Gebirgsvereinsteig

Der Herr Doktor hat’s erlaubt. So machen wir uns auf den Weg zum Seiser Toni. Renate hat ein mulmiges Gefühl. Sie sagt meinetwegen. Ich bin sicher, dass mir der Anstieg nichts machen wird. Der Abstieg könnte halt spannend werden. Denn Bergabgehen ist noch immer die Herausforderung mit dem neuen Hüftgelenk!

So ist jeder auf sein eigenes mulmiges Gefühl konzentriert und wir wandern los. Krücken habe ich nicht mit. Ich hätte sie ja beim Einstieg stehen lassen und von dort wieder holen müssen. Das ist doch mühsam. So nehme ich zumindest die Stöcke für den Abstieg mit. Man weiß ja nie. Das gäbe im Falle eines Falles auch so viele Fragen bei der Bergrettung und der Versicherung.

Im Steig sind drei Männer vor uns, die wahrlich langsam unterwegs sind. Es staut gar an diesem Wochentag. Zwei geduldig wartende Bergsteigerinnen aus dem Osten lassen uns den Vortritt und so steigen wir in die Gelbe Wand ein. Das Hüftgelenk macht überhaupt keine Probleme. Die großen Schritte, sofern denn überhaupt welche von Nöten sind, lasse ich dem nicht operierten Bein. Bei meiner Fokussierung auf mein Handicap vergesse ich ganz auf Renate. Die steht plötzlich an. „Wie komme ich da jetzt weiter?“. „Na ja, so wie du bis hierher gekommen bist. Immer dem Seil entlang.“. Meine jahrelange Erfahrung sagt aber, dass solche Aussagen wenig hilfreich sind. Ich steige wieder ab. Ja, auch das geht. Nun steigt Renate vor. Alles geht.

Ich bekomme ihr Schnaufen mit, aber nicht ihre Anspannung. Die überspielt sie gut. Ich blödle in meiner Freude herum. In dieser Konstellation schaffen wir den Steig mit seiner Hängebrücke, der Strickleiter, etc.. Sind wir zu schnell, so bremst uns das Dreiergespann vor uns. Und dann ist es auch geschafft. Renate freut sich. Ich weiß nicht, ob das jetzt gespielt ist. Nein, sie freut sich ehrlich. Ich freue mich vor allem darüber, dass ich so früh wieder nach der OP in die Berge kann, aber halt leiser.

Vor kurzem wurde übrigens ein Einsatz der Bergrettung ausgelöst, weil sich ein Kletterer zu laut gefreut hat. Diesmal war es aber nicht so. Zumindest bekommen wir nichts mit. Wir gehen weiter zur Wilhelm-Eichert-Hütte und vor allem ich völlere bei den neuen Pächtern.

Der Abstieg über das Zahme Pechersteiglein geht für mich überraschend gut. Kurz, alles gut. Im Auto sagt dann Renates Aufzeichnung, dass sie sich gewaltig angestrengt haben muss. Sie ist ein bisserl aufgekratzt, zeigt aber keine Spur von Erschöpfung. Ihre Uhr sieht das anders und verordnet ihr 95 Stunden Erholungszeit. Ich staune, das ist irre!

So haben wir beide einen überaus erfreulichen Tag in den Bergen gehabt. Ich war sicher, dass bis April 2024 in den nichts gehen wird und siehe da: es kommt immer ein bisserl anders, als man denkt! Sehr fein!

Details bei garmin.com

Amsterdam


Fotos


Diesmal habe ich von Amsterdam wesentlich mehr mehr mitbekommen, als bei meinem letzten Besuch. Und das, was ich mitbekommen habe, hat mir sehr gut gefallen. Hier ist jedenfalls etwas los. Vielleicht liegt es an der Jahreszeit, vielleicht an unserem Glück mit dem Wetter, vielleicht an der Hotelauswahl. Schön war’s, Amsterdam gefällt.

Wir haben uns im The Dylan einquartiert und dort ein Zimmer im letzten Stockwerk bezogen. Mit Blick über die benachbarten Häuser genießen wir hier absolute Ruhe. Für den ersten Abend ist ein Essen im Hotelrestaurant Vinkeles geplant. Ich erwarte nicht so viel und werde völlig überrascht. Das war dann doch das beste Essen seit vielen Jahren. Und ich war schon ein paar Mal gut essen 😉 Michelin, ja das testende Reifenmännchen, hat dem Restaurant zwei Sterne gegeben. Ich hätte da noch einen draufgelegt. Gehet hin und genießet es!

Am zweiten Tag machen wir es wie die Amsterdamer, wir radeln. Da die größten Anstiege die Brücken über die Grachten sind, macht das Spaß. So durchqueren wir die gar nicht so große Stadt mehrere Male.

Beim letzten Mal war die ganze Stadt eingeraucht. Der Kaiser hatte seinen 50er gefeiert. Diesmal ist es in diesem Belange weit ruhiger hier. Trotzdem verstehe ich jetzt Mio besser. Jedes Mal, wenn ich an so einem Coffeeshop vorbeiradle, reißt es mich. An diesen Orten muss man ein bisserl achtsamer unterwegs sein, sonst kracht man in so einen friedlich grinsenden Passanten, an dem alles gaaaanz schnell vorbeizieht.

Stockholm oder Amsterdam? Schwer zu sagen. Renate meint, dass Kopenhagen das jeweils Beste der beiden Städte vereint. Dann irgendwann auch noch diest Stadt!

Überaus fein war’s!

Vent


Fotos


Nach dem Trüffelschnüffelkurs brechen wir nach Vent auf. Das Wetter soll noch bis mindestens Dienstagmorgen halten. Da mag ich noch einen Berg meiner Bergliste erledigen. Renate hat sich bei unserer Tour auf der Hochalmspitze ein bisserl zerstört und muss rasten. Ich lerne, dass man sich auch in 3.000m Höhe einen Tennsiarm holen kann. Sie wird wieder fit werden, da habe ich keine Sorge.

Wir sind diesmal im Hotel Post in Vent untergebracht. Vent ist ein kleines Bergsteigerdorf in den Ötztaler Alpen. Das Hotel bietet freundliche Gastgeber und feines Essen. Das Hotel kann ich empfehlen.

Am ersten Abend spazieren wir spontan zu den Rofenhöfen. Die Abendstimmung ist fantastisch. Mio ist froh, dass er die stets für ihn mühsame Autofahrt hinter sich hat, und bei den Temperaturen vergnügt ausgelassen. Die Fotos vermögen das kaum einzugfangen.

Am Montag starte ich um halbsechs zu meiner Tour auf die Hintere Schwärze – siehe eigenen Beitrag. Renate und Mio schlafen ein bisserl länger und meistern von Vent aus das Wilde Mannle (3.024 m). Am Nachmittag komme ich mit dem Gipfel in der Tasche, aber doch ziemlich zerstört zurück. Viel mehr als Kalorien- und Flüssigkeitszufuhr, krampfende Oberschenkel und ein kleiner Abendspaziergang sind da nicht mehr drinnen.

Am Dienstagmorgen weckt Mio uns mit Bauchweh. Renate opfert sich für die Morgenrunde und ich kann in Summe 12 Stunden ausschlafen. Die für Dienstag geplante Fineilspitze habe ich schon am Vortag abgesagt. Stattdessen wählen wir den Gaislochkogel von Sölden aus. Die Gondel bringt uns auch dort auf über 3.000m. Das IceQ ist ein mit zwei Michelin-Hauben ausgezeichnetes Restaurant´, und so kommt Renate mit ihrer Vorliebe für exzellentes Essen auch noch auf ihre Rechnung.

Die Heimfahrt ist gewohnt lange. Aber die herrlichen Tage in Vent waren und sind den Aufwand jedes Mal wert.

Prädikat: unvergesslich!

Hochalmspitze (3.360m)


Fotos


Ein Besuch bei der Tauernkönigin steht an. Das Ötztal ist von den unglaublichen Regenmengen in Mitleidenschaft gezogen, Gernot verweilt in Viktring und der Wetterbericht ist für den Süden besser, obschon nicht tadellos. So treffen wir uns am Friedhofsparkplatz in Gmünd in Kärnten, von wo es weiter über Malta und dann nach Westen über eine doch recht lange einspurige Straße zum Gößkarspeicher geht.

Was alles mitnehmen? Vor sechs Jahren habe ich die Tour schon einmal gemacht. Ich kann mich noch allzu gut erinnern, wie ich den Rucksack nach der anstrengenden Tagestour in die Q fallen lassen konnte. Ich hatte fast alles mit, was die Bergsportabteilung so bietet. Auch erinnere ich mich an den Übergang vom Klettersteig aufs Trippkees.

Diesmal wollen wir einiges geschickter machen. Wir haben auf der Gießener Hütte zwei Doppelzimmer gebucht. Sogar Sauna, Whirlpool und Duschen sind angekündigt. Die Hütte ist überaus fein, die Mitarbeiter super nett. Und weil es weder GSM-Abdeckung noch WLAN gibt, geht der Wirt mit jeder Gruppe auf Wunsch die anstehende Tour und den Wetterbericht durch. Die Klimaerwärmung hat meine Tour von vor sechs Jahren so stark verändert, dass wir sie diesmal gegen den Uhrzeigersinn gehen wollen. Das heißt, wir wollen über den Rudolstädter Weg aufsteigen und über den Detmolder Grat wieder runter. Der Wirt bestätigt diese Option als vernünftige Wahl, die Tourenführer werden diese Richtung ab nächstem Jahr ohnedies vorschlagen. Vom Trippkees ist nicht mehr viel über. Mit Übung werden wir es laut ihm ohne Seil und ohne Steigeisen schaffen. In meiner Erinnerung ist es mulmig. Nein, das steile Eisfeld will ich weder ohne Steigeisen noch ohne Seil rauf oder runter. Auch der Einstieg in den Klettersteig am Detmolder Grat wurde verlegt. Das Seil, an dem ich mich noch hochziehen musste, ist Vergangenheit. Ein solider Klettersteig ist gebaut, in die Nähe des Gletschers kommt man nicht mehr. So weit die vorbereitenden Worte des Wirtes.

Wir starten kurz nach sieben mit Seil und Steigeisen in den Rucksäcken. Das macht sie recht schwer. Die Kamera habe ich mit, das Seil schleppt Gernot. Recht kurzweilig geht es bei Kaiserwetter über den Rudolstädter Weg zum Trippkees. Wir fotografieren, lachen, scherzen und haben definitiv eine gute Zeit. Das Trippkees schockiert mich dann ein wenig. Nicht, weil es so wild, sondern so wenig ist. Das Eis hat sich weitgehend zurückgezogen. Zwanzig Höhenmeter mit tadellosem Sommerfirn sind zu bewältigen. Das verlangt weder nach Steigeisen noch nach Seil. Dafür ist die Felswand länger. Aber das sollte alles gehen.

Im untersten Teil kann man sich entweder an Seilen über den glatten Fels hochziehen oder in Aufstiegsrichtung gesehen rechts herum über geschätzt 30 bis 35 Grad steilen Firn wandern. Das Seil ist mehr Show, die Wanderung entspannter. Wir mischen beides – siehe Fotos. Vom Einstieg des Klettersteigs trennen uns irgendwann noch vier, fünf Meter steile Felswand. Alte Seile hängen herunter. An diesen muss man sich nun „hinaufhangeln“. Das erfordert Kraft. Alternativ gibt es wieder eine „Umgehung“ in der Wand, aber die ist gar schmal.

So schicke ich Renate am Seil nach oben. Weil ich nicht will, dass sie mir entgegenkommt, gebe ich ihr eine Behelfsseilklemme mit. Ich sehe Knoten bei Beginn des Drahtseils am Klettersteig. Das muss aber gehen. Renate kraxelt die fünf Meter und hängt .. am Knoten. Gernot steigt die Umfahrung auf, ihm gleitet die Klemme nicht fein genug, um auch das Seil zu nehmen. Ich steige hinter Renate her. Bei ihr angelangt, drücke ich ihr die beiden Karabiner ihres Klettersteigsets in die Hand, die sie auch brav in das Drahtseil einhängt. Gut, die ist mal gesichert. Ich vermute, dass sie im Klettersteigset sitzt und es entspannt hat. Leider zieht sie die Behelfsklemme gegen den Knoten, und mir will das Aushängen des Karabiners nicht gelingen, ohne dass die Klemme in die Tiefe stürzt.

So fummle ich da rum. Selbst hänge ich an einem Arm. Die Handschuhe sind im Weg. Der Arm meint, dass er dafür nicht trainiert ist. Ich ziehe mir die Handschuhe aus, die jetzt lose herumbaumeln, aber noch will ich die Klemme nicht aufgeben. Renate jammert, dass sie sich nicht mehr lange halten kann. Was soll denn der Quatsch? Sie sitzt doch gut, bei mir wird es zäh! Gernot sieht aus zwei Meter Entfernung zu und bewahrt professionell die Ruhe. Auch er will ungesichert dort nicht weiter. Irgendwann habe ich dann die Klemme frei und nicht verloren.

Was ist denn da los? Da hat jemand mit blonden Locken vergessen, dass sie eh gesichert ist. Entsprechend hat sich Renate mit einem Arm am Stahlseil festgeklammert. Ihr linker Fuß wollte keinen Halt finden. So war ihre Situation zwanglos unkomfortabel. Mein linker Unterarm zeigt sich wenig zufrieden. Und da ist noch Gernot. Der hat mit aller Geduld und professioneller Unaufgeregtheit ausgeharrt und fragt nun mit britischer Gelassenheit, ob ich ihm das zweite, herunterhängende Seil reichen kann. Das würde seinen weiteren Aufstieg ermöglichen, einen Sturz vermeiden und unsere Tour dem Erfolg näherbringen. Aber sicher, my dear! So balanciert Gernot auf dem sieben Zentimeter breiten Felsband an der überaus steilen Felswand entlang. Wenn ihn diese abdrängt, dann fällt er nicht weit. Er würde mit Schwung pendeln und mich in die Sicherung wuchten. Nur darauf habe ich gar keine Lust. Alles halb so wild, denn es geht wie fast immer gut!

So stehen wir zu dritt im Klettersteig und der ist wirklich steil. Technisch ist er nicht schwer. Nur die Steilheit führt dazu, dass wir uns wie die Bergziegen an einer Staumauer an die Wand drängen. Wir sind nicht ganz so geschickt wie die Ziegen, aber dafür gesichert.

Die Steinernen Mandln sind bald erreicht. Nun geht es den Grat entlang Richtung Gipfel. Der erste Teil ist noch mit Stahlseilen gesichert. Alles keine Schwierigkeit oder Ausgesetztheit. Landschaftlich ist es traumhaft schön. Nebel steigt ein bisserl dramatisch auf. Neuschnee liegt noch da, sieht auch schön aus. Der Grat ist wenig überraschend länger als gedacht. Nach der Aufregung in der Wand machen sich da Motivationslücken breit. Da hilft nur eines – Weitergehen. Und da ist er schon der Gipfelaufschwung. Nochmals wird gekraxelt, teils mit Stahlseilen gesichert und schon stehen wir am Gipfel. Aber just jetzt hat es zugezogen. Schade! Aber ist das schon die angekündigte Veränderung für den Nachmittag? So bleiben wir nur kurz. Nach einigen Fotos und ein paar Schnitten machen wir uns auf den Weg.

Runter geht’s den Detmolder Grat. Das ist ein Klettersteig und der ist deutlich länger als jener vom Trippkees rauf. Die Sonne hat den neuen Schnee und das Eis weitgehend entfernt. Fein ist das! Ach, die Sonne ist wieder da. Aber zurück auf den Gipfel will nun auch keiner mehr. So steigen wir den Klettersteig ab. Wir steigen und steigen, verlieren aber keine Höhe.

Technisch ist der Steig manchmal spannend. So denke ich mir ein paar Mal, wie man da im Aufstieg raufkommen soll. Gelegentlich muss man sich ganz schön strecken. Aber was soll’s? Wir machen weiter und erreichen irgendwann den letzten Teil. Schon wie vor sechs Jahren geht es direkt am Seil über die abgeschliffenen Felsen runter bzw. damals rauf. Aber die elastischen, alten Bergseile sind durch gut verankerte Stahlseile ersetzt. Das macht die Sache wesentlich leichter. Geschafft, schon etwas müde und noch immer deutlich über 3.000m haben wir den Klettersteig geschafft. Na servas!

Jetzt kommt der mühsame Teil der Tour. Über endlos Blockwerk geht es zur Winkelscharte (2.860m). Hier treffen wir zwei junge Bergsteiger, die noch auf die Hochalmspitze und dann weiter zu irgendeiner Hütte wollen. Viel Spaß! Ich lasse das mal aus. Mir reicht der Abstieg zur Gießener Hütte. Und der ist zäh. Blockwerk, das nicht enden will. Dafür ist das Trinkwasser längst aus. Mühsal macht sich breit. Aber dann kommt das erste Bächlein, wir füllen die Wasserdepots auf und schon ist uns wieder ein bisserl Leben eingehaucht. Ein bisserl und sicher nicht mehr!

Die Zwischenräume im Blockwerk werden mit jedem Meter Höhe, die wir verlieren, mehr durch Gras und Erde aufgefüllt. Irgendwann geht es fast entspannt auf Wanderwegen zur Gießener Hütte. Kulinarisch hat sich eine neue Hirschvariante auf die Speisekarte verirrt. Wir konsumieren fleißig, ehe wir die verbleibenden sechshundert Höhenmeter zum Auto absteigen.

Eine lange, anstrengende, abwechslungsreiche und letztlich fantastische Tour geht zu Ende. Ob die Hochtourensaison damit auch zu Ende ist? Für heute und die kommenden Tage auf jeden Fall. Aber schauen wir einmal, wie es in ein, zwei Wochen aussieht.

Garmin
Zustieg Gießener Hütte vom Gößkarspeicher
Rudolstädter Weg – Hochalmspitze – Detmolder Grat – Gießener Hütte – Gößkarspeicher

Stockholm


Fotos


Mein letzter Besuch hier ist mir schwer in Erinnerung. Damals war ich Mitte März hier. Die Annahme der Überlegung war richtig, die Schlussfolgerung falsch. Wenn Mitte März, also um die Tagnachtgleiche, auf der ganzen Welt die Sonne für 12 Stunden scheint, muss es auf der ganzen Welt gleich warm sein. Klingt gut, ist aber Quatsch! Das Meer war teils zugefroren, so kalt war mir bislang selten.

Aber diesmal, in der zweiten Augusthälfte, ist es optimal. Hochsommerlich ist es. Das bedeutet, dass man bei 23° hier fast ins Schwitzen kommt. Mir gefällt das. Mit dabei sind Renate, Carina und Ilina. Wir residieren im Hotel Blique, das passt. Wir gönnen uns einen Tag in der Altstadt, einen Tag am Meer und einen Tag unterirdisch mit Abschluss beim himmlischen Japaner am Abend. All das kann man in den Fotos nachschauen. Die Mädels machen ihr eigenes Ding. Entspannter Urlaub also!

Schweden wirkt so etwas von entschleunigt. Die Leute sind entspannt und freundlich. Die Infrastruktur ist modern und funktioniert. Alles sehr angenehm, alles sehr empfehlenswert. Bei Tageslicht und Wetter sollte man aufs passende Monat achten. Aber das steht eh schon eingangs da!

Hochfeiler (3.510m) von Südtirol


Fotos gibt es diesmal hier!


Die Ziele für die Tour sind klar definiert. Wie geht es steirischen Mitochondrien in der Höhe und passen die neuen und fast revolutionären Schuhe zu den Füßen? Wir haben uns den Hochfeiler ausgesucht. Schon lange habe ich Zweifel, dass ich da je oben war. Ich erinnere mich, dass wir als Familie vor 45 Jahren oder mehr dort waren. Nun nach der Besteigung weiß ich, dass der Vater nur Karin, meine Schwester, mit auf den Gipfel genommen hat. So habe ich also Gelegenheit, spät aber doch den höchsten Berg der Zillertaler Alpen zu „erledigen“.

Wir könnten vom Schlegeisspeicher im Zillertal aufsteigen. Nur von Südtirol, vom Pfitschtal aus, ist es viel kürzer für uns. Für die Q ist es eine Stunde und viele Kilometer weiter. Mit ein bisserl einem schlechten Gewissen machen wir uns auf den Weg.

Die Anfahrt ist kurzweilig. Das liegt sicherlich auch daran, dass wir bei unserem Stopp in Salzburg Autostopper mit einem Schild „Innsbruck“ sehen. Für mich ist es sonnenklar, dass wir die beiden mitnehmen. Bei Renate ist das auch klar, aber halt mit anderem Vorzeichen. Mein zugegebenermaßen schwachsinniges Argument, dass uns der Blitz am Hochfeiler treffen wird, wenn wir sie nicht mitnehmen, überzeugt. Dass die beiden wahrscheinlich kein Paar sind, sehe ich dank meiner Rotsehschwäche nicht. So sind mir die rosafarbenen Socken und Fingernägel an ihm nicht aufgefallen. Eine leichte Behinderung fördert also meine Toleranz. Das gefällt mir. Renate gefällt hingegen die Begeisterung unserer Gäste, dass wir nach Italien fahren, nicht so ganz. In viel zu hoher Stimmlage quietscht unser Fahrgast vor Begeisterung, dass sie eine Mitfahrgelegenheit bis Italy haben. In Renates Blick lese ich ein: „Das war so nie ausgemacht! Und wenn du weiter so kreischt, dann hast du dein Little Italy am nächsten Parkplatz.“. Seine Begleiterin zieht sich den Hoody ein bisserl weiter ins Gesicht.

So sitzen auf der Rückbank ein schwuler Pole mit deutlichem Sprachfehler – der liebe Herrgott prüft ihn mit einem ordentlichen Lispeln – und rosa Socken und eine Begleitung, bei der ich nicht weiß, wie sie zu ihm steht. Die junge Dame schaut am Handy Videos, aber ohne Kopfhörer. Das gestaltet die Stimmung im Auto anfangs doch explosiv. Ein strafender Blick von der Beifahrerseite und das Handy verstummt, die Lage entspannt sich. Ich verzichte auf eine sonst übliche und doch ausführliche Einvernahme zum bisherigen Lebensweg. Ich will es ja nicht übertreiben.

Die Entspanntheit wehrt eine Weile. Doch dann spielt über Spotify Renates Playlist. Die Filmmusik von Fifty Shades of Grey passt ja irgendwie zu unserer illustren Besetzung. Aber was höre ich da erst ganz leise, aber dann immer lauter im Duett von der Rückbank? In gutem, polnisch angehauchtem Englisch singen die Fahrgäste mit, als hätten sie gemeinsame Erinnerungen an die Geschichte oder sonst was. Ich kenne mich nicht aus, was habe ich jetzt wieder angerichtet? Ich treibe meine Fingernägel ins Lenkrad. Ein weiterer strenger Blick von der Beifahrerseite, als wäre Christian Grey himself anwesend, und Schweigen kehrt auf der Rückbank ein. Wer will schon mit Rucksäcken auf der Europabrücke in der sengenden Mittagssonne stehen?

Eine gewisse Erleichterung in Sterzing, wo wir abfahren und nichts, aber auch gar nichts, ist, kann ich nicht leugnen. Wir lassen die beiden aussteigen und kommen noch auf ein Selfie. Besser ich weiß nicht, auf welchen Websites ich nun geführt werde. Die Bildererkennung wird es mich in den nächsten Jahren jedenfalls wissen lassen. Soll sein!

Aber nun zum Tourenbericht! Unser Ziel ist der Parkplatz „unbewirtschaftet“ in der dritten Kehre der Straße aufs Pfitscher Joch. Die Straße ist ebenso unbefestigt, wie unser Vertrauen in Google Maps groß ist. Google enttäuscht nicht. Die Parkplätze sind gut gefüllt. Hier endet auch die Fahrerlaubnis. Ins Pfitschertal geht es nur noch zu Fuß weiter. Es ist kurz vor drei am Nachmittag. Die Sonne hat schon viel Feuchtigkeit verdunsten lassen. Erste Gewitterwolken türmen sich auf. Hoffentlich hält das die nächsten drei Stunden.

Renates Rucksack ist ähnlich schwer wie meiner. Wow, Respekt! Wir starten auf über 1.700m in eine Hitzeschlacht. Die stechende Sonne, einiges an Wasser rings um uns, hohe Luftfeuchtigkeit,.. alles schön und gut für die Vegetation, aber mir treibt es alles aus. Renate rennt. Ich stapfe hinten nach, schwitze und denke mir, dass wir wahrscheinlich die letzten paar hundert Höhenmeter auf allen vieren zurücklegen werden müssen, wenn wir den Speed nicht bald rausnehmen. Anderseits, viel haben wir ja an diesem Tag nicht mehr zu tun.

So steigen wir also erst durch den Dschungel zu einem Ausblick aufs Tal und die schönen Berge. Keine Forststraße, keine Transportseilbahn zerschneiden das idyllische Bild. Oberhalb der Baumgrenze, hier bei um die 2.000m, geht es dann lange, nur leicht ansteigend Richtung Ostnordost. Die ersten Regentropfen melden sich. Ein Blick zurück zeigt, im Westen regnet es schon heftiger. Letztlich bleiben wir jedoch verschont. Wahrscheinlich, weil wir die Autostopper mitgenommen haben. Man weiß es nicht!

Nach einem erneuten Anstieg führt der Weg unterhalb von Gletschern vorbei. Nur diese haben sich in den letzten Jahren wohl weit in höhere, kühlere Regionen zurückgezogen. Einmal noch Serpentinen und einmal noch ein Anstieg und wird sind nach zweieinhalb Stunden bei der Hütte.

Zimmer 1 wird uns zugeteilt. 12 Quadratmeter sind mit zwei Dreifachstockbetten und einem normalen Stockbett bestückt. Sechs Betten sind schon belegt. Ein bisserl komme ich mir vor wie in einer Doku auf RTL II und frage mich, was ich angestellt habe. Wie muss sich da erst Renate fühlen, die es am liebsten stockfinster und absolut ruhig im Schlafraum hat? Die Vorfreude auf Essen in italienischer Qualität erfüllt sich leider in der Halbpension auch nicht ganz. Lediglich die Buchweizentorte ist eine Freude und lässt vermuten, wo wir da gelandet sind und was man auf der Speisekarte finden könnte.

Die Nacht ist übel, aber doch auch besser als gedacht. Sechs Männer, ein Bub und Renate. Da wird geschnarcht, gefurzt und ab vier rumgekramt. Die frühesten Vögel stellen sich den Wecker für 03:30. Zum Gipfel sind es 800 Höhenmeter – bei Absenz jeder technischen Schwierigkeit. Kein Gletscherkontakt, kein Firngrat und der frisch gefallene Schnee von vor über einer Woche ist wahrscheinlich wieder weg. Was macht man da also um diese Uhrzeit am Anstieg und Gipfel? Da muss man mit Stirnlampe los. Okay, man ist dann bei Sonnenaufgang oben. Klingt cool, wäre da nur nicht der Nebel. In der Nacht hat es ordentlich geregnet. Die Sonne wird kämpfen, um den Nebel aus der Luft zu nehmen.

Wir starten nach unserem Frühstück kurz nach sieben. Das reicht auf alle Fälle. Der Aufstieg sieht mächtig aus, ist aber letztlich eine Strecke zum Austesten der eigenen Ausdauer oder gar Leidensfähigkeit. Ab 3.000 Meter wird es kalt. Die Sonne hat sich, wie erwartet, noch nicht durchgesetzt. Etwas Wind pfeift. Da hat Renate bald alles an, was sie mithat. Gelegentlich erfrischt ein Trailrunner in kurzen Hosen und Halbschuhen. Das Klima und die Zeiten haben sich geändert – wow!

Vor zehn sind wir am Gipfel! Geschafft – jippieh! Renate überrascht mich total, zumal ihr Bergerfahrung nicht ganz, aber doch fehlt. So stehen wir da, freuen uns, ich bin stolz und Renate friert ein wenig sehr. Erste Löcher zeigen sich in den Wolken. Nein, lange wollen wir nicht hier bleiben. Wir steigen ab.

Bei der Hütte gibt es dann nochmals reichlich Mittagessen. Wir füllen die Rucksäcke mit den Sachen, die wir in der Früh hier zurückgelassen haben und steigen die 1.000 Höhenmeter zum Auto bei der dritten Kehre wieder ab. Die letzten Höhenmeter haben es in sich. Vom Gipfel bis zum Auto sind es inklusive der Gegenanstiege fast 2.000 Höhenmeter. Das ist einiges. Renate meckert nicht, obwohl offenkundig ist, dass sie an der letzten Stunde keine Freude mehr empfinden kann. Was für eine tapfere und angenehme Begleitung!

Der erste Dreitausender mit immerhin 3.510 Metern ist geschafft. Wir haben gut als Team funktioniert und die Schuhe haben gepasst. Ich habe damit die Liste der höchsten Gipfel der zehn höchsten Gebirgsgruppen in Österreich abgeschlossen. Noch ein Triumpf – was will man mehr.

Etwas mehr als vier Stunden fahren wir ins Hotel Post am See in Traunkirchen. Wir haben die Erholung notwendig. Autostopper zeigen sich (zum Glück) keine.


Garmin
Anstieg zur Hochfeilerhütte
Hochfeilerhütte – Hochfeiler und Abstieg


Fotos gibt es diesmal hier!


Haidsteig – Preinerwandsteig

Heute ist der Haidsteig dran. Was uns da nur erwartet? Ich habe mich bei der Einschätzung der Schwierigkeiten schon oft völlig geirrt. So erinnere ich mich an die Antwort auf Gernots Frage vor dem ersten Klettersteig, ob denn die Wildfährte steil ist. Ich meinte ehrlich: „Also, ich kann mich nicht so erinnern. Schon steil, mit dem Radl kannst nicht fahren, mit Skiern auch nicht – wahrscheinlich!“. Uje, dann am Steig mit ihm, im Angesicht der Tatsachen habe ich mir für diese Antwort öfters auf die Stirn geklatscht.

Nun also Renate. Die ist ebenso voller Zuversicht wie bar der Erfahrung. Ich bin auch zuversichtlich, aber eben schon ein bisserl erfahren. Schauen ma a mal!

Wie auch immer, wir stehen an diesem Freitag um 08:40 in der Griesleiten am Parkplatz und sind nicht alleine, wirklich nicht alleine. Ich mache mir Sorgen, dass wir lange warten werden müssen. Korrigiere aber sofort, dass wir Grund für den Stau sein könnten. Mann oh, das wird was! Warum kann es nicht ein Dienstag im Oktober sein? An so einem Tag wären wir hier alleine.

So machen wir uns an den Zustieg. Ausrüstung und Stimmung sind jedenfalls gut. Beim Anstieg entdeckt Renate eine prächtige Parasol-Familie und… Und erwägt sie mitzunehmen. Ist sie so aufgeregt? Will sie wirklich mit einem Sackerl in der Hand die Schwammerl da rauf tragen oder die schönen Pilze in den ohnedies recht vollen Rucksack stopfen? Ich nehme das Anliegen nicht ernst und stimme zu, dass wir sie am Rückweg mitnehmen werden. Ein Entschluss, den an diesem Tag wohl noch viele andere Wanderer fassen werden.

Am Einstieg stehen die Massen. Na ja, es sind sechs, sieben Leute. Das ist nicht viel in Relation zu den Schilderungen, die vom Wochenende erzählt werden. Mir sind es jedenfalls zu viele bei diesen Unsicherheiten heute. Renate findet aber alles cool und tänzelt herum. Zumindest vor dem runden Ungarn in Grün möchte ich starten. Ja, ja! Renate freut sich halt so. Können wir jetzt aber bitte los!

Uff, der Einstieg klappt ganz entspannt. Das sieht gut aus. So werden wir das schaffen. Ich habe die schöne Kamera mit und schieße erste Fotos. Auch der erste Steigbaum macht keine Schwierigkeiten. Ruhe kehrt in mir ein. Was soll da noch schiefgehen? Und dann kommt die erste Querung, technisch nicht schwer, aber erstmals ein bisserl ausgesetzt. Ich spaziere vor und positioniere mich zum Fotografieren. Da hängt Renate nun plötzlich und meint, dass es hier nicht weitergeht. Wie bitte? Das könnte an der 90° falschen Haltung liegen. Was ist denn da los? Und während ich noch analysiere, merke ich da leichten Kontrollverlust aufkommen. Upps, gelassen bleiben und auf Selbststabilisierung hoffen. Ein bisserl körperliche Unterstützung könnte auch helfen. So mache ich noch schnell ein Foto, ehe ich zurücksteige und Renate am Handgelenk ohne großes Trara zum Seil hochhebe. Leicht genug ist sie ja. Erinnert ein bisserl an den Umgang mit Mio bei Klettereien, ist aber viel respektvoller! Der arme Hund wird ja am Halsband nach oben gehievt.

Das dicke Grün im Nacken nervt Renate auch ein bisserl sehr. Aber der gute Mann ist selbst Teil einer Dreiergruppe, deren Rest nicht schnell vorankommt. Wir verwerfen Verschwörungstheorien zu seinen Absichten und steigen tapfer weiter. Ab jetzt läuft es entspannt und gut. Die Schlüsselstelle passieren wir auch recht g’schmeidig. Da kann ich ein bisserl helfen. Immerhin habe ich in diesem Kamin schon genug Blood, Sweat und vor allem Tears gesehen. Renate hält sich brav am Rande der engen Felsspalte. Alles gut, wir sind bei der Madonna und haben damit den technisch schwierigeren Teil hinter uns.

Die Vorstellung von Ulli erfolgt formlos. Ein schöner Platz ist es hier. Und es ist definitiv etwas los hier an Tagen wie diesen. So soll es sein!

Wir steigen noch bis zum Plateau auf. Geschafft! Renate ist zurecht stolz wie Oskar oder sonst wer. Bravourös hat sie den Steig gemeistert. Ich habe Freude, denn da können nun noch viele gemeinsame Touren kommen. Wir rasten umgeben von Edelweiß in großer Zahl. Kann es besser gehen?

Als Abstieg wählen wir den Preinerwandsteig. Der ist sicherlich besser als der Holzknechtsteig, aber halt ein Abstieg. Renate will ein Startup gründen, das Bergsteiger per Drohnentaxi vom Gipfel holt. Mir soll’s recht sein, solange ich mich da nicht engagieren muss. Mein Beitrag beschränkt sich auf ein gelegentliches „Hmm! Warum nicht?“.

Gegessen wird im Looshaus. Das muss ein bisserl im vorigen Jahrhundert stehen geblieben sein. Doch das ist an diesem Tag nebensächlich.

Prädikat des Tages und der Tour: edelst!

Die Tour auf garmin.com

Hawaii – Sommer 2023


Zu den Fotos


Der Urlaub wird spannend werden. Da steht so einiges am Programm. Jasmin hat ein Jahr in Kanada verbracht. Lydia hat sie am 30. Juni in Vancouver abgeholt und ist vierzehn Tage mit ihr durch Kanada. Die beiden werden am selben Abend wie wir auf Maui landen. Am 15. Juli starten auch Carina, Renate und ich von Wien aus. So treffen Carina und ich Jasmin wieder erstmals nach einem Jahr. Renate und Jasmin lernen sich überhaupt am anderen Ende der Welt kennen.

Maui

Der Flug ist recht erträglich, auch wenn Austrian bei der Zuteilung der Sitzplätze patzt. Wir haben für fußfreie Plätze bezahlt, sitzen aber trotzdem mitten drinnen. Aber das geht erstaunlich gut. Auch ist Westen als Flugrichtung von der Belastung durch die Zeitverschiebung angenehmer als ein Flug Richtung Osten. Der Tag dehnt sich einfach nur sehr. So sitzen Renate und ich also etwas müde am späten Abend am Flughafen Kahului auf Maui und schauen aufs Handy. Nichts tut sich am kleinen Flughafen. Die Rolltreppe, die Jasmin eigentlich runterkommen sollte, steht still. Und plötzlich spricht uns da eine junge Dame an. Sie lacht, wir schauen verdutzt. Ja, das ist sie ja, unsere Jasmin. Ein freudiges Wiedersehen und erstes, persönliches Kennenlernen am Ende eines langen Tages am anderen Ende der Welt. So kann Familie sein!

Wir holen unser riesiges Auto bei Sixt ab, rollen noch ins AC Hotel by Marriott in Wailea und holen mal Schlaf nach. Das Frühstück bietet Avocado-Toasts, der Urlaub ist wohl gerettet. Das Hotel liegt nicht am Strand. In Hawaii sind die Preise auf einem anderen Level. Da sind Schweiz und Norwegen günstig und so reicht unser selbst gegebenes Budget eben nur für die zweite Reihe. Aber auch hier lässt es sich leben.

In Wailea ist alles sehr gepflegt. Der Golfplatz ist gediegen und kaum bespielt. Im kleinen Einkaufszentrum reihen sich die Stores von Louis Vuitton, Prada, etc., aneinander.

Am ersten Tag fahren wir die Küste im Norden entlang, bestaunen Blow Holes und schwimmen in natürlichen Pools am Meer. Den Abend lassen wir in Lahaina ausklingen. Unter dem Baum, der nach den verheerenden Bränden traurige Berühmtheit erlangen wird, essen wir ein Eis nicht ahnend, dass die kleine Stadt nur noch ein paar Wochen hat.

Am nächsten Tag geht es auf den Haleakalā, den höchsten Berg auf Maui. Wir wollen den Sonnenaufgang sehen. Lydia hat reserviert und gebucht. Auch die Natur ist auf Hawaii eben gut organisiert. Wir starten gegen vier Uhr und schrauben uns in endlosen Serpentinen in eine Höhe von 3.055 Meter. Oben ist es kalt, starker Wind weht und wir sind fast die letzten, die noch rechtzeitig zum Sonnenaufgang eintreffen. Der Sonnenaufgang ist schön, aber irgendwie auch nur ein Sonnenaufgang im Beisein vieler anderer Touristen. Wir frieren. Carina kämpft mit der Zeitverschiebung, ihr Magen rebelliert. Da tun die endlosen Kurven auch nicht gut. Aber sie ist tapfer und schafft alle Kurven wieder runter. Erst am Heimweg eskaliert die Situation dann richtig. Renate lenkt das Auto in der linken Fahrspur und Carina sitzt am Beifahrersitz.

Carina: „Schnell, fahr rechts ran!“.
Renate: „Das geht nicht, der lässt mich nicht rüber!“
Carina reißt das Fenster auf und wirft dem ungewöhnlich sturen Ami ihr Frühstück mit einem „Nimm‘ das!“ entgegen. Der wird wohl seine Lektion gelernt haben, dass man spurwechselwillige Europäer nicht behindern sollte!

Und weil Kurven so lustig sind, geben wir uns am nächsten Tag noch die Road to Hana. Das ist angeblich eine der schönsten Straßen der Welt. Sie führt ins Nirgendwo zu seltsamen Menschen, die irgendwann wohl zum Surfen hierhergekommen und hängengeblieben sind. Nun nerven sie sich über die endlosen Kolonnen an Touristen. Am Ende der Straße gibt es nicht viel. Ein Food Truck hat sich und seine Zelte aufgestellt. Die Familie grillt und verkauft ihre Chicken und Ribs. Bargeldloses Zahlen geht nicht, Cash haben wir nicht. Aufgeregt und amüsiert werden unsere Euros akzeptiert. Nein, solche Scheine haben sie noch nicht gesehen. Google hilft bei der Umrechnung, denn Mom weiß den Umrechnungskurs, aber die Tochter multipliziert den Dollarbetrag mit 1,12 statt ihn zu dividieren. Das wäre bei den Mondpreisen auch egal, aber Ordnung muss sein.

Am Rückweg halten wir noch in Hoʻokipa am Wellenreiter- und Surferstrand. Robby Naish ist nicht da. Vielleicht liegt es an den fehlenden Wellen. Als ich das letzte Mal vor 30 Jahren hier waren, gab es riesige Wellen, aber heute ist Family Day und so dürfen die Kleinen auch mal raus aufs Wasser. Die Hauptattraktion sind diesmal die Schildkröten, die sich hier in der Sonne den Panzer wärmen.

Hawaii – The Big Island

Unser nächster Stopp ist The Big Island. Wir landen in Kona und bekommen ein noch größeres Auto. Der GMC Yukon Denali bietet drei Sitzreihen und einen riesigen Kofferraum. Auch wenn es ungewohnt ist, man fühlt sich sehr unverletzbar in diesem rollenden Panzer. Möge sich uns niemand in den Weg stellen! Renate wirkt etwas verloren am riesigen Fahrersitz, steuert aber souverän. Wir sind in Kona in einem Strandhaus untergebracht. Das ist recht edel und man schläft so gut bei den Wellen.

Hilo steht am Programm. Das war schon 1995(?) weit hinten und hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht recht weiter entwickelt. Wir lunchen, besuchen zwei Wasserfälle, die nur gegen Gebühr aus großer Distanz bestaunt werden dürfen und spazieren noch ein bisserl entlang der wilden Küste. Letzteres ist wohl das Highlight. Carina und ich haben Boogie Boards mit. Die tragen wir aber nur spazieren. Wir wollen beide nicht an die Felswände geklatscht werden. So reicht uns das Betrachten der wilden Szenerie.

Am nächsten Tag wollen wir auf den Mauna Kea. Der ist mit 4.205 Meter richtig hoch. Leider aber auch zu hoch für unseren Kleinlaster. Man braucht unbedingt Allrad und einen halb vollen Tank. Darüber wacht ein Ranger und der ist ebenso freundlich wie unerbittlich. Auf 3.000 Meter ist beim Besucherzentrum Schluss. Lydia und Jasmin kommen am letzten Tag mit einem geliehenen Allrad zurück und „erledigen“ damit den höchsten Berg der Erde. Dazu muss man den Teil des Berges unter der Meeresoberfläche einbeziehen. Denn dann ist der Berg gewaltige 10.203 Meter hoch.

Beim Baden im Meer touchiere ich nicht nur zuhauf Lava-Felsen, sondern kicke auch wieder einen Seeigel. Der lässt seine Stacheln in meinem Fuß, der sich umgehende schick blau um die abgebrochen Stacheln färbt. Aber mein Körper ist das fast gewöhnt und beginnt am zweiten Tag mit der Verwertung der zugeführten Mineralien. Da schaust aber!

Kauai

Auf Kauai beziehen wir wieder ein Haus in Strandnähe. An das Getöse der Wellen kann man sich gewöhnen. Ich schlafe so tief wie selten.

Ein erster Erkundungsspaziergang führt den Strand entlang. Neben vielen Badegästen liegt auch eine Robbe da. Bei solchen gewaltigen Naturphänomenen stellt sich in den USA gleich mal ein Freiwilliger ab. Der bezieht Posten und hält ahnungslose Zivilisten davon ab, das Tier zu kuscheln oder es gar zu grillen. Ähnliches sehen wir noch bei einem Nachtspaziergang, Eine Freiwillige hat sich mit ausreichend Tee und Wasser („Stay hydrated!“) sowie Campingstuhl und Rotlichtlampe für die Nacht eingerichtet. Sie wird die Schildkröten bewachen und ihnen regelmäßig in die Augen leuchten. Ich überlege, ob die gute Frau früher Krankenschwester war und Menschen mit Gefahr auf Hirnblutung überwacht hat. Aber ich weiß ja nicht einmal, ob Meeresschildkröten einen entsprechenden Pupillenreflex zeigen. Ich habe Fragen. Anderseits ist ihr Dasein mehr als berechtigt. Denn immerhin war ich es, der bei der Annäherung an die Frau und Turtles im schwachen Mondlicht von Stein zu Stein hüpfen wollte. Ein schriller Schrei aus der Finsternis hat mich davon abgehalten, einer Schildkröte ins Kreuz zu springen. Uff, gerade noch gutgegangen.

Kauai ist auch diesmal meine Lieblingsinsel. Sie heißt nicht umsonst „The Garden Isle“. An Polihale kann ich mich erinnern. Aber auch hier ist vieles anders. Die Straße ist zwar noch immer nicht geteert, aber Menschen sind hier. Noch immer nicht viele, aber eben nicht mehr menschenleer. Der schöne Strand zwischen Militärbasis und den steilen Felsen der Napali-Küste ist an diesem Tag so heiß, dass auch ich ihn nicht ohne Schuhe zu begehen vermag. Dafür sind die Wellen so harmlos, dass man schwimmen kann. Wir bleiben nicht lange. Die Mädels würden wohl noch den Tag draußen verbringen und auf den kühleren Teil des Tages hier am Ende der Welt warten.

Lydia hat dankenswerterweise auch Plätze für den Ha’ena Beach Park gebucht. Dort startet der 11 Meilen lange Kalalau Trail, dessen Anfang wir wandern wollen. Wir erreichen den
Hanakāpī‘Ai Strand, der selbst schon beeindruckend ist und wandern weiter zum gleichnamigen Wasserfall. Das ist alles in allem recht weit, aber auf jedem Fall lohnend. Das Bad unter dem von weit oben in die Tiefe stürzenden Wasser ist schon was. Ja, das macht Spaß. Der Weg zurück ist dann den einen doch schon ein bisserl lang, während es Renate ein bisserl Auslauf beschert. Am Abend dann noch ein Abstecher zur berühmten Buch von Hanalei. Alles gut!

Ein wilder Tag steht noch an. Während sich die Mädels in einem Motorboot entlang der Napali Coast von Wellen weichklopfen lassen, geben sich Renate und ich 22 Kilometer Trail weit oberhalb der Napali Coast. Die Mädels berichten von Schnorcheln, beeindruckenden Höhlenfahrten und freundlichen Delfinen. Wir gönnen uns zuerst den Awa’awapuhi Trail und danach noch den Nu’alolo Trail. Renate lässt sich nicht abschütteln. Die Ausblicke und die Kulisse entlang dieser Küste kann man ruhigen Gewissens als atemberaubend und „awesome“ bezeichnen. Wenige Amis gehen so weit und so gehört uns das Naturschauspiel fast alleine. Dazu muss man halt die Hubschrauber, die kühn zwischen den Klippen ihre Flugmanöver absolvieren, als Teil der Natur sehen. Egal, müde sind wir am Abend jedenfalls beide.

Oahu

Der letzte Stopp ist auf Oahu. Oahu ist die größte Insel, die Autobahn hat viele Spuren, Hochhäuser prägen das Strandbild in Honolulu. Bei unserem Start verstehe ich das Navi nicht und wir stürmen Pearl Habour. Der nette junge Mann mit Maschinengewehr nimmt mir den Ausweis ab und gibt ihn erst wieder zurück, sobald sicher ist, dass ich mit unserem Leihauto nicht mehr in sein Revier zurück kann. Er will wohl ausschließen, dass ich mich kamikazeartig auf eine Fregatte oder zumindest Frikadelle oder so stürze. Mir soll es recht sein.

Wir haben uns im Turtle Bay Resort einquartiert und sind alles in allem autofaul geworden. So bleiben wir im Ressort. Die Preise haben hier ein Niveau erreicht, dass es gar nicht mehr leicht zu packen ist. Einen Salat gibt es ab 25 USD, Steak und Fisch dann ab 60 USD, gerne aber auch ab 100 USD. Wer das Besondere liebt, kann auch 155 USD für eine Fischsuppe oder 160 USD für ein ausgewähltes Steak spendieren. Das Restaurant wird als elegant beworben. Beim ersten Mal ziehe ich gar eine lange Hose an und fühle mich unsicher, weil ich kein Hemd mithabe. Tja, und dann sitze ich als einziger in langer Hose da. Ein langärmliges Hemd gilt hier wohl als schrullige Tracht der Italiener. Die engstehenden Tische sind mit Bermuda- und Baseballkappenträger besetzt. Die Kellner haben sicherlich auch irgendeinen Beruf gelernt.

Wir sind im fünften Stock und blicken auf die Turtle Bay – das passt. Der Mond ist fast voll und strahlt den weißen Strand an. Wir spazieren weit am späten Abend vom Hotel weg. Keine dekadenten Amis weit und breit, keine Volunteers, die Tiere beschützen, die wahrscheinlich besser ohne sie auskommen würden. Da zeigt sich Hawaii zum Abschied in der Keiki Bay nochmals von seiner schönsten Seite. So soll es sein und so soll es in Erinnerung bleiben.

Resümee

Vor mehr als 25 Jahren war ich schon einmal auf diesen vier Inseln. Mir hat es auch diesmal wieder gut gefallen. Viel ist noch stärker kommerzialisiert. Häufig trifft man auf eine Kultur, die uns doch sehr fremd ist. Kulinarisch ist Hawaii Ödland. Entweder man ernährt sich an Food Trucks oder man speist in teuren Restaurants, die gut aber bar fast jeder Esskultur sind.

Wer sucht, findet nach wie vor unberührte, atemraubende Natur. Ein drittes Mal Hawaii wird knapp werden. Ich denke, es gibt noch ganz viel auf diesem Planeten zu sehen.

Nandlgrat-Fischerhütte-Fadensteig

So, da stehen wir wieder und wollen rauf. Das Knie ist fit. Der Wetterbericht verspricht Hitze, und so starten wir nicht allzu spät. Mio legt sich schon früh das erste Mal hin. Er sucht den Schatten. Die Temperaturen schaffen ihn, das ist offensichtlich. Aber wir kommen gut voran. Abgelenkt durch hitzige Diskussionen übers Leben und was alles sonst eigentlich gar nicht so wichtig ist, erreichen wir die Bürklehütte und auch bald die Rieshütte. Selbst, als wir unseren persönlichen Nandlgrat-Rekord aufstellen, merken wir noch nicht, dass es doch ordentlich heiß ist. Ab nun geht es steiler bergauf. Mio klettert wie eine Bergziege, eine schnaufende Bergziege, aber immerhin wie eine Bergziege, die wahrlich keine Hilfe braucht. Diesmal haben wir eine Wasserflasche für ihn dabei, die er auch rasch leert. Nur verwendet er die aufgenommene Flüssigkeit nicht, um seinen Flüssigkeitsverlust durchs Schwitzen auszugleichen, sondern um wieder hingebungsvoll zu markieren. Okay, Hunde schwitzen nur ein bisserl an den Pfoten und da nicht zum Zwecke der Kühlung, sondern um Duftspuren zu hinterlassen. Aber das ich das Wasser schleppe, damit er pinkeln kann – hmm?

Der Nandlsteig hat schon eine Länge, die man nicht unterschätzen mag. Wer ihn schon ein paar Mal gegangen ist, weiß das. Trotzdem denke ich mir zumindest einmal: „Mah, ist der wieder zach!“.

Auf der Fischerhütte ist einiges los. Die Zahnradbahn schafft verlässlich Kundschaft heran. Der liebe Herrgott hat einen großen Zoo! Zwei junge Frauen sind bloßfüßig da. Ich beschließe, mir nie wieder Gedanken zu machen, ob Mio aufgrund der spitzen Steine leidet. In der Hütte legt eine der beiden Frauen Socken an. Hier bekommt sie kalte Füße. Ah ja, ich muss wirklich nicht alles verstehen.

Nach der Stärkung geht es noch auf den Kaiserstein, Ingress will auch erledigt sein. Mio meint, dass er Spuren direkt über die Kante in die Breite Ries folgen muss. Erstmals zweifelt Renate, ob denn Mio schlau genug ist, dass er da nicht runterklettert. Mio kommt an die Leine, und es geht Richtung Fadensteig. Im Fadensteig merkt man zumindest Mio die Müdigkeit an. Auch Renates Knie meint, dass für heute kaum noch Lustgewinn zu machen ist. Meine Hüfte findet Sessellift fahren ebenfalls lustiger. Ich hätte zumindest noch den Antrieb, dass die Hüfte eh bald ausgetauscht wird.

Bergab heben wir Mio zwei- oder dreimal über kleinere Felsstufen. Es ist halt leichter und ungefährlicher, nach oben als nach unten zu springen. Das sollte nachvollziehbar sein.

Im Abstieg sehen wir mehrfach Schilder, die auf den Fadensteiglauf am 13. August aufmerksam machen. Ein paar Trainierende kommen uns entgegen. Eine Stunde zwanzig nehmen sich die jungen Leute vor. Der Sieger braucht übrigens knapp unter 50 Minuten von der Talstation Sessellift Losenheim zur Fischerhütte. Die Unersättlichen laufen den „Flotten Dreier“ – dreimal rauf, zweimal runter!

Wir nehmen den Sessellift. Das geht auch schnell und Mio hat sich gar schon daran gewöhnt.

Nandlgrat geschafft – tadellos!

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Deneck (2.433m)

Wir haben uns ins Hotel Schloss Pichlarn verfügt. Was staune ich über die fünf Sterne! Gediegen ist es da. Man möchte gleich ein Monat oder zwei hier verbringen. Begeistert jagen Menschen mit ihren Schlägern kleine, weiße Bälle über die weiten Rasenflächen. Golfen geht aber im Moment nicht. Das gehe ich dann als Mensch mit voll flexibler Hüfte an. Renate ist dann auch wieder fit. Also, rauf auf den Sölkpass und von dort aufs Deneck. Gernot verweilt auf der anderen Seite der Alpen und ist spontan zu begeistern. Also, um neun in der Kaltenbachkehre der Straße auf den Sölkpass.

Drei Seen, der Untere, der Mittlere und der Obere Kaltenbachsee warten. Mio sollte ausreichend Wasser finden. Das Wetter ist nicht sonderlich stabil, aber wird halten. Wir starten. Der Aufstieg ist eine feine Bergwanderung und landschaftlich überaus reizvoll. Wir wandern, scherzen, weichen in gewohnter Weise den Kühen aus. Kurz, wir machen Höhenmeter. Der Gipfelaufbau des Deneck ist recht steil und schließt den Anstieg würdig ab. Am Gipfel zieht Nebel herum, wir machen Fotos und haben eine gute Zeit in den Bergen.

Der geplante Abstieg sieht die Überschreitung des Nagelecks vor. Aber darauf hat niemand so recht Lust. Regentropfen genügen als Ausrede, um uns zu überzeugen, dass der Abstieg über die Etrachböden auch genug ist. Auf der Kaltenbachalm gibt es noch Essen, das einer Alm würdig ist, aber jedem Internisten die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Als einer, der es wirklich wissen will, gönne ich mir noch einen frisch gemachten Bauernkrapfen. Entsprechend schlecht ist mir. Aber satt bin ich auch – hmm? Derart gestärkt ziehen wir uns wieder in unsere Täler zurück. Gernot zieht es in den Süden und uns ins Schlosshotel im Norden.

Landschaftlich feine und abwechslungsreiche Tour. Schwierigkeiten gibt es keine, solange kein Schnee liegt und das Wetter passt. Alles gut!

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