Wir klettern spät, aber doch, die Saison an. Der Akademikersteig wird es. Der ist nun schon ein paar Mal hier beschrieben und Zwischenfälle gab es auch keine. Und trotzdem, oder gerade deswegen, war es wieder extra edel. Wir haben den Einstieg perfekt gefunden. Gernot ist Abschnitte ohne Seil vorgestiegen. Es wird! Na ja, und mir macht es wirklich jedes Mal einen echten Spaß. Es ist mehr ein Kraxeln als ein Klettern. Aber das tut der Freude keinen Abbruch!
Als Seil haben wir das Halbseil in 30 Meter verwendet. Das ist mehr eine psychologische Unterstützung. Es genügt in unserer Form der Nutzung nicht den Empfehlungen. Ich glaube trotzdem, dass es uns ausreichend sichert.
Wir haben uns im Weichtalhaus mit einer Lachsforelle belohnt. Die war ein Fang abseits der Bestellungen und entsprechend fein. So sind wir gar kulinarisch auf unsere Rechnung gekommen.
Carina wünscht sich ein Wochenende in Paris zum Geburtstag. Eine Freundin darf auch mit. So mache ich mich mit Lydia, Jasmin, Carina und Ilina auf den Weg. Die Blicke, die ich mir als mutmaßlicher Mädchenhändler in solchen Situationen beim Check-In einfange, erspare ich mir diesmal. Es ist mein erstes Mal Airbnb. Da gibt es keine Rezeption, der junge Mann hat andere Sorgen und Interessen.
Ein weiteres erstes Mal habe ich. Auch Uber steht am Programm. Das klappt super. Als Dino aus einem anderen Jahrhundert interessiere ich mich für Fragen nach dem Vertragspartner und Rechnung. Ui, ui – das sieht nach Ärger aus. Auf der Rechnung steht nur salopp Uber. Damit genügt die Rechnung sicher nicht den Anforderungen. Und so funktioniert ein modernes Unternehmen mit Milliardenumsatz – ich staune. Ähnlich meine Gedanken zu Airbnb. Aber hier ende ich lieber in meinem Ausführungen. Da hatte ich als Geschäftsführer jedenfalls wegen deutlich nichtigeren Themen ein Thema.
Die Mansardenwohnung in der Nähe des Place de la République am Boulevard Saint-Martin ist extravagant und schön. Wir haben ausreichend Platz und keinen Grund zur Klage. An Airbnb muss ich mich noch gewöhnen. Aber das ist eine andere Geschichte – siehe oben.
Wir haben Wetterglück und erledigen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Entspanntes Frühstücken und Spazieren stehen am Programm. Der Eifelturm bei Nacht muss auch sein. Wie ich mich freue, dass teils noch Metro-Wagen fahren, die schon 1983 unterwegs waren, als ich mit Oskar durch Europa getrampt bin! Auch wenn Masken, Uber und Airbnb neu sind, so haben die alten Waggons noch Bestand.
Das Abflugsterminal 2G am Flughafen Charles de Gaulle erinnert ein bisserl von der Größe her an einen Flughafen auf einem der kleinen Inseln des kanarischen Archipels. Das erstaunt sogar den moderenen Uber-Fahrer.
Gelungene Tage mit meinen vier jungen Begleiterinnen. Fein war’s!
2020 hatte ich im März im Apart Viva angerufen und angefragt, ob wir wieder kommen können. Wie durch ein Wunder war eine der beiden Ferienwohnungen frei. Eine Familie aus Israel hat völlig grundlos mit Bezugnahme auf einen Covid-Virus storniert. Wer fürchtet sich schon vor einem Schnupfen! So die Denke im März 2020. Zu meiner Entschuldigung sei gesagt, dass ich im März 2020 weit von der Spur war. So haben wir auf 2021 verschoben und letztlich nochmals auf 2022.
Wie die Zeit alles verändert! 2022 reisen gerade mal Carina, Jasmin und ich an. Wir haben zu dritt sieben Betten zur Auswahl. Das Zimmer mit den drei Betten und dem eigenen Bad wird zum Master Bedroom und ein Zimmer bleibt unberührt. Gernot hat sich für ein paar Tage als Gast angesagt. Auf Gernot ist Verlass!
Die Bedingungen sind wieder traumhaft. Die Sonne lacht auch an Tagen mit ungünstigerem Wetterbericht. Einzig der letzte Tag wird schwach genutzt. Gernot ist schon weg, Wolken trüben das Sonnenlicht und die Temperaturen machen den Schnee stumpf. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir die Tage davor für unsere Verhältnisse sehr viel gefahren sind. Nie muss man anstehen, ab Mittag sieht man oft weit und breit keine anderen Skifahrer. Auf der Idalpe wimmelt es allerdings immer, aber das restliche Gebiet ist sehr, sehr dünn besetzt.
Am ersten Tag war der Schnee gar noch winterlich trocken. Die Mädels konnten sich im Tiefschnee vergraben, sind aber schon sehr sicher unterwegs. Der Firn auf der Val Gronda ist wie immer ein Genuss. Doch die Mädels sind keine Mäderln mehr. Das Gelände wird zu wenig steil. Dafür erkennen sie allmählich, dass die Abfahrt ins Fimbatal landschaftlich ein Traum ist.
Beide fetzen die Piste mindestens so schnell wie ich. Jasmin fährt einen Tag mit Gernot auf Zug. Tja, und leidet die restlichen Tagen an überlasteten Beinen. Die Skiausrüstung parkt über Nacht in der Talstation der Padratschgratbahn. Diese Neuerung ist ein Luxus.
Tolle, entspannte Tage in einem fantastischen Skigebiet!
Wir drei!Pulver in der SchweizVarianten gehen gutVarianten gehen gutGernot und die MädelsMittagspauseDas mag ichVal GrondaLos geht’s ins FimbatalIm FimbatalAn der Grenze zur SchweizAn der Grenze zur SchweizFrühling im Ort
Upps, schon wieder da! Gernot schlägt den Haidsteig vor. Mir soll es recht sein. Ich bin wieder fit, das Wetter passt. Heute folgen uns zwei andere Kraxler. Abgesehen von den beiden in der Ferne gehört der Steig uns alleine. Die Sonne knallt runter, es herrscht T-Shirt-Wetter – herrlich!
Einzig, Gernot ist nicht ganz fit. Ihn quälen ähnliche Symptome wie mich in den letzten Wochen: Erschöpfung, hoher Puls,.. Komisches Omikron und seine Nachwirkungen. So schaffen wir den Haidsteig und das Preinerwandkreuz und lassen es danach aber gut sein. Den Plan, über den Göbl-Kühn-Steig zum Waxriegelhaus zu queren, verwerfen wir. Der Schnee auf den vielen Querungen sieht anstrengend aus. Na ja, und erst gestern wurden zwei Bergsteiger unterhalb des Langermanngraben ausgeflogen.
Auch der Plan, über den Trinksteinsattel zum Karl-Ludwig-Haus zu wandern, wird abgelehnt. Der Schnee ist viel weicher als vor einer Woche. Gernot stimmt dem Abstieg über den Holzknechtsteig zu. Im Abstieg sieht es so aus, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Beim Auto ist Gernot aber schon wieder fit. Egal, wir sind auch so müde nach dem etwas verkürzten Tag in den Bergen. Passt!
Am EinstiegNach dem ersten SteigbaumErste QuerungBeim Zustieg alter HaidstiegSieht dramatischer ausZweiter SteigbaumIm großen KesselIst dramatischerBlick in den großen Kessel
Mio mag den Schnee. Wir fahren aufs Preiner Gscheid. Die Sommerzeit lässt eine ausschlafen, aber Mio den anderen nicht. Egal, zu Mittag starten wir. Erst gegen 13 Uhr sind wir am Parkplatz. Der Waxriegelsteig bietet interessante Bedingungen. Einerseits ist er tief eingeweht und der Altschnee trägt. Wenn man einbricht, fällt man tief, denn unter den Schneebrücken ist es ausgehöhlt. Mio stolpert, Sabine schlägt sich wacker. Wir kommen ob dieser seltsamen Bedingungen nur langsam voran. Bergsteiger in kurzen Hosen kommen uns entgegen, während man im Siebenbrunnkessel die Tourengeher abfahren sieht.
Nach den Latschen wird es allmählich besser. Sabine nimmt Fahrt auf und wir besteigen den Predigtstuhl. Nach kurzer Pause geht es weiter zum Karl-Ludwig-Haus. Wir meinen, die letzten Gäste zu sein, aber es haben sich sogar noch Wanderer für die Nacht angesagt. Zumindest für den Abstieg werden wir wohl zu den späten Wanderern gehören. Im tiefen Sonnenlicht gehen sich noch ein paar Fotos aus. Sabine ist nervös ob des Abstiegs, der noch auf sie wartet.
Wir steigen durch den Karlgraben ab. Mio, der bergauf zu allermeist in der Nähe bleibt, vertschüsst sich zweimal. Einmal verschwindet er Richtung Karl-Kantner-Steig und war nicht mehr gesehen. Da kann ich ihm wirklich nicht nach. Hoffentlich findet er zurück. Findet er, guter Hund!
Der Karlgraben liegt schon geraume Zeit im Schatten und so zieht der Schnee trotz der hohen Temperaturen an. Der Abstieg ist trotzdem komplikationsfrei. Sabine meistert ihn jedenfalls bravourös, alle Aufregung umsonst. Spuren einer Rodel lassen mich rätseln. Man kann doch den Graben nicht runterfahren?
Beim Abstieg zum Parkplatz sehen wir noch die Hubschrauber im Einsatz. Wir werden nachlesen, dass zwei Wanderer im Langermanngraben in eine missliche Lage gekommen sind und gerettet wurden. Ja, an so einem Sonntag ist da schon etwas los.
Sabine hat sich tapfer geschlagen. Mio hat’s getaugt und mir sowieso!
Für eine Skitour ist in der Nähe zu wenig Schnee, aber für eine Bergtour warten ideale Bedingungen auf mich. Ich starte in der Griesleiten. Der Parkplatz ist nur wenig vom Schnee geräumt. Mit einem Ansturm ist also nicht zu rechnen. Außer mir parkt niemand und auch am Nachmittag wird nur die Q warten.
Mittlerweile mag ich den Haidsteig in der Nebensaison. Kein Mensch weit und breit. Im Sommer wartet man da eine Ewigkeit am Einstieg, Hektiker drängeln, Anfänger bremsen. An einem Montag im März ist hier genau gar nichts los. Heute bin ich langsam, sehr langsam. Liegt es noch immer am Omikron? Mag sein, wird werden. Ich lasse mir Zeit. Über eine Stunde brauche ich bis zum Einstieg. Zehn Minuten länger und ich wäre in meiner besten Zeit schon wieder beim Ausstieg. Macht nichts, ist halt so.
Bei der Madonna raste ich und genieße die Ruhe. Der Steig ist absolut schneefrei, der Himmel uneingeschränkt blau. Entsprechend entspannt erreiche ich dann den Ausstieg – nach über zwei Stunden.
Ich besuche das Preinerwandkreuz und wandere gemütlich zum Trinksteinsattel. Die Schneedecke hat einen festen Harschdeckel, trägt gut und firnt allmählich auf. So kann ich direkt aufsteigen und erspare mir das Queren von Schneefeldern. Die Grödel können im Rucksack bleiben. Viele Gämsen schauen mir zu und wundern sich über den einsamen Wanderer, der da zum Predigtstuhl aufsteigt.
Nach dem Predigtstuhl treffe ich die ersten beiden Menschen, es sind Skitourengeher. Aber Schnee ist auf dieser Seite gar keiner. Sie wollen die Nazrinne abfahren. Oh ha, die kenne ich gar nicht. Ob sie sich über die Wechte am Predigtstuhl direkt in den Siebenbrunnkessel stürzen werden? Ihr ernster Gesichtsausdruck lässt das vermuten. Keine zweihundert Meter treffe ich den nächsten Tourengeher. Der sieht gesprächiger aus. Sein Ziel ist die Nazrinne. Aber hallo, ist da heute ein Skirennen? Der gute Mann kennt sich aus und klärt mich auf. Am Ende des Bismarcksteigs geht es durch die Latschen runter. Ist also eher das Nazfeld als die Nazrinne, wieder was gelernt.
Am Karl-Ludwig-Haus freut sich der junge Mann über den einsamen Besuch. Bald kenne ich einen Teil seiner Lebensgeschichte und seine Pläne. Seit die Hütte neue Pächter hat, kann man hier echt wieder herkommen. Freundliche Wirtsleute und gutes Essen warten.
Ich steige über den Karlgraben ab, gönne mir Kuchen und Kaffee am Waxriegelhaus, ehe ich mich wundere, wieviel Schnee da im Wald Richtung Griesleiten ist. Dort wartet schon einsam die Q, aber das habe ich schon erwähnt.
Gernot und ich starten Richtung Hochschwab. Gernot war vor einer Woche hier und weiß von guten Bedingungen zu berichten. Diesmal wollen wir über die Häuslalm zum Zagelkar und dieses abfahren. Omikron hat mich in den Tagen davor niedergestreckt und Saharastaub liegt in der Luft. Schauen ma a mal!
Der Schnee ist gegenüber der letzten Woche weniger geworden. Man kann aber noch über eine geschlossene Schneedecke zur Häuslalm. Zu unserer Überraschung ist die Hütte geöffnet. Der Wirt öffnet von Donnerstag bis Sonntag. Wir sind die fast ersten Gäste in dieser Woche. Ohne Geld, aber mit dem Bedürfnis Umsatz zu machen, bestellen wir Hauswurst und Krainer. Die Sachen müssen immerhin zu Fuß heraufgetragen werden. Da wollen wir nicht geizen. Die Würstel sind gut, aber wir müssen uns eingestehen, dass wenige Athleten vor dem Wettkampf zwei Hauswürste oder eine Krainer in sich stopfen, um Bestleistung aus ihren Körpern zu holen.
Zuerst geht noch alles gut. Wir kommen zügig voran, aber spätestens ab der Hirschengrube stollt der Schnee an, dass es zum Heulen ist. Nach der Hirschengrube weicht der Schnee weitgehend Gras und Steinen. Da kann man zumindest den angestollten Schnee abstreifen. Aber der haftet gleich beim ersten Schneekontakt wieder an den Fellen.
Dass es weit zu gehen ist am Plateau, wissen wir ja. Nur heute erscheint es mir extra zäh. Da wären mal die Würstel, die vermutlich den geringsten Anteil an der einsetzenden Erschöpfung haben. Omikron ist schon eine bessere Erklärung. Die wahrscheinlichste Erklärung bzw. jene mit dem größten Gewicht ist jedoch jene, dass ich heute einfach nicht fit genug bin.
Das zeigt sich erstmal daran, dass ich nicht einmal die letzten Meter zum Zagelkogel aufsteigen will. Okay, es liegt wenig Schnee. Mit Skiern könnte man nicht abfahren. Für einen Auf- und Abstieg ohne Skier fehlen uns die Grödel und die Motivation. Dann verliere ich noch beim Abfellen eine Schutzfolie. Die treibt der Wind davon. Das tut mir weh, denn ich will weder, dass ich Plastikmüll verursache, noch, dass eine Gämse das Plastik frisst. Gernot ist fitter und versucht die Folie einzuholen – leider vergeblich.
Vom Hüttenwirt haben wir gehört, dass Tourengeher im Zagelkar bei der direkten Abfahrt auf eine apere Stelle von 50 Meter gestoßen sind. Der Wind hat wohl die Stelle ausgeblasen und so mussten die Tourengeher abschnallen. Das wollen wir definitiv nicht. Unser Plan B ist es, unter dem Ghacktkogel ins Zagelkar einzufahren – die Normalvariante. Aus der Ferne sieht man schon, dass es da völlig aper ist. Zu meiner Erschöpfung gesellen sich nun noch Zweifel. Es bleibt die Variante, ziemlich in der Mitte von Zagelkogel und Ghacktkogel einzufahren. Wir fahren an die Kante vor und sehen.. nichts. Also, wir sehen schon das Zagelkar unter uns, aber direkt unter uns? Stehen wir auf Felsen, einer Wechte,..? Ich bin im Sommer hier irgendwo rauf, da musste ich zumindest eine Steilstufe kraxeln. Ein Seil war angebracht. Hmm?
Weiter rechts sieht es dann machbar aus. Ich fahre als der schwächere Skifahrer vor. Der Schnee ist sogar recht fein. Ein bisserl mehr als Firn, aber gut fahrbar. Nur in meinen Beinen ist keine Kraft mehr und im Kopf die Idee von der Kletterstelle. Das sind keine Zutaten, um die Abfahrt zu genießen. Gernot hat mehr Kraft in den Beinen, weniger Zweifel im Kopf und bessere Skifertigkeiten. Egal, das Steilste ist bald hinter mir und ich gönne mir eine Pause auf einem Felsen. Beim Blick Richtung Zagelkogel sehen wir, dass auch die direkte Abfahrt entlang der Felsen gegangen wäre. Keine apere Stelle in Sicht. Macht nichts, unsere Variante ist auch edel.
Nun geht es noch einmal kurz steiler, ehe es abflacht und sich ein bisserl Frühjahrssulz breitmacht. Das Zagelkar ist ein langer Hang und eine feine Sache. Wir queren ins Trawiestal und schmieren dieses in der Sonne hinaus. Die Abzweigung zum Wanderweg verpassen wir, weil Gernot so eine Freude am Bachbett findet. Als wir die Position checken, sind wir schon weit unten. Gernot will dem Bachbett weiter folgen, aber das endet nach meinem Wissen in einem steilen Abbruch. Ich erinnere mich an einen Bericht von einer schwer zu findenden Jagdhütte und die Möglichkeit über Forststraßen abzufahren.
So ist das Schicksal mit einem erschöpften Gottfried dann doch noch gnädig. Wir müssen zwar ein bisserl durch Wald und unwegsames Gelände an der Jagdhütte vorbeischieben, erreichen aber bald das legendäre Bankerl. Ab hier gibt es Forststraße bis zum Auto. Und wir müssen nicht einmal tragen. Passt also!
Der Wetterbericht verspricht einen traumhaften Tag. Ich möchte in die Berge. Mio braucht Betreuung. Gernot hat Omikron hinter sich und möchte nur im niedrigen Pulsbereich etwas tun. Er könnte mit Mio spazieren und mir eine Raxüberquerung ermöglichen. Ach was, wir planen eine Spazierwanderung im niedrigen Pulsbereich. Unbesorgt und mit wenig Ausrüstung, weil der Hund dabei ist, und wenig Planung, weil anstrengend darf es eh nicht werden, verabreden wir uns für morgen.
In der Früh dann die Horrornachricht. Putin hat die Ukraine angegriffen. Was soll ich tun? Den ganzen Tag Nachrichten lesen und fassungslos sein? Ablenkung wird gut sein. Gelingt nicht ganz, aber besser als daheim.
Am Preiner Gscheid geht’s los. Mio wirft sich in den Schnee und wälzt sich. Skitourengeher starten, aber wir sind nach 60 Meter Richtung Reißthaler Hütte wieder weg und völlig alleine unterwegs. Die Reha-Wanderung unter Aufsicht Gernots Pulsuhr startet problemfrei. Bald ist es unverspurt. Der Schnee im Wald ist tief und damit teils ein bisserl zach, aber es geht. Dafür verspricht der Südhang ab der Reißthaler Hütte apere Abschnitte. Aber nicht lange, dann geht es wieder in tiefen Schnee. Mühsam, die Pulsziele werden nach oben angepasst. Aber wir schaffen das.
Oberhalb der Latschen ist Mio plötzlich auf und davon. Weit entfernt quert er einen steilen Hang und verschwindet Richtung Raxenmäuern. Aber diesmal hört er auf den Pfiff, vielleicht war es auch Zufall. Ein bisserl außer Atem kommt er zurück. Das muss schön anstrengend sein, wenn man bei jedem Schritt bis zum Bauch einsinkt und so bergauf rennt.
Den Martinsteig finden wir nicht. Oder wir wollen ihn nicht suchen. Der Gretchensteig sollte auch passen. Die Kraxelei ist teilweise unter einem steilen Schneefeld verborgen. Mio kommt an die Leine, er wird angeseilt. Bei den Stahlseilen, die zum Teil unter dem Schnee sind, wird es spannend. Er präsentiert sich als kühner Kletterer. Nur zweimal hebe ich ihn über eine Stufe. Er wäre schon nachgekommen, aber ich habe ihn beim ersten Mal lieber vor mir, habe ich doch selbst genug mit den Bedingungen und Mios Leine in einer Hand zu tun. Und so richtig versteht Mio auch nicht, warum wir gerade da rauf müssen.
Am Plateau warten jede Menge Gämsen. Der Hund ist begeistert, denn diese Tiere riechen so wie die „Adventure Wild Deer“-Leckerlis von Nestle. Zum Glück ist er angeseilt.
Nach ausführlicher Rast am Karl-Ludwig-Haus geht es den Karlgraben runter. Mio lässt nochmals mangelnde Bergerfahrung aufblitzen, als er sich in Laune auf dem über 35° steilen Harschdeckel wälzen will. Entsetzen sehe ich in seinen Augen, als die Fahrt losgeht. Aber mehr als einen Ruck schafft er nicht. Zum Glück ist er ja angeseilt.
Im Karlgraben ist seine Lebensfreude nicht mehr zu stoppen. Der Graben hat auch eine anständige Steigung. Mio springt wie ein Gamsbock runter, eine Freude ist das! Beim Anblick des Parkplatzes am Preiner Gscheid bleibt er stehen und streikt. Nein, Heim will er anscheinend nicht.
Tadellose Tour mit dann doch nicht ganz Niederpulswanderungscharakter. Super war’s!
In den Semesterferien urlauben wir in Südtirol. Die Anreise ist ein bisserl lang, aber dafür warten ein tolles Quartier, feine Pisten und tadelloses Wetter. Mit dabei sind Carina, Jasmin, Lydia, Beene und ich. Im Herbst, als im Süden über ein Meter Neuschnee gefallen war, hatte ich mir überlegt, dass wir nach Südtirol fahren könnten. Guter Gedanke, aber leider ist nicht viel Schnee nachgekommen.
So müssen wir uns mit Kunstschnee begnügen, denn rundherum lacht eher das Wanderherz. Im Mittagstal, der klassischen Variante in der Sella, liegt keine durchgängige Schneedecke. Eine Befahrung ist undenkbar. So bleiben uns die Pisten und die sind fein. Vielleicht waren die Skier früher schlechter oder vielleicht gelingt mittlerweile besserer Kunstschnee. Alpinfahren ist jedenfalls wieder ein Genuss. Mir macht es Spaß. Es warten endlos Pistenkilometer. In die Liftinfrastruktur wurde viel Geld investiert. Vorbei sind die Zeiten endlosen Anstehens und langsamer Lifte. Selbst auf die Marmolata rauscht in drei Etappen eine moderne Gondel. Die Sessellifte auf der kalten Nordseite der Marmolata wurden wohl nach dem schneereichen Winter 2013/14 mit seinen Lawinen abgebaut. Einen einzigen Sessellift mit Nostalgiecharakter haben wir am Weg von Arabba zur Marmolata gefunden – siehe Foto!
Die Unterkunft in Kolfuschg, das Lüch de Costa, können wir dringend empfehlen. Das Haus bietet toll eingerichtete Ferienwohnungen mit grandiosem Ausblick und einem großen, ruhigen Spa-Bereich. Das Frühstück ist klein, aber fein und das Auto verschwindet per Aufzug in der Tiefgarage. Sachen gibt’s!
Abgerundet wird das alles durch italienisches Essen auf den Hütten und am Abend. Da kann man sich es gutgehen lassen!
LangkofelBlick vom ApartementEinziger NostalgieliftPiz Boé
Der Winter 2021/22 hat bislang wenig Schnee gebracht. Also, definitiv zu wenig, um in der näheren Umgebung eine Skitour zu gehen. Für den Mittwoch ist nochmals Kaiserwetter angesagt, ab Donnerstag soll vielleicht Schnee kommen. Der Karreralmsteig im „Winter“ könnte ein Erlebnis sein. Diesmal bin ich ganz zuversichtlich, alle Herausforderungen locker zu meistern.
Am Preiner Gscheid parkt ein Auto, und schon nach hundert Metern ist der Waldweg unverspurt. Oh, da ist schon länger niemand gegangen. Vor der Reißtalerhütte treffe ich dann doch auf eine Spur und folge ihr. Dabei mache ich meine Überlegungen, wie fit mein Vorgänger sein muss. Und so folge ich der Spur, während die Navigation der Uhr links sagt. Das besorgt mich nicht, führen doch mehrere Wege zur Karreralm.
Dann steht auch schon mein Vorgänger vor mir. Es ist ein älterer und wahrlich fitter Wanderer, der aber nicht ganz hinauf will. So habe ich nun für kurze Zeit zwei Spuren vor mir, ehe diese enden und ich spuren darf. Die Grödel sind bei dem Schnee unbrauchbar. Ganz schnell stollen Klumpen an den Sohlen an. Mühsam ist das! Die Karte meint nun, dass ich am Weg zum (Kleinen) Fuchsloch bin. Oh, da war ich schon mal! Das wollte ich aber gar nicht. Oder sollte ich gleich den Fuchslochsteig gehen? Hier am entlegenen Teil der Rax halte ich lieber an meinem Plan fest. Auch die Internetverbindung fehlt, um mich schlau zu machen.
Weil ich diesmal nicht wieder absteigen will, folge ich Gamspfaden. Die namensgebenden Tiere schauen mir verwundert zu. Wie ungeschickt der über das Geröll stolpert, in den Schneefeldern geht es einigermaßen. Aber vom Gehen auf zwei Beinen kann ich die Gämsen nicht überzeugen. Mein Gefühl und meine Karte sagen, dass es nicht mehr weit zum Einstieg sein kann. So überwinde ich einige Latschenfelder. Das geht am besten mit einem leichten Höhenverlust, weil die Latschen eben bergab gerichtet sind. Zurück kann ich da aber dann nicht. Hmm?
Plötzlich stehe ich punktgenau am Einstieg des Karreralmsteigs. Das muss einem mal gelingen! Meist ist es ein etwas nerviges Suchen, aber diesmal en point!
Die Sonne lacht, der Fels ist trocken. Los geht’s! Der Steig ist wirklich selten begangen. Einmal stellen sich gar Latschen in die steile Rinne, die hinaufgeklettert wird. Also, so eine exakte Routenführung gibt es eigentlich gar nicht. Alle zwanzig, dreißig Meter mal ein verblasster, roter Strich und das war’s dann auch.
Das markante Felsfenster sollte man schon finden. Bis dahin ist es leichtes, feines Kraxeln bis maximal Schwierigkeit II. Dann kommt die IIIer-Platte. Kurzes Überlegen und Zögern, aber dann steige ich los. Es sind gerademal drei Schritte, ehe man sich an der Oberkante der Platte schon wieder gut anhalten kann. Man kann die Platte leicht links umgehen. Aber dieses Mal lasse ich mir den Triumph nicht nehmen. Geschafft, hurra!
Durch den Umweg und den Schnee im Zustieg habe ich ein bisserl Müdigkeit aufgerissen. Ganz fit bin ich auch nicht. So gönne ich mir eine Pause unter den hier senkrechten Raxenmäuern. Frühlingshaftes Wetter – nicht schlecht. Während ich mir Tee und Schnitten zuführe, inspiziere ich die Querung und mutmaße über die Bedingungen in der Rinne. Die IVer-Stelle lasse ich, wie in der Literatur empfohlen, aus. Die Umgehung führt durch eine steile Geröllrinne und infolge über steile Grasschrofen. Da liegt überall Schnee, der hier in der Sonne schön weich ist. Ich habe aber keine Lust, im Schatten im Steilen auf gefrorenen Altschnee zu stoßen. So lege ich schon hier, an diesem komfortablen Rastplatz, die Steigeisen an. Wenn ich sie schon mitschleppe,…
Damit sollte ich auch rechtbehalten, denn wie vermutet, ist es in der schattigen Rinne hart. Das Schneefeld in der Querung ist von der Sonne aufgeweicht, sodass die schweren Bergschuhe anfangs noch ausreichend Halt finden, aber hier?
Zuerst dringen noch die Schuhspitzen tief genug in den Schnee ein, aber irgendwann bin ich über die Steigeisen froh. Das ist hier nur ein steiles Schneefeld und kein 70° steiles Eis in einer der bekannten Nordwände. Und trotzdem fangen mir die Wadeln an zu brennen. Ich kann rasten, indem ich die Schuhe quer in den Schnee stelle und mich auf den Pickel stütze. So entwickle ich eine Vorstellung, wie das sein muss, wenn du in so einer Nordwand stehst und dich über Stunden nicht entspannen kannst.
Mah, ist das anstrengend da rauf. Das ist es auch ohne Schnee, aber heute! Na, ich bin zumindest froh, dass es nach dem steilen Abschnitt fast schneefrei ist. Wenn dieser Teil zu spuren wäre! Ich zähle schon so die Schritte, was ein Zeichen von extremer Müdigkeit bei mir ist. Fünfzig Schritte mindestens – davor gibt es keine Pause!
Irgendwann taumle ich zum Heldendenkmal und treffe auf Wanderer. Ich ziehe mich wärmer an und steige zum Karl-Ludwig-Haus ab. Der vorherige Pächter, ein Grantscherben, der jedem, der nicht seiner Meinung war, gewünscht hat, dass in der Blitz beim Scheißen treffen soll, ist zum Glück weg. Ein Niederländer und eine Deutsche betreiben die Hütte nun unaufgeregt professionell. Vor allem sind sie auch im Winter da. Ich hätte ihnen mehr Schnee und damit Tourengeher gewünscht. So will ich eine anständige Zeche machen. Aber da bezweifelt die Wirtin, dass ich Kaspressknödelsuppe und Gulasch schaffe. Dann einen Kaiserschmarren? Auch zu viel, ihrer Einschätzung nach. Schauen wir einmal! Auch recht, ist mir schon lange nicht passiert.
Nach Kaspressknödelsuppe, Kaiserschmarren, Kaffee und jeder Menge Ingwersaft steige ich ab. Der Karlgraben ist gut eingeweht und so kann ich gelenksschonend in den Siebenbrunnenkessel absteigen. Auf der Piste zum Auto ist es dann aper. Der Wind hat in der letzten Stunde stetig zu genommen, vielleicht bringt er den notwendigen und angekündigten Schnee.
Ein toller Tag war’s. Heute am Tag der Niederschrift merke ich, wie anstrengend das war. Das rechte Bein mag gar nicht recht belastet werden. Ich habe sicherlich wieder schaurige Blutwerte! Aber ich kann mich ja ausruhen, das wird wieder. Es dauert halt viel länger als vor dreißig Jahren. Ist halt so!