Kanzelsteig

Gernots und mein Novemberklettern will gemacht werden. Wir haben mehr Erwartungen als Zeit für die Vorbereitung der Tour. Die Erwartungen sind: unten Nebel und Temperaturen um die Null, oben Sonne und T-Shirt. Ja, so war es schon ein paar Mal, dann soll es auch heute so sein. Da Gernot ein neues E-Auto bekommen hat, ist er am Vorabend beschäftigt. Ich bin vom Haidsteig auch ein bisserl müde. Niemand gleicht die Erwartungen gegen die Realität ab. Vom Haidsteig weiß ich, dass die Hohe Wand die bessere Wahl sein wird. Und auf der Hohen Wand ist es doch immer warm. Eigentlich sollten wir es besser wissen, aber…

Gernot hat ein paar Tourenvorschläge geschickt. Allesamt III und schwieriger. Boah, da ist mir nicht ganz wohl dabei. Ich suche und finde Leichteres. Wir nehmen den Kanzelsteig und können ja oben dann noch die Technikervarianten mitnehmen.

Beim Seiser Toni folgt der erste Wettercheck. Kein Nebel, keine Sonne. Dafür Wind und Schneeflocken. Ich habe beide Mammut-Jacken mit. Die wärmere Jacke habe ich dabei, weil man beim Kraxeln mit Seil viel herumsteht und dabei leicht friert. Jetzt entscheide ich, beide Jacken anzuziehen. Gernot geht es gleich. Der Kanzelsteig ist ein II+. Den sollten wir auch ohne Seil schaffen, meint Gernot. So würden wir weniger herumstehen und nicht auskühlen. Zustimmung! Dann habe ich die glorreiche Idee, dass es noch wärmer wird, wenn wir das Material und das Seil im Rucksack mitschleppen. Für Wärme wäre gesorgt. Machen wir! Ich nehme freiwillig Seil und mein Eisen.

Der Einstieg ist schnell gefunden. Gernot sieht schon die roten Punkte. Diese sehe ich auch, aber erst, wenn ich draufstehe oder ich mich am entsprechenden Fels festhalte. Gernot geht somit vor. Die Kraxelei ist lustig. Ein bisserl viel Nadeln, Bockerln, Steine usw. liegen herum. Das nächste Mal nehme ich noch einen starken Laubbläser mit und mache da ein bisserl Ordnung. Ha, da ist sie schon die „Schlüsselstelle“. Gernot meint, wir gehen ohne Sicherung. Ich bin nicht sicher. Irgendwie muss ich meine Muttropfen heute vergessen haben. So mache ich den Vorschlag, wir nehmen das Seil und Gernot steigt vor. Zustimmung pur, los geht’s!

Bald erkennt Gernot, dass es eh eine gute Idee war, das Seil zu nehmen. Irgendwann rufe ich ihm zu, dass es wieder einmal Zeit wäre für eine Zwischensicherung. Wenn er jetzt einen Abgang macht, kugelt er definitiv an mir vorbei. Somit hat er die Wand eigentlich ohne Sicherung genommen. Zack, da kommt der erste Stein. Deckung und der Kopf ist mal geschützt. Ob der Rucksack schützt? Die Beine sind etwas exponiert. Die Wahrscheinlichkeit für ein Treffer ist eh extrem gering. Schon höre ich dieses grausige Surren des Steins – verfehlt – gut so! Kurze Zeit danach wieder. Diesmal sind es mehrere Steine. Ja, was macht der da oben? Ein dicker Stein springt im Zickzack herunter. Wo jetzt? Links, rechts, links… Deckung und auch verfehlt. Okay, vielleicht bin ich den Steig deswegen noch nicht gegangen. Ist ja ein Wahnsinn da!

Ich steige nach, und das lieber schnell als langsam. Dabei erwische ich es nicht gut. Ja, Himmi! Wo ist der da rauf? Begeistert hat er gerufen, dass er riesige Griffe gefunden hat. Hat er die mitgenommen oder abgebaut? Ich finde da nichts. Keine Sorge, auch ohne die großen Komfortgriffe ist diese Wand, das Testamentwandl, machbar. Gernot wartet schon. Für den ersten Stein übernimmt er die Verantwortung, aber die restlichen schreibt er den Steinböcken zu. So richtig Freund werde ich mit diesen Viechern nicht.

Weiter geht es im „Gehgelände“. Das Seil haben wir schlampig aufgenommen und steigen so eng hintereinander. Dabei reduziert sich die Funktion des Seils darauf, dass keiner alleine heimfahren muss, wenn etwas passiert. Der Steig macht Spaß und bald brauchen wir wieder die Hände. Ah, da drüben startet die erste Techniker-Variante. Die blauen Punkte sehe auch ich aus der Ferne.

Heute bleiben wir mal am Kanzelsteig. Der muss zumindest einmal gemacht werden. Außerdem wird es zunehmend kalt. Gernot steigt wieder vor. Diesmal sucht er ein bisserl nach Griffen. Auch hier gilt: der Steig ist genau richtig, überfordert sind wir kein einziges Mal. Im Nachstieg habe ich dann das Glück auf meiner Seite und spaziere da ohne Erkennen von Schwierigkeiten hinauf. Jetzt sind wir am Grat, der Wind pfeift, der Schnee kommt von rechts. Gemütlich ist anders.

Aha, da ging es zu den anderen Technikervarianten! Fein, aber kalt. Also, aufi! Bald ist das Gipfelkreuz da. Das nenne ich einen komfortablen Standplatz. Sogar eine Kette achtet darauf, dass ich nicht runterfallen kann. Die Finger frieren allerdings und ich könnte noch ein paar Jacken gebrauchen. Gernot kommt den Grat herauf. Was für ein Glück! Die Freude ist groß, die Zeit zum Feiern und Genießen kurz. Wir stopfen das Material in die Rucksäcke und verlassen diesen unwirtlichen Platz.

Die Wilhem-Eichert-Hütte hat offen. Wir können es gar nicht glauben, aber seitdem die neuen Pächter übernommen haben, ist der Besuch hier ein Muss. Die Karte bietet deutlich mehr Speisen als heute Gäste kommen werden. Wir machen Umsatz und wärmen uns auf. Abgesehen vom Steinschlag, ausgelöst durch boshafte Steinböcke, ist der Steig eine wahre Genusskraxelei gewesen. Wir kommen sicherlich wieder. Wärmer sollte es sein. Das schon!

Runter sind wir das Zahme Pechterlein, oder so! Wunderbarer Vormittag in den Bergen, die sich heute deutlich frostiger gezeigt haben als erwartet. Edel war’s!

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Wildes Gamseck

Neue Einlagen für Renates Füße sind da. Die müssen probiert werden. Am besten auf vertrautem Terrain und nicht in der Ferne. So starten wir in Hinternaßwald, wo es kalt ist. Also, es ist Herbst, und da starten zwei Wanderer in ihren kurzen Hosen. Der Wind macht Gänsehaut, aber mit dem Wald kommt der Anstieg, und die Kälte weicht. Nach zweieinhalb Stunden sind wir beim Einstieg. Renate wechselt die Schuhe. Aufs Seil will sie verzichten, das bleibt im Rucksack. Ich habe es zur Sicherheit mit.

Viel zu rasch sind wir durch. Die Kletterei, oder Kraxelei, ist so fein wie kurz. Da wir den Steig, oder ist es gar die Route, kennen, tun wir uns vielleicht extra leicht. Ich kenne die „Schlüsselstellen“. Wer Übung hat, meistert sie. Wer Anfänger ist oder sich unwohl fühlt, braucht Sicherung und Unterstützung. Klebehaken und Standplätze gibt es genug. Die Markierung findet man auch leicht, wenn man nicht wie ich eine Rotgrünsehschwäche hat.

So haben wir die Kraxelei rasch hinter uns, und Renate steigt wieder auf die anderen Schuhe um. Wir gehen ohne Pause zum Habsburghaus weiter. Hunger macht sich breit. Noch vor der Hütte fragt mich Renate, ob ich geschaut habe, ob sie geöffnet ist. Ja! Renate hat auch nachgeschaut. Meine Trinkreserve habe ich schon aufgebraucht. Zeit fürs Nachfüllen. Aber siehe da, Montag ist Ruhetag! Ein Schild mit dem launischen Aufdruck „Uns kannst du GERN-haben“ frustriert arg und macht mich zornig. Ehe ich einen Punkt auf Google vergebe, lese ich nochmal nach. Mist, da steht auf der Homepage der Hütte im Kleingedruckten, dass im September der Montag Ruhetag ist. Renate hat nichts überlesen, sie hat nur auf einer Webseite nachgelesen, die eben nicht so gut informiert ist. Da kann der Hüttenwirt nichts dafür.

So steigen wir mit einem Loch im Bauch und etwas dehydriert ab. Weil eh schon alles wurscht ist, wählen wir den Peter-Jokl-Steig. Am Wegweiser steht, dass man da eine halbe Stunde länger geht als über den Kaisersteig. Aber das will ich nicht einsehen, denn kürzer ist der Peter-Jokl allemal. Ein bisserl „zach“ ist er halt, aber das weiß ich bereits. Bei der Hälfte der Entfernung quert man eine Forststraße. Renate fragt hoffnungsvoll, ob wir jetzt unten sind. Nicht ganz, aber den steilen Teil haben wir hinter uns.

Und auch heute geht alles irgendwann zu Ende. Wir erreichen den Parkplatz und fahren zum Raxkönig in Naßwald. Die Raxwirtin, oder Raxkönigin, kommt aus Thailand. Nach Tullnerbach-Pressbaum ist nun Naßwald die nächste Station ihres Lebensweges. Wer hätte das gedacht? Die Suppe mit Shrimps und Zitronengras schmeckt definitiv asiatisch, die Forelle ist auf den Punkt perfekt zubereitet und Sesam-Bällchen in Kokosmilch wie Topfenstrudel runden all das ab. Ist das Fusion-Kitchen? Wir staunen, und es liegt nicht nur am Hunger, dass wir hoch zufrieden sind. Die Wirtin verabschiedet uns mit einem „Kummst guat ham!“.

Ach ja, die Füße haben auf der doch langen Tour gehalten! Wir sind bereit für noch Größeres.

Die Tour auf Garmin

Akademikersteig

Einmal im Jahr muss der Akademikersteig erledigt werden. Erstmals sind wir zu dritt. Wir entscheiden uns für die Variante: „Einer vorne, die beiden anderen nahe beisammen am Ende des Seils“. So schwierig sollte es ja nicht werden.

In einer guten halben Stunde sind wir beim Einstieg. Mah, da ist es schwül. Der anstrengendste Teil sollte geschafft sein. Ich probiere unsere Variante in der ersten Seillänge aus. Funktioniert tadellos. Auch die beiden kommen schnell und problemlos nach. Die beiden sind mit Karabinern ins Seil eingehängt, so können sie sich schnell aushängen und die einfachen Passagen ohne Seil gehen, während ich das Seil aufnehme und folge. Zack, schon ist Renate weg.

Ab der nächsten Seillänge übernimmt Gernot und ich bleibe mit Renate hinten. All das ist überaus entspannt. Wir schießen Fotos und genießen den Tag.

Bald sind wir beim Felsenfenster. Nein, da ist nichts verlorengegangen seit 2015(?). Ein Kommentator hat 2024 erwähnt, dass ein Teil nun fehlt und alles viel schwieriger ist. Es sieht alles gleich aus wie sonst auch. Der gute Mann muss vor über zehn Jahren das letzte Mal hier gewesen sein. Und ein IIIer ist die Passage beim Felsenfenster wirklich nicht. Von Gernot und Renate kann ich coole Fotos machen. Gernot sieht als nächste Option nur noch „Free solo“! Na, das wäre vor ein paar Jahren nicht denkbar gewesen. Auch Renate verspürt keine Schwierigkeiten. Sie steigt gar den Schlussgrat ungesichert vor. Ausstieg erreicht.

Warm ist es nun wieder geworden. Wir rasten, packen zusammen. Dann rückt Gernot raus, dass er nichts dagegen hat, wenn wir gleich absteigen und im Weichtalhaus essen. Am Vortag hatten Renate und ich noch eine schwere Diskussion, was wir nach dem Steig machen. Ihre Füße mögen aktuell keine langen Hatscher. Wie auch immer, mit Zweidrittelmehrheit beschließen wir den Abstieg über den Wachthüttelkamm. So gierig war ich auch nicht auf die Wanderung zum Ottohaus – passt schon! So ist es ein bisserl kurz. Bei so wenig Kalorienverbrauch tue ich mir im Weichtalhaus gar nicht leicht. Aber den Burger, in dem sich Reh und Wildschwein treffen, schaffe ich, und die Heidelbeertatschgerl sind Pflicht.

Tadelloser, vergnügter Tag!

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Stadelwandgrat III

Renate und ich gehen den Stadelwandgrat an. Es ist Renates erster IIIer. Der Grat und die leichte Kletterei passen goldrichtig dafür. Was soll da schon schief gehen? In der Früh und beim Zustieg geht es Renate gar nicht gut. Ihr ist ein bisserl übel, der Magen will nicht bergsteigen! Aber sie will die Tour probieren. Schauen ma a mal!

Wir packen das 40m-Seil ein. Das ist ein bisserl kurz. Wir könnten natürlich auch das 60er mitnehmen. Aber das wäre ein bisserl schwer. So könnten wir auch ein 50m-Seil kaufen. Aber das wäre dann ein bisserl blöd.

Irgendwann muss man im Stadelwandgraben nach links abbiegen. Das kann man weit unten machen und sich dann eines steilen Schotterfeldes erfreuen oder weiter oben. Meist biege ich zu früh ab. So auch diesmal. Aber es ist nicht so schlimm, denn ich denke, es gilt: „Je weiter oben umso besser.“. Aber wer will schon zu weit gehen? Egal, beim Abstieg sehen wir auf 910m Seehöhe Markierungen an einem Baum. Gernot hat sich auch schon mal die 910m auf der Uhr fotografiert. Das Wegerl probiere ich jedenfalls das nächste Mal.

Das Gassl ist nach den irrwitzigen Regenmengen der letzten Tage und Wochen eigentlich in gutem Zustand. Keine Sorge! Der folgende Aufstieg hat jedes Mal bessere Markierungen. Vielleicht liegt es daran, dass ich den Aufstieg immer besser kenne. Aber selbst in der Kletterstrecke sind auffällig viele rote Punkte. Diese sind mir bislang gar nicht aufgefallen. Hat da wer nachgebessert? Alles wird besser.

Wie üblich folgen wir in entgegengesetzter Richtung dem markanten roten Pfeil und erreichen nach leichter Kraxelei die Anseilstelle. Schon wartet der erste Turm, der heute wieder einmal ein bisserl schwieriger erscheint. Renate schlägt sich tapfer. Dann wird abgeklettert zum ersten richtigen Stand. Von dort geht es gleich wieder scheinbar schwierig bergauf. All das muss Renate Respekt einflößen, aber sie kommt stets brav hinten nach. Der weitere Verlauf ist immer wieder spannend, aber stets machbar.

Die IIIer-Stelle laut Topo liegt Renate im Magen. Erst wollte sie vor dieser Stelle überlegen, ob sie die Stelle angehen will und dann im weiteren Verlauf der Kletterei war sie sicher, dass sie sie umgehen möchte. Aber ich bin ja vorne. Und als erster nehme ich die IIIer-Stelle in einer der Seillängen gleich mit. Uh, die Stelle gehe ich heute weiter rechts an, wo ein Haken aus der Wand schaut. Also, da fehlen irgendwie Griffe und Tritte für unser Können. Die letzten Male war ich ein, zwei Meter weiter links und dort ging es leichter. Trotzdem komme ich sicher über die Stelle und hole Renate nach.

Sie ist schnell da und steht jetzt unter dem Haken in der IIIer-Stelle. „Also, ich steh‘ jetzt an! wie soll ich da rauf kommen?“. „Immer dem Schnürl nach!“ ist meine beliebte Antwort, zur Unterstützung spanne ich das Seil ein bisserl. Jetzt tut sich lange nichts. Gelegentlich gelingt es mir, wieder ein paar Zentimeter das Seil weiter einzuziehen. Die Arme muss ja schon im Klettergurt hängen. Und dann taucht sie plötzlich auf, zuerst der Helm und dann immer mehr von ihr. „Boah, was war denn das jetzt?“. „Na, vielleicht haben wir schon, ganz ohne es zu bemerken, die IIIer-Stelle mitgenommen?“. „Sicher nicht, die kommt erst! Und sicher ist, die gehe ich nicht!“. „Oh ja, das war schon die IIIer-Stelle!“. „Was echt jetzt?“. „Ja!“.

Jetzt fehlt nur noch eine Stelle mit III-. „Spreizschritt“ erwähnt die Topo dazu. In meiner Erinnerung ist das aber eine wahrlich nicht schwere Stelle. Was allerdings in Renates Kopf vorgeht, kann ich nicht sagen. Jedenfalls steige ich vor, überwinde den Spreizschritt ohne sonderliche Aufmerksamkeit. Den nächsten Stand baue ich ums „Eck“ bei einer kräftigen Latsche. Von Renate höre ich derart nichts. Aber das Seil rutscht fein durch meine Sicherung. Sie kommt näher, bis es plötzlich stockt. Das ist nicht ungewöhnlich. Ich warte. Nix tut sich. Ich warte. Minuten, echte Minuten vergehen. Ich warte, ich rufe: „Alles okay?“. Keine Antwort! Ich fixiere den Stand und steige ihr entgegen. Nun bin ich in Rufweite. Renate steht vor dem Spreizschritt und weiß nicht weiter. Sie will mehr Seil. Anscheinend habe ich sie von oben mit meinem Probeziehen immer weiter nach vorne gezogen, und nun ist die Lage misslich. Ja, das auch, aber selbst mit mehr Seil weiß sie eigentlich nicht, wie sie darüber soll. „Nach links absteigen und drüben wieder rauf!“ rufe ich noch. Dann mache ich mich zurück zum Stand, um ihr mehr Seil geben zu können. Diesmal geht etwas weiter. Etwas erschöpft und fertig steht Renate vor mir. Sie war wirklich ratlos, hat das Offensichtliche nicht gesehen und sich nur gewundert, wie ich da rüber bin. Na ja, dass ich mit meiner Hüftprothese, zwei lädierten Knien nicht wie eine Katze gesprungen bin, sollte eigentlich offenkundig sein. Renate meint, dass sie sogar an die Bergrettung gedacht hat. Das wäre ein lustiger Einsatzbericht geworden: „Die gut ausgerüstete 54-jährige, die am Stadelwandgrat unterwegs war, kam bei einem Spreizschritt in eine brenzlige Lage und konnte weder vor noch zurück. Die zu ihr aufgestiegenen Bergretter sicherten die bereits leicht erschöpfte Bergsteigerin bei einem Schritt galant durch Reichen der Hand, ehe diese selbständig ihre Bergtour mit ihrem Partner, der wenige Meter oberhalb von ihr an einer Latsche gesichert, beim Handyschauen aufgefunden wurde, fortsetzen konnte.“. Auch ein Hubschraubereinsatz wäre fein gewesen. Es hätte ja gereicht, wenn sich Renate kurz am herunterhängenden Bergehaken festhalten hätte können, ehe sie sich mit einem „Danke und Tschüssi!“ verabschiedet hätte. Ging aber auch so, mit Geduld!

Nach diesem eigentlich eher unspektakulären Spreizschritt geht es dann nur noch in flacher werdendem und einfachem Gelände weiter. Ein Grat ist noch dabei. Auch wenn das technisch einfach ist, sichern wir weiter. Da ist eine von uns beiden schon ein bisserl über das Maß des Erwarteten hinaus müde. Vergnügt und zuversichtlich, aber eben doch gefordert. So schaffen wir noch eine Seillänge gesichert, ehe wir ungesichert den letzten Anstieg nehmen und über die Märchenwiese zur Forsthütte absteigen. Jippieh, geschafft und Gratulation an Renate.

Nach Jause und Nachbesprechung geht es wieder durch den Stadelwandgraben zum Auto. Nach den Anstrengungen zieht sich der Abstieg ein bisserl sehr. Aber was soll’s? Geht ja alles vorbei!

Besten Dank an meine tolle Begleiterin!

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Stadelwandgrat III

Renate liegt mit Fieber im Bett. So brechen Gernot und ich auf, um die Erinnerung an den Stadelwandgrat aufzufrischen. Wieder sind wir die einzigen, die an diesem Wochentag in diesem Gebiet unterwegs sind. Diesmal steigen wir weiter im Stadelwandgraben auf, machen damit sogar ein paar Höhenmeter „zu viel“, gelangen dafür aber komfortabel ins Gassel. Gernot notiert als Abzweighöhe 910m. Das ist knapp unter dem Geröllfeld, bei dem der Weg durch den Stadelwandgraben in Aufstiegsrichtung scharf nach rechts abbiegt.

Das Gassel ist weniger anstrengend als sonst, aber noch recht unbegangen in diesem Jahr. Das bedeutet viel Schotter und loses Gestein. Ein nennenswerter Brocken löst sich fast, bleibt aber liegen. Ich warne noch Gernot, der sich 50 Meter hinter mir befindet. So steige ich weiter und höre irgendwann einen Schrei hinter mir. Gernot musste einen Brocken, der langsam auf ihn zugekommen ist, mit den Händen abwehren. Das bringt ihm eine Schürfwunde und einen ziemlichen Stich im Handgelenk. Ich bin extra vorsichtig aufgestiegen und vermute, dass der sich eine, vorher erwähnte Brocken doch noch langsam auf den Weg gemacht hat. Oh, oh – das hätte schlimmer ausgehen können.

Die Lesson learned daraus ist, dass man eng beisammen bleiben soll, wenn die Steine locker liegen. So düsen wir in kurzem Abstand zum Einstieg hinauf. Der ist wie immer, weiter oben als vermutet. Schön brav, den roten Punkten folgen. Diese führen zuverlässig zum Einstieg, der sich auf knapp unter 1.200 Metern liegt.

Der Zustieg war anstrengend, aber hier ist es nun recht kühl. Die Sonne versteckt sich, der Wind pfeift. Ich ziehe mich um, aber zittere beim ersten Stand. Oha! Jetzt kommt auch noch die „Notjacke“ dran, und ab damit passt dann die Temperatur.

Der erste Stand ist am „Zusatzturm“, den man sich auch sparen kann. Man erreicht ihn, wenn man gegen den fetten, roten Pfeil Richtung Ausstieg Richtersteig(?) spaziert. Ich finde der Turm macht Spaß und ist es wert, auch mitgenommen zu werden. Man muss ihn „überschreiten“, das heißt, hinten wieder runter. Das sieht wilder aus, als es ist.

Der Steig ist auf meiner Website schon ein paar Mal beschrieben. Deswegen kommen hier nun keine Details zum Steig, sondern Erkenntnisse der heutigen Begehung. Gernot und ich wechseln uns im Vorstieg ab, das macht die Sache kurzweiliger. Ein bisserl Zeit sparen wir durch reduziertes Umhängen. Wichtiger erscheint aber die Tatsache, dass das einmal vorne weg und einmal hinten nach abwechslungsreicher ist.

So kommt es auch, dass Gernot vor der IIIer-Stelle im Vorstieg ist, und gemäß Topo einmal II+ und einmal III- nimmt. Ich steige hinten nach und bin voller Staunen, was da bei Gernot im Vergleich zu den ersten Begehungen geht. Beim IIIer bin ich dann vorne. Die Stelle ist auch keine sonderliche Hexerei, wenngleich Gernot meint, dass er die nie und nimmer im Vorstieg gepackt hätte. Vielleicht will er Bescheidenheit an den Tag legen. Ich traue es ihm demnächst zu, und das, obwohl er erst seit ein paar Jahren kraxelt.

Der Steig kommt uns kürzer vor. Die Zeiten vergleichen wir nicht. Wozu auch? Ueli Steck war in deutlich weniger Zeit durch die Eiger Nordwand.

Vorm Forsthaus fehlen leider Bänke und Tisch. So jausnen wir am Boden sitzend, ehe wir absteigen. Am Abend gibt es noch mein erstes MRT. Geht sich alles locker aus. Mit Renate geht es auch bergauf.

Alles tadellos!

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Akademikersteig

Jetzt ist der Akademikersteig dran! Wird am Feiertag viel los sein? Ich habe keine Ahnung. Am Vorabend flüchten wir von daheim und überlassen das Haus Jasmin & Friends.

Wir quartieren uns im Schlosshotel Hernstein ein und erleben dort Skurriles! Die Kammer der gewerblichen Wirtschaft für Wien hat sich in die Reihe der überaus wohlhabenden Vorbesitzer eingereiht. Da sieht man, was mit Zwangsmitgliedsbeiträgen geht und dann doch nicht so richtig funktioniert. Das Anwesen ist atemberaubend! Ich würde da in jedem Fall wieder hinfahren, die Preise sind überaus vernünftig. Auf der anderen Seite möchte man lachen, was da an handwerklichem Murks passiert ist. So haben wir am WC im Zimmer ein 24×7 hell leuchtendes Notausgangsschild. In anderen Zimmern der Suite sind auch solche Schilder, aber da hat sie offensichtlich zumindest jemand ausgeknipst. Man wundert sich. Kurz, da ist mit viel Geld, das anderen gehört, das Beste beauftragt, aber nie vernünftig abgenommen worden.

Aber nun zum Akademikersteig. Der ist hier schon oft beschrieben. Am Parkplatz ist für einen Feiertag sehr wenig los. Wir parken ganz „oben“. Das Wetter passt, das Seil ist ganz neu, Renate ist voller Zuversicht. Den Zustieg finde ich mittlerweile verlässlich. Was soll da schiefgehen?

Nichts geht schief. Renate ist flink wie ein Wiesel und überaus geschickt. So schaffen wir es über die mit II+ bewerteten Stellen und erreichen das Steigbuch unterm Felsfenster. Renate schaut ins Buch und entdeckt einen Eintrag von Februar 2024. Gottfried und Gernot waren da. Ich mag den Zufall gar nicht glauben, dass da noch ein anderes Kletter-Duo mit denselben Namen am selben Steig unterwegs war. Ich bin den restlichen Tag hin und weg, bis ich Gernot über diesen Zufall informiere. Der erklärt mir, dass das seine Handschrift ist und wir heuer den Steig schon gegangen sind. Uje, ich mache mir Gedanken!

Renate nimmt auch das Felsenfenster ganz locker. Am abschließenden Grat stellt sich noch einmal die Frage, wo es da rauf gehen soll. Aber dann ist auch der Ausstieg schon geschafft. Gratulation! Wir gönnen uns noch die traditionelle Forelle im Weichtalhaus und sind hoch zufrieden!

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Wildes Gamseck

Was im Kurs erlernt wurde, muss gefestigt werden. Renate sucht sich das Wilde Gamseck aus und wählt damit den klassischen Weg der Ostender Bergsteigerlaufbahn. Gerne hätte ich die erste Stufe dieses Weges übersprungen und wäre gleich in den Akademikersteig. Doch auch wenn mich der lange Zustieg und ebenso lange Abstieg nicht so reizen, so werden sie uns fitter machen. Soll sein.

Wir parken in Hinternasswald und wandern los. Bei der Gamseckerhütte wartet eine Gams. Nein, flüchten kann sie nicht mehr. Sie hofft, dass wir an ihr vorbeiziehen werden. Das tun wir auch. Das arme Viecherl hat den Winter überstanden und steht nun etwas lädiert da. Zumindest kann es sich, sofern es denn dazu noch in der Lage ist, am saftigen Grün erfreuen.

Nach zweieinhalb Stunden ist, wie in der Literatur angegeben, der Einstieg erreicht. Man kommt an der Wand in einer gewissen Demut an, wenn man nicht sonderlich fit ist. Der Anstieg ist in unserer aktuellen Form ein bisserl zach. Wir gönnen uns eine Pause und wärmeres Gewand, ehe es in die Wand geht. Renate debütiert in ihrer Kletterkarriere tadellos. Anfangs noch ohne Seil denke ich schon, dass wir das Kletterzeug wieder einmal umsonst herumtragen, aber dann türmen sich scheinbare Schwierigkeiten vor uns auf, an die ich mich gar nicht zu erinnern vermag. Ich meine gar, die „Schlüsselstelle“ schon hinter uns zu haben. Das ist aber nicht so wichtig, denn es bietet sich die Möglichkeit, Erlerntes anzuwenden, und das hat immer seinen Reiz.

Auch für mich hat der Kurs einiges gebracht. Bislang habe ich die Sachen sicherlich nicht falsch gemacht. Aber es war halt aus der Erfahrung bzw. aus dem Selbststudium. Nun habe ich Selbstvertrauen, und die Übungen laufen wie am Schnürchen. So soll es sein. Die Schwierigkeiten sind nach ein paar Metern zu Ende und so können wir uns aufs Üben von Mehrseillängen konzentrieren. Renate nimmt eine Seillänge gar im Vorstieg. Schwer ist der Steig jedenfalls nicht, Renate erlebt keine Schwierigkeiten.

Bei der Bodenalm gibt es eine längere Pause mit selbst mitgebrachter Jause, ehe es durchs Bärenloch zurückgeht. Auch der Abstieg ist lange. Für eine von uns beiden sogar überraschend, ja fast nervig, lange. Hmm? Schon unten auf den letzten Kilometern geht Renate ohne Schuhe. Der Fußballen schmerzt so sehr. Ich staune. Nun bin ich seit 50 Jahren in den Bergen unterwegs, aber das habe ich noch nie gesehen. Vielleicht ist das der Grund, dass es mich auf dem flachen Forstweg hinwirft. Die schöne Hose und meine Haut haben ein paar Löcher. Renate zieht vor Schreck wieder die Schuhe an und absolviert ohne Murren den letzten Kilometer. Geht ja! 😉

Nach sieben Stunden Gehzeit sind wir wieder beim Auto. Nur beim Start in der Früh hatten wir einen Bergsteiger gesehen. Die restliche Zeit mussten wir uns beide genug sein. Fein war’s!

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Peilstein

Gernot hat mir ein Buch mit Klettertouren zum Geburtstag geschenkt. Am Akademikersteig war ich beim letzten Mal unsicher, wie denn das Sicherungsgerät zu verwenden ist. Renate will auch klettern. Jede Menge Gründe, um einen Kletterkurs beim Alpenverein zu buchen. Auch Gernots Renate entschließt sich zur Teilnahme. Tadellos, so stehen wir am Montag am Peilstein und harren der Dinge, die da kommen mögen.

Unser Trainer, Frans, erklärt kurzweilig das Material und fünf notwendige Knoten. Dann wird auch schon abgeseilt. Mutig stürzen wir uns in die Tiefe. Mit der Zuversicht von Kindern, die ganz darauf vertrauen, dass Frans schon alles vernünftig aufgebaut hat. Niemand prüft, was er denn da zusammengehängt hat. Warum auch? Alle vier haben ihren Spaß, ehe es nach Holzschlag zum Mittagessen geht.

Am Nachmittag werden Mehrseillängen geübt. Erst in der Ebene, dann am Gamseckgrat. Auch diese Übung schaffen alle ohne Not und dafür mit Freude. Und ehe der Tag vorbei ist, bekommen wir noch Tipps, deren es so viele gibt. Schauen wir einmal, was wir uns bis zum ersten Einsatz merken. Kurz vor fünf sind wir müde und zufrieden von unserem Arbeitstag draußen wieder am Heimweg. Fein war’s!

Akademikersteig

Der Akademikersteig ist wieder einmal dran. Der Klimawandel lässt solche Aktionen im Februar zu. Statt gejammert wird gekraxelt. Die Hüfte lässt Bewegungen zu, mit denen ich halt nichts anfangen kann. Das soll mich nicht abhalten, wieder einmal zu erwähnen, wie toll die Hüft-OP gelaufen ist.

Am Steig geht alles reibungsfrei ab. Gefühlt sind wir im Vergleich zu den ersten Malen irre schnell. Experten laufen die paar Hundert Meter wahrscheinlich. Wir schaffen es seilfrei bis auf das Felsfenster. Dies sei notiert, weil es Gernot sonst beim nächsten Mal wieder nicht glauben kann. Und nach dem Felsfenster kommt nichts Schwieriges mehr. Auch das sei hier festgehalten.

Schöner Tag, tadellos!

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Bergsteigen: Karreralmsteig

Schon in der Wandersaison ist hier an der Südseite der Rax kaum was los. Aber um diese Jahreszeit ist es noch einsamer. Bis zur Reißthalerhütte sind noch Spuren zu erkennen, aber dann war wohl in letzter Zeit hier kein Mensch unterwegs. Als Steigerung dann der Karreralmsteig. Ich bin recht sicher, dass ich der erste im Jahr 2023 bin. Das ist aber auch wurscht.

Ich steige nach einer Pause bei der Karreralm das erste Geröllfeld hinauf. Jö, ist das fein! So ein Geröllfeld, so gut wie nie begangen und dann nach dem Schnee.. Hmm, das ist fein, zumindest, wenn man sich gerne ein bisserl selbst quält. Das ist so fein, dass ich zu weit aufsteige. So quere ich wieder einmal durch die Latschen. Der Schnee trägt dankenswerterweise. Und da sieht auch der Mann mit der Rotsehschwäche und der deswegen vielleicht so roten Kopfbedeckung schon eine rote Markierung am Fels. Es wird gekraxelt. Weil hier nur ganz wenig los ist und ich mir bei einer der vorigen Begehungen schon mal eine kleine Felsplatte in der Hand hatte, rüttle ich vor jedem Anziehen. Ich kann das hier nur empfehlen.

Durchs Felsenfenster und dann zur IIIer-Stelle. Die ist wirklich nicht lange. Ich stehe in den steigenfesten Bergschuhen da und die Saison ist ganz frisch. Also, ein steigenfester Bergschuh ist irgendwie das Gegenteil eines Kletterschuhs, der Antikletterschuh sozusagen. So setze ich an zum ersten Schritt, zögere, und setze wieder zurück. Zögerlicher Einstieg! Das geht ein paar Mal so, dann stehe ich in dieser drei bis vier Meter hohen Felsplatte. Gut fühlt es sich heute nicht an. Aber die Sohlenspitze hält, der nächste Griff ist einem IIIer auch nie weit und so schaffe ich es nach oben. Geht doch! Yes!

Für die erste Märzhälfte ist ganz, ganz wenig Schnee da. So mache ich mir Sorgen um die Wasserversorgung der Wiener im Sommer. Aber ich sollte mir eher Sorgen um meine Kondition machen. Steigeisen brauche ich diesmal nicht, das ist fein. Der Schnee ist einigermaßen weich und das sollte er auch im Schatten sein. Hier sind übrigens die schweren Schuhe den Kletterschuhen haushoch überlegen.

Also, rein mit den Schuhspitzen in den Frühjahrsschnee und schön den Pickel versenken. So geht es die enge Rinne rauf. Nun weitet sich das Schneefeld. Das ist bei dem Schneemangel vielleicht noch ein Grad steiler als die letzten Male. Zuerst versuche ich nach links auszuweichen, wo das Gras rausschaut. Aber dort wirke ich wie ein verlorener Steilhanggärtner, der mit seinem Pickel den Boden auflockern will. Selbst für ambitionierte Bergbauern ist es hier ein paar Grad zu steil. Da taugen weder Kletter- noch Bergschuhe. Also, zurück ins Schneefeld. Wie schnell man einen anständigen Puls erreichen kann! Der Ort taugt nicht für eine entspannende Pause. So beiße ich die Zähne zusammen und quäle mich ans obere Ende.

Ab hier geht es wieder auf Geröll nach oben, das grundsätzlich einen aufrechten Gang zulässt. Wäre ich nur nicht schon so fertig. Aber langsam geht alles, sieht mich ja keiner. Einmal stellt sich noch an unerwarteter Stelle jede Menge Triebschnee entgegen. Das ist bei aperen Verhältnissen eine leichte Kraxelei. Mit diesem tückischen Triebschnee als Auflage grabe ich da lange herum. Was bin ich über den Pickel froh!

Nochmals taumeln und schnaufen, und das Heldendenkmal ist erreicht. Der Schnee ist hier heroben weggeblasen. Eine ungewöhnlich große Gamsherde grast hier. Der Chef starrt mich an, ich weiche ihm aus. Er muss ja brillieren, nicht ich.

Das Karl-Ludwig-Haus erobere ich noch auf Ingress, ehe ich über den Karlgraben absteige. Oben taugen die Grödel, aber im Graben sind sie eine Gefahr. Sie stollen dermaßen an, dass ich sie nach ein paar Metern abnehme.

Das Waxriegelhaus ist menschenleer. Der schlurfende Kellner aus Nepal freut sich über mein Namaste. Nach zwei Gängen betritt zu meinem Kuchen und Kaffee ein Tourengeher die Hütte, sieht die leeren Tische und … setzt sich zu mir. Interessantes Sozialverhalten! Mir soll’s recht sein. Er glänzt, dass er schon seit 55 Jahren auf der Rax herumklettert. Okay, da fehlt mir noch ein Jahrzehnt. Kurz, überkommt mich eine Lebenskrise, da das Ergebnis meines Schaffens nun ein Platz am Tisch der peinlichen Legenden ist. Was soll’s! So erfahre ich, dass die Schneelage vor 30 Jahren oft eine Abfahrt des Langermanngrabens bis zur Forststraße zuließ. Irgendwann wurde ein Drahtseil angebracht, das die leichte Kletterei in den immer schneeärmeren Wintern sichern soll. Ob das Seil noch da ist? Keine Ahnung. Fix hingegen ist, dass Winter mit einer Abfahrt über den Abbruch aufgrund der unübersehbaren Klimaerwärmung nur noch sehr selten werden. Wer den Jungen dann sagt, dass man da runterfahren kann? Ich werde es nicht sein und steige zum Preiner Gscheid ab. Auf den letzten Metern setzt Regen ein. Ein besonderer Tag war es trotzdem hier.

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