Haidsteig – Königschuss

In Wien liegt seit Tagen oder gar Wochen der Nebel. In den Bergen hingegen lacht oft die Sonne. Haidsteig und, wenn es gut geht, auch Königschusswandsteig. Gernot verwendet lieber Knieschusswandsteig. Ihn brauche ich also gar nicht fragen. Renate bevorzugt auch sicherere Bedingungen. Mio wäre für alles zu begeistern, aber.. Also, geht es alleine los.

Der Zustieg geht schnell, weil schneefrei und gar nicht kalt. Die Madonna ist auch bald erreicht, wo ich die beim Spar gekauften Spitzbuben auspacke. Ulli lehnt dankend ab und so mampfe ich das ganze Packerl alleine runter. 500g, immerhin ein halber Kilo! Prompt ist mir auch bald ein bisserl schlecht. Also, genau gesagt, ist noch ein anderer Steiggeher nachgekommen, der mir ein Keks abgenommen hat. Vier Jahre ist er jünger, wir tauschen uns aus. Und dann kommt noch einer daher. Ohne Klettersteigset schwebt er vorbei, biegt nach links ab und tänzelt den Malersteig hinauf. Ich schau‘ nicht schlecht!

Ein bisserl bleibe ich noch, genieße die Sonne und Ullis schweigsame Gesellschaft, ehe ich weiter steige und auch zeitnahe das Preinerwandkreuz erreiche. Ich fühle mich fit und einige mich mit mir selbst auf den Königschusswandsteig. Zwischen den Latschen liegt Schnee, aber sonst alles easy. Also, zum Einstieg.

Die Sonne lacht, das langärmlige Shirt reicht. Mir fehlt ein bisserl die Übung, und so nehme ich den Königschusswandsteig heute als deutlich schwieriger wahr als sonst. Auf die Frage, welcher Steig denn schwieriger sei, hatte ich nie so recht eine Antwort. Hier im Osten sind alle ähnlich, aber heute merke ich den Unterschied. Die Bedingungen sind zumindest richtig fein, womit auch der Königschuss ein Genuss ist.

Runter dann den Holzknechtsteig, an den ich mich auch irgendwann gewöhnt habe. Und ab zum Auto! Edler Tag, Sonne getankt, alles gut!

Die Tour auf garmin

Das Tacxi und ich

Am 8. Jänner 2025 habe ich unseren neuen Smart Trainer von Garmin, das Tacx NEO Bike Plus ausprobiert. Am 30. November 2025 habe ich meine Mallorca-Rundfahrt darauf beendet. 107 mal war ich am Tacxi unterwegs. Bei einem Anschaffungspreis von über 3.500 Euro kostet jedes Training noch immer über 30 Euro. Gar nicht wenig Geld. Aber es macht Spaß, denn sonst wäre ich nicht im Schnitt jeden dritten Tag aufs Rad gestiegen.

Garmin hat Tacx übernommen und damit auch die Tacx-App. Das Zusammenspiel zwischen der Garmin Connect App und der Tacx-App ist noch ein klein wenig hölzern.

Die Tacx-App bietet die Möglichkeit, dass man abgefilmte Strecken weltweit nachfahren kann. Da spürt man nicht nur die Steigungen und Abfahrten sondern sieht auch andere Radfahrer, Spaziergänger, Autos etc.. Anfangs habe ich mich noch automatisch in die Kurve gelegt, aber das bringt halt nichts. Man kann den gefilmten Menschen winken, aber sie winken nicht zurück. Warum ich das gemacht habe? Weil der Sauerstoff in den Beinen war und wenig fürs Hirn übrig war.

Anfangs bin ich diese Filme abgefahren und habe nach Leistungsdiagnostik trainiert. Bei der Leistungsdiagnostik wurden meine optimalen Trainingsbereiche wissenschaftlich präzise ermittelt und ein Plan erstellt. Über den Sommer habe ich das Filme-Abo gekündigt und bin nur nach Wissenschaft geradelt. Verbesserungen habe ich damit nicht erzielt. Erst, seit ich seit Oktober wieder Filme fahre, geht es bergauf.

So bin ich unter anderem eine teils selbst zusammengestellte Dolomitenrunde mit über 5 000 Höhenmetern auf 160 km Distanz in fünf Etappen geradelt. Die Mallorca-Runde brachte über 5 300 Höhenmeter bei 300 km in 8 Etappen. Was immer der Grund ist, diese Touren machen mich fitter und sie machen Spaß.

Die Filme drehen unterschiedliche Radfahrer. Auf Mallorca und in den Dolomiten waren es wohl sehr, sehr fitte Fahrer. Virtuell wurden in den Filmen vor allem auf Mallorca endlos andere Radfahrer überholt. Selbst bieten die Filme auf Mallorca nur zwei oder drei schneller Radfahrer. Das sieht jeder so, der die Route fährt. Warum? Ja, weil es demjenigen, der den Film gedreht hat, so ergangen ist. Dieses Material ist im Kasten und lässt sich nicht mehr ändern. Einzig die Geschwindigkeit, mit der der Film abgespielt wird, lässt sich ändern. Und die Geschwindigkeit wird genau in Relation zu der Geschwindigkeit abgespielt, mit der der Film gedreht wurde. Das hat lustige Effekte. Es gibt nur wenige Momente, wo ich schneller bin als derjenige, der den Film gedreht hat: beispielsweise bei Serpentinen oder an Kreuzungen. Einen Bergpass fahre ich mit 60 km/h den Berg runter. Es ist egal, wie eng die Kurven sind. Da bin ich natürlich vielleicht doppelt so schnell wie das Original. Radfahrer, die mir entgegenkommen, strampeln als Folge doppelt so schnell. Man meint, sie wären auf der Flucht. Umgekehrt bin ich bergauf viel langsamer als das Original. Motorradfahrer und andere Radler schleichen dann derart langsam dahin, dass man Angst bekommt, dass sie umfallen werden. Trete ich dann rein wie ein Verrückter, erwacht auch wieder Leben in den anderen, denn der Film dreht schneller. Wähle ich einen Film unter dem Motto „Trainiere mit den Profis“, kann ich problemlos mithalten. Die Profis treten halt in Zeitlupe rein.

Neben den gefilmten Teilnehmern gibt es noch die anderen Fahrer, die bei sich zuhause auf ihren Bikes sitzen. Es sind wenige und trotzdem kann ich nicht anders: ich prüfe, ob sich mein Abstand zu ihnen vergrößert oder verkleinert. Oh, da packt mich der Ehrgeiz. Meist bin ich alleine auf der Strecke unterwegs, nie hatte ich mehr als sechs virtuelle Partner. Da ist Garmin noch Ödland im Vergleich zu Zwift oder den anderen Plattformen.

Es ist ein teurer Spaß. Selbst bei meiner intensiven Nutzung kostet eine Tour so viel wie ein Fitness Center pro Monat. Kaum jemand hat so viel Zeit wie ich. Kurz, das mag gut überlegt sein.

Vorteile, an dich ich davor gar nicht gedacht habe, sind:

  • Kein einziger Sturz 😉
  • Handtuch, Taschentücher, Energieriegel, etc. – alles in Griffweite
  • Kein Autofahrer, der mich übersehen kann
  • Kein einziges Mal Luft nachfüllen, Kette reinigen, etc.
  • Kein einziges Mal in den Regen gekommen

Wer Interesse hat, kann sich die gpx-Tracks in einer Flyover-Animation ansehen. Warnung: das ist ein bisserl fad und zeigt keine echten Aufnahmen, sondern nur, wo ich gefahren bin.

Weitere absolvierte Tacx-Challenges:

  • Thailand („Thailand-Touren“) – hat mir nicht so gefallen
  • Korsika und Sardinien („Inselhüpfen“) – empfehlenswert
  • Niederlande („Elfstädtetour“) – empfehlenswert. Es ist ewig flach. Man düst in der Ebene dahin. Nice!

Kanzelsteig

Gernots und mein Novemberklettern will gemacht werden. Wir haben mehr Erwartungen als Zeit für die Vorbereitung der Tour. Die Erwartungen sind: unten Nebel und Temperaturen um die Null, oben Sonne und T-Shirt. Ja, so war es schon ein paar Mal, dann soll es auch heute so sein. Da Gernot ein neues E-Auto bekommen hat, ist er am Vorabend beschäftigt. Ich bin vom Haidsteig auch ein bisserl müde. Niemand gleicht die Erwartungen gegen die Realität ab. Vom Haidsteig weiß ich, dass die Hohe Wand die bessere Wahl sein wird. Und auf der Hohen Wand ist es doch immer warm. Eigentlich sollten wir es besser wissen, aber…

Gernot hat ein paar Tourenvorschläge geschickt. Allesamt III und schwieriger. Boah, da ist mir nicht ganz wohl dabei. Ich suche und finde Leichteres. Wir nehmen den Kanzelsteig und können ja oben dann noch die Technikervarianten mitnehmen.

Beim Seiser Toni folgt der erste Wettercheck. Kein Nebel, keine Sonne. Dafür Wind und Schneeflocken. Ich habe beide Mammut-Jacken mit. Die wärmere Jacke habe ich dabei, weil man beim Kraxeln mit Seil viel herumsteht und dabei leicht friert. Jetzt entscheide ich, beide Jacken anzuziehen. Gernot geht es gleich. Der Kanzelsteig ist ein II+. Den sollten wir auch ohne Seil schaffen, meint Gernot. So würden wir weniger herumstehen und nicht auskühlen. Zustimmung! Dann habe ich die glorreiche Idee, dass es noch wärmer wird, wenn wir das Material und das Seil im Rucksack mitschleppen. Für Wärme wäre gesorgt. Machen wir! Ich nehme freiwillig Seil und mein Eisen.

Der Einstieg ist schnell gefunden. Gernot sieht schon die roten Punkte. Diese sehe ich auch, aber erst, wenn ich draufstehe oder ich mich am entsprechenden Fels festhalte. Gernot geht somit vor. Die Kraxelei ist lustig. Ein bisserl viel Nadeln, Bockerln, Steine usw. liegen herum. Das nächste Mal nehme ich noch einen starken Laubbläser mit und mache da ein bisserl Ordnung. Ha, da ist sie schon die „Schlüsselstelle“. Gernot meint, wir gehen ohne Sicherung. Ich bin nicht sicher. Irgendwie muss ich meine Muttropfen heute vergessen haben. So mache ich den Vorschlag, wir nehmen das Seil und Gernot steigt vor. Zustimmung pur, los geht’s!

Bald erkennt Gernot, dass es eh eine gute Idee war, das Seil zu nehmen. Irgendwann rufe ich ihm zu, dass es wieder einmal Zeit wäre für eine Zwischensicherung. Wenn er jetzt einen Abgang macht, kugelt er definitiv an mir vorbei. Somit hat er die Wand eigentlich ohne Sicherung genommen. Zack, da kommt der erste Stein. Deckung und der Kopf ist mal geschützt. Ob der Rucksack schützt? Die Beine sind etwas exponiert. Die Wahrscheinlichkeit für ein Treffer ist eh extrem gering. Schon höre ich dieses grausige Surren des Steins – verfehlt – gut so! Kurze Zeit danach wieder. Diesmal sind es mehrere Steine. Ja, was macht der da oben? Ein dicker Stein springt im Zickzack herunter. Wo jetzt? Links, rechts, links… Deckung und auch verfehlt. Okay, vielleicht bin ich den Steig deswegen noch nicht gegangen. Ist ja ein Wahnsinn da!

Ich steige nach, und das lieber schnell als langsam. Dabei erwische ich es nicht gut. Ja, Himmi! Wo ist der da rauf? Begeistert hat er gerufen, dass er riesige Griffe gefunden hat. Hat er die mitgenommen oder abgebaut? Ich finde da nichts. Keine Sorge, auch ohne die großen Komfortgriffe ist diese Wand, das Testamentwandl, machbar. Gernot wartet schon. Für den ersten Stein übernimmt er die Verantwortung, aber die restlichen schreibt er den Steinböcken zu. So richtig Freund werde ich mit diesen Viechern nicht.

Weiter geht es im „Gehgelände“. Das Seil haben wir schlampig aufgenommen und steigen so eng hintereinander. Dabei reduziert sich die Funktion des Seils darauf, dass keiner alleine heimfahren muss, wenn etwas passiert. Der Steig macht Spaß und bald brauchen wir wieder die Hände. Ah, da drüben startet die erste Techniker-Variante. Die blauen Punkte sehe auch ich aus der Ferne.

Heute bleiben wir mal am Kanzelsteig. Der muss zumindest einmal gemacht werden. Außerdem wird es zunehmend kalt. Gernot steigt wieder vor. Diesmal sucht er ein bisserl nach Griffen. Auch hier gilt: der Steig ist genau richtig, überfordert sind wir kein einziges Mal. Im Nachstieg habe ich dann das Glück auf meiner Seite und spaziere da ohne Erkennen von Schwierigkeiten hinauf. Jetzt sind wir am Grat, der Wind pfeift, der Schnee kommt von rechts. Gemütlich ist anders.

Aha, da ging es zu den anderen Technikervarianten! Fein, aber kalt. Also, aufi! Bald ist das Gipfelkreuz da. Das nenne ich einen komfortablen Standplatz. Sogar eine Kette achtet darauf, dass ich nicht runterfallen kann. Die Finger frieren allerdings und ich könnte noch ein paar Jacken gebrauchen. Gernot kommt den Grat herauf. Was für ein Glück! Die Freude ist groß, die Zeit zum Feiern und Genießen kurz. Wir stopfen das Material in die Rucksäcke und verlassen diesen unwirtlichen Platz.

Die Wilhem-Eichert-Hütte hat offen. Wir können es gar nicht glauben, aber seitdem die neuen Pächter übernommen haben, ist der Besuch hier ein Muss. Die Karte bietet deutlich mehr Speisen als heute Gäste kommen werden. Wir machen Umsatz und wärmen uns auf. Abgesehen vom Steinschlag, ausgelöst durch boshafte Steinböcke, ist der Steig eine wahre Genusskraxelei gewesen. Wir kommen sicherlich wieder. Wärmer sollte es sein. Das schon!

Runter sind wir das Zahme Pechterlein, oder so! Wunderbarer Vormittag in den Bergen, die sich heute deutlich frostiger gezeigt haben als erwartet. Edel war’s!

Die Tour auf Garmin

Haidsteig

Tadellose Sonne, aber kalt und sehr einsam. So lässt sich mein diesmaliger Besuch beschreiben. Aus der Ferne möchte man überhaupt bezweifeln, dass ein Aufstieg möglich sein wird. Das Phänomen kennen wir: je näher man kommt, umso weniger Schnee liegt. Der Parkplatz ist verwaist, Iduna fühlt sich einsam, ich starte. Schon herunten liegt Schnee. Schauen ma a mal!

Erst ist noch eine Spur eines Menschen zu sehen, der mit einem Hund spaziert ist. Aber irgendwann gibt es nur noch Tierspuren. Ich bin entsprechend langsam, aber so langsam? Egal, das überlege ich mir wann anders.

Über eine Stunde brauche ich bis zum Einstieg. Im Steig lächeln mir dann früh Eiszapfen entgegen. Der Fels ist entweder aper, mit losem Eis, mit festem Eis oder Pulverschnee überzogen. So muss ich viele Schritte öfters setzen. Oh ja, ich spüre in den Sohlen, was mich erwartet. Am wenigsten Komfort macht sich breit, wenn Eis unter der Sohle ist. Denn dann muss ich mich ordentlich ins Seil hängen. Das ist eigentlich nur zur Sicherung da. Heute wird es aber auch mal von mir an diesen Stellen zum Raufziehen und Reibungsaufbau missbraucht. Der Steigerhalter mag es mir nachsehen.

Bei der Madonna pausiere ich lange. Es ist einer der seltenen Tage, an dem kein Wind geht. Ich trinke meinen Tee und denke mir, dass Ulli die Ewigkeit sicherlich schon auf die Nerven geht. Nun ja, hier kommt wenigstens Unterhaltung vorbei. Vielleicht bin ich heute der einzige Besuch. Und das Portal! Das muss natürlich eingenommen werden. Alles unverständlich – gut so!

Weiter geht es langsam Richtung Plateau und zum Preinerwandkreuz. Den Königschusswandsteig habe ich schon früh von der heutigen Liste gestrichen. Es liegt daran, dass die Bedingungen heute etwas ermüdend waren. So bleibt mir nur noch ein Abstecher zur Neuen Seehütte, wo ebenfalls ein Portal umgefärbt werden will.

Der Holzknechtsteig ist wie erhofft heute erträglich, ja gar fast angenehm. Am Weg liegt Schnee, und dieser dämpft und bremst den Schritt. Schnee kommt in den Schuh, aber das ist angenehmer als die Steinchen, die es sonst sind. Worüber man sich so freuen kann!

Beim Abstieg passiere ich den Einstieg zum Haidsteig. Hier sehe ich, dass noch zwei andere Klettersteiggeher gefolgt sind. Wie gesagt, am Haidsteig ist eigentlich immer etwas los. Und das ist gut so!

So steige ich nach diesem ruhigen, einsamen Tag ins Auto und rolle heim. Passt so!

Gradonna


Zu den Fotos


Carina schlägt vor, dass wir die Herbstferien im Gradonna in Kals verbringen. Da schlage ich zu. Zwei Turm-Suiten sind noch für diesen Zeitraum frei. Die nehmen wir auch gleich. Wir reisen am Sonntag an, Jasmin kommt am Mittwoch nach. Passt!

Der erste Tag beginnt eiskalt. Ja, da schau her! Am Nachmittag fängt es gar noch an zu schneien. Wir besteigen die Kranzwand, um zu testen, ob Carina bergfit ist. Ist sie. Mio soundso!

So planen wir für den Dienstag den Aufstieg zur Glorer Hütte. Das sind 732 Höhenmeter. Nur ist da noch keine Spur gezogen. Macht aber nichts, denn der Weg ist nicht zu verfehlen. Einzig mit zunehmender Höhe wird der Schnee immer tiefer. Einer geht vor und plagt sich. Irgendwann kommt auch Mio drauf, dass es mit seinen kurzen Beinen besser ist, wenn er hinten nach geht. So hat er wenigstens irgendeine Chance, die Hütte zu erreichen. Dicke Schneeklumpen haben sich an seinem Fell festgeheftet. Uh, das ist so hart, dass ihn Renate gar mal trägt. Aber das ist für sie dann noch härter. Carina kämpft tapfer. Auch für sie ist es anstrengend. Ich habe meine schweren Bergschuhe daheim gelassen. Carin hat nicht einmal daheim hohe Bergschuhe. So haben Carina und ich bald nasse Füße. Das erfrischt, hilft aber auch nicht. Renate motiviert trockenen Fußes Carina und Mio. Noch ein Kilometer und der Schnee ist wirklich tief. Teils brechen wir bis übers Knie ein. Mann oh!

Und dann schaffen wir es doch. Hier heroben sitzt einsam Carsten, vermutlich ein deutscher Aussteiger. Wir sind und werden heute die einzigen Gäste bleiben. Ich kann das alles nicht glauben, aber Carsten ist mit sich im Reinen. Passt doch. Das Essen ist gut. Wir plaudern, Mio schnorrt ein Paar Frankfurter. Wir trauen uns den Abstieg wieder zu. Der ist auch viel leichter, wenn man in Kauf nimmt, dass die Schuhe völlig durchnässen.

Wieder beim Lucknerhaus zurück, bin ich erleichtert, dass die Sonne Schnee und Eis von der Straße geschmolzen hat. Wir sind mit Sommerreifen unterwegs. In der Früh ging es einigermaßen auf der Schneefahrbahn, weil bergauf. Bergab hätte das hart werden können. Ein E-Auto mit zweieinhalb Tonnen am Eis in Sommerreifen bergab – uff! Sorgen waren umsonst, alles gut! Das Abendessen haben wir uns verdient.

Die Tour zur Glorer Hütte auf Garmin


Am Mittwoch macht Carina Pause. Renate und ich kehren zum Lucknerhaus zurück. Von hier wollen wir aufs Figerhorn. Der Schnee hat sich gesetzt, es taut. Am Figerhorn warten über 800 Höhenmeter und eine Spur auf uns. Das sieht machbar aus. Schon nach kurzer Strecke warnt uns ein Vogelfotograf, dass Mio in Gefahr sein könnte. Zwei Adler sind unterwegs, und das könnte für Mio eng werden. Solche Geschichten habe ich auch schon gehört. Aber so richtig glauben will ich das nicht. Egal, Mio muss in der Nähe bleiben. Macht er aber nicht lange, und Adler sind auch keine zu sehen.

Die Tour ist heute bequemer als gestern, auch wenn nach dem Greibichel der Schnee tiefer wird. Dort, wo es dann steiler wird, ist der Weg tief eingeblasen. Der abgeblasene Grat hingegen ist schneefrei. Die Sonne hat brav gewirkt. Nur ist der Grat richtig steil und mit nun nassem Gras bedeckt. Rauf kommt man ja, auch wenn es anstrengend ist, aber runter? Egal, das überlegen wir uns später. So erreichen wir doch etwas außer Atem wieder den Weg, der nun den restlichen Grat entlang zum Gipfel führt. Hier ist es schneefrei und das Gipfelkreuz bald erreicht. Der Großglockner schaut her, wir machen Fotos. Die Bergsteigerjause aus dem Gradonna schmeckt , alles passt.

Irgendwann wird es dann doch kalt und wir steigen ab. Ein Paar hat sich am offiziellen Weg heraufgequält. Das finde ich sehr löblich, denn nun sollte der Abstieg kein Problem sein. Der junge Mann wirkt auf mich wie eine Dampflok, die sich auf Schienen durch den tiefen Schnee heraufgearbeitet hat. Er lacht. Ja, anstrengend war es schon. Aber was soll’s? Seine Partnerin ist gar im kurzen T-Shirt unterwegs, weil das so deppert anstrengend war. Auch sie ist sich bewusst, was das Spuren ihres Partners ihr erspart hat. Ich bedanke mich und bin beeindruckt.

Ja, so ist der Abstieg schnell erledigt. Die Schuhe sind zwar genauso nass wie am Vortag. Die kommen in den Trockenraum, und ich hole noch Jasmin aus Lienz ab. Als sichere L-Fahrerin bringt sie mich nach Kals zurück. Am Donnerstag ist Ruhetag für uns, das Wetter ist okay aber nicht sonderlich gut.

Das Figerhorn auf Garmin


Der Freitag bringt dann eine Tour mit Jasmin zur Blauspitze, immerhin über tausend Höhenmeter. Es ist frühlingshaft warm. Entsprechend sind die Sonnenseiten wieder abgetaut. Auf der Nordseite wird aber schon einiges an Schnee warten.

Wir steigen über das Bergrestaurant Glocknerblick auf. Die Hüttenwirtin erkenne ich prompt. Das letzte Mal habe ich sie vor knapp 25 Jahren gesehen. Wie die Zeit vergeht! Sachen gibt’s. Sie kann sich an mich nicht erinnern – komisch!

Wie auch immer, weiter geht es. Erst die Piste hinauf, ehe wir unter der Blauspitze nach Osten queren. Tja, und irgendwann geht es in die Schattseite des Berges, wo der Schnee beginnt. Eine Spur ist hier vorhanden, das hilft. Die Schneefelder, die es zu queren gilt, sind teils steil. Zum Glück trägt der Schnee gut. Jasmin kämpft tapfer. Oben unter dem Gipfel wird es dann nochmals mühsam. Aufgeben ist aber keine Option, und so erreichen wir lange nach Mio den Gipfel. Die Pause ist hier kürzer, denn es hat zugezogen und es beginnt gar leicht zu nieseln. Fotos, Mannerschnitten, Abstieg..

Mio ist völlig gaga. An den steilsten Stellen dreht er durch. Er will spielen. Das Spiel schaut derart aus, dass er versucht, meine Schuhbänder zu schnappen. Ich wehre ihn ab und er springt bellend herum. Keine gute Idee hier. Sein Hintern hängt bei diesen Spompanadeln bedenklich weit über dem Abgrund hinaus. Mio wird angeseilt mit Sicherung um den Hals. Na ja, besser als abgestürzt!

Auf der Hütte gibt es dreimal Burger. Eigentlich sperrt die Hütte schon um 15 Uhr, aber wir haben Glück. Und wie das schmeckt, da kann die Jause im Gradonna nicht mithalten. Am letzten Stück läuft uns Jasmin davon. Die jungen, elastischen Gelenke sind bergab schneller als meine. Einzig Mio schafft es, zwischen Jasmin und uns zu pendeln.

Die Blauspitze auf Garmin


Am Samstag machen wir noch einen letzten Ausflug zum Glocknerblick zur Jause. Jasmin und Carina genießen die Annehmlichkeiten des Mountain Resorts. Renate, Mio und ich geben unserem Bewegungsdrang nach, der aber nach dieser Woche schon deutlich abgeschwächt ist.

So geht am Sonntag eine Woche in den Bergen zu Ende. Auch das Ressort schließt hinter uns die Pforten. Nach einem Monat Pause beginnt Anfang Dezember hier die Wintersaison.

Fein war es!

Marseille


Zu den Fotos


Der erste Hochzeitstag naht, Renate hat Marseille vorgeschlagen. Warum denn nicht? Ich war auch noch nie dort. Das nehme ich zumindest an, bis der Taxler vom Flughafen zum Hotel erklärt, dass der Graf von Monte Christo hier irgendwo eingesperrt war. Na ja, dass es den Grafen gar nicht gibt, sondern, dass das eine erfundene Romanfigur ist, habe ich damals vor 42 Jahren wahrscheinlich genau so wenig gewusst, wie heute. Also, jetzt weiß ich es – Google sei Dank! Aber halt, wusste ich es nicht doch? Egal, so erinnere ich mich, dass ich auf meiner Interrail-Reise mit Oskar schon mal hier war. Wir hatten überlegt, zur Insel zu schwimmen und wollten damit als erste Menschen nach Alcatraz schwimmen. Da war wohl einiges durcheinander!

Zurück zur diesjährigen Reise. Die Anreise über München verläuft friktionsfrei, sieht man von diesen heimtückischen Rollbänder für die Fußgänger ab. Also, ich kann nur warnen! Verkehrt stehend und aufs Handy starrend wird einem das Ende des Rollbandes zum Verhängnis. Hah, in die Falle gelockt, nicht ich purzle da wie ein hilfloser Käfer am Boden. Renate hat’s erwischt. Die erste Passantin ist so schnell da, dass ich noch nicht einmal Kopf schütteln konnte. „Are you okay?“. Das ist wirklich die dümmste Frage, die man in so einer Situation stellen kann. Renate hat noch nicht ganz mitbekommen, was ihr da passiert ist, lacht aber schon. Fix ist, einen Ganzkörper-Selbstscan wird sie wohl noch nicht geschafft haben. Also, „I’m great, thanks!“ kann man da nur antworten. „Mach‘ ich gerne – so eine kleine Showeinlage mit angedeuteter Rückwärtsrolle!“.

Im Hotel C2 haben wir uns einquartiert. Von außen ist es ein – naja – Hotel, aber innen ist es wirklich gelungen. Wir haben ein Zimmer ganz oben und blicken auf die Notre Dame in der Ferne. Nein, nicht bis Paris! Auf die Notre Dame de la Garde, denn die steht in Marseille am höchsten Punkt der Stadt. Das nenne ich mal einen feinen Ausblick. Die Sonne lacht, der kalte nieselige Herbst ist daheimgeblieben. Ein Spaziergang zum alten Hafen und Meeresfrüchte mit einer Flasche Crémant in den Markthallen machen den ersten Tag schon zum Erfolg. Okay, der Crémant erinnert ein bisserl an einen g’spritzten Heckenklescher. Was soll´s? Bleibt mir mehr!

Der zweite Tag wird noch besser! Wir haben E-Bikes gebucht und radeln in die Calanques. Schick mit rosafarbenem Helm geht es los. Anmerkung: Ich habe mir die Haare frisch gemacht und wollte mir die Frisur nicht zerstören, weswegen es keine rosa Helmfotos von mir gibt. Komoot geht es dahin. Auf Komoot hat uns der Verleih sogar die Strecke zusammengestellt. Die Bedingungen sind ideal. Ein Rennradfahrer überholt uns und nimmt triumphierend einen Schluck aus seiner Flasche. Es geht bergauf, er muss Mühe haben, das Getränk zu schlucken. Egal, nach ein paar Kilometer wird es wirklich steil. Da schätze ich schon mal 20% Steigung. Und da sind wir wieder. Der Rennradfahrer pfeift aus dem letzten Loch. Was hätte ich für eine Wasserflasche jetzt gegeben! Ein Königreich für ein Pferd! Quatsch, das braucht kein E-Biker, eine Flasche brauchte man. Ich will ihm zuprosten, dem armen Tour de Francler, der normal dreimal so fit wie ich aber jetzt dreimal so langsam ist. Er ruft uns etwas auf französisch nach. Kann ich nicht – C’est la vie!

Auf der anderen Seite geht es ebenso steil bergab und wir gelangen an eine schöne Bucht umringt von steilen Felsen. Junge Kletterer erfreuen sich des warmen Fels in der Herbstsonne. Wir sind zum idealen Zeitpunkt des Jahres hier. Im Sommer ist es wahrscheinlich heiß und voll mit Menschenmassen. Aber nun passt alles!

Am Heimweg geht es noch mit dem E-Radl zur Passage des Croisettes. Der Akku des Radels ist noch deutlich frischer als ich, der ich schon den ganzen Tag auf dem Sattel herumwetze. Und wir haben ein Problem. Hier in Südfrankreich pfeift man auf unseren azyklischen Essensrhythmus. Das soll heißen, zwischen 14:30 und 18:00 gibt es da nichts. Also, kaum etwas. Wir finden die Boissonnerie Les Goudes in Les Goudes. Wegen des Pan Bagnat kommt man hierher. Wir sind so hungrig, diese Thunfisch-Sandwiches schmecken herrlich. Wir können weiter.

Wieder in Marseille geht es dann noch mit letzter Energie steil zur Notre Dame hinauf. So sind wir bei tiefstehender Sonne am höchsten Punkt und genießen den Ausblick über Marseille. Ab jetzt volle Fahrt bergab! Die Räder sind knapp vor Geschäftsschluss im Verleih – alles gut!

Der Samstag ist Renates Leidenschaft gewidmet. Wir sind bei Alexandre Mazzia, genauer im AM par Alexandre Mazzia. Drei Sterne bei Michelin gibt es selten. Es ist ein Genuss! Einzig, es sind so viele Gerichte! Von jedem hätte ich gerne einen Teller voll, aber es gibt nur einen Löffel, dafür wunderbar präsentiert. Viele Gerichte werden auf am Kopf stehenden Häferln serviert. Ich wundere mich, aber sag lieber nichts. Die vielen Kellner in ihren dunklen Anzügen hätten sicher eine Antwort. Den Kaffee bestelle ich zu früh. Ich dachte, der Film ist schon aus, aber da kamen noch weitere Leckereien. Nach dem Essen schafft Renate noch ein Foto mit dem Drei-Sterne-Star, einem ehemaligen Basketballstar aus der Republik Kongo. Da schau‘ her! Ich lege mich bald erschöpft auf historische Steine, um ein bisserl das Wamperl zu stretchen, aber nur so lange bis mich die Museumswärterin vertreibt und mich auf die bereitgestellten Bänke hinweist. Ich bin auch immer entsetzt, auf was für vertrottelte Ideen diese Touris bei uns kommen – fürchterlich! Noch ein Abendspaziergang und auch dieser Tag ist ein Erfolg.

Am letzten Tag schießen wir noch Fotos, und Gottfried bekommt seine Bouillabaisse. Der gute Mann am alten Hafen muss denken, dass wir nach mehreren harten Tag im vom wilden Mistral aufgepeitschten Mittelmeer mit unserem Fang zurück sind und nun etwas brauchen, das uns nicht nur aufwärmt sondern auch sättigt. In der warmen Sonne tuen wir uns mit diesem knappen Liter heißer Suppe, serviert im Topf, schwer. Beim Alexandre, dem Ex-Basketballer, hätte ich einen Löffel voll bekommen. Facettenreiches Marseille!

Am Abend dann Abflug nach Wien! Wir sind total positiv überrascht von Marseille und können einen Besuch nur empfehlen! Was für ein gelungener Städtetrip zu unserem einjährigen Jubiläum. La vie est belle – wie der Franzose sagt!


Zu den Fotos


Weißkugel


Zu den Fotos


Monate, ja Jahre lang tun wir mit der Weißkugel schon rum. Als Kind hat ich die Besteigung schon vor. Der Vater hat einen elendslangen Firngrat versprochen, der bezwungen werden will. Okay, den wird die Klimaerwärmung entschärft haben . Vor sechs Jahren hat Ulli, als der Krebs schon weit fortgeschritten war, dem Onkologen auf die Frage, was sie sich denn noch vorgenommen hat, launisch und zuversichtlich, nur wie sie es konnte geantwortet: „Die Weißkugel besteigen!“. Irgendwie hat sich die Story ab da verselbständigt, dass Gernot und ich Ulli versprochen hätten, die Weißkugel für sie zu erledigen. Daran kann ich mich aber nicht erinnern. Vielleicht haben Gernot und ich mal posthum gesagt, dass wir die Weißkugel für sie machen. Was auch immer der Beweggrund war, die Top 3 der höchsten Berge in Österreich sind „erledigt“. Die Liste gibt es hier.

Renates Füße haben sich mit den neuen Einlagen arrangiert. So arrangiere ich mich mit dem Faktum, dass ich 57 bin, viel Zeit habe und es eigentlich nebensächlich ist, ob ich die Weißkugel in eineinhalb oder zweieinhalb Tagen bewerkstellige. Ich akzeptiere gar schon, dass ich die Weißkugel ohne Übernachtung nicht mehr schaffe. Zwei Übernachtungen erscheinen mir schon sehr komfortabel geplant. Ich spekuliere damit, dass, wenn nicht wir, so doch Gernot, nach der Besteigung noch ins Tal absteigt und heimfährt. Aber es kommt besser. Nun der Reihe nach.

Am Dienstag beschließen Renate und ich, dass wir am Mittwoch aufbrechen und am Donnerstag Gipfeltag ist. Gernot ist spontan dabei, kann aber erst am Donnerstag in Kärnten los. So fahren Renate und ich am Mittwoch los und übernachten in Nauders. Am Donnerstag ist es zu unserem Treffpunkt beim Almhotel Glieshof nur noch ein kurzes Stück. Der Glieshof sieht von außen überaus fein aus. Das nächste Mal quartieren wir uns hier ein! Gernot hat es von Kärnten aus kilometermäßig nur halb so weit wie wir. Aber er kommt mit einer Geschwindigkeit wie Mio, wenn man ihn ruft.

So starten wir nach 14 Uhr. Die Sonne brennt runter. Upps, das wird zäh. Auf der Hütte kommen dann die ersten Überraschungen. Wir haben ein Vierbettzimmer mit Bad. Oha, Dusche und Handtuch warten auf uns. Gernot bekommt das Stockbett wir das Doppelbett. Wir hätten gar ein Doppelzimmer haben können, aber dann hätte Gernot in ein Sechserzimmer müssen. Da nehmen wir ihn doch bei uns auf. Sogar eine „Sonnenterrasse“ bietet unser Zimmer. Da werden wir wohl nicht fluchtartig noch absteigen. Hier hält man es aus. Die Hütte ist in tollem Zustand, das Essen soll auch gut sein und ist auch wirklich gut.

Edwin, der Hüttenwirt, meint, dass das Matscher Wandl aktuell in perfektem Zustand ist. Das hat auch schon die Wirtin bei der Buchung gesagt. Jepp, das ist fein! Keine Eisschrauben, keine Angst im steilen Eis. Was soll da noch schiefgehen?

15 Gäste sind wir. Zwei Gäste haben getrennt einen Bergführer für die Weißkugel gebucht. Diese zwei Gruppen – die einen nennen wir die Geschwinden, die anderen die Moderaten – und wir werden also am Donnerstag von der Oberetteshütte Richtung Weißkugel aufbrechen. Das ist sehr wenig. Frühstück gibt es um halbsechs. Na zack, das ist aber früh. Sonnenaufgang ist sieben Uhr. Ich überlege. Okay, es wird warm wie an einem Sommertag. Da will man nicht in einem steilen Firnhang herumeiern. Wie auch immer, kurz nach halbsieben stehen wir vor der Hütte. Vor uns sieht man die Stirnlampen der beiden Gruppen. Wir starten mit dem ersten Morgenlicht.

Nach der Hütte geht es 350 Höhenmeter auf einen Grat, weiter auf einem Plateau, ehe man wieder knapp 150 Meter absteigen muss. Uh, das ist steil, das wird am Rückweg kein Genuss werden. Dann noch ein Stück an einem sicherlich eher jungen „See“ links vorbei, ehe wir am aktuell unteren Ende des Matscher Ferners angelangen. Hier holen wir unsere beiden Gruppen von der Hütte ein. Sehe ich es richtig, haben die beiden Bergführer nur ein Strickerl mit, das nur ein Gehen am kurzen Seil erlaubt. Wir sind da mit unserem 60m langen Seil schon eher auf Spalten eingestellt. Ich vermute, dass wir wieder einen „sterbenden“ Gletscher begehen werden. Jepp, so ist es leider dann auch. Im unteren Drittel gibt es noch ein bisserl ein Spaltenlabyrinth. Wer wild ist, kann wahrscheinlich gerade aufsteigen. Er muss halt ein paar Mal ein, eineinhalb Meter in die Spalte und auf der anderen Seite wieder rauf. Die Spalten sind V-förmig im Querschnitt aber nicht tief. Wir sind natürlich brav und queren, bis wir über die Spalten einfach drübersteigen können.

Bald geht es dann noch mal weniger steil dahin, ehe man entscheiden muss, ob man steiler weitergeht und unter der Inneren Quellspitze Richtung Matscher Wandl zieht oder, ob man doch die flachere Variante wählt, die unterhalb einer markanten Felsinsel links in einem weiten Bogen führt. Wir machen es wie die Bergführer und das ist natürlich schlau so. Hier sind zwar noch einmal ein paar Querspalten zu nehmen, aber dann ist Ruhe mit den Behinderungen. Schattig ist es auch, und das ist definitiv angenehm. Trotzdem keucht eine von uns drei schon ordentlich. Auch am Ende des steileren Abschnittes will sich keine Erholung einstellen. Jetzt ist es eigentlich nur noch ein flacherer Firnabschnitt.

Ist das da vorne schon das Matscher Wandl? Oha, das sieht dann doch ein bisserl wild aus. Die Erfahrung sagt, das Gegenhänge oder steile Hänge aus der Ferne und in Draufsicht immer wilder aussehen. Gernot ist beruhigt, ich noch nicht so ganz.

Während wir also langsam dahintrotten, fällt die Entscheidung. Gernot wird alleine gehen. Renate nehme ich ans kurze Seil. Das bringt mentale Sicherheit für sie. Ich bin mir sehr sicher, dass ein kurzes Seil zwischen uns nur bedeutet, dass wir mit hoher Wahrscheinlichkeit gemeinsam abfahren, wenn einer ausrutscht. Noch ehe wir am Einstieg sind, ist auch schon das erste Duo, die Geschwinden, durch das Wandl. Mah, das ging schnell. Die Moderaten lassen uns vor und so sind wir die nächsten.

Der Durchstieg ist dann eher einfach. Es schaut zwar an der ersten Querung das Eis raus, aber es sind gut haltende Schneereste fast in Stufenform vorhanden, die die Begehung recht einfach machen. Die Kehre ist steil, aber gut machbar. Kein Blankeis mehr, und die Steigung nimmt wieder ab. Wenn sich die Schneebedingungen nicht allzu sehr ändern, bin ich für den Abstieg entspannt.

Jetzt folgt noch ein flacher Firnhang und ein wenig spektakulärer Firngrat zum Steigeisendepot. Am Gipfel sehen wir schon emsiges Treiben. Steigeisen und Pickel liegen zuhauf herum. Oha, da ist eine große Gruppe von der Bella Vista Hütte heraufgekommen. Wir lassen Steigeisen und Pickel ebenfalls hier.

Gekraxelt wird ein bisserl ausgesetzt, aber nicht sonderlich schwer. Und dann ist da das kleine, nordseitige Schneefeld, das ich in einer Beschreibung gelesen habe. Man muss es absteigen. Ohne Pickel und Steigeisen ist das ein fragwürdiges Unterfangen. Aber ein mächtiges Seil ist doppelt gespannt. Es ist mit Bandschlingen und zwei Exen montiert. Wau, das sieht professionell und sehr neu aus. Da bin ich aber froh. Nur was, wenn das am Rückweg nicht mehr da ist? Dann stehen wir beim Gipfel ohne Ausrüstung! Hmm, schauen ma a mal.

Am Gipfel dann Gedränge. Die junge Truppe aus Südtirol hat gar zwei Hunde mit herauf gebracht. Der junge Mann erzählt, dass sie um 4:15 in Kurzras los sind und er die Sicherung aufgebaut hat. Alles viel Information. Die Leute hier haben also schon über zweitausend Höhenmeter in den Beinen. Sie lachen und scherzen. Und er ruft immer wieder „Mama, mach‘ des!“ und „Mama, hast du des eh a?“. Die Frau, die sich angesprochen fühlt, ist jünger als ich. Der Verstand kommt nicht nach. Ist die Luft zu dünn? Oha, da steht auch das g’schwinde Paar von unserer Hütte. Sie warten offenkundig schon ewig auf ungestörte Gipfelfotos.

Wir entscheiden schnell, dass wir nur kurz hier verweilen werden und stattdessen weiter unten rasten wollen. So können wir noch die Seilsicherung nutzen. Ja, das passt alles! Die Hunde, die Mama und noch ein paar Menschen sind schon weg. Wir schießen schnell die Fotos, und ich achte sorgfältig darauf, dass noch jemand aus der Südtiroler Gruppe hinter uns ist.

Tja, die Erkenntnis ist dann, dass der Aufstieg auch ohne Seilsicherung leicht machbar gewesen wäre. Da hätten wir also ruhig einsame Momente am Gipfel genießen können. Renate schließt sich gar dem g’schwinden Bergführer an und ist gar nicht mehr zu stoppen. Der zweite Bergführer ist mit seinem Gast auch da und sichert unbeabsichtigt eine bisserl kniffligere Stelle, indem er noch oben steht, während sein Gast ein paar Meter unter ihm Platz genommen hat. Der Gast kauert sich an den Fels und wir steigen drüber. Das ist ja wie auf den Achttausendern hier. Mann, da geht es zu. Ich bedanke mich höflich und ausführlich bei Bergführer und Gast und versichere mich bei dem doch etwas mitgenommenen Gast, ob eh alles in Ordnung ist. Ein bisserl deppert ist die Situation schon.

Beim Steigeisendepot dann die nächste Aufregung. Mama meint, dass ihre Steigeisen verwechselt wurden. Sie rennt dem g’schwinden Bergführer mit seinem Gast nach. Der ist schon im Abstieg und sicher, nichts verwechselt zu haben. Man ist irritiert. Logistisch kann niemand sonst die Steigeisen verwechselt haben. Gernot bietet seine 46er an. Auch meine werden nicht passen. Der junge Mann hat mittlerweile die Seilbrücke abgebaut und versucht aufzuklären. Ehe Mama ihren Fehler eingesteht, nimmt sie halt das Paar das noch über ist.

Wir pausieren noch ein bisserl, ehe es ins Wandl geht. Wieder bilden Renate und ich eine Schicksalsgemeinschaft, während Gernot ungesichert und doch bei geringerer Gefahr alleine absteigt. Runter ist es wie zu erwarten nochmals leichter. Die steile Kehre ist überstanden und in an den eisigen Stellen stützt der Schnee tadellos. Just unter der steilsten Stelle schauen einige Felsen aus dem Eis. Wer hier ausrutscht, hat gute Chancen, sich weiter unten zu fangen. Wäre da nur nicht dieses Felsband. Egal, wir sind durch. Ab jetzt heißt es durchhalten.

Wir wählen wieder die Variante unter der Felswand der Inneren Quellspitze. Von Steinschlag ist da keine Spur. Gernot wird uns durchs Spaltenlabyrinth führen. Mal ein bisserl links, mal ein bisserl rechts, mal ein großer Schritt über eine Spalte, manchmal gar ein kleiner Hüpfer. Da reicht es einer von uns. Disziplin ist gefragt. Okay, so trotten wir zum Ende des Matscher Ferners. Wir wollten ja eine Eisschraube eindrehen. Immerhin haben Gernots Eisschrauben noch nie Eis gespürt. Aber jetzt will Gernot nicht. So stehe ich als einziger da, der hier am Gletscher bohrt. Die moderate Gruppe holt uns ein und überholt. Fest steht, von den beiden reicht es auch zumindest einem und der will heim.

Wir drei hingegen haben es nicht eilig, rasten nochmals anständig vor dem steilen Gegenanstieg und erreichen am Nachmittag die Hütte. Stolz und unumstößlich mit dem Gipfelsieg in der Tasche faulenzen wir in der Sonne. Am Abend gibt es gar eine Flasche zur Feier des Tages. Zu meiner Freude habe ich eingesehen, dass wir die Nummer 3 in Österreich bestiegen haben. Als solche steht sie eh in meiner Liste, aber ich war ganz sicher, dass der Pöschlturm höher ist. Neun von zehn der Top 10 habe ich somit. Wir planen gleich die Glocknerwand und schielen zum Ortler hinüber. Die Zuversicht ist zurück. Es liegt nicht nur am Wein!

Am nächsten Tag heißt es dann Abschied nehmen. Der Abstieg geht schnell. Am Glieshof trennen sich unsere Wege. Während wir über den Reschenpass Richtung Norden fahren, schlängelt sich Gernot durch Italien nach Kärnten in die fast neue Heimat. Für uns gibt es noch im Restaurant Hubers im Fischerwirt ein feines Essen. Wir arbeiten konsequent an unserer Erholung.

Die drei Tage auf Garmin


Zu den Fotos


Wildes Gamseck

Neue Einlagen für Renates Füße sind da. Die müssen probiert werden. Am besten auf vertrautem Terrain und nicht in der Ferne. So starten wir in Hinternaßwald, wo es kalt ist. Also, es ist Herbst, und da starten zwei Wanderer in ihren kurzen Hosen. Der Wind macht Gänsehaut, aber mit dem Wald kommt der Anstieg, und die Kälte weicht. Nach zweieinhalb Stunden sind wir beim Einstieg. Renate wechselt die Schuhe. Aufs Seil will sie verzichten, das bleibt im Rucksack. Ich habe es zur Sicherheit mit.

Viel zu rasch sind wir durch. Die Kletterei, oder Kraxelei, ist so fein wie kurz. Da wir den Steig, oder ist es gar die Route, kennen, tun wir uns vielleicht extra leicht. Ich kenne die „Schlüsselstellen“. Wer Übung hat, meistert sie. Wer Anfänger ist oder sich unwohl fühlt, braucht Sicherung und Unterstützung. Klebehaken und Standplätze gibt es genug. Die Markierung findet man auch leicht, wenn man nicht wie ich eine Rotgrünsehschwäche hat.

So haben wir die Kraxelei rasch hinter uns, und Renate steigt wieder auf die anderen Schuhe um. Wir gehen ohne Pause zum Habsburghaus weiter. Hunger macht sich breit. Noch vor der Hütte fragt mich Renate, ob ich geschaut habe, ob sie geöffnet ist. Ja! Renate hat auch nachgeschaut. Meine Trinkreserve habe ich schon aufgebraucht. Zeit fürs Nachfüllen. Aber siehe da, Montag ist Ruhetag! Ein Schild mit dem launischen Aufdruck „Uns kannst du GERN-haben“ frustriert arg und macht mich zornig. Ehe ich einen Punkt auf Google vergebe, lese ich nochmal nach. Mist, da steht auf der Homepage der Hütte im Kleingedruckten, dass im September der Montag Ruhetag ist. Renate hat nichts überlesen, sie hat nur auf einer Webseite nachgelesen, die eben nicht so gut informiert ist. Da kann der Hüttenwirt nichts dafür.

So steigen wir mit einem Loch im Bauch und etwas dehydriert ab. Weil eh schon alles wurscht ist, wählen wir den Peter-Jokl-Steig. Am Wegweiser steht, dass man da eine halbe Stunde länger geht als über den Kaisersteig. Aber das will ich nicht einsehen, denn kürzer ist der Peter-Jokl allemal. Ein bisserl „zach“ ist er halt, aber das weiß ich bereits. Bei der Hälfte der Entfernung quert man eine Forststraße. Renate fragt hoffnungsvoll, ob wir jetzt unten sind. Nicht ganz, aber den steilen Teil haben wir hinter uns.

Und auch heute geht alles irgendwann zu Ende. Wir erreichen den Parkplatz und fahren zum Raxkönig in Naßwald. Die Raxwirtin, oder Raxkönigin, kommt aus Thailand. Nach Tullnerbach-Pressbaum ist nun Naßwald die nächste Station ihres Lebensweges. Wer hätte das gedacht? Die Suppe mit Shrimps und Zitronengras schmeckt definitiv asiatisch, die Forelle ist auf den Punkt perfekt zubereitet und Sesam-Bällchen in Kokosmilch wie Topfenstrudel runden all das ab. Ist das Fusion-Kitchen? Wir staunen, und es liegt nicht nur am Hunger, dass wir hoch zufrieden sind. Die Wirtin verabschiedet uns mit einem „Kummst guat ham!“.

Ach ja, die Füße haben auf der doch langen Tour gehalten! Wir sind bereit für noch Größeres.

Die Tour auf Garmin

Akademikersteig

Einmal im Jahr muss der Akademikersteig erledigt werden. Erstmals sind wir zu dritt. Wir entscheiden uns für die Variante: „Einer vorne, die beiden anderen nahe beisammen am Ende des Seils“. So schwierig sollte es ja nicht werden.

In einer guten halben Stunde sind wir beim Einstieg. Mah, da ist es schwül. Der anstrengendste Teil sollte geschafft sein. Ich probiere unsere Variante in der ersten Seillänge aus. Funktioniert tadellos. Auch die beiden kommen schnell und problemlos nach. Die beiden sind mit Karabinern ins Seil eingehängt, so können sie sich schnell aushängen und die einfachen Passagen ohne Seil gehen, während ich das Seil aufnehme und folge. Zack, schon ist Renate weg.

Ab der nächsten Seillänge übernimmt Gernot und ich bleibe mit Renate hinten. All das ist überaus entspannt. Wir schießen Fotos und genießen den Tag.

Bald sind wir beim Felsenfenster. Nein, da ist nichts verlorengegangen seit 2015(?). Ein Kommentator hat 2024 erwähnt, dass ein Teil nun fehlt und alles viel schwieriger ist. Es sieht alles gleich aus wie sonst auch. Der gute Mann muss vor über zehn Jahren das letzte Mal hier gewesen sein. Und ein IIIer ist die Passage beim Felsenfenster wirklich nicht. Von Gernot und Renate kann ich coole Fotos machen. Gernot sieht als nächste Option nur noch „Free solo“! Na, das wäre vor ein paar Jahren nicht denkbar gewesen. Auch Renate verspürt keine Schwierigkeiten. Sie steigt gar den Schlussgrat ungesichert vor. Ausstieg erreicht.

Warm ist es nun wieder geworden. Wir rasten, packen zusammen. Dann rückt Gernot raus, dass er nichts dagegen hat, wenn wir gleich absteigen und im Weichtalhaus essen. Am Vortag hatten Renate und ich noch eine schwere Diskussion, was wir nach dem Steig machen. Ihre Füße mögen aktuell keine langen Hatscher. Wie auch immer, mit Zweidrittelmehrheit beschließen wir den Abstieg über den Wachthüttelkamm. So gierig war ich auch nicht auf die Wanderung zum Ottohaus – passt schon! So ist es ein bisserl kurz. Bei so wenig Kalorienverbrauch tue ich mir im Weichtalhaus gar nicht leicht. Aber den Burger, in dem sich Reh und Wildschwein treffen, schaffe ich, und die Heidelbeertatschgerl sind Pflicht.

Tadelloser, vergnügter Tag!

Die Tour auf Garmin

Fuchsloch & Karl-Kantner

Vom Preinergscheid über den Fuchslochsteig zum Karl-Ludwig-Haus und von dort wieder runter zum Auto – soweit der Plan. Renate hält sich jetzt bei den Vorbereitungen mit verunsichernden Aussagen zurück, trotzdem fragt sie mich zumindest einmal, ob ich in der kurzen Hose gehe. Dass ich mich ganz spontan auf die Lange umentscheide, bereue ich dann knapp nach Beginn der Tour schwitzend.

Den Fuchslochsteig ist Mio nun schon ein paar Mal gegangen. Vielleicht ist es die Routine, aber heute will es nicht so recht. Wir erreichen den Einstieg rasch. Renate und ich sind beide fit. Garmin vermag keine sonderliche Anstrengung festzustellen. So kommen wir also frohen Mutes zum Steig. Mio schreitet voran und lässt massig Geröll auf uns hernieder. So weit, so normal. Bei der Schlüsselstelle – immerhin mit ausreichend glitzernden Haken versorgt – muss Mio geholfen werden. Diesmal hebe ich ihn hoch, Mio erreicht mit den Pfoten die Wand, drückt sich ab und hebelt mich fast aus der Wand. Pah, der hat eine Kraft! „Der will nur spielen!“ sagt man da als guter Hundehalter. Aber er will nicht spielen und ich finde es nicht lustig. Mann oh!

Die Schlüsselstelle ist wie schon ein paar Mal hier geschrieben wirklich nicht wild. Keine sechs oder gar zehn Meter, wie in mancher Literatur angegeben, und sicher nicht senkrecht. Sonst läge ich jetzt am Fuße der Schlüsselstelle. Also, Schlüsselstelle gut, Rest gut.

Kalt ist es am Plateau. Bin ich froh, dass ich eine Lange anhabe. Kurz nach elf kommen wir zum Karl-Ludwig-Haus. Es gibt Gams-Ragout. Das ist ausgezeichnet, aber auch ein bisserl komisch, da wir drei jede Menge Gämsen gerade noch bewundert haben. Einer ganz besonders, aber der geht jetzt leer aus. Wir plaudern entspannt mit den neuen Leuten der Hütte und brechen doch beeilt auf. Das Wetter ist nicht gut angekündigt und es sieht aus, als käme der Regen früher.

Spontan entscheiden wir uns für den Karl-Kantner-Steig. Eine „Kletterstelle“ umgeht Mio selbständig im Geröll, zweimal braucht er einen Lift. Zusätzlich zu seinem Halsband hat er jetzt ein Brustgeschirr oder passender einen Klettergurt an. Und damit er nicht wieder an der Wand antaucht, halte ich ihn von dieser weg, während ich die paar Schritte absteige. Der freischwebende Mio und ich geben sicherlich ein skurriles Bild ab, schaffen es aber derart ohne Zwischenfall über die zwei leichten Klettersteigstellen.

Knapp vor Einsetzen des Regens schaffen wir es ins Auto. Eine tadellose, kurzweilige Tour ist geschafft.

Die Tour auf Garmin