Und schon wieder Hohe Wand, aber diesmal alleine! Na ja, alleine bin ich nicht, denn hier an diesem sonnigen Freitag wimmelt es nur so. Wanderer, Klettersteiggeher, Kletterer sind am Boden unterwegs, in der Luft surren die Paragleiter.
ÖTK-Steig und Blutspur sind heute gefühlt schwieriger. Was lerne ich daraus? Eigentlich ist es nur beschränkt verwertbar, was ich auf die Frage antworte: „Und wie schwer ist dieser oder jener Steig?“. Ganz so klar ist es nicht, womit das zusammenhängt. Als Einflussgrößen habe ich:
Die Erinnerung vom letzten Mal. War es das letzte Mal leicht, dann ist es beim nächsten Mal gefühlt ein bisserl schwerer und umgekehrt.
Bei den schwierigen Stellen hängt es davon ab, wie ich sie erwische. Das ist faszinierend, da ich die Steige und ihre „Schlüsselstellen“ zu kennen glaube. Selbst, wenn ich mich erinnere, die Stelle ein bisserl weiter außen zu nehmen, ist es nicht gesichert, dass sie mir dieses Mal leicht fällt. Da staune ich.
Letztlich ist es egal, weil ich auch diesmal beide Steige ohne Probleme bewältige.
Den Matthias-Prinner-Steig bin ich erst einmal gegangen. Die Strickleiter habe ich als mühsam in Erinnerung und die Seilbrücke als leichter als gedacht. Prompt kommt es anders! Die Strickleiter ist eigentlich easy und die Seilbrücke ein bisserl Überwindung. Der restliche Steig ist dann einfaches Gelände der Schwierigkeit B. Die vielen Besucher haben den Steig ausgeputzt. Also, kaum noch loses Material. Nach knapp 15 Minuten bin ich durch und gönne mir eine Pause.
Runter geht es den Frauenluckensteig. Zuerst wundere ich mich über die vielen jungen Steinböcke. Wer Steinböcke sehen will, sollte auf die Hohe Wand. Man wird nicht enttäuscht. Es sind irritierend viele und verstörend zutraulich. Das nächste Mal streichle ich einen. Scherzerl, aber viel fehlt nicht.
Der Frauenluckensteig ist dann unerwartet spannend, steigt man doch in schwindelerregender Höhe von Metallbügeln auf eine wirklich senkrechte geschätzt zehn Meter hohe Leiter. Ob das jedermanns Sache ist? Hmm!
Weiter unten habe ich zum Abschluss noch eine Begegnung, die mir den Abschied für heute leichter macht. Am Fuße einer Wand frage ich freundlich ein Kletterpaar in meinem Alter, was sie sich denn vorgenommen haben, und bekomme in tadellosem Hietzinger-Deutsch als Antwort: „Das wissen wir noch nicht so recht! Das schauen wir uns noch an.“. Ja, eh, genau! Ihr habt halt einmal alles eingepackt, was man so bis zum VI. Schwierigkeitsgrad braucht, und oben drauf noch ein paar Kilo Reservematerial dazugelegt. Ich ärgere mich kurz, weil ich wirklich zurückhaltend freundlich gefragt habe, aber mir der Gleichaltrige mit seinem Allerwertesten ins Gesicht fahren muss. Seine Begleiterin lächelt entschuldigend. Wie auch immer, sie muss es mit ihrem Herzilein aushalten.
Abgesehen davon war es ein feiner Tag auf einer diesmal stärker frequentierten Hohen Wand!
Eigentlich könnte ich ins Fitness Center gehen. Das kann ich eh brauchen, um wieder fit für die Klettersteige zu werden. Da fällt mir ein, dass ich ja gleich einen Klettersteig gehen könnte. Mit dem E-Auto ist mein grünes Gewissen nicht ganz so stark belastet, wie mit dem alten Schweröl-Panzer. Passt also, los geht’s!
Der HTL-Steig hat einen Zustieg von zehn bis fünfzehn Minuten, oder halb so lange, wenn man doppelt so schnell geht. Kurz gesagt, der Zustieg ist denkbar kurz. So stehe ich gerade ein bisserl aufgewärmt am Einstieg. Wohlwissend, was mich erwartet, ziehe ich die Jacke aus und fröstle lieber ein bisserl.
Die Erinnerungen sind derart, dass ich kaum überrascht bin. Es geht leicht und ich bin schnell unterwegs. Nur die Luft muss heute etwas dünner sein. Gelegentlich erwische ich mich beim Keuchen. An der „Überholspur“ findet sich noch jemand zu einem Plauscherl. Ja, das Leben, die Berge, usw.
Nach 48 Minuten bin ich oben. Ich taumle weiter zur Blutspur. Ein junger Steinbock macht mir widerwillig den Weg frei. Hurra, ich habe ihn vertrieben. Beim Foto schaut er dann doch so genervt, dass ich lieber über eine Abkürzung ausweiche. Wir wollen es ja nicht übertreiben.
Die Blutspur, wo ich vor 25 Jahren mal in Not gekommen bin, hat sich eingebrannt. Aber sie wurde auch wiederholt entschärft. Ich vermute, dass auch seit meiner letzten Begehungen die Seilführung am exponierten Eck umgelegt wurde. Oder, ich habe heute Glück und erwische eine einfache Linie. Nach drei Minuten und 33 Sekunden, so sagt es die Uhr, bin ich ohne jedwede Eile durch den Steig durch. Das wird wohl der kürzeste Steig mit Schwierigkeit E sein.
Runter geht es über die Völlerin. Eineinhalb Stunden dauert der Ausflug von Auto zu Auto. Feines Workout, feine Steige!
Der Haidsteig vor zwei Tagen hat mir so einen Muskelkater eingebracht, dass ich sofort wieder raus muss. So kann das nicht weitergehen. Also, ab aufs Preinergscheid. Iduna zieht was lautlos den Berg hinauf dahin. Mio mag sie mehr als die Q – gut so!
Mio und ich wandern zur Karreralm und von dort den Altenbergersteig aufs Plateau zwischen Gamseck und Heukuppe. Einsam ist es, wir sind uns selbst genug. Nur am Plateau haben wir Sozialkontakt. Wir treffen den Capo des Gamsrudels. Meine Laienbeobachtungen sagen, dass Gämsen sehr scheue Tiere sind. Da ist nur der Rudelsführer, der sich in den Weg stellt. Man erkennt ihn leicht, und so gehe ich ihm aus dem Weg. Aber Mio will es immer wissen. Das ist ein bisserl ein Stress für mich, weil ich Zweifel habe, dass Mio im Fall der Fälle schnell genug wäre. Der heutige Capo kann es aber wirklich. Er muss in der Spanischen Hofreitschule eine Ausbildung genossen haben. Er tänzelt, springt im Stand und pfeift. Mio pfeift sich nichts. Wann immer sich der Bock ein paar Meter zurückzieht, gehe ich ein Stück weiter meines Weges und Mio ein paar Meter weiter auf ihn zu. Tja, und dann passiert, was ich noch nie gesehen habe. Der Bock steuert auf Mio zu. Damit hat auch Mio nicht gerechnet. Die Vernunft kehrt ein, er flüchtet. Aber leider zu mir. Zum Glück ist eine Gams kein Steinbock. Der Gamsbock zieht ab, wir ziehen ab. Alles gut!
Nach der Heukuppe geht es Richtung Waxriegelhaus. Meine Gelenke sind wieder in Form. Ich kann bergab gar abschnittsweise laufen. Wunderbar, so gut war es schon seit Jahren nicht. Die Muskeln sind es nicht gewöhnt und so werde ich mit einem Muskelkater zahlen. Das nehme ich. Tadelloser Tag somit, ich hoffe, es geht wieder bergauf – oder bergab. Also, je nachdem!
Meine übliche Runde steht an. Es gibt wenig zu berichten. Der Haidsteig fällt mir richtig leicht. Ich brauche die Hände fast nur zur Stabilisierung. Die Arbeit leisten die Beine. So soll es beim Bergsteigen und Klettern sein. Ich verweile länger bei der Madonna. Im Steig ist kein Mensch, da habe ich meine Ruhe.
Den Abstieg zum Königschusswandsteig finde ich jedes Mal besser. Hier sitzen am Einstieg drei Burschen. Die haben den Haidsteig schon hinter sich. Oh, da hatte Ulli also schon Besuch. Die drei klingen so vernünftig, dass es mir schon fast unheimlich ist. Nein, nein auch das passt schon. Man lässt mich vor. Der Königschusswandsteig ist eine Stufe schwerer als der Haidsteig. Ich muss die Arme deutlich mehr belasten. Das Ingress-Portal erobere ich wieder. Alles muss seine Ordnung haben.
Nach dem Königschusswandsteig schaue ich bei der Neuen Seehütte vorbei. Na ja, kulinarisch ist es ein bisserl besser geworden, aber herkommen muss ich da nicht unbedingt. Die tschechische oder slowakische Betreiberin gibt sich Mühe. Sie nimmt die Bestellungen im Nebengebäude entgegen, schenkt Getränke in Einwegbechern aus und kassiert. In der eigentlichen Hütte liest der Mitarbeiter aus Nepal die Bestellung aus dem Bestellsystem aus, kocht und serviert. So läuft alles am Schnürchen, aber doch ein bisserl befremdlich. Früher ist Franz, der Pächter, mit zwei Mitarbeitern aus Nepal in der kleinen Küche gestanden. Nun verbringt der Koch alleine die Zeit. Trinkgeld sieht er wohl selten. Das ändere ich zumindest heute. Er freut sich.
Und dann steht da noch ein seltsames Schild: „Die Hütte wird mit dem Hubschrauber versorgt!“. Das will ich nicht glauben oder hoffen. Immerhin führt doch eine passable Straße zur Bergstation der Seilbahn.
Beim Bachingerbründl treffe ich einen Mann in langen Hosen. Er hat sich heute dem Preinerwandsteig gewidmet. Dazu schleppt er eine benzinbetriebene Bohrmaschine und all das, was man noch braucht, wenn man einen Klettersteig instand halten will, mit. Die lange Hose muss er ertragen, weil er sich sonst die Beine mit der heißen Bohrerspitze verbrennt. Ich probiere den Rucksack und vermag ihn gar nicht recht zu heben. Der freundliche Mann ist in meinem Alter, vielleicht ein paar Jahre jünger. Für Haidsteig und Königschusswandsteig ist er auch zuständig. Ich erfrage einen kurzen Grundkurs zum Steigbau und der Erhaltung eines solchen. Die Lektion für hier ist, dass man den Steig schont, wenn man vorrangig die Beine beim Klettern verwendet. Wer sich am Stahlseil hochhantelt, macht also nicht nur klettertechnisch einiges falsch, sondern strapaziert auch die Steiganlage über Gebühr.
Der Regen kommt schneller als vermutet. Da fahre ich rechtzeitig von der Südautobahn ab und gönne mir wieder einmal den ÖTK-Steig für die Fitness.
Na, bumm! Da parken viele Autos am Sonnenuhrparkplatz. Der Parkautomat ist aufgebrochen. Interessantes Volk, diese Kletterer! Man mag wirklich nur den Kopf schütteln. Ich parke gratis, auch wenn aufgefordert wird, Bargeld in die Säule einzuwerfen. Erstens kann ich mein Handy, mit dem ich zahlen wollte, nicht einwerfen. Zweitens, sollte ich Geld in eine aufgebrochene Kassa einwerfen?
Mit den Jahren kommt die Erkenntnis, welcher Klettersteig schwer ist und welcher nicht. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich noch nicht ganz fit bin. Der ÖTK-Steig ist jedenfalls heute anstrengend. Früher oder im fitten Zustand denke ich mir immer: „Ja, die Steige sind halt unterschiedlich, aber ob der eine oder der andere schwieriger ist, könnte ich nicht sagen.“. Heute verstehe ich, warum Gernot den Steig nicht so recht gehen will, und ich notiere, dass Renate noch ein bisserl üben muss, bis wir diese Herausforderung annehmen.
In 48 Minuten bin ich ungehetzt am Plateau. Da ist noch Kraft für die Blutspur. Auch die ist heute nicht die Vier-Minuten-Übung wie die letzten Male. Machbar ist sie allemal. Mag sein, dass da eine E-Stelle drinnen ist, aber der Steig ist so kurz, dass man sich wirklich schwertut zu ermüden.
Runter geht es über die Völlerin. Tja, und da liegen vier Steinböcke quer am Weg. Andere Bergsteiger verständigen die Bergrettung, aber ich bin da wesentlich erfahrener im Umgang mit diesen Viecherln. Na ja, glaube ich zumindest. Erst fotografiere und dann vertreibe ich. Provokant langsam räumen die Halbstarken den Weg.
Am Parkplatz kommen mir noch zwei Buben in voller Montur entgegen. Den C-Steig wollen sie gehen. Kenne ich nicht. Da sind auch schon vier Erwachsene, ein Österreicher und drei Amis. Den ÖTK-Steig wollen sie gehen. Der Österreicher scheint bergerfahren zu sein, aber wohl nicht im Führen einer Gruppe. Ich frage, ob er sicher ist, dass die Buben – ich schätze knapp über zehn – den Steig schaffen werden. Ja! Und ob die drei Amis fit sind? Ja, die klettern bis zu V+. Eine der Erwachsenen versteht wohl, worum es geht und antwortet: „No, we don’t! Don’t give any misinformation!“. Viel Spaß auf jeden Fall! Für mich ein weiterer Beleg, wieviel in den Bergen gutgeht, wieviel die Berge verzeihen. Da sind dann die vielen Unfallsmeldungen in den Medien verständlich. Also, ich würde den ÖTK-Steig mit einem geübten Zahnjährigen auch gehen. Dies allerdings in Betreuung durch einen erfahrenen Erwachsenen, der sich ausschließlich um maximal ein Kind kümmert. In den Bergen gelten Eigenverantwortung und Freiheit im Handeln mir am meisten und so lasse ich sie mit einem „Eine schöne Tour wünsche ich euch!“ ziehen. Ich bin jedenfalls für heute fertig, fein war’s! Beim Starten des Autos fallen die ersten Tropfen auf die Windschutzscheibe.
Heute bin ich alleine unterwegs. Die „Standardrunde“ habe ich mir vorgenommen. Also, Parken in Griesleiten, Haidsteig, Abstieg bis zum Königschusswandsteig, diesen wieder rauf und dann den Holzknechsteig runter.
Ich bin gefühlt zügig unterwegs, aber eben nur gefühlt. Beim Einstieg zum Haidsteig fehlen mir schon über fünf Minuten auf die besseren Zeiten. Der Menschheit ist das berechtigterweise völlig wurscht, aber ich bin schon ein bisserl frustriert. Ich gehe meine Standardrunde nie auf Bestzeit. Ich gehe so, dass es fordernd ist, aber sich gut anfühlt. Also, kein Gehetze. So auch heute, aber dass mir damit fünf Minuten oder mehr fehlen?!
Am Steig selbst gibt es heute keine Zwischenfälle. Innehalten bei der Schwarzen Madonna und weiter geht es. Die Kraft verlässt mich. Uh, da muss ich noch ein bisserl trainieren für den Sommer. Renate tröstet mich nach der Tour damit, dass es am minimalistischen Frühstück liegen kann. Eine gute Erklärung. Die These muss ich jedenfalls demnächst überprüfen. Nach 90 Minuten bin ich am Plateau beim Schild zum Haidsteig. Das ist 15 Minuten langsamer als vor zwei, drei Jahren. Oha! Da kann ich mich noch verbessern.
Die weitere Routine sieht vor, dass ich zum Preinerwandkreuz aufsteige. Am Handy sehe ich, dass es ein Ingress-Portal für den Königsschusswandsteig gibt. Oha, das Portal bei der Schwarzen Madonna halte ich bis auf kurze Unterbrechung seit einigen Jahren. Das neue Portal muss von mir erobert werden. Das ist fix, wird gemacht! Heute geht wenig Wind, da sollte ich mit Spusu auch Empfang haben.
Den Abstieg zum Königsschusswandsteig wähle ich heute ganz gut, nicht optimal, war aber auch schon übler. Diesmal will ich mich im Steig ein bisserl mehr konzentrieren, sodass ich Renate berichten kann, was sie denn erwartet, wenn sie das Wagnis demnächst angeht.
Gut, der Einstieg ist schon mal recht steil. Die Topo sagt zurecht ein D. Sehr wenig brauchbare Tritte und Griffe, wenn man nicht gerade im freien Klettern im höheren Schwierigkeitsgrad geübt ist. Bin ich nicht und deswegen brauche ich das Seil. Das braucht Armkraft, von der zu Beginn des Steigs noch genug da ist. Keine Angst, da muss man keinen Klimmzug können, wie das sooft Angst machend am Internet beschrieben ist. Aber man muss sich auf seine Sohlen verlassen und eben einen beträchtlichen Teil des Körpergewichts mit den Händen und Armen halten können. Das ist auch der größte Unterschied zum Haidsteig. Die Schwierigkeit wird mit einer Stufe höher angegeben. D/E erscheint mir hoch, aber D passt ganz sicher. Es warten schon ein paar D-Stellen oder gar D-Abschnitte. Man muss oft griff- und trittlos die Reibung nutzend nach oben. Das kann sehr anstrengend werden. Was hilft da?
Erfahrung Es gibt oft Griffe und Tritte, auch wenn es mal nicht danach aussieht. Vielleicht muss man ein bisserl weiter links und rechts schauen. Beim Bergsteigen machen die Beine die Arbeit und nicht die Arme. Kleine Schritte, wo möglich. Schwerpunkt zur Wand, usw. Wer die Sache gelassen angeht, tut sich leichter.
Gute Schuhe Mit guten Sohlen kann man am steilen Fels auch ohne ausgeprägte Tritte ganz gut stehen. Aber die Sohlen sollten am Fels „kleben“. Eigene Kletterschuhe verwende ich nicht. Meine Zustiegsschuhe, Salewa Wildfire 2, sind völlig ausreichend.
Trocken sollte es sein Bei Nässe wird es echt mühsam. Bei einer meiner vorigen Begehungen war die „Höhle“ unterm Felsfenster bei nassem Fels und nassem Seil so richtig herausfordernd.
Wer sich also ohne links und rechts zu schauen am Seil wie an einem Blitzableiter nach oben zieht und dabei noch versucht, das Seil aus der Wand zu reißen, wird sich seiner Energiereserven rasch entledigen. Wer gelassener agiert, findet meines Erachtens einen echt tollen Steig vor.
Eine Rampe mit geringer Schwierigkeit (A/B und B) ist auch dabei. Steil ist sie allemal. Bergseitig ragt die Preinerwand fast senkrecht hinauf, auf der anderen Seite fällt sie schnell steiler werdend ab. Und als ich diese geschätzt fünf bis zehn Meter breite Rampe hinaufsteige, schaut mich von oben eine ordentliche Gams an. Sie will die Rampe runter, natürlich ungesichert. Ich überlege. Fix ist, dass ich eingehängt bleibe, denn sonst kegelt sie mich schneller aus der Wand, als ich schauen kann. Ein paar Meter sind zwischen dem Stahlseil und der bergseitigen Wand. Auf der anderen Seite kommt der Abgrund schnell. Die Gams ist kein Steinbock und hat Angst. Mio erscheint dagegen, selbst wenn er Angst hat, mutig zu sein. Erwähnt sein, Mio fürchtet sich fast vor allem. Dass die Gams zwischen mir und Wand durchrauschen wird, kann ich mir also nicht vorstellen. Ungesichert zur Wand wechseln, will ich nicht, weil ich dann eben nirgendwo festhänge. Die Gams probiert Optionen und nimmt den durch sie verursachten Steinschlag ohne zu zucken in Kauf. Danke liebe Gams, und ich mache mir deinetwegen Gedanken. Das muss sich ändern, ich muss da raus. Ich steige auf, die Gams ebenso. Will die jetzt durch das Felsfenster? Das Seil geht nun näher an die Bergseite und schon zischt die Gams nach unten. Da schaut sie hinter dem Abbruch hervor und wir stehen uns zwei Meter voneinander entfernt Auge in Auge gegenüber. Keine Chance auf ein Foto, schon springt sie die Rampe hinunter. Wow!
Jetzt warten noch Höhle und Felsfenster. Nass ist es, aber das Seil ist trocken. Uff! Diesmal gehe ich es gelassen an und suche ein bisschen. Ich zwänge mich nicht am Seil entlang, sondern umgehe den rutschigen Buckel und siehe da, es geht leichter. Auch diesmal würde ich meinem Durchstieg nicht das Prädikat „souverän“ geben, aber deutlich besser. Wird werden!
Der Rest ist dann wieder feine Kraxelei. Manchmal fehlt mir halt schon die Kraft. Diesmal geht es aber recht gut. Doch der Schock kommt beim Ausstieg. Das Ingress-Portal ist vor dem Felsfenster und nicht wie von mir vermutet beim Ausstieg. Mist, jetzt muss ich demnächst noch ein Mal her!
Für den Abstieg habe die Stöcke mit. Das passt nicht ganz zur Kletterei, aber der Orthopäde hat einen gerissenen Meniskus festgestellt. Wenn es geht, möchte ich mit der notwendigen OP noch bis Herbst warten. Die Stöcke habe ich von Renate geschenkt bekommen. Diese Carbon-Dinger sind eine Freude, ich zische das Geröll fast wie eine Gams hinunter. So bin ich nach vier Stunden verstrichener Zeit wieder beim Auto und rechtzeitigt daheim. Am Abend wartet noch Kultur im Bad Vöslauer Freibad. Da liest einer den Prozess von Kafka vor. Oder besser er inszeniert ihn. Egal, er macht es gut, denn ich bleibe die eineinhalb Stunden munter. Sehr fein!
Blick aus dem KönigschusswandsteigIm KönigschusswandsteigRastplatz mit SchlingeIm KönigschusswandsteigGegenverkehr auf der RampeIm Königschusswandsteig
Heute habe ich mich mit einem Auerhahn geprügelt! Das ist natürlich etwas verstörend, zumal ich davon ausgegangen bin, dass ich mich nie wieder in meinem Leben mit jemandem prügeln muss. Aber kurz vor dem 56. Geburtstag war es so weit. Und der Tag war ohne Auerhahn auch schon nicht fad. Aber der Reihe nach!
Mio und ich nehmen uns die Breite Ries vor. Nein, nicht auf Skiern mit Schwung in der Abfahrt, sondern im Aufstieg mit Schnaufen. Elf Stunden Sonne hat der Wettbericht am Vorabend noch gemeldet, aber das schaut eher nach elf Minuten aus. Zum Glück habe ich extra viel Gewand mit. Na ja, wir starten in Losenheim und sind bald in der Breiten Ries. Hier beginnt auch der Schnee.
Da die Sonne hinter den Wolken steckt, ist der Schnee hart und tragfähig. Das ist gut so, jedenfalls besser als bei jedem Schritt einzubrechen. Ich lege die Steigeisen an und schnalle sie mit Körbchen an die leichteren und bedingt steigeisenfesten Bergschuhe. Schauen ma a mal! Mio bekommt das Brustgeschirr umgeschnallt. Schließlich wird es ja oben steiler und ich kenne ja den Experten. Mio ist stolz wie Oskar: endlich auch mal Equipment für ihn. Los geht’s! Mio hat Freude am Schnee, rennt rauf und runter. Ich nur rauf, dafür deutlich langsamer.
Viel Schnee ist nicht. Mit Skiern sollte man nicht zu schnell unterwegs sein. Wer stürzt und einen herausragenden Felsen erwischt, kann übel bedient werden.
Mit den Höhenmetern wird es steiler. Mios Begeisterung für Sprints nimmt ab. Die herausragenden Felsen nutzt er schon für eine Rast. Ganz so sicher fühlt er sich nicht mehr. Okay, er sagt nichts, aber ich nehme ihn trotzdem an die Leine. Der Wind fällt die Breite Ries runter, sodass es richtig ungemütlich ist. Die Engstelle verschwindet immer wieder im Nebel. Wir steigen höher. Manchmal helfen uns Trittspuren, die allerdings bergab angelegt sind und entsprechend weit voneinander entfernt sind. Irgendwann entwickeln wir eine Strategie und folgen den Aufstiegsspuren eines Tourengehers, der hier offensichtlich bei wärmeren Bedingungen unterwegs war.
Mittlerweile fühlt sich Mio nicht mehr so richtig wohl. Sein steigeisenloser Allrad verliert gelegentlich den Grip. Ich wünschte, ich hätte die schwereren Schuhe und will allgemein nicht so recht. Das Wetter ist bescheiden, und ich mache mir Sorgen wegen Mio. Aber ohne Hund würde ich weitergehen und Mio sagt nichts. Also, weiter! Ich kenne die Strecke von der Abfahrt und der Höhenmesser meint, dass es bald ein Ende haben wird.
Der Tourengeher hat nun auch offensichtlich die Skier auf den Rucksack gepackt. Eine erste, schwach ausgeprägte Treppe führt den steilen Harsch gerade hinauf. Die Stufen werden allmählich breiter, zumal hier wohl auch das Ende für jene Tourengeher erreicht ist, die es wissen wollen. Steil ist es, aber das merke ich in den gefrorenen Stufen nicht so sehr. Mio ist der Steilheit völlig ausgesetzt, murrt aber weiterhin kein bisschen. Und irgendwann ist es auch geschafft, wir stehen am Einstieg in die berühmteste Steilabfahrt im Schneeberggebiet. Müde ziehe ich mir weiter Schichten an, ehe ich in den Steigeisen über das gefrorene Plateau die paar Meter zur Fischerhütte weitertaumle.
Nach üppiger Jause und per Euro aktivierter Wandheizung steigen wir mit erholter Batterie den Wurzengraben ab. Nein, da kann man auch nicht mehr mit den Skiern fahren. Na ja, wenn man öfters die Skier trägt, geht es schon. Aus meiner Sicht ist die Saison 2023/24 extra früh aus. Wir traben dahin. Kein Mensch weiterhin weit und breit, kein Schnee beim Ende des Hoyosgrabens. Schneerosen und Waldboden übernehmen das Bild.
Jetzt noch die Querung vom Fadenweg zur Edelweißhütte. Ich wähle die einsamere, untere Variante ohne Höhenmeter. Mio läuft weit vor, da höre ich Geräusche, die wirklich nicht hierher gehören. Ich schau‘ mich um: „Was soll das?“. Und siehe da, auf einem Felsen im Wald ein Stück oberhalb vom Weg pudelt sich ein Auerhahn wie ein Hausmeister auf. Jö, schau‘, das sieht man selten. Ich drehe um, sodass ich ein Foto schießen kann. Der Auerhahn zögert nicht und schwattelt den Waldhang zu mir herunter auf den Wanderweg. Ein bisserl gar echauffiert wirkt er. Ich schieße zwei Fotos. Nein, um fotografiert zu werden, ist er anscheinend nicht da. Der meint es unfreundlich mit mir. Was tun? Ich schreie ihn an und hoffe sogleich, dass niemand mich gehört hat und die Bergrettung verständigt. Der Plärrer zeigt nur kurz Wirkung. Ich schlage mit den Stöcken vor mir so fest aufeinander, dass ein Stock bricht. Von Mio keine Spur! Wenn man den Hund braucht, ist er nicht da. Jetzt wäre seine Chance da.
Okay, ich werde mich also mit einem Stock verteidigen. Da höre ich endlich ein Knurren. An dieser Stelle gehen übrigens unsere Wahrnehmungen auseinander. Mio meint, dass er sich vor mich gestellt hat. Ich erinnere mich, dass das Knurren von hinter mir gekommen ist. Na ja, wir einigen uns, dass Mio an meiner Seite gekämpft hat. Der Vogel ist nun wirklich sehr nahe, sein Schnabel sieht ungemütlich aus.
Das Internet sagt, dass beim Herrn Auerhahn Anfang März die Balz beginnt und er in dieser Zeit mit einem 100-fachen Testosteronspiegel durchs Leben rennt. Diese kleinen Testosteron-Trotteln keine ich allzu gut aus meiner Jugend: chancenlos, aber furchtlos und immer dreister, wenn man sie gewähren lässt.
Nochmals, was tun? Vielleicht gefällt ihm meine bunte Jacke. Polizei und Vier Pfoten empfehlen sicher, dass ich gegenüber dem Aggressor keinen Widerstand leisten und ruhig und besonnen das Geforderte übergeben soll. Aber der Gefiederte sieht doch ein bisserl aufgeplustert aus. Ich wähle die Variante „Dosierter Schlag gegen das Haupt“. Ich will den Vogel nicht verletzen, aber doch klar machen, dass hier das Theater ein Ende zu haben hat. Also, zack und Treffer! Das Tier beutelt den Kopf und spürt dank dem 100-fachen Testosteron wohl wenig. Schmacko, zweiter Treffer! Also, hätte ich den abgekriegt, würde ich etwas spüren. Noch hat sich in mir keine Panik breitgemacht und ich habe weiterhin tierlieb dosiert. Ah, der zweite Hieb zeigt Wirkung: der Angreifer zeigt sich einerseits klar unverletzt, anderseits doch etwas reflektierend. Der Angriff ist gestoppt. Mio und ich schieben rückwärts ab, der Auerhahn schaut ein bisserl verstört. Mio möchte nun die Gelegenheit für einen Angriff über die Bergflanke nützen. Nur der Auerhahn hat wohl gecheckt, dass das leichte Surren im Spatzenhirn von meinem Stock kommt und nicht vom Hund. Der Flankenangriff bricht umgehend in sich zusammen. Mio und ich ziehen uns weiter zurück. Der Vogel sieht uns leicht, aber nicht völlig triumphierend nach.
Den Tierschützern hier sei versichert: der Auerhahn ist unverletzt, also physisch unversehrt. Wie sehr die Aktion seinem Ego und seiner Psyche geschadet hat, weiß ich nicht. Letztlich sind aber wir zwei Helden im Rückwärtsgang abgezogen. Das sollte ihm als Sieg reichen, auch wenn das Kopferl ein bisserl brummt.
Das Internet sagt, dass meine Begegnung mit dem Auerhahn eine sehr seltene war. Sehr selten war auch, dass mich der Vogel angegangen ist. Am Internet findet man ein paar Videos aus aller Welt, die einen Angriff zeigen. Na fein! Im Falle einer Attacke soll man sich mit einem Stock verteidigen und sich aus seinem Revier verziehen. Habe ich es richtig verstanden, so ist sein Revier riesig. Ich hoffe, ich muss nicht das Land verlassen. Aber sonst scheinen Mio und ich alles richtig gemacht zu haben.
So geht dann ein spannender Tag zu Ende. Für Mio war es ein bisserl viel. Erstmals steigt er nach einer Wanderung unaufgefordert ins Auto, wo er unmittelbar in tiefen Schlaf verfällt. Sachen gibt’s!
Oh, wie weiß Schneeberg und Rax in der Morgensonne am Horizont glänzen. Da könnte man Sorge haben, dass man als Bergsteiger heute fehl am Platz ist. Aber zu oft bin ich schon in Vorfreude auf eine Skitour enttäuscht worden, da beim Näherkommen der Schnee immer weniger wurde. So ist es auch diesmal, und es lässt sich nicht leugnen, dass es ein bisserl drauf geschneit hat.
In Griesleiten parkt ein Auto, mehr als ich dachte. Schon im Anstieg hole ich einen Bergsteiger ein, der sich auch den Haidsteig vorgenommen hat. Auch mehr, als ich dachte.
Nach dreihundert Höhenmeter beginnt der Schnee, und es ist unverspurt. Meine Zuversicht lässt sich aber nicht dämpfen. Beim Bachingerbründl hat sich der Sturm ausgetobt und Bäume kreuz und quer geworfen. Falls da einer also zufällig eine Motorsäge dabei hat oder sein neues Weihnachtsgeschenk ausprobieren will, hier gäbe es zu tun!
Der Haidsteig ist an sich unspektakulär. Ich habe mir die Grödel an den Hüftgurt gehängt, aber brauche sie bis oben nicht. Im Steig ist ein bisserl ein Schnee, und da ich der erste bin, muss ich den einen oder anderen Tritt von leicht zu lösendem Eis befreien. Das gibt mir ein bisserl so ein Eigernordwand-Feeling.
Am Plateau weht dann der Wind anständig. Ich bin mittlerweile so gut ausgestattet, dass mir das nichts anhaben kann. Die neue Jacke hat nicht nur eine herausragende Farbe, sondern ist wirklich tadellos. Die Mädels haben gefragt, ob sie aufgrund der Farbe billiger oder im Abverkauf war. Dass sich so etwas jemand freiwillig aussucht,…
Runter geht’s dann den Holzknechtsteig. Zum größten Teil ist er abgeweht. Die Grödel leisten hier aber auch gute Dienste. Der Weg, wenn man ihn denn findet, ist mit Schnee eingeblasen. Das Lustige ist, dass von oben bis unten eine Gams dieses Schneeband genommen hat. So wie ich! Ist ihr das angenehmer als das Geröll? Oder ist das nur eine Täuschung, weil ich die hunderten Spuren der Gämsen an den abgeblasenen Stellen nicht sehe. Das klingt plausibler, aber warum ist das eine, oder waren es mehrere, Tier da runter spaziert. Ich mach mir Gedanken.
Am Ende des Holzknechtsteigs sehe ich Fußspuren. Oh, hat da jemand umgedreht? Heißt das, dass ich heute der einzige war, der Ulli besucht hat. Gut möglich.
Ich mag die ruhigen Tag am Berg. Wenn dann noch ein bisserl Schnee liegt, der Himmel aber trotzdem blitzblau ist, hat es etwas ganz Besonderes. Wer das auch mal genießen und nicht mit Selbstdarstellern, pardon Influenzern, am Steig im Stau stecken will, sollte mal so einen Mittwoch im Februar in Erwägung ziehen. Okay, es ist Valentinstag! Keine Sorge, den habe ich eh nicht vergessen. Es geht eh noch frisch geduscht nach Wien zu Renate.
Die Tour auf Garmin – Heute war ich mit mehr als eindreiviertel Stunden im Aufstieg langsam. Das mag am Bachingerbründl und am Eis liegen. Aber der Hauptgrund ist wohl meine Konstitution. Einerseits freue ich mich, dass ich mit meiner neuen Hüfte schon wieder voll mobil bin, anderseits merke ich, dass mir noch viel auf meine Form von vor drei Jahren fehlt. Da war ich um mehr als eine halbe Stunde schneller. Schauen ma a mal!
Für Tourengeher sollen die Bedingungen übel sein. Eisiger Harschdeckel und unten wenig Schnee. Das klingt doch nach passablen Bedingungen für Mio und mich. Der Altenbergersteig bietet sich an. Wenn da nur eine Spur nach der Karrer Alm zu finden ist, dann werden wir es diesmal schaffen. Wir parken uns am Preiner Gscheid ein und staunen, wie kalt es ist. Also, Mio ist das egal. Ganz im Gegenteil, er wirkt wesentlich agiler.
Zu meinem Erstaunen findet sich eine richtige Piste, die in diesen einsamen Teil der Rax führt. Mio sinkt nicht ein und ich spaziere mit den Grödeln. Vor der Karrer Alm ist es dann aber wieder erwartet einsam. Keine Spur ist da, wir spuren. Erst bei der Karrer Alm kommen Spuren vom Moassa herauf, biegen jedoch ab. Und dann findet sich doch etwas. Zwei Steigeisenspuren führen vom Plateau herunter. Zuversicht baut sich auf. Natürlich helfen auch die modernen Mittel der GPS-basierten Navigation. Aber so ein Anzeichen, hier nicht als einziger und erster Dodel seit langem herumzuirren, hat auch Beruhigendes.
An ein paar Stellen ist es am Steig bei diesen harten, abgeblasenen Bedingungen ein bisserl herausfordernd. Ohne Grödel ging da nicht viel. Aber mit zusätzlich zwei Stöcken fühle ich mich sicher. Mio hat ohnedies vierfachen Antrieb.
Am Preiner Gscheid war es gewohnt kalt. Im Routenverlauf hat sich die Warmfront mit ein paar Vorboten angekündigt und ich bin ohne Jacke gewandert, aber hier heroben am Plateau setzt Wind ein. Es ist eben Winter und da darf es hier unwirtlich sein.
Mio zeigt Interesse an den Gämsen. Nach 50 Metern Anlauf lässt er sich jedes Mal durch Rufen stoppen. Das verleitet mich zu einem Experiment. Ich rufe eben nicht und er stoppt nach fünfzig Meter trotzdem. Mio ist kein Jäger, wahrlich nicht.
Ein Gipfelfoto an diesem ungemütlichen Ort, und wir eilen weiter in unserer Überschreitung. Die ersten zwei Tourengeher kommen uns entgegen. Sie wirken als wären sie aus der Vorklimaerwärmungszeit. Wo die denn runterfahren werden? So eine richtig durchgängige Schneedecke mag ich nicht zu erkennen.
Das Karl-Ludwig-Haus ist nun schon über ein Jahr verlassen. Noch wirkt es gut in Schuss. Aber besser wird es sicher nicht werden so ohne Bewirtschaftung. Ich mache mir Gedanken.
Der Abstieg über den Schlangenweg wirkt wenig einladend. Von oben sehe ich schon ein Paar auf der harten, schrägen Schneefläche. Mit Schneeschuhen scheint das kein Spaß zu sein. So entscheiden Mio und ich, direkt den Karlgraben abzusteigen. Uh, der ist hart. Mit den Grödeln geht es einigermaßen, aber es ist ein Eiertanz. Mio versteht nicht was los ist, will spielen und bellt aufmunternd. Weiter unten schiebt die Warmfront wieder an. Plötzlich wechselt der Karlgraben von Streif- auf weiche Bedingungen. Jetzt stollen die Grödel an. Nach zwei Schritten habe ich Plateauschuhe mit 15 cm Auflage. Der Abstieg ist also heute eher zäh, aber zum Glück endlich. So erreichen wir das Waxriegelhaus und in Folge wieder das Auto.
Uh, in diesem Jahr war ich nicht viel auf meinen Hausbergen unterwegs. Und dieses Jahr kommt auch nicht mehr viel. Wenn mir nicht noch ganz schnell etwas einfällt, dann ist es am Montag mit meinem Hüftgelenk passé. In diesem Jahr werde ich nicht mehr in die Berge kommen.
Also, schnell noch mal eine kleine Hausrunde mit Mio. Mio ist ein bisserl wenig ambitioniert. Jetzt geht er schon ein paar Mal solche Steige mit, aber eine Verbesserung geschweige denn Begeisterung lässt sich nicht feststellen. Heute muss ich ihn gar ein paar Mal raufheben. Das ist ihm aber auch nicht peinlich. Seine Erfahrung spiegelt sich darin, dass er sich an die „kniffligen“ Stellen schön zur Wand stellt und wartet, bis der Lift losgeht. Steht er oben, will er sogleich ein Leckerli. Ob das noch was wird mit ihm als Berghund?
Am Plateau hat der Herbst Einzug genommen. Der Wind treibt den Nebel über die Wand rauf, hinter dem Gedenkstein auf der Heukuppe picknicken zwei verzweifelte Wanderer und üben ein bisserl Überleben in der Todeszone. Mios Herrl ist aber mit den Eigenschaften von Luv und Lee durchaus vertraut. Ja, auch wir könnten uns ins Lee des Denkmals flüchten. Stattdessen steigen wir zwanzig Meter ins Lee der Heukuppe. Da ist die Welt spätsommerlich.
Beim Abstieg zum Karl-Ludwig-Haus umstellen uns Gämsen. Mio ist älter geworden und hat auch da seine Ambitionen fast verloren. Er lässt sich an die Leine nehmen und beobachtet aus dieser Position. An Angriff denkt er ebenso wenig wie die Gämsen.
Schon im Winter habe ich mich gewundert, wie das hier heroben und auch irgendwann dann unten mit den geringen Schneemengen und der Wasserversorgung ausgehen soll. Hier heroben hat das Karl-Ludwig-Haus schon seit fast einem Jahr geschlossen und auch das Habsburghaus quält notorischer Wassermangel. So steigen wir zum Waxriegelhaus ab. Das ist entsprechend voll. Passt so!
Runde erledigt, das nächste Mal komme ich hoffentlich mit ein bisserl Keramik in mir hier vorbei. Frohe Weihnachten kann ich eigentlich auch schon wünschen.