Haidsteig

Lydia und Nico sind da und wollen den Haidsteig gehen. Es ist Wochenende und am Nachmittag ist Regen möglich. Zwei gute Gründe, nicht allzu spät zu starten. Um neun Uhr sind wir am Parkplatz in Griesleiten und der ist voll. Also, man findet noch diese „Da kann man schon auch stehen, oder?“-Parkplätze. Doch diese werden auch bald weg sein.

Der Zustieg ist gemütlich, und wir treffen erstaunlich wenige Menschen. Da kommen wohl nicht alle her, um zu kraxeln. Wie Lydia am Klettersteig unterwegs ist, weiß ich ja schon. Aber, wie es Nico geht, habe ich mich nicht getraut zu fragen. Das war ein Dilemma, denn einerseits gehört es zu einer ordentlichen Vorbereitung, anderseits: darf man das einen Schweizer fragen? Sind die nicht in Felswänden oder Steilabfahrten geboren? Wir besprechen das also am Zustieg. Nico muss eine Variante im Schweizer Genom haben. Die Höhe im Allgemeinen und Leitern im Speziellen sind nicht so sein Ding. Okay, das bekommen wir hin!

Am Einstieg spielen sich Szenen ab, die an die Fotos vom Hillary Step am Mount Everest Mitte Mai erinnern. Die Leute sind halt leichter gekleidet und kaum einer, oder keiner, hat ein Sauerstoffgerät. Trotzdem staut es. Bunt ist es, schön anzuschauen ist es. Und dann höre ich seltsame Geräusch. Da mag sich doch einer, der wohl gerade den Kopf weit im Nacken hat, um die Wand zu studieren, durch einen Ausritt in eine Geröllrinne unerlaubt von der Truppe absondiert haben. Ich sitze da, schlüpfe gerade in meinen Klettergurt und staune nicht schlecht. Schon sehe ich nur noch einen Arm vom Abtrünnigen. Auch die anderen stehen herum. Niemand eilt zur Hilfe, vielleicht ist der Platz in der Schlange zu wichtig. Vielleicht soll sich jemand anderer darum kümmern. Sachen gibt’s!

Dann kommen auch wir dran. Als bunte Perlen in der Kette steigen wir los. Nico ist anfangs respektvoll, ehe das Selbstvertrauen einschießt. Der Weg ist leicht zu finden: „Immer dem Seil nach!“, und so steigt er vor. Na ja, wir sind wie schon erwähnt mittendrin. Vor uns geht nicht viel weiter und hinter uns klebt ein tschechischer Grünhelm so knapp an Lydias Fersen, dass ich kaum brauchbare Fotos zu schießen vermag. Also, Mio hält definitiv respektvolleren Abstand, auch wenn man Leckerlis in der Tasche hat.

Wir sind jedenfalls nicht Ursache für den Stau und werden auch nicht abgebremst. So genießen wir die Tour. Die Einsamkeit und das Gefühl des Auf-sich-gestellt-Seins erleben wir heute nicht.

Bei der Madonna sind die technischen Schwierigkeiten weitgehend erledigt. Lydia erinnert sich gar nur noch an ein Geröllfeld und ein bisserl Aufstieg, was da folgen wird. Oh, da spielt ihr die Erinnerung aber ein bisserl einen Streich. Jetzt gibt es erst einmal Besuch bei Ulli. Die ist gut abgelenkt. Es sind so viel Leute heute hier. Da bleiben wir dann doch nicht lange.

Weiter geht’s über die Demutsleit’n. So nenne ich den der Madonna folgenden Abschnitt. Technisch leicht und unversichert treibt mir der Abschnitt jedes Mal den Puls in die Höhe. Irgendetwas treibt auch Nico in die Höhe. Bald sehen wir in nur noch weit über uns. Ja, der Stau hat sich gelöst. Nico wird sich in Jahren erinnern, dass der Steig okay war, er aber oben dann doch auf die zwei Österreicher warten musste. Das sei ihm vergönnt.

Wir erreichen das Plateau und wandern zum Kreuz weiter. Was für ein Tagerl! Die Optionen Königschusswandsteig und Holzknechtsteig werden abgelehnt. So steigen wir über den Göbl-Kühn-Steig zum Waxriegelhaus und nach einem Mittagessen zum Auto ab. Beim Abstieg dann Blitzen, Donnern und erste Regentropfen. Aber hallo! Bergfex meinte in der Früh noch Null Prozent Regenwahrscheinlichkeit. Meine verlässlichste Quelle, Meteoblue, hat die Gewitter für den Nachmittag mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhergesagt. Kurz vor dem Auto kommt Wind auf, daher Laufschritt! Beim Einsteigen dann starker Regen, im Auto sitzend dann Platzregen. Wow, das nenne ich ein Timing. Der Parkplatz ist noch gut gefüllt und die Straße vom Parkplatz raus auch. Da werden wohl einige nass werden, aber wir hatten Glück und eine definitiv feine Tour!

Die Tour auf Garmin

Großer Sonnleitstein

An diesem Fenstertag geht es nach Hinternaßwald. Wir haben uns den Großen Sonnleitstein ausgesucht. Er soll ein Geheimtipp sein. Am Internet finde ich gar den Ausdruck „Matterhorn der Wiener“. Aber ich denke, da macht sich jemand über die Bewohner der Bundeshauptstadt lustig.

In Hinternaßwald stehen einige Autos, für einen sonnigen Fenstertag im Mai ist es überschaubar. Neben uns macht sich ein Paar in ähnlichem Alter fertig. Sie wollen dieselbe Route gehen. Und noch ein drittes Paar ist da. Ja, aber hallo! Wie geheim ist denn der Geheimtipp?

Die Sonne brennt runter, auf der Schotterstraße ist es wärmer als angenommen. Da überholen uns die Gleichaltrigen, Renate nimmt die Herausforderung an. Nach der Forststraße geht es im Wald recht klar und gerade einer Linie folgend steiler werdend bergauf. Erst denke ich, dass wir die Wanderung ja machen, um fit für die Berge zu werden, aber dann habe ich doch Sorge, dass sich das nicht ganz ausgehen wird. Ich gehe vor und bremse. Das Tempo ist noch immer zügig.

Nach dem steileren Abschnitt im Wald geht es dann flacher dahin. Der Gipfelaufbau ist schön, obschon „Matterhorn“ ein bisserl gar hochgegriffen ist. Am Gipfel sind die drei Paare wieder vereint. Ich denke, wir sechs sind aber an diesem Tag doch die einzigen. Der Zufall hat uns einfach zusammengewürfelt.

Renate zahlt den Preis des schnellen Starts mit leichter Erschöpfung. Auch Mio scheint nicht ganz fit. Aber so sitzen wir da und schauen ins weite Land. Von der Jause gehören Weckerl und Gemüse mir, Mio nimmt den Schinken. Kurz, alles friedlich.

Der Abstieg über die Ameis-Wies-Hütte ist ein bisserl vom Windbruch behindert. Auch merkt man, dass die Gegend hier selten begangen wird. Der Steig ist nicht sonderlich gut ausgetreten. Entsprechend ist es abschnittsweise ein bisserl mühsam. Technisch ist es natürlich kein Problem.

So kommen wir nach gut vier Stunden Gehzeit wieder zum Auto zurück. Alles in allem eine feine Wanderung in abgelegener Gegend. Der Zufall hat uns vier Begleiter geschickt. Sonst vermute ich, ist es hier sehr ruhig. Fein war’s!

Die Tour auf Garmin

Klettersteig Hilde

Ganz schön lange zieht sich die Stoderzinken Alpenstraße von Gröbming zum Parkplatz der Rosemialm herauf. Wir sind an einem Montag in der Zwischensaison hier heraufgefahren. Entsprechend leer ist der große Parkplatz. Der Ausblick war schon während der Anfahrt beeindruckend.

Grödel brauchen wir keine, hätten wir eh daheim vergessen. Aber die festeren Schuhe nehmen wir statt der Zustiegschuhe. Das macht das Kraxeln ein bisserl schwieriger, aber wer weiß, vielleicht verbirgt sich in einer steileren Rinne Schnee. So viel sei vorweggenommen, der Steig ist am 28.4.25 schneefrei. Die Sonne brennt in den Südhang und auf über 1.800m herrscht T-Shirt-Wetter.

Der Zustieg führt erst kurz bergauf, ehe es runter geht. Kurz ist der Zustieg. Auch in aller Gemütlichkeit brauchen wir nicht mehr als 35 Minuten. Nach einem kurzen, einfachen Geröllfeld wartet der Einstieg. Sogar ein schattiges Platzerl gibt es fürs Anlegen von Helm und Klettersteigset.

Der Einstieg ist ein B/C. Erstaunlich, was sich zwischen den Latschen hier findet. Der Fels ist warm und super griffig. Alles sieht nach komfortabel aus und trotzdem geht es gleich merklich los. Renate schnauft – was ist denn da heute los?

Weiter geht es einerseits harmlos zwischen den Latschen und anderseits spektakulär unter einem Überhang dahin. Da hat sich jemand bei der Routenwahl Mühe gegeben. Die Klammernwand ist dann erstmals spannend. Es geht da wirklich senkrecht in die Höhe. Aber die in die Wand geschlagenen Bügel sind beachtlich. Da steht es sich wie auf einer Leiter beim Apfel pflücken. Mit Übung kann man das alles mit wenig Armkraft und nur „aus den Beinen“ gehen. Mit weniger Übung schnauft man da schon ganz schön. Nach ein paar einfacheren Stellen geht es dann in C/D weiter. Wieder Senkrechte, große Bügel und Armbelastung je nach Übung. Fels, Ausblick und Landschaft sind überaus edel. Fein für den, der es genießen kann.

Nach diesen Herausforderungen haben wir ein bisserl die Orientierung verloren. Wir meinen, dass der Ausstieg bald erreicht sein müsste. Aber der Höhenmesser meint, dass wir gerade mal die Hälfte haben. Juchhu, nochmal so viel Freude. Oder, Mist nochmal so viel – das kommt ganz auf die Situation an, in der man sich befindet. Renates Zustand hat sich deutlich verbessert, Garmin gibt ihr zur Sicherheit trotzdem schon mal 4,8 für die aerobe Leistung. Ob sie den Fünfer noch schafft?

Da wir dem Höhenmesser nach den nächsten Latschen beim Blick auf die Höhlenwand Recht geben müssen und wir tatsächlich eher in der Mitte sind, erledigt sich auch das Thema mit dem Fünfer rasch. Renate kämpft tapfer.

Wieder Latschen und dann der Blick auf den Plattenpfeiler! Wau, der sieht auch cool aus. Wieder ist die Wand mit ausreichend Stahl versehen. Die Schwierigkeit ist meines Erachtens somit mit C bzw. B/C richtig angegeben. Das ist auch irgendwie cool, da man bei mittlerer, technischer Schwierigkeit viel Luft unter Sohlen und Hintern bekommt.

Nach diesem Pfeiler rückt das Ende spürbar näher. Die eine oder andere Felsstufe wird noch gekraxelt, ehe der Steig sein Ende findet. Ein paar Minuten und wir stehen beim Gipfelkreuz des Stoderzinkens! Renate hat sich schnell wieder aufgeladen. Fröhlich über den Erfolg wird gescherzt und gelacht.

Runter geht es dann übers Friedenskircherl überraschend kurz zum Parkplatz zurück. Unsere Iduna lädt sich die steile Mautstraße runter fast so schnell auf wie Renate. Wir fahren zurück ins Schlosshotel Pichlarn, wo wir den Nachmittag vertrödeln. Tadellos!

Zusammengefasst: Der Hilde Klettersteig ist ein ganz toll gemachter Steig. Bei mittlerer Schwierigkeit kann man Pfeiler und Wände erleben, die ohne die fetten Stahlhilfen für die Allermeisten unerreichbar sind. Für Anfänger und Kinder ist das aber trotzdem alles nichts. Wer wenig Erfahrung hat, wird die Arme spüren. Wer noch nicht fertig ausgewachsen ist, wird mangels nötiger Arm- und Beinlänge ordentlich gefordert. Das kann man mit Erfahrung leicht kompensieren. Aber Kindern fehlt eben oft beides. Und dann ist da noch die Höhe. Die Ausgesetztheit sollte einem nichts ausmachen. Sonst, so kann ich mir das vorstellen, wird es einem hie und da ein bisserl mulmig werden.

Für uns war es ein superedler Tag. Ende April im T-Shirt hatten wir eine Genusskraxelei der Sonderklasse. Bei diesen Bedingungen ist der Steig eine klare Empfehlung.

Die Tour auf Garmin

Haidsteig

Am Vortag habe ich mich auf unserem Tacx NEO Bike Plus Trainer doch beansprucht, und soll der heutige Tag eine Wanderung mit Renate und Mio auf einen neuen Gipfel von Hinternasswald aus bringen. Aber dann ereignet sich das Hoppala auf unserer Treppe. Renate stürzt, hält das Wasserglas und weitere Utensilien hoch, während sie im Langsitz die Stufen nimmt. Das Bürzel ist geprellt. Wir müssen umdisponieren. Und weil mir nichts besseres einfällt, gehe ich den Haidsteig.

Dort geht aber nicht viel. Ich bin einfach schlapp. Am Zustieg überholt mich einer. Uje, ich werde alt. Oberhalb der Waldgrenze meldet sich Wind. Zumindest für Renate wäre das nichts gewesen.

Den Überholer hole ich beim Einstieg ein. Aber im Steig gibt er erst richtig Gas. Also das ist mir bislang auch nicht passiert. Die Uhr sagt, dass ich mich ein bisserl anstrengen könnte. Das ist ein amerikanisches Produkt, da will ich ein „You’re awesome!“ hören. Darauf wartet man bei Garmin aber ewig, heute ganz besonders.

In der Wand beutelt es mich hin und her. Da freut es mich nicht einmal sonderlich. Bei der Madonna ist auch kein Platz zum Verweilen. Da muss man froh sein, wenn einen der Wind nicht von dem Platzl dort bläst.

Ein bisserl Schnee und Eis ist auch noch da. Und so kommt es, dass ich im einfachen Teil abrutsche – die Bergschuhe sind heute auch nicht die richtigen – und ich mir die Fingerknöchel aufschürfe, ordentlich. Heute freut es mich gar nicht mehr, den Königschuss streiche ich.

Am Plateau lasse ich mich vom Wind bergauf zum Preinerwandkreuz treiben, ehe ich mich an den Abstieg mache. Die Neue Seehütte verweigere ich, auch wenn der Wirt ein einladende Tafel gegen den Wind platziert hat. Vor dem Holzknechtsteig lege ich mich zwischen die Latschen und suche Windschatten. Ich habe Renates Proviant mit. Ein Weckerl in drei Schichten mit Frischhaltefolie dazwischen. Das habe ich auch noch nie gesehen. Prompt nutzt der Wind die Chance, entreißt mir das Jausensackerl und ich muss hinterherrennen. Geh bitte! Echt jetzt?

Am Holzknechtsteig wird es wieder ein bisserl wärmer, mir kommt ein junger Bergsteiger entgegen. Deutsch ist nicht seine Muttersprache, und so verstehe ich nicht ganz, was er heute schon gemacht hat. Ich vermute, er war am Haidsteig und ist den Preinerwandsteig runter. Jetzt will er „hinten herum“ zum Königschusswandsteig. Ich zeige ihm die gelbe Tafel am Einstieg zu seinem Steig, und das ist eher die andere Richtung. Da zeigt er mir sein Planungstool am Handy. Ich hab‘ keine Lesebrille mit und bin verwirrt. Jedenfalls muss er wieder zurück. Ich empfehle ihm einen kurzen Abstieg, weil die Rinne unangenehm sein kann und das Überqueren der Rinne erst weit oben gut geht. Danach müsste er wieder absteigen. Er hört auf meinen Rat – oha. So steigen wir gemeinsam ab und hören nach dem Queren der Rinne ein ordentliches Gepolter. Da kommt ein Fels von der Größe eines Medizinballs in der Rinne runter. Wir schauen uns beide an. Jepp, da haben wir Glück gehabt.

Mir reicht es endgültig, ich steige ab. Ab ins Auto und nach Hause. Heute war ich einfach in der falschen Verfassung am falschen Ort!

Die Tour auf Garmin

ÖTK, Blutspur, Matthias-Prinner

Und schon wieder Hohe Wand, aber diesmal alleine! Na ja, alleine bin ich nicht, denn hier an diesem sonnigen Freitag wimmelt es nur so. Wanderer, Klettersteiggeher, Kletterer sind am Boden unterwegs, in der Luft surren die Paragleiter.

ÖTK-Steig und Blutspur sind heute gefühlt schwieriger. Was lerne ich daraus? Eigentlich ist es nur beschränkt verwertbar, was ich auf die Frage antworte: „Und wie schwer ist dieser oder jener Steig?“. Ganz so klar ist es nicht, womit das zusammenhängt. Als Einflussgrößen habe ich:

  • Die Erinnerung vom letzten Mal. War es das letzte Mal leicht, dann ist es beim nächsten Mal gefühlt ein bisserl schwerer und umgekehrt.
  • Bei den schwierigen Stellen hängt es davon ab, wie ich sie erwische. Das ist faszinierend, da ich die Steige und ihre „Schlüsselstellen“ zu kennen glaube. Selbst, wenn ich mich erinnere, die Stelle ein bisserl weiter außen zu nehmen, ist es nicht gesichert, dass sie mir dieses Mal leicht fällt. Da staune ich.

Letztlich ist es egal, weil ich auch diesmal beide Steige ohne Probleme bewältige.

Den Matthias-Prinner-Steig bin ich erst einmal gegangen. Die Strickleiter habe ich als mühsam in Erinnerung und die Seilbrücke als leichter als gedacht. Prompt kommt es anders! Die Strickleiter ist eigentlich easy und die Seilbrücke ein bisserl Überwindung. Der restliche Steig ist dann einfaches Gelände der Schwierigkeit B. Die vielen Besucher haben den Steig ausgeputzt. Also, kaum noch loses Material. Nach knapp 15 Minuten bin ich durch und gönne mir eine Pause.

Runter geht es den Frauenluckensteig. Zuerst wundere ich mich über die vielen jungen Steinböcke. Wer Steinböcke sehen will, sollte auf die Hohe Wand. Man wird nicht enttäuscht. Es sind irritierend viele und verstörend zutraulich. Das nächste Mal streichle ich einen. Scherzerl, aber viel fehlt nicht.

Der Frauenluckensteig ist dann unerwartet spannend, steigt man doch in schwindelerregender Höhe von Metallbügeln auf eine wirklich senkrechte geschätzt zehn Meter hohe Leiter. Ob das jedermanns Sache ist? Hmm!

Weiter unten habe ich zum Abschluss noch eine Begegnung, die mir den Abschied für heute leichter macht. Am Fuße einer Wand frage ich freundlich ein Kletterpaar in meinem Alter, was sie sich denn vorgenommen haben, und bekomme in tadellosem Hietzinger-Deutsch als Antwort: „Das wissen wir noch nicht so recht! Das schauen wir uns noch an.“. Ja, eh, genau! Ihr habt halt einmal alles eingepackt, was man so bis zum VI. Schwierigkeitsgrad braucht, und oben drauf noch ein paar Kilo Reservematerial dazugelegt. Ich ärgere mich kurz, weil ich wirklich zurückhaltend freundlich gefragt habe, aber mir der Gleichaltrige mit seinem Allerwertesten ins Gesicht fahren muss. Seine Begleiterin lächelt entschuldigend. Wie auch immer, sie muss es mit ihrem Herzilein aushalten.

Abgesehen davon war es ein feiner Tag auf einer diesmal stärker frequentierten Hohen Wand!

Die Tour auf Garmin

Gebirgsvereinssteig

Gernot ist mal in Wien, da müssen wir etwas unternehmen. Die Sonne lacht, und diesmal ist es warm. Trotzdem wählen wir „nur“ die Hohe Wand. Weiter oben hat es geschneit. Gernot hat gar nicht die passende Ausrüstung für den unerwarteten Schnee dabei. Renate hat noch im Hinterkopf, dass es in den Bergen auch kalt sein kann.

Den Steig erledigen wir ohne jeden Zwischenfall. Man sieht dem Steig schon etwas an, dass er sehr, sehr oft begangen wird. Aber es ist tadellos gewartet, lediglich der Fels ist stellenweise abgeschliffen wie so mancher Kirchenpfeiler im Vatikan.

Meine beiden Begleiter schnaufen ein bisserl. Ist ja noch früh in der Saison. Das darf noch sein. Anderseits müssen wir noch einiges trainieren, um unsere Ziele wie Königsjodler oder den Klettersteig am Großen Priel zu schaffen.

Auf der Hohen Wand ist den Steinböcken so fad, dass sich gar einer der jungen Steinböcke hinreißen lässt und einen Baum erklimmt. Sachen gibt’s.

Nach einem üppigen Mittagessen auf der Wilhelm-Reichert-Hütte – vor allem ich lange übermaßen zu – geht es den Wagnersteig wieder runter.

Netter Tag bei blitzblauem Himmel!

Die Tour auf Garmin

HTL-Steig und Blutspur

Eigentlich könnte ich ins Fitness Center gehen. Das kann ich eh brauchen, um wieder fit für die Klettersteige zu werden. Da fällt mir ein, dass ich ja gleich einen Klettersteig gehen könnte. Mit dem E-Auto ist mein grünes Gewissen nicht ganz so stark belastet, wie mit dem alten Schweröl-Panzer. Passt also, los geht’s!

Der HTL-Steig hat einen Zustieg von zehn bis fünfzehn Minuten, oder halb so lange, wenn man doppelt so schnell geht. Kurz gesagt, der Zustieg ist denkbar kurz. So stehe ich gerade ein bisserl aufgewärmt am Einstieg. Wohlwissend, was mich erwartet, ziehe ich die Jacke aus und fröstle lieber ein bisserl.

Die Erinnerungen sind derart, dass ich kaum überrascht bin. Es geht leicht und ich bin schnell unterwegs. Nur die Luft muss heute etwas dünner sein. Gelegentlich erwische ich mich beim Keuchen. An der „Überholspur“ findet sich noch jemand zu einem Plauscherl. Ja, das Leben, die Berge, usw.

Nach 48 Minuten bin ich oben. Ich taumle weiter zur Blutspur. Ein junger Steinbock macht mir widerwillig den Weg frei. Hurra, ich habe ihn vertrieben. Beim Foto schaut er dann doch so genervt, dass ich lieber über eine Abkürzung ausweiche. Wir wollen es ja nicht übertreiben.

Die Blutspur, wo ich vor 25 Jahren mal in Not gekommen bin, hat sich eingebrannt. Aber sie wurde auch wiederholt entschärft. Ich vermute, dass auch seit meiner letzten Begehungen die Seilführung am exponierten Eck umgelegt wurde. Oder, ich habe heute Glück und erwische eine einfache Linie. Nach drei Minuten und 33 Sekunden, so sagt es die Uhr, bin ich ohne jedwede Eile durch den Steig durch. Das wird wohl der kürzeste Steig mit Schwierigkeit E sein.

Runter geht es über die Völlerin. Eineinhalb Stunden dauert der Ausflug von Auto zu Auto. Feines Workout, feine Steige!

Die Tour auf Garmin

Törlweg – Gsolhirnsteig

Renate sucht eine Route aus. Den Törlweg kenne ich, aber den Gsolhirnsteig? Sachen gibt’s! Wir wollen unsere Ausdauer trainieren, und dazu geht es zum Knappenhof. Der Frühling ist da. Ich spaziere im T-Shirt und schwitze. Irgendwo im Wald haut Mio ab, und vernichtet Höhe. Der Popo schiebt wohl so lustig nach unten. So springt er den steilen Hang hinunter in der Hoffnung, weit unten das zu entdecken, was ihm die Nase verspricht. Ich setze mich mal auf einen Baumstumpf, das wird dauern. Ich glaube schon an der Art und Weise, wie Mio abhaut, zu erkennen, wie lange es dauern wird. Renate wartet 50 Meter oberhalb.

Dann geht es doch weniger lange, als erwartet. Ich höre etwas in der Ferne, das langsam aber doch näher kommt. Bald sieht man Mio schon, die Zunge hängt recht weit raus. Mio klettert, springt, keucht,.. Es reicht! Wieder bei uns legt er sich mal in den Schatten. Ach, Mio!

Weiter oben im Schnee gibt es dann eine späte Abkühlung für ihn. Der Törlweg endet mit dem Törl, das den Blick auf das Ottohaus freigibt. Heerscharen von Menschen und Hunden tummeln sich bei dem herrlichen Wetter am Plateau. Selbst Schneeschuhwanderer finden noch ein paar Flecken für ihr Abenteuer.

Wir besteigen den Jakobskogel, denn ein Gipfel muss ja sein. Bei der Bergstation wartet auf uns das Mittagessen. Das beste Mittagessen am gesamten Raxplateau, das ist fix.

Im Abstieg nehmen wir den Gsolhirnsteig. Vielleicht war ich schon mal hier. Mag sein, ist aber wohl über ein Vierteljahrhundert her und damit vergessen. Jippieh, wieder etwas Neues dabei gewesen!

Tadeloses Wetter, tadellose Routenwahl, tadelloser Tag auf der Rax!

Die Tour auf Garmin

Altenbergersteig

Der Haidsteig vor zwei Tagen hat mir so einen Muskelkater eingebracht, dass ich sofort wieder raus muss. So kann das nicht weitergehen. Also, ab aufs Preinergscheid. Iduna zieht was lautlos den Berg hinauf dahin. Mio mag sie mehr als die Q – gut so!

Mio und ich wandern zur Karreralm und von dort den Altenbergersteig aufs Plateau zwischen Gamseck und Heukuppe. Einsam ist es, wir sind uns selbst genug. Nur am Plateau haben wir Sozialkontakt. Wir treffen den Capo des Gamsrudels. Meine Laienbeobachtungen sagen, dass Gämsen sehr scheue Tiere sind. Da ist nur der Rudelsführer, der sich in den Weg stellt. Man erkennt ihn leicht, und so gehe ich ihm aus dem Weg. Aber Mio will es immer wissen. Das ist ein bisserl ein Stress für mich, weil ich Zweifel habe, dass Mio im Fall der Fälle schnell genug wäre. Der heutige Capo kann es aber wirklich. Er muss in der Spanischen Hofreitschule eine Ausbildung genossen haben. Er tänzelt, springt im Stand und pfeift. Mio pfeift sich nichts. Wann immer sich der Bock ein paar Meter zurückzieht, gehe ich ein Stück weiter meines Weges und Mio ein paar Meter weiter auf ihn zu. Tja, und dann passiert, was ich noch nie gesehen habe. Der Bock steuert auf Mio zu. Damit hat auch Mio nicht gerechnet. Die Vernunft kehrt ein, er flüchtet. Aber leider zu mir. Zum Glück ist eine Gams kein Steinbock. Der Gamsbock zieht ab, wir ziehen ab. Alles gut!

Nach der Heukuppe geht es Richtung Waxriegelhaus. Meine Gelenke sind wieder in Form. Ich kann bergab gar abschnittsweise laufen. Wunderbar, so gut war es schon seit Jahren nicht. Die Muskeln sind es nicht gewöhnt und so werde ich mit einem Muskelkater zahlen. Das nehme ich. Tadelloser Tag somit, ich hoffe, es geht wieder bergauf – oder bergab. Also, je nachdem!

Die Tour auf Garmin

Haidsteig

Wir sind wieder mobil. Unsere Iduna, ein schwarzer VW ID.7, bringt uns ganz umweltfreundlich, weil elektrisch, in die Griesleiten. Kurz habe ich Sorge, ob sie die Unebenheiten des Parkplatzes packen wird. Aber alles kein Grund zur Sorge. Passt!

Renate hat so oft gefragt, ob es eh nicht kalt sein wird und ob denn das Wetter eh passt, dass ich schon in kurzen Hosen gehen will. Je mehr sie gefragt hat, umso sicherer war ich, dass es ein Ausflug im T-Shirt wird. Ja, so funktioniert das in Gruppen am Berg, auch wenn es ganz kleine Gruppen sind. Kurz, ein bisserl kalt ist es schon und von der Sonne auch nicht viel zu sehen. Dafür geht oben offensichtlich einiges an Wind. Und der Regen am Nachmittag könnte auch früher da sein.

Egal, wir starten! Außer uns parkt nur einer. Das heißt, es wird ähnlich wenig Menschen wie Schnee geben. So soll es sein!

So wandern wir zum Einstieg. Alles ohne Zwischenfälle. Keinerlei Schnee und am Plateau auch nur ganz wenig davon zu sehen. Beim Einstieg dann bläst es schon ordentlich. Renate fragt sich doch hörbar, warum sie sich das antut. Dabei ist sie aber reflektiert genug, um zu erkennen, dass sie sich wieder wahnsinnig freuen wird, wenn sie es geschafft hat. Halt, war da jetzt ein Unterton dabei?

Zum Steig gibt es nichts zu sagen. Er ist schneefrei und trocken. Bei der Madonna grüßen wir Ulli, aber können nur ganz kurz bleiben. Im Süden, von wo der Wind kommt, schauen schon Schauer her. Zumindest die bei Nässe unangenehmeren Stellen haben wir. Aber selbst nass wollen wir trotzdem nicht werden. Weiter geht’s ins letzte Drittel des Steigs. Alles easy. Wir erreichen das Plateau, wo wir uns vom Südwind zum Gipfelkreuz treiben lassen. Auch hier ist der Moment des Verweilens denkbar kurz. Nach ein paar Fotos verlassen wir rasch diesen unwirtlichen Ort.

Spompanadeln lassen wir aus, wir wählen den Holzknechsteig für den Abstieg. Mah, ist der wie jedes Mal entbehrlich. Uns beide setzt es einmal auf den Hintern, das tut auch den Handgelenken nicht gut. Trotzdem ist es der kürzeste Abstieg. Lieber trocken am Holzknechsteig als gewaschen beispielsweise im Preinerwandsteig.

Und wirklich erreichen wir trocken, ganz abgesehen von ein paar Tropfen, das Auto. Im Payerbachhof gönnen wir uns noch ein spätes Mittagessen. Die Dorfpromillienz streitet schon mit schwerer Zunge ein bisserl, wer der seltenen Besucherin an diesem frühen Montagnachmittag den Weg zur Toilette beschreiben darf. Als ich mit ähnlichem Anliegen starte, bleibt es ruhig in der Stube. „Er wird scho‘ ned verlorengehen und wenn, is‘ a ned schod!“ mag sich der eine oder andere beim Blick in den Grünen Veltliner denken.

Wie auch immer, wir hatten einen feinen Tag und noch genug Strom, um locker heimzukommen. Sehr fein!

Die Tour auf Garmin