Akademikersteig II+

Nebel liegt im Wiener Becken und in den Bergen ist kein Schnee. Dafür soll oben die Sonne lachen. Facebook erinnert, dass wir schon ein paar Mal im November den Akademikersteig gegangen sind. Jedes Mal im T-Shirt. Auf der Autobahn haben wir noch Zweifel, ob denn das möglich ist. Aber schon in Gloggnitz lichtet sich der Nebel. Das ist schon ein bisserl unfair, um wieviel besser es das Wetter hier mit einem meint.

Beim Stadelwandgraben und beim Weichtalhaus parken Autos – oh Schreck! Heute ist der 15. November – Heiliger Leopold! Oder wie auch immer die windige Begründung lautet, dass die Schulen heute geschlossen sind. Am Parkplatz am Wachthüttelkamm sind wir aber alleine – uff! Den ganzen Tag werden wir niemand treffen. Nur an der gegenüberliegenden Wand sehen, oder viel mehr, hören wir zwei Frauen. Man sieht sie nicht immer, aber man hört sie fast pausenlos. Upps!

Mittlerweile finden wir den Einstieg sicher und ohne jeden Funken des Zweifels. Wir haben nur das kürzeste Seil mit 20 Metern mit. Gernot will es nur verwenden, falls doch eine Passage zu kniffelig oder ausgesetzt ist. Wir dirndeln uns am Einstieg mit Klettergurt und Material komplett an, nur das Seil bleibt im Rucksack. Gernot ist schon im T-Shirt, ich zur Sicherheit mit Jacke. Am Einstieg muss man sich ein bisserl rauslehnen, zum Aufwärmen sozusagen. Aber es gibt kein Warten, Gernot mutiert vom Alpensalamander zur bedachten Bergziege. Die ersten Seillängen gehen ohne Seil schnell vorbei. Ich wechsle auch auf T-Shirt. Irre! Es ist Mitte November und wir genießen kurzärmelig die Sonne!

Die Stelle, an der Gernot einst verweigert hat, macht ihm keine Probleme. Schon folgt der Abstieg zur nächsten Bedenken-Stelle. Okay, die ist nicht so ganz einfach wie gedacht, kann uns aber trotzdem nicht aufhalten. Gernot hat die Topo im Kopf. Eine Stelle mit II+ will noch gemeistert werden, ehe es in einer leichten Querung zum Felsfenster geht.

Und hier unterm Fenster hängt sich Gernot in den Bohrhaken und lacht. Nein, hier ist „Aus die Maus!“. Ich frage nicht nach, aber wundere mich, wie schnell er das entschieden hat. Er hatte doch kaum Zeit, sich die Stelle anzuschauen. Vielleicht will er das mitgetragene Seil und restliche Equipment zumindest einmal verwenden. Ich dränge ihn sicher nicht. Das 20m-Seil ist im Handling ohnedies überaus komfortabel. Schnell sind wir eingebunden und los geht’s! Noch schnell ein paar Fotos. Die Stimmung ist ausgelassen. So soll es sein!

Ich kraxle durchs Felsfenster. Einmal muss man sich mit viel Luft unterm Hintern etwas verdrehen. Das mag vielleicht ein bisserl unangenehm sein. Oder ist es das „Hinaufspreizen“ zwischen Wand und Säule? Technisch ist es jedenfalls mit II bewertet, also recht überschaubar. Ein bisserl Überwindung kostet es halt. Das Seil ist rasch aufgebraucht, Gernot kommt nach. Er meint, dass es genau das Richtige war, diese Stelle zu sichern. Da schau her, auch recht!

Wir packen das Seil wieder ein und Gernot übernimmt den Vorstieg. Seine Freude kann man kaum übersehen. Viel zu schnell sind wir dann auch schon über den Grat am Ausstieg des Steiges. Wir genießen die Sonne, denn schon 15 m Richtung Auto beginnt der Schatten. In Payerbach spätestens beginnt der Nebel, ab Gloggnitz ist es durchgängig grau und ab Wiener Neustadt herrscht dann Dunkelgrau. Da bleiben wir lieber heroben in der Sonne und haben unseren Spaß.

Im November gibt es nichts Besseres fürs Gemüt – yes!

Die Tour auf garmin.com

Wildes Gamseck II – Bärenlochsteig

Gernot und ich kehren an den Ort zurück, an dem unsere gemeinsame Kraxelei begann. Das ist gar nicht so lange her. Am 28.08.2018 waren wir hier. Ich hatte damals Seil und Kletterutensilien entstaubt, und Gernot war das erste Mal am Seil im Fels unterwegs. Seit damals haben wir brav geübt und uns verbessert. Diesmal kommen wir ohne Seil und ohne Besorgnis.

Es ist ein herrlicher Herbsttag in den Herbstferien, an dem wir von Hinternasswald zusteigen. Ein paar Leute sind unterwegs. So kommt uns ein Mann mit seinem Sohn im Volksschulalter entgegen. Der junge Mann sieht fertig aus, aber das heißt bei Menschen in diesem Alter bekanntlich nicht viel. Ja, sie sind das Wilde Gamseck runter, was doch etwas viel war. Ich staune. Ja, ohne Seil bzw. Strickerl für den jungen Mann? Da waren doch eh teilweise Stahlseile. Ah, sie sind das Zahme Gamseck runter. Das glaube ich schon eher.

Schon fast beim Einstieg holen wir ein Paar in den Dreißigern ein. In tadellosen Jägerfarben, was definitiv Kontrast zu den bunten Paradiesvogelfarben der Kraxler ist, erkundigen sie sich, wie der Steig denn so sei. Für die Bergsteigerin ist es das erste Mal, und die Höhenangst ist da auch noch da. Na ja, muss halt er, der grüne Fels, dicht hinter ihr steigen. So schwer ist es auch nicht. Da kommt als Erwiderung, dass er auch eher wenig bis keine Klettererfahrung hat. Der Plan ist, soweit zu steigen, wie es möglich ist und gegebenenfalls, falls nichts mehr geht, umzudrehen. Ist zumindest ein Plan und es ist davon auszugehen, dass Bergretter ein gutes Einvernehmen mit Jägern haben. Ich bin zuversichtlich, dass es ohne Zwischenfall abgehen wird, bin aber wie sooft beeindruckt, was so alles gut ausgeht in den Bergen.

Für uns selbst ist der Steig wirklich nur noch Freude. Ein bisserl kalt ist es, aber auch steif in den Gelenken wir Pinocchio kann ich mich des griffigen Fels erfreuen. Gernot steigt vor und findet keine Schwierigkeiten. Dazwischen bedankt er sich immer wieder für meine damalige Geduld, als ich mir für diesen Steig das Seil angetan habe. Der Fortschritt ist unübersehbar. Und so sind wir auch keine Stunden im Steig, sondern zügig durch.

Der rasche Durchstieg hat keinen Hunger aufkommen lassen. Wir wollen durchs Bärenloch runter, und verspeisen bei der Grasbodenalm noch zwei Müsliriegel. Das muss und wird reichen.

Der Bärenlochsteig ist immer wieder lustig. Auch landschaftlich gibt er etwas her. Der Bärenlochsteig mündet in die Wildfährte und das ist Gernots erster Klettersteig gewesen. Eine Nostalgierunde sozusagen, die wir in Pernitz bei Kaffee und einer mächtigen Cremeschnitte ausklingen lassen.

Die Tour auf garmin.com

Klettern: Bürklesteig III+

Gernot hat den Bürklesteig herausgesucht. Aus einem Buch – Sachen gibt’s! Am Vorabend schauen wir uns die geplante Tour an. Der Grat hat viele Türme, ist aber nicht sehr steil. Auf den Bildern sieht es so aus, als könnte man jeden Turm umgehen. Den Einstieg mit der IIIer-Stelle kann man auch umgehen. In einem der Kamine soll es sehr eng sein. Dort kann man der Enge mit III- „über die Blöcke“ in III+ ausweichen. Das schauen wir uns an, wenn wir dort sind. Ich mache mir keine Sorgen. Kurz mache ich mir Gedanken, dass ich mir diesmal gar keine Sorgen mache, obwohl ich die Tour gar nicht kenne. Mann oh!

Wir starten in Losenheim und stoppen beim Anstieg in einem Moment, in dem ich in nur einem Schuhe im Wald herumstehe, zwei Forstarbeiter. Also, Gernot stoppt eigentlich nur im Scherz, aber schon stehen wir hinten auf einer Querstange eines Traktors und pressen mit unseren Fingern die letzten Tropfen aus dem Blechdach. So tuckern wir 150 bis 200 Höhenmeter Richtung Breite Ries. Na hoffentlich, gilt der heutige Ausflug dann überhaupt als Besteigung.

Weiter geht es über den nördlichen Grafensteig zur Kreuzung mit dem Bürklegrat. Gernot, der als einziger im Team die roten Markierungen in einer Entfernung von mehr als einem Meter erkennen kann, steigt vor, folgt aber dabei der GPS-Linie, die er aus dem Internet geladen hat. So kann man auch die Gegend kennenlernen. Der Zustieg zum Bürklesteig, also zur Kletterei, ist eher mäßig markiert. Wir plaudern, soweit der steile Wald das zulässt, und verpassen wohl den Einstieg und die Umgehung des ersten Turms. Dabei sind wir aber auf einem Steig mit roten Markierungen geblieben. All dessen sind wir uns zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst. Erst als wir wieder rote Punkte und Striche finden, sind wir wieder auf dem GPS-Track und am Grat. Aber wo sind wir? Sind wir schon in der Tour?

Seil brauchen wir da keines. Das ist fix. Wir wähnen uns noch immer eher unterhalb des Einstiegs oder doch nicht? Gernot klettert weiter vor. Ich staune, hätte er vor ein paar Monaten bei solchen Stellen noch das Seil verlangt. Als wir dann an einem engen Kamin angelangt sind und Gernot weiter vorsteigen will, bestehe ich mit mehr Nachdruck aufs Seil. Wenn wir es schon mithaben! Hier kann man noch gut anseilen. Gernot lässt sich überzeugen und steigt weiter vor. Doch schon nach 15 Metern ist Schluss. Er baut da mal einen Stand, höre ich von oben. Ich soll nachkommen und mir das anschauen. Gernot steht in einer komfortablen „Höhle“. Und hier geht es wirklich mal (fast) senkrecht nach oben. Es ist eng, man könnte da hinaufspreizen. Auch ein super enger Durchschlupf ist zu sehen. Uns dämmert, dass wir längst in der Tour sind.

Durch das enge Loch passe ich vielleicht, aber mit 54 Jahren im Allgemeinen und meiner malträtierten Hüfte im Speziellen bliebe ich da drinnen wie ein steifer Stock stecken. Also, außen rum! Zum Glück sind da Steigeisenspuren am Fels. Leute gibt’s!

Wer nicht spreizen kann, muss sich anders verkeilen. Also stemme ich mich wenig elegant nach oben. Erste Stufe geschafft, aber hoppala, ein IIer war das nicht. Egal, für die Topo habe ich jetzt keinen Kopf. Ich drehe mich, muss über den nächsten einklemmten Felsblock. Aber wo anhalten, wohin steigen? So einfach ist das wirklich nicht. Und trotzdem geht es. Nochmals rumdrehen in diesem engen, luftigen Gelände. Bei so einer Verrenkung gibt’s mir einen Stich im Genick. Oida! Jetzt gibt es kein Zurück mehr, die nächste Stufe muss geschafft werden. Ich hoffe sehr, dass der Turm damit erledigt ist. Wie ein Salamander schiebe ich mich über das letzte Hindernis. Stilnote im negativen Bereich, aber oben! Uff, ich baue einen Stand und muss in Vorfreude schon lachen. Was war denn das da jetzt? Der Gernot wird fluchen, aber er muss da rauf. Das ist fix!

„Kannst kommen!“, „Komme!“. Geschätzt sieben Meter sehr, sehr steil unter mir setzt sich Gernot in Bewegung. Noch ein „Hast mich eh?“ und er hat die erste Stufe. Spaßverderber, das ging aber flott. Dafür bekommt er an derselben Stelle denselben Stich. Das hat was! Unterhaltsam ist das. Mit nicht viel besseren Haltungsnoten ist Gernot bei mir heroben. Wir lachen, schütteln den Kopf.

Auf der Topo sind wir nun sicher, dass wir in dem Kamin sind, in dem man zwischen dem „III- eng“ und dem „III+ außen“ wählen konnte. Wir haben vermutlich die Variante außen gewählt. Dass man auch „innen“ durchkommt, können wir uns nicht vorstellen.

Den untersten Teil der Tour haben wir leider gänzlich verpasst. Für Erstbegeher, die diesen Eintrag lesen, sei gesagt, dass die roten Punkte den Einstieg unseres Erachtens in Aufstiegsrichtung rechts umgehen. Die von uns verwendete Topo zeigt die Umgehung links. Wir werden nochmals hierher zurückkehren und das erforschen.

Die restliche Route ist feine Kletterei. Eine Stelle ist noch in der Topo mit III- angeführt. Nun ja, Gernot ist in Fahrt und führt auch diese Stelle. Kurz gesagt, alles fein, alles machbar. In weiterer Folge geht es dann den Grat entlang zur Fischerhütte. Den Abstieg wählen wir nach ausreichendem Essen über den Fadensteig.

Fazit: Der Bürklesteig ist ein toller Anstieg auf den Schneeberg. Beim Zustieg muss man sich konzentrieren. Wir wollten die Tour von ganz unten machen bzw. zumindest am Einstieg entscheiden, ob wir umgehen oder nicht. Irgendwie haben wir aber eine Abzweigung verpasst und sind erst nach den ersten Herausforderungen in die Tour eingestiegen, was ein bisserl schade ist. Umso mehr Spaß hat uns die „Schlüsselstelle“ gemacht. Wir waren uns nicht bewusst, dass wir an der Schlüsselstelle sind. Ich habe mir nur kurz gedacht, dass das sicher kein IIer ist und mich konzentriert, dass ich da hinaufkomme. Auch bin ich davon ausgegangen, dass mit „außen“ gemeint war, dass man nicht in der Felsspalte (oder Kamin) klettert, sondern außen am Fels. Wenn wir das nächste Mal wissen, dass wir an der Schlüsselstelle sind, werden wir die Aufgabe technisch besser meistern. Da bin ich sicher. In Summe gibt es mehr Kletterei, als ich erwarte habe. Alles in allem sehr lohnend! Die Tour kombiniert eine anständige Wanderung mit einer längeren Kraxelei. Entsprechend ausreichend Zeit ist einzuplanen, vor allem bei frühem Sonnenuntergang.

Die Tour auf garmin.com

Klettern: Stadelwandgrat III

Der Parkplatz ist leer, uns erwartet eine einsame Tour im Bereich der Stadelwand. So soll es sein. Ausgerüstet mit jeder Menge Material gehen wir es an. Wir zweigen wie die letzten Male aus dem Stadelwandgraben relativ früh ab, um am Waldrücken aufzusteigen. Doch im Abstieg sind wir sicher, dass man den Graben, solange ansteigen könnte, bis der Weg auf den Schneeberg nach rechts aus dem Graben dreht. Dort ist ein gut ausgetretenes Steiglein nach links ohne viel Anstieg. Das werden wir das nächste Mal ausprobieren.

Durchs Gassl gehen wir ganz links. Das ist empfehlenswert, wenn man nicht unnütz Energie verschwenden will. Ab hier übernimmt Gernot die Routenwahl. Beim ersten Mal hat sich Peter unser dritter im Bunde auf seine Erinnerung von vor 15 Jahren verlassen. Beim zweiten Mal habe ich mich als einer mit ausgeprägter Rotsehschwäche probiert. So findet Gernot beim dritten Mal den offiziellen Zustieg. Alle paar Meter bin ich überrascht, wenn mir Gernot wieder einen Markierungspunkt zeigt. Ein Wunder, dass ich mich überhaupt irgendwie durchs Leben finde.

Nach dem Anseilen übernehme wieder ich. Die Hüfte quält mich seit geraumer Zeit. Die Diagnose und Prognose ist auch nicht sonderlich aufbauend und so bin ich etwas unsicher. Das merke ich gleich beim Abklettern des ersten Turms. Ich bin gar nicht sicher, ob der erste Turm überhaupt zur Route gehört. Immerhin muss man am fetten roten Pfeil in die Gegenrichtung vorbei, um dorthin zu gelangen. Nach dem Abstieg wartet ein blitzblank polierter Standplatz. Vielleicht geht es ja hier professionell los.

Mit den Seillängen kommt erst die Zuversicht und dann die Freude zurück. Die Bedingungen sind ideal. Es ist trocken und in der Sonne angenehm war. Wir experimentieren mit unseren neuen Sicherungsgeräten und erkennen durchaus Verbesserungsmöglichkeiten in unserer Handhabung. Ich denke, das versteht man unter Erfahrung sammeln, aber ohne dass etwas passiert ist. Sehr fein! Die Kraxelei ist fein und nun schon zweimal hier beschrieben.

Nach ungefähr zwei Drittel der Strecke oder ungefähr sieben Seillängen hat man wieder die Wahl, wie denn der kommende Abschnitt zu nehmen ist. Links herum in II, rechts herum mit leichtem Abstieg und folgendem III oder direkt in III+. Wir wählen wieder die IIIer-Variante. Mir gelingt sie leicht, das Gejammer mit der Hüfte war gestern, obschon die Stelle für uns spannend ist. Gernot erwischt es diesmal nicht so gut. Ein bisserl Demut nach der Euphorie der unteren zwei Drittel ist eh nicht schlecht.

Im letzten Drittel bleibe ich am Grat, was nochmals eine schöne Kletterei bringt. Auch diesmal sind wir am Ausstieg einigermaßen erschöpft. Gernot fragt, ob wir diesmal mit unseren dreieinhalb Stunden schneller waren als die letzten Male. Das weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass Ueli Steck in 2 Stunden 22 Minuten die Eiger Nordwand druchstiegen hat. Angesichts dieser Tatsache ist es wurscht, ob wir zwei oder acht Stunden für den Stadelwandgrat brauchen. Uns hat’s gefallen, und das zählt!

Die Tour auf garmin.com

Domeniggweg III-

Gernot kommt aus Wien und ich aus Graz. Fast auf die Minute genau treffen wir uns am Parkplatz des Gasthofs Bodenbauer. Für diesen prächtigen Herbsttag haben wir uns den Domeniggweg durch die Südwand des Hochschwabs vorgenommen. Wir packen jede Menge Kletterutensilien in die Rucksäcke und brechen kurz nach acht Uhr auf.

Gernot ist beim Vogauerkreuz nach über zwei Stunden schon schlapp. Beide suchen wir die Südwand ab, erkennen zwei Optionen und fragen uns jeweils für uns, wie wir da raufkommen sollen. Schauen ma a mal. Wir wandern weiter Richtung Trawiessattel. Das Pflichthoppala folgt. Ich schaue auf die schräge, nasse Felsplatte und erkenne, dass meine Schuhe nicht halten werden. Ausprobiert, ausgerutscht, aufgeschürft. Wie deppert kann man sein!

Egal, weiter geht’s. Jetzt spiegelt ein Schild in der Südwand aus weiter Ferne. Das wird der Einstieg sein. Der Domeniggweg von rechts unten nach links oben sieht spektakulär, aber doch auch ein bisserl machbar aus. Gernot schleppt sich dahin. Was ist denn mit ihm los? Knapp bevor der Weg vom Trawiessattel in die Obere Dullwitz abfällt, zweigen wir nach links bei einigen Steinmännchen in Richtung Südwand ab. Noch immer ist die Südwand ein Gegenanstieg und sieht damit fast senkrecht aus. Das wird besser werden, sagt die Erfahrung.

Sechs Gämsen haben es sich bei den Schildern des Einstiegs bequem gemacht. Gelegentlich lassen sie Steine auf uns, die sich die steilen Schrofen bzw. das Geröll hinaufquälen, ab mit den Worten: „Nehmt das!“. Aber wir sind nicht zu stoppen. Unterhalb der glitzernden Tafeln müssen wir links in den Steig abgebogen sein – vielleicht aus Angst vor den souveränen Gämsen. Vielleicht auch ganz richtig.

So stehen wir plötzlich in der Wand. Laut Topo werden wir von der ausgesetzten IIer-Stelle begrüßt. Ja, das sieht nicht schwer aus, aber es geht halt ziemlich runter. Wir seilen uns an – mitten im Steig. Das geht erstaunlich gut und trotzdem machen wir es nächstes Mal früher.

Ich steige los und setze zu meiner Beruhigung einen Friend. So ein Friend ist fein, wenn man wenig gewöhnt ist. Ab jetzt sind da alle paar Meter Haken. Da hätte ich leicht sechs oder gar sieben Exen verbraucht. So baumelt das Seil in der Sonne, auch schön. Vor der Schlüsselstelle warte ich auf Gernot. Der ist wieder zurück im Leben und meistert das alles locker. Die Schlüsselstelle ist mit III- bewertet. Ein senkrechtes Wandl mit kleinen Griffen soll auf uns warten. Aber wie sooft ist hier nichts senkrecht. Das ist objektiv feststellbar. Kleine Griffe sind subjektiv. Wie auch immer, wir empfinden die Schlüsselstelle als nicht so schwer. II+ hätte auch gereicht.

Nach der Schlüsselstelle steigt Gernot vor. Es geht fein dahin. Nach einem kurzen Abstieg stehe ich in einem Kessel bzw. am Beginn einer steil aufwärts gerichteten Rinne. Von Firn ist in der Beschreibung die Rede oder einer Variante in weitem Bogen. Beides finde ich nicht. Ich bin wieder vorne und suche nach Haken zur Orientierung, aber da ist nichts. Das Gelände ist nicht schwer, aber ein bisserl unheimlich ist es schon in der Wand. Was, wenn es da oben für uns nicht weitergeht?

Mangels Alternativen steige ich weiter, Gernot folgt nach. Und plötzlich sieht es auch so aus, als würde es unangenehm. Wir staunen, das sollen bestenfalls IIer-Stellen sein, also etwas, wofür wir kein Seil mitnehmen würden. Schauen wir einmal. Ich steige los und nach ein paar Metern tut sich rechts ein Felsenfenster auf, das man von unserem Stand aus nicht sehen konnte. Das sieht ein bisserl feucht, aber technisch nicht schwer aus. Aber warum fehlt in der Beschreibung das Felsenfenster? Das ist so etwas von markant. Die Beschreibung sagt, dass man sich in aufsteigenden Rinnen schwerlich versteigen kann, weil es stets rasch technisch schwer wird. Das beruhigt. Aber was, wenn der Autor nicht alle Rinnen ausprobiert hat? Das Gelände ist so, dass ich leicht aufsteigen kann, aber runter muss ich auch nicht unbedingt.

Also, durchs Fenster. Für Gernot verschwinde ich damit aus dem Blickfeld. Es wird schon weiter gehen da oben. Siehe da, in der Höhle des Felsenfensters ist ein Steigbuch. Soll ich nachschauen, auf welchem Steig ich bin? Quatsch, der Domeniggweg ist die Anfängervariante durch die Wand. Jede andere Option würde ich nicht packen. Das Felsenfenster war leicht und ich steige kühn zurück in die Sonne. Gernot freut sich sichtlich, als er mich über der Felsstufe sieht. Wahrscheinlich fragt er sich, wie ich da hinaufgekommen bin.

Beim nächsten Stand übernimmt wieder Gernot. Wie beschrieben wird es leichter. Einmal höre ich Rufe. Ich denke, es ist Gernot, aber was will er? „Alles gut“ höre ich irgendwann. Heute sind einige Seilschaften in der Wand. Das ist recht ungewöhnlich. Die gehen allesamt schwierigere Routen ab dem fünften Schwierigkeitsgrad. Wir schießen einmal sogar Fotos. Wild sieht das aus. Für uns geht es weiter. Nebel zieht auf, aber da droht nichts mehr. Haken, eher Rostgurken, tauchen auch wieder auf. Alles gut, weit kann es nicht mehr sein. Wir packen das Seil ein und stehen bald am Kleinen Schwaben. Ein paar weitere Minuten und wir sind am Schiestlhaus.

Hier treffen wir die Klettergruppen. Sie sind allesamt Alpinpolizisten. Fit sind sie und gut vorbereitet für den Einsatz. Verbrecher werden sie da selten fangen. Einzige Erklärung wird wohl die Aufklärung von Kletterunfällen sein. Da seilt man sich aber auch eher von oben ab. Egal, Arbeit darf ja auch mal Spaß machen.

Wir erwarten uns eine schnelle Erholung bei der späten Mittagspause. Diese will sich aber bei Gernot gar nicht einstellen. Die Freude, die bei der Kletterei als verdrängt hat, ist weg. Dafür ist der lange Abstieg da. Wir identifizieren das G’hackte als kürzeste Option. Beim Abstieg wird Gernot immer langsamer, beim G’hacktbründl ist ihm gar kalt. Die restlichen Kilometer sind am Hochschwab meist zäh, aber Gernot schaut mir heute gar nicht gut her. Wir rasten ungewöhnlich oft. Renate liegt mit einer Darmgrippe daheim. Vielleicht hat er sich angesteckt. Hat er! Aber das ist ihm erst in der Nacht bewusst, denn das Fieber und der miese Allgemeinzustand lassen sich nicht auf unsere Tour zurückführen.

Schade, denn es war wieder eine wirklich edle Tour. Wer einen IIIer schafft, braucht keine Sorge zu haben. Bei Nässe oder Schnee sieht das natürlich anders aus. Aber an so einem sonnigen Spätsommertag wie diesen Montag ist die Tour echter Genuss. Der Zustieg und der Rückweg sind lange. Das ist zu berücksichtigen. Wir waren neuneinhalb Stunden unterwegs, was fast eine kleine Ewigkeit ist. Ohne Virus würden wir aber auch wir weniger Zeit benötigen.

Tour auf garmin.com

Malersteig III-

Gernot und ich packen das 60 Meter lange Einfachseil ein und mischen noch jede Menge Schlosserei dazu. Mio macht nach seiner Tour vom Vortag Pause. Von Griesleiten starten wir mit recht schwerem Gepäck. Der Zustieg überrascht schon, hat doch der Regen teils tiefe Rinnen in den Weg gerissen. Ich staune nicht schlecht. Entsprechend spannend ist auch der Zustieg nach dem Einstieg zum Haidsteig. Ist dieses Stück schon so kein Genuss, so hat es durch die Regenfälle noch einmal Spannungselemente zusätzlich. Teils ist das Geröll frisch aufgeschüttet und tiefe Rinnen stellen sich in den Weg. Die Sonne lacht, die Sicht ist gut und so gelangen wir problemfrei zum Einstieg.

Das Seil legen wir diesmal bei der Stelle mit II+ an. Das ist knapp vor dem Treffpunkt mit dem Königschusswandsteig. Den Malersteig kennen wir. Abwechseln steigen wir vor. Bin ich vorne, sehe ich die roten Punkte nicht so recht. Das macht die Tour wie immer ein bisserl spannend. Gernot hilft dann von weit hinten mit: „Den Kopf leicht nach links, zwei Meter oberhalb, beim hellen Fels ist ein roter Punkt,..“. „Ah ja, da geht’s weiter!“.

An der Mutprobe will Gernot vorsteigen. Ich staune, Gernot startet. Aber doch rasch ändert er seine Meinung. Schade, hätte gepasst. So haben wir unsere Hetz an dieser ausgesetzten Stelle, meistern sie aber wie auch den Rest wieder problemfrei.

Unser Besuch bei der Neuen Seehütte ist ernüchternd. Ein neuer Pächter hat die Hütte von Franz übernommen. Egal, oft werden wir hier nicht mehr vorbeischauen – schade! Ich war immer gerne hier. Anderseits vermuten wir, dass eh bald wieder ein neuer Pächter übernehmen muss. Momentan kann ich die Hütte nicht empfehlen.

Tour auf garmin.com

Klettern: Akademikersteig

Wir klettern spät, aber doch, die Saison an. Der Akademikersteig wird es. Der ist nun schon ein paar Mal hier beschrieben und Zwischenfälle gab es auch keine. Und trotzdem, oder gerade deswegen, war es wieder extra edel. Wir haben den Einstieg perfekt gefunden. Gernot ist Abschnitte ohne Seil vorgestiegen. Es wird! Na ja, und mir macht es wirklich jedes Mal einen echten Spaß. Es ist mehr ein Kraxeln als ein Klettern. Aber das tut der Freude keinen Abbruch!

Als Seil haben wir das Halbseil in 30 Meter verwendet. Das ist mehr eine psychologische Unterstützung. Es genügt in unserer Form der Nutzung nicht den Empfehlungen. Ich glaube trotzdem, dass es uns ausreichend sichert.

Wir haben uns im Weichtalhaus mit einer Lachsforelle belohnt. Die war ein Fang abseits der Bestellungen und entsprechend fein. So sind wir gar kulinarisch auf unsere Rechnung gekommen.

Bergsteigen: Preiner Gscheid – Karreralmsteig

Der Winter 2021/22 hat bislang wenig Schnee gebracht. Also, definitiv zu wenig, um in der näheren Umgebung eine Skitour zu gehen. Für den Mittwoch ist nochmals Kaiserwetter angesagt, ab Donnerstag soll vielleicht Schnee kommen. Der Karreralmsteig im „Winter“ könnte ein Erlebnis sein. Diesmal bin ich ganz zuversichtlich, alle Herausforderungen locker zu meistern.

Am Preiner Gscheid parkt ein Auto, und schon nach hundert Metern ist der Waldweg unverspurt. Oh, da ist schon länger niemand gegangen. Vor der Reißtalerhütte treffe ich dann doch auf eine Spur und folge ihr. Dabei mache ich meine Überlegungen, wie fit mein Vorgänger sein muss. Und so folge ich der Spur, während die Navigation der Uhr links sagt. Das besorgt mich nicht, führen doch mehrere Wege zur Karreralm.

Dann steht auch schon mein Vorgänger vor mir. Es ist ein älterer und wahrlich fitter Wanderer, der aber nicht ganz hinauf will. So habe ich nun für kurze Zeit zwei Spuren vor mir, ehe diese enden und ich spuren darf. Die Grödel sind bei dem Schnee unbrauchbar. Ganz schnell stollen Klumpen an den Sohlen an. Mühsam ist das! Die Karte meint nun, dass ich am Weg zum (Kleinen) Fuchsloch bin. Oh, da war ich schon mal! Das wollte ich aber gar nicht. Oder sollte ich gleich den Fuchslochsteig gehen? Hier am entlegenen Teil der Rax halte ich lieber an meinem Plan fest. Auch die Internetverbindung fehlt, um mich schlau zu machen.

Weil ich diesmal nicht wieder absteigen will, folge ich Gamspfaden. Die namensgebenden Tiere schauen mir verwundert zu. Wie ungeschickt der über das Geröll stolpert, in den Schneefeldern geht es einigermaßen. Aber vom Gehen auf zwei Beinen kann ich die Gämsen nicht überzeugen. Mein Gefühl und meine Karte sagen, dass es nicht mehr weit zum Einstieg sein kann. So überwinde ich einige Latschenfelder. Das geht am besten mit einem leichten Höhenverlust, weil die Latschen eben bergab gerichtet sind. Zurück kann ich da aber dann nicht. Hmm?

Plötzlich stehe ich punktgenau am Einstieg des Karreralmsteigs. Das muss einem mal gelingen! Meist ist es ein etwas nerviges Suchen, aber diesmal en point!

Die Sonne lacht, der Fels ist trocken. Los geht’s! Der Steig ist wirklich selten begangen. Einmal stellen sich gar Latschen in die steile Rinne, die hinaufgeklettert wird. Also, so eine exakte Routenführung gibt es eigentlich gar nicht. Alle zwanzig, dreißig Meter mal ein verblasster, roter Strich und das war’s dann auch.

Das markante Felsfenster sollte man schon finden. Bis dahin ist es leichtes, feines Kraxeln bis maximal Schwierigkeit II. Dann kommt die IIIer-Platte. Kurzes Überlegen und Zögern, aber dann steige ich los. Es sind gerademal drei Schritte, ehe man sich an der Oberkante der Platte schon wieder gut anhalten kann. Man kann die Platte leicht links umgehen. Aber dieses Mal lasse ich mir den Triumph nicht nehmen. Geschafft, hurra!

Durch den Umweg und den Schnee im Zustieg habe ich ein bisserl Müdigkeit aufgerissen. Ganz fit bin ich auch nicht. So gönne ich mir eine Pause unter den hier senkrechten Raxenmäuern. Frühlingshaftes Wetter – nicht schlecht. Während ich mir Tee und Schnitten zuführe, inspiziere ich die Querung und mutmaße über die Bedingungen in der Rinne. Die IVer-Stelle lasse ich, wie in der Literatur empfohlen, aus. Die Umgehung führt durch eine steile Geröllrinne und infolge über steile Grasschrofen. Da liegt überall Schnee, der hier in der Sonne schön weich ist. Ich habe aber keine Lust, im Schatten im Steilen auf gefrorenen Altschnee zu stoßen. So lege ich schon hier, an diesem komfortablen Rastplatz, die Steigeisen an. Wenn ich sie schon mitschleppe,…

Damit sollte ich auch rechtbehalten, denn wie vermutet, ist es in der schattigen Rinne hart. Das Schneefeld in der Querung ist von der Sonne aufgeweicht, sodass die schweren Bergschuhe anfangs noch ausreichend Halt finden, aber hier?

Zuerst dringen noch die Schuhspitzen tief genug in den Schnee ein, aber irgendwann bin ich über die Steigeisen froh. Das ist hier nur ein steiles Schneefeld und kein 70° steiles Eis in einer der bekannten Nordwände. Und trotzdem fangen mir die Wadeln an zu brennen. Ich kann rasten, indem ich die Schuhe quer in den Schnee stelle und mich auf den Pickel stütze. So entwickle ich eine Vorstellung, wie das sein muss, wenn du in so einer Nordwand stehst und dich über Stunden nicht entspannen kannst.

Mah, ist das anstrengend da rauf. Das ist es auch ohne Schnee, aber heute! Na, ich bin zumindest froh, dass es nach dem steilen Abschnitt fast schneefrei ist. Wenn dieser Teil zu spuren wäre! Ich zähle schon so die Schritte, was ein Zeichen von extremer Müdigkeit bei mir ist. Fünfzig Schritte mindestens – davor gibt es keine Pause!

Irgendwann taumle ich zum Heldendenkmal und treffe auf Wanderer. Ich ziehe mich wärmer an und steige zum Karl-Ludwig-Haus ab. Der vorherige Pächter, ein Grantscherben, der jedem, der nicht seiner Meinung war, gewünscht hat, dass in der Blitz beim Scheißen treffen soll, ist zum Glück weg. Ein Niederländer und eine Deutsche betreiben die Hütte nun unaufgeregt professionell. Vor allem sind sie auch im Winter da. Ich hätte ihnen mehr Schnee und damit Tourengeher gewünscht. So will ich eine anständige Zeche machen. Aber da bezweifelt die Wirtin, dass ich Kaspressknödelsuppe und Gulasch schaffe. Dann einen Kaiserschmarren? Auch zu viel, ihrer Einschätzung nach. Schauen wir einmal! Auch recht, ist mir schon lange nicht passiert.

Nach Kaspressknödelsuppe, Kaiserschmarren, Kaffee und jeder Menge Ingwersaft steige ich ab. Der Karlgraben ist gut eingeweht und so kann ich gelenksschonend in den Siebenbrunnenkessel absteigen. Auf der Piste zum Auto ist es dann aper. Der Wind hat in der letzten Stunde stetig zu genommen, vielleicht bringt er den notwendigen und angekündigten Schnee.

Ein toller Tag war’s. Heute am Tag der Niederschrift merke ich, wie anstrengend das war. Das rechte Bein mag gar nicht recht belastet werden. Ich habe sicherlich wieder schaurige Blutwerte! Aber ich kann mich ja ausruhen, das wird wieder. Es dauert halt viel länger als vor dreißig Jahren. Ist halt so!

Tour bis zum KaLu-Haus auf garmin.com

Klettern: Stadelwandgrat III

Gernot und ich probieren uns noch einmal am Stadelwandgrat. Diesmal verzichten wir auf einen Vorsteiger und sind damit auf uns alleine gestellt. Beim ersten Mal war auch ich im Nachstieg. Das war total ungewohnt und ich habe die Situation recht unterhaltsam und entspannt empfunden. Ich fürchte aber, dass ich mir derart nicht viel von der Tourenführung gemerkt habe. Schauen wir einmal!

Es ist einer der ersten Tage in diesem Herbst, an denen es unten nebelig und kalt ist, während oben die Sonne lacht. An diesem Tag werden wir keinen einzigen anderen Wanderer oder Kletterer treffen.

Weil wir keine G’schwinden und die Tage schon kurz sind, treffen wir uns schon um 07:15 in Brunn am Gebirge. Der Parkplatz des Stadelwandgraben ist bis auf ein Auto leer. Es ist bitter kalt und wenig einladend. Kurz vor dem „Gassl“ steigen wir aus dem Nebel, womit wir in diesemTeil des Anstiegs, der zugegebenermaßen etwas mühsam ist, schon ins Schwitzen . Beim Auto hatte es 3,5°, hier heroben ist die Temperatur sicher zweistellig. Das hat schon etwas Feines.

Diesmal erledigen wir den Zustieg schneller. Kein Suchen, wir können uns gut erinnern. Bald haben wir die Stelle, an der ein fetter, roter Pfeil in die Gegenrichtung zeigt. Ja, da sind wir richtig. Wir beginnen mit der Kletterei. Alles läuft super.

Heute finden wir viele Zwischensicherungen, auch gehen wir das eine oder andere Mal eine abweichende Variante. Speziell bei der schwierigsten Seillänge finden wir den Standplatz, an dem sich drei Optionen bieten. Die einfachste Variante ist eine Umgehung, die schwierigste Option (III+) führt direkt nach oben. Wir entscheiden uns bewusst für die IIIer-Variante wie auch das letzte Mal. Man muss ein bisserl vom Standplatz absteigen, um diese Option, die Standardoption, zu wählen.

Und irgendwann stehen wir dann am höchsten Punkt der Stadelwand. Wir haben die Tour geschafft und sind geschafft. Auf der Märchenwiese setzen wir uns ins Gras und essen Manner-Schnitten. Ein Gamsbock marschiert über die Wiese. Definitiv ruhig ist es hier.

Im Abstieg beginnt auf 1.100m der Nebel. Schlagartig wird es kalt. Das Thermometer im Auto zeigt 3,5°. Wir rauschen im Nebel nach Wien zurück. Toller Tag!

Die Tour auf Garmin

Bergsteigen: Haidsteig – Königschusswand – Malersteig

Der Parkplatz in Griesleiten ist völlig leer. Die Sonne lacht, es ist wärmer als daheim. Vorfreude macht sich breit. Ich nehme mir vor, mich heute ein bisserl mehr dem Genuss beim Kraxeln zu widmen. Das soll heißen, dass ich das gespannte Drahtseil vorrangig zum Sichern verwenden will, während ich nach Griffen und Tritten suche. Das geht bei den Schwierigkeiten bis C ganz gut. Darüber wird diese Übung schwierig und schnell auch unmöglich für mich.

Heute verbringe ich viel Zeit bei der Schwarzen Madonna. Das liegt auch an Ingress. Ach ja, das Nerdspiel. Mittlerweile sind aber schon einige „Grüne“ da raufgekraxelt und haben das Portal in ein solides 8er-Portal verwandelt. Wenn ich die Hülle vom Handy nehme, geht es viel besser. Versteht keiner, macht nichts, ist halt so!

Der restliche Steig ist technisch selten oder eigentlich nie ein C, fast immer darunter. Ich nutze die Sicherung nicht und steige völlig entspannt und unter Musikbegleitung aufs Plateau. Dabei liebäugle ich mit der Idee, den Königschusswandsteig nur bis zum Rastplatz zu gehen, und dort auf den Malersteig zu wechseln. Aber alleine ist das vielleicht keine gute Idee. Deswegen gehe ich ja die Klettersteige, wenn ich alleine unterwegs bin. Mal sehen.

Der Südostwind bringt Saharastaub und milde Luft. Dort, wo kein Wind ist, reicht das T-Shirt. Was für ein Tag!

Beim Einstieg zum Königschusswandsteig treffe ich Garvin. Ich habe ihn schon öfters gesehen. Das erklärt sich schnell. 55 Mal ist er den Königschusswandsteig schon gegangen – bei jedem Wetter, zu jeder Jahreszeit. Oh ha! Den ÖTK-Steig, wo ich ihn auch schon mal getroffen habe, hat er gar schon 85 Mal gemacht. Da schau‘ her!

Beim Rastplatz hat mich Garvin schon wieder eingeholt. Spontan frage ich, ob er den Malersteig gehen möchte. Na ja, mit Klettern hat er es nicht so. Die Frage nach überhängenden oder senkrechten Stellen kann ich klar und entschieden mit „Sicher nicht“ beantworten. Ich überlege länger, was es denn bedeutet, wenn das mit dem Klettern doch eine blöde Idee war. Ich will ja nicht der sein, der ihn überredet hat. Garvin meint, dass er ja umdrehen kann, wenn es ihm unangenehm wird. Irgendwie bin ich sicher, dass Garvin das locker packen wird. Er macht einen mehr als fitten Eindruck und an Bergerfahrung fehlt es ganz offenkundig auch nicht.

Wir starten entgegen jeder Prinzipien – es ist nun mal nicht sonderlich schlau, mit jemanden, den man gerade Mal seit ein paar Minuten kennt, eine gemeinsame Tour zu gehen. Zumindest stelle ich mich vor. Wäre ja sonst fahrlässig! Wenn es gutgeht, sind wir in maximal 45 Minuten durch. Und, es geht besser als gut. Völlig entspannt unterhalten wir uns, während wir dem Steig folgen. Bald wechselt die Markierung von blau auf rot. Meine Rotsehschwäche bedeutet das Ende meines Vorstiegs. Garvin übernimmt und ich folge. Jede Sorge war unberechtigt. Die erste Stelle mit III- fliegt vorbei. Dann folgt der etwas unangenehme Quergang Richtung Haidsteig. Nun übernimmt wieder Garvin die Fährte mit den roten Punkten. Erst bei der „Mutprobe“ nach dem Steigbuch steige ich wieder vor. Mit meiner Kenntnis des Steiges tue ich mir leichter. Der Rest ist einfacher und wir stehen – schwupps – wieder auf der Hochfläche.

Garvin gönnt sich noch den Königschusswandsteig im Abstieg. Ich nehme die unkompliziertere Variante über den Holzknechsteig und bin pünktlich zum Kochen bzw. Essen wieder daheim.

Vormittag optimal genutzt – check!

Die Tour auf garmin.com