Wanderung: Gretchensteig

Nächster Lock-down-Sonntag und wieder in die Berge. Auf der Rax sind wir nicht die einzigen. Das erkennt man schon daran, dass der Parkplatz voll ist und wir an der Straße parken müssen. Doch die Berge sind für alle da!

Vom Preiner Gscheid geht es Richtung Reißtalerhütte bergauf. Wir sind wieder zu viert, Renate, Sabine, Gernot und ich. Brav reihen wir uns in eine Kette wochenendvergnügter Wanderer. Leistungssportler haben sich ebenso darunter gemischt wie Hundebesitzer. Selbst Gaukler bieten ihre Hofer-Kekse am Wegesrand an. Sabine trifft gar eine ehemalige Schulkollegin. Ja, da ist was los – unbestritten!

Der Gretchensteig wird Sabines erster Klettersteig sein. Renate und Gernot sind den Steig in diesem Jahr schon gegangen. Sollte gutgehen. Zwei Alpinisten legen beim Einstieg die komplette Klettersteigsetausrüstung an. Sabine ist sich sicher, dass die beiden die blanke Südwand direttissima gehen wollen. Auch die anderen Helmträger ordnet sie der Freeclimber-Szene zu. Denn, wozu sollte man so eine Ausrüstung für das bisserl geneigte Gelände da gebrauchen?! So geht sie es völlig unerschrocken und durchaus geschickt an. Ich bin den Steig das letzte Mal vor vierzig bis 45 Jahren gegangen und kann mich nur noch an den Namen erinnern. So steige ich vor, um zu prüfen, ob da eh nicht eine Stelle kommt, die uns die Schneid abkaufen könnt. Nichts dergleichen hält uns auf und schon sind wir oben. Sabine quittiert es mit: „Und des war’s schon?“. Ja, das war’s schon!

Am Plateau herrscht lebhaftes Treiben, aber es ist ja genug Platz. Wir gönnen uns in der Sonne eine Jause. Espresso ist wieder keiner dabei. So erfreuen wir uns der Tatsache, dass es hier heroben in der Sonne besser ist als unten im Nebel.

Im Abstieg entscheiden wir uns für die einfachste Variante. Am Schlangenweg kommt dann wirklich Stimmung wie im Lainzer Tiergarten oder gar in Schönbrunn auf. Ist halt so! Wir nehmen die Abzweigung zum Waxriegelhaus, wo der Hüttenwirt auf Selbstabholung umgestellt hat. Die Kellner langweilen sich ein bisserl und wir retten die Menschheit vor dem pandemischen Untergang, indem wir uns auf den Boden setzen, statt auf bequemen Bänken Platz zu nehmen. Denn die sind ja verboten! So geht Pandemiebekämpfung. Wir werden hoffentlich irgendwann über das verrückte 2020 schmunzeln können.

Am Preiner Gscheid trennen sich die Wege. Sabine rauscht Richtung Süden durch den Nebel nach Graz während mich Renate und Gernot in die Wiener Nebelsuppe mitnehmen.

Erster Klettersteig bestanden! Schwierigkeit A war kein Problem, da ist noch Steigerungspotenzial da. Aber vielleicht sollte ich das gar nicht schreiben. Wird alles werden.

Die Tour auf garmin.com

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