Jakobskogel

Auch dieses Jahr fahren wir wieder einmal mit der Seilbahn aufs Raxplateau. Es geht raus aus dem Nebel und ab in die Sonne. Weil wir uns auskennen, lassen wir die Schneeschuhe, die an der Bergstation unter der Woche kostenlos verliehen werden, links liegen. Und bereuen das auch bald. Spätestens, als Gernot wieder einmal eine Abkürzung kennt. Mio ist wie immer der einzige, der nichts sagt. Aber die Verstörtheit sieht man ihm an, als er da in grundlosem Pulverschnee durch Latschenfelder muss.

Aber auch ich habe die Tour unterschätzt. Was soll ich da auf dem Plateau-Spaziergang den mit Garmin aufzeichnen. Tja, weit gefehlt!

Trotzdem ein überaus edler Tag in der Sonne. So einen Ausflug kann ich nur empfehlen. Im Dezember ist die Sonne besonders gut fürs Gemüt!

Hohe Wilde und Eiskögele


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Hohe Wilde (3.480m)

Gernot, Lydia und ich reisen nach Obergurgl. Gernot, der nur am ersten Tag dabei sein will, mietet in Obergurgl ein e-Mountainbike und radelt zur Langtalereckhütte. Lydia und ich nehmen die sieben Kilometer und 600 Höhenmeter zu Fuß in Angriff. Die Rucksäcke deponieren wir in Obergurgl. Sie werden am Abend zur Hütte transportiert. Die Hütte ist recht fein. Wir sind in einem der mit acht Betten größten Mehrbettzimmer. Aber auch das Zimmer selbst ist groß. Hier sollten wir es recht gemütlich haben.

Am Abend sitzen wir noch nach dem Abendessen beisammen. Weder Gernot noch ich haben diesmal ausreichend Zeit in die Planung investiert. Die Route auf die Hohe Wilde bzw. Hochwilde habe ich gar von Alpenvereinaktiv automatisch erstellen lassen. Lydia geht die Route im Geiste durch, und da entdecken Gernot und Lydia fast zeitgleich, dass da auch ein Klettersteig dabei ist. Der Hüttenwirt hat schon gemeint, dass wir eine lange Tour vorhaben. Ich frage wegen des Klettersteigs nochmal nach. Nein, den würde er auslassen, weil es dann für den Tag zu viel wird. Wir werden schon so zehn Stunden unterwegs sein. Was uns bei der Überschreitung erwartet, habe ich auch ausgelöscht. In den Beschreibungen stand etwas von Klettern bis II+ und fast durchgängigem Stahlseil. Das widerspricht sich meines Erachtens und mein Hirn hat dann all diese Herausforderungen auf „Sehen wir, wenn wir dort sind!“ reduziert.

Das Zimmer teilen wir mit einer Familie aus München. Ich entschuldige mich schon, dass der Wecker um fünf Uhr läuten wird. Das nimmt die gute Frau gelassen. Es ist, wie es ist, solange nur keine schweren Schnarcher dabei sind. Upps, da hat sie mit uns leider doch ein ziemliches Pech. Wir werden uns beherrschen!

So starten wir nach dem Frühstück um 05:30 kurz nach sechs in unser Abenteuer. Mit uns machen sich noch zwei Deutsche und ein Vater mit Sohn aus Tschechien auf den Weg. Anfangs läuft es gut, aber unterhalb dem zerstörten Hochwildehaus holen sie uns ein. Der Ruhrpott quatscht unentwegt. Anfangs amüsant, dann zunehmend nervig. Zwei Männer und endlos Belanglosigkeiten. Wir rasten beim Hochwildehaus lange, um dem deutschen Wanderradio Vorsprung zu geben. Das Hochwildehaus ist leider dauerhaft geschlossen. Die globale Erwärmung hat den Permatfrostboden, auf dem das Haus gegründet wurde, tauen lassen. Eine 2014 errichtete Stützkonstruktion sicherte es vorübergehend. Schade!

Am Gurglerferner machen wir uns fertig für den Gletscher. Spalten mag ich nicht zu erkennen. Schön ist er trotzdem. In weiter Ferne schaut die Hochwilde zu uns herunter. Das ist schon noch ein Stück. Da ist das gesprächige deutsche Team wieder. Ohne Seil aber mit Eile macht man sich auf den Weg. Auch wir starten, knapp gefolgt vom tschechischen Team. Es geht aufs Annajoch, das über die Jahre ausgeapert ist und damit einen Teil des Gurglerferners abgetrennt hat. Nun wird es auch mal steiler. Deutschland steigt direttissima auf und legt so auf bald 3.300m ein Kardiotraining hin. Wir gehen es gemütlicher an und erreichen wieder mit den beiden anderen Länderteams den Beginn des Fels.

Oh, was ist denn das? Das ist ein Klettersteig. Da sind wir aber ein bisserl überrascht. Ich erinnere mich, was ich gelesen habe. Aber das war verwirrend – Schwierigkeit II+. Wie soll das gehen, wenn es ein Klettersteig ist? Ein mäßig schwieriger Klettersteig soll es sein. Meine Meinung dazu: technisch ist der Klettersteig nicht schwer. Vielleicht sind da ein oder zwei C-Stellen dabei. Überwiegend ist die Schwierigkeit B/C. Die Herausforderungen sind wohl die Ausgesetztheit und die Höhe. Das macht den Steig für die eine oder den anderen spannend. Lydia behilft sich mit Gernots Selbstsicherungsgerät. Gernot verwendet selbst zwei Bandschlingen mit Karabinern. Ich spaziere ungesichert nach. Da werden die Profis jetzt schimpfen, dass Lydias und Gernots Sicherungen nicht den Anforderungen entsprechen und mangels Dämpfung sehr gefährlich sind. Besser als meine sind beide Varianten und psychologische Unterstützung bieten sie auch mehr.

Der Nordgipfel ist bald erklommen. Wui, ist der spektakulär! So ein kühner Gipfelaufbau! Leider kommen erste Wolken auf. Für ein paar Fotos reicht es noch. Wir genießen den Ausblick, aber machen uns dann doch zügig auf den Weiterweg. Wer weiß, was noch auf uns wartet!

Der Kamm vom Nord- zum Südgipfel ist fast durchgängig mit einem Stahlseil und mit einigen Tritthilfen versichert. Spektakulär ist das passende Attribut. Lydia blickt besorgt, klettert aber tapfer weiter. Wo das Seil endet, soll eine leichte Kletterei der Schwierigkeit II beginnen. Diese muss aber der Wind davon getragen haben. So erreichen wir den 3.480m hohen Südgipfel problemlos. Hohe Wolken türmen sich auf, Lydias Füße haben Blasen bekommen und die Deutsche Welle funkt auch wieder.

Ja, Deutschland weiß, wo man zum Langtalerferner absteigt. Der Abstieg macht mir ein bisserl Sorgen, weil als sehr steil und steinschlaggefährdet angekündigt. Bei den hohen Temperaturen ist das kein erfreulicher Ausblick. Ich frage beim deutschen Team nach, ob sie Ahnung haben. Klaro! Selbstbewusst weist man den Grat entlang und zeigt auf Markierungen. Mein Hinweis, dass dieser Weg doch zu einer italienischen Hütte führt, wird abgeschmettert. Da vorne halt links halten, ist doch nicht so schwer. Bescheidener und pragmatischer antwortet das tschechische Generationenduo auf die Frage nach ihrem Abstieg. „There is the hut!“ und zeigt mit einer Abweichung von 180° zur deutschen Variante.

Lydia erhält noch Unterstützung aus Deutschland in Form eines Blasenpflasters, ehe die deutschen Stimmen in Richtung Italien absteigend immer leiser werden. Tschechien wartet taktisch, wir starten. Schon nach wenigen Metern weichen wir scharf links von der deutschen Variante ab. Sogar Markierung sieht man hier und der Abstieg ist nicht annähernd so übel, wie von mir erwartet. Der Nebel hüllt den Langtalerferner und den Grat ein bisserl ein. Gut so, da sieht man das Übel nicht so. Auf der italienischen Seite ist das Wetter klar. Ebenso klar ist, dass von da unten kein Weg heraufführt. Mal sehen, wann die deutsche Sperspitze den Fehler einsieht und umgekehrt.

Der Übergang vom Fels zum Gletscher ist aufgrund des Rückgangs des Gletschers nicht ganz so einfach, weil steil und mit losem Gestein überzogen. Aufgrund der Steilheit entscheiden wir uns, ohne Seil zu gehen, bis wir im flacheren Teil sind. Hier heroben würden wir uns nur gegenseitig mitnehmen, wenn einer losrutscht. Gernot geht vor und sieht sich einer Gletscherspalte gegenüber. Hinter uns beobachtet Tschechien und – da schau her – Deutschland unser Tun. Ich höre, wie Deutschland laut kundtut, wie es die Sache besser angehen wird. Von Demut ist da keine Spur.

Am Seil führt dann Gernot tadellos durch den doch spaltenreichen Ferner Richtung Hütte. Die Spalten sind nicht groß, aber zahlreich. Es ist nicht herausfordernd, aber auch nicht ganz einfach. Zum Glück versteckt sich die Sonne. So ist der Schnee, der zwischen dem Blankeis liegt, nicht ganz so weich. Der Abstieg ist lange, aber irgendwann haben wir die steilen Passagen hinter uns. In sicherem Abstand sind uns die Teams gefolgt. Nun, wo es flach wird, überholt wieder Deutschland. Die beiden deutschen Kinder sind ein paar Jahre jünger als ich. Wir machen Pause und legen das Seil ab. Der Ferner fließt hier ein paar Kilometer noch das Tal hinaus. Das sollte ohne Seil entspannter zu gehen sein. Der Vater aus Tschechien bedankt sich, dass Gernot so brav als Erster über den Gletscher ist. Einer muss es ja tun, und er ist froh, dass er es nicht sein musste.

An der Gletscherzunge sind die drei Teams schon wieder beisammen. Wir haben das Seil aber schon versorgt. Vor allem wittert Gernot aber eine Chance, dass er den Zug nach Wien noch schafft. So eilen wir zur Hütte im Laufschritt und fliegen nach ein, zwei Kilometer an der Stempelstelle für den Langtalerferner vorbei. So alt sieht die Box noch gar nicht aus. Mann oh, der Rückgang der Gletscher passiert hier mit einer irren Geschwindigkeit. Wir sind mit großem Abstand als erstes Team nach über zehn Stunden zurück. Gernot springt aufs Rad und erreicht Bus und Bahn, Deutschland spricht nicht mehr mit uns.

Das war heute wirklich eine tolle, lange, abwechslungsreiche und lohnende Tour. Dringende Empfehlung!

Die Tour auf Garmin

Eiskögele (3.233m)

Mit Lydias Blasen ist wohl an eine Überschreitung des Schlafkogels nicht zu denken. So haben wir am Vorabend den Rucksack mit der Gletscherausrüstung gepackt und nach Obergurgl geschickt. Wir wollen das Eiskögele besteigen. Die Tour ist kürzer und eher ein Wanderberg mit tollem Ausblick, aber ohne Gletscherkontakt.

Wir schlafen aus und Lydia ist bis auf die Blasen wieder fit. Die meisten anderen Gäste sind schon weg, als wir uns fertig machen. Vor uns muss es wild zugegangen sein. Im Ergebnis sind meine Hochtourenschuhe weg. Die Story ist lustig, aber ich gebe sie hier nicht wieder. Gerne erzähle ich sie privat. Ergebnis ist aber, dass meine tollen Schuhe von Mammut weg sind. Stattdessen ist ein Paar über, dass eine Nummer kleiner ist. Sie sind nicht nur eine Nummer kleiner, qualitativ minderer und nicht voll steigeisenfest. Irgendwer ist also mit meinen schönen Schuhen auf und davon. Leider hat er sich bislang nicht gemeldet.

Lydia und ich besteigen das Eiskögele und sind zu Mittag wieder auf der Hütte. Nach dem Mittagessen machen wir uns auf den Fußweg nach Obergurgl. In Summe war das dann fast so viel wie die Überschreitung des Schlafkogels. Wir haben jeden und jede an diesem Tag wegen meiner Schuhe befragt. Wie gesagt, ich schreibe dazu hier nicht mehr. Es gilt die Unschuldsvermutung. Vielleicht hat derjenige die Verwechslung bislang nicht bemerkt. Mag ja sein, dass das jemand ist, der solche Schuhe nur einmal im Jahr trägt. Eigentlich ist das alles wenig glaubwürdig. Aber was macht man, wenn einer in der Gruppe nach einer Stunde, vielleicht auf dem Weg zu einer anderen Hütte, draufkommt, dass er die falschen Schuhe genommen hat? Dreht dann die ganze Gruppe um und riskiert den Tagesplan? Ich vermute, die Gruppe geht gemeinsam weiter. Vielleicht traut sich der Betroffene auch nichts zu sagen. Aber jetzt, wo das Wochenende und damit wahrscheinlich auch die Tour zu Ende ist, würde ich schon erwarten, dass der gute Mann beim Hüttenwirt anruft. Der hat meine Kontaktdaten. Ich würde mich freuen.

Die Tour auf Garmin


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Scharnock (2.498m)

Nach einem Ruhetag holt uns Gernot ab und wir fahren nach Hintergöriach. Dort haben wir zwei Optionen: entweder wir packen den Hochgolling oder den Scharnock. Vermutlich sind wir für den Hochgolling ebenso zu früh wie fürs Roteck. So stellen sich Renate und ich auf eine Wanderung auf den Scharnock ein. 1.100 Höhenmeter und ein ein bisserl ausgesetzter Abschluss – das wird gemütlich.

Gemütlich kuschelt sich auch eine Kuh an ein Auto am Parkplatz. Kurz habe ich Sorge um Gernots Gefährt. Die anderen Autos sind eingezäunt. Aber einen Zaun haben wir nicht dabei. Mal sehen, ob sich eine Kuh in Mercedes verliebt.

Zurück zum Gemütlichen! Wir wandern in toller Landschaft auf einer Forststraße dahin, durchqueren Weiler mit Hütten, die man mieten kann, um dem einfachen Leben zu frönen und kommen bald über die Baumgrenzen. Im Göriachwinkel schauen wir in die Gollingscharte. Da ist noch viel Schnee, aber die Steigung wahrlich nicht dramatisch. Aber so wie es aussieht, müssten wir einige steile Schneefelder queren, um auf den Hochgolling zu kommen. Rasch ist entschieden, dass wir zur Landawirseehütte und von dort auf den Scharnock gehen.

Bei der Landawirseehütte hören wir einen sympathischen Hüttenwirt, der weiß, wie hoch die Schneeauflage über dem Eis am Hochgolling ist. Nein, die Scharte kann man verkehrt gehen – warum eigentlich? -, aber der Hochgolling geht nur mit Steigeisen. Der Scharnock braucht Grödel bis zur Scharte, ab dann ist es trocken. All das sprudelt kompetent aus dem guten Mann, aber ich habe meine Zweifel. Bestärkt werden diese durch seine Statur, die vermuten lässt, dass er in letzter Zeit weder auf Hochgolling noch Schnarnock war. Wofür sollte ich auf den Scharnock über die wenig steilen und vor allem weichen Schneefelder Grödel brauchen? Egal, wir haben welche mit und den Rest packen wir auch.

So steigen wir zur Scharte unter dem Scharnock auf, ganz ohne Grödel. Nicht einmal die Stöcke wären notwendig. Die Scharte ist erreicht und nach wenigen Metern packen wir die Stöcke weg, die könnten ab hier im Weg sein. Nach ein paar Metern tut sich ein Anblick auf, der zusammenzucken lässt. Schnee und Regen haben den steilen Hang abrutschen lassen. Erdreich und Steine liegen herum. Ein Weg ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Seit dem Ereignis sind wir wahrscheinlich die ersten hier. Zum Glück ist die Erde zäh und trägt. Wenn das beispielsweise trockener und sandiger wäre, müssten wir erneut umkehren. Renate hat ein mulmiges Gefühl, macht aber tapfer mit. Zum Glück sind die Markierungen nicht abgerutscht. Allzu weit kann es auch nicht mehr sind, sind wir doch schon auf fast 2.400m. So steigen wir in gut gebückter Haltung vorsichtig höher und machen uns ein bisserl Gedanken, wie das im Abstieg werden wird. Jeder Schritt gibt uns zumindest immer mehr Zuversicht, dass das alles hier hält.

Der Gipfel ist ausgesprochen schön. Ausblick und Wetter passen auch. Im Gipfelbuch ist der letzte Eintrag vom Oktober 2023. Wir fotografieren, jausnen und genießen, ehe es an den Abstieg geht. Renate hat ein mulmiges Gefühl. Aber wir gehen die Herausforderung an, Schritt für Schritt. Mag ich solche Schrägen schon im Allgemeinen nicht, ist es mit dem gerissenen Meniskus noch einmal unangenehmer, weil so ein Gefühl der Instabilität dabei ist. So nehme ich fleißig die Hände zur Unterstützung. Renate tut es mir gleich. Aber als letzter geht einer aufrecht im Vertrauen auf sein Training am Balance-Board und seine Erfahrung beim Skifahren: man muss nur die Kante ordentlich reindrücken. Mann oh! Der Abstieg geht jedenfalls deutlich besser als vermutet. Nur bei Renate bricht einmal ein Tritt aus. Der Schrei schreckt mich nicht, habe ich mich doch daran schon gewöhnt. So einer kommt ja auch, wenn beispielsweise die Trinkflasche überraschend schnellt aufschnappt. Und der Schrei ist nur kurz. Trotzdem muss nun unser Skifahrer dran. Wie ein Gentleman gräbt er kleine Tritte mit den Schuhspitzen. Der andere Nichtso-Gentleman hat die letzte Querung hinter sich, freut sich, dass alles gutgegangen ist und sieht mit Erleichterung, dass auch die beiden mittlerweile wieder am unbeschädigten Weg sind.

Der Abstieg über die Schneefelder ist schön und ohne Zwischenfälle. Ich probiere es noch mit Eisbaden im Landawirsee, immerhin auf 2.000m. Das geht gut und kommt mir nicht mal soo kalt vor. Soll ja für die Gelenke gut sein und ewig jung halten. Schauen ma a mal!

Wieder bei der Hütte berichten wir von der Rückseite des Scharnock. Der Hüttenwirt schaut sich die Fotos an, lacht und meint, dass er das den Wegewarten melden muss. Und weg ist er. Er kommt mit drei Zirbenbränden zurück – gegen den Schock – und hüpft wie ein Flummi die Stiegen der Terrasse zu seinem Jeep hinunter. Wow, macht sich der jetzt an die Reparatur des Weges? Nicht ganz, oder muss er erst Werkzeug aus dem Tal holen?

Nach ausreichendem Essen mit einem Kaiserschmarren, der vielleicht zu viel Vorschusslorbeeren hatte, geht es die Forststraße wieder zum Auto. Die Kühe haben Mercedes abgeschleckt, aber keinen weiteren Schaden angerichtet. Uff!

Die Tour war überraschend kurzweilig und landschaftlich durchgehend mehr als lohnend – super fein!

Die Tour auf Garmin

Stadelwandgrat III

Renate liegt mit Fieber im Bett. So brechen Gernot und ich auf, um die Erinnerung an den Stadelwandgrat aufzufrischen. Wieder sind wir die einzigen, die an diesem Wochentag in diesem Gebiet unterwegs sind. Diesmal steigen wir weiter im Stadelwandgraben auf, machen damit sogar ein paar Höhenmeter „zu viel“, gelangen dafür aber komfortabel ins Gassel. Gernot notiert als Abzweighöhe 910m. Das ist knapp unter dem Geröllfeld, bei dem der Weg durch den Stadelwandgraben in Aufstiegsrichtung scharf nach rechts abbiegt.

Das Gassel ist weniger anstrengend als sonst, aber noch recht unbegangen in diesem Jahr. Das bedeutet viel Schotter und loses Gestein. Ein nennenswerter Brocken löst sich fast, bleibt aber liegen. Ich warne noch Gernot, der sich 50 Meter hinter mir befindet. So steige ich weiter und höre irgendwann einen Schrei hinter mir. Gernot musste einen Brocken, der langsam auf ihn zugekommen ist, mit den Händen abwehren. Das bringt ihm eine Schürfwunde und einen ziemlichen Stich im Handgelenk. Ich bin extra vorsichtig aufgestiegen und vermute, dass der sich eine, vorher erwähnte Brocken doch noch langsam auf den Weg gemacht hat. Oh, oh – das hätte schlimmer ausgehen können.

Die Lesson learned daraus ist, dass man eng beisammen bleiben soll, wenn die Steine locker liegen. So düsen wir in kurzem Abstand zum Einstieg hinauf. Der ist wie immer, weiter oben als vermutet. Schön brav, den roten Punkten folgen. Diese führen zuverlässig zum Einstieg, der sich auf knapp unter 1.200 Metern liegt.

Der Zustieg war anstrengend, aber hier ist es nun recht kühl. Die Sonne versteckt sich, der Wind pfeift. Ich ziehe mich um, aber zittere beim ersten Stand. Oha! Jetzt kommt auch noch die „Notjacke“ dran, und ab damit passt dann die Temperatur.

Der erste Stand ist am „Zusatzturm“, den man sich auch sparen kann. Man erreicht ihn, wenn man gegen den fetten, roten Pfeil Richtung Ausstieg Richtersteig(?) spaziert. Ich finde der Turm macht Spaß und ist es wert, auch mitgenommen zu werden. Man muss ihn „überschreiten“, das heißt, hinten wieder runter. Das sieht wilder aus, als es ist.

Der Steig ist auf meiner Website schon ein paar Mal beschrieben. Deswegen kommen hier nun keine Details zum Steig, sondern Erkenntnisse der heutigen Begehung. Gernot und ich wechseln uns im Vorstieg ab, das macht die Sache kurzweiliger. Ein bisserl Zeit sparen wir durch reduziertes Umhängen. Wichtiger erscheint aber die Tatsache, dass das einmal vorne weg und einmal hinten nach abwechslungsreicher ist.

So kommt es auch, dass Gernot vor der IIIer-Stelle im Vorstieg ist, und gemäß Topo einmal II+ und einmal III- nimmt. Ich steige hinten nach und bin voller Staunen, was da bei Gernot im Vergleich zu den ersten Begehungen geht. Beim IIIer bin ich dann vorne. Die Stelle ist auch keine sonderliche Hexerei, wenngleich Gernot meint, dass er die nie und nimmer im Vorstieg gepackt hätte. Vielleicht will er Bescheidenheit an den Tag legen. Ich traue es ihm demnächst zu, und das, obwohl er erst seit ein paar Jahren kraxelt.

Der Steig kommt uns kürzer vor. Die Zeiten vergleichen wir nicht. Wozu auch? Ueli Steck war in deutlich weniger Zeit durch die Eiger Nordwand.

Vorm Forsthaus fehlen leider Bänke und Tisch. So jausnen wir am Boden sitzend, ehe wir absteigen. Am Abend gibt es noch mein erstes MRT. Geht sich alles locker aus. Mit Renate geht es auch bergauf.

Alles tadellos!

Die Tour auf garmin.com

Peilstein

Gernot hat mir ein Buch mit Klettertouren zum Geburtstag geschenkt. Am Akademikersteig war ich beim letzten Mal unsicher, wie denn das Sicherungsgerät zu verwenden ist. Renate will auch klettern. Jede Menge Gründe, um einen Kletterkurs beim Alpenverein zu buchen. Auch Gernots Renate entschließt sich zur Teilnahme. Tadellos, so stehen wir am Montag am Peilstein und harren der Dinge, die da kommen mögen.

Unser Trainer, Frans, erklärt kurzweilig das Material und fünf notwendige Knoten. Dann wird auch schon abgeseilt. Mutig stürzen wir uns in die Tiefe. Mit der Zuversicht von Kindern, die ganz darauf vertrauen, dass Frans schon alles vernünftig aufgebaut hat. Niemand prüft, was er denn da zusammengehängt hat. Warum auch? Alle vier haben ihren Spaß, ehe es nach Holzschlag zum Mittagessen geht.

Am Nachmittag werden Mehrseillängen geübt. Erst in der Ebene, dann am Gamseckgrat. Auch diese Übung schaffen alle ohne Not und dafür mit Freude. Und ehe der Tag vorbei ist, bekommen wir noch Tipps, deren es so viele gibt. Schauen wir einmal, was wir uns bis zum ersten Einsatz merken. Kurz vor fünf sind wir müde und zufrieden von unserem Arbeitstag draußen wieder am Heimweg. Fein war’s!

Obergurgl

Osterurlaub steht an. Jasmin und Carina sind dabei. So patzigen Schnee wie in Zauchensee oder Ischgl wollen sie nicht mehr haben. Obergurgl bietet sich da als einer der höchsten Orte Österreichs an. Wir gönnen uns ein bisserl Luxus in den Appartements Gletscherblick und müssen dabei gar zwei Stockwerke in zwei getrennten Appartements nehmen. So haben wir drei Schlafräume und damit ein Gästezimmer, das auch Gernot spontan nützt. Die Mädels freut es, denn so kommen sie zu einem Skilehrer, der mit ihnen über die Pisten fetzt.

Renate und ich gehen es gemütlicher an. Mich stört das kein bisserl. Das Wetter ist durchwachsen, teils sperrt der Föhn die Lifte. So kommen Renate und ich nicht einmal nach Hochgurgl. Ein guter Grund, in den nächsten Jahren das nachzuholen. Während weiter unten der Schnee knapp wird, gibt es hier heroben davon reichlich. Sogar zum Tiefschneefahren kommen wir. Renate räumt erst danach ein, dass es ihr erster Versuch seit 2006 ist. Und 2006 war es auch der einzige Versuch. So schaufelt sie tonnenweise Schnee und kommt dabei anständig ins Schnaufen. Oder sie lässt sich tadellos in die Falllinie fallen, um sich dann im Schrecken darüber, wie gut das geht, gleich selbst fallen zu lassen. Tapfer ist sie auf jeden Fall und bald aus verständlichen Gründen müde. Das Knie und den Hals ein bisserl verdreht sitzt sie da und hat sich Respekt verdient. Gernot düst zwischenzeitlich mit den Mädels durchs Unverspurte. So soll’s sein.

Am Nachmittag gönnen wir uns noch das Schleppservice zur Schönwieshütte. Ui, die ist eine klare Empfehlung. Das Essen ist gut, die ersten Tiefschneeschwünge wollen gar mit Champagner begossen werden. So sitzen wir da in Mitten Tirolers Bergwelt, wundern uns leise, wie der Hüttenbau ohne Schlafmöglichkeit je in dieser Einsamkeit genehmigt wurde, und verpassen dabei ganz, wie dicke Schneeflocken draußen eine Winterlandschaft wie aus längst vergangenen Tagen zaubern.

An Tagen, an denen wir nicht auf den Skiern stehen, gehorche ich Amy. Amy trainiert mich für meinen nächsten 10km-Lauf. Nicht direkt sie, denn sie hätte in Tennessee sicherlich genug zu tun, sondern eine Software. Ach, was erkläre ich, neue Zeiten sind das. In jedem Fall absolviere ich auf über 1.900m Seehöhe ein Höhentraining. Renate steht um nichts nach und radelt am anderen Ende des großzügigen Fitnessraums.

Alles tadellos – wunderbare Osterferien!

Akademikersteig

Der Akademikersteig ist wieder einmal dran. Der Klimawandel lässt solche Aktionen im Februar zu. Statt gejammert wird gekraxelt. Die Hüfte lässt Bewegungen zu, mit denen ich halt nichts anfangen kann. Das soll mich nicht abhalten, wieder einmal zu erwähnen, wie toll die Hüft-OP gelaufen ist.

Am Steig geht alles reibungsfrei ab. Gefühlt sind wir im Vergleich zu den ersten Malen irre schnell. Experten laufen die paar Hundert Meter wahrscheinlich. Wir schaffen es seilfrei bis auf das Felsfenster. Dies sei notiert, weil es Gernot sonst beim nächsten Mal wieder nicht glauben kann. Und nach dem Felsfenster kommt nichts Schwieriges mehr. Auch das sei hier festgehalten.

Schöner Tag, tadellos!

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Schneeschuhe Jakobskogel

So stehen wir vorm Spar in Reichenau, und es regnet. Entscheidungen sind zu treffen. Nehme ich die Käseleberkäsesemmel oder lieber den Leberkäse mit Chilli? Daheim habe ich noch die Schneewolken am Regenradar gesehen, aber lieber dem Wetterbericht geglaubt, der trockenes und sich besserndes Wetter versprochen hat. Nein, zwei meiner drei Begleiter wollen nicht auf den Predigtstuhl. Einer sagt wie immer nichts. So stehen wir dreieinhalb in feinster Mammut-Ausrüstung am Parkplatz und sondieren die Optionen. Der eine ohne Stimme und ohne Mammut-Ausrüstung sondiert meine Leberkäsesemmel. Der wird aber schweigend auf seinen Auslauf bestehen. Heimfahren und in Breitenfurt spazieren, das wäre eine volle Niederlage. Also, warum nicht mit der Bahn aufs Plateau!

Fünf Gäste sind an diesem Tag mit den vorherigen Gondeln schon nach oben gefahren. Wir haben eine Gondel für uns. In dieser halben Stunde hat sich also kein weiterer Fahrgast gefunden. Und siehe da, oben schneit es üppig. Der Wetterbericht liegt völlig daneben. Schon nach hundert Metern und ein paar Fotos drehen wir um und holen uns Schneeschuhe, die unter der Woche kostenlos verliehen werden.

Was folgt, ist ein unerwartet kurzweiliger Ausflug. Erfrischend würde es auch treffen. Aber die Ausrüstung trotzt den Bedingungen. Meine zwei Begleiter haben die äußerste Schicht gleich daheim gelassen. Angesichts des Wetterberichts verständlich, angesichts der tatsächlichen Bedingungen verwunderlich. Der Schnee fliegt waagrecht, Mio hält sich zumindest gut am Boden.

Das Ottohaus erinnert mich jedes Mal an die Villa aus Hitchcocks „Psycho“. Heute ist es auch nicht einladender, wir marschieren weiter und holen uns den Gipfel! Am Jakobskogel ist es dann so richtig unwirtlich und wir steigen nach ein paar Fotos ab. Sogar Mio ist anzusehen, dass ihm die vom Wind losgerissenen, bodennahen Eiskristalle beißen. Am Rückweg kehren wir in der Psycho-Villa ein. Der Winterraum verdient unter diesen Bedingungen fünf Sterne. Mio möchte ins Notbett, darf er natürlich nicht. Wieder im Freien ist es mit dem besseren Wetter endgültig vorbei. Der prognostizierte Sturm hat eingesetzt. Mio möchte wieder in den Winterraum. Der Rückweg ist dann aber erstaunlich entspannt. Fast ein bisserl fad.

Der Todeszone entkommen, gönnen wir uns Gamsgeschnetzeltes und Wildschweingulasch. Die Nachspeisenvitrine stellen wir gleich bei uns ab. Das abgesicherte Leben hat uns wieder. Die Gefahren sind wieder die vertrauten, Zucker und Fett.

Die Gondel gehört uns wieder allein. Auf halber Fahrt geht der Niederschlag in Regen über. Unser Ausflug in den Winter „wie früher“ ist zu Ende. Ebenso überraschend wie lohnend war unser spontaner Abstecher. Passt!

Tour auf garmin.com

Mios Snorre

In Breitenfurt liegt so viel Schnee wie seit Jahren nicht mehr. Man könnte sicherlich schon eine Skitour gehen, aber das darf ich ja noch nicht. So machen wir uns auf den Weg zum Preiner Gscheid. Mios Beinlänge wird voraussichtlich der limitierende Faktor sein. Gernot meint, dass der Gretchensteig die richtige Wahl ist. Ich meine, dass der Waxriegelsteig und der Predigtstuhl besser geeignet sind. Wir fassen den Gretchensteig ins Auge. Ich denke mir: „Schauen ma a mal, wie es am Preiner Gscheid!“ ausschaut.

Bei der Anfahrt hat es weniger Schnee als in Breitenfurt. In Gloggnitz denke ich mir dann, dass es wohl wurscht sein wird, welchen Steig wir wählen. Wir starten also Richtung Gretchensteig. Upps, da ist jetzt aber doch viel Schnee. Mio kämpft schon jetzt tapfer. Ab der Reißthaler Hütte wird es abenteuerlich. Die Zweibeiner kommen noch voran, aber der Vierbeiner stochert im für ihn bodenlosen Pulver. Ich hebe die Beine schon nicht mehr, um einen Kanal für Mio zu formen. Der folgt auch im Kielwasser, aber eher begeisterungslos. Irgendwann geht er nicht mehr weiter. Er sagt nichts, aber er geht auch nicht. Mit ein bisserl Trara geht es ein Stückerl, aber im Windschatten einer vom Wind arg gebogenen Latsche ist dann endgültig aus. Gernot ist noch ein paar Höhenmeter weiter, aber die spannenden Abschnitte warten noch. Ohne Mio wäre es mühsam aber machbar. Nur mit geht es nicht. Mio schließt sich Calle Halfvarssons Forderung an. Dem guten Mann ist sein „Snorre“ eingefroren. Mios Snorre hängt auch die ganze Zeit im Schnee. Ich mache mir Sorgen. Wir drehen um.

Bergab versuche ich, den Kanal durch wuchtiges Auftreten zu verbreitern, aber Mio kommt nicht. So nimmt Renate Mio hoch. Der hat mittlerweile das Manterl seiner Nachbarin an und geniert sich gerade noch ein bisserl. So entsteht das einzige Foto, auf dem Mio getragen wird. Aber Gernot und ich werden noch schwitzen.

Wieder im Wald übernimmt Mio die Führung und zieht konsequent Richtung Auto ab. Aber wir wollen zum Waxriegelhaus queren. Im Wald wird schon nicht so viel Schnee sein – zweiter Fehlschluss. Da liegt erst Schnee und keine Idee von einer Spur. Zum Glück sind da Markierungen, aber für Mio ist es nicht zu packen. Gernot und ich tragen ihn abwechselnd und kommen dabei ordentlich ins Schwitzen. Mio zittert und grunzt. Ja, wie weit ist denn das noch! Aber alles geht vorbei, wenn man nur weitergeht. Und so kommen wir auch irgendwann zum Waxriegelhaus. Mio wird seiner anhaftenden Schneeklumpen befreit und wir kalorisch versorgt. Die beste offene Hütte weit und breit und auch die einzige.

Wieder bei Kräften ist die Welt in Ordnung. Einer von uns hat auf der alten Skipiste die größte Freude am Leben. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass Mios Snorre gerettet werden konnte. Ach ja, und am Waxriegelsteig wären wir auch nicht viel weiter gekommen.

Die Runde auf garmin.com

Hochalmspitze (3.360m)


Fotos


Ein Besuch bei der Tauernkönigin steht an. Das Ötztal ist von den unglaublichen Regenmengen in Mitleidenschaft gezogen, Gernot verweilt in Viktring und der Wetterbericht ist für den Süden besser, obschon nicht tadellos. So treffen wir uns am Friedhofsparkplatz in Gmünd in Kärnten, von wo es weiter über Malta und dann nach Westen über eine doch recht lange einspurige Straße zum Gößkarspeicher geht.

Was alles mitnehmen? Vor sechs Jahren habe ich die Tour schon einmal gemacht. Ich kann mich noch allzu gut erinnern, wie ich den Rucksack nach der anstrengenden Tagestour in die Q fallen lassen konnte. Ich hatte fast alles mit, was die Bergsportabteilung so bietet. Auch erinnere ich mich an den Übergang vom Klettersteig aufs Trippkees.

Diesmal wollen wir einiges geschickter machen. Wir haben auf der Gießener Hütte zwei Doppelzimmer gebucht. Sogar Sauna, Whirlpool und Duschen sind angekündigt. Die Hütte ist überaus fein, die Mitarbeiter super nett. Und weil es weder GSM-Abdeckung noch WLAN gibt, geht der Wirt mit jeder Gruppe auf Wunsch die anstehende Tour und den Wetterbericht durch. Die Klimaerwärmung hat meine Tour von vor sechs Jahren so stark verändert, dass wir sie diesmal gegen den Uhrzeigersinn gehen wollen. Das heißt, wir wollen über den Rudolstädter Weg aufsteigen und über den Detmolder Grat wieder runter. Der Wirt bestätigt diese Option als vernünftige Wahl, die Tourenführer werden diese Richtung ab nächstem Jahr ohnedies vorschlagen. Vom Trippkees ist nicht mehr viel über. Mit Übung werden wir es laut ihm ohne Seil und ohne Steigeisen schaffen. In meiner Erinnerung ist es mulmig. Nein, das steile Eisfeld will ich weder ohne Steigeisen noch ohne Seil rauf oder runter. Auch der Einstieg in den Klettersteig am Detmolder Grat wurde verlegt. Das Seil, an dem ich mich noch hochziehen musste, ist Vergangenheit. Ein solider Klettersteig ist gebaut, in die Nähe des Gletschers kommt man nicht mehr. So weit die vorbereitenden Worte des Wirtes.

Wir starten kurz nach sieben mit Seil und Steigeisen in den Rucksäcken. Das macht sie recht schwer. Die Kamera habe ich mit, das Seil schleppt Gernot. Recht kurzweilig geht es bei Kaiserwetter über den Rudolstädter Weg zum Trippkees. Wir fotografieren, lachen, scherzen und haben definitiv eine gute Zeit. Das Trippkees schockiert mich dann ein wenig. Nicht, weil es so wild, sondern so wenig ist. Das Eis hat sich weitgehend zurückgezogen. Zwanzig Höhenmeter mit tadellosem Sommerfirn sind zu bewältigen. Das verlangt weder nach Steigeisen noch nach Seil. Dafür ist die Felswand länger. Aber das sollte alles gehen.

Im untersten Teil kann man sich entweder an Seilen über den glatten Fels hochziehen oder in Aufstiegsrichtung gesehen rechts herum über geschätzt 30 bis 35 Grad steilen Firn wandern. Das Seil ist mehr Show, die Wanderung entspannter. Wir mischen beides – siehe Fotos. Vom Einstieg des Klettersteigs trennen uns irgendwann noch vier, fünf Meter steile Felswand. Alte Seile hängen herunter. An diesen muss man sich nun „hinaufhangeln“. Das erfordert Kraft. Alternativ gibt es wieder eine „Umgehung“ in der Wand, aber die ist gar schmal.

So schicke ich Renate am Seil nach oben. Weil ich nicht will, dass sie mir entgegenkommt, gebe ich ihr eine Behelfsseilklemme mit. Ich sehe Knoten bei Beginn des Drahtseils am Klettersteig. Das muss aber gehen. Renate kraxelt die fünf Meter und hängt .. am Knoten. Gernot steigt die Umfahrung auf, ihm gleitet die Klemme nicht fein genug, um auch das Seil zu nehmen. Ich steige hinter Renate her. Bei ihr angelangt, drücke ich ihr die beiden Karabiner ihres Klettersteigsets in die Hand, die sie auch brav in das Drahtseil einhängt. Gut, die ist mal gesichert. Ich vermute, dass sie im Klettersteigset sitzt und es entspannt hat. Leider zieht sie die Behelfsklemme gegen den Knoten, und mir will das Aushängen des Karabiners nicht gelingen, ohne dass die Klemme in die Tiefe stürzt.

So fummle ich da rum. Selbst hänge ich an einem Arm. Die Handschuhe sind im Weg. Der Arm meint, dass er dafür nicht trainiert ist. Ich ziehe mir die Handschuhe aus, die jetzt lose herumbaumeln, aber noch will ich die Klemme nicht aufgeben. Renate jammert, dass sie sich nicht mehr lange halten kann. Was soll denn der Quatsch? Sie sitzt doch gut, bei mir wird es zäh! Gernot sieht aus zwei Meter Entfernung zu und bewahrt professionell die Ruhe. Auch er will ungesichert dort nicht weiter. Irgendwann habe ich dann die Klemme frei und nicht verloren.

Was ist denn da los? Da hat jemand mit blonden Locken vergessen, dass sie eh gesichert ist. Entsprechend hat sich Renate mit einem Arm am Stahlseil festgeklammert. Ihr linker Fuß wollte keinen Halt finden. So war ihre Situation zwanglos unkomfortabel. Mein linker Unterarm zeigt sich wenig zufrieden. Und da ist noch Gernot. Der hat mit aller Geduld und professioneller Unaufgeregtheit ausgeharrt und fragt nun mit britischer Gelassenheit, ob ich ihm das zweite, herunterhängende Seil reichen kann. Das würde seinen weiteren Aufstieg ermöglichen, einen Sturz vermeiden und unsere Tour dem Erfolg näherbringen. Aber sicher, my dear! So balanciert Gernot auf dem sieben Zentimeter breiten Felsband an der überaus steilen Felswand entlang. Wenn ihn diese abdrängt, dann fällt er nicht weit. Er würde mit Schwung pendeln und mich in die Sicherung wuchten. Nur darauf habe ich gar keine Lust. Alles halb so wild, denn es geht wie fast immer gut!

So stehen wir zu dritt im Klettersteig und der ist wirklich steil. Technisch ist er nicht schwer. Nur die Steilheit führt dazu, dass wir uns wie die Bergziegen an einer Staumauer an die Wand drängen. Wir sind nicht ganz so geschickt wie die Ziegen, aber dafür gesichert.

Die Steinernen Mandln sind bald erreicht. Nun geht es den Grat entlang Richtung Gipfel. Der erste Teil ist noch mit Stahlseilen gesichert. Alles keine Schwierigkeit oder Ausgesetztheit. Landschaftlich ist es traumhaft schön. Nebel steigt ein bisserl dramatisch auf. Neuschnee liegt noch da, sieht auch schön aus. Der Grat ist wenig überraschend länger als gedacht. Nach der Aufregung in der Wand machen sich da Motivationslücken breit. Da hilft nur eines – Weitergehen. Und da ist er schon der Gipfelaufschwung. Nochmals wird gekraxelt, teils mit Stahlseilen gesichert und schon stehen wir am Gipfel. Aber just jetzt hat es zugezogen. Schade! Aber ist das schon die angekündigte Veränderung für den Nachmittag? So bleiben wir nur kurz. Nach einigen Fotos und ein paar Schnitten machen wir uns auf den Weg.

Runter geht’s den Detmolder Grat. Das ist ein Klettersteig und der ist deutlich länger als jener vom Trippkees rauf. Die Sonne hat den neuen Schnee und das Eis weitgehend entfernt. Fein ist das! Ach, die Sonne ist wieder da. Aber zurück auf den Gipfel will nun auch keiner mehr. So steigen wir den Klettersteig ab. Wir steigen und steigen, verlieren aber keine Höhe.

Technisch ist der Steig manchmal spannend. So denke ich mir ein paar Mal, wie man da im Aufstieg raufkommen soll. Gelegentlich muss man sich ganz schön strecken. Aber was soll’s? Wir machen weiter und erreichen irgendwann den letzten Teil. Schon wie vor sechs Jahren geht es direkt am Seil über die abgeschliffenen Felsen runter bzw. damals rauf. Aber die elastischen, alten Bergseile sind durch gut verankerte Stahlseile ersetzt. Das macht die Sache wesentlich leichter. Geschafft, schon etwas müde und noch immer deutlich über 3.000m haben wir den Klettersteig geschafft. Na servas!

Jetzt kommt der mühsame Teil der Tour. Über endlos Blockwerk geht es zur Winkelscharte (2.860m). Hier treffen wir zwei junge Bergsteiger, die noch auf die Hochalmspitze und dann weiter zu irgendeiner Hütte wollen. Viel Spaß! Ich lasse das mal aus. Mir reicht der Abstieg zur Gießener Hütte. Und der ist zäh. Blockwerk, das nicht enden will. Dafür ist das Trinkwasser längst aus. Mühsal macht sich breit. Aber dann kommt das erste Bächlein, wir füllen die Wasserdepots auf und schon ist uns wieder ein bisserl Leben eingehaucht. Ein bisserl und sicher nicht mehr!

Die Zwischenräume im Blockwerk werden mit jedem Meter Höhe, die wir verlieren, mehr durch Gras und Erde aufgefüllt. Irgendwann geht es fast entspannt auf Wanderwegen zur Gießener Hütte. Kulinarisch hat sich eine neue Hirschvariante auf die Speisekarte verirrt. Wir konsumieren fleißig, ehe wir die verbleibenden sechshundert Höhenmeter zum Auto absteigen.

Eine lange, anstrengende, abwechslungsreiche und letztlich fantastische Tour geht zu Ende. Ob die Hochtourensaison damit auch zu Ende ist? Für heute und die kommenden Tage auf jeden Fall. Aber schauen wir einmal, wie es in ein, zwei Wochen aussieht.

Garmin
Zustieg Gießener Hütte vom Gößkarspeicher
Rudolstädter Weg – Hochalmspitze – Detmolder Grat – Gießener Hütte – Gößkarspeicher