Wandern: Predigtstuhl

Lange habe ich mich geschont und das Laufen für meine beleidigte Hüfte verantwortlich gemacht. Dann bin ich am Vortag von Kaltenleutgeben direkt und steil zur Teufelstein Hütte aufgestiegen. Und weil ich mich danach fast nicht bewegen konnte, war der Beschluss schnell gefasst: ich muss wieder fitter werden.

Eine Skitour wäre grundsätzlich möglich, aber ich habe Mio. Und der führt sich wie ein Verrückter auf, wenn es steiler bergab geht. Ich habe Sorge, dass ich ihn mit den Stahlkanten meiner Skier bei der Abfahrt erwische. Das wäre gruselig. Deswegen lieber eine Tour im Schnee. Da wären Schneeschuhe fein, die habe ich aber nicht. Garmaschen müssen reichen. Die mildern nicht die Mühsal, aber halten zumindest die Socken trocken.

Mio und ich starten am Preiner Gscheid. Die alte Skipiste geht noch locker. Aber dem Waxriegelhaus wird es dann für beide allmählich härter. Mio erschließt sich nicht ganz, warum wir da hinauf müssen. Er läuft einfach vor und schaut mir dann zu, wie ich mich abquäle. Allmählich bekomme ich ein Gespür für Schnee. Eine Fehleinschätzung wird mit einem Einbrechen bis über den Oberschenkel sanktioniert. Wer das richtige Weiß findet, marschiert hingegen wie auf hart gepresster Piste. Auch für Mio gilt „Am Weg bleiben“. Weit kann er nicht jagen, da ihn schon nach ein paar Metern der tiefe Triebschnee bis zum Bauch verschwinden lässt.

900 Höhenmeter sind es in Summe. Das ist wirklich nicht viel, aber ich bin fertig. Ui, da muss jemand wieder trainieren! Und der Abstieg ist auch noch da. Dazu wandere ich über den Predigtstuhl zum Karl-Ludwig-Haus. Hier heroben ist alles abgeblasen. Da gibt es keine Schwierigkeiten. Für den Abstieg wähle ich die Eisenkette vom Karl-Ludwig-Haus Richtung Karlgraben. Mio muss an die Leine, da er bei einem der letzten Male gemeint hat, dass er sich auf dem über 30 Grad steilen Harschdeckel wälzen muss. Am Ende der Kette kommt er wieder frei. Den Karlgraben neben wir direkt. Mio flippt aus. Er schießt die Rinne hinunter. Bremsmanöver hinterlassen eine entsprechende Bremsspur. Er dreht um und fetzt den Graben wieder rauf. Angst und Atemnot kennt er nur begrenzt. Fein so!

Am Waxriegelhaus gönne ich mir drei Gänge, ehe ich zu meiner geringsten Überraschung kaum aufstehen kann. Aber ein bisserl strecken und dehnen, dann kommt das alles wieder in Schwung. Ein paar Touren wird es aber noch brauchen. Wird schon werden!

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Skiurlaub: Kolfuschg

Die Anreise in die Dolomiten ist von daheim aus schon ein ganzes Stück. Auch ist der viele Schnee eher im Norden gefallen. Aber die Vorfreude auf Italien entschädigt.

Wir sind wieder im wunderbaren Lüch de Costa untergebracht. Lydia und Jasmin sind im Ausland. Dafür ist Vicky mit dabei. Am ersten Skitag trüben noch ein paar Wolken am Nachmittag den Himmel, aber die restlichen fünf Tage sind fetzblau. Recht kalt ist es. So viel Gewand hatte ich beim Skifahren noch nie an! Dafür ist der Schnee entsprechend gut. Endlose Pisten warten. Jetzt war ich schon so oft hier, habe aber noch immer nicht annähernd jeden Lift zumindest einmal benützt. Wir machen uns keinen Stress. Auf den Hütten genießen wir das italienische Essen und wärmen uns für den Nachmittag. Von dem bleibt aber oft nicht viel übrig. Zu gut ist das Essen! Die Jimmy Hütte, die Rifugio Fredarola und die Refugio Domici empfehle ich gerne. Letztere grenzt schon ein bisserl gar an Dekadenz, lässt man sich doch angeblich den angebotenen Fisch jeden Tag frisch liefern, wenn nicht gar einfliegen.

Skiwochenende: Obertauern

Nun ist doch noch Schnee gekommen. Carina packt ihre Freundin, Vali, ein, und so fahren wir zu viert am Freitag los. Der Wetterbericht war ursprünglich ganz schlecht, aber nun verspricht er zumindet am Sonntag feinstes Skiwetter.

Die Hotels sind gut gebucht und wir kommen im Hotel Rigele Royal unter. Das ist fein, aber auch nicht meine Empfehlung. Es ist ein bisserl dysfunktional. Und royal ist es wirklich nicht. Es sein denn, man fühlt sich als König von Mallorca. Das liegt stark am Personal, das hier schon zum Frühstück fröhliche Ballermann-Stimmung verbreitet und über die eigenen Scherze am lautesten lacht. Wer’s mag, dem sei’s gegönnt.

Der Schnee ist jedenfalls ein Hammer. Schon am Samstag erfreuen wir uns am trockenen Pulver. Wenige Leute sind unterwegs, das macht die Sache noch feiner. Und am Sonntag dann strahlend blauer Himmel und knietiefer, trockener Pulver bei weit unter Null. Wow, das hatte ich schon lange nicht! Was für ein Genuss. Mittags können wir am Seekarhaus gar auf der Terrasse sitzen. Was für ein Tagerl!

Vom Pfaffensattel aufs Alois-Günther-Haus

Mio und ich starten spontan zu einer Tour raus aus dem Nieselregen in die Sonne. Das ist Luxus, muss aber sein. Wir rollen Richtung Pfaffensattel. Eigentlich wollten wir ja am Vortag mit Renate und Gernot die Tour auf Skiern machen. Da haben wir uns aber im Wetterbericht getäuscht und sind daheim geblieben. So geht es heute alleine und ohne Skier los.

Hundert Meter auf der Mautstraße und ich lasse Mio von der Leine. Mah, das ist eine Lebensfreude. Er fetzt mit aller Kraft die Mautstraße bergauf, dreht sich um, schaut mich an, wartet kurz und startet dann auf mich zu. Im Vollgas an mir vorbei, um ein paar Meter hinter mir umzudrehen und dann wieder nach oben und damit das Spiel von Neuem zu starten. Voller Lebensfreude wälzt er sich auf der Forststraße. Und wenn man ein Loch gräbt, dann ist man auch wieder auf der Erde zurück. Ein Hundetraum.

Der Nebel will nicht locker lassen, aber die Sonne kann nicht weit sein. Erst ganz oben zeigt sie sich dann immer wieder. Der Schnee ist ganz trocken und erinnert an vergangene Jahre. Solche Tage werden wegen der Klimaerwärmung leider immer seltener. Umso mehr Freude haben wir beide mit dem heutigen Tag.

Das Alois-Günther-Haus ist nach etwas einer Stunde erreicht. Die Hütte selbst ist wirklich keinen Besuch wert. „Lieblos und teuer“ trifft es. Für den großen Hunger stehen entweder Fleischlaibchen oder Erbsensuppe und Käsekrainer auf der Tafel, jeweils zu 15 Euro bei Selbstbedienung. Ich bestelle die Fleischlaibchen und ergattere das letzte. Singular und Plural sind bei Fleischlaibchen gleich. Trotzdem wirkt das eine Laberl neben dem Instant-Erdäpfelpüree und dem Tiefkühlgemüse ein bisserl gar traurig. Zehn vor zwölf werden die Fleischlaibchen von der Tafel gestrichen und durch Schinkenfleckerl, auch um 15 Euro, ersetzt. Kurz, kulinarisch ist das Ödland. Aber die Schilifte und die beiden Schirouten spülen verlässlich Gäste ins Haus. Alternative gibt es keine. Da ist die Versuchung groß, ohne Anstrengung das Geld zu kassieren. Schade, aber so ist es!

Mio stört das nicht. Beim Abstieg will er die Schuhbänder aufziehen und in meine Hosenbeine beißen. Das Spiel sieht vor, dass ich das austretende Pferd mache. Heute kann er es. Er springt in die Höhe und versucht, die Handschuhe zu erwischen. Er bellt und ist so voller Energie. Was ist mit dem kleinen Racker heute nur los? Hat er das Katzenfutter erwischt?

Auf Dauer bin ich ein langweiliges Opfer. Da bieten sich plötzlich Skifahrer an, die die Mautstraße zum Pfaffensattel abfahren. Die erste Dame stellt Mio. Das hat er jetzt auch noch nie getan. Zumindest findet er an den Schischuhen keine Schuhbänder. Als dann ein weiterer Schifahrer lachend meint: „Na, schauen ma a mal, wer von uns beiden schneller ist!“, überzeugt Mio mit satter Geschwindigkeit auf gepresstem Untergrund. Mit Mühe kann ich ihn zurückpfeifen.

Seine Versuche, in die weitere Landschaft zu verschwinden, scheitern, weil er in der ganzen nahen Landschaft erst bis zum Bauch, dann bis zu den Ohren im trockenen Schnee verschwindet.

Viel zu schnell sind wir wieder beim Auto. Mio verschläft den restlichen Tag.

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Skiurlaub: Obertauern

Uh, da haben wir wohl die letzten Zimmer ergattert. Und das in Obertauern! Das ist gut, weil in den Alpen liegt so gut wie kein Schnee. Da sollten wir doch in Obertauern auf der sicheren Seite sein. In Obertauern angekommen staunen wir über den Schneemangel nicht wenig. Aber zumindest liegt Schnee. In den anderen Gebieten sieht es noch trauriger bzw. grüner aus.

Die Gastgeber des Hotels Snowwhite sind herzlich und freundlich, das Essen gut. Überall stehen Zwerge herum. Ein bisserl viel Themenabend. Aber wir fühlen uns wohl und sind froh, überhaupt noch etwas gefunden zu haben.

Jeden zweiten Tag lacht die Sonne. Für Mitte Jänner ist es ungewöhnlich warm. Auf den Hütten können wir an den Sonnentagen auf der Terrasse sitzen. Das hat man wahrlich selten um diese Jahreszeit. Die Pisten sind sehr voll. Die Tagesgäste parken die Bundesstraße zu. Auch scheint es so, dass andere Wochengäste aus ihren schneearmen Urlaubszielen auf den Tauernpass flüchten. Viele Menschen und fast ausschließlich Kunstschnee führen zu rutschigen Eisplatten mit zusammengeschobenen Schneehaufen. Ins Gelände kann man nicht ausweichen. Das verstärkt das Gedränge auf den schmalen Pisten. An einem Tag bietet das nordseitige Zehnerkar gute, weil trockene Bedingungen. An einem anderen Tag firnt es gar auf, und der Schaidberg lädt zum Frühlingsfirn.

Bei der Abreise sieht der Wetterbericht einen Meter Neuschnee für die kommende Woche. Vergönnt sei es, notwendig ist es jedenfalls.

Bergsteigen: Martinsteig

Schnee ist gefallen, das Karl-Ludwig-Haus geht am Wochenende in die Winterpause, die Sonne lacht. Unsere Damen wie auch Mio fallen aus. So planen wir eine Sonnentour mit Erkundung. Am Preinergscheid starten wir. Gernot möchte den Martinsteig für Renate und seinen Vater vorkosten.

Der Anstieg ist derselbe wie zum Gretchensteig. Der ist gut ausgetreten. Irgendwann zweigt der Martinsteig ab und der ist noch nicht gespurt. Alles kein Stress! Das Stück werden wir schaffen. Der Schnee stollt an den Grödeln, aber Gernot ist das wurscht. So stapfen wir dahin. Die Erkenntnis ist, dass der Steig im Winter für Gernots Vater, der fit, aber doch schon über 80 ist, vielleicht nicht so geeignet ist. Zwei Stellen sind ordentlich eingeweht. Da ist die einfache Kraxelei sogar ein bisserl spannend. Ebenso leicht spannend ist die Querung des Schneefeldes unterhalb der Materialseilbahn. Kurz denken wir gar daran, ob das eh halten wird. Es ist steil und der Untergrund grasig. Da lohnt es sich, ein bisserl nachzudenken.

Aber alles hält, der Martinsteig hat eine neue Spur und wir Hunger für die Hütte. Gunnar und Jeanette, das Pächterpaar, gestehen, dass es hier ihr letztes Wochenende ist. Sie wechseln im Frühjahr auf die Gablonzer Hütte. Das finde ich schade, habe ich mich doch mit den beiden immer gut unterhalten. Schauen ma a mal, wer da im Frühjahr nachkommt.

Für den Abstieg wählen wir den Gretchensteig, da lacht die Sonne am Nachmittag so fein. Alles in allem eine leichte Genusstour selbst im November, wenn nicht gar eher Winterwanderung. Ach ja, Gernots Vater sollte die Tour im Sommer auch schaffen. Da bin ich mal zuversichtlich.

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Akademikersteig II+

Nebel liegt im Wiener Becken und in den Bergen ist kein Schnee. Dafür soll oben die Sonne lachen. Facebook erinnert, dass wir schon ein paar Mal im November den Akademikersteig gegangen sind. Jedes Mal im T-Shirt. Auf der Autobahn haben wir noch Zweifel, ob denn das möglich ist. Aber schon in Gloggnitz lichtet sich der Nebel. Das ist schon ein bisserl unfair, um wieviel besser es das Wetter hier mit einem meint.

Beim Stadelwandgraben und beim Weichtalhaus parken Autos – oh Schreck! Heute ist der 15. November – Heiliger Leopold! Oder wie auch immer die windige Begründung lautet, dass die Schulen heute geschlossen sind. Am Parkplatz am Wachthüttelkamm sind wir aber alleine – uff! Den ganzen Tag werden wir niemand treffen. Nur an der gegenüberliegenden Wand sehen, oder viel mehr, hören wir zwei Frauen. Man sieht sie nicht immer, aber man hört sie fast pausenlos. Upps!

Mittlerweile finden wir den Einstieg sicher und ohne jeden Funken des Zweifels. Wir haben nur das kürzeste Seil mit 20 Metern mit. Gernot will es nur verwenden, falls doch eine Passage zu kniffelig oder ausgesetzt ist. Wir dirndeln uns am Einstieg mit Klettergurt und Material komplett an, nur das Seil bleibt im Rucksack. Gernot ist schon im T-Shirt, ich zur Sicherheit mit Jacke. Am Einstieg muss man sich ein bisserl rauslehnen, zum Aufwärmen sozusagen. Aber es gibt kein Warten, Gernot mutiert vom Alpensalamander zur bedachten Bergziege. Die ersten Seillängen gehen ohne Seil schnell vorbei. Ich wechsle auch auf T-Shirt. Irre! Es ist Mitte November und wir genießen kurzärmelig die Sonne!

Die Stelle, an der Gernot einst verweigert hat, macht ihm keine Probleme. Schon folgt der Abstieg zur nächsten Bedenken-Stelle. Okay, die ist nicht so ganz einfach wie gedacht, kann uns aber trotzdem nicht aufhalten. Gernot hat die Topo im Kopf. Eine Stelle mit II+ will noch gemeistert werden, ehe es in einer leichten Querung zum Felsfenster geht.

Und hier unterm Fenster hängt sich Gernot in den Bohrhaken und lacht. Nein, hier ist „Aus die Maus!“. Ich frage nicht nach, aber wundere mich, wie schnell er das entschieden hat. Er hatte doch kaum Zeit, sich die Stelle anzuschauen. Vielleicht will er das mitgetragene Seil und restliche Equipment zumindest einmal verwenden. Ich dränge ihn sicher nicht. Das 20m-Seil ist im Handling ohnedies überaus komfortabel. Schnell sind wir eingebunden und los geht’s! Noch schnell ein paar Fotos. Die Stimmung ist ausgelassen. So soll es sein!

Ich kraxle durchs Felsfenster. Einmal muss man sich mit viel Luft unterm Hintern etwas verdrehen. Das mag vielleicht ein bisserl unangenehm sein. Oder ist es das „Hinaufspreizen“ zwischen Wand und Säule? Technisch ist es jedenfalls mit II bewertet, also recht überschaubar. Ein bisserl Überwindung kostet es halt. Das Seil ist rasch aufgebraucht, Gernot kommt nach. Er meint, dass es genau das Richtige war, diese Stelle zu sichern. Da schau her, auch recht!

Wir packen das Seil wieder ein und Gernot übernimmt den Vorstieg. Seine Freude kann man kaum übersehen. Viel zu schnell sind wir dann auch schon über den Grat am Ausstieg des Steiges. Wir genießen die Sonne, denn schon 15 m Richtung Auto beginnt der Schatten. In Payerbach spätestens beginnt der Nebel, ab Gloggnitz ist es durchgängig grau und ab Wiener Neustadt herrscht dann Dunkelgrau. Da bleiben wir lieber heroben in der Sonne und haben unseren Spaß.

Im November gibt es nichts Besseres fürs Gemüt – yes!

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Haidsteig-Königschusswandsteig

Raus aus dem Nebel! Gernot hüstelt, Mio besucht die Staatsmeisterin im Schach und ich führe meine neue Berghose aus. Ab Neunkirchen lacht die Sonne. Was für ein Wahnsinn! Seit mehreren Tagen liegen Wien und auch Breitenfurt unter einer Nebeldecke. Da ist so ein „Vitamin D“-Ausflug immer eine Freude.

Am Vortag habe ich ein eher seltenes, anaerobes Training absolviert. Die Beine schlafen noch, wird schon werden. Auch bin ich spät dran. Niemand wollte so recht aufstehen, nicht einmal Mio. Der Zustieg dauert maximal eine Dreiviertelstunde. Diese Dreiviertelstunde erinnert mich so sehr an die Zeit in meiner Kindheit, die ich in Breitenstein am Semmering verbracht habe. Die Nadelbäume, die Blumen.. all das erinnert an die unbeschwerte Zeit, als ich am Semmering durch die Wälder gezogen bin. An einer Stelle hat sich die Sonne so intensiv hingelegt, dass ich die abgefallenen Nadeln riechen kann. Der Geruch hat sich seit Kindheitstagen in mein Gedächtnis eingebrannt. Was für ein Tag!

Vor dem Einstieg hole ich noch fünf Tschechen oder Slowaken ein. Weit unten im Steig sehe ich drei Männer, ein Einzelgänger macht sich bereit. Mann oh, das passt mir nicht. Beim ersten Steigbaum dann noch ein älteres Paar, das beschlossen hat, solange zu warten, bis niemand mehr von oben Steine abwerfen kann. Also, vorbei am Einzelgänger, am älteren Paar und in der ersten Querung noch an den drei Männern. Das Handy und die depperten Fotos müssen bei den drei lauten Herren im besten Alter herhalten, warum da heute nichts weitergeht. Ich kraxle schnell weiter, will ja niemanden unter mir durch ein Hoppala eines losgetreten Steins gefährden. Das bringt meinen Puls gar hoch. Das war eigentlich nicht der Plan nach dem gestrigen Training.

Bei der Madonna sitzt auch ein Paar. Da ist heute etwas los, das nächste Mal wieder früher. Wir plaudern, besprechen den Königschusswandsteig und wundern uns, dass ich mir heute gar nicht frei nehmen musste. Die beiden sind in Dreiviertelhose und T-Shirt. Aber meine neue Mammut Courmayeur Hose ist eine echte Empfehlung. Sie ist zwar schwarz und lange, aber ich komme trotzdem nicht darin vor Hitze um. Die ist echt eine Empfehlung. So eine gelungene Berghose hatte ich noch nie!

Schon höre ich die drei aufgeregt lauten Nachsteiger im Großen Kessel unter der Madonna. Also weiter! Am Plateau merke ich, dass ich richtig müde bin. Das Preinerwandkreuz ist aber Pflicht. Der Abstieg zum Königschusswandsteig ist dann schon ein bisserl taumelig. Ich stärke mich beim Einstieg. Die Sonne brennt runter, sodass man eher auf April tippen würde. Edel!

Dann geht es langsam in den Steig. Irgendetwas hat es, die Arme sind ganz schwach. Da bedarf es einiges an Erfahrung, dass ich im Steig möglichst viel mit den Beinen und möglichst wenig mit den Armen mache. Das geht meist gut, und manchmal muss ich dann doch kräftig ziehen. Erschöpfung meldet sich. Aber ich bin vorbereitet und steige gemächlich weiter. Das Fenster im oberen Viertel ist zum Glück wieder trocken. Ich schieße Fotos, ehe ich aufs Plateau steige.

Jetzt noch den Holzknechtsteig runter. Dieser Steig ist eigentlich wirklich übel, aber er fasziniert mich auch. Der ändert sich fast von Mal zu Mal. Also, Regen und Geröll verändern den Verlauf. Das lässt mich jedes Mal staunen. Nun hat sich gar jemand die Mühe gemacht, gelbe Punkte auf scheinbar fixen Felsen anzubringen. Auch Eisenstangen sind eingeschlagen. Schauen ma a mal, wie lange die den Weg zeigen werden.

Im Wald ist heute nicht an Laufen zu denken. Die Beine erinnern eher an Pinocchio. Aber auch gemächlich erreicht man sein Ziel. Beim Spar in Reichenau gibt es noch die traditionelle Käseleberkäsesemmel mit allem. Kurz habe ich wegen der Diätologin überlegt, mich aber dann doch für das fette Gift entschieden. Belohnt wurde ich mit der Überraschung, dass die Leberkäsesemmel mit 1,30 Euro in Aktion ist. Angesichts der aktuellen Inflation hätte ich auch 3,70 akzeptiert. Egal, so schmeckt sie noch besser. Der Kaffee dazu ist allerdings nur etwas für Gourmets, wie ich einer bin.

Ab Gloggnitz hat mich der Nebel wieder. Es dämmert schlagartig, oder vielleicht wurde es hier den ganzen Tag gar nicht so richtig hell.

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Wildes Gamseck II – Bärenlochsteig

Gernot und ich kehren an den Ort zurück, an dem unsere gemeinsame Kraxelei begann. Das ist gar nicht so lange her. Am 28.08.2018 waren wir hier. Ich hatte damals Seil und Kletterutensilien entstaubt, und Gernot war das erste Mal am Seil im Fels unterwegs. Seit damals haben wir brav geübt und uns verbessert. Diesmal kommen wir ohne Seil und ohne Besorgnis.

Es ist ein herrlicher Herbsttag in den Herbstferien, an dem wir von Hinternasswald zusteigen. Ein paar Leute sind unterwegs. So kommt uns ein Mann mit seinem Sohn im Volksschulalter entgegen. Der junge Mann sieht fertig aus, aber das heißt bei Menschen in diesem Alter bekanntlich nicht viel. Ja, sie sind das Wilde Gamseck runter, was doch etwas viel war. Ich staune. Ja, ohne Seil bzw. Strickerl für den jungen Mann? Da waren doch eh teilweise Stahlseile. Ah, sie sind das Zahme Gamseck runter. Das glaube ich schon eher.

Schon fast beim Einstieg holen wir ein Paar in den Dreißigern ein. In tadellosen Jägerfarben, was definitiv Kontrast zu den bunten Paradiesvogelfarben der Kraxler ist, erkundigen sie sich, wie der Steig denn so sei. Für die Bergsteigerin ist es das erste Mal, und die Höhenangst ist da auch noch da. Na ja, muss halt er, der grüne Fels, dicht hinter ihr steigen. So schwer ist es auch nicht. Da kommt als Erwiderung, dass er auch eher wenig bis keine Klettererfahrung hat. Der Plan ist, soweit zu steigen, wie es möglich ist und gegebenenfalls, falls nichts mehr geht, umzudrehen. Ist zumindest ein Plan und es ist davon auszugehen, dass Bergretter ein gutes Einvernehmen mit Jägern haben. Ich bin zuversichtlich, dass es ohne Zwischenfall abgehen wird, bin aber wie sooft beeindruckt, was so alles gut ausgeht in den Bergen.

Für uns selbst ist der Steig wirklich nur noch Freude. Ein bisserl kalt ist es, aber auch steif in den Gelenken wir Pinocchio kann ich mich des griffigen Fels erfreuen. Gernot steigt vor und findet keine Schwierigkeiten. Dazwischen bedankt er sich immer wieder für meine damalige Geduld, als ich mir für diesen Steig das Seil angetan habe. Der Fortschritt ist unübersehbar. Und so sind wir auch keine Stunden im Steig, sondern zügig durch.

Der rasche Durchstieg hat keinen Hunger aufkommen lassen. Wir wollen durchs Bärenloch runter, und verspeisen bei der Grasbodenalm noch zwei Müsliriegel. Das muss und wird reichen.

Der Bärenlochsteig ist immer wieder lustig. Auch landschaftlich gibt er etwas her. Der Bärenlochsteig mündet in die Wildfährte und das ist Gernots erster Klettersteig gewesen. Eine Nostalgierunde sozusagen, die wir in Pernitz bei Kaffee und einer mächtigen Cremeschnitte ausklingen lassen.

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Klettern: Bürklesteig III+

Gernot hat den Bürklesteig herausgesucht. Aus einem Buch – Sachen gibt’s! Am Vorabend schauen wir uns die geplante Tour an. Der Grat hat viele Türme, ist aber nicht sehr steil. Auf den Bildern sieht es so aus, als könnte man jeden Turm umgehen. Den Einstieg mit der IIIer-Stelle kann man auch umgehen. In einem der Kamine soll es sehr eng sein. Dort kann man der Enge mit III- „über die Blöcke“ in III+ ausweichen. Das schauen wir uns an, wenn wir dort sind. Ich mache mir keine Sorgen. Kurz mache ich mir Gedanken, dass ich mir diesmal gar keine Sorgen mache, obwohl ich die Tour gar nicht kenne. Mann oh!

Wir starten in Losenheim und stoppen beim Anstieg in einem Moment, in dem ich in nur einem Schuhe im Wald herumstehe, zwei Forstarbeiter. Also, Gernot stoppt eigentlich nur im Scherz, aber schon stehen wir hinten auf einer Querstange eines Traktors und pressen mit unseren Fingern die letzten Tropfen aus dem Blechdach. So tuckern wir 150 bis 200 Höhenmeter Richtung Breite Ries. Na hoffentlich, gilt der heutige Ausflug dann überhaupt als Besteigung.

Weiter geht es über den nördlichen Grafensteig zur Kreuzung mit dem Bürklegrat. Gernot, der als einziger im Team die roten Markierungen in einer Entfernung von mehr als einem Meter erkennen kann, steigt vor, folgt aber dabei der GPS-Linie, die er aus dem Internet geladen hat. So kann man auch die Gegend kennenlernen. Der Zustieg zum Bürklesteig, also zur Kletterei, ist eher mäßig markiert. Wir plaudern, soweit der steile Wald das zulässt, und verpassen wohl den Einstieg und die Umgehung des ersten Turms. Dabei sind wir aber auf einem Steig mit roten Markierungen geblieben. All dessen sind wir uns zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst. Erst als wir wieder rote Punkte und Striche finden, sind wir wieder auf dem GPS-Track und am Grat. Aber wo sind wir? Sind wir schon in der Tour?

Seil brauchen wir da keines. Das ist fix. Wir wähnen uns noch immer eher unterhalb des Einstiegs oder doch nicht? Gernot klettert weiter vor. Ich staune, hätte er vor ein paar Monaten bei solchen Stellen noch das Seil verlangt. Als wir dann an einem engen Kamin angelangt sind und Gernot weiter vorsteigen will, bestehe ich mit mehr Nachdruck aufs Seil. Wenn wir es schon mithaben! Hier kann man noch gut anseilen. Gernot lässt sich überzeugen und steigt weiter vor. Doch schon nach 15 Metern ist Schluss. Er baut da mal einen Stand, höre ich von oben. Ich soll nachkommen und mir das anschauen. Gernot steht in einer komfortablen „Höhle“. Und hier geht es wirklich mal (fast) senkrecht nach oben. Es ist eng, man könnte da hinaufspreizen. Auch ein super enger Durchschlupf ist zu sehen. Uns dämmert, dass wir längst in der Tour sind.

Durch das enge Loch passe ich vielleicht, aber mit 54 Jahren im Allgemeinen und meiner malträtierten Hüfte im Speziellen bliebe ich da drinnen wie ein steifer Stock stecken. Also, außen rum! Zum Glück sind da Steigeisenspuren am Fels. Leute gibt’s!

Wer nicht spreizen kann, muss sich anders verkeilen. Also stemme ich mich wenig elegant nach oben. Erste Stufe geschafft, aber hoppala, ein IIer war das nicht. Egal, für die Topo habe ich jetzt keinen Kopf. Ich drehe mich, muss über den nächsten einklemmten Felsblock. Aber wo anhalten, wohin steigen? So einfach ist das wirklich nicht. Und trotzdem geht es. Nochmals rumdrehen in diesem engen, luftigen Gelände. Bei so einer Verrenkung gibt’s mir einen Stich im Genick. Oida! Jetzt gibt es kein Zurück mehr, die nächste Stufe muss geschafft werden. Ich hoffe sehr, dass der Turm damit erledigt ist. Wie ein Salamander schiebe ich mich über das letzte Hindernis. Stilnote im negativen Bereich, aber oben! Uff, ich baue einen Stand und muss in Vorfreude schon lachen. Was war denn das da jetzt? Der Gernot wird fluchen, aber er muss da rauf. Das ist fix!

„Kannst kommen!“, „Komme!“. Geschätzt sieben Meter sehr, sehr steil unter mir setzt sich Gernot in Bewegung. Noch ein „Hast mich eh?“ und er hat die erste Stufe. Spaßverderber, das ging aber flott. Dafür bekommt er an derselben Stelle denselben Stich. Das hat was! Unterhaltsam ist das. Mit nicht viel besseren Haltungsnoten ist Gernot bei mir heroben. Wir lachen, schütteln den Kopf.

Auf der Topo sind wir nun sicher, dass wir in dem Kamin sind, in dem man zwischen dem „III- eng“ und dem „III+ außen“ wählen konnte. Wir haben vermutlich die Variante außen gewählt. Dass man auch „innen“ durchkommt, können wir uns nicht vorstellen.

Den untersten Teil der Tour haben wir leider gänzlich verpasst. Für Erstbegeher, die diesen Eintrag lesen, sei gesagt, dass die roten Punkte den Einstieg unseres Erachtens in Aufstiegsrichtung rechts umgehen. Die von uns verwendete Topo zeigt die Umgehung links. Wir werden nochmals hierher zurückkehren und das erforschen.

Die restliche Route ist feine Kletterei. Eine Stelle ist noch in der Topo mit III- angeführt. Nun ja, Gernot ist in Fahrt und führt auch diese Stelle. Kurz gesagt, alles fein, alles machbar. In weiterer Folge geht es dann den Grat entlang zur Fischerhütte. Den Abstieg wählen wir nach ausreichendem Essen über den Fadensteig.

Fazit: Der Bürklesteig ist ein toller Anstieg auf den Schneeberg. Beim Zustieg muss man sich konzentrieren. Wir wollten die Tour von ganz unten machen bzw. zumindest am Einstieg entscheiden, ob wir umgehen oder nicht. Irgendwie haben wir aber eine Abzweigung verpasst und sind erst nach den ersten Herausforderungen in die Tour eingestiegen, was ein bisserl schade ist. Umso mehr Spaß hat uns die „Schlüsselstelle“ gemacht. Wir waren uns nicht bewusst, dass wir an der Schlüsselstelle sind. Ich habe mir nur kurz gedacht, dass das sicher kein IIer ist und mich konzentriert, dass ich da hinaufkomme. Auch bin ich davon ausgegangen, dass mit „außen“ gemeint war, dass man nicht in der Felsspalte (oder Kamin) klettert, sondern außen am Fels. Wenn wir das nächste Mal wissen, dass wir an der Schlüsselstelle sind, werden wir die Aufgabe technisch besser meistern. Da bin ich sicher. In Summe gibt es mehr Kletterei, als ich erwarte habe. Alles in allem sehr lohnend! Die Tour kombiniert eine anständige Wanderung mit einer längeren Kraxelei. Entsprechend ausreichend Zeit ist einzuplanen, vor allem bei frühem Sonnenuntergang.

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