Haidsteig-Königschusswandsteig

Die Hitzeschlacht gebe ich mir heute alleine. Obwohl, der Parkplatz ist schon vor neun gut gefüllt. Eine Mom cremet ihre aufgeregten aber widerspenstigen Kinder ein. Die Helme lassen auf den Haidsteig schließen. Na, hoffentlich denkt sie daran, dass Sonnenöl den Grip am Seil reduziert. Alles nicht mein Thema. Ich zische los. Alles ohne sonderliche Vorkommnisse. Es sind ein paar Leute im Steig. Ich habe Auslauf – juchhu! Kurzer Stopp, wie üblich bei der Schwarzen Madonna. Jemand stellt immer wieder eine Kerze her. Aha!

Ich habe neue Zustiegsschuhe gekauft und die sind wirklich ein Hammer. Sie sind von Salewa und halten am Fels, dass es eine Freude ist. So etwas hatte ich bislang noch nicht. Sehr fein!

Weiter zum Preinerwandkreuz und dann in den Holzknechtsteig. Mir kommt ein Mann entgegen. Ich frage, wie er zu der Genusstour kommt. Er wollte den Haidsteig gehen, hat sich aber kurz nach dem Auto den Nerv eingeklemmt und geht nun „aufrecht“ den Holzknechtsteig. Interessantes Vorgehen, um seinen Körper für Dysfunktion abzustrafen. Nein, sein Freund ist den Steig gegangen und sie wollen sich oben treffen. Okay, jedem Tierchen sein Plaisierchen! Wir plaudern und ich werde gegen seinen anfänglichen Widerstand eine meiner Schmerztabletten los. Die ist sicher schon gut abgelaufen.

Diesmal erwische ich den Wechsel zum Königschusswandsteig überraschend gut. Auch wenn ich ihn schon so oft gegangen bin, ist es fast jedes Mal anders. Im Steig überhole ich unter dem Felsfenster ein Paar. Viel Sauerstoff ist nicht mehr im Hirn. Ein freundliches Grüßen und ein bisserl „Geht’s gut?“ und „Schönen Tag noch“. Das war’s. Als ich dann oberhalb des engen Kamins zurückschaue, meine ich, dass mir meine Wahrnehmung einen Streich spielt. Das letzte Foto in der Galerie sollte das Phänomen erklären. Ich warte auf die Nachkletterin und erkenne, dass sie ganz anders als Ulli aussieht. Am Ausstieg bin ich wieder ein bisserl bei Sinnen und erkläre, dass ich für gewöhnlich nicht fremde Leute ohne Erlaubnis fotografiere und warum das Hier und Jetzt eine Ausnahme war. Die beiden sind verständnisvoll und freuen sich gar über das Foto. Sachen gibt’s!

Runter geht es dann den vollständigen Holzknechtsteig. Wieder kommen mir zwei junge Genießerinnen entgegen. Nein, so etwas haben sie nicht erwartet. Aber was soll’s? Kurz, ich kann niemanden den Holzknechtsteig im Aufstieg empfehlen, schon gar nicht, wenn die Sonne runterbrennt! Im Abstieg ist er eine Abkürzung, aber selbst da überaus entbehrlich.

Bergab sind die neuen Schuhe dann nicht so fein, weil sie eher für den Klettersteig gemacht sind und entsprechend eng anliegen. Da schieben die Zehen an der Oberseite schon heftig gegen den Schuh.

Recht fertig, aber zufrieden komme ich wieder beim Auto an. Alles gut, feiner Tag!

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Gebirgsvereinssteig

Heute ist der Gebirgsvereinssteig dran. Ich probiere die Steige lieber noch einmal aus, ehe ich Renate mitnehme. Beim Seiser Toni vergesse ich erst das Handy im Auto, dann schicke ich zwei Wanderinnen als vermeintlich Ortskundiger in die falsche Richtung. Kurz, es läuft noch nicht so recht.

Den Zustieg zum Steig finde ich aber schnell und auch der Steig ist keine sonderliche Überraschung. Alles wie hier schon mal notiert. Einzig der Fels ist ein bisserl abgeschliffener seit meinem letzten Besuch. Dieses Schicksal teilen wohl alle oft begangenen Steige. Es ist trocken und so bleibt das nur eine Notiz hier.

Kurzer Auslauf, alles tadellos!

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Haidsteig

Renate bringt mich mit Mio zum Parkplatz Griesleiten, von wo aus ich meinen Auslauf antrete. Selbst fährt sie mit Mio zur Rax-Seilbahn. Mio wundert sich, aber sagt wie gewöhnlich nichts. Der Plan ist, dass wir uns am Plateau treffen werden.

Zum Haidsteig gibt es nichts besonderes zu berichten. Es ist doch alles schon gesagt. Keine Leute, keine Vorkommnisse. Ich verweile kurz bei der Schwarzen Madonna, ehe ich in einer vernünftigen Zeit das Plateau erreiche. Dort bin ich dann so beschäftigt, bei all den Funklöchern Kontakt zu Renate aufzunehmen, dass ich fast auf dieses zischende Ding gestiegen wäre. Na, zum Glück habe ich das Handy gerade in der Hand. So gelingt mir die Aufnahme dieser schönen Kreuzotter.

Es dauert nicht lange, dann sehe ich schon meine beiden Lieben entgegenkommen. Für Mio muss die Welt voller Zufälle sein. Er freut sich jedenfalls. Wir spazieren zur Bergstation zurück. Renate beschließt fix, dass sie das nächste Mal mitgehen möchte. Na zack, schauen ma a mal!

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ÖTK-Steig, Blutspur, Matthias-Prinner-Steig

Dreierlei auf der Hohen Wand steht an. Ein neuer Steig erwartet mich gar. Schauen ma a mal!

Der ÖTK-Steig ist mir als nicht so wild in Erinnerung wie ich ihn meinen eigenen Beschreibungen entnehme. Aber ich verlasse mich mehr auf meine Aufzeichnungen als auf meine Erinnerungen. Das erscheint mir sinnvoll. Auch das Internet meint mittlerweile Schwierigkeit D/E. Am Einstieg habe ich entsprechend Respekt. Doch die Einstiegstelle und damit die Schlüsselstelle machen keine Not. Recht geschickt gelingt mir der kurze, „überhängende“ Abschnitt. Also, Abschnitt ist zu viel. Ein Felsen drängt ab. Aber älter und umsichtiger mache ich einen Schritt nach links und das war es auch schon mit der wilden Stelle. Der Rest geht auch gut. In einer Dreiviertelstunde bin ich oben. Die Sonne lacht.

Also, runter zum Einstieg der Blutspur. Vier Minuten soll sie nur dauern, habe ich meinen Aufzeichnungen entnommen. Das wird also auch bald vorbei sein. Und so ist es. Nach einer Viertelstunde bin ich wieder oben. Da waren Pause und der Abstieg wohl länger.

Runter geht es nun die Völlerin bergab zum „neuen“ Steig. Etwas unscheinbar im Wald versteckt entdecke ich den Einstieg des Matthias-Prinner-Steigs, da sich hier zwei Kletterer vorbereiten. Man lässt mich vor, obschon ich ein bisserl müde bin. Ist doch nett. Ein bisserl schräg geht’s los und schon hänge ich an der Stahlstrickleiter. Zwei „Action“-Elemente kündigt die Beschreibung an. Eigentlich mag ich diese künstliche Dramatik nicht. Wozu? Aber das habe ich schon mal hier diskutiert. So hangle ich mich auf diesem wackeligen Teil nach oben. Fast senkrecht geht es da. Ein Seil, um sich zu sichern, gibt es nicht. So muss, wer gesichert sein will, sich in die Sprossen einhängen. Geht ja. Nach der Leiter geht es ebenso steil weiter. Diesmal hat jemand freundlich jede Menge Stahl in den Fels getrieben. Ein Seil ist auch da. Und so steigt man doch recht künstlich den Fels hinauf. C/D finde ich ein bisserl tief gegriffen, hat man doch einigen Zug auf den Armen.

Nach ein bisserl Gehgelände die zweite Action. Drei Seile führen straff über den Abgrund gespannt leicht nach oben. Auf das unterste Seil gehören wohl die Füße und die beiden oberen Seile sind zum Anhalten und Sichern. Das untere Seil ist um einen halben Meter versetzt. Vor mir sehe ich jemand, der „quer“ steht. Das heißt, er hat so eine recht aufrechte Stützposition eingenommen und geigelt im Seitschritt nach oben. Uh, das sieht mühsam aus. Zumindest wirkt es kein bisschen entspannt. Was soll’s? Die Seile sind frei, und ich bin zu müde für den Mist. Wer den Seiltänzer in mir sehen will, wird ihn gleich sehen. Statt quer setze ich frontal meinen schlanken Fuß aufs Seil. Weil mir eine fünf Meter lange Stange für die Balance fehlt, halte ich mich halt an und marschiere mit starrem Blick los. Einen Sicherungskarabiner habe ich ins untere Seil eingehängt, den anderen ins obere. Das erschien mir sinnvoll. Immerhin habe ich zwei Gummibremser an einem Seil montiert gesehen. Die werden wohl für etwas gut sein. Vermutlich sollen sie die rasante Fahrt im Falle eines Sturzes abbremsen. Im Aufstieg muss man dafür bei ihnen angelangt umhängen, weil sie ja zu groß für die Karabiner sind. Das ist dann kurz ein bisserl spannend. Aber ich halte mich tapfer und erreiche die gegenüberliegende Seite sicher. Der Rest ist wieder einfaches Klettersteiggelände. Noch recht viel Erde und ein paar lockere Steine liegen herum. Der Steig ist ja noch jung.

Runter geht es dann Richtung Frauenluckensteig. Auch diesmal gelange ich in den Saufluchtgraben, erkenne meinen Fehler früh und verliere nur ganz wenig Höhenmeter. Die Frauenlucke hat zu meiner Überraschung, und das obwohl ich sie schon öfters gegangen bin, eine recht lange senkrechte Leiter. Und dann bin ich auch schon wieder beim Einstieg des Matthias-Prinner-Steigs. Noch ein paar Minuten und ich bin wieder im Auto.

Ein kurzer, aber feiner Spaß. Eine Blase an der rechten Hand ist aufgegangen. Es muss also doch mehr an den Steigen sein, als mir in Erinnerung bleiben wird. Fein war’s!

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Haidsteig und Königschusswandsteig

Heute bin ich alleine unterwegs. Keine Renate, kein Mio und auch sonst niemand. Einen Menschen treffe ich, ein paar sehe ich in der Ferne. So starte ich meine vertraute Route. Los geht’s beim Griesleitenhof auf der Forststraße, diese verlässt man in der ersten Kehre, steigt durch den Wald, quert die Forststraße zweimal, ehe man am Ende des dritten Abschnitts noch einmal auf diese Forststraße trifft. Ich kenne mittlerweile einige der Bäume, die da rumstehen, auch ein paar Steine sind mir über die Jahre vertraut geworden. Die Wurzeln an markanten Stellen habe ich mir eingeprägt. Für die Menschheit eher unnützes Wissen!

So geht es weiter bis zum Bachinger Bründl und weiter zum Einstieg des Haidsteigs. Irgendein Schweindl mit Schnupfen muss am Wochenende unterwegs gewesen sein, denn verdächtig viele benützte Taschentücher liegen verteilt. Auch die Bananenschale ist noch frisch und stammt wohl auch vom Wochenende. Taschentuch und Banane verrotten, aber es dauert halt. Man sieht, ich mache mir Gedanken.

Beim Einstieg freue ich mich, dass ich wieder in passablem Tempo unterwegs bin. Müdigkeit? Nein, ich merke nichts. Sehr gut. Also, hinauf und weiter bis zur ersten Rast, der Schwarzen Madonna. Auch wenn ich teile, gehört mir das Packerl Mannerschnitten ganz alleine. Damit mich Ulli auch sicher erkennt, verlinke ich das Ingress-Portal. Habe ich da ein: „Das ist jetzt aber nicht wahr!?“ gehört?

Unspektakulär geht es den zweiten, leichteren Teil aufs Plateau und zum Preinerwandkreuz. Von dort runter über den Holzknechtsteig, der mich wieder überrascht. Jedes Mal denke ich mir, dass mich hier nichts mehr überraschen kann. Der ändert wirklich sooft sein Gesicht, dass ich überlege eine Timelapse-Kamera hier aufzustellen. Entsprechend schwierig ist es, die Querung zum Einstieg des Königschusswandsteigs zu finden. Mittelprächtig gelingt das heute, war schon schlechter, war schon komfortabler.

Ich bin noch immer nicht müde. Also, rein ins Vergnügen. Der Königschusswandsteig ist schon um eine echte Stufe schwerer als der Haidsteig. Während ich am Haidsteig, das Stahlseil über weite Strecken nicht nutze bzw. nur zur Sicherung verwende, hänge ich hier recht heftig im Stahlseil. Im Felsfenster mache ich wieder ein Figur, die mir eine negative Wertung für die Eleganz der Ausführung bei den Juroren einbringen müsste. Ich nehme mir vor, beim nächsten Mal hier langsam und konzentriert zu klettern. Das muss mit kleinen Schritten und mit deutlich mehr Leichtigkeit gehen.

Vom Felsfenster ist es dann nicht mehr weit aufs Plateau. Weiter geht es runter über den Holzknechtsteig wieder zum Einstieg des Haidsteigs. Zumindest in der letzten Stunde hat er sich kaum verändert. Mühsam ist er meist, auch heute. Beim Bachinger Bründl noch eine kleine Rast und dann zum Auto. Oh ha, ich verspüre Lust zu laufen. Geht doch!

Garmin meint, dass ich mich heute übernommen habe. Aber so fühle ich mich gar nicht. 45 Minuten vom Parkplatz zum Einstieg, 43 Minuten für den Haidsteig und 30 Minuten für den Königschusswandsteig sind recht fein. War ja nicht einmal im Wettkampffieber. Egal, es geht bergauf und das ist gut so!

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Bergsteigen: Karreralmsteig

Schon in der Wandersaison ist hier an der Südseite der Rax kaum was los. Aber um diese Jahreszeit ist es noch einsamer. Bis zur Reißthalerhütte sind noch Spuren zu erkennen, aber dann war wohl in letzter Zeit hier kein Mensch unterwegs. Als Steigerung dann der Karreralmsteig. Ich bin recht sicher, dass ich der erste im Jahr 2023 bin. Das ist aber auch wurscht.

Ich steige nach einer Pause bei der Karreralm das erste Geröllfeld hinauf. Jö, ist das fein! So ein Geröllfeld, so gut wie nie begangen und dann nach dem Schnee.. Hmm, das ist fein, zumindest, wenn man sich gerne ein bisserl selbst quält. Das ist so fein, dass ich zu weit aufsteige. So quere ich wieder einmal durch die Latschen. Der Schnee trägt dankenswerterweise. Und da sieht auch der Mann mit der Rotsehschwäche und der deswegen vielleicht so roten Kopfbedeckung schon eine rote Markierung am Fels. Es wird gekraxelt. Weil hier nur ganz wenig los ist und ich mir bei einer der vorigen Begehungen schon mal eine kleine Felsplatte in der Hand hatte, rüttle ich vor jedem Anziehen. Ich kann das hier nur empfehlen.

Durchs Felsenfenster und dann zur IIIer-Stelle. Die ist wirklich nicht lange. Ich stehe in den steigenfesten Bergschuhen da und die Saison ist ganz frisch. Also, ein steigenfester Bergschuh ist irgendwie das Gegenteil eines Kletterschuhs, der Antikletterschuh sozusagen. So setze ich an zum ersten Schritt, zögere, und setze wieder zurück. Zögerlicher Einstieg! Das geht ein paar Mal so, dann stehe ich in dieser drei bis vier Meter hohen Felsplatte. Gut fühlt es sich heute nicht an. Aber die Sohlenspitze hält, der nächste Griff ist einem IIIer auch nie weit und so schaffe ich es nach oben. Geht doch! Yes!

Für die erste Märzhälfte ist ganz, ganz wenig Schnee da. So mache ich mir Sorgen um die Wasserversorgung der Wiener im Sommer. Aber ich sollte mir eher Sorgen um meine Kondition machen. Steigeisen brauche ich diesmal nicht, das ist fein. Der Schnee ist einigermaßen weich und das sollte er auch im Schatten sein. Hier sind übrigens die schweren Schuhe den Kletterschuhen haushoch überlegen.

Also, rein mit den Schuhspitzen in den Frühjahrsschnee und schön den Pickel versenken. So geht es die enge Rinne rauf. Nun weitet sich das Schneefeld. Das ist bei dem Schneemangel vielleicht noch ein Grad steiler als die letzten Male. Zuerst versuche ich nach links auszuweichen, wo das Gras rausschaut. Aber dort wirke ich wie ein verlorener Steilhanggärtner, der mit seinem Pickel den Boden auflockern will. Selbst für ambitionierte Bergbauern ist es hier ein paar Grad zu steil. Da taugen weder Kletter- noch Bergschuhe. Also, zurück ins Schneefeld. Wie schnell man einen anständigen Puls erreichen kann! Der Ort taugt nicht für eine entspannende Pause. So beiße ich die Zähne zusammen und quäle mich ans obere Ende.

Ab hier geht es wieder auf Geröll nach oben, das grundsätzlich einen aufrechten Gang zulässt. Wäre ich nur nicht schon so fertig. Aber langsam geht alles, sieht mich ja keiner. Einmal stellt sich noch an unerwarteter Stelle jede Menge Triebschnee entgegen. Das ist bei aperen Verhältnissen eine leichte Kraxelei. Mit diesem tückischen Triebschnee als Auflage grabe ich da lange herum. Was bin ich über den Pickel froh!

Nochmals taumeln und schnaufen, und das Heldendenkmal ist erreicht. Der Schnee ist hier heroben weggeblasen. Eine ungewöhnlich große Gamsherde grast hier. Der Chef starrt mich an, ich weiche ihm aus. Er muss ja brillieren, nicht ich.

Das Karl-Ludwig-Haus erobere ich noch auf Ingress, ehe ich über den Karlgraben absteige. Oben taugen die Grödel, aber im Graben sind sie eine Gefahr. Sie stollen dermaßen an, dass ich sie nach ein paar Metern abnehme.

Das Waxriegelhaus ist menschenleer. Der schlurfende Kellner aus Nepal freut sich über mein Namaste. Nach zwei Gängen betritt zu meinem Kuchen und Kaffee ein Tourengeher die Hütte, sieht die leeren Tische und … setzt sich zu mir. Interessantes Sozialverhalten! Mir soll’s recht sein. Er glänzt, dass er schon seit 55 Jahren auf der Rax herumklettert. Okay, da fehlt mir noch ein Jahrzehnt. Kurz, überkommt mich eine Lebenskrise, da das Ergebnis meines Schaffens nun ein Platz am Tisch der peinlichen Legenden ist. Was soll’s! So erfahre ich, dass die Schneelage vor 30 Jahren oft eine Abfahrt des Langermanngrabens bis zur Forststraße zuließ. Irgendwann wurde ein Drahtseil angebracht, das die leichte Kletterei in den immer schneeärmeren Wintern sichern soll. Ob das Seil noch da ist? Keine Ahnung. Fix hingegen ist, dass Winter mit einer Abfahrt über den Abbruch aufgrund der unübersehbaren Klimaerwärmung nur noch sehr selten werden. Wer den Jungen dann sagt, dass man da runterfahren kann? Ich werde es nicht sein und steige zum Preiner Gscheid ab. Auf den letzten Metern setzt Regen ein. Ein besonderer Tag war es trotzdem hier.

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Bergsteigen: Haidsteig

Am 8. November war ich das letzte Mal hier. Das ist ja eine Ewigkeit. Über ein Monat ist mein letzter Lauf her. Damit hat sich meine Hüfte beruhigt. Also, sie nervt noch immer, aber man kann ja nicht sein Leben lang warten, bis sich etwas von selbst bessert. Kaputt kann ich auch nichts machen, also werde ich mich durchlächeln. Erwähnenswert ist auch, dass ich an einem Samstag unterwegs bin. Der Wetterbericht ist halt extra fein. Dies im Gegensatz zur nächsten Woche. Also, raus aus dem Haus!

Am Parkplatz um 9 Uhr stehen, wie von Gernot präzise prophezeit, keine fünf Autos – gutes Zeichen. Ein älterer Herr startet mit Schneeschuhen und Helm am Rucksack. Mein Rucksack ist mit Grödeln, Steigeisen, Stöcken, etc. gut gefüllt. Schauen ma a mal!

Am Einstieg hole ich meinen Vorgänger ein. Elegant steige ich vorbei und meine, dass dies nun mein Steig ist. Es liegt ein bisserl Schnee, der verdammt gut hält und ein bisserl Eis, das verdammt rutschig ist. Aber 98% sind trocken und so gibt es eigentlich nur feine Bedingungen. Unterhalb der Einmündung des Alten Haidsteigs sehe ich noch einen Kraxler ein Stück ober mir. Schön bunt und gut abgestützt auf allen Vieren. Ui, ist dort, wo das Seil fehlt, Bedarf für Grödel? Ich schließe auf und überhole. Den Mann treffe ich beim Abstieg nochmals. Da erklärt er mir, dass er Touren immer von einer Website runterlädt und dann nachgeht. Er ist derart schon einige Klettersteige gegangen. Welche? Na, daran kann er sich nicht erinnern. Aber er ist top ausgerüstet. Wochenende? Egal, passt schon.

Bei der Madonna raste ich ein bisserl. Long time no see, liebe Ulli!

Am Vortag habe ich noch einen meiner Berichte gelesen und mich erinnert, dass mich die Steigeisen bei meiner letzten Winterbegehung eher genervt haben. So bin ich nun oberhalb der Madonna auch auf allen Vieren. Der Schnee hält, der Fels soundso, aber das Eis nicht. Und das verrät sich manchmal nur als glasklarer Überzug. Vorsicht, keine Eile, hab eh keine Kondi.

Am Plateau meldet sich der Wind. 2h15 habe ich vom Parkplatz herauf gebraucht. Das ist fast eine Stunde mehr als vor zwei oder drei Jahren. Fast doppelt so lange – upps! Ein Teil der Verzögerung lässt sich den Bedingungen zuschreiben. Fix ist, dass ich wieder fit werden will. So geht das jedenfalls nicht weiter.

Die Neue Seehütte ist zu meiner Verwunderung geöffnet. Irgendwie sieht das jetzt wieder professioneller aus. Aber mir ist noch der deutsche und eher bergahnungslose Pächter in Erinnerung, der bei unserem ersten Besuch, Kaffee und Würschtel mit Solarenergie zubereitet hat. Das war ja eher nix. So lasse ich die Hütte links liegen und wähle den Göbl-Kühn-Steig. Der Schnee trägt überraschenderweise gut und so ist das durchaus zu verantworten.

Im Langermanngraben kommen mir Tourenfahrer entgegen – von unten mit den Skiern am Rücken. Sie erklären, dass sie absichtlich bis zum Abbruch abgefahren sin. Aber die Übellaune lässt vermuten, dass das nicht ganz so geplant war. Acht Schwünge, zwanzig Minuten schwitzen. Da wird ein Sessellift plötzlich attraktiv.

Das Waxriegelhaus ist rappelvoll. Martin, der Wirt, setzt mir drei Studenten aus Mannheim an den Tisch. Kein Rucksack, Turnschuhe ohne jedes Profil. Na ja, sie haben eigentlich gar nicht damit gerechnet, dass Schnee liegt. Sie wollten über den Altenbergersteig auf die Heukuppe, aber der Schranken war zu. Und so sind sie aufs Preiner Gscheid. Wie denn die Seehütte so ist? Kulinarisch nicht lohnenswert und mit dem Schuhwerk kaum erreichbar. Ah ja. Ich empfehle den Entenhügel, 100 Meter hinter der Hütte. Der Anstieg ist steil, aber ein Ausrutschen ist im Wald unwahrscheinlich und wenn, nicht so wild. Die Füße sind in den Schuhen sicherlich auch schnell nass. Wenn das alles erträglich ist, können sie ja weiter auf den Waxriegelgrat gehen. Der bringt einen Ausblick. Ob sie derart zum Karl-Ludwig-Haus gelangen? Mit den Schuhen wahrscheinlich nicht und nun ja, das hat geschlossen.

Wenn jemand sagt, dass ich ein Bergfex bin, winke ich stets ab. Jemand, der in Salzburg oder Tirol lebt, und Zeit seines Lebens jede Woche Touren geht, der hat viel Erfahrung. Nicht ich. Aber an Tagen wie heute, oder eben Samstagen, bin ich fast überzeugt, dass ich doch viel Erfahrung habe. Anderseits beneide ich die jungen Leute. Ich erkläre ihnen, dass mit den Schuhen das Absturzrisiko wohl bei zehn Prozent liegt und dass es auf einem steilen Harschdeckel oder Altschnee sehr, sehr wahrscheinlich kein Halten ohne Pickel gibt. Aber ich sage ihnen auch, dass das für sie bedeutet, dass sie es mit 90%iger Wahrscheinlichkeit schaffen würden. Und diese Sicht auf die Dinge lassen einem mit 20 Jahren Risiken eingehen, die Erinnerungen fürs Leben bringen. So wünsche ich ihnen das Allerbeste, viel Spaß in den Bergen und ermahne sie, sich von den Alten nicht einschüchtern zu lassen.

Am Weg nach Griesleiten überlege ich mir dann, welchen Preis mir die Hüfte in Rechnung stellen wird. Aber der ist auch am Sonntag noch erstaunlich tief. Ich muss wieder öfters in die Berge. Das ist meine Erkenntnis der Tour.

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Haidsteig-Königschusswandsteig

Raus aus dem Nebel! Gernot hüstelt, Mio besucht die Staatsmeisterin im Schach und ich führe meine neue Berghose aus. Ab Neunkirchen lacht die Sonne. Was für ein Wahnsinn! Seit mehreren Tagen liegen Wien und auch Breitenfurt unter einer Nebeldecke. Da ist so ein „Vitamin D“-Ausflug immer eine Freude.

Am Vortag habe ich ein eher seltenes, anaerobes Training absolviert. Die Beine schlafen noch, wird schon werden. Auch bin ich spät dran. Niemand wollte so recht aufstehen, nicht einmal Mio. Der Zustieg dauert maximal eine Dreiviertelstunde. Diese Dreiviertelstunde erinnert mich so sehr an die Zeit in meiner Kindheit, die ich in Breitenstein am Semmering verbracht habe. Die Nadelbäume, die Blumen.. all das erinnert an die unbeschwerte Zeit, als ich am Semmering durch die Wälder gezogen bin. An einer Stelle hat sich die Sonne so intensiv hingelegt, dass ich die abgefallenen Nadeln riechen kann. Der Geruch hat sich seit Kindheitstagen in mein Gedächtnis eingebrannt. Was für ein Tag!

Vor dem Einstieg hole ich noch fünf Tschechen oder Slowaken ein. Weit unten im Steig sehe ich drei Männer, ein Einzelgänger macht sich bereit. Mann oh, das passt mir nicht. Beim ersten Steigbaum dann noch ein älteres Paar, das beschlossen hat, solange zu warten, bis niemand mehr von oben Steine abwerfen kann. Also, vorbei am Einzelgänger, am älteren Paar und in der ersten Querung noch an den drei Männern. Das Handy und die depperten Fotos müssen bei den drei lauten Herren im besten Alter herhalten, warum da heute nichts weitergeht. Ich kraxle schnell weiter, will ja niemanden unter mir durch ein Hoppala eines losgetreten Steins gefährden. Das bringt meinen Puls gar hoch. Das war eigentlich nicht der Plan nach dem gestrigen Training.

Bei der Madonna sitzt auch ein Paar. Da ist heute etwas los, das nächste Mal wieder früher. Wir plaudern, besprechen den Königschusswandsteig und wundern uns, dass ich mir heute gar nicht frei nehmen musste. Die beiden sind in Dreiviertelhose und T-Shirt. Aber meine neue Mammut Courmayeur Hose ist eine echte Empfehlung. Sie ist zwar schwarz und lange, aber ich komme trotzdem nicht darin vor Hitze um. Die ist echt eine Empfehlung. So eine gelungene Berghose hatte ich noch nie!

Schon höre ich die drei aufgeregt lauten Nachsteiger im Großen Kessel unter der Madonna. Also weiter! Am Plateau merke ich, dass ich richtig müde bin. Das Preinerwandkreuz ist aber Pflicht. Der Abstieg zum Königschusswandsteig ist dann schon ein bisserl taumelig. Ich stärke mich beim Einstieg. Die Sonne brennt runter, sodass man eher auf April tippen würde. Edel!

Dann geht es langsam in den Steig. Irgendetwas hat es, die Arme sind ganz schwach. Da bedarf es einiges an Erfahrung, dass ich im Steig möglichst viel mit den Beinen und möglichst wenig mit den Armen mache. Das geht meist gut, und manchmal muss ich dann doch kräftig ziehen. Erschöpfung meldet sich. Aber ich bin vorbereitet und steige gemächlich weiter. Das Fenster im oberen Viertel ist zum Glück wieder trocken. Ich schieße Fotos, ehe ich aufs Plateau steige.

Jetzt noch den Holzknechtsteig runter. Dieser Steig ist eigentlich wirklich übel, aber er fasziniert mich auch. Der ändert sich fast von Mal zu Mal. Also, Regen und Geröll verändern den Verlauf. Das lässt mich jedes Mal staunen. Nun hat sich gar jemand die Mühe gemacht, gelbe Punkte auf scheinbar fixen Felsen anzubringen. Auch Eisenstangen sind eingeschlagen. Schauen ma a mal, wie lange die den Weg zeigen werden.

Im Wald ist heute nicht an Laufen zu denken. Die Beine erinnern eher an Pinocchio. Aber auch gemächlich erreicht man sein Ziel. Beim Spar in Reichenau gibt es noch die traditionelle Käseleberkäsesemmel mit allem. Kurz habe ich wegen der Diätologin überlegt, mich aber dann doch für das fette Gift entschieden. Belohnt wurde ich mit der Überraschung, dass die Leberkäsesemmel mit 1,30 Euro in Aktion ist. Angesichts der aktuellen Inflation hätte ich auch 3,70 akzeptiert. Egal, so schmeckt sie noch besser. Der Kaffee dazu ist allerdings nur etwas für Gourmets, wie ich einer bin.

Ab Gloggnitz hat mich der Nebel wieder. Es dämmert schlagartig, oder vielleicht wurde es hier den ganzen Tag gar nicht so richtig hell.

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Klettersteig: Haidsteig – Königschusswandsteig

Gernot übergibt eine Wohnung. Da könnte ich doch… Richtig, meine zwei Steige gehen. Als gäbe es sonst nix in der Gegend. Mio ist bei Rambo und Josefine. Um halbneun geht’s in der Griesleiten los. Jedes Mal frage ich mich, wann der Eigentümer eine Gebühr fürs Parken verlangen wird. Er muss die Menschen mögen. Der Parkplatz ist saniert und gebührenfrei. Sehr fein ist das!

Knapp vor dem Einstieg überhole ich zwei Haidsteig-Geher. Beim Einstieg selbst machen sich drei Kletterer bereit. Im Steig ist aber niemand zu sehen. Also, mit Schwung und ohne Sicherung an den Leuten vorbei. Die wundern sich vielleicht, warum ich denn den Helm am Rucksack trage. Ich hole nur ein bisserl Vorsprung heraus, sodass ich mich nach dem ersten gesicherten Abschnitt und dem ungesicherten Teil in Ruhe andirndeln kann.

Die Bedingungen sind traumhaft. Der Wind aus Süd ist stark und bläst die Wand hinauf. Vom letzten Mal habe ich noch ein bisserl Sorge. Da war es nass und ich habe in beiden Steigen etwas gekämpft. Unter dem zweiten Steigbaum ist es dann auch in der Querung nass. Sagt doch da eine Stimme in mir, dass ich den Königschusswandsteig halt sein lassen soll. Oh ha, wer war denn das?

Im großen Kessel pfeift es anständig. Das hat einen Vorteil, die Wand ist hier staubtrocken. Auch die „Schlüsselstelle“ unter der Madonna ist trocken. Gut so, da kommt der zweite Steig also auch noch dran.

Die „Verfolger“ sind weit hinter mir. So bleibt mir Zeit bei der Madonna und das ist gut so. Hier ist übrigens ein Ingress-Portal. Was das ist? Nicht so wichtig. Jedenfalls war es für fast zwei Jahre in meinem Besitz. Dann ist ein Blauer raufgeklettert und hat es erobert. Der kurtlbuaa von den Grünen hat es aber rasch wieder für uns zurückgeholt. Ob das wichtig ist? Sicher nicht, aber gemacht gehört es trotzdem 😉

Die letzten Meter aufs Plateau pfeift es dann so richtig. Trotzdem muss das Preinerwandkreuz mitgenommen werden. Meine Aufstiegszeit ist recht passabel, ohne dass ich mich gehetzt oder darauf geachtet hätte. Geht langsam wieder schneller.

Der Holzknechsteig fasziniert mich bei jeder Begehung. Der ändert ständig sein Gesicht. Ich weiß mittlerweile, wo die Markierungen sind. Aber der Regen wäscht den Steig von einem aufs andere Mal weg und legt ihn neu an, dass ich aus dem Staunen nicht rauskomme. Diesmal verpasse ich gar die Querung zum Königsschusswandsteig und muss nochmals ein ordentliches Stück aufsteigen. Der Regen hat nämlich eine ein paar Meter tiefe neue Rinne hervorgebracht. Ob von dem Berg in zwanzig oder zweitausend Jahren noch etwas über ist? Man weiß es nicht.

Aus zwei anderen Richtung quälen sich weitere Kraxler Richtung Königschusswandsteig. Daher gleicher Schmäh wie schon am Haidsteig. Da ich den Klettergurt angelassen habe, kann ich ein bisserl eher starten und habe auch diesen Steig für mich alleine. Ich bin erfreulich fit. Auch meine Sorge um die nasse „Höhle“ war unberechtigt. Das letzte Mal war das Stahlseil nass und ich habe echt Nöte gehabt. Aber diesmal ist der Föhn voll aufgedreht. So gut waren die Bedingungen schon lange nicht. Vielleicht tut dem Königschusswandsteig seine unfreundliche Art vom letzten Mal leid, und er will es wieder gut machen. Man weiß es nicht.

Der zweite Steig ist damit auch recht zügig erledigt. Da ich keinen Hunger habe, wackle ich Richtung Holzknechsteig, um abzusteigen. Der wird immer komischer. Jetzt ist das feine Geröll zum Abfahren verschwunden. Vielleicht komme ich mal bei sintflutartigen Regenfällen her. Ich wüsste zu gerne, ob das Material langsam oder mit großem Getöse den Berg runterkommt.

Beim Einstieg des Haidsteigs treffe ich wieder Leute zum Plaudern. Im Steig sieht man die bunt gekleideten Bergsportler am Stahlseil aufgefädelt. Sie sind da oben ganz konzentriert und in ihren Gedanken in ihrer eigenen Welt. Da vergessen sie ganz, dass man ihre Unterhaltung bis nach unten hört. „Und jetzt den linken Fuß da rüber! Na ned den, den anderen!“. Schmunzel und okay, ich bin dahin.

Beim Spar gibt es noch das traditionelle Käsleberkäsekurkumaweckerl mit allem. Woher die Sehnsucht kommt, mich nach so einer gesunden Aktivität gleich wieder ein bisserl vergiften zu wollen? Man weiß es nicht. Aber diese Ketchup-Mayonnaise-Senf-Mischung quetscht es so schön raus, wenn man reinbeißt! Ein Genuss ist das fürwahr fast so wie die Anstrengung davor, aber nur fast.

Klettersteig: Königschusswandsteig – Haidsteig

Um 3:45 läutet der Wecker, aber zum Glück nicht für die Rax. Jasmin startet ihr Auslandssemester in Kanada. Direkt vom Flughafen auf die Rax? Nein, lieber nochmals nach Hause ins Bett. Ich wache um 10 Uhr auf und starte zu Mittag.

Der Parkplatz ist voll, im Haidsteig hängt eine Perlenkette. Das habe ich schon fast erwartet und steige weiter zum Königschusswandsteig. Was der Regen so anrichten kann! Der Zustieg ist immer zäh und heute kein bisserl lustiger. Der Steig lässt mich spüren, dass ich in den letzten Monaten wenig trainiert habe, aber es geht. Es geht einigermaßen gut bis zum Felsfenster. Mah, da ist alles nass. Selbst das Drahtseil ist nass. Die Sohlen halten nicht und ich rutsche am Stahlseil. Echt jetzt? Also, Pause und ein erneuter Versuch. Upps, das ist mir jetzt auch noch nie passiert. Mit schlechter Haltungsnote und hohem Puls schaffe ich es dann durch. Na, glorreich war das nicht. Ich taumle noch zum Preinerwandkreuz und lasse mich dann in den Haidsteig fallen.

Bei der Madonna sehe ich schon von oben eine Menschenansammlung. Um diese Uhrzeit verwundert mich das, aber die Stimmung scheint ausgelassen. Den Platz habe ich gut ausgesucht. Da ist immer ein bisserl etwas los. Diesmal sind die Besucher aus Ungarn. Sie sind zu acht – zwei Experts und zwei Beginners. Sechs Kletterer sitzen bei der Madonna und feiern ausgelassen den unteren Teil des Haidsteigs. Wo ich denn absteigen werde? Komische Frage, als gäbe es mehr als eine Option. Die junge Expertin ist verwundert ob meiner Antwort. Ob ich denn wisse, was ich da tue und ob ich schon einmal hier war. Na ja, das erste Mal vor ungefähr 44 Jahren. Trotzdem warnt sie mich, dass es im Großen Kessel rutschig ist. Na fein!

Ich bleibe bei dem Rummel hier nur kurz und schon nach wenigen Metern sehe ich die zwei weiteren Kletterer. Der Expert hat einen großen Rucksack und weitere 25 Kilogramm Zusatzgewicht eng am Körper verstaut. Die Beginnerin hängt im Steig und ist verzweifelt. Sie kämpft tapfer, aber die Haltung lässt nichts Gutes vermuten. Ich warte und versuche aufzumuntern. Zwanzig Meter sind die beiden entfernt von mir. Es tut sich wenig abgesehen von der Konversation in einer Sprache, in der ich kaum etwas verstehe. Die Minuten vergehen, keine Bewegung. Dann doch und die letzten zwei Meter der „schwierigen“ Stelle sind geschafft. Als die junge Dame dann bei mir ist, erzählt sie, dass das ihr erster Steig ist und sie sonst eher Yoga macht. Mit meiner Frage, ob Yoga ihr im Steig geholfen hat, kann sie wenig anfangen. Ich frage den Experten, wie sie denn absteigen werden. Sie gehen „The red one“. Na dann, dann ist alles klar. Kurz denke ich an die Bergretter, die dann auf der Red One suchen dürfen. Denn die Achtergruppe hat noch ein Stück vor sich. Aber es wird gut gehen, wie eigentlich fast immer.

Und schon hänge ich in der Schlüsselstelle. Die kann es heute aber wirklich. Die Sohlen sind wertlos, als läge da Schnee im Fels. Ich zweifle kurz, wie das dann direkt vor dem Großen Kessel wird. Aber es kommt dann doch anders. Ich steige also den rutschigen Kamin ab. Ja, Spaß ist das heute keiner. Schon sehe ich den Abschnitt, vor dem ich bei Nässe eigentlich mehr Respekt hätte. Die Nachmittagssonne hat ganze Arbeit geleistet, es ist staubtrocken. Und manchmal hat man auch Glück. Uff!

Noch einmal treffe ich ein junges Paar aus Tschechien. Ob es denn noch einen anderen Weg runter gibt. Also, das nenne ich eine Vorbereitung der Tour. Haben sich die denn irgendetwas angeschaut? Zumindest sind sie mit brauchbarer Geschwindigkeit unterwegs.

Unter dem Bachinger Bründl treffe ich sogar noch ein junges Paar, das den Haidsteig gehen will. Gut, die sehen fit aus. Es ist halt schon 16:45. Mir soll’s recht sein.

Völlig geschafft setze ich mich ins Auto. Am Rückweg bringe ich noch etwas ins Möbelhaus zurück und gable danach zwei Autostopperinnen in der Nähe des Brunner Astes auf. Sie wollen nach Linz. Also, das halte ich für hoffnungslos. Vielleicht kann ich sie an eine chancenreichere Stelle bringen. Sie packen ihre Rucksäcke ins Auto. Da hängen ja Kletterhelme dran. Ja, Klettersteige sind ihre Leidenschaft. Sie sind am Weg nach Mondsee und wollen die Drachenwand und den Intersport Klettersteig gehen. Ah ja, super! Wo sie denn übernachten werden? Ach, sie haben gelesen, dass man am Mondsee auf einer Wiese schlafen kann. Dann wacht man schon mit Blick auf die Drachenwand auf. Ich staune und setze die beiden 21-jährigen Studentinnen in ihren kurzen Hosen bei Dämmerung letztlich in der Westausfahrt ab. Ob das schlau war? Ich hoffe so. Wie weit bin ich nur von diesem Alter weg. Fast ein bisserl beängstigend. Egal, mögen sie schöne Tage in den Bergen haben!

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