Schon vor geraumer Zeit haben wir uns den 12. August für die Glocknerwand ausgesucht. Das Bergführerbüro in Kals hatte mehrere Termine zur Auswahl, der 12. August war einer davon. Schon am Sonntag reise ich nach Klagenfurt, wo mich Gernot und Renate abholen. Den Montag will Gernot für die Akklimatisation nützen. Wir fahren nach Kals und stellen uns im Bergführerbüro vor. Das Wetter sieht super aus, den Bergführer, Toni Ponholzer, werden wir am Dienstag auf der Stüdlhütte treffen.
„Glocknerwand – Hoffmannspitze – Pöschlturm (3.722m)“ weiterlesenSchalfkogel (3.537m)
Die Tour von der Langtalereckhütte auf den Schalfkogel und weiter zum Ramolhaus war wohl meine intensivste Tour seit langem. Früher – ach früher – war das nach Aussage der Hüttenwirte und Bergführer eine feine Tour. Die Klimaveränderung hat sie wild gemacht. Aber der Reihe nach!
„Schalfkogel (3.537m)“ weiterlesenWildes Gamseck – Bärenlochsteig
Nix hat er mit! Anders als geplant wollen wir ein bisserl Berge trainieren. Gernot ist aus Kärnten da und hat im Kopf den Wetterbericht von vorgestern. Gerademal Laufausrüstung hat er zu bieten. Da fällt der Domeniggweg dann aus. Wir starten stattdessen in Hinternasswald.
„Wildes Gamseck – Bärenlochsteig“ weiterlesenStadelwandgrat
Der Stadelwandgrat war bislang der Höhepunkt der Saison. Dieses Mal starten wir damit. Der Zustieg inklusive Gassel fällt leichter als erwartet. Das mag daran liegen, dass wir schon wissen, was kommt. Gernot meint, ich soll notieren, dass der Weg bei 900m verlassen werden soll. Nun aber aufpassen, dass man nicht dem breiteren Steig zur Wand folgt, sondern eher eben in den Wald quert. Wer diesem Tipp folgt, kann in etwa 25 Höhenmeter sparen. Okay, aufgeschrieben ist es.
Gegen den fetten roten Pfeil und schon sind wir bei unserem ersten Turm. Ui, haben wir schon lange nichts am Fels getan. Sogar der erste HMS-Knoten will mir nicht gelingen. Wie ruft man sich diesen in Erinnerung, wenn er sonst doch immer automatisiert und ohne nachzudenken von der Hand geht? Einfach machen, nicht überlegen und geht schon. Die Saison kann beginnen.
„Stadelwandgrat“ weiterlesenNovembergrat und Fadensteig
Wir starten beim Sessellift in Losenheim in der Zuversicht, dass wir weder Grödel brauchen noch Schneekontakt haben werden. Selbst gehe ich gar in kurzen Hosen. Der Zustieg von Losenheim zum Novembergrat ist zwar lange, aber unseres Erachtens angenehmer als von Schneebergdörfl aus. Die Sonne lacht, heiß ist es nicht, Mio geht vor. Einer kennt sich aus.
Dort, wo der Novembergrat beginnt, endet für uns der Grafensteig. Wir rasten plaudern, haben eine gute Zeit – wie man so schön sagt. Mir geht es heute konditionell gut. Garmin ist zufrieden mit mir. Am Abend wird Garmin resümieren, dass ich heute eine Erholungstour hatte. Ich vermute, dass es keiner der beiden Garmin-Gründer, Gary Burrell und Min H. Kao, mit den Bergen hatten. Meine Oberschenkel werden am nächsten Tag jedenfalls anderer Meinung sein und Erholung einfordern.
„Novembergrat und Fadensteig“ weiterlesenFuchsloch – Martinsteig
Wieder einmal Rax – zweifelhaft prickelnd, aber notwendig für die Vorbereitung bzw. um in Schwung zu bleiben! Am Vorabend fragt Gernot in die Gruppe, ob wir ihm Grödel mitbringen können, und Renate lässt mich wissen, dass Gernot Grödel will. Was ist denn das wieder für ein Blödsinn? Ich überlege die Kurze, verwerfe den Gedanken aber, weil Temperaturgrade um die Null und Wind am Plateau zu erwarten sind. Gernot hat außerdem nur die Trailrunningschuhe in Wien. Und ich hab den El Sombrero in Laufschuhen ohne jedes Profil bestiegen. Aber meinetwegen, soll sein.
„Fuchsloch – Martinsteig“ weiterlesenThörlweg – Gsohlhirnsteig
Gernot, Mio und ich sind unterwegs. In Wien ist es seit Weihnachten ungewöhnlich kalt. Also, die letzten paar Jahre war es deutlich wärmer. Egal, oben soll es wärmer sein. Schauen ma a mal.
„Thörlweg – Gsohlhirnsteig“ weiterlesenKanzelsteig
Gernots und mein Novemberklettern will gemacht werden. Wir haben mehr Erwartungen als Zeit für die Vorbereitung der Tour. Die Erwartungen sind: unten Nebel und Temperaturen um die Null, oben Sonne und T-Shirt. Ja, so war es schon ein paar Mal, dann soll es auch heute so sein. Da Gernot ein neues E-Auto bekommen hat, ist er am Vorabend beschäftigt. Ich bin vom Haidsteig auch ein bisserl müde. Niemand gleicht die Erwartungen gegen die Realität ab. Vom Haidsteig weiß ich, dass die Hohe Wand die bessere Wahl sein wird. Und auf der Hohen Wand ist es doch immer warm. Eigentlich sollten wir es besser wissen, aber…
Gernot hat ein paar Tourenvorschläge geschickt. Allesamt III und schwieriger. Boah, da ist mir nicht ganz wohl dabei. Ich suche und finde Leichteres. Wir nehmen den Kanzelsteig und können ja oben dann noch die Technikervarianten mitnehmen.
Beim Seiser Toni folgt der erste Wettercheck. Kein Nebel, keine Sonne. Dafür Wind und Schneeflocken. Ich habe beide Mammut-Jacken mit. Die wärmere Jacke habe ich dabei, weil man beim Kraxeln mit Seil viel herumsteht und dabei leicht friert. Jetzt entscheide ich, beide Jacken anzuziehen. Gernot geht es gleich. Der Kanzelsteig ist ein II+. Den sollten wir auch ohne Seil schaffen, meint Gernot. So würden wir weniger herumstehen und nicht auskühlen. Zustimmung! Dann habe ich die glorreiche Idee, dass es noch wärmer wird, wenn wir das Material und das Seil im Rucksack mitschleppen. Für Wärme wäre gesorgt. Machen wir! Ich nehme freiwillig Seil und mein Eisen.
Der Einstieg ist schnell gefunden. Gernot sieht schon die roten Punkte. Diese sehe ich auch, aber erst, wenn ich draufstehe oder ich mich am entsprechenden Fels festhalte. Gernot geht somit vor. Die Kraxelei ist lustig. Ein bisserl viel Nadeln, Bockerln, Steine usw. liegen herum. Das nächste Mal nehme ich noch einen starken Laubbläser mit und mache da ein bisserl Ordnung. Ha, da ist sie schon die „Schlüsselstelle“. Gernot meint, wir gehen ohne Sicherung. Ich bin nicht sicher. Irgendwie muss ich meine Muttropfen heute vergessen haben. So mache ich den Vorschlag, wir nehmen das Seil und Gernot steigt vor. Zustimmung pur, los geht’s!
Bald erkennt Gernot, dass es eh eine gute Idee war, das Seil zu nehmen. Irgendwann rufe ich ihm zu, dass es wieder einmal Zeit wäre für eine Zwischensicherung. Wenn er jetzt einen Abgang macht, kugelt er definitiv an mir vorbei. Somit hat er die Wand eigentlich ohne Sicherung genommen. Zack, da kommt der erste Stein. Deckung und der Kopf ist mal geschützt. Ob der Rucksack schützt? Die Beine sind etwas exponiert. Die Wahrscheinlichkeit für ein Treffer ist eh extrem gering. Schon höre ich dieses grausige Surren des Steins – verfehlt – gut so! Kurze Zeit danach wieder. Diesmal sind es mehrere Steine. Ja, was macht der da oben? Ein dicker Stein springt im Zickzack herunter. Wo jetzt? Links, rechts, links… Deckung und auch verfehlt. Okay, vielleicht bin ich den Steig deswegen noch nicht gegangen. Ist ja ein Wahnsinn da!
Ich steige nach, und das lieber schnell als langsam. Dabei erwische ich es nicht gut. Ja, Himmi! Wo ist der da rauf? Begeistert hat er gerufen, dass er riesige Griffe gefunden hat. Hat er die mitgenommen oder abgebaut? Ich finde da nichts. Keine Sorge, auch ohne die großen Komfortgriffe ist diese Wand, das Testamentwandl, machbar. Gernot wartet schon. Für den ersten Stein übernimmt er die Verantwortung, aber die restlichen schreibt er den Steinböcken zu. So richtig Freund werde ich mit diesen Viechern nicht.
Weiter geht es im „Gehgelände“. Das Seil haben wir schlampig aufgenommen und steigen so eng hintereinander. Dabei reduziert sich die Funktion des Seils darauf, dass keiner alleine heimfahren muss, wenn etwas passiert. Der Steig macht Spaß und bald brauchen wir wieder die Hände. Ah, da drüben startet die erste Techniker-Variante. Die blauen Punkte sehe auch ich aus der Ferne.
Heute bleiben wir mal am Kanzelsteig. Der muss zumindest einmal gemacht werden. Außerdem wird es zunehmend kalt. Gernot steigt wieder vor. Diesmal sucht er ein bisserl nach Griffen. Auch hier gilt: der Steig ist genau richtig, überfordert sind wir kein einziges Mal. Im Nachstieg habe ich dann das Glück auf meiner Seite und spaziere da ohne Erkennen von Schwierigkeiten hinauf. Jetzt sind wir am Grat, der Wind pfeift, der Schnee kommt von rechts. Gemütlich ist anders.
Aha, da ging es zu den anderen Technikervarianten! Fein, aber kalt. Also, aufi! Bald ist das Gipfelkreuz da. Das nenne ich einen komfortablen Standplatz. Sogar eine Kette achtet darauf, dass ich nicht runterfallen kann. Die Finger frieren allerdings und ich könnte noch ein paar Jacken gebrauchen. Gernot kommt den Grat herauf. Was für ein Glück! Die Freude ist groß, die Zeit zum Feiern und Genießen kurz. Wir stopfen das Material in die Rucksäcke und verlassen diesen unwirtlichen Platz.
Die Wilhem-Eichert-Hütte hat offen. Wir können es gar nicht glauben, aber seitdem die neuen Pächter übernommen haben, ist der Besuch hier ein Muss. Die Karte bietet deutlich mehr Speisen als heute Gäste kommen werden. Wir machen Umsatz und wärmen uns auf. Abgesehen vom Steinschlag, ausgelöst durch boshafte Steinböcke, ist der Steig eine wahre Genusskraxelei gewesen. Wir kommen sicherlich wieder. Wärmer sollte es sein. Das schon!
Runter sind wir das Zahme Pechterlein, oder so! Wunderbarer Vormittag in den Bergen, die sich heute deutlich frostiger gezeigt haben als erwartet. Edel war’s!









Weißkugel
Monate, ja Jahre lang tun wir mit der Weißkugel schon rum. Als Kind hat ich die Besteigung schon vor. Der Vater hat einen elendslangen Firngrat versprochen, der bezwungen werden will. Okay, den wird die Klimaerwärmung entschärft haben . Vor sechs Jahren hat Ulli, als der Krebs schon weit fortgeschritten war, dem Onkologen auf die Frage, was sie sich denn noch vorgenommen hat, launisch und zuversichtlich, nur wie sie es konnte geantwortet: „Die Weißkugel besteigen!“. Irgendwie hat sich die Story ab da verselbständigt, dass Gernot und ich Ulli versprochen hätten, die Weißkugel für sie zu erledigen. Daran kann ich mich aber nicht erinnern. Vielleicht haben Gernot und ich mal posthum gesagt, dass wir die Weißkugel für sie machen. Was auch immer der Beweggrund war, die Top 3 der höchsten Berge in Österreich sind „erledigt“. Die Liste gibt es hier.
Renates Füße haben sich mit den neuen Einlagen arrangiert. So arrangiere ich mich mit dem Faktum, dass ich 57 bin, viel Zeit habe und es eigentlich nebensächlich ist, ob ich die Weißkugel in eineinhalb oder zweieinhalb Tagen bewerkstellige. Ich akzeptiere gar schon, dass ich die Weißkugel ohne Übernachtung nicht mehr schaffe. Zwei Übernachtungen erscheinen mir schon sehr komfortabel geplant. Ich spekuliere damit, dass, wenn nicht wir, so doch Gernot, nach der Besteigung noch ins Tal absteigt und heimfährt. Aber es kommt besser. Nun der Reihe nach.
Am Dienstag beschließen Renate und ich, dass wir am Mittwoch aufbrechen und am Donnerstag Gipfeltag ist. Gernot ist spontan dabei, kann aber erst am Donnerstag in Kärnten los. So fahren Renate und ich am Mittwoch los und übernachten in Nauders. Am Donnerstag ist es zu unserem Treffpunkt beim Almhotel Glieshof nur noch ein kurzes Stück. Der Glieshof sieht von außen überaus fein aus. Das nächste Mal quartieren wir uns hier ein! Gernot hat es von Kärnten aus kilometermäßig nur halb so weit wie wir. Aber er kommt mit einer Geschwindigkeit wie Mio, wenn man ihn ruft.
So starten wir nach 14 Uhr. Die Sonne brennt runter. Upps, das wird zäh. Auf der Hütte kommen dann die ersten Überraschungen. Wir haben ein Vierbettzimmer mit Bad. Oha, Dusche und Handtuch warten auf uns. Gernot bekommt das Stockbett wir das Doppelbett. Wir hätten gar ein Doppelzimmer haben können, aber dann hätte Gernot in ein Sechserzimmer müssen. Da nehmen wir ihn doch bei uns auf. Sogar eine „Sonnenterrasse“ bietet unser Zimmer. Da werden wir wohl nicht fluchtartig noch absteigen. Hier hält man es aus. Die Hütte ist in tollem Zustand, das Essen soll auch gut sein und ist auch wirklich gut.
Edwin, der Hüttenwirt, meint, dass das Matscher Wandl aktuell in perfektem Zustand ist. Das hat auch schon die Wirtin bei der Buchung gesagt. Jepp, das ist fein! Keine Eisschrauben, keine Angst im steilen Eis. Was soll da noch schiefgehen?
15 Gäste sind wir. Zwei Gäste haben getrennt einen Bergführer für die Weißkugel gebucht. Diese zwei Gruppen – die einen nennen wir die Geschwinden, die anderen die Moderaten – und wir werden also am Donnerstag von der Oberetteshütte Richtung Weißkugel aufbrechen. Das ist sehr wenig. Frühstück gibt es um halbsechs. Na zack, das ist aber früh. Sonnenaufgang ist sieben Uhr. Ich überlege. Okay, es wird warm wie an einem Sommertag. Da will man nicht in einem steilen Firnhang herumeiern. Wie auch immer, kurz nach halbsieben stehen wir vor der Hütte. Vor uns sieht man die Stirnlampen der beiden Gruppen. Wir starten mit dem ersten Morgenlicht.
Nach der Hütte geht es 350 Höhenmeter auf einen Grat, weiter auf einem Plateau, ehe man wieder knapp 150 Meter absteigen muss. Uh, das ist steil, das wird am Rückweg kein Genuss werden. Dann noch ein Stück an einem sicherlich eher jungen „See“ links vorbei, ehe wir am aktuell unteren Ende des Matscher Ferners angelangen. Hier holen wir unsere beiden Gruppen von der Hütte ein. Sehe ich es richtig, haben die beiden Bergführer nur ein Strickerl mit, das nur ein Gehen am kurzen Seil erlaubt. Wir sind da mit unserem 60m langen Seil schon eher auf Spalten eingestellt. Ich vermute, dass wir wieder einen „sterbenden“ Gletscher begehen werden. Jepp, so ist es leider dann auch. Im unteren Drittel gibt es noch ein bisserl ein Spaltenlabyrinth. Wer wild ist, kann wahrscheinlich gerade aufsteigen. Er muss halt ein paar Mal ein, eineinhalb Meter in die Spalte und auf der anderen Seite wieder rauf. Die Spalten sind V-förmig im Querschnitt aber nicht tief. Wir sind natürlich brav und queren, bis wir über die Spalten einfach drübersteigen können.
Bald geht es dann noch mal weniger steil dahin, ehe man entscheiden muss, ob man steiler weitergeht und unter der Inneren Quellspitze Richtung Matscher Wandl zieht oder, ob man doch die flachere Variante wählt, die unterhalb einer markanten Felsinsel links in einem weiten Bogen führt. Wir machen es wie die Bergführer und das ist natürlich schlau so. Hier sind zwar noch einmal ein paar Querspalten zu nehmen, aber dann ist Ruhe mit den Behinderungen. Schattig ist es auch, und das ist definitiv angenehm. Trotzdem keucht eine von uns drei schon ordentlich. Auch am Ende des steileren Abschnittes will sich keine Erholung einstellen. Jetzt ist es eigentlich nur noch ein flacherer Firnabschnitt.
Ist das da vorne schon das Matscher Wandl? Oha, das sieht dann doch ein bisserl wild aus. Die Erfahrung sagt, das Gegenhänge oder steile Hänge aus der Ferne und in Draufsicht immer wilder aussehen. Gernot ist beruhigt, ich noch nicht so ganz.
Während wir also langsam dahintrotten, fällt die Entscheidung. Gernot wird alleine gehen. Renate nehme ich ans kurze Seil. Das bringt mentale Sicherheit für sie. Ich bin mir sehr sicher, dass ein kurzes Seil zwischen uns nur bedeutet, dass wir mit hoher Wahrscheinlichkeit gemeinsam abfahren, wenn einer ausrutscht. Noch ehe wir am Einstieg sind, ist auch schon das erste Duo, die Geschwinden, durch das Wandl. Mah, das ging schnell. Die Moderaten lassen uns vor und so sind wir die nächsten.
Der Durchstieg ist dann eher einfach. Es schaut zwar an der ersten Querung das Eis raus, aber es sind gut haltende Schneereste fast in Stufenform vorhanden, die die Begehung recht einfach machen. Die Kehre ist steil, aber gut machbar. Kein Blankeis mehr, und die Steigung nimmt wieder ab. Wenn sich die Schneebedingungen nicht allzu sehr ändern, bin ich für den Abstieg entspannt.
Jetzt folgt noch ein flacher Firnhang und ein wenig spektakulärer Firngrat zum Steigeisendepot. Am Gipfel sehen wir schon emsiges Treiben. Steigeisen und Pickel liegen zuhauf herum. Oha, da ist eine große Gruppe von der Bella Vista Hütte heraufgekommen. Wir lassen Steigeisen und Pickel ebenfalls hier.
Gekraxelt wird ein bisserl ausgesetzt, aber nicht sonderlich schwer. Und dann ist da das kleine, nordseitige Schneefeld, das ich in einer Beschreibung gelesen habe. Man muss es absteigen. Ohne Pickel und Steigeisen ist das ein fragwürdiges Unterfangen. Aber ein mächtiges Seil ist doppelt gespannt. Es ist mit Bandschlingen und zwei Exen montiert. Wau, das sieht professionell und sehr neu aus. Da bin ich aber froh. Nur was, wenn das am Rückweg nicht mehr da ist? Dann stehen wir beim Gipfel ohne Ausrüstung! Hmm, schauen ma a mal.
Am Gipfel dann Gedränge. Die junge Truppe aus Südtirol hat gar zwei Hunde mit herauf gebracht. Der junge Mann erzählt, dass sie um 4:15 in Kurzras los sind und er die Sicherung aufgebaut hat. Alles viel Information. Die Leute hier haben also schon über zweitausend Höhenmeter in den Beinen. Sie lachen und scherzen. Und er ruft immer wieder „Mama, mach‘ des!“ und „Mama, hast du des eh a?“. Die Frau, die sich angesprochen fühlt, ist jünger als ich. Der Verstand kommt nicht nach. Ist die Luft zu dünn? Oha, da steht auch das g’schwinde Paar von unserer Hütte. Sie warten offenkundig schon ewig auf ungestörte Gipfelfotos.
Wir entscheiden schnell, dass wir nur kurz hier verweilen werden und stattdessen weiter unten rasten wollen. So können wir noch die Seilsicherung nutzen. Ja, das passt alles! Die Hunde, die Mama und noch ein paar Menschen sind schon weg. Wir schießen schnell die Fotos, und ich achte sorgfältig darauf, dass noch jemand aus der Südtiroler Gruppe hinter uns ist.
Tja, die Erkenntnis ist dann, dass der Aufstieg auch ohne Seilsicherung leicht machbar gewesen wäre. Da hätten wir also ruhig einsame Momente am Gipfel genießen können. Renate schließt sich gar dem g’schwinden Bergführer an und ist gar nicht mehr zu stoppen. Der zweite Bergführer ist mit seinem Gast auch da und sichert unbeabsichtigt eine bisserl kniffligere Stelle, indem er noch oben steht, während sein Gast ein paar Meter unter ihm Platz genommen hat. Der Gast kauert sich an den Fels und wir steigen drüber. Das ist ja wie auf den Achttausendern hier. Mann, da geht es zu. Ich bedanke mich höflich und ausführlich bei Bergführer und Gast und versichere mich bei dem doch etwas mitgenommenen Gast, ob eh alles in Ordnung ist. Ein bisserl deppert ist die Situation schon.
Beim Steigeisendepot dann die nächste Aufregung. Mama meint, dass ihre Steigeisen verwechselt wurden. Sie rennt dem g’schwinden Bergführer mit seinem Gast nach. Der ist schon im Abstieg und sicher, nichts verwechselt zu haben. Man ist irritiert. Logistisch kann niemand sonst die Steigeisen verwechselt haben. Gernot bietet seine 46er an. Auch meine werden nicht passen. Der junge Mann hat mittlerweile die Seilbrücke abgebaut und versucht aufzuklären. Ehe Mama ihren Fehler eingesteht, nimmt sie halt das Paar das noch über ist.
Wir pausieren noch ein bisserl, ehe es ins Wandl geht. Wieder bilden Renate und ich eine Schicksalsgemeinschaft, während Gernot ungesichert und doch bei geringerer Gefahr alleine absteigt. Runter ist es wie zu erwarten nochmals leichter. Die steile Kehre ist überstanden und in an den eisigen Stellen stützt der Schnee tadellos. Just unter der steilsten Stelle schauen einige Felsen aus dem Eis. Wer hier ausrutscht, hat gute Chancen, sich weiter unten zu fangen. Wäre da nur nicht dieses Felsband. Egal, wir sind durch. Ab jetzt heißt es durchhalten.
Wir wählen wieder die Variante unter der Felswand der Inneren Quellspitze. Von Steinschlag ist da keine Spur. Gernot wird uns durchs Spaltenlabyrinth führen. Mal ein bisserl links, mal ein bisserl rechts, mal ein großer Schritt über eine Spalte, manchmal gar ein kleiner Hüpfer. Da reicht es einer von uns. Disziplin ist gefragt. Okay, so trotten wir zum Ende des Matscher Ferners. Wir wollten ja eine Eisschraube eindrehen. Immerhin haben Gernots Eisschrauben noch nie Eis gespürt. Aber jetzt will Gernot nicht. So stehe ich als einziger da, der hier am Gletscher bohrt. Die moderate Gruppe holt uns ein und überholt. Fest steht, von den beiden reicht es auch zumindest einem und der will heim.
Wir drei hingegen haben es nicht eilig, rasten nochmals anständig vor dem steilen Gegenanstieg und erreichen am Nachmittag die Hütte. Stolz und unumstößlich mit dem Gipfelsieg in der Tasche faulenzen wir in der Sonne. Am Abend gibt es gar eine Flasche zur Feier des Tages. Zu meiner Freude habe ich eingesehen, dass wir die Nummer 3 in Österreich bestiegen haben. Als solche steht sie eh in meiner Liste, aber ich war ganz sicher, dass der Pöschlturm höher ist. Neun von zehn der Top 10 habe ich somit. Wir planen gleich die Glocknerwand und schielen zum Ortler hinüber. Die Zuversicht ist zurück. Es liegt nicht nur am Wein!
Am nächsten Tag heißt es dann Abschied nehmen. Der Abstieg geht schnell. Am Glieshof trennen sich unsere Wege. Während wir über den Reschenpass Richtung Norden fahren, schlängelt sich Gernot durch Italien nach Kärnten in die fast neue Heimat. Für uns gibt es noch im Restaurant Hubers im Fischerwirt ein feines Essen. Wir arbeiten konsequent an unserer Erholung.
Die drei Tage auf Garmin
Akademikersteig
Einmal im Jahr muss der Akademikersteig erledigt werden. Erstmals sind wir zu dritt. Wir entscheiden uns für die Variante: „Einer vorne, die beiden anderen nahe beisammen am Ende des Seils“. So schwierig sollte es ja nicht werden.
In einer guten halben Stunde sind wir beim Einstieg. Mah, da ist es schwül. Der anstrengendste Teil sollte geschafft sein. Ich probiere unsere Variante in der ersten Seillänge aus. Funktioniert tadellos. Auch die beiden kommen schnell und problemlos nach. Die beiden sind mit Karabinern ins Seil eingehängt, so können sie sich schnell aushängen und die einfachen Passagen ohne Seil gehen, während ich das Seil aufnehme und folge. Zack, schon ist Renate weg.
Ab der nächsten Seillänge übernimmt Gernot und ich bleibe mit Renate hinten. All das ist überaus entspannt. Wir schießen Fotos und genießen den Tag.
Bald sind wir beim Felsenfenster. Nein, da ist nichts verlorengegangen seit 2015(?). Ein Kommentator hat 2024 erwähnt, dass ein Teil nun fehlt und alles viel schwieriger ist. Es sieht alles gleich aus wie sonst auch. Der gute Mann muss vor über zehn Jahren das letzte Mal hier gewesen sein. Und ein IIIer ist die Passage beim Felsenfenster wirklich nicht. Von Gernot und Renate kann ich coole Fotos machen. Gernot sieht als nächste Option nur noch „Free solo“! Na, das wäre vor ein paar Jahren nicht denkbar gewesen. Auch Renate verspürt keine Schwierigkeiten. Sie steigt gar den Schlussgrat ungesichert vor. Ausstieg erreicht.
Warm ist es nun wieder geworden. Wir rasten, packen zusammen. Dann rückt Gernot raus, dass er nichts dagegen hat, wenn wir gleich absteigen und im Weichtalhaus essen. Am Vortag hatten Renate und ich noch eine schwere Diskussion, was wir nach dem Steig machen. Ihre Füße mögen aktuell keine langen Hatscher. Wie auch immer, mit Zweidrittelmehrheit beschließen wir den Abstieg über den Wachthüttelkamm. So gierig war ich auch nicht auf die Wanderung zum Ottohaus – passt schon! So ist es ein bisserl kurz. Bei so wenig Kalorienverbrauch tue ich mir im Weichtalhaus gar nicht leicht. Aber den Burger, in dem sich Reh und Wildschwein treffen, schaffe ich, und die Heidelbeertatschgerl sind Pflicht.
Tadelloser, vergnügter Tag!

















