Bergsteigen: Haidsteig – Predigtstuhl – KaLu

Für eine Skitour ist in der Nähe zu wenig Schnee, aber für eine Bergtour warten ideale Bedingungen auf mich. Ich starte in der Griesleiten. Der Parkplatz ist nur wenig vom Schnee geräumt. Mit einem Ansturm ist also nicht zu rechnen. Außer mir parkt niemand und auch am Nachmittag wird nur die Q warten.

Mittlerweile mag ich den Haidsteig in der Nebensaison. Kein Mensch weit und breit. Im Sommer wartet man da eine Ewigkeit am Einstieg, Hektiker drängeln, Anfänger bremsen. An einem Montag im März ist hier genau gar nichts los. Heute bin ich langsam, sehr langsam. Liegt es noch immer am Omikron? Mag sein, wird werden. Ich lasse mir Zeit. Über eine Stunde brauche ich bis zum Einstieg. Zehn Minuten länger und ich wäre in meiner besten Zeit schon wieder beim Ausstieg. Macht nichts, ist halt so.

Bei der Madonna raste ich und genieße die Ruhe. Der Steig ist absolut schneefrei, der Himmel uneingeschränkt blau. Entsprechend entspannt erreiche ich dann den Ausstieg – nach über zwei Stunden.

Ich besuche das Preinerwandkreuz und wandere gemütlich zum Trinksteinsattel. Die Schneedecke hat einen festen Harschdeckel, trägt gut und firnt allmählich auf. So kann ich direkt aufsteigen und erspare mir das Queren von Schneefeldern. Die Grödel können im Rucksack bleiben. Viele Gämsen schauen mir zu und wundern sich über den einsamen Wanderer, der da zum Predigtstuhl aufsteigt.

Nach dem Predigtstuhl treffe ich die ersten beiden Menschen, es sind Skitourengeher. Aber Schnee ist auf dieser Seite gar keiner. Sie wollen die Nazrinne abfahren. Oh ha, die kenne ich gar nicht. Ob sie sich über die Wechte am Predigtstuhl direkt in den Siebenbrunnkessel stürzen werden? Ihr ernster Gesichtsausdruck lässt das vermuten. Keine zweihundert Meter treffe ich den nächsten Tourengeher. Der sieht gesprächiger aus. Sein Ziel ist die Nazrinne. Aber hallo, ist da heute ein Skirennen? Der gute Mann kennt sich aus und klärt mich auf. Am Ende des Bismarcksteigs geht es durch die Latschen runter. Ist also eher das Nazfeld als die Nazrinne, wieder was gelernt.

Am Karl-Ludwig-Haus freut sich der junge Mann über den einsamen Besuch. Bald kenne ich einen Teil seiner Lebensgeschichte und seine Pläne. Seit die Hütte neue Pächter hat, kann man hier echt wieder herkommen. Freundliche Wirtsleute und gutes Essen warten.

Ich steige über den Karlgraben ab, gönne mir Kuchen und Kaffee am Waxriegelhaus, ehe ich mich wundere, wieviel Schnee da im Wald Richtung Griesleiten ist. Dort wartet schon einsam die Q, aber das habe ich schon erwähnt.

Feiner Tag bei besten Bedingungen!

Tourdaten auf Garmin

Bergsteigen: Preiner Gscheid – Karreralmsteig

Der Winter 2021/22 hat bislang wenig Schnee gebracht. Also, definitiv zu wenig, um in der näheren Umgebung eine Skitour zu gehen. Für den Mittwoch ist nochmals Kaiserwetter angesagt, ab Donnerstag soll vielleicht Schnee kommen. Der Karreralmsteig im „Winter“ könnte ein Erlebnis sein. Diesmal bin ich ganz zuversichtlich, alle Herausforderungen locker zu meistern.

Am Preiner Gscheid parkt ein Auto, und schon nach hundert Metern ist der Waldweg unverspurt. Oh, da ist schon länger niemand gegangen. Vor der Reißtalerhütte treffe ich dann doch auf eine Spur und folge ihr. Dabei mache ich meine Überlegungen, wie fit mein Vorgänger sein muss. Und so folge ich der Spur, während die Navigation der Uhr links sagt. Das besorgt mich nicht, führen doch mehrere Wege zur Karreralm.

Dann steht auch schon mein Vorgänger vor mir. Es ist ein älterer und wahrlich fitter Wanderer, der aber nicht ganz hinauf will. So habe ich nun für kurze Zeit zwei Spuren vor mir, ehe diese enden und ich spuren darf. Die Grödel sind bei dem Schnee unbrauchbar. Ganz schnell stollen Klumpen an den Sohlen an. Mühsam ist das! Die Karte meint nun, dass ich am Weg zum (Kleinen) Fuchsloch bin. Oh, da war ich schon mal! Das wollte ich aber gar nicht. Oder sollte ich gleich den Fuchslochsteig gehen? Hier am entlegenen Teil der Rax halte ich lieber an meinem Plan fest. Auch die Internetverbindung fehlt, um mich schlau zu machen.

Weil ich diesmal nicht wieder absteigen will, folge ich Gamspfaden. Die namensgebenden Tiere schauen mir verwundert zu. Wie ungeschickt der über das Geröll stolpert, in den Schneefeldern geht es einigermaßen. Aber vom Gehen auf zwei Beinen kann ich die Gämsen nicht überzeugen. Mein Gefühl und meine Karte sagen, dass es nicht mehr weit zum Einstieg sein kann. So überwinde ich einige Latschenfelder. Das geht am besten mit einem leichten Höhenverlust, weil die Latschen eben bergab gerichtet sind. Zurück kann ich da aber dann nicht. Hmm?

Plötzlich stehe ich punktgenau am Einstieg des Karreralmsteigs. Das muss einem mal gelingen! Meist ist es ein etwas nerviges Suchen, aber diesmal en point!

Die Sonne lacht, der Fels ist trocken. Los geht’s! Der Steig ist wirklich selten begangen. Einmal stellen sich gar Latschen in die steile Rinne, die hinaufgeklettert wird. Also, so eine exakte Routenführung gibt es eigentlich gar nicht. Alle zwanzig, dreißig Meter mal ein verblasster, roter Strich und das war’s dann auch.

Das markante Felsfenster sollte man schon finden. Bis dahin ist es leichtes, feines Kraxeln bis maximal Schwierigkeit II. Dann kommt die IIIer-Platte. Kurzes Überlegen und Zögern, aber dann steige ich los. Es sind gerademal drei Schritte, ehe man sich an der Oberkante der Platte schon wieder gut anhalten kann. Man kann die Platte leicht links umgehen. Aber dieses Mal lasse ich mir den Triumph nicht nehmen. Geschafft, hurra!

Durch den Umweg und den Schnee im Zustieg habe ich ein bisserl Müdigkeit aufgerissen. Ganz fit bin ich auch nicht. So gönne ich mir eine Pause unter den hier senkrechten Raxenmäuern. Frühlingshaftes Wetter – nicht schlecht. Während ich mir Tee und Schnitten zuführe, inspiziere ich die Querung und mutmaße über die Bedingungen in der Rinne. Die IVer-Stelle lasse ich, wie in der Literatur empfohlen, aus. Die Umgehung führt durch eine steile Geröllrinne und infolge über steile Grasschrofen. Da liegt überall Schnee, der hier in der Sonne schön weich ist. Ich habe aber keine Lust, im Schatten im Steilen auf gefrorenen Altschnee zu stoßen. So lege ich schon hier, an diesem komfortablen Rastplatz, die Steigeisen an. Wenn ich sie schon mitschleppe,…

Damit sollte ich auch rechtbehalten, denn wie vermutet, ist es in der schattigen Rinne hart. Das Schneefeld in der Querung ist von der Sonne aufgeweicht, sodass die schweren Bergschuhe anfangs noch ausreichend Halt finden, aber hier?

Zuerst dringen noch die Schuhspitzen tief genug in den Schnee ein, aber irgendwann bin ich über die Steigeisen froh. Das ist hier nur ein steiles Schneefeld und kein 70° steiles Eis in einer der bekannten Nordwände. Und trotzdem fangen mir die Wadeln an zu brennen. Ich kann rasten, indem ich die Schuhe quer in den Schnee stelle und mich auf den Pickel stütze. So entwickle ich eine Vorstellung, wie das sein muss, wenn du in so einer Nordwand stehst und dich über Stunden nicht entspannen kannst.

Mah, ist das anstrengend da rauf. Das ist es auch ohne Schnee, aber heute! Na, ich bin zumindest froh, dass es nach dem steilen Abschnitt fast schneefrei ist. Wenn dieser Teil zu spuren wäre! Ich zähle schon so die Schritte, was ein Zeichen von extremer Müdigkeit bei mir ist. Fünfzig Schritte mindestens – davor gibt es keine Pause!

Irgendwann taumle ich zum Heldendenkmal und treffe auf Wanderer. Ich ziehe mich wärmer an und steige zum Karl-Ludwig-Haus ab. Der vorherige Pächter, ein Grantscherben, der jedem, der nicht seiner Meinung war, gewünscht hat, dass in der Blitz beim Scheißen treffen soll, ist zum Glück weg. Ein Niederländer und eine Deutsche betreiben die Hütte nun unaufgeregt professionell. Vor allem sind sie auch im Winter da. Ich hätte ihnen mehr Schnee und damit Tourengeher gewünscht. So will ich eine anständige Zeche machen. Aber da bezweifelt die Wirtin, dass ich Kaspressknödelsuppe und Gulasch schaffe. Dann einen Kaiserschmarren? Auch zu viel, ihrer Einschätzung nach. Schauen wir einmal! Auch recht, ist mir schon lange nicht passiert.

Nach Kaspressknödelsuppe, Kaiserschmarren, Kaffee und jeder Menge Ingwersaft steige ich ab. Der Karlgraben ist gut eingeweht und so kann ich gelenksschonend in den Siebenbrunnenkessel absteigen. Auf der Piste zum Auto ist es dann aper. Der Wind hat in der letzten Stunde stetig zu genommen, vielleicht bringt er den notwendigen und angekündigten Schnee.

Ein toller Tag war’s. Heute am Tag der Niederschrift merke ich, wie anstrengend das war. Das rechte Bein mag gar nicht recht belastet werden. Ich habe sicherlich wieder schaurige Blutwerte! Aber ich kann mich ja ausruhen, das wird wieder. Es dauert halt viel länger als vor dreißig Jahren. Ist halt so!

Tour bis zum KaLu-Haus auf garmin.com

45. Skitour: Rettenegg – Stuhleck

Freitag, reichlich Schnee und ein guter Wetterbericht liegen vor. Mit oder ohne Skier ist die Frage. Ich werfe die Skier ins Auto und mache mich auf den Weg nach Rettenegg zum Saisonstart. Über den Pfaffensattel getraue ich mich nicht. Die Q stellt sich auf Schnee recht ungeschickt an, weswegen ich die nicht so steile Variante über den Feistritzsattel wähle.

Beim Forellengasthof angekommen, staune ich nicht schlecht. Zwei Gruppen von in Summe sicherlich 15 Tourengeher machen sich aufgeregt vorbei. Eine Wiese wurde zu einem Parkplatz umgewidmet. Der Sheriff ermahnt mich, nicht so großzügig zu parken. Wie bitte, da ist Platz für 50 Autos! Eben, am Wochenende wird das auch sicher voll. Es ist Freitag, er soll die fünf Euro nehmen und mich in Ruhe lassen. Oh, da sind auch andere Flächen zu Parkplätzen umfunktioniert. 80 Parkplätze zu 5 Euro an 8 Wochenendtagen macht 3 200 Euro. Wow, und das bei dem Minimalaufwand. Als starkes Argument höre ich noch, dass in Wien das Parken auch teuer ist. Zum Glück hat der gute Mann mit Pelzmütze keine Ahnung, wie die Situation in Hongkong, Tokio oder Singapur ist.

Der Anstieg führt erst durch den Wald, ehe es über vermutlich weniger lukrative Wiesen steiler bergauf führt. Immer mehr Tourengeher sehe ich. Nein, heute kann ich mich nicht mit jedem und jeder unterhalten. Wollen die auch nicht. Da ist jeder mit sich selbst beschäftigt. Ich staune schon wieder. Vor drei Jahren waren da eine einstellige Zahl an Tourengehern unterwegs und jetzt?

Am oberen Ende der Wiesen warten ein paar Deep-Pow-Jünger in der Sonne. Das Material ist positioniert und soll beeindrucken, vielleicht auch Weibchen anlocken. Wie soll der Hang angefahren werden, sodass man vergleichbares Bildmaterial wie Jeremie auf Youtube mit der GoPro einfangen kann? Heute schwitze ich ein bisserl zu sehr, um noch mehr zu staunen.

Nach dem Wald geht die Mehrheit rechts, ich folge diesmal der Skitour links. Vielleicht ist das ein bisserl länger. Jedenfalls vermeidet es den einzigen Schneebrett-Hotspot auf dieser doch unbedenklichen Tour. Aus der Ferne sehe ich übrigens, dass das Schneebrett schon vor kurzem entladen hat. Trotzdem wähle ich die einsamere, weniger steile und ausgeschilderte Tour. Am Plateau dann pfeift der Wind aus Süd und treibt mich zur Hütte. Leider ist auch der Schnee weggeblasen. Aber das ist hier heroben nichts neues.

Das Alois-Günther-Haus ist Covid-bedingt geschlossen. Vom angekündigten Take-Away des neuen engagierten Hüttenwirts sehe ich nichts. Heute wäre das bei dem Wind auch keine Freude. Ein vier Quadratmeter großer Windfang ist geöffnet. Hier drängen sich unter Missachtung der Maskenpflicht einschließlich mir sechs Personen und fellen ab, jausnen bzw. wechseln Unterziehleiberln. Ein interessanter Mix unterschiedlichster Gerüche von Kletzenbrot über Tee mit Rum zu Schweiß und Weichspüler fühlt den kleinen Raum. Aber immer wieder öffnet sich die Tür und jemand lugt herein. Das bringt zwar uns frische Luft aber nicht dem Schutzsuchenden den gewünschten Unterstand.

Irgendwann habe ich auch meine Schnallen zu und trete ins Freie hinaus. Das Stuhleck hat sich eine Haube aus Nebel verpasst und der Südwind hat so sehr an Stärke gewonnen, dass ich kaum dagegen ankomme. Eiskristalle fliegen mir entgegen, nicht alle können ausweichen. Schnell kriecht die Kälte in die eigentliche tadellose Ausrüstung. Vielleicht hätte ich mich auch kurzfristig entblößen und trockenlegen sollen? Mich überkommen erstmals Zweifel, ob das hier wirklich alles so geil ist, wie sich das die Sportabteilungsjünger mantraartig auto-suggerieren.

Nach dem Plateau werde ich mit fast unfahrbarem Schnee belohnt. Also, sieht alles super aus. Auf Facebook und Instagram würde man drunter schreiben: „Leider geil!“. Aber erstens ist der Schnee so windgepresst und zweitens bin ich so etwas von durchfroren, dass ich die Haxerln kaum abbiegen kann. Egal, Skifahrstar bin ich eh keiner und ich nutze die Skier als super effiziente Abstiegshilfe. Derart geht auch der Wald vorbei. Wenigstens die Wiese sollte eine angenehme Abfahrt erlauben.

Aber was ist hier los? Da geht es zu wie auf einer Skipiste. Die meisten machen keine sonderlich gute Figur. Ja, sind die nur bis hierher aufgestiegen und haben sich den entbehrlichen Rest für die wirklich harten Hund‘ wie mich geschenkt. Instant Karma, denn die Wiese ist den Aufstieg auch nicht wert. Der stumpfe Schnee lässt sich kaum drehen. Kommt man dann auf eine abgeblasene Stelle, dreht es doch ein bisserl gar schnell. Einen einzigen Skifahrer sehe ich, der hier die wenig steile Wiese unter hohem Kraftaufwand runterwedelt. Ja, der kann das. Er jauchzt und die Spur sieht schön aus. Als Live-Beobachter weiß ich zu berichten, dass das Jauchzen wohl simuliert war. Soll sein!

Der Parkplatz ist mittlerweile gut gefüllt. Ich überlasse Parklücke und Ticket einem Spätstarterpärchen. Die können ihr Glück nicht fassen. Selbst wähle ich die Route über den Pfaffensattel. Dort spielen sich auch lustige Szenen ab. Der deutlich kleinere Parkraum ist gut genutzt. Der Wind stellt hier aber Wechten und Schneeverwehungen auf, die es in sich haben. Tapfer kämpfen Schneeschuhwanderer, Tourengeher, Hundespazierer und andere Wintertouristen gegen die Naturgewalten.

Mir aber schwindelt es ohnedies in der Q, mein Kreislauf will mich gar nicht erfangen. Erst bei der Autobahnstation bringen Kaffee, jede Menge Flüssigkeit und eine Leberkässemmel meine Physiologie in Ordnung.

Also, vielleicht war es eine Laune des Zufalls, dass so viele Leute unterwegs waren. Vielleicht wurde Rettenegg von einem Influencer wachgeküsst. Vielleicht sind Skitouren endgültig zum Massensport geworden. Bei der nächsten Tour weiß ich mehr. Zumindest war das heute ein tadelloses Kardio-Training.

Die Tour auf garmin.com

Fotos habe ich keine gemacht, obwohl das Wetter recht sonnig und die Landschaft fein war. Im Aufstieg war ich zu beeilt und in der Abfahrt zu durchfroren. Zumindest zwei Fotos der Anreise habe ich parat.

Bergsteigen: Nandlgrat – Fadensteig

Nachdem die ganze Familie inklusive Hund die Magen-Darm-Grippe überstanden hat, geht es wieder in die Berge. Der Nandlgrat ist angezuckert, was die Angelegenheit ein bisserl „zach“ macht. Es ist zu wenig Schnee, sodass es eine Schneewanderung wäre. Es ist zu viel Schnee, sodass man auf den darunter liegenden Steinen immer wieder rutscht. Generell ist aber noch wenig Schnee in den Wiener Hausbergen. Der Wetterbericht sagt für das Wochenende Schnee vorher. Mal sehen!

Im Winterraum treffe ich ein Paar. Der Mann, in meinem Alter, mag gar nichts essen. Ihm ist flau und sonderlich fühlt er sich auch nicht. Uje, das kennen wir. Hoffentlich kommt er noch bis zum Auto. Ich gönne mir für einen Euro die Heizung im Winterraum. Die funktioniert auch. Ich staune.

Nach der Jause geht es zuerst auf den Kaiserstein. Mah, da blast es. Eiskalt ist es und wahrlich kein Genuss. Also, runter im Lauf-Stolper-Schritt über den Fadensteig. Es ist kein Eis, nur Schnee, auf der Strecke. So bin ich wieder in einer Stunde beim Auto.

Die Tour auf garmin.com

Bergsteigen: Haidsteig – Königschusswand – Malersteig

Der Parkplatz in Griesleiten ist völlig leer. Die Sonne lacht, es ist wärmer als daheim. Vorfreude macht sich breit. Ich nehme mir vor, mich heute ein bisserl mehr dem Genuss beim Kraxeln zu widmen. Das soll heißen, dass ich das gespannte Drahtseil vorrangig zum Sichern verwenden will, während ich nach Griffen und Tritten suche. Das geht bei den Schwierigkeiten bis C ganz gut. Darüber wird diese Übung schwierig und schnell auch unmöglich für mich.

Heute verbringe ich viel Zeit bei der Schwarzen Madonna. Das liegt auch an Ingress. Ach ja, das Nerdspiel. Mittlerweile sind aber schon einige „Grüne“ da raufgekraxelt und haben das Portal in ein solides 8er-Portal verwandelt. Wenn ich die Hülle vom Handy nehme, geht es viel besser. Versteht keiner, macht nichts, ist halt so!

Der restliche Steig ist technisch selten oder eigentlich nie ein C, fast immer darunter. Ich nutze die Sicherung nicht und steige völlig entspannt und unter Musikbegleitung aufs Plateau. Dabei liebäugle ich mit der Idee, den Königschusswandsteig nur bis zum Rastplatz zu gehen, und dort auf den Malersteig zu wechseln. Aber alleine ist das vielleicht keine gute Idee. Deswegen gehe ich ja die Klettersteige, wenn ich alleine unterwegs bin. Mal sehen.

Der Südostwind bringt Saharastaub und milde Luft. Dort, wo kein Wind ist, reicht das T-Shirt. Was für ein Tag!

Beim Einstieg zum Königschusswandsteig treffe ich Garvin. Ich habe ihn schon öfters gesehen. Das erklärt sich schnell. 55 Mal ist er den Königschusswandsteig schon gegangen – bei jedem Wetter, zu jeder Jahreszeit. Oh ha! Den ÖTK-Steig, wo ich ihn auch schon mal getroffen habe, hat er gar schon 85 Mal gemacht. Da schau‘ her!

Beim Rastplatz hat mich Garvin schon wieder eingeholt. Spontan frage ich, ob er den Malersteig gehen möchte. Na ja, mit Klettern hat er es nicht so. Die Frage nach überhängenden oder senkrechten Stellen kann ich klar und entschieden mit „Sicher nicht“ beantworten. Ich überlege länger, was es denn bedeutet, wenn das mit dem Klettern doch eine blöde Idee war. Ich will ja nicht der sein, der ihn überredet hat. Garvin meint, dass er ja umdrehen kann, wenn es ihm unangenehm wird. Irgendwie bin ich sicher, dass Garvin das locker packen wird. Er macht einen mehr als fitten Eindruck und an Bergerfahrung fehlt es ganz offenkundig auch nicht.

Wir starten entgegen jeder Prinzipien – es ist nun mal nicht sonderlich schlau, mit jemanden, den man gerade Mal seit ein paar Minuten kennt, eine gemeinsame Tour zu gehen. Zumindest stelle ich mich vor. Wäre ja sonst fahrlässig! Wenn es gutgeht, sind wir in maximal 45 Minuten durch. Und, es geht besser als gut. Völlig entspannt unterhalten wir uns, während wir dem Steig folgen. Bald wechselt die Markierung von blau auf rot. Meine Rotsehschwäche bedeutet das Ende meines Vorstiegs. Garvin übernimmt und ich folge. Jede Sorge war unberechtigt. Die erste Stelle mit III- fliegt vorbei. Dann folgt der etwas unangenehme Quergang Richtung Haidsteig. Nun übernimmt wieder Garvin die Fährte mit den roten Punkten. Erst bei der „Mutprobe“ nach dem Steigbuch steige ich wieder vor. Mit meiner Kenntnis des Steiges tue ich mir leichter. Der Rest ist einfacher und wir stehen – schwupps – wieder auf der Hochfläche.

Garvin gönnt sich noch den Königschusswandsteig im Abstieg. Ich nehme die unkompliziertere Variante über den Holzknechsteig und bin pünktlich zum Kochen bzw. Essen wieder daheim.

Vormittag optimal genutzt – check!

Die Tour auf garmin.com

Bergsteigen: Königsjodler – Hochkönig (2.941m) – Arthurhaus

„Wegen der gewaltigen Dimensionen und anhaltenden Schwierigkeiten ist der Königsjodler eine der schwersten Steiganlagen im Ostalpenraum!“ sagt bergsteigen.com. Das ist respekteinflößend. Anderseits schaffen den Steig so viele, da wird es auch mir gelingen. Schwierigkeit C/D macht mir auch keine Sorgen. Und ich weiß, dass ich danach recht fertig sein werde.

Gernot probiert am Vortag noch einen Steig mit einer D-Stelle. Voller Zuversicht geht er es an, um dann doch zu kapitulieren. Das ist sehr schade, denn so muss ich alleine los. Gernot beschließt, von Hinterthal über die Teufelslöcher aufzusteigen. Wenn alles passt, sollten wir uns am Matrashaus treffen und dann gemeinsam über den Normalweg zum Arthurhaus absteigen. So weit der Plan!

Ich quartiere mich im Alpengasthof Kopphütte ein. Da passt alles sehr gut bis auf die durchgelegene Matratze. Am Abend gewittert es. Nichts Ungewöhnliches für einen Abend im August in den Bergen. „Nach heftigem Einstieg (D)…“ – so beginnt die Tourenbeschreibung auf bergsteigen.com, und das gibt mir nun bei dem Regen zu denken. Immerhin ist Gernot an einem D gescheitert und im nassen Zustand ist dann der Einstieg in den Königsjodler möglicherweise doch eine Herausforderung. Meist mache ich mir vor einer Tour solche Gedanken. Das ist gut so, wenngleich ich noch jedes Mal erfahren habe, dass sie ungerechtfertigt waren. Egal, da sind schon viele rauf. Draußen plätschert es weiter. Ein Wecker wird für 5:20 und einer für 5:25 gestellt.

In der Nacht wache ich auf, höre das Plätschern und denke mir: „Na geh! Das wird was!“. Plötzlich läutet der Wecker für 5:25. Ich kenne mich gar nicht mehr aus und ziehe den Vorhang zur Seite. Siehe da wolkenlos, aber was plätschert da? Ah, das ist nicht die Dachrinne, sondern ein Bach. Aber was ist mit dem ersten Wecker und warum ist es um 3:25 schon hell? Läuft noch nicht so gut bei mir. Kaffee und die Freude über das für mich vorbereitete Lunchpaket geben einen Schub.

Irgendwie kommen die Systeme also doch in Gang und ich blubbere mit meinem getauschten Mercedes S-Klasse Biturbo Nobelhobel aus 2004 zum Parkplatz der Erichhütte am Dientner Sattel. Ein paar andere Bergsteiger starten auch, alle jünger als ich. Schauen ma a mal! Rasch bin ich auf der Forststraße bei der halbleeren, aber Covid-bedingt doch nur halb-belegten Erichhütte. Weiter geht es erst gemächlich über Almen und dann immer steiler bergauf. Ein paar Bergsteiger überhole ich, während ich selbst so einen Vorgang nicht als Überholter erfahre. Meine Kondition sollte also reichen. Falls nicht, dann wird es andere auch erwischen und die Bergrettung wird möglicherweise einiges zu tun haben.

Beim Einstieg hole ich zwei Bergsteigerinnen ein. Der Fels ist trocken, wir sind zuversichtlich, dass das heute klappen wird. Die Bedingungen sind optimal. Nach einigen, nicht notwendigerweise hier tiefsinnigen Wortmeldungen schwinge ich mich auf. Und rutsche bei der D-Stelle aus. Na hallo, es hat noch nicht einmal begonnen und ich mache den Orang-Utan. Die Damen sind beeindruckt und besorgt, dass sie diesen Affen ab nun vor sich haben werden. Zum Glück war es ein einmaliges Hoppala, quasi noch vor der offiziellen Wertung.

Die D-Stelle ist beim Einstieg ist ganz kurz und wirklich nicht schwer. Danach geht es gemütlicher dahin. Die Bedingungen sind top, die Landschaft ist top, der Steig macht Spaß. Es gibt endlos Beschreibungen und Videos zum Steig im Netz. Da werde ich nun nicht eine weitere Abhandlung verfassen. Lediglich ein paar Erkenntnisse meinerseits, die ich für erwähnenswert erachte:

  • Es geht auf 8(?) Türme rauf und wieder runter. Kein einziges Mal ist es an einer „Bergauf“-Stelle senkrecht oder überhängend. Die Arme werden damit wenig belastet, eine erfahrene Technik vorausgesetzt.
  • Bergab ist es teils heftig und speziell bei der Umgehung der „Einseilbrücke“ – , ich vermute, das war früher der „Flying Fox“ – sehr wohl senkrecht. Aber auch das ist machbar.
  • Bei der „Einseilbrücke“ empfiehlt sich die Mitnahme einer Rolle für jene, die sich in das Seil einhängen wollen und frei baumelnd auf die andere Seite gelangen wollen. Mir ist es aber ohnedies unheimlich, hier rumzuspielen. Das hat so einen Kletterpark-Charakter mit dem Unterschied, dass keiner da ist, der dein Equipment prüft. Ich bin lieber abgeklettert und auf der Gegenseite wieder rauf. Langsamer war ich vermutlich nicht.
  • So eine Topo ist nicht maßstabsgetreu! Das heißt beispielsweise, Gehstrecken sind verkürzt dargestellt. Das heißt im Umkehrschluss, am Königsjodler kommt man zwischen den Highlights schon mal auf steilem Gehgelände außer Atem.
  • Schon weit oben hängt ein Schild, das auf den Notausstieg ins Birgkar hinweist. Es meint, dass man die Hälfte hat und noch 3-4 Stunden vor einem liegen. Ich verstehe die Absicht hinter diesen Angaben. Aber sie stimmen nicht, man ist schon weit über der Hälfte.
  • An eine Schlüsselstelle kann ich mich nicht erinnern.

Der Steig ist recht lange und die Höhe macht sich auch bemerkbar. Auf den letzten paar Hundert Metern vor dem Ausstieg Kummetstein taumle ich bereits. Die Beine krampfen teils ordentlich. Es wird bald vorbei sein. Der Steig wird zum Ende hin technisch schwieriger. Hundemüde bin ich. Die Kondition war in den letzten Monaten definitiv besser. Trotzdem geht alles im sicheren Bereich mit ausreichend Reserven zu Ende.

In Zeitangaben heißt das für den Boomer in der Klasse Ü50:

  • Nach 1 h 40 min war ich vom Parkplatz beim Einstieg.
  • 2 h 45 min habe ich für den Königsjodler selbst gebraucht.

Und wie ich vom Steig auf den Kummetstein wanke, ruft mir einer aus 50 Metern Entfernung von der anderen Seite zu. Was will der? Ich taumle weiter und siehe da – es ist Gernot! Setzt das Hirn völlig aus? Das kann es ja nicht geben. Auf die Minute genau! Er ist eine Stunde früher in Hinterthal los, hat bei den Teufelslöchern noch mit der Drohne gefilmt und kommt exakt zum selben Zeitpunkt wie ich an. Sachen gibt’s!

Wir wackeln gemeinsam weiter zum Matrashaus. Ich habe den Königsjodler in den Beinen, bei Gernot sind es schon fast 2.000 Höhenmeter. Am Matrashaus gibt es Verpflegung. Roman, der Hüttenwirt, gibt seine Geschichten zum besten. Auf Facebook kürt er regelmäßig den Deppen des Tages. Das ist vielleicht unterhaltsam, aber nicht notwendigerweise jedermanns Sache. Wir sind rechtzeitig los, gut ausgerüstet und wieder rechtzeitig dahin. Damit finden wir keinen Platz auf seiner Liste.

Roman warnt in jedem seiner Einträge beim Abstieg vor dem Birgkar. Das ist sicherlich berechtigt, macht diese Variante aber schon fast wieder interessant. Wir haben für heute genug und wählen artig den Normalanstieg zum Arthurhaus. Der ist lang und natürlich zach. Noch einmal Rast auf der Mitterfeldalm, ehe wir beim Arthurhaus 9 Stunden netto Gehzeit und ich um 4.768 kcal leichter ins Taxi steigen und zurück zu unseren Autos fahren.

Edler Tag, edle Tour, Königsjodler erledigt! Gerne wieder!

Die Tour auf garmin.com.