Urlaub in Andalusien


Fotos gibt es hier!


Renate und ich fliegen in den Semesterferien nach Andalusien. Jasmin & Friends fahren in der Q nach Hinterglemm, Carina ist nach Lech geladen. Mio hat eine Woche bei seinen Friends in Breitenfurt. Cookie schleicht ums Haus – alles gut.

Wir haben ein Leihauto, das eigentlich unnötig ist – siehe „Erfahrungen“ weiter unten. Egal, wir landen in Málaga und düsen gleich mal weiter nach Granada.

Renate hat die Hotels ausgesucht, in Granada fällt ihre Wahl auf das neue Hotel Palacio Gran Vía. Das liegt so im Zentrum, dass wir vorgewarnt sind, wie wir uns nähern sollen. Es drohen Strafen bei der falschen Einfahrt. Das Hotel ist gut versteckt und so fahre ich die Fußgängerzone ein paar Mal auf und ab, ehe Renate einen Hotelpagen anschleppen kann, der uns Koffer und Auto abnimmt. Das Auto wird aus der Altstadt gebracht, wo es für 30 Euro übernachten darf. Ein Preis, zu dem man bei meinen vorigen Besuchen in Andalusien schon ein gutes Doppelzimmer bekommen hat.

Die Zeiten ändern sich, wir sind super edel untergebracht. Man lässt uns an der Rezeption schnuppern, welchen Duft wir im Zimmer bevorzugen. Oh, das ist ein Novum und hatten wir noch nie. Schon im Stiegenaufgang lässt aber ein gewisser Mief erahnen, warum man auf die „Überduftung“ hier wert legt. Das Hotel war, ehe es zum Hotel wurde, eine Bank, und dieser Bankmief hält sich in den endlosen Lüftungsrohren. Aber sonst sind die fünf Sterne fürs Hotel angebracht. Wir haben eine Dachterrasse, wo wir uns wie die südspanische Haute­vo­lee eine Flasche Cava mit Blick auf Alhambra und Kathedrale hinter die Tapete kleistern. Obwohl Caf­fè Lat­te mehr angesagt sein dürfte. Das Getränk, das da in so vielen Gläsern ist, sieht zumindest wie Caf­fè Lat­te aus. Vermutlich ist es aber mit Hochprozentigem gepimpt. Bei einem Milchkaffee den Blick auf die schneebedeckte Sierra Nevada genießen? Egal, uns gefällt’s wir haben eine gute Zeit und unseren Spaß. Die Fotos gehen rasch aus dem Lot, dem Cava sei Dank!

Unser Highlight in Granada ist sicherlich die Alhambra. Estrella führt uns durch die Palastanlage. Es ist Februar und so sind die Temperaturen super erträglich, selbst bei strahlendem Sonnenschein. Die Menschenmengen sind überschaubar – was für ein Genuss! Die Spanier haben wohl ein bisserl weniger Geld als die Türken für ihre historischen Stätten über. Immer wieder verweist Estrella auf lediglich Fragmente, anhand derer man sich vorstellen kann, wie es mal ausgesehen hat. Na, da kann ich nur den Topkapi-Palast empfehlen, da kann man sich anschauen, wie es mal ausgesehen hat. Wir sind trotzdem mehr als zufrieden.

Nach zwei Nächten geht es weiter nach Sevilla. Das Palacio Villapanés liegt am Rande der Altstadt. Wieder ist das Auto bei der Ankunft weg. Mir egal, wir haben unlimitierte Kilometer und Vollkasko gebucht – hehe! In Sevilla lässt uns der Plaza de España sprachlos zurück. Das größte Holzbauwerk Europas oder des Planeten und damit eigentlich des gesamten Universums ist mir auch noch in Erinnerung. Na ja, nur man erkennt halt nicht, dass es aus Holz ist, aber der Ausblick entschädigt mehr als.

Zwei Nächte später geht es zur nächsten Station in Málaga. Das Procedere ist bekannt und das Auto weg! Málaga ist doch anders. Es drängen sich Geschichte und Neubau aneinander. Wir spazieren am Meer und bestaunen Yachten um 100 bzw. 200 Millionen. In Malagueta reihen sich die Hochhäuser aus dem vorigen Jahrhundert aneinander. Wir recherchieren und staunen über die Preise. Okay, sie sind deutlich niedriger als der Preis für so eine Yacht. Aber, dass man da über eine Millionen ausgibt, um dann aus einem Plattenbau aufs Meer zu schauen. Ich weiß nicht. Wir stecken die Füße ins Meer. Das hat 16°, Hartgesottene baden schon.

In Málaga sind wir drei Nächte und haben damit etwas mehr Zeit. Natürlich stehen Alcazaba und die Kathedrale am Programm. Also, Kirchen können die Spanier. Ein schweigsamer Knecht führt uns und 25 andere aufs Dach der Kathedrale. Mit Reden hat er es nicht so. So trotten wir hinterher und geben uns schweigsam dem Staunen hin.

Was mir auch gefällt sind die blank geschliffen Steine in den Straßen der Altstadt. Für Freitag ist Regen angesagt. Da bin ich mal gespannt, wie sich die Gäste auf dem glatten Granit so tun werden!

In allen drei Städten findet sich Zeit für gutes Essen. Das ist nicht ganz zufällig, immerhin verfügt Renate als eine der wenigen Menschen über die Gault Millau Edition von Google Maps. So finden wir stets erlesenes Essen. Manchmal gibt es auf meinen Wunsch dann auch zähes, aber authentisches Fleisch. Oft führen meine Wünsche auch zu überraschen gutem Essen. Gelegentlich muss ich dann mit einem 15-gängigen Menü ausgleichen. Der Rekord liegt übrigens bei 19 Gängen. Ab dem sechsten Gang war ich übrigens satt. In Andalusien waren jedenfalls keine Menüs mit zweistelligen Gängen dabei. Schauen ma a mal, was da kommen mag.

Die Abreise in Málaga ist nochmal kurz spannend. Ich verlange an der Rezeption den Autoschlüssel, natürlich in meinem Duolingo-Spanisch, für das ist so viel Anerkennung einsammle. Der gute Mann gibt mir die Parkkarte, aber keinen Autoschlüssel, denn den hat er nicht. Ich bleibe ruhig, weil ich das ohnedies bleiben würde, ich eine Vollkaskoversicherung eh schon immer mal ausprobieren wollte und ich mich auf Spanisch eh nicht aufregen kann. Der Computer sagt, dass kein Autoschlüssel hinterlegt ist. Jetzt auf Englisch. Er hat doch das Auto geparkt. Nein, der Computer sagt, das war der Kollege. Mein Fünfer Trinkgeld war gut investiert. Der Mann erinnert sich und schaut hilflos drein. Am Kuvert steht Volkswagen, wir haben aber einen BMW! Das heißt in Spanien nicht so viel, steht doch auf unserem Schlüsselanhänger, dass wir ein weißes E-Auto haben und nicht einen schwarzen Verbrenner. Uff, Zimmer 212 und nicht 213! Wir ziehen erstmals eigenständig zum Auto. Die Parkgarage ist diesmal ganz nahe und zahlen müssen wir auch selbst. Der Betrag ist erfreulich gering. Auch der Preisaushang lässt einen wesentlich höheren Betrag vermuten. Das sind maximal zwei Tage, wir waren länger hier. Soll sein. Es sind wenig Autos geparkt, nur am angegebenen Platz steht ein anderes Auto. Ich betätige die Fernbedienung und das falsche Auto am richtigen Platz blinkt aufgeregt. Mann oh! Wir könnten mit dem falschen Auto zum Flughafen fahren, es beim falschen Autovermieter abgeben und hoffentlich ins richtige Flugzeug steigen. Wir begnügen uns mit der falschen und günstigen Parkkarte. Nein, ich werde das Geschäft nicht rückabwickeln. Fein säuberlich habe ich als Nerd schon zuvor in das Kuvert des Hotels all das gesteckt, was ich bei der Rückgabe beim Autovermieter brauchen könnte. Der Mietvertrag ist da wohl das wichtigste Papierl im Umschlag. Ich drücke Renate dieses Kuvert in die Hand, möge sie damit die Herausgabe des richtigen Schlüssels im Hotel erwirken. Sie zischt zum Hotel und kommt freudestrahlend mit dem richtigen Autoschlüssel zurück, aber ohne Kuvert. Die Freude ist ganz ihrerseits. So sitzen wir im Auto und haben zwei Optionen: wir können entweder keine Unterlagen haben und uns maßlos aufregen und streiten, wer denn nun der größere Pfosten hier im Auto ist, oder wir können einfach keine Unterlagen haben. Wir wählen die zweite Option. Ich beruhige mich selbst damit, dass einer der nicht einmal Schlüsselanhänger richtig beschriften bzw. zuordnen kann, keine Berechtigung haben kann, mich wegen der Lappalie eines fehlenden Vertrags zu nerven. So ist es dann auch bei der Rückgabe des Autos. Jedenfalls steht jetzt ein unschuldiger Tourist mit falschem Ticket und falschem Mietvertrag irgendwo in Andalusien, und die Erde dreht sich trotzdem weiter. Alles ganz entspannt, so ist das in Spanien halt!

Erkenntnisse

Andalusien ist eine Reise wert. Ich war schon ein paar Mal hier und mir hat es wieder sehr gut gefallen. Wir haben diesmal drei Städte für eine Woche ausgesucht. Uns reicht das, wohlwissend, dass es noch viel zu sehen gibt. Immerhin ist Andalusien so groß wie Österreich.

Die Reisezeit hat mit Februar gepasst. Im Jänner hatte es zwei Wochen lang bis zu 30°, aber das ist eine Laune der globalen Klimaerwärmung. Da kann man sich vorstellen, wie warm es im Sommer ist. Ich war schon vor Jahrzehnten bei 40° in Sevilla. Mittlerweile werden Temperaturen bis 48° gemessen. Vergiss es! Ich kann mir nicht vorstellen, wie man da abseits einer Klimaanlage überleben können soll. Die Wege in der Alhambra oder in der Alcazaba sind steil. No way, bei 40°!

Im Winter ist man abseits der Menschenmassen unterwegs. Das hat was! Wir mussten nicht anstehen und haben stets Tickets bekommen. Wer da im Sommer nicht schon wochenlang im Vorhinein seine Eintrittskarten bestellt, wird wohl das meiste nicht sehen. Also, wer unbedingt im Sommer hinwill, sollte rechtzeitig reservieren!

Im März, April soll dann alles blühen. Das hat sicher auch etwas, und die Temperaturen sollten erträglich sein.

Wer so wie wir gemütlich unterwegs ist und nur ein paar Stationen macht, braucht eigentlich kein Auto. Wir hatten das Auto nur um die Strecke Málaga – Granada – Sevilla – Málaga zu fahren. Das geht mit dem Zug sicherlich umweltfreundlicher und sicherlich für viel weniger Geld.

Waxriegelsteig – Predigtstuhl

Ein gläserner Eisdeckel soll die Rax überziehen. Die Bergrettung hat mit gestürzten Bergsteigern emsig zu tun. Einbrechen werden wir im Schnee nicht, das Wetter soll sonnig werden. Passt also.

Klettern will Renate nicht. Stattdessen also eine ausgedehnte Runde mit Mio. Schon der Parkplatz gleicht einem Eislaufplatz. Da hat man uns also nicht zu viel versprochen. Die Tour ist insgesamt sehr angenehm, weil die Bedingung „wanderfreundlich“ sind, sofern man denn Zacken oder zumindest Krallen an den Füßen/Pfoten hat. Die Runde läuft bis auf zwei Zwischenfällen tadellos ab. Im Aufstieg falle ich einmal wegen Drängelns in Ungnade. Mio versteht sofort und geht 30 Meter vor. Auch für mich ist es unmissverständlich und ich gehe 20 Meter hinten nach.

Den Abstieg durch den Karlgraben traue ich uns dann doch nicht so ganz zu. Es ist schon sehr eisig. Mio hat im Aufstieg schon ein bisserl gekämpft. Wir müssen also einiges queren. Das ist aber bei den Bedingungen gar nicht so lustig. Selbst dort, wo es auffirnt, besteht Sturz- und damit Absturzgefahr. Das probiert Renate auch aus, fängt sich aber noch. Keine Sorge, sie wäre nach zehn, zwanzig Metern fürsorglich von Haselnussstauden oder ähnlichem aufgefangen worden. Jedenfalls konnte ich noch vor dem drohenden Abgang ein Foto schießen.

Alles in allem ein tadelloser Tag!

Schneeschuhe Jakobskogel

So stehen wir vorm Spar in Reichenau, und es regnet. Entscheidungen sind zu treffen. Nehme ich die Käseleberkäsesemmel oder lieber den Leberkäse mit Chilli? Daheim habe ich noch die Schneewolken am Regenradar gesehen, aber lieber dem Wetterbericht geglaubt, der trockenes und sich besserndes Wetter versprochen hat. Nein, zwei meiner drei Begleiter wollen nicht auf den Predigtstuhl. Einer sagt wie immer nichts. So stehen wir dreieinhalb in feinster Mammut-Ausrüstung am Parkplatz und sondieren die Optionen. Der eine ohne Stimme und ohne Mammut-Ausrüstung sondiert meine Leberkäsesemmel. Der wird aber schweigend auf seinen Auslauf bestehen. Heimfahren und in Breitenfurt spazieren, das wäre eine volle Niederlage. Also, warum nicht mit der Bahn aufs Plateau!

Fünf Gäste sind an diesem Tag mit den vorherigen Gondeln schon nach oben gefahren. Wir haben eine Gondel für uns. In dieser halben Stunde hat sich also kein weiterer Fahrgast gefunden. Und siehe da, oben schneit es üppig. Der Wetterbericht liegt völlig daneben. Schon nach hundert Metern und ein paar Fotos drehen wir um und holen uns Schneeschuhe, die unter der Woche kostenlos verliehen werden.

Was folgt, ist ein unerwartet kurzweiliger Ausflug. Erfrischend würde es auch treffen. Aber die Ausrüstung trotzt den Bedingungen. Meine zwei Begleiter haben die äußerste Schicht gleich daheim gelassen. Angesichts des Wetterberichts verständlich, angesichts der tatsächlichen Bedingungen verwunderlich. Der Schnee fliegt waagrecht, Mio hält sich zumindest gut am Boden.

Das Ottohaus erinnert mich jedes Mal an die Villa aus Hitchcocks „Psycho“. Heute ist es auch nicht einladender, wir marschieren weiter und holen uns den Gipfel! Am Jakobskogel ist es dann so richtig unwirtlich und wir steigen nach ein paar Fotos ab. Sogar Mio ist anzusehen, dass ihm die vom Wind losgerissenen, bodennahen Eiskristalle beißen. Am Rückweg kehren wir in der Psycho-Villa ein. Der Winterraum verdient unter diesen Bedingungen fünf Sterne. Mio möchte ins Notbett, darf er natürlich nicht. Wieder im Freien ist es mit dem besseren Wetter endgültig vorbei. Der prognostizierte Sturm hat eingesetzt. Mio möchte wieder in den Winterraum. Der Rückweg ist dann aber erstaunlich entspannt. Fast ein bisserl fad.

Der Todeszone entkommen, gönnen wir uns Gamsgeschnetzeltes und Wildschweingulasch. Die Nachspeisenvitrine stellen wir gleich bei uns ab. Das abgesicherte Leben hat uns wieder. Die Gefahren sind wieder die vertrauten, Zucker und Fett.

Die Gondel gehört uns wieder allein. Auf halber Fahrt geht der Niederschlag in Regen über. Unser Ausflug in den Winter „wie früher“ ist zu Ende. Ebenso überraschend wie lohnend war unser spontaner Abstecher. Passt!

Tour auf garmin.com

Hamburg

Elīna Garanča singt in der Elbphilharmonie. Wir reisen an!

Hamburg hat mir schon immer gefallen. Garanca habe ich im vorigen Jahrhundert das erste Mal live gehört. Das muss einer ihrer ersten internationalen Auftritte gewesen sein. Ich war damals beeindruckt und diesmal war es nicht anders. Ein treuer Fan eben!

Wir haben uns in der Speicherstadt im Ameron in einer der Suiten im obersten Stockwerk einquartiert. Was für ein feiner Ausblick und dann gleich ein Regenbogen, der uns begrüßt. Volles Programm!

Renate hat natürlich auch in dieser Stadt einen soliden Überblick über die besten Restaurants. Entsprechend fein geht der Anreisetag zu Ende.

Der Montag bringt einen Ausflug an die Nordsee in einem Mietwagen. Wir besuchen Buxtehude – des Namens wegen – und Cuxhaven, weil wir beide das Meer im Winter sehen wollen. Bei der „Alten Liebe“ ist es kalt, wir wärmen uns in einem der wenigen offenen Fischlokalen bei zähem Fisch, ehe es zur Kugelbake geht. Hier ist die (willkürliche) Grenze zwischen Elbe und Nordsee markiert. Schnee liegt am Sandstrand. Das sehen wir beide zum ersten Mal in unserem Leben. Richtig kalt ist es. Die Schiffe fahren in die kalte Nordsee hinaus. Boah, das muss ein harter Job sein, auch wenn die See heute glatt ist und kaum Wind geht. Unerschrockene Spaziergänger sind unterwegs. Eine ganz besondere Stimmung fangen wir da ein und sind froh, bei Schnee hierher herausgefahren zu sein.

Der Dienstag bringt am Abend Elīna Garanča in der Elbphilharmonie. Ein weiteres erstes Mal. Die Bühne ist von Sitzplätzen umgeben, als auch hinter der Bühne. Wir sitzen an der Seite und schauen im rechten Winkel auf die Bühne. Na ja, beim Orchester ist das okay. Die Stimme ist mächtig, aber halt besonders in die „Singrichtung“. Garanča gibt sich Mühe, 360° zu singen. Aber leicht ist das nicht. Das ist der einzige Wermutstropfen an diesem feinen Abend und auch nur deswegen angeführt, damit der kunstliebende Leser bei der Wahl der Karten in der Elbphilharmonie auf „Frontalität“ achten kann. Egal, wir haben beide große Freude an der Darbietung!

Am Mittwoch dann noch ein Spaziergang im verschneiten Hamburg. Das ist ein weiteres „Erstes Mal“ – Hamburg im Schnee. Schneeräumung kennt man hier nicht, was schließen lässt, dass Schnee hier selten vorkommt. Und so stolpern wir ganz en passant am Parship-Headquarter vorbei. Was für lobenswerte Unternehmung!

Der Abschluss ist dann bei Ono by Hensler. Das ist fast ein bisserl bescheiden, aber vor dem Abflug gehen sich keine 15 Gänge mehr aus – hehe!

Moin, moin, Hamburg! Fein war’s!

Kitzbühel

Am Jahresersten brechen Renate, Carina und ihre Freundin, Jasmin, sowie ich nach Kitzbühel auf. Im Boutiquehotel Erika haben wir Zimmer gefunden. Carina hat für Kitzbühel gestimmt, weil einige Freunde auch hier sind. Ich habe für Kitzbühel gestimmt, weil es nicht so hoch liegt. Meines Erachtens ist Jänner der chancenreichste Monat auf Schnee, wenn man hierher will . Wenn das Wetter schlecht ist, sollte es hier „herunten“ auch eher möglich sein, skizufahren. Selbst habe ich keine große Erwartungen, will mich und meine neue Hüfte schonen. Und dann fahre ich doch an drei Tagen. Nicht wild, aber wesentlich mehr, als ich gedacht habe. Jippieh!

Kitzbühel wirbt damit, dass es wieder zum besten Skigebiet weltweit gekürt wurde. Na ja, die Pisten sind fein, unbestritten. Der Kunstschnee ist nicht so jedermanns Sache. Naturschnee sieht man wenig. Abseits der Piste geht nichts! Das würde ich aber eh noch nicht riskieren.

So rutschen Renate und ich die blauen Pisten dahin. Das geht recht gut und macht Spaß. So soll’s sein!

In der Nähe von Kitzbühel wurde der Bergtrottel gedreht, und das ist nicht zufällig so. Kitzbühel ist vermutlich das, was sich die Deutschen und andere Nichtösterreicher als Österreich vorstellen. Ich sitze da und staune. Die Österreicher sind jedenfalls in der deutlichen Minderheit, beim Personal und auf der Piste. So lebt die Welt also Winter hier an der legendären Streif.

Einen Tag nutzen wir zu einer Wanderung auf der Seite des Kitzbühler Horns. Auf der Adlerhütte treten wir ins vorige Jahrhundert ein. Übernommen haben aber Kräfte aus dem vermutlichen östlichen Ausland. Als ich nach einem Taschentuch frage, kommt Nervosität auf. In unserem Hotel kommen wir noch mit Deutsch durch. In ein paar Jahren mag das anders sein. Schon in Ischgl wurden wir vor Jahren freudig als erste Gäste aus Österreich begrüßt. In St. Anton am Arlberg hat man mich bei der Reservierung schon am Telefon um Verständnis gebeten: „English only!“.

Das stört uns nicht so sehr. Renate und ich verbringen feine Tage im Winter. Ich bin entzückt, dass meine Hüfte so robust ist. Carina trifft ihre Freunde. Nur bei ihrer Freundin, Jasmin, können wir Freude am Winter und Skifahren nicht so recht wecken.

Ob wir bald wieder nach Kitzbühel kommen werden? Das bezweifle ich. Die Klimaerwärmung sorgt dafür, dass man mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Kunstschnee trifft, der bei diesen hohen Temperaturen rasch zu Eis wird. Wenn es dann noch regnet,.. Wir wählen wohl größere Höhen und lassen die Bergdoktoridylle den anderen.

Jakobskogel

Den Jakobskogel hatte ich bislang nicht am Radar. Alpinistisch ist er bestenfalls als leichte Plateauausbuchtung zu klassifizieren. Aber seit meiner Hüft-OP war ich jetzt schon viermal oben. Als Statistiker könnte man auf die Exponentialverteilung seltener Ereignisse verweisen. Egal, schauen ma a mal, wie oft ich den Jakobskogel in den nächsten Wochen noch erklimmen werde.

12 Wochen ist die OP her, und seit meiner Entlassung geht es bergauf. Wir sind wieder mit der Seilbahn in die Sonne. Skitouren will ich (noch) keine machen, da mir vom Skifahren abgeraten ist. Denn, auch wenn es mir gut geht, dauert es, bis das Titan fest von neuem Knochenmaterial umwachsen ist. Zu Fuß kommt man mit Hund im steileren Gelände nicht voran. Das haben wir beim letzten Versuch erfahren. So spazieren Renate, Mio und ich nach der kurzen Seilbahnfahrt am Plateau herum.

Ich erinnere mich. wie zäh meine erste Besteigung des Jakobskogels war. Ich hatte Stöcke und Schmerzen. Beides habe ich diesmal daheim gelassen. So steht einem gelungenen Tag in der Dezembersonne nichts im Wege.

It was a good day!

Krakau

So hat mich Krakau noch nie empfangen. Und ich war schon wirklich oft hier. Wir haben das neue, oder neu renovierte Hilton Saski ausgewählt. Das sollte gediegen sein. Doch im Foyer erwartet uns unter anderen ein aufgeregter Herr in Badehose, junge Damen in Bademäntel und Personal in Decken gehüllt. Auch sonst ist die Stimmung aufgeregt. Feuerwehrmänner hasten durchs Haus. Und ich will einchecken. Also, was jetzt? Behandelt man so jemand, der für Jahre weg war und nun wieder zurück ist? Ob denn auch die EDV-Anlage brennt, ist mein Gedanke. Doch dann die erlösende Durchsage in gepflegtem, polnischem Englisch: „The hazard has been eliminated!“. Na, das lobe ich mir. So können unsere Tage in Krakau beginnen.

Viel haben wir nicht vor. Krakau ist überschaubar. Wir essen fein, treffen Darek, der uns einen Ausflug ins nahegelegene Salzbergwerk empfiehlt. All das wird gemacht. Im hoteleigenen Fitnesscenter entdecke ich das Laufband und kann nicht widerstehen. Mah, das geht gut.

Life’s good!

Mios Snorre

In Breitenfurt liegt so viel Schnee wie seit Jahren nicht mehr. Man könnte sicherlich schon eine Skitour gehen, aber das darf ich ja noch nicht. So machen wir uns auf den Weg zum Preiner Gscheid. Mios Beinlänge wird voraussichtlich der limitierende Faktor sein. Gernot meint, dass der Gretchensteig die richtige Wahl ist. Ich meine, dass der Waxriegelsteig und der Predigtstuhl besser geeignet sind. Wir fassen den Gretchensteig ins Auge. Ich denke mir: „Schauen ma a mal, wie es am Preiner Gscheid!“ ausschaut.

Bei der Anfahrt hat es weniger Schnee als in Breitenfurt. In Gloggnitz denke ich mir dann, dass es wohl wurscht sein wird, welchen Steig wir wählen. Wir starten also Richtung Gretchensteig. Upps, da ist jetzt aber doch viel Schnee. Mio kämpft schon jetzt tapfer. Ab der Reißthaler Hütte wird es abenteuerlich. Die Zweibeiner kommen noch voran, aber der Vierbeiner stochert im für ihn bodenlosen Pulver. Ich hebe die Beine schon nicht mehr, um einen Kanal für Mio zu formen. Der folgt auch im Kielwasser, aber eher begeisterungslos. Irgendwann geht er nicht mehr weiter. Er sagt nichts, aber er geht auch nicht. Mit ein bisserl Trara geht es ein Stückerl, aber im Windschatten einer vom Wind arg gebogenen Latsche ist dann endgültig aus. Gernot ist noch ein paar Höhenmeter weiter, aber die spannenden Abschnitte warten noch. Ohne Mio wäre es mühsam aber machbar. Nur mit geht es nicht. Mio schließt sich Calle Halfvarssons Forderung an. Dem guten Mann ist sein „Snorre“ eingefroren. Mios Snorre hängt auch die ganze Zeit im Schnee. Ich mache mir Sorgen. Wir drehen um.

Bergab versuche ich, den Kanal durch wuchtiges Auftreten zu verbreitern, aber Mio kommt nicht. So nimmt Renate Mio hoch. Der hat mittlerweile das Manterl seiner Nachbarin an und geniert sich gerade noch ein bisserl. So entsteht das einzige Foto, auf dem Mio getragen wird. Aber Gernot und ich werden noch schwitzen.

Wieder im Wald übernimmt Mio die Führung und zieht konsequent Richtung Auto ab. Aber wir wollen zum Waxriegelhaus queren. Im Wald wird schon nicht so viel Schnee sein – zweiter Fehlschluss. Da liegt erst Schnee und keine Idee von einer Spur. Zum Glück sind da Markierungen, aber für Mio ist es nicht zu packen. Gernot und ich tragen ihn abwechselnd und kommen dabei ordentlich ins Schwitzen. Mio zittert und grunzt. Ja, wie weit ist denn das noch! Aber alles geht vorbei, wenn man nur weitergeht. Und so kommen wir auch irgendwann zum Waxriegelhaus. Mio wird seiner anhaftenden Schneeklumpen befreit und wir kalorisch versorgt. Die beste offene Hütte weit und breit und auch die einzige.

Wieder bei Kräften ist die Welt in Ordnung. Einer von uns hat auf der alten Skipiste die größte Freude am Leben. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass Mios Snorre gerettet werden konnte. Ach ja, und am Waxriegelsteig wären wir auch nicht viel weiter gekommen.

Die Runde auf garmin.com

Fuchslochsteig

Orthopäde, Physio und ich haben mich für geheilt erklärt. Da wird es Zeit für mehr Höhenmeter. Eigentlich habe ich damit gerechnet, dass ich frühestens wieder im Mai in die Berge komme, aber die Rehabilitation geht deutlich schneller, als erhofft. So fahren wir aufs Preiner Gscheid. Mio hat eine neue Frisur und würde vielleicht frieren. So starten wir zu zweit in den Winter hinauf.

Erfreulich gut geht das alles. Renate ist mittlerweile deutlich besser ausgerüstet als am Gretchensteig im April. Es geht wieder Wind, es liegt wieder Schnee, es ist wieder bitterkalt. Man möchte meinen, Renate sucht diese Bedingungen. Also, Schnee ist gar nicht so viel. So kommen wir leicht über die „Kletterpassage“ von ein paar Metern. Hund muss auch keiner hinaufgehievt werden. Rutschig ist es trotzdem ein bisserl. Ausreichend, um der Tour einen Schuss Abenteuer zu verpassen. Der Himmel ist fetzblau, aber sonst sind die Bedingungen unwirtlich. Am Grat bläst es Renate zweimal fast um. Übers Plateau fliegt der Schnee, dass es eine Freude ist.

Am Karl-Ludwig-Haus muss ich das Ingress-Portal erobern. So eine Macke will gepflegt werden. Renate flüchtet sich schon in den Windschatten Richtung Waxriegelhaus. Vier Tage vor meiner OP, im September bin ich auch den Schlangenweg hinunter. Damals war es definitiv wärmer, aber der Abstieg war mühsamer. Die alte Hüfte hat schon ordentlich gebockt. Da geht es mir heute viel besser. Die Knie und die Muskel müssen sich wieder an die Berge gewöhnen, aber das rechte Hüftgelenk ist geheilt. Na ja, es ist ja gar nicht mehr mit dabei und das neue Titanimplantat hat nichts zu melden.

Am Waxriegelhaus warten Linsen, Schweinsbraten und Kuchen. Kulinarisch ist es überschaubar, aber es ist die einzige Hütte weit und breit, die offen- und durchhält. So lassen wir einen gelungenen Tag hier ausklingen, ehe es zurück zum Auto geht.

Die Tour bei garmin.com

Wochenende Zürich

Wir besuchen Lydia in Zürich! Carina, Jasmin, Renate und ich starten ins Wochenende. Das Hotel Ameron ist es diesmal. es passt gut, da kann man herfahren. Jasmin verbringt das Wochenende mit unterschiedlichen Freunden, die sie in Kanada kennengelernt hat. Am Samstag gibt es einen Stadtbummel durch Zürich. Groß ist Zürich ja nicht, da reichen zwei Stunden.

Am Nachmittag wartet Thomas Maschine in seinem Büro. Er hat über mehrere Jahre hinweg eine Fitness-Maschine entwickelt und von Schweizer Maschinenbauern zusammenbauen lassen. Die Maschine stimuliert innerhalb von 30 Minuten deine Muskeln, ohne dass du ins Schwitzen kommst. Man strengt sich schon an, aber bekommt keine Schweißflecken und auch keinen Muskelkater. Software berechnet die optimale Belastung. Das Gerät ist so groß wie ein Kleinwagen und daher nicht unbedingt für den privaten Abnehmer gedacht. Stattdessen sollte es in Büros stehen und die Mitarbeiter fit machen. So der Plan! Mittlerweile kenne ich Thomas schon über 20 Jahre und bin sicher, dass er Abnehmer finden wird, selbst wenn meine 40 Jahre Fitnesscenter-Erfahrung mich ein bisserl zweifeln lassen. Man sieht Thomas jedenfalls an, dass ihm die endlosen Selbstversuche gut tun, und das ist gut so.

Am Abend sind wir bei Thomas und seiner Familie zum Abendessen, pardon Nachtessen, eingeladen. Carina kommt mit und auch Darek stößt dazu. Ein gelungener Abend ist das! Am Sonntag regnet es, wie so oft um diese Jahreszeit, in Zürich. Ein paar Maroni am See und heim geht es wieder.