Gretchensteig

Langsam zweifle ich auch schon an, was die Klimaforscher sagen und werde zum Anhänger einer Verschwörungstheorie, leider halt mit anderem Vorzeichen. Aber dazu später. Gestern sind meine neuen Grödel angekommen. Die habe ich bestellt, da ich letzte Woche ein Grödel – der Duden sagt, dass Grödel ein Mehrzahlwort ist, aha! – verloren habe. Verloren und heute wieder gefunden – jetzt habe ich mit drei Paar doch zu viele Paare! Aber der Reihe nach.

Gernot begleitet uns auf die Rax. Wir sind alle nur halb ausgerüstet, weil der Plan war, die Mautstraße vom Pfaffensattel zum Alois-Günther-Haus zu spazieren. Gernot hat nicht einmal einen Rucksack mit. Trotzdem entscheiden wir uns für die Rax. Da geht heute mehr. Nicht viel mehr, aber doch mehr.

Am Preinergscheid geht – Achtung, Novum! – kaum ein Wind. Entspannt starten wir Richtung Reißthalerhütte. Gernot ist in seinen Christkindlmarktschuhen unterwegs und zieht sich meine XL-Grödel über. Auch Renate und ich entscheiden uns für Grödel – wir haben ja genug. Durch den Wald und auch danach ist wahrlich nicht viel Schnee. Aber ab der Baumgrenze wird es absonderlich. Es riecht nach Frühling, die Jacken haben wir in die Rucksäcke gestopft, ich suche nach den ersten Schneerosen, wir haben den 22. Jänner.

Nun zur Verschwörungstheorie: ich mag nicht glauben, dass sich das Klima erst um weniger als 2 Grad erwärmt hat. Hier nicht, hier muss es deutlich mehr sein – warum? Selbst bei vorsichtiger Schätzung liegt die Temperatur um 10° bis 15° zu hoch, es hat deutlich Plusgrade. Okay, das ist nur ein Tag und damit das Wetter und nicht das Klima. Zum Ausgleich müsste es an einem anderen Tagen um 10° weniger haben. Wenn man im Jänner auf 1.500m also Mitte Jänner -10° erwarten kann, müsste es nun einen anderen Tag mit -20° oder tiefer hier heroben geben. Natürlich können es auch zwei Tage mit -15° sein, um den Schnitt zu retten,.. Faktisch sind wir letzte Woche auf der Terrasse am Nachmittag um drei in der Sonne gesessen. Noch so ein „heißer“ Tag. Wie auch immer, ich bin keine Wetterstation auf zwei Beinen. Nach meiner Einschätzung ist es aber eher um vier bis fünf Grad im Schnitt hier heroben wärmer als in einem Jänner vor 25 Jahren oder früher. Entsprechend traurig schaut es mit dem Schnee aus.

All das überlege ich mir, während wir wieder einmal den Schlangenweg runter spazieren. In allen Farben schildere ich, wie uns die Abkürzung mein Grödel gekostet hat. Bei Besichtigung des Ortes des Verschwindens reicht auch ein Schritt ins Latschengestrüpp und da liegt es unübersehbar. Mein schlechtes Gewissen ist weg und weicht einer Reflexion. Was, wenn das nicht mir sondern jemand anderem passiert wäre. „Wie umnachtet kann man sein, dass man das nicht bei der Suche sieht?“, „Muss man halt die Augen aufmachen und schauen!“… Egal, ich habe es wieder und nun gar zwei zuviel. Keine Gams hat sich verletzt, alles gut!

Der Rest ist Routine. Essen am Waxriegelhaus, Abstieg zum Preinergscheid und heim nach Breitenfurt. Feine, entspannte und sonnige Tour!

Die Tour auf Garmin

Rax – Predigtstuhl

Heute passt alles! Es hat ein bisserl geschneit, und es ist wenig Wind angesagt. Also, nochmals aufs Preinergscheid und dann weiter auf den Predigtstuhl. Das läuft alles prächtig. Die Fotos sprechen für sich. Wir sind die ersten, die nach dem Schneefall, aufsteigen. Viel Schnee ist ja nicht gefallen. Zumindest sieht es sehr fein aus. Den Predigtstuhl schaffen wir. Oben ist es doch recht kalt. Die Winterlandschaft macht wirklich etwas her.

Wir wandern noch zum Karl-Ludwig-Haus. Ich muss nicht nur ein Ingress-Portal holen, sondern auch zwei neue Portale besuchen. Das Rax-Kircherl und ein steinerner Rucksack sind damit auch in der Ingress-Datenbank aufgenommen.

Runter geht es den Schlangenweg. Der Karlgraben ist kein Option. Es fehlt der Schnee. Oberhalb des Siebenbrunnkessels queren wir zum Waxriegelhaus. Ich bin übermütig und will abkürzen. Das hat zur Folge, dass wir uns durchs Dickicht kämpfen müssen. Mein Grödel geht dabei verloren und ist unauffindbar. Schlechtes Gewissen macht sich breit. Vielleicht finde ich es ja im Sommer.

Am Waxriegelhaus kann man um 15 Uhr gar draußen in der Sonne sitzen. Wir sind verwirrt. Beim Abstieg sind wir dann aber schnell in der Kälte und damit wieder mitten im Jänner. Die Bergrettung baut einen Iglu – aha!

Eigentlich wäre bis auf die verlorene Grödel alles gut, würde die Q nicht meinen, dass sie wieder die Kühlflüssigkeit verloren hat. Oh, da wird jemand fluchen. Wir rollen nach Reichenau, kaufen eineinhalb Liter Kühlflüssigkeit und cruisen damit nach Wien.

Feiner Tag mit tollen Fotos!

Die Tour auf Garmin

Rax – Rundweg

Wir müssen ein bisserl den Fettstoffwechsel trainieren. Also fahren wir zum Preinergscheid. Da streiten die Eigentümer mit der Gemeinde, wer denn nun an der Parkfläche hier verdienen darf – oder so ähnlich. Wie auch immer, es stehen jedenfalls geschätzt nur die Hälfte der Parkplätze zur Verfügung. Der Rest ist abgesperrt. Der Parkautomat kennt sich auch nicht aus. Wer ganz doof ist, zahlt für den abgesperrten Parkplatz. Wer schlau ist, zahlt vermutlich gar nicht. Ich bin irgendwo dazwischen, zahle und hoffe, dass sie sich bis zum Sommer geeinigt haben. Wenn wieder der Bus kommt, wird wieder ein Stückerl vom Parkplatz abgezwickt, dann wird es wirklich eng, zumindest am Wochenende.

Am Preinergscheid weht es wie irre. Das ist zumindest nicht neu. So sind die Leute verleitet, ein bisserl mehr als notwendig mitzuschleppen. Meine Erinnerung an Renate, dass es bei den ersten Bäumen windärmer und wärmer werden wird, verfängt nicht. Wie auch? Ich musste ja schon selbst allzu oft die Erfahrung machen, ehe ich nun eben „leicht“ starte. Mio macht es jedenfalls Spaß.

Wenn schon nicht bei den Temperaturen so haben wir bei der Schneemenge einen Minusrekord. Dass im Jänner schon einmal so wenig Schnee war? Wahrscheinlich, aber erinnern kann ich mich nicht. Wir trinken etwas am Waxriegelhaus. Meine Mütze habe ich vergessen und da wir weitersteigen wollen, wäre so etwas schon fein. Auf einer gut besuchten Hütte kann einem geholfen werden. Gut behütet ziehe ich weiter.

Nur Renates Blick hinauf ist besorgt. Wir gehen einfach so weit, bis wir umdrehen. Das ist ein Plan, obschon ich nicht zu erkennen vermag, warum wir umdrehen sollten. Das Tageslicht wird reichen, das Wetter wird halten und Schneemassen sehe ich, wie schon erwähnt nicht. So steigen wir einen fast aperen Waxriegelsteig Richtung Predigtstuhl hinauf. Am Grat pfeift es ordentlich, beim Bismarcksteig dann teils in stürmischen Böen. Ausgestattet sind wir doch mehr als ausreichend, aber Renate will lieber zurück. Ich kann sie noch zu einer Runde Richtung Neue Seehütte und Abstieg über den Göbl-Kühn-Steig überreden. Erst nach der Tour offenbart Renate, dass sie den Wind oder Sturm nur nicht mag, sondern ihr ganz offenkundig den Spaß verdirbt. Oh, das ist etwas anderes. Künftig kann ich das berücksichtigen. Gerade in den Bergen sollte man so etwas ganz offen kommunizieren. Wieder etwas gelernt.

Das obere Ende des Langermanngrabens überqueren wir gar in Grödel. Den wenigen lockeren Schnee hat der Wind längst abtransportiert, übrig ist ein überaus harter Harschdeckel. Mio erkennt im 4×4-Modus das Problem nicht. Wir wandern den verlängerten Bismarcksteig Richtung Neue Seehütte. Hier im Lee hat der Wind die magere Ausbeute des Winters zwischen den Latschen abgelagert. Es ist so wenig, dass ich mich eine Abkürzung zu nehmen getraue. Das macht man nicht. Aber ich meine, das Gelände gut zu kennen, achte darauf, dass wir zur Not umdrehen können und die Online-Karte erwähnt hier keine erwähnenswerte Steigung. Und dann kommt es so wie geplant. Passiert selten, aber ist recht so!

Am Göbl-Kühn-Steig geht es zurück zum Waxriegelhaus, das wunderbarerweise 365 Tage im Jahr offen hat. Nach opulentem Mal wartet noch der Abstieg zum Preinergscheid.

Die Tour auf Garmin

Jakobskogel

Auch dieses Jahr fahren wir wieder einmal mit der Seilbahn aufs Raxplateau. Es geht raus aus dem Nebel und ab in die Sonne. Weil wir uns auskennen, lassen wir die Schneeschuhe, die an der Bergstation unter der Woche kostenlos verliehen werden, links liegen. Und bereuen das auch bald. Spätestens, als Gernot wieder einmal eine Abkürzung kennt. Mio ist wie immer der einzige, der nichts sagt. Aber die Verstörtheit sieht man ihm an, als er da in grundlosem Pulverschnee durch Latschenfelder muss.

Aber auch ich habe die Tour unterschätzt. Was soll ich da auf dem Plateau-Spaziergang den mit Garmin aufzeichnen. Tja, weit gefehlt!

Trotzdem ein überaus edler Tag in der Sonne. So einen Ausflug kann ich nur empfehlen. Im Dezember ist die Sonne besonders gut fürs Gemüt!

Gebirgsvereinssteig

Kaiserwetter ist angesagt, die Q verweilt weiter in der Werkstatt und so entscheiden wir uns im E-Mini für die Hohe Wand. Der Gebirgssvereinsteig ist jener Steig in unserem Bereich mit den meisten Begehungen. So hat es mir der Steigerhalter auf der Rax erzählt. Das mag sein, aber heute sind wir fast alleine. Erst beim Ausstieg holt uns ein anderer Kraxler fast ein.

Die vielen Begehungen gehen nicht spurlos am Steig vorbei. Technisch ist er wirklich toll instand gehalten. Der Fels ist abgerieben, speckig und oft recht rutschig. Aber so passiert das halt, wo jedes Jahr Zehntausende rauf kraxeln.

Unsere Besteigung verläuft schon fast als Genusstour. Renate wird immer besser. Für den ÖTK-Steig müssen wir noch ein bisserl üben, aber das wird werden.

Dann gibt es doch noch ein „Erstes Mal“. Zum ersten Mal steigen wir den Springlessteig ab. Der ist fein und eine angenehme Möglichkeit, nach dem Gebirgsvereinssteig wieder zum Auto zurückzukommen.

Die Tour auf Garmin

Haidsteig

Das wird Renates dritte Begehung und unsere erste als verheiratetes Paar. Renate überlegt, ob sie die beheizbaren Socken brauchen wird. Und da ist sie schon die erste Ehekrise: entweder die beheizbaren Socken oder ich! Auch die von Renate zusammengestellte Garderobe lässt den Gentleman in mir verschwinden. Dafür stehe ich nicht zur Verfügung. Wer drei oder vier Jacken am Berg dabei haben will, muss schleppen. So schaut’s aus 😉

Renate berichtet, dass der Steig beim dritten Mal nun schon fast ein Genuss war. Alles klappt geschmeidig, die Bedingungen sind gut, die Sonne lacht, wir besuchen Ulli, und eine von uns ist am Plateau dann aber doch ein bisserl erschöpft. Sehr fein, eine sehr tolle Begleiterin habe ich da!

Der toneo hat meine Portale von grün auf blau gedreht. Das geht mal gar nicht. Die Madonna und das Preinerwandkreuz hole ich zurück. Das Portal im Königschusswandsteig sollte ich aber auch mitnehmen. Wer weiß, wie lange das Knie nach der OP nervt. Also, frage ich an, ob es denn okay sei, wenn ich den Königschusswandsteig ein Stückerl abklettere. Ein geduldiges „Mach nur!“ ist eine feine Antwort. Und da zum Glück kein Heizsockenwetter herrscht, kann Renate in einer ihrer vier mitgeschleppten Jacken die Sonne genießen, während ich immer weiter absteige. Gar durchs Felsfenster muss ich durch. Wenig elegant mache ich das im Rückwärtsgang, was aber eher wurscht ist, weil mich ja eh keiner sieht. An der ungünstigsten Stelle löst sich noch die Trinkflasche aus dem Rucksack. Die balanciert auf meinem Nacken. Ich bin begeistert. Wenn ich jetzt noch wie eine Seerobbe in die Pfoten klatsche, jubelt das Publikum. Da gelingt mir das Meisterstück: in der Höhle verstaue ich die Flasche wieder – yess! Na ja, das Portal hole ich auch noch. Auftrag erledigt, ich darf wieder durchs Fenster rauf.

Zur Auswahl stehen nun die Neue Seehütte oder der Holzknechtsteig. Der Steig ist echt mies, wie ich hier schon oft beschrieben habe, aber deutlich besser als die Seehütte zur Zeit. Renate ist fassungslos ob des Mangels an Genuss im Abstieg, ich bin seit Jahrzehnten auf den Mist hier vorbereitet. Diesmal hat es der Steig wieder in sich! Ja, das ist jedes Mal derselbe Steig. Aber nach jedem Starkregen schaut er anders aus. Und geregnet hat es diesen Herbst schon genug. Die Schotterfelder, die man sonst abfahren und so das Leid lindern kann, sind weggespült. Aber alles geht vorbei, irgendwie kommen wir zum Auto. Eine feine Tour heute!

Die Q ist mittlerweile gefühlt schon öfters in der Werkstatt als auf der Straße. So sind wir im E-Mini unterwegs. Der ist sehr fein, sehr umweltfreundlich und sehr schick, hat aber eine kleine Batterie und die ist in der Griesleiten mehr als zur Hälfte geleert. Ich soll fahren, auch wenn es anders vereinbart war. Aber ich darf nur 80 fahren, weil sich das sonst nicht bis nach Hause ausgeht. 80 auf der Autobahn ist hart! Einmal erwische ich mich dabei, wie ich die Grünstreifen längs der Autobahn absuche und tatsächlich einen riesigen Pilz entdecke. Beim Spazierengehen gelingt mir so ein Kunststück eher selten. Mah, das werde ich nicht aushalten. Da erinnere ich mich an die Zeiten vor 40 Jahren. Gernot und ich haben auf unseren Fahrrädern auf den 15A (Autobus) gewartet. Sobald der uns überholt hat, haben wir reingetreten und haben uns im Windschatten „ziehen“ lassen. LKW gibt es hier und heute auf der Autobahn einige, ich hänge mich bei 90km/h hinter so einem an. Wie ein Drängler klebe ich eine Autolänge hinter ihm und gewinne dabei an Reichweite. Mein grünes Herz triumphiert. Renate ist da nicht so entspannt, sieht uns schon schiebend, weil wir hier mit besinnungslosen 90 km/h dahinrasen. Es ist eigentlich eh klar, wer schieben wird müssen. Das sage ich auch zu, aber nur unter der Bedingung, dass sie das Rekuperieren deaktiviert, während ich schieben muss. Aber soweit wird es nicht kommen!

Überholt ein LKW, dann hänge ich mich an den schnelleren LKW. Jetzt sind wir schon mit über 100 unterwegs. Viel Abstand zur fahrenden Wand vor uns ist nicht. Die Stimmung ist im Wageninneren doch etwas angespannt. Aber wie kann ich mich wieder zurückfallen lassen?

So und so weiter vergeht diese Fahrt in ihrer eigenen Kurzweile. Wir erreichen Breitenfurt mit einer Reserve von ein paar Kilometer – geht doch! Garmin empfiehlt dem Mini eine Erholungszeit von 48 Stunden an der Steckdose. Einen ähnlichen Wert bekommt auch Renate aufgebrummt!

Leider habe ich bei der Madonna die Uhr gestoppt. Der Track ist damit gestoppelt und entfällt heute. Dies im Ersuchen um Nachsicht.

Haidsteig – Königschusswandsteig

Meine übliche Runde steht an. Es gibt wenig zu berichten. Der Haidsteig fällt mir richtig leicht. Ich brauche die Hände fast nur zur Stabilisierung. Die Arbeit leisten die Beine. So soll es beim Bergsteigen und Klettern sein. Ich verweile länger bei der Madonna. Im Steig ist kein Mensch, da habe ich meine Ruhe.

Den Abstieg zum Königschusswandsteig finde ich jedes Mal besser. Hier sitzen am Einstieg drei Burschen. Die haben den Haidsteig schon hinter sich. Oh, da hatte Ulli also schon Besuch. Die drei klingen so vernünftig, dass es mir schon fast unheimlich ist. Nein, nein auch das passt schon. Man lässt mich vor. Der Königschusswandsteig ist eine Stufe schwerer als der Haidsteig. Ich muss die Arme deutlich mehr belasten. Das Ingress-Portal erobere ich wieder. Alles muss seine Ordnung haben.

Nach dem Königschusswandsteig schaue ich bei der Neuen Seehütte vorbei. Na ja, kulinarisch ist es ein bisserl besser geworden, aber herkommen muss ich da nicht unbedingt. Die tschechische oder slowakische Betreiberin gibt sich Mühe. Sie nimmt die Bestellungen im Nebengebäude entgegen, schenkt Getränke in Einwegbechern aus und kassiert. In der eigentlichen Hütte liest der Mitarbeiter aus Nepal die Bestellung aus dem Bestellsystem aus, kocht und serviert. So läuft alles am Schnürchen, aber doch ein bisserl befremdlich. Früher ist Franz, der Pächter, mit zwei Mitarbeitern aus Nepal in der kleinen Küche gestanden. Nun verbringt der Koch alleine die Zeit. Trinkgeld sieht er wohl selten. Das ändere ich zumindest heute. Er freut sich.

Und dann steht da noch ein seltsames Schild: „Die Hütte wird mit dem Hubschrauber versorgt!“. Das will ich nicht glauben oder hoffen. Immerhin führt doch eine passable Straße zur Bergstation der Seilbahn.

Beim Bachingerbründl treffe ich einen Mann in langen Hosen. Er hat sich heute dem Preinerwandsteig gewidmet. Dazu schleppt er eine benzinbetriebene Bohrmaschine und all das, was man noch braucht, wenn man einen Klettersteig instand halten will, mit. Die lange Hose muss er ertragen, weil er sich sonst die Beine mit der heißen Bohrerspitze verbrennt. Ich probiere den Rucksack und vermag ihn gar nicht recht zu heben. Der freundliche Mann ist in meinem Alter, vielleicht ein paar Jahre jünger. Für Haidsteig und Königschusswandsteig ist er auch zuständig. Ich erfrage einen kurzen Grundkurs zum Steigbau und der Erhaltung eines solchen. Die Lektion für hier ist, dass man den Steig schont, wenn man vorrangig die Beine beim Klettern verwendet. Wer sich am Stahlseil hochhantelt, macht also nicht nur klettertechnisch einiges falsch, sondern strapaziert auch die Steiganlage über Gebühr.

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ÖTK-Steig – Blutspur

Der Regen kommt schneller als vermutet. Da fahre ich rechtzeitig von der Südautobahn ab und gönne mir wieder einmal den ÖTK-Steig für die Fitness.

Na, bumm! Da parken viele Autos am Sonnenuhrparkplatz. Der Parkautomat ist aufgebrochen. Interessantes Volk, diese Kletterer! Man mag wirklich nur den Kopf schütteln. Ich parke gratis, auch wenn aufgefordert wird, Bargeld in die Säule einzuwerfen. Erstens kann ich mein Handy, mit dem ich zahlen wollte, nicht einwerfen. Zweitens, sollte ich Geld in eine aufgebrochene Kassa einwerfen?

Mit den Jahren kommt die Erkenntnis, welcher Klettersteig schwer ist und welcher nicht. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich noch nicht ganz fit bin. Der ÖTK-Steig ist jedenfalls heute anstrengend. Früher oder im fitten Zustand denke ich mir immer: „Ja, die Steige sind halt unterschiedlich, aber ob der eine oder der andere schwieriger ist, könnte ich nicht sagen.“. Heute verstehe ich, warum Gernot den Steig nicht so recht gehen will, und ich notiere, dass Renate noch ein bisserl üben muss, bis wir diese Herausforderung annehmen.

In 48 Minuten bin ich ungehetzt am Plateau. Da ist noch Kraft für die Blutspur. Auch die ist heute nicht die Vier-Minuten-Übung wie die letzten Male. Machbar ist sie allemal. Mag sein, dass da eine E-Stelle drinnen ist, aber der Steig ist so kurz, dass man sich wirklich schwertut zu ermüden.

Runter geht es über die Völlerin. Tja, und da liegen vier Steinböcke quer am Weg. Andere Bergsteiger verständigen die Bergrettung, aber ich bin da wesentlich erfahrener im Umgang mit diesen Viecherln. Na ja, glaube ich zumindest. Erst fotografiere und dann vertreibe ich. Provokant langsam räumen die Halbstarken den Weg.

Am Parkplatz kommen mir noch zwei Buben in voller Montur entgegen. Den C-Steig wollen sie gehen. Kenne ich nicht. Da sind auch schon vier Erwachsene, ein Österreicher und drei Amis. Den ÖTK-Steig wollen sie gehen. Der Österreicher scheint bergerfahren zu sein, aber wohl nicht im Führen einer Gruppe. Ich frage, ob er sicher ist, dass die Buben – ich schätze knapp über zehn – den Steig schaffen werden. Ja! Und ob die drei Amis fit sind? Ja, die klettern bis zu V+. Eine der Erwachsenen versteht wohl, worum es geht und antwortet: „No, we don’t! Don’t give any misinformation!“. Viel Spaß auf jeden Fall! Für mich ein weiterer Beleg, wieviel in den Bergen gutgeht, wieviel die Berge verzeihen. Da sind dann die vielen Unfallsmeldungen in den Medien verständlich. Also, ich würde den ÖTK-Steig mit einem geübten Zahnjährigen auch gehen. Dies allerdings in Betreuung durch einen erfahrenen Erwachsenen, der sich ausschließlich um maximal ein Kind kümmert. In den Bergen gelten Eigenverantwortung und Freiheit im Handeln mir am meisten und so lasse ich sie mit einem „Eine schöne Tour wünsche ich euch!“ ziehen. Ich bin jedenfalls für heute fertig, fein war’s! Beim Starten des Autos fallen die ersten Tropfen auf die Windschutzscheibe.

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Rauher Kamm – Ötscher

Noch nie war ich am Ötscher! Also, jetzt schon – nach diesem Montag. Und darum geht’s in diesem Beitrag.

Google hat interessante Ideen bei der Anreise. Wir fahren doch recht lange auf einer Schotterstraße durch wildromantische Schluchten zu unserem Parkplatz Raneck. Von Lackenhof aus ist die Straße asphaltiert.

Renate hat eine recht große Runde ausgesucht. Diese beginnt mal mit einem Abstieg auf der Forststraße, ehe ein langer, steiler Anstieg im Wald folgt. Eine schweißtreibende Tour ist das um diese Jahreszeit und bei dieser Schwüle. Oberhalb der Waldgrenze wird es besser. Nach zwei Stunden erfolgt plangemäß die neu eingeführte Tradition mit Weckerl, Schoko und Getränk! Wer modern sein will, kann sich ja auch Carb-Gels reinzischen. Klingt besser, bringt dasselbe.

Nach unserer Pause beginnt der Rauhe Kamm. Der ist in unserer Wahrnehmung eine feine, abwechslungsreiche Kraxelei. Mio tut sich anfangs leicht, braucht aber bald ein paar Mal Unterstützung. Rasch entwickelt er eine neue Methode. Mutig springt er die Kletterstellen hoch, strampelt so weit er kommt und wartet dann auf die humane Unterstützung. Oh, oh, wenn das nur auf ewig gutgeht!

Der Rauhe Kamm endet auf einem Plateau. Nicht zu groß, aber doch ein Stück zu gehen, bis zum Gipfel. Für die Jause ist es hier zu kalt. Der Ötscher trägt Wolken über sich, Wind geht auch etwas. Kurz, es ist ungemütlich, und wir steigen zum Ötscher Schutzhaus ab. Das ist laut Internet nur offen, wenn der Lift in Betrieb ist. Im Juni sieht es unter der Woche aber schlecht aus.

Der Abstieg zur Hütte ist unspektakulär. Die Ankunft umso erfreulicher, denn die Hütte hat offen. Kaspressknödel, Toast, Marillenkuchen,… wir füllen nach. Runter geht es direkt die schwarze Schipiste. Als wir dann schon fast ganz unten sind, fährt der Sessellift los. Mann oh! Da wird ein junger Hüttenhelfer wohl den Berg rauf transportiert. Na ja, soll sein, wir sind ja schon unten. Ein paar Kilometer noch Richtung Raneck und unsere Tour ist geschafft.

Der Rauhe Kamm ist eine leichte, kurzweilige Kraxelei, die mit Hund durchaus machbar ist. Landschaftlich ist die Tour jedenfalls eine Empfehlung. Von Juni bis August empfehle ich ein Auge aufs Thermometer und Hygrometer. Der Anstieg durch den Wald kann schon recht schwitzig werden.

Ein feiner Tag war’s!

Die Tour auf Garmin

Scharnock (2.498m)

Nach einem Ruhetag holt uns Gernot ab und wir fahren nach Hintergöriach. Dort haben wir zwei Optionen: entweder wir packen den Hochgolling oder den Scharnock. Vermutlich sind wir für den Hochgolling ebenso zu früh wie fürs Roteck. So stellen sich Renate und ich auf eine Wanderung auf den Scharnock ein. 1.100 Höhenmeter und ein ein bisserl ausgesetzter Abschluss – das wird gemütlich.

Gemütlich kuschelt sich auch eine Kuh an ein Auto am Parkplatz. Kurz habe ich Sorge um Gernots Gefährt. Die anderen Autos sind eingezäunt. Aber einen Zaun haben wir nicht dabei. Mal sehen, ob sich eine Kuh in Mercedes verliebt.

Zurück zum Gemütlichen! Wir wandern in toller Landschaft auf einer Forststraße dahin, durchqueren Weiler mit Hütten, die man mieten kann, um dem einfachen Leben zu frönen und kommen bald über die Baumgrenzen. Im Göriachwinkel schauen wir in die Gollingscharte. Da ist noch viel Schnee, aber die Steigung wahrlich nicht dramatisch. Aber so wie es aussieht, müssten wir einige steile Schneefelder queren, um auf den Hochgolling zu kommen. Rasch ist entschieden, dass wir zur Landawirseehütte und von dort auf den Scharnock gehen.

Bei der Landawirseehütte hören wir einen sympathischen Hüttenwirt, der weiß, wie hoch die Schneeauflage über dem Eis am Hochgolling ist. Nein, die Scharte kann man verkehrt gehen – warum eigentlich? -, aber der Hochgolling geht nur mit Steigeisen. Der Scharnock braucht Grödel bis zur Scharte, ab dann ist es trocken. All das sprudelt kompetent aus dem guten Mann, aber ich habe meine Zweifel. Bestärkt werden diese durch seine Statur, die vermuten lässt, dass er in letzter Zeit weder auf Hochgolling noch Schnarnock war. Wofür sollte ich auf den Scharnock über die wenig steilen und vor allem weichen Schneefelder Grödel brauchen? Egal, wir haben welche mit und den Rest packen wir auch.

So steigen wir zur Scharte unter dem Scharnock auf, ganz ohne Grödel. Nicht einmal die Stöcke wären notwendig. Die Scharte ist erreicht und nach wenigen Metern packen wir die Stöcke weg, die könnten ab hier im Weg sein. Nach ein paar Metern tut sich ein Anblick auf, der zusammenzucken lässt. Schnee und Regen haben den steilen Hang abrutschen lassen. Erdreich und Steine liegen herum. Ein Weg ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Seit dem Ereignis sind wir wahrscheinlich die ersten hier. Zum Glück ist die Erde zäh und trägt. Wenn das beispielsweise trockener und sandiger wäre, müssten wir erneut umkehren. Renate hat ein mulmiges Gefühl, macht aber tapfer mit. Zum Glück sind die Markierungen nicht abgerutscht. Allzu weit kann es auch nicht mehr sind, sind wir doch schon auf fast 2.400m. So steigen wir in gut gebückter Haltung vorsichtig höher und machen uns ein bisserl Gedanken, wie das im Abstieg werden wird. Jeder Schritt gibt uns zumindest immer mehr Zuversicht, dass das alles hier hält.

Der Gipfel ist ausgesprochen schön. Ausblick und Wetter passen auch. Im Gipfelbuch ist der letzte Eintrag vom Oktober 2023. Wir fotografieren, jausnen und genießen, ehe es an den Abstieg geht. Renate hat ein mulmiges Gefühl. Aber wir gehen die Herausforderung an, Schritt für Schritt. Mag ich solche Schrägen schon im Allgemeinen nicht, ist es mit dem gerissenen Meniskus noch einmal unangenehmer, weil so ein Gefühl der Instabilität dabei ist. So nehme ich fleißig die Hände zur Unterstützung. Renate tut es mir gleich. Aber als letzter geht einer aufrecht im Vertrauen auf sein Training am Balance-Board und seine Erfahrung beim Skifahren: man muss nur die Kante ordentlich reindrücken. Mann oh! Der Abstieg geht jedenfalls deutlich besser als vermutet. Nur bei Renate bricht einmal ein Tritt aus. Der Schrei schreckt mich nicht, habe ich mich doch daran schon gewöhnt. So einer kommt ja auch, wenn beispielsweise die Trinkflasche überraschend schnellt aufschnappt. Und der Schrei ist nur kurz. Trotzdem muss nun unser Skifahrer dran. Wie ein Gentleman gräbt er kleine Tritte mit den Schuhspitzen. Der andere Nichtso-Gentleman hat die letzte Querung hinter sich, freut sich, dass alles gutgegangen ist und sieht mit Erleichterung, dass auch die beiden mittlerweile wieder am unbeschädigten Weg sind.

Der Abstieg über die Schneefelder ist schön und ohne Zwischenfälle. Ich probiere es noch mit Eisbaden im Landawirsee, immerhin auf 2.000m. Das geht gut und kommt mir nicht mal soo kalt vor. Soll ja für die Gelenke gut sein und ewig jung halten. Schauen ma a mal!

Wieder bei der Hütte berichten wir von der Rückseite des Scharnock. Der Hüttenwirt schaut sich die Fotos an, lacht und meint, dass er das den Wegewarten melden muss. Und weg ist er. Er kommt mit drei Zirbenbränden zurück – gegen den Schock – und hüpft wie ein Flummi die Stiegen der Terrasse zu seinem Jeep hinunter. Wow, macht sich der jetzt an die Reparatur des Weges? Nicht ganz, oder muss er erst Werkzeug aus dem Tal holen?

Nach ausreichendem Essen mit einem Kaiserschmarren, der vielleicht zu viel Vorschusslorbeeren hatte, geht es die Forststraße wieder zum Auto. Die Kühe haben Mercedes abgeschleckt, aber keinen weiteren Schaden angerichtet. Uff!

Die Tour war überraschend kurzweilig und landschaftlich durchgehend mehr als lohnend – super fein!

Die Tour auf Garmin