Drachenwand

Lydia gönnt sich nach Projektende eine Woche Auszeit und so treffen wir uns am Mondsee. Renate, Mio und ich kommen aus dem Osten, Lydia aus dem Westen. Für den ersten Tag haben wir uns den Klettersteig auf die Drachenwand vorgenommen. Das ist ein Klettersteig der Schwierigkeit C bzw. C/D, wenn man die Hängebrücke umgeht. Das klingt nicht schwer und sollte als Einstieg passen. Die Berge in der Umgebung sind ordentlich angezuckert. Facebook sagt, dass der Steig und der Abstieg schneefrei sind. Das Wetter passt, und es ist Montag. Das sollte also alles perfekt passen.

Der Parkplatz lässt vermuten, dass hier an Wochenenden und Feiertagen die Hölle los sein muss. Aber an diesem Montag ist wenig los. Statt den Leuten ist der Wasserfall da. Beeindruckend fällt er neben dem Steig nach unten. Lydia hat sich ein Klettersteigset und neue Bergschuhe geleistet. Los geht’s!

Schwierigkeit B soll das hier neben dem Wasserfall sein? Da schau her! Das erscheint uns aber schwieriger, wenngleich auch nicht schwer. Aber wenn das B ist, dann…?

Am oberen Ende des Wasserfalls holen wir uns beim Überqueren desselben gleich mal nasse Füße. Nachdem Renate rechts durchs Wasser ist, möchte ich Lydia vorzeigen, wie das hier ein echter Bergfex angeht und steige dabei prompt ins Wasser, verheddere mich in den Armen des Klettersteigsets und mache, kurz gesagt, keinen guten Eindruck. Nach Lydias Überquerung, ebenfalls satt im Wasser, steigen wir also mit gut gekühlten Hufen weiter.

Steil ist das da, lang ist das da! Etwas überraschend, aber noch nicht wild. Ich hätte aber schon eher mit einem leichten Herumkraxeln gerechnet, als mit einem ordentlichen Klettersteig.

Renate steigt forsch vor. Gelegentlich hört man ein zuversichtliches „Ich schaff‘ das!“ und „Ich kann das!“ von oben. Dahinter folgen Lydia und ich in respektvollem Abstand. Habe ich schon erwähnt, dass der Steig länger als erwartet ist? Dann sind wir bei der Abzweigung. Rechts die kühne Hängebrücke, links die Umgehung in C/D mit guten Möglichkeiten, die Damen auf der Brücke zu fotografieren. Auch das C/D hat es in sich, hält mich aber nicht auf und ich hänge fotobereit in der Wand.

Vis-a-vis sehe ich die Leiter, die um den Felsen biegenden Damen und ein vertrautes „Boah! Na, bravo!“. Aber die Damen sind kein bisserl zögerlich. Renate fragt, wo man sich denn da einhängen soll. Mit der Beantwortung tue ich mir aus der Ferne schwer, aber die Frage war wohl ohnedies rhetorisches Stilmittel, denn schon ist sie über dem Abgrund unterwegs. Fotos werden geschossen, ehe Lydia ebenso vorgeht. Aha, ich staune. Mir soll es recht sein

Wir klettern weiter und der Steig ist doch länger als erwartet. Aber das habe ich schon weiter oben geschrieben. Allzu endlos können 385 Höhenmeter jedoch nicht sein und so sitzen wir bald nach ein paar Gipfelfotos oben und genießen unsere Jause. Der Ausblick auf den Mondsee ist eine Freude. Ein paar Fotos schießen wir noch beim Drachenloch. Schwindel ist den beiden Damen fremd. Ich bin nicht ganz so sicher, ob ich da ebenso entspannt auf dieser ausgesetzten Felsbrücke gestanden wäre. Die Fotos gelingen jedenfalls.

Dann kommt noch der Abstieg, vor dem am Internet so eindringlich gewarnt wird. Heute ist es trocken und wir vermögen die Gefahr nicht zu erkennen. Nach dem Gegenanstieg werden die Schilder eindringlicher. In allen Varianten wird gewarnt, wie verheerend ein Sturz hier wäre. Aber es ist trocken und so sehen wir uns auch hier keiner sonderlichen Gefahr ausgesetzt. Dass es trocken ist, ist eigentlich paradox, denn der Wasserfall, der im Sommer ganz versiegt, ist dieser Tage sehr gut gefüllt.

Wir erreichen jedenfalls das Auto unbeschadet. Bei der Jüngsten in der Runde zittern die Oberschenkel gewaltig. Da muss eine Ladung Magnesium nachgefüllt werden. Bei der zweitjüngsten Teilnehmerin schnalzt 50 Meter vor dem Auto das Knie und so werden es noch anstrengende 50 Meter für Renate. Wir danken es wem auch immer, dass das nicht mitten im Steig passiert ist. Uppsi!

Alles andere war und ist fein. Mio hat den Tag bei einer Betreuerin am anderen Ufer des Sees verbracht. Obwohl auch andere Hunde zu Besuch da waren, war Mio wohl fad. Das vermute ich unbestätigt, denn wie so oft schweigt er dazu. Er freut sich jedenfalls, dass wir wieder da sind und wir freuen uns über einen spannenden und leicht unterschätzten, aber letztendlich souverän gemeisterten Klettersteig.

Breite Ries – Wurzengraben

Heute habe ich mich mit einem Auerhahn geprügelt! Das ist natürlich etwas verstörend, zumal ich davon ausgegangen bin, dass ich mich nie wieder in meinem Leben mit jemandem prügeln muss. Aber kurz vor dem 56. Geburtstag war es so weit. Und der Tag war ohne Auerhahn auch schon nicht fad. Aber der Reihe nach!

Mio und ich nehmen uns die Breite Ries vor. Nein, nicht auf Skiern mit Schwung in der Abfahrt, sondern im Aufstieg mit Schnaufen. Elf Stunden Sonne hat der Wettbericht am Vorabend noch gemeldet, aber das schaut eher nach elf Minuten aus. Zum Glück habe ich extra viel Gewand mit. Na ja, wir starten in Losenheim und sind bald in der Breiten Ries. Hier beginnt auch der Schnee.

Da die Sonne hinter den Wolken steckt, ist der Schnee hart und tragfähig. Das ist gut so, jedenfalls besser als bei jedem Schritt einzubrechen. Ich lege die Steigeisen an und schnalle sie mit Körbchen an die leichteren und bedingt steigeisenfesten Bergschuhe. Schauen ma a mal! Mio bekommt das Brustgeschirr umgeschnallt. Schließlich wird es ja oben steiler und ich kenne ja den Experten. Mio ist stolz wie Oskar: endlich auch mal Equipment für ihn. Los geht’s! Mio hat Freude am Schnee, rennt rauf und runter. Ich nur rauf, dafür deutlich langsamer.

Viel Schnee ist nicht. Mit Skiern sollte man nicht zu schnell unterwegs sein. Wer stürzt und einen herausragenden Felsen erwischt, kann übel bedient werden.

Mit den Höhenmetern wird es steiler. Mios Begeisterung für Sprints nimmt ab. Die herausragenden Felsen nutzt er schon für eine Rast. Ganz so sicher fühlt er sich nicht mehr. Okay, er sagt nichts, aber ich nehme ihn trotzdem an die Leine. Der Wind fällt die Breite Ries runter, sodass es richtig ungemütlich ist. Die Engstelle verschwindet immer wieder im Nebel. Wir steigen höher. Manchmal helfen uns Trittspuren, die allerdings bergab angelegt sind und entsprechend weit voneinander entfernt sind. Irgendwann entwickeln wir eine Strategie und folgen den Aufstiegsspuren eines Tourengehers, der hier offensichtlich bei wärmeren Bedingungen unterwegs war.

Mittlerweile fühlt sich Mio nicht mehr so richtig wohl. Sein steigeisenloser Allrad verliert gelegentlich den Grip. Ich wünschte, ich hätte die schwereren Schuhe und will allgemein nicht so recht. Das Wetter ist bescheiden, und ich mache mir Sorgen wegen Mio. Aber ohne Hund würde ich weitergehen und Mio sagt nichts. Also, weiter! Ich kenne die Strecke von der Abfahrt und der Höhenmesser meint, dass es bald ein Ende haben wird.

Der Tourengeher hat nun auch offensichtlich die Skier auf den Rucksack gepackt. Eine erste, schwach ausgeprägte Treppe führt den steilen Harsch gerade hinauf. Die Stufen werden allmählich breiter, zumal hier wohl auch das Ende für jene Tourengeher erreicht ist, die es wissen wollen. Steil ist es, aber das merke ich in den gefrorenen Stufen nicht so sehr. Mio ist der Steilheit völlig ausgesetzt, murrt aber weiterhin kein bisschen. Und irgendwann ist es auch geschafft, wir stehen am Einstieg in die berühmteste Steilabfahrt im Schneeberggebiet. Müde ziehe ich mir weiter Schichten an, ehe ich in den Steigeisen über das gefrorene Plateau die paar Meter zur Fischerhütte weitertaumle.

Nach üppiger Jause und per Euro aktivierter Wandheizung steigen wir mit erholter Batterie den Wurzengraben ab. Nein, da kann man auch nicht mehr mit den Skiern fahren. Na ja, wenn man öfters die Skier trägt, geht es schon. Aus meiner Sicht ist die Saison 2023/24 extra früh aus. Wir traben dahin. Kein Mensch weiterhin weit und breit, kein Schnee beim Ende des Hoyosgrabens. Schneerosen und Waldboden übernehmen das Bild.

Jetzt noch die Querung vom Fadenweg zur Edelweißhütte. Ich wähle die einsamere, untere Variante ohne Höhenmeter. Mio läuft weit vor, da höre ich Geräusche, die wirklich nicht hierher gehören. Ich schau‘ mich um: „Was soll das?“. Und siehe da, auf einem Felsen im Wald ein Stück oberhalb vom Weg pudelt sich ein Auerhahn wie ein Hausmeister auf. Jö, schau‘, das sieht man selten. Ich drehe um, sodass ich ein Foto schießen kann. Der Auerhahn zögert nicht und schwattelt den Waldhang zu mir herunter auf den Wanderweg. Ein bisserl gar echauffiert wirkt er. Ich schieße zwei Fotos. Nein, um fotografiert zu werden, ist er anscheinend nicht da. Der meint es unfreundlich mit mir. Was tun? Ich schreie ihn an und hoffe sogleich, dass niemand mich gehört hat und die Bergrettung verständigt. Der Plärrer zeigt nur kurz Wirkung. Ich schlage mit den Stöcken vor mir so fest aufeinander, dass ein Stock bricht. Von Mio keine Spur! Wenn man den Hund braucht, ist er nicht da. Jetzt wäre seine Chance da.

Okay, ich werde mich also mit einem Stock verteidigen. Da höre ich endlich ein Knurren. An dieser Stelle gehen übrigens unsere Wahrnehmungen auseinander. Mio meint, dass er sich vor mich gestellt hat. Ich erinnere mich, dass das Knurren von hinter mir gekommen ist. Na ja, wir einigen uns, dass Mio an meiner Seite gekämpft hat. Der Vogel ist nun wirklich sehr nahe, sein Schnabel sieht ungemütlich aus.

Das Internet sagt, dass beim Herrn Auerhahn Anfang März die Balz beginnt und er in dieser Zeit mit einem 100-fachen Testosteronspiegel durchs Leben rennt. Diese kleinen Testosteron-Trotteln keine ich allzu gut aus meiner Jugend: chancenlos, aber furchtlos und immer dreister, wenn man sie gewähren lässt.

Nochmals, was tun? Vielleicht gefällt ihm meine bunte Jacke. Polizei und Vier Pfoten empfehlen sicher, dass ich gegenüber dem Aggressor keinen Widerstand leisten und ruhig und besonnen das Geforderte übergeben soll. Aber der Gefiederte sieht doch ein bisserl aufgeplustert aus. Ich wähle die Variante „Dosierter Schlag gegen das Haupt“. Ich will den Vogel nicht verletzen, aber doch klar machen, dass hier das Theater ein Ende zu haben hat. Also, zack und Treffer! Das Tier beutelt den Kopf und spürt dank dem 100-fachen Testosteron wohl wenig. Schmacko, zweiter Treffer! Also, hätte ich den abgekriegt, würde ich etwas spüren. Noch hat sich in mir keine Panik breitgemacht und ich habe weiterhin tierlieb dosiert. Ah, der zweite Hieb zeigt Wirkung: der Angreifer zeigt sich einerseits klar unverletzt, anderseits doch etwas reflektierend. Der Angriff ist gestoppt. Mio und ich schieben rückwärts ab, der Auerhahn schaut ein bisserl verstört. Mio möchte nun die Gelegenheit für einen Angriff über die Bergflanke nützen. Nur der Auerhahn hat wohl gecheckt, dass das leichte Surren im Spatzenhirn von meinem Stock kommt und nicht vom Hund. Der Flankenangriff bricht umgehend in sich zusammen. Mio und ich ziehen uns weiter zurück. Der Vogel sieht uns leicht, aber nicht völlig triumphierend nach.

Den Tierschützern hier sei versichert: der Auerhahn ist unverletzt, also physisch unversehrt. Wie sehr die Aktion seinem Ego und seiner Psyche geschadet hat, weiß ich nicht. Letztlich sind aber wir zwei Helden im Rückwärtsgang abgezogen. Das sollte ihm als Sieg reichen, auch wenn das Kopferl ein bisserl brummt.

Das Internet sagt, dass meine Begegnung mit dem Auerhahn eine sehr seltene war. Sehr selten war auch, dass mich der Vogel angegangen ist. Am Internet findet man ein paar Videos aus aller Welt, die einen Angriff zeigen. Na fein! Im Falle einer Attacke soll man sich mit einem Stock verteidigen und sich aus seinem Revier verziehen. Habe ich es richtig verstanden, so ist sein Revier riesig. Ich hoffe, ich muss nicht das Land verlassen. Aber sonst scheinen Mio und ich alles richtig gemacht zu haben.

So geht dann ein spannender Tag zu Ende. Für Mio war es ein bisserl viel. Erstmals steigt er nach einer Wanderung unaufgefordert ins Auto, wo er unmittelbar in tiefen Schlaf verfällt. Sachen gibt’s!

Die Tour auf Garmin

Krummbachstein

Ein ruhiger Montag an der ruhigen Seite des Schneebergs steht an. Renate, Mio und ich fahren nach Kaiserbrunn und parken als einzige Wanderer hier an diesem Tag. Wir starten Richtung Krummbachsattel. Die Route habe ich online geplant. Das kann mitunter herausfordernd werden. Dort, wo der Miesleitensteig nach rechts steil abzweigt, begrüßt uns gleich ein Schild „Futterstelle – Bitte nicht betreten!“. Mann oh! Wer so freundlich bittet! Ich überlege. Also, die Futterstelle berücksichtigt den Klimawandel nicht, es ist frühlingshaft, von einer Schneedecke keine Spur. Wild sollten wir da nicht stören. Wir prüfen mal die Lage, Mio kommt an die Leine und siehe da, schon nach 100 Metern liegt die Futterstelle hinter uns und auch die frischen Reifenspuren enden. Ich denke, da haben wir niemanden gestört.

Vermutlich sind wir den Brettschachersteig gegangen. Wild romantisch ist das hier und selten begangen. Mio zischt vor, uns gefällt es. Ebenso vermutlich steigen wir weiter über den Brandsteig auf zum Krummbachsattel. Fast immer finden wir einen Pfad, oft auch Markierungen.

Am Krummbachsattel sehen wir dann erstmals Wanderer. Sie sind Richtung Schneeberg unterwegs, wir drehen aber nach rechts Richtung Krummbachstein ab. Allmählich macht sich eine Schneedecke breit und kalt wird es auch. Die Alpenvereinshütte kommt und bald der Krummbachstein. Es ist mittlerweile richtig ungemütlich geworden. Ich kann die Finger kaum noch bewegen. Renate zieht sich gar trockene Sachen an. Schon beim Zuschauen wird mir nochmals kälter. Aber Mammut bringt es in Ordnung. Ausgerüstet sind wir gut. Ein paar Fotos sind auch noch möglich, aber dann geht es rasch runter zur Knofelebenhütte.

Der Winterraum ist uns recht. Würstel, Weckerl, Paprika und Schoko fühlen die Speicher. Mio bekommt auch ein Würstel, ausnahmsweise! Der Wirt hat Getränke aufgestellt. Wir sind aber bestens versorgt. Trotzdem werfe ich Geld für zwei Getränke in die Kassa. Jemand muss sich ja um den Raum kümmern.

Wieder erstarkt geht es von der Hütte über den Miesleitensteig nach Kaiserbrunn. Laut Renate der beste Abstieg seit langem. Der Holzknechtsteig vom letzten Mal hat sich wohl eingebrannt.

So geht eine tadellose und ermüdende Wanderung zu Ende. Fein war’s und wir haben wieder ein bisserl Kondition aufgebaut für die ambitionierten Pläne 2024!

Die Tour auf garmin.com

Waxriegelsteig – Predigtstuhl

Ein gläserner Eisdeckel soll die Rax überziehen. Die Bergrettung hat mit gestürzten Bergsteigern emsig zu tun. Einbrechen werden wir im Schnee nicht, das Wetter soll sonnig werden. Passt also.

Klettern will Renate nicht. Stattdessen also eine ausgedehnte Runde mit Mio. Schon der Parkplatz gleicht einem Eislaufplatz. Da hat man uns also nicht zu viel versprochen. Die Tour ist insgesamt sehr angenehm, weil die Bedingung „wanderfreundlich“ sind, sofern man denn Zacken oder zumindest Krallen an den Füßen/Pfoten hat. Die Runde läuft bis auf zwei Zwischenfällen tadellos ab. Im Aufstieg falle ich einmal wegen Drängelns in Ungnade. Mio versteht sofort und geht 30 Meter vor. Auch für mich ist es unmissverständlich und ich gehe 20 Meter hinten nach.

Den Abstieg durch den Karlgraben traue ich uns dann doch nicht so ganz zu. Es ist schon sehr eisig. Mio hat im Aufstieg schon ein bisserl gekämpft. Wir müssen also einiges queren. Das ist aber bei den Bedingungen gar nicht so lustig. Selbst dort, wo es auffirnt, besteht Sturz- und damit Absturzgefahr. Das probiert Renate auch aus, fängt sich aber noch. Keine Sorge, sie wäre nach zehn, zwanzig Metern fürsorglich von Haselnussstauden oder ähnlichem aufgefangen worden. Jedenfalls konnte ich noch vor dem drohenden Abgang ein Foto schießen.

Alles in allem ein tadelloser Tag!

Schneeschuhe Jakobskogel

So stehen wir vorm Spar in Reichenau, und es regnet. Entscheidungen sind zu treffen. Nehme ich die Käseleberkäsesemmel oder lieber den Leberkäse mit Chilli? Daheim habe ich noch die Schneewolken am Regenradar gesehen, aber lieber dem Wetterbericht geglaubt, der trockenes und sich besserndes Wetter versprochen hat. Nein, zwei meiner drei Begleiter wollen nicht auf den Predigtstuhl. Einer sagt wie immer nichts. So stehen wir dreieinhalb in feinster Mammut-Ausrüstung am Parkplatz und sondieren die Optionen. Der eine ohne Stimme und ohne Mammut-Ausrüstung sondiert meine Leberkäsesemmel. Der wird aber schweigend auf seinen Auslauf bestehen. Heimfahren und in Breitenfurt spazieren, das wäre eine volle Niederlage. Also, warum nicht mit der Bahn aufs Plateau!

Fünf Gäste sind an diesem Tag mit den vorherigen Gondeln schon nach oben gefahren. Wir haben eine Gondel für uns. In dieser halben Stunde hat sich also kein weiterer Fahrgast gefunden. Und siehe da, oben schneit es üppig. Der Wetterbericht liegt völlig daneben. Schon nach hundert Metern und ein paar Fotos drehen wir um und holen uns Schneeschuhe, die unter der Woche kostenlos verliehen werden.

Was folgt, ist ein unerwartet kurzweiliger Ausflug. Erfrischend würde es auch treffen. Aber die Ausrüstung trotzt den Bedingungen. Meine zwei Begleiter haben die äußerste Schicht gleich daheim gelassen. Angesichts des Wetterberichts verständlich, angesichts der tatsächlichen Bedingungen verwunderlich. Der Schnee fliegt waagrecht, Mio hält sich zumindest gut am Boden.

Das Ottohaus erinnert mich jedes Mal an die Villa aus Hitchcocks „Psycho“. Heute ist es auch nicht einladender, wir marschieren weiter und holen uns den Gipfel! Am Jakobskogel ist es dann so richtig unwirtlich und wir steigen nach ein paar Fotos ab. Sogar Mio ist anzusehen, dass ihm die vom Wind losgerissenen, bodennahen Eiskristalle beißen. Am Rückweg kehren wir in der Psycho-Villa ein. Der Winterraum verdient unter diesen Bedingungen fünf Sterne. Mio möchte ins Notbett, darf er natürlich nicht. Wieder im Freien ist es mit dem besseren Wetter endgültig vorbei. Der prognostizierte Sturm hat eingesetzt. Mio möchte wieder in den Winterraum. Der Rückweg ist dann aber erstaunlich entspannt. Fast ein bisserl fad.

Der Todeszone entkommen, gönnen wir uns Gamsgeschnetzeltes und Wildschweingulasch. Die Nachspeisenvitrine stellen wir gleich bei uns ab. Das abgesicherte Leben hat uns wieder. Die Gefahren sind wieder die vertrauten, Zucker und Fett.

Die Gondel gehört uns wieder allein. Auf halber Fahrt geht der Niederschlag in Regen über. Unser Ausflug in den Winter „wie früher“ ist zu Ende. Ebenso überraschend wie lohnend war unser spontaner Abstecher. Passt!

Tour auf garmin.com

Altenbergersteig – Heukuppe

Für Tourengeher sollen die Bedingungen übel sein. Eisiger Harschdeckel und unten wenig Schnee. Das klingt doch nach passablen Bedingungen für Mio und mich. Der Altenbergersteig bietet sich an. Wenn da nur eine Spur nach der Karrer Alm zu finden ist, dann werden wir es diesmal schaffen. Wir parken uns am Preiner Gscheid ein und staunen, wie kalt es ist. Also, Mio ist das egal. Ganz im Gegenteil, er wirkt wesentlich agiler.

Zu meinem Erstaunen findet sich eine richtige Piste, die in diesen einsamen Teil der Rax führt. Mio sinkt nicht ein und ich spaziere mit den Grödeln. Vor der Karrer Alm ist es dann aber wieder erwartet einsam. Keine Spur ist da, wir spuren. Erst bei der Karrer Alm kommen Spuren vom Moassa herauf, biegen jedoch ab. Und dann findet sich doch etwas. Zwei Steigeisenspuren führen vom Plateau herunter. Zuversicht baut sich auf. Natürlich helfen auch die modernen Mittel der GPS-basierten Navigation. Aber so ein Anzeichen, hier nicht als einziger und erster Dodel seit langem herumzuirren, hat auch Beruhigendes.

An ein paar Stellen ist es am Steig bei diesen harten, abgeblasenen Bedingungen ein bisserl herausfordernd. Ohne Grödel ging da nicht viel. Aber mit zusätzlich zwei Stöcken fühle ich mich sicher. Mio hat ohnedies vierfachen Antrieb.

Am Preiner Gscheid war es gewohnt kalt. Im Routenverlauf hat sich die Warmfront mit ein paar Vorboten angekündigt und ich bin ohne Jacke gewandert, aber hier heroben am Plateau setzt Wind ein. Es ist eben Winter und da darf es hier unwirtlich sein.

Mio zeigt Interesse an den Gämsen. Nach 50 Metern Anlauf lässt er sich jedes Mal durch Rufen stoppen. Das verleitet mich zu einem Experiment. Ich rufe eben nicht und er stoppt nach fünfzig Meter trotzdem. Mio ist kein Jäger, wahrlich nicht.

Ein Gipfelfoto an diesem ungemütlichen Ort, und wir eilen weiter in unserer Überschreitung. Die ersten zwei Tourengeher kommen uns entgegen. Sie wirken als wären sie aus der Vorklimaerwärmungszeit. Wo die denn runterfahren werden? So eine richtig durchgängige Schneedecke mag ich nicht zu erkennen.

Das Karl-Ludwig-Haus ist nun schon über ein Jahr verlassen. Noch wirkt es gut in Schuss. Aber besser wird es sicher nicht werden so ohne Bewirtschaftung. Ich mache mir Gedanken.

Der Abstieg über den Schlangenweg wirkt wenig einladend. Von oben sehe ich schon ein Paar auf der harten, schrägen Schneefläche. Mit Schneeschuhen scheint das kein Spaß zu sein. So entscheiden Mio und ich, direkt den Karlgraben abzusteigen. Uh, der ist hart. Mit den Grödeln geht es einigermaßen, aber es ist ein Eiertanz. Mio versteht nicht was los ist, will spielen und bellt aufmunternd. Weiter unten schiebt die Warmfront wieder an. Plötzlich wechselt der Karlgraben von Streif- auf weiche Bedingungen. Jetzt stollen die Grödel an. Nach zwei Schritten habe ich Plateauschuhe mit 15 cm Auflage. Der Abstieg ist also heute eher zäh, aber zum Glück endlich. So erreichen wir das Waxriegelhaus und in Folge wieder das Auto.

Alles recht fein für Mitte Jänner und zu Fuß!

Die Tour auf Garmin

Jakobskogel

Den Jakobskogel hatte ich bislang nicht am Radar. Alpinistisch ist er bestenfalls als leichte Plateauausbuchtung zu klassifizieren. Aber seit meiner Hüft-OP war ich jetzt schon viermal oben. Als Statistiker könnte man auf die Exponentialverteilung seltener Ereignisse verweisen. Egal, schauen ma a mal, wie oft ich den Jakobskogel in den nächsten Wochen noch erklimmen werde.

12 Wochen ist die OP her, und seit meiner Entlassung geht es bergauf. Wir sind wieder mit der Seilbahn in die Sonne. Skitouren will ich (noch) keine machen, da mir vom Skifahren abgeraten ist. Denn, auch wenn es mir gut geht, dauert es, bis das Titan fest von neuem Knochenmaterial umwachsen ist. Zu Fuß kommt man mit Hund im steileren Gelände nicht voran. Das haben wir beim letzten Versuch erfahren. So spazieren Renate, Mio und ich nach der kurzen Seilbahnfahrt am Plateau herum.

Ich erinnere mich. wie zäh meine erste Besteigung des Jakobskogels war. Ich hatte Stöcke und Schmerzen. Beides habe ich diesmal daheim gelassen. So steht einem gelungenen Tag in der Dezembersonne nichts im Wege.

It was a good day!

Mios Snorre

In Breitenfurt liegt so viel Schnee wie seit Jahren nicht mehr. Man könnte sicherlich schon eine Skitour gehen, aber das darf ich ja noch nicht. So machen wir uns auf den Weg zum Preiner Gscheid. Mios Beinlänge wird voraussichtlich der limitierende Faktor sein. Gernot meint, dass der Gretchensteig die richtige Wahl ist. Ich meine, dass der Waxriegelsteig und der Predigtstuhl besser geeignet sind. Wir fassen den Gretchensteig ins Auge. Ich denke mir: „Schauen ma a mal, wie es am Preiner Gscheid!“ ausschaut.

Bei der Anfahrt hat es weniger Schnee als in Breitenfurt. In Gloggnitz denke ich mir dann, dass es wohl wurscht sein wird, welchen Steig wir wählen. Wir starten also Richtung Gretchensteig. Upps, da ist jetzt aber doch viel Schnee. Mio kämpft schon jetzt tapfer. Ab der Reißthaler Hütte wird es abenteuerlich. Die Zweibeiner kommen noch voran, aber der Vierbeiner stochert im für ihn bodenlosen Pulver. Ich hebe die Beine schon nicht mehr, um einen Kanal für Mio zu formen. Der folgt auch im Kielwasser, aber eher begeisterungslos. Irgendwann geht er nicht mehr weiter. Er sagt nichts, aber er geht auch nicht. Mit ein bisserl Trara geht es ein Stückerl, aber im Windschatten einer vom Wind arg gebogenen Latsche ist dann endgültig aus. Gernot ist noch ein paar Höhenmeter weiter, aber die spannenden Abschnitte warten noch. Ohne Mio wäre es mühsam aber machbar. Nur mit geht es nicht. Mio schließt sich Calle Halfvarssons Forderung an. Dem guten Mann ist sein „Snorre“ eingefroren. Mios Snorre hängt auch die ganze Zeit im Schnee. Ich mache mir Sorgen. Wir drehen um.

Bergab versuche ich, den Kanal durch wuchtiges Auftreten zu verbreitern, aber Mio kommt nicht. So nimmt Renate Mio hoch. Der hat mittlerweile das Manterl seiner Nachbarin an und geniert sich gerade noch ein bisserl. So entsteht das einzige Foto, auf dem Mio getragen wird. Aber Gernot und ich werden noch schwitzen.

Wieder im Wald übernimmt Mio die Führung und zieht konsequent Richtung Auto ab. Aber wir wollen zum Waxriegelhaus queren. Im Wald wird schon nicht so viel Schnee sein – zweiter Fehlschluss. Da liegt erst Schnee und keine Idee von einer Spur. Zum Glück sind da Markierungen, aber für Mio ist es nicht zu packen. Gernot und ich tragen ihn abwechselnd und kommen dabei ordentlich ins Schwitzen. Mio zittert und grunzt. Ja, wie weit ist denn das noch! Aber alles geht vorbei, wenn man nur weitergeht. Und so kommen wir auch irgendwann zum Waxriegelhaus. Mio wird seiner anhaftenden Schneeklumpen befreit und wir kalorisch versorgt. Die beste offene Hütte weit und breit und auch die einzige.

Wieder bei Kräften ist die Welt in Ordnung. Einer von uns hat auf der alten Skipiste die größte Freude am Leben. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass Mios Snorre gerettet werden konnte. Ach ja, und am Waxriegelsteig wären wir auch nicht viel weiter gekommen.

Die Runde auf garmin.com

Gretchensteig

Uh, in diesem Jahr war ich nicht viel auf meinen Hausbergen unterwegs. Und dieses Jahr kommt auch nicht mehr viel. Wenn mir nicht noch ganz schnell etwas einfällt, dann ist es am Montag mit meinem Hüftgelenk passé. In diesem Jahr werde ich nicht mehr in die Berge kommen.

Also, schnell noch mal eine kleine Hausrunde mit Mio. Mio ist ein bisserl wenig ambitioniert. Jetzt geht er schon ein paar Mal solche Steige mit, aber eine Verbesserung geschweige denn Begeisterung lässt sich nicht feststellen. Heute muss ich ihn gar ein paar Mal raufheben. Das ist ihm aber auch nicht peinlich. Seine Erfahrung spiegelt sich darin, dass er sich an die „kniffligen“ Stellen schön zur Wand stellt und wartet, bis der Lift losgeht. Steht er oben, will er sogleich ein Leckerli. Ob das noch was wird mit ihm als Berghund?

Am Plateau hat der Herbst Einzug genommen. Der Wind treibt den Nebel über die Wand rauf, hinter dem Gedenkstein auf der Heukuppe picknicken zwei verzweifelte Wanderer und üben ein bisserl Überleben in der Todeszone. Mios Herrl ist aber mit den Eigenschaften von Luv und Lee durchaus vertraut. Ja, auch wir könnten uns ins Lee des Denkmals flüchten. Stattdessen steigen wir zwanzig Meter ins Lee der Heukuppe. Da ist die Welt spätsommerlich.

Beim Abstieg zum Karl-Ludwig-Haus umstellen uns Gämsen. Mio ist älter geworden und hat auch da seine Ambitionen fast verloren. Er lässt sich an die Leine nehmen und beobachtet aus dieser Position. An Angriff denkt er ebenso wenig wie die Gämsen.

Schon im Winter habe ich mich gewundert, wie das hier heroben und auch irgendwann dann unten mit den geringen Schneemengen und der Wasserversorgung ausgehen soll. Hier heroben hat das Karl-Ludwig-Haus schon seit fast einem Jahr geschlossen und auch das Habsburghaus quält notorischer Wassermangel. So steigen wir zum Waxriegelhaus ab. Das ist entsprechend voll. Passt so!

Runde erledigt, das nächste Mal komme ich hoffentlich mit ein bisserl Keramik in mir hier vorbei. Frohe Weihnachten kann ich eigentlich auch schon wünschen.

Tour auf garmin

Vent


Fotos


Nach dem Trüffelschnüffelkurs brechen wir nach Vent auf. Das Wetter soll noch bis mindestens Dienstagmorgen halten. Da mag ich noch einen Berg meiner Bergliste erledigen. Renate hat sich bei unserer Tour auf der Hochalmspitze ein bisserl zerstört und muss rasten. Ich lerne, dass man sich auch in 3.000m Höhe einen Tennsiarm holen kann. Sie wird wieder fit werden, da habe ich keine Sorge.

Wir sind diesmal im Hotel Post in Vent untergebracht. Vent ist ein kleines Bergsteigerdorf in den Ötztaler Alpen. Das Hotel bietet freundliche Gastgeber und feines Essen. Das Hotel kann ich empfehlen.

Am ersten Abend spazieren wir spontan zu den Rofenhöfen. Die Abendstimmung ist fantastisch. Mio ist froh, dass er die stets für ihn mühsame Autofahrt hinter sich hat, und bei den Temperaturen vergnügt ausgelassen. Die Fotos vermögen das kaum einzugfangen.

Am Montag starte ich um halbsechs zu meiner Tour auf die Hintere Schwärze – siehe eigenen Beitrag. Renate und Mio schlafen ein bisserl länger und meistern von Vent aus das Wilde Mannle (3.024 m). Am Nachmittag komme ich mit dem Gipfel in der Tasche, aber doch ziemlich zerstört zurück. Viel mehr als Kalorien- und Flüssigkeitszufuhr, krampfende Oberschenkel und ein kleiner Abendspaziergang sind da nicht mehr drinnen.

Am Dienstagmorgen weckt Mio uns mit Bauchweh. Renate opfert sich für die Morgenrunde und ich kann in Summe 12 Stunden ausschlafen. Die für Dienstag geplante Fineilspitze habe ich schon am Vortag abgesagt. Stattdessen wählen wir den Gaislochkogel von Sölden aus. Die Gondel bringt uns auch dort auf über 3.000m. Das IceQ ist ein mit zwei Michelin-Hauben ausgezeichnetes Restaurant´, und so kommt Renate mit ihrer Vorliebe für exzellentes Essen auch noch auf ihre Rechnung.

Die Heimfahrt ist gewohnt lange. Aber die herrlichen Tage in Vent waren und sind den Aufwand jedes Mal wert.

Prädikat: unvergesslich!