Peilstein

Gernot hat mir ein Buch mit Klettertouren zum Geburtstag geschenkt. Am Akademikersteig war ich beim letzten Mal unsicher, wie denn das Sicherungsgerät zu verwenden ist. Renate will auch klettern. Jede Menge Gründe, um einen Kletterkurs beim Alpenverein zu buchen. Auch Gernots Renate entschließt sich zur Teilnahme. Tadellos, so stehen wir am Montag am Peilstein und harren der Dinge, die da kommen mögen.

Unser Trainer, Frans, erklärt kurzweilig das Material und fünf notwendige Knoten. Dann wird auch schon abgeseilt. Mutig stürzen wir uns in die Tiefe. Mit der Zuversicht von Kindern, die ganz darauf vertrauen, dass Frans schon alles vernünftig aufgebaut hat. Niemand prüft, was er denn da zusammengehängt hat. Warum auch? Alle vier haben ihren Spaß, ehe es nach Holzschlag zum Mittagessen geht.

Am Nachmittag werden Mehrseillängen geübt. Erst in der Ebene, dann am Gamseckgrat. Auch diese Übung schaffen alle ohne Not und dafür mit Freude. Und ehe der Tag vorbei ist, bekommen wir noch Tipps, deren es so viele gibt. Schauen wir einmal, was wir uns bis zum ersten Einsatz merken. Kurz vor fünf sind wir müde und zufrieden von unserem Arbeitstag draußen wieder am Heimweg. Fein war’s!

Wandern: Ramsau

Gernot ist nach seinem Spitalsaufenthalt fast wieder ganz der Alte. Trotzdem gehen wir es langsamer an. Gernot ist mit Renate und seinem Dad, Norbert, für ein paar Tage in der Ramsau im Ennstalerhof. Mio und ich reisen für den Samstag und Sonntag nach. Wie zu erwarten, ist die kulinarische Versorgung herausragend. Das Hotel selbst ist fein und hat nun einen Infinity Pool. Aber die Klimaerwärmung hat es im Winter an den Rand gedrängt. Ums Hotel ist wenig Schnee, einzelne Langläufer rennen noch vergangenen Tagen hinterher. Ostern bleibt das Hotel schon geschlossen. Die Sommergäste werden erst später erwartet.

Am Samstag haben Gernot, Renate und Norbert schon Höhenmeter in den Beinen. Ich stoße am Nachmittag dazu und wir spazieren noch zur Brandalm auf Kuchen und Kaffee. Norbert hat immerhin schon seinen 85. Geburtstag hinter sich. Das hält ihn nicht ab, tapfer und unaufhaltbar wie eine Dampfmaschine weitere Höhenmeter zu schnupfen.

Am Sonntag geht es auf die Hochwurzen. Mio ist in seinem Element. Erst ist es der winterliche Wald und dann auf den letzten Metern sind es Rodler und Skifahrer. Wir haben ihn ja im ersten Jahr mit Radfahrern, Läufern, Pferden, Rindern, etc. vertraut gemacht. Woher hätten wir Wintersportler nehmen sollen? So jagt er erbost jeden Skifahrer und jeden Rodler die Piste runter. Letztlich hält ihn nur die Leine. Bei der Hochwurzenalm wurrelt es plötzlich von hunderten Skifahrern mit Helm. Das ist auch einem Lagotto irgendwann zu viel. Er resigniert. Und da er sich mit nassem Bauch nicht auf den Steinboden legt, darf er auf der Bank schlafen. Der Hund ist fertig, das Personal gnädig.

Die Brandalm-Tour auf Garmin
Die Hochwurzen auf Garmin

Alpin-Ski und 41. Skitour: Leogang

In diesen verrückten Zeiten ist ein Nebenwohnsitz von großem Nutzen! Warum haben wir nur das Haus in Mitterfelden verkauft? Egal, wir finden eine Lösung. Die drohende Option „Locked down in Breitenfurt Ostende“ macht erfinderisch, und wir machen uns auf den Weg nach Leogang.

Lydia ist auch dabei und so rauscht die vollbepackte Q Richtung Westen. Wir wagen das deutsche Eck, auch wenn wir nicht wissen, welche Belege wir für unseren Ausbruch aus dem Lock-down brauchen. Zum Glück überholt uns ein Fahrzeug mit rumänischem Kennzeichen vor der Grenze. Nach so etwas sind wir für die reaktivierten Grenzbeamten am kleinen deutschen Eck zum Glück uninteressant. Wir dürfen anstandslos passieren.

Gernot und Renate sind am Vortag angereist. So ist das Haus schon vorgewärmt und im Handumdrehen auch rappelvoll – die verordneten Babyelefanten sorgen für Ordnung. Die Zimmer sind verteilt. Schön haben sie es hier und wir. Hier werden Gernot und Renate also die nächsten Monate verbringen – beneidenswert.

Wir haben Wetterglück. Das Skigebiet in Leogang ist klein aber fein. Saalbach-Hinterglemm hat wegen der unklaren Auflagen geschlossen. So rauschen wir mit ein paar Einheimischen und Zweitwohnsitzlern über die Pisten. Der Tag in Kitzbühel ist ähnlich. Die Zweitwohnsitzler kommen aber den KFZ-Kennzeichen folgend aus Großbritannien, den Niederlanden oder der Ukraine.

Eine Skitour in Leogang ist auch dabei. Ich steige mit Lydia zur Mittelstation der Steinbbergbahn auf. Gilt das als Skitour? Zumindest tun das hier viele. Der Aufstieg erfolgt über die Piste. Im neuen Jahr steigen Gernot, Renate, Sabine und Lydia durch den Wald auf. Die Abfahrt ist wegen Schneemangels jedenfalls nur über die Piste möglich.

Ein weiteres Highlight ist die Abfahrt von Gernot, Sabine, Lydia und Jasmin nach Viehhofen, von wo sie mit der Q abgeholt werden wollen. Das ist eine halbe Stunde Fahrzeit von Leogang entfernt. Ich habe schon Sorge, dass ich vier Eiszapfen einsammeln werde, zumal kein Gasthaus, keine Schihütte und keine Liftstation wärmenden Unterschlupf bieten darf. Lieber wird erfroren, als Ischgl 2.0 zu drehen. Die Verhältnismäßigkeit der Mittel ist längst verlorengegangen. Wie auch immer, zu meiner Überraschung bin ich es, der noch eine Spanisch-Lektion einschieben kann, ehe ich am oberen Ende einer kaum schneebedeckten Wiese vier Skifahrer schon im schwachen Tageslicht erspähe. Etwas verschwitzt berichtet man von einigen Unwegsamkeiten und zumindest einem lohnenswerten Tiefschneehang. Passt – nicht nur Jasmin wird sich lange an die Abfahrt erinnern.

Silvester ist auch ein gelungener Abend. Und das liegt nicht nur daran, dass die Destillerie in der Nachbarschaft ein Click & Collect eingerichtet hat. So tanzen wir auf der leicht schneebedeckten Terrasse ins neue Jahr, ehe es am 2. Jänner wieder zurückgeht!

Wanderung: Teichalm – Hochlantsch

Gernot und Renate haben für ein paar Tage Quartier beim Pierer auf der Teichalm bezogen. Da kommen wir zu Besuch.

Am Mittwoch wird brav gelaufen, der Donnerstag zeigt sich wettertechnisch von einer überraschend freundlichen Seite. Renate hat einen Virus erwischt (darf man das in Covid19-Zeiten überhaupt?) und genießt die Annehmlichkeiten des überaus gelungenen Hotels, während Gernot, Sabine und ich auf den Hochlantsch wandern.

Knapp unterm Gipfel hat Sabine das Pech, dass sich ihre Schulter beim ersten Felskontakt mit einem Schnalzer meldet. Das tut weh und schmerzt, weil sich damit die Chancen auf Wassersport deutlich eintrüben. Die Sache mit den Bergen ist jedenfalls, vorsichtig gesagt, keine Liebe auf den ersten Blick.

Gute Ablenkung bieten die Steinböcke. Gernots geübtes Auge, stets nach Wild Ausschau haltend und das nicht nur im Menü, entdeckt Objekte der Begierde in der Nähe. Mittlerweile habe ich Erfahrung und weiß schon, dass sie weder scheu noch aggressiv sind. Rasch bin ich in das kleine Rudel integriert. Vielleicht akzeptieren sie den bunten Paradiesvogel gar als Leitbock. Ich weiß es nicht. Vielleicht sind sie irgendwann grantig und meine Zeit als geduldetes Mitglied der Herde läuft schneller ab, als ich laufen kann. Wer weiß so was schon?