Novembergrat und Fadensteig

Wir starten beim Sessellift in Losenheim in der Zuversicht, dass wir weder Grödel brauchen noch Schneekontakt haben werden. Selbst gehe ich gar in kurzen Hosen. Der Zustieg von Losenheim zum Novembergrat ist zwar lange, aber unseres Erachtens angenehmer als von Schneebergdörfl aus. Die Sonne lacht, heiß ist es nicht, Mio geht vor. Einer kennt sich aus.

Dort, wo der Novembergrat beginnt, endet für uns der Grafensteig. Wir rasten plaudern, haben eine gute Zeit – wie man so schön sagt. Mir geht es heute konditionell gut. Garmin ist zufrieden mit mir. Am Abend wird Garmin resümieren, dass ich heute eine Erholungstour hatte. Ich vermute, dass es keiner der beiden Garmin-Gründer, Gary Burrell und Min H. Kao, mit den Bergen hatten. Meine Oberschenkel werden am nächsten Tag jedenfalls anderer Meinung sein und Erholung einfordern.

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Fuchsloch – Martinsteig

Wieder einmal Rax – zweifelhaft prickelnd, aber notwendig für die Vorbereitung bzw. um in Schwung zu bleiben! Am Vorabend fragt Gernot in die Gruppe, ob wir ihm Grödel mitbringen können, und Renate lässt mich wissen, dass Gernot Grödel will. Was ist denn das wieder für ein Blödsinn? Ich überlege die Kurze, verwerfe den Gedanken aber, weil Temperaturgrade um die Null und Wind am Plateau zu erwarten sind. Gernot hat außerdem nur die Trailrunningschuhe in Wien. Und ich hab den El Sombrero in Laufschuhen ohne jedes Profil bestiegen. Aber meinetwegen, soll sein.

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Schneeberg

Mio und ich starten am Parkplatz des Sesselliftes in Losenheim. Tourengeher kommen uns vergnügt und zufrieden entgegen. Ich staune, was haben denn die heute gemacht? Es ist kalt, der Boden hart, aber wenig Schnee. Keine Wolke trübt das Blau des Himmels, ein feiner Tag wartet, aber die sind schon fertig – hmm?

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Gradonna


Zu den Fotos


Carina schlägt vor, dass wir die Herbstferien im Gradonna in Kals verbringen. Da schlage ich zu. Zwei Turm-Suiten sind noch für diesen Zeitraum frei. Die nehmen wir auch gleich. Wir reisen am Sonntag an, Jasmin kommt am Mittwoch nach. Passt!

Der erste Tag beginnt eiskalt. Ja, da schau her! Am Nachmittag fängt es gar noch an zu schneien. Wir besteigen die Kranzwand, um zu testen, ob Carina bergfit ist. Ist sie. Mio soundso!

So planen wir für den Dienstag den Aufstieg zur Glorer Hütte. Das sind 732 Höhenmeter. Nur ist da noch keine Spur gezogen. Macht aber nichts, denn der Weg ist nicht zu verfehlen. Einzig mit zunehmender Höhe wird der Schnee immer tiefer. Einer geht vor und plagt sich. Irgendwann kommt auch Mio drauf, dass es mit seinen kurzen Beinen besser ist, wenn er hinten nach geht. So hat er wenigstens irgendeine Chance, die Hütte zu erreichen. Dicke Schneeklumpen haben sich an seinem Fell festgeheftet. Uh, das ist so hart, dass ihn Renate gar mal trägt. Aber das ist für sie dann noch härter. Carina kämpft tapfer. Auch für sie ist es anstrengend. Ich habe meine schweren Bergschuhe daheim gelassen. Carin hat nicht einmal daheim hohe Bergschuhe. So haben Carina und ich bald nasse Füße. Das erfrischt, hilft aber auch nicht. Renate motiviert trockenen Fußes Carina und Mio. Noch ein Kilometer und der Schnee ist wirklich tief. Teils brechen wir bis übers Knie ein. Mann oh!

Und dann schaffen wir es doch. Hier heroben sitzt einsam Carsten, vermutlich ein deutscher Aussteiger. Wir sind und werden heute die einzigen Gäste bleiben. Ich kann das alles nicht glauben, aber Carsten ist mit sich im Reinen. Passt doch. Das Essen ist gut. Wir plaudern, Mio schnorrt ein Paar Frankfurter. Wir trauen uns den Abstieg wieder zu. Der ist auch viel leichter, wenn man in Kauf nimmt, dass die Schuhe völlig durchnässen.

Wieder beim Lucknerhaus zurück, bin ich erleichtert, dass die Sonne Schnee und Eis von der Straße geschmolzen hat. Wir sind mit Sommerreifen unterwegs. In der Früh ging es einigermaßen auf der Schneefahrbahn, weil bergauf. Bergab hätte das hart werden können. Ein E-Auto mit zweieinhalb Tonnen am Eis in Sommerreifen bergab – uff! Sorgen waren umsonst, alles gut! Das Abendessen haben wir uns verdient.

Die Tour zur Glorer Hütte auf Garmin


Am Mittwoch macht Carina Pause. Renate und ich kehren zum Lucknerhaus zurück. Von hier wollen wir aufs Figerhorn. Der Schnee hat sich gesetzt, es taut. Am Figerhorn warten über 800 Höhenmeter und eine Spur auf uns. Das sieht machbar aus. Schon nach kurzer Strecke warnt uns ein Vogelfotograf, dass Mio in Gefahr sein könnte. Zwei Adler sind unterwegs, und das könnte für Mio eng werden. Solche Geschichten habe ich auch schon gehört. Aber so richtig glauben will ich das nicht. Egal, Mio muss in der Nähe bleiben. Macht er aber nicht lange, und Adler sind auch keine zu sehen.

Die Tour ist heute bequemer als gestern, auch wenn nach dem Greibichel der Schnee tiefer wird. Dort, wo es dann steiler wird, ist der Weg tief eingeblasen. Der abgeblasene Grat hingegen ist schneefrei. Die Sonne hat brav gewirkt. Nur ist der Grat richtig steil und mit nun nassem Gras bedeckt. Rauf kommt man ja, auch wenn es anstrengend ist, aber runter? Egal, das überlegen wir uns später. So erreichen wir doch etwas außer Atem wieder den Weg, der nun den restlichen Grat entlang zum Gipfel führt. Hier ist es schneefrei und das Gipfelkreuz bald erreicht. Der Großglockner schaut her, wir machen Fotos. Die Bergsteigerjause aus dem Gradonna schmeckt , alles passt.

Irgendwann wird es dann doch kalt und wir steigen ab. Ein Paar hat sich am offiziellen Weg heraufgequält. Das finde ich sehr löblich, denn nun sollte der Abstieg kein Problem sein. Der junge Mann wirkt auf mich wie eine Dampflok, die sich auf Schienen durch den tiefen Schnee heraufgearbeitet hat. Er lacht. Ja, anstrengend war es schon. Aber was soll’s? Seine Partnerin ist gar im kurzen T-Shirt unterwegs, weil das so deppert anstrengend war. Auch sie ist sich bewusst, was das Spuren ihres Partners ihr erspart hat. Ich bedanke mich und bin beeindruckt.

Ja, so ist der Abstieg schnell erledigt. Die Schuhe sind zwar genauso nass wie am Vortag. Die kommen in den Trockenraum, und ich hole noch Jasmin aus Lienz ab. Als sichere L-Fahrerin bringt sie mich nach Kals zurück. Am Donnerstag ist Ruhetag für uns, das Wetter ist okay aber nicht sonderlich gut.

Das Figerhorn auf Garmin


Der Freitag bringt dann eine Tour mit Jasmin zur Blauspitze, immerhin über tausend Höhenmeter. Es ist frühlingshaft warm. Entsprechend sind die Sonnenseiten wieder abgetaut. Auf der Nordseite wird aber schon einiges an Schnee warten.

Wir steigen über das Bergrestaurant Glocknerblick auf. Die Hüttenwirtin erkenne ich prompt. Das letzte Mal habe ich sie vor knapp 25 Jahren gesehen. Wie die Zeit vergeht! Sachen gibt’s. Sie kann sich an mich nicht erinnern – komisch!

Wie auch immer, weiter geht es. Erst die Piste hinauf, ehe wir unter der Blauspitze nach Osten queren. Tja, und irgendwann geht es in die Schattseite des Berges, wo der Schnee beginnt. Eine Spur ist hier vorhanden, das hilft. Die Schneefelder, die es zu queren gilt, sind teils steil. Zum Glück trägt der Schnee gut. Jasmin kämpft tapfer. Oben unter dem Gipfel wird es dann nochmals mühsam. Aufgeben ist aber keine Option, und so erreichen wir lange nach Mio den Gipfel. Die Pause ist hier kürzer, denn es hat zugezogen und es beginnt gar leicht zu nieseln. Fotos, Mannerschnitten, Abstieg..

Mio ist völlig gaga. An den steilsten Stellen dreht er durch. Er will spielen. Das Spiel schaut derart aus, dass er versucht, meine Schuhbänder zu schnappen. Ich wehre ihn ab und er springt bellend herum. Keine gute Idee hier. Sein Hintern hängt bei diesen Spompanadeln bedenklich weit über dem Abgrund hinaus. Mio wird angeseilt mit Sicherung um den Hals. Na ja, besser als abgestürzt!

Auf der Hütte gibt es dreimal Burger. Eigentlich sperrt die Hütte schon um 15 Uhr, aber wir haben Glück. Und wie das schmeckt, da kann die Jause im Gradonna nicht mithalten. Am letzten Stück läuft uns Jasmin davon. Die jungen, elastischen Gelenke sind bergab schneller als meine. Einzig Mio schafft es, zwischen Jasmin und uns zu pendeln.

Die Blauspitze auf Garmin


Am Samstag machen wir noch einen letzten Ausflug zum Glocknerblick zur Jause. Jasmin und Carina genießen die Annehmlichkeiten des Mountain Resorts. Renate, Mio und ich geben unserem Bewegungsdrang nach, der aber nach dieser Woche schon deutlich abgeschwächt ist.

So geht am Sonntag eine Woche in den Bergen zu Ende. Auch das Ressort schließt hinter uns die Pforten. Nach einem Monat Pause beginnt Anfang Dezember hier die Wintersaison.

Fein war es!

Fuchsloch & Karl-Kantner

Vom Preinergscheid über den Fuchslochsteig zum Karl-Ludwig-Haus und von dort wieder runter zum Auto – soweit der Plan. Renate hält sich jetzt bei den Vorbereitungen mit verunsichernden Aussagen zurück, trotzdem fragt sie mich zumindest einmal, ob ich in der kurzen Hose gehe. Dass ich mich ganz spontan auf die Lange umentscheide, bereue ich dann knapp nach Beginn der Tour schwitzend.

Den Fuchslochsteig ist Mio nun schon ein paar Mal gegangen. Vielleicht ist es die Routine, aber heute will es nicht so recht. Wir erreichen den Einstieg rasch. Renate und ich sind beide fit. Garmin vermag keine sonderliche Anstrengung festzustellen. So kommen wir also frohen Mutes zum Steig. Mio schreitet voran und lässt massig Geröll auf uns hernieder. So weit, so normal. Bei der Schlüsselstelle – immerhin mit ausreichend glitzernden Haken versorgt – muss Mio geholfen werden. Diesmal hebe ich ihn hoch, Mio erreicht mit den Pfoten die Wand, drückt sich ab und hebelt mich fast aus der Wand. Pah, der hat eine Kraft! „Der will nur spielen!“ sagt man da als guter Hundehalter. Aber er will nicht spielen und ich finde es nicht lustig. Mann oh!

Die Schlüsselstelle ist wie schon ein paar Mal hier geschrieben wirklich nicht wild. Keine sechs oder gar zehn Meter, wie in mancher Literatur angegeben, und sicher nicht senkrecht. Sonst läge ich jetzt am Fuße der Schlüsselstelle. Also, Schlüsselstelle gut, Rest gut.

Kalt ist es am Plateau. Bin ich froh, dass ich eine Lange anhabe. Kurz nach elf kommen wir zum Karl-Ludwig-Haus. Es gibt Gams-Ragout. Das ist ausgezeichnet, aber auch ein bisserl komisch, da wir drei jede Menge Gämsen gerade noch bewundert haben. Einer ganz besonders, aber der geht jetzt leer aus. Wir plaudern entspannt mit den neuen Leuten der Hütte und brechen doch beeilt auf. Das Wetter ist nicht gut angekündigt und es sieht aus, als käme der Regen früher.

Spontan entscheiden wir uns für den Karl-Kantner-Steig. Eine „Kletterstelle“ umgeht Mio selbständig im Geröll, zweimal braucht er einen Lift. Zusätzlich zu seinem Halsband hat er jetzt ein Brustgeschirr oder passender einen Klettergurt an. Und damit er nicht wieder an der Wand antaucht, halte ich ihn von dieser weg, während ich die paar Schritte absteige. Der freischwebende Mio und ich geben sicherlich ein skurriles Bild ab, schaffen es aber derart ohne Zwischenfall über die zwei leichten Klettersteigstellen.

Knapp vor Einsetzen des Regens schaffen wir es ins Auto. Eine tadellose, kurzweilige Tour ist geschafft.

Die Tour auf Garmin

Altenbergsteig

An diesem Samstag zieht es uns wieder einmal an die einsame Seite der Rax. Am Preinergscheid ist noch massig Trubel. Die Parkplätze sind am späteren Vormittag schon knapp, die meisten Wanderer zieht es Richtung Waxriegelhaus.

Wie zu erwarten sind wir somit am Weg zu Karreralm einsam unterwegs. Renate düst dahin. Bei der Karreralm will sie nicht einmal eine Pause machen. So steigen wir nach ein paar Distelfotos eben weiter. Mit den Höhenmetern fällt die Temperatur und das ist Mio gerade recht. Der Aufstieg ist eine schöne Wanderung ohne technische Schwierigkeiten, und wer sie ohne Unterlass geht, ist auch bald oben.

Mio hat Gämsen erblickt. Aber er ist kein junger Hund mehr, also kein Imponieren oder angedeutetes Jagen mehr. Stattdessen die Schnauze tief am Boden jagt er über das Gras. Er mag das Plateau. Liegt es an der Kälte, die einige, junge Wanderer in kurzen Hosen und mit blauen Knien wegzulächeln versuchen? Pah, da pfeift der Wind und die Sonne versteckt sich hinter den Wolken. Der Sommer ist vorbei, zumindest für heute. Wir haben uns fest eingepackt.

Auf der Heukuppe drängen sich die kurzhosigen, jungen Männer aus dem Osten im Windschatten einer Mulde. Mio überwindet Sprachbarrieren und bettelt ihnen ihre Jause ab, zumindest den wurstigen Anteil. Er will gar nicht weiter. Als ich ihn dann doch losreiße, ist Renate schon vom eisigen Wind verweht. Zahlreiche Wanderer kommen vom Karl-Ludwig-Haus herauf. Mit dem Wind im Rücken vermag Mio sein Frauchen nicht zu erschnüffeln. Hat er es diesmal mit dem Nicht-Hören-Wollen übertrieben? Was für eine Freude, als er sie dann doch ausmacht!

Das Karl-Ludwig-Haus hat einen neuen Pächter. So viel Personal habe ich hier heroben überhaupt noch nicht gesehen. Alles läuft recht professionell ab. Wir werden freundlich empfangen. Okay, wir sind ein bisserl spät dran und die anderen Gäste mit dem Mittagessen wohl schon fertig. Egal, wir bekommen das Essen schnell und gut ist es auch. Am Internet beschweren sich die Gäste über die hohen Preise, doch die Aufregung mag konzertiert sein, denn mir fällt kein Aufschlag zu früher oder einer anderen Hütte in der Nähe auf. Wir sind zufrieden und steigen mit vollem Bauch den Schlangenweg ab, wo es allmählich wieder wärmer wird.

Der Abstieg vom Siebenbrunnenkessel über die Alte Schipiste wird renaturiert. Aha, was es nicht gibt. So geht es teils die Forststraße und teils durch den Wald zum Parkplatz zurück.

Schnelle Runde mit Renate und Mio – tadellos!

Die Tour auf Garmin

Ankogel (3.252m)

Unsere Unternehmung steht an der Kippe, denn in Kärnten kommt am Vorabend Renate zur Erkenntnis, dass sie in Flip-Flops in Breitenfurt losgefahren ist, und derart ihre speziellen Einlagen für die Schuhe vergessen hat. Selbst mit Einlagen ist so eine Bergtour mitunter eine Mühsal, aber so! Das wird was!

Mit geliehenen Einlagen – von Renate zu Renate – geht es mit Gernot und Mio zur Talstation der Ankogel-Seilbahn und mit dieser bis auf 2.650m. Es ist warm. Das passt zum labilen Wetterbericht. So ziehen wir ein bisserl schwitzend in langen Hosen los. Heerscharen von Gipfelstürmern aus allen Herren Länder sind unterwegs, die meisten in Shorts und bei früher aufziehenden Gewittern in einer sicherlich unangenehmeren Lage. Aber meistens wird es wohl gutgehen. Wir sind halt überaus vorsichtig. So grüble ich, während wir in einer wilden Truppe Niederländer dahinziehen. Die Gruppe gibt alles und hält durch. Zumindest am ersten Teil, der leicht bergab Richtung Osten führt. Aber kurz nachdem sich der Anstieg ins ehemalige Lassacher Kees vom Tauern-Höhenweg trennt, trennen auch wir uns von der Gruppe. Da ist schon was los hier. Den weiteren Verlauf des Weges erkennt man leicht an den vielen Bergsteigern, die hier Richtung Ankogel bzw. zumindest Richtung Kleiner Ankogel stürmen.

Jetzt kommt die Stelle, an der ich schon manchmal geschrieben habe, wie das damals im vorigen Jahrtausend war, als ich mit dem Vater unterwegs war. Ich meine, es war damals eine Tour mit Begehung eines Gletschers. Aber es ist zu lange her, um mich belastbar zu erinnern. Also, diesmal kein Bericht von fast vor einem halben Jahrhundert.

Das bisserl Gletscher, das da noch über ist, bedarf keiner speziellen Ausrüstung. Entweder es liegt ausreichend weicher Firn oder das Eis ist dick von Geröll bedeckt. Mio ist völlig respektlos, er nimmt in den ärmlichen Gletschertümpeln ein Eisbad. Selbst, wenn ab sofort kein CO2 mehr ausgestoßen wird, der Gletscherrest wird hier in ein paar wenigen Jahren verschwunden sein. So steigen wir über loses Gestein und Blockwerk auf. Viel kann man da bei brauchbaren Bedingungen nicht falsch machen. Mittlerweile nehmen Wolken den größten Teil des Himmels ein, aber es sollte weiter trocken bleiben. Kurz, man überblickt fast die gesamte Strecke. Ich habe mir die Tour fast sträflicherweise nicht einmal heruntergeladen.

Der Kleine Ankogel ist bald erreicht. Hier findet Mio einen Kollegen, einen Irish Setter. Das Herrl will nicht weiter. Da sind wir zuversichtlicher, obschon Renate Sorge hat, ob sie denn mit ihren malträtierten Fußballen da wieder runterkommt – und vor allem wie. Anderseits, wie oft kommt man daher. Also, sie probiert es – tapfer! Mio wird auch den „Kletterteil“ mit I+ bis II schaffen. Der Grat und Hang sieht vom Kleinen Ankogel aus steil her. Aber das haben Gegenhänge so an sich. Schauen wir einmal, wie sich der Berg gibt, wenn wir dort sind. Und so ist es dann auch, was von gegenüber wild und abweisend wirkt, verliert bei näherer Betrachtung seinen Schrecken. Ganz oben warten noch zwei Stellen, wo Mio ein bisserl Hilfe in Anspruch nimmt. Aber ein IIer ist das ganz sicher nicht!

Beim Gipfelkreuz herrscht ein Treiben, das es einem anders werden lässt. Doch halt, die Felsnadel da drüben sieht doch höher aus. Mio hat Freundschaft mit einem Wurstsalat-Rudel gemacht. Schon davor hat er anderen Gipfelsiegern die Wurst aus dem Brot geschnorrt, aber so eine Tupperware-Schüssel mit Wurstsalat will sorgfältiger geteilt werden. Die einen bekommen den Salat, der andere die Wurst. Okay, Mio ist beschäftigt. Ich entferne mich unerlaubt von der Truppe und sehe mich nach leichtem Zustieg auf der Nadel. Schon macht sich der erste zu mir auf den Weg, und ich rufe Gernot zu, dass hier ganz heroben ist. Gernot kommt nach. Es werden Fotos gemacht. Das hat Auswirkung auf die Influencer und anderen Fotosüchtigen beim Gipfelkreuz. Man will jetzt ein Foto von dort oben auf der Felsnadel. Mein Plan geht auf, wir haben nun das Gipfelkreuz fast für uns alleine. An der Felsennadel müssen sich zwischenzeitlich tumultartige Szenen abspielen.

Die Wolken werden dunkler und wir haben es kurz ein bisserl eilig. Beim Abstieg heben wir Mio an zwei Stellen, aber das ist nicht so schlau. Denn wir stehen wackelig da und Mio will gar nicht, was wir da machen. Erste Protestrufe von aufgeschlossenen Bergsteigerinnen führen dazu, dass Mio die Route wieder selbst wählen darf. Das geht ohnedies besser. Ich bin wirklich erstaunt, wie er den Weg mit Leichtigkeit findet. Wir folgen ihm und stehen dann prompt einmal an. Das wäre ein Eintrag im Bergrettungsbericht: „Die gut ausgestatteten Alpinisten gaben an, ihrem Hund, einem italienischen Lagotto, in immer unwegsameres Gelände gefolgt zu sein…“. Es kam aber nicht so, wir konnten uns selbst retten.

Mio ist in der Zwischenzeit voraus und hat am Kleinen Ankogel wieder seinen Jausen-Check bei anderen Bergsteigern durchgeführt. Die sitzen am Boden. So eine Konstellation kann sich ein Lagotto nicht entgehen lassen. Als wir weiter absteigen, sieht Mio überhaupt keine Veranlassung, diesen für ihn so ertragreichen Flecken Erde hinter sich zu lassen. Wir sind für ihn außer Sichtweite, und ich schaue immer wieder hinter dem Felsen vor. Da steht Mio oben und bettelt. Die Leute sind jetzt irritiert. Vielleicht war es doch nicht so eine gute Idee, den Hund zu füttern. Na ja, machen wir es kurz, ich muss Mio holen. Denn nach den salzigen Snacks steigt er aus verständlichen Gründen in ein Schneefeld ab. Dort realisiert er, dass sein Betreuungsteam irgendwie abhandengekommen ist. Ah nein, da ist ja schon einer, nämlich ich. Uff, alles gut! Er springt das Blockwerk runter und holt Gernot und Renate rasch ein. Jetzt bin ich der, der als einziger aus der Gruppe noch knapp unterhalb des Kleinen Ankogels steht und nicht weitertut!

Der weitere Abstieg erfolgt im Beisein vieler anderer. Wie gesagt, alleine ist man da nicht. Zwei Bergsteigerinnen haben die Bergrettung angerufen, weil sich eine der beiden eine Wunde zugezogen hat und sich nicht in der Lage sieht, den Abstieg eigenständig zu bewältigen. Die beiden Frauen in meinem Alter wirken schon ein bisserl geschockt, scheinen aber recht bergerfahren. Sie haben gar einen Biwaksack mit. Was kann ich da noch an Unterstützung anbieten? Der Hubschrauber soll eh bald da sein. Wir gehen weiter, und tatsächlich hören wir nach ein paar Minuten schon den Hubschrauber, der sogar hier in dem Blockwerk etwas findt, um zu landen. Nochmal geschätzte zehn Minuten später stürzt sich ein gelber ÖAMTC-Rettungshubschrauber an un s vorbei spektakulär ins Tal hinunter. Wow, das funktioniert!

Wir hingegen schleppen uns Richtung Hannoverhaus. Renate stakst eher langsam dahin. Nach ihren Aussagen war die letzte Stunde wieder kein Genuss, aber es war die Tour jedenfalls wert. Beim Hannoverhaus gibt es reichlich Stärkung und die ersten Regentropfen.

Noch 70 Höhenmeter zur Bergstation und wir rauschen wieder runter in die Hitze. Beim Auto setz gar ein bisserl kräftigerer Regen ein. Auf die Minute genau, Glück muss man haben!

Die Tour auf Garmin