Wildes Gamseck II – Bärenlochsteig

Gernot und ich kehren an den Ort zurück, an dem unsere gemeinsame Kraxelei begann. Das ist gar nicht so lange her. Am 28.08.2018 waren wir hier. Ich hatte damals Seil und Kletterutensilien entstaubt, und Gernot war das erste Mal am Seil im Fels unterwegs. Seit damals haben wir brav geübt und uns verbessert. Diesmal kommen wir ohne Seil und ohne Besorgnis.

Es ist ein herrlicher Herbsttag in den Herbstferien, an dem wir von Hinternasswald zusteigen. Ein paar Leute sind unterwegs. So kommt uns ein Mann mit seinem Sohn im Volksschulalter entgegen. Der junge Mann sieht fertig aus, aber das heißt bei Menschen in diesem Alter bekanntlich nicht viel. Ja, sie sind das Wilde Gamseck runter, was doch etwas viel war. Ich staune. Ja, ohne Seil bzw. Strickerl für den jungen Mann? Da waren doch eh teilweise Stahlseile. Ah, sie sind das Zahme Gamseck runter. Das glaube ich schon eher.

Schon fast beim Einstieg holen wir ein Paar in den Dreißigern ein. In tadellosen Jägerfarben, was definitiv Kontrast zu den bunten Paradiesvogelfarben der Kraxler ist, erkundigen sie sich, wie der Steig denn so sei. Für die Bergsteigerin ist es das erste Mal, und die Höhenangst ist da auch noch da. Na ja, muss halt er, der grüne Fels, dicht hinter ihr steigen. So schwer ist es auch nicht. Da kommt als Erwiderung, dass er auch eher wenig bis keine Klettererfahrung hat. Der Plan ist, soweit zu steigen, wie es möglich ist und gegebenenfalls, falls nichts mehr geht, umzudrehen. Ist zumindest ein Plan und es ist davon auszugehen, dass Bergretter ein gutes Einvernehmen mit Jägern haben. Ich bin zuversichtlich, dass es ohne Zwischenfall abgehen wird, bin aber wie sooft beeindruckt, was so alles gut ausgeht in den Bergen.

Für uns selbst ist der Steig wirklich nur noch Freude. Ein bisserl kalt ist es, aber auch steif in den Gelenken wir Pinocchio kann ich mich des griffigen Fels erfreuen. Gernot steigt vor und findet keine Schwierigkeiten. Dazwischen bedankt er sich immer wieder für meine damalige Geduld, als ich mir für diesen Steig das Seil angetan habe. Der Fortschritt ist unübersehbar. Und so sind wir auch keine Stunden im Steig, sondern zügig durch.

Der rasche Durchstieg hat keinen Hunger aufkommen lassen. Wir wollen durchs Bärenloch runter, und verspeisen bei der Grasbodenalm noch zwei Müsliriegel. Das muss und wird reichen.

Der Bärenlochsteig ist immer wieder lustig. Auch landschaftlich gibt er etwas her. Der Bärenlochsteig mündet in die Wildfährte und das ist Gernots erster Klettersteig gewesen. Eine Nostalgierunde sozusagen, die wir in Pernitz bei Kaffee und einer mächtigen Cremeschnitte ausklingen lassen.

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Klettern: Bürklesteig III+

Gernot hat den Bürklesteig herausgesucht. Aus einem Buch – Sachen gibt’s! Am Vorabend schauen wir uns die geplante Tour an. Der Grat hat viele Türme, ist aber nicht sehr steil. Auf den Bildern sieht es so aus, als könnte man jeden Turm umgehen. Den Einstieg mit der IIIer-Stelle kann man auch umgehen. In einem der Kamine soll es sehr eng sein. Dort kann man der Enge mit III- „über die Blöcke“ in III+ ausweichen. Das schauen wir uns an, wenn wir dort sind. Ich mache mir keine Sorgen. Kurz mache ich mir Gedanken, dass ich mir diesmal gar keine Sorgen mache, obwohl ich die Tour gar nicht kenne. Mann oh!

Wir starten in Losenheim und stoppen beim Anstieg in einem Moment, in dem ich in nur einem Schuhe im Wald herumstehe, zwei Forstarbeiter. Also, Gernot stoppt eigentlich nur im Scherz, aber schon stehen wir hinten auf einer Querstange eines Traktors und pressen mit unseren Fingern die letzten Tropfen aus dem Blechdach. So tuckern wir 150 bis 200 Höhenmeter Richtung Breite Ries. Na hoffentlich, gilt der heutige Ausflug dann überhaupt als Besteigung.

Weiter geht es über den nördlichen Grafensteig zur Kreuzung mit dem Bürklegrat. Gernot, der als einziger im Team die roten Markierungen in einer Entfernung von mehr als einem Meter erkennen kann, steigt vor, folgt aber dabei der GPS-Linie, die er aus dem Internet geladen hat. So kann man auch die Gegend kennenlernen. Der Zustieg zum Bürklesteig, also zur Kletterei, ist eher mäßig markiert. Wir plaudern, soweit der steile Wald das zulässt, und verpassen wohl den Einstieg und die Umgehung des ersten Turms. Dabei sind wir aber auf einem Steig mit roten Markierungen geblieben. All dessen sind wir uns zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst. Erst als wir wieder rote Punkte und Striche finden, sind wir wieder auf dem GPS-Track und am Grat. Aber wo sind wir? Sind wir schon in der Tour?

Seil brauchen wir da keines. Das ist fix. Wir wähnen uns noch immer eher unterhalb des Einstiegs oder doch nicht? Gernot klettert weiter vor. Ich staune, hätte er vor ein paar Monaten bei solchen Stellen noch das Seil verlangt. Als wir dann an einem engen Kamin angelangt sind und Gernot weiter vorsteigen will, bestehe ich mit mehr Nachdruck aufs Seil. Wenn wir es schon mithaben! Hier kann man noch gut anseilen. Gernot lässt sich überzeugen und steigt weiter vor. Doch schon nach 15 Metern ist Schluss. Er baut da mal einen Stand, höre ich von oben. Ich soll nachkommen und mir das anschauen. Gernot steht in einer komfortablen „Höhle“. Und hier geht es wirklich mal (fast) senkrecht nach oben. Es ist eng, man könnte da hinaufspreizen. Auch ein super enger Durchschlupf ist zu sehen. Uns dämmert, dass wir längst in der Tour sind.

Durch das enge Loch passe ich vielleicht, aber mit 54 Jahren im Allgemeinen und meiner malträtierten Hüfte im Speziellen bliebe ich da drinnen wie ein steifer Stock stecken. Also, außen rum! Zum Glück sind da Steigeisenspuren am Fels. Leute gibt’s!

Wer nicht spreizen kann, muss sich anders verkeilen. Also stemme ich mich wenig elegant nach oben. Erste Stufe geschafft, aber hoppala, ein IIer war das nicht. Egal, für die Topo habe ich jetzt keinen Kopf. Ich drehe mich, muss über den nächsten einklemmten Felsblock. Aber wo anhalten, wohin steigen? So einfach ist das wirklich nicht. Und trotzdem geht es. Nochmals rumdrehen in diesem engen, luftigen Gelände. Bei so einer Verrenkung gibt’s mir einen Stich im Genick. Oida! Jetzt gibt es kein Zurück mehr, die nächste Stufe muss geschafft werden. Ich hoffe sehr, dass der Turm damit erledigt ist. Wie ein Salamander schiebe ich mich über das letzte Hindernis. Stilnote im negativen Bereich, aber oben! Uff, ich baue einen Stand und muss in Vorfreude schon lachen. Was war denn das da jetzt? Der Gernot wird fluchen, aber er muss da rauf. Das ist fix!

„Kannst kommen!“, „Komme!“. Geschätzt sieben Meter sehr, sehr steil unter mir setzt sich Gernot in Bewegung. Noch ein „Hast mich eh?“ und er hat die erste Stufe. Spaßverderber, das ging aber flott. Dafür bekommt er an derselben Stelle denselben Stich. Das hat was! Unterhaltsam ist das. Mit nicht viel besseren Haltungsnoten ist Gernot bei mir heroben. Wir lachen, schütteln den Kopf.

Auf der Topo sind wir nun sicher, dass wir in dem Kamin sind, in dem man zwischen dem „III- eng“ und dem „III+ außen“ wählen konnte. Wir haben vermutlich die Variante außen gewählt. Dass man auch „innen“ durchkommt, können wir uns nicht vorstellen.

Den untersten Teil der Tour haben wir leider gänzlich verpasst. Für Erstbegeher, die diesen Eintrag lesen, sei gesagt, dass die roten Punkte den Einstieg unseres Erachtens in Aufstiegsrichtung rechts umgehen. Die von uns verwendete Topo zeigt die Umgehung links. Wir werden nochmals hierher zurückkehren und das erforschen.

Die restliche Route ist feine Kletterei. Eine Stelle ist noch in der Topo mit III- angeführt. Nun ja, Gernot ist in Fahrt und führt auch diese Stelle. Kurz gesagt, alles fein, alles machbar. In weiterer Folge geht es dann den Grat entlang zur Fischerhütte. Den Abstieg wählen wir nach ausreichendem Essen über den Fadensteig.

Fazit: Der Bürklesteig ist ein toller Anstieg auf den Schneeberg. Beim Zustieg muss man sich konzentrieren. Wir wollten die Tour von ganz unten machen bzw. zumindest am Einstieg entscheiden, ob wir umgehen oder nicht. Irgendwie haben wir aber eine Abzweigung verpasst und sind erst nach den ersten Herausforderungen in die Tour eingestiegen, was ein bisserl schade ist. Umso mehr Spaß hat uns die „Schlüsselstelle“ gemacht. Wir waren uns nicht bewusst, dass wir an der Schlüsselstelle sind. Ich habe mir nur kurz gedacht, dass das sicher kein IIer ist und mich konzentriert, dass ich da hinaufkomme. Auch bin ich davon ausgegangen, dass mit „außen“ gemeint war, dass man nicht in der Felsspalte (oder Kamin) klettert, sondern außen am Fels. Wenn wir das nächste Mal wissen, dass wir an der Schlüsselstelle sind, werden wir die Aufgabe technisch besser meistern. Da bin ich sicher. In Summe gibt es mehr Kletterei, als ich erwarte habe. Alles in allem sehr lohnend! Die Tour kombiniert eine anständige Wanderung mit einer längeren Kraxelei. Entsprechend ausreichend Zeit ist einzuplanen, vor allem bei frühem Sonnenuntergang.

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Klettersteig: Haidsteig – Königschusswandsteig

Gernot übergibt eine Wohnung. Da könnte ich doch… Richtig, meine zwei Steige gehen. Als gäbe es sonst nix in der Gegend. Mio ist bei Rambo und Josefine. Um halbneun geht’s in der Griesleiten los. Jedes Mal frage ich mich, wann der Eigentümer eine Gebühr fürs Parken verlangen wird. Er muss die Menschen mögen. Der Parkplatz ist saniert und gebührenfrei. Sehr fein ist das!

Knapp vor dem Einstieg überhole ich zwei Haidsteig-Geher. Beim Einstieg selbst machen sich drei Kletterer bereit. Im Steig ist aber niemand zu sehen. Also, mit Schwung und ohne Sicherung an den Leuten vorbei. Die wundern sich vielleicht, warum ich denn den Helm am Rucksack trage. Ich hole nur ein bisserl Vorsprung heraus, sodass ich mich nach dem ersten gesicherten Abschnitt und dem ungesicherten Teil in Ruhe andirndeln kann.

Die Bedingungen sind traumhaft. Der Wind aus Süd ist stark und bläst die Wand hinauf. Vom letzten Mal habe ich noch ein bisserl Sorge. Da war es nass und ich habe in beiden Steigen etwas gekämpft. Unter dem zweiten Steigbaum ist es dann auch in der Querung nass. Sagt doch da eine Stimme in mir, dass ich den Königschusswandsteig halt sein lassen soll. Oh ha, wer war denn das?

Im großen Kessel pfeift es anständig. Das hat einen Vorteil, die Wand ist hier staubtrocken. Auch die „Schlüsselstelle“ unter der Madonna ist trocken. Gut so, da kommt der zweite Steig also auch noch dran.

Die „Verfolger“ sind weit hinter mir. So bleibt mir Zeit bei der Madonna und das ist gut so. Hier ist übrigens ein Ingress-Portal. Was das ist? Nicht so wichtig. Jedenfalls war es für fast zwei Jahre in meinem Besitz. Dann ist ein Blauer raufgeklettert und hat es erobert. Der kurtlbuaa von den Grünen hat es aber rasch wieder für uns zurückgeholt. Ob das wichtig ist? Sicher nicht, aber gemacht gehört es trotzdem 😉

Die letzten Meter aufs Plateau pfeift es dann so richtig. Trotzdem muss das Preinerwandkreuz mitgenommen werden. Meine Aufstiegszeit ist recht passabel, ohne dass ich mich gehetzt oder darauf geachtet hätte. Geht langsam wieder schneller.

Der Holzknechsteig fasziniert mich bei jeder Begehung. Der ändert ständig sein Gesicht. Ich weiß mittlerweile, wo die Markierungen sind. Aber der Regen wäscht den Steig von einem aufs andere Mal weg und legt ihn neu an, dass ich aus dem Staunen nicht rauskomme. Diesmal verpasse ich gar die Querung zum Königsschusswandsteig und muss nochmals ein ordentliches Stück aufsteigen. Der Regen hat nämlich eine ein paar Meter tiefe neue Rinne hervorgebracht. Ob von dem Berg in zwanzig oder zweitausend Jahren noch etwas über ist? Man weiß es nicht.

Aus zwei anderen Richtung quälen sich weitere Kraxler Richtung Königschusswandsteig. Daher gleicher Schmäh wie schon am Haidsteig. Da ich den Klettergurt angelassen habe, kann ich ein bisserl eher starten und habe auch diesen Steig für mich alleine. Ich bin erfreulich fit. Auch meine Sorge um die nasse „Höhle“ war unberechtigt. Das letzte Mal war das Stahlseil nass und ich habe echt Nöte gehabt. Aber diesmal ist der Föhn voll aufgedreht. So gut waren die Bedingungen schon lange nicht. Vielleicht tut dem Königschusswandsteig seine unfreundliche Art vom letzten Mal leid, und er will es wieder gut machen. Man weiß es nicht.

Der zweite Steig ist damit auch recht zügig erledigt. Da ich keinen Hunger habe, wackle ich Richtung Holzknechsteig, um abzusteigen. Der wird immer komischer. Jetzt ist das feine Geröll zum Abfahren verschwunden. Vielleicht komme ich mal bei sintflutartigen Regenfällen her. Ich wüsste zu gerne, ob das Material langsam oder mit großem Getöse den Berg runterkommt.

Beim Einstieg des Haidsteigs treffe ich wieder Leute zum Plaudern. Im Steig sieht man die bunt gekleideten Bergsportler am Stahlseil aufgefädelt. Sie sind da oben ganz konzentriert und in ihren Gedanken in ihrer eigenen Welt. Da vergessen sie ganz, dass man ihre Unterhaltung bis nach unten hört. „Und jetzt den linken Fuß da rüber! Na ned den, den anderen!“. Schmunzel und okay, ich bin dahin.

Beim Spar gibt es noch das traditionelle Käsleberkäsekurkumaweckerl mit allem. Woher die Sehnsucht kommt, mich nach so einer gesunden Aktivität gleich wieder ein bisserl vergiften zu wollen? Man weiß es nicht. Aber diese Ketchup-Mayonnaise-Senf-Mischung quetscht es so schön raus, wenn man reinbeißt! Ein Genuss ist das fürwahr fast so wie die Anstrengung davor, aber nur fast.

Klettern: Stadelwandgrat III

Der Parkplatz ist leer, uns erwartet eine einsame Tour im Bereich der Stadelwand. So soll es sein. Ausgerüstet mit jeder Menge Material gehen wir es an. Wir zweigen wie die letzten Male aus dem Stadelwandgraben relativ früh ab, um am Waldrücken aufzusteigen. Doch im Abstieg sind wir sicher, dass man den Graben, solange ansteigen könnte, bis der Weg auf den Schneeberg nach rechts aus dem Graben dreht. Dort ist ein gut ausgetretenes Steiglein nach links ohne viel Anstieg. Das werden wir das nächste Mal ausprobieren.

Durchs Gassl gehen wir ganz links. Das ist empfehlenswert, wenn man nicht unnütz Energie verschwenden will. Ab hier übernimmt Gernot die Routenwahl. Beim ersten Mal hat sich Peter unser dritter im Bunde auf seine Erinnerung von vor 15 Jahren verlassen. Beim zweiten Mal habe ich mich als einer mit ausgeprägter Rotsehschwäche probiert. So findet Gernot beim dritten Mal den offiziellen Zustieg. Alle paar Meter bin ich überrascht, wenn mir Gernot wieder einen Markierungspunkt zeigt. Ein Wunder, dass ich mich überhaupt irgendwie durchs Leben finde.

Nach dem Anseilen übernehme wieder ich. Die Hüfte quält mich seit geraumer Zeit. Die Diagnose und Prognose ist auch nicht sonderlich aufbauend und so bin ich etwas unsicher. Das merke ich gleich beim Abklettern des ersten Turms. Ich bin gar nicht sicher, ob der erste Turm überhaupt zur Route gehört. Immerhin muss man am fetten roten Pfeil in die Gegenrichtung vorbei, um dorthin zu gelangen. Nach dem Abstieg wartet ein blitzblank polierter Standplatz. Vielleicht geht es ja hier professionell los.

Mit den Seillängen kommt erst die Zuversicht und dann die Freude zurück. Die Bedingungen sind ideal. Es ist trocken und in der Sonne angenehm war. Wir experimentieren mit unseren neuen Sicherungsgeräten und erkennen durchaus Verbesserungsmöglichkeiten in unserer Handhabung. Ich denke, das versteht man unter Erfahrung sammeln, aber ohne dass etwas passiert ist. Sehr fein! Die Kraxelei ist fein und nun schon zweimal hier beschrieben.

Nach ungefähr zwei Drittel der Strecke oder ungefähr sieben Seillängen hat man wieder die Wahl, wie denn der kommende Abschnitt zu nehmen ist. Links herum in II, rechts herum mit leichtem Abstieg und folgendem III oder direkt in III+. Wir wählen wieder die IIIer-Variante. Mir gelingt sie leicht, das Gejammer mit der Hüfte war gestern, obschon die Stelle für uns spannend ist. Gernot erwischt es diesmal nicht so gut. Ein bisserl Demut nach der Euphorie der unteren zwei Drittel ist eh nicht schlecht.

Im letzten Drittel bleibe ich am Grat, was nochmals eine schöne Kletterei bringt. Auch diesmal sind wir am Ausstieg einigermaßen erschöpft. Gernot fragt, ob wir diesmal mit unseren dreieinhalb Stunden schneller waren als die letzten Male. Das weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass Ueli Steck in 2 Stunden 22 Minuten die Eiger Nordwand druchstiegen hat. Angesichts dieser Tatsache ist es wurscht, ob wir zwei oder acht Stunden für den Stadelwandgrat brauchen. Uns hat’s gefallen, und das zählt!

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Domeniggweg III-

Gernot kommt aus Wien und ich aus Graz. Fast auf die Minute genau treffen wir uns am Parkplatz des Gasthofs Bodenbauer. Für diesen prächtigen Herbsttag haben wir uns den Domeniggweg durch die Südwand des Hochschwabs vorgenommen. Wir packen jede Menge Kletterutensilien in die Rucksäcke und brechen kurz nach acht Uhr auf.

Gernot ist beim Vogauerkreuz nach über zwei Stunden schon schlapp. Beide suchen wir die Südwand ab, erkennen zwei Optionen und fragen uns jeweils für uns, wie wir da raufkommen sollen. Schauen ma a mal. Wir wandern weiter Richtung Trawiessattel. Das Pflichthoppala folgt. Ich schaue auf die schräge, nasse Felsplatte und erkenne, dass meine Schuhe nicht halten werden. Ausprobiert, ausgerutscht, aufgeschürft. Wie deppert kann man sein!

Egal, weiter geht’s. Jetzt spiegelt ein Schild in der Südwand aus weiter Ferne. Das wird der Einstieg sein. Der Domeniggweg von rechts unten nach links oben sieht spektakulär, aber doch auch ein bisserl machbar aus. Gernot schleppt sich dahin. Was ist denn mit ihm los? Knapp bevor der Weg vom Trawiessattel in die Obere Dullwitz abfällt, zweigen wir nach links bei einigen Steinmännchen in Richtung Südwand ab. Noch immer ist die Südwand ein Gegenanstieg und sieht damit fast senkrecht aus. Das wird besser werden, sagt die Erfahrung.

Sechs Gämsen haben es sich bei den Schildern des Einstiegs bequem gemacht. Gelegentlich lassen sie Steine auf uns, die sich die steilen Schrofen bzw. das Geröll hinaufquälen, ab mit den Worten: „Nehmt das!“. Aber wir sind nicht zu stoppen. Unterhalb der glitzernden Tafeln müssen wir links in den Steig abgebogen sein – vielleicht aus Angst vor den souveränen Gämsen. Vielleicht auch ganz richtig.

So stehen wir plötzlich in der Wand. Laut Topo werden wir von der ausgesetzten IIer-Stelle begrüßt. Ja, das sieht nicht schwer aus, aber es geht halt ziemlich runter. Wir seilen uns an – mitten im Steig. Das geht erstaunlich gut und trotzdem machen wir es nächstes Mal früher.

Ich steige los und setze zu meiner Beruhigung einen Friend. So ein Friend ist fein, wenn man wenig gewöhnt ist. Ab jetzt sind da alle paar Meter Haken. Da hätte ich leicht sechs oder gar sieben Exen verbraucht. So baumelt das Seil in der Sonne, auch schön. Vor der Schlüsselstelle warte ich auf Gernot. Der ist wieder zurück im Leben und meistert das alles locker. Die Schlüsselstelle ist mit III- bewertet. Ein senkrechtes Wandl mit kleinen Griffen soll auf uns warten. Aber wie sooft ist hier nichts senkrecht. Das ist objektiv feststellbar. Kleine Griffe sind subjektiv. Wie auch immer, wir empfinden die Schlüsselstelle als nicht so schwer. II+ hätte auch gereicht.

Nach der Schlüsselstelle steigt Gernot vor. Es geht fein dahin. Nach einem kurzen Abstieg stehe ich in einem Kessel bzw. am Beginn einer steil aufwärts gerichteten Rinne. Von Firn ist in der Beschreibung die Rede oder einer Variante in weitem Bogen. Beides finde ich nicht. Ich bin wieder vorne und suche nach Haken zur Orientierung, aber da ist nichts. Das Gelände ist nicht schwer, aber ein bisserl unheimlich ist es schon in der Wand. Was, wenn es da oben für uns nicht weitergeht?

Mangels Alternativen steige ich weiter, Gernot folgt nach. Und plötzlich sieht es auch so aus, als würde es unangenehm. Wir staunen, das sollen bestenfalls IIer-Stellen sein, also etwas, wofür wir kein Seil mitnehmen würden. Schauen wir einmal. Ich steige los und nach ein paar Metern tut sich rechts ein Felsenfenster auf, das man von unserem Stand aus nicht sehen konnte. Das sieht ein bisserl feucht, aber technisch nicht schwer aus. Aber warum fehlt in der Beschreibung das Felsenfenster? Das ist so etwas von markant. Die Beschreibung sagt, dass man sich in aufsteigenden Rinnen schwerlich versteigen kann, weil es stets rasch technisch schwer wird. Das beruhigt. Aber was, wenn der Autor nicht alle Rinnen ausprobiert hat? Das Gelände ist so, dass ich leicht aufsteigen kann, aber runter muss ich auch nicht unbedingt.

Also, durchs Fenster. Für Gernot verschwinde ich damit aus dem Blickfeld. Es wird schon weiter gehen da oben. Siehe da, in der Höhle des Felsenfensters ist ein Steigbuch. Soll ich nachschauen, auf welchem Steig ich bin? Quatsch, der Domeniggweg ist die Anfängervariante durch die Wand. Jede andere Option würde ich nicht packen. Das Felsenfenster war leicht und ich steige kühn zurück in die Sonne. Gernot freut sich sichtlich, als er mich über der Felsstufe sieht. Wahrscheinlich fragt er sich, wie ich da hinaufgekommen bin.

Beim nächsten Stand übernimmt wieder Gernot. Wie beschrieben wird es leichter. Einmal höre ich Rufe. Ich denke, es ist Gernot, aber was will er? „Alles gut“ höre ich irgendwann. Heute sind einige Seilschaften in der Wand. Das ist recht ungewöhnlich. Die gehen allesamt schwierigere Routen ab dem fünften Schwierigkeitsgrad. Wir schießen einmal sogar Fotos. Wild sieht das aus. Für uns geht es weiter. Nebel zieht auf, aber da droht nichts mehr. Haken, eher Rostgurken, tauchen auch wieder auf. Alles gut, weit kann es nicht mehr sein. Wir packen das Seil ein und stehen bald am Kleinen Schwaben. Ein paar weitere Minuten und wir sind am Schiestlhaus.

Hier treffen wir die Klettergruppen. Sie sind allesamt Alpinpolizisten. Fit sind sie und gut vorbereitet für den Einsatz. Verbrecher werden sie da selten fangen. Einzige Erklärung wird wohl die Aufklärung von Kletterunfällen sein. Da seilt man sich aber auch eher von oben ab. Egal, Arbeit darf ja auch mal Spaß machen.

Wir erwarten uns eine schnelle Erholung bei der späten Mittagspause. Diese will sich aber bei Gernot gar nicht einstellen. Die Freude, die bei der Kletterei als verdrängt hat, ist weg. Dafür ist der lange Abstieg da. Wir identifizieren das G’hackte als kürzeste Option. Beim Abstieg wird Gernot immer langsamer, beim G’hacktbründl ist ihm gar kalt. Die restlichen Kilometer sind am Hochschwab meist zäh, aber Gernot schaut mir heute gar nicht gut her. Wir rasten ungewöhnlich oft. Renate liegt mit einer Darmgrippe daheim. Vielleicht hat er sich angesteckt. Hat er! Aber das ist ihm erst in der Nacht bewusst, denn das Fieber und der miese Allgemeinzustand lassen sich nicht auf unsere Tour zurückführen.

Schade, denn es war wieder eine wirklich edle Tour. Wer einen IIIer schafft, braucht keine Sorge zu haben. Bei Nässe oder Schnee sieht das natürlich anders aus. Aber an so einem sonnigen Spätsommertag wie diesen Montag ist die Tour echter Genuss. Der Zustieg und der Rückweg sind lange. Das ist zu berücksichtigen. Wir waren neuneinhalb Stunden unterwegs, was fast eine kleine Ewigkeit ist. Ohne Virus würden wir aber auch wir weniger Zeit benötigen.

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Klettersteig: Königschusswandsteig – Haidsteig

Um 3:45 läutet der Wecker, aber zum Glück nicht für die Rax. Jasmin startet ihr Auslandssemester in Kanada. Direkt vom Flughafen auf die Rax? Nein, lieber nochmals nach Hause ins Bett. Ich wache um 10 Uhr auf und starte zu Mittag.

Der Parkplatz ist voll, im Haidsteig hängt eine Perlenkette. Das habe ich schon fast erwartet und steige weiter zum Königschusswandsteig. Was der Regen so anrichten kann! Der Zustieg ist immer zäh und heute kein bisserl lustiger. Der Steig lässt mich spüren, dass ich in den letzten Monaten wenig trainiert habe, aber es geht. Es geht einigermaßen gut bis zum Felsfenster. Mah, da ist alles nass. Selbst das Drahtseil ist nass. Die Sohlen halten nicht und ich rutsche am Stahlseil. Echt jetzt? Also, Pause und ein erneuter Versuch. Upps, das ist mir jetzt auch noch nie passiert. Mit schlechter Haltungsnote und hohem Puls schaffe ich es dann durch. Na, glorreich war das nicht. Ich taumle noch zum Preinerwandkreuz und lasse mich dann in den Haidsteig fallen.

Bei der Madonna sehe ich schon von oben eine Menschenansammlung. Um diese Uhrzeit verwundert mich das, aber die Stimmung scheint ausgelassen. Den Platz habe ich gut ausgesucht. Da ist immer ein bisserl etwas los. Diesmal sind die Besucher aus Ungarn. Sie sind zu acht – zwei Experts und zwei Beginners. Sechs Kletterer sitzen bei der Madonna und feiern ausgelassen den unteren Teil des Haidsteigs. Wo ich denn absteigen werde? Komische Frage, als gäbe es mehr als eine Option. Die junge Expertin ist verwundert ob meiner Antwort. Ob ich denn wisse, was ich da tue und ob ich schon einmal hier war. Na ja, das erste Mal vor ungefähr 44 Jahren. Trotzdem warnt sie mich, dass es im Großen Kessel rutschig ist. Na fein!

Ich bleibe bei dem Rummel hier nur kurz und schon nach wenigen Metern sehe ich die zwei weiteren Kletterer. Der Expert hat einen großen Rucksack und weitere 25 Kilogramm Zusatzgewicht eng am Körper verstaut. Die Beginnerin hängt im Steig und ist verzweifelt. Sie kämpft tapfer, aber die Haltung lässt nichts Gutes vermuten. Ich warte und versuche aufzumuntern. Zwanzig Meter sind die beiden entfernt von mir. Es tut sich wenig abgesehen von der Konversation in einer Sprache, in der ich kaum etwas verstehe. Die Minuten vergehen, keine Bewegung. Dann doch und die letzten zwei Meter der „schwierigen“ Stelle sind geschafft. Als die junge Dame dann bei mir ist, erzählt sie, dass das ihr erster Steig ist und sie sonst eher Yoga macht. Mit meiner Frage, ob Yoga ihr im Steig geholfen hat, kann sie wenig anfangen. Ich frage den Experten, wie sie denn absteigen werden. Sie gehen „The red one“. Na dann, dann ist alles klar. Kurz denke ich an die Bergretter, die dann auf der Red One suchen dürfen. Denn die Achtergruppe hat noch ein Stück vor sich. Aber es wird gut gehen, wie eigentlich fast immer.

Und schon hänge ich in der Schlüsselstelle. Die kann es heute aber wirklich. Die Sohlen sind wertlos, als läge da Schnee im Fels. Ich zweifle kurz, wie das dann direkt vor dem Großen Kessel wird. Aber es kommt dann doch anders. Ich steige also den rutschigen Kamin ab. Ja, Spaß ist das heute keiner. Schon sehe ich den Abschnitt, vor dem ich bei Nässe eigentlich mehr Respekt hätte. Die Nachmittagssonne hat ganze Arbeit geleistet, es ist staubtrocken. Und manchmal hat man auch Glück. Uff!

Noch einmal treffe ich ein junges Paar aus Tschechien. Ob es denn noch einen anderen Weg runter gibt. Also, das nenne ich eine Vorbereitung der Tour. Haben sich die denn irgendetwas angeschaut? Zumindest sind sie mit brauchbarer Geschwindigkeit unterwegs.

Unter dem Bachinger Bründl treffe ich sogar noch ein junges Paar, das den Haidsteig gehen will. Gut, die sehen fit aus. Es ist halt schon 16:45. Mir soll’s recht sein.

Völlig geschafft setze ich mich ins Auto. Am Rückweg bringe ich noch etwas ins Möbelhaus zurück und gable danach zwei Autostopperinnen in der Nähe des Brunner Astes auf. Sie wollen nach Linz. Also, das halte ich für hoffnungslos. Vielleicht kann ich sie an eine chancenreichere Stelle bringen. Sie packen ihre Rucksäcke ins Auto. Da hängen ja Kletterhelme dran. Ja, Klettersteige sind ihre Leidenschaft. Sie sind am Weg nach Mondsee und wollen die Drachenwand und den Intersport Klettersteig gehen. Ah ja, super! Wo sie denn übernachten werden? Ach, sie haben gelesen, dass man am Mondsee auf einer Wiese schlafen kann. Dann wacht man schon mit Blick auf die Drachenwand auf. Ich staune und setze die beiden 21-jährigen Studentinnen in ihren kurzen Hosen bei Dämmerung letztlich in der Westausfahrt ab. Ob das schlau war? Ich hoffe so. Wie weit bin ich nur von diesem Alter weg. Fast ein bisserl beängstigend. Egal, mögen sie schöne Tage in den Bergen haben!

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Ötztaler Alpen

Von langer Hand geplant geht es für die Zeit vom 24. bis 29. Juli in die Ötztaler Alpen. Das Wetter passt und wir schaffen einiges:


Wildes Mannle (3.023m)
Wildspitze (3.768m) und Hinterer Brochkogel (3.623m)
Vorderer Brochkogel (3.565m)
Similaun (3.599m)


Die Hütten sind längst reserviert. Zwei Nächte auf der Breslauer Hütte, eine Nacht in Vent und zwei Nächte auf der Similaunhütte sind die Eckpfeiler. Hütten muss man sehr früh buchen, den Rest planen wir kurzfristig. Also, eigentlich plant Gernot in bester IBM-Qualität die Logistik. Wir reisen mit dem Zug an und reservieren ein Auto bei Rail & Drive. Damit klappt die Anreise super entspannt.

Der Klimawandel und der schneearme Winter werfen unsere Pläne über den Haufen. Auf den Gletschern ist kaum noch Schnee, der angenehme Firn ist schon seit Mitte Juli weg, Blankeis dominiert. Auf dem flachen Gletscher ist das noch angenehm, weil keine tückischen Schneebrücken lauern, aber ab einer gewissen Neigung muss man in den Fels ausweichen oder auf den Zacken kämpfen. All das unter stetem Steinschlag bei schlechter Routenwahl. Das ist wenig einladend. Aber der Reihe nach.

Wildes Mannle

Wir parken unseren schicken Golf beim Hotel Venter Bergwelt. Das dürfen wir, zumal wir ja in ein paar Tagen einchecken werden. Angesichts der Tatsachen, dass wir in der Woche viel vorhaben und ich auch schwach trainiert bin, entscheiden wir uns ohne jede Diskussion für die Nutzung des Sessellifts. In zwei Sektionen bringt uns dieser auf ~2.600m. Schon am Beginn der ersten Sektion verliere ich mein Ticket für Berg- und Talfahrt. Fängt ja gut an – grrr! Der eigentliche Plan sagt, dass wir die schweren Rucksäcke zur Breslauer Hütte bringen und dann einen Ausflug zum Wilden Mannle machen. Stattdessen entscheiden wir bei der Bergstation, besser gleich das Wilde Mannle mitzunehmen. Wir kennen uns zu gut. Einmal auf der Hütte, könnten wir den Apfelstrudel dem Wilden Mannle vorziehen.

In der Nachmittagssonne schleppen wir also die schweren Rucksäcke auf den ersten Dreitausender, überschreiten diesen und steigen Richtung Breslauer Hütte ab. Am Nachmittag sind die Gletscherbäche mächtig angeschwollen und wir verbringen einige Zeit mit der Suche nach passenden Stellen zur Überquerung der Bäche. Man könnte ja die Schuhe ausziehen und.. Aber wir verwerfen diese Idee lieber und steigen die Bachläufe bis zu geeigneten Stellen auf. So kommen wir trockenen Fußes gut bei der Hütte an.

Bei der Zimmereinteilung haben wir Glück. Wir teilen uns ein Zweierzimmer. Das ist zwar winzig, aber definitiv gehobene Klasse hier heroben. Die Hüttenwirtin meint, sie hätte sich geirrt und will uns vertreiben, aber da haben wir uns schon fest gekrallt. No way!

Wildspitze und Hinterer Brochkogel

Schon daheim hat mir die Möglichkeit, dass der fehlende Firn die Besteigung des Hinteren Brochkogels kompliziert machen könnte, Sorgen bereitet. Die Tourenberichte schreiben, dass man bei Blankeis in den Fels ausweichen muss. Die Klimaerwärmung hat den Permafrost aufgeweicht und so hängen die Platten recht locker in den Wänden. Wenn man dann nicht weiß, wo man denn am besten klettert, kann mir das schnell ein bisserl zu heikel werden. So haben wir einen Bergführer engagiert, der uns über Mitterkarjoch auf den Hinteren Brochkogel führen soll.

Kilian, Chef der Bergführerstelle Vent, bestätigt meine Sorgen und schließt kategorisch die Begehung des Mitterkarjochs aus. Damit fällt auch der Hintere Brochkogel. Stattdessen bietet Kilian die Wildspitze über den Rofenkarferner an. Nein, auch der Jubiläumsgrat ist für uns nicht begehbar. Es sei denn, wir sind bereit, uns in einigen Seillängen das 50° steile Blankeis „hinaufzuschrauben“. Aber er kenne einen steinschlagfreien Weg, den er uns führen kann. Aus und basta! Wir buchen. Am Telefon in Breitenfurt vermute ich noch gewisse Geschäftemacherei, aber bei Anblick der grauen, schmutzigen Gletscher bin ich schnell einsichtig. Nun ist die Wildspitze vermutlich das einzig spannende Ziel von er Breslauer Hütte aus.

So holt uns am Montag um 5:45 Kilian persönlich bei der Breslauer Hütte ab. Markant sind sein Norweger Pulli und sein Baseballkapperl. Gleich zu Beginn lässt er uns wissen, dass wir gerne auch schneller gehen können. Tun wir nicht, wir starten schön langsam. Wir rechnen mit einer kurzen Tour, sodass wir zu Mittag wieder bei einem Schnitzerl auf der Hütte sitzen.

Es geht über den Rofenkarferner in erträglicher Steigung hinauf. Nein, da brauchen wir noch nicht ans Seil, wir fühlen uns wohl. Ich erlaube mir einen Sturz, allerdings in flachem Gelände. Na, das läuft ja. Auf 3.500m kommen wir dann ans Seil, wir nehmen einen Teil des Jubiläumsgrates mit, umgehen aber das meiste im Fels. Diese Umgehung ist nicht jedes Jahr möglich und hängt stark von den Verhältnissen ab. Bald sind wir am Nordgipfel und kurz danach auf der Wildspitze.

Das angebotene Gipfelstamperl lehnen wir beide dankend ab. Aber Kilians zweites Angebot ist sehr wohl verlockend und spannend. Er fragt uns nach den weiteren Plänen. Wie jetzt? Was jetzt? Na, ob wir noch auf den Hinteren Brochkogel wollen! Ja, aber das geht doch nicht. Geht doch, aber kein Abstieg übers Mitterkarjoch. Stattdessen wieder in zahlreichen An- und Abstiegen über den Rofenkarferner zurück. So etwas geht in dieser Spontanität nur mit Bergführer. Wir überlegen. Statt zweieinhalb Stunden bis zum Mittagsschnitzerl wird es wohl bestenfalls eine späte Jause, wenn nicht gar nur ein Abendessen. Wir zögern, stimmen aber dann doch zu. Das Wetter ist edel und soll sich am morgigen Tag ändern.

So überschreiten wir die Wildspitze und verlassen beim Mitterkarjoch wieder den Trampelpfad, um auf den Hinteren Brochkogel zu steigen. Kilian kennt den besten Einstieg in die leichte Kletterei. Selbst hätten wir das nie gefunden. Beim Materialdepot rutscht mir der Pickel aus der Hand, bleibt aber zum Glück an einem Stein im Eis hängen. Mann oh, in was für einer Verfassung bin ich! Ein weiteres, starkes Argument für einen Bergführer.

Kilian klettert vor, wir folgen. Die Kraxelei ist technisch nicht schwer. irgendwo um die II+. Aber man muss das Gelände kennen, denn Markierungen gibt es nicht. Ohne Kenntnis des Geländes kann es auch leicht technisch schwerer oder eben recht brüchig werden. Das wäre nichts für uns. So hängen wir sicher am Seil, alles fein. Bis zu dem nicht sonderlich ausgeprägten Kar, in das man normalerweise vom Firn einsteigt, ist es dann eine leichte Blockkraxelei am Grat, danach dann eigentlich „Gehgelände“ über den restlichen Grat zum Gipfel. Der Hintere Brochkogel ist der sechsthöchste Berg Österreichs, aber kein Gipfelkreuz ziert den höchsten Punkt. Der Ausblick ist dafür fein. Die Wildspitze baut sich nicht allzu weit mächtig auf. Sehr fein, sehr edel!

Beim Abklettern erfreue ich mich der Tatsache, dass wir einerseits gesichert sind und anderseits, dass Kilian von oben die Route vorgibt. Ui, jui, da bin ich froh, dass wir nicht zu zweit unterwegs sind. Beim Materialdepot bergen wir noch meinen Pickel, ehe wir den langen Rückweg Richtung Breslauer Hütte antreten.

Erst geht es über den Taschachferner wieder am Mitterkarjoch vorbei – Oh, wie verlockend abkürzend wäre diese Variante! -, den Taschachferner Richtung Wildspitze hinauf. Die Mittagssonne brennt runter, aber es geht noch. Nach der Spaltenzone queren wir frei über den Gletscher zu einem Geröllhaufen. Dabei brechen Kilian, Gernot und letztlich noch ich in ein und dieselbe Gletscherspalte ein. Also, jedes Mal ist es nur ein Einbrechen mit einem Bein bis zur Hüfte. Aber man erkennt doch, dass es darunter tief und dunkel ist.

Auch der Geröllhaufen mit seinen sechzig Höhenmetern wird erledigt. Auf der anderen Seite treffen wir auf den Abstieg vom Nordgipfel der Wildspitze, es geht steil bergab. Kilian dreht eine Eisschraube in den Gletscher. Wir steigen gesichert ab, soweit das Seil reicht. Warten ist nun angesagt. So stehen wir da im steilen Hang und schauen Kilian zu, wie er das steile Eis frei absteigt. Gut, das ist sein täglicher Job. Wenn er stolpert, folgen wir ihm mit kurzer Verzögerung. Aber Kilian stolpert nicht, so schaut’s aus.

Nördlich und damit unterhalb des Jubiläumsgrates geht es nun durch eindrucksvolle Gletscherwelt ein letztes Mal bergauf in jene Scharte, über die wir in den Rofenkarferner einsteigen können. Der Tag ist schon lang, ich trotte am Seilende hinten nach. Alles gut! Wenn schon die körperliche Verfassung durch Covid und Namibia am Boden ist, so sagt die Erfahrung: „Lächeln, weitergehen, es wird enden!“. Das tut es auch. Wir steigen noch den Rofenkarferner ab, gehen ihn bis zu seinem Ende, ehe wir in den Fels wechseln. Offenkundig ist, dass auch Kilian der Tag schon ein bisserl lange ist. Ihm sind wir wohl ein bisserl zu langsam, wenngleich wir eigentlich ganz gut in der Zeit liegen. Wie auch immer, Kilian gönnt sich noch zwei Radler auf der Hütte, ehe er uns bei unserem Kaiserschmarren alleine lässt, und richtig Tal läuft. Endlich darf er sein Tempo wählen.

Was für eine Tour, was für ein Tag! Um halbneun liegen wir im Bett und schlafen ein. Schauen ma a mal!

Am nächsten Tag befragen wir noch einige Bergsteiger, die am Vortag über den Normalweg, also über den Mitterkarferner zum Mitterkarjoch und weiter zur Wildspitze aufgestiegen sind. Die Antworten haben all denselben Ton. Es ist ein Fluchen und das ist in solch einer Einhelligkeit selten in den Bergen. Ein Bergführer und damit die Route „hintherum“ war somit goldrichtig.

Vorderer Brochkogel

In der Nacht hat es geregnet, die Kühe haben uns mit ihren Glocken genauso wenig vom Schlaf abhalten können wie die besoffenen Nachteulen oder die Fünfuhraufsteher. Wir nehmen das zweite Frühstück (es gibt eines um 05:30 für die Wildspitzler und eines um 07:30 für die Hüttenwanderer). Um neun Uhr fühlen wir uns erstaunlich fit. Unsere einzigen Aufgaben sind der Abstieg nach Vent und das Abholen der E-Bikes in Sölden. Der Wetterbericht verspricht Besserung. Spontan entscheiden wir uns für den Vorderen Brochkogel, immerhin neunthöchster Berg Österreichs. Wir packen die Regenjacken ein und brechen auf. Kein Eis und Schnee, da darf die schwere Ausrüstung bei der Hütte warten.

Der Aufstieg ist nicht sonderlich herausfordernd. Zuerst geht es ein bisserl bergab, ehe man stetig den Vorderen Brochkogel hinaufsteigt. Gelegentlich ist ein bisserl eine Kraxelei dabei. Ein paar Meter erinnern, wieder sei der Klimaerwärmung Dank, eher an die Besteigung einer Sanddüne. Irre, wie sich die Bedingungen im Gebirge ändern.

Bald stehen wir beim ersten Gipfelkreuz. Damit sind wir nicht ganz oben. In hundert Metern Entfernung steht ein weiteres, kleineres Kreuz. Dort ist der höchste Punkt, aber den trennt laut Kilian ein wahnsinnig ausgesetzter Grat. Wenn es Kilian sagt, dann werden wir das Schicksal nicht fordern und die Besteigung also hier enden lassen. Auch recht. Wir teilen das Schicksal vieler Weltklasse Bergsteiger, die an der Annapurna am „Vorgipfel“ umgedreht haben. Blöder Vergleich – das gebe ich schon zu!

Wir steigen ab, fühlen uns erstaunlich fit, füllen unsere Depots mit Schnitzerl und fahren mit dem Sessellift nach Vent. Die Zimmer sind erfreulich groß, die Betten schon recht einladend. Wir müssen noch die E-Bikes aus Sölden holen. Den Plan, das Auto in Sölden zu parken und mit den Rädern wieder nach Vent rauf zu strampeln, lassen wir fallen. Der Golf muss zwei Räder schlucken. Schafft der Kombi.

Am Abend sitzen wir bei einem Glas Wein im Alt Vent und überlegen, was wir noch vorhaben und was wir noch schaffen können. Am Menü stehen Similaun, Finailspitze und eventuell Hintere Schwärze. Dafür haben wir die Similaunhütte gebucht. Doch so richtig will das nicht zusammenpassen. Vor allem ist das Hotelleben unvergleichbar angenehmer als das Hüttenleben. Nun haben wir die E-Bikes. Was tun? Wir lassen die Anzahlung auf der Similaunhütte verfallen und verlängern stattdessen im Hotel. Das klingt nach einem Plan.

Similaun über Marzellkamm

Wir starten um sechs Uhr mit den E-Bikes Richtung Martin-Busch-Hütte. Das sind acht Kilometer in eine Richtung, die wir nicht wandern müssen. Was sind wir froh. Selbst mit dem E-Bike sind wir 45 Minuten unterwegs und kommen damit pünktlich zum Frühstück, das allerdings die Anstrengung nicht wirklich wert ist. Wir parken die Räder und steigen nach kurzer Stärkung Richtung Marzellkamm auf.

Am Kamm geben tiefe Wolken und Nebel immer wieder Blicke auf die Hintere Schwärze und den Marzellferner frei. Uh, das sieht Respekt einflößend aus. Der Gletscher liegt wild zerklüftet und aper vor uns. Das könnte noch gehen, aber oben der Wechsel vom Eis in den Fels. Das ist zu weit weg und damit schwer zu beurteilen. Vielleicht ist es eine Abfolge einfacher Schritte, wenn man mal dort ist. Man weiß es nicht. Einsam und menschenleer ist es hier am Marzellkamm. Dort hinten am Marzellferner wäre es nochmals verlassener. Da verirrt sich heute keiner hin. Die Hintere Schwärze macht ihrem Namen alle Ehre und hat sich noch eine dunkle Wolke aufgesetzt. Sie zeigt uns die kalte Nordwand, in der sich noch Eis gegen die Klimaerwärmung stemmt.

Das Wetter bessert sich und der Ausblick auf den Similaun und die Hintere Schwärze sowie viele weitere Dreitausender sind eine Freude. Wir erreichen das Ende des Kamms und steigen auf den Gletscher ab. Am Niederjochferner kommt mein neues Seil, die Rad Line, zum Einsatz, juchhu! Upps, ist das lang. Wir werfen uns jede Menge Seilreserve über die Schulter, und trotzdem ist Gernot bei gespanntem Seil nur ein Punkt am Horizont. Damit kann fast ausschließen, dass im Falle eines Falles der Seilpartner mit in die Spalte fällt – gut so! Die Alpenvereinskarte sagt: gerade hinauf. Also, das sieht nicht so gut aus. Wir gehen nicht direkt, aber auch nicht im attraktiv scheinenden Bogen. Wer hat denn auch so viel Zeit.

Unsere semidirekte Variante führt uns jedenfalls in spaltenreiches Gelände. Im Zickzack umgehen wir Spalten. Gelegentlich müssen wir drüberspringen, ein anderes Mal ein Stück hinunter auf eine Schneebrücke steigen und auf der anderen Seite wieder aus der Spalte kraxeln. Das geht alles gut, aber kostet Zeit. Soll sein, wir sind ja nicht auf der Flucht. Und irgendwann sind wir draußen aus dem Spaltenlabyrinth und auf der Piste von der Similaunhütte zum Gipfel. Am Übergang zwischen Eis und Fels legen wir die Steigeisen ab und kraxeln ohne nennenswerte Herausforderungen auf den Gipfel. Der Similaun, achthöchster Gipfel Österreichs, ist damit auch erledigt.

Beim Abstieg holen wir eine siebenköpfige Seilschaft mit ihrem Bergführer ein. Während wir noch Seil auspacken und Steigeisen anlegen, startet die Gruppe. Der Bergführer in Jeans dirigiert die Gruppe ganz locker von oben. Aber halt, warum die rechte Spur? Die linke Spur führt doch zur Hütte. Will er direkt zur Martin-Busch-Hütte? Geht er über den Marzellkamm? Wir gehen links. Das geht auch gut so. Während ich den Weg so studiere, legt es mich wieder auf. Selbstzweifel kommen auf. Was ist denn los mit mir? Das kann blöd enden.

Irgendwann weicht der Firn und damit die Spur dem Blankeis. Gletscherwasser bahnt sich in selbst erschlossenen Rinnen den Weg ins Tal. Der Gletscher wird steiler, die erste Spalte tut sich auf. Gernot und ich erkennen auf den Uhren, dass die geplante Route über den Fels führt. Wir entscheiden uns für den Fels und hätten uns die Karte definitiv länger und besser ansehen sollen.

Geröll und weglos ist das, was wir antreffen. Aber es kommt schlimmer. Weiter unten trifft die Route wieder erneut auf Eis. Das liegt aber unter losem Schotter. Wir legen die Steigeisen wieder an, Spaß ist das keiner. Weit unten sehen wir die siebenköpfige Gruppe am Ende des Gletschers, wie sie sich bereitmacht, um zur Similaunhütte wieder aufzusteigen. Wir verlieren eine gute Stunde in dieser nicht ganz ungefährlichen Mühsal. Ärgerlich! Hätten wir ein bisserl länger auf die Karte geschaut, so hätten wir gesehen, dass eine Alternative über den Gletscher führt. Jetzt bei Niederschrift verstehe ich gar nicht mehr, was uns da in die Felsen getrieben hat. Ist halt so! Ist ja gut ausgegangen, wir kommen auch irgendwann zur Similaunhütte zur herzlichen Hüttenwirtin, die uns mit gutem, italienischem Essen und endlich wieder feinem Kaffee verwöhnt.

Jetzt bleibt noch der Abstieg zur Martin-Busch-Hütte. Wieder schlägt die Planung irgendeine Idiotie vor, aber wir schlagen einen direkten Kurs ein. Der Klimawandel erlaubt das, denn Gletscher ist hier längst keiner mehr. In der Ferne sehen wir jemand, der sein Motorrad hinter einem Fels hervorholt. Geht’s noch? Kapperl und Pullover kennen wir doch. Wir schildern unseren Irrtum und ernten ein: „Jo, durt geht schon seit Johren keiner mehr. Das geht schon lange nimma!“. Geht doch, aber ist echt mies.

Mann, das zieht sich bis zur Martin-Busch-Hütte, Der Regen holt uns ein. Ich lege die neue Regenhose an und wundere mich, dass sie doch nicht so gut passt wie im Geschäft. Siehe da, ich habe sie verkehrt rum an. Bedenklich, überaus bedenklich. Ich werde mich konzentrieren müssen, sodass ich noch heil ins Hotel komme.

Die Uhr sagt eine Ankunftszeit in Vent von 19:45 voraus. Aber bei der Martin-Busch-Hütte warten die Räder. Was für ein Segen! Wir lassen es laufen, triumphieren leise über die zermürbten und neidischen Fußgänger, die uns entgegenkommen. Um 18 Uhr, nach zwölf Stunden sind wir wieder in Vent im Hotel. Es wird immer gewisser, dass wir am morgigen Donnerstag nicht noch einmal so eine Tour schaffen. Die Hintere Schwärze bleibt damit von uns unbestiegen. Gernot, der deutlich fitter ist als sonst, erwägt noch die Fineilspitze. Aber die ist nicht einmal unter den Top 10.

Rettenbachferner per E-Bike

Am Morgen gibt es um 7 Uhr Frühstück und neue Pläne. Wir fahren mit den Rädern zum Tiefenbachferner und gondeln dort auf die umliegenden Dreitausender. Der Summer Card fürs Ötztal sei Dank! Die Fahrt ist ein Spaß. Nach Vent geht es fast nur bergab, das ist eine feine Sache. Aber noch lustiger ist die Fahrt von Vent zu den Gletschern. Jede Menge Rennradfahrer und Moutainbiker stellen sich der 14 Kilometer langen und Elends steilen Herausforderung. Da haben wir es auf unseren E-Bikes fein. Ohne nennenswerten Schweißverlust radeln wir vorbei. Mir ist es ein bisserl unangenehm. Bei den ersten Radfahrern entschuldige ich mich noch. Aber verdirbt man einem Masochisten nicht die Freude, wenn man sich entschuldigt. So schalte ich um, und filme gar die Kolonne der Verdammten beim Überholen. Möge uns nur nicht der Akku ausgehen! Sonst sind wir fällig.

Eigentlich wollten wir zum Tiefenbachferner. Aber den finden wir nicht. Es ist auch eigentlich egal. So fahren wir eben am Rettenbachferner ins Gletscherskigebiet. Aber ans Schifahren ist da nicht zu denken. Ui, ist das traurig und verzweifelt. Große Flächen sind abgedeckt. Dort, wo früher steile Flächen waren, schauen nun die nackten Felsen heraus. Als ich mit meinem Vater als Bub hier war, war hier alles weiß. Es gab auch damals schon Planen zum Schutz der Gletscher. Damals hat der Vater prophezeit, dass die Gletscher eines Tages verschwinden werden. Ich habe es mir nicht so recht vorstellen können, aber heute ist es unleugenbar.

Bei der Rückfahrt nach Vent sehe ich die Abzweigung zur Bergbahn Gaislachkogel. Dort wollten wir auch noch hin. Wie praktisch, da können wir abkürzen. 150 Meter vor der Mittelstation ist Gernots Akku leer und Gernot spürt, wie das so wäre. Ich schiebe am Rucksack an, solange mein Akku noch etwas hergibt. Das sieht so aus, als würde ich mich ziehen lassen. Egal, wir schaffen es zur Mittelstation, wo sich Downhiller bereit machen für die halsbrecherische Abfahrten auf ihren Trails im Wald. Wir machen uns bereit zur Auffahrt auf den nächsten Dreitausender.

Der Gipfel ist leicht über eine Eisenstiege zu erklimmen. Ein James Bond Museum sorgt für Kurzweil hier heroben. Das Beste ist ein Zwei-Hauben-Lokal, das wir natürlich einem Museum vorziehen. Kontrastprogramm halt, feines Essen, geschulte Bedienung. So soll es sein!

Wir wählen mit unseren Rädern die Asphaltstraße. Wir geben die Räder mit glühenden Bremsbelägen und leeren Akkus zurück und springen in den Bus, der uns nach Vent zurückbringt. Am Abend gibt es dann noch echt italienische Pizza im Venter Hotel Wildspitz.

Die Rückfahrt am nächsten Morgen ist völlig entspannt. Damit geht eine überaus erfolgreiche Bergwoche zu Ende. Vier der Top 10 Österreichs haben wir bestiegen. Wären wir jünger, fitter oder was auch immer gewesen, hätten wir noch die Hintere Schwärze mitgenommen. Aber in der Verfassung, in der ich war, bin ich froh, dass alles gut gegangen ist. Die Bilanz kann sich sehen lassen!

Namibia – Juli 2022


Fotos gibt es hier!


Anreise und Vorbereitung

Am Nachmittag des 3. Juli starten wir nach Namibia. Das Ziel haben wir spontan ausgesucht und die Planung wieder an Relax ’n Travel übergeben. Unsere Vorbereitung fällt noch kärglicher aus als sonst, zumal das Haus gerade umgebaut wird. Dafür läuft alles ausgezeichnet. Die Anreise ist entgegen aller Prophezeiungen pünktlich und unproblematisch. Wir hören von Verspätungen und Stornierungen, merken davon aber nichts. Und so finden wir uns bei Sonnenaufgang am Rollfeld des Flughafens in Windhoek wieder.

Afrika begrüßt mit seinen eindrucksvollen Farben. Das Personal hat alle Hände voll zu tun, die übernachtigen, aber fotografierlustigen Ankömmlinge Richtung Flughafengebäude zu bugsieren.

In Windhoek übernehmen wir unser Mietauto, alles sehr entspannt. Auf der 300 Kilometer langen Fahrt verwechseln wir Blinker und Scheibenwischer, aber nie die Fahrspur. Links fahren geht doch.

Kalahari – Anib Lodge

Das erste Ziel ist die Kalahari Anib Lodge. Ein Zimmer muss noch von einem Skorpion befreit werden, aber dann darf für eine Stunde ausgeruht werden, ehe es zum Sundowner Drive losgeht. Moses erklärt uns anfangs jedes Vogelnest, ehe endlich das Abendessen in reichlicher Zahl vorbeihüpft. Die Springböcke sind wohlgenährt, Moses verweist auf viel Regen in diesem Jahr. Giraffen, Gnus, etc. stellen sich auch noch ein. Läuft definitiv für den ersten Game Drive.

Krönender Abschluss ist das Buffet zum Sonnenuntergang. Die Farben sind surreal. Das Abendrot, der rote Sand, der rote Wein,.. Was für ein Start in den Urlaub!

Zurück in der Lodge ist noch der Springbock am Parkplatz zu erwähnen. Meldet er sich freiwillig fürs Buffet? Man weiß es nicht. Wir fallen in komatösen Tiefschlaf.

Am nächsten Morgen folgen wir der Empfehlung und frühstücken früh, ehe es mit den E-Bikes nochmals in die Kalahari geht. Was für eine Stimmung! Auch den Mädels gefällt es. Bis auf drei Springböcke zeigt sich aber kein Tier. Zu bunt sind die Biker aus dem fernen Österreich. Unsere Sorgen, dass die Akkus nicht halten, sind unbegründet. Da die Anzeigen schon beim Start nur auf halbvoll waren und hier kein Handyempfang ist, habe ich schon mal nachgefragt, was im Falle des Falles zu tun ist. Li beruhigt, Fahrrad stehen lassen und zu Fuß zurück zur Lodge. Okay, ist eine Idee, aber wir wollten unser Survival Skills in der Wüste noch nicht so früh auf unserer Reise testen.

Nach Cappuccinos gibt es Ankommen in Afrika am Pool. Alles gut.

Namib – Hoodia Lodge

Nach einem Morgenlauf durch die Kalahari in Begleitung von Springböcken und nach einem ausgiebigen Frühstück brechen wir Richtung Westen auf. Bis zur Maltahöhe ist es asphaltiert, dann beginnt der wilde Teil der Fahrt. Es ist so abgelegen, dass Jasmin für eine halbe Stunde übernimmt. Auf Google ist auch kein Verlass mehr, aber was soll schon schief gehen?

Die Landschaft wechselt, wird erst immer pittoresker, ehe Farben und Formen gänzlich surreal werden. Ein Google-Fehler kostet uns nochmals eine gute halbe Stunde, aber dann sind wir schon da. Vom Tor zur Rezeption der Hoodia Lodge sind es noch ein paar Kilometer. Hier winken uns schon Thomas, Carina und Enos aus der Ferne zu. Thomas aus dem fernen Hamburg hat sich hier vor zwanzig Jahren niedergelassen und eine wunderbare Lodge errichtet. Dass er davor beruflich Innenräume gestaltet hat, sieht man. Beene ist begeistert, uns gefällt es. Akribisch werden die kommenden drei Tage an unsere Bedürfnisse abgestimmt. Lieber Appeltizer oder Grapetizer? Zum Lunch vielleicht ein paar Quichetörtchen? Rosé passt zum Picknick?..

Nach Bezug der Chalets geht es jedenfalls zum Sonnenuntergang auf dem Honeymooner Hill. Enos deckt den Tisch, entzündet das Lagerfeuer und lässt uns alleine zurück. Wir schießen Fotos, blicken über die Ebene, die von der tiefstehenden Sonne in warmes Licht getaucht wird. Wir sind wohlgeglaunt, herrlich ist es hier. Das Abendessen mit Oryxfilet ist dekadent gut hier im Nirgendwo. Wunderbar!

Am Morgen heißt es dann raus aus den warmen Betten. Es ist noch dunkel, es steht einiges am Programm. Enos führt uns einen Tag durch den nahen Nationalpark. Ein englisches Paar ist auch mit dabei.

Wir haben eine Stunde Geographie und Biologie dabei. Dabei wird der Freiluftunterricht aufgelockert, indem Enos mal zwischendurch gezielt eine White Lady aus ihrem Zuhause holt. Na, da schauen wir.

Alpinistisch steht die Besteigung des Big Daddy am Programm. Big Daddy ist eine 250m hohe Düne aus rotem Sand. Bei den herrschenden Temperaturen ist es erträglich, obschon der Sand den Aufstieg anstrengend macht. Vom Gipfel aus entschädigt ein Blick über Dünen so weit das Auge reicht. Herrlich!

Der Abstieg erfolgt über einen durchgängigen Hang losen Sandes vom Gipfel bis ins Flussbett, mit einer Neigung von geschätzt 40 Grad. Das ist ordentlich steil und macht mächtig Spaß.

Unten erwartet uns dann das Highlight des Tages. Vor sechshundert Jahren sind die Bäume abgestorben. Der Lehm hält sie fest. Der trockene Lehm, die roten Dünen und die Bäume ergeben Fotomotive ohne Ende. Auch unglaublich!

Die Engländer haben leider früh aufgegeben und warten sicherlich schon. Aber speziell Beene kann sich nicht losreißen. Enos ist geduldig, obwohl er noch so viel auf Lager hätte. Sossusvlei ist nach zehn Jahren wieder einmal mit Wasser gefüllt, ein Schakal bettelt am Parkplatz,.. wir müssen weiter. An einem Platz, der Out of Africa entnommen sein könnte, deckt Enos den Tisch. Wo sind Meryl Streep und Robert Redford?

Jetzt ist uns aber wirklich die Zeit davon. Eine Stippvisite noch zu einem Canyon, Enos hat fast ein bisserl Stress. Die nächsten Gäste wollen ja zum Sunset gebracht werden.

Uns soll es recht sein, wir sind ein bisserl fertig. Wir entspannen am Pool. So lässt es sich leben!

Swakopmund – Beach Lodge

Nach herzlicher Verabschiedung geht es nach Swakopmund, an den kühlen Atlantik. Wir sind direkt am Meer in der Beach Lodge untergebracht. Einzig bei der Zimmerauswahl hätten wir mehr Glück haben können. Lage und Ausblick entschädigen. Im der Pizzeria treffen wir Thomas, den Eigentümer der Hoodia Lodge mit seiner Frau. Tja, wer seine Frau ausführen will, muss schon mal eine Anreise von gut vier Stunden in Kauf nehmen. Die Pizzeria ist gar ausgebucht. Thomas bietet seinen Tisch an. Wir lehnen dankend ab und finden im „The Hug“ eine authentische Alternative.

Am nächsten Tag stehen Flamingos und eine Seehundkolonie am Programm. Die Seehunde sind ein bisserl gruselig für mich. Zum einen stinken sie ziemlich, zum anderen führt ein Steg quer durch die Kolonie. Geht man den Steg entlang, so brüllen und heulen die Seehunde unter einem auf. Tantes Göttliche Komödie kommt mir in den Sinn.

Da ist der Lunch am Cape Cross infolge entspannter. Ob wir zur Verdauung noch am Strand spazieren dürfen? Ja, Richtung Norden bis Angola. Außer ein paar Fischern ist da niemand, und bis Angola sind es geschätzt 800 Kilometer. Im Auto haben wir noch einen Steinschlag zu vermelden. In Namibia regt das aber gar niemanden auf. Wer are absolutely safe. Na bitte!

Am Montag geht’s aufs Boot. Ohne jede Erwartung buche ich. Was schaue ich blöd, als uns dann ein Seehund am Boot begrüßt. Was für ein Zufall, was für ein Glück! Weit gefehlt, im Laufe der Tour erfahren wir, dass sich aktuell vier Seehunde an Bord trauen, zwei berührt werden dürfen und die anderen nicht. Aha!

Als nächstes Highlight tauchen Delfine in großer Zahl auf. Sie springen und tanzen und Boot. Nun jagen teils Seehunde und Delfine das Boot. Das hatte ich auch noch nie.

Was bietet die Vogelwelt? Wir lernen, wie man Guano für eine halbe Million verkaufen kann und worin Guano so enthalten ist. Aber die echte Sensation sind zwei Pelikane, die das Boot stürmen und gegen Fisch Selfies zulassen. So geht die Fahrt bei Sekt und reichlich Austern zu Ende. Das waren übrigens die besten und wohl frischesten Austern seit langem.

Swakopmund war ein Kontrast zu den Wüsten und die Reise auf jeden Fall wert!

Twyfelfontein

Beene übernimmt das Steuer und entdeckt den Walter Röhrl in ihr. So brettern wir die nächsten viereinhalb Stunden über die Schotterpiste weiter Richtung Norden. Beene trällert sich ein Liedchen und driftet die wenigen Kurven. Gelegentlich kracht ein Ast in die Scheibe. Soll sich der Baum halt woanders hinstellen.

Die Twyfelfontein Lodge ist mehr ein Beherbungsbetrieb. Viele Gäste, wohl geordneter Betrieb. Schön ist es allemal. Der Sundowner bringt uns erstmals mit Elefanten in Kontakt. Es sind Wüstenelefanten, ein bisschen kleiner, dafür mit langen Beinen. Die jungen Elefanten wälzen sich im Staub und liefern ihre Show.

Das Besondere an Jahrtausende alten Felszeichnungen bleibt mir auch diesmal unerschlossen. Ich scheine zumindest nicht der einzige zu sein.

Ongava Tented Lodge

Nach einer Nacht in Twyfelfontein geht es nun Richtung Etosha Nationalpark. Direkt vor dem Eingang zweigen wir ins tolle Ongava Resort ab. Der freundliche Wachmann fotografiert das Auto und schiebt das schwere Tor zur Seite. Willkommen! Zu unserer Unterkunft, dem Ongava Tented Camp, sind es 12 Kilometer. Das ist Afrika!

Leroy begrüßt uns mit einer Herzlichkeit! Oh, das wird fein hier! Wenige, feste Zelte mit noch weniger Gästen warten auf uns. Christina und Ndali laden zum Lunch. Sie haben offensichtlich Freude an ihrem Job. Für Kurzweil beim Lunch sorgen die Elefanten. Die Lodge liegt direkt an einem Wasserloch, worin die Elefanten gerne eine Erfrischung nehmen. Doch besser schmeckt das Wasser aus dem Pool. Auch wenn die Elefanten gewöhnt sind, hier auf Menschen zu treffen, sind sie auf Abstand bedacht. Wer sich zu rasch bewegt oder zu nahe kommt, wird mit einem Rüssel voll Wasser auf Distanz gehalten. Jasmin wird derart gemaßregelt, findet es aber recht lustig.

Noch lustiger findet aber Tuly alles mögliche. Er wird unser privater Guide für die kommenden zwei Tage sein. Um 16:30 geht’s los. Der Patronengurt irritiert ein wenig. Ja, bei Gelegenheit steigen wir aus und nähern uns Rhinos oder Elefanten zu Fuß. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ein Dickhäuter oder ein Löwe etwas gegen uns hat, will man ja gewappnet sein. Denn im Busch sind die süßen Viecherl auf Distanz bedacht. Hier ist der Mensch entweder Rivale ums Futter oder ein leckerer Happen, je nach Spezies.

Tuly ist eher der Großwildjäger. Auch wenn er in seiner Rangerausbildung viel, viel Wissen mitgenommen hat, so verschwendet er wenig Zeit mit Antilopen, Federvieh oder sonstigem Kleintier. Elefanten, Rhinos und Löwen zählen.

Zweimal wird auf unseren drei Ausfahrten angehalten und das Gewehr geladen. Wir bekommen Instruktionen, wie das Funkgerät zu bedienen ist, falls Tuly gefressen oder auf andere Art ausgeschaltet wird. Tuly trägt die hellste Kleidung und ist damit Target No. 1. Von bunter Kleidung wird dringend abgeraten. Wir sind in erstaunlich erdfarbenen Hosen und Shirts unterwegs.

Das Leben in der Lodge ist herrlich. Christina und Ndali achten darauf, dass jederzeit Kalorien zugeführt werden. Und das in erlesener Form. Zum Dinner gibt es Auswahl, auch wenn nur drei Tische besetzt sind. In der Dämmerung bzw. Dunkelheit stellen sich gar Nashörner, Löwen mit Jungen und die verschiedensten Antilopen ein.

Einzig kalt ist es in der Nacht und am Morgen. Thermophore helfen, aber es bleibt bitterkalt. Von eigenständigem Pendeln zwischen den Chalets und dem Hauptgebäude wird abgeraten. Das finde ich auch diesmal anfangs übertrieben. Als wir dann Löwengebrüll am Morgen hören bzw. Elefantenabdrücke im Sand gezeigt bekommen, bin ich einsichtig. So holt uns Tuly mit seiner Rifle morgens ab. Sein Lachen ist so erfrischend, dass wir es als Ringtone für Jasmin aufnehmen möchten. Es ist mitreißend und herzlich, sodass die Kälte etwas weniger kalt erscheint.

Es gäbe noch so viel zu dieser wunderbaren Lodge zu schreiben. Tuly erklärt auf meine Anfrage den Dung. Der von Elefanten hilft als Rauch selbst gegen Covid. Oder Tulys Lachen, als zwei weiße Nashörner ein schwarzes Nashorn durch den Busch jagen. Ja, da sind wir alle begeistert, aber am meisten Tuly. Ein anderes Mal liegen Löwe und Löwin um unser Auto. Sie ist leider zwischen dem Zaun des Nationalparks und der Lodge gefangen. Alles eigentlich recht entspannt. Erst als in weiter Ferne die zu Hilfe angeforderten Wildhüter anrücken, verdrücken sich die beiden Großkatzen. Sie kennen das Geräusch der Wildhüterautos. Da heißt es dann unter den Königen der Tiere: “Flüchte, wer kann!“.

Etwas wehmütig verabschieden wir uns. Aber bald sind wir wieder zurück, denn eine von uns hat ihren Sack mit Schuhen vergessen. Wer das ist? Dazu schweige ich lieber!

Etosha – Mushara Lodge

Mit etwas Verspätung treten wir also die eigene Fahrt durch den Nationalpark an. 135 Kilometer fahren wir von Westen nach Osten. Beeindruckend sind die endlose Weite des Etosha-Pfanne und die doch einigermaßen reichlich vorhandenen Wildtiere, liebevoll Game genannt. So stehen wir gelegentlich mal in einer Kudu-Zebra-Springbock-Herde mit mehreren hundert Tieren, aber nach dem Ongava Resort ist der eine oder andere schon ein bisserl Safari-müde. Im Auto erscheint es auch etwas anstrengender als im offenen Safari-Wagen. Das Aussteigen ist nur an wenigen Stellen erlaubt. Aber schön anzuschauen. Schon wieder auf asphaltierter Straße übersehe ich noch drei oder vier Giraffen, die friedlich im Sonnenuntergang grasen. Aber aus der zweiten Reihe höre ich, dass eine Giraffe auch nur eine Kuh mit langem Hals ist.

Die Mushara Lodge empfängt uns als großzügig angelegtes Resort mit feinem Essen und bestmöglicher Entspanntheit. Den morgendlichen Game Drive lassen wir aus. Wir bleiben am Pool. Der Pool ist winterlich kalt, aber schreckt uns nicht ab. Mungos oder Mangusten (bin ja kein Biologe) sorgen für Kurzweil. Kuscheln soll ich sie nicht. Ah, sehen aber süß aus!

Der Sundowner ist schon gebucht. Wir fahren wieder in den Nationalpark zurück. Ich freue mich, dass wir erstmals eine Führerin haben. Ich bin schon gespannt. Bei der Fahrt zum Park sperrt in einer hohlen Gasse ein Elefantenbulle die asphaltierte Straße. Kein Vorbeikommen, „Big Problem, False Feeding, Very Dangerous!“. Ein Stau wächst langsam. Andere Safari-Autos drängen vor und werden zurückgedrängt. Letztlich gelingt es den Elefantenbullen in einer konzertierten Aktion zweier wagemutiger Tour-Guides von der Straße zu treiben. Was gar nicht so leicht ist, weil es aus der Gegenrichtung staut. Aber das sind private Autos. Die sind viel kleiner und wir sind froh, dass wir nicht in so einem Touri-Auto sitzen.

Im Park zeigt die gute Frau weniger Geschick beim Aufspüren der Tiere. Gelegentlich zeigen wir ihr das eine oder andere Tier und erhalten ein: „I saw that also.“. Dafür scheint sie jeden und jede im Park zu kennen. Fenster auf „How are you? I love you all!“. Irgendwann kommt dann doch über Funk die Nachricht, wo man hin muss. Wir rasen gemächlich dorthin um uns mit vielen anderen des Anblicks von vier Löwen in der Ferne zu erfreuen. Wir wollten einen Leoparden sehen, aber für unsere Anführerin sind das alles Katzen. Gelegentlich werden andere Beobachter aufgefordert leise zu sein. Das ist ja schon an sich ein bisserl seltsam. Speziell wird es, als sich die gute Frau bei so einem „Pst, Pst!“ irrtümlich auf die Hupe setzt. Okay, den Löwen war es wurscht, die waren eh weit genug weg.

Etwas verlegen schenkt sie den „Gin Irgendwas“ ein und erfreut sich der Tatsache, dass sie schon wieder alle am Parkplatz kennt. „I love all humans!“ – fein! Als Entschädigung gibt es noch eine Einführung in ihre Muttersprache, die von Klicklauten lebt. Sabine filmt und muss nachsprechen. Der Gin hilft. Das ist alles spannend, aber ich komme schon mit Spanisch auf Duolingo nicht so recht weiter. Soll sein!

Erongo Mountains

Ai Aiba – The Rock Painting Lodge

Zum Abschluss gibt es nochmals eine extrafeine Lodge. Weit entfernt vom Irgendwo liegt die Ai Aiba Lodge. Klein und überaus luxuriös. Am Pool kann man sich problemlos auch in der Wintersonne einen Sonnenbrand holen. Das Internet hat wie in den meisten Lodges Glückspielcharakter. So ist das halt hier.

Wir schließen uns der Sundowner-Wanderung auf einen nahegelegenen Hügel an. Leicht militärischer Drill herrscht, die Touris folgen brav. Als der Guide dann Giraffen-Kugerln am Weg aufhebt, kostet, drauf beißt und zu erkennen meint, dass die Giraffe vor fünf, sechs Tagen hier war, kommt in mir Sorge auf, dass wir unser einer Game-Dung-Verkostung angeschlossen haben. Upps!

Der Spazierweg hält einige Kletterstellen im Bereich 1- parat. Da höre ich im Umfeld schon Gemurre und Sorgen, die aber von einem „My Team is strong! I can feel it!“ an der Spitze erstickt werden. Bald rufen wir im Chor „Sir! Yes, sir!“. Aber soweit kommt es dann doch nicht. Zu schnell erreichen wir den Gipfel. Getränkevergabe gehört zum Sundowner-Ritual. In den besseren Lodges kann man die Getränke vor dem Aufbruch auswählen. Wir haben Mineralwasser und Sekt gewählt. Die restlichen Teilnehmer begnügen sich mit einem Bier oder Sprite. Nur auf die Schweizer ist Verlass. Die zwitschern zumindest eine Flasche Weißwein. Ja, unser Drill Sergeant hatte einen schweren Rucksack mit. Als er nun zum krönenden Abschluss fragt, wer den Champagne bestellt hat, müssen wir da halt durch. Beim Militär wird kein Platz verschenkt! Entsprechend werden die Gläser gefüllt. Wir haben es lustig. Dazu gibt es Biltong, von den Mädels wegen der Ähnlichkeit zu Mios Leckerlis liebevoll Rinderkopfhaut genannt.

Beim Abstieg fährt der Sekt ein. Wir haben reichlich Spaß. Als Sabine und ich die Lodge erreichen, hat sich unser Sergeant schon wieder aus dem Staub gemacht. Die anderen Gäste sitzen beim Abendessen. Hurra, wir sind auch schon da!

Den Sundowner am nächsten Tag, wieder im offenen Wagen, lassen die Mädels aus. Sie sind der Sundowner endgültig satt. Soll sein. Wir sind aber erneut erfreut und lernen Interessantes. Der Guide erkennt Spuren eines Leoparden, der seine Beute über den Weg geschleift hat. Selbst Blutspuren vermag er zu erkennen. Oh ha!

Auf glatt geschliffenen Felsen, die an Australiens Ayers Rock erinnern liegen kugelrunde Felsen von mehreren Metern Durchmesser auf der Schräge, als hätten sie Riesen vor Millionen Jahren einfach liegen gelassen. Ich staune, wie diese Steine Jahrmillionen so liegen können. Auch ein riesiger, versteinerter Sportschuh steht auf einem der Felsen, die bezeichnende Namen wie „The Submarine“ tragen. Auch den müssen die Riesen liegen haben lassen.

The Sneaker

Bei einer Flasche Weißwein geht die Sonne das letzte Mal für uns unter. Der Königstein, der höchste Berg Namibias, verabschiedet sich in weiter Ferne in tadellosem Abendrot.

Rückfahrt

Am nächsten Tag warten zu Mittag rund 300 Kilometer zum entfernten Flughafen. Ganz knapp vor dem Gate der Lodge verabschiedet sich ein riesiger Giraffenbulle nochmals von uns. Wieder hätte ich ihn fast übersehen. Was für ein elegantes Tier!

Es folgen die letzten Kilometer Schotterpiste. Unser Toyota Corolla Crossover fliegt über die kleinen Rippen. Nichts kann uns aufhalten, wäre da nicht diese Straßenglättmaschine auf der Gegenfahrbahn. Die ebnet einerseits die Straße, schiebt aber auch wie ein Schneepflug überschüssiges Material zur Seite und in die Straßenmitte. Mit etwas mehr als 100 km/h krache ich in bzw. über einen Stein von der Größe einen Ziegelsteins. Rumms, völlig synchron krachen wir vier mit der Schädeldecke an das obere Ende der Fahrgastzelle des flinken Japaners. Hoppla, das war jetzt nicht gut. Nach wenig Metern hören und spüren wir das Flap-Flap-Flap. Links rangefahren, Koffer raus, Reserverad raus. Jahrelanger Reifenwechsel zahlt sich aus. Sabine und ich wechseln den Reifen in Windeseile. Die Mädels bleiben im Auto. Kein vorbeifahrendes Fahrzeug oder Löwe stört, nicht einmal Paviane interessieren sich für Gepäck. Als ich die Koffer wieder ins Auto wuchte, springt der Corolla vom Wagenheber und Sabine, die gerade die Radmuttern anzieht, mit gazellenartiger Leichtigkeit zur Seite. So geht Reifenwechsel.

Noch 30 Kilometer, dann ist die sichere B2 erreicht. Nun kann nicht mehr viel schiefgehen. Am Flughafen verabschiedet sich Namibia mit dem letzten Sonnenuntergang. Ein bisschen wehmütig steige ich ins Flugzeug. Dieses Afrika gefällt mir!

Malersteig III-

Gernot und ich packen das 60 Meter lange Einfachseil ein und mischen noch jede Menge Schlosserei dazu. Mio macht nach seiner Tour vom Vortag Pause. Von Griesleiten starten wir mit recht schwerem Gepäck. Der Zustieg überrascht schon, hat doch der Regen teils tiefe Rinnen in den Weg gerissen. Ich staune nicht schlecht. Entsprechend spannend ist auch der Zustieg nach dem Einstieg zum Haidsteig. Ist dieses Stück schon so kein Genuss, so hat es durch die Regenfälle noch einmal Spannungselemente zusätzlich. Teils ist das Geröll frisch aufgeschüttet und tiefe Rinnen stellen sich in den Weg. Die Sonne lacht, die Sicht ist gut und so gelangen wir problemfrei zum Einstieg.

Das Seil legen wir diesmal bei der Stelle mit II+ an. Das ist knapp vor dem Treffpunkt mit dem Königschusswandsteig. Den Malersteig kennen wir. Abwechseln steigen wir vor. Bin ich vorne, sehe ich die roten Punkte nicht so recht. Das macht die Tour wie immer ein bisserl spannend. Gernot hilft dann von weit hinten mit: „Den Kopf leicht nach links, zwei Meter oberhalb, beim hellen Fels ist ein roter Punkt,..“. „Ah ja, da geht’s weiter!“.

An der Mutprobe will Gernot vorsteigen. Ich staune, Gernot startet. Aber doch rasch ändert er seine Meinung. Schade, hätte gepasst. So haben wir unsere Hetz an dieser ausgesetzten Stelle, meistern sie aber wie auch den Rest wieder problemfrei.

Unser Besuch bei der Neuen Seehütte ist ernüchternd. Ein neuer Pächter hat die Hütte von Franz übernommen. Egal, oft werden wir hier nicht mehr vorbeischauen – schade! Ich war immer gerne hier. Anderseits vermuten wir, dass eh bald wieder ein neuer Pächter übernehmen muss. Momentan kann ich die Hütte nicht empfehlen.

Tour auf garmin.com

Fuchslochsteig mit Hund

Ah, da ist es wieder – ein senkrechtes Wandl von 10 Meter Höhe stemmt sich laut den Berichten am Internet dem forschen Raxgeher in den Weg. Also, weder Mio noch ich schaffen 10 Meter senkrecht. Aber einen II- mit Hund traue ich mir schon zu. Zumal die Kletterstelle leicht und kurz sein soll.

Nach Covid und mühsamen Untersuchungen wird es Zeit Kondition für den Sommer aufzubauen. Mio war eh zwei Tage in Betreuung, und so darf er mit. Falls die 10 Meter hohe Wand nicht packbar ist, müssen wir halt umdrehen und zur Not das Kleine Fuchsloch gehen.

Vom Preiner Gscheid geht’s los. Alles kein Problem, außer meine Kondition. Aber 1.000 Höhenmeter sollten in jedem Zustand zu meistern sein. Heiß ist es. Mio leidet unter der Hitze sichtlich mehr als ich. Aber kein Jammern kommt ihm über die Lippen. So schaffen wir den Zustieg und los geht’s.

Da ist auch schon die erste Erkenntnis: der Hund drei bis fünf Meter oberhalb von dir nimmt keine Rücksicht auf dich. So stehe ich unter stetem Beschuss mit Steinchen, während Mio auf vier Pfoten schiebt und haxelt. Ich hätte zumindest den Helm aufsetzen sollen.

Ist das die senkrechte, 10 Meter hohe Wand? Sieht so aus. Mio schaut mich an. Ja, da rauf müssen wir. Sicher nicht senkrecht. Das sind 65° bis 70° Steigung. Das ist so viel, dass man im aufrechten Stehen schon mit leicht ausgestrecktem Arm den Fels berühren kann. Feine Neigung fürs Kraxeln, aber der Hund kommt da nicht rauf. Ich habe eine Bandschlinge und Karabiner mit. Aber ehe mich Mio in Panik aus der Wand hebelt, kommt eine andere Technik zum Einsatz: Ich hebe Mio bis zum nächsten Tritt hoch und drücke ihn sanft an den Fels. Nun steige ich nach und wiederhole das Vorgehen. Öfter als zwei oder dreimal müssen wir das nicht machen, dann sind die technischen Schwierigkeiten schon überwunden. Wahrlich keine Hexerei.

Über steile Grashänge geht es aufs Plateau. Die Gämsen haben es sich auf einem Schneefeld bequem gemacht. Das gefällt meinem Vierbeiner. Er muss mit Schnee ohne Gams vorlieb nehmen. Aber das ist ihm im Juni schon Freude genug.

Ein Stück weiter sehen wir einen älteren Mann, der Figl anlegt. Mit den Worten „Mir ist alles wurscht. Nach zehn Jahren probiere ich es noch einmal. I foahr no a moi da runter, bevor i die Patsch’n aufstell‘!“. „Na, das wird schon noch dauern!“ entgegne ich. Aber der Mann weist auf sein 80stes Lebensjahr und die Operation eines Krebstumors hin. Ich staune, und er startet. Mir bleibt nicht viel außer ein „Alles Gute!“, ehe er losgeigelt. Aber die Abfahrt will nicht klappen. „Ui, des is aber hoart! I foahr trotzdem.“. Sagt’s und verschwindet hinter der Kuppe. Oha!

Am weiteren Weg zur Kriegerdenkmal begegnen wir noch einem Gamsbock, der auf Ärger aus ist. Mio plustert sich auf, „Kein Millimeter dem Aggressor!“, aber ich weiche großräumig aus. Mio geniert sich ein bisserl für mich, aber mir ist nach unserer Steinbockkonfrontation eben nicht alles wurscht.

Pause am Karl-Ludwig-Haus und Abstieg über den Schlangenweg verlaufen erwartungsgemäß problemfrei. Okay, ein Kühlmittelschlauch ist gerissen. Aber das ist mir dann wurscht.

Mio kann II-! Feiner Tag am Berg!

Die Tour auf garmin.com