Gebirsgsvereinssteig

An diesem Nachmittag setzen wir eine Trainingseinheit an. So wird’s gemacht. Renate ist ein bisserl aufgekratzt. Ob es nass ist, ob es Regen geben kann, wie es diesmal ist? Aufgekratzt, aber definitiv nicht ängstlich. Man merkt, sie hat nun schon ein paar Touren hinter sich. Und mit der Erfahrung kommt das Bewusstsein für die Herausforderungen. Gut so!

Den Zustieg vom Seiser Toni aus finden wir schnell, auch wenn ich diesmal wie jedes Mal denke, dass wir zu weit sind. Da denke ich mir dann, dass ich mir das jedes Mal denke und es deswegen okay ist, aber wir diesmal wirklich zu weit sind. Alles klar? Passt aber jedes Mal.

Im Einstieg ist es gar noch feucht, aber das meistern wir schon mal. Zu sagen ist, dass sich der Fels in den letzten Jahren hier rasch abgenutzt hat. Das ist schon eine speckige Partie da rauf. Entweder schmiergelt sich der Fels der Hohen Wand extra rasch ab oder es sind hier Massen unterwegs. Heute ist jedenfalls nichts los. Deswegen sind ja wir da.

Auch die weiteren Schwierigkeiten nimmt Renate im „Vorstieg“. Steil ist es, die Hände und Arme braucht man. Eine von uns beiden strengt sich wirklich an. Der andere nicht so. Die Hängebrücke wackelt nach dem Winter auch ein bisserl mehr und gehört mal „nachgestellt“. Machbar ist sie trotzdem leicht. Danach bietet die Wand mit der Hängeleiter feine Fotomotive. Da muss man ein bisserl warten, bis man fotografieren kann. Aber dann wird’s gut.

Der Notausstieg ist erreicht. Der Rastplatz hier lässt vermuten, dass man es geschafft hat, aber man ist noch nicht ganz oben. Da wartet noch ein bisserl Kraxeln inklusive der Querung. Und diese Querung ist heute nass. Die Topo gibt der Querung ein C. Das ist auch berechtigt bei trockenen Verhältnissen, wenn die Schuhe gut auf dem steilen Fels halten. Heute halten sie nicht. Da muss der Fuß ein bisserl gezielter platziert werden. Stellenweise mag man aber keinen Absatz oder Spalt finden und da ist es dann kein C mehr, sondern ein sattes D. Zum Glück ist das Seil trocken.

Die folgende D-Stelle ist auch trocken und damit fast einfach. Der Ausstieg lässt nicht lange auf sich warten. Juchhu, Renate hat den Steig ein zweites Mal geschafft. Sehr fein! Runter geht’s den Wagnersteig.

Die Steinböcke stehen wie gewohnt herum. Zu diesen habe ich am Internet nachgelesen. Eigentlich ist so ein Steinbock erst über 2.000m anzutreffen, aber hier trotzen sie der zunehmenden Hitze. Und wie sind sie daher gekommen? Vor Jahrzehnten sind ein paar Steinböcke aus einem Gehege auf der Hohen Wand ausgebrochen. Mittlerweile ist die Population auf 100 Tiere angewachsen – je nach Angaben ein bisserl mehr oder weniger. Einige, vorrangig die Jäger, sagen, dass es viel zu viele sind. Ein Abschuss kommt in der Öffentlichkeit aber nicht so gut an. Die Ausflügler, die die Wildnis so sehr lieben, solange sie nicht wild ist, würden vermutlich protestieren. Wie auch immer, ich verstehe nun, warum Mio nicht auf die Hohe Wand darf, aber sonst eben keine Gefahr besteht, auf einen Steinbock unterhalb von 2.000m zu treffen. Ach, der Hochschwab ist auch noch eine Ausnahme. Dort wurden die Steinböcke bewusst angesiedelt. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Schafberg

Mit der Schafbergbahn auf den Schafberg und dort ein bisserl die Aussicht genießen. Und damit es nicht ganz so fad wird, noch eine Rundwanderung oben mit drei Seen. Das klingt doch gut. Lydia wählt die Turnschuhe, weil die neuen Bergschuhe unbequem geworden sind. Zum Glück schließt sie sich uns an und schlüpft noch am Parkplatz in die lange Berghose. Dreieinhalb Stunden und ein paar Höhenmeter brauchen keine sonderliche Vorbereitung. So denken wir. Renate reklamiert uns in die ausgebuchte Fahrt um 09:15 und so zuckeln wir in 35 Minuten auf über 1.700m.

Der angekündigte Wetterumschwung kommt ein bisserl eher daher – oha! Der Wind pfeift und wir haben schnell unsere Stirnbänder und Mützen auf. Erstmal geht es bergab Richtung Mönichsee. Lydia tippt dazwischen E-Mails. Sieht alles friedlich aus. Bald wird es abenteuerlicher. Da muss eine Felswand gemeistert werden. Aus der Ferne wirkt sie wild, aus der Nähe ist sie mit Seilen und Stufen versehen. Da bin ich aber froh, dass wir nicht vor drei Tagen als erste Tour den Schafberg gewählt haben. Denn hier im frischen Schnee – aber hallo! Wir sind sicher, dass damit die schwierigen Stellen auf diesem lieblichen Rundweg gemeistert sind. Lydia korrespondiert weiter, die Turnschuhe sind am Limit, aber auf der sicheren Seite.

Beim Mönichsee stören wir eine Eisbadende. Ich kann gar nicht glauben, dass sie da wirklich ins eiskalte Wasser will. Aber sie meint es ernst und ist auch in der Sache gänzlich spaßbefreit. Okay, wir schleichen uns. Mann oh!

Es folgt ein Anstieg Richtung Mittersee und Himmelspforte – meinetwegen. An der Scharte angekommen folgt dann auf der Schattseite ein Abstieg im Schnee. Oh, da könnte man überrascht sein. Sind wir auch ebenso wie unsere Füße schnell nass sind. Lydias Turnschuhe sind jetzt über dem Limit.

Der Mittersee wird bewundert, es geht weiter in einem stetigen Bergauf und Bergab Richtung Suissensee. Langsam wird es zäh. Ein Unterstand gefällt Mio sehr. Leider hat nur er eine Jause mit. Wer rechnet den bei so einer Tour mit Hunger? Ab jetzt sollte es irgendwo bergauf zur Himmelspforte gehen. Fasziniert suchen wir die wirklich steilen Felswände nach einem Weg ab. Nichts da, wird schon kommen. Da Umdrehen eh keine Option ist, gehen wir die Nordseite weiter. Die zu querenden Schneefelder werden steiler, sind aber zum Glück richtig weich. Da schau‘ her, nun ist es fix: die Tour ist anspruchsvoller als gedacht.

Und irgendwann geht es dann gerade nach oben. Oha! Bei trockenen Verhältnissen mag das eine steile, aber doch nette Wanderung sein. Nun ist da jede Menge nasser Schnee drinnen. Huch, das wird ja wirklich noch eine Bergtour. Wir schlagen so gut es geht Stufen in den nassen Schnee. Lydia ist nun wirklich mit dem falschen Schuhwerk unterwegs. Eine Spur ist vor uns. Aber die muss vor ein paar Tagen bei noch mehr Schnee angelegt worden sein. Wir machen eine Variante aus, die einen Grat über Geröll und Wiesen steil und direkt hinaufführt. Mich schreckt es nicht so, aber mit einem normalen Weg hat das wenig zu tun. Die Damen bleiben tapfer. Mio kennt so einen Mist ohnedies und wird auch heute nichts sagen.

Jetzt sind es nur noch 50 Höhenmeter bis zur Himmelspforte. Dort, wo die Seilversicherung herausschaut, kann man erkennen, dass die Stahlseile die ambitionierten Zahnradbahnfahrer links und rechts sichern . Aber nicht nur die in den Fels geschlagenen Stufen auch die Stahlseile sind teils weit unter dem Schnee. Aber hallo!

Von der Bergstation kommen immer wieder Wanderer und blicken ehrfürchtig durch die Himmelspforte in die Wand. Das Bild, das sich ihnen bietet, muss sie erschaudern lassen. Da ist eine junge Frau in Turnschuhen in den steilen Schneefeldern unterwegs. Gelegentlich sichert sie der Vater mit einem Stock. Einen kleinen Hund haben sie auch dabei! Der eine oder andere will einen Rettungsversuch starten, scheitert aber. Wird sich hier gleich ein Bergdrama abspielen? Drehen die eine weitere Folge von „Die Bergretter“ oder eher „Der Bergtrottel“?

Nur noch eine kurze Seillänge trennt uns vom Ziel, aber Seil haben wir eh keins dabei. Umdrehen ist eine Option, aber keiner will die Schneefelder wieder runter. Nicht einmal Mio.

Neugierige Blicke von Wanderinnen in T-Shirts und Shorts, die da oben recht fröstelnd aber zumindest in der Sonne ihren Hals über die Kante vorschieben, treffen uns da in der Nordwand unter der Himmelspforte. Mio startet durch, verirrt sich, hängt aber an der Leine. Na, wenn das nicht Stoff für eine eigene Folge dieser Bergretterserien ist!

Da schicken wir Renate los. Sie ist unerschrocken genug, um sich den Weg über das letzte Schneefeld zu bahnen. Da kommt auch schon der erlösende Ruf von oben: „Alles easy, ab da geht es gut! Ihr könnt kommen!“. Na bitte, geht ja. Unter Ohs uns Ahs erreichen wir den Ausstieg.

Auch wenn es nicht ganz so wild war wie beschrieben, zeigt es ein weiteres Mal, wie leicht man in den Bergen in Nöte kommen kann. Wenn der Schnee ein bisserl härter gewesen wäre oder wenn mehr Schnee eingeweht worden wäre, hätte es schlecht ausgesehen. Wahrscheinlich wären wir dann eher umgedreht. Vielleicht auch nicht, den keiner kann die Bedingungen hundertprozentig vorhersagen. Deswegen mein Appell an alle: seid gnädig mit den „Vollpfosten“, die in Turnschuhen mit einem Hund an der Leine plötzlich weder vor noch zurück können. „Unverantwortlich“ und „deppert“ sind die Attribute, die da schnell in den sozialen Medien verwendet werden. Also, wir waren weit von einer Notsituation entfernt. Anderseits vielleicht auch gar nicht so weit weg, wenn ein paar Grad Celsius weniger, Regen und die Angst dazukommen.

So hatten wir eine überraschend kurzweilige Rundwanderung, die letztlich mit einem ausreichenden Sicherheitspuffer ihr gutes Ende gefunden hat. Wir hatten gar noch Zeit für ein Mittagessen im Berghotel Schafbergspitze vor der gebuchten Abfahrt ins Tal.

Mitgenommen haben wir neben den intensiven Eindrücken auch die gar nicht neue Erkenntnis, dass selbst einfache Touren eine gute Planung brauchen.

Noch im Auto klingen die Eindrücke nach, wie aus der harmlosen Seenrundwanderung aufgrund des Schnees eine alpine Erfahrung geworden ist. Jepp, das war mal was!

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Braunedlkogel (1.894m)

Tag 2 unseres Mondseeaufenthalts ist da. Renate ist nach Wien gereist und unterbreitet ein Angebot. Mio wollen wir heute Schnee bieten. Über 1.300 Meter sollten die Chancen dafür noch gut stehen. Wir suchen und suchen mit den vorgegeben Werten für zu bewältigende Höhenmeter und Tourenlänge. Die Wahl trifft auf die Postalm und den Braunedlkogel.

17 Euro beträgt die Maut auf der Privatstraße. Da habe ich mich schon einmal gewundert, was es so gibt. So halte ich mich diesmal nicht wieder mit den Gedanken auf, nach welchen Kriterien die Allgemeinheit die Kosten für eine Straße übernimmt und wann sie das nicht tut. Jetzt, wo ich diesen Beitrag tippe, komme ich schon wieder ins Grübeln.

Wie auch immer, die geplante Anreise biegt bald von der Asphaltstraße in eine Schotterstraße Richtung Rettenegghütte ab. Ein Schranken macht der holprigen Fahrt bald ein Ende, und wir bekommen noch ein oder zweihundert Höhenmeter dazu. Macht nichts, wir starten. Mio hat nach wenigen Metern seinen Schnee und ist vor Freude ganz aus dem Häuschen. So soll es sein.

Erst geht es über eine Almwiese und einen eher flachen Schotterweg mit tollem Panorama dahin. Der Föhn bläst und wir sind froh, noch Gewand dabei zu haben. Der Weg biegt ab, wird steiler und ein kleiner Nassschneerutsch legt sich über den Steig. Wir lassen uns nicht abschrecken und steigen höher. Die Schneefelder werden häufiger. Jetzt, am letzten Apriltag, sind sie durch und durch nass. Meine Füße bleiben nicht lange trocken. Aber alles ist machbar. Wir folgen einer frischen Spur und sind dankbar darüber.

Hundert Höhenmeter unter dem Gipfel kommt uns dann der einsame Bergsteiger entgegen. Er kennt sich hier aus. Ich bedanke mich für die Spur und frage, ob man auch über die Nordostseite absteigen kann. Kann man, aber wird halt viel Schnee sein.

Den Gipfel erreichen wir dann rasch, die Jause wird verzehrt und Mio bekommt traditionell auch etwas. Da schaue ich so weit möglich in die unverspurte Route und erkenne, dass es steil ist. Okay, das hat die Karte schon verraten. Und dass wohl einiges an nassem Schnee anzutreffen sein wird. Lydia stört es nicht, wenn wir denselben Weg wieder zurückgehen. Mio auch nicht, und ich kann auch damit leben. So steigen wir nach herrlichem Rundblick wieder unsere Spur hinunter zum Auto.

Der Braunedlkogel ist damit erledigt. Ein tadelloser Tag in den Bergen war das! Die Beine haben auch etwas getan, und nach den zwei Tagen steht definitiv nun ein Erholungstag an. So wird’s gemacht!

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Drachenwand

Lydia gönnt sich nach Projektende eine Woche Auszeit und so treffen wir uns am Mondsee. Renate, Mio und ich kommen aus dem Osten, Lydia aus dem Westen. Für den ersten Tag haben wir uns den Klettersteig auf die Drachenwand vorgenommen. Das ist ein Klettersteig der Schwierigkeit C bzw. C/D, wenn man die Hängebrücke umgeht. Das klingt nicht schwer und sollte als Einstieg passen. Die Berge in der Umgebung sind ordentlich angezuckert. Facebook sagt, dass der Steig und der Abstieg schneefrei sind. Das Wetter passt, und es ist Montag. Das sollte also alles perfekt passen.

Der Parkplatz lässt vermuten, dass hier an Wochenenden und Feiertagen die Hölle los sein muss. Aber an diesem Montag ist wenig los. Statt den Leuten ist der Wasserfall da. Beeindruckend fällt er neben dem Steig nach unten. Lydia hat sich ein Klettersteigset und neue Bergschuhe geleistet. Los geht’s!

Schwierigkeit B soll das hier neben dem Wasserfall sein? Da schau her! Das erscheint uns aber schwieriger, wenngleich auch nicht schwer. Aber wenn das B ist, dann…?

Am oberen Ende des Wasserfalls holen wir uns beim Überqueren desselben gleich mal nasse Füße. Nachdem Renate rechts durchs Wasser ist, möchte ich Lydia vorzeigen, wie das hier ein echter Bergfex angeht und steige dabei prompt ins Wasser, verheddere mich in den Armen des Klettersteigsets und mache, kurz gesagt, keinen guten Eindruck. Nach Lydias Überquerung, ebenfalls satt im Wasser, steigen wir also mit gut gekühlten Hufen weiter.

Steil ist das da, lang ist das da! Etwas überraschend, aber noch nicht wild. Ich hätte aber schon eher mit einem leichten Herumkraxeln gerechnet, als mit einem ordentlichen Klettersteig.

Renate steigt forsch vor. Gelegentlich hört man ein zuversichtliches „Ich schaff‘ das!“ und „Ich kann das!“ von oben. Dahinter folgen Lydia und ich in respektvollem Abstand. Habe ich schon erwähnt, dass der Steig länger als erwartet ist? Dann sind wir bei der Abzweigung. Rechts die kühne Hängebrücke, links die Umgehung in C/D mit guten Möglichkeiten, die Damen auf der Brücke zu fotografieren. Auch das C/D hat es in sich, hält mich aber nicht auf und ich hänge fotobereit in der Wand.

Vis-a-vis sehe ich die Leiter, die um den Felsen biegenden Damen und ein vertrautes „Boah! Na, bravo!“. Aber die Damen sind kein bisserl zögerlich. Renate fragt, wo man sich denn da einhängen soll. Mit der Beantwortung tue ich mir aus der Ferne schwer, aber die Frage war wohl ohnedies rhetorisches Stilmittel, denn schon ist sie über dem Abgrund unterwegs. Fotos werden geschossen, ehe Lydia ebenso vorgeht. Aha, ich staune. Mir soll es recht sein

Wir klettern weiter und der Steig ist doch länger als erwartet. Aber das habe ich schon weiter oben geschrieben. Allzu endlos können 385 Höhenmeter jedoch nicht sein und so sitzen wir bald nach ein paar Gipfelfotos oben und genießen unsere Jause. Der Ausblick auf den Mondsee ist eine Freude. Ein paar Fotos schießen wir noch beim Drachenloch. Schwindel ist den beiden Damen fremd. Ich bin nicht ganz so sicher, ob ich da ebenso entspannt auf dieser ausgesetzten Felsbrücke gestanden wäre. Die Fotos gelingen jedenfalls.

Dann kommt noch der Abstieg, vor dem am Internet so eindringlich gewarnt wird. Heute ist es trocken und wir vermögen die Gefahr nicht zu erkennen. Nach dem Gegenanstieg werden die Schilder eindringlicher. In allen Varianten wird gewarnt, wie verheerend ein Sturz hier wäre. Aber es ist trocken und so sehen wir uns auch hier keiner sonderlichen Gefahr ausgesetzt. Dass es trocken ist, ist eigentlich paradox, denn der Wasserfall, der im Sommer ganz versiegt, ist dieser Tage sehr gut gefüllt.

Wir erreichen jedenfalls das Auto unbeschadet. Bei der Jüngsten in der Runde zittern die Oberschenkel gewaltig. Da muss eine Ladung Magnesium nachgefüllt werden. Bei der zweitjüngsten Teilnehmerin schnalzt 50 Meter vor dem Auto das Knie und so werden es noch anstrengende 50 Meter für Renate. Wir danken es wem auch immer, dass das nicht mitten im Steig passiert ist. Uppsi!

Alles andere war und ist fein. Mio hat den Tag bei einer Betreuerin am anderen Ufer des Sees verbracht. Obwohl auch andere Hunde zu Besuch da waren, war Mio wohl fad. Das vermute ich unbestätigt, denn wie so oft schweigt er dazu. Er freut sich jedenfalls, dass wir wieder da sind und wir freuen uns über einen spannenden und leicht unterschätzten, aber letztendlich souverän gemeisterten Klettersteig.

Breite Ries – Wurzengraben

Heute habe ich mich mit einem Auerhahn geprügelt! Das ist natürlich etwas verstörend, zumal ich davon ausgegangen bin, dass ich mich nie wieder in meinem Leben mit jemandem prügeln muss. Aber kurz vor dem 56. Geburtstag war es so weit. Und der Tag war ohne Auerhahn auch schon nicht fad. Aber der Reihe nach!

Mio und ich nehmen uns die Breite Ries vor. Nein, nicht auf Skiern mit Schwung in der Abfahrt, sondern im Aufstieg mit Schnaufen. Elf Stunden Sonne hat der Wettbericht am Vorabend noch gemeldet, aber das schaut eher nach elf Minuten aus. Zum Glück habe ich extra viel Gewand mit. Na ja, wir starten in Losenheim und sind bald in der Breiten Ries. Hier beginnt auch der Schnee.

Da die Sonne hinter den Wolken steckt, ist der Schnee hart und tragfähig. Das ist gut so, jedenfalls besser als bei jedem Schritt einzubrechen. Ich lege die Steigeisen an und schnalle sie mit Körbchen an die leichteren und bedingt steigeisenfesten Bergschuhe. Schauen ma a mal! Mio bekommt das Brustgeschirr umgeschnallt. Schließlich wird es ja oben steiler und ich kenne ja den Experten. Mio ist stolz wie Oskar: endlich auch mal Equipment für ihn. Los geht’s! Mio hat Freude am Schnee, rennt rauf und runter. Ich nur rauf, dafür deutlich langsamer.

Viel Schnee ist nicht. Mit Skiern sollte man nicht zu schnell unterwegs sein. Wer stürzt und einen herausragenden Felsen erwischt, kann übel bedient werden.

Mit den Höhenmetern wird es steiler. Mios Begeisterung für Sprints nimmt ab. Die herausragenden Felsen nutzt er schon für eine Rast. Ganz so sicher fühlt er sich nicht mehr. Okay, er sagt nichts, aber ich nehme ihn trotzdem an die Leine. Der Wind fällt die Breite Ries runter, sodass es richtig ungemütlich ist. Die Engstelle verschwindet immer wieder im Nebel. Wir steigen höher. Manchmal helfen uns Trittspuren, die allerdings bergab angelegt sind und entsprechend weit voneinander entfernt sind. Irgendwann entwickeln wir eine Strategie und folgen den Aufstiegsspuren eines Tourengehers, der hier offensichtlich bei wärmeren Bedingungen unterwegs war.

Mittlerweile fühlt sich Mio nicht mehr so richtig wohl. Sein steigeisenloser Allrad verliert gelegentlich den Grip. Ich wünschte, ich hätte die schwereren Schuhe und will allgemein nicht so recht. Das Wetter ist bescheiden, und ich mache mir Sorgen wegen Mio. Aber ohne Hund würde ich weitergehen und Mio sagt nichts. Also, weiter! Ich kenne die Strecke von der Abfahrt und der Höhenmesser meint, dass es bald ein Ende haben wird.

Der Tourengeher hat nun auch offensichtlich die Skier auf den Rucksack gepackt. Eine erste, schwach ausgeprägte Treppe führt den steilen Harsch gerade hinauf. Die Stufen werden allmählich breiter, zumal hier wohl auch das Ende für jene Tourengeher erreicht ist, die es wissen wollen. Steil ist es, aber das merke ich in den gefrorenen Stufen nicht so sehr. Mio ist der Steilheit völlig ausgesetzt, murrt aber weiterhin kein bisschen. Und irgendwann ist es auch geschafft, wir stehen am Einstieg in die berühmteste Steilabfahrt im Schneeberggebiet. Müde ziehe ich mir weiter Schichten an, ehe ich in den Steigeisen über das gefrorene Plateau die paar Meter zur Fischerhütte weitertaumle.

Nach üppiger Jause und per Euro aktivierter Wandheizung steigen wir mit erholter Batterie den Wurzengraben ab. Nein, da kann man auch nicht mehr mit den Skiern fahren. Na ja, wenn man öfters die Skier trägt, geht es schon. Aus meiner Sicht ist die Saison 2023/24 extra früh aus. Wir traben dahin. Kein Mensch weiterhin weit und breit, kein Schnee beim Ende des Hoyosgrabens. Schneerosen und Waldboden übernehmen das Bild.

Jetzt noch die Querung vom Fadenweg zur Edelweißhütte. Ich wähle die einsamere, untere Variante ohne Höhenmeter. Mio läuft weit vor, da höre ich Geräusche, die wirklich nicht hierher gehören. Ich schau‘ mich um: „Was soll das?“. Und siehe da, auf einem Felsen im Wald ein Stück oberhalb vom Weg pudelt sich ein Auerhahn wie ein Hausmeister auf. Jö, schau‘, das sieht man selten. Ich drehe um, sodass ich ein Foto schießen kann. Der Auerhahn zögert nicht und schwattelt den Waldhang zu mir herunter auf den Wanderweg. Ein bisserl gar echauffiert wirkt er. Ich schieße zwei Fotos. Nein, um fotografiert zu werden, ist er anscheinend nicht da. Der meint es unfreundlich mit mir. Was tun? Ich schreie ihn an und hoffe sogleich, dass niemand mich gehört hat und die Bergrettung verständigt. Der Plärrer zeigt nur kurz Wirkung. Ich schlage mit den Stöcken vor mir so fest aufeinander, dass ein Stock bricht. Von Mio keine Spur! Wenn man den Hund braucht, ist er nicht da. Jetzt wäre seine Chance da.

Okay, ich werde mich also mit einem Stock verteidigen. Da höre ich endlich ein Knurren. An dieser Stelle gehen übrigens unsere Wahrnehmungen auseinander. Mio meint, dass er sich vor mich gestellt hat. Ich erinnere mich, dass das Knurren von hinter mir gekommen ist. Na ja, wir einigen uns, dass Mio an meiner Seite gekämpft hat. Der Vogel ist nun wirklich sehr nahe, sein Schnabel sieht ungemütlich aus.

Das Internet sagt, dass beim Herrn Auerhahn Anfang März die Balz beginnt und er in dieser Zeit mit einem 100-fachen Testosteronspiegel durchs Leben rennt. Diese kleinen Testosteron-Trotteln keine ich allzu gut aus meiner Jugend: chancenlos, aber furchtlos und immer dreister, wenn man sie gewähren lässt.

Nochmals, was tun? Vielleicht gefällt ihm meine bunte Jacke. Polizei und Vier Pfoten empfehlen sicher, dass ich gegenüber dem Aggressor keinen Widerstand leisten und ruhig und besonnen das Geforderte übergeben soll. Aber der Gefiederte sieht doch ein bisserl aufgeplustert aus. Ich wähle die Variante „Dosierter Schlag gegen das Haupt“. Ich will den Vogel nicht verletzen, aber doch klar machen, dass hier das Theater ein Ende zu haben hat. Also, zack und Treffer! Das Tier beutelt den Kopf und spürt dank dem 100-fachen Testosteron wohl wenig. Schmacko, zweiter Treffer! Also, hätte ich den abgekriegt, würde ich etwas spüren. Noch hat sich in mir keine Panik breitgemacht und ich habe weiterhin tierlieb dosiert. Ah, der zweite Hieb zeigt Wirkung: der Angreifer zeigt sich einerseits klar unverletzt, anderseits doch etwas reflektierend. Der Angriff ist gestoppt. Mio und ich schieben rückwärts ab, der Auerhahn schaut ein bisserl verstört. Mio möchte nun die Gelegenheit für einen Angriff über die Bergflanke nützen. Nur der Auerhahn hat wohl gecheckt, dass das leichte Surren im Spatzenhirn von meinem Stock kommt und nicht vom Hund. Der Flankenangriff bricht umgehend in sich zusammen. Mio und ich ziehen uns weiter zurück. Der Vogel sieht uns leicht, aber nicht völlig triumphierend nach.

Den Tierschützern hier sei versichert: der Auerhahn ist unverletzt, also physisch unversehrt. Wie sehr die Aktion seinem Ego und seiner Psyche geschadet hat, weiß ich nicht. Letztlich sind aber wir zwei Helden im Rückwärtsgang abgezogen. Das sollte ihm als Sieg reichen, auch wenn das Kopferl ein bisserl brummt.

Das Internet sagt, dass meine Begegnung mit dem Auerhahn eine sehr seltene war. Sehr selten war auch, dass mich der Vogel angegangen ist. Am Internet findet man ein paar Videos aus aller Welt, die einen Angriff zeigen. Na fein! Im Falle einer Attacke soll man sich mit einem Stock verteidigen und sich aus seinem Revier verziehen. Habe ich es richtig verstanden, so ist sein Revier riesig. Ich hoffe, ich muss nicht das Land verlassen. Aber sonst scheinen Mio und ich alles richtig gemacht zu haben.

So geht dann ein spannender Tag zu Ende. Für Mio war es ein bisserl viel. Erstmals steigt er nach einer Wanderung unaufgefordert ins Auto, wo er unmittelbar in tiefen Schlaf verfällt. Sachen gibt’s!

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Krummbachstein

Ein ruhiger Montag an der ruhigen Seite des Schneebergs steht an. Renate, Mio und ich fahren nach Kaiserbrunn und parken als einzige Wanderer hier an diesem Tag. Wir starten Richtung Krummbachsattel. Die Route habe ich online geplant. Das kann mitunter herausfordernd werden. Dort, wo der Miesleitensteig nach rechts steil abzweigt, begrüßt uns gleich ein Schild „Futterstelle – Bitte nicht betreten!“. Mann oh! Wer so freundlich bittet! Ich überlege. Also, die Futterstelle berücksichtigt den Klimawandel nicht, es ist frühlingshaft, von einer Schneedecke keine Spur. Wild sollten wir da nicht stören. Wir prüfen mal die Lage, Mio kommt an die Leine und siehe da, schon nach 100 Metern liegt die Futterstelle hinter uns und auch die frischen Reifenspuren enden. Ich denke, da haben wir niemanden gestört.

Vermutlich sind wir den Brettschachersteig gegangen. Wild romantisch ist das hier und selten begangen. Mio zischt vor, uns gefällt es. Ebenso vermutlich steigen wir weiter über den Brandsteig auf zum Krummbachsattel. Fast immer finden wir einen Pfad, oft auch Markierungen.

Am Krummbachsattel sehen wir dann erstmals Wanderer. Sie sind Richtung Schneeberg unterwegs, wir drehen aber nach rechts Richtung Krummbachstein ab. Allmählich macht sich eine Schneedecke breit und kalt wird es auch. Die Alpenvereinshütte kommt und bald der Krummbachstein. Es ist mittlerweile richtig ungemütlich geworden. Ich kann die Finger kaum noch bewegen. Renate zieht sich gar trockene Sachen an. Schon beim Zuschauen wird mir nochmals kälter. Aber Mammut bringt es in Ordnung. Ausgerüstet sind wir gut. Ein paar Fotos sind auch noch möglich, aber dann geht es rasch runter zur Knofelebenhütte.

Der Winterraum ist uns recht. Würstel, Weckerl, Paprika und Schoko fühlen die Speicher. Mio bekommt auch ein Würstel, ausnahmsweise! Der Wirt hat Getränke aufgestellt. Wir sind aber bestens versorgt. Trotzdem werfe ich Geld für zwei Getränke in die Kassa. Jemand muss sich ja um den Raum kümmern.

Wieder erstarkt geht es von der Hütte über den Miesleitensteig nach Kaiserbrunn. Laut Renate der beste Abstieg seit langem. Der Holzknechtsteig vom letzten Mal hat sich wohl eingebrannt.

So geht eine tadellose und ermüdende Wanderung zu Ende. Fein war’s und wir haben wieder ein bisserl Kondition aufgebaut für die ambitionierten Pläne 2024!

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Haidsteig mit Renate

Zwei Tage sind vergangen seit meiner letzten Begehung. Tja, der Schnee ist weg, der Frühling ist da. Renate ist auch mit dabei. Von den Schneefotos inspiriert mussten noch schnell eine neue Jacke und Handschuhe her. Die Tour verläuft ohne Zwischenfälle. Renate ist bei ihrer Zweitbegehung wieder überaus tapfer und geschickt. Sie investiert ein bisserl viel Energie, was dann in Summe doch recht anstrengend wird. Aber so ist es eben.

Bei der Madonna rasten wir in T-Shirts bei Windstille im Sonnenschein. Das sind ganz seltene Bedingungen. Nach der Rast ist das Weitergehen immer extra anstrengend, aber die technisch schwierigsten Stellen liegen hinter uns. So arbeiten wir uns allmählich zum Plateau hoch. Am Gipfelkreuz schießen wir Fotos mit Selbstauslöser und genießen eine Jause. Das hatte ich, so weit ich mich erinnern kann, noch nie!

Der Abstieg über den Holzknechtsteig ist für mich vertraute Mühsal. Renate kennt den Steig nicht, kämpft mehr und ist dann mehr als froh, als wir endlich wieder beim Auto sind.

Feiner Tag bei selten guten Bedingungen!

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Haidsteig

Oh, wie weiß Schneeberg und Rax in der Morgensonne am Horizont glänzen. Da könnte man Sorge haben, dass man als Bergsteiger heute fehl am Platz ist. Aber zu oft bin ich schon in Vorfreude auf eine Skitour enttäuscht worden, da beim Näherkommen der Schnee immer weniger wurde. So ist es auch diesmal, und es lässt sich nicht leugnen, dass es ein bisserl drauf geschneit hat.

In Griesleiten parkt ein Auto, mehr als ich dachte. Schon im Anstieg hole ich einen Bergsteiger ein, der sich auch den Haidsteig vorgenommen hat. Auch mehr, als ich dachte.

Nach dreihundert Höhenmeter beginnt der Schnee, und es ist unverspurt. Meine Zuversicht lässt sich aber nicht dämpfen. Beim Bachingerbründl hat sich der Sturm ausgetobt und Bäume kreuz und quer geworfen. Falls da einer also zufällig eine Motorsäge dabei hat oder sein neues Weihnachtsgeschenk ausprobieren will, hier gäbe es zu tun!

Der Haidsteig ist an sich unspektakulär. Ich habe mir die Grödel an den Hüftgurt gehängt, aber brauche sie bis oben nicht. Im Steig ist ein bisserl ein Schnee, und da ich der erste bin, muss ich den einen oder anderen Tritt von leicht zu lösendem Eis befreien. Das gibt mir ein bisserl so ein Eigernordwand-Feeling.

Am Plateau weht dann der Wind anständig. Ich bin mittlerweile so gut ausgestattet, dass mir das nichts anhaben kann. Die neue Jacke hat nicht nur eine herausragende Farbe, sondern ist wirklich tadellos. Die Mädels haben gefragt, ob sie aufgrund der Farbe billiger oder im Abverkauf war. Dass sich so etwas jemand freiwillig aussucht,…

Runter geht’s dann den Holzknechtsteig. Zum größten Teil ist er abgeweht. Die Grödel leisten hier aber auch gute Dienste. Der Weg, wenn man ihn denn findet, ist mit Schnee eingeblasen. Das Lustige ist, dass von oben bis unten eine Gams dieses Schneeband genommen hat. So wie ich! Ist ihr das angenehmer als das Geröll? Oder ist das nur eine Täuschung, weil ich die hunderten Spuren der Gämsen an den abgeblasenen Stellen nicht sehe. Das klingt plausibler, aber warum ist das eine, oder waren es mehrere, Tier da runter spaziert. Ich mach mir Gedanken.

Am Ende des Holzknechtsteigs sehe ich Fußspuren. Oh, hat da jemand umgedreht? Heißt das, dass ich heute der einzige war, der Ulli besucht hat. Gut möglich.

Ich mag die ruhigen Tag am Berg. Wenn dann noch ein bisserl Schnee liegt, der Himmel aber trotzdem blitzblau ist, hat es etwas ganz Besonderes. Wer das auch mal genießen und nicht mit Selbstdarstellern, pardon Influenzern, am Steig im Stau stecken will, sollte mal so einen Mittwoch im Februar in Erwägung ziehen. Okay, es ist Valentinstag! Keine Sorge, den habe ich eh nicht vergessen. Es geht eh noch frisch geduscht nach Wien zu Renate.

Die Tour auf Garmin – Heute war ich mit mehr als eindreiviertel Stunden im Aufstieg langsam. Das mag am Bachingerbründl und am Eis liegen. Aber der Hauptgrund ist wohl meine Konstitution. Einerseits freue ich mich, dass ich mit meiner neuen Hüfte schon wieder voll mobil bin, anderseits merke ich, dass mir noch viel auf meine Form von vor drei Jahren fehlt. Da war ich um mehr als eine halbe Stunde schneller. Schauen ma a mal!

Waxriegelsteig – Predigtstuhl

Ein gläserner Eisdeckel soll die Rax überziehen. Die Bergrettung hat mit gestürzten Bergsteigern emsig zu tun. Einbrechen werden wir im Schnee nicht, das Wetter soll sonnig werden. Passt also.

Klettern will Renate nicht. Stattdessen also eine ausgedehnte Runde mit Mio. Schon der Parkplatz gleicht einem Eislaufplatz. Da hat man uns also nicht zu viel versprochen. Die Tour ist insgesamt sehr angenehm, weil die Bedingung „wanderfreundlich“ sind, sofern man denn Zacken oder zumindest Krallen an den Füßen/Pfoten hat. Die Runde läuft bis auf zwei Zwischenfällen tadellos ab. Im Aufstieg falle ich einmal wegen Drängelns in Ungnade. Mio versteht sofort und geht 30 Meter vor. Auch für mich ist es unmissverständlich und ich gehe 20 Meter hinten nach.

Den Abstieg durch den Karlgraben traue ich uns dann doch nicht so ganz zu. Es ist schon sehr eisig. Mio hat im Aufstieg schon ein bisserl gekämpft. Wir müssen also einiges queren. Das ist aber bei den Bedingungen gar nicht so lustig. Selbst dort, wo es auffirnt, besteht Sturz- und damit Absturzgefahr. Das probiert Renate auch aus, fängt sich aber noch. Keine Sorge, sie wäre nach zehn, zwanzig Metern fürsorglich von Haselnussstauden oder ähnlichem aufgefangen worden. Jedenfalls konnte ich noch vor dem drohenden Abgang ein Foto schießen.

Alles in allem ein tadelloser Tag!

Schneeschuhe Jakobskogel

So stehen wir vorm Spar in Reichenau, und es regnet. Entscheidungen sind zu treffen. Nehme ich die Käseleberkäsesemmel oder lieber den Leberkäse mit Chilli? Daheim habe ich noch die Schneewolken am Regenradar gesehen, aber lieber dem Wetterbericht geglaubt, der trockenes und sich besserndes Wetter versprochen hat. Nein, zwei meiner drei Begleiter wollen nicht auf den Predigtstuhl. Einer sagt wie immer nichts. So stehen wir dreieinhalb in feinster Mammut-Ausrüstung am Parkplatz und sondieren die Optionen. Der eine ohne Stimme und ohne Mammut-Ausrüstung sondiert meine Leberkäsesemmel. Der wird aber schweigend auf seinen Auslauf bestehen. Heimfahren und in Breitenfurt spazieren, das wäre eine volle Niederlage. Also, warum nicht mit der Bahn aufs Plateau!

Fünf Gäste sind an diesem Tag mit den vorherigen Gondeln schon nach oben gefahren. Wir haben eine Gondel für uns. In dieser halben Stunde hat sich also kein weiterer Fahrgast gefunden. Und siehe da, oben schneit es üppig. Der Wetterbericht liegt völlig daneben. Schon nach hundert Metern und ein paar Fotos drehen wir um und holen uns Schneeschuhe, die unter der Woche kostenlos verliehen werden.

Was folgt, ist ein unerwartet kurzweiliger Ausflug. Erfrischend würde es auch treffen. Aber die Ausrüstung trotzt den Bedingungen. Meine zwei Begleiter haben die äußerste Schicht gleich daheim gelassen. Angesichts des Wetterberichts verständlich, angesichts der tatsächlichen Bedingungen verwunderlich. Der Schnee fliegt waagrecht, Mio hält sich zumindest gut am Boden.

Das Ottohaus erinnert mich jedes Mal an die Villa aus Hitchcocks „Psycho“. Heute ist es auch nicht einladender, wir marschieren weiter und holen uns den Gipfel! Am Jakobskogel ist es dann so richtig unwirtlich und wir steigen nach ein paar Fotos ab. Sogar Mio ist anzusehen, dass ihm die vom Wind losgerissenen, bodennahen Eiskristalle beißen. Am Rückweg kehren wir in der Psycho-Villa ein. Der Winterraum verdient unter diesen Bedingungen fünf Sterne. Mio möchte ins Notbett, darf er natürlich nicht. Wieder im Freien ist es mit dem besseren Wetter endgültig vorbei. Der prognostizierte Sturm hat eingesetzt. Mio möchte wieder in den Winterraum. Der Rückweg ist dann aber erstaunlich entspannt. Fast ein bisserl fad.

Der Todeszone entkommen, gönnen wir uns Gamsgeschnetzeltes und Wildschweingulasch. Die Nachspeisenvitrine stellen wir gleich bei uns ab. Das abgesicherte Leben hat uns wieder. Die Gefahren sind wieder die vertrauten, Zucker und Fett.

Die Gondel gehört uns wieder allein. Auf halber Fahrt geht der Niederschlag in Regen über. Unser Ausflug in den Winter „wie früher“ ist zu Ende. Ebenso überraschend wie lohnend war unser spontaner Abstecher. Passt!

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