Für eine Skitour ist in der Nähe zu wenig Schnee, aber für eine Bergtour warten ideale Bedingungen auf mich. Ich starte in der Griesleiten. Der Parkplatz ist nur wenig vom Schnee geräumt. Mit einem Ansturm ist also nicht zu rechnen. Außer mir parkt niemand und auch am Nachmittag wird nur die Q warten.
Mittlerweile mag ich den Haidsteig in der Nebensaison. Kein Mensch weit und breit. Im Sommer wartet man da eine Ewigkeit am Einstieg, Hektiker drängeln, Anfänger bremsen. An einem Montag im März ist hier genau gar nichts los. Heute bin ich langsam, sehr langsam. Liegt es noch immer am Omikron? Mag sein, wird werden. Ich lasse mir Zeit. Über eine Stunde brauche ich bis zum Einstieg. Zehn Minuten länger und ich wäre in meiner besten Zeit schon wieder beim Ausstieg. Macht nichts, ist halt so.
Bei der Madonna raste ich und genieße die Ruhe. Der Steig ist absolut schneefrei, der Himmel uneingeschränkt blau. Entsprechend entspannt erreiche ich dann den Ausstieg – nach über zwei Stunden.
Ich besuche das Preinerwandkreuz und wandere gemütlich zum Trinksteinsattel. Die Schneedecke hat einen festen Harschdeckel, trägt gut und firnt allmählich auf. So kann ich direkt aufsteigen und erspare mir das Queren von Schneefeldern. Die Grödel können im Rucksack bleiben. Viele Gämsen schauen mir zu und wundern sich über den einsamen Wanderer, der da zum Predigtstuhl aufsteigt.
Nach dem Predigtstuhl treffe ich die ersten beiden Menschen, es sind Skitourengeher. Aber Schnee ist auf dieser Seite gar keiner. Sie wollen die Nazrinne abfahren. Oh ha, die kenne ich gar nicht. Ob sie sich über die Wechte am Predigtstuhl direkt in den Siebenbrunnkessel stürzen werden? Ihr ernster Gesichtsausdruck lässt das vermuten. Keine zweihundert Meter treffe ich den nächsten Tourengeher. Der sieht gesprächiger aus. Sein Ziel ist die Nazrinne. Aber hallo, ist da heute ein Skirennen? Der gute Mann kennt sich aus und klärt mich auf. Am Ende des Bismarcksteigs geht es durch die Latschen runter. Ist also eher das Nazfeld als die Nazrinne, wieder was gelernt.
Am Karl-Ludwig-Haus freut sich der junge Mann über den einsamen Besuch. Bald kenne ich einen Teil seiner Lebensgeschichte und seine Pläne. Seit die Hütte neue Pächter hat, kann man hier echt wieder herkommen. Freundliche Wirtsleute und gutes Essen warten.
Ich steige über den Karlgraben ab, gönne mir Kuchen und Kaffee am Waxriegelhaus, ehe ich mich wundere, wieviel Schnee da im Wald Richtung Griesleiten ist. Dort wartet schon einsam die Q, aber das habe ich schon erwähnt.
Gernot und ich starten Richtung Hochschwab. Gernot war vor einer Woche hier und weiß von guten Bedingungen zu berichten. Diesmal wollen wir über die Häuslalm zum Zagelkar und dieses abfahren. Omikron hat mich in den Tagen davor niedergestreckt und Saharastaub liegt in der Luft. Schauen ma a mal!
Der Schnee ist gegenüber der letzten Woche weniger geworden. Man kann aber noch über eine geschlossene Schneedecke zur Häuslalm. Zu unserer Überraschung ist die Hütte geöffnet. Der Wirt öffnet von Donnerstag bis Sonntag. Wir sind die fast ersten Gäste in dieser Woche. Ohne Geld, aber mit dem Bedürfnis Umsatz zu machen, bestellen wir Hauswurst und Krainer. Die Sachen müssen immerhin zu Fuß heraufgetragen werden. Da wollen wir nicht geizen. Die Würstel sind gut, aber wir müssen uns eingestehen, dass wenige Athleten vor dem Wettkampf zwei Hauswürste oder eine Krainer in sich stopfen, um Bestleistung aus ihren Körpern zu holen.
Zuerst geht noch alles gut. Wir kommen zügig voran, aber spätestens ab der Hirschengrube stollt der Schnee an, dass es zum Heulen ist. Nach der Hirschengrube weicht der Schnee weitgehend Gras und Steinen. Da kann man zumindest den angestollten Schnee abstreifen. Aber der haftet gleich beim ersten Schneekontakt wieder an den Fellen.
Dass es weit zu gehen ist am Plateau, wissen wir ja. Nur heute erscheint es mir extra zäh. Da wären mal die Würstel, die vermutlich den geringsten Anteil an der einsetzenden Erschöpfung haben. Omikron ist schon eine bessere Erklärung. Die wahrscheinlichste Erklärung bzw. jene mit dem größten Gewicht ist jedoch jene, dass ich heute einfach nicht fit genug bin.
Das zeigt sich erstmal daran, dass ich nicht einmal die letzten Meter zum Zagelkogel aufsteigen will. Okay, es liegt wenig Schnee. Mit Skiern könnte man nicht abfahren. Für einen Auf- und Abstieg ohne Skier fehlen uns die Grödel und die Motivation. Dann verliere ich noch beim Abfellen eine Schutzfolie. Die treibt der Wind davon. Das tut mir weh, denn ich will weder, dass ich Plastikmüll verursache, noch, dass eine Gämse das Plastik frisst. Gernot ist fitter und versucht die Folie einzuholen – leider vergeblich.
Vom Hüttenwirt haben wir gehört, dass Tourengeher im Zagelkar bei der direkten Abfahrt auf eine apere Stelle von 50 Meter gestoßen sind. Der Wind hat wohl die Stelle ausgeblasen und so mussten die Tourengeher abschnallen. Das wollen wir definitiv nicht. Unser Plan B ist es, unter dem Ghacktkogel ins Zagelkar einzufahren – die Normalvariante. Aus der Ferne sieht man schon, dass es da völlig aper ist. Zu meiner Erschöpfung gesellen sich nun noch Zweifel. Es bleibt die Variante, ziemlich in der Mitte von Zagelkogel und Ghacktkogel einzufahren. Wir fahren an die Kante vor und sehen.. nichts. Also, wir sehen schon das Zagelkar unter uns, aber direkt unter uns? Stehen wir auf Felsen, einer Wechte,..? Ich bin im Sommer hier irgendwo rauf, da musste ich zumindest eine Steilstufe kraxeln. Ein Seil war angebracht. Hmm?
Weiter rechts sieht es dann machbar aus. Ich fahre als der schwächere Skifahrer vor. Der Schnee ist sogar recht fein. Ein bisserl mehr als Firn, aber gut fahrbar. Nur in meinen Beinen ist keine Kraft mehr und im Kopf die Idee von der Kletterstelle. Das sind keine Zutaten, um die Abfahrt zu genießen. Gernot hat mehr Kraft in den Beinen, weniger Zweifel im Kopf und bessere Skifertigkeiten. Egal, das Steilste ist bald hinter mir und ich gönne mir eine Pause auf einem Felsen. Beim Blick Richtung Zagelkogel sehen wir, dass auch die direkte Abfahrt entlang der Felsen gegangen wäre. Keine apere Stelle in Sicht. Macht nichts, unsere Variante ist auch edel.
Nun geht es noch einmal kurz steiler, ehe es abflacht und sich ein bisserl Frühjahrssulz breitmacht. Das Zagelkar ist ein langer Hang und eine feine Sache. Wir queren ins Trawiestal und schmieren dieses in der Sonne hinaus. Die Abzweigung zum Wanderweg verpassen wir, weil Gernot so eine Freude am Bachbett findet. Als wir die Position checken, sind wir schon weit unten. Gernot will dem Bachbett weiter folgen, aber das endet nach meinem Wissen in einem steilen Abbruch. Ich erinnere mich an einen Bericht von einer schwer zu findenden Jagdhütte und die Möglichkeit über Forststraßen abzufahren.
So ist das Schicksal mit einem erschöpften Gottfried dann doch noch gnädig. Wir müssen zwar ein bisserl durch Wald und unwegsames Gelände an der Jagdhütte vorbeischieben, erreichen aber bald das legendäre Bankerl. Ab hier gibt es Forststraße bis zum Auto. Und wir müssen nicht einmal tragen. Passt also!
Der Wetterbericht verspricht einen traumhaften Tag. Ich möchte in die Berge. Mio braucht Betreuung. Gernot hat Omikron hinter sich und möchte nur im niedrigen Pulsbereich etwas tun. Er könnte mit Mio spazieren und mir eine Raxüberquerung ermöglichen. Ach was, wir planen eine Spazierwanderung im niedrigen Pulsbereich. Unbesorgt und mit wenig Ausrüstung, weil der Hund dabei ist, und wenig Planung, weil anstrengend darf es eh nicht werden, verabreden wir uns für morgen.
In der Früh dann die Horrornachricht. Putin hat die Ukraine angegriffen. Was soll ich tun? Den ganzen Tag Nachrichten lesen und fassungslos sein? Ablenkung wird gut sein. Gelingt nicht ganz, aber besser als daheim.
Am Preiner Gscheid geht’s los. Mio wirft sich in den Schnee und wälzt sich. Skitourengeher starten, aber wir sind nach 60 Meter Richtung Reißthaler Hütte wieder weg und völlig alleine unterwegs. Die Reha-Wanderung unter Aufsicht Gernots Pulsuhr startet problemfrei. Bald ist es unverspurt. Der Schnee im Wald ist tief und damit teils ein bisserl zach, aber es geht. Dafür verspricht der Südhang ab der Reißthaler Hütte apere Abschnitte. Aber nicht lange, dann geht es wieder in tiefen Schnee. Mühsam, die Pulsziele werden nach oben angepasst. Aber wir schaffen das.
Oberhalb der Latschen ist Mio plötzlich auf und davon. Weit entfernt quert er einen steilen Hang und verschwindet Richtung Raxenmäuern. Aber diesmal hört er auf den Pfiff, vielleicht war es auch Zufall. Ein bisserl außer Atem kommt er zurück. Das muss schön anstrengend sein, wenn man bei jedem Schritt bis zum Bauch einsinkt und so bergauf rennt.
Den Martinsteig finden wir nicht. Oder wir wollen ihn nicht suchen. Der Gretchensteig sollte auch passen. Die Kraxelei ist teilweise unter einem steilen Schneefeld verborgen. Mio kommt an die Leine, er wird angeseilt. Bei den Stahlseilen, die zum Teil unter dem Schnee sind, wird es spannend. Er präsentiert sich als kühner Kletterer. Nur zweimal hebe ich ihn über eine Stufe. Er wäre schon nachgekommen, aber ich habe ihn beim ersten Mal lieber vor mir, habe ich doch selbst genug mit den Bedingungen und Mios Leine in einer Hand zu tun. Und so richtig versteht Mio auch nicht, warum wir gerade da rauf müssen.
Am Plateau warten jede Menge Gämsen. Der Hund ist begeistert, denn diese Tiere riechen so wie die „Adventure Wild Deer“-Leckerlis von Nestle. Zum Glück ist er angeseilt.
Nach ausführlicher Rast am Karl-Ludwig-Haus geht es den Karlgraben runter. Mio lässt nochmals mangelnde Bergerfahrung aufblitzen, als er sich in Laune auf dem über 35° steilen Harschdeckel wälzen will. Entsetzen sehe ich in seinen Augen, als die Fahrt losgeht. Aber mehr als einen Ruck schafft er nicht. Zum Glück ist er ja angeseilt.
Im Karlgraben ist seine Lebensfreude nicht mehr zu stoppen. Der Graben hat auch eine anständige Steigung. Mio springt wie ein Gamsbock runter, eine Freude ist das! Beim Anblick des Parkplatzes am Preiner Gscheid bleibt er stehen und streikt. Nein, Heim will er anscheinend nicht.
Tadellose Tour mit dann doch nicht ganz Niederpulswanderungscharakter. Super war’s!
In den Semesterferien urlauben wir in Südtirol. Die Anreise ist ein bisserl lang, aber dafür warten ein tolles Quartier, feine Pisten und tadelloses Wetter. Mit dabei sind Carina, Jasmin, Lydia, Beene und ich. Im Herbst, als im Süden über ein Meter Neuschnee gefallen war, hatte ich mir überlegt, dass wir nach Südtirol fahren könnten. Guter Gedanke, aber leider ist nicht viel Schnee nachgekommen.
So müssen wir uns mit Kunstschnee begnügen, denn rundherum lacht eher das Wanderherz. Im Mittagstal, der klassischen Variante in der Sella, liegt keine durchgängige Schneedecke. Eine Befahrung ist undenkbar. So bleiben uns die Pisten und die sind fein. Vielleicht waren die Skier früher schlechter oder vielleicht gelingt mittlerweile besserer Kunstschnee. Alpinfahren ist jedenfalls wieder ein Genuss. Mir macht es Spaß. Es warten endlos Pistenkilometer. In die Liftinfrastruktur wurde viel Geld investiert. Vorbei sind die Zeiten endlosen Anstehens und langsamer Lifte. Selbst auf die Marmolata rauscht in drei Etappen eine moderne Gondel. Die Sessellifte auf der kalten Nordseite der Marmolata wurden wohl nach dem schneereichen Winter 2013/14 mit seinen Lawinen abgebaut. Einen einzigen Sessellift mit Nostalgiecharakter haben wir am Weg von Arabba zur Marmolata gefunden – siehe Foto!
Die Unterkunft in Kolfuschg, das Lüch de Costa, können wir dringend empfehlen. Das Haus bietet toll eingerichtete Ferienwohnungen mit grandiosem Ausblick und einem großen, ruhigen Spa-Bereich. Das Frühstück ist klein, aber fein und das Auto verschwindet per Aufzug in der Tiefgarage. Sachen gibt’s!
Abgerundet wird das alles durch italienisches Essen auf den Hütten und am Abend. Da kann man sich es gutgehen lassen!
LangkofelBlick vom ApartementEinziger NostalgieliftPiz Boé
Der Winter 2021/22 hat bislang wenig Schnee gebracht. Also, definitiv zu wenig, um in der näheren Umgebung eine Skitour zu gehen. Für den Mittwoch ist nochmals Kaiserwetter angesagt, ab Donnerstag soll vielleicht Schnee kommen. Der Karreralmsteig im „Winter“ könnte ein Erlebnis sein. Diesmal bin ich ganz zuversichtlich, alle Herausforderungen locker zu meistern.
Am Preiner Gscheid parkt ein Auto, und schon nach hundert Metern ist der Waldweg unverspurt. Oh, da ist schon länger niemand gegangen. Vor der Reißtalerhütte treffe ich dann doch auf eine Spur und folge ihr. Dabei mache ich meine Überlegungen, wie fit mein Vorgänger sein muss. Und so folge ich der Spur, während die Navigation der Uhr links sagt. Das besorgt mich nicht, führen doch mehrere Wege zur Karreralm.
Dann steht auch schon mein Vorgänger vor mir. Es ist ein älterer und wahrlich fitter Wanderer, der aber nicht ganz hinauf will. So habe ich nun für kurze Zeit zwei Spuren vor mir, ehe diese enden und ich spuren darf. Die Grödel sind bei dem Schnee unbrauchbar. Ganz schnell stollen Klumpen an den Sohlen an. Mühsam ist das! Die Karte meint nun, dass ich am Weg zum (Kleinen) Fuchsloch bin. Oh, da war ich schon mal! Das wollte ich aber gar nicht. Oder sollte ich gleich den Fuchslochsteig gehen? Hier am entlegenen Teil der Rax halte ich lieber an meinem Plan fest. Auch die Internetverbindung fehlt, um mich schlau zu machen.
Weil ich diesmal nicht wieder absteigen will, folge ich Gamspfaden. Die namensgebenden Tiere schauen mir verwundert zu. Wie ungeschickt der über das Geröll stolpert, in den Schneefeldern geht es einigermaßen. Aber vom Gehen auf zwei Beinen kann ich die Gämsen nicht überzeugen. Mein Gefühl und meine Karte sagen, dass es nicht mehr weit zum Einstieg sein kann. So überwinde ich einige Latschenfelder. Das geht am besten mit einem leichten Höhenverlust, weil die Latschen eben bergab gerichtet sind. Zurück kann ich da aber dann nicht. Hmm?
Plötzlich stehe ich punktgenau am Einstieg des Karreralmsteigs. Das muss einem mal gelingen! Meist ist es ein etwas nerviges Suchen, aber diesmal en point!
Die Sonne lacht, der Fels ist trocken. Los geht’s! Der Steig ist wirklich selten begangen. Einmal stellen sich gar Latschen in die steile Rinne, die hinaufgeklettert wird. Also, so eine exakte Routenführung gibt es eigentlich gar nicht. Alle zwanzig, dreißig Meter mal ein verblasster, roter Strich und das war’s dann auch.
Das markante Felsfenster sollte man schon finden. Bis dahin ist es leichtes, feines Kraxeln bis maximal Schwierigkeit II. Dann kommt die IIIer-Platte. Kurzes Überlegen und Zögern, aber dann steige ich los. Es sind gerademal drei Schritte, ehe man sich an der Oberkante der Platte schon wieder gut anhalten kann. Man kann die Platte leicht links umgehen. Aber dieses Mal lasse ich mir den Triumph nicht nehmen. Geschafft, hurra!
Durch den Umweg und den Schnee im Zustieg habe ich ein bisserl Müdigkeit aufgerissen. Ganz fit bin ich auch nicht. So gönne ich mir eine Pause unter den hier senkrechten Raxenmäuern. Frühlingshaftes Wetter – nicht schlecht. Während ich mir Tee und Schnitten zuführe, inspiziere ich die Querung und mutmaße über die Bedingungen in der Rinne. Die IVer-Stelle lasse ich, wie in der Literatur empfohlen, aus. Die Umgehung führt durch eine steile Geröllrinne und infolge über steile Grasschrofen. Da liegt überall Schnee, der hier in der Sonne schön weich ist. Ich habe aber keine Lust, im Schatten im Steilen auf gefrorenen Altschnee zu stoßen. So lege ich schon hier, an diesem komfortablen Rastplatz, die Steigeisen an. Wenn ich sie schon mitschleppe,…
Damit sollte ich auch rechtbehalten, denn wie vermutet, ist es in der schattigen Rinne hart. Das Schneefeld in der Querung ist von der Sonne aufgeweicht, sodass die schweren Bergschuhe anfangs noch ausreichend Halt finden, aber hier?
Zuerst dringen noch die Schuhspitzen tief genug in den Schnee ein, aber irgendwann bin ich über die Steigeisen froh. Das ist hier nur ein steiles Schneefeld und kein 70° steiles Eis in einer der bekannten Nordwände. Und trotzdem fangen mir die Wadeln an zu brennen. Ich kann rasten, indem ich die Schuhe quer in den Schnee stelle und mich auf den Pickel stütze. So entwickle ich eine Vorstellung, wie das sein muss, wenn du in so einer Nordwand stehst und dich über Stunden nicht entspannen kannst.
Mah, ist das anstrengend da rauf. Das ist es auch ohne Schnee, aber heute! Na, ich bin zumindest froh, dass es nach dem steilen Abschnitt fast schneefrei ist. Wenn dieser Teil zu spuren wäre! Ich zähle schon so die Schritte, was ein Zeichen von extremer Müdigkeit bei mir ist. Fünfzig Schritte mindestens – davor gibt es keine Pause!
Irgendwann taumle ich zum Heldendenkmal und treffe auf Wanderer. Ich ziehe mich wärmer an und steige zum Karl-Ludwig-Haus ab. Der vorherige Pächter, ein Grantscherben, der jedem, der nicht seiner Meinung war, gewünscht hat, dass in der Blitz beim Scheißen treffen soll, ist zum Glück weg. Ein Niederländer und eine Deutsche betreiben die Hütte nun unaufgeregt professionell. Vor allem sind sie auch im Winter da. Ich hätte ihnen mehr Schnee und damit Tourengeher gewünscht. So will ich eine anständige Zeche machen. Aber da bezweifelt die Wirtin, dass ich Kaspressknödelsuppe und Gulasch schaffe. Dann einen Kaiserschmarren? Auch zu viel, ihrer Einschätzung nach. Schauen wir einmal! Auch recht, ist mir schon lange nicht passiert.
Nach Kaspressknödelsuppe, Kaiserschmarren, Kaffee und jeder Menge Ingwersaft steige ich ab. Der Karlgraben ist gut eingeweht und so kann ich gelenksschonend in den Siebenbrunnenkessel absteigen. Auf der Piste zum Auto ist es dann aper. Der Wind hat in der letzten Stunde stetig zu genommen, vielleicht bringt er den notwendigen und angekündigten Schnee.
Ein toller Tag war’s. Heute am Tag der Niederschrift merke ich, wie anstrengend das war. Das rechte Bein mag gar nicht recht belastet werden. Ich habe sicherlich wieder schaurige Blutwerte! Aber ich kann mich ja ausruhen, das wird wieder. Es dauert halt viel länger als vor dreißig Jahren. Ist halt so!
Die pandemiebedingte Auswahl für Urlaubsdestinationen mit den Kriterien „Europa“, „Sonne“ und „Baden“ ergibt für Jänner wenig erstaunlicherweise wieder die Kanaren. Jasmin und Lydia sind wagemutiger und erkunden auf eigene Faust Jordanien. So bleiben Carina, Beene und ich über. Und weil das für Carina alleine mit uns sicherlich „awkward“ wird, packen wir auch noch Kiki ein. Carina gönnt sich noch schnell am 26.12. eine Booster-Impfung. Silvester fällt ein bisserl ins Wasser, weil es ja am Neujahrstag Richtung Las Palmas geht.
Wir sind im Lopesan Costa Meloneras untergebracht. Die Anlage bietet ein 100 Meter(!) langes Pool. So etwas habe ich noch nicht gesehen. Leider habe ich nun auch rechts eine Kontaktlinse und so getraue ich mich nicht recht zu schwimmen. Beene genießt es. Der Strand von Maspalomas lädt auch im Jänner zum Baden ein. Ganz herausragend sind die Sonnenuntergänge. Das hat schon alles etwas.
Für zwei Tage leihen wir ein Auto aus und fahren ins Landesinnere. Wieder muss ich für meine vorgefasste Meinung entschuldigen. Das Landesinnere ist wirklich eine Reise wert. Bergdörfer umgeben von wildesten Berggipfeln laden ein. Leider verträgt Kiki die tausenden Kurven nicht. So kürzen wir die Route ab. Trotzdem erreichen wir das Hotel erst nach der Dämmerung.
Auf der Suche nach einem PCR-Test für Kiki geht es am nächsten Tag in den Norden. Bald erkennen wir, dass es der 6.1. ist und alles geschlossen hat. Selbst an Werktagen sind PCR-Test rar gesät. Kein Testwahn wie in der Heimat. Tests sind aber nicht nur selten sondern auch teuer. Wir meistern aber auch diese Herausforderung.
Las Palmas, die Hauptstadt Gran Canarias, ist meines Erachtens keine Reise wert. Nicht einmal ein Stadtkern ist zu finden. Wir machen das Beste daraus und Beene findet eine nette Rooftop-Bar. Alles zur allgemeinen Zufriedenheit.
Mit ausreichend Vitamin D starten wir den Heimflug und das neue Jahr!
MaspalomasLopesan MelonerasMaspalomasMaspalomasMaspalomasMaspalomasLopesan MelonerasLopesan MelonerasLopesan MelonerasMaspalomasMaspalomasMaspalomasIm LandesinnerenIm LandesinnerenIm LandesinnerenIm LandesinnerenGanz im WestenGanz im WestenLas Palmas
Wie sich alles ändert! Früher hätte ich weniger Bedenken gehabt. Auch viel weniger Ausrüstung hatte ich. Nun habe ich viel Auswahl und viele Bedenken. Seit ich mit Garvin den Malersteig gegangen bin und er mir von seinen Winterbegehungen erzählt hat, lässt mich die Idee einer Winterbegehung zumindest des Haidsteigs nicht los. Gernot will lieber den Nandlgrat gehen, lässt sich aber leicht überreden. Und da ist schon das erste Bedenken: „Was, wenn ich ihn überredet habe und er gar nicht wollte?“.
Also, wie wird der Zustieg sein? Liegt viel Schnee im Wald? Geht das überhaupt ohne Schneeschuhe? Nach der Einstiegstelle in den Steig wartet freies Felsgelände. Das ist oft feucht. Wird das voll mit Eis sein? Werden die Seile zumindest abschnittsweise mit Eis überzogen sein? Im großen Kessel könnte viel Schnee liegen und der Abschnitt danach ist bei Feuchte schon unangenehm. Dann noch der Abschnitt nach der Schwarzen Madonna und der Ausstieg…
-14° in der Früh bis -10° auf 2.000m. Da ist nicht nur die Frage nach den richtigen Handschuhen angebracht. Welche Schichten? Welche Hose? Steigeisen, Grödel,..? Pickel, Stöcke,..? Früher hätte ich aufgrund mangelnder Optionen nicht solange nachdenken müssen. Der Anorak wäre mitgekommen. Aber so einfach ist das längst nicht mehr.
Und trotzdem ringen wir uns durch. Wir schleppen fast alles mit. Der Parkplatz ist leer und fast unverspurt. Der Zustieg durch den Wald ist dann wirklich unverspurt. Das heißt, seit Sonntag war noch niemand hier. Ein paar Zentimeter Schnee liegen im Wald. Älterer Schnee ist aufgetaut und festgefroren, da tun die Grödel einen guten Dienst. Den Zustieg werden wir schaffen.
Im Steig sieht es erfreulich schneearm aus. Ich steige den Einstieg rauf, um die erste Sorgenstelle zu inspizieren. Pah, lächerlich, machbar. Das geht leicht mit Grödel und ohne Pickel. Bei sorgfältiger Routenwahl vielleicht gar ohne Grödel. Aber wenn wir sie schon mithaben.
Das Seil ist kalt, aber weder mit Eis überzogen noch unter dem Schnee verschwunden. Wir sind früh im Winter dran. Fix ist, dass seit dem letzten Schneefall niemand den Steig gegangen ist. Das gibt eine feine Stimmung. So steigen wir in top Ausrüstung gemächlich durch den Steig. Kaiserwetter, keine Eile nötig. Auch wenn wir weit von -14° entfernt sind, wird mir langsam kalt, vor allem in den Händen. Wir haben sogar beheizbare Handschuhe mit. Eher peinlich, aber angenehm. Und zum Kraxeln taugen sie auch. Was soll da schiefgehen?
Nächste Überraschung: im großen Kessel liegt wenig Schnee. Wir sind ohne Grödel oder Steigeisen unterwegs und ich mache mich an die nächste Sorgenstelle. Die steile Wand aus dem Kessel ist im trockenen Zustand schon abgeschliffen, im nassen Zustand recht rutschig und jetzt? Beherzt und in Erwartung von Unannehmlichkeiten steige ich ein. Was man erwartet, bekommt man auch. So habe ich mich noch nie am Haidsteig angestellt. Ich lasse mir nichts anmerken und hantle mich wie ein Afferl das Seil hinauf. Kalt ist mir nicht mehr. Hat doch auch etwas Gutes. Gernot ist mit dem Skylotec und ohne Selbstzweifel unterwegs, entsprechend leichter tut er sich. Damit hätten wir die Herausforderungen doch gemeistert!
Bei Kaiserwetter rasten wir bei der Schwarzen Madonna und wünschen Ulli schon Frohe Weihnachten. Was für ein Kulisse! Heute weht kein Lüfterl, fast ein bisserl frühlingshaft, aber nur fast.
Der nächste, ungesicherte Anstieg hat wenig Schnee. Wir sind mit den Grödeln unterwegs. Nach Wiederbeginn der Versicherungen wird es erstmals herausfordernd. Die Sonne hat Schnee oberhalb geschmolzen, das Schmelzwasser ist in den Steig geronnen und überzieht hier im Schatten den Fels im wieder gefrorenen Zustand. Um die Steigeisen anzulegen, gibt es bessere Stellen. So wurschteln wir uns die 20, 30 Meter weiter und wechseln gar auf die Steigeisen. Die sitzen bombenfest, geben aber das Gefühl in Stöckel- oder Plateauschuhen unterwegs zu sein. So stellen wir uns das zumindest vor, Erfahrung ist ja keine da. Also, nicht mit Stöckel- oder Plateauschuhen, aber dafür mit Steigeisen. Ach, was schreibe ich da! Faktum ist, dass uns der einfache Teil des Haidsteigs Schweiß und Anstrengung kostet.
Irgendwann sind wir oben. Meine erste Winterbegehung ist geschafft. Und wieder ist die Erkenntnis da, dass die Bedenken und Sorgen des Vorabends unberechtigt waren. Anderseits, vielleicht führen sie zu sorgsamer Tourenplanung. Jeder hat für sein Handeln eine Erklärung.
Beim Abstieg über den Holzknechtsteig erwartet uns oben ein steiles Schneefeld. Das erfüllt alle Bedingungen für ein Schneebrett. Na ja, der Lawinenlagebericht meint, dass heute kaum etwas passieren kann. Aber Gernot ist eh schon unterwegs und von hinten sieht es auch lustig aus, wie er da runtertorkelt. Als ich dann selbst in der Querung bin, wird es mir etwas mulmig und ich bin konzentriert. Da hätten wir vielleicht doch oben umgehen sollen. Hmm?
Das Auto steht noch immer einsam am Parkplatz. Ein bisserl fühlen wir uns als Helden. Der Moment des Triumphs wehrt kurz und wird durch ein Bergläuferpärchen gestört, das von oben herab an uns vorbeiläuft. Wo kommen die denn her?
An dieses Mal werde ich mich lange erinnern. das ist fix. Erste Winterbegehung bei Wetter, wie man es am 22. Dezember nicht erwarten darf. Auch die Windstille an diesem Tag ist eine extreme Ausnahme. Vielleicht all das, weil Lydia heute ihren 24. Geburtstag feiert. Alles Gute, liebe Lydia! Hoffentlich kippe ich am Abend nicht im Shiki weg.. Super war’s!
Freitag, reichlich Schnee und ein guter Wetterbericht liegen vor. Mit oder ohne Skier ist die Frage. Ich werfe die Skier ins Auto und mache mich auf den Weg nach Rettenegg zum Saisonstart. Über den Pfaffensattel getraue ich mich nicht. Die Q stellt sich auf Schnee recht ungeschickt an, weswegen ich die nicht so steile Variante über den Feistritzsattel wähle.
Beim Forellengasthof angekommen, staune ich nicht schlecht. Zwei Gruppen von in Summe sicherlich 15 Tourengeher machen sich aufgeregt vorbei. Eine Wiese wurde zu einem Parkplatz umgewidmet. Der Sheriff ermahnt mich, nicht so großzügig zu parken. Wie bitte, da ist Platz für 50 Autos! Eben, am Wochenende wird das auch sicher voll. Es ist Freitag, er soll die fünf Euro nehmen und mich in Ruhe lassen. Oh, da sind auch andere Flächen zu Parkplätzen umfunktioniert. 80 Parkplätze zu 5 Euro an 8 Wochenendtagen macht 3 200 Euro. Wow, und das bei dem Minimalaufwand. Als starkes Argument höre ich noch, dass in Wien das Parken auch teuer ist. Zum Glück hat der gute Mann mit Pelzmütze keine Ahnung, wie die Situation in Hongkong, Tokio oder Singapur ist.
Der Anstieg führt erst durch den Wald, ehe es über vermutlich weniger lukrative Wiesen steiler bergauf führt. Immer mehr Tourengeher sehe ich. Nein, heute kann ich mich nicht mit jedem und jeder unterhalten. Wollen die auch nicht. Da ist jeder mit sich selbst beschäftigt. Ich staune schon wieder. Vor drei Jahren waren da eine einstellige Zahl an Tourengehern unterwegs und jetzt?
Am oberen Ende der Wiesen warten ein paar Deep-Pow-Jünger in der Sonne. Das Material ist positioniert und soll beeindrucken, vielleicht auch Weibchen anlocken. Wie soll der Hang angefahren werden, sodass man vergleichbares Bildmaterial wie Jeremie auf Youtube mit der GoPro einfangen kann? Heute schwitze ich ein bisserl zu sehr, um noch mehr zu staunen.
Nach dem Wald geht die Mehrheit rechts, ich folge diesmal der Skitour links. Vielleicht ist das ein bisserl länger. Jedenfalls vermeidet es den einzigen Schneebrett-Hotspot auf dieser doch unbedenklichen Tour. Aus der Ferne sehe ich übrigens, dass das Schneebrett schon vor kurzem entladen hat. Trotzdem wähle ich die einsamere, weniger steile und ausgeschilderte Tour. Am Plateau dann pfeift der Wind aus Süd und treibt mich zur Hütte. Leider ist auch der Schnee weggeblasen. Aber das ist hier heroben nichts neues.
Das Alois-Günther-Haus ist Covid-bedingt geschlossen. Vom angekündigten Take-Away des neuen engagierten Hüttenwirts sehe ich nichts. Heute wäre das bei dem Wind auch keine Freude. Ein vier Quadratmeter großer Windfang ist geöffnet. Hier drängen sich unter Missachtung der Maskenpflicht einschließlich mir sechs Personen und fellen ab, jausnen bzw. wechseln Unterziehleiberln. Ein interessanter Mix unterschiedlichster Gerüche von Kletzenbrot über Tee mit Rum zu Schweiß und Weichspüler fühlt den kleinen Raum. Aber immer wieder öffnet sich die Tür und jemand lugt herein. Das bringt zwar uns frische Luft aber nicht dem Schutzsuchenden den gewünschten Unterstand.
Irgendwann habe ich auch meine Schnallen zu und trete ins Freie hinaus. Das Stuhleck hat sich eine Haube aus Nebel verpasst und der Südwind hat so sehr an Stärke gewonnen, dass ich kaum dagegen ankomme. Eiskristalle fliegen mir entgegen, nicht alle können ausweichen. Schnell kriecht die Kälte in die eigentliche tadellose Ausrüstung. Vielleicht hätte ich mich auch kurzfristig entblößen und trockenlegen sollen? Mich überkommen erstmals Zweifel, ob das hier wirklich alles so geil ist, wie sich das die Sportabteilungsjünger mantraartig auto-suggerieren.
Nach dem Plateau werde ich mit fast unfahrbarem Schnee belohnt. Also, sieht alles super aus. Auf Facebook und Instagram würde man drunter schreiben: „Leider geil!“. Aber erstens ist der Schnee so windgepresst und zweitens bin ich so etwas von durchfroren, dass ich die Haxerln kaum abbiegen kann. Egal, Skifahrstar bin ich eh keiner und ich nutze die Skier als super effiziente Abstiegshilfe. Derart geht auch der Wald vorbei. Wenigstens die Wiese sollte eine angenehme Abfahrt erlauben.
Aber was ist hier los? Da geht es zu wie auf einer Skipiste. Die meisten machen keine sonderlich gute Figur. Ja, sind die nur bis hierher aufgestiegen und haben sich den entbehrlichen Rest für die wirklich harten Hund‘ wie mich geschenkt. Instant Karma, denn die Wiese ist den Aufstieg auch nicht wert. Der stumpfe Schnee lässt sich kaum drehen. Kommt man dann auf eine abgeblasene Stelle, dreht es doch ein bisserl gar schnell. Einen einzigen Skifahrer sehe ich, der hier die wenig steile Wiese unter hohem Kraftaufwand runterwedelt. Ja, der kann das. Er jauchzt und die Spur sieht schön aus. Als Live-Beobachter weiß ich zu berichten, dass das Jauchzen wohl simuliert war. Soll sein!
Der Parkplatz ist mittlerweile gut gefüllt. Ich überlasse Parklücke und Ticket einem Spätstarterpärchen. Die können ihr Glück nicht fassen. Selbst wähle ich die Route über den Pfaffensattel. Dort spielen sich auch lustige Szenen ab. Der deutlich kleinere Parkraum ist gut genutzt. Der Wind stellt hier aber Wechten und Schneeverwehungen auf, die es in sich haben. Tapfer kämpfen Schneeschuhwanderer, Tourengeher, Hundespazierer und andere Wintertouristen gegen die Naturgewalten.
Mir aber schwindelt es ohnedies in der Q, mein Kreislauf will mich gar nicht erfangen. Erst bei der Autobahnstation bringen Kaffee, jede Menge Flüssigkeit und eine Leberkässemmel meine Physiologie in Ordnung.
Also, vielleicht war es eine Laune des Zufalls, dass so viele Leute unterwegs waren. Vielleicht wurde Rettenegg von einem Influencer wachgeküsst. Vielleicht sind Skitouren endgültig zum Massensport geworden. Bei der nächsten Tour weiß ich mehr. Zumindest war das heute ein tadelloses Kardio-Training.
Fotos habe ich keine gemacht, obwohl das Wetter recht sonnig und die Landschaft fein war. Im Aufstieg war ich zu beeilt und in der Abfahrt zu durchfroren. Zumindest zwei Fotos der Anreise habe ich parat.
Mio wird früh abgegeben
Am Treffpunkt, aber ohne Gernot, der heute leider ausfällt
Nachdem die ganze Familie inklusive Hund die Magen-Darm-Grippe überstanden hat, geht es wieder in die Berge. Der Nandlgrat ist angezuckert, was die Angelegenheit ein bisserl „zach“ macht. Es ist zu wenig Schnee, sodass es eine Schneewanderung wäre. Es ist zu viel Schnee, sodass man auf den darunter liegenden Steinen immer wieder rutscht. Generell ist aber noch wenig Schnee in den Wiener Hausbergen. Der Wetterbericht sagt für das Wochenende Schnee vorher. Mal sehen!
Im Winterraum treffe ich ein Paar. Der Mann, in meinem Alter, mag gar nichts essen. Ihm ist flau und sonderlich fühlt er sich auch nicht. Uje, das kennen wir. Hoffentlich kommt er noch bis zum Auto. Ich gönne mir für einen Euro die Heizung im Winterraum. Die funktioniert auch. Ich staune.
Nach der Jause geht es zuerst auf den Kaiserstein. Mah, da blast es. Eiskalt ist es und wahrlich kein Genuss. Also, runter im Lauf-Stolper-Schritt über den Fadensteig. Es ist kein Eis, nur Schnee, auf der Strecke. So bin ich wieder in einer Stunde beim Auto.
Und plötzlich stehe ich mit dem Hund am Predigtstuhl (1.902m). Aber der Reihe nach! Sabine hat eine neues Handy, und das will ausprobiert sein. Ein Makro hat schon wunderbar funktioniert, jetzt geht es um Weite. Sonnig sollte es sein, oberhalb des Nebels wäre fein. Die Wetter-App sagt, dass die Nebelgrenze bei 1.100 bis 1.200m liegt. Die Hohe Wand ist damit nicht sicher. Also, entscheide ich schnell fürs Preiner Gscheid. Falls notwendig, steigen wir zur Waxriegelhütte auf. Schnell muss es sein, weil Wolken aus Südost erwartet sind, die sich sicher an Rax und Schneeberg stauen.
Beene wird der letzte Schluck Kaffee noch geduldet, aber dann müssen wir los. Mio ist jederzeit bereit und ich kann auch nach ein paar Vorbereitungen starten.
Tatsächlich sind wir bei Sonnenschein am Preiner Gscheid. Es ist nicht wolkenlos, aber die Sonne lacht. Passt doch und so brechen wir am erstaunlich mäßig gefüllten Parkplatz auf. Beene ist mit Rucksack und tadelloser Bergausrüstung am Start. Ich denke mir dabei nichts, will ich ihr doch nicht dreinreden, wie sie sich zum Spaziergang zu adjustieren hat. Ich starte jedenfalls mit Leckerli-Tasche, aber ohne Rucksack und in Turnschuhen.
Der Aufstieg zur Waxriegelhütte ist ebenso schön wie technisch unspektakulär. Natürlich gehen wir nicht die Schipiste, sondern direkt durch den Wald. Bei der Hütte angekommen, freue ich mich schon auf den traditionellen Schweinsbraten sowie Kuchen & Kaffee danach. „Na geh, jetzt bin ich g’rad aufg’wärmt. Ich bin schon davon ausgegangen, dass ma a bisserl weitergehen.“. Ah so! Na dann, die nächste Etappe ist der Entenhügel, ein Aussichtsfelsen knapp oberhalb der Hütte. Der wird kühn bestiegen, Mio muss am Fuße des Felsens warten.
Aber der Entenhügel reicht nicht. Beene hat Lust auf mehr. Da bietet sich der Waxriegelsteig an. Das nenne ich Tourenplanung on demand! Mio tut sich mit seinem Vier-Pfoten-Profil leicht. Mir hilft die Erfahrung. Beene steigt tapfer, aber es ist ersichtlich, dass der Waxriegelsteig nicht die Bedingungen eines genussvollen Abstiegs erfüllt. Hmm? Da kommt auch schon die Frage, wie lange wir zum Karl-Ludwig-Haus brauchen. Eine Stunde schätze ich und blicke etwas besorgt auf die sich verdunkelnde Wolkendecke. Ohne Regenausrüstung könnte es frisch werden, von Haube und Handschuhen ganz zu schweigen. Mio ist an der Leine und wundert sich auch ein bisserl.
Im Spaziergänger-Outfit erreichen wir sehr zum Gaudium Mios Schneefelder. Für Mio ist es der erste Schnee überhaupt. Jö, das ist eine lustige Substanz. Man kann sie fressen, darin buddeln, darauf herumfetzen und wenn man ganz tief gräbt, ist man auch wieder am selben Planeten.
Also gut, dann können wir auch auf den Predigtstuhl steigen. Und so kommt es, dass ich mit einer Hand in der Hosentasche und dem Hund an der Leine in der anderen Hand am Predigtstuhl stehe. In meinem Auftreten wäre ich ein Fall für den nächsten Bericht der Bergrettung – keine Ausrüstung, keine Planung, keine Stirnlampe, aber dafür Unterkühlung und ein Hund. So weit kommt es aber nicht, ich kenne mich aus. Wir gehen zum Karl-Ludwig-Haus weiter. Ein Pächter aus den Niederlanden hat den alten Grantscherben abgelöst. Die Hütte ist wohl organisiert und das Essen gut. Das Personal ist so gewissenhaft, dass es sogar ein Ladegerät bringt, um das entladene Handy wieder fit für den 2G-Check zu machen. Ob uns die Flachländler sonst in den Nebel gejagt hätten?
Nach Suppe, Kuchen und Kaffee geht es weiter. In der Hütte sind wir fast die letzten, die aufbrechen. Die Regel „Von drinnen sieht das Wetter immer schlechter aus!“ behält recht. Nein, Regen sollte da keiner kommen. Wir können uns unbesorgt an den Abstieg machen. Beene überholt nun auch im Abstieg erstmals andere Wanderer. Na bitte, das wird doch. Beim Auto endet der zur Bergtour mutierte Fotospaziergang. Passt!