Malersteig III-

Gernot und ich packen das 60 Meter lange Einfachseil ein und mischen noch jede Menge Schlosserei dazu. Mio macht nach seiner Tour vom Vortag Pause. Von Griesleiten starten wir mit recht schwerem Gepäck. Der Zustieg überrascht schon, hat doch der Regen teils tiefe Rinnen in den Weg gerissen. Ich staune nicht schlecht. Entsprechend spannend ist auch der Zustieg nach dem Einstieg zum Haidsteig. Ist dieses Stück schon so kein Genuss, so hat es durch die Regenfälle noch einmal Spannungselemente zusätzlich. Teils ist das Geröll frisch aufgeschüttet und tiefe Rinnen stellen sich in den Weg. Die Sonne lacht, die Sicht ist gut und so gelangen wir problemfrei zum Einstieg.

Das Seil legen wir diesmal bei der Stelle mit II+ an. Das ist knapp vor dem Treffpunkt mit dem Königschusswandsteig. Den Malersteig kennen wir. Abwechseln steigen wir vor. Bin ich vorne, sehe ich die roten Punkte nicht so recht. Das macht die Tour wie immer ein bisserl spannend. Gernot hilft dann von weit hinten mit: „Den Kopf leicht nach links, zwei Meter oberhalb, beim hellen Fels ist ein roter Punkt,..“. „Ah ja, da geht’s weiter!“.

An der Mutprobe will Gernot vorsteigen. Ich staune, Gernot startet. Aber doch rasch ändert er seine Meinung. Schade, hätte gepasst. So haben wir unsere Hetz an dieser ausgesetzten Stelle, meistern sie aber wie auch den Rest wieder problemfrei.

Unser Besuch bei der Neuen Seehütte ist ernüchternd. Ein neuer Pächter hat die Hütte von Franz übernommen. Egal, oft werden wir hier nicht mehr vorbeischauen – schade! Ich war immer gerne hier. Anderseits vermuten wir, dass eh bald wieder ein neuer Pächter übernehmen muss. Momentan kann ich die Hütte nicht empfehlen.

Tour auf garmin.com

Klettern: Akademikersteig

Wir klettern spät, aber doch, die Saison an. Der Akademikersteig wird es. Der ist nun schon ein paar Mal hier beschrieben und Zwischenfälle gab es auch keine. Und trotzdem, oder gerade deswegen, war es wieder extra edel. Wir haben den Einstieg perfekt gefunden. Gernot ist Abschnitte ohne Seil vorgestiegen. Es wird! Na ja, und mir macht es wirklich jedes Mal einen echten Spaß. Es ist mehr ein Kraxeln als ein Klettern. Aber das tut der Freude keinen Abbruch!

Als Seil haben wir das Halbseil in 30 Meter verwendet. Das ist mehr eine psychologische Unterstützung. Es genügt in unserer Form der Nutzung nicht den Empfehlungen. Ich glaube trotzdem, dass es uns ausreichend sichert.

Wir haben uns im Weichtalhaus mit einer Lachsforelle belohnt. Die war ein Fang abseits der Bestellungen und entsprechend fein. So sind wir gar kulinarisch auf unsere Rechnung gekommen.

Bergsteigen: Preiner Gscheid – Karreralmsteig

Der Winter 2021/22 hat bislang wenig Schnee gebracht. Also, definitiv zu wenig, um in der näheren Umgebung eine Skitour zu gehen. Für den Mittwoch ist nochmals Kaiserwetter angesagt, ab Donnerstag soll vielleicht Schnee kommen. Der Karreralmsteig im „Winter“ könnte ein Erlebnis sein. Diesmal bin ich ganz zuversichtlich, alle Herausforderungen locker zu meistern.

Am Preiner Gscheid parkt ein Auto, und schon nach hundert Metern ist der Waldweg unverspurt. Oh, da ist schon länger niemand gegangen. Vor der Reißtalerhütte treffe ich dann doch auf eine Spur und folge ihr. Dabei mache ich meine Überlegungen, wie fit mein Vorgänger sein muss. Und so folge ich der Spur, während die Navigation der Uhr links sagt. Das besorgt mich nicht, führen doch mehrere Wege zur Karreralm.

Dann steht auch schon mein Vorgänger vor mir. Es ist ein älterer und wahrlich fitter Wanderer, der aber nicht ganz hinauf will. So habe ich nun für kurze Zeit zwei Spuren vor mir, ehe diese enden und ich spuren darf. Die Grödel sind bei dem Schnee unbrauchbar. Ganz schnell stollen Klumpen an den Sohlen an. Mühsam ist das! Die Karte meint nun, dass ich am Weg zum (Kleinen) Fuchsloch bin. Oh, da war ich schon mal! Das wollte ich aber gar nicht. Oder sollte ich gleich den Fuchslochsteig gehen? Hier am entlegenen Teil der Rax halte ich lieber an meinem Plan fest. Auch die Internetverbindung fehlt, um mich schlau zu machen.

Weil ich diesmal nicht wieder absteigen will, folge ich Gamspfaden. Die namensgebenden Tiere schauen mir verwundert zu. Wie ungeschickt der über das Geröll stolpert, in den Schneefeldern geht es einigermaßen. Aber vom Gehen auf zwei Beinen kann ich die Gämsen nicht überzeugen. Mein Gefühl und meine Karte sagen, dass es nicht mehr weit zum Einstieg sein kann. So überwinde ich einige Latschenfelder. Das geht am besten mit einem leichten Höhenverlust, weil die Latschen eben bergab gerichtet sind. Zurück kann ich da aber dann nicht. Hmm?

Plötzlich stehe ich punktgenau am Einstieg des Karreralmsteigs. Das muss einem mal gelingen! Meist ist es ein etwas nerviges Suchen, aber diesmal en point!

Die Sonne lacht, der Fels ist trocken. Los geht’s! Der Steig ist wirklich selten begangen. Einmal stellen sich gar Latschen in die steile Rinne, die hinaufgeklettert wird. Also, so eine exakte Routenführung gibt es eigentlich gar nicht. Alle zwanzig, dreißig Meter mal ein verblasster, roter Strich und das war’s dann auch.

Das markante Felsfenster sollte man schon finden. Bis dahin ist es leichtes, feines Kraxeln bis maximal Schwierigkeit II. Dann kommt die IIIer-Platte. Kurzes Überlegen und Zögern, aber dann steige ich los. Es sind gerademal drei Schritte, ehe man sich an der Oberkante der Platte schon wieder gut anhalten kann. Man kann die Platte leicht links umgehen. Aber dieses Mal lasse ich mir den Triumph nicht nehmen. Geschafft, hurra!

Durch den Umweg und den Schnee im Zustieg habe ich ein bisserl Müdigkeit aufgerissen. Ganz fit bin ich auch nicht. So gönne ich mir eine Pause unter den hier senkrechten Raxenmäuern. Frühlingshaftes Wetter – nicht schlecht. Während ich mir Tee und Schnitten zuführe, inspiziere ich die Querung und mutmaße über die Bedingungen in der Rinne. Die IVer-Stelle lasse ich, wie in der Literatur empfohlen, aus. Die Umgehung führt durch eine steile Geröllrinne und infolge über steile Grasschrofen. Da liegt überall Schnee, der hier in der Sonne schön weich ist. Ich habe aber keine Lust, im Schatten im Steilen auf gefrorenen Altschnee zu stoßen. So lege ich schon hier, an diesem komfortablen Rastplatz, die Steigeisen an. Wenn ich sie schon mitschleppe,…

Damit sollte ich auch rechtbehalten, denn wie vermutet, ist es in der schattigen Rinne hart. Das Schneefeld in der Querung ist von der Sonne aufgeweicht, sodass die schweren Bergschuhe anfangs noch ausreichend Halt finden, aber hier?

Zuerst dringen noch die Schuhspitzen tief genug in den Schnee ein, aber irgendwann bin ich über die Steigeisen froh. Das ist hier nur ein steiles Schneefeld und kein 70° steiles Eis in einer der bekannten Nordwände. Und trotzdem fangen mir die Wadeln an zu brennen. Ich kann rasten, indem ich die Schuhe quer in den Schnee stelle und mich auf den Pickel stütze. So entwickle ich eine Vorstellung, wie das sein muss, wenn du in so einer Nordwand stehst und dich über Stunden nicht entspannen kannst.

Mah, ist das anstrengend da rauf. Das ist es auch ohne Schnee, aber heute! Na, ich bin zumindest froh, dass es nach dem steilen Abschnitt fast schneefrei ist. Wenn dieser Teil zu spuren wäre! Ich zähle schon so die Schritte, was ein Zeichen von extremer Müdigkeit bei mir ist. Fünfzig Schritte mindestens – davor gibt es keine Pause!

Irgendwann taumle ich zum Heldendenkmal und treffe auf Wanderer. Ich ziehe mich wärmer an und steige zum Karl-Ludwig-Haus ab. Der vorherige Pächter, ein Grantscherben, der jedem, der nicht seiner Meinung war, gewünscht hat, dass in der Blitz beim Scheißen treffen soll, ist zum Glück weg. Ein Niederländer und eine Deutsche betreiben die Hütte nun unaufgeregt professionell. Vor allem sind sie auch im Winter da. Ich hätte ihnen mehr Schnee und damit Tourengeher gewünscht. So will ich eine anständige Zeche machen. Aber da bezweifelt die Wirtin, dass ich Kaspressknödelsuppe und Gulasch schaffe. Dann einen Kaiserschmarren? Auch zu viel, ihrer Einschätzung nach. Schauen wir einmal! Auch recht, ist mir schon lange nicht passiert.

Nach Kaspressknödelsuppe, Kaiserschmarren, Kaffee und jeder Menge Ingwersaft steige ich ab. Der Karlgraben ist gut eingeweht und so kann ich gelenksschonend in den Siebenbrunnenkessel absteigen. Auf der Piste zum Auto ist es dann aper. Der Wind hat in der letzten Stunde stetig zu genommen, vielleicht bringt er den notwendigen und angekündigten Schnee.

Ein toller Tag war’s. Heute am Tag der Niederschrift merke ich, wie anstrengend das war. Das rechte Bein mag gar nicht recht belastet werden. Ich habe sicherlich wieder schaurige Blutwerte! Aber ich kann mich ja ausruhen, das wird wieder. Es dauert halt viel länger als vor dreißig Jahren. Ist halt so!

Tour bis zum KaLu-Haus auf garmin.com

Klettern: Stadelwandgrat III

Gernot und ich probieren uns noch einmal am Stadelwandgrat. Diesmal verzichten wir auf einen Vorsteiger und sind damit auf uns alleine gestellt. Beim ersten Mal war auch ich im Nachstieg. Das war total ungewohnt und ich habe die Situation recht unterhaltsam und entspannt empfunden. Ich fürchte aber, dass ich mir derart nicht viel von der Tourenführung gemerkt habe. Schauen wir einmal!

Es ist einer der ersten Tage in diesem Herbst, an denen es unten nebelig und kalt ist, während oben die Sonne lacht. An diesem Tag werden wir keinen einzigen anderen Wanderer oder Kletterer treffen.

Weil wir keine G’schwinden und die Tage schon kurz sind, treffen wir uns schon um 07:15 in Brunn am Gebirge. Der Parkplatz des Stadelwandgraben ist bis auf ein Auto leer. Es ist bitter kalt und wenig einladend. Kurz vor dem „Gassl“ steigen wir aus dem Nebel, womit wir in diesemTeil des Anstiegs, der zugegebenermaßen etwas mühsam ist, schon ins Schwitzen . Beim Auto hatte es 3,5°, hier heroben ist die Temperatur sicher zweistellig. Das hat schon etwas Feines.

Diesmal erledigen wir den Zustieg schneller. Kein Suchen, wir können uns gut erinnern. Bald haben wir die Stelle, an der ein fetter, roter Pfeil in die Gegenrichtung zeigt. Ja, da sind wir richtig. Wir beginnen mit der Kletterei. Alles läuft super.

Heute finden wir viele Zwischensicherungen, auch gehen wir das eine oder andere Mal eine abweichende Variante. Speziell bei der schwierigsten Seillänge finden wir den Standplatz, an dem sich drei Optionen bieten. Die einfachste Variante ist eine Umgehung, die schwierigste Option (III+) führt direkt nach oben. Wir entscheiden uns bewusst für die IIIer-Variante wie auch das letzte Mal. Man muss ein bisserl vom Standplatz absteigen, um diese Option, die Standardoption, zu wählen.

Und irgendwann stehen wir dann am höchsten Punkt der Stadelwand. Wir haben die Tour geschafft und sind geschafft. Auf der Märchenwiese setzen wir uns ins Gras und essen Manner-Schnitten. Ein Gamsbock marschiert über die Wiese. Definitiv ruhig ist es hier.

Im Abstieg beginnt auf 1.100m der Nebel. Schlagartig wird es kalt. Das Thermometer im Auto zeigt 3,5°. Wir rauschen im Nebel nach Wien zurück. Toller Tag!

Die Tour auf Garmin

Bergsteigen: Haidsteig – Königschusswand – Malersteig

Der Parkplatz in Griesleiten ist völlig leer. Die Sonne lacht, es ist wärmer als daheim. Vorfreude macht sich breit. Ich nehme mir vor, mich heute ein bisserl mehr dem Genuss beim Kraxeln zu widmen. Das soll heißen, dass ich das gespannte Drahtseil vorrangig zum Sichern verwenden will, während ich nach Griffen und Tritten suche. Das geht bei den Schwierigkeiten bis C ganz gut. Darüber wird diese Übung schwierig und schnell auch unmöglich für mich.

Heute verbringe ich viel Zeit bei der Schwarzen Madonna. Das liegt auch an Ingress. Ach ja, das Nerdspiel. Mittlerweile sind aber schon einige „Grüne“ da raufgekraxelt und haben das Portal in ein solides 8er-Portal verwandelt. Wenn ich die Hülle vom Handy nehme, geht es viel besser. Versteht keiner, macht nichts, ist halt so!

Der restliche Steig ist technisch selten oder eigentlich nie ein C, fast immer darunter. Ich nutze die Sicherung nicht und steige völlig entspannt und unter Musikbegleitung aufs Plateau. Dabei liebäugle ich mit der Idee, den Königschusswandsteig nur bis zum Rastplatz zu gehen, und dort auf den Malersteig zu wechseln. Aber alleine ist das vielleicht keine gute Idee. Deswegen gehe ich ja die Klettersteige, wenn ich alleine unterwegs bin. Mal sehen.

Der Südostwind bringt Saharastaub und milde Luft. Dort, wo kein Wind ist, reicht das T-Shirt. Was für ein Tag!

Beim Einstieg zum Königschusswandsteig treffe ich Garvin. Ich habe ihn schon öfters gesehen. Das erklärt sich schnell. 55 Mal ist er den Königschusswandsteig schon gegangen – bei jedem Wetter, zu jeder Jahreszeit. Oh ha! Den ÖTK-Steig, wo ich ihn auch schon mal getroffen habe, hat er gar schon 85 Mal gemacht. Da schau‘ her!

Beim Rastplatz hat mich Garvin schon wieder eingeholt. Spontan frage ich, ob er den Malersteig gehen möchte. Na ja, mit Klettern hat er es nicht so. Die Frage nach überhängenden oder senkrechten Stellen kann ich klar und entschieden mit „Sicher nicht“ beantworten. Ich überlege länger, was es denn bedeutet, wenn das mit dem Klettern doch eine blöde Idee war. Ich will ja nicht der sein, der ihn überredet hat. Garvin meint, dass er ja umdrehen kann, wenn es ihm unangenehm wird. Irgendwie bin ich sicher, dass Garvin das locker packen wird. Er macht einen mehr als fitten Eindruck und an Bergerfahrung fehlt es ganz offenkundig auch nicht.

Wir starten entgegen jeder Prinzipien – es ist nun mal nicht sonderlich schlau, mit jemanden, den man gerade Mal seit ein paar Minuten kennt, eine gemeinsame Tour zu gehen. Zumindest stelle ich mich vor. Wäre ja sonst fahrlässig! Wenn es gutgeht, sind wir in maximal 45 Minuten durch. Und, es geht besser als gut. Völlig entspannt unterhalten wir uns, während wir dem Steig folgen. Bald wechselt die Markierung von blau auf rot. Meine Rotsehschwäche bedeutet das Ende meines Vorstiegs. Garvin übernimmt und ich folge. Jede Sorge war unberechtigt. Die erste Stelle mit III- fliegt vorbei. Dann folgt der etwas unangenehme Quergang Richtung Haidsteig. Nun übernimmt wieder Garvin die Fährte mit den roten Punkten. Erst bei der „Mutprobe“ nach dem Steigbuch steige ich wieder vor. Mit meiner Kenntnis des Steiges tue ich mir leichter. Der Rest ist einfacher und wir stehen – schwupps – wieder auf der Hochfläche.

Garvin gönnt sich noch den Königschusswandsteig im Abstieg. Ich nehme die unkompliziertere Variante über den Holzknechsteig und bin pünktlich zum Kochen bzw. Essen wieder daheim.

Vormittag optimal genutzt – check!

Die Tour auf garmin.com

Klettern: Malersteig III-

Mittwoch und Donnerstag regnet es. Wenn ich schon nicht raus kann, kaufe ich mir zumindest ein neues, schönes Seil von Petzl, das allen Anforderungen genügt. Gernot und ich wollen es am Freitag ausprobieren. Das Wetter sollte sich schon am Vormittag bessern. Wishful thinking – uje!

Fürs schöne Wetter fahren wir ein bisserl später los. Zu spät darf es auch nicht sein, weil wir weder in die Dämmerung noch Dunkelheit kommen wollen. Kurz nach halbzwölf starten wir beim Griesleitenhof. Ein Auto parkt noch da, von Sonnenschein keine Spur. Im Gegenteil Nebel und feuchtes Wetter wirken wenig einladend. Wenn wir schon da sind, schleppen wir das Seil zumindest bis zum Einstieg.

Positiv ist, es regnet nicht. Kalt ist es dafür. So steigen wir mal bis zum Einstieg des Haidsteigs. Alles Nebel – man sieht die Preiner Wand nicht. Also, um die Ecke und die Wand unterhalb der Madonna entlang durch das Geröll nach oben. Steil, nicht fest und entsprechend pulstreibend geht das dahin. Im Nebel sieht man die markante Überdachung, an der wir uns orientieren könnten, nicht. Und trotzdem finden wir mit fast schlafwandlerischer Sicherheit den Einstieg des alten Königschusswandsteigs. Mystisch schaut die senkrechte Wand im Nebel aus. Das Wasser rinnt aus der Wand, und es ist irgendwie außer Zweifel, dass wir die Unternehmung durchziehen.

Okay, wir gehen mal bis zu den Sicherungen des neuen Königschusswandsteigs. Dort können wir noch immer prüfen. Es ist feucht und so entscheiden wir uns dafür, schon von unten weg am Seil zu gehen.

Die ersten Seillängen sind recht unproblematisch, einzig eine Stelle (II+) um einen Felsvorsprung braucht bei der Nässe einige Aufmerksamkeit. Beim Rastplatz im neuen Königschusswandsteig zweigt nun der Malersteig nach rechts ab. Ja, das sollte gehen! Warum nicht?

So steige ich auf den Bänder den steilen Hang querend immer höher. Bei Sonnenschein kann das keine sonderliche Herausforderung sein. Jetzt im Nebel wirkt das schon recht alpin. Okay, man sieht nicht, wie weit es nach unten geht. Nach den Querungen lande ich in einer kleinen „Schlucht“ und meine, dass ich diese rauf muss. Die roten Punkte sehe ich wieder einmal nicht. Na zack, da rauf – das wird was. Warten wir mal auf Gernot. Stand gebaut und Gernot nachgesichert. Der erkennt die roten Punkte aber schon weiter unten rechts über einen Aufschwung, die Schlucht vermeidend. Ah, das ist die erste „III-„-Stelle. Oh ha! Heute trocknet da nichts mehr ab, also beherzt hinauf. Zum Glück ist schon bald eine Zwischensicherung vorhanden. Geschafft! Nein, da kann man nicht klagen.

Danach geht es wieder in erträglicher Form rechts aufsteigend weiter, ehe irgendwann eine gerade nach oben führende Rinne erreicht ist. Diese hinauf führt eine recht schöne Kraxelei. Das neon-farbene Seil durchschneidet den Nebel. Eine ganz eigene Stimmung ist das hier. Trotzdem oder gerade deswegen wird es mir plötzlich mulmig. Der Nebel verdichtet sich und das Tageslicht nimmt ab. Nein, es ist erst drei Uhr! Aber oberhalb der nächsten Felsstufe schaut der erste Schnee vor. Nein, das brauche ich jetzt echt nicht. Die Schlüsselstelle wartet noch. Bei Schnee habe ich da gar keine Lust drauf.

Aber was soll man schon machen! Also, weiter. Wir erreichen das Steigbuch und für hier ist auch schon die Schlüsselstelle angekündigt. Der Nebel verhüllt allerdings die Ausgesetztheit und so verliert diese Stelle etwas den Schrecken. Vor der Kante gibt es einen Haken und knapp danach ebenfalls. Griffe und Tritte sind ausreichend vorhanden. So ist es eher die psychologische als die technische Schlüsselstelle. Meine Gelassenheit reicht für Fotos. Das kann also nicht so schlimm gewesen sein.

Danach steige ich über unangenehme Felsschrofen nach recht querend. Platz für meine Sicherungen finde ich nicht. Dafür sehe ich die Sicherungsanker und das Seil des Haidsteigs rechts oberhalb von mir. Na, besser geht es ja nicht! Erstens kenne ich damit unseren Notausstieg im Schlaf, anderseits kann ich dort ganz bequem sichern. Gernot kommt nach. Leider ziehe ich zu fest am Seil. So muss der arme Kerl unter Zug über die rutschigen Schrofen. Den Fehler wollen wir dann das nächste Mal vermeiden.

Diesmal ist es Gernot, der die Tour wie geplant vollenden will. Ich komme gar nicht zu meinem Vorschlag, dem Haidsteig aufs Plateau zu folgen. Auch recht. Gernot sieht die roten Punkte und steigt ein Stück vor. Ich muss vom Haidsteig wieder ein Stück runter. Der erste Schnee unter den Sohlen ist ein bisserl komisch und der Sommer mal fürs Erste endgültig abgesagt.

Bei der nächsten Sicherung löse ich Gernot wieder ab. DEr Rest sehr einfach und bald stehe ich beim Ausstieg des Malersteigs und des Haidsteigs. Gernot folgt mühelos. Yeah, damit haben wir bei diesen doch alpinen Bedingungen diesen schönen Steig durch die Preinerwand geschafft. Jubel ist angesagt!

Am Ausstieg des Haidsteigs liegt das Schneefeld jungfräulich. Da war heute wohl niemand. Der Ordnung halber steigen wir noch zum Preinerwandkreuz. Ein Besuch am Waxriegelhaus geht sich heute nicht mehr aus. Der Holzknechtsteig gibt sich von seiner entbehrlichen Seite, aber muss halt sein.

Nach der extrem kurzweiligen Tour sind wir nach sechs Stunden wieder beim Auto und erstaunlich fertig. Zumindest mir hat die Tour mal zugesetzt. So hatte ich vermutlich, das erste Mal einen höheren Durchschnittspuls und einen höheren Kalorienverbrauch als Gernot.

Wie auch immer, eine tolle Tour unter beeindruckenden Bedingungen liegt hinter uns. Noch nicht einmal daheim denken wir im Auto schon an die nächste Tour.

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Klettern: Stadelwandgrat III

Bis II+ getraue ich mich vorzusteigen. IIIer packe ich wahrscheinlich auch noch, aber weniger gerne in Verantwortung für einen Begleiter. Und da sich Gernot in die nächste Schwierigkeit steigern will, ruft er seinen ehemaligen Kursleiter für Klettersteige an. Ich bin entspannt, werfe mein gesamtes Material mit Ausnahmen der Eisschrauben ins Auto, pfeife auf die Vorbereitung und fahre mit.

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