An diesem Fenstertag geht es nach Hinternaßwald. Wir haben uns den Großen Sonnleitstein ausgesucht. Er soll ein Geheimtipp sein. Am Internet finde ich gar den Ausdruck „Matterhorn der Wiener“. Aber ich denke, da macht sich jemand über die Bewohner der Bundeshauptstadt lustig.
In Hinternaßwald stehen einige Autos, für einen sonnigen Fenstertag im Mai ist es überschaubar. Neben uns macht sich ein Paar in ähnlichem Alter fertig. Sie wollen dieselbe Route gehen. Und noch ein drittes Paar ist da. Ja, aber hallo! Wie geheim ist denn der Geheimtipp?
Die Sonne brennt runter, auf der Schotterstraße ist es wärmer als angenommen. Da überholen uns die Gleichaltrigen, Renate nimmt die Herausforderung an. Nach der Forststraße geht es im Wald recht klar und gerade einer Linie folgend steiler werdend bergauf. Erst denke ich, dass wir die Wanderung ja machen, um fit für die Berge zu werden, aber dann habe ich doch Sorge, dass sich das nicht ganz ausgehen wird. Ich gehe vor und bremse. Das Tempo ist noch immer zügig.
Nach dem steileren Abschnitt im Wald geht es dann flacher dahin. Der Gipfelaufbau ist schön, obschon „Matterhorn“ ein bisserl gar hochgegriffen ist. Am Gipfel sind die drei Paare wieder vereint. Ich denke, wir sechs sind aber an diesem Tag doch die einzigen. Der Zufall hat uns einfach zusammengewürfelt.
Renate zahlt den Preis des schnellen Starts mit leichter Erschöpfung. Auch Mio scheint nicht ganz fit. Aber so sitzen wir da und schauen ins weite Land. Von der Jause gehören Weckerl und Gemüse mir, Mio nimmt den Schinken. Kurz, alles friedlich.
Der Abstieg über die Ameis-Wies-Hütte ist ein bisserl vom Windbruch behindert. Auch merkt man, dass die Gegend hier selten begangen wird. Der Steig ist nicht sonderlich gut ausgetreten. Entsprechend ist es abschnittsweise ein bisserl mühsam. Technisch ist es natürlich kein Problem.
So kommen wir nach gut vier Stunden Gehzeit wieder zum Auto zurück. Alles in allem eine feine Wanderung in abgelegener Gegend. Der Zufall hat uns vier Begleiter geschickt. Sonst vermute ich, ist es hier sehr ruhig. Fein war’s!
Renate sucht eine Route aus. Den Törlweg kenne ich, aber den Gsolhirnsteig? Sachen gibt’s! Wir wollen unsere Ausdauer trainieren, und dazu geht es zum Knappenhof. Der Frühling ist da. Ich spaziere im T-Shirt und schwitze. Irgendwo im Wald haut Mio ab, und vernichtet Höhe. Der Popo schiebt wohl so lustig nach unten. So springt er den steilen Hang hinunter in der Hoffnung, weit unten das zu entdecken, was ihm die Nase verspricht. Ich setze mich mal auf einen Baumstumpf, das wird dauern. Ich glaube schon an der Art und Weise, wie Mio abhaut, zu erkennen, wie lange es dauern wird. Renate wartet 50 Meter oberhalb.
Dann geht es doch weniger lange, als erwartet. Ich höre etwas in der Ferne, das langsam aber doch näher kommt. Bald sieht man Mio schon, die Zunge hängt recht weit raus. Mio klettert, springt, keucht,.. Es reicht! Wieder bei uns legt er sich mal in den Schatten. Ach, Mio!
Weiter oben im Schnee gibt es dann eine späte Abkühlung für ihn. Der Törlweg endet mit dem Törl, das den Blick auf das Ottohaus freigibt. Heerscharen von Menschen und Hunden tummeln sich bei dem herrlichen Wetter am Plateau. Selbst Schneeschuhwanderer finden noch ein paar Flecken für ihr Abenteuer.
Wir besteigen den Jakobskogel, denn ein Gipfel muss ja sein. Bei der Bergstation wartet auf uns das Mittagessen. Das beste Mittagessen am gesamten Raxplateau, das ist fix.
Im Abstieg nehmen wir den Gsolhirnsteig. Vielleicht war ich schon mal hier. Mag sein, ist aber wohl über ein Vierteljahrhundert her und damit vergessen. Jippieh, wieder etwas Neues dabei gewesen!
Tadeloses Wetter, tadellose Routenwahl, tadelloser Tag auf der Rax!
Der Haidsteig vor zwei Tagen hat mir so einen Muskelkater eingebracht, dass ich sofort wieder raus muss. So kann das nicht weitergehen. Also, ab aufs Preinergscheid. Iduna zieht was lautlos den Berg hinauf dahin. Mio mag sie mehr als die Q – gut so!
Mio und ich wandern zur Karreralm und von dort den Altenbergersteig aufs Plateau zwischen Gamseck und Heukuppe. Einsam ist es, wir sind uns selbst genug. Nur am Plateau haben wir Sozialkontakt. Wir treffen den Capo des Gamsrudels. Meine Laienbeobachtungen sagen, dass Gämsen sehr scheue Tiere sind. Da ist nur der Rudelsführer, der sich in den Weg stellt. Man erkennt ihn leicht, und so gehe ich ihm aus dem Weg. Aber Mio will es immer wissen. Das ist ein bisserl ein Stress für mich, weil ich Zweifel habe, dass Mio im Fall der Fälle schnell genug wäre. Der heutige Capo kann es aber wirklich. Er muss in der Spanischen Hofreitschule eine Ausbildung genossen haben. Er tänzelt, springt im Stand und pfeift. Mio pfeift sich nichts. Wann immer sich der Bock ein paar Meter zurückzieht, gehe ich ein Stück weiter meines Weges und Mio ein paar Meter weiter auf ihn zu. Tja, und dann passiert, was ich noch nie gesehen habe. Der Bock steuert auf Mio zu. Damit hat auch Mio nicht gerechnet. Die Vernunft kehrt ein, er flüchtet. Aber leider zu mir. Zum Glück ist eine Gams kein Steinbock. Der Gamsbock zieht ab, wir ziehen ab. Alles gut!
Nach der Heukuppe geht es Richtung Waxriegelhaus. Meine Gelenke sind wieder in Form. Ich kann bergab gar abschnittsweise laufen. Wunderbar, so gut war es schon seit Jahren nicht. Die Muskeln sind es nicht gewöhnt und so werde ich mit einem Muskelkater zahlen. Das nehme ich. Tadelloser Tag somit, ich hoffe, es geht wieder bergauf – oder bergab. Also, je nachdem!
Langsam zweifle ich auch schon an, was die Klimaforscher sagen und werde zum Anhänger einer Verschwörungstheorie, leider halt mit anderem Vorzeichen. Aber dazu später. Gestern sind meine neuen Grödel angekommen. Die habe ich bestellt, da ich letzte Woche ein Grödel – der Duden sagt, dass Grödel ein Mehrzahlwort ist, aha! – verloren habe. Verloren und heute wieder gefunden – jetzt habe ich mit drei Paar doch zu viele Paare! Aber der Reihe nach.
Gernot begleitet uns auf die Rax. Wir sind alle nur halb ausgerüstet, weil der Plan war, die Mautstraße vom Pfaffensattel zum Alois-Günther-Haus zu spazieren. Gernot hat nicht einmal einen Rucksack mit. Trotzdem entscheiden wir uns für die Rax. Da geht heute mehr. Nicht viel mehr, aber doch mehr.
Am Preinergscheid geht – Achtung, Novum! – kaum ein Wind. Entspannt starten wir Richtung Reißthalerhütte. Gernot ist in seinen Christkindlmarktschuhen unterwegs und zieht sich meine XL-Grödel über. Auch Renate und ich entscheiden uns für Grödel – wir haben ja genug. Durch den Wald und auch danach ist wahrlich nicht viel Schnee. Aber ab der Baumgrenze wird es absonderlich. Es riecht nach Frühling, die Jacken haben wir in die Rucksäcke gestopft, ich suche nach den ersten Schneerosen, wir haben den 22. Jänner.
Nun zur Verschwörungstheorie: ich mag nicht glauben, dass sich das Klima erst um weniger als 2 Grad erwärmt hat. Hier nicht, hier muss es deutlich mehr sein – warum? Selbst bei vorsichtiger Schätzung liegt die Temperatur um 10° bis 15° zu hoch, es hat deutlich Plusgrade. Okay, das ist nur ein Tag und damit das Wetter und nicht das Klima. Zum Ausgleich müsste es an einem anderen Tagen um 10° weniger haben. Wenn man im Jänner auf 1.500m also Mitte Jänner -10° erwarten kann, müsste es nun einen anderen Tag mit -20° oder tiefer hier heroben geben. Natürlich können es auch zwei Tage mit -15° sein, um den Schnitt zu retten,.. Faktisch sind wir letzte Woche auf der Terrasse am Nachmittag um drei in der Sonne gesessen. Noch so ein „heißer“ Tag. Wie auch immer, ich bin keine Wetterstation auf zwei Beinen. Nach meiner Einschätzung ist es aber eher um vier bis fünf Grad im Schnitt hier heroben wärmer als in einem Jänner vor 25 Jahren oder früher. Entsprechend traurig schaut es mit dem Schnee aus.
All das überlege ich mir, während wir wieder einmal den Schlangenweg runter spazieren. In allen Farben schildere ich, wie uns die Abkürzung mein Grödel gekostet hat. Bei Besichtigung des Ortes des Verschwindens reicht auch ein Schritt ins Latschengestrüpp und da liegt es unübersehbar. Mein schlechtes Gewissen ist weg und weicht einer Reflexion. Was, wenn das nicht mir sondern jemand anderem passiert wäre. „Wie umnachtet kann man sein, dass man das nicht bei der Suche sieht?“, „Muss man halt die Augen aufmachen und schauen!“… Egal, ich habe es wieder und nun gar zwei zuviel. Keine Gams hat sich verletzt, alles gut!
Der Rest ist Routine. Essen am Waxriegelhaus, Abstieg zum Preinergscheid und heim nach Breitenfurt. Feine, entspannte und sonnige Tour!
Heute passt alles! Es hat ein bisserl geschneit, und es ist wenig Wind angesagt. Also, nochmals aufs Preinergscheid und dann weiter auf den Predigtstuhl. Das läuft alles prächtig. Die Fotos sprechen für sich. Wir sind die ersten, die nach dem Schneefall, aufsteigen. Viel Schnee ist ja nicht gefallen. Zumindest sieht es sehr fein aus. Den Predigtstuhl schaffen wir. Oben ist es doch recht kalt. Die Winterlandschaft macht wirklich etwas her.
Wir wandern noch zum Karl-Ludwig-Haus. Ich muss nicht nur ein Ingress-Portal holen, sondern auch zwei neue Portale besuchen. Das Rax-Kircherl und ein steinerner Rucksack sind damit auch in der Ingress-Datenbank aufgenommen.
Runter geht es den Schlangenweg. Der Karlgraben ist kein Option. Es fehlt der Schnee. Oberhalb des Siebenbrunnkessels queren wir zum Waxriegelhaus. Ich bin übermütig und will abkürzen. Das hat zur Folge, dass wir uns durchs Dickicht kämpfen müssen. Mein Grödel geht dabei verloren und ist unauffindbar. Schlechtes Gewissen macht sich breit. Vielleicht finde ich es ja im Sommer.
Am Waxriegelhaus kann man um 15 Uhr gar draußen in der Sonne sitzen. Wir sind verwirrt. Beim Abstieg sind wir dann aber schnell in der Kälte und damit wieder mitten im Jänner. Die Bergrettung baut einen Iglu – aha!
Eigentlich wäre bis auf die verlorene Grödel alles gut, würde die Q nicht meinen, dass sie wieder die Kühlflüssigkeit verloren hat. Oh, da wird jemand fluchen. Wir rollen nach Reichenau, kaufen eineinhalb Liter Kühlflüssigkeit und cruisen damit nach Wien.
Wir müssen ein bisserl den Fettstoffwechsel trainieren. Also fahren wir zum Preinergscheid. Da streiten die Eigentümer mit der Gemeinde, wer denn nun an der Parkfläche hier verdienen darf – oder so ähnlich. Wie auch immer, es stehen jedenfalls geschätzt nur die Hälfte der Parkplätze zur Verfügung. Der Rest ist abgesperrt. Der Parkautomat kennt sich auch nicht aus. Wer ganz doof ist, zahlt für den abgesperrten Parkplatz. Wer schlau ist, zahlt vermutlich gar nicht. Ich bin irgendwo dazwischen, zahle und hoffe, dass sie sich bis zum Sommer geeinigt haben. Wenn wieder der Bus kommt, wird wieder ein Stückerl vom Parkplatz abgezwickt, dann wird es wirklich eng, zumindest am Wochenende.
Am Preinergscheid weht es wie irre. Das ist zumindest nicht neu. So sind die Leute verleitet, ein bisserl mehr als notwendig mitzuschleppen. Meine Erinnerung an Renate, dass es bei den ersten Bäumen windärmer und wärmer werden wird, verfängt nicht. Wie auch? Ich musste ja schon selbst allzu oft die Erfahrung machen, ehe ich nun eben „leicht“ starte. Mio macht es jedenfalls Spaß.
Wenn schon nicht bei den Temperaturen so haben wir bei der Schneemenge einen Minusrekord. Dass im Jänner schon einmal so wenig Schnee war? Wahrscheinlich, aber erinnern kann ich mich nicht. Wir trinken etwas am Waxriegelhaus. Meine Mütze habe ich vergessen und da wir weitersteigen wollen, wäre so etwas schon fein. Auf einer gut besuchten Hütte kann einem geholfen werden. Gut behütet ziehe ich weiter.
Nur Renates Blick hinauf ist besorgt. Wir gehen einfach so weit, bis wir umdrehen. Das ist ein Plan, obschon ich nicht zu erkennen vermag, warum wir umdrehen sollten. Das Tageslicht wird reichen, das Wetter wird halten und Schneemassen sehe ich, wie schon erwähnt nicht. So steigen wir einen fast aperen Waxriegelsteig Richtung Predigtstuhl hinauf. Am Grat pfeift es ordentlich, beim Bismarcksteig dann teils in stürmischen Böen. Ausgestattet sind wir doch mehr als ausreichend, aber Renate will lieber zurück. Ich kann sie noch zu einer Runde Richtung Neue Seehütte und Abstieg über den Göbl-Kühn-Steig überreden. Erst nach der Tour offenbart Renate, dass sie den Wind oder Sturm nur nicht mag, sondern ihr ganz offenkundig den Spaß verdirbt. Oh, das ist etwas anderes. Künftig kann ich das berücksichtigen. Gerade in den Bergen sollte man so etwas ganz offen kommunizieren. Wieder etwas gelernt.
Das obere Ende des Langermanngrabens überqueren wir gar in Grödel. Den wenigen lockeren Schnee hat der Wind längst abtransportiert, übrig ist ein überaus harter Harschdeckel. Mio erkennt im 4×4-Modus das Problem nicht. Wir wandern den verlängerten Bismarcksteig Richtung Neue Seehütte. Hier im Lee hat der Wind die magere Ausbeute des Winters zwischen den Latschen abgelagert. Es ist so wenig, dass ich mich eine Abkürzung zu nehmen getraue. Das macht man nicht. Aber ich meine, das Gelände gut zu kennen, achte darauf, dass wir zur Not umdrehen können und die Online-Karte erwähnt hier keine erwähnenswerte Steigung. Und dann kommt es so wie geplant. Passiert selten, aber ist recht so!
Am Göbl-Kühn-Steig geht es zurück zum Waxriegelhaus, das wunderbarerweise 365 Tage im Jahr offen hat. Nach opulentem Mal wartet noch der Abstieg zum Preinergscheid.
Auch dieses Jahr fahren wir wieder einmal mit der Seilbahn aufs Raxplateau. Es geht raus aus dem Nebel und ab in die Sonne. Weil wir uns auskennen, lassen wir die Schneeschuhe, die an der Bergstation unter der Woche kostenlos verliehen werden, links liegen. Und bereuen das auch bald. Spätestens, als Gernot wieder einmal eine Abkürzung kennt. Mio ist wie immer der einzige, der nichts sagt. Aber die Verstörtheit sieht man ihm an, als er da in grundlosem Pulverschnee durch Latschenfelder muss.
Aber auch ich habe die Tour unterschätzt. Was soll ich da auf dem Plateau-Spaziergang den mit Garmin aufzeichnen. Tja, weit gefehlt!
Trotzdem ein überaus edler Tag in der Sonne. So einen Ausflug kann ich nur empfehlen. Im Dezember ist die Sonne besonders gut fürs Gemüt!
Noch nie war ich am Ötscher! Also, jetzt schon – nach diesem Montag. Und darum geht’s in diesem Beitrag.
Google hat interessante Ideen bei der Anreise. Wir fahren doch recht lange auf einer Schotterstraße durch wildromantische Schluchten zu unserem Parkplatz Raneck. Von Lackenhof aus ist die Straße asphaltiert.
Renate hat eine recht große Runde ausgesucht. Diese beginnt mal mit einem Abstieg auf der Forststraße, ehe ein langer, steiler Anstieg im Wald folgt. Eine schweißtreibende Tour ist das um diese Jahreszeit und bei dieser Schwüle. Oberhalb der Waldgrenze wird es besser. Nach zwei Stunden erfolgt plangemäß die neu eingeführte Tradition mit Weckerl, Schoko und Getränk! Wer modern sein will, kann sich ja auch Carb-Gels reinzischen. Klingt besser, bringt dasselbe.
Nach unserer Pause beginnt der Rauhe Kamm. Der ist in unserer Wahrnehmung eine feine, abwechslungsreiche Kraxelei. Mio tut sich anfangs leicht, braucht aber bald ein paar Mal Unterstützung. Rasch entwickelt er eine neue Methode. Mutig springt er die Kletterstellen hoch, strampelt so weit er kommt und wartet dann auf die humane Unterstützung. Oh, oh, wenn das nur auf ewig gutgeht!
Der Rauhe Kamm endet auf einem Plateau. Nicht zu groß, aber doch ein Stück zu gehen, bis zum Gipfel. Für die Jause ist es hier zu kalt. Der Ötscher trägt Wolken über sich, Wind geht auch etwas. Kurz, es ist ungemütlich, und wir steigen zum Ötscher Schutzhaus ab. Das ist laut Internet nur offen, wenn der Lift in Betrieb ist. Im Juni sieht es unter der Woche aber schlecht aus.
Der Abstieg zur Hütte ist unspektakulär. Die Ankunft umso erfreulicher, denn die Hütte hat offen. Kaspressknödel, Toast, Marillenkuchen,… wir füllen nach. Runter geht es direkt die schwarze Schipiste. Als wir dann schon fast ganz unten sind, fährt der Sessellift los. Mann oh! Da wird ein junger Hüttenhelfer wohl den Berg rauf transportiert. Na ja, soll sein, wir sind ja schon unten. Ein paar Kilometer noch Richtung Raneck und unsere Tour ist geschafft.
Der Rauhe Kamm ist eine leichte, kurzweilige Kraxelei, die mit Hund durchaus machbar ist. Landschaftlich ist die Tour jedenfalls eine Empfehlung. Von Juni bis August empfehle ich ein Auge aufs Thermometer und Hygrometer. Der Anstieg durch den Wald kann schon recht schwitzig werden.
Mit der Schafbergbahn auf den Schafberg und dort ein bisserl die Aussicht genießen. Und damit es nicht ganz so fad wird, noch eine Rundwanderung oben mit drei Seen. Das klingt doch gut. Lydia wählt die Turnschuhe, weil die neuen Bergschuhe unbequem geworden sind. Zum Glück schließt sie sich uns an und schlüpft noch am Parkplatz in die lange Berghose. Dreieinhalb Stunden und ein paar Höhenmeter brauchen keine sonderliche Vorbereitung. So denken wir. Renate reklamiert uns in die ausgebuchte Fahrt um 09:15 und so zuckeln wir in 35 Minuten auf über 1.700m.
Der angekündigte Wetterumschwung kommt ein bisserl eher daher – oha! Der Wind pfeift und wir haben schnell unsere Stirnbänder und Mützen auf. Erstmal geht es bergab Richtung Mönichsee. Lydia tippt dazwischen E-Mails. Sieht alles friedlich aus. Bald wird es abenteuerlicher. Da muss eine Felswand gemeistert werden. Aus der Ferne wirkt sie wild, aus der Nähe ist sie mit Seilen und Stufen versehen. Da bin ich aber froh, dass wir nicht vor drei Tagen als erste Tour den Schafberg gewählt haben. Denn hier im frischen Schnee – aber hallo! Wir sind sicher, dass damit die schwierigen Stellen auf diesem lieblichen Rundweg gemeistert sind. Lydia korrespondiert weiter, die Turnschuhe sind am Limit, aber auf der sicheren Seite.
Beim Mönichsee stören wir eine Eisbadende. Ich kann gar nicht glauben, dass sie da wirklich ins eiskalte Wasser will. Aber sie meint es ernst und ist auch in der Sache gänzlich spaßbefreit. Okay, wir schleichen uns. Mann oh!
Es folgt ein Anstieg Richtung Mittersee und Himmelspforte – meinetwegen. An der Scharte angekommen folgt dann auf der Schattseite ein Abstieg im Schnee. Oh, da könnte man überrascht sein. Sind wir auch ebenso wie unsere Füße schnell nass sind. Lydias Turnschuhe sind jetzt über dem Limit.
Der Mittersee wird bewundert, es geht weiter in einem stetigen Bergauf und Bergab Richtung Suissensee. Langsam wird es zäh. Ein Unterstand gefällt Mio sehr. Leider hat nur er eine Jause mit. Wer rechnet den bei so einer Tour mit Hunger? Ab jetzt sollte es irgendwo bergauf zur Himmelspforte gehen. Fasziniert suchen wir die wirklich steilen Felswände nach einem Weg ab. Nichts da, wird schon kommen. Da Umdrehen eh keine Option ist, gehen wir die Nordseite weiter. Die zu querenden Schneefelder werden steiler, sind aber zum Glück richtig weich. Da schau‘ her, nun ist es fix: die Tour ist anspruchsvoller als gedacht.
Und irgendwann geht es dann gerade nach oben. Oha! Bei trockenen Verhältnissen mag das eine steile, aber doch nette Wanderung sein. Nun ist da jede Menge nasser Schnee drinnen. Huch, das wird ja wirklich noch eine Bergtour. Wir schlagen so gut es geht Stufen in den nassen Schnee. Lydia ist nun wirklich mit dem falschen Schuhwerk unterwegs. Eine Spur ist vor uns. Aber die muss vor ein paar Tagen bei noch mehr Schnee angelegt worden sein. Wir machen eine Variante aus, die einen Grat über Geröll und Wiesen steil und direkt hinaufführt. Mich schreckt es nicht so, aber mit einem normalen Weg hat das wenig zu tun. Die Damen bleiben tapfer. Mio kennt so einen Mist ohnedies und wird auch heute nichts sagen.
Jetzt sind es nur noch 50 Höhenmeter bis zur Himmelspforte. Dort, wo die Seilversicherung herausschaut, kann man erkennen, dass die Stahlseile die ambitionierten Zahnradbahnfahrer links und rechts sichern . Aber nicht nur die in den Fels geschlagenen Stufen auch die Stahlseile sind teils weit unter dem Schnee. Aber hallo!
Von der Bergstation kommen immer wieder Wanderer und blicken ehrfürchtig durch die Himmelspforte in die Wand. Das Bild, das sich ihnen bietet, muss sie erschaudern lassen. Da ist eine junge Frau in Turnschuhen in den steilen Schneefeldern unterwegs. Gelegentlich sichert sie der Vater mit einem Stock. Einen kleinen Hund haben sie auch dabei! Der eine oder andere will einen Rettungsversuch starten, scheitert aber. Wird sich hier gleich ein Bergdrama abspielen? Drehen die eine weitere Folge von „Die Bergretter“ oder eher „Der Bergtrottel“?
Nur noch eine kurze Seillänge trennt uns vom Ziel, aber Seil haben wir eh keins dabei. Umdrehen ist eine Option, aber keiner will die Schneefelder wieder runter. Nicht einmal Mio.
Neugierige Blicke von Wanderinnen in T-Shirts und Shorts, die da oben recht fröstelnd aber zumindest in der Sonne ihren Hals über die Kante vorschieben, treffen uns da in der Nordwand unter der Himmelspforte. Mio startet durch, verirrt sich, hängt aber an der Leine. Na, wenn das nicht Stoff für eine eigene Folge dieser Bergretterserien ist!
Da schicken wir Renate los. Sie ist unerschrocken genug, um sich den Weg über das letzte Schneefeld zu bahnen. Da kommt auch schon der erlösende Ruf von oben: „Alles easy, ab da geht es gut! Ihr könnt kommen!“. Na bitte, geht ja. Unter Ohs uns Ahs erreichen wir den Ausstieg.
Auch wenn es nicht ganz so wild war wie beschrieben, zeigt es ein weiteres Mal, wie leicht man in den Bergen in Nöte kommen kann. Wenn der Schnee ein bisserl härter gewesen wäre oder wenn mehr Schnee eingeweht worden wäre, hätte es schlecht ausgesehen. Wahrscheinlich wären wir dann eher umgedreht. Vielleicht auch nicht, den keiner kann die Bedingungen hundertprozentig vorhersagen. Deswegen mein Appell an alle: seid gnädig mit den „Vollpfosten“, die in Turnschuhen mit einem Hund an der Leine plötzlich weder vor noch zurück können. „Unverantwortlich“ und „deppert“ sind die Attribute, die da schnell in den sozialen Medien verwendet werden. Also, wir waren weit von einer Notsituation entfernt. Anderseits vielleicht auch gar nicht so weit weg, wenn ein paar Grad Celsius weniger, Regen und die Angst dazukommen.
So hatten wir eine überraschend kurzweilige Rundwanderung, die letztlich mit einem ausreichenden Sicherheitspuffer ihr gutes Ende gefunden hat. Wir hatten gar noch Zeit für ein Mittagessen im Berghotel Schafbergspitze vor der gebuchten Abfahrt ins Tal.
Mitgenommen haben wir neben den intensiven Eindrücken auch die gar nicht neue Erkenntnis, dass selbst einfache Touren eine gute Planung brauchen.
Noch im Auto klingen die Eindrücke nach, wie aus der harmlosen Seenrundwanderung aufgrund des Schnees eine alpine Erfahrung geworden ist. Jepp, das war mal was!
Tag 2 unseres Mondseeaufenthalts ist da. Renate ist nach Wien gereist und unterbreitet ein Angebot. Mio wollen wir heute Schnee bieten. Über 1.300 Meter sollten die Chancen dafür noch gut stehen. Wir suchen und suchen mit den vorgegeben Werten für zu bewältigende Höhenmeter und Tourenlänge. Die Wahl trifft auf die Postalm und den Braunedlkogel.
17 Euro beträgt die Maut auf der Privatstraße. Da habe ich mich schon einmal gewundert, was es so gibt. So halte ich mich diesmal nicht wieder mit den Gedanken auf, nach welchen Kriterien die Allgemeinheit die Kosten für eine Straße übernimmt und wann sie das nicht tut. Jetzt, wo ich diesen Beitrag tippe, komme ich schon wieder ins Grübeln.
Wie auch immer, die geplante Anreise biegt bald von der Asphaltstraße in eine Schotterstraße Richtung Rettenegghütte ab. Ein Schranken macht der holprigen Fahrt bald ein Ende, und wir bekommen noch ein oder zweihundert Höhenmeter dazu. Macht nichts, wir starten. Mio hat nach wenigen Metern seinen Schnee und ist vor Freude ganz aus dem Häuschen. So soll es sein.
Erst geht es über eine Almwiese und einen eher flachen Schotterweg mit tollem Panorama dahin. Der Föhn bläst und wir sind froh, noch Gewand dabei zu haben. Der Weg biegt ab, wird steiler und ein kleiner Nassschneerutsch legt sich über den Steig. Wir lassen uns nicht abschrecken und steigen höher. Die Schneefelder werden häufiger. Jetzt, am letzten Apriltag, sind sie durch und durch nass. Meine Füße bleiben nicht lange trocken. Aber alles ist machbar. Wir folgen einer frischen Spur und sind dankbar darüber.
Hundert Höhenmeter unter dem Gipfel kommt uns dann der einsame Bergsteiger entgegen. Er kennt sich hier aus. Ich bedanke mich für die Spur und frage, ob man auch über die Nordostseite absteigen kann. Kann man, aber wird halt viel Schnee sein.
Den Gipfel erreichen wir dann rasch, die Jause wird verzehrt und Mio bekommt traditionell auch etwas. Da schaue ich so weit möglich in die unverspurte Route und erkenne, dass es steil ist. Okay, das hat die Karte schon verraten. Und dass wohl einiges an nassem Schnee anzutreffen sein wird. Lydia stört es nicht, wenn wir denselben Weg wieder zurückgehen. Mio auch nicht, und ich kann auch damit leben. So steigen wir nach herrlichem Rundblick wieder unsere Spur hinunter zum Auto.
Der Braunedlkogel ist damit erledigt. Ein tadelloser Tag in den Bergen war das! Die Beine haben auch etwas getan, und nach den zwei Tagen steht definitiv nun ein Erholungstag an. So wird’s gemacht!