Alpin-Ski und 41. Skitour: Leogang

In diesen verrückten Zeiten ist ein Nebenwohnsitz von großem Nutzen! Warum haben wir nur das Haus in Mitterfelden verkauft? Egal, wir finden eine Lösung. Die drohende Option „Locked down in Breitenfurt Ostende“ macht erfinderisch, und wir machen uns auf den Weg nach Leogang.

Lydia ist auch dabei und so rauscht die vollbepackte Q Richtung Westen. Wir wagen das deutsche Eck, auch wenn wir nicht wissen, welche Belege wir für unseren Ausbruch aus dem Lock-down brauchen. Zum Glück überholt uns ein Fahrzeug mit rumänischem Kennzeichen vor der Grenze. Nach so etwas sind wir für die reaktivierten Grenzbeamten am kleinen deutschen Eck zum Glück uninteressant. Wir dürfen anstandslos passieren.

Gernot und Renate sind am Vortag angereist. So ist das Haus schon vorgewärmt und im Handumdrehen auch rappelvoll – die verordneten Babyelefanten sorgen für Ordnung. Die Zimmer sind verteilt. Schön haben sie es hier und wir. Hier werden Gernot und Renate also die nächsten Monate verbringen – beneidenswert.

Wir haben Wetterglück. Das Skigebiet in Leogang ist klein aber fein. Saalbach-Hinterglemm hat wegen der unklaren Auflagen geschlossen. So rauschen wir mit ein paar Einheimischen und Zweitwohnsitzlern über die Pisten. Der Tag in Kitzbühel ist ähnlich. Die Zweitwohnsitzler kommen aber den KFZ-Kennzeichen folgend aus Großbritannien, den Niederlanden oder der Ukraine.

Eine Skitour in Leogang ist auch dabei. Ich steige mit Lydia zur Mittelstation der Steinbbergbahn auf. Gilt das als Skitour? Zumindest tun das hier viele. Der Aufstieg erfolgt über die Piste. Im neuen Jahr steigen Gernot, Renate, Sabine und Lydia durch den Wald auf. Die Abfahrt ist wegen Schneemangels jedenfalls nur über die Piste möglich.

Ein weiteres Highlight ist die Abfahrt von Gernot, Sabine, Lydia und Jasmin nach Viehhofen, von wo sie mit der Q abgeholt werden wollen. Das ist eine halbe Stunde Fahrzeit von Leogang entfernt. Ich habe schon Sorge, dass ich vier Eiszapfen einsammeln werde, zumal kein Gasthaus, keine Schihütte und keine Liftstation wärmenden Unterschlupf bieten darf. Lieber wird erfroren, als Ischgl 2.0 zu drehen. Die Verhältnismäßigkeit der Mittel ist längst verlorengegangen. Wie auch immer, zu meiner Überraschung bin ich es, der noch eine Spanisch-Lektion einschieben kann, ehe ich am oberen Ende einer kaum schneebedeckten Wiese vier Skifahrer schon im schwachen Tageslicht erspähe. Etwas verschwitzt berichtet man von einigen Unwegsamkeiten und zumindest einem lohnenswerten Tiefschneehang. Passt – nicht nur Jasmin wird sich lange an die Abfahrt erinnern.

Silvester ist auch ein gelungener Abend. Und das liegt nicht nur daran, dass die Destillerie in der Nachbarschaft ein Click & Collect eingerichtet hat. So tanzen wir auf der leicht schneebedeckten Terrasse ins neue Jahr, ehe es am 2. Jänner wieder zurückgeht!

40. Skitour: Rosenkogel

Die Weihnachtsfeiertage führen uns nach Knittelfeld, um Sabines Papa zu besuchen. Kein Völlerei, stattdessen gibt es Covid-bedingt einen kurzen Spaziergang. So bleibt uns Zeit für eine Einsteiger-Skitour in der Nähe.

Wir fahren in die Gaal, wo wir am Ende des Tals nicht die einzigen sind. Das Wetter passt, einzig der Schnee fehlt. Sabine hat sich Skier gekauft, mit denen sie auf der Piste fährt und auch hier Felle aufziehen kann. Die Atomic-Bindung wirkt auf mich recht genial. Lawinenrucksack lassen wir im Auto, das Piepserl kommt aus Prinzip mit.

Es ist schon fast Mittag und so kann Sabine ihre ersten Schritte machen. Oh, wie lustig fühlt sich ein loser Hinterbacken bei der Ski-Bindung an. Okay, bergab mit offener Bindung ist ungewohnt. Musste ich auch bei meiner ersten Tour lernen! Während ich noch vornüber geköpfelt bin, macht Sabine diese Erfahrung deutlich eleganter.

Meine Routenplanung kann ich vergessen. Wir haben schneebedingt nur die Option, der Hauptspur zu folgen. Wenige sind unterwegs, die meisten wohl schon in der Früh gestartet. Aber alleine sind wir trotzdem nicht. Es geht über die Forststraße und immer wieder auf Abkürzungen nach oben. Wo man da nur runterfährt?

Irgendwann haben wir die erste Alm erreicht. Sabine hält sich tapfer, konditionell ist sie fit! Aber auch wie bei meiner ersten Tour übersieht sie die Anstrengung. Skitouren sind an sich schon anstrengend, aber wenn man dann noch bei jeder steileren Stelle anspannt oder gar ein bisserl verkrampft, dann sind Skitouren rasch sehr anstrengend. Ebenso ging es mir bei meiner ersten Skitour. 150 Höhenmeter unter dem Gipfel wird Sabine schwindelig und übel. Keinen Mucks hat sie bis dahin gemacht und ist stattdessen brav weiter gestiegen. Aber jetzt müssen Kohlenhydrate und Tee schnell her. Nach ein, zwei Milka-Rollen und Tee ist sie wieder up & running. Selbst der mühsame, weil steilere Rest des Anstiegs über Wurzel bei wenig Schnee nimmt sie mit ein paar Spitzkehren. Geht doch – super!

Ich erkundige mich noch bei Schneeschuh-Gehern, wo denn die Skifahrer abfahren. Zur Lorettokapelle und dann die Forststraße – so fährt man ab. Aha, auch recht!

Am Gipfel sind wir alleine. Einzig ein Schneemann genießt die tiefstehende Sonne. Die Kälte beißt in die Fingerspitzen. Das dämpft die Fotobegeisterung. Ungedämpft ist die Freude über die erste Skitour. Chapeau!

Die Abfahrt ist wie sooft bei Skitouren im Osten eher entbehrlich. Bis zur Lorettokapelle geht’s noch so. Ab dann zwitschern wir eine vereiste Forststraße zurück zum Parkplatz.

Erste Skitour bravourös und tapfer gemeistert – läuft!

Die Tour auf garmin.com