Nandlgrat

Und schon wieder der Schneeberg. Heute starten wir beim Sessellift in Losenheim. Wir sind Renate, Gernot, Mio und ich. Der Windbruch behindert auf dieser Strecke kein bisschen. So ist der Aufstieg ohne jede Komplikation. Ganz oben hat es geschneit. Wir haben deswegen und wohl ahnend, dass wir sie nicht brauchen werden, die Grödel eingepackt. Aber kalt könnte es werden, auch wenn wir uns schon in der zweiten Maihälfte befinden.

Unser Aufstieg verläuft heute durch mehrere Klimazonen. Unten herrschen noch Temperaturen, die mir ein Gehen im T-Shirt erlauben. Aber am Plateau ist es winterlich kalt. Der Aufstieg selbst ist ausreichend oft beschrieben. Nichts hat sich geändert. Die Bedingungen sind optimal. Der Schneekontakt ist bis zum Plateau minimal und am Plateau egal, solange man nicht in Turnschuhen unterwegs ist.

Michl, der Hüttenwirt der Fischerhütte, staunt nicht schlecht, dass ich schon wieder da bin. So macht er zumindest etwas Umsatz an diesem wahrlich ungewöhnlich unwirtlichen Maitag. Runter geht es den Fadensteig. Hier kommen uns auch tapfere Wanderer in Jogginghosen und Turnschuhen entgegen. Was muss das für ein Genuss auf den Fußsohlen sein!

Am Nandlsteig muss Mio einmal gehoben werden, am Fadensteig zweimal. So weit zur Frage, ob diese Steige mit Hund zu machen sind. Ab der Edelweißhütte bestaunen wir noch den Bau der MTB-Strecke. Uh, das sieht wild aus, und ich bin froh, dass ich sie weder testen noch benutzen muss. Hier müssen andere ran!

Weiterer tadelloser Bergausflug zum Sammeln von Höhenmetern und Ausdauer. Renate geht es auch besser. Wir machen uns fit für größere Herausforderungen. So soll es sein!

Die Tour auf Garmin

Gebirgsvereinssteig

Gernot ist mal in Wien, da müssen wir etwas unternehmen. Die Sonne lacht, und diesmal ist es warm. Trotzdem wählen wir „nur“ die Hohe Wand. Weiter oben hat es geschneit. Gernot hat gar nicht die passende Ausrüstung für den unerwarteten Schnee dabei. Renate hat noch im Hinterkopf, dass es in den Bergen auch kalt sein kann.

Den Steig erledigen wir ohne jeden Zwischenfall. Man sieht dem Steig schon etwas an, dass er sehr, sehr oft begangen wird. Aber es ist tadellos gewartet, lediglich der Fels ist stellenweise abgeschliffen wie so mancher Kirchenpfeiler im Vatikan.

Meine beiden Begleiter schnaufen ein bisserl. Ist ja noch früh in der Saison. Das darf noch sein. Anderseits müssen wir noch einiges trainieren, um unsere Ziele wie Königsjodler oder den Klettersteig am Großen Priel zu schaffen.

Auf der Hohen Wand ist den Steinböcken so fad, dass sich gar einer der jungen Steinböcke hinreißen lässt und einen Baum erklimmt. Sachen gibt’s.

Nach einem üppigen Mittagessen auf der Wilhelm-Reichert-Hütte – vor allem ich lange übermaßen zu – geht es den Wagnersteig wieder runter.

Netter Tag bei blitzblauem Himmel!

Die Tour auf Garmin

Gretchensteig

Langsam zweifle ich auch schon an, was die Klimaforscher sagen und werde zum Anhänger einer Verschwörungstheorie, leider halt mit anderem Vorzeichen. Aber dazu später. Gestern sind meine neuen Grödel angekommen. Die habe ich bestellt, da ich letzte Woche ein Grödel – der Duden sagt, dass Grödel ein Mehrzahlwort ist, aha! – verloren habe. Verloren und heute wieder gefunden – jetzt habe ich mit drei Paar doch zu viele Paare! Aber der Reihe nach.

Gernot begleitet uns auf die Rax. Wir sind alle nur halb ausgerüstet, weil der Plan war, die Mautstraße vom Pfaffensattel zum Alois-Günther-Haus zu spazieren. Gernot hat nicht einmal einen Rucksack mit. Trotzdem entscheiden wir uns für die Rax. Da geht heute mehr. Nicht viel mehr, aber doch mehr.

Am Preinergscheid geht – Achtung, Novum! – kaum ein Wind. Entspannt starten wir Richtung Reißthalerhütte. Gernot ist in seinen Christkindlmarktschuhen unterwegs und zieht sich meine XL-Grödel über. Auch Renate und ich entscheiden uns für Grödel – wir haben ja genug. Durch den Wald und auch danach ist wahrlich nicht viel Schnee. Aber ab der Baumgrenze wird es absonderlich. Es riecht nach Frühling, die Jacken haben wir in die Rucksäcke gestopft, ich suche nach den ersten Schneerosen, wir haben den 22. Jänner.

Nun zur Verschwörungstheorie: ich mag nicht glauben, dass sich das Klima erst um weniger als 2 Grad erwärmt hat. Hier nicht, hier muss es deutlich mehr sein – warum? Selbst bei vorsichtiger Schätzung liegt die Temperatur um 10° bis 15° zu hoch, es hat deutlich Plusgrade. Okay, das ist nur ein Tag und damit das Wetter und nicht das Klima. Zum Ausgleich müsste es an einem anderen Tagen um 10° weniger haben. Wenn man im Jänner auf 1.500m also Mitte Jänner -10° erwarten kann, müsste es nun einen anderen Tag mit -20° oder tiefer hier heroben geben. Natürlich können es auch zwei Tage mit -15° sein, um den Schnitt zu retten,.. Faktisch sind wir letzte Woche auf der Terrasse am Nachmittag um drei in der Sonne gesessen. Noch so ein „heißer“ Tag. Wie auch immer, ich bin keine Wetterstation auf zwei Beinen. Nach meiner Einschätzung ist es aber eher um vier bis fünf Grad im Schnitt hier heroben wärmer als in einem Jänner vor 25 Jahren oder früher. Entsprechend traurig schaut es mit dem Schnee aus.

All das überlege ich mir, während wir wieder einmal den Schlangenweg runter spazieren. In allen Farben schildere ich, wie uns die Abkürzung mein Grödel gekostet hat. Bei Besichtigung des Ortes des Verschwindens reicht auch ein Schritt ins Latschengestrüpp und da liegt es unübersehbar. Mein schlechtes Gewissen ist weg und weicht einer Reflexion. Was, wenn das nicht mir sondern jemand anderem passiert wäre. „Wie umnachtet kann man sein, dass man das nicht bei der Suche sieht?“, „Muss man halt die Augen aufmachen und schauen!“… Egal, ich habe es wieder und nun gar zwei zuviel. Keine Gams hat sich verletzt, alles gut!

Der Rest ist Routine. Essen am Waxriegelhaus, Abstieg zum Preinergscheid und heim nach Breitenfurt. Feine, entspannte und sonnige Tour!

Die Tour auf Garmin

Jakobskogel

Auch dieses Jahr fahren wir wieder einmal mit der Seilbahn aufs Raxplateau. Es geht raus aus dem Nebel und ab in die Sonne. Weil wir uns auskennen, lassen wir die Schneeschuhe, die an der Bergstation unter der Woche kostenlos verliehen werden, links liegen. Und bereuen das auch bald. Spätestens, als Gernot wieder einmal eine Abkürzung kennt. Mio ist wie immer der einzige, der nichts sagt. Aber die Verstörtheit sieht man ihm an, als er da in grundlosem Pulverschnee durch Latschenfelder muss.

Aber auch ich habe die Tour unterschätzt. Was soll ich da auf dem Plateau-Spaziergang den mit Garmin aufzeichnen. Tja, weit gefehlt!

Trotzdem ein überaus edler Tag in der Sonne. So einen Ausflug kann ich nur empfehlen. Im Dezember ist die Sonne besonders gut fürs Gemüt!

Hohe Wilde und Eiskögele


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Hohe Wilde (3.480m)

Gernot, Lydia und ich reisen nach Obergurgl. Gernot, der nur am ersten Tag dabei sein will, mietet in Obergurgl ein e-Mountainbike und radelt zur Langtalereckhütte. Lydia und ich nehmen die sieben Kilometer und 600 Höhenmeter zu Fuß in Angriff. Die Rucksäcke deponieren wir in Obergurgl. Sie werden am Abend zur Hütte transportiert. Die Hütte ist recht fein. Wir sind in einem der mit acht Betten größten Mehrbettzimmer. Aber auch das Zimmer selbst ist groß. Hier sollten wir es recht gemütlich haben.

Am Abend sitzen wir noch nach dem Abendessen beisammen. Weder Gernot noch ich haben diesmal ausreichend Zeit in die Planung investiert. Die Route auf die Hohe Wilde bzw. Hochwilde habe ich gar von Alpenvereinaktiv automatisch erstellen lassen. Lydia geht die Route im Geiste durch, und da entdecken Gernot und Lydia fast zeitgleich, dass da auch ein Klettersteig dabei ist. Der Hüttenwirt hat schon gemeint, dass wir eine lange Tour vorhaben. Ich frage wegen des Klettersteigs nochmal nach. Nein, den würde er auslassen, weil es dann für den Tag zu viel wird. Wir werden schon so zehn Stunden unterwegs sein. Was uns bei der Überschreitung erwartet, habe ich auch ausgelöscht. In den Beschreibungen stand etwas von Klettern bis II+ und fast durchgängigem Stahlseil. Das widerspricht sich meines Erachtens und mein Hirn hat dann all diese Herausforderungen auf „Sehen wir, wenn wir dort sind!“ reduziert.

Das Zimmer teilen wir mit einer Familie aus München. Ich entschuldige mich schon, dass der Wecker um fünf Uhr läuten wird. Das nimmt die gute Frau gelassen. Es ist, wie es ist, solange nur keine schweren Schnarcher dabei sind. Upps, da hat sie mit uns leider doch ein ziemliches Pech. Wir werden uns beherrschen!

So starten wir nach dem Frühstück um 05:30 kurz nach sechs in unser Abenteuer. Mit uns machen sich noch zwei Deutsche und ein Vater mit Sohn aus Tschechien auf den Weg. Anfangs läuft es gut, aber unterhalb dem zerstörten Hochwildehaus holen sie uns ein. Der Ruhrpott quatscht unentwegt. Anfangs amüsant, dann zunehmend nervig. Zwei Männer und endlos Belanglosigkeiten. Wir rasten beim Hochwildehaus lange, um dem deutschen Wanderradio Vorsprung zu geben. Das Hochwildehaus ist leider dauerhaft geschlossen. Die globale Erwärmung hat den Permatfrostboden, auf dem das Haus gegründet wurde, tauen lassen. Eine 2014 errichtete Stützkonstruktion sicherte es vorübergehend. Schade!

Am Gurglerferner machen wir uns fertig für den Gletscher. Spalten mag ich nicht zu erkennen. Schön ist er trotzdem. In weiter Ferne schaut die Hochwilde zu uns herunter. Das ist schon noch ein Stück. Da ist das gesprächige deutsche Team wieder. Ohne Seil aber mit Eile macht man sich auf den Weg. Auch wir starten, knapp gefolgt vom tschechischen Team. Es geht aufs Annajoch, das über die Jahre ausgeapert ist und damit einen Teil des Gurglerferners abgetrennt hat. Nun wird es auch mal steiler. Deutschland steigt direttissima auf und legt so auf bald 3.300m ein Kardiotraining hin. Wir gehen es gemütlicher an und erreichen wieder mit den beiden anderen Länderteams den Beginn des Fels.

Oh, was ist denn das? Das ist ein Klettersteig. Da sind wir aber ein bisserl überrascht. Ich erinnere mich, was ich gelesen habe. Aber das war verwirrend – Schwierigkeit II+. Wie soll das gehen, wenn es ein Klettersteig ist? Ein mäßig schwieriger Klettersteig soll es sein. Meine Meinung dazu: technisch ist der Klettersteig nicht schwer. Vielleicht sind da ein oder zwei C-Stellen dabei. Überwiegend ist die Schwierigkeit B/C. Die Herausforderungen sind wohl die Ausgesetztheit und die Höhe. Das macht den Steig für die eine oder den anderen spannend. Lydia behilft sich mit Gernots Selbstsicherungsgerät. Gernot verwendet selbst zwei Bandschlingen mit Karabinern. Ich spaziere ungesichert nach. Da werden die Profis jetzt schimpfen, dass Lydias und Gernots Sicherungen nicht den Anforderungen entsprechen und mangels Dämpfung sehr gefährlich sind. Besser als meine sind beide Varianten und psychologische Unterstützung bieten sie auch mehr.

Der Nordgipfel ist bald erklommen. Wui, ist der spektakulär! So ein kühner Gipfelaufbau! Leider kommen erste Wolken auf. Für ein paar Fotos reicht es noch. Wir genießen den Ausblick, aber machen uns dann doch zügig auf den Weiterweg. Wer weiß, was noch auf uns wartet!

Der Kamm vom Nord- zum Südgipfel ist fast durchgängig mit einem Stahlseil und mit einigen Tritthilfen versichert. Spektakulär ist das passende Attribut. Lydia blickt besorgt, klettert aber tapfer weiter. Wo das Seil endet, soll eine leichte Kletterei der Schwierigkeit II beginnen. Diese muss aber der Wind davon getragen haben. So erreichen wir den 3.480m hohen Südgipfel problemlos. Hohe Wolken türmen sich auf, Lydias Füße haben Blasen bekommen und die Deutsche Welle funkt auch wieder.

Ja, Deutschland weiß, wo man zum Langtalerferner absteigt. Der Abstieg macht mir ein bisserl Sorgen, weil als sehr steil und steinschlaggefährdet angekündigt. Bei den hohen Temperaturen ist das kein erfreulicher Ausblick. Ich frage beim deutschen Team nach, ob sie Ahnung haben. Klaro! Selbstbewusst weist man den Grat entlang und zeigt auf Markierungen. Mein Hinweis, dass dieser Weg doch zu einer italienischen Hütte führt, wird abgeschmettert. Da vorne halt links halten, ist doch nicht so schwer. Bescheidener und pragmatischer antwortet das tschechische Generationenduo auf die Frage nach ihrem Abstieg. „There is the hut!“ und zeigt mit einer Abweichung von 180° zur deutschen Variante.

Lydia erhält noch Unterstützung aus Deutschland in Form eines Blasenpflasters, ehe die deutschen Stimmen in Richtung Italien absteigend immer leiser werden. Tschechien wartet taktisch, wir starten. Schon nach wenigen Metern weichen wir scharf links von der deutschen Variante ab. Sogar Markierung sieht man hier und der Abstieg ist nicht annähernd so übel, wie von mir erwartet. Der Nebel hüllt den Langtalerferner und den Grat ein bisserl ein. Gut so, da sieht man das Übel nicht so. Auf der italienischen Seite ist das Wetter klar. Ebenso klar ist, dass von da unten kein Weg heraufführt. Mal sehen, wann die deutsche Sperspitze den Fehler einsieht und umgekehrt.

Der Übergang vom Fels zum Gletscher ist aufgrund des Rückgangs des Gletschers nicht ganz so einfach, weil steil und mit losem Gestein überzogen. Aufgrund der Steilheit entscheiden wir uns, ohne Seil zu gehen, bis wir im flacheren Teil sind. Hier heroben würden wir uns nur gegenseitig mitnehmen, wenn einer losrutscht. Gernot geht vor und sieht sich einer Gletscherspalte gegenüber. Hinter uns beobachtet Tschechien und – da schau her – Deutschland unser Tun. Ich höre, wie Deutschland laut kundtut, wie es die Sache besser angehen wird. Von Demut ist da keine Spur.

Am Seil führt dann Gernot tadellos durch den doch spaltenreichen Ferner Richtung Hütte. Die Spalten sind nicht groß, aber zahlreich. Es ist nicht herausfordernd, aber auch nicht ganz einfach. Zum Glück versteckt sich die Sonne. So ist der Schnee, der zwischen dem Blankeis liegt, nicht ganz so weich. Der Abstieg ist lange, aber irgendwann haben wir die steilen Passagen hinter uns. In sicherem Abstand sind uns die Teams gefolgt. Nun, wo es flach wird, überholt wieder Deutschland. Die beiden deutschen Kinder sind ein paar Jahre jünger als ich. Wir machen Pause und legen das Seil ab. Der Ferner fließt hier ein paar Kilometer noch das Tal hinaus. Das sollte ohne Seil entspannter zu gehen sein. Der Vater aus Tschechien bedankt sich, dass Gernot so brav als Erster über den Gletscher ist. Einer muss es ja tun, und er ist froh, dass er es nicht sein musste.

An der Gletscherzunge sind die drei Teams schon wieder beisammen. Wir haben das Seil aber schon versorgt. Vor allem wittert Gernot aber eine Chance, dass er den Zug nach Wien noch schafft. So eilen wir zur Hütte im Laufschritt und fliegen nach ein, zwei Kilometer an der Stempelstelle für den Langtalerferner vorbei. So alt sieht die Box noch gar nicht aus. Mann oh, der Rückgang der Gletscher passiert hier mit einer irren Geschwindigkeit. Wir sind mit großem Abstand als erstes Team nach über zehn Stunden zurück. Gernot springt aufs Rad und erreicht Bus und Bahn, Deutschland spricht nicht mehr mit uns.

Das war heute wirklich eine tolle, lange, abwechslungsreiche und lohnende Tour. Dringende Empfehlung!

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Eiskögele (3.233m)

Mit Lydias Blasen ist wohl an eine Überschreitung des Schlafkogels nicht zu denken. So haben wir am Vorabend den Rucksack mit der Gletscherausrüstung gepackt und nach Obergurgl geschickt. Wir wollen das Eiskögele besteigen. Die Tour ist kürzer und eher ein Wanderberg mit tollem Ausblick, aber ohne Gletscherkontakt.

Wir schlafen aus und Lydia ist bis auf die Blasen wieder fit. Die meisten anderen Gäste sind schon weg, als wir uns fertig machen. Vor uns muss es wild zugegangen sein. Im Ergebnis sind meine Hochtourenschuhe weg. Die Story ist lustig, aber ich gebe sie hier nicht wieder. Gerne erzähle ich sie privat. Ergebnis ist aber, dass meine tollen Schuhe von Mammut weg sind. Stattdessen ist ein Paar über, dass eine Nummer kleiner ist. Sie sind nicht nur eine Nummer kleiner, qualitativ minderer und nicht voll steigeisenfest. Irgendwer ist also mit meinen schönen Schuhen auf und davon. Leider hat er sich bislang nicht gemeldet.

Lydia und ich besteigen das Eiskögele und sind zu Mittag wieder auf der Hütte. Nach dem Mittagessen machen wir uns auf den Fußweg nach Obergurgl. In Summe war das dann fast so viel wie die Überschreitung des Schlafkogels. Wir haben jeden und jede an diesem Tag wegen meiner Schuhe befragt. Wie gesagt, ich schreibe dazu hier nicht mehr. Es gilt die Unschuldsvermutung. Vielleicht hat derjenige die Verwechslung bislang nicht bemerkt. Mag ja sein, dass das jemand ist, der solche Schuhe nur einmal im Jahr trägt. Eigentlich ist das alles wenig glaubwürdig. Aber was macht man, wenn einer in der Gruppe nach einer Stunde, vielleicht auf dem Weg zu einer anderen Hütte, draufkommt, dass er die falschen Schuhe genommen hat? Dreht dann die ganze Gruppe um und riskiert den Tagesplan? Ich vermute, die Gruppe geht gemeinsam weiter. Vielleicht traut sich der Betroffene auch nichts zu sagen. Aber jetzt, wo das Wochenende und damit wahrscheinlich auch die Tour zu Ende ist, würde ich schon erwarten, dass der gute Mann beim Hüttenwirt anruft. Der hat meine Kontaktdaten. Ich würde mich freuen.

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Scharnock (2.498m)

Nach einem Ruhetag holt uns Gernot ab und wir fahren nach Hintergöriach. Dort haben wir zwei Optionen: entweder wir packen den Hochgolling oder den Scharnock. Vermutlich sind wir für den Hochgolling ebenso zu früh wie fürs Roteck. So stellen sich Renate und ich auf eine Wanderung auf den Scharnock ein. 1.100 Höhenmeter und ein ein bisserl ausgesetzter Abschluss – das wird gemütlich.

Gemütlich kuschelt sich auch eine Kuh an ein Auto am Parkplatz. Kurz habe ich Sorge um Gernots Gefährt. Die anderen Autos sind eingezäunt. Aber einen Zaun haben wir nicht dabei. Mal sehen, ob sich eine Kuh in Mercedes verliebt.

Zurück zum Gemütlichen! Wir wandern in toller Landschaft auf einer Forststraße dahin, durchqueren Weiler mit Hütten, die man mieten kann, um dem einfachen Leben zu frönen und kommen bald über die Baumgrenzen. Im Göriachwinkel schauen wir in die Gollingscharte. Da ist noch viel Schnee, aber die Steigung wahrlich nicht dramatisch. Aber so wie es aussieht, müssten wir einige steile Schneefelder queren, um auf den Hochgolling zu kommen. Rasch ist entschieden, dass wir zur Landawirseehütte und von dort auf den Scharnock gehen.

Bei der Landawirseehütte hören wir einen sympathischen Hüttenwirt, der weiß, wie hoch die Schneeauflage über dem Eis am Hochgolling ist. Nein, die Scharte kann man verkehrt gehen – warum eigentlich? -, aber der Hochgolling geht nur mit Steigeisen. Der Scharnock braucht Grödel bis zur Scharte, ab dann ist es trocken. All das sprudelt kompetent aus dem guten Mann, aber ich habe meine Zweifel. Bestärkt werden diese durch seine Statur, die vermuten lässt, dass er in letzter Zeit weder auf Hochgolling noch Schnarnock war. Wofür sollte ich auf den Scharnock über die wenig steilen und vor allem weichen Schneefelder Grödel brauchen? Egal, wir haben welche mit und den Rest packen wir auch.

So steigen wir zur Scharte unter dem Scharnock auf, ganz ohne Grödel. Nicht einmal die Stöcke wären notwendig. Die Scharte ist erreicht und nach wenigen Metern packen wir die Stöcke weg, die könnten ab hier im Weg sein. Nach ein paar Metern tut sich ein Anblick auf, der zusammenzucken lässt. Schnee und Regen haben den steilen Hang abrutschen lassen. Erdreich und Steine liegen herum. Ein Weg ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Seit dem Ereignis sind wir wahrscheinlich die ersten hier. Zum Glück ist die Erde zäh und trägt. Wenn das beispielsweise trockener und sandiger wäre, müssten wir erneut umkehren. Renate hat ein mulmiges Gefühl, macht aber tapfer mit. Zum Glück sind die Markierungen nicht abgerutscht. Allzu weit kann es auch nicht mehr sind, sind wir doch schon auf fast 2.400m. So steigen wir in gut gebückter Haltung vorsichtig höher und machen uns ein bisserl Gedanken, wie das im Abstieg werden wird. Jeder Schritt gibt uns zumindest immer mehr Zuversicht, dass das alles hier hält.

Der Gipfel ist ausgesprochen schön. Ausblick und Wetter passen auch. Im Gipfelbuch ist der letzte Eintrag vom Oktober 2023. Wir fotografieren, jausnen und genießen, ehe es an den Abstieg geht. Renate hat ein mulmiges Gefühl. Aber wir gehen die Herausforderung an, Schritt für Schritt. Mag ich solche Schrägen schon im Allgemeinen nicht, ist es mit dem gerissenen Meniskus noch einmal unangenehmer, weil so ein Gefühl der Instabilität dabei ist. So nehme ich fleißig die Hände zur Unterstützung. Renate tut es mir gleich. Aber als letzter geht einer aufrecht im Vertrauen auf sein Training am Balance-Board und seine Erfahrung beim Skifahren: man muss nur die Kante ordentlich reindrücken. Mann oh! Der Abstieg geht jedenfalls deutlich besser als vermutet. Nur bei Renate bricht einmal ein Tritt aus. Der Schrei schreckt mich nicht, habe ich mich doch daran schon gewöhnt. So einer kommt ja auch, wenn beispielsweise die Trinkflasche überraschend schnellt aufschnappt. Und der Schrei ist nur kurz. Trotzdem muss nun unser Skifahrer dran. Wie ein Gentleman gräbt er kleine Tritte mit den Schuhspitzen. Der andere Nichtso-Gentleman hat die letzte Querung hinter sich, freut sich, dass alles gutgegangen ist und sieht mit Erleichterung, dass auch die beiden mittlerweile wieder am unbeschädigten Weg sind.

Der Abstieg über die Schneefelder ist schön und ohne Zwischenfälle. Ich probiere es noch mit Eisbaden im Landawirsee, immerhin auf 2.000m. Das geht gut und kommt mir nicht mal soo kalt vor. Soll ja für die Gelenke gut sein und ewig jung halten. Schauen ma a mal!

Wieder bei der Hütte berichten wir von der Rückseite des Scharnock. Der Hüttenwirt schaut sich die Fotos an, lacht und meint, dass er das den Wegewarten melden muss. Und weg ist er. Er kommt mit drei Zirbenbränden zurück – gegen den Schock – und hüpft wie ein Flummi die Stiegen der Terrasse zu seinem Jeep hinunter. Wow, macht sich der jetzt an die Reparatur des Weges? Nicht ganz, oder muss er erst Werkzeug aus dem Tal holen?

Nach ausreichendem Essen mit einem Kaiserschmarren, der vielleicht zu viel Vorschusslorbeeren hatte, geht es die Forststraße wieder zum Auto. Die Kühe haben Mercedes abgeschleckt, aber keinen weiteren Schaden angerichtet. Uff!

Die Tour war überraschend kurzweilig und landschaftlich durchgehend mehr als lohnend – super fein!

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Stadelwandgrat III

Renate liegt mit Fieber im Bett. So brechen Gernot und ich auf, um die Erinnerung an den Stadelwandgrat aufzufrischen. Wieder sind wir die einzigen, die an diesem Wochentag in diesem Gebiet unterwegs sind. Diesmal steigen wir weiter im Stadelwandgraben auf, machen damit sogar ein paar Höhenmeter „zu viel“, gelangen dafür aber komfortabel ins Gassel. Gernot notiert als Abzweighöhe 910m. Das ist knapp unter dem Geröllfeld, bei dem der Weg durch den Stadelwandgraben in Aufstiegsrichtung scharf nach rechts abbiegt.

Das Gassel ist weniger anstrengend als sonst, aber noch recht unbegangen in diesem Jahr. Das bedeutet viel Schotter und loses Gestein. Ein nennenswerter Brocken löst sich fast, bleibt aber liegen. Ich warne noch Gernot, der sich 50 Meter hinter mir befindet. So steige ich weiter und höre irgendwann einen Schrei hinter mir. Gernot musste einen Brocken, der langsam auf ihn zugekommen ist, mit den Händen abwehren. Das bringt ihm eine Schürfwunde und einen ziemlichen Stich im Handgelenk. Ich bin extra vorsichtig aufgestiegen und vermute, dass der sich eine, vorher erwähnte Brocken doch noch langsam auf den Weg gemacht hat. Oh, oh – das hätte schlimmer ausgehen können.

Die Lesson learned daraus ist, dass man eng beisammen bleiben soll, wenn die Steine locker liegen. So düsen wir in kurzem Abstand zum Einstieg hinauf. Der ist wie immer, weiter oben als vermutet. Schön brav, den roten Punkten folgen. Diese führen zuverlässig zum Einstieg, der sich auf knapp unter 1.200 Metern liegt.

Der Zustieg war anstrengend, aber hier ist es nun recht kühl. Die Sonne versteckt sich, der Wind pfeift. Ich ziehe mich um, aber zittere beim ersten Stand. Oha! Jetzt kommt auch noch die „Notjacke“ dran, und ab damit passt dann die Temperatur.

Der erste Stand ist am „Zusatzturm“, den man sich auch sparen kann. Man erreicht ihn, wenn man gegen den fetten, roten Pfeil Richtung Ausstieg Richtersteig(?) spaziert. Ich finde der Turm macht Spaß und ist es wert, auch mitgenommen zu werden. Man muss ihn „überschreiten“, das heißt, hinten wieder runter. Das sieht wilder aus, als es ist.

Der Steig ist auf meiner Website schon ein paar Mal beschrieben. Deswegen kommen hier nun keine Details zum Steig, sondern Erkenntnisse der heutigen Begehung. Gernot und ich wechseln uns im Vorstieg ab, das macht die Sache kurzweiliger. Ein bisserl Zeit sparen wir durch reduziertes Umhängen. Wichtiger erscheint aber die Tatsache, dass das einmal vorne weg und einmal hinten nach abwechslungsreicher ist.

So kommt es auch, dass Gernot vor der IIIer-Stelle im Vorstieg ist, und gemäß Topo einmal II+ und einmal III- nimmt. Ich steige hinten nach und bin voller Staunen, was da bei Gernot im Vergleich zu den ersten Begehungen geht. Beim IIIer bin ich dann vorne. Die Stelle ist auch keine sonderliche Hexerei, wenngleich Gernot meint, dass er die nie und nimmer im Vorstieg gepackt hätte. Vielleicht will er Bescheidenheit an den Tag legen. Ich traue es ihm demnächst zu, und das, obwohl er erst seit ein paar Jahren kraxelt.

Der Steig kommt uns kürzer vor. Die Zeiten vergleichen wir nicht. Wozu auch? Ueli Steck war in deutlich weniger Zeit durch die Eiger Nordwand.

Vorm Forsthaus fehlen leider Bänke und Tisch. So jausnen wir am Boden sitzend, ehe wir absteigen. Am Abend gibt es noch mein erstes MRT. Geht sich alles locker aus. Mit Renate geht es auch bergauf.

Alles tadellos!

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Peilstein

Gernot hat mir ein Buch mit Klettertouren zum Geburtstag geschenkt. Am Akademikersteig war ich beim letzten Mal unsicher, wie denn das Sicherungsgerät zu verwenden ist. Renate will auch klettern. Jede Menge Gründe, um einen Kletterkurs beim Alpenverein zu buchen. Auch Gernots Renate entschließt sich zur Teilnahme. Tadellos, so stehen wir am Montag am Peilstein und harren der Dinge, die da kommen mögen.

Unser Trainer, Frans, erklärt kurzweilig das Material und fünf notwendige Knoten. Dann wird auch schon abgeseilt. Mutig stürzen wir uns in die Tiefe. Mit der Zuversicht von Kindern, die ganz darauf vertrauen, dass Frans schon alles vernünftig aufgebaut hat. Niemand prüft, was er denn da zusammengehängt hat. Warum auch? Alle vier haben ihren Spaß, ehe es nach Holzschlag zum Mittagessen geht.

Am Nachmittag werden Mehrseillängen geübt. Erst in der Ebene, dann am Gamseckgrat. Auch diese Übung schaffen alle ohne Not und dafür mit Freude. Und ehe der Tag vorbei ist, bekommen wir noch Tipps, deren es so viele gibt. Schauen wir einmal, was wir uns bis zum ersten Einsatz merken. Kurz vor fünf sind wir müde und zufrieden von unserem Arbeitstag draußen wieder am Heimweg. Fein war’s!

Obergurgl

Osterurlaub steht an. Jasmin und Carina sind dabei. So patzigen Schnee wie in Zauchensee oder Ischgl wollen sie nicht mehr haben. Obergurgl bietet sich da als einer der höchsten Orte Österreichs an. Wir gönnen uns ein bisserl Luxus in den Appartements Gletscherblick und müssen dabei gar zwei Stockwerke in zwei getrennten Appartements nehmen. So haben wir drei Schlafräume und damit ein Gästezimmer, das auch Gernot spontan nützt. Die Mädels freut es, denn so kommen sie zu einem Skilehrer, der mit ihnen über die Pisten fetzt.

Renate und ich gehen es gemütlicher an. Mich stört das kein bisserl. Das Wetter ist durchwachsen, teils sperrt der Föhn die Lifte. So kommen Renate und ich nicht einmal nach Hochgurgl. Ein guter Grund, in den nächsten Jahren das nachzuholen. Während weiter unten der Schnee knapp wird, gibt es hier heroben davon reichlich. Sogar zum Tiefschneefahren kommen wir. Renate räumt erst danach ein, dass es ihr erster Versuch seit 2006 ist. Und 2006 war es auch der einzige Versuch. So schaufelt sie tonnenweise Schnee und kommt dabei anständig ins Schnaufen. Oder sie lässt sich tadellos in die Falllinie fallen, um sich dann im Schrecken darüber, wie gut das geht, gleich selbst fallen zu lassen. Tapfer ist sie auf jeden Fall und bald aus verständlichen Gründen müde. Das Knie und den Hals ein bisserl verdreht sitzt sie da und hat sich Respekt verdient. Gernot düst zwischenzeitlich mit den Mädels durchs Unverspurte. So soll’s sein.

Am Nachmittag gönnen wir uns noch das Schleppservice zur Schönwieshütte. Ui, die ist eine klare Empfehlung. Das Essen ist gut, die ersten Tiefschneeschwünge wollen gar mit Champagner begossen werden. So sitzen wir da in Mitten Tirolers Bergwelt, wundern uns leise, wie der Hüttenbau ohne Schlafmöglichkeit je in dieser Einsamkeit genehmigt wurde, und verpassen dabei ganz, wie dicke Schneeflocken draußen eine Winterlandschaft wie aus längst vergangenen Tagen zaubern.

An Tagen, an denen wir nicht auf den Skiern stehen, gehorche ich Amy. Amy trainiert mich für meinen nächsten 10km-Lauf. Nicht direkt sie, denn sie hätte in Tennessee sicherlich genug zu tun, sondern eine Software. Ach, was erkläre ich, neue Zeiten sind das. In jedem Fall absolviere ich auf über 1.900m Seehöhe ein Höhentraining. Renate steht um nichts nach und radelt am anderen Ende des großzügigen Fitnessraums.

Alles tadellos – wunderbare Osterferien!

Akademikersteig

Der Akademikersteig ist wieder einmal dran. Der Klimawandel lässt solche Aktionen im Februar zu. Statt gejammert wird gekraxelt. Die Hüfte lässt Bewegungen zu, mit denen ich halt nichts anfangen kann. Das soll mich nicht abhalten, wieder einmal zu erwähnen, wie toll die Hüft-OP gelaufen ist.

Am Steig geht alles reibungsfrei ab. Gefühlt sind wir im Vergleich zu den ersten Malen irre schnell. Experten laufen die paar Hundert Meter wahrscheinlich. Wir schaffen es seilfrei bis auf das Felsfenster. Dies sei notiert, weil es Gernot sonst beim nächsten Mal wieder nicht glauben kann. Und nach dem Felsfenster kommt nichts Schwieriges mehr. Auch das sei hier festgehalten.

Schöner Tag, tadellos!

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