Hochtour: Gößkarspeicher – Hochalmspitze (3.360m)

Details via Garmin

Während die Mädels einen weiteren Tag am Mittstätter See verbringen, mache ich mich um halbsechs Richtung Gößkarspeicher auf den Weg. Die Zufahrt ist schon mal abgelegen 😉 Am Parkplatz angelangt, packe ich den Rucksack. Der ist diesmal recht schwer, weil Klettersteigset, Steigeisen und Pickel mitmüssen. Da ich nicht weiß, wie der Abstieg über den Rudolstätterweg ist, nehme ich noch ein kurzes Seil mit. Da es heute auch nicht so heiß ist und das Wetter am Nachmittag mit geringer Wahrscheinlichkeit Regen bringen könnte, ist noch extra Gewand dabei. Das summiert sich. Um es vorwegzunehmen, das Seil habe ich sinnlos rumgeschleppt.

Der Aufstieg zur Gießener Hütte geht schnell vonstatten. Dort erklärt der Hüttenwirt, dass mich weder am Detmolder Grat noch am Rudolstätter Weg sonderliche Schwierigkeiten erwarten. Der Steig am Detmolder Grat ist verlegt, man hat keine Gletscherberührung mehr. Der Grund ist, dass die Bergsteiger stets entgegen jeder Empfehlung und jedem Ersuchen des Hüttenwirts die Spur so nahe an der Randkluft angelegt haben, dass nachfolgende Leute bei Verschwinden des Neuschnees immer wieder in dieser verschwunden sind. Na ja, also los geht’s!

Der Aufstieg zur Winkelscharte ist stetig und nicht steil. Die Hochalmspitze hat man meist vor Augen. Das lässt sie nahe erscheinen. Auf toll markiertem Weg gewinne ich schnell an Höhe und glaube, dass ich den Berg niederrennen kann. Geht nicht! Wissen wir. Entsprechend müde bin ich dann ab der Winkelscharte. Zuerst geht es über Blockwerk, wo leider nicht mehr so gut markiert ist und ich ein bisschen herumirre. Letztlich finde ich aber den Einstieg des Klettersteigs und der geht es scharf an. Über glatten Granit muss man sich am Seil recht griff- und trittlos nach oben ziehen. Sogar ein normales Bergseil ist parallel angebracht. Wahrscheinlich ist es besser, als auf einer schlecht angelegten Gletscherspur in der Randkluft zu verschwinden 😉 Hier mühen sich jedenfalls schon die ersten (oder letzten) Kletterer ab, die auf der Gießener Hütte übernachtet haben. Die restliche Kletterei ist schön. Der Wind pfeift mir allerdings um die Ohren, dass ich am Grat trotz dem schweren Rucksack wanke. Überhaupt spüre ich die 1.500 Höhenmeter schon und der Klettersteig in der dünneren Luft lässt den Puls hochgehen. Dann ist der Gipfel der Glocknerin da. Tolle Aussicht, aber leider starker Wind.

Nach kurzer Pause gehe ich weiter. Den Weg zu den Steineren Mandln finde ich nicht so ausgesetzt, wie er angekündigt war. Ja, am Anfang etwas, aber dann geht es bis zu den Steinernen Mandln unaufgeregt, obschon originell geführt, dahin. Bei den Steinernen Mandln geht es steil über einen Klettersteig nach unten – auch nicht allzu schwierig. Hier hole ich noch zwei weitere Bergsteiger ein. Sie schnallen sich gerade die Steigeisen auf dem Trippkees fest. Vom Trippkees ist nicht mehr allzu viel über, aber es ist ausreichend steil, um auf die Steigeisen zu bestehen. Nicht weit abseits macht der Steinschlag kaum Pause. Ich wundere mich. Wenn das so weitergeht, wird von dem Berg bald nichts mehr über sein. Der Weg ist meines Erachtens jedenfalls vom Steinschlag weitgehend verschont. Am Trippkees ist ein Seil gespannt, verschwindet aber vor dem Ende des steilen Teils und einer Stelle mit Blankeis tief im Firn. Ich erwäge, die Steigeisen schon an der letzten Felsstufe anzulegen und mit diesen die letzten zehn Höhenmeter den Klettersteig abzusteigen. Dann müsste ich da nicht am steilen Gletscher rumtanzen. Die Idee verwerfe ich, denn der Granit ist sehr steil und die Stahlstifte sind zu weit voneinander entfernt. Mit den Steigeisen möchte ich da nicht am Fels rumkratzen. Also, mache ich es wie meine Vorgänger. Das klappt alles gut. Zur Sicherheit hänge ich mich bei meinem Tänzchen in das Seil, mache den Rucksack an einem Expres-Set wie überhaupt alles, das den steilen Hang liebend gerne runterkollern möchte. Ich habe die leichteren, bedingt steigeisenfesten Bergschuhe an und das ist ein Schmarrn an den paar kurzen Stellen, wo Blankeis rausschaut. Auf den Frontzacken kann man nur schlecht stehen, die Verbindung Schuh zu Steigeisen lässt kein sonderliches Vertrauen aufkommen. Da biegt und windet sich alles. Letztlich rutscht mir an einer flacheren Stelle sogar ein Steigeisen vom Schuh. Keine Sorge, es geht alles gut – kein sonderlicher Akt. Zumindest weiß ich jetzt besser um die Bedeutung von „bedingt steigeisenfest“ ;-).

Der restliche Abstieg zur Gießener Hütte ist ein bisserl mühsam. Aber vielleicht liegt das auch an der Müdigkeit, die sich allmählich breit macht. Nach einer kurzen Jause auf der Hütte folgt noch das Teilstück zum Auto, wo ich endlich diesen Rucksack loswerde!

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