Wandern: Predigtstuhl

Und plötzlich stehe ich mit dem Hund am Predigtstuhl (1.902m). Aber der Reihe nach! Sabine hat eine neues Handy, und das will ausprobiert sein. Ein Makro hat schon wunderbar funktioniert, jetzt geht es um Weite. Sonnig sollte es sein, oberhalb des Nebels wäre fein. Die Wetter-App sagt, dass die Nebelgrenze bei 1.100 bis 1.200m liegt. Die Hohe Wand ist damit nicht sicher. Also, entscheide ich schnell fürs Preiner Gscheid. Falls notwendig, steigen wir zur Waxriegelhütte auf. Schnell muss es sein, weil Wolken aus Südost erwartet sind, die sich sicher an Rax und Schneeberg stauen.

Beene wird der letzte Schluck Kaffee noch geduldet, aber dann müssen wir los. Mio ist jederzeit bereit und ich kann auch nach ein paar Vorbereitungen starten.

Tatsächlich sind wir bei Sonnenschein am Preiner Gscheid. Es ist nicht wolkenlos, aber die Sonne lacht. Passt doch und so brechen wir am erstaunlich mäßig gefüllten Parkplatz auf. Beene ist mit Rucksack und tadelloser Bergausrüstung am Start. Ich denke mir dabei nichts, will ich ihr doch nicht dreinreden, wie sie sich zum Spaziergang zu adjustieren hat. Ich starte jedenfalls mit Leckerli-Tasche, aber ohne Rucksack und in Turnschuhen.

Der Aufstieg zur Waxriegelhütte ist ebenso schön wie technisch unspektakulär. Natürlich gehen wir nicht die Schipiste, sondern direkt durch den Wald. Bei der Hütte angekommen, freue ich mich schon auf den traditionellen Schweinsbraten sowie Kuchen & Kaffee danach. „Na geh, jetzt bin ich g’rad aufg’wärmt. Ich bin schon davon ausgegangen, dass ma a bisserl weitergehen.“. Ah so! Na dann, die nächste Etappe ist der Entenhügel, ein Aussichtsfelsen knapp oberhalb der Hütte. Der wird kühn bestiegen, Mio muss am Fuße des Felsens warten.

Aber der Entenhügel reicht nicht. Beene hat Lust auf mehr. Da bietet sich der Waxriegelsteig an. Das nenne ich Tourenplanung on demand! Mio tut sich mit seinem Vier-Pfoten-Profil leicht. Mir hilft die Erfahrung. Beene steigt tapfer, aber es ist ersichtlich, dass der Waxriegelsteig nicht die Bedingungen eines genussvollen Abstiegs erfüllt. Hmm? Da kommt auch schon die Frage, wie lange wir zum Karl-Ludwig-Haus brauchen. Eine Stunde schätze ich und blicke etwas besorgt auf die sich verdunkelnde Wolkendecke. Ohne Regenausrüstung könnte es frisch werden, von Haube und Handschuhen ganz zu schweigen. Mio ist an der Leine und wundert sich auch ein bisserl.

Im Spaziergänger-Outfit erreichen wir sehr zum Gaudium Mios Schneefelder. Für Mio ist es der erste Schnee überhaupt. Jö, das ist eine lustige Substanz. Man kann sie fressen, darin buddeln, darauf herumfetzen und wenn man ganz tief gräbt, ist man auch wieder am selben Planeten.

Also gut, dann können wir auch auf den Predigtstuhl steigen. Und so kommt es, dass ich mit einer Hand in der Hosentasche und dem Hund an der Leine in der anderen Hand am Predigtstuhl stehe. In meinem Auftreten wäre ich ein Fall für den nächsten Bericht der Bergrettung – keine Ausrüstung, keine Planung, keine Stirnlampe, aber dafür Unterkühlung und ein Hund. So weit kommt es aber nicht, ich kenne mich aus. Wir gehen zum Karl-Ludwig-Haus weiter. Ein Pächter aus den Niederlanden hat den alten Grantscherben abgelöst. Die Hütte ist wohl organisiert und das Essen gut. Das Personal ist so gewissenhaft, dass es sogar ein Ladegerät bringt, um das entladene Handy wieder fit für den 2G-Check zu machen. Ob uns die Flachländler sonst in den Nebel gejagt hätten?

Nach Suppe, Kuchen und Kaffee geht es weiter. In der Hütte sind wir fast die letzten, die aufbrechen. Die Regel „Von drinnen sieht das Wetter immer schlechter aus!“ behält recht. Nein, Regen sollte da keiner kommen. Wir können uns unbesorgt an den Abstieg machen. Beene überholt nun auch im Abstieg erstmals andere Wanderer. Na bitte, das wird doch. Beim Auto endet der zur Bergtour mutierte Fotospaziergang. Passt!

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Klettern: Stadelwandgrat III

Gernot und ich probieren uns noch einmal am Stadelwandgrat. Diesmal verzichten wir auf einen Vorsteiger und sind damit auf uns alleine gestellt. Beim ersten Mal war auch ich im Nachstieg. Das war total ungewohnt und ich habe die Situation recht unterhaltsam und entspannt empfunden. Ich fürchte aber, dass ich mir derart nicht viel von der Tourenführung gemerkt habe. Schauen wir einmal!

Es ist einer der ersten Tage in diesem Herbst, an denen es unten nebelig und kalt ist, während oben die Sonne lacht. An diesem Tag werden wir keinen einzigen anderen Wanderer oder Kletterer treffen.

Weil wir keine G’schwinden und die Tage schon kurz sind, treffen wir uns schon um 07:15 in Brunn am Gebirge. Der Parkplatz des Stadelwandgraben ist bis auf ein Auto leer. Es ist bitter kalt und wenig einladend. Kurz vor dem „Gassl“ steigen wir aus dem Nebel, womit wir in diesemTeil des Anstiegs, der zugegebenermaßen etwas mühsam ist, schon ins Schwitzen . Beim Auto hatte es 3,5°, hier heroben ist die Temperatur sicher zweistellig. Das hat schon etwas Feines.

Diesmal erledigen wir den Zustieg schneller. Kein Suchen, wir können uns gut erinnern. Bald haben wir die Stelle, an der ein fetter, roter Pfeil in die Gegenrichtung zeigt. Ja, da sind wir richtig. Wir beginnen mit der Kletterei. Alles läuft super.

Heute finden wir viele Zwischensicherungen, auch gehen wir das eine oder andere Mal eine abweichende Variante. Speziell bei der schwierigsten Seillänge finden wir den Standplatz, an dem sich drei Optionen bieten. Die einfachste Variante ist eine Umgehung, die schwierigste Option (III+) führt direkt nach oben. Wir entscheiden uns bewusst für die IIIer-Variante wie auch das letzte Mal. Man muss ein bisserl vom Standplatz absteigen, um diese Option, die Standardoption, zu wählen.

Und irgendwann stehen wir dann am höchsten Punkt der Stadelwand. Wir haben die Tour geschafft und sind geschafft. Auf der Märchenwiese setzen wir uns ins Gras und essen Manner-Schnitten. Ein Gamsbock marschiert über die Wiese. Definitiv ruhig ist es hier.

Im Abstieg beginnt auf 1.100m der Nebel. Schlagartig wird es kalt. Das Thermometer im Auto zeigt 3,5°. Wir rauschen im Nebel nach Wien zurück. Toller Tag!

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Bergsteigen: Haidsteig – Königschusswand – Malersteig

Der Parkplatz in Griesleiten ist völlig leer. Die Sonne lacht, es ist wärmer als daheim. Vorfreude macht sich breit. Ich nehme mir vor, mich heute ein bisserl mehr dem Genuss beim Kraxeln zu widmen. Das soll heißen, dass ich das gespannte Drahtseil vorrangig zum Sichern verwenden will, während ich nach Griffen und Tritten suche. Das geht bei den Schwierigkeiten bis C ganz gut. Darüber wird diese Übung schwierig und schnell auch unmöglich für mich.

Heute verbringe ich viel Zeit bei der Schwarzen Madonna. Das liegt auch an Ingress. Ach ja, das Nerdspiel. Mittlerweile sind aber schon einige „Grüne“ da raufgekraxelt und haben das Portal in ein solides 8er-Portal verwandelt. Wenn ich die Hülle vom Handy nehme, geht es viel besser. Versteht keiner, macht nichts, ist halt so!

Der restliche Steig ist technisch selten oder eigentlich nie ein C, fast immer darunter. Ich nutze die Sicherung nicht und steige völlig entspannt und unter Musikbegleitung aufs Plateau. Dabei liebäugle ich mit der Idee, den Königschusswandsteig nur bis zum Rastplatz zu gehen, und dort auf den Malersteig zu wechseln. Aber alleine ist das vielleicht keine gute Idee. Deswegen gehe ich ja die Klettersteige, wenn ich alleine unterwegs bin. Mal sehen.

Der Südostwind bringt Saharastaub und milde Luft. Dort, wo kein Wind ist, reicht das T-Shirt. Was für ein Tag!

Beim Einstieg zum Königschusswandsteig treffe ich Garvin. Ich habe ihn schon öfters gesehen. Das erklärt sich schnell. 55 Mal ist er den Königschusswandsteig schon gegangen – bei jedem Wetter, zu jeder Jahreszeit. Oh ha! Den ÖTK-Steig, wo ich ihn auch schon mal getroffen habe, hat er gar schon 85 Mal gemacht. Da schau‘ her!

Beim Rastplatz hat mich Garvin schon wieder eingeholt. Spontan frage ich, ob er den Malersteig gehen möchte. Na ja, mit Klettern hat er es nicht so. Die Frage nach überhängenden oder senkrechten Stellen kann ich klar und entschieden mit „Sicher nicht“ beantworten. Ich überlege länger, was es denn bedeutet, wenn das mit dem Klettern doch eine blöde Idee war. Ich will ja nicht der sein, der ihn überredet hat. Garvin meint, dass er ja umdrehen kann, wenn es ihm unangenehm wird. Irgendwie bin ich sicher, dass Garvin das locker packen wird. Er macht einen mehr als fitten Eindruck und an Bergerfahrung fehlt es ganz offenkundig auch nicht.

Wir starten entgegen jeder Prinzipien – es ist nun mal nicht sonderlich schlau, mit jemanden, den man gerade Mal seit ein paar Minuten kennt, eine gemeinsame Tour zu gehen. Zumindest stelle ich mich vor. Wäre ja sonst fahrlässig! Wenn es gutgeht, sind wir in maximal 45 Minuten durch. Und, es geht besser als gut. Völlig entspannt unterhalten wir uns, während wir dem Steig folgen. Bald wechselt die Markierung von blau auf rot. Meine Rotsehschwäche bedeutet das Ende meines Vorstiegs. Garvin übernimmt und ich folge. Jede Sorge war unberechtigt. Die erste Stelle mit III- fliegt vorbei. Dann folgt der etwas unangenehme Quergang Richtung Haidsteig. Nun übernimmt wieder Garvin die Fährte mit den roten Punkten. Erst bei der „Mutprobe“ nach dem Steigbuch steige ich wieder vor. Mit meiner Kenntnis des Steiges tue ich mir leichter. Der Rest ist einfacher und wir stehen – schwupps – wieder auf der Hochfläche.

Garvin gönnt sich noch den Königschusswandsteig im Abstieg. Ich nehme die unkompliziertere Variante über den Holzknechsteig und bin pünktlich zum Kochen bzw. Essen wieder daheim.

Vormittag optimal genutzt – check!

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Bergsteigen: Rinnenspitze (3.003m)

Die Saison geht dem Ende entgegen. Das zweite Jahr liegt mein Seil, die ungenutzte RAD LINE von Petzl, im Keller. Auch die Hochtouren-Schuhe waren 2021 noch nicht draußen. Gernot und ich scherzen schon, dass eher die Gletscher geschmolzen sind, als dass die RAD LINE zum Einsatz kommt. Das ist alles ein bisschen verwunderlich und frustrierend. Aber so ist es nun mal.

Doch plötzlich tut sich ein Schönwetterfenster Ende Oktober auf. Schnee war schon gefallen, ist aber wieder teilweise weggeschmolzen. Auch die Mädels sind gut versorgt. Jasmin reitet in Oberösterreich, Carina macht Ferien allein zuhause und Mio schnuppert bei Karin die Luft der Großstadt. All das bedarf aber auch einiger Vorbereitungen. So kümmert sich Gernot um die Organisation unserer Tour.

Im Stubaital findet er die Alpenpension Pfurtscheller, zwei Zimmer sind gebucht und es stellt sich die Frage, welche Tour? Mehr als Seven Summits stehen zur Auswahl. Nach Rückfrage bei lokalen Bergführen bleiben Wilder Freiger und Rinnenspitze. Der Wilde Freiger ist mit seinen 2.000 Höhenmeter und anschließender Heimfahrt nach Wien mühsam. Die Tour alleine ist schon anstrengend. Ende Oktober müssten wir wohl im Dunklen los. Da entscheiden wir uns für die „Wanderung“, und RAD LINE und Hochtourenschuhe rasten ein weiteres Jahr.

Im Hotel versorgt man uns schon vor sieben mit reichlich Frühstück und einem üppigen Lunchpaket. Die anderen Gäste im Hotel sind zum alpinen Skifahren hier. Siehe da, wir sind nicht die einzigen, die früh auf den Beinen sind.

Mit dem Auto geht es zum Parkplatz der Oberisshütte. Es ist kalt, fast nichts los. Wir starten. Zur Auswahl stehen ein „unbewarteter“ Steig und der offizielle Steig zur Franz-Senn-Hütte. In vielen Kehren lassen wir den Talboden rasch hinter uns. Die Franz-Senn-Hütte liegt im Talboden nach dem Berglasferner und bietet sich für viele Touren im Sommer wie Winter an. Das merken wir uns mal. Heute brennt Licht und eine Lüftung pfeift laut, aber Türen und Fenster sind schon fest verschlossen.

Weiter geht es unschwierig zum Rinnensee, wo wir Zufallsgäste eines Naturschauspiels werden, wie ich es noch nie erlebt habe. Die letzten Tage haben den See glasklar zufrieren lassen und nun klettert die Sonne über die Bergkette im Osten. Es müssen Spannungen in der Eisfläche sein, die hier an diesem absolut ruhigen Ort Sphärenklange erklingen lassen. Ein bisserl erinnern die Töne an Synthesizer-Musik aus den Achtzigern. Wir staunen! Versuche, die Töne mit Steinwürfen zu verstärken, scheitern. Das muss die Sonne sein. Gleich landen Außerirdische! War gestern etwas in der Schwammerlsoße? Wow!

Irgendwann trennen wir uns wieder von dieser einzigartigen Bühne und steigen weiter Richtung Rinnenspitze. Das Gelände ist wirklich unschwierig. Die angekündigte Blockkletterei ist problemlos ohne Gebrauch der Hände bewältigbar. Und dann stehen die letzten, knappen hundert Höhenmeter an. Ein Seil und ein paar Stifte bzw. Klammern stehen aus der Wand. Oh, das kommt aber überraschend. Vielleicht hätte ich mir die Beschreibung der Tour doch durchlesen sollen.

Nach ein paar Höhenmeter liegt auch noch eisüberzogener Schnee in den Nischen. Wir haben Grödel und Pickel mit. Der Pickel bleibt am Rucksack, aber die Grödel sollen nicht unnütz rumgetragen werden. Die paar anderen Bergsteigern schaffen es ohne, aber wir haben den Komfort.

Der Klettersteig ist mit A/B klassifiziert und auch wirklich nicht schwer, doch A/B erscheint mir ein bisserl zu nieder eingestuft. An zwei Stellen kann ich mich erinnern, die einen großen Schritt und ein bisserl Armkraft verlangen. Dafür würde ich doch glatt ein B/C vergeben.

Beim Gipfelkreuz warten schon zwei Bergsteigerinnen aus Graz, die schon genau wissen wollen, was wir denn mit den Pickeln vorhaben. Meine Antwort, dass diese viele Klicks auf Instagram bringen, amüsiert die Damen. Ja, den Pickel hätten wir wirklich unten lassen können.

Der Ausblick von der Rinnenspitze ist imposant. Auch wenn man selbst nicht Teil der Gletscher ist, so hat man doch einen beeindruckenden Ausblick auf diese. So ist aus der Wanderung mit den letzten 100 Höhenmetern doch noch eine Bergtour geworden. In diesem Umfeld widmen wir uns mit Genuss unseren Lunch-Paketen. Life’s good!

Der Abstieg passt zum Saisonende. Die tiefstehende Sonne wirft lange Schatten. Alles bereitet sich auf den angekündigten Schnee vor. Wir lassen uns Zeit, sitzen auf 2.500m an einem Rastplatz. Zurück geht es denselben Steig wie in der Früh. Mit den letzten Sonnenstrahlen kommen wir zur Oberissalm. Auch hier ist es der vorletzte Tag der Saison. Kuchen und Kaffee gibt es, ehe wir wieder nach Wien rauschen.

Tolle, unschwere Tour, die auf den letzten 100 Höhenmetern erfrischend spannend wird.

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Bergrettung und Umgebung

Am Samstag sind wir ins Weichtalhaus eingeladen. Ich habe Jacken für die Bergrettung finanziert. Und wenn man schon mal in Gloggnitz ist, kann man auch die Umgebung erwandern.

Auf Facebook hat die Bergrettung Niederösterreich Wien gebeten, dass man sie nicht hängenlässt. Mit 2 Euro kann man einen Meter Seil finanzieren. Da habe ich im Frühjahr mal ein längeres Seil gesponsert. Die Folge war, dass die Dame einer Spendensammelorganisation geduldig den Sommer lang mich angerufen hat. Weil mich diese Organisation nicht vom Berg holen kann, habe ich bei der Bergrettung direkt angerufen und mich als ein williger Spender mit zu viel Geld vorgestellt. Prompt hat sich der Geschäftsführer, Lukas Turk, gemeldet und wir waren schnell einig: die Hardshell-Jacken für die Lehrwarte würden passen. Lukas meinte, dass sie sich über jede Jacke freuen. Ich meinte, dass ich – wenn schon denn schon – alle zahlen würde.

Kurz zum Beweggrund

Ein Blick in die Kindheit vielleicht? Schon seit meiner Kindheit bin ich in den Bergen. Der Vater hat die Wahrnehmung bestimmt: Alpenverein und Bergrettung sind edel. Institutionen abseits der Berge kamen hingegen fast durchgängig wesentlich schlechter weg.

Über die Jahre habe ich erkannt, dass es in der Stadt Berufsfeuerwehr und Berufsrettung gibt. Am Land sieht das anders aus, in den Bergen nochmals anders. Der Ausgang von Unternehmungen hängt im Leben immer vom Zufall ab. Gute Vorbereitung erhöhen die Chancen, aber zwingen lässt sich der allmächtige Zufall nicht. Statt Zufall kann man übrigens auch Schicksal oder der liebe Herrgott sagen.

Allermeist ist der Zufall gnädig und ignoriert Fehler. Jeder, der in die Berge geht, kennt das Gefühl bei Erkenntnis eines Fehlers oder Laune des Schicksals. Also, wenn der Stein knapp an dir vorbeisurrt und dich links stehen lässt. Na ja, und dann gibt es die seltenen Fälle, in denen man auf Hilfe angewiesen ist. Das ist mir bislang erspart geblieben. Aber das war eben Zufall – siehe oben.

Edel, wenn es Menschen gibt, die Energie und Freizeit investieren, um in solchen Situationen helfen zu wollen. Wenn ich schon selbst nicht einer von denen bin, so habe ich mir gedacht, dass ich zumindest finanziell unterstützen kann.

So kam es, dass wir ins Weichtalhaus eingeladen wurden. Anwärter für die Bergrettung müssen sich an diesem Samstag beweisen oder können sich versichern, dass sie den Aufgaben eines Bergretters gewachsen sind. Lukas empfängt uns und drückt Sabine und mir vor dem Klettergarten einen Helm in die Hand. Er möchte uns die Stationen der Eignungsprüfung zeigen. In Notwehr stellt sich Beene als Weinbergsteigerin vor. Aber da rauf? Da rauf müssen wir dann eh nicht. Der Helm schützt vor dem, was aus der Wand fallen könnte.

Vom Landesleiter, Matthias Cernusca, erfahre ich, dass mir die größte Einzelspende bislang gelungen ist. Zumindest verstehe ich das so. Vielleicht gilt der Superlativ nur für Privatpersonen. Ist ja auch nicht so wichtig. Man ist jedenfalls erfreut und auch ein bisserl erstaunt.

Fotos werden geschossen. Mio interessiert sich mehr für die Kollegin bei der Bergrettung als für ein gelungenes Foto. Strahlen halt die anderen umso mehr. Beim Mittagessen mit Lukas, Matthias und Klaus lernen wir die sympathischen Herren ein bisserl genauer kennen. Die Sonne scheint aufs Weichtalhaus, Geschichten der teils abenteuerlichen Sorte werden ausgetauscht, während im Hintergrund die Anwärter ihr Bestes geben, um in den erlauchten Kreis der Bergretter aufgenommen zu werden. Toller Tag!

Ich bin sicher, das Richtige getan zu haben und habe in keiner Sekunde einen Zweifel. Möge ich die Jacken künftig öfters sehen, aber weiterhin nie im Notfall!

Die Meldung der Bergrettung zu dieser Aktion gibt es hier.


Den Nachmittag nutzen wir für eine Wanderung von Gloggnitz zur Speckbacherhütte, wo es erwähnenswert gute Nachspeisen gibt.
Die Tour auf Garmin.


Sabines Auto bleibt in Gloggnitz und so wandern wir am nächsten Tag von Prigglitz zur Pottschacherhütte. Dort begrüßt uns Franz Eggl. Bis vor kurzem hat er die Neue Seehütte auf der Rax betrieben. Wir haben öfters geplaudert. Im Kurier war er als der berühmteste Hüttenwirt auf der Rax erwähnt. So wird er also nun von seinen Gästen begrüßt. Ganz so hat er sich noch nicht daran gewöhnt, aber das wird schon werden. Ich gebe mich als Sponsor zu erkennen. Als Bergretter hat er seit kurzem übrigens eine neue Jacke. Das passt dazu. Franz wundert sich offensichtlich. Er ist froh, dass sie kein Logo eines Sponsors trägt. Schließlich ist er ja kein „Formel 1“-Fahrer. Vielleicht hätte ich doch ein Foto von mir einnähen lassen sollen 😉
Unsere Runde auf Garmin

Klettern: Malersteig III-

Mittwoch und Donnerstag regnet es. Wenn ich schon nicht raus kann, kaufe ich mir zumindest ein neues, schönes Seil von Petzl, das allen Anforderungen genügt. Gernot und ich wollen es am Freitag ausprobieren. Das Wetter sollte sich schon am Vormittag bessern. Wishful thinking – uje!

Fürs schöne Wetter fahren wir ein bisserl später los. Zu spät darf es auch nicht sein, weil wir weder in die Dämmerung noch Dunkelheit kommen wollen. Kurz nach halbzwölf starten wir beim Griesleitenhof. Ein Auto parkt noch da, von Sonnenschein keine Spur. Im Gegenteil Nebel und feuchtes Wetter wirken wenig einladend. Wenn wir schon da sind, schleppen wir das Seil zumindest bis zum Einstieg.

Positiv ist, es regnet nicht. Kalt ist es dafür. So steigen wir mal bis zum Einstieg des Haidsteigs. Alles Nebel – man sieht die Preiner Wand nicht. Also, um die Ecke und die Wand unterhalb der Madonna entlang durch das Geröll nach oben. Steil, nicht fest und entsprechend pulstreibend geht das dahin. Im Nebel sieht man die markante Überdachung, an der wir uns orientieren könnten, nicht. Und trotzdem finden wir mit fast schlafwandlerischer Sicherheit den Einstieg des alten Königschusswandsteigs. Mystisch schaut die senkrechte Wand im Nebel aus. Das Wasser rinnt aus der Wand, und es ist irgendwie außer Zweifel, dass wir die Unternehmung durchziehen.

Okay, wir gehen mal bis zu den Sicherungen des neuen Königschusswandsteigs. Dort können wir noch immer prüfen. Es ist feucht und so entscheiden wir uns dafür, schon von unten weg am Seil zu gehen.

Die ersten Seillängen sind recht unproblematisch, einzig eine Stelle (II+) um einen Felsvorsprung braucht bei der Nässe einige Aufmerksamkeit. Beim Rastplatz im neuen Königschusswandsteig zweigt nun der Malersteig nach rechts ab. Ja, das sollte gehen! Warum nicht?

So steige ich auf den Bänder den steilen Hang querend immer höher. Bei Sonnenschein kann das keine sonderliche Herausforderung sein. Jetzt im Nebel wirkt das schon recht alpin. Okay, man sieht nicht, wie weit es nach unten geht. Nach den Querungen lande ich in einer kleinen „Schlucht“ und meine, dass ich diese rauf muss. Die roten Punkte sehe ich wieder einmal nicht. Na zack, da rauf – das wird was. Warten wir mal auf Gernot. Stand gebaut und Gernot nachgesichert. Der erkennt die roten Punkte aber schon weiter unten rechts über einen Aufschwung, die Schlucht vermeidend. Ah, das ist die erste „III-„-Stelle. Oh ha! Heute trocknet da nichts mehr ab, also beherzt hinauf. Zum Glück ist schon bald eine Zwischensicherung vorhanden. Geschafft! Nein, da kann man nicht klagen.

Danach geht es wieder in erträglicher Form rechts aufsteigend weiter, ehe irgendwann eine gerade nach oben führende Rinne erreicht ist. Diese hinauf führt eine recht schöne Kraxelei. Das neon-farbene Seil durchschneidet den Nebel. Eine ganz eigene Stimmung ist das hier. Trotzdem oder gerade deswegen wird es mir plötzlich mulmig. Der Nebel verdichtet sich und das Tageslicht nimmt ab. Nein, es ist erst drei Uhr! Aber oberhalb der nächsten Felsstufe schaut der erste Schnee vor. Nein, das brauche ich jetzt echt nicht. Die Schlüsselstelle wartet noch. Bei Schnee habe ich da gar keine Lust drauf.

Aber was soll man schon machen! Also, weiter. Wir erreichen das Steigbuch und für hier ist auch schon die Schlüsselstelle angekündigt. Der Nebel verhüllt allerdings die Ausgesetztheit und so verliert diese Stelle etwas den Schrecken. Vor der Kante gibt es einen Haken und knapp danach ebenfalls. Griffe und Tritte sind ausreichend vorhanden. So ist es eher die psychologische als die technische Schlüsselstelle. Meine Gelassenheit reicht für Fotos. Das kann also nicht so schlimm gewesen sein.

Danach steige ich über unangenehme Felsschrofen nach recht querend. Platz für meine Sicherungen finde ich nicht. Dafür sehe ich die Sicherungsanker und das Seil des Haidsteigs rechts oberhalb von mir. Na, besser geht es ja nicht! Erstens kenne ich damit unseren Notausstieg im Schlaf, anderseits kann ich dort ganz bequem sichern. Gernot kommt nach. Leider ziehe ich zu fest am Seil. So muss der arme Kerl unter Zug über die rutschigen Schrofen. Den Fehler wollen wir dann das nächste Mal vermeiden.

Diesmal ist es Gernot, der die Tour wie geplant vollenden will. Ich komme gar nicht zu meinem Vorschlag, dem Haidsteig aufs Plateau zu folgen. Auch recht. Gernot sieht die roten Punkte und steigt ein Stück vor. Ich muss vom Haidsteig wieder ein Stück runter. Der erste Schnee unter den Sohlen ist ein bisserl komisch und der Sommer mal fürs Erste endgültig abgesagt.

Bei der nächsten Sicherung löse ich Gernot wieder ab. DEr Rest sehr einfach und bald stehe ich beim Ausstieg des Malersteigs und des Haidsteigs. Gernot folgt mühelos. Yeah, damit haben wir bei diesen doch alpinen Bedingungen diesen schönen Steig durch die Preinerwand geschafft. Jubel ist angesagt!

Am Ausstieg des Haidsteigs liegt das Schneefeld jungfräulich. Da war heute wohl niemand. Der Ordnung halber steigen wir noch zum Preinerwandkreuz. Ein Besuch am Waxriegelhaus geht sich heute nicht mehr aus. Der Holzknechtsteig gibt sich von seiner entbehrlichen Seite, aber muss halt sein.

Nach der extrem kurzweiligen Tour sind wir nach sechs Stunden wieder beim Auto und erstaunlich fertig. Zumindest mir hat die Tour mal zugesetzt. So hatte ich vermutlich, das erste Mal einen höheren Durchschnittspuls und einen höheren Kalorienverbrauch als Gernot.

Wie auch immer, eine tolle Tour unter beeindruckenden Bedingungen liegt hinter uns. Noch nicht einmal daheim denken wir im Auto schon an die nächste Tour.

Details auf garmin.com

Klettern: Stadelwandgrat III

Bis II+ getraue ich mich vorzusteigen. IIIer packe ich wahrscheinlich auch noch, aber weniger gerne in Verantwortung für einen Begleiter. Und da sich Gernot in die nächste Schwierigkeit steigern will, ruft er seinen ehemaligen Kursleiter für Klettersteige an. Ich bin entspannt, werfe mein gesamtes Material mit Ausnahmen der Eisschrauben ins Auto, pfeife auf die Vorbereitung und fahre mit.

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