Hawaii – Sommer 2023


Zu den Fotos


Der Urlaub wird spannend werden. Da steht so einiges am Programm. Jasmin hat ein Jahr in Kanada verbracht. Lydia hat sie am 30. Juni in Vancouver abgeholt und ist vierzehn Tage mit ihr durch Kanada. Die beiden werden am selben Abend wie wir auf Maui landen. Am 15. Juli starten auch Carina, Renate und ich von Wien aus. So treffen Carina und ich Jasmin wieder erstmals nach einem Jahr. Renate und Jasmin lernen sich überhaupt am anderen Ende der Welt kennen.

Maui

Der Flug ist recht erträglich, auch wenn Austrian bei der Zuteilung der Sitzplätze patzt. Wir haben für fußfreie Plätze bezahlt, sitzen aber trotzdem mitten drinnen. Aber das geht erstaunlich gut. Auch ist Westen als Flugrichtung von der Belastung durch die Zeitverschiebung angenehmer als ein Flug Richtung Osten. Der Tag dehnt sich einfach nur sehr. So sitzen Renate und ich also etwas müde am späten Abend am Flughafen Kahului auf Maui und schauen aufs Handy. Nichts tut sich am kleinen Flughafen. Die Rolltreppe, die Jasmin eigentlich runterkommen sollte, steht still. Und plötzlich spricht uns da eine junge Dame an. Sie lacht, wir schauen verdutzt. Ja, das ist sie ja, unsere Jasmin. Ein freudiges Wiedersehen und erstes, persönliches Kennenlernen am Ende eines langen Tages am anderen Ende der Welt. So kann Familie sein!

Wir holen unser riesiges Auto bei Sixt ab, rollen noch ins AC Hotel by Marriott in Wailea und holen mal Schlaf nach. Das Frühstück bietet Avocado-Toasts, der Urlaub ist wohl gerettet. Das Hotel liegt nicht am Strand. In Hawaii sind die Preise auf einem anderen Level. Da sind Schweiz und Norwegen günstig und so reicht unser selbst gegebenes Budget eben nur für die zweite Reihe. Aber auch hier lässt es sich leben.

In Wailea ist alles sehr gepflegt. Der Golfplatz ist gediegen und kaum bespielt. Im kleinen Einkaufszentrum reihen sich die Stores von Louis Vuitton, Prada, etc., aneinander.

Am ersten Tag fahren wir die Küste im Norden entlang, bestaunen Blow Holes und schwimmen in natürlichen Pools am Meer. Den Abend lassen wir in Lahaina ausklingen. Unter dem Baum, der nach den verheerenden Bränden traurige Berühmtheit erlangen wird, essen wir ein Eis nicht ahnend, dass die kleine Stadt nur noch ein paar Wochen hat.

Am nächsten Tag geht es auf den Haleakalā, den höchsten Berg auf Maui. Wir wollen den Sonnenaufgang sehen. Lydia hat reserviert und gebucht. Auch die Natur ist auf Hawaii eben gut organisiert. Wir starten gegen vier Uhr und schrauben uns in endlosen Serpentinen in eine Höhe von 3.055 Meter. Oben ist es kalt, starker Wind weht und wir sind fast die letzten, die noch rechtzeitig zum Sonnenaufgang eintreffen. Der Sonnenaufgang ist schön, aber irgendwie auch nur ein Sonnenaufgang im Beisein vieler anderer Touristen. Wir frieren. Carina kämpft mit der Zeitverschiebung, ihr Magen rebelliert. Da tun die endlosen Kurven auch nicht gut. Aber sie ist tapfer und schafft alle Kurven wieder runter. Erst am Heimweg eskaliert die Situation dann richtig. Renate lenkt das Auto in der linken Fahrspur und Carina sitzt am Beifahrersitz.

Carina: „Schnell, fahr rechts ran!“.
Renate: „Das geht nicht, der lässt mich nicht rüber!“
Carina reißt das Fenster auf und wirft dem ungewöhnlich sturen Ami ihr Frühstück mit einem „Nimm‘ das!“ entgegen. Der wird wohl seine Lektion gelernt haben, dass man spurwechselwillige Europäer nicht behindern sollte!

Und weil Kurven so lustig sind, geben wir uns am nächsten Tag noch die Road to Hana. Das ist angeblich eine der schönsten Straßen der Welt. Sie führt ins Nirgendwo zu seltsamen Menschen, die irgendwann wohl zum Surfen hierhergekommen und hängengeblieben sind. Nun nerven sie sich über die endlosen Kolonnen an Touristen. Am Ende der Straße gibt es nicht viel. Ein Food Truck hat sich und seine Zelte aufgestellt. Die Familie grillt und verkauft ihre Chicken und Ribs. Bargeldloses Zahlen geht nicht, Cash haben wir nicht. Aufgeregt und amüsiert werden unsere Euros akzeptiert. Nein, solche Scheine haben sie noch nicht gesehen. Google hilft bei der Umrechnung, denn Mom weiß den Umrechnungskurs, aber die Tochter multipliziert den Dollarbetrag mit 1,12 statt ihn zu dividieren. Das wäre bei den Mondpreisen auch egal, aber Ordnung muss sein.

Am Rückweg halten wir noch in Hoʻokipa am Wellenreiter- und Surferstrand. Robby Naish ist nicht da. Vielleicht liegt es an den fehlenden Wellen. Als ich das letzte Mal vor 30 Jahren hier waren, gab es riesige Wellen, aber heute ist Family Day und so dürfen die Kleinen auch mal raus aufs Wasser. Die Hauptattraktion sind diesmal die Schildkröten, die sich hier in der Sonne den Panzer wärmen.

Hawaii – The Big Island

Unser nächster Stopp ist The Big Island. Wir landen in Kona und bekommen ein noch größeres Auto. Der GMC Yukon Denali bietet drei Sitzreihen und einen riesigen Kofferraum. Auch wenn es ungewohnt ist, man fühlt sich sehr unverletzbar in diesem rollenden Panzer. Möge sich uns niemand in den Weg stellen! Renate wirkt etwas verloren am riesigen Fahrersitz, steuert aber souverän. Wir sind in Kona in einem Strandhaus untergebracht. Das ist recht edel und man schläft so gut bei den Wellen.

Hilo steht am Programm. Das war schon 1995(?) weit hinten und hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht recht weiter entwickelt. Wir lunchen, besuchen zwei Wasserfälle, die nur gegen Gebühr aus großer Distanz bestaunt werden dürfen und spazieren noch ein bisserl entlang der wilden Küste. Letzteres ist wohl das Highlight. Carina und ich haben Boogie Boards mit. Die tragen wir aber nur spazieren. Wir wollen beide nicht an die Felswände geklatscht werden. So reicht uns das Betrachten der wilden Szenerie.

Am nächsten Tag wollen wir auf den Mauna Kea. Der ist mit 4.205 Meter richtig hoch. Leider aber auch zu hoch für unseren Kleinlaster. Man braucht unbedingt Allrad und einen halb vollen Tank. Darüber wacht ein Ranger und der ist ebenso freundlich wie unerbittlich. Auf 3.000 Meter ist beim Besucherzentrum Schluss. Lydia und Jasmin kommen am letzten Tag mit einem geliehenen Allrad zurück und „erledigen“ damit den höchsten Berg der Erde. Dazu muss man den Teil des Berges unter der Meeresoberfläche einbeziehen. Denn dann ist der Berg gewaltige 10.203 Meter hoch.

Beim Baden im Meer touchiere ich nicht nur zuhauf Lava-Felsen, sondern kicke auch wieder einen Seeigel. Der lässt seine Stacheln in meinem Fuß, der sich umgehende schick blau um die abgebrochen Stacheln färbt. Aber mein Körper ist das fast gewöhnt und beginnt am zweiten Tag mit der Verwertung der zugeführten Mineralien. Da schaust aber!

Kauai

Auf Kauai beziehen wir wieder ein Haus in Strandnähe. An das Getöse der Wellen kann man sich gewöhnen. Ich schlafe so tief wie selten.

Ein erster Erkundungsspaziergang führt den Strand entlang. Neben vielen Badegästen liegt auch eine Robbe da. Bei solchen gewaltigen Naturphänomenen stellt sich in den USA gleich mal ein Freiwilliger ab. Der bezieht Posten und hält ahnungslose Zivilisten davon ab, das Tier zu kuscheln oder es gar zu grillen. Ähnliches sehen wir noch bei einem Nachtspaziergang, Eine Freiwillige hat sich mit ausreichend Tee und Wasser („Stay hydrated!“) sowie Campingstuhl und Rotlichtlampe für die Nacht eingerichtet. Sie wird die Schildkröten bewachen und ihnen regelmäßig in die Augen leuchten. Ich überlege, ob die gute Frau früher Krankenschwester war und Menschen mit Gefahr auf Hirnblutung überwacht hat. Aber ich weiß ja nicht einmal, ob Meeresschildkröten einen entsprechenden Pupillenreflex zeigen. Ich habe Fragen. Anderseits ist ihr Dasein mehr als berechtigt. Denn immerhin war ich es, der bei der Annäherung an die Frau und Turtles im schwachen Mondlicht von Stein zu Stein hüpfen wollte. Ein schriller Schrei aus der Finsternis hat mich davon abgehalten, einer Schildkröte ins Kreuz zu springen. Uff, gerade noch gutgegangen.

Kauai ist auch diesmal meine Lieblingsinsel. Sie heißt nicht umsonst „The Garden Isle“. An Polihale kann ich mich erinnern. Aber auch hier ist vieles anders. Die Straße ist zwar noch immer nicht geteert, aber Menschen sind hier. Noch immer nicht viele, aber eben nicht mehr menschenleer. Der schöne Strand zwischen Militärbasis und den steilen Felsen der Napali-Küste ist an diesem Tag so heiß, dass auch ich ihn nicht ohne Schuhe zu begehen vermag. Dafür sind die Wellen so harmlos, dass man schwimmen kann. Wir bleiben nicht lange. Die Mädels würden wohl noch den Tag draußen verbringen und auf den kühleren Teil des Tages hier am Ende der Welt warten.

Lydia hat dankenswerterweise auch Plätze für den Ha’ena Beach Park gebucht. Dort startet der 11 Meilen lange Kalalau Trail, dessen Anfang wir wandern wollen. Wir erreichen den
Hanakāpī‘Ai Strand, der selbst schon beeindruckend ist und wandern weiter zum gleichnamigen Wasserfall. Das ist alles in allem recht weit, aber auf jedem Fall lohnend. Das Bad unter dem von weit oben in die Tiefe stürzenden Wasser ist schon was. Ja, das macht Spaß. Der Weg zurück ist dann den einen doch schon ein bisserl lang, während es Renate ein bisserl Auslauf beschert. Am Abend dann noch ein Abstecher zur berühmten Buch von Hanalei. Alles gut!

Ein wilder Tag steht noch an. Während sich die Mädels in einem Motorboot entlang der Napali Coast von Wellen weichklopfen lassen, geben sich Renate und ich 22 Kilometer Trail weit oberhalb der Napali Coast. Die Mädels berichten von Schnorcheln, beeindruckenden Höhlenfahrten und freundlichen Delfinen. Wir gönnen uns zuerst den Awa’awapuhi Trail und danach noch den Nu’alolo Trail. Renate lässt sich nicht abschütteln. Die Ausblicke und die Kulisse entlang dieser Küste kann man ruhigen Gewissens als atemberaubend und „awesome“ bezeichnen. Wenige Amis gehen so weit und so gehört uns das Naturschauspiel fast alleine. Dazu muss man halt die Hubschrauber, die kühn zwischen den Klippen ihre Flugmanöver absolvieren, als Teil der Natur sehen. Egal, müde sind wir am Abend jedenfalls beide.

Oahu

Der letzte Stopp ist auf Oahu. Oahu ist die größte Insel, die Autobahn hat viele Spuren, Hochhäuser prägen das Strandbild in Honolulu. Bei unserem Start verstehe ich das Navi nicht und wir stürmen Pearl Habour. Der nette junge Mann mit Maschinengewehr nimmt mir den Ausweis ab und gibt ihn erst wieder zurück, sobald sicher ist, dass ich mit unserem Leihauto nicht mehr in sein Revier zurück kann. Er will wohl ausschließen, dass ich mich kamikazeartig auf eine Fregatte oder zumindest Frikadelle oder so stürze. Mir soll es recht sein.

Wir haben uns im Turtle Bay Resort einquartiert und sind alles in allem autofaul geworden. So bleiben wir im Ressort. Die Preise haben hier ein Niveau erreicht, dass es gar nicht mehr leicht zu packen ist. Einen Salat gibt es ab 25 USD, Steak und Fisch dann ab 60 USD, gerne aber auch ab 100 USD. Wer das Besondere liebt, kann auch 155 USD für eine Fischsuppe oder 160 USD für ein ausgewähltes Steak spendieren. Das Restaurant wird als elegant beworben. Beim ersten Mal ziehe ich gar eine lange Hose an und fühle mich unsicher, weil ich kein Hemd mithabe. Tja, und dann sitze ich als einziger in langer Hose da. Ein langärmliges Hemd gilt hier wohl als schrullige Tracht der Italiener. Die engstehenden Tische sind mit Bermuda- und Baseballkappenträger besetzt. Die Kellner haben sicherlich auch irgendeinen Beruf gelernt.

Wir sind im fünften Stock und blicken auf die Turtle Bay – das passt. Der Mond ist fast voll und strahlt den weißen Strand an. Wir spazieren weit am späten Abend vom Hotel weg. Keine dekadenten Amis weit und breit, keine Volunteers, die Tiere beschützen, die wahrscheinlich besser ohne sie auskommen würden. Da zeigt sich Hawaii zum Abschied in der Keiki Bay nochmals von seiner schönsten Seite. So soll es sein und so soll es in Erinnerung bleiben.

Resümee

Vor mehr als 25 Jahren war ich schon einmal auf diesen vier Inseln. Mir hat es auch diesmal wieder gut gefallen. Viel ist noch stärker kommerzialisiert. Häufig trifft man auf eine Kultur, die uns doch sehr fremd ist. Kulinarisch ist Hawaii Ödland. Entweder man ernährt sich an Food Trucks oder man speist in teuren Restaurants, die gut aber bar fast jeder Esskultur sind.

Wer sucht, findet nach wie vor unberührte, atemraubende Natur. Ein drittes Mal Hawaii wird knapp werden. Ich denke, es gibt noch ganz viel auf diesem Planeten zu sehen.

Haidsteig-Königschusswandsteig

Die Hitzeschlacht gebe ich mir heute alleine. Obwohl, der Parkplatz ist schon vor neun gut gefüllt. Eine Mom cremet ihre aufgeregten aber widerspenstigen Kinder ein. Die Helme lassen auf den Haidsteig schließen. Na, hoffentlich denkt sie daran, dass Sonnenöl den Grip am Seil reduziert. Alles nicht mein Thema. Ich zische los. Alles ohne sonderliche Vorkommnisse. Es sind ein paar Leute im Steig. Ich habe Auslauf – juchhu! Kurzer Stopp, wie üblich bei der Schwarzen Madonna. Jemand stellt immer wieder eine Kerze her. Aha!

Ich habe neue Zustiegsschuhe gekauft und die sind wirklich ein Hammer. Sie sind von Salewa und halten am Fels, dass es eine Freude ist. So etwas hatte ich bislang noch nicht. Sehr fein!

Weiter zum Preinerwandkreuz und dann in den Holzknechtsteig. Mir kommt ein Mann entgegen. Ich frage, wie er zu der Genusstour kommt. Er wollte den Haidsteig gehen, hat sich aber kurz nach dem Auto den Nerv eingeklemmt und geht nun „aufrecht“ den Holzknechtsteig. Interessantes Vorgehen, um seinen Körper für Dysfunktion abzustrafen. Nein, sein Freund ist den Steig gegangen und sie wollen sich oben treffen. Okay, jedem Tierchen sein Plaisierchen! Wir plaudern und ich werde gegen seinen anfänglichen Widerstand eine meiner Schmerztabletten los. Die ist sicher schon gut abgelaufen.

Diesmal erwische ich den Wechsel zum Königschusswandsteig überraschend gut. Auch wenn ich ihn schon so oft gegangen bin, ist es fast jedes Mal anders. Im Steig überhole ich unter dem Felsfenster ein Paar. Viel Sauerstoff ist nicht mehr im Hirn. Ein freundliches Grüßen und ein bisserl „Geht’s gut?“ und „Schönen Tag noch“. Das war’s. Als ich dann oberhalb des engen Kamins zurückschaue, meine ich, dass mir meine Wahrnehmung einen Streich spielt. Das letzte Foto in der Galerie sollte das Phänomen erklären. Ich warte auf die Nachkletterin und erkenne, dass sie ganz anders als Ulli aussieht. Am Ausstieg bin ich wieder ein bisserl bei Sinnen und erkläre, dass ich für gewöhnlich nicht fremde Leute ohne Erlaubnis fotografiere und warum das Hier und Jetzt eine Ausnahme war. Die beiden sind verständnisvoll und freuen sich gar über das Foto. Sachen gibt’s!

Runter geht es dann den vollständigen Holzknechtsteig. Wieder kommen mir zwei junge Genießerinnen entgegen. Nein, so etwas haben sie nicht erwartet. Aber was soll’s? Kurz, ich kann niemanden den Holzknechtsteig im Aufstieg empfehlen, schon gar nicht, wenn die Sonne runterbrennt! Im Abstieg ist er eine Abkürzung, aber selbst da überaus entbehrlich.

Bergab sind die neuen Schuhe dann nicht so fein, weil sie eher für den Klettersteig gemacht sind und entsprechend eng anliegen. Da schieben die Zehen an der Oberseite schon heftig gegen den Schuh.

Recht fertig, aber zufrieden komme ich wieder beim Auto an. Alles gut, feiner Tag!

Die Tour auf garmin.com

Nandlgrat-Fischerhütte-Fadensteig

So, da stehen wir wieder und wollen rauf. Das Knie ist fit. Der Wetterbericht verspricht Hitze, und so starten wir nicht allzu spät. Mio legt sich schon früh das erste Mal hin. Er sucht den Schatten. Die Temperaturen schaffen ihn, das ist offensichtlich. Aber wir kommen gut voran. Abgelenkt durch hitzige Diskussionen übers Leben und was alles sonst eigentlich gar nicht so wichtig ist, erreichen wir die Bürklehütte und auch bald die Rieshütte. Selbst, als wir unseren persönlichen Nandlgrat-Rekord aufstellen, merken wir noch nicht, dass es doch ordentlich heiß ist. Ab nun geht es steiler bergauf. Mio klettert wie eine Bergziege, eine schnaufende Bergziege, aber immerhin wie eine Bergziege, die wahrlich keine Hilfe braucht. Diesmal haben wir eine Wasserflasche für ihn dabei, die er auch rasch leert. Nur verwendet er die aufgenommene Flüssigkeit nicht, um seinen Flüssigkeitsverlust durchs Schwitzen auszugleichen, sondern um wieder hingebungsvoll zu markieren. Okay, Hunde schwitzen nur ein bisserl an den Pfoten und da nicht zum Zwecke der Kühlung, sondern um Duftspuren zu hinterlassen. Aber das ich das Wasser schleppe, damit er pinkeln kann – hmm?

Der Nandlsteig hat schon eine Länge, die man nicht unterschätzen mag. Wer ihn schon ein paar Mal gegangen ist, weiß das. Trotzdem denke ich mir zumindest einmal: „Mah, ist der wieder zach!“.

Auf der Fischerhütte ist einiges los. Die Zahnradbahn schafft verlässlich Kundschaft heran. Der liebe Herrgott hat einen großen Zoo! Zwei junge Frauen sind bloßfüßig da. Ich beschließe, mir nie wieder Gedanken zu machen, ob Mio aufgrund der spitzen Steine leidet. In der Hütte legt eine der beiden Frauen Socken an. Hier bekommt sie kalte Füße. Ah ja, ich muss wirklich nicht alles verstehen.

Nach der Stärkung geht es noch auf den Kaiserstein, Ingress will auch erledigt sein. Mio meint, dass er Spuren direkt über die Kante in die Breite Ries folgen muss. Erstmals zweifelt Renate, ob denn Mio schlau genug ist, dass er da nicht runterklettert. Mio kommt an die Leine, und es geht Richtung Fadensteig. Im Fadensteig merkt man zumindest Mio die Müdigkeit an. Auch Renates Knie meint, dass für heute kaum noch Lustgewinn zu machen ist. Meine Hüfte findet Sessellift fahren ebenfalls lustiger. Ich hätte zumindest noch den Antrieb, dass die Hüfte eh bald ausgetauscht wird.

Bergab heben wir Mio zwei- oder dreimal über kleinere Felsstufen. Es ist halt leichter und ungefährlicher, nach oben als nach unten zu springen. Das sollte nachvollziehbar sein.

Im Abstieg sehen wir mehrfach Schilder, die auf den Fadensteiglauf am 13. August aufmerksam machen. Ein paar Trainierende kommen uns entgegen. Eine Stunde zwanzig nehmen sich die jungen Leute vor. Der Sieger braucht übrigens knapp unter 50 Minuten von der Talstation Sessellift Losenheim zur Fischerhütte. Die Unersättlichen laufen den „Flotten Dreier“ – dreimal rauf, zweimal runter!

Wir nehmen den Sessellift. Das geht auch schnell und Mio hat sich gar schon daran gewöhnt.

Nandlgrat geschafft – tadellos!

Die Tour auf garmin.com

Deneck (2.433m)

Wir haben uns ins Hotel Schloss Pichlarn verfügt. Was staune ich über die fünf Sterne! Gediegen ist es da. Man möchte gleich ein Monat oder zwei hier verbringen. Begeistert jagen Menschen mit ihren Schlägern kleine, weiße Bälle über die weiten Rasenflächen. Golfen geht aber im Moment nicht. Das gehe ich dann als Mensch mit voll flexibler Hüfte an. Renate ist dann auch wieder fit. Also, rauf auf den Sölkpass und von dort aufs Deneck. Gernot verweilt auf der anderen Seite der Alpen und ist spontan zu begeistern. Also, um neun in der Kaltenbachkehre der Straße auf den Sölkpass.

Drei Seen, der Untere, der Mittlere und der Obere Kaltenbachsee warten. Mio sollte ausreichend Wasser finden. Das Wetter ist nicht sonderlich stabil, aber wird halten. Wir starten. Der Aufstieg ist eine feine Bergwanderung und landschaftlich überaus reizvoll. Wir wandern, scherzen, weichen in gewohnter Weise den Kühen aus. Kurz, wir machen Höhenmeter. Der Gipfelaufbau des Deneck ist recht steil und schließt den Anstieg würdig ab. Am Gipfel zieht Nebel herum, wir machen Fotos und haben eine gute Zeit in den Bergen.

Der geplante Abstieg sieht die Überschreitung des Nagelecks vor. Aber darauf hat niemand so recht Lust. Regentropfen genügen als Ausrede, um uns zu überzeugen, dass der Abstieg über die Etrachböden auch genug ist. Auf der Kaltenbachalm gibt es noch Essen, das einer Alm würdig ist, aber jedem Internisten die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Als einer, der es wirklich wissen will, gönne ich mir noch einen frisch gemachten Bauernkrapfen. Entsprechend schlecht ist mir. Aber satt bin ich auch – hmm? Derart gestärkt ziehen wir uns wieder in unsere Täler zurück. Gernot zieht es in den Süden und uns ins Schlosshotel im Norden.

Landschaftlich feine und abwechslungsreiche Tour. Schwierigkeiten gibt es keine, solange kein Schnee liegt und das Wetter passt. Alles gut!

Die Tour auf garmin.com

Hohe Veitsch

Meine Planungsplattform, alpenvereinaktiv.com, liefert manchmal Ergebnisse der seltsamen Art. Recht spontan entscheiden wir uns für eine Runde auf die Hohe Veitsch. Den Wetterbericht hat Renate gecheckt und sie meint, dass es besser wird, als erwartet. Okay, da nehme ich nur kurze Sachen und Regengewand mit. Letzteres aus Prinzip, und das ist gut so. Dazu später.

Renates Schulter lässt weiterhin nur ambitionierte Wanderungen zu. So stehen wir beim Gasthof Scheikl und wollen los. Nur dort, wo laut Handy ein Weg oder Steig sein sollte, ist nichts. Mio muss an die Leine, weil da wieder einmal Kühe rumstehen und naturgemäß blöd schauen. Der geplante Track führt gerade nach oben. Da kann man nicht viel falsch machen. So steigen wir steiglos und steil Wiesen hinauf. Und weil niemand steil bergauf über einen Zaun mit Stacheldraht springen will, wechseln wir auf eine Lifttrasse. Jö, die ist schön zu gehen – so steil, so endlos! Schon bald höre ich wie sich in meinem kleinen Team Widerstand aufbaut. Mio ist es zu heiß und an der Leine zu fad. Nicht einmal Renate kann ich von der Sicht aufs Positive überzeugen. Immerhin lenkt einen nichts ab. Es geht einfach steil bergauf. Keine Fauna, keine besondere Flora, kein Blick übers Land, nur die lange Spur nach oben. So viel Fokus hat man selten. Man ist mit sich selbst und der Frage: „Warum der Scheiß?“ ganz allein. Auch lässt sich die Frage leicht beantworten, ob dem Bergsteigen hedonistische Züge innewohnen. Leider ist aber diese Strecke auch bald vorbei. Bei Renate muss sie eine Katharsis ausgelöst haben. Sie erwägt tatsächlich, weiter direkt zum Bergkamm aufzusteigen. Ist das eine Falle oder Unterzuckerung? Oder gar Sarkasmus? Sie erwägt es tatsächlich, aber ich verweigere strikt. Wir wollen ja gemeinsam im Auto heimfahren.

So wählen wir den vorgesehenen Goassteig, weichen dabei Kühen in Muttertierhaltung – wer hat sich übrigens das einfallen lassen? – aus und werden auch einmal ein bisserl vom Regen gewaschen. Von Schauern habe ich nichts gehört. Was soll’s? Wir gelangen aufs Plateau, wo die Wolken allmählich zu Nebel werden. Der Wind und leichter Niesel lassen meine kurzen Hosen und das T-Shirt komisch erscheinen. Mio erfreut sich letzter Schneefelder. Meine Hände haben mittlerweile eine ähnliche Farbe wie diese Felder. In mir formuliert sich eine Regel: „Den Wetterbericht glaubst du nur, wenn du ihn selbst gelesen hast.“. Bald habe ich die Notfallsausrüstung an. Mio und Renate verschwinden im Nebel. Die nächste Steigerung zur Wahrung des thermischen Wohlbefindens wäre es, in den Biwaksack zu schlüpfen, aber damit warte ich noch. Ich hole auf und wir erreichen das Gipfelkreuz. Es wartet ein kurzer Abstieg zum Graf-Meran-Haus, aber der hat es in sich.

Kuhglocken hallen durch den Nebel. Ach, was gehen mir diese Rindsviecher auf die Nerven. Wir weichen in steiles, nasses und entsprechend rutschiges Gelände aus. Plötzlich höre ich einen Schrei, Renate stürzt ab, bringt sich instinktiv in eine tadellose Langsitzhaltung und bremst den freien Fall auch schon wieder nach einem halben Meter. Ob was passiert ist? „Popschi nass!“ und ohne zeitliche Verzögerung „Ich muss mir die Hose umziehen!“. Da wundert sich der Bergfex in mir. Immerhin weht eine steife Brise aus Nordwest und der Nebel kommt recht feucht daher. Aber da steht Renate schon befreit von ihrer Hose. Ob das der richtige Ort für so eine Umziehaktion ist? Immerhin sind es maximal noch 250 Meter zur Hütte und die Kühe, soweit im Nebel erkennbar, schauen noch blöder als sonst. Ich kann mit Mio schon beruhigt vorgehen. Verwundert nehme ich das Angebot an und steige ab. Da höre ich von hinten noch durch den Wind, ob man die Regenhose ganz aufmachen kann. Ja, kann man. Der Nebel hebt sich und ich sehe eine Gruppe Bergsteiger mit Hund aufsteigen. Mann oh, die treiben die Kühe von links zu uns. Nach rechts ausweichen geht nicht, denn da sind Gämsen. Ober mir sehe ich Renate, die mit der Regenhose in Händen aber nicht an den Beinen kämpft. Was mögen nur die aufsteigenden Wanderer denken?

Mio und ich navigieren ruhig aber stark abgelenkt durch diese animalischen Gefahren. Ich drehe mich immer wieder um. Da steht meine Renate noch immer ohne Hosen. Komisch! Wir warten in der Nähe der Hütte. In einer Windpause höre ich etwas. Ruft oder flucht da Renate? Soll ich wieder aufsteigen? Kurz geben die Nebelfetzen einen Blick frei. Ah, tadellos gekleidet macht sie sich langsam an den Abstieg. Mir wird kalt und ich gehe zur Hütte vor. Aber der Wurm ist drin. Mio bekommt es als erster ab. Er streift mit seinem Schwanz den elektrischen Zaun. Er schreit auf und versteht nicht, wie ihm geschieht. Mir geht es ähnlich, als Renate wieder da ist. Halt, nicht ganz so schlimm! Renate prüft und meint, die Hütte hat zu. Schweigend und mit gesenktem Haupt stehen wir hinter Renate. Zweifel an der Aussage getrauen wir uns nicht anzubringen. Wir umrunden die Hütte, drinnen sitzen Leute. Ich gehe vor und probiere es an der Tür. Ist ja eh offen, aber jetzt ist Renate weg. Mann oh, das läuft ganz schlecht. Mio muss nochmal am Zaun vorbei und eine Runde um die Hütte drehen. Er fürchtet sich und ist dabei nicht ganz alleine. Ah, da ist sie ja!

Irgendwie geht es bekanntlich immer weiter und so sitzen wir ein paar Minuten später bei einer dürftigen Speisekarte im Gastraum. Aber die kalorische Versorgung zeigt Wirkung. Wetter und Stimmung hellen auf. Kulinarisch war es die Hütte nicht wert, aber zumindest mit Kalorien im Bauch und aufgewärmt starten wir den Abstieg. Irgendwer muss meine Trinkflasche nicht richtig zugeschraubt haben. Der Rucksack ist voll Wasser, das langsam, sehr langsam heraustropft. So habe ich während dem Abstieg einen konstant nassen Hintern. Ausgleichende Gerechtigkeit? Man weiß es nicht. Ach ja, wir weichen Kühen in Muttertierhaltung – langsam krieg‘ ich einen Grant – aus und landen auf einer Lifttrasse. Bergab sind diese übrigens auch nicht viel besser als bergauf.

Alles in allem eine kurzweilige Tour, wie man sie nicht unbedingt wiederholen muss. Trotzdem aber auch nicht wirklich übel. Eine Sitzheizung ist übrigens mitunter eine wahrlich feine Sonderausstattung!

Die Tour auf Garmin

Blarergraben – Windberg – Lohmgraben

Wir brauchen eine Wanderung ohne Hände, sagt Renates Schulter. Das ist gut so, denn da kann Mio mit. Und Gernot ist auch dabei. Es geht nach Altenberg und von dort den Blarergraben hinauf. Aber schon bald zeigt sich, dass das für einen hier anstrengend werden wird. Der arme Mio kann nicht schwitzen. Das können und tun wir, aber er kann nur hecheln. Bald legt er sich im Wald nieder. Uje, wir haben noch nicht einmal ein Drittel.

Beim Aufstieg durch den Blarergraben bewundern Gernot und ich uns gegenseitig. Dass man hier mit Skiern abfahren kann. Auch Renate entfleucht gelegentlich ein der Höflichkeit geschuldetes: „Nein, wirklich!“.

Mio macht uns Sorgen. Gernot ringt mit seiner Contenance, habe ich doch Mios Trinkflasche vergessen. Schnell ist ein Blatt gefaltet und Mio schlempert fröhlich einen halben Liter weg. Vor dem Ausstieg aufs Plateau wartet dann noch Schnee. Den Hund haben wir oben, das ist fix.

Wir wandern über die Hochfläche Richtung Windberg. Mio lockt die Kühe an, was wiederum Gernot verjagt. Es ist gar nicht so leicht, die Herde beisammenzuhalten. Am Gipfel des Windbergs warten schon andere zehn bis fünfzehn Rindviecher. Da ist heute was los. Eigentlich sind Zwei- und Vierbeiner recht gelassen. Aber Mio traut sich nicht vorbei und fängt zu bellen an. Jetzt kommt Bewegung in die Szene. Renate steht beim Gipfelkreuz, ich schreie die Rinder an, um einen Korridor für Mio zu schaffen. Nur, so richtig gut ist die Idee nicht. So wird das nichts. Die Kühe springen prompt auf, aber starten Richtung Mio, der sich in die Felsen verdrückt. Gernot macht sich auf den Weg, um Mio weit umzuleiten, aber der bellt weiter und will es wissen. Er versucht, die Rinder in die Felsen zu locken, vielleicht um sie von uns abzulenken. Schlauer Kerl. Die Situation deeskaliert letztlich durch Gernots Rufe aus sicherer Entfernung, Mio stürmt in großem Bogen in Sicherheit, ich folge hüftbedingt deutlich langsamer quer durch die Herde, die Kühe kennen sich gar nicht mehr aus und Renate steht weiterhin am Gipfel. So weit der Überblick.

Irgendwann ist das Katz-und-Maus-Spiel mit Rind und Hund allen fad. Aber Mio entdeckt neue tierische Herausforderungen. Die Murmelpfiffe erwecken seine Aufmerksamkeit. Murmel sind auch eher seine Gewichtsklasse und so stürmt er ihnen nach. Er folgt ihnen gar ihn ihre Höhle. Aber so schnell wie er rein ist, hüpft er wieder raus – und hinkt. Uh, da hat ihn wohl jemand in die Pfote gezwickt. Was für ein Tag, läuft nicht! Also, der Hund schon bald wieder.

Der Pausenbedarf steigt bei allen an, und wir zur Michelbauerhütte ab. Es wartet wirklich gutes Hüttenessen. Nach Kuchen und Kaffee geht es noch einmal an der angriffslustigen Kuhherde vorbei Richtung Lohmgraben. Der Abstieg führt an mumifizierten Gamsteilen vorbei. Mio erkennt darin seine geliebte Rinderkopfhaut, darf aber nicht an die gut abgelegte Gams ran. Vielleicht ist das der Grund, dass er irgendwann nicht mehr weiter will. Er sagt ja nichts! Hat er genug vom Bergsteigen? Tun die Pfoten weh? Ist es zu heiß? Trotzt er wegen der versagten Gams? Man weiß es nichts. Mit den letzten Leckerlis schaffen wir es noch zum Auto. Dort werden die Pfoten gut gekühlt, ehe den armen Hund der Tiefschlaf im Auto übermannt. Oha!

Die Tour auf garmin.com

Rom


Fotos gibt es hier


Vor sechs Uhr starten wir an diesem Dienstag Richtung Flughafen. Und siehe da, es sind auch schon andere Menschen munter. Am Flughafen erfreue ich andere (Viel-)Flieger damit, dass mein am Vorabend gekauftes Ticket nicht reicht, um in das vorgesehene Parkhaus eingelassen zu werden. So schiebe ich und eine ganze Schlange hinter mir im Retourgang wieder aus der Garageneinfahrt. Ich meine, viele wenig wohlwollende Wünsche für unsere Reise zu vernehmen. Verständnis und fehlendes Unrechtsverständnis bei mir vermengen sich in mir. So kann es losgehen.

In Rom am Flughafen wartet schon ein Marinegeneral ganz in Weiß – aber leider halt nicht auf uns. Die schneeweiße Uniform ist um diese Uhrzeit schön anzusehen. Wer jetzt vermutet, dass ich mich mit dem ersten italienischen Espresso noch am Flughafen angepatzt habe, irrt. Alles läuft gut.

Auch das gebuchte Hotel Monastero dei Santi ist ein Volltreffer. Fünf oder sieben Zimmer – da sind sich das Internet und Giovanni vom Empfang nicht so einig. Klein ist das Hotel, dafür sind die Zimmer bzw. Suiten richtig groß. Wir brauchen mal ein Frühstück. Wir sind verwirrt, da Giovanni uns die Speisekarte per WhatsApp reicht und meint, dass er erst das Check-In abschließt und danach das Frühstück zubereitet. Oha, muss man all das verstehen, wenn man schon so früh auf ist?

Zu Mittag geht es dann den Hügel im Laufschritt hinunter in die Stadt. Der Sommer hat uns fest im Griff und ich bin in langen Hosen leicht angreifbar. Macht nichts, denn die Online-Buchung für eine geführte Tour durch die Sixtinische Kapelle et al. spart uns stundenlanges Warten vor der Kassa. Wir sind eine „Kleingruppe“ mit 25 TeilnehmerInnen. Die italienische Führerin spricht in ein kleines Radiogerät, und das brav folgende Rudel hört über einen Lautsprecher am Ohr zu. Ich leider nur in einer slawischen Sprache. Mein Empfänger wird getauscht, aber was ich jetzt höre, ist auch nicht viel verständlicher. Die gute Frau spricht mit italienischer Sprechgeschwindigkeit Deutsch und verwechselt ständig links und rechts. So versuche ich, einem Redeschwall zu folgen, der in etwa ist wie: „Dann kommene Sie’e zu die große Halle. Dort müssene Sie’e rechtse gehen. Wenn Sie’e linkse gehen, dann sind Sie’e wieder draußen und müssene sich’e wieder die ganze Schlange anstellen. Ah, rechtse meine ich, nicht linkse. Ha ha, alles klaro?“. Ich folge, wenige Minuten den Ausführungen, ehe ich mich auf die Suche nach dem Flecken in der Halle mache, wo das Verhältnis aus Zugluft und Raumtemperatur am erträglichsten ist. In der Ferne sehe und an einem Ohr höre ich, wie die Schnellsprecherin zweihundertachtundsiebzig Skulpturen erklärt und gar eine Wandteppichausstellung androht. Oha, ich hoffe auf die 50%-Chance, sodass ich vorzeitig rausfliege.

So durchstreifen wir das Museum, bestaunen die Sixtinische Kapelle, lesen enttäuscht, dass der Papst seine Audienz in dieser Woche am Petersplatz absagen muss (ist wohl irrtümlich links abgebogen) und erfreuen uns letztlich am beeindruckenden Petersdom. Wow, das nenne ich ein Bauwerk! Okay, katholische Demut und Bescheidenheit spiegelt es nicht wieder. Aber gerade deswegen ist es vielleicht überwältigend.

Wir retten uns ins Arlú. Wunderbares Essen, freundliche Bedienung – Ciao Italia! Okay, wir sollten den Flüssigkeitsbedarf nicht mit Prosecco decken. Ach was, nachher weiß man es besser. Aber da schaukelt uns schon das Taxi ins Kloster. Tag 1 ist damit ein voller Erfolg.

Tag 2 beginnt mit einem italienischen Frühstück auf unserer Terrasse. Der Blick über Rom ist ein Hammer, die vier Stück Kuchen bleiben mir. Denn das kontinentale Frühstück am Vortrag hat die Erwartungen von Renate nicht erfüllen können und so brechen wir zum Eataly auf. Das ist ein riesiges Kaufhaus für Feinkost. Drinnen sind auch ein paar Restaurants, aber keines hat vor zwölf Uhr offen. So hetzt Renate mit leerem Bauch und dem feinen Duft von Prosciutto und Parmigiano in der Nase durch die Gänge. Die Geschwindigkeit nimmt bedrohlich zu, ein Plan muss her. Renate kauft jetzt hier Zutaten fürs Frühstück und wird sie irgendwo verdrücken. Nur so leicht ist das nicht. Man muss ja erst am Ausgang zahlen. Und ob dann ein Verzehr im freien zwischen geparkten Autos so fein ist? Mit vier Stück Kuchen im Bauch kann man leicht Zweifel haben. Und da höre ich schon: „Ich habe jetzt echt Hunger und wenn ich in zehn Minuten nichts im Magen habe, geht das ganz schlecht aus! Für alle hier!“. Die Leute hier, die friedlich Fisch schlichten oder ihre Schinkenschneider verträumt putzen, sind plötzlich so alarmiert, als hätte Mio gehört, dass ich mit den Ohrentropfen anrücke. Wir bestellen also feinste Ware und Renate kürzt ab. Ein Restaurant ihrer Wahl wird auserkoren. Aber weit gefehlt, das Restaurant darf diesmal nur den Platz aber keine Speis und keinen Trank verkaufen. Stattdessen sitzt Renate da und verzwickt breit grinsend ihren selbst mitgebrachten, aber noch nicht bezahlten Schinken. Käse, Brot und Wasser passen wunderbar. Der Kellner rückt immer wieder an, mir krampft es den Magen zusammen, aber der gute Mann rückt jedes Mal ohne Wortmeldung wieder ab. Die Erfahrungen vieler Generationen müssen ihn gelehrt habe, dass er jetzt besser keinen Mucks macht. Ein „Buon appetito!“ wäre schon gewagt. Wir zahlen die leeren Verpackungen an der Kassa und fragen nach einem Espresso. Ja, da hinten gibt es wirklich in geordneter Manier Speisen und Getränke. Aber das kann ja jeder und so komme auch ich zu meinen Leckereien.

Weiter geht es mit Kolosseum, Forum Romanum und so weiter. Heiß ist es und ich der einzige Dodl in langer Hose. Renates Bekleidungsvorschriften sind ebenso strikt wie missverstanden. Was soll’s? Ich werde es überleben.

Am Abend folgen noch nach Rast im Kloster ein hervorragendes Essen im Restaurant Tadi und ein Konzert von Ludovico Einaudi. Da schau‘ her, wozu ich in der Lage bin. Auf einer Sitzfläche, die mich an Jasmins und Carinas Kindergartenzeit erinnert, lausche ich den repetitiven Klavierklängen, die irgendwo zwischen Etüden und klassischer Trancemusik anzusiedeln sind.

Zwei Stunden und zwei Zugaben später hat sich die Nacht über Rom gelegt. Heim sollte es gehen. Nur, Rom hat viel zu wenig Taxi und so wird der Heimweg nochmals spannend. Uber rettet uns. Noch eine Überraschung!

Tag 3 beginnt wieder mit Frühstück und Blick über Rom. 35 Grad und knapp über 100% Luftfeuchtigkeit sind angesagt. Da freut man sich schon auf die Spanische Treppe. Ist das nicht auch ein Folterinstrument? Wenn es ernst wird, stürze ich mich eben in den Trevi-Brunnen. Wird schon gehen. Die Antica Enoteca hat eine Klimaanlage und wieder feines Essen. Allmählich habe ich Zweifel, dass wir so gut sind im Auswählen. Was, wenn in Rom das Essen überall gut ist?

Irgendjemand hat mir Chili ins Essen gerührt, die Wirkung lässt nicht lange auf sich warten. In Frankreich startet man einen weiteren Atomreaktor, um die Kühlung hier zu pushen. Nix hilft, Renate reicht’s. Warum ich denn nicht eine kurze Hose anziehe? Fassungslosigkeit und Hoffnung kämpfen in mir. Aber ich dachte doch, dass du… Papperlapapp, wir kaufen jetzt eine kurze Hose für dich. Kurz zweifle ich noch an der Ernsthaftigkeit und vermute gar eine Falle. Letztlich komme ich mit drei kurzen Hosen aus dem Geschäft, und das in Farben, die eher an Eissorten erinnern. Mir soll es recht sein. Da fällt es sogar leicht, dass wir im Feinkostladen am Trevi Brunnen nur ein bisserl viel mehr als überhaupt möglich für den Prosciutto und ähnliches zahlen.

Am Tag 4, und damit letzten Tag, geht es dann nach der Frühstücksroutine ans Meer in den Beach Club Shilling in Ostia. Das Meer ist vertraut, vieles andere fremd. Also, wenn wir an den Strand wollen, kostet das 15 Euro pro Person. Für den Sonnenschirm kommen 100 Euro dazu. Ja, was denn? Wie soll ich denn einen Sonnenschirm ins Handgepäck bekommen. Wir wollen außerdem nur ins Restaurant und am Strand spazieren. Ah, das kostet nichts. Als, wir dann unsere Schuhe abstellen wollen, sind wir dann beim Kollegen wieder bei den Kästchen um 15 Euro.

Egal, wir haben einen wunderbaren Tag am Meer mit zwei Strandspaziergängen und einem feinen Essen dazwischen. Meeresfrüchte, Pasta,.. all das über den Nachmittag verteilt, begleitet von angenehm belebend einschläferndem Wein. Dolce far niente – oder so ähnlich! Wie könnte man sich besser auf den Heimflug vorbereiten.

Ach Roma, wir mögen dich!

Gebirgsvereinssteig

Heute ist der Gebirgsvereinssteig dran. Ich probiere die Steige lieber noch einmal aus, ehe ich Renate mitnehme. Beim Seiser Toni vergesse ich erst das Handy im Auto, dann schicke ich zwei Wanderinnen als vermeintlich Ortskundiger in die falsche Richtung. Kurz, es läuft noch nicht so recht.

Den Zustieg zum Steig finde ich aber schnell und auch der Steig ist keine sonderliche Überraschung. Alles wie hier schon mal notiert. Einzig der Fels ist ein bisserl abgeschliffener seit meinem letzten Besuch. Dieses Schicksal teilen wohl alle oft begangenen Steige. Es ist trocken und so bleibt das nur eine Notiz hier.

Kurzer Auslauf, alles tadellos!

Die Tour auf garmin.com

Haidsteig

Renate bringt mich mit Mio zum Parkplatz Griesleiten, von wo aus ich meinen Auslauf antrete. Selbst fährt sie mit Mio zur Rax-Seilbahn. Mio wundert sich, aber sagt wie gewöhnlich nichts. Der Plan ist, dass wir uns am Plateau treffen werden.

Zum Haidsteig gibt es nichts besonderes zu berichten. Es ist doch alles schon gesagt. Keine Leute, keine Vorkommnisse. Ich verweile kurz bei der Schwarzen Madonna, ehe ich in einer vernünftigen Zeit das Plateau erreiche. Dort bin ich dann so beschäftigt, bei all den Funklöchern Kontakt zu Renate aufzunehmen, dass ich fast auf dieses zischende Ding gestiegen wäre. Na, zum Glück habe ich das Handy gerade in der Hand. So gelingt mir die Aufnahme dieser schönen Kreuzotter.

Es dauert nicht lange, dann sehe ich schon meine beiden Lieben entgegenkommen. Für Mio muss die Welt voller Zufälle sein. Er freut sich jedenfalls. Wir spazieren zur Bergstation zurück. Renate beschließt fix, dass sie das nächste Mal mitgehen möchte. Na zack, schauen ma a mal!

Die Tour auf garmin.com

ÖTK-Steig, Blutspur, Matthias-Prinner-Steig

Dreierlei auf der Hohen Wand steht an. Ein neuer Steig erwartet mich gar. Schauen ma a mal!

Der ÖTK-Steig ist mir als nicht so wild in Erinnerung wie ich ihn meinen eigenen Beschreibungen entnehme. Aber ich verlasse mich mehr auf meine Aufzeichnungen als auf meine Erinnerungen. Das erscheint mir sinnvoll. Auch das Internet meint mittlerweile Schwierigkeit D/E. Am Einstieg habe ich entsprechend Respekt. Doch die Einstiegstelle und damit die Schlüsselstelle machen keine Not. Recht geschickt gelingt mir der kurze, „überhängende“ Abschnitt. Also, Abschnitt ist zu viel. Ein Felsen drängt ab. Aber älter und umsichtiger mache ich einen Schritt nach links und das war es auch schon mit der wilden Stelle. Der Rest geht auch gut. In einer Dreiviertelstunde bin ich oben. Die Sonne lacht.

Also, runter zum Einstieg der Blutspur. Vier Minuten soll sie nur dauern, habe ich meinen Aufzeichnungen entnommen. Das wird also auch bald vorbei sein. Und so ist es. Nach einer Viertelstunde bin ich wieder oben. Da waren Pause und der Abstieg wohl länger.

Runter geht es nun die Völlerin bergab zum „neuen“ Steig. Etwas unscheinbar im Wald versteckt entdecke ich den Einstieg des Matthias-Prinner-Steigs, da sich hier zwei Kletterer vorbereiten. Man lässt mich vor, obschon ich ein bisserl müde bin. Ist doch nett. Ein bisserl schräg geht’s los und schon hänge ich an der Stahlstrickleiter. Zwei „Action“-Elemente kündigt die Beschreibung an. Eigentlich mag ich diese künstliche Dramatik nicht. Wozu? Aber das habe ich schon mal hier diskutiert. So hangle ich mich auf diesem wackeligen Teil nach oben. Fast senkrecht geht es da. Ein Seil, um sich zu sichern, gibt es nicht. So muss, wer gesichert sein will, sich in die Sprossen einhängen. Geht ja. Nach der Leiter geht es ebenso steil weiter. Diesmal hat jemand freundlich jede Menge Stahl in den Fels getrieben. Ein Seil ist auch da. Und so steigt man doch recht künstlich den Fels hinauf. C/D finde ich ein bisserl tief gegriffen, hat man doch einigen Zug auf den Armen.

Nach ein bisserl Gehgelände die zweite Action. Drei Seile führen straff über den Abgrund gespannt leicht nach oben. Auf das unterste Seil gehören wohl die Füße und die beiden oberen Seile sind zum Anhalten und Sichern. Das untere Seil ist um einen halben Meter versetzt. Vor mir sehe ich jemand, der „quer“ steht. Das heißt, er hat so eine recht aufrechte Stützposition eingenommen und geigelt im Seitschritt nach oben. Uh, das sieht mühsam aus. Zumindest wirkt es kein bisschen entspannt. Was soll’s? Die Seile sind frei, und ich bin zu müde für den Mist. Wer den Seiltänzer in mir sehen will, wird ihn gleich sehen. Statt quer setze ich frontal meinen schlanken Fuß aufs Seil. Weil mir eine fünf Meter lange Stange für die Balance fehlt, halte ich mich halt an und marschiere mit starrem Blick los. Einen Sicherungskarabiner habe ich ins untere Seil eingehängt, den anderen ins obere. Das erschien mir sinnvoll. Immerhin habe ich zwei Gummibremser an einem Seil montiert gesehen. Die werden wohl für etwas gut sein. Vermutlich sollen sie die rasante Fahrt im Falle eines Sturzes abbremsen. Im Aufstieg muss man dafür bei ihnen angelangt umhängen, weil sie ja zu groß für die Karabiner sind. Das ist dann kurz ein bisserl spannend. Aber ich halte mich tapfer und erreiche die gegenüberliegende Seite sicher. Der Rest ist wieder einfaches Klettersteiggelände. Noch recht viel Erde und ein paar lockere Steine liegen herum. Der Steig ist ja noch jung.

Runter geht es dann Richtung Frauenluckensteig. Auch diesmal gelange ich in den Saufluchtgraben, erkenne meinen Fehler früh und verliere nur ganz wenig Höhenmeter. Die Frauenlucke hat zu meiner Überraschung, und das obwohl ich sie schon öfters gegangen bin, eine recht lange senkrechte Leiter. Und dann bin ich auch schon wieder beim Einstieg des Matthias-Prinner-Steigs. Noch ein paar Minuten und ich bin wieder im Auto.

Ein kurzer, aber feiner Spaß. Eine Blase an der rechten Hand ist aufgegangen. Es muss also doch mehr an den Steigen sein, als mir in Erinnerung bleiben wird. Fein war’s!

Die Tour auf garmin.com