Bergrettung und Umgebung

Am Samstag sind wir ins Weichtalhaus eingeladen. Ich habe Jacken für die Bergrettung finanziert. Und wenn man schon mal in Gloggnitz ist, kann man auch die Umgebung erwandern.

Auf Facebook hat die Bergrettung Niederösterreich Wien gebeten, dass man sie nicht hängenlässt. Mit 2 Euro kann man einen Meter Seil finanzieren. Da habe ich im Frühjahr mal ein längeres Seil gesponsert. Die Folge war, dass die Dame einer Spendensammelorganisation geduldig den Sommer lang mich angerufen hat. Weil mich diese Organisation nicht vom Berg holen kann, habe ich bei der Bergrettung direkt angerufen und mich als ein williger Spender mit zu viel Geld vorgestellt. Prompt hat sich der Geschäftsführer, Lukas Turk, gemeldet und wir waren schnell einig: die Hardshell-Jacken für die Lehrwarte würden passen. Lukas meinte, dass sie sich über jede Jacke freuen. Ich meinte, dass ich – wenn schon denn schon – alle zahlen würde.

Kurz zum Beweggrund

Ein Blick in die Kindheit vielleicht? Schon seit meiner Kindheit bin ich in den Bergen. Der Vater hat die Wahrnehmung bestimmt: Alpenverein und Bergrettung sind edel. Institutionen abseits der Berge kamen hingegen fast durchgängig wesentlich schlechter weg.

Über die Jahre habe ich erkannt, dass es in der Stadt Berufsfeuerwehr und Berufsrettung gibt. Am Land sieht das anders aus, in den Bergen nochmals anders. Der Ausgang von Unternehmungen hängt im Leben immer vom Zufall ab. Gute Vorbereitung erhöhen die Chancen, aber zwingen lässt sich der allmächtige Zufall nicht. Statt Zufall kann man übrigens auch Schicksal oder der liebe Herrgott sagen.

Allermeist ist der Zufall gnädig und ignoriert Fehler. Jeder, der in die Berge geht, kennt das Gefühl bei Einsicht eines Fehler oder Laune des Schicksals. Also, wenn der Stein knapp an dir vorbeisurrt und dich links stehen lässt. Na ja, und dann gibt es die seltenen Fälle, in denen man auf Hilfe angewiesen ist. Das ist mir bislang erspart geblieben. Aber das war eben Zufall – siehe oben.

Edel, wenn es da Menschen gibt, die Energie und Freizeit investieren, um in solchen Situationen helfen zu wollen. Wenn ich schon selbst nicht einer von denen bin, so habe ich mir gedacht, dass ich zumindest finanziell unterstützen kann.

So kam es jedenfalls, dass wir ins Weichtalhaus eingeladen wurden. Anwärter für die Bergrettung müssen sich an diesem Samstag beweisen oder können sich versichern, dass sie den Aufgaben eines Bergretters gewachsen sind. Lukas empfängt uns und drückt Sabine und mir vor dem Klettergarten einen Helm in die Hand. Er möchte uns die Stationen der Eignungsprüfung zeigen. In Notwehr stellt sich Beene als Weinbergsteigerin vor. Aber da rauf? Da rauf müssen wir dann aber eh nicht. Der Helm schützt vor dem, was aus der Wand fallen könnte.

Vom Landesleiter, Matthias Cernusca, erfahre ich, dass mir die größte Einzelspende bislang gelungen ist. Zumindest verstehe ich das so. Vielleicht gilt das Superlativ nur für Privatpersonen. Ist ja auch nicht so wichtig. Man ist jedenfalls erfreut und auch ein bisserl erstaunt.

Fotos werden geschossen. Mio interessiert sich mehr für die Kollegin bei der Bergrettung als für ein gelungenes Foto. Strahlen halt die anderen umso mehr. Beim Mittagessen mit Lukas, Matthias und Klaus lernen wir die sympathischen Herren ein bisserl genauer kennen. Die Sonne scheint aufs Weichtalhaus, Geschichten der teils abenteuerlichen Sorte werden ausgetauscht, während im Hintergrund die Anwärter ihr Bestes geben, um in den erlauchten Kreis der Bergretter aufgenommen zu werden. Toller Tag!

Ich bin sicher, das Richtige getan zu haben und habe in keiner Sekunde einen Zweifel. Möge ich die Jacken künftig öfters sehen, aber weiterhin nie im Notfall!

Die Meldung der Bergrettung zu dieser Aktion gibt es hier.


Den Nachmittag nutzen wir für eine Wanderung von Gloggnitz zur Speckbacherhütte, wo es erwähnenswert gute Nachspeisen gibt.
Die Tour auf Garmin.

Sabines Auto bleibt in Gloggnitz und so wandern wir am nächsten Tag von Prigglitz zur Pottschacherhütte. Dort begrüßt uns Franz Eggl. Bis vor kurzem hat er die Neue Seehütte auf der Rax betrieben. Wir haben öfters geplaudert. Nun ist er von meiner neuen Rolle erstaunt. Im Kurier war er als der berühmteste Hüttenwirt auf der Rax erwähnt. So wird er also nun von seinen Gästen begrüßt. Ganz so hat er sich noch nicht daran gewöhnt, aber das wird schon werden. Als Bergretter hat er seit kurzem übrigens eine neue Jacke. Er ist froh, dass sie kein Logo eines Sponsors trägt. Schließlich ist er ja kein „Formel 1“-Fahrer. Vielleicht hätte ich doch ein Foto von mir einnähen lassen sollen 😉
Unsere Runde auf Garmin