Mein letzter Besuch hier ist mir schwer in Erinnerung. Damals war ich Mitte März hier. Die Annahme der Überlegung war richtig, die Schlussfolgerung falsch. Wenn Mitte März, also um die Tagnachtgleiche, auf der ganzen Welt die Sonne für 12 Stunden scheint, muss es auf der ganzen Welt gleich warm sein. Klingt gut, ist aber Quatsch! Das Meer war teils zugefroren, so kalt war mir bislang selten.
Aber diesmal, in der zweiten Augusthälfte, ist es optimal. Hochsommerlich ist es. Das bedeutet, dass man bei 23° hier fast ins Schwitzen kommt. Mir gefällt das. Mit dabei sind Renate, Carina und Ilina. Wir residieren im Hotel Blique, das passt. Wir gönnen uns einen Tag in der Altstadt, einen Tag am Meer und einen Tag unterirdisch mit Abschluss beim himmlischen Japaner am Abend. All das kann man in den Fotos nachschauen. Die Mädels machen ihr eigenes Ding. Entspannter Urlaub also!
Schweden wirkt so etwas von entschleunigt. Die Leute sind entspannt und freundlich. Die Infrastruktur ist modern und funktioniert. Alles sehr angenehm, alles sehr empfehlenswert. Bei Tageslicht und Wetter sollte man aufs passende Monat achten. Aber das steht eh schon eingangs da!
Der Urlaub wird spannend werden. Da steht so einiges am Programm. Jasmin hat ein Jahr in Kanada verbracht. Lydia hat sie am 30. Juni in Vancouver abgeholt und ist vierzehn Tage mit ihr durch Kanada. Die beiden werden am selben Abend wie wir auf Maui landen. Am 15. Juli starten auch Carina, Renate und ich von Wien aus. So treffen Carina und ich Jasmin wieder erstmals nach einem Jahr. Renate und Jasmin lernen sich überhaupt am anderen Ende der Welt kennen.
Maui
Der Flug ist recht erträglich, auch wenn Austrian bei der Zuteilung der Sitzplätze patzt. Wir haben für fußfreie Plätze bezahlt, sitzen aber trotzdem mitten drinnen. Aber das geht erstaunlich gut. Auch ist Westen als Flugrichtung von der Belastung durch die Zeitverschiebung angenehmer als ein Flug Richtung Osten. Der Tag dehnt sich einfach nur sehr. So sitzen Renate und ich also etwas müde am späten Abend am Flughafen Kahului auf Maui und schauen aufs Handy. Nichts tut sich am kleinen Flughafen. Die Rolltreppe, die Jasmin eigentlich runterkommen sollte, steht still. Und plötzlich spricht uns da eine junge Dame an. Sie lacht, wir schauen verdutzt. Ja, das ist sie ja, unsere Jasmin. Ein freudiges Wiedersehen und erstes, persönliches Kennenlernen am Ende eines langen Tages am anderen Ende der Welt. So kann Familie sein!
Wir holen unser riesiges Auto bei Sixt ab, rollen noch ins AC Hotel by Marriott in Wailea und holen mal Schlaf nach. Das Frühstück bietet Avocado-Toasts, der Urlaub ist wohl gerettet. Das Hotel liegt nicht am Strand. In Hawaii sind die Preise auf einem anderen Level. Da sind Schweiz und Norwegen günstig und so reicht unser selbst gegebenes Budget eben nur für die zweite Reihe. Aber auch hier lässt es sich leben.
In Wailea ist alles sehr gepflegt. Der Golfplatz ist gediegen und kaum bespielt. Im kleinen Einkaufszentrum reihen sich die Stores von Louis Vuitton, Prada, etc., aneinander.
Am ersten Tag fahren wir die Küste im Norden entlang, bestaunen Blow Holes und schwimmen in natürlichen Pools am Meer. Den Abend lassen wir in Lahaina ausklingen. Unter dem Baum, der nach den verheerenden Bränden traurige Berühmtheit erlangen wird, essen wir ein Eis nicht ahnend, dass die kleine Stadt nur noch ein paar Wochen hat.
Am nächsten Tag geht es auf den Haleakalā, den höchsten Berg auf Maui. Wir wollen den Sonnenaufgang sehen. Lydia hat reserviert und gebucht. Auch die Natur ist auf Hawaii eben gut organisiert. Wir starten gegen vier Uhr und schrauben uns in endlosen Serpentinen in eine Höhe von 3.055 Meter. Oben ist es kalt, starker Wind weht und wir sind fast die letzten, die noch rechtzeitig zum Sonnenaufgang eintreffen. Der Sonnenaufgang ist schön, aber irgendwie auch nur ein Sonnenaufgang im Beisein vieler anderer Touristen. Wir frieren. Carina kämpft mit der Zeitverschiebung, ihr Magen rebelliert. Da tun die endlosen Kurven auch nicht gut. Aber sie ist tapfer und schafft alle Kurven wieder runter. Erst am Heimweg eskaliert die Situation dann richtig. Renate lenkt das Auto in der linken Fahrspur und Carina sitzt am Beifahrersitz.
Carina: „Schnell, fahr rechts ran!“. Renate: „Das geht nicht, der lässt mich nicht rüber!“ Carina reißt das Fenster auf und wirft dem ungewöhnlich sturen Ami ihr Frühstück mit einem „Nimm‘ das!“ entgegen. Der wird wohl seine Lektion gelernt haben, dass man spurwechselwillige Europäer nicht behindern sollte!
Und weil Kurven so lustig sind, geben wir uns am nächsten Tag noch die Road to Hana. Das ist angeblich eine der schönsten Straßen der Welt. Sie führt ins Nirgendwo zu seltsamen Menschen, die irgendwann wohl zum Surfen hierhergekommen und hängengeblieben sind. Nun nerven sie sich über die endlosen Kolonnen an Touristen. Am Ende der Straße gibt es nicht viel. Ein Food Truck hat sich und seine Zelte aufgestellt. Die Familie grillt und verkauft ihre Chicken und Ribs. Bargeldloses Zahlen geht nicht, Cash haben wir nicht. Aufgeregt und amüsiert werden unsere Euros akzeptiert. Nein, solche Scheine haben sie noch nicht gesehen. Google hilft bei der Umrechnung, denn Mom weiß den Umrechnungskurs, aber die Tochter multipliziert den Dollarbetrag mit 1,12 statt ihn zu dividieren. Das wäre bei den Mondpreisen auch egal, aber Ordnung muss sein.
Am Rückweg halten wir noch in Hoʻokipa am Wellenreiter- und Surferstrand. Robby Naish ist nicht da. Vielleicht liegt es an den fehlenden Wellen. Als ich das letzte Mal vor 30 Jahren hier waren, gab es riesige Wellen, aber heute ist Family Day und so dürfen die Kleinen auch mal raus aufs Wasser. Die Hauptattraktion sind diesmal die Schildkröten, die sich hier in der Sonne den Panzer wärmen.
Hawaii – The Big Island
Unser nächster Stopp ist The Big Island. Wir landen in Kona und bekommen ein noch größeres Auto. Der GMC Yukon Denali bietet drei Sitzreihen und einen riesigen Kofferraum. Auch wenn es ungewohnt ist, man fühlt sich sehr unverletzbar in diesem rollenden Panzer. Möge sich uns niemand in den Weg stellen! Renate wirkt etwas verloren am riesigen Fahrersitz, steuert aber souverän. Wir sind in Kona in einem Strandhaus untergebracht. Das ist recht edel und man schläft so gut bei den Wellen.
Hilo steht am Programm. Das war schon 1995(?) weit hinten und hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht recht weiter entwickelt. Wir lunchen, besuchen zwei Wasserfälle, die nur gegen Gebühr aus großer Distanz bestaunt werden dürfen und spazieren noch ein bisserl entlang der wilden Küste. Letzteres ist wohl das Highlight. Carina und ich haben Boogie Boards mit. Die tragen wir aber nur spazieren. Wir wollen beide nicht an die Felswände geklatscht werden. So reicht uns das Betrachten der wilden Szenerie.
Am nächsten Tag wollen wir auf den Mauna Kea. Der ist mit 4.205 Meter richtig hoch. Leider aber auch zu hoch für unseren Kleinlaster. Man braucht unbedingt Allrad und einen halb vollen Tank. Darüber wacht ein Ranger und der ist ebenso freundlich wie unerbittlich. Auf 3.000 Meter ist beim Besucherzentrum Schluss. Lydia und Jasmin kommen am letzten Tag mit einem geliehenen Allrad zurück und „erledigen“ damit den höchsten Berg der Erde. Dazu muss man den Teil des Berges unter der Meeresoberfläche einbeziehen. Denn dann ist der Berg gewaltige 10.203 Meter hoch.
Beim Baden im Meer touchiere ich nicht nur zuhauf Lava-Felsen, sondern kicke auch wieder einen Seeigel. Der lässt seine Stacheln in meinem Fuß, der sich umgehende schick blau um die abgebrochen Stacheln färbt. Aber mein Körper ist das fast gewöhnt und beginnt am zweiten Tag mit der Verwertung der zugeführten Mineralien. Da schaust aber!
Kauai
Auf Kauai beziehen wir wieder ein Haus in Strandnähe. An das Getöse der Wellen kann man sich gewöhnen. Ich schlafe so tief wie selten.
Ein erster Erkundungsspaziergang führt den Strand entlang. Neben vielen Badegästen liegt auch eine Robbe da. Bei solchen gewaltigen Naturphänomenen stellt sich in den USA gleich mal ein Freiwilliger ab. Der bezieht Posten und hält ahnungslose Zivilisten davon ab, das Tier zu kuscheln oder es gar zu grillen. Ähnliches sehen wir noch bei einem Nachtspaziergang, Eine Freiwillige hat sich mit ausreichend Tee und Wasser („Stay hydrated!“) sowie Campingstuhl und Rotlichtlampe für die Nacht eingerichtet. Sie wird die Schildkröten bewachen und ihnen regelmäßig in die Augen leuchten. Ich überlege, ob die gute Frau früher Krankenschwester war und Menschen mit Gefahr auf Hirnblutung überwacht hat. Aber ich weiß ja nicht einmal, ob Meeresschildkröten einen entsprechenden Pupillenreflex zeigen. Ich habe Fragen. Anderseits ist ihr Dasein mehr als berechtigt. Denn immerhin war ich es, der bei der Annäherung an die Frau und Turtles im schwachen Mondlicht von Stein zu Stein hüpfen wollte. Ein schriller Schrei aus der Finsternis hat mich davon abgehalten, einer Schildkröte ins Kreuz zu springen. Uff, gerade noch gutgegangen.
Kauai ist auch diesmal meine Lieblingsinsel. Sie heißt nicht umsonst „The Garden Isle“. An Polihale kann ich mich erinnern. Aber auch hier ist vieles anders. Die Straße ist zwar noch immer nicht geteert, aber Menschen sind hier. Noch immer nicht viele, aber eben nicht mehr menschenleer. Der schöne Strand zwischen Militärbasis und den steilen Felsen der Napali-Küste ist an diesem Tag so heiß, dass auch ich ihn nicht ohne Schuhe zu begehen vermag. Dafür sind die Wellen so harmlos, dass man schwimmen kann. Wir bleiben nicht lange. Die Mädels würden wohl noch den Tag draußen verbringen und auf den kühleren Teil des Tages hier am Ende der Welt warten.
Lydia hat dankenswerterweise auch Plätze für den Ha’ena Beach Park gebucht. Dort startet der 11 Meilen lange Kalalau Trail, dessen Anfang wir wandern wollen. Wir erreichen den Hanakāpī‘Ai Strand, der selbst schon beeindruckend ist und wandern weiter zum gleichnamigen Wasserfall. Das ist alles in allem recht weit, aber auf jedem Fall lohnend. Das Bad unter dem von weit oben in die Tiefe stürzenden Wasser ist schon was. Ja, das macht Spaß. Der Weg zurück ist dann den einen doch schon ein bisserl lang, während es Renate ein bisserl Auslauf beschert. Am Abend dann noch ein Abstecher zur berühmten Buch von Hanalei. Alles gut!
Ein wilder Tag steht noch an. Während sich die Mädels in einem Motorboot entlang der Napali Coast von Wellen weichklopfen lassen, geben sich Renate und ich 22 Kilometer Trail weit oberhalb der Napali Coast. Die Mädels berichten von Schnorcheln, beeindruckenden Höhlenfahrten und freundlichen Delfinen. Wir gönnen uns zuerst den Awa’awapuhi Trail und danach noch den Nu’alolo Trail. Renate lässt sich nicht abschütteln. Die Ausblicke und die Kulisse entlang dieser Küste kann man ruhigen Gewissens als atemberaubend und „awesome“ bezeichnen. Wenige Amis gehen so weit und so gehört uns das Naturschauspiel fast alleine. Dazu muss man halt die Hubschrauber, die kühn zwischen den Klippen ihre Flugmanöver absolvieren, als Teil der Natur sehen. Egal, müde sind wir am Abend jedenfalls beide.
Oahu
Der letzte Stopp ist auf Oahu. Oahu ist die größte Insel, die Autobahn hat viele Spuren, Hochhäuser prägen das Strandbild in Honolulu. Bei unserem Start verstehe ich das Navi nicht und wir stürmen Pearl Habour. Der nette junge Mann mit Maschinengewehr nimmt mir den Ausweis ab und gibt ihn erst wieder zurück, sobald sicher ist, dass ich mit unserem Leihauto nicht mehr in sein Revier zurück kann. Er will wohl ausschließen, dass ich mich kamikazeartig auf eine Fregatte oder zumindest Frikadelle oder so stürze. Mir soll es recht sein.
Wir haben uns im Turtle Bay Resort einquartiert und sind alles in allem autofaul geworden. So bleiben wir im Ressort. Die Preise haben hier ein Niveau erreicht, dass es gar nicht mehr leicht zu packen ist. Einen Salat gibt es ab 25 USD, Steak und Fisch dann ab 60 USD, gerne aber auch ab 100 USD. Wer das Besondere liebt, kann auch 155 USD für eine Fischsuppe oder 160 USD für ein ausgewähltes Steak spendieren. Das Restaurant wird als elegant beworben. Beim ersten Mal ziehe ich gar eine lange Hose an und fühle mich unsicher, weil ich kein Hemd mithabe. Tja, und dann sitze ich als einziger in langer Hose da. Ein langärmliges Hemd gilt hier wohl als schrullige Tracht der Italiener. Die engstehenden Tische sind mit Bermuda- und Baseballkappenträger besetzt. Die Kellner haben sicherlich auch irgendeinen Beruf gelernt.
Wir sind im fünften Stock und blicken auf die Turtle Bay – das passt. Der Mond ist fast voll und strahlt den weißen Strand an. Wir spazieren weit am späten Abend vom Hotel weg. Keine dekadenten Amis weit und breit, keine Volunteers, die Tiere beschützen, die wahrscheinlich besser ohne sie auskommen würden. Da zeigt sich Hawaii zum Abschied in der Keiki Bay nochmals von seiner schönsten Seite. So soll es sein und so soll es in Erinnerung bleiben.
Resümee
Vor mehr als 25 Jahren war ich schon einmal auf diesen vier Inseln. Mir hat es auch diesmal wieder gut gefallen. Viel ist noch stärker kommerzialisiert. Häufig trifft man auf eine Kultur, die uns doch sehr fremd ist. Kulinarisch ist Hawaii Ödland. Entweder man ernährt sich an Food Trucks oder man speist in teuren Restaurants, die gut aber bar fast jeder Esskultur sind.
Wer sucht, findet nach wie vor unberührte, atemraubende Natur. Ein drittes Mal Hawaii wird knapp werden. Ich denke, es gibt noch ganz viel auf diesem Planeten zu sehen.
Vor sechs Uhr starten wir an diesem Dienstag Richtung Flughafen. Und siehe da, es sind auch schon andere Menschen munter. Am Flughafen erfreue ich andere (Viel-)Flieger damit, dass mein am Vorabend gekauftes Ticket nicht reicht, um in das vorgesehene Parkhaus eingelassen zu werden. So schiebe ich und eine ganze Schlange hinter mir im Retourgang wieder aus der Garageneinfahrt. Ich meine, viele wenig wohlwollende Wünsche für unsere Reise zu vernehmen. Verständnis und fehlendes Unrechtsverständnis bei mir vermengen sich in mir. So kann es losgehen.
In Rom am Flughafen wartet schon ein Marinegeneral ganz in Weiß – aber leider halt nicht auf uns. Die schneeweiße Uniform ist um diese Uhrzeit schön anzusehen. Wer jetzt vermutet, dass ich mich mit dem ersten italienischen Espresso noch am Flughafen angepatzt habe, irrt. Alles läuft gut.
Auch das gebuchte Hotel Monastero dei Santi ist ein Volltreffer. Fünf oder sieben Zimmer – da sind sich das Internet und Giovanni vom Empfang nicht so einig. Klein ist das Hotel, dafür sind die Zimmer bzw. Suiten richtig groß. Wir brauchen mal ein Frühstück. Wir sind verwirrt, da Giovanni uns die Speisekarte per WhatsApp reicht und meint, dass er erst das Check-In abschließt und danach das Frühstück zubereitet. Oha, muss man all das verstehen, wenn man schon so früh auf ist?
Zu Mittag geht es dann den Hügel im Laufschritt hinunter in die Stadt. Der Sommer hat uns fest im Griff und ich bin in langen Hosen leicht angreifbar. Macht nichts, denn die Online-Buchung für eine geführte Tour durch die Sixtinische Kapelle et al. spart uns stundenlanges Warten vor der Kassa. Wir sind eine „Kleingruppe“ mit 25 TeilnehmerInnen. Die italienische Führerin spricht in ein kleines Radiogerät, und das brav folgende Rudel hört über einen Lautsprecher am Ohr zu. Ich leider nur in einer slawischen Sprache. Mein Empfänger wird getauscht, aber was ich jetzt höre, ist auch nicht viel verständlicher. Die gute Frau spricht mit italienischer Sprechgeschwindigkeit Deutsch und verwechselt ständig links und rechts. So versuche ich, einem Redeschwall zu folgen, der in etwa ist wie: „Dann kommene Sie’e zu die große Halle. Dort müssene Sie’e rechtse gehen. Wenn Sie’e linkse gehen, dann sind Sie’e wieder draußen und müssene sich’e wieder die ganze Schlange anstellen. Ah, rechtse meine ich, nicht linkse. Ha ha, alles klaro?“. Ich folge, wenige Minuten den Ausführungen, ehe ich mich auf die Suche nach dem Flecken in der Halle mache, wo das Verhältnis aus Zugluft und Raumtemperatur am erträglichsten ist. In der Ferne sehe und an einem Ohr höre ich, wie die Schnellsprecherin zweihundertachtundsiebzig Skulpturen erklärt und gar eine Wandteppichausstellung androht. Oha, ich hoffe auf die 50%-Chance, sodass ich vorzeitig rausfliege.
So durchstreifen wir das Museum, bestaunen die Sixtinische Kapelle, lesen enttäuscht, dass der Papst seine Audienz in dieser Woche am Petersplatz absagen muss (ist wohl irrtümlich links abgebogen) und erfreuen uns letztlich am beeindruckenden Petersdom. Wow, das nenne ich ein Bauwerk! Okay, katholische Demut und Bescheidenheit spiegelt es nicht wieder. Aber gerade deswegen ist es vielleicht überwältigend.
Wir retten uns ins Arlú. Wunderbares Essen, freundliche Bedienung – Ciao Italia! Okay, wir sollten den Flüssigkeitsbedarf nicht mit Prosecco decken. Ach was, nachher weiß man es besser. Aber da schaukelt uns schon das Taxi ins Kloster. Tag 1 ist damit ein voller Erfolg.
Tag 2 beginnt mit einem italienischen Frühstück auf unserer Terrasse. Der Blick über Rom ist ein Hammer, die vier Stück Kuchen bleiben mir. Denn das kontinentale Frühstück am Vortrag hat die Erwartungen von Renate nicht erfüllen können und so brechen wir zum Eataly auf. Das ist ein riesiges Kaufhaus für Feinkost. Drinnen sind auch ein paar Restaurants, aber keines hat vor zwölf Uhr offen. So hetzt Renate mit leerem Bauch und dem feinen Duft von Prosciutto und Parmigiano in der Nase durch die Gänge. Die Geschwindigkeit nimmt bedrohlich zu, ein Plan muss her. Renate kauft jetzt hier Zutaten fürs Frühstück und wird sie irgendwo verdrücken. Nur so leicht ist das nicht. Man muss ja erst am Ausgang zahlen. Und ob dann ein Verzehr im freien zwischen geparkten Autos so fein ist? Mit vier Stück Kuchen im Bauch kann man leicht Zweifel haben. Und da höre ich schon: „Ich habe jetzt echt Hunger und wenn ich in zehn Minuten nichts im Magen habe, geht das ganz schlecht aus! Für alle hier!“. Die Leute hier, die friedlich Fisch schlichten oder ihre Schinkenschneider verträumt putzen, sind plötzlich so alarmiert, als hätte Mio gehört, dass ich mit den Ohrentropfen anrücke. Wir bestellen also feinste Ware und Renate kürzt ab. Ein Restaurant ihrer Wahl wird auserkoren. Aber weit gefehlt, das Restaurant darf diesmal nur den Platz aber keine Speis und keinen Trank verkaufen. Stattdessen sitzt Renate da und verzwickt breit grinsend ihren selbst mitgebrachten, aber noch nicht bezahlten Schinken. Käse, Brot und Wasser passen wunderbar. Der Kellner rückt immer wieder an, mir krampft es den Magen zusammen, aber der gute Mann rückt jedes Mal ohne Wortmeldung wieder ab. Die Erfahrungen vieler Generationen müssen ihn gelehrt habe, dass er jetzt besser keinen Mucks macht. Ein „Buon appetito!“ wäre schon gewagt. Wir zahlen die leeren Verpackungen an der Kassa und fragen nach einem Espresso. Ja, da hinten gibt es wirklich in geordneter Manier Speisen und Getränke. Aber das kann ja jeder und so komme auch ich zu meinen Leckereien.
Weiter geht es mit Kolosseum, Forum Romanum und so weiter. Heiß ist es und ich der einzige Dodl in langer Hose. Renates Bekleidungsvorschriften sind ebenso strikt wie missverstanden. Was soll’s? Ich werde es überleben.
Am Abend folgen noch nach Rast im Kloster ein hervorragendes Essen im Restaurant Tadi und ein Konzert von Ludovico Einaudi. Da schau‘ her, wozu ich in der Lage bin. Auf einer Sitzfläche, die mich an Jasmins und Carinas Kindergartenzeit erinnert, lausche ich den repetitiven Klavierklängen, die irgendwo zwischen Etüden und klassischer Trancemusik anzusiedeln sind.
Zwei Stunden und zwei Zugaben später hat sich die Nacht über Rom gelegt. Heim sollte es gehen. Nur, Rom hat viel zu wenig Taxi und so wird der Heimweg nochmals spannend. Uber rettet uns. Noch eine Überraschung!
Tag 3 beginnt wieder mit Frühstück und Blick über Rom. 35 Grad und knapp über 100% Luftfeuchtigkeit sind angesagt. Da freut man sich schon auf die Spanische Treppe. Ist das nicht auch ein Folterinstrument? Wenn es ernst wird, stürze ich mich eben in den Trevi-Brunnen. Wird schon gehen. Die Antica Enoteca hat eine Klimaanlage und wieder feines Essen. Allmählich habe ich Zweifel, dass wir so gut sind im Auswählen. Was, wenn in Rom das Essen überall gut ist?
Irgendjemand hat mir Chili ins Essen gerührt, die Wirkung lässt nicht lange auf sich warten. In Frankreich startet man einen weiteren Atomreaktor, um die Kühlung hier zu pushen. Nix hilft, Renate reicht’s. Warum ich denn nicht eine kurze Hose anziehe? Fassungslosigkeit und Hoffnung kämpfen in mir. Aber ich dachte doch, dass du… Papperlapapp, wir kaufen jetzt eine kurze Hose für dich. Kurz zweifle ich noch an der Ernsthaftigkeit und vermute gar eine Falle. Letztlich komme ich mit drei kurzen Hosen aus dem Geschäft, und das in Farben, die eher an Eissorten erinnern. Mir soll es recht sein. Da fällt es sogar leicht, dass wir im Feinkostladen am Trevi Brunnen nur ein bisserl viel mehr als überhaupt möglich für den Prosciutto und ähnliches zahlen.
Am Tag 4, und damit letzten Tag, geht es dann nach der Frühstücksroutine ans Meer in den Beach Club Shilling in Ostia. Das Meer ist vertraut, vieles andere fremd. Also, wenn wir an den Strand wollen, kostet das 15 Euro pro Person. Für den Sonnenschirm kommen 100 Euro dazu. Ja, was denn? Wie soll ich denn einen Sonnenschirm ins Handgepäck bekommen. Wir wollen außerdem nur ins Restaurant und am Strand spazieren. Ah, das kostet nichts. Als, wir dann unsere Schuhe abstellen wollen, sind wir dann beim Kollegen wieder bei den Kästchen um 15 Euro.
Egal, wir haben einen wunderbaren Tag am Meer mit zwei Strandspaziergängen und einem feinen Essen dazwischen. Meeresfrüchte, Pasta,.. all das über den Nachmittag verteilt, begleitet von angenehm belebend einschläferndem Wein. Dolce far niente – oder so ähnlich! Wie könnte man sich besser auf den Heimflug vorbereiten.
Die adelige Familie Tacoli lädt zur Saisoneröffnung an den Millstätter See in ihre See-Villa. Ich leite die Einladung an Renate weiter und die hat Lust auf Tradition seit 1884. Carina findet es nicht so prickelnd und so sind wir zu zweit plus Hund unterwegs in Vorfreude auf ein Wochenende der anderen Art und des sicherlich guten Essens.
Wir sind im einstigen Privathaus der Familie untergebracht. Das Zimmer ist schön groß und direkt am See. Wir verpassen bei der Anreise den Prosecco-Empfang, aber für einen Spaziergang bei Sonnenuntergang sind wir zeitgerecht da. Es ist ruhig in der Vorsaison. Das hat was.
Die See-Villa hat nun eine neue Führung. Wenn ich das richtig verstanden habe, hat einer der drei Söhne vom kinderlosen Onkel geerbt und seine beiden Brüder kellnern. Der Vater und die Frau Mama sitzen wie schon vor Jahren jeden Tag in tadelloser Tracht am selben Tisch. Ein bisserl hat man den Eindruck, dass die Familie sich selbst mehr als genug wäre in dieser wundervollen Umgebung. Die Umstände machen es halt notwendig, dass man auch einfache Leute empfängt und bewirtet. Ist ja großzügig, aber vielleicht auch nervig, wenn man die Besitzungen fremden Besuchern von zweifelhaftem Stande zugänglich machen muss. Ach, die Zeiten verlangen es! Der Kunde ist König. Sagen alle, sagt irgendwer, sagt auch die Familie. Aber glauben tut dies hier keiner so recht. Meinetwegen glauben die Gastgeber das auch, aber danach handelt hier keiner. Ja, vielleicht die beiden angestellten Kellner aus dem Ausland. Gehört Ungarn wirklich schon zum Ausland? Wie die Zeit vergeht!
So liegt der Schleier der Dekadenz über dieser tollen Location. Das Essen ist weiterhin ausgezeichnet. Speziell Wild und Fisch sind zu empfehlen, wenngleich der Versuch an Sashimi und Sushi beim Gala-Dinner doch ziemlich in den Hosen geht. Das restliche Gala-Buffet ist fein, wenngleich die Zahl der Sitzgelegenheiten deutlich unter dem Andrang steht. So stehen wir als etwas zu spät kommende Gäste mit dem Fasan in der einen und dem Hund in der anderen Hand ein bisserl wie bestellt aber nicht abgeholt herum.
Als dann am Samstagabend fürs Wochenende das Brot ausgeht, esse ich halt vermutlich ganz im Sinne der Gastgeber eben Kuchen. Geht doch! Lage und Essen sind toll, die Zimmer ordentlich groß und trotzdem werden wir nicht ein weiteres Mal zu Besuch kommen.
Am Samstag versäumen wir die in unserem Package enthaltene Bootsfahrt wie schon die Stiftsführung am Vortag. Der Grund ist eine geplante Spazierrunde oberhalb von Millstatt. Wir schrauben uns mit dem Auto ein bisserl in die Höhe. Aber da schau‘ her, da fährt einer noch weiter. Wir folgen. Ein Mautschranken wird passiert, der Asphalt endet und es geht stetig bergauf. Der Schnee ist schon in Sichtweite. Auf knapp über 1.600m Seehöhe dann der Parkplatz. Okay, dann wandern wir zur Alexanderhütte. Das reicht nicht, wir spazieren weiter zur Millstätter Hütte. Ich bin in sommerlichen Laufschuhen unterwegs. Auch sonst haben wir keinerlei Bergausrüstung dabei. Die Füße sind im Schnee schnell nass. Was soll’s!
Bei der Millstätter Hütte empfängt uns der Koch, viele Tattoos und wenig Ahnung von der Umgebung. Er verspricht Kaspressknödel und den besten Kaiserschmarren. Gäste sind keine da. Auf unsere Fragen, wie der Gipfel da heißt und ob ich mit meinen Turnschuhen da rauf komme, hören wir, dass er selbst erst seit drei Tagen hier ist, keine Ahnung von den Bergen hat und dass es heute mit den Schuhen schon gehen sollte. Ah ha! Da frage ich mich kurz, was sich denn seit gestern so viel geändert hat. Aber was soll’s, die Regel heißt: „Frag‘ besser Leute, die vom Berg kommen, als den Hüttenwirt.“.
So besteigen wir den Kamplnock, sehen das nächste Gipfelkreuz und erledigen auch noch diesen Nock mit dem Millstätter Kreuz. Das Wetter zieht rum, mal tröpfelt es, in der Ferne schüttet es. Wir sind wieder gut gelaunt und schießen Fotos. Beim Rückweg kehren wir in der Millstätter Hütte ein und haben fürwahr herrlich frische Kaspressknödel und kaiserlichen Schmarren. Da kann der Adel im Tale noch etwas lernen!
Kurz vor dem Auto beginnt es zu regnen. Im Auto erleben wir dann wolkenbruchartige Schauer. Uh, das wäre kalt und unangenehm geworden. Aber uns lacht das Glück. So soll’s sein!
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass nicht nur Mio im Millstätter See gebadet hat, sondern auch wir beide. Einer von uns drei musste doch recht überredet werden. Die beiden Zweibeiner waren da mutiger. Nicht weit entfernt haben sich Brautleute auf der Wiese vor der See-Villa das Ja-Wort gegeben. Da hatte ich schon Sorge, dass ich in meiner Badehose vielleicht das eine oder andere Foto verderbe. Gut, Renate war mangels passender Garderobe für das Bad im See deutlich leichter bekleidet als ich. Dafür hat ihr das doch kalte Wasser ein mehr als erfrischendes Jauchzen entlockt. Könnte sein, dass da jetzt ein Paar ein Hochzeitsvideo mit gesteigertem Erinnerungsfaktor hat.
Wieder herrliche Tage gehabt!
Beim AbendspaziergangFreitagmorgenSurrealMio un ddie KärntnerÜber MillstattGenug von der Gala!
Traumtage in Neapel und Positano! Wenn das nicht gewagt ist! Gerademal 13 Tage sind vergangen, dass Renate und ich einander über den Weg gelaufen sind und schon sitzen wir im Flieger nach Neapel. Völlig entspannt ziehen wir durch die Altstadt, genießen die angeblich beste Pizza, haben auch sonst Glück mit der Lokalauswahl, spazieren ans Meer und sind im Hilton The Britannique bestens untergebracht.
Schon nach zwei Tagen geht es weiter nach Positano, wo wir ganz oben im Hotel Villa Franca untergebracht sind. Das ist definitiv auch eine feine Wahl. Am Anreisetag regnet es ein bisserl und es ist doch recht kalt. Aber das Meer will begrüßt sein. Feinste Tage sind das! Am zweiten Tag kutschiert uns Gaitano in seiner noblen Limousine nach Pompeij, wo es mehr Geschichte und Kultur gibt, als ich mir zur merken vermag. Am Rückweg noch ein Abstecher in Gaitanos Heimatstadt, Sorrento. Im Ristorante Donna Sofia passt der Branzino und alles rundherum auch. Wir spazieren noch durch die Altstadt, ehe uns Gaitano wieder aufgabelt. Was bin ich froh, dass ich nicht selbst fahren muss! Der letzte Tag begrüßt mit strahlendem Sonnenschein. Da hätten wir das Pool am Dach unseres Hotels noch gern genutzt. Wir frühstücken und blicken über Positano, wo vielleicht gerade die ersten Sonnenliegen okkupiert werden. Zu Mittag wartet schon wieder Gaitano mit der Rückfahrt zum Flughafen.
Sieht so aus, als hätte ich die beste Reisebegleiterin gefunden!
Die Anreise in die Dolomiten ist von daheim aus schon ein ganzes Stück. Auch ist der viele Schnee eher im Norden gefallen. Aber die Vorfreude auf Italien entschädigt.
Wir sind wieder im wunderbaren Lüch de Costa untergebracht. Lydia und Jasmin sind im Ausland. Dafür ist Vicky mit dabei. Am ersten Skitag trüben noch ein paar Wolken am Nachmittag den Himmel, aber die restlichen fünf Tage sind fetzblau. Recht kalt ist es. So viel Gewand hatte ich beim Skifahren noch nie an! Dafür ist der Schnee entsprechend gut. Endlose Pisten warten. Jetzt war ich schon so oft hier, habe aber noch immer nicht annähernd jeden Lift zumindest einmal benützt. Wir machen uns keinen Stress. Auf den Hütten genießen wir das italienische Essen und wärmen uns für den Nachmittag. Von dem bleibt aber oft nicht viel übrig. Zu gut ist das Essen! Die Jimmy Hütte, die Rifugio Fredarola und die Refugio Domici empfehle ich gerne. Letztere grenzt schon ein bisserl gar an Dekadenz, lässt man sich doch angeblich den angebotenen Fisch jeden Tag frisch liefern, wenn nicht gar einfliegen.
Uh, da haben wir wohl die letzten Zimmer ergattert. Und das in Obertauern! Das ist gut, weil in den Alpen liegt so gut wie kein Schnee. Da sollten wir doch in Obertauern auf der sicheren Seite sein. In Obertauern angekommen staunen wir über den Schneemangel nicht wenig. Aber zumindest liegt Schnee. In den anderen Gebieten sieht es noch trauriger bzw. grüner aus.
Die Gastgeber des Hotels Snowwhite sind herzlich und freundlich, das Essen gut. Überall stehen Zwerge herum. Ein bisserl viel Themenabend. Aber wir fühlen uns wohl und sind froh, überhaupt noch etwas gefunden zu haben.
Jeden zweiten Tag lacht die Sonne. Für Mitte Jänner ist es ungewöhnlich warm. Auf den Hütten können wir an den Sonnentagen auf der Terrasse sitzen. Das hat man wahrlich selten um diese Jahreszeit. Die Pisten sind sehr voll. Die Tagesgäste parken die Bundesstraße zu. Auch scheint es so, dass andere Wochengäste aus ihren schneearmen Urlaubszielen auf den Tauernpass flüchten. Viele Menschen und fast ausschließlich Kunstschnee führen zu rutschigen Eisplatten mit zusammengeschobenen Schneehaufen. Ins Gelände kann man nicht ausweichen. Das verstärkt das Gedränge auf den schmalen Pisten. An einem Tag bietet das nordseitige Zehnerkar gute, weil trockene Bedingungen. An einem anderen Tag firnt es gar auf, und der Schaidberg lädt zum Frühlingsfirn.
Bei der Abreise sieht der Wetterbericht einen Meter Neuschnee für die kommende Woche. Vergönnt sei es, notwendig ist es jedenfalls.
Am ZehnerkarGamsleiten II – leider wegen Schneemangels geschlossenDunkle Wolken, wenig SchneeCarina und ichSchaidberg – wie Ostern
Am Nachmittag des 3. Juli starten wir nach Namibia. Das Ziel haben wir spontan ausgesucht und die Planung wieder an Relax ’n Travel übergeben. Unsere Vorbereitung fällt noch kärglicher aus als sonst, zumal das Haus gerade umgebaut wird. Dafür läuft alles ausgezeichnet. Die Anreise ist entgegen aller Prophezeiungen pünktlich und unproblematisch. Wir hören von Verspätungen und Stornierungen, merken davon aber nichts. Und so finden wir uns bei Sonnenaufgang am Rollfeld des Flughafens in Windhoek wieder.
Afrika begrüßt mit seinen eindrucksvollen Farben. Das Personal hat alle Hände voll zu tun, die übernachtigen, aber fotografierlustigen Ankömmlinge Richtung Flughafengebäude zu bugsieren.
In Windhoek übernehmen wir unser Mietauto, alles sehr entspannt. Auf der 300 Kilometer langen Fahrt verwechseln wir Blinker und Scheibenwischer, aber nie die Fahrspur. Links fahren geht doch.
Kalahari – Anib Lodge
Das erste Ziel ist die Kalahari Anib Lodge. Ein Zimmer muss noch von einem Skorpion befreit werden, aber dann darf für eine Stunde ausgeruht werden, ehe es zum Sundowner Drive losgeht. Moses erklärt uns anfangs jedes Vogelnest, ehe endlich das Abendessen in reichlicher Zahl vorbeihüpft. Die Springböcke sind wohlgenährt, Moses verweist auf viel Regen in diesem Jahr. Giraffen, Gnus, etc. stellen sich auch noch ein. Läuft definitiv für den ersten Game Drive.
Krönender Abschluss ist das Buffet zum Sonnenuntergang. Die Farben sind surreal. Das Abendrot, der rote Sand, der rote Wein,.. Was für ein Start in den Urlaub!
Zurück in der Lodge ist noch der Springbock am Parkplatz zu erwähnen. Meldet er sich freiwillig fürs Buffet? Man weiß es nicht. Wir fallen in komatösen Tiefschlaf.
Am nächsten Morgen folgen wir der Empfehlung und frühstücken früh, ehe es mit den E-Bikes nochmals in die Kalahari geht. Was für eine Stimmung! Auch den Mädels gefällt es. Bis auf drei Springböcke zeigt sich aber kein Tier. Zu bunt sind die Biker aus dem fernen Österreich. Unsere Sorgen, dass die Akkus nicht halten, sind unbegründet. Da die Anzeigen schon beim Start nur auf halbvoll waren und hier kein Handyempfang ist, habe ich schon mal nachgefragt, was im Falle des Falles zu tun ist. Li beruhigt, Fahrrad stehen lassen und zu Fuß zurück zur Lodge. Okay, ist eine Idee, aber wir wollten unser Survival Skills in der Wüste noch nicht so früh auf unserer Reise testen.
Nach Cappuccinos gibt es Ankommen in Afrika am Pool. Alles gut.
Namib – Hoodia Lodge
Nach einem Morgenlauf durch die Kalahari in Begleitung von Springböcken und nach einem ausgiebigen Frühstück brechen wir Richtung Westen auf. Bis zur Maltahöhe ist es asphaltiert, dann beginnt der wilde Teil der Fahrt. Es ist so abgelegen, dass Jasmin für eine halbe Stunde übernimmt. Auf Google ist auch kein Verlass mehr, aber was soll schon schief gehen?
Die Landschaft wechselt, wird erst immer pittoresker, ehe Farben und Formen gänzlich surreal werden. Ein Google-Fehler kostet uns nochmals eine gute halbe Stunde, aber dann sind wir schon da. Vom Tor zur Rezeption der Hoodia Lodge sind es noch ein paar Kilometer. Hier winken uns schon Thomas, Carina und Enos aus der Ferne zu. Thomas aus dem fernen Hamburg hat sich hier vor zwanzig Jahren niedergelassen und eine wunderbare Lodge errichtet. Dass er davor beruflich Innenräume gestaltet hat, sieht man. Beene ist begeistert, uns gefällt es. Akribisch werden die kommenden drei Tage an unsere Bedürfnisse abgestimmt. Lieber Appeltizer oder Grapetizer? Zum Lunch vielleicht ein paar Quichetörtchen? Rosé passt zum Picknick?..
Nach Bezug der Chalets geht es jedenfalls zum Sonnenuntergang auf dem Honeymooner Hill. Enos deckt den Tisch, entzündet das Lagerfeuer und lässt uns alleine zurück. Wir schießen Fotos, blicken über die Ebene, die von der tiefstehenden Sonne in warmes Licht getaucht wird. Wir sind wohlgeglaunt, herrlich ist es hier. Das Abendessen mit Oryxfilet ist dekadent gut hier im Nirgendwo. Wunderbar!
Am Morgen heißt es dann raus aus den warmen Betten. Es ist noch dunkel, es steht einiges am Programm. Enos führt uns einen Tag durch den nahen Nationalpark. Ein englisches Paar ist auch mit dabei.
Wir haben eine Stunde Geographie und Biologie dabei. Dabei wird der Freiluftunterricht aufgelockert, indem Enos mal zwischendurch gezielt eine White Lady aus ihrem Zuhause holt. Na, da schauen wir.
Alpinistisch steht die Besteigung des Big Daddy am Programm. Big Daddy ist eine 250m hohe Düne aus rotem Sand. Bei den herrschenden Temperaturen ist es erträglich, obschon der Sand den Aufstieg anstrengend macht. Vom Gipfel aus entschädigt ein Blick über Dünen so weit das Auge reicht. Herrlich!
Der Abstieg erfolgt über einen durchgängigen Hang losen Sandes vom Gipfel bis ins Flussbett, mit einer Neigung von geschätzt 40 Grad. Das ist ordentlich steil und macht mächtig Spaß.
Unten erwartet uns dann das Highlight des Tages. Vor sechshundert Jahren sind die Bäume abgestorben. Der Lehm hält sie fest. Der trockene Lehm, die roten Dünen und die Bäume ergeben Fotomotive ohne Ende. Auch unglaublich!
Die Engländer haben leider früh aufgegeben und warten sicherlich schon. Aber speziell Beene kann sich nicht losreißen. Enos ist geduldig, obwohl er noch so viel auf Lager hätte. Sossusvlei ist nach zehn Jahren wieder einmal mit Wasser gefüllt, ein Schakal bettelt am Parkplatz,.. wir müssen weiter. An einem Platz, der Out of Africa entnommen sein könnte, deckt Enos den Tisch. Wo sind Meryl Streep und Robert Redford?
Jetzt ist uns aber wirklich die Zeit davon. Eine Stippvisite noch zu einem Canyon, Enos hat fast ein bisserl Stress. Die nächsten Gäste wollen ja zum Sunset gebracht werden.
Uns soll es recht sein, wir sind ein bisserl fertig. Wir entspannen am Pool. So lässt es sich leben!
Swakopmund – Beach Lodge
Nach herzlicher Verabschiedung geht es nach Swakopmund, an den kühlen Atlantik. Wir sind direkt am Meer in der Beach Lodge untergebracht. Einzig bei der Zimmerauswahl hätten wir mehr Glück haben können. Lage und Ausblick entschädigen. Im der Pizzeria treffen wir Thomas, den Eigentümer der Hoodia Lodge mit seiner Frau. Tja, wer seine Frau ausführen will, muss schon mal eine Anreise von gut vier Stunden in Kauf nehmen. Die Pizzeria ist gar ausgebucht. Thomas bietet seinen Tisch an. Wir lehnen dankend ab und finden im „The Hug“ eine authentische Alternative.
Am nächsten Tag stehen Flamingos und eine Seehundkolonie am Programm. Die Seehunde sind ein bisserl gruselig für mich. Zum einen stinken sie ziemlich, zum anderen führt ein Steg quer durch die Kolonie. Geht man den Steg entlang, so brüllen und heulen die Seehunde unter einem auf. Tantes Göttliche Komödie kommt mir in den Sinn.
Da ist der Lunch am Cape Cross infolge entspannter. Ob wir zur Verdauung noch am Strand spazieren dürfen? Ja, Richtung Norden bis Angola. Außer ein paar Fischern ist da niemand, und bis Angola sind es geschätzt 800 Kilometer. Im Auto haben wir noch einen Steinschlag zu vermelden. In Namibia regt das aber gar niemanden auf. Wer are absolutely safe. Na bitte!
Am Montag geht’s aufs Boot. Ohne jede Erwartung buche ich. Was schaue ich blöd, als uns dann ein Seehund am Boot begrüßt. Was für ein Zufall, was für ein Glück! Weit gefehlt, im Laufe der Tour erfahren wir, dass sich aktuell vier Seehunde an Bord trauen, zwei berührt werden dürfen und die anderen nicht. Aha!
Als nächstes Highlight tauchen Delfine in großer Zahl auf. Sie springen und tanzen und Boot. Nun jagen teils Seehunde und Delfine das Boot. Das hatte ich auch noch nie.
Was bietet die Vogelwelt? Wir lernen, wie man Guano für eine halbe Million verkaufen kann und worin Guano so enthalten ist. Aber die echte Sensation sind zwei Pelikane, die das Boot stürmen und gegen Fisch Selfies zulassen. So geht die Fahrt bei Sekt und reichlich Austern zu Ende. Das waren übrigens die besten und wohl frischesten Austern seit langem.
Swakopmund war ein Kontrast zu den Wüsten und die Reise auf jeden Fall wert!
Twyfelfontein
Beene übernimmt das Steuer und entdeckt den Walter Röhrl in ihr. So brettern wir die nächsten viereinhalb Stunden über die Schotterpiste weiter Richtung Norden. Beene trällert sich ein Liedchen und driftet die wenigen Kurven. Gelegentlich kracht ein Ast in die Scheibe. Soll sich der Baum halt woanders hinstellen.
Die Twyfelfontein Lodge ist mehr ein Beherbungsbetrieb. Viele Gäste, wohl geordneter Betrieb. Schön ist es allemal. Der Sundowner bringt uns erstmals mit Elefanten in Kontakt. Es sind Wüstenelefanten, ein bisschen kleiner, dafür mit langen Beinen. Die jungen Elefanten wälzen sich im Staub und liefern ihre Show.
Das Besondere an Jahrtausende alten Felszeichnungen bleibt mir auch diesmal unerschlossen. Ich scheine zumindest nicht der einzige zu sein.
Ongava Tented Lodge
Nach einer Nacht in Twyfelfontein geht es nun Richtung Etosha Nationalpark. Direkt vor dem Eingang zweigen wir ins tolle Ongava Resort ab. Der freundliche Wachmann fotografiert das Auto und schiebt das schwere Tor zur Seite. Willkommen! Zu unserer Unterkunft, dem Ongava Tented Camp, sind es 12 Kilometer. Das ist Afrika!
Leroy begrüßt uns mit einer Herzlichkeit! Oh, das wird fein hier! Wenige, feste Zelte mit noch weniger Gästen warten auf uns. Christina und Ndali laden zum Lunch. Sie haben offensichtlich Freude an ihrem Job. Für Kurzweil beim Lunch sorgen die Elefanten. Die Lodge liegt direkt an einem Wasserloch, worin die Elefanten gerne eine Erfrischung nehmen. Doch besser schmeckt das Wasser aus dem Pool. Auch wenn die Elefanten gewöhnt sind, hier auf Menschen zu treffen, sind sie auf Abstand bedacht. Wer sich zu rasch bewegt oder zu nahe kommt, wird mit einem Rüssel voll Wasser auf Distanz gehalten. Jasmin wird derart gemaßregelt, findet es aber recht lustig.
Noch lustiger findet aber Tuly alles mögliche. Er wird unser privater Guide für die kommenden zwei Tage sein. Um 16:30 geht’s los. Der Patronengurt irritiert ein wenig. Ja, bei Gelegenheit steigen wir aus und nähern uns Rhinos oder Elefanten zu Fuß. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ein Dickhäuter oder ein Löwe etwas gegen uns hat, will man ja gewappnet sein. Denn im Busch sind die süßen Viecherl auf Distanz bedacht. Hier ist der Mensch entweder Rivale ums Futter oder ein leckerer Happen, je nach Spezies.
Tuly ist eher der Großwildjäger. Auch wenn er in seiner Rangerausbildung viel, viel Wissen mitgenommen hat, so verschwendet er wenig Zeit mit Antilopen, Federvieh oder sonstigem Kleintier. Elefanten, Rhinos und Löwen zählen.
Zweimal wird auf unseren drei Ausfahrten angehalten und das Gewehr geladen. Wir bekommen Instruktionen, wie das Funkgerät zu bedienen ist, falls Tuly gefressen oder auf andere Art ausgeschaltet wird. Tuly trägt die hellste Kleidung und ist damit Target No. 1. Von bunter Kleidung wird dringend abgeraten. Wir sind in erstaunlich erdfarbenen Hosen und Shirts unterwegs.
Das Leben in der Lodge ist herrlich. Christina und Ndali achten darauf, dass jederzeit Kalorien zugeführt werden. Und das in erlesener Form. Zum Dinner gibt es Auswahl, auch wenn nur drei Tische besetzt sind. In der Dämmerung bzw. Dunkelheit stellen sich gar Nashörner, Löwen mit Jungen und die verschiedensten Antilopen ein.
Einzig kalt ist es in der Nacht und am Morgen. Thermophore helfen, aber es bleibt bitterkalt. Von eigenständigem Pendeln zwischen den Chalets und dem Hauptgebäude wird abgeraten. Das finde ich auch diesmal anfangs übertrieben. Als wir dann Löwengebrüll am Morgen hören bzw. Elefantenabdrücke im Sand gezeigt bekommen, bin ich einsichtig. So holt uns Tuly mit seiner Rifle morgens ab. Sein Lachen ist so erfrischend, dass wir es als Ringtone für Jasmin aufnehmen möchten. Es ist mitreißend und herzlich, sodass die Kälte etwas weniger kalt erscheint.
Es gäbe noch so viel zu dieser wunderbaren Lodge zu schreiben. Tuly erklärt auf meine Anfrage den Dung. Der von Elefanten hilft als Rauch selbst gegen Covid. Oder Tulys Lachen, als zwei weiße Nashörner ein schwarzes Nashorn durch den Busch jagen. Ja, da sind wir alle begeistert, aber am meisten Tuly. Ein anderes Mal liegen Löwe und Löwin um unser Auto. Sie ist leider zwischen dem Zaun des Nationalparks und der Lodge gefangen. Alles eigentlich recht entspannt. Erst als in weiter Ferne die zu Hilfe angeforderten Wildhüter anrücken, verdrücken sich die beiden Großkatzen. Sie kennen das Geräusch der Wildhüterautos. Da heißt es dann unter den Königen der Tiere: “Flüchte, wer kann!“.
Etwas wehmütig verabschieden wir uns. Aber bald sind wir wieder zurück, denn eine von uns hat ihren Sack mit Schuhen vergessen. Wer das ist? Dazu schweige ich lieber!
Etosha – Mushara Lodge
Mit etwas Verspätung treten wir also die eigene Fahrt durch den Nationalpark an. 135 Kilometer fahren wir von Westen nach Osten. Beeindruckend sind die endlose Weite des Etosha-Pfanne und die doch einigermaßen reichlich vorhandenen Wildtiere, liebevoll Game genannt. So stehen wir gelegentlich mal in einer Kudu-Zebra-Springbock-Herde mit mehreren hundert Tieren, aber nach dem Ongava Resort ist der eine oder andere schon ein bisserl Safari-müde. Im Auto erscheint es auch etwas anstrengender als im offenen Safari-Wagen. Das Aussteigen ist nur an wenigen Stellen erlaubt. Aber schön anzuschauen. Schon wieder auf asphaltierter Straße übersehe ich noch drei oder vier Giraffen, die friedlich im Sonnenuntergang grasen. Aber aus der zweiten Reihe höre ich, dass eine Giraffe auch nur eine Kuh mit langem Hals ist.
Die Mushara Lodge empfängt uns als großzügig angelegtes Resort mit feinem Essen und bestmöglicher Entspanntheit. Den morgendlichen Game Drive lassen wir aus. Wir bleiben am Pool. Der Pool ist winterlich kalt, aber schreckt uns nicht ab. Mungos oder Mangusten (bin ja kein Biologe) sorgen für Kurzweil. Kuscheln soll ich sie nicht. Ah, sehen aber süß aus!
Der Sundowner ist schon gebucht. Wir fahren wieder in den Nationalpark zurück. Ich freue mich, dass wir erstmals eine Führerin haben. Ich bin schon gespannt. Bei der Fahrt zum Park sperrt in einer hohlen Gasse ein Elefantenbulle die asphaltierte Straße. Kein Vorbeikommen, „Big Problem, False Feeding, Very Dangerous!“. Ein Stau wächst langsam. Andere Safari-Autos drängen vor und werden zurückgedrängt. Letztlich gelingt es den Elefantenbullen in einer konzertierten Aktion zweier wagemutiger Tour-Guides von der Straße zu treiben. Was gar nicht so leicht ist, weil es aus der Gegenrichtung staut. Aber das sind private Autos. Die sind viel kleiner und wir sind froh, dass wir nicht in so einem Touri-Auto sitzen.
Im Park zeigt die gute Frau weniger Geschick beim Aufspüren der Tiere. Gelegentlich zeigen wir ihr das eine oder andere Tier und erhalten ein: „I saw that also.“. Dafür scheint sie jeden und jede im Park zu kennen. Fenster auf „How are you? I love you all!“. Irgendwann kommt dann doch über Funk die Nachricht, wo man hin muss. Wir rasen gemächlich dorthin um uns mit vielen anderen des Anblicks von vier Löwen in der Ferne zu erfreuen. Wir wollten einen Leoparden sehen, aber für unsere Anführerin sind das alles Katzen. Gelegentlich werden andere Beobachter aufgefordert leise zu sein. Das ist ja schon an sich ein bisserl seltsam. Speziell wird es, als sich die gute Frau bei so einem „Pst, Pst!“ irrtümlich auf die Hupe setzt. Okay, den Löwen war es wurscht, die waren eh weit genug weg.
Etwas verlegen schenkt sie den „Gin Irgendwas“ ein und erfreut sich der Tatsache, dass sie schon wieder alle am Parkplatz kennt. „I love all humans!“ – fein! Als Entschädigung gibt es noch eine Einführung in ihre Muttersprache, die von Klicklauten lebt. Sabine filmt und muss nachsprechen. Der Gin hilft. Das ist alles spannend, aber ich komme schon mit Spanisch auf Duolingo nicht so recht weiter. Soll sein!
Erongo Mountains
Ai Aiba – The Rock Painting Lodge
Zum Abschluss gibt es nochmals eine extrafeine Lodge. Weit entfernt vom Irgendwo liegt die Ai Aiba Lodge. Klein und überaus luxuriös. Am Pool kann man sich problemlos auch in der Wintersonne einen Sonnenbrand holen. Das Internet hat wie in den meisten Lodges Glückspielcharakter. So ist das halt hier.
Wir schließen uns der Sundowner-Wanderung auf einen nahegelegenen Hügel an. Leicht militärischer Drill herrscht, die Touris folgen brav. Als der Guide dann Giraffen-Kugerln am Weg aufhebt, kostet, drauf beißt und zu erkennen meint, dass die Giraffe vor fünf, sechs Tagen hier war, kommt in mir Sorge auf, dass wir unser einer Game-Dung-Verkostung angeschlossen haben. Upps!
Der Spazierweg hält einige Kletterstellen im Bereich 1- parat. Da höre ich im Umfeld schon Gemurre und Sorgen, die aber von einem „My Team is strong! I can feel it!“ an der Spitze erstickt werden. Bald rufen wir im Chor „Sir! Yes, sir!“. Aber soweit kommt es dann doch nicht. Zu schnell erreichen wir den Gipfel. Getränkevergabe gehört zum Sundowner-Ritual. In den besseren Lodges kann man die Getränke vor dem Aufbruch auswählen. Wir haben Mineralwasser und Sekt gewählt. Die restlichen Teilnehmer begnügen sich mit einem Bier oder Sprite. Nur auf die Schweizer ist Verlass. Die zwitschern zumindest eine Flasche Weißwein. Ja, unser Drill Sergeant hatte einen schweren Rucksack mit. Als er nun zum krönenden Abschluss fragt, wer den Champagne bestellt hat, müssen wir da halt durch. Beim Militär wird kein Platz verschenkt! Entsprechend werden die Gläser gefüllt. Wir haben es lustig. Dazu gibt es Biltong, von den Mädels wegen der Ähnlichkeit zu Mios Leckerlis liebevoll Rinderkopfhaut genannt.
Beim Abstieg fährt der Sekt ein. Wir haben reichlich Spaß. Als Sabine und ich die Lodge erreichen, hat sich unser Sergeant schon wieder aus dem Staub gemacht. Die anderen Gäste sitzen beim Abendessen. Hurra, wir sind auch schon da!
Den Sundowner am nächsten Tag, wieder im offenen Wagen, lassen die Mädels aus. Sie sind der Sundowner endgültig satt. Soll sein. Wir sind aber erneut erfreut und lernen Interessantes. Der Guide erkennt Spuren eines Leoparden, der seine Beute über den Weg geschleift hat. Selbst Blutspuren vermag er zu erkennen. Oh ha!
Auf glatt geschliffenen Felsen, die an Australiens Ayers Rock erinnern liegen kugelrunde Felsen von mehreren Metern Durchmesser auf der Schräge, als hätten sie Riesen vor Millionen Jahren einfach liegen gelassen. Ich staune, wie diese Steine Jahrmillionen so liegen können. Auch ein riesiger, versteinerter Sportschuh steht auf einem der Felsen, die bezeichnende Namen wie „The Submarine“ tragen. Auch den müssen die Riesen liegen haben lassen.
The Sneaker
Bei einer Flasche Weißwein geht die Sonne das letzte Mal für uns unter. Der Königstein, der höchste Berg Namibias, verabschiedet sich in weiter Ferne in tadellosem Abendrot.
Rückfahrt
Am nächsten Tag warten zu Mittag rund 300 Kilometer zum entfernten Flughafen. Ganz knapp vor dem Gate der Lodge verabschiedet sich ein riesiger Giraffenbulle nochmals von uns. Wieder hätte ich ihn fast übersehen. Was für ein elegantes Tier!
Es folgen die letzten Kilometer Schotterpiste. Unser Toyota Corolla Crossover fliegt über die kleinen Rippen. Nichts kann uns aufhalten, wäre da nicht diese Straßenglättmaschine auf der Gegenfahrbahn. Die ebnet einerseits die Straße, schiebt aber auch wie ein Schneepflug überschüssiges Material zur Seite und in die Straßenmitte. Mit etwas mehr als 100 km/h krache ich in bzw. über einen Stein von der Größe einen Ziegelsteins. Rumms, völlig synchron krachen wir vier mit der Schädeldecke an das obere Ende der Fahrgastzelle des flinken Japaners. Hoppla, das war jetzt nicht gut. Nach wenig Metern hören und spüren wir das Flap-Flap-Flap. Links rangefahren, Koffer raus, Reserverad raus. Jahrelanger Reifenwechsel zahlt sich aus. Sabine und ich wechseln den Reifen in Windeseile. Die Mädels bleiben im Auto. Kein vorbeifahrendes Fahrzeug oder Löwe stört, nicht einmal Paviane interessieren sich für Gepäck. Als ich die Koffer wieder ins Auto wuchte, springt der Corolla vom Wagenheber und Sabine, die gerade die Radmuttern anzieht, mit gazellenartiger Leichtigkeit zur Seite. So geht Reifenwechsel.
Noch 30 Kilometer, dann ist die sichere B2 erreicht. Nun kann nicht mehr viel schiefgehen. Am Flughafen verabschiedet sich Namibia mit dem letzten Sonnenuntergang. Ein bisschen wehmütig steige ich ins Flugzeug. Dieses Afrika gefällt mir!
Carina wünscht sich ein Wochenende in Paris zum Geburtstag. Eine Freundin darf auch mit. So mache ich mich mit Lydia, Jasmin, Carina und Ilina auf den Weg. Die Blicke, die ich mir als mutmaßlicher Mädchenhändler in solchen Situationen beim Check-In einfange, erspare ich mir diesmal. Es ist mein erstes Mal Airbnb. Da gibt es keine Rezeption, der junge Mann hat andere Sorgen und Interessen.
Ein weiteres erstes Mal habe ich. Auch Uber steht am Programm. Das klappt super. Als Dino aus einem anderen Jahrhundert interessiere ich mich für Fragen nach dem Vertragspartner und Rechnung. Ui, ui – das sieht nach Ärger aus. Auf der Rechnung steht nur salopp Uber. Damit genügt die Rechnung sicher nicht den Anforderungen. Und so funktioniert ein modernes Unternehmen mit Milliardenumsatz – ich staune. Ähnlich meine Gedanken zu Airbnb. Aber hier ende ich lieber in meinem Ausführungen. Da hatte ich als Geschäftsführer jedenfalls wegen deutlich nichtigeren Themen ein Thema.
Die Mansardenwohnung in der Nähe des Place de la République am Boulevard Saint-Martin ist extravagant und schön. Wir haben ausreichend Platz und keinen Grund zur Klage. An Airbnb muss ich mich noch gewöhnen. Aber das ist eine andere Geschichte – siehe oben.
Wir haben Wetterglück und erledigen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Entspanntes Frühstücken und Spazieren stehen am Programm. Der Eifelturm bei Nacht muss auch sein. Wie ich mich freue, dass teils noch Metro-Wagen fahren, die schon 1983 unterwegs waren, als ich mit Oskar durch Europa getrampt bin! Auch wenn Masken, Uber und Airbnb neu sind, so haben die alten Waggons noch Bestand.
Das Abflugsterminal 2G am Flughafen Charles de Gaulle erinnert ein bisserl von der Größe her an einen Flughafen auf einem der kleinen Inseln des kanarischen Archipels. Das erstaunt sogar den moderenen Uber-Fahrer.
Gelungene Tage mit meinen vier jungen Begleiterinnen. Fein war’s!
2020 hatte ich im März im Apart Viva angerufen und angefragt, ob wir wieder kommen können. Wie durch ein Wunder war eine der beiden Ferienwohnungen frei. Eine Familie aus Israel hat völlig grundlos mit Bezugnahme auf einen Covid-Virus storniert. Wer fürchtet sich schon vor einem Schnupfen! So die Denke im März 2020. Zu meiner Entschuldigung sei gesagt, dass ich im März 2020 weit von der Spur war. So haben wir auf 2021 verschoben und letztlich nochmals auf 2022.
Wie die Zeit alles verändert! 2022 reisen gerade mal Carina, Jasmin und ich an. Wir haben zu dritt sieben Betten zur Auswahl. Das Zimmer mit den drei Betten und dem eigenen Bad wird zum Master Bedroom und ein Zimmer bleibt unberührt. Gernot hat sich für ein paar Tage als Gast angesagt. Auf Gernot ist Verlass!
Die Bedingungen sind wieder traumhaft. Die Sonne lacht auch an Tagen mit ungünstigerem Wetterbericht. Einzig der letzte Tag wird schwach genutzt. Gernot ist schon weg, Wolken trüben das Sonnenlicht und die Temperaturen machen den Schnee stumpf. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir die Tage davor für unsere Verhältnisse sehr viel gefahren sind. Nie muss man anstehen, ab Mittag sieht man oft weit und breit keine anderen Skifahrer. Auf der Idalpe wimmelt es allerdings immer, aber das restliche Gebiet ist sehr, sehr dünn besetzt.
Am ersten Tag war der Schnee gar noch winterlich trocken. Die Mädels konnten sich im Tiefschnee vergraben, sind aber schon sehr sicher unterwegs. Der Firn auf der Val Gronda ist wie immer ein Genuss. Doch die Mädels sind keine Mäderln mehr. Das Gelände wird zu wenig steil. Dafür erkennen sie allmählich, dass die Abfahrt ins Fimbatal landschaftlich ein Traum ist.
Beide fetzen die Piste mindestens so schnell wie ich. Jasmin fährt einen Tag mit Gernot auf Zug. Tja, und leidet die restlichen Tagen an überlasteten Beinen. Die Skiausrüstung parkt über Nacht in der Talstation der Padratschgratbahn. Diese Neuerung ist ein Luxus.
Tolle, entspannte Tage in einem fantastischen Skigebiet!
Wir drei!Pulver in der SchweizVarianten gehen gutVarianten gehen gutGernot und die MädelsMittagspauseDas mag ichVal GrondaLos geht’s ins FimbatalIm FimbatalAn der Grenze zur SchweizAn der Grenze zur SchweizFrühling im Ort