Bergsteigen: Haidsteig

Am 8. November war ich das letzte Mal hier. Das ist ja eine Ewigkeit. Über ein Monat ist mein letzter Lauf her. Damit hat sich meine Hüfte beruhigt. Also, sie nervt noch immer, aber man kann ja nicht sein Leben lang warten, bis sich etwas von selbst bessert. Kaputt kann ich auch nichts machen, also werde ich mich durchlächeln. Erwähnenswert ist auch, dass ich an einem Samstag unterwegs bin. Der Wetterbericht ist halt extra fein. Dies im Gegensatz zur nächsten Woche. Also, raus aus dem Haus!

Am Parkplatz um 9 Uhr stehen, wie von Gernot präzise prophezeit, keine fünf Autos – gutes Zeichen. Ein älterer Herr startet mit Schneeschuhen und Helm am Rucksack. Mein Rucksack ist mit Grödeln, Steigeisen, Stöcken, etc. gut gefüllt. Schauen ma a mal!

Am Einstieg hole ich meinen Vorgänger ein. Elegant steige ich vorbei und meine, dass dies nun mein Steig ist. Es liegt ein bisserl Schnee, der verdammt gut hält und ein bisserl Eis, das verdammt rutschig ist. Aber 98% sind trocken und so gibt es eigentlich nur feine Bedingungen. Unterhalb der Einmündung des Alten Haidsteigs sehe ich noch einen Kraxler ein Stück ober mir. Schön bunt und gut abgestützt auf allen Vieren. Ui, ist dort, wo das Seil fehlt, Bedarf für Grödel? Ich schließe auf und überhole. Den Mann treffe ich beim Abstieg nochmals. Da erklärt er mir, dass er Touren immer von einer Website runterlädt und dann nachgeht. Er ist derart schon einige Klettersteige gegangen. Welche? Na, daran kann er sich nicht erinnern. Aber er ist top ausgerüstet. Wochenende? Egal, passt schon.

Bei der Madonna raste ich ein bisserl. Long time no see, liebe Ulli!

Am Vortag habe ich noch einen meiner Berichte gelesen und mich erinnert, dass mich die Steigeisen bei meiner letzten Winterbegehung eher genervt haben. So bin ich nun oberhalb der Madonna auch auf allen Vieren. Der Schnee hält, der Fels soundso, aber das Eis nicht. Und das verrät sich manchmal nur als glasklarer Überzug. Vorsicht, keine Eile, hab eh keine Kondi.

Am Plateau meldet sich der Wind. 2h15 habe ich vom Parkplatz herauf gebraucht. Das ist fast eine Stunde mehr als vor zwei oder drei Jahren. Fast doppelt so lange – upps! Ein Teil der Verzögerung lässt sich den Bedingungen zuschreiben. Fix ist, dass ich wieder fit werden will. So geht das jedenfalls nicht weiter.

Die Neue Seehütte ist zu meiner Verwunderung geöffnet. Irgendwie sieht das jetzt wieder professioneller aus. Aber mir ist noch der deutsche und eher bergahnungslose Pächter in Erinnerung, der bei unserem ersten Besuch, Kaffee und Würschtel mit Solarenergie zubereitet hat. Das war ja eher nix. So lasse ich die Hütte links liegen und wähle den Göbl-Kühn-Steig. Der Schnee trägt überraschenderweise gut und so ist das durchaus zu verantworten.

Im Langermanngraben kommen mir Tourenfahrer entgegen – von unten mit den Skiern am Rücken. Sie erklären, dass sie absichtlich bis zum Abbruch abgefahren sin. Aber die Übellaune lässt vermuten, dass das nicht ganz so geplant war. Acht Schwünge, zwanzig Minuten schwitzen. Da wird ein Sessellift plötzlich attraktiv.

Das Waxriegelhaus ist rappelvoll. Martin, der Wirt, setzt mir drei Studenten aus Mannheim an den Tisch. Kein Rucksack, Turnschuhe ohne jedes Profil. Na ja, sie haben eigentlich gar nicht damit gerechnet, dass Schnee liegt. Sie wollten über den Altenbergersteig auf die Heukuppe, aber der Schranken war zu. Und so sind sie aufs Preiner Gscheid. Wie denn die Seehütte so ist? Kulinarisch nicht lohnenswert und mit dem Schuhwerk kaum erreichbar. Ah ja. Ich empfehle den Entenhügel, 100 Meter hinter der Hütte. Der Anstieg ist steil, aber ein Ausrutschen ist im Wald unwahrscheinlich und wenn, nicht so wild. Die Füße sind in den Schuhen sicherlich auch schnell nass. Wenn das alles erträglich ist, können sie ja weiter auf den Waxriegelgrat gehen. Der bringt einen Ausblick. Ob sie derart zum Karl-Ludwig-Haus gelangen? Mit den Schuhen wahrscheinlich nicht und nun ja, das hat geschlossen.

Wenn jemand sagt, dass ich ein Bergfex bin, winke ich stets ab. Jemand, der in Salzburg oder Tirol lebt, und Zeit seines Lebens jede Woche Touren geht, der hat viel Erfahrung. Nicht ich. Aber an Tagen wie heute, oder eben Samstagen, bin ich fast überzeugt, dass ich doch viel Erfahrung habe. Anderseits beneide ich die jungen Leute. Ich erkläre ihnen, dass mit den Schuhen das Absturzrisiko wohl bei zehn Prozent liegt und dass es auf einem steilen Harschdeckel oder Altschnee sehr, sehr wahrscheinlich kein Halten ohne Pickel gibt. Aber ich sage ihnen auch, dass das für sie bedeutet, dass sie es mit 90%iger Wahrscheinlichkeit schaffen würden. Und diese Sicht auf die Dinge lassen einem mit 20 Jahren Risiken eingehen, die Erinnerungen fürs Leben bringen. So wünsche ich ihnen das Allerbeste, viel Spaß in den Bergen und ermahne sie, sich von den Alten nicht einschüchtern zu lassen.

Am Weg nach Griesleiten überlege ich mir dann, welchen Preis mir die Hüfte in Rechnung stellen wird. Aber der ist auch am Sonntag noch erstaunlich tief. Ich muss wieder öfters in die Berge. Das ist meine Erkenntnis der Tour.

Die Tour auf Garmin

Podersdorf am Neusiedlersee

Heute hat sich am Vormittag ein Baum im Wald der Länge nach auf unsere Route gelegt. Das ist erstens gefährlich und zweitens ein Indiz für Wind. So fahren Mio und ich lieber an den Neusiedler See, wo die Bäume den Wind gewöhnt sind und schießen ein paar Fotos. Die Anzahl der Kiter und Surfer ist beachtlich. Ob das ein Zeichen der Klimaerwärmung ist?

Mio erinnert sich, dass man in seiner Familie Enten apportiert hat, ehe man – ebenfalls klimabedingt – auf die Trüffelsuche umgestiegen ist. Der Neusiedler See bietet ausreichend Schlamm, sodass sich Mio wie sein Ururgroßvater gefühlt haben muss. Die Enten waren jedenfalls schneller als jeder Trüffel.

Wandern: Predigtstuhl

Lange habe ich mich geschont und das Laufen für meine beleidigte Hüfte verantwortlich gemacht. Dann bin ich am Vortag von Kaltenleutgeben direkt und steil zur Teufelstein Hütte aufgestiegen. Und weil ich mich danach fast nicht bewegen konnte, war der Beschluss schnell gefasst: ich muss wieder fitter werden.

Eine Skitour wäre grundsätzlich möglich, aber ich habe Mio. Und der führt sich wie ein Verrückter auf, wenn es steiler bergab geht. Ich habe Sorge, dass ich ihn mit den Stahlkanten meiner Skier bei der Abfahrt erwische. Das wäre gruselig. Deswegen lieber eine Tour im Schnee. Da wären Schneeschuhe fein, die habe ich aber nicht. Garmaschen müssen reichen. Die mildern nicht die Mühsal, aber halten zumindest die Socken trocken.

Mio und ich starten am Preiner Gscheid. Die alte Skipiste geht noch locker. Aber dem Waxriegelhaus wird es dann für beide allmählich härter. Mio erschließt sich nicht ganz, warum wir da hinauf müssen. Er läuft einfach vor und schaut mir dann zu, wie ich mich abquäle. Allmählich bekomme ich ein Gespür für Schnee. Eine Fehleinschätzung wird mit einem Einbrechen bis über den Oberschenkel sanktioniert. Wer das richtige Weiß findet, marschiert hingegen wie auf hart gepresster Piste. Auch für Mio gilt „Am Weg bleiben“. Weit kann er nicht jagen, da ihn schon nach ein paar Metern der tiefe Triebschnee bis zum Bauch verschwinden lässt.

900 Höhenmeter sind es in Summe. Das ist wirklich nicht viel, aber ich bin fertig. Ui, da muss jemand wieder trainieren! Und der Abstieg ist auch noch da. Dazu wandere ich über den Predigtstuhl zum Karl-Ludwig-Haus. Hier heroben ist alles abgeblasen. Da gibt es keine Schwierigkeiten. Für den Abstieg wähle ich die Eisenkette vom Karl-Ludwig-Haus Richtung Karlgraben. Mio muss an die Leine, da er bei einem der letzten Male gemeint hat, dass er sich auf dem über 30 Grad steilen Harschdeckel wälzen muss. Am Ende der Kette kommt er wieder frei. Den Karlgraben neben wir direkt. Mio flippt aus. Er schießt die Rinne hinunter. Bremsmanöver hinterlassen eine entsprechende Bremsspur. Er dreht um und fetzt den Graben wieder rauf. Angst und Atemnot kennt er nur begrenzt. Fein so!

Am Waxriegelhaus gönne ich mir drei Gänge, ehe ich zu meiner geringsten Überraschung kaum aufstehen kann. Aber ein bisserl strecken und dehnen, dann kommt das alles wieder in Schwung. Ein paar Touren wird es aber noch brauchen. Wird schon werden!

Die Tour auf garmin.com

Skiurlaub: Kolfuschg

Die Anreise in die Dolomiten ist von daheim aus schon ein ganzes Stück. Auch ist der viele Schnee eher im Norden gefallen. Aber die Vorfreude auf Italien entschädigt.

Wir sind wieder im wunderbaren Lüch de Costa untergebracht. Lydia und Jasmin sind im Ausland. Dafür ist Vicky mit dabei. Am ersten Skitag trüben noch ein paar Wolken am Nachmittag den Himmel, aber die restlichen fünf Tage sind fetzblau. Recht kalt ist es. So viel Gewand hatte ich beim Skifahren noch nie an! Dafür ist der Schnee entsprechend gut. Endlose Pisten warten. Jetzt war ich schon so oft hier, habe aber noch immer nicht annähernd jeden Lift zumindest einmal benützt. Wir machen uns keinen Stress. Auf den Hütten genießen wir das italienische Essen und wärmen uns für den Nachmittag. Von dem bleibt aber oft nicht viel übrig. Zu gut ist das Essen! Die Jimmy Hütte, die Rifugio Fredarola und die Refugio Domici empfehle ich gerne. Letztere grenzt schon ein bisserl gar an Dekadenz, lässt man sich doch angeblich den angebotenen Fisch jeden Tag frisch liefern, wenn nicht gar einfliegen.

Skiwochenende: Obertauern

Nun ist doch noch Schnee gekommen. Carina packt ihre Freundin, Vali, ein, und so fahren wir zu viert am Freitag los. Der Wetterbericht war ursprünglich ganz schlecht, aber nun verspricht er zumindet am Sonntag feinstes Skiwetter.

Die Hotels sind gut gebucht und wir kommen im Hotel Rigele Royal unter. Das ist fein, aber auch nicht meine Empfehlung. Es ist ein bisserl dysfunktional. Und royal ist es wirklich nicht. Es sein denn, man fühlt sich als König von Mallorca. Das liegt stark am Personal, das hier schon zum Frühstück fröhliche Ballermann-Stimmung verbreitet und über die eigenen Scherze am lautesten lacht. Wer’s mag, dem sei’s gegönnt.

Der Schnee ist jedenfalls ein Hammer. Schon am Samstag erfreuen wir uns am trockenen Pulver. Wenige Leute sind unterwegs, das macht die Sache noch feiner. Und am Sonntag dann strahlend blauer Himmel und knietiefer, trockener Pulver bei weit unter Null. Wow, das hatte ich schon lange nicht! Was für ein Genuss. Mittags können wir am Seekarhaus gar auf der Terrasse sitzen. Was für ein Tagerl!

Vom Pfaffensattel aufs Alois-Günther-Haus

Mio und ich starten spontan zu einer Tour raus aus dem Nieselregen in die Sonne. Das ist Luxus, muss aber sein. Wir rollen Richtung Pfaffensattel. Eigentlich wollten wir ja am Vortag mit Renate und Gernot die Tour auf Skiern machen. Da haben wir uns aber im Wetterbericht getäuscht und sind daheim geblieben. So geht es heute alleine und ohne Skier los.

Hundert Meter auf der Mautstraße und ich lasse Mio von der Leine. Mah, das ist eine Lebensfreude. Er fetzt mit aller Kraft die Mautstraße bergauf, dreht sich um, schaut mich an, wartet kurz und startet dann auf mich zu. Im Vollgas an mir vorbei, um ein paar Meter hinter mir umzudrehen und dann wieder nach oben und damit das Spiel von Neuem zu starten. Voller Lebensfreude wälzt er sich auf der Forststraße. Und wenn man ein Loch gräbt, dann ist man auch wieder auf der Erde zurück. Ein Hundetraum.

Der Nebel will nicht locker lassen, aber die Sonne kann nicht weit sein. Erst ganz oben zeigt sie sich dann immer wieder. Der Schnee ist ganz trocken und erinnert an vergangene Jahre. Solche Tage werden wegen der Klimaerwärmung leider immer seltener. Umso mehr Freude haben wir beide mit dem heutigen Tag.

Das Alois-Günther-Haus ist nach etwas einer Stunde erreicht. Die Hütte selbst ist wirklich keinen Besuch wert. „Lieblos und teuer“ trifft es. Für den großen Hunger stehen entweder Fleischlaibchen oder Erbsensuppe und Käsekrainer auf der Tafel, jeweils zu 15 Euro bei Selbstbedienung. Ich bestelle die Fleischlaibchen und ergattere das letzte. Singular und Plural sind bei Fleischlaibchen gleich. Trotzdem wirkt das eine Laberl neben dem Instant-Erdäpfelpüree und dem Tiefkühlgemüse ein bisserl gar traurig. Zehn vor zwölf werden die Fleischlaibchen von der Tafel gestrichen und durch Schinkenfleckerl, auch um 15 Euro, ersetzt. Kurz, kulinarisch ist das Ödland. Aber die Schilifte und die beiden Schirouten spülen verlässlich Gäste ins Haus. Alternative gibt es keine. Da ist die Versuchung groß, ohne Anstrengung das Geld zu kassieren. Schade, aber so ist es!

Mio stört das nicht. Beim Abstieg will er die Schuhbänder aufziehen und in meine Hosenbeine beißen. Das Spiel sieht vor, dass ich das austretende Pferd mache. Heute kann er es. Er springt in die Höhe und versucht, die Handschuhe zu erwischen. Er bellt und ist so voller Energie. Was ist mit dem kleinen Racker heute nur los? Hat er das Katzenfutter erwischt?

Auf Dauer bin ich ein langweiliges Opfer. Da bieten sich plötzlich Skifahrer an, die die Mautstraße zum Pfaffensattel abfahren. Die erste Dame stellt Mio. Das hat er jetzt auch noch nie getan. Zumindest findet er an den Schischuhen keine Schuhbänder. Als dann ein weiterer Schifahrer lachend meint: „Na, schauen ma a mal, wer von uns beiden schneller ist!“, überzeugt Mio mit satter Geschwindigkeit auf gepresstem Untergrund. Mit Mühe kann ich ihn zurückpfeifen.

Seine Versuche, in die weitere Landschaft zu verschwinden, scheitern, weil er in der ganzen nahen Landschaft erst bis zum Bauch, dann bis zu den Ohren im trockenen Schnee verschwindet.

Viel zu schnell sind wir wieder beim Auto. Mio verschläft den restlichen Tag.

Die Wanderung auf garmin.com

Skiurlaub: Obertauern

Uh, da haben wir wohl die letzten Zimmer ergattert. Und das in Obertauern! Das ist gut, weil in den Alpen liegt so gut wie kein Schnee. Da sollten wir doch in Obertauern auf der sicheren Seite sein. In Obertauern angekommen staunen wir über den Schneemangel nicht wenig. Aber zumindest liegt Schnee. In den anderen Gebieten sieht es noch trauriger bzw. grüner aus.

Die Gastgeber des Hotels Snowwhite sind herzlich und freundlich, das Essen gut. Überall stehen Zwerge herum. Ein bisserl viel Themenabend. Aber wir fühlen uns wohl und sind froh, überhaupt noch etwas gefunden zu haben.

Jeden zweiten Tag lacht die Sonne. Für Mitte Jänner ist es ungewöhnlich warm. Auf den Hütten können wir an den Sonnentagen auf der Terrasse sitzen. Das hat man wahrlich selten um diese Jahreszeit. Die Pisten sind sehr voll. Die Tagesgäste parken die Bundesstraße zu. Auch scheint es so, dass andere Wochengäste aus ihren schneearmen Urlaubszielen auf den Tauernpass flüchten. Viele Menschen und fast ausschließlich Kunstschnee führen zu rutschigen Eisplatten mit zusammengeschobenen Schneehaufen. Ins Gelände kann man nicht ausweichen. Das verstärkt das Gedränge auf den schmalen Pisten. An einem Tag bietet das nordseitige Zehnerkar gute, weil trockene Bedingungen. An einem anderen Tag firnt es gar auf, und der Schaidberg lädt zum Frühlingsfirn.

Bei der Abreise sieht der Wetterbericht einen Meter Neuschnee für die kommende Woche. Vergönnt sei es, notwendig ist es jedenfalls.

Bergsteigen: Martinsteig

Schnee ist gefallen, das Karl-Ludwig-Haus geht am Wochenende in die Winterpause, die Sonne lacht. Unsere Damen wie auch Mio fallen aus. So planen wir eine Sonnentour mit Erkundung. Am Preinergscheid starten wir. Gernot möchte den Martinsteig für Renate und seinen Vater vorkosten.

Der Anstieg ist derselbe wie zum Gretchensteig. Der ist gut ausgetreten. Irgendwann zweigt der Martinsteig ab und der ist noch nicht gespurt. Alles kein Stress! Das Stück werden wir schaffen. Der Schnee stollt an den Grödeln, aber Gernot ist das wurscht. So stapfen wir dahin. Die Erkenntnis ist, dass der Steig im Winter für Gernots Vater, der fit, aber doch schon über 80 ist, vielleicht nicht so geeignet ist. Zwei Stellen sind ordentlich eingeweht. Da ist die einfache Kraxelei sogar ein bisserl spannend. Ebenso leicht spannend ist die Querung des Schneefeldes unterhalb der Materialseilbahn. Kurz denken wir gar daran, ob das eh halten wird. Es ist steil und der Untergrund grasig. Da lohnt es sich, ein bisserl nachzudenken.

Aber alles hält, der Martinsteig hat eine neue Spur und wir Hunger für die Hütte. Gunnar und Jeanette, das Pächterpaar, gestehen, dass es hier ihr letztes Wochenende ist. Sie wechseln im Frühjahr auf die Gablonzer Hütte. Das finde ich schade, habe ich mich doch mit den beiden immer gut unterhalten. Schauen ma a mal, wer da im Frühjahr nachkommt.

Für den Abstieg wählen wir den Gretchensteig, da lacht die Sonne am Nachmittag so fein. Alles in allem eine leichte Genusstour selbst im November, wenn nicht gar eher Winterwanderung. Ach ja, Gernots Vater sollte die Tour im Sommer auch schaffen. Da bin ich mal zuversichtlich.

Die Tour auf garmin.com

Akademikersteig II+

Nebel liegt im Wiener Becken und in den Bergen ist kein Schnee. Dafür soll oben die Sonne lachen. Facebook erinnert, dass wir schon ein paar Mal im November den Akademikersteig gegangen sind. Jedes Mal im T-Shirt. Auf der Autobahn haben wir noch Zweifel, ob denn das möglich ist. Aber schon in Gloggnitz lichtet sich der Nebel. Das ist schon ein bisserl unfair, um wieviel besser es das Wetter hier mit einem meint.

Beim Stadelwandgraben und beim Weichtalhaus parken Autos – oh Schreck! Heute ist der 15. November – Heiliger Leopold! Oder wie auch immer die windige Begründung lautet, dass die Schulen heute geschlossen sind. Am Parkplatz am Wachthüttelkamm sind wir aber alleine – uff! Den ganzen Tag werden wir niemand treffen. Nur an der gegenüberliegenden Wand sehen, oder viel mehr, hören wir zwei Frauen. Man sieht sie nicht immer, aber man hört sie fast pausenlos. Upps!

Mittlerweile finden wir den Einstieg sicher und ohne jeden Funken des Zweifels. Wir haben nur das kürzeste Seil mit 20 Metern mit. Gernot will es nur verwenden, falls doch eine Passage zu kniffelig oder ausgesetzt ist. Wir dirndeln uns am Einstieg mit Klettergurt und Material komplett an, nur das Seil bleibt im Rucksack. Gernot ist schon im T-Shirt, ich zur Sicherheit mit Jacke. Am Einstieg muss man sich ein bisserl rauslehnen, zum Aufwärmen sozusagen. Aber es gibt kein Warten, Gernot mutiert vom Alpensalamander zur bedachten Bergziege. Die ersten Seillängen gehen ohne Seil schnell vorbei. Ich wechsle auch auf T-Shirt. Irre! Es ist Mitte November und wir genießen kurzärmelig die Sonne!

Die Stelle, an der Gernot einst verweigert hat, macht ihm keine Probleme. Schon folgt der Abstieg zur nächsten Bedenken-Stelle. Okay, die ist nicht so ganz einfach wie gedacht, kann uns aber trotzdem nicht aufhalten. Gernot hat die Topo im Kopf. Eine Stelle mit II+ will noch gemeistert werden, ehe es in einer leichten Querung zum Felsfenster geht.

Und hier unterm Fenster hängt sich Gernot in den Bohrhaken und lacht. Nein, hier ist „Aus die Maus!“. Ich frage nicht nach, aber wundere mich, wie schnell er das entschieden hat. Er hatte doch kaum Zeit, sich die Stelle anzuschauen. Vielleicht will er das mitgetragene Seil und restliche Equipment zumindest einmal verwenden. Ich dränge ihn sicher nicht. Das 20m-Seil ist im Handling ohnedies überaus komfortabel. Schnell sind wir eingebunden und los geht’s! Noch schnell ein paar Fotos. Die Stimmung ist ausgelassen. So soll es sein!

Ich kraxle durchs Felsfenster. Einmal muss man sich mit viel Luft unterm Hintern etwas verdrehen. Das mag vielleicht ein bisserl unangenehm sein. Oder ist es das „Hinaufspreizen“ zwischen Wand und Säule? Technisch ist es jedenfalls mit II bewertet, also recht überschaubar. Ein bisserl Überwindung kostet es halt. Das Seil ist rasch aufgebraucht, Gernot kommt nach. Er meint, dass es genau das Richtige war, diese Stelle zu sichern. Da schau her, auch recht!

Wir packen das Seil wieder ein und Gernot übernimmt den Vorstieg. Seine Freude kann man kaum übersehen. Viel zu schnell sind wir dann auch schon über den Grat am Ausstieg des Steiges. Wir genießen die Sonne, denn schon 15 m Richtung Auto beginnt der Schatten. In Payerbach spätestens beginnt der Nebel, ab Gloggnitz ist es durchgängig grau und ab Wiener Neustadt herrscht dann Dunkelgrau. Da bleiben wir lieber heroben in der Sonne und haben unseren Spaß.

Im November gibt es nichts Besseres fürs Gemüt – yes!

Die Tour auf garmin.com

Haidsteig-Königschusswandsteig

Raus aus dem Nebel! Gernot hüstelt, Mio besucht die Staatsmeisterin im Schach und ich führe meine neue Berghose aus. Ab Neunkirchen lacht die Sonne. Was für ein Wahnsinn! Seit mehreren Tagen liegen Wien und auch Breitenfurt unter einer Nebeldecke. Da ist so ein „Vitamin D“-Ausflug immer eine Freude.

Am Vortag habe ich ein eher seltenes, anaerobes Training absolviert. Die Beine schlafen noch, wird schon werden. Auch bin ich spät dran. Niemand wollte so recht aufstehen, nicht einmal Mio. Der Zustieg dauert maximal eine Dreiviertelstunde. Diese Dreiviertelstunde erinnert mich so sehr an die Zeit in meiner Kindheit, die ich in Breitenstein am Semmering verbracht habe. Die Nadelbäume, die Blumen.. all das erinnert an die unbeschwerte Zeit, als ich am Semmering durch die Wälder gezogen bin. An einer Stelle hat sich die Sonne so intensiv hingelegt, dass ich die abgefallenen Nadeln riechen kann. Der Geruch hat sich seit Kindheitstagen in mein Gedächtnis eingebrannt. Was für ein Tag!

Vor dem Einstieg hole ich noch fünf Tschechen oder Slowaken ein. Weit unten im Steig sehe ich drei Männer, ein Einzelgänger macht sich bereit. Mann oh, das passt mir nicht. Beim ersten Steigbaum dann noch ein älteres Paar, das beschlossen hat, solange zu warten, bis niemand mehr von oben Steine abwerfen kann. Also, vorbei am Einzelgänger, am älteren Paar und in der ersten Querung noch an den drei Männern. Das Handy und die depperten Fotos müssen bei den drei lauten Herren im besten Alter herhalten, warum da heute nichts weitergeht. Ich kraxle schnell weiter, will ja niemanden unter mir durch ein Hoppala eines losgetreten Steins gefährden. Das bringt meinen Puls gar hoch. Das war eigentlich nicht der Plan nach dem gestrigen Training.

Bei der Madonna sitzt auch ein Paar. Da ist heute etwas los, das nächste Mal wieder früher. Wir plaudern, besprechen den Königschusswandsteig und wundern uns, dass ich mir heute gar nicht frei nehmen musste. Die beiden sind in Dreiviertelhose und T-Shirt. Aber meine neue Mammut Courmayeur Hose ist eine echte Empfehlung. Sie ist zwar schwarz und lange, aber ich komme trotzdem nicht darin vor Hitze um. Die ist echt eine Empfehlung. So eine gelungene Berghose hatte ich noch nie!

Schon höre ich die drei aufgeregt lauten Nachsteiger im Großen Kessel unter der Madonna. Also weiter! Am Plateau merke ich, dass ich richtig müde bin. Das Preinerwandkreuz ist aber Pflicht. Der Abstieg zum Königschusswandsteig ist dann schon ein bisserl taumelig. Ich stärke mich beim Einstieg. Die Sonne brennt runter, sodass man eher auf April tippen würde. Edel!

Dann geht es langsam in den Steig. Irgendetwas hat es, die Arme sind ganz schwach. Da bedarf es einiges an Erfahrung, dass ich im Steig möglichst viel mit den Beinen und möglichst wenig mit den Armen mache. Das geht meist gut, und manchmal muss ich dann doch kräftig ziehen. Erschöpfung meldet sich. Aber ich bin vorbereitet und steige gemächlich weiter. Das Fenster im oberen Viertel ist zum Glück wieder trocken. Ich schieße Fotos, ehe ich aufs Plateau steige.

Jetzt noch den Holzknechtsteig runter. Dieser Steig ist eigentlich wirklich übel, aber er fasziniert mich auch. Der ändert sich fast von Mal zu Mal. Also, Regen und Geröll verändern den Verlauf. Das lässt mich jedes Mal staunen. Nun hat sich gar jemand die Mühe gemacht, gelbe Punkte auf scheinbar fixen Felsen anzubringen. Auch Eisenstangen sind eingeschlagen. Schauen ma a mal, wie lange die den Weg zeigen werden.

Im Wald ist heute nicht an Laufen zu denken. Die Beine erinnern eher an Pinocchio. Aber auch gemächlich erreicht man sein Ziel. Beim Spar in Reichenau gibt es noch die traditionelle Käseleberkäsesemmel mit allem. Kurz habe ich wegen der Diätologin überlegt, mich aber dann doch für das fette Gift entschieden. Belohnt wurde ich mit der Überraschung, dass die Leberkäsesemmel mit 1,30 Euro in Aktion ist. Angesichts der aktuellen Inflation hätte ich auch 3,70 akzeptiert. Egal, so schmeckt sie noch besser. Der Kaffee dazu ist allerdings nur etwas für Gourmets, wie ich einer bin.

Ab Gloggnitz hat mich der Nebel wieder. Es dämmert schlagartig, oder vielleicht wurde es hier den ganzen Tag gar nicht so richtig hell.

Die Tour auf garmin.com