Stockholm


Fotos


Mein letzter Besuch hier ist mir schwer in Erinnerung. Damals war ich Mitte März hier. Die Annahme der Überlegung war richtig, die Schlussfolgerung falsch. Wenn Mitte März, also um die Tagnachtgleiche, auf der ganzen Welt die Sonne für 12 Stunden scheint, muss es auf der ganzen Welt gleich warm sein. Klingt gut, ist aber Quatsch! Das Meer war teils zugefroren, so kalt war mir bislang selten.

Aber diesmal, in der zweiten Augusthälfte, ist es optimal. Hochsommerlich ist es. Das bedeutet, dass man bei 23° hier fast ins Schwitzen kommt. Mir gefällt das. Mit dabei sind Renate, Carina und Ilina. Wir residieren im Hotel Blique, das passt. Wir gönnen uns einen Tag in der Altstadt, einen Tag am Meer und einen Tag unterirdisch mit Abschluss beim himmlischen Japaner am Abend. All das kann man in den Fotos nachschauen. Die Mädels machen ihr eigenes Ding. Entspannter Urlaub also!

Schweden wirkt so etwas von entschleunigt. Die Leute sind entspannt und freundlich. Die Infrastruktur ist modern und funktioniert. Alles sehr angenehm, alles sehr empfehlenswert. Bei Tageslicht und Wetter sollte man aufs passende Monat achten. Aber das steht eh schon eingangs da!

Hochfeiler (3.510m) von Südtirol


Fotos gibt es diesmal hier!


Die Ziele für die Tour sind klar definiert. Wie geht es steirischen Mitochondrien in der Höhe und passen die neuen und fast revolutionären Schuhe zu den Füßen? Wir haben uns den Hochfeiler ausgesucht. Schon lange habe ich Zweifel, dass ich da je oben war. Ich erinnere mich, dass wir als Familie vor 45 Jahren oder mehr dort waren. Nun nach der Besteigung weiß ich, dass der Vater nur Karin, meine Schwester, mit auf den Gipfel genommen hat. So habe ich also Gelegenheit, spät aber doch den höchsten Berg der Zillertaler Alpen zu „erledigen“.

Wir könnten vom Schlegeisspeicher im Zillertal aufsteigen. Nur von Südtirol, vom Pfitschtal aus, ist es viel kürzer für uns. Für die Q ist es eine Stunde und viele Kilometer weiter. Mit ein bisserl einem schlechten Gewissen machen wir uns auf den Weg.

Die Anfahrt ist kurzweilig. Das liegt sicherlich auch daran, dass wir bei unserem Stopp in Salzburg Autostopper mit einem Schild „Innsbruck“ sehen. Für mich ist es sonnenklar, dass wir die beiden mitnehmen. Bei Renate ist das auch klar, aber halt mit anderem Vorzeichen. Mein zugegebenermaßen schwachsinniges Argument, dass uns der Blitz am Hochfeiler treffen wird, wenn wir sie nicht mitnehmen, überzeugt. Dass die beiden wahrscheinlich kein Paar sind, sehe ich dank meiner Rotsehschwäche nicht. So sind mir die rosafarbenen Socken und Fingernägel an ihm nicht aufgefallen. Eine leichte Behinderung fördert also meine Toleranz. Das gefällt mir. Renate gefällt hingegen die Begeisterung unserer Gäste, dass wir nach Italien fahren, nicht so ganz. In viel zu hoher Stimmlage quietscht unser Fahrgast vor Begeisterung, dass sie eine Mitfahrgelegenheit bis Italy haben. In Renates Blick lese ich ein: „Das war so nie ausgemacht! Und wenn du weiter so kreischt, dann hast du dein Little Italy am nächsten Parkplatz.“. Seine Begleiterin zieht sich den Hoody ein bisserl weiter ins Gesicht.

So sitzen auf der Rückbank ein schwuler Pole mit deutlichem Sprachfehler – der liebe Herrgott prüft ihn mit einem ordentlichen Lispeln – und rosa Socken und eine Begleitung, bei der ich nicht weiß, wie sie zu ihm steht. Die junge Dame schaut am Handy Videos, aber ohne Kopfhörer. Das gestaltet die Stimmung im Auto anfangs doch explosiv. Ein strafender Blick von der Beifahrerseite und das Handy verstummt, die Lage entspannt sich. Ich verzichte auf eine sonst übliche und doch ausführliche Einvernahme zum bisherigen Lebensweg. Ich will es ja nicht übertreiben.

Die Entspanntheit wehrt eine Weile. Doch dann spielt über Spotify Renates Playlist. Die Filmmusik von Fifty Shades of Grey passt ja irgendwie zu unserer illustren Besetzung. Aber was höre ich da erst ganz leise, aber dann immer lauter im Duett von der Rückbank? In gutem, polnisch angehauchtem Englisch singen die Fahrgäste mit, als hätten sie gemeinsame Erinnerungen an die Geschichte oder sonst was. Ich kenne mich nicht aus, was habe ich jetzt wieder angerichtet? Ich treibe meine Fingernägel ins Lenkrad. Ein weiterer strenger Blick von der Beifahrerseite, als wäre Christian Grey himself anwesend, und Schweigen kehrt auf der Rückbank ein. Wer will schon mit Rucksäcken auf der Europabrücke in der sengenden Mittagssonne stehen?

Eine gewisse Erleichterung in Sterzing, wo wir abfahren und nichts, aber auch gar nichts, ist, kann ich nicht leugnen. Wir lassen die beiden aussteigen und kommen noch auf ein Selfie. Besser ich weiß nicht, auf welchen Websites ich nun geführt werde. Die Bildererkennung wird es mich in den nächsten Jahren jedenfalls wissen lassen. Soll sein!

Aber nun zum Tourenbericht! Unser Ziel ist der Parkplatz „unbewirtschaftet“ in der dritten Kehre der Straße aufs Pfitscher Joch. Die Straße ist ebenso unbefestigt, wie unser Vertrauen in Google Maps groß ist. Google enttäuscht nicht. Die Parkplätze sind gut gefüllt. Hier endet auch die Fahrerlaubnis. Ins Pfitschertal geht es nur noch zu Fuß weiter. Es ist kurz vor drei am Nachmittag. Die Sonne hat schon viel Feuchtigkeit verdunsten lassen. Erste Gewitterwolken türmen sich auf. Hoffentlich hält das die nächsten drei Stunden.

Renates Rucksack ist ähnlich schwer wie meiner. Wow, Respekt! Wir starten auf über 1.700m in eine Hitzeschlacht. Die stechende Sonne, einiges an Wasser rings um uns, hohe Luftfeuchtigkeit,.. alles schön und gut für die Vegetation, aber mir treibt es alles aus. Renate rennt. Ich stapfe hinten nach, schwitze und denke mir, dass wir wahrscheinlich die letzten paar hundert Höhenmeter auf allen vieren zurücklegen werden müssen, wenn wir den Speed nicht bald rausnehmen. Anderseits, viel haben wir ja an diesem Tag nicht mehr zu tun.

So steigen wir also erst durch den Dschungel zu einem Ausblick aufs Tal und die schönen Berge. Keine Forststraße, keine Transportseilbahn zerschneiden das idyllische Bild. Oberhalb der Baumgrenze, hier bei um die 2.000m, geht es dann lange, nur leicht ansteigend Richtung Ostnordost. Die ersten Regentropfen melden sich. Ein Blick zurück zeigt, im Westen regnet es schon heftiger. Letztlich bleiben wir jedoch verschont. Wahrscheinlich, weil wir die Autostopper mitgenommen haben. Man weiß es nicht!

Nach einem erneuten Anstieg führt der Weg unterhalb von Gletschern vorbei. Nur diese haben sich in den letzten Jahren wohl weit in höhere, kühlere Regionen zurückgezogen. Einmal noch Serpentinen und einmal noch ein Anstieg und wird sind nach zweieinhalb Stunden bei der Hütte.

Zimmer 1 wird uns zugeteilt. 12 Quadratmeter sind mit zwei Dreifachstockbetten und einem normalen Stockbett bestückt. Sechs Betten sind schon belegt. Ein bisserl komme ich mir vor wie in einer Doku auf RTL II und frage mich, was ich angestellt habe. Wie muss sich da erst Renate fühlen, die es am liebsten stockfinster und absolut ruhig im Schlafraum hat? Die Vorfreude auf Essen in italienischer Qualität erfüllt sich leider in der Halbpension auch nicht ganz. Lediglich die Buchweizentorte ist eine Freude und lässt vermuten, wo wir da gelandet sind und was man auf der Speisekarte finden könnte.

Die Nacht ist übel, aber doch auch besser als gedacht. Sechs Männer, ein Bub und Renate. Da wird geschnarcht, gefurzt und ab vier rumgekramt. Die frühesten Vögel stellen sich den Wecker für 03:30. Zum Gipfel sind es 800 Höhenmeter – bei Absenz jeder technischen Schwierigkeit. Kein Gletscherkontakt, kein Firngrat und der frisch gefallene Schnee von vor über einer Woche ist wahrscheinlich wieder weg. Was macht man da also um diese Uhrzeit am Anstieg und Gipfel? Da muss man mit Stirnlampe los. Okay, man ist dann bei Sonnenaufgang oben. Klingt cool, wäre da nur nicht der Nebel. In der Nacht hat es ordentlich geregnet. Die Sonne wird kämpfen, um den Nebel aus der Luft zu nehmen.

Wir starten nach unserem Frühstück kurz nach sieben. Das reicht auf alle Fälle. Der Aufstieg sieht mächtig aus, ist aber letztlich eine Strecke zum Austesten der eigenen Ausdauer oder gar Leidensfähigkeit. Ab 3.000 Meter wird es kalt. Die Sonne hat sich, wie erwartet, noch nicht durchgesetzt. Etwas Wind pfeift. Da hat Renate bald alles an, was sie mithat. Gelegentlich erfrischt ein Trailrunner in kurzen Hosen und Halbschuhen. Das Klima und die Zeiten haben sich geändert – wow!

Vor zehn sind wir am Gipfel! Geschafft – jippieh! Renate überrascht mich total, zumal ihr Bergerfahrung nicht ganz, aber doch fehlt. So stehen wir da, freuen uns, ich bin stolz und Renate friert ein wenig sehr. Erste Löcher zeigen sich in den Wolken. Nein, lange wollen wir nicht hier bleiben. Wir steigen ab.

Bei der Hütte gibt es dann nochmals reichlich Mittagessen. Wir füllen die Rucksäcke mit den Sachen, die wir in der Früh hier zurückgelassen haben und steigen die 1.000 Höhenmeter zum Auto bei der dritten Kehre wieder ab. Die letzten Höhenmeter haben es in sich. Vom Gipfel bis zum Auto sind es inklusive der Gegenanstiege fast 2.000 Höhenmeter. Das ist einiges. Renate meckert nicht, obwohl offenkundig ist, dass sie an der letzten Stunde keine Freude mehr empfinden kann. Was für eine tapfere und angenehme Begleitung!

Der erste Dreitausender mit immerhin 3.510 Metern ist geschafft. Wir haben gut als Team funktioniert und die Schuhe haben gepasst. Ich habe damit die Liste der höchsten Gipfel der zehn höchsten Gebirgsgruppen in Österreich abgeschlossen. Noch ein Triumpf – was will man mehr.

Etwas mehr als vier Stunden fahren wir ins Hotel Post am See in Traunkirchen. Wir haben die Erholung notwendig. Autostopper zeigen sich (zum Glück) keine.


Garmin
Anstieg zur Hochfeilerhütte
Hochfeilerhütte – Hochfeiler und Abstieg


Fotos gibt es diesmal hier!


Haidsteig – Preinerwandsteig

Heute ist der Haidsteig dran. Was uns da nur erwartet? Ich habe mich bei der Einschätzung der Schwierigkeiten schon oft völlig geirrt. So erinnere ich mich an die Antwort auf Gernots Frage vor dem ersten Klettersteig, ob denn die Wildfährte steil ist. Ich meinte ehrlich: „Also, ich kann mich nicht so erinnern. Schon steil, mit dem Radl kannst nicht fahren, mit Skiern auch nicht – wahrscheinlich!“. Uje, dann am Steig mit ihm, im Angesicht der Tatsachen habe ich mir für diese Antwort öfters auf die Stirn geklatscht.

Nun also Renate. Die ist ebenso voller Zuversicht wie bar der Erfahrung. Ich bin auch zuversichtlich, aber eben schon ein bisserl erfahren. Schauen ma a mal!

Wie auch immer, wir stehen an diesem Freitag um 08:40 in der Griesleiten am Parkplatz und sind nicht alleine, wirklich nicht alleine. Ich mache mir Sorgen, dass wir lange warten werden müssen. Korrigiere aber sofort, dass wir Grund für den Stau sein könnten. Mann oh, das wird was! Warum kann es nicht ein Dienstag im Oktober sein? An so einem Tag wären wir hier alleine.

So machen wir uns an den Zustieg. Ausrüstung und Stimmung sind jedenfalls gut. Beim Anstieg entdeckt Renate eine prächtige Parasol-Familie und… Und erwägt sie mitzunehmen. Ist sie so aufgeregt? Will sie wirklich mit einem Sackerl in der Hand die Schwammerl da rauf tragen oder die schönen Pilze in den ohnedies recht vollen Rucksack stopfen? Ich nehme das Anliegen nicht ernst und stimme zu, dass wir sie am Rückweg mitnehmen werden. Ein Entschluss, den an diesem Tag wohl noch viele andere Wanderer fassen werden.

Am Einstieg stehen die Massen. Na ja, es sind sechs, sieben Leute. Das ist nicht viel in Relation zu den Schilderungen, die vom Wochenende erzählt werden. Mir sind es jedenfalls zu viele bei diesen Unsicherheiten heute. Renate findet aber alles cool und tänzelt herum. Zumindest vor dem runden Ungarn in Grün möchte ich starten. Ja, ja! Renate freut sich halt so. Können wir jetzt aber bitte los!

Uff, der Einstieg klappt ganz entspannt. Das sieht gut aus. So werden wir das schaffen. Ich habe die schöne Kamera mit und schieße erste Fotos. Auch der erste Steigbaum macht keine Schwierigkeiten. Ruhe kehrt in mir ein. Was soll da noch schiefgehen? Und dann kommt die erste Querung, technisch nicht schwer, aber erstmals ein bisserl ausgesetzt. Ich spaziere vor und positioniere mich zum Fotografieren. Da hängt Renate nun plötzlich und meint, dass es hier nicht weitergeht. Wie bitte? Das könnte an der 90° falschen Haltung liegen. Was ist denn da los? Und während ich noch analysiere, merke ich da leichten Kontrollverlust aufkommen. Upps, gelassen bleiben und auf Selbststabilisierung hoffen. Ein bisserl körperliche Unterstützung könnte auch helfen. So mache ich noch schnell ein Foto, ehe ich zurücksteige und Renate am Handgelenk ohne großes Trara zum Seil hochhebe. Leicht genug ist sie ja. Erinnert ein bisserl an den Umgang mit Mio bei Klettereien, ist aber viel respektvoller! Der arme Hund wird ja am Halsband nach oben gehievt.

Das dicke Grün im Nacken nervt Renate auch ein bisserl sehr. Aber der gute Mann ist selbst Teil einer Dreiergruppe, deren Rest nicht schnell vorankommt. Wir verwerfen Verschwörungstheorien zu seinen Absichten und steigen tapfer weiter. Ab jetzt läuft es entspannt und gut. Die Schlüsselstelle passieren wir auch recht g’schmeidig. Da kann ich ein bisserl helfen. Immerhin habe ich in diesem Kamin schon genug Blood, Sweat und vor allem Tears gesehen. Renate hält sich brav am Rande der engen Felsspalte. Alles gut, wir sind bei der Madonna und haben damit den technisch schwierigeren Teil hinter uns.

Die Vorstellung von Ulli erfolgt formlos. Ein schöner Platz ist es hier. Und es ist definitiv etwas los hier an Tagen wie diesen. So soll es sein!

Wir steigen noch bis zum Plateau auf. Geschafft! Renate ist zurecht stolz wie Oskar oder sonst wer. Bravourös hat sie den Steig gemeistert. Ich habe Freude, denn da können nun noch viele gemeinsame Touren kommen. Wir rasten umgeben von Edelweiß in großer Zahl. Kann es besser gehen?

Als Abstieg wählen wir den Preinerwandsteig. Der ist sicherlich besser als der Holzknechtsteig, aber halt ein Abstieg. Renate will ein Startup gründen, das Bergsteiger per Drohnentaxi vom Gipfel holt. Mir soll’s recht sein, solange ich mich da nicht engagieren muss. Mein Beitrag beschränkt sich auf ein gelegentliches „Hmm! Warum nicht?“.

Gegessen wird im Looshaus. Das muss ein bisserl im vorigen Jahrhundert stehen geblieben sein. Doch das ist an diesem Tag nebensächlich.

Prädikat des Tages und der Tour: edelst!

Die Tour auf garmin.com

Hawaii – Sommer 2023


Zu den Fotos


Der Urlaub wird spannend werden. Da steht so einiges am Programm. Jasmin hat ein Jahr in Kanada verbracht. Lydia hat sie am 30. Juni in Vancouver abgeholt und ist vierzehn Tage mit ihr durch Kanada. Die beiden werden am selben Abend wie wir auf Maui landen. Am 15. Juli starten auch Carina, Renate und ich von Wien aus. So treffen Carina und ich Jasmin wieder erstmals nach einem Jahr. Renate und Jasmin lernen sich überhaupt am anderen Ende der Welt kennen.

Maui

Der Flug ist recht erträglich, auch wenn Austrian bei der Zuteilung der Sitzplätze patzt. Wir haben für fußfreie Plätze bezahlt, sitzen aber trotzdem mitten drinnen. Aber das geht erstaunlich gut. Auch ist Westen als Flugrichtung von der Belastung durch die Zeitverschiebung angenehmer als ein Flug Richtung Osten. Der Tag dehnt sich einfach nur sehr. So sitzen Renate und ich also etwas müde am späten Abend am Flughafen Kahului auf Maui und schauen aufs Handy. Nichts tut sich am kleinen Flughafen. Die Rolltreppe, die Jasmin eigentlich runterkommen sollte, steht still. Und plötzlich spricht uns da eine junge Dame an. Sie lacht, wir schauen verdutzt. Ja, das ist sie ja, unsere Jasmin. Ein freudiges Wiedersehen und erstes, persönliches Kennenlernen am Ende eines langen Tages am anderen Ende der Welt. So kann Familie sein!

Wir holen unser riesiges Auto bei Sixt ab, rollen noch ins AC Hotel by Marriott in Wailea und holen mal Schlaf nach. Das Frühstück bietet Avocado-Toasts, der Urlaub ist wohl gerettet. Das Hotel liegt nicht am Strand. In Hawaii sind die Preise auf einem anderen Level. Da sind Schweiz und Norwegen günstig und so reicht unser selbst gegebenes Budget eben nur für die zweite Reihe. Aber auch hier lässt es sich leben.

In Wailea ist alles sehr gepflegt. Der Golfplatz ist gediegen und kaum bespielt. Im kleinen Einkaufszentrum reihen sich die Stores von Louis Vuitton, Prada, etc., aneinander.

Am ersten Tag fahren wir die Küste im Norden entlang, bestaunen Blow Holes und schwimmen in natürlichen Pools am Meer. Den Abend lassen wir in Lahaina ausklingen. Unter dem Baum, der nach den verheerenden Bränden traurige Berühmtheit erlangen wird, essen wir ein Eis nicht ahnend, dass die kleine Stadt nur noch ein paar Wochen hat.

Am nächsten Tag geht es auf den Haleakalā, den höchsten Berg auf Maui. Wir wollen den Sonnenaufgang sehen. Lydia hat reserviert und gebucht. Auch die Natur ist auf Hawaii eben gut organisiert. Wir starten gegen vier Uhr und schrauben uns in endlosen Serpentinen in eine Höhe von 3.055 Meter. Oben ist es kalt, starker Wind weht und wir sind fast die letzten, die noch rechtzeitig zum Sonnenaufgang eintreffen. Der Sonnenaufgang ist schön, aber irgendwie auch nur ein Sonnenaufgang im Beisein vieler anderer Touristen. Wir frieren. Carina kämpft mit der Zeitverschiebung, ihr Magen rebelliert. Da tun die endlosen Kurven auch nicht gut. Aber sie ist tapfer und schafft alle Kurven wieder runter. Erst am Heimweg eskaliert die Situation dann richtig. Renate lenkt das Auto in der linken Fahrspur und Carina sitzt am Beifahrersitz.

Carina: „Schnell, fahr rechts ran!“.
Renate: „Das geht nicht, der lässt mich nicht rüber!“
Carina reißt das Fenster auf und wirft dem ungewöhnlich sturen Ami ihr Frühstück mit einem „Nimm‘ das!“ entgegen. Der wird wohl seine Lektion gelernt haben, dass man spurwechselwillige Europäer nicht behindern sollte!

Und weil Kurven so lustig sind, geben wir uns am nächsten Tag noch die Road to Hana. Das ist angeblich eine der schönsten Straßen der Welt. Sie führt ins Nirgendwo zu seltsamen Menschen, die irgendwann wohl zum Surfen hierhergekommen und hängengeblieben sind. Nun nerven sie sich über die endlosen Kolonnen an Touristen. Am Ende der Straße gibt es nicht viel. Ein Food Truck hat sich und seine Zelte aufgestellt. Die Familie grillt und verkauft ihre Chicken und Ribs. Bargeldloses Zahlen geht nicht, Cash haben wir nicht. Aufgeregt und amüsiert werden unsere Euros akzeptiert. Nein, solche Scheine haben sie noch nicht gesehen. Google hilft bei der Umrechnung, denn Mom weiß den Umrechnungskurs, aber die Tochter multipliziert den Dollarbetrag mit 1,12 statt ihn zu dividieren. Das wäre bei den Mondpreisen auch egal, aber Ordnung muss sein.

Am Rückweg halten wir noch in Hoʻokipa am Wellenreiter- und Surferstrand. Robby Naish ist nicht da. Vielleicht liegt es an den fehlenden Wellen. Als ich das letzte Mal vor 30 Jahren hier waren, gab es riesige Wellen, aber heute ist Family Day und so dürfen die Kleinen auch mal raus aufs Wasser. Die Hauptattraktion sind diesmal die Schildkröten, die sich hier in der Sonne den Panzer wärmen.

Hawaii – The Big Island

Unser nächster Stopp ist The Big Island. Wir landen in Kona und bekommen ein noch größeres Auto. Der GMC Yukon Denali bietet drei Sitzreihen und einen riesigen Kofferraum. Auch wenn es ungewohnt ist, man fühlt sich sehr unverletzbar in diesem rollenden Panzer. Möge sich uns niemand in den Weg stellen! Renate wirkt etwas verloren am riesigen Fahrersitz, steuert aber souverän. Wir sind in Kona in einem Strandhaus untergebracht. Das ist recht edel und man schläft so gut bei den Wellen.

Hilo steht am Programm. Das war schon 1995(?) weit hinten und hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht recht weiter entwickelt. Wir lunchen, besuchen zwei Wasserfälle, die nur gegen Gebühr aus großer Distanz bestaunt werden dürfen und spazieren noch ein bisserl entlang der wilden Küste. Letzteres ist wohl das Highlight. Carina und ich haben Boogie Boards mit. Die tragen wir aber nur spazieren. Wir wollen beide nicht an die Felswände geklatscht werden. So reicht uns das Betrachten der wilden Szenerie.

Am nächsten Tag wollen wir auf den Mauna Kea. Der ist mit 4.205 Meter richtig hoch. Leider aber auch zu hoch für unseren Kleinlaster. Man braucht unbedingt Allrad und einen halb vollen Tank. Darüber wacht ein Ranger und der ist ebenso freundlich wie unerbittlich. Auf 3.000 Meter ist beim Besucherzentrum Schluss. Lydia und Jasmin kommen am letzten Tag mit einem geliehenen Allrad zurück und „erledigen“ damit den höchsten Berg der Erde. Dazu muss man den Teil des Berges unter der Meeresoberfläche einbeziehen. Denn dann ist der Berg gewaltige 10.203 Meter hoch.

Beim Baden im Meer touchiere ich nicht nur zuhauf Lava-Felsen, sondern kicke auch wieder einen Seeigel. Der lässt seine Stacheln in meinem Fuß, der sich umgehende schick blau um die abgebrochen Stacheln färbt. Aber mein Körper ist das fast gewöhnt und beginnt am zweiten Tag mit der Verwertung der zugeführten Mineralien. Da schaust aber!

Kauai

Auf Kauai beziehen wir wieder ein Haus in Strandnähe. An das Getöse der Wellen kann man sich gewöhnen. Ich schlafe so tief wie selten.

Ein erster Erkundungsspaziergang führt den Strand entlang. Neben vielen Badegästen liegt auch eine Robbe da. Bei solchen gewaltigen Naturphänomenen stellt sich in den USA gleich mal ein Freiwilliger ab. Der bezieht Posten und hält ahnungslose Zivilisten davon ab, das Tier zu kuscheln oder es gar zu grillen. Ähnliches sehen wir noch bei einem Nachtspaziergang, Eine Freiwillige hat sich mit ausreichend Tee und Wasser („Stay hydrated!“) sowie Campingstuhl und Rotlichtlampe für die Nacht eingerichtet. Sie wird die Schildkröten bewachen und ihnen regelmäßig in die Augen leuchten. Ich überlege, ob die gute Frau früher Krankenschwester war und Menschen mit Gefahr auf Hirnblutung überwacht hat. Aber ich weiß ja nicht einmal, ob Meeresschildkröten einen entsprechenden Pupillenreflex zeigen. Ich habe Fragen. Anderseits ist ihr Dasein mehr als berechtigt. Denn immerhin war ich es, der bei der Annäherung an die Frau und Turtles im schwachen Mondlicht von Stein zu Stein hüpfen wollte. Ein schriller Schrei aus der Finsternis hat mich davon abgehalten, einer Schildkröte ins Kreuz zu springen. Uff, gerade noch gutgegangen.

Kauai ist auch diesmal meine Lieblingsinsel. Sie heißt nicht umsonst „The Garden Isle“. An Polihale kann ich mich erinnern. Aber auch hier ist vieles anders. Die Straße ist zwar noch immer nicht geteert, aber Menschen sind hier. Noch immer nicht viele, aber eben nicht mehr menschenleer. Der schöne Strand zwischen Militärbasis und den steilen Felsen der Napali-Küste ist an diesem Tag so heiß, dass auch ich ihn nicht ohne Schuhe zu begehen vermag. Dafür sind die Wellen so harmlos, dass man schwimmen kann. Wir bleiben nicht lange. Die Mädels würden wohl noch den Tag draußen verbringen und auf den kühleren Teil des Tages hier am Ende der Welt warten.

Lydia hat dankenswerterweise auch Plätze für den Ha’ena Beach Park gebucht. Dort startet der 11 Meilen lange Kalalau Trail, dessen Anfang wir wandern wollen. Wir erreichen den
Hanakāpī‘Ai Strand, der selbst schon beeindruckend ist und wandern weiter zum gleichnamigen Wasserfall. Das ist alles in allem recht weit, aber auf jedem Fall lohnend. Das Bad unter dem von weit oben in die Tiefe stürzenden Wasser ist schon was. Ja, das macht Spaß. Der Weg zurück ist dann den einen doch schon ein bisserl lang, während es Renate ein bisserl Auslauf beschert. Am Abend dann noch ein Abstecher zur berühmten Buch von Hanalei. Alles gut!

Ein wilder Tag steht noch an. Während sich die Mädels in einem Motorboot entlang der Napali Coast von Wellen weichklopfen lassen, geben sich Renate und ich 22 Kilometer Trail weit oberhalb der Napali Coast. Die Mädels berichten von Schnorcheln, beeindruckenden Höhlenfahrten und freundlichen Delfinen. Wir gönnen uns zuerst den Awa’awapuhi Trail und danach noch den Nu’alolo Trail. Renate lässt sich nicht abschütteln. Die Ausblicke und die Kulisse entlang dieser Küste kann man ruhigen Gewissens als atemberaubend und „awesome“ bezeichnen. Wenige Amis gehen so weit und so gehört uns das Naturschauspiel fast alleine. Dazu muss man halt die Hubschrauber, die kühn zwischen den Klippen ihre Flugmanöver absolvieren, als Teil der Natur sehen. Egal, müde sind wir am Abend jedenfalls beide.

Oahu

Der letzte Stopp ist auf Oahu. Oahu ist die größte Insel, die Autobahn hat viele Spuren, Hochhäuser prägen das Strandbild in Honolulu. Bei unserem Start verstehe ich das Navi nicht und wir stürmen Pearl Habour. Der nette junge Mann mit Maschinengewehr nimmt mir den Ausweis ab und gibt ihn erst wieder zurück, sobald sicher ist, dass ich mit unserem Leihauto nicht mehr in sein Revier zurück kann. Er will wohl ausschließen, dass ich mich kamikazeartig auf eine Fregatte oder zumindest Frikadelle oder so stürze. Mir soll es recht sein.

Wir haben uns im Turtle Bay Resort einquartiert und sind alles in allem autofaul geworden. So bleiben wir im Ressort. Die Preise haben hier ein Niveau erreicht, dass es gar nicht mehr leicht zu packen ist. Einen Salat gibt es ab 25 USD, Steak und Fisch dann ab 60 USD, gerne aber auch ab 100 USD. Wer das Besondere liebt, kann auch 155 USD für eine Fischsuppe oder 160 USD für ein ausgewähltes Steak spendieren. Das Restaurant wird als elegant beworben. Beim ersten Mal ziehe ich gar eine lange Hose an und fühle mich unsicher, weil ich kein Hemd mithabe. Tja, und dann sitze ich als einziger in langer Hose da. Ein langärmliges Hemd gilt hier wohl als schrullige Tracht der Italiener. Die engstehenden Tische sind mit Bermuda- und Baseballkappenträger besetzt. Die Kellner haben sicherlich auch irgendeinen Beruf gelernt.

Wir sind im fünften Stock und blicken auf die Turtle Bay – das passt. Der Mond ist fast voll und strahlt den weißen Strand an. Wir spazieren weit am späten Abend vom Hotel weg. Keine dekadenten Amis weit und breit, keine Volunteers, die Tiere beschützen, die wahrscheinlich besser ohne sie auskommen würden. Da zeigt sich Hawaii zum Abschied in der Keiki Bay nochmals von seiner schönsten Seite. So soll es sein und so soll es in Erinnerung bleiben.

Resümee

Vor mehr als 25 Jahren war ich schon einmal auf diesen vier Inseln. Mir hat es auch diesmal wieder gut gefallen. Viel ist noch stärker kommerzialisiert. Häufig trifft man auf eine Kultur, die uns doch sehr fremd ist. Kulinarisch ist Hawaii Ödland. Entweder man ernährt sich an Food Trucks oder man speist in teuren Restaurants, die gut aber bar fast jeder Esskultur sind.

Wer sucht, findet nach wie vor unberührte, atemraubende Natur. Ein drittes Mal Hawaii wird knapp werden. Ich denke, es gibt noch ganz viel auf diesem Planeten zu sehen.

Haidsteig-Königschusswandsteig

Die Hitzeschlacht gebe ich mir heute alleine. Obwohl, der Parkplatz ist schon vor neun gut gefüllt. Eine Mom cremet ihre aufgeregten aber widerspenstigen Kinder ein. Die Helme lassen auf den Haidsteig schließen. Na, hoffentlich denkt sie daran, dass Sonnenöl den Grip am Seil reduziert. Alles nicht mein Thema. Ich zische los. Alles ohne sonderliche Vorkommnisse. Es sind ein paar Leute im Steig. Ich habe Auslauf – juchhu! Kurzer Stopp, wie üblich bei der Schwarzen Madonna. Jemand stellt immer wieder eine Kerze her. Aha!

Ich habe neue Zustiegsschuhe gekauft und die sind wirklich ein Hammer. Sie sind von Salewa und halten am Fels, dass es eine Freude ist. So etwas hatte ich bislang noch nicht. Sehr fein!

Weiter zum Preinerwandkreuz und dann in den Holzknechtsteig. Mir kommt ein Mann entgegen. Ich frage, wie er zu der Genusstour kommt. Er wollte den Haidsteig gehen, hat sich aber kurz nach dem Auto den Nerv eingeklemmt und geht nun „aufrecht“ den Holzknechtsteig. Interessantes Vorgehen, um seinen Körper für Dysfunktion abzustrafen. Nein, sein Freund ist den Steig gegangen und sie wollen sich oben treffen. Okay, jedem Tierchen sein Plaisierchen! Wir plaudern und ich werde gegen seinen anfänglichen Widerstand eine meiner Schmerztabletten los. Die ist sicher schon gut abgelaufen.

Diesmal erwische ich den Wechsel zum Königschusswandsteig überraschend gut. Auch wenn ich ihn schon so oft gegangen bin, ist es fast jedes Mal anders. Im Steig überhole ich unter dem Felsfenster ein Paar. Viel Sauerstoff ist nicht mehr im Hirn. Ein freundliches Grüßen und ein bisserl „Geht’s gut?“ und „Schönen Tag noch“. Das war’s. Als ich dann oberhalb des engen Kamins zurückschaue, meine ich, dass mir meine Wahrnehmung einen Streich spielt. Das letzte Foto in der Galerie sollte das Phänomen erklären. Ich warte auf die Nachkletterin und erkenne, dass sie ganz anders als Ulli aussieht. Am Ausstieg bin ich wieder ein bisserl bei Sinnen und erkläre, dass ich für gewöhnlich nicht fremde Leute ohne Erlaubnis fotografiere und warum das Hier und Jetzt eine Ausnahme war. Die beiden sind verständnisvoll und freuen sich gar über das Foto. Sachen gibt’s!

Runter geht es dann den vollständigen Holzknechtsteig. Wieder kommen mir zwei junge Genießerinnen entgegen. Nein, so etwas haben sie nicht erwartet. Aber was soll’s? Kurz, ich kann niemanden den Holzknechtsteig im Aufstieg empfehlen, schon gar nicht, wenn die Sonne runterbrennt! Im Abstieg ist er eine Abkürzung, aber selbst da überaus entbehrlich.

Bergab sind die neuen Schuhe dann nicht so fein, weil sie eher für den Klettersteig gemacht sind und entsprechend eng anliegen. Da schieben die Zehen an der Oberseite schon heftig gegen den Schuh.

Recht fertig, aber zufrieden komme ich wieder beim Auto an. Alles gut, feiner Tag!

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Nandlgrat-Fischerhütte-Fadensteig

So, da stehen wir wieder und wollen rauf. Das Knie ist fit. Der Wetterbericht verspricht Hitze, und so starten wir nicht allzu spät. Mio legt sich schon früh das erste Mal hin. Er sucht den Schatten. Die Temperaturen schaffen ihn, das ist offensichtlich. Aber wir kommen gut voran. Abgelenkt durch hitzige Diskussionen übers Leben und was alles sonst eigentlich gar nicht so wichtig ist, erreichen wir die Bürklehütte und auch bald die Rieshütte. Selbst, als wir unseren persönlichen Nandlgrat-Rekord aufstellen, merken wir noch nicht, dass es doch ordentlich heiß ist. Ab nun geht es steiler bergauf. Mio klettert wie eine Bergziege, eine schnaufende Bergziege, aber immerhin wie eine Bergziege, die wahrlich keine Hilfe braucht. Diesmal haben wir eine Wasserflasche für ihn dabei, die er auch rasch leert. Nur verwendet er die aufgenommene Flüssigkeit nicht, um seinen Flüssigkeitsverlust durchs Schwitzen auszugleichen, sondern um wieder hingebungsvoll zu markieren. Okay, Hunde schwitzen nur ein bisserl an den Pfoten und da nicht zum Zwecke der Kühlung, sondern um Duftspuren zu hinterlassen. Aber das ich das Wasser schleppe, damit er pinkeln kann – hmm?

Der Nandlsteig hat schon eine Länge, die man nicht unterschätzen mag. Wer ihn schon ein paar Mal gegangen ist, weiß das. Trotzdem denke ich mir zumindest einmal: „Mah, ist der wieder zach!“.

Auf der Fischerhütte ist einiges los. Die Zahnradbahn schafft verlässlich Kundschaft heran. Der liebe Herrgott hat einen großen Zoo! Zwei junge Frauen sind bloßfüßig da. Ich beschließe, mir nie wieder Gedanken zu machen, ob Mio aufgrund der spitzen Steine leidet. In der Hütte legt eine der beiden Frauen Socken an. Hier bekommt sie kalte Füße. Ah ja, ich muss wirklich nicht alles verstehen.

Nach der Stärkung geht es noch auf den Kaiserstein, Ingress will auch erledigt sein. Mio meint, dass er Spuren direkt über die Kante in die Breite Ries folgen muss. Erstmals zweifelt Renate, ob denn Mio schlau genug ist, dass er da nicht runterklettert. Mio kommt an die Leine, und es geht Richtung Fadensteig. Im Fadensteig merkt man zumindest Mio die Müdigkeit an. Auch Renates Knie meint, dass für heute kaum noch Lustgewinn zu machen ist. Meine Hüfte findet Sessellift fahren ebenfalls lustiger. Ich hätte zumindest noch den Antrieb, dass die Hüfte eh bald ausgetauscht wird.

Bergab heben wir Mio zwei- oder dreimal über kleinere Felsstufen. Es ist halt leichter und ungefährlicher, nach oben als nach unten zu springen. Das sollte nachvollziehbar sein.

Im Abstieg sehen wir mehrfach Schilder, die auf den Fadensteiglauf am 13. August aufmerksam machen. Ein paar Trainierende kommen uns entgegen. Eine Stunde zwanzig nehmen sich die jungen Leute vor. Der Sieger braucht übrigens knapp unter 50 Minuten von der Talstation Sessellift Losenheim zur Fischerhütte. Die Unersättlichen laufen den „Flotten Dreier“ – dreimal rauf, zweimal runter!

Wir nehmen den Sessellift. Das geht auch schnell und Mio hat sich gar schon daran gewöhnt.

Nandlgrat geschafft – tadellos!

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Deneck (2.433m)

Wir haben uns ins Hotel Schloss Pichlarn verfügt. Was staune ich über die fünf Sterne! Gediegen ist es da. Man möchte gleich ein Monat oder zwei hier verbringen. Begeistert jagen Menschen mit ihren Schlägern kleine, weiße Bälle über die weiten Rasenflächen. Golfen geht aber im Moment nicht. Das gehe ich dann als Mensch mit voll flexibler Hüfte an. Renate ist dann auch wieder fit. Also, rauf auf den Sölkpass und von dort aufs Deneck. Gernot verweilt auf der anderen Seite der Alpen und ist spontan zu begeistern. Also, um neun in der Kaltenbachkehre der Straße auf den Sölkpass.

Drei Seen, der Untere, der Mittlere und der Obere Kaltenbachsee warten. Mio sollte ausreichend Wasser finden. Das Wetter ist nicht sonderlich stabil, aber wird halten. Wir starten. Der Aufstieg ist eine feine Bergwanderung und landschaftlich überaus reizvoll. Wir wandern, scherzen, weichen in gewohnter Weise den Kühen aus. Kurz, wir machen Höhenmeter. Der Gipfelaufbau des Deneck ist recht steil und schließt den Anstieg würdig ab. Am Gipfel zieht Nebel herum, wir machen Fotos und haben eine gute Zeit in den Bergen.

Der geplante Abstieg sieht die Überschreitung des Nagelecks vor. Aber darauf hat niemand so recht Lust. Regentropfen genügen als Ausrede, um uns zu überzeugen, dass der Abstieg über die Etrachböden auch genug ist. Auf der Kaltenbachalm gibt es noch Essen, das einer Alm würdig ist, aber jedem Internisten die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Als einer, der es wirklich wissen will, gönne ich mir noch einen frisch gemachten Bauernkrapfen. Entsprechend schlecht ist mir. Aber satt bin ich auch – hmm? Derart gestärkt ziehen wir uns wieder in unsere Täler zurück. Gernot zieht es in den Süden und uns ins Schlosshotel im Norden.

Landschaftlich feine und abwechslungsreiche Tour. Schwierigkeiten gibt es keine, solange kein Schnee liegt und das Wetter passt. Alles gut!

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Hohe Veitsch

Meine Planungsplattform, alpenvereinaktiv.com, liefert manchmal Ergebnisse der seltsamen Art. Recht spontan entscheiden wir uns für eine Runde auf die Hohe Veitsch. Den Wetterbericht hat Renate gecheckt und sie meint, dass es besser wird, als erwartet. Okay, da nehme ich nur kurze Sachen und Regengewand mit. Letzteres aus Prinzip, und das ist gut so. Dazu später.

Renates Schulter lässt weiterhin nur ambitionierte Wanderungen zu. So stehen wir beim Gasthof Scheikl und wollen los. Nur dort, wo laut Handy ein Weg oder Steig sein sollte, ist nichts. Mio muss an die Leine, weil da wieder einmal Kühe rumstehen und naturgemäß blöd schauen. Der geplante Track führt gerade nach oben. Da kann man nicht viel falsch machen. So steigen wir steiglos und steil Wiesen hinauf. Und weil niemand steil bergauf über einen Zaun mit Stacheldraht springen will, wechseln wir auf eine Lifttrasse. Jö, die ist schön zu gehen – so steil, so endlos! Schon bald höre ich wie sich in meinem kleinen Team Widerstand aufbaut. Mio ist es zu heiß und an der Leine zu fad. Nicht einmal Renate kann ich von der Sicht aufs Positive überzeugen. Immerhin lenkt einen nichts ab. Es geht einfach steil bergauf. Keine Fauna, keine besondere Flora, kein Blick übers Land, nur die lange Spur nach oben. So viel Fokus hat man selten. Man ist mit sich selbst und der Frage: „Warum der Scheiß?“ ganz allein. Auch lässt sich die Frage leicht beantworten, ob dem Bergsteigen hedonistische Züge innewohnen. Leider ist aber diese Strecke auch bald vorbei. Bei Renate muss sie eine Katharsis ausgelöst haben. Sie erwägt tatsächlich, weiter direkt zum Bergkamm aufzusteigen. Ist das eine Falle oder Unterzuckerung? Oder gar Sarkasmus? Sie erwägt es tatsächlich, aber ich verweigere strikt. Wir wollen ja gemeinsam im Auto heimfahren.

So wählen wir den vorgesehenen Goassteig, weichen dabei Kühen in Muttertierhaltung – wer hat sich übrigens das einfallen lassen? – aus und werden auch einmal ein bisserl vom Regen gewaschen. Von Schauern habe ich nichts gehört. Was soll’s? Wir gelangen aufs Plateau, wo die Wolken allmählich zu Nebel werden. Der Wind und leichter Niesel lassen meine kurzen Hosen und das T-Shirt komisch erscheinen. Mio erfreut sich letzter Schneefelder. Meine Hände haben mittlerweile eine ähnliche Farbe wie diese Felder. In mir formuliert sich eine Regel: „Den Wetterbericht glaubst du nur, wenn du ihn selbst gelesen hast.“. Bald habe ich die Notfallsausrüstung an. Mio und Renate verschwinden im Nebel. Die nächste Steigerung zur Wahrung des thermischen Wohlbefindens wäre es, in den Biwaksack zu schlüpfen, aber damit warte ich noch. Ich hole auf und wir erreichen das Gipfelkreuz. Es wartet ein kurzer Abstieg zum Graf-Meran-Haus, aber der hat es in sich.

Kuhglocken hallen durch den Nebel. Ach, was gehen mir diese Rindsviecher auf die Nerven. Wir weichen in steiles, nasses und entsprechend rutschiges Gelände aus. Plötzlich höre ich einen Schrei, Renate stürzt ab, bringt sich instinktiv in eine tadellose Langsitzhaltung und bremst den freien Fall auch schon wieder nach einem halben Meter. Ob was passiert ist? „Popschi nass!“ und ohne zeitliche Verzögerung „Ich muss mir die Hose umziehen!“. Da wundert sich der Bergfex in mir. Immerhin weht eine steife Brise aus Nordwest und der Nebel kommt recht feucht daher. Aber da steht Renate schon befreit von ihrer Hose. Ob das der richtige Ort für so eine Umziehaktion ist? Immerhin sind es maximal noch 250 Meter zur Hütte und die Kühe, soweit im Nebel erkennbar, schauen noch blöder als sonst. Ich kann mit Mio schon beruhigt vorgehen. Verwundert nehme ich das Angebot an und steige ab. Da höre ich von hinten noch durch den Wind, ob man die Regenhose ganz aufmachen kann. Ja, kann man. Der Nebel hebt sich und ich sehe eine Gruppe Bergsteiger mit Hund aufsteigen. Mann oh, die treiben die Kühe von links zu uns. Nach rechts ausweichen geht nicht, denn da sind Gämsen. Ober mir sehe ich Renate, die mit der Regenhose in Händen aber nicht an den Beinen kämpft. Was mögen nur die aufsteigenden Wanderer denken?

Mio und ich navigieren ruhig aber stark abgelenkt durch diese animalischen Gefahren. Ich drehe mich immer wieder um. Da steht meine Renate noch immer ohne Hosen. Komisch! Wir warten in der Nähe der Hütte. In einer Windpause höre ich etwas. Ruft oder flucht da Renate? Soll ich wieder aufsteigen? Kurz geben die Nebelfetzen einen Blick frei. Ah, tadellos gekleidet macht sie sich langsam an den Abstieg. Mir wird kalt und ich gehe zur Hütte vor. Aber der Wurm ist drin. Mio bekommt es als erster ab. Er streift mit seinem Schwanz den elektrischen Zaun. Er schreit auf und versteht nicht, wie ihm geschieht. Mir geht es ähnlich, als Renate wieder da ist. Halt, nicht ganz so schlimm! Renate prüft und meint, die Hütte hat zu. Schweigend und mit gesenktem Haupt stehen wir hinter Renate. Zweifel an der Aussage getrauen wir uns nicht anzubringen. Wir umrunden die Hütte, drinnen sitzen Leute. Ich gehe vor und probiere es an der Tür. Ist ja eh offen, aber jetzt ist Renate weg. Mann oh, das läuft ganz schlecht. Mio muss nochmal am Zaun vorbei und eine Runde um die Hütte drehen. Er fürchtet sich und ist dabei nicht ganz alleine. Ah, da ist sie ja!

Irgendwie geht es bekanntlich immer weiter und so sitzen wir ein paar Minuten später bei einer dürftigen Speisekarte im Gastraum. Aber die kalorische Versorgung zeigt Wirkung. Wetter und Stimmung hellen auf. Kulinarisch war es die Hütte nicht wert, aber zumindest mit Kalorien im Bauch und aufgewärmt starten wir den Abstieg. Irgendwer muss meine Trinkflasche nicht richtig zugeschraubt haben. Der Rucksack ist voll Wasser, das langsam, sehr langsam heraustropft. So habe ich während dem Abstieg einen konstant nassen Hintern. Ausgleichende Gerechtigkeit? Man weiß es nicht. Ach ja, wir weichen Kühen in Muttertierhaltung – langsam krieg‘ ich einen Grant – aus und landen auf einer Lifttrasse. Bergab sind diese übrigens auch nicht viel besser als bergauf.

Alles in allem eine kurzweilige Tour, wie man sie nicht unbedingt wiederholen muss. Trotzdem aber auch nicht wirklich übel. Eine Sitzheizung ist übrigens mitunter eine wahrlich feine Sonderausstattung!

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Blarergraben – Windberg – Lohmgraben

Wir brauchen eine Wanderung ohne Hände, sagt Renates Schulter. Das ist gut so, denn da kann Mio mit. Und Gernot ist auch dabei. Es geht nach Altenberg und von dort den Blarergraben hinauf. Aber schon bald zeigt sich, dass das für einen hier anstrengend werden wird. Der arme Mio kann nicht schwitzen. Das können und tun wir, aber er kann nur hecheln. Bald legt er sich im Wald nieder. Uje, wir haben noch nicht einmal ein Drittel.

Beim Aufstieg durch den Blarergraben bewundern Gernot und ich uns gegenseitig. Dass man hier mit Skiern abfahren kann. Auch Renate entfleucht gelegentlich ein der Höflichkeit geschuldetes: „Nein, wirklich!“.

Mio macht uns Sorgen. Gernot ringt mit seiner Contenance, habe ich doch Mios Trinkflasche vergessen. Schnell ist ein Blatt gefaltet und Mio schlempert fröhlich einen halben Liter weg. Vor dem Ausstieg aufs Plateau wartet dann noch Schnee. Den Hund haben wir oben, das ist fix.

Wir wandern über die Hochfläche Richtung Windberg. Mio lockt die Kühe an, was wiederum Gernot verjagt. Es ist gar nicht so leicht, die Herde beisammenzuhalten. Am Gipfel des Windbergs warten schon andere zehn bis fünfzehn Rindviecher. Da ist heute was los. Eigentlich sind Zwei- und Vierbeiner recht gelassen. Aber Mio traut sich nicht vorbei und fängt zu bellen an. Jetzt kommt Bewegung in die Szene. Renate steht beim Gipfelkreuz, ich schreie die Rinder an, um einen Korridor für Mio zu schaffen. Nur, so richtig gut ist die Idee nicht. So wird das nichts. Die Kühe springen prompt auf, aber starten Richtung Mio, der sich in die Felsen verdrückt. Gernot macht sich auf den Weg, um Mio weit umzuleiten, aber der bellt weiter und will es wissen. Er versucht, die Rinder in die Felsen zu locken, vielleicht um sie von uns abzulenken. Schlauer Kerl. Die Situation deeskaliert letztlich durch Gernots Rufe aus sicherer Entfernung, Mio stürmt in großem Bogen in Sicherheit, ich folge hüftbedingt deutlich langsamer quer durch die Herde, die Kühe kennen sich gar nicht mehr aus und Renate steht weiterhin am Gipfel. So weit der Überblick.

Irgendwann ist das Katz-und-Maus-Spiel mit Rind und Hund allen fad. Aber Mio entdeckt neue tierische Herausforderungen. Die Murmelpfiffe erwecken seine Aufmerksamkeit. Murmel sind auch eher seine Gewichtsklasse und so stürmt er ihnen nach. Er folgt ihnen gar ihn ihre Höhle. Aber so schnell wie er rein ist, hüpft er wieder raus – und hinkt. Uh, da hat ihn wohl jemand in die Pfote gezwickt. Was für ein Tag, läuft nicht! Also, der Hund schon bald wieder.

Der Pausenbedarf steigt bei allen an, und wir zur Michelbauerhütte ab. Es wartet wirklich gutes Hüttenessen. Nach Kuchen und Kaffee geht es noch einmal an der angriffslustigen Kuhherde vorbei Richtung Lohmgraben. Der Abstieg führt an mumifizierten Gamsteilen vorbei. Mio erkennt darin seine geliebte Rinderkopfhaut, darf aber nicht an die gut abgelegte Gams ran. Vielleicht ist das der Grund, dass er irgendwann nicht mehr weiter will. Er sagt ja nichts! Hat er genug vom Bergsteigen? Tun die Pfoten weh? Ist es zu heiß? Trotzt er wegen der versagten Gams? Man weiß es nichts. Mit den letzten Leckerlis schaffen wir es noch zum Auto. Dort werden die Pfoten gut gekühlt, ehe den armen Hund der Tiefschlaf im Auto übermannt. Oha!

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Rom


Fotos gibt es hier


Vor sechs Uhr starten wir an diesem Dienstag Richtung Flughafen. Und siehe da, es sind auch schon andere Menschen munter. Am Flughafen erfreue ich andere (Viel-)Flieger damit, dass mein am Vorabend gekauftes Ticket nicht reicht, um in das vorgesehene Parkhaus eingelassen zu werden. So schiebe ich und eine ganze Schlange hinter mir im Retourgang wieder aus der Garageneinfahrt. Ich meine, viele wenig wohlwollende Wünsche für unsere Reise zu vernehmen. Verständnis und fehlendes Unrechtsverständnis bei mir vermengen sich in mir. So kann es losgehen.

In Rom am Flughafen wartet schon ein Marinegeneral ganz in Weiß – aber leider halt nicht auf uns. Die schneeweiße Uniform ist um diese Uhrzeit schön anzusehen. Wer jetzt vermutet, dass ich mich mit dem ersten italienischen Espresso noch am Flughafen angepatzt habe, irrt. Alles läuft gut.

Auch das gebuchte Hotel Monastero dei Santi ist ein Volltreffer. Fünf oder sieben Zimmer – da sind sich das Internet und Giovanni vom Empfang nicht so einig. Klein ist das Hotel, dafür sind die Zimmer bzw. Suiten richtig groß. Wir brauchen mal ein Frühstück. Wir sind verwirrt, da Giovanni uns die Speisekarte per WhatsApp reicht und meint, dass er erst das Check-In abschließt und danach das Frühstück zubereitet. Oha, muss man all das verstehen, wenn man schon so früh auf ist?

Zu Mittag geht es dann den Hügel im Laufschritt hinunter in die Stadt. Der Sommer hat uns fest im Griff und ich bin in langen Hosen leicht angreifbar. Macht nichts, denn die Online-Buchung für eine geführte Tour durch die Sixtinische Kapelle et al. spart uns stundenlanges Warten vor der Kassa. Wir sind eine „Kleingruppe“ mit 25 TeilnehmerInnen. Die italienische Führerin spricht in ein kleines Radiogerät, und das brav folgende Rudel hört über einen Lautsprecher am Ohr zu. Ich leider nur in einer slawischen Sprache. Mein Empfänger wird getauscht, aber was ich jetzt höre, ist auch nicht viel verständlicher. Die gute Frau spricht mit italienischer Sprechgeschwindigkeit Deutsch und verwechselt ständig links und rechts. So versuche ich, einem Redeschwall zu folgen, der in etwa ist wie: „Dann kommene Sie’e zu die große Halle. Dort müssene Sie’e rechtse gehen. Wenn Sie’e linkse gehen, dann sind Sie’e wieder draußen und müssene sich’e wieder die ganze Schlange anstellen. Ah, rechtse meine ich, nicht linkse. Ha ha, alles klaro?“. Ich folge, wenige Minuten den Ausführungen, ehe ich mich auf die Suche nach dem Flecken in der Halle mache, wo das Verhältnis aus Zugluft und Raumtemperatur am erträglichsten ist. In der Ferne sehe und an einem Ohr höre ich, wie die Schnellsprecherin zweihundertachtundsiebzig Skulpturen erklärt und gar eine Wandteppichausstellung androht. Oha, ich hoffe auf die 50%-Chance, sodass ich vorzeitig rausfliege.

So durchstreifen wir das Museum, bestaunen die Sixtinische Kapelle, lesen enttäuscht, dass der Papst seine Audienz in dieser Woche am Petersplatz absagen muss (ist wohl irrtümlich links abgebogen) und erfreuen uns letztlich am beeindruckenden Petersdom. Wow, das nenne ich ein Bauwerk! Okay, katholische Demut und Bescheidenheit spiegelt es nicht wieder. Aber gerade deswegen ist es vielleicht überwältigend.

Wir retten uns ins Arlú. Wunderbares Essen, freundliche Bedienung – Ciao Italia! Okay, wir sollten den Flüssigkeitsbedarf nicht mit Prosecco decken. Ach was, nachher weiß man es besser. Aber da schaukelt uns schon das Taxi ins Kloster. Tag 1 ist damit ein voller Erfolg.

Tag 2 beginnt mit einem italienischen Frühstück auf unserer Terrasse. Der Blick über Rom ist ein Hammer, die vier Stück Kuchen bleiben mir. Denn das kontinentale Frühstück am Vortrag hat die Erwartungen von Renate nicht erfüllen können und so brechen wir zum Eataly auf. Das ist ein riesiges Kaufhaus für Feinkost. Drinnen sind auch ein paar Restaurants, aber keines hat vor zwölf Uhr offen. So hetzt Renate mit leerem Bauch und dem feinen Duft von Prosciutto und Parmigiano in der Nase durch die Gänge. Die Geschwindigkeit nimmt bedrohlich zu, ein Plan muss her. Renate kauft jetzt hier Zutaten fürs Frühstück und wird sie irgendwo verdrücken. Nur so leicht ist das nicht. Man muss ja erst am Ausgang zahlen. Und ob dann ein Verzehr im freien zwischen geparkten Autos so fein ist? Mit vier Stück Kuchen im Bauch kann man leicht Zweifel haben. Und da höre ich schon: „Ich habe jetzt echt Hunger und wenn ich in zehn Minuten nichts im Magen habe, geht das ganz schlecht aus! Für alle hier!“. Die Leute hier, die friedlich Fisch schlichten oder ihre Schinkenschneider verträumt putzen, sind plötzlich so alarmiert, als hätte Mio gehört, dass ich mit den Ohrentropfen anrücke. Wir bestellen also feinste Ware und Renate kürzt ab. Ein Restaurant ihrer Wahl wird auserkoren. Aber weit gefehlt, das Restaurant darf diesmal nur den Platz aber keine Speis und keinen Trank verkaufen. Stattdessen sitzt Renate da und verzwickt breit grinsend ihren selbst mitgebrachten, aber noch nicht bezahlten Schinken. Käse, Brot und Wasser passen wunderbar. Der Kellner rückt immer wieder an, mir krampft es den Magen zusammen, aber der gute Mann rückt jedes Mal ohne Wortmeldung wieder ab. Die Erfahrungen vieler Generationen müssen ihn gelehrt habe, dass er jetzt besser keinen Mucks macht. Ein „Buon appetito!“ wäre schon gewagt. Wir zahlen die leeren Verpackungen an der Kassa und fragen nach einem Espresso. Ja, da hinten gibt es wirklich in geordneter Manier Speisen und Getränke. Aber das kann ja jeder und so komme auch ich zu meinen Leckereien.

Weiter geht es mit Kolosseum, Forum Romanum und so weiter. Heiß ist es und ich der einzige Dodl in langer Hose. Renates Bekleidungsvorschriften sind ebenso strikt wie missverstanden. Was soll’s? Ich werde es überleben.

Am Abend folgen noch nach Rast im Kloster ein hervorragendes Essen im Restaurant Tadi und ein Konzert von Ludovico Einaudi. Da schau‘ her, wozu ich in der Lage bin. Auf einer Sitzfläche, die mich an Jasmins und Carinas Kindergartenzeit erinnert, lausche ich den repetitiven Klavierklängen, die irgendwo zwischen Etüden und klassischer Trancemusik anzusiedeln sind.

Zwei Stunden und zwei Zugaben später hat sich die Nacht über Rom gelegt. Heim sollte es gehen. Nur, Rom hat viel zu wenig Taxi und so wird der Heimweg nochmals spannend. Uber rettet uns. Noch eine Überraschung!

Tag 3 beginnt wieder mit Frühstück und Blick über Rom. 35 Grad und knapp über 100% Luftfeuchtigkeit sind angesagt. Da freut man sich schon auf die Spanische Treppe. Ist das nicht auch ein Folterinstrument? Wenn es ernst wird, stürze ich mich eben in den Trevi-Brunnen. Wird schon gehen. Die Antica Enoteca hat eine Klimaanlage und wieder feines Essen. Allmählich habe ich Zweifel, dass wir so gut sind im Auswählen. Was, wenn in Rom das Essen überall gut ist?

Irgendjemand hat mir Chili ins Essen gerührt, die Wirkung lässt nicht lange auf sich warten. In Frankreich startet man einen weiteren Atomreaktor, um die Kühlung hier zu pushen. Nix hilft, Renate reicht’s. Warum ich denn nicht eine kurze Hose anziehe? Fassungslosigkeit und Hoffnung kämpfen in mir. Aber ich dachte doch, dass du… Papperlapapp, wir kaufen jetzt eine kurze Hose für dich. Kurz zweifle ich noch an der Ernsthaftigkeit und vermute gar eine Falle. Letztlich komme ich mit drei kurzen Hosen aus dem Geschäft, und das in Farben, die eher an Eissorten erinnern. Mir soll es recht sein. Da fällt es sogar leicht, dass wir im Feinkostladen am Trevi Brunnen nur ein bisserl viel mehr als überhaupt möglich für den Prosciutto und ähnliches zahlen.

Am Tag 4, und damit letzten Tag, geht es dann nach der Frühstücksroutine ans Meer in den Beach Club Shilling in Ostia. Das Meer ist vertraut, vieles andere fremd. Also, wenn wir an den Strand wollen, kostet das 15 Euro pro Person. Für den Sonnenschirm kommen 100 Euro dazu. Ja, was denn? Wie soll ich denn einen Sonnenschirm ins Handgepäck bekommen. Wir wollen außerdem nur ins Restaurant und am Strand spazieren. Ah, das kostet nichts. Als, wir dann unsere Schuhe abstellen wollen, sind wir dann beim Kollegen wieder bei den Kästchen um 15 Euro.

Egal, wir haben einen wunderbaren Tag am Meer mit zwei Strandspaziergängen und einem feinen Essen dazwischen. Meeresfrüchte, Pasta,.. all das über den Nachmittag verteilt, begleitet von angenehm belebend einschläferndem Wein. Dolce far niente – oder so ähnlich! Wie könnte man sich besser auf den Heimflug vorbereiten.

Ach Roma, wir mögen dich!