Die Tour ist aus mehreren Gründen besonders! Einerseits sind wir am Sonntag unterwegs und anderseits ist erstmals Renate mit dabei. So sind wir an einem Sonntag bei edlem Herbstwetter zu viert auf der Schneealpe unterwegs.
Sabine hat die Tour vorgeschlagen. Gernot und ich sind begeistert, zumal wir studieren können, was wir im Winter mit den Skiern abgefahren sind. Wir treffen uns beim Lurgbauer. Erstaunlich wenig Autos stehen da. Da schau‘ her. Okay, die Hütten sind geschlossen und wer geht schon den Blarergraben? Wir starten und werden erstmal von einem Auto mit tschechischem KFZ überholt. Wo will denn der hin? Wenig später brettern weitere Autos an uns vorbei. Des Rätsels Lösung ist, dass wir am Parkplatz für die Skitouren parken, während fleißige Wanderer noch die Forststraße weiterfahren, bis wirklich nichts mehr geht. Oh, alleine sind wir also dann doch nicht.
Zuerst geht es durch den unteren Teil des Lohmgrabens. Am Wochenende sieht man da so einiges. Da sind Leute in Jeans und Wollpullover unterwegs. Oder es liegt ein roter Rucksack einsam und verlassen am Wegesrand. Aha, unter der Woche würde ich mir Sorgen machen. Nach geraumer Zeit kommt uns dann ein Wanderer entgegen. Er hat nur kurze Hosen und ein Shirt an, aber keinen Rucksack. Wir sehen ihn am Nachmittag nochmals am Plateau in großer Gruppe mit diesem Rucksack. Hatte er seinen Rucksack vergessen? Oder hatte er ihn abgestellt, um der Gruppe nachzulaufen und ihnen zu sagen, dass sie langsamer gehen sollen? Aber ich muss es ja nicht verstehen.
Steil geht es dann links weg in den Blarergraben. Gernot führt uns eine Wildfährte abseits des markierten Weges ins Geröll, was die Sache spannend, aber eigentlich unnötig spannend, macht. Sabine und Renate sind jedenfalls mäßig begeistert von der Einlage.
Der Anstieg ist steil und ein bisserl anstrengend. Anstrengend auch, weil Gernot und ich uns uneins sind, wo denn nun die Gams bei der Skitour gestanden ist. Also, jene Gams, die uns zugeschaut hat und unser Schicksal in ihrem Hufe hatte. Sie hätte nur einen Schneeball in das steile Gelände schubsen müssen und hat auch schon überlegt, dies zu ihrer Unterhaltung zu tun. So sagt es zumindest die Legende!
Am Plateau ist dann einiges los. Die Mautstraße bringt wirklich viele Menschen herauf. Die Wege sind somit allesamt mobil, bunt markiert. Unter der Woche sind wir hier bislang immer allein gewesen. Aber das stört nicht. Wir finden sogar einen windgeschützten Platz vor einer der Hütten. Einzig einen Espresso vermissen wir!
Wir wandern weiter übers Plateau und steigen durch den landschaftlich überaus reizvollen Lohmgraben wieder ab. Immer wieder zeigt sich der Vielfalt der bunten Vögel unter den Wanderern. Das ist Abwechslung und Unterhaltung, die unter Woche wahrlich fehlt. Wir staunen!
Alles andere läuft ohne jeden Zwischenfall ab. Am Abend spüren wir noch die Sonne im Gesicht. Wunderbar – so soll’s sein!
Im BlarergrabenWenig lohnende AbweichungRückkehr von der VarianteEin bisserl Schnee war nochAm PlateauAbstieg LohmgrabenAbstieg LohmgrabenAbstieg LohmgrabenAbstieg LohmgrabenAbstieg Lohmgraben
Gernot und ich sind wieder unterwegs. Gernot will Cardio, ich ein bisserl Kraxeln. So entscheiden wir uns fürs Wilde Gamseck und haben einen super tollen Tag!
Für Montag erschien Sabine der Stadelwandgraben plötzlich als zu wild. Da entschieden wir uns für den Schöpfl, aber der war nach dem Bösen Weible zu fad und nicht einmal einen Eintrag hier wert. Obwohl es ein überaus feiner Herbstspaziergang war! Und so wählen wir für Mittwoch den Waxriegelsteig bei schönstem Kaiserwetter. Passt doch!
Beim Griesleitenhof ist wenig los. Der Wald unter der Preinerwand ist wegen Forstarbeiten gesperrt. Ich wundere mich, dass so viele Bergsteiger das mitbekommen und deswegen so wenige hier sind. Unsere geplante Tour führt jedenfalls zum Waxriegelhaus und da ist nichts gesperrt – fast nichts. Denn ein Gamsbock versperrt uns unerwartet im Wald den Weg. Mit einem Bescheid, der die Schonzeit festlegt, steht er wie ein Bock da und schaut fast herausfordernd. Sieht man von dieser Wildbegegnung ab sind es die Herbstfarben und der Wind, der die bunten Blätter tanzen lässt, was den Aufstieg besonders macht.
Zwei Maroniherzerln am Waxriegelhaus versüßen die erste Pause. Na, könnte es besser gehen? Gestärkt vom Zuckerflash besteigen wir erst den Entenhügel (heißt wirklich so) und überholen dann immer schneller werdend andere Bergsteiger. Ich bin beeindruckt, wie schnell Sabine aufwärts strebt, und hirsche hint nach. Ich bin aber auch fast sicher, dass der Speed irgendwann abnehmen wird.
Bis zum Predigtstuhl ist da allerdings kein Bremsen. Da schau‘ her! Am Weg zum Trinksteinsattel dient das seltsame Segelboot als Fotomotiv, ehe es Richtung Neuer Seehütte bergab geht. Und plötzlich ist der Speed weg. Soll sein! Wir schaffen es trotzdem zu Grammelknödel und Linsen. Das Bergab ist noch nicht Sabines Lieblingsdisziplin. Mit den Kilometern wird die Übung kommen. Ich bin ganz zuversichtlich.
Der Abstieg führt über den Göbl-Kühn-Steig wieder am Waxriegelhaus vorbei zum Griesleitenhof, wo eine Tour ohne Incident dafür aber voller Herbstgenüsse zu Ende geht.
Also, Sabine und Gottfried können auch unter 3.000m Touren ohne Hoppala – wird alles werden!
Was für Bedingungen! Mitte Oktober hat ein Tief aus dem Süden viel Schnee gebracht. Gernot und ich steigen dem Winter entgegen, ehe der Föhn den Schnee in den nächsten Tagen wieder frisst.
Einmal im Jahr möchte ich am Schiestlhaus essen. Die Steinböcke habe ich in diesem Jahr schon besucht, aber das kann man öfters tun. Konditionell ist der Hochschwab auch immer eine Herausforderung. Also, los geht’s!
Ein Besuch bei Ulli steht an. Gernot ist das erste Mal dabei. Und wenn wir schon unterwegs sind, können wir auch gleich den Königschusswandsteig mitnehmen. Wir treffen uns schon um 7 Uhr in Brunn, weil Gernot von vielen Wanderern auf der Rax berichtet.
Es gibt viele Argumente für Tirol und ein paar dagegen. Wir halbieren jedenfalls die Reisedauer und bleiben in der Nähe. Am Dienstag geht es zur vertrauten Türlwandhütte. Hier waren wir jedenfalls schon vor zwei Jahren. Am nächsten Morgen starten wir diesmal auf den Hohen Dachstein.
Am Vorabend erhalten wir noch eine Einschulung fürs Vorgehen beim Bergsteigerfrühstück. Gernot ist entzückt beim Anblick des Kaffeeautomaten. Weit weniger entzückt ist er um 6 Uhr am Morgen, als die angekündigt unversperrte Türe fest verriegelt ist. Nix mit Frühstück – bei ungefähr 50% der Bergsteigerschaft drückt das aufs Gemüt. Gar nicht so polternd schauen wir, dass wir nach draußen kommen. Das lockt die Wirtin. Mahh, ist ihr das peinlich. Aber jetzt schmollen wir. Los geht’s!
Erster Stopp ist die Dachsteinsüdwandhütte. Da muss es am Abend zugegangen sein, denn das Geschirr steht noch herum. Ich geh‘ jedenfalls davon aus, dass nicht jemand schon in der Früh Schnaps getrunken hat.
Der Aufstieg unter den Seilen der Gondel ist technisch einfach und landschaftlich recht fein. Im letzten Drittel beginnt ein Klettersteig. Bei A/B hätte ich mir Leichteres erwartet, aber Schwierigkeiten macht der Steig auch nicht. Das Klettersteigset habe ich gleich unten gelassen. Es geht sich leichter ohne.
Pünktlich um 07:50 nimmt die Seilbahn den Betrieb auf und karrt gletscherhungrige Touristen nach oben. Da sind sicherlich auch Dachstein-Besteiger dabei. Wir werden nicht alleine sein!
Knapp unter der Hunerscharte zweigt der Skywalk, ein Klettersteig der Schwierigkeitsstufe E, ab. Den lassen wir links liegen, er muss aber beeindruckend sein. Stattdessen kraxeln wir den Hunerschartensteig. Das Set fehlt nicht, auch wenn der Steig schon recht alpin ist.
Bald bin ich beim Ausstieg und zu meiner Überraschung begrüßt mich Baulärm. In geringer Ferne fuchtelt ein Bagger mit seiner Schaufel über meinem Helm. Na servas, eine Starkstromleitung liegt am Boden und schlängelt sich in ihrer Ummantelung über den Grat zum nächsten Gipfel. Die Gondel hat unter anderem zwei Langläufer ausgespuckt, die etwas desorientiert über die Gletscherreste hasten. Und da sind auch schon die ersten „Bergsteiger“ von der Gondel. Na wusch, falscher Film?
Am Baugerät vorbei ziehen wir zum Einstieg des Hunerkogelklettersteigs. Der ist kurz und mit C/D kategorisiert. Die Sonne brennt plötzlich runter und wir sind zwei von vielen freizeitnarrischen Idioten da heroben. Unser Hobby führt uns direkt zum Gondelausstieg. Der finale Kletterschritt geht über das Geländer. Die Leute staunen nicht viel weniger als wir. Der Kiosk bietet singende Murmeltiere – Oida!
An ein Frühstück ist nicht zu denken. Zu viele ziehen Richtung Hoher Dachstein und ich sehe jede Menge Kletterhelme. Ohne Espresso folgen wir dem Strome, der sich entlang einer Ratrac-Spur über den Gletscher zieht. Gernot ist sicher, dass die meisten zur Seethaler Hütte gehen. Aber ein Bruchteil reicht, um den Steig zu verstopfen. Also, weiter! Espresso kann man auch am Nachmittag schlürfen.
Schon aus größerer Entfernung erkennen wir die Menschentraube am Schnee-Fels-Übergang. Darüber zieht sich eine kurze, bunte Menschenkette in den Himmel. Je näher wir kommen, umso klarer wird, dass hier eine Person den Steig verstopft und zig gut ausgeschlafene Klettersteiggeher auch mal ran wollen.
Wir sind privilegiert und haben Steigeisen mit. So können wir den Randkluftsteig wählen. Ich sehe eine Vierergruppe, die ohne Schwierigkeiten die Randkluft überwindet. Das war noch ganz anders, als ich etwa vor 40 Jahren mit meinem Vater hier war. Da musste man sich vom Schnee über die ein Meter breite Randkluft an den Fels fallen lassen. Brrr! Der Vater hat mich ans „Strickel“ genommen. Aber da wusste ich schon als Kind, dass ich da keine 30 Sekunden drinnen hängen möchte.
So schwitzen wir also das recht steile Schneefeld hinauf. Die Randkluft ist abgesagt. Vielleicht war es der Klimawandel, aber statt Kluft gibt es einen angenehmen Platz zum Wechsel der Ausrüstung. Nach kurzem Stück münden wir in den Schulteranstieg. Da ich keine Sicherung habe, lässt man mich als Möchtegern-Bergfex solange überholen, bis ich keine Luft mehr bekomme. Aber irgendwann erhole ich mich und bin am Gipfel. Gernot hängt irgendwo in der Mitte von Aufsteigern und auch mittlerweile Absteigern. Vielleicht flechten die irgendetwas mit ihren Seilstücken. Nach einiger Zeit mache ich mir Sorgen, wo denn mein Begleiter ist. Und da ist er auch schon. Offensichtlich fehlt ihm auch ein bisserl Treibstoff. Die Schokoriegel haben mir schon geholfen und bewirken Ähnliches bei Gernot. Foto schießen und dann an den Abstieg!
Der geht leichter als vermutet. Uns kommen noch Leute entgegen, die wir in der Schlange unten gesehen haben. Es ist eine bunte Truppe. Eine der Damen meint, dass man mit ihr gerne einen Kaffee trinken gehen kann, auch ein Theaterbesuch wäre fein. Aber wieso sie sich zu diesem Scheiß‘ überreden hat lassen! Dafür hat sie im Moment keine Erklärung parat. Stattdessen hat sie Stilettos und ein Kleid dabei. Denn es hat sicher noch niemand in so einem Outfit Fotos da oben gemacht. Da ist sie sich ganz sicher. Das sehe ich anders und schränke in Gedanken auf „heute“ oder „diese Woche“ ein. Aber irgendwann war da sicher so eine ganz originelle Henn‘ oben. Kurz, überlege ich, ob ich da nicht doch eine Chance auf originelle Fotos verpasse.
Aber wir ziehen wieder über den Randkluftsteig zur Seethalerhütte weiter. Auch hier hat der liebe Herrgott eine bunte Auswahl aus seinem Zoo hergetrieben. Mein Favourite ist ein mittelalter Mann in Racing-Lycra mit kurzen Hosen über dem Hightech-Stoff und einer schnellen Sportbrille. Zwei Stöcke und eine Statur, die auf einen ausgiebigen Bürojob mit entsprechenden Verkürzungen schließen lässt, runden das Bild ab. Er rennt, als gäbe es kostenfreie Getränke hier. Kurz vor der Hütte dann der Griff an die Fitness-Uhr und ein lautes „Wahnsinn! 43:20! Super!“ lässt mich schmunzeln und rätseln. 43:20? Von der Seilbahn? Wurscht, letztlich sind auch wir nur zwei schräge Vögel, die ihre Steigeisen zum Abtropfen aufgehängt haben.
Der Kaffee schmeckt so schlecht, dass nicht einmal ich ihn trinke. Wir steigen ab. Zuerst über die Ratrac-Spur, wo Halbschuhe im Schmelzwasser versinken und dann über die Südwand wieder runter.
Alles in allem war es eine schöne Tour! Wer die Ruhe der Berge sucht, sollte den Dachstein vielleicht gänzlich meiden oder vom Gossausee her aufsteigen. Das hatte ich vor 17(?) Jahren gemacht. Da war es vergleichsweise menschenleer.
Irgendwo im HunerschartensteigAm Ende des hunerkogelsteigsDer etwas triste GletscherIm StauAn der RandkluftGernot denkt ans verpasste FrühstückAm GipfelIm Abstieg vom GipfelWieder bei der RandkluftBlick zurück. Links Schulteranstieg, rechts RandkluftanstiegAbseits der AutobahnUnter mir die SüdwandBelohnung auf der Türlwandhütte
„Auf der Rax kenne ich jetzt wirklich schon jeden Steig!“ – Klingt wichtig, stimmt aber bei weitem nicht. So machen sich Gernot und ich auf den Weg, um Neuland zu erkunden.
Eben erst aus Istrien zurück, stellt sich die Frage, was wir in der zweiten Urlaubswoche anstellen. Wir scannen Österreich nach verfügbaren Hotels. Die, die noch über sind, sind wohl zurecht über. So rufe ich im Gradonna an, wo Carina des guten Essens wegen hin will und wir aufgrund unserer Stammkundenschaft auch wirklich zwei Zimmer bekommen, obwohl alles ausgebucht ist. Irgendwie kommt der Entschluss auf, dass es ein 3.000er sein soll.
Wir überlegen zwischen Tschadinhorn und Böses Weibl hin und her. Mir ist beides recht, und so entschließen wir uns letztendlich für das prominentere Böse Weibl. Im April 2018 war ich mit Gernot mit den Skiern oben. Damals war ich ja nicht bis beim Gipfelkreuz. Das wird diesmal nachgeholt werden.
Wir sind schon in der zweiten Augusthälfte und so ist es noch dunkel, als um 5 Uhr der Wecker läutet. Die Sachen sind gepackt. Zur Freude des lokalen Sportgeschäfts hat sich Sabines Nervosität noch in einer Shopping-Attacke am Vortag entladen, sodass wir nun auch zur Not ein, zwei Tage oder auch Wochen länger am Berg bleiben können.
Kurz nach sechs sind wir beim Lucknerhaus und suchen einen Parkplatz! Wo sind die alle? Da muss es sich abspielen am höchsten Berg Österreichs!
Der Aufstieg über die Nigglalm durchs Peischlachtal zum Peischlachtörl ist landschaftlich schön. Ich hatte befürchtet, dass der Weg über die schrägen Wiesen Sabine stresst, aber nichts davon. Auch der Aufstieg Richtung Gipfel geht super gut, obschon ich Anstrengung höre. Sabine marschiert mit ihrem ungewöhnlich hohen Puls zügig dahin, wir kommen schnell voran. Ich wundere mich, wie man diese Belastung so lange aushalten kann. Selbst tuckere ich wie ein alter Diesel niedertourig hinten nach.
Unter dem Tschadinsattel hat die Wanderung erstmals nachhaltig ein Ende. Ein Weg ist nicht so richtig auszumachen. Wir sind über 2.900 m, wo der Fels nur für kurze Zeit im Jahr ausapert und so führt es ein bisserl weglos hinauf zum Sattel. Das ist nicht unbedingt nach Sabines Geschmack. Aber sie hält sich ebenso tapfer wie auch oben am Grat. Hier ist was los, die Menschen tänzeln von Block zu Block und lassen Sabine staunen. Es ist ihr erster Dreitausender und ihr dritter Berg, da darf man staunen.
Am Gipfel findet sich all das, weswegen ich die Einsamkeit meiner Routen unter der Woche außerhalb der Ferien schätze: Ein Paar aus Bayern hat sich am Sockel des Gipfelkreuzes niedergelassen und erfreut sich an der Tatsache, dass sie wohl endlos Gipfelfotos zieren werden. Zierde sind sie aber wahrlich nicht, und das liegt nicht nur am fortgeschrittenen Alter. Ich ersuche sie höflich, sich doch ein bisserl zu schleichen. Erst verstehen sie es nicht, verziehen sich dann aber kichernd. Zumindest auch ein Hund ist heroben. Gehört dazu, wie die Bergkumpel, die ganz traditionell am Gipfel ihr Bier, ihren Schnaps oder ihr Weiß-ich-was-Gesöff kippen und sich dabei fotografieren. Natürlich darf nicht der Superportler fehlen, der seine neue Bestzeit aufgestellt hat (und es dich wissen lässt, egal ob du es willst oder nicht). Na ja, der liebe Herrgott hat einen großen Zoo.
Auch wir schießen schöne Fotos. Ich versuche mich an den gewünschten Boomerang-Aufnahmen eines jungen Pärchens und scheitere, weil ich ein Hochspringen erwarte, sie sich aber nur vom Sockel plumpsen lassen. Auf Facebook sieht das dann aber sicher super aus.
Wir verlassen das bunte Treiben und ich bestehe spontan auf den Abstieg über das Gernot-Röhr-Biwak. Diese Variante sollte ruhiger sein. Ist sie auch, sie ist aber auch steiler und mühsamer. Mit den Schiern war das im Aufstieg gar kein Problem, aber für Sabine ist es nun anstrengend. Da kann man hundertmal sagen, dass der Gipfel erst die Hälfte der Strecke ist. Aber man muss erleben, dass der Gipfel eben nicht den Sieg bedeutet. Der Abstieg kann schon noch ganz schön mühsam sein. Aber kein Motzen kommt von hinten und irgendwann ist dann doch das Biwag erreicht, wo eine Pause nun unerlässlich ist. Nochmals ein paar Meter über das rutschige und rutschende Gelände, ehe angenehmerer Untergrund erreicht ist und auch die Stimmung wieder steigt.
Der weitere Abstieg ist unspektakulär. Eine Stelle, für die sich Sabine im Aufstieg das Fürchten im Abstieg ganz fest vorgenommen hat, übersieht sie jetzt. Ich staune nicht schlecht, will aber auch nicht aufs Fürchten bestehen. So schnell kann man also Fortschritte machen. Nach knapp neun Stunden sind wir wieder beim Lucknerhaus und sind fertig, wirklich fertig. Zwei Tage später stellt sich ein grausamer Muskelkater bei Sabine ein – oder auf Steirisch liebevoller: Sabine hat „Spatzen“.