Haidsteig – Preinerwandsteig

Heute ist der Haidsteig dran. Was uns da nur erwartet? Ich habe mich bei der Einschätzung der Schwierigkeiten schon oft völlig geirrt. So erinnere ich mich an die Antwort auf Gernots Frage vor dem ersten Klettersteig, ob denn die Wildfährte steil ist. Ich meinte ehrlich: „Also, ich kann mich nicht so erinnern. Schon steil, mit dem Radl kannst nicht fahren, mit Skiern auch nicht – wahrscheinlich!“. Uje, dann am Steig mit ihm, im Angesicht der Tatsachen habe ich mir für diese Antwort öfters auf die Stirn geklatscht.

Nun also Renate. Die ist ebenso voller Zuversicht wie bar der Erfahrung. Ich bin auch zuversichtlich, aber eben schon ein bisserl erfahren. Schauen ma a mal!

Wie auch immer, wir stehen an diesem Freitag um 08:40 in der Griesleiten am Parkplatz und sind nicht alleine, wirklich nicht alleine. Ich mache mir Sorgen, dass wir lange warten werden müssen. Korrigiere aber sofort, dass wir Grund für den Stau sein könnten. Mann oh, das wird was! Warum kann es nicht ein Dienstag im Oktober sein? An so einem Tag wären wir hier alleine.

So machen wir uns an den Zustieg. Ausrüstung und Stimmung sind jedenfalls gut. Beim Anstieg entdeckt Renate eine prächtige Parasol-Familie und… Und erwägt sie mitzunehmen. Ist sie so aufgeregt? Will sie wirklich mit einem Sackerl in der Hand die Schwammerl da rauf tragen oder die schönen Pilze in den ohnedies recht vollen Rucksack stopfen? Ich nehme das Anliegen nicht ernst und stimme zu, dass wir sie am Rückweg mitnehmen werden. Ein Entschluss, den an diesem Tag wohl noch viele andere Wanderer fassen werden.

Am Einstieg stehen die Massen. Na ja, es sind sechs, sieben Leute. Das ist nicht viel in Relation zu den Schilderungen, die vom Wochenende erzählt werden. Mir sind es jedenfalls zu viele bei diesen Unsicherheiten heute. Renate findet aber alles cool und tänzelt herum. Zumindest vor dem runden Ungarn in Grün möchte ich starten. Ja, ja! Renate freut sich halt so. Können wir jetzt aber bitte los!

Uff, der Einstieg klappt ganz entspannt. Das sieht gut aus. So werden wir das schaffen. Ich habe die schöne Kamera mit und schieße erste Fotos. Auch der erste Steigbaum macht keine Schwierigkeiten. Ruhe kehrt in mir ein. Was soll da noch schiefgehen? Und dann kommt die erste Querung, technisch nicht schwer, aber erstmals ein bisserl ausgesetzt. Ich spaziere vor und positioniere mich zum Fotografieren. Da hängt Renate nun plötzlich und meint, dass es hier nicht weitergeht. Wie bitte? Das könnte an der 90° falschen Haltung liegen. Was ist denn da los? Und während ich noch analysiere, merke ich da leichten Kontrollverlust aufkommen. Upps, gelassen bleiben und auf Selbststabilisierung hoffen. Ein bisserl körperliche Unterstützung könnte auch helfen. So mache ich noch schnell ein Foto, ehe ich zurücksteige und Renate am Handgelenk ohne großes Trara zum Seil hochhebe. Leicht genug ist sie ja. Erinnert ein bisserl an den Umgang mit Mio bei Klettereien, ist aber viel respektvoller! Der arme Hund wird ja am Halsband nach oben gehievt.

Das dicke Grün im Nacken nervt Renate auch ein bisserl sehr. Aber der gute Mann ist selbst Teil einer Dreiergruppe, deren Rest nicht schnell vorankommt. Wir verwerfen Verschwörungstheorien zu seinen Absichten und steigen tapfer weiter. Ab jetzt läuft es entspannt und gut. Die Schlüsselstelle passieren wir auch recht g’schmeidig. Da kann ich ein bisserl helfen. Immerhin habe ich in diesem Kamin schon genug Blood, Sweat und vor allem Tears gesehen. Renate hält sich brav am Rande der engen Felsspalte. Alles gut, wir sind bei der Madonna und haben damit den technisch schwierigeren Teil hinter uns.

Die Vorstellung von Ulli erfolgt formlos. Ein schöner Platz ist es hier. Und es ist definitiv etwas los hier an Tagen wie diesen. So soll es sein!

Wir steigen noch bis zum Plateau auf. Geschafft! Renate ist zurecht stolz wie Oskar oder sonst wer. Bravourös hat sie den Steig gemeistert. Ich habe Freude, denn da können nun noch viele gemeinsame Touren kommen. Wir rasten umgeben von Edelweiß in großer Zahl. Kann es besser gehen?

Als Abstieg wählen wir den Preinerwandsteig. Der ist sicherlich besser als der Holzknechtsteig, aber halt ein Abstieg. Renate will ein Startup gründen, das Bergsteiger per Drohnentaxi vom Gipfel holt. Mir soll’s recht sein, solange ich mich da nicht engagieren muss. Mein Beitrag beschränkt sich auf ein gelegentliches „Hmm! Warum nicht?“.

Gegessen wird im Looshaus. Das muss ein bisserl im vorigen Jahrhundert stehen geblieben sein. Doch das ist an diesem Tag nebensächlich.

Prädikat des Tages und der Tour: edelst!

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Haidsteig-Königschusswandsteig

Die Hitzeschlacht gebe ich mir heute alleine. Obwohl, der Parkplatz ist schon vor neun gut gefüllt. Eine Mom cremet ihre aufgeregten aber widerspenstigen Kinder ein. Die Helme lassen auf den Haidsteig schließen. Na, hoffentlich denkt sie daran, dass Sonnenöl den Grip am Seil reduziert. Alles nicht mein Thema. Ich zische los. Alles ohne sonderliche Vorkommnisse. Es sind ein paar Leute im Steig. Ich habe Auslauf – juchhu! Kurzer Stopp, wie üblich bei der Schwarzen Madonna. Jemand stellt immer wieder eine Kerze her. Aha!

Ich habe neue Zustiegsschuhe gekauft und die sind wirklich ein Hammer. Sie sind von Salewa und halten am Fels, dass es eine Freude ist. So etwas hatte ich bislang noch nicht. Sehr fein!

Weiter zum Preinerwandkreuz und dann in den Holzknechtsteig. Mir kommt ein Mann entgegen. Ich frage, wie er zu der Genusstour kommt. Er wollte den Haidsteig gehen, hat sich aber kurz nach dem Auto den Nerv eingeklemmt und geht nun „aufrecht“ den Holzknechtsteig. Interessantes Vorgehen, um seinen Körper für Dysfunktion abzustrafen. Nein, sein Freund ist den Steig gegangen und sie wollen sich oben treffen. Okay, jedem Tierchen sein Plaisierchen! Wir plaudern und ich werde gegen seinen anfänglichen Widerstand eine meiner Schmerztabletten los. Die ist sicher schon gut abgelaufen.

Diesmal erwische ich den Wechsel zum Königschusswandsteig überraschend gut. Auch wenn ich ihn schon so oft gegangen bin, ist es fast jedes Mal anders. Im Steig überhole ich unter dem Felsfenster ein Paar. Viel Sauerstoff ist nicht mehr im Hirn. Ein freundliches Grüßen und ein bisserl „Geht’s gut?“ und „Schönen Tag noch“. Das war’s. Als ich dann oberhalb des engen Kamins zurückschaue, meine ich, dass mir meine Wahrnehmung einen Streich spielt. Das letzte Foto in der Galerie sollte das Phänomen erklären. Ich warte auf die Nachkletterin und erkenne, dass sie ganz anders als Ulli aussieht. Am Ausstieg bin ich wieder ein bisserl bei Sinnen und erkläre, dass ich für gewöhnlich nicht fremde Leute ohne Erlaubnis fotografiere und warum das Hier und Jetzt eine Ausnahme war. Die beiden sind verständnisvoll und freuen sich gar über das Foto. Sachen gibt’s!

Runter geht es dann den vollständigen Holzknechtsteig. Wieder kommen mir zwei junge Genießerinnen entgegen. Nein, so etwas haben sie nicht erwartet. Aber was soll’s? Kurz, ich kann niemanden den Holzknechtsteig im Aufstieg empfehlen, schon gar nicht, wenn die Sonne runterbrennt! Im Abstieg ist er eine Abkürzung, aber selbst da überaus entbehrlich.

Bergab sind die neuen Schuhe dann nicht so fein, weil sie eher für den Klettersteig gemacht sind und entsprechend eng anliegen. Da schieben die Zehen an der Oberseite schon heftig gegen den Schuh.

Recht fertig, aber zufrieden komme ich wieder beim Auto an. Alles gut, feiner Tag!

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Gebirgsvereinssteig

Heute ist der Gebirgsvereinssteig dran. Ich probiere die Steige lieber noch einmal aus, ehe ich Renate mitnehme. Beim Seiser Toni vergesse ich erst das Handy im Auto, dann schicke ich zwei Wanderinnen als vermeintlich Ortskundiger in die falsche Richtung. Kurz, es läuft noch nicht so recht.

Den Zustieg zum Steig finde ich aber schnell und auch der Steig ist keine sonderliche Überraschung. Alles wie hier schon mal notiert. Einzig der Fels ist ein bisserl abgeschliffener seit meinem letzten Besuch. Dieses Schicksal teilen wohl alle oft begangenen Steige. Es ist trocken und so bleibt das nur eine Notiz hier.

Kurzer Auslauf, alles tadellos!

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Haidsteig

Renate bringt mich mit Mio zum Parkplatz Griesleiten, von wo aus ich meinen Auslauf antrete. Selbst fährt sie mit Mio zur Rax-Seilbahn. Mio wundert sich, aber sagt wie gewöhnlich nichts. Der Plan ist, dass wir uns am Plateau treffen werden.

Zum Haidsteig gibt es nichts besonderes zu berichten. Es ist doch alles schon gesagt. Keine Leute, keine Vorkommnisse. Ich verweile kurz bei der Schwarzen Madonna, ehe ich in einer vernünftigen Zeit das Plateau erreiche. Dort bin ich dann so beschäftigt, bei all den Funklöchern Kontakt zu Renate aufzunehmen, dass ich fast auf dieses zischende Ding gestiegen wäre. Na, zum Glück habe ich das Handy gerade in der Hand. So gelingt mir die Aufnahme dieser schönen Kreuzotter.

Es dauert nicht lange, dann sehe ich schon meine beiden Lieben entgegenkommen. Für Mio muss die Welt voller Zufälle sein. Er freut sich jedenfalls. Wir spazieren zur Bergstation zurück. Renate beschließt fix, dass sie das nächste Mal mitgehen möchte. Na zack, schauen ma a mal!

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ÖTK-Steig, Blutspur, Matthias-Prinner-Steig

Dreierlei auf der Hohen Wand steht an. Ein neuer Steig erwartet mich gar. Schauen ma a mal!

Der ÖTK-Steig ist mir als nicht so wild in Erinnerung wie ich ihn meinen eigenen Beschreibungen entnehme. Aber ich verlasse mich mehr auf meine Aufzeichnungen als auf meine Erinnerungen. Das erscheint mir sinnvoll. Auch das Internet meint mittlerweile Schwierigkeit D/E. Am Einstieg habe ich entsprechend Respekt. Doch die Einstiegstelle und damit die Schlüsselstelle machen keine Not. Recht geschickt gelingt mir der kurze, „überhängende“ Abschnitt. Also, Abschnitt ist zu viel. Ein Felsen drängt ab. Aber älter und umsichtiger mache ich einen Schritt nach links und das war es auch schon mit der wilden Stelle. Der Rest geht auch gut. In einer Dreiviertelstunde bin ich oben. Die Sonne lacht.

Also, runter zum Einstieg der Blutspur. Vier Minuten soll sie nur dauern, habe ich meinen Aufzeichnungen entnommen. Das wird also auch bald vorbei sein. Und so ist es. Nach einer Viertelstunde bin ich wieder oben. Da waren Pause und der Abstieg wohl länger.

Runter geht es nun die Völlerin bergab zum „neuen“ Steig. Etwas unscheinbar im Wald versteckt entdecke ich den Einstieg des Matthias-Prinner-Steigs, da sich hier zwei Kletterer vorbereiten. Man lässt mich vor, obschon ich ein bisserl müde bin. Ist doch nett. Ein bisserl schräg geht’s los und schon hänge ich an der Stahlstrickleiter. Zwei „Action“-Elemente kündigt die Beschreibung an. Eigentlich mag ich diese künstliche Dramatik nicht. Wozu? Aber das habe ich schon mal hier diskutiert. So hangle ich mich auf diesem wackeligen Teil nach oben. Fast senkrecht geht es da. Ein Seil, um sich zu sichern, gibt es nicht. So muss, wer gesichert sein will, sich in die Sprossen einhängen. Geht ja. Nach der Leiter geht es ebenso steil weiter. Diesmal hat jemand freundlich jede Menge Stahl in den Fels getrieben. Ein Seil ist auch da. Und so steigt man doch recht künstlich den Fels hinauf. C/D finde ich ein bisserl tief gegriffen, hat man doch einigen Zug auf den Armen.

Nach ein bisserl Gehgelände die zweite Action. Drei Seile führen straff über den Abgrund gespannt leicht nach oben. Auf das unterste Seil gehören wohl die Füße und die beiden oberen Seile sind zum Anhalten und Sichern. Das untere Seil ist um einen halben Meter versetzt. Vor mir sehe ich jemand, der „quer“ steht. Das heißt, er hat so eine recht aufrechte Stützposition eingenommen und geigelt im Seitschritt nach oben. Uh, das sieht mühsam aus. Zumindest wirkt es kein bisschen entspannt. Was soll’s? Die Seile sind frei, und ich bin zu müde für den Mist. Wer den Seiltänzer in mir sehen will, wird ihn gleich sehen. Statt quer setze ich frontal meinen schlanken Fuß aufs Seil. Weil mir eine fünf Meter lange Stange für die Balance fehlt, halte ich mich halt an und marschiere mit starrem Blick los. Einen Sicherungskarabiner habe ich ins untere Seil eingehängt, den anderen ins obere. Das erschien mir sinnvoll. Immerhin habe ich zwei Gummibremser an einem Seil montiert gesehen. Die werden wohl für etwas gut sein. Vermutlich sollen sie die rasante Fahrt im Falle eines Sturzes abbremsen. Im Aufstieg muss man dafür bei ihnen angelangt umhängen, weil sie ja zu groß für die Karabiner sind. Das ist dann kurz ein bisserl spannend. Aber ich halte mich tapfer und erreiche die gegenüberliegende Seite sicher. Der Rest ist wieder einfaches Klettersteiggelände. Noch recht viel Erde und ein paar lockere Steine liegen herum. Der Steig ist ja noch jung.

Runter geht es dann Richtung Frauenluckensteig. Auch diesmal gelange ich in den Saufluchtgraben, erkenne meinen Fehler früh und verliere nur ganz wenig Höhenmeter. Die Frauenlucke hat zu meiner Überraschung, und das obwohl ich sie schon öfters gegangen bin, eine recht lange senkrechte Leiter. Und dann bin ich auch schon wieder beim Einstieg des Matthias-Prinner-Steigs. Noch ein paar Minuten und ich bin wieder im Auto.

Ein kurzer, aber feiner Spaß. Eine Blase an der rechten Hand ist aufgegangen. Es muss also doch mehr an den Steigen sein, als mir in Erinnerung bleiben wird. Fein war’s!

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Haidsteig und Königschusswandsteig

Heute bin ich alleine unterwegs. Keine Renate, kein Mio und auch sonst niemand. Einen Menschen treffe ich, ein paar sehe ich in der Ferne. So starte ich meine vertraute Route. Los geht’s beim Griesleitenhof auf der Forststraße, diese verlässt man in der ersten Kehre, steigt durch den Wald, quert die Forststraße zweimal, ehe man am Ende des dritten Abschnitts noch einmal auf diese Forststraße trifft. Ich kenne mittlerweile einige der Bäume, die da rumstehen, auch ein paar Steine sind mir über die Jahre vertraut geworden. Die Wurzeln an markanten Stellen habe ich mir eingeprägt. Für die Menschheit eher unnützes Wissen!

So geht es weiter bis zum Bachinger Bründl und weiter zum Einstieg des Haidsteigs. Irgendein Schweindl mit Schnupfen muss am Wochenende unterwegs gewesen sein, denn verdächtig viele benützte Taschentücher liegen verteilt. Auch die Bananenschale ist noch frisch und stammt wohl auch vom Wochenende. Taschentuch und Banane verrotten, aber es dauert halt. Man sieht, ich mache mir Gedanken.

Beim Einstieg freue ich mich, dass ich wieder in passablem Tempo unterwegs bin. Müdigkeit? Nein, ich merke nichts. Sehr gut. Also, hinauf und weiter bis zur ersten Rast, der Schwarzen Madonna. Auch wenn ich teile, gehört mir das Packerl Mannerschnitten ganz alleine. Damit mich Ulli auch sicher erkennt, verlinke ich das Ingress-Portal. Habe ich da ein: „Das ist jetzt aber nicht wahr!?“ gehört?

Unspektakulär geht es den zweiten, leichteren Teil aufs Plateau und zum Preinerwandkreuz. Von dort runter über den Holzknechtsteig, der mich wieder überrascht. Jedes Mal denke ich mir, dass mich hier nichts mehr überraschen kann. Der ändert wirklich sooft sein Gesicht, dass ich überlege eine Timelapse-Kamera hier aufzustellen. Entsprechend schwierig ist es, die Querung zum Einstieg des Königschusswandsteigs zu finden. Mittelprächtig gelingt das heute, war schon schlechter, war schon komfortabler.

Ich bin noch immer nicht müde. Also, rein ins Vergnügen. Der Königschusswandsteig ist schon um eine echte Stufe schwerer als der Haidsteig. Während ich am Haidsteig, das Stahlseil über weite Strecken nicht nutze bzw. nur zur Sicherung verwende, hänge ich hier recht heftig im Stahlseil. Im Felsfenster mache ich wieder ein Figur, die mir eine negative Wertung für die Eleganz der Ausführung bei den Juroren einbringen müsste. Ich nehme mir vor, beim nächsten Mal hier langsam und konzentriert zu klettern. Das muss mit kleinen Schritten und mit deutlich mehr Leichtigkeit gehen.

Vom Felsfenster ist es dann nicht mehr weit aufs Plateau. Weiter geht es runter über den Holzknechtsteig wieder zum Einstieg des Haidsteigs. Zumindest in der letzten Stunde hat er sich kaum verändert. Mühsam ist er meist, auch heute. Beim Bachinger Bründl noch eine kleine Rast und dann zum Auto. Oh ha, ich verspüre Lust zu laufen. Geht doch!

Garmin meint, dass ich mich heute übernommen habe. Aber so fühle ich mich gar nicht. 45 Minuten vom Parkplatz zum Einstieg, 43 Minuten für den Haidsteig und 30 Minuten für den Königschusswandsteig sind recht fein. War ja nicht einmal im Wettkampffieber. Egal, es geht bergauf und das ist gut so!

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Teufelsbadstubensteig

Heute ist der Teufelsbadstubensteig dran. „Das Klettersteigset brauchen wir nicht, den Helm schon.“, so Renate. Mir soll es recht sein. Dafür nehme ich den Fotoapparat mit. Am späten Vormittag des Feiertags ist am Parkplatz vom Weichtalhaus schon einiges los. Aufgeregt eilt man zu Übungsfels oder schultert endlos Kletterseil und entsprechende Utensilien. Friends, Exen,.. alles klimpert aufgeregt. Aber auch Wanderer machen sich auf den Weg.

Schönbrunnerstiege und Höllental sind dann schon ruhiger. Bald sind wir am Ende des großen Höllentals und damit am Einstieg des Teufelsbadstubensteigs. Bei uns beiden ist es sicherlich schon zwanzig Jahre oder länger her, seit wir das letzte Mal hier waren. Der Steig macht uns keine sonderliche Mühe. Ich steige mit der Kamera locker baumelnd vor. Renate macht das Motiv. Entsprechend viele Fotos gibt es, vorrangig von Renate.

Wir sind vergnügt und nehmen die Sache nicht so ernst. Wir spielen Musik vom Handy und lachen viel. Schnell sind wir unterwegs. Oder sagen wir besser: nicht so langsam wie die Wochenendbesteiger, von denen reichlich unterwegs sind. Und so nehmen wir noch das gefürchtete Geröllfeld am Schluss des Steiges. Ein Seil ist gespannt und entschärft die aktuell ohnedies unspektakuläre Querung zusätzlich. Alles gut, alles easy. Wir sind bereit für die nächste Stufe!

Runter geht’s über den Wachthüttelkamm und der ist landschaftlich fein, aber sonst eher zach. Leitern über Leitern geht es scheinbar endlos bergab. Aber irgendwann ist Schluss und feines Essen mit Forelle wartet im Weichtalhaus.

Diesmal bei harmlosen Bedingungen und ebenfalls edel. Alles passt!

Wandern: Wagnersteig

Kaum aus Italien zurück gibt es die nächste Probe: wie geht’s mit uns in den Bergen? Eine Warmwetterfront und ärztlich angeordnete Erholung lassen uns weiter schnell vorwärts machen. Also, die Anordnung kann man mit einem Tag Verspätung umsetzen. Das sehen wir gleich. Nur die Warmwetterfront lässt sich nicht aufhalten. Also, los geht’s mit Mio aus der Wiener Innenstadt auf die Hohe Wand.

Kurzweilig und meines Erachtens mit keinerlei Erholungsbedarf geht es vom Seiser Toni den Wagnersteig hinauf. Mio umgeht elegant die Leitern, wir rutschen ein bisserl auf nassem Untergrund.

Oben warten schon die Steinböcke. Im Steig hat sich Mio ein bisserl von dem ernährt, was die Steinböcke so in der Landschaft herumliegen lassen. Nun ist er aufmunitioniert und findet schnell einen Jungbock, der auch Ärger will. Ich werde ein bisserl panisch, sehe ich doch Renate und Mio über die Leine verbunden. Wie ich erlebt habe, ist es nicht günstig, wenn Mensch, Hund und Steinbock in einer Linie stehen und der Bock ganz oben wartet. Renate vermag meine Aufgeregtheit vielleicht nicht nachzuvollziehen, aber mir gefällt das gar nicht. Sie steht mit dem Wagnersteig im Rücken denkbar ungünstig. Diese Steinböcke fragen ja nicht nach der Wahl der Waffen und warten auch nicht auf den Gong der ersten Runde. Also, Reihung ändern! Irgendwann ist Renate am weitesten oben, Mio stänkert ein Stück weiter unten und der Bock erkennt seine ungünstige Ausgangsposition. So oder so ähnlich – egal, mein Puls ist zum Glück wieder unten. Alles gut inklusive Abstieg!

Sieht so aus, als hätte ich die beste Bergbegleiterin gefunden!

Bergsteigen: Haidsteig

Am 8. November war ich das letzte Mal hier. Das ist ja eine Ewigkeit. Über ein Monat ist mein letzter Lauf her. Damit hat sich meine Hüfte beruhigt. Also, sie nervt noch immer, aber man kann ja nicht sein Leben lang warten, bis sich etwas von selbst bessert. Kaputt kann ich auch nichts machen, also werde ich mich durchlächeln. Erwähnenswert ist auch, dass ich an einem Samstag unterwegs bin. Der Wetterbericht ist halt extra fein. Dies im Gegensatz zur nächsten Woche. Also, raus aus dem Haus!

Am Parkplatz um 9 Uhr stehen, wie von Gernot präzise prophezeit, keine fünf Autos – gutes Zeichen. Ein älterer Herr startet mit Schneeschuhen und Helm am Rucksack. Mein Rucksack ist mit Grödeln, Steigeisen, Stöcken, etc. gut gefüllt. Schauen ma a mal!

Am Einstieg hole ich meinen Vorgänger ein. Elegant steige ich vorbei und meine, dass dies nun mein Steig ist. Es liegt ein bisserl Schnee, der verdammt gut hält und ein bisserl Eis, das verdammt rutschig ist. Aber 98% sind trocken und so gibt es eigentlich nur feine Bedingungen. Unterhalb der Einmündung des Alten Haidsteigs sehe ich noch einen Kraxler ein Stück ober mir. Schön bunt und gut abgestützt auf allen Vieren. Ui, ist dort, wo das Seil fehlt, Bedarf für Grödel? Ich schließe auf und überhole. Den Mann treffe ich beim Abstieg nochmals. Da erklärt er mir, dass er Touren immer von einer Website runterlädt und dann nachgeht. Er ist derart schon einige Klettersteige gegangen. Welche? Na, daran kann er sich nicht erinnern. Aber er ist top ausgerüstet. Wochenende? Egal, passt schon.

Bei der Madonna raste ich ein bisserl. Long time no see, liebe Ulli!

Am Vortag habe ich noch einen meiner Berichte gelesen und mich erinnert, dass mich die Steigeisen bei meiner letzten Winterbegehung eher genervt haben. So bin ich nun oberhalb der Madonna auch auf allen Vieren. Der Schnee hält, der Fels soundso, aber das Eis nicht. Und das verrät sich manchmal nur als glasklarer Überzug. Vorsicht, keine Eile, hab eh keine Kondi.

Am Plateau meldet sich der Wind. 2h15 habe ich vom Parkplatz herauf gebraucht. Das ist fast eine Stunde mehr als vor zwei oder drei Jahren. Fast doppelt so lange – upps! Ein Teil der Verzögerung lässt sich den Bedingungen zuschreiben. Fix ist, dass ich wieder fit werden will. So geht das jedenfalls nicht weiter.

Die Neue Seehütte ist zu meiner Verwunderung geöffnet. Irgendwie sieht das jetzt wieder professioneller aus. Aber mir ist noch der deutsche und eher bergahnungslose Pächter in Erinnerung, der bei unserem ersten Besuch, Kaffee und Würschtel mit Solarenergie zubereitet hat. Das war ja eher nix. So lasse ich die Hütte links liegen und wähle den Göbl-Kühn-Steig. Der Schnee trägt überraschenderweise gut und so ist das durchaus zu verantworten.

Im Langermanngraben kommen mir Tourenfahrer entgegen – von unten mit den Skiern am Rücken. Sie erklären, dass sie absichtlich bis zum Abbruch abgefahren sin. Aber die Übellaune lässt vermuten, dass das nicht ganz so geplant war. Acht Schwünge, zwanzig Minuten schwitzen. Da wird ein Sessellift plötzlich attraktiv.

Das Waxriegelhaus ist rappelvoll. Martin, der Wirt, setzt mir drei Studenten aus Mannheim an den Tisch. Kein Rucksack, Turnschuhe ohne jedes Profil. Na ja, sie haben eigentlich gar nicht damit gerechnet, dass Schnee liegt. Sie wollten über den Altenbergersteig auf die Heukuppe, aber der Schranken war zu. Und so sind sie aufs Preiner Gscheid. Wie denn die Seehütte so ist? Kulinarisch nicht lohnenswert und mit dem Schuhwerk kaum erreichbar. Ah ja. Ich empfehle den Entenhügel, 100 Meter hinter der Hütte. Der Anstieg ist steil, aber ein Ausrutschen ist im Wald unwahrscheinlich und wenn, nicht so wild. Die Füße sind in den Schuhen sicherlich auch schnell nass. Wenn das alles erträglich ist, können sie ja weiter auf den Waxriegelgrat gehen. Der bringt einen Ausblick. Ob sie derart zum Karl-Ludwig-Haus gelangen? Mit den Schuhen wahrscheinlich nicht und nun ja, das hat geschlossen.

Wenn jemand sagt, dass ich ein Bergfex bin, winke ich stets ab. Jemand, der in Salzburg oder Tirol lebt, und Zeit seines Lebens jede Woche Touren geht, der hat viel Erfahrung. Nicht ich. Aber an Tagen wie heute, oder eben Samstagen, bin ich fast überzeugt, dass ich doch viel Erfahrung habe. Anderseits beneide ich die jungen Leute. Ich erkläre ihnen, dass mit den Schuhen das Absturzrisiko wohl bei zehn Prozent liegt und dass es auf einem steilen Harschdeckel oder Altschnee sehr, sehr wahrscheinlich kein Halten ohne Pickel gibt. Aber ich sage ihnen auch, dass das für sie bedeutet, dass sie es mit 90%iger Wahrscheinlichkeit schaffen würden. Und diese Sicht auf die Dinge lassen einem mit 20 Jahren Risiken eingehen, die Erinnerungen fürs Leben bringen. So wünsche ich ihnen das Allerbeste, viel Spaß in den Bergen und ermahne sie, sich von den Alten nicht einschüchtern zu lassen.

Am Weg nach Griesleiten überlege ich mir dann, welchen Preis mir die Hüfte in Rechnung stellen wird. Aber der ist auch am Sonntag noch erstaunlich tief. Ich muss wieder öfters in die Berge. Das ist meine Erkenntnis der Tour.

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Haidsteig-Königschusswandsteig

Raus aus dem Nebel! Gernot hüstelt, Mio besucht die Staatsmeisterin im Schach und ich führe meine neue Berghose aus. Ab Neunkirchen lacht die Sonne. Was für ein Wahnsinn! Seit mehreren Tagen liegen Wien und auch Breitenfurt unter einer Nebeldecke. Da ist so ein „Vitamin D“-Ausflug immer eine Freude.

Am Vortag habe ich ein eher seltenes, anaerobes Training absolviert. Die Beine schlafen noch, wird schon werden. Auch bin ich spät dran. Niemand wollte so recht aufstehen, nicht einmal Mio. Der Zustieg dauert maximal eine Dreiviertelstunde. Diese Dreiviertelstunde erinnert mich so sehr an die Zeit in meiner Kindheit, die ich in Breitenstein am Semmering verbracht habe. Die Nadelbäume, die Blumen.. all das erinnert an die unbeschwerte Zeit, als ich am Semmering durch die Wälder gezogen bin. An einer Stelle hat sich die Sonne so intensiv hingelegt, dass ich die abgefallenen Nadeln riechen kann. Der Geruch hat sich seit Kindheitstagen in mein Gedächtnis eingebrannt. Was für ein Tag!

Vor dem Einstieg hole ich noch fünf Tschechen oder Slowaken ein. Weit unten im Steig sehe ich drei Männer, ein Einzelgänger macht sich bereit. Mann oh, das passt mir nicht. Beim ersten Steigbaum dann noch ein älteres Paar, das beschlossen hat, solange zu warten, bis niemand mehr von oben Steine abwerfen kann. Also, vorbei am Einzelgänger, am älteren Paar und in der ersten Querung noch an den drei Männern. Das Handy und die depperten Fotos müssen bei den drei lauten Herren im besten Alter herhalten, warum da heute nichts weitergeht. Ich kraxle schnell weiter, will ja niemanden unter mir durch ein Hoppala eines losgetreten Steins gefährden. Das bringt meinen Puls gar hoch. Das war eigentlich nicht der Plan nach dem gestrigen Training.

Bei der Madonna sitzt auch ein Paar. Da ist heute etwas los, das nächste Mal wieder früher. Wir plaudern, besprechen den Königschusswandsteig und wundern uns, dass ich mir heute gar nicht frei nehmen musste. Die beiden sind in Dreiviertelhose und T-Shirt. Aber meine neue Mammut Courmayeur Hose ist eine echte Empfehlung. Sie ist zwar schwarz und lange, aber ich komme trotzdem nicht darin vor Hitze um. Die ist echt eine Empfehlung. So eine gelungene Berghose hatte ich noch nie!

Schon höre ich die drei aufgeregt lauten Nachsteiger im Großen Kessel unter der Madonna. Also weiter! Am Plateau merke ich, dass ich richtig müde bin. Das Preinerwandkreuz ist aber Pflicht. Der Abstieg zum Königschusswandsteig ist dann schon ein bisserl taumelig. Ich stärke mich beim Einstieg. Die Sonne brennt runter, sodass man eher auf April tippen würde. Edel!

Dann geht es langsam in den Steig. Irgendetwas hat es, die Arme sind ganz schwach. Da bedarf es einiges an Erfahrung, dass ich im Steig möglichst viel mit den Beinen und möglichst wenig mit den Armen mache. Das geht meist gut, und manchmal muss ich dann doch kräftig ziehen. Erschöpfung meldet sich. Aber ich bin vorbereitet und steige gemächlich weiter. Das Fenster im oberen Viertel ist zum Glück wieder trocken. Ich schieße Fotos, ehe ich aufs Plateau steige.

Jetzt noch den Holzknechtsteig runter. Dieser Steig ist eigentlich wirklich übel, aber er fasziniert mich auch. Der ändert sich fast von Mal zu Mal. Also, Regen und Geröll verändern den Verlauf. Das lässt mich jedes Mal staunen. Nun hat sich gar jemand die Mühe gemacht, gelbe Punkte auf scheinbar fixen Felsen anzubringen. Auch Eisenstangen sind eingeschlagen. Schauen ma a mal, wie lange die den Weg zeigen werden.

Im Wald ist heute nicht an Laufen zu denken. Die Beine erinnern eher an Pinocchio. Aber auch gemächlich erreicht man sein Ziel. Beim Spar in Reichenau gibt es noch die traditionelle Käseleberkäsesemmel mit allem. Kurz habe ich wegen der Diätologin überlegt, mich aber dann doch für das fette Gift entschieden. Belohnt wurde ich mit der Überraschung, dass die Leberkäsesemmel mit 1,30 Euro in Aktion ist. Angesichts der aktuellen Inflation hätte ich auch 3,70 akzeptiert. Egal, so schmeckt sie noch besser. Der Kaffee dazu ist allerdings nur etwas für Gourmets, wie ich einer bin.

Ab Gloggnitz hat mich der Nebel wieder. Es dämmert schlagartig, oder vielleicht wurde es hier den ganzen Tag gar nicht so richtig hell.

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