Fuchsloch – Martinsteig

Wieder einmal Rax – zweifelhaft prickelnd, aber notwendig für die Vorbereitung bzw. um in Schwung zu bleiben! Am Vorabend fragt Gernot in die Gruppe, ob wir ihm Grödel mitbringen können, und Renate lässt mich wissen, dass Gernot Grödel will. Was ist denn das wieder für ein Blödsinn? Ich überlege die Kurze, verwerfe den Gedanken aber, weil Temperaturgrade um die Null und Wind am Plateau zu erwarten sind. Gernot hat außerdem nur die Trailrunningschuhe in Wien. Und ich hab den El Sombrero in Laufschuhen ohne jedes Profil bestiegen. Aber meinetwegen, soll sein.

So stehen wir am Preinergscheid und los kann es gehen. Beim Einstieg des Fuchslochsteigs erwartet uns dann ein erstaunlich langes Schneefeld. Hart ist es auch. Na, zum Glück haben wir die Grödel mit. Mit den Grödeln ist all das kein Problem. Mio schafft sogar ohne Hilfe das kurze, steile Wandl, das in manchem Bergführer, als zwei Meter hohe, senkrechte Schlüsselstelle beschrieben wird. Okay, Mio haben ein bisserl die Haxen gezittert, aber – schwupps – und oben war er. Nochmals ein Schneefeld, wo die Grödel nicht ganz falsch sind und auf der anderen Seite runter zum Karl-Ludwig-Haus.

Schlangenweg oder Karl-Kantner-Steig? Wir probieren den Karl-Kantner-Steig und finden ihn nicht. Das Waxriegelhaus bleibt links liegen. Und dabei wäre heute gar nicht Suppen-Dienstag. Mann oh! Der Grund fürs Falschgehen mag wohl darin begründet sein, dass wieder einiges an Schnee liegt. Zum Glück sind Latschen da, an denen man sich elegant oder auch weniger elegant ablassen kann. Mio rutscht gelegentlich am Bauch und bremst mit den Gogerln. Effizient, aber auch nicht elegant. Ich mache es jedenfalls nicht nach. Da hänge ich lieber wie ein Affe an den Latschen. Der Verdacht härtet sich, dass wir den Martinsteig gehen. Auch recht! Hunger ist eh keiner recht vorhanden.

Wir erreichen also ohne Einkehr wieder das Auto, und sind derart zu einer völlig überraschend kurzweiligen Bergtour gekommen. Tadellos!

Die Tour auf Garmin

Thörlweg – Gsohlhirnsteig

Gernot, Mio und ich sind unterwegs. In Wien ist es seit Weihnachten ungewöhnlich kalt. Also, die letzten paar Jahre war es deutlich wärmer. Egal, oben soll es wärmer sein. Schauen ma a mal.

Wir parken auf dem eisigen Parkplatz am Knappenhof. Die schweren Schuhe kommen dran, auch wenn es nach wenig Schnee aussieht. Aber in den Rinnen und im Windschatten wird schon so viel liegen, dass die halbhohen Schuhe keine Freude wären.

Mit den Grödeln im Rucksack haben wir Nöte, die Eispiste bis in den Wald zu meistern. Aber ab dem Wald wird alles gut und immer wärmer. Und irgendwann sitzt Gernot Mitte Jänner auf einem Baumstumpf und legt Schichten ab. Dazu sitzt er gar unbeeilt mit blanken Beinen in der Jännerluft. Die Klimaerwärmung ist back, und eine Schneerose auch schon da. Oha, die muss sich aber im Kalender verlesen haben.

So schwitzen wir den Thörlweg hinauf. Oben liegt dann tief Schnee. Schneerutsche unterschiedlicher Größe haben ihn weg- oder zusammengeschoben. Die Schuhwahl war korrekt. An eine Skitour ist nicht zu denken. Am Plateau dann wildester Bruchharsch. Da wäre man mit Skiern zumindest im Aufstieg besser dran, aber abfahren magst du da nicht.

Wir erreichen das Otto-Haus und besteigen den Jakobskogel. Weiter geht es zur Bergstation der Rax-Seilbahn. Nix los, weit und breit. Leider ist auch die Menüauswahl sehr eingeschränkt.

Runter sind wir dann die ersten seit den letzten Schneefällen, die den Gsohlhirnsteig gehen. Mio springt und versinkt. Bergab hält er das aus und hat Freude am Abstieg. Auch für uns ist der Abstieg im Schnee angenehm. Im Wald dann noch ein bisserl Eis, ehe es aper wird und die Schneerosen übernehmen. Irgendwann wird es ihnen bei uns zu warm werden. Viel früher als Mitte Jänner können Sie ja nicht blühen.

Auch der Knappenhof hat seinen Eispanzer abgeworfen. Alles gut! Tadellose Tour mit doch um die tausend Höhenmeter an der frischen Luft!

Kanzelsteig

Gernots und mein Novemberklettern will gemacht werden. Wir haben mehr Erwartungen als Zeit für die Vorbereitung der Tour. Die Erwartungen sind: unten Nebel und Temperaturen um die Null, oben Sonne und T-Shirt. Ja, so war es schon ein paar Mal, dann soll es auch heute so sein. Da Gernot ein neues E-Auto bekommen hat, ist er am Vorabend beschäftigt. Ich bin vom Haidsteig auch ein bisserl müde. Niemand gleicht die Erwartungen gegen die Realität ab. Vom Haidsteig weiß ich, dass die Hohe Wand die bessere Wahl sein wird. Und auf der Hohen Wand ist es doch immer warm. Eigentlich sollten wir es besser wissen, aber…

Gernot hat ein paar Tourenvorschläge geschickt. Allesamt III und schwieriger. Boah, da ist mir nicht ganz wohl dabei. Ich suche und finde Leichteres. Wir nehmen den Kanzelsteig und können ja oben dann noch die Technikervarianten mitnehmen.

Beim Seiser Toni folgt der erste Wettercheck. Kein Nebel, keine Sonne. Dafür Wind und Schneeflocken. Ich habe beide Mammut-Jacken mit. Die wärmere Jacke habe ich dabei, weil man beim Kraxeln mit Seil viel herumsteht und dabei leicht friert. Jetzt entscheide ich, beide Jacken anzuziehen. Gernot geht es gleich. Der Kanzelsteig ist ein II+. Den sollten wir auch ohne Seil schaffen, meint Gernot. So würden wir weniger herumstehen und nicht auskühlen. Zustimmung! Dann habe ich die glorreiche Idee, dass es noch wärmer wird, wenn wir das Material und das Seil im Rucksack mitschleppen. Für Wärme wäre gesorgt. Machen wir! Ich nehme freiwillig Seil und mein Eisen.

Der Einstieg ist schnell gefunden. Gernot sieht schon die roten Punkte. Diese sehe ich auch, aber erst, wenn ich draufstehe oder ich mich am entsprechenden Fels festhalte. Gernot geht somit vor. Die Kraxelei ist lustig. Ein bisserl viel Nadeln, Bockerln, Steine usw. liegen herum. Das nächste Mal nehme ich noch einen starken Laubbläser mit und mache da ein bisserl Ordnung. Ha, da ist sie schon die „Schlüsselstelle“. Gernot meint, wir gehen ohne Sicherung. Ich bin nicht sicher. Irgendwie muss ich meine Muttropfen heute vergessen haben. So mache ich den Vorschlag, wir nehmen das Seil und Gernot steigt vor. Zustimmung pur, los geht’s!

Bald erkennt Gernot, dass es eh eine gute Idee war, das Seil zu nehmen. Irgendwann rufe ich ihm zu, dass es wieder einmal Zeit wäre für eine Zwischensicherung. Wenn er jetzt einen Abgang macht, kugelt er definitiv an mir vorbei. Somit hat er die Wand eigentlich ohne Sicherung genommen. Zack, da kommt der erste Stein. Deckung und der Kopf ist mal geschützt. Ob der Rucksack schützt? Die Beine sind etwas exponiert. Die Wahrscheinlichkeit für ein Treffer ist eh extrem gering. Schon höre ich dieses grausige Surren des Steins – verfehlt – gut so! Kurze Zeit danach wieder. Diesmal sind es mehrere Steine. Ja, was macht der da oben? Ein dicker Stein springt im Zickzack herunter. Wo jetzt? Links, rechts, links… Deckung und auch verfehlt. Okay, vielleicht bin ich den Steig deswegen noch nicht gegangen. Ist ja ein Wahnsinn da!

Ich steige nach, und das lieber schnell als langsam. Dabei erwische ich es nicht gut. Ja, Himmi! Wo ist der da rauf? Begeistert hat er gerufen, dass er riesige Griffe gefunden hat. Hat er die mitgenommen oder abgebaut? Ich finde da nichts. Keine Sorge, auch ohne die großen Komfortgriffe ist diese Wand, das Testamentwandl, machbar. Gernot wartet schon. Für den ersten Stein übernimmt er die Verantwortung, aber die restlichen schreibt er den Steinböcken zu. So richtig Freund werde ich mit diesen Viechern nicht.

Weiter geht es im „Gehgelände“. Das Seil haben wir schlampig aufgenommen und steigen so eng hintereinander. Dabei reduziert sich die Funktion des Seils darauf, dass keiner alleine heimfahren muss, wenn etwas passiert. Der Steig macht Spaß und bald brauchen wir wieder die Hände. Ah, da drüben startet die erste Techniker-Variante. Die blauen Punkte sehe auch ich aus der Ferne.

Heute bleiben wir mal am Kanzelsteig. Der muss zumindest einmal gemacht werden. Außerdem wird es zunehmend kalt. Gernot steigt wieder vor. Diesmal sucht er ein bisserl nach Griffen. Auch hier gilt: der Steig ist genau richtig, überfordert sind wir kein einziges Mal. Im Nachstieg habe ich dann das Glück auf meiner Seite und spaziere da ohne Erkennen von Schwierigkeiten hinauf. Jetzt sind wir am Grat, der Wind pfeift, der Schnee kommt von rechts. Gemütlich ist anders.

Aha, da ging es zu den anderen Technikervarianten! Fein, aber kalt. Also, aufi! Bald ist das Gipfelkreuz da. Das nenne ich einen komfortablen Standplatz. Sogar eine Kette achtet darauf, dass ich nicht runterfallen kann. Die Finger frieren allerdings und ich könnte noch ein paar Jacken gebrauchen. Gernot kommt den Grat herauf. Was für ein Glück! Die Freude ist groß, die Zeit zum Feiern und Genießen kurz. Wir stopfen das Material in die Rucksäcke und verlassen diesen unwirtlichen Platz.

Die Wilhem-Eichert-Hütte hat offen. Wir können es gar nicht glauben, aber seitdem die neuen Pächter übernommen haben, ist der Besuch hier ein Muss. Die Karte bietet deutlich mehr Speisen als heute Gäste kommen werden. Wir machen Umsatz und wärmen uns auf. Abgesehen vom Steinschlag, ausgelöst durch boshafte Steinböcke, ist der Steig eine wahre Genusskraxelei gewesen. Wir kommen sicherlich wieder. Wärmer sollte es sein. Das schon!

Runter sind wir das Zahme Pechterlein, oder so! Wunderbarer Vormittag in den Bergen, die sich heute deutlich frostiger gezeigt haben als erwartet. Edel war’s!

Die Tour auf Garmin

Weißkugel


Zu den Fotos


Monate, ja Jahre lang tun wir mit der Weißkugel schon rum. Als Kind hat ich die Besteigung schon vor. Der Vater hat einen elendslangen Firngrat versprochen, der bezwungen werden will. Okay, den wird die Klimaerwärmung entschärft haben . Vor sechs Jahren hat Ulli, als der Krebs schon weit fortgeschritten war, dem Onkologen auf die Frage, was sie sich denn noch vorgenommen hat, launisch und zuversichtlich, nur wie sie es konnte geantwortet: „Die Weißkugel besteigen!“. Irgendwie hat sich die Story ab da verselbständigt, dass Gernot und ich Ulli versprochen hätten, die Weißkugel für sie zu erledigen. Daran kann ich mich aber nicht erinnern. Vielleicht haben Gernot und ich mal posthum gesagt, dass wir die Weißkugel für sie machen. Was auch immer der Beweggrund war, die Top 3 der höchsten Berge in Österreich sind „erledigt“. Die Liste gibt es hier.

Renates Füße haben sich mit den neuen Einlagen arrangiert. So arrangiere ich mich mit dem Faktum, dass ich 57 bin, viel Zeit habe und es eigentlich nebensächlich ist, ob ich die Weißkugel in eineinhalb oder zweieinhalb Tagen bewerkstellige. Ich akzeptiere gar schon, dass ich die Weißkugel ohne Übernachtung nicht mehr schaffe. Zwei Übernachtungen erscheinen mir schon sehr komfortabel geplant. Ich spekuliere damit, dass, wenn nicht wir, so doch Gernot, nach der Besteigung noch ins Tal absteigt und heimfährt. Aber es kommt besser. Nun der Reihe nach.

Am Dienstag beschließen Renate und ich, dass wir am Mittwoch aufbrechen und am Donnerstag Gipfeltag ist. Gernot ist spontan dabei, kann aber erst am Donnerstag in Kärnten los. So fahren Renate und ich am Mittwoch los und übernachten in Nauders. Am Donnerstag ist es zu unserem Treffpunkt beim Almhotel Glieshof nur noch ein kurzes Stück. Der Glieshof sieht von außen überaus fein aus. Das nächste Mal quartieren wir uns hier ein! Gernot hat es von Kärnten aus kilometermäßig nur halb so weit wie wir. Aber er kommt mit einer Geschwindigkeit wie Mio, wenn man ihn ruft.

So starten wir nach 14 Uhr. Die Sonne brennt runter. Upps, das wird zäh. Auf der Hütte kommen dann die ersten Überraschungen. Wir haben ein Vierbettzimmer mit Bad. Oha, Dusche und Handtuch warten auf uns. Gernot bekommt das Stockbett wir das Doppelbett. Wir hätten gar ein Doppelzimmer haben können, aber dann hätte Gernot in ein Sechserzimmer müssen. Da nehmen wir ihn doch bei uns auf. Sogar eine „Sonnenterrasse“ bietet unser Zimmer. Da werden wir wohl nicht fluchtartig noch absteigen. Hier hält man es aus. Die Hütte ist in tollem Zustand, das Essen soll auch gut sein und ist auch wirklich gut.

Edwin, der Hüttenwirt, meint, dass das Matscher Wandl aktuell in perfektem Zustand ist. Das hat auch schon die Wirtin bei der Buchung gesagt. Jepp, das ist fein! Keine Eisschrauben, keine Angst im steilen Eis. Was soll da noch schiefgehen?

15 Gäste sind wir. Zwei Gäste haben getrennt einen Bergführer für die Weißkugel gebucht. Diese zwei Gruppen – die einen nennen wir die Geschwinden, die anderen die Moderaten – und wir werden also am Donnerstag von der Oberetteshütte Richtung Weißkugel aufbrechen. Das ist sehr wenig. Frühstück gibt es um halbsechs. Na zack, das ist aber früh. Sonnenaufgang ist sieben Uhr. Ich überlege. Okay, es wird warm wie an einem Sommertag. Da will man nicht in einem steilen Firnhang herumeiern. Wie auch immer, kurz nach halbsieben stehen wir vor der Hütte. Vor uns sieht man die Stirnlampen der beiden Gruppen. Wir starten mit dem ersten Morgenlicht.

Nach der Hütte geht es 350 Höhenmeter auf einen Grat, weiter auf einem Plateau, ehe man wieder knapp 150 Meter absteigen muss. Uh, das ist steil, das wird am Rückweg kein Genuss werden. Dann noch ein Stück an einem sicherlich eher jungen „See“ links vorbei, ehe wir am aktuell unteren Ende des Matscher Ferners angelangen. Hier holen wir unsere beiden Gruppen von der Hütte ein. Sehe ich es richtig, haben die beiden Bergführer nur ein Strickerl mit, das nur ein Gehen am kurzen Seil erlaubt. Wir sind da mit unserem 60m langen Seil schon eher auf Spalten eingestellt. Ich vermute, dass wir wieder einen „sterbenden“ Gletscher begehen werden. Jepp, so ist es leider dann auch. Im unteren Drittel gibt es noch ein bisserl ein Spaltenlabyrinth. Wer wild ist, kann wahrscheinlich gerade aufsteigen. Er muss halt ein paar Mal ein, eineinhalb Meter in die Spalte und auf der anderen Seite wieder rauf. Die Spalten sind V-förmig im Querschnitt aber nicht tief. Wir sind natürlich brav und queren, bis wir über die Spalten einfach drübersteigen können.

Bald geht es dann noch mal weniger steil dahin, ehe man entscheiden muss, ob man steiler weitergeht und unter der Inneren Quellspitze Richtung Matscher Wandl zieht oder, ob man doch die flachere Variante wählt, die unterhalb einer markanten Felsinsel links in einem weiten Bogen führt. Wir machen es wie die Bergführer und das ist natürlich schlau so. Hier sind zwar noch einmal ein paar Querspalten zu nehmen, aber dann ist Ruhe mit den Behinderungen. Schattig ist es auch, und das ist definitiv angenehm. Trotzdem keucht eine von uns drei schon ordentlich. Auch am Ende des steileren Abschnittes will sich keine Erholung einstellen. Jetzt ist es eigentlich nur noch ein flacherer Firnabschnitt.

Ist das da vorne schon das Matscher Wandl? Oha, das sieht dann doch ein bisserl wild aus. Die Erfahrung sagt, das Gegenhänge oder steile Hänge aus der Ferne und in Draufsicht immer wilder aussehen. Gernot ist beruhigt, ich noch nicht so ganz.

Während wir also langsam dahintrotten, fällt die Entscheidung. Gernot wird alleine gehen. Renate nehme ich ans kurze Seil. Das bringt mentale Sicherheit für sie. Ich bin mir sehr sicher, dass ein kurzes Seil zwischen uns nur bedeutet, dass wir mit hoher Wahrscheinlichkeit gemeinsam abfahren, wenn einer ausrutscht. Noch ehe wir am Einstieg sind, ist auch schon das erste Duo, die Geschwinden, durch das Wandl. Mah, das ging schnell. Die Moderaten lassen uns vor und so sind wir die nächsten.

Der Durchstieg ist dann eher einfach. Es schaut zwar an der ersten Querung das Eis raus, aber es sind gut haltende Schneereste fast in Stufenform vorhanden, die die Begehung recht einfach machen. Die Kehre ist steil, aber gut machbar. Kein Blankeis mehr, und die Steigung nimmt wieder ab. Wenn sich die Schneebedingungen nicht allzu sehr ändern, bin ich für den Abstieg entspannt.

Jetzt folgt noch ein flacher Firnhang und ein wenig spektakulärer Firngrat zum Steigeisendepot. Am Gipfel sehen wir schon emsiges Treiben. Steigeisen und Pickel liegen zuhauf herum. Oha, da ist eine große Gruppe von der Bella Vista Hütte heraufgekommen. Wir lassen Steigeisen und Pickel ebenfalls hier.

Gekraxelt wird ein bisserl ausgesetzt, aber nicht sonderlich schwer. Und dann ist da das kleine, nordseitige Schneefeld, das ich in einer Beschreibung gelesen habe. Man muss es absteigen. Ohne Pickel und Steigeisen ist das ein fragwürdiges Unterfangen. Aber ein mächtiges Seil ist doppelt gespannt. Es ist mit Bandschlingen und zwei Exen montiert. Wau, das sieht professionell und sehr neu aus. Da bin ich aber froh. Nur was, wenn das am Rückweg nicht mehr da ist? Dann stehen wir beim Gipfel ohne Ausrüstung! Hmm, schauen ma a mal.

Am Gipfel dann Gedränge. Die junge Truppe aus Südtirol hat gar zwei Hunde mit herauf gebracht. Der junge Mann erzählt, dass sie um 4:15 in Kurzras los sind und er die Sicherung aufgebaut hat. Alles viel Information. Die Leute hier haben also schon über zweitausend Höhenmeter in den Beinen. Sie lachen und scherzen. Und er ruft immer wieder „Mama, mach‘ des!“ und „Mama, hast du des eh a?“. Die Frau, die sich angesprochen fühlt, ist jünger als ich. Der Verstand kommt nicht nach. Ist die Luft zu dünn? Oha, da steht auch das g’schwinde Paar von unserer Hütte. Sie warten offenkundig schon ewig auf ungestörte Gipfelfotos.

Wir entscheiden schnell, dass wir nur kurz hier verweilen werden und stattdessen weiter unten rasten wollen. So können wir noch die Seilsicherung nutzen. Ja, das passt alles! Die Hunde, die Mama und noch ein paar Menschen sind schon weg. Wir schießen schnell die Fotos, und ich achte sorgfältig darauf, dass noch jemand aus der Südtiroler Gruppe hinter uns ist.

Tja, die Erkenntnis ist dann, dass der Aufstieg auch ohne Seilsicherung leicht machbar gewesen wäre. Da hätten wir also ruhig einsame Momente am Gipfel genießen können. Renate schließt sich gar dem g’schwinden Bergführer an und ist gar nicht mehr zu stoppen. Der zweite Bergführer ist mit seinem Gast auch da und sichert unbeabsichtigt eine bisserl kniffligere Stelle, indem er noch oben steht, während sein Gast ein paar Meter unter ihm Platz genommen hat. Der Gast kauert sich an den Fels und wir steigen drüber. Das ist ja wie auf den Achttausendern hier. Mann, da geht es zu. Ich bedanke mich höflich und ausführlich bei Bergführer und Gast und versichere mich bei dem doch etwas mitgenommenen Gast, ob eh alles in Ordnung ist. Ein bisserl deppert ist die Situation schon.

Beim Steigeisendepot dann die nächste Aufregung. Mama meint, dass ihre Steigeisen verwechselt wurden. Sie rennt dem g’schwinden Bergführer mit seinem Gast nach. Der ist schon im Abstieg und sicher, nichts verwechselt zu haben. Man ist irritiert. Logistisch kann niemand sonst die Steigeisen verwechselt haben. Gernot bietet seine 46er an. Auch meine werden nicht passen. Der junge Mann hat mittlerweile die Seilbrücke abgebaut und versucht aufzuklären. Ehe Mama ihren Fehler eingesteht, nimmt sie halt das Paar das noch über ist.

Wir pausieren noch ein bisserl, ehe es ins Wandl geht. Wieder bilden Renate und ich eine Schicksalsgemeinschaft, während Gernot ungesichert und doch bei geringerer Gefahr alleine absteigt. Runter ist es wie zu erwarten nochmals leichter. Die steile Kehre ist überstanden und in an den eisigen Stellen stützt der Schnee tadellos. Just unter der steilsten Stelle schauen einige Felsen aus dem Eis. Wer hier ausrutscht, hat gute Chancen, sich weiter unten zu fangen. Wäre da nur nicht dieses Felsband. Egal, wir sind durch. Ab jetzt heißt es durchhalten.

Wir wählen wieder die Variante unter der Felswand der Inneren Quellspitze. Von Steinschlag ist da keine Spur. Gernot wird uns durchs Spaltenlabyrinth führen. Mal ein bisserl links, mal ein bisserl rechts, mal ein großer Schritt über eine Spalte, manchmal gar ein kleiner Hüpfer. Da reicht es einer von uns. Disziplin ist gefragt. Okay, so trotten wir zum Ende des Matscher Ferners. Wir wollten ja eine Eisschraube eindrehen. Immerhin haben Gernots Eisschrauben noch nie Eis gespürt. Aber jetzt will Gernot nicht. So stehe ich als einziger da, der hier am Gletscher bohrt. Die moderate Gruppe holt uns ein und überholt. Fest steht, von den beiden reicht es auch zumindest einem und der will heim.

Wir drei hingegen haben es nicht eilig, rasten nochmals anständig vor dem steilen Gegenanstieg und erreichen am Nachmittag die Hütte. Stolz und unumstößlich mit dem Gipfelsieg in der Tasche faulenzen wir in der Sonne. Am Abend gibt es gar eine Flasche zur Feier des Tages. Zu meiner Freude habe ich eingesehen, dass wir die Nummer 3 in Österreich bestiegen haben. Als solche steht sie eh in meiner Liste, aber ich war ganz sicher, dass der Pöschlturm höher ist. Neun von zehn der Top 10 habe ich somit. Wir planen gleich die Glocknerwand und schielen zum Ortler hinüber. Die Zuversicht ist zurück. Es liegt nicht nur am Wein!

Am nächsten Tag heißt es dann Abschied nehmen. Der Abstieg geht schnell. Am Glieshof trennen sich unsere Wege. Während wir über den Reschenpass Richtung Norden fahren, schlängelt sich Gernot durch Italien nach Kärnten in die fast neue Heimat. Für uns gibt es noch im Restaurant Hubers im Fischerwirt ein feines Essen. Wir arbeiten konsequent an unserer Erholung.

Die drei Tage auf Garmin


Zu den Fotos


Akademikersteig

Einmal im Jahr muss der Akademikersteig erledigt werden. Erstmals sind wir zu dritt. Wir entscheiden uns für die Variante: „Einer vorne, die beiden anderen nahe beisammen am Ende des Seils“. So schwierig sollte es ja nicht werden.

In einer guten halben Stunde sind wir beim Einstieg. Mah, da ist es schwül. Der anstrengendste Teil sollte geschafft sein. Ich probiere unsere Variante in der ersten Seillänge aus. Funktioniert tadellos. Auch die beiden kommen schnell und problemlos nach. Die beiden sind mit Karabinern ins Seil eingehängt, so können sie sich schnell aushängen und die einfachen Passagen ohne Seil gehen, während ich das Seil aufnehme und folge. Zack, schon ist Renate weg.

Ab der nächsten Seillänge übernimmt Gernot und ich bleibe mit Renate hinten. All das ist überaus entspannt. Wir schießen Fotos und genießen den Tag.

Bald sind wir beim Felsenfenster. Nein, da ist nichts verlorengegangen seit 2015(?). Ein Kommentator hat 2024 erwähnt, dass ein Teil nun fehlt und alles viel schwieriger ist. Es sieht alles gleich aus wie sonst auch. Der gute Mann muss vor über zehn Jahren das letzte Mal hier gewesen sein. Und ein IIIer ist die Passage beim Felsenfenster wirklich nicht. Von Gernot und Renate kann ich coole Fotos machen. Gernot sieht als nächste Option nur noch „Free solo“! Na, das wäre vor ein paar Jahren nicht denkbar gewesen. Auch Renate verspürt keine Schwierigkeiten. Sie steigt gar den Schlussgrat ungesichert vor. Ausstieg erreicht.

Warm ist es nun wieder geworden. Wir rasten, packen zusammen. Dann rückt Gernot raus, dass er nichts dagegen hat, wenn wir gleich absteigen und im Weichtalhaus essen. Am Vortag hatten Renate und ich noch eine schwere Diskussion, was wir nach dem Steig machen. Ihre Füße mögen aktuell keine langen Hatscher. Wie auch immer, mit Zweidrittelmehrheit beschließen wir den Abstieg über den Wachthüttelkamm. So gierig war ich auch nicht auf die Wanderung zum Ottohaus – passt schon! So ist es ein bisserl kurz. Bei so wenig Kalorienverbrauch tue ich mir im Weichtalhaus gar nicht leicht. Aber den Burger, in dem sich Reh und Wildschwein treffen, schaffe ich, und die Heidelbeertatschgerl sind Pflicht.

Tadelloser, vergnügter Tag!

Die Tour auf Garmin

Weg ohne Grenze

Gernot hat Geburtstag – ein Grund nach Kärnten zu kommen. Am Vortag seines Ehrentages fahren wir gemeinsam vom Wörthersee auf den Plöckenpass. Zwei Klettersteige haben wir uns ausgesucht: den Cellonstollen und den „Weg ohne Grenze“. Ein gut besuchter Parkplatz auf italienischer Seite erwartet uns. Ein Stück müssen wir zurück Richtung Österreich (aber nicht im Tunnel!), ehe, gut angeschrieben, der Steig über die Verbauung bergauf führt. Der Zustieg ist kurz.

Geschichte ist hier angesagt, zumal der Cellon bzw. Frischkofel im ersten Weltkrieg wild umkämpft war. Wer die Gipfel hat, kontrolliert die Pässe und damit die Grenzen – so das damalige Motto. Als der Cellongipfel schon von den Italienern erobert war, schlugen die Österreicher den Stollen in den Stein, um die Stellung auf der Cellon-Schulter halten zu können. Steil geht es im Stollen hinauf. Alle 20 bis 30 Meter ein Luftloch. Damals waren Holzstufen verbaut, heute sind es ein Seil und dort, wo notwendig, Eisenklammern. Bei unserer Begehung war es feucht und ein bisserl rutschig, aber alles gut machbar. Wir haben so viele Fragen und sind voller Respekt, was das für eine Arbeit war. Die Begehung ist ebenso kurzweilig wie spektakulär.

An der Schulter angekommen, geht es weiter zum Klettersteig „Weg ohne Grenze“. Auch der Abschnitt ist nicht sonderlich weit und bald stehen wir am Einstieg des Klettersteigs. Die Schwierigkeit ist mit D angegeben. Entsprechend respektvoll blickt eine von uns den Herausforderungen entgegen. Einige Klettersteiggeher sind unterwegs, aber die lassen wir vor. Renate bekommt eine Blitz-Einschulung von Gernot in die Verwendung des Skylotecs, einem Sicherungsgerät, das die Sturzlänge im Falle eines Falles minimiert. Nicht wissend, was ich zwischenzeitlich mit meiner Zeit anfangen soll, mampfe ich den Proviant für den heutigen Tag in mich hinein.

Dann geht es los. Nach ein paar einfachen Metern erwartet uns eine steile Rampe. Sie ist mit B/C bewertet. Mit Erfahrung ist sie wirklich nicht annähernd so schwer wie sie spektakulär ist. Der gesamte Steig ist toll angelegt, der Fels ist durchgängig griffig und kein bisschen abgeschliffen (2025). Es warten eine C/D- und zwei D-Stellen. Alle drei Stellen sind eher kurz und somit nicht allzu kraftraubend. Dies vorausgesetzt, dass man zügig über die Stellen kommt. Zum Abschluss dann noch eine Wand mit der Schwierigkeit C und das Ende ist erreicht. Was sich kurz liest, ist zeitlich und von den Höhenmetern ein ganzes Stück. Es ist ein überaus feiner Steig, der das Prädikat „Empfehlenswert“ verdient. Für Anfänger und Kinder gibt es Passenderes. Wer es trotzdem probieren will, soll zu jedem Anfänger bzw. Kind jemand mit Erfahrung dabei haben, der gegebenenfalls an einem Seil sichert. Der Steig ist mit Klebehaken ausreichend versorgt.

Gegen Ende des Klettersteigs ist Nebel aufgezogen. Den Frischenkofel, oder besser bekannt als Cellon oder Creta di Collinetta, nehmen wir natürlich mit. Der Weg dorthin ist gesäumt, von von Menschen geschlagenen Höhlen mit Fenstern, um Richtung Plöckenpass feuern zu können. Hier auszuhalten, muss Irrsinn gewesen sein. Wie das im Winter war, 1916 war es sicher deutlich kälter, mag man sich gar nicht vorstellen. Gernots späte Berufung zum Immobilientreuhänder beweist sich hier. Er ist versucht, jede Höhle zu begehen, meint, Schlaf- und Essraum zu erkennen. Er schreitet ab, will ausmessen und überlegt wohl, wie er das potenziellen Mietern schmackhaft machen könnte. Jede Höhle beeindruckt ihn, uns weniger.

Wir rasten am Gipfel, die verbliebenen Kokoskuppeln müssen weg, aber ich explodiere gleich. Eine neue Form der Bedrohung hier heroben. Im Abstieg weichen wir von der geplanten Route ab, steigen kühn einen anderen, möglichweise zwar eingezeichneten, aber nicht offiziellen Weg ab und sparen uns derart doch einiges. Renates Fußballen streiken wieder einmal und so sind wir froh über die abgekürzten Kilometer.

Am Plöckenpass gibt es noch Pasta. Gernot hat nicht nur eine Leidenschaft für Erdlöcher sondern ebenso für alles, was aus Italien kommt. Er bestellt auf Italienisch – die vielen Duolingo-Stunden und Online-Kurse machen sich bezahlt. Ob es dann die beste Pasta war? Ich weiß es nicht. Vielleicht hatte ich einfach zu viel während der Tour in mich hineingestopft.

Die Runde kann man jedenfalls jedem empfehlen, der Freude an schönen, ausgesetzten und etwas fordernden Klettersteigen hat. Ein toller Tag war es auf jeden Fall!

Die Tour auf Garmin

Ankogel (3.252m)

Unsere Unternehmung steht an der Kippe, denn in Kärnten kommt am Vorabend Renate zur Erkenntnis, dass sie in Flip-Flops in Breitenfurt losgefahren ist, und derart ihre speziellen Einlagen für die Schuhe vergessen hat. Selbst mit Einlagen ist so eine Bergtour mitunter eine Mühsal, aber so! Das wird was!

Mit geliehenen Einlagen – von Renate zu Renate – geht es mit Gernot und Mio zur Talstation der Ankogel-Seilbahn und mit dieser bis auf 2.650m. Es ist warm. Das passt zum labilen Wetterbericht. So ziehen wir ein bisserl schwitzend in langen Hosen los. Heerscharen von Gipfelstürmern aus allen Herren Länder sind unterwegs, die meisten in Shorts und bei früher aufziehenden Gewittern in einer sicherlich unangenehmeren Lage. Aber meistens wird es wohl gutgehen. Wir sind halt überaus vorsichtig. So grüble ich, während wir in einer wilden Truppe Niederländer dahinziehen. Die Gruppe gibt alles und hält durch. Zumindest am ersten Teil, der leicht bergab Richtung Osten führt. Aber kurz nachdem sich der Anstieg ins ehemalige Lassacher Kees vom Tauern-Höhenweg trennt, trennen auch wir uns von der Gruppe. Da ist schon was los hier. Den weiteren Verlauf des Weges erkennt man leicht an den vielen Bergsteigern, die hier Richtung Ankogel bzw. zumindest Richtung Kleiner Ankogel stürmen.

Jetzt kommt die Stelle, an der ich schon manchmal geschrieben habe, wie das damals im vorigen Jahrtausend war, als ich mit dem Vater unterwegs war. Ich meine, es war damals eine Tour mit Begehung eines Gletschers. Aber es ist zu lange her, um mich belastbar zu erinnern. Also, diesmal kein Bericht von fast vor einem halben Jahrhundert.

Das bisserl Gletscher, das da noch über ist, bedarf keiner speziellen Ausrüstung. Entweder es liegt ausreichend weicher Firn oder das Eis ist dick von Geröll bedeckt. Mio ist völlig respektlos, er nimmt in den ärmlichen Gletschertümpeln ein Eisbad. Selbst, wenn ab sofort kein CO2 mehr ausgestoßen wird, der Gletscherrest wird hier in ein paar wenigen Jahren verschwunden sein. So steigen wir über loses Gestein und Blockwerk auf. Viel kann man da bei brauchbaren Bedingungen nicht falsch machen. Mittlerweile nehmen Wolken den größten Teil des Himmels ein, aber es sollte weiter trocken bleiben. Kurz, man überblickt fast die gesamte Strecke. Ich habe mir die Tour fast sträflicherweise nicht einmal heruntergeladen.

Der Kleine Ankogel ist bald erreicht. Hier findet Mio einen Kollegen, einen Irish Setter. Das Herrl will nicht weiter. Da sind wir zuversichtlicher, obschon Renate Sorge hat, ob sie denn mit ihren malträtierten Fußballen da wieder runterkommt – und vor allem wie. Anderseits, wie oft kommt man daher. Also, sie probiert es – tapfer! Mio wird auch den „Kletterteil“ mit I+ bis II schaffen. Der Grat und Hang sieht vom Kleinen Ankogel aus steil her. Aber das haben Gegenhänge so an sich. Schauen wir einmal, wie sich der Berg gibt, wenn wir dort sind. Und so ist es dann auch, was von gegenüber wild und abweisend wirkt, verliert bei näherer Betrachtung seinen Schrecken. Ganz oben warten noch zwei Stellen, wo Mio ein bisserl Hilfe in Anspruch nimmt. Aber ein IIer ist das ganz sicher nicht!

Beim Gipfelkreuz herrscht ein Treiben, das es einem anders werden lässt. Doch halt, die Felsnadel da drüben sieht doch höher aus. Mio hat Freundschaft mit einem Wurstsalat-Rudel gemacht. Schon davor hat er anderen Gipfelsiegern die Wurst aus dem Brot geschnorrt, aber so eine Tupperware-Schüssel mit Wurstsalat will sorgfältiger geteilt werden. Die einen bekommen den Salat, der andere die Wurst. Okay, Mio ist beschäftigt. Ich entferne mich unerlaubt von der Truppe und sehe mich nach leichtem Zustieg auf der Nadel. Schon macht sich der erste zu mir auf den Weg, und ich rufe Gernot zu, dass hier ganz heroben ist. Gernot kommt nach. Es werden Fotos gemacht. Das hat Auswirkung auf die Influencer und anderen Fotosüchtigen beim Gipfelkreuz. Man will jetzt ein Foto von dort oben auf der Felsnadel. Mein Plan geht auf, wir haben nun das Gipfelkreuz fast für uns alleine. An der Felsennadel müssen sich zwischenzeitlich tumultartige Szenen abspielen.

Die Wolken werden dunkler und wir haben es kurz ein bisserl eilig. Beim Abstieg heben wir Mio an zwei Stellen, aber das ist nicht so schlau. Denn wir stehen wackelig da und Mio will gar nicht, was wir da machen. Erste Protestrufe von aufgeschlossenen Bergsteigerinnen führen dazu, dass Mio die Route wieder selbst wählen darf. Das geht ohnedies besser. Ich bin wirklich erstaunt, wie er den Weg mit Leichtigkeit findet. Wir folgen ihm und stehen dann prompt einmal an. Das wäre ein Eintrag im Bergrettungsbericht: „Die gut ausgestatteten Alpinisten gaben an, ihrem Hund, einem italienischen Lagotto, in immer unwegsameres Gelände gefolgt zu sein…“. Es kam aber nicht so, wir konnten uns selbst retten.

Mio ist in der Zwischenzeit voraus und hat am Kleinen Ankogel wieder seinen Jausen-Check bei anderen Bergsteigern durchgeführt. Die sitzen am Boden. So eine Konstellation kann sich ein Lagotto nicht entgehen lassen. Als wir weiter absteigen, sieht Mio überhaupt keine Veranlassung, diesen für ihn so ertragreichen Flecken Erde hinter sich zu lassen. Wir sind für ihn außer Sichtweite, und ich schaue immer wieder hinter dem Felsen vor. Da steht Mio oben und bettelt. Die Leute sind jetzt irritiert. Vielleicht war es doch nicht so eine gute Idee, den Hund zu füttern. Na ja, machen wir es kurz, ich muss Mio holen. Denn nach den salzigen Snacks steigt er aus verständlichen Gründen in ein Schneefeld ab. Dort realisiert er, dass sein Betreuungsteam irgendwie abhandengekommen ist. Ah nein, da ist ja schon einer, nämlich ich. Uff, alles gut! Er springt das Blockwerk runter und holt Gernot und Renate rasch ein. Jetzt bin ich der, der als einziger aus der Gruppe noch knapp unterhalb des Kleinen Ankogels steht und nicht weitertut!

Der weitere Abstieg erfolgt im Beisein vieler anderer. Wie gesagt, alleine ist man da nicht. Zwei Bergsteigerinnen haben die Bergrettung angerufen, weil sich eine der beiden eine Wunde zugezogen hat und sich nicht in der Lage sieht, den Abstieg eigenständig zu bewältigen. Die beiden Frauen in meinem Alter wirken schon ein bisserl geschockt, scheinen aber recht bergerfahren. Sie haben gar einen Biwaksack mit. Was kann ich da noch an Unterstützung anbieten? Der Hubschrauber soll eh bald da sein. Wir gehen weiter, und tatsächlich hören wir nach ein paar Minuten schon den Hubschrauber, der sogar hier in dem Blockwerk etwas findt, um zu landen. Nochmal geschätzte zehn Minuten später stürzt sich ein gelber ÖAMTC-Rettungshubschrauber an un s vorbei spektakulär ins Tal hinunter. Wow, das funktioniert!

Wir hingegen schleppen uns Richtung Hannoverhaus. Renate stakst eher langsam dahin. Nach ihren Aussagen war die letzte Stunde wieder kein Genuss, aber es war die Tour jedenfalls wert. Beim Hannoverhaus gibt es reichlich Stärkung und die ersten Regentropfen.

Noch 70 Höhenmeter zur Bergstation und wir rauschen wieder runter in die Hitze. Beim Auto setz gar ein bisserl kräftigerer Regen ein. Auf die Minute genau, Glück muss man haben!

Die Tour auf Garmin

Nandlgrat

Und schon wieder der Schneeberg. Heute starten wir beim Sessellift in Losenheim. Wir sind Renate, Gernot, Mio und ich. Der Windbruch behindert auf dieser Strecke kein bisschen. So ist der Aufstieg ohne jede Komplikation. Ganz oben hat es geschneit. Wir haben deswegen und wohl ahnend, dass wir sie nicht brauchen werden, die Grödel eingepackt. Aber kalt könnte es werden, auch wenn wir uns schon in der zweiten Maihälfte befinden.

Unser Aufstieg verläuft heute durch mehrere Klimazonen. Unten herrschen noch Temperaturen, die mir ein Gehen im T-Shirt erlauben. Aber am Plateau ist es winterlich kalt. Der Aufstieg selbst ist ausreichend oft beschrieben. Nichts hat sich geändert. Die Bedingungen sind optimal. Der Schneekontakt ist bis zum Plateau minimal und am Plateau egal, solange man nicht in Turnschuhen unterwegs ist.

Michl, der Hüttenwirt der Fischerhütte, staunt nicht schlecht, dass ich schon wieder da bin. So macht er zumindest etwas Umsatz an diesem wahrlich ungewöhnlich unwirtlichen Maitag. Runter geht es den Fadensteig. Hier kommen uns auch tapfere Wanderer in Jogginghosen und Turnschuhen entgegen. Was muss das für ein Genuss auf den Fußsohlen sein!

Am Nandlsteig muss Mio einmal gehoben werden, am Fadensteig zweimal. So weit zur Frage, ob diese Steige mit Hund zu machen sind. Ab der Edelweißhütte bestaunen wir noch den Bau der MTB-Strecke. Uh, das sieht wild aus, und ich bin froh, dass ich sie weder testen noch benutzen muss. Hier müssen andere ran!

Weiterer tadelloser Bergausflug zum Sammeln von Höhenmetern und Ausdauer. Renate geht es auch besser. Wir machen uns fit für größere Herausforderungen. So soll es sein!

Die Tour auf Garmin

Gebirgsvereinssteig

Gernot ist mal in Wien, da müssen wir etwas unternehmen. Die Sonne lacht, und diesmal ist es warm. Trotzdem wählen wir „nur“ die Hohe Wand. Weiter oben hat es geschneit. Gernot hat gar nicht die passende Ausrüstung für den unerwarteten Schnee dabei. Renate hat noch im Hinterkopf, dass es in den Bergen auch kalt sein kann.

Den Steig erledigen wir ohne jeden Zwischenfall. Man sieht dem Steig schon etwas an, dass er sehr, sehr oft begangen wird. Aber es ist tadellos gewartet, lediglich der Fels ist stellenweise abgeschliffen wie so mancher Kirchenpfeiler im Vatikan.

Meine beiden Begleiter schnaufen ein bisserl. Ist ja noch früh in der Saison. Das darf noch sein. Anderseits müssen wir noch einiges trainieren, um unsere Ziele wie Königsjodler oder den Klettersteig am Großen Priel zu schaffen.

Auf der Hohen Wand ist den Steinböcken so fad, dass sich gar einer der jungen Steinböcke hinreißen lässt und einen Baum erklimmt. Sachen gibt’s.

Nach einem üppigen Mittagessen auf der Wilhelm-Reichert-Hütte – vor allem ich lange übermaßen zu – geht es den Wagnersteig wieder runter.

Netter Tag bei blitzblauem Himmel!

Die Tour auf Garmin

Gretchensteig

Langsam zweifle ich auch schon an, was die Klimaforscher sagen und werde zum Anhänger einer Verschwörungstheorie, leider halt mit anderem Vorzeichen. Aber dazu später. Gestern sind meine neuen Grödel angekommen. Die habe ich bestellt, da ich letzte Woche ein Grödel – der Duden sagt, dass Grödel ein Mehrzahlwort ist, aha! – verloren habe. Verloren und heute wieder gefunden – jetzt habe ich mit drei Paar doch zu viele Paare! Aber der Reihe nach.

Gernot begleitet uns auf die Rax. Wir sind alle nur halb ausgerüstet, weil der Plan war, die Mautstraße vom Pfaffensattel zum Alois-Günther-Haus zu spazieren. Gernot hat nicht einmal einen Rucksack mit. Trotzdem entscheiden wir uns für die Rax. Da geht heute mehr. Nicht viel mehr, aber doch mehr.

Am Preinergscheid geht – Achtung, Novum! – kaum ein Wind. Entspannt starten wir Richtung Reißthalerhütte. Gernot ist in seinen Christkindlmarktschuhen unterwegs und zieht sich meine XL-Grödel über. Auch Renate und ich entscheiden uns für Grödel – wir haben ja genug. Durch den Wald und auch danach ist wahrlich nicht viel Schnee. Aber ab der Baumgrenze wird es absonderlich. Es riecht nach Frühling, die Jacken haben wir in die Rucksäcke gestopft, ich suche nach den ersten Schneerosen, wir haben den 22. Jänner.

Nun zur Verschwörungstheorie: ich mag nicht glauben, dass sich das Klima erst um weniger als 2 Grad erwärmt hat. Hier nicht, hier muss es deutlich mehr sein – warum? Selbst bei vorsichtiger Schätzung liegt die Temperatur um 10° bis 15° zu hoch, es hat deutlich Plusgrade. Okay, das ist nur ein Tag und damit das Wetter und nicht das Klima. Zum Ausgleich müsste es an einem anderen Tagen um 10° weniger haben. Wenn man im Jänner auf 1.500m also Mitte Jänner -10° erwarten kann, müsste es nun einen anderen Tag mit -20° oder tiefer hier heroben geben. Natürlich können es auch zwei Tage mit -15° sein, um den Schnitt zu retten,.. Faktisch sind wir letzte Woche auf der Terrasse am Nachmittag um drei in der Sonne gesessen. Noch so ein „heißer“ Tag. Wie auch immer, ich bin keine Wetterstation auf zwei Beinen. Nach meiner Einschätzung ist es aber eher um vier bis fünf Grad im Schnitt hier heroben wärmer als in einem Jänner vor 25 Jahren oder früher. Entsprechend traurig schaut es mit dem Schnee aus.

All das überlege ich mir, während wir wieder einmal den Schlangenweg runter spazieren. In allen Farben schildere ich, wie uns die Abkürzung mein Grödel gekostet hat. Bei Besichtigung des Ortes des Verschwindens reicht auch ein Schritt ins Latschengestrüpp und da liegt es unübersehbar. Mein schlechtes Gewissen ist weg und weicht einer Reflexion. Was, wenn das nicht mir sondern jemand anderem passiert wäre. „Wie umnachtet kann man sein, dass man das nicht bei der Suche sieht?“, „Muss man halt die Augen aufmachen und schauen!“… Egal, ich habe es wieder und nun gar zwei zuviel. Keine Gams hat sich verletzt, alles gut!

Der Rest ist Routine. Essen am Waxriegelhaus, Abstieg zum Preinergscheid und heim nach Breitenfurt. Feine, entspannte und sonnige Tour!

Die Tour auf Garmin