Über den Gamsblick-Klettersteig auf den Traweng

Schon am Vorabend sind wir auf die Tauplitzalm gereist. Renate gefällt es hier. Wir erkunden die Umgebung des Hotels nach dem Abendessen, und auf der Karte sieht es so aus, als hätten wir schon die halbe Tour hinter uns. Die Tagen werden kürzer, kein Zweifel. Morgen wird alles gutgehen, zu Mittag sollten wir zurück sein,

Frühstück gibt es um 7:30, kurz nach acht starten wir beim Hotel Hierzegger. Die Nacht war gut, das Frühstück war gut, alles war gut. Was soll da schiefgehen? Schon beim Start ist es warm. Wir haben Ende August und sind auf 1.600 m, aber außer der Short und dem Shirt werde ich heute nichts brauchen.

Richtung Osten über die Alm, am Grazer Haus vorbei, ehe es Richtung Norden geht und der Weg endlich ein paar Höhenmeter macht. Die Sonne legt sich da rein. Die Conclusio ist, dass wir ein Monat zu früh sind. Egal, alles geht vorbei, wir queren ein Geröllfeld bzw. steigen ein bisserl ab. Da sind wir am Einstieg. Ein große Höhle, die ihrer Schaukel beraubt wurde und ein paar Leute vor uns im Steig. Wir haben es nicht eilig und der Steig gehört uns schnell alleine.

Die Bedingungen sind ideal. Die Kategorie C passt meines Erachtens genau. Griffiger Fels wartet. Gelegentlich braucht man Armkraft, aber mit ein bisserl Übung und der Hauptlast auf den Beinen ist das kein großes Problem. Nichts Abdrängendes oder Glattes macht einem das Leben schwer. Schön fordernd, aber auch nicht überfordernd. Aber das kommt, wie erwähnt, auf die Erfahrung und die Übung an. Für Renate ist es der erste Klettersteig in dieser Saison. Sie schnauft ein bisserl.

Nach einer Stunde sind wir durch den Steig. Oben warten nur ein paar Meter zum Gipfel. Der Ausblick ist toll. Okay, der Sturzhahn, der im Aufstieg mit seiner spitzen Nadel so wild ausgesehen hat, ist von hier seines Schreckens beraubt. Aber der weite Blick über das Tote Gebirge und die Aussicht auf den Dachstein sind schon toll. Wir schießen Fotos und genießen den Tag.

Der Abstieg soll durch mühsames Geröll führen. Da haben wir wohl etwas falsch verstanden. Nichts schreckt uns da. An einer Stelle ist gar noch einmal ein Seil gespannt. Sowohl im Auf- wie auch im Abstieg vermag ich da nichts Unangenehmes zu erkennen.

Wieder am Plateau, also auf der Tauplitzalm, treffen wir auf Gäste ohne Ende. Eine Familie sieht unsere Helme und erkundigt sich nach dem Gamsblick-Steig. Sie haben Ausrüstung dabei. Der junge Mann hat sogar Erfahrung. Mom ist noch keinen C-Steig gegangen, aber was soll heute schiefgehen? Noch habe ich den armen Briten im Gedächtnis, den ich am Säuleck in sein Verderben geschickt habe. So zeigen wir Fotos und Videos her. Ja, das schafft sie, meint sie, und ich schaffe nicht zu widersprechen. Ich bin zuversichtlich.

Beim Hierzegger gönne ich mir ein Mittagessen, als hätte ich 1.500 und nicht 500 Höhenmeter hinter mir. Man muss es sich auch mal gutgehen lassen.

Feine, entspannte Tour mit einem toll angelegten Klettersteig in griffigem Fels bei tadellosen Bedingungen und der besten Begleitung überhaupt. Besser geht nicht.

Die Tour auf Garmin