütte liest der Mitarbeiter aus Nepal die Bestellung aus dem Bestellsystem aus, kocht und serviert. So läuft alles am Schnürchen, aber doch ein bisserl befremdlich. Früher ist Franz, der Pächter, mit zwei Mitarbeitern aus Nepal in der kleinen Küche gestanden. Nun verbringt der Koch alleine die Zeit. Trinkgeld sieht er wohl selten. Das ändere ich zumindest heute. Er freut sich.

Und dann steht da noch ein seltsames Schild: „Die Hütte wird mit dem Hubschrauber versorgt!“. Das will ich nicht glauben oder hoffen. Immerhin führt doch eine passable Straße zur Bergstation der Seilbahn.

Beim Bachingerbründl treffe ich einen Mann in langen Hosen. Er hat sich heute dem Preinerwandsteig gewidmet. Dazu schleppt er eine benzinbetriebene Bohrmaschine und all das, was man noch braucht, wenn man einen Klettersteig instand halten will, mit. Die lange Hose muss er ertragen, weil er sich sonst die Beine mit der heißen Bohrerspitze verbrennt. Ich probiere den Rucksack und vermag ihn gar nicht recht zu heben. Der freundliche Mann ist in meinem Alter, vielleicht ein paar Jahre jünger. Für Haidsteig und Königschusswandsteig ist er auch zuständig. Ich erfrage einen kurzen Grundkurs zum Steigbau und der Erhaltung eines solchen. Die Lektion für hier ist, dass man den Steig schont, wenn man vorrangig die Beine beim Klettern verwendet. Wer sich am Stahlseil hochhantelt, macht also nicht nur klettertechnisch einiges falsch, sondern strapaziert auch die Steiganlage über Gebühr.

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ÖTK-Steig – Blutspur

Der Regen kommt schneller als vermutet. Da fahre ich rechtzeitig von der Südautobahn ab und gönne mir wieder einmal den ÖTK-Steig für die Fitness.

Na, bumm! Da parken viele Autos am Sonnenuhrparkplatz. Der Parkautomat ist aufgebrochen. Interessantes Volk, diese Kletterer! Man mag wirklich nur den Kopf schütteln. Ich parke gratis, auch wenn aufgefordert wird, Bargeld in die Säule einzuwerfen. Erstens kann ich mein Handy, mit dem ich zahlen wollte, nicht einwerfen. Zweitens, sollte ich Geld in eine aufgebrochene Kassa einwerfen?

Mit den Jahren kommt die Erkenntnis, welcher Klettersteig schwer ist und welcher nicht. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich noch nicht ganz fit bin. Der ÖTK-Steig ist jedenfalls heute anstrengend. Früher oder im fitten Zustand denke ich mir immer: „Ja, die Steige sind halt unterschiedlich, aber ob der eine oder der andere schwieriger ist, könnte ich nicht sagen.“. Heute verstehe ich, warum Gernot den Steig nicht so recht gehen will, und ich notiere, dass Renate noch ein bisserl üben muss, bis wir diese Herausforderung annehmen.

In 48 Minuten bin ich ungehetzt am Plateau. Da ist noch Kraft für die Blutspur. Auch die ist heute nicht die Vier-Minuten-Übung wie die letzten Male. Machbar ist sie allemal. Mag sein, dass da eine E-Stelle drinnen ist, aber der Steig ist so kurz, dass man sich wirklich schwertut zu ermüden.

Runter geht es über die Völlerin. Tja, und da liegen vier Steinböcke quer am Weg. Andere Bergsteiger verständigen die Bergrettung, aber ich bin da wesentlich erfahrener im Umgang mit diesen Viecherln. Na ja, glaube ich zumindest. Erst fotografiere und dann vertreibe ich. Provokant langsam räumen die Halbstarken den Weg.

Am Parkplatz kommen mir noch zwei Buben in voller Montur entgegen. Den C-Steig wollen sie gehen. Kenne ich nicht. Da sind auch schon vier Erwachsene, ein Österreicher und drei Amis. Den ÖTK-Steig wollen sie gehen. Der Österreicher scheint bergerfahren zu sein, aber wohl nicht im Führen einer Gruppe. Ich frage, ob er sicher ist, dass die Buben – ich schätze knapp über zehn – den Steig schaffen werden. Ja! Und ob die drei Amis fit sind? Ja, die klettern bis zu V+. Eine der Erwachsenen versteht wohl, worum es geht und antwortet: „No, we don’t! Don’t give any misinformation!“. Viel Spaß auf jeden Fall! Für mich ein weiterer Beleg, wieviel in den Bergen gutgeht, wieviel die Berge verzeihen. Da sind dann die vielen Unfallsmeldungen in den Medien verständlich. Also, ich würde den ÖTK-Steig mit einem geübten Zahnjährigen auch gehen. Dies allerdings in Betreuung durch einen erfahrenen Erwachsenen, der sich ausschließlich um maximal ein Kind kümmert. In den Bergen gelten Eigenverantwortung und Freiheit im Handeln mir am meisten und so lasse ich sie mit einem „Eine schöne Tour wünsche ich euch!“ ziehen. Ich bin jedenfalls für heute fertig, fein war’s! Beim Starten des Autos fallen die ersten Tropfen auf die Windschutzscheibe.

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