Mahdlgupf Attersee Klettersteig

Der Attersee Klettersteig auf den Mahdlgupf ist recht bekannt und klingt einladend. Vielleicht sind zu viele der Einladung gefolgt. Der Einstieg wurde im August 2020 verlegt und ist nun von furchteinflößender Schwierigkeit D/E. Das soll Anfänger und Ungeübte abhalten. Wer am Einstieg ernste Nöte hat, könnte am Steig in Schwierigkeiten kommen. Fluchtwege gibt es nicht und der Steig ist mit 600 Höhenmetern recht lange.

Leider hat diese Maßnahme auch Renate abgeschreckt. Ich soll mal vorkosten. Sie wird einen anderen Steig ins Höllengebirge nehmen. Wenn es klappt, treffen wir uns beim Dachsteinblick. Wir buchen uns für zwei Nächte im Hotel Das Traunsee ein. Von dort ist es eine gute halbe Stunde zum Klettersteig.

So sind wir an einem Mittwoch mit tadelloser Wettervorhersage in Weißenbach am Attersee. Die Parkplatzflächen lassen vermuten, dass hier am Wochenende so einiges los ist.

Wir wandern los und schon nach kurzer Zeit trennen sich unsere Wege. Renate wählt den Brennerriesensteig und ich zweige rechts bergauf Richtung Wand ab.

Der Einstieg und die Schlüsselstelle ist bald erreicht. Die eigentliche D/E-Stelle ist kurz. Wer geübt ist, hat sie nach kurzer Zeit hinter sich. Fehlen Übung und/oder Kraft, dauert es länger, womit auch die Chancen rasch schrumpfen werden, überhaupt in den Steig einzusteigen. Selbst finde ich die Stelle nicht so schlimm. Bei Nässe sieht das sicherlich anders aus. Aber wer geht so einen Steig schon bei Nässe? Nach der Schlüsselstelle geht es einige Zeit noch anspruchsvoll dahin. Nicht so wild wie auf den ersten paar Metern, aber auch nicht zum Verschnaufen.

Der restliche Steig ist lange, steil und damit anstrengend. Wer in der Früh bzw. am Vormittag geht, steigt im Schatten. Das ist im Sommer nicht zu vernachlässigen. Auch im Schatten habe ich anständig geschwitzt. In eineinviertel Stunden bin ich durch den Steig durch. Dabei versuche ich mich nicht zu hetzen, aber eine Pause baue ich auch nicht ein. Es geht einfach immer weiter, und irgendwann geht mir dabei die Luft aus. Ich gehe kurz langsamer, bis es eben wieder weitergeht. Die meiste Zeit geht es steil bergauf, technische Schwierigkeiten warten eigentlich kaum. Es ist viel Eisen in der Wand. Zwei D-Stellen sind in der Topographie noch erwähnt. Diese brauchen ein bisserl Kraft, sind aber sicher nicht so wild wie der Einstieg. Die D-Stellen sind vor allem kurz. Da ist man mit Übung schnell drüber. Ach ja, und landschaftlich! Landschaftlich ist der Steig ein Hammer. Die steilen Felsen vor einem und Attersee und Traunsee unter einem – edelst!

Nach dem Ausstieg, Abschnitt 30 „Snake Escape“, ist auch der Gipfel des Mahdlgupf schnell erreicht. Ich bin doch recht gefordert. Hier heroben brennt die Junisonne von steil oben mir auf das lichte Haar.

Renate habe ich das inReach umgebunden. Das sendet alle zehn Minuten ihre Position an Satelliten. Diese Positionen kann ich auf meiner Webseite abrufen und schauen, wo sie denn ist. Okay, Mobilfunkempfang vorausgesetzt, könnte ich anrufen und sie fragen. Diese Variante hat jedoch so ihre Tücken. In der inReach-Variante kann ich nachschauen, wo sie ist und wo sie in den letzten Stunden war. Damit das keiner falsch versteht, das ist kein GPS-Tracker für Mio oder eifersüchtige Ehemänner. Das Garmin inReach Mini ist ein ernstzunehmendes Gerät, das ich gerne selbst verwende, wenn ich alleine unterwegs bin.

Am inReach erkenne ich also, dass sich Renate planmäßig und schneller als gedacht unserem Treffpunkt, dem Dachsteinblick, nähert. Ich breche schweren Beines auf. Renate ist so schnell, dass sie gar noch die Bennerin mitnehmen wird. Ich bin so langsam, dass ich einen Holländer kaum abhängen kann und will. Der gute Mann hat irgendwie Orientierungsnöte. Nicht nur, wenn er vorne ist, auch wenn er hinter mir ist, biegt er immer wieder in den Wald ab. Ich bin zu müde, um zu ergründen, was er da macht. Irgendwie kommt er dann doch kurz nach mir beim Dachsteinblick an. Wir plaudern, er ist am Weg zum Hochleckenhaus. Oha, leck Fetten! Da waren wir doch letzte Woche? Mein Hirn braucht dringend Nährstoffe und Flüssigkeit.

„Huh, huh!“ ruft es aus den Latschen. Die Niederlande sind begeistert, dass da meine Wife daherkommt. Verständlich, wenn man alleine kaum den Weg findet! Was für ein Wunder muss es sein, dass sich dann zwei Menschen fast zeitgenau auf einem Gipfel treffen?

So treffen wir beide an unserem Tag der Verlobung – ein Jahr ist es her, dass ich Renate am Preber gefragt habe, ob sie meine Frau werden will – wieder auf einem Berggipfel aufeinander. An diesem 18. Juni ist Renate fitter als ich. Soll sein, alles passt.

Wir wandern zurück zum Mahdlgupf und dann am Schoberstein vorbei Richtung Weißenbach am Attersee. Erst begeistert der Ausblick und dann die Wegführung. Der Weg hat so viele Serpentinen, dass auch der Geduldigste irgendwann abzukürzen beginnt. So verlieren wir gegen Ende unseres Abstiegs auch den Weg. Mit Geschick und Glück schaffen wir es aber bis auf ein paar Minuten Umweg nach abenteuerlicher Dschungeltour fast punktgenau zum Auto.

Mit einem Durst, wie er mich selten quält, geht es zurück ins Traunsee, wo erst rehydriert wird, ehe wir im neuen Restaurant „Belétage“ alles verputzen, was der Koch aufzuwarten vermag. Der Jahrestag klingt dann bei ein, zwei Glaserln Champagner aus. Wunderbar, könnte nicht besser gehen! Mit der Tour und meiner Frau!

Die Tour auf garmin

Bischofsmütze – Brunnkogel – Hochlecken

Nach zwei Tagen in Salzburg sind wir am Heimweg und wollen noch den einen oder anderen Berg spontan mitnehmen. Ohne viel Aufwand suche ich eine Tour mit ein bisserl Kraxeln auf unserer Route aus. Wir parken wie viele andere auch bei der Taferlklause.

Eine INTERSPORT-Tour auf die Bischofsmütze usw. finde ich und die klingt doch gut. Wer INTERSPORT verwenden darf, wird schon Qualitätsansprüchen genügen. Der Franz-Scheckenberger-Steig ist nicht markiert, aber gut ausgetreten. Einkehren kann man im Hochleckenhaus und ein paar Kletterstellen sollen den Anstieg auflockern. Na bitte, das sollten wir schaffen. Letztlich wird es auch eine wunderbare Tour, aber!

Nach einigen Mühen finden wir den Zustieg zum Steig. Der GPS-Track stimmt nicht, ist immer um einiges neben den tatsächlichen Gegebenheiten. Der Track lässt ein altes Gerät vermuten, das zur Aufzeichnung verwendet wurde. An einer Stelle bin ich sehr entnervt, denn hier kreuzen sich Auf- und Abstieg bzw. ist der Autor um den Brunnen herumgerannt. Da wird dir beim Blick aufs Handy ganz schwindelig. Die eigentliche Route zeigt irgendwo in den Wald, aber da ist nichts. Gut, gehen wir halt die Forststraße, und die passt dann auch.

Ab jetzt geht es konsequent bergauf. Wir sind fit und glücklicherweise ist es nicht zu heiß. Oberhalb der Baumgrenze kommen uns dann zwei sehr junge Bergsteiger entgegen. Sophie und Silvio steigen ab. Weiter oben wartet Kraxelei, die ihnen zu wild erscheint. Man findet den Weg nicht. Sie fühlen sich nicht wohl und haben die Größe umzudrehen. Ich überzeuge sie, dass wir es ja gemeinsam versuchen können. Wir sind mindestens doppelt so gut ausgestattet, aber voraussichtlich halb so schnell. Silvio in offenen Sneakers macht mir ein bisserl Sorgen. Aber die beiden sind im Sorglosalter. Probieren wir es.

Mit der Beschreibung in Einklang ist die Tatsache, dass der Steig nicht markiert ist. Dafür stimmt die Aussage nicht, dass der Steig gut ausgetreten ist. Wie denn auch? Es geht den Fels nicht steil, aber doch recht direkt nach oben. Zumindest sind wir nicht die Ersten nach dem Winter und so sehe ich, wo der Fels schmutzig und ein bisserl abgenutzt ist. Aber die Spur zu halten, ist nicht leicht. Wir passieren Kletterstellen, die wir und sicherlich speziell Silvio nicht im Abstieg klettern wollen. Na hoffentlich, habe ich die jungen Leute nicht in etwas hineintheatert. Zwischen den Felspassagen folgen immer wieder Abschnitte zum Gehen, teils zwischen den Latschen. Wir verlieren den Weg recht oft. Handy und Uhr korrigieren uns, wir suchen und finden. Die beiden erkennen zumindest die Bischofsmütze. Damit ist es leicht, das erste Ziel anzusteuern.

Nach kurzer Pause rätseln wir, wo es da weiter gehen soll. Mein Orientierungssinn und mein Geschick bei der Übersetzung vom Karteninhalt in die Realität lässt mich heute im Stich. Die jungen sind eh schneller als wir, weswegen wir als erster bei der Bischofsmütze aufbrechen. Sie werden uns rasch einholen.

Der Weg führt in eine andere Richtung als vermutet. Oder anders gesagt: wenn wir dort hinwollen, wo ich denke, dass wir hinmüssen, dann wird es spannend bzw. unangenehm. Zum Glück liege ich heute falsch. Uhr und Handy lassen sich nicht beirren und wir steigen konsequent höher.

An einer Stelle ist es gar so wild, dass die beiden schon mit Besorgnis in der Stimme fragen, ob es da oben noch wilder wird. Wird es aber nicht. Dadurch, dass wir keine Markierung bis auf zwei blaue Punkte auf der gesamten Strecke sehen, verliere ich den Steig und komme in etwas schwierigeres Gelände. Eine II- bis II scheint gerechtfertigt. Das ist aber mehr als genug für jemanden, der sich ziemlich viel mit den Knien im Aufstieg behilft. Ich habe ein bisserl Sorge. Es ist bis auf eine oder zwei Stellen kaum ausgesetzt, aber trotzdem will ich nicht, dass der junge Mann runterkollert.

Mittlerweile ist klar, dass wir nicht dorthin müssen, wohin ich denke, dass wir müssen. Wir kämpfen noch mit einer Rinne, in der ich Spuren vermute, aber der Regen hat die Rinne ordentlich verwüstet. Da wäre der Rand der Rinne im Fels sicher einfacher. Irgendwann ist auch das geschafft. Das Gelände wird weniger steil. Hier trennen wir uns von Silvio und Sophie. Sie meinen, dass sie den Steig bestimmt nicht ohne uns gegangen wären. Wir hätten ohne sie vielleicht die Bischofmütze nicht gefunden.

Am Brunnkogel herrscht dann Hochbetrieb. Ein mächtiges Kreuz steht da, die Leute genießen den Ausblick auf die Seenwelt. Wir ziehen weiter, nehmen noch den Mathiaskogel mit und steigen auf den Hochleckenkogel, gerne auch Hochleckfettenkogel genannt. Renate hat Hunger bekommen. Oh, die Lage ist ernst. Hinter der Kuppe muss doch irgendwann das Hochleckenhaus kommen. Tja, aber dann die tragische Erkenntnis: der Tourenbericht sagt, dass man im Hochleckenhaus einkehren kann. Kann man auch, so wie man auf jeder anderen geöffneten Hütte einkehren kann. Kurz, das Hochleckenhaus liegt nicht auf der Tour wie in der Karte eingezeichnet. Da muss man einen Umweg gehen. Ich schätze von 45 Minuten. Das lassen wir mal und steigen direkt ab.

Der Abstieg sind ein bisserl mühsame, enge Serpentinen im Geröll. Allerdings sehr gut präpariert und gewartet. Da hat jemand brav Material im Hang verbaut. Das wäre doch was für den Holzknechtsteig auf der Rax.

Fast wieder beim Auto zurück, führt der GPS-Track dann direkt in den Steinbruch. Aber das irrt mich nicht mehr. Eine kurzweilige und spannende Tour bei besten Bedingungen liegt hinter uns. Beim zweiten Mal würde der Steig aufgrund der Erfahrung und Kenntnis richtig Spaß machen. Aber wer weiß, wann wir wieder hierher kommen.

Meinen Track auf Garmin kann man auch vergessen. Also, bitte nicht nachgehen!

Hochschwab

Schon am Freitagnachmittag reisen wir zum Bodenbauer. Wir haben gerade noch ein Zimmer an diesem langen Wochenende ergattert. Der Samstag soll seit langem ein schöner sonniger Tag werden. Da nehmen wir auch etwas mehr Betrieb in Kauf. Wir schlafen sehr gut, auch wenn es recht hellhörig ist. Hellhörigkeit führt dazu, dass keine Ruhe ist, bis der letzte im Bett ist und keine Tür mehr zukracht. Und die Bettruhe endet, wenn die erste munter ist und erstmals die Tür zukracht. Oder ganz schlau, vor dem Haus bzw. vor der Hütte ganz leise flüstert. Die Absicht ist edel, die Wirkung gegenteilig. Egal, wir sind gut ausgeschlafen und nach einem feinen Frühstück zum Aufbruch bereit.

Wir sind wahrlich nicht die einzigen, die an diesem Samstag Richtung Hochschwab starten. Eine Gruppe mit geschätzt 15 Steirern startet zeitgleich. Ihr Leithammel ist mir schon an der Kaffeemaschine aufgefallen, nun befehligt er seine Begleiterinnen und Begleiter unabhängig davon, ob sie ihn dazu gewählt haben oder nicht. Im Laufschritt ziehen sie davon, um auf der Trawiesalm wieder eingeholt zu werden. Große Gruppen sind langsamer. An dieser Erkenntnis kommt man nicht vorbei.

Der Anstieg verläuft ohne Zwischenfälle. Die Wege sind in gutem Zustand, etwaige Schäden vom Winter längst behoben. Spätestens beim Vogauerkreuz sehen wir, dass einige Vorsteiger im G’hackten das Schneefeld links im Geröll umgehen. Wir werden das prüfen, wenn wir näher sind. Und siehe da, als wir beim Schneefeld sind, steigen vor uns zwei rechts davon auf. Das Schneefeld liegt über den Leitern und gibt nur ganz wenig von diesen frei. Aber das Stahlseil ist heraußen, das werden wir also schaffen. So quetschen wir uns zwischen Schneefeld und Fels immer höher. Eine Schnauferei ist das heute. Renate ist wieder fit, wir schnaufen gleich viel.

Nach dem Ausstieg dann noch Bekanntschaft mit einem älteren Kärntner, der mit seinem langsamen Partner unterwegs ist. Dass wir überholen, muss ihn hart getroffen haben. So klebt er sich an die Fersen und lässt seinen Partner im Stich. Ich frage, ob er vor will, aber das verneint er. Er ist so knapp hinter mir, dass ich große Versuchung verspüre, einen fahren zu lassen. Vielleicht bin ich ein bisserl hysterisch, weil ich gewohnt bin, dass wir meist den ganzen Tag kaum jemand treffen. Aber der gute Mann wäre mir auch in der Wiener Innenstadt zu knapp. Dann setzt er zum Überholvorgang an, sprintet vor, nur um sich zwei-, dreihundert Meter weiter demonstrativ wie ein Auerhahn auf einen Fels zu setzen. Er packt eine Jause aus und ein Buch, in dem er umgehend tief versinkt! Nur mit einem Auge prüft er, ob wir ihn eh bestaunen, wie toll er ist. Was für Gene, so ein toller Kerl!

Am Gipfel herrscht Stimmung wie an einem Badetag am Gänsehäufel. Aus allen Himmelsrichtungen strömen Bergsteiger herauf. Wir fotografieren, setzen uns abseits und lassen die Drohne ein bisserl herumfliegen. Wann hat man schon mal fast Windstille am Hochschwab? Renate bekommt noch ein kleines Präsent zur Motivation, ehe es zum Schiestlhaus geht. Essen, nochmal Fliegen mit der Drohne und dann Abstieg. Renate stimmt zu, dass wir die etwas längere Variante über den Graf-Meran-Steig und den Trawiessattel gehen.

Auch hier sind jede Menge Leute unterwegs. Erst am Aufstieg zum Trawiessattel wird es ruhiger. Murmel sind recht geschäftig. Sie erfreuen sich wohl auch der angenehmen Bedingungen. Am Trawiessattel studieren wir den Domeniggweg durch die Südwand. Der kommt bei einem der nächsten Besuche hier dran. Noch sieht man Schnee in der Wand. Aber das sollte gehen. Ein junges Paar macht sich um diese Uhrzeit mit langem Seil auf den Weg in die Wand. Offenkundig haben die Schwierigeres vor. Wow!

Um siebzehn Uhr sind wir wieder kurz vor dem Bodenbauer. Wir sind schon froh, dass wir es bald geschafft haben. Da höre ich eine vertraute Stimme hinter mir. Der morgendliche Leithammel ist auch zurück. Seine Truppe scheint mir ein bisserl dezimiert zu sein. Das scheint ihn nicht zu stören. Er muss jedenfalls auf den letzten Metern noch vor, weil er sonst keinen Tisch bekommt. Beim Bodenbauer erkennt er mich wieder und fragt nach den Bedingungen. Die Antwort interessiert ihn nicht sonderlich. Viel wichtiger ist, dass ich erfahre, dass sie übers Rauchtal runter sind und es echt geil war.

Wie auch immer, so schließt sich der Kreis. Wie waren acht Stunden auf den Beinen bei besten Bedingungen und sind jetzt mal ordentlich müde. Sehr fein und überaus erfreulich, dass Renate wieder fit ist. Neue Herausforderungen dürfen kommen!

Offensichtlich habe ich die Tour am Schiestlhaus irrtümlich gestoppt und gespeichert, so gibt es zwei Garmin-Tracks heute: Aufstieg und Abstieg.

Nandlgrat

Und schon wieder der Schneeberg. Heute starten wir beim Sessellift in Losenheim. Wir sind Renate, Gernot, Mio und ich. Der Windbruch behindert auf dieser Strecke kein bisschen. So ist der Aufstieg ohne jede Komplikation. Ganz oben hat es geschneit. Wir haben deswegen und wohl ahnend, dass wir sie nicht brauchen werden, die Grödel eingepackt. Aber kalt könnte es werden, auch wenn wir uns schon in der zweiten Maihälfte befinden.

Unser Aufstieg verläuft heute durch mehrere Klimazonen. Unten herrschen noch Temperaturen, die mir ein Gehen im T-Shirt erlauben. Aber am Plateau ist es winterlich kalt. Der Aufstieg selbst ist ausreichend oft beschrieben. Nichts hat sich geändert. Die Bedingungen sind optimal. Der Schneekontakt ist bis zum Plateau minimal und am Plateau egal, solange man nicht in Turnschuhen unterwegs ist.

Michl, der Hüttenwirt der Fischerhütte, staunt nicht schlecht, dass ich schon wieder da bin. So macht er zumindest etwas Umsatz an diesem wahrlich ungewöhnlich unwirtlichen Maitag. Runter geht es den Fadensteig. Hier kommen uns auch tapfere Wanderer in Jogginghosen und Turnschuhen entgegen. Was muss das für ein Genuss auf den Fußsohlen sein!

Am Nandlsteig muss Mio einmal gehoben werden, am Fadensteig zweimal. So weit zur Frage, ob diese Steige mit Hund zu machen sind. Ab der Edelweißhütte bestaunen wir noch den Bau der MTB-Strecke. Uh, das sieht wild aus, und ich bin froh, dass ich sie weder testen noch benutzen muss. Hier müssen andere ran!

Weiterer tadelloser Bergausflug zum Sammeln von Höhenmetern und Ausdauer. Renate geht es auch besser. Wir machen uns fit für größere Herausforderungen. So soll es sein!

Die Tour auf Garmin

Novembergrat

Renate fehlt es mutmaßlich am Eisen, Mio sicher an den Hormonen der Schilddrüse. So parke ich mit meiner nicht hundertprozentig fitten Truppe beim Schwabenhof oberhalb des Schneebergdörfels. Ich hole mir höflich das Okay für mein Parken ein. Denn so richtig sieht das hier nicht nach einer offiziellen Parkmöglichkeit aus.

Der Wind hat letzten September den Wald vernichtet. Auf den Karten ist ein riesiges Sperrgebiet eingezeichnet. Der Grafensteig ist vollständig gesperrt. Das wird spannend, schauen ma a mal!

Der Aufstieg durch den Schneidergraben ist erwartungsgemäß zäh. Renate hängt am letzten Teil des Grabens gar schon an den Stöcken, ein wahrlich ungewohnter Anblick.

Wir biegen nach rechts in den Grafensteig, der wahrlich in abenteuerlichem Zustand ist. Wir haben nur ein kurzes Stück zu bewältigen. Doch von diesem ist nicht viel übrig. Man stolpert weglos dahin. Das ist in diesem Gelände kein Spaß. Dort, wo es steiler ist, ist es vermutlich gar gefährlich! Spuren zeigen, dass sich hier schon andere, seien es Wanderer oder Forstarbeiter, abgemüht haben. Markierungen zeigen, wo der Weg mal war. Genuss ist das keiner. Die erwartete Quelle verpassen wir, ich gehe aber zurück, um für Mio Wasser zu holen. Ein schmuckloses Rohr kommt aus dem Boden und ergießt das Quellwasser ins Chaos. Jede Menge Schlauchrollen belegen, dass hier gearbeitet wird. Oh, da liegt noch viel Arbeit herum.

Auch der schöne Ausblick, an dem der Novembergrat nach links oben abzweigt, ist arg hergenommen. Die Bäume liegen wie umgeknickte Streichhölzer da. Wir rasten und staunen.

Der Novembergrat ist nur anfangs vom Windbruch betroffen. Bald sind wir über Wald- und auch Baumgrenze. Der Steig ist nicht immer leicht zu finden. Bleibt man am Grat, kann aber nicht viel schiefgehen. Weiter oben werden meines Erachtens die Markierungen wieder reichlicher. Blass sind sie allemal.

Mio schafft alle Felsstufen und kleineren Kraxeleien mühelos. Lediglich einmal muss ich ein bisserl mithelfen. Wahrscheinlich hätte er diese Felsstufe aber auch umgehen können.

Der Zustand meiner beiden Begleiter hat sich leider nicht verbessert. Auch die Erkenntnis, dass Renates Route am Plateau den heutigen Höhepunkt erreicht und meine Route noch die Fischerhütte vorsieht, erhellt die Stimmung nicht. So entscheiden wir, dass Renate und Mio den Waxriegel besteigen werden, während ich zur Fischerhütte zische. Heute hat diese den ersten Tag in dieser Saison offen und außerdem sind die drei Ingress-Portale dort oben schon viel zu lange in blauer Hand.

Ich zische los, soweit man da von Zischen reden kann. Knapp vor der Hütte sehe ich Gernots Vater. Ich rufe: „Norbert!“. Da wundert sich jemand. Noch ein paar Meter näher und noch einmal: „Norbert!“. Wieder sehe ich erstauntes Kopfdrehen, aber dann erkennt er mich und lacht. Er hat sich die Zahnradbahn gegönnt und ist zur Fischerhütte aufgestiegen. Jetzt geht es wieder zum Bahnhof zurück. Tapfer! Ein Selfie schießen wir.

Auf der Hütte begrüßt mich Michl, der Wirt, mit einem: „Na servas, wie schaust ’nn du aus? Im Winter nix trainiert? Hehe!.“ Beim obligatorischen „Was willst ’nn trink’n?“ erinnert er sich, dass ich ja einer der beiden Langeweiler bin. Gernot, ebenso wie ich ein Verweigerer des Schnapsels, lässt er auch gleich grüßen.

So, jetzt noch zum Kaiserstein. Die Portale sind im Schnelldurchgang zurückerobert und weiter geht’s zum Damböckhaus, wo Renate schon wartet. Schon am Weg zum Gipfel ist ihr Mio abgehauen und hat sich mit Genuss in Gülle – ja, auch die hat irgendwie da heraufgefunden – gewälzt. Er stinkt in kaum auszuhaltendem Ausmaße. Die Hütte wurde renoviert und ist gerade in Fertigstellung. Schön ist es geworden, wirklich überraschend fein. Auch das Essen ist sehr gut. Renate meint gar, dass es der beste Topfenstrudel auf einer Hütte ever war. Wäre da nur nicht Mio, der bei jeder Bewegung einen Schwall loslässt, der einem den Atem raubt. Zum Glück schläft er. So ein Genießer!

Der Schneidergraben wäre die kürzeste Variante, um zum Auto zu gelangen. Aber Renate mag das Abfahren im Geröll nicht und für Mio wäre es vielleicht oder wahrscheinlich eine Qual an den Pfoten. Eigentlich überrascht er oft, wie er locker nimmt, was man ihm nicht zutraut. Wir ersparen uns jedenfalls den Schneidergraben und spazieren zur Elisabethkirche und von dort zur Haltestelle Baumgartner. Vor der Adolf-Kögler-Hütte geht es dann links runter ins Mieseltal. Am Talboden angekommen schneiden wir elegant, aber nicht nachzuahmen, Richtung Schwabenhof ab. Dabei macht Mio noch Bekanntschaft mit einem kräftigen Fuchs, der aber kein bisserl an einer näheren Bekanntschaft interessiert ist.

Tadellose, längere Tour!

Die Tour auf garmin.com

Haidsteig

Lydia und Nico sind da und wollen den Haidsteig gehen. Es ist Wochenende und am Nachmittag ist Regen möglich. Zwei gute Gründe, nicht allzu spät zu starten. Um neun Uhr sind wir am Parkplatz in Griesleiten und der ist voll. Also, man findet noch diese „Da kann man schon auch stehen, oder?“-Parkplätze. Doch diese werden auch bald weg sein.

Der Zustieg ist gemütlich, und wir treffen erstaunlich wenige Menschen. Da kommen wohl nicht alle her, um zu kraxeln. Wie Lydia am Klettersteig unterwegs ist, weiß ich ja schon. Aber, wie es Nico geht, habe ich mich nicht getraut zu fragen. Das war ein Dilemma, denn einerseits gehört es zu einer ordentlichen Vorbereitung, anderseits: darf man das einen Schweizer fragen? Sind die nicht in Felswänden oder Steilabfahrten geboren? Wir besprechen das also am Zustieg. Nico muss eine Variante im Schweizer Genom haben. Die Höhe im Allgemeinen und Leitern im Speziellen sind nicht so sein Ding. Okay, das bekommen wir hin!

Am Einstieg spielen sich Szenen ab, die an die Fotos vom Hillary Step am Mount Everest Mitte Mai erinnern. Die Leute sind halt leichter gekleidet und kaum einer, oder keiner, hat ein Sauerstoffgerät. Trotzdem staut es. Bunt ist es, schön anzuschauen ist es. Und dann höre ich seltsame Geräusch. Da mag sich doch einer, der wohl gerade den Kopf weit im Nacken hat, um die Wand zu studieren, durch einen Ausritt in eine Geröllrinne unerlaubt von der Truppe absondiert haben. Ich sitze da, schlüpfe gerade in meinen Klettergurt und staune nicht schlecht. Schon sehe ich nur noch einen Arm vom Abtrünnigen. Auch die anderen stehen herum. Niemand eilt zur Hilfe, vielleicht ist der Platz in der Schlange zu wichtig. Vielleicht soll sich jemand anderer darum kümmern. Sachen gibt’s!

Dann kommen auch wir dran. Als bunte Perlen in der Kette steigen wir los. Nico ist anfangs respektvoll, ehe das Selbstvertrauen einschießt. Der Weg ist leicht zu finden: „Immer dem Seil nach!“, und so steigt er vor. Na ja, wir sind wie schon erwähnt mittendrin. Vor uns geht nicht viel weiter und hinter uns klebt ein tschechischer Grünhelm so knapp an Lydias Fersen, dass ich kaum brauchbare Fotos zu schießen vermag. Also, Mio hält definitiv respektvolleren Abstand, auch wenn man Leckerlis in der Tasche hat.

Wir sind jedenfalls nicht Ursache für den Stau und werden auch nicht abgebremst. So genießen wir die Tour. Die Einsamkeit und das Gefühl des Auf-sich-gestellt-Seins erleben wir heute nicht.

Bei der Madonna sind die technischen Schwierigkeiten weitgehend erledigt. Lydia erinnert sich gar nur noch an ein Geröllfeld und ein bisserl Aufstieg, was da folgen wird. Oh, da spielt ihr die Erinnerung aber ein bisserl einen Streich. Jetzt gibt es erst einmal Besuch bei Ulli. Die ist gut abgelenkt. Es sind so viel Leute heute hier. Da bleiben wir dann doch nicht lange.

Weiter geht’s über die Demutsleit’n. So nenne ich den der Madonna folgenden Abschnitt. Technisch leicht und unversichert treibt mir der Abschnitt jedes Mal den Puls in die Höhe. Irgendetwas treibt auch Nico in die Höhe. Bald sehen wir in nur noch weit über uns. Ja, der Stau hat sich gelöst. Nico wird sich in Jahren erinnern, dass der Steig okay war, er aber oben dann doch auf die zwei Österreicher warten musste. Das sei ihm vergönnt.

Wir erreichen das Plateau und wandern zum Kreuz weiter. Was für ein Tagerl! Die Optionen Königschusswandsteig und Holzknechtsteig werden abgelehnt. So steigen wir über den Göbl-Kühn-Steig zum Waxriegelhaus und nach einem Mittagessen zum Auto ab. Beim Abstieg dann Blitzen, Donnern und erste Regentropfen. Aber hallo! Bergfex meinte in der Früh noch Null Prozent Regenwahrscheinlichkeit. Meine verlässlichste Quelle, Meteoblue, hat die Gewitter für den Nachmittag mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhergesagt. Kurz vor dem Auto kommt Wind auf, daher Laufschritt! Beim Einsteigen dann starker Regen, im Auto sitzend dann Platzregen. Wow, das nenne ich ein Timing. Der Parkplatz ist noch gut gefüllt und die Straße vom Parkplatz raus auch. Da werden wohl einige nass werden, aber wir hatten Glück und eine definitiv feine Tour!

Die Tour auf Garmin

Großer Sonnleitstein

An diesem Fenstertag geht es nach Hinternaßwald. Wir haben uns den Großen Sonnleitstein ausgesucht. Er soll ein Geheimtipp sein. Am Internet finde ich gar den Ausdruck „Matterhorn der Wiener“. Aber ich denke, da macht sich jemand über die Bewohner der Bundeshauptstadt lustig.

In Hinternaßwald stehen einige Autos, für einen sonnigen Fenstertag im Mai ist es überschaubar. Neben uns macht sich ein Paar in ähnlichem Alter fertig. Sie wollen dieselbe Route gehen. Und noch ein drittes Paar ist da. Ja, aber hallo! Wie geheim ist denn der Geheimtipp?

Die Sonne brennt runter, auf der Schotterstraße ist es wärmer als angenommen. Da überholen uns die Gleichaltrigen, Renate nimmt die Herausforderung an. Nach der Forststraße geht es im Wald recht klar und gerade einer Linie folgend steiler werdend bergauf. Erst denke ich, dass wir die Wanderung ja machen, um fit für die Berge zu werden, aber dann habe ich doch Sorge, dass sich das nicht ganz ausgehen wird. Ich gehe vor und bremse. Das Tempo ist noch immer zügig.

Nach dem steileren Abschnitt im Wald geht es dann flacher dahin. Der Gipfelaufbau ist schön, obschon „Matterhorn“ ein bisserl gar hochgegriffen ist. Am Gipfel sind die drei Paare wieder vereint. Ich denke, wir sechs sind aber an diesem Tag doch die einzigen. Der Zufall hat uns einfach zusammengewürfelt.

Renate zahlt den Preis des schnellen Starts mit leichter Erschöpfung. Auch Mio scheint nicht ganz fit. Aber so sitzen wir da und schauen ins weite Land. Von der Jause gehören Weckerl und Gemüse mir, Mio nimmt den Schinken. Kurz, alles friedlich.

Der Abstieg über die Ameis-Wies-Hütte ist ein bisserl vom Windbruch behindert. Auch merkt man, dass die Gegend hier selten begangen wird. Der Steig ist nicht sonderlich gut ausgetreten. Entsprechend ist es abschnittsweise ein bisserl mühsam. Technisch ist es natürlich kein Problem.

So kommen wir nach gut vier Stunden Gehzeit wieder zum Auto zurück. Alles in allem eine feine Wanderung in abgelegener Gegend. Der Zufall hat uns vier Begleiter geschickt. Sonst vermute ich, ist es hier sehr ruhig. Fein war’s!

Die Tour auf Garmin

Klettersteig Hilde

Ganz schön lange zieht sich die Stoderzinken Alpenstraße von Gröbming zum Parkplatz der Rosemialm herauf. Wir sind an einem Montag in der Zwischensaison hier heraufgefahren. Entsprechend leer ist der große Parkplatz. Der Ausblick war schon während der Anfahrt beeindruckend.

Grödel brauchen wir keine, hätten wir eh daheim vergessen. Aber die festeren Schuhe nehmen wir statt der Zustiegschuhe. Das macht das Kraxeln ein bisserl schwieriger, aber wer weiß, vielleicht verbirgt sich in einer steileren Rinne Schnee. So viel sei vorweggenommen, der Steig ist am 28.4.25 schneefrei. Die Sonne brennt in den Südhang und auf über 1.800m herrscht T-Shirt-Wetter.

Der Zustieg führt erst kurz bergauf, ehe es runter geht. Kurz ist der Zustieg. Auch in aller Gemütlichkeit brauchen wir nicht mehr als 35 Minuten. Nach einem kurzen, einfachen Geröllfeld wartet der Einstieg. Sogar ein schattiges Platzerl gibt es fürs Anlegen von Helm und Klettersteigset.

Der Einstieg ist ein B/C. Erstaunlich, was sich zwischen den Latschen hier findet. Der Fels ist warm und super griffig. Alles sieht nach komfortabel aus und trotzdem geht es gleich merklich los. Renate schnauft – was ist denn da heute los?

Weiter geht es einerseits harmlos zwischen den Latschen und anderseits spektakulär unter einem Überhang dahin. Da hat sich jemand bei der Routenwahl Mühe gegeben. Die Klammernwand ist dann erstmals spannend. Es geht da wirklich senkrecht in die Höhe. Aber die in die Wand geschlagenen Bügel sind beachtlich. Da steht es sich wie auf einer Leiter beim Apfel pflücken. Mit Übung kann man das alles mit wenig Armkraft und nur „aus den Beinen“ gehen. Mit weniger Übung schnauft man da schon ganz schön. Nach ein paar einfacheren Stellen geht es dann in C/D weiter. Wieder Senkrechte, große Bügel und Armbelastung je nach Übung. Fels, Ausblick und Landschaft sind überaus edel. Fein für den, der es genießen kann.

Nach diesen Herausforderungen haben wir ein bisserl die Orientierung verloren. Wir meinen, dass der Ausstieg bald erreicht sein müsste. Aber der Höhenmesser meint, dass wir gerade mal die Hälfte haben. Juchhu, nochmal so viel Freude. Oder, Mist nochmal so viel – das kommt ganz auf die Situation an, in der man sich befindet. Renates Zustand hat sich deutlich verbessert, Garmin gibt ihr zur Sicherheit trotzdem schon mal 4,8 für die aerobe Leistung. Ob sie den Fünfer noch schafft?

Da wir dem Höhenmesser nach den nächsten Latschen beim Blick auf die Höhlenwand Recht geben müssen und wir tatsächlich eher in der Mitte sind, erledigt sich auch das Thema mit dem Fünfer rasch. Renate kämpft tapfer.

Wieder Latschen und dann der Blick auf den Plattenpfeiler! Wau, der sieht auch cool aus. Wieder ist die Wand mit ausreichend Stahl versehen. Die Schwierigkeit ist meines Erachtens somit mit C bzw. B/C richtig angegeben. Das ist auch irgendwie cool, da man bei mittlerer, technischer Schwierigkeit viel Luft unter Sohlen und Hintern bekommt.

Nach diesem Pfeiler rückt das Ende spürbar näher. Die eine oder andere Felsstufe wird noch gekraxelt, ehe der Steig sein Ende findet. Ein paar Minuten und wir stehen beim Gipfelkreuz des Stoderzinkens! Renate hat sich schnell wieder aufgeladen. Fröhlich über den Erfolg wird gescherzt und gelacht.

Runter geht es dann übers Friedenskircherl überraschend kurz zum Parkplatz zurück. Unsere Iduna lädt sich die steile Mautstraße runter fast so schnell auf wie Renate. Wir fahren zurück ins Schlosshotel Pichlarn, wo wir den Nachmittag vertrödeln. Tadellos!

Zusammengefasst: Der Hilde Klettersteig ist ein ganz toll gemachter Steig. Bei mittlerer Schwierigkeit kann man Pfeiler und Wände erleben, die ohne die fetten Stahlhilfen für die Allermeisten unerreichbar sind. Für Anfänger und Kinder ist das aber trotzdem alles nichts. Wer wenig Erfahrung hat, wird die Arme spüren. Wer noch nicht fertig ausgewachsen ist, wird mangels nötiger Arm- und Beinlänge ordentlich gefordert. Das kann man mit Erfahrung leicht kompensieren. Aber Kindern fehlt eben oft beides. Und dann ist da noch die Höhe. Die Ausgesetztheit sollte einem nichts ausmachen. Sonst, so kann ich mir das vorstellen, wird es einem hie und da ein bisserl mulmig werden.

Für uns war es ein superedler Tag. Ende April im T-Shirt hatten wir eine Genusskraxelei der Sonderklasse. Bei diesen Bedingungen ist der Steig eine klare Empfehlung.

Die Tour auf Garmin

Haidsteig

Am Vortag habe ich mich auf unserem Tacx NEO Bike Plus Trainer doch beansprucht, und soll der heutige Tag eine Wanderung mit Renate und Mio auf einen neuen Gipfel von Hinternasswald aus bringen. Aber dann ereignet sich das Hoppala auf unserer Treppe. Renate stürzt, hält das Wasserglas und weitere Utensilien hoch, während sie im Langsitz die Stufen nimmt. Das Bürzel ist geprellt. Wir müssen umdisponieren. Und weil mir nichts besseres einfällt, gehe ich den Haidsteig.

Dort geht aber nicht viel. Ich bin einfach schlapp. Am Zustieg überholt mich einer. Uje, ich werde alt. Oberhalb der Waldgrenze meldet sich Wind. Zumindest für Renate wäre das nichts gewesen.

Den Überholer hole ich beim Einstieg ein. Aber im Steig gibt er erst richtig Gas. Also das ist mir bislang auch nicht passiert. Die Uhr sagt, dass ich mich ein bisserl anstrengen könnte. Das ist ein amerikanisches Produkt, da will ich ein „You’re awesome!“ hören. Darauf wartet man bei Garmin aber ewig, heute ganz besonders.

In der Wand beutelt es mich hin und her. Da freut es mich nicht einmal sonderlich. Bei der Madonna ist auch kein Platz zum Verweilen. Da muss man froh sein, wenn einen der Wind nicht von dem Platzl dort bläst.

Ein bisserl Schnee und Eis ist auch noch da. Und so kommt es, dass ich im einfachen Teil abrutsche – die Bergschuhe sind heute auch nicht die richtigen – und ich mir die Fingerknöchel aufschürfe, ordentlich. Heute freut es mich gar nicht mehr, den Königschuss streiche ich.

Am Plateau lasse ich mich vom Wind bergauf zum Preinerwandkreuz treiben, ehe ich mich an den Abstieg mache. Die Neue Seehütte verweigere ich, auch wenn der Wirt ein einladende Tafel gegen den Wind platziert hat. Vor dem Holzknechtsteig lege ich mich zwischen die Latschen und suche Windschatten. Ich habe Renates Proviant mit. Ein Weckerl in drei Schichten mit Frischhaltefolie dazwischen. Das habe ich auch noch nie gesehen. Prompt nutzt der Wind die Chance, entreißt mir das Jausensackerl und ich muss hinterherrennen. Geh bitte! Echt jetzt?

Am Holzknechtsteig wird es wieder ein bisserl wärmer, mir kommt ein junger Bergsteiger entgegen. Deutsch ist nicht seine Muttersprache, und so verstehe ich nicht ganz, was er heute schon gemacht hat. Ich vermute, er war am Haidsteig und ist den Preinerwandsteig runter. Jetzt will er „hinten herum“ zum Königschusswandsteig. Ich zeige ihm die gelbe Tafel am Einstieg zu seinem Steig, und das ist eher die andere Richtung. Da zeigt er mir sein Planungstool am Handy. Ich hab‘ keine Lesebrille mit und bin verwirrt. Jedenfalls muss er wieder zurück. Ich empfehle ihm einen kurzen Abstieg, weil die Rinne unangenehm sein kann und das Überqueren der Rinne erst weit oben gut geht. Danach müsste er wieder absteigen. Er hört auf meinen Rat – oha. So steigen wir gemeinsam ab und hören nach dem Queren der Rinne ein ordentliches Gepolter. Da kommt ein Fels von der Größe eines Medizinballs in der Rinne runter. Wir schauen uns beide an. Jepp, da haben wir Glück gehabt.

Mir reicht es endgültig, ich steige ab. Ab ins Auto und nach Hause. Heute war ich einfach in der falschen Verfassung am falschen Ort!

Die Tour auf Garmin

ÖTK, Blutspur, Matthias-Prinner

Und schon wieder Hohe Wand, aber diesmal alleine! Na ja, alleine bin ich nicht, denn hier an diesem sonnigen Freitag wimmelt es nur so. Wanderer, Klettersteiggeher, Kletterer sind am Boden unterwegs, in der Luft surren die Paragleiter.

ÖTK-Steig und Blutspur sind heute gefühlt schwieriger. Was lerne ich daraus? Eigentlich ist es nur beschränkt verwertbar, was ich auf die Frage antworte: „Und wie schwer ist dieser oder jener Steig?“. Ganz so klar ist es nicht, womit das zusammenhängt. Als Einflussgrößen habe ich:

  • Die Erinnerung vom letzten Mal. War es das letzte Mal leicht, dann ist es beim nächsten Mal gefühlt ein bisserl schwerer und umgekehrt.
  • Bei den schwierigen Stellen hängt es davon ab, wie ich sie erwische. Das ist faszinierend, da ich die Steige und ihre „Schlüsselstellen“ zu kennen glaube. Selbst, wenn ich mich erinnere, die Stelle ein bisserl weiter außen zu nehmen, ist es nicht gesichert, dass sie mir dieses Mal leicht fällt. Da staune ich.

Letztlich ist es egal, weil ich auch diesmal beide Steige ohne Probleme bewältige.

Den Matthias-Prinner-Steig bin ich erst einmal gegangen. Die Strickleiter habe ich als mühsam in Erinnerung und die Seilbrücke als leichter als gedacht. Prompt kommt es anders! Die Strickleiter ist eigentlich easy und die Seilbrücke ein bisserl Überwindung. Der restliche Steig ist dann einfaches Gelände der Schwierigkeit B. Die vielen Besucher haben den Steig ausgeputzt. Also, kaum noch loses Material. Nach knapp 15 Minuten bin ich durch und gönne mir eine Pause.

Runter geht es den Frauenluckensteig. Zuerst wundere ich mich über die vielen jungen Steinböcke. Wer Steinböcke sehen will, sollte auf die Hohe Wand. Man wird nicht enttäuscht. Es sind irritierend viele und verstörend zutraulich. Das nächste Mal streichle ich einen. Scherzerl, aber viel fehlt nicht.

Der Frauenluckensteig ist dann unerwartet spannend, steigt man doch in schwindelerregender Höhe von Metallbügeln auf eine wirklich senkrechte geschätzt zehn Meter hohe Leiter. Ob das jedermanns Sache ist? Hmm!

Weiter unten habe ich zum Abschluss noch eine Begegnung, die mir den Abschied für heute leichter macht. Am Fuße einer Wand frage ich freundlich ein Kletterpaar in meinem Alter, was sie sich denn vorgenommen haben, und bekomme in tadellosem Hietzinger-Deutsch als Antwort: „Das wissen wir noch nicht so recht! Das schauen wir uns noch an.“. Ja, eh, genau! Ihr habt halt einmal alles eingepackt, was man so bis zum VI. Schwierigkeitsgrad braucht, und oben drauf noch ein paar Kilo Reservematerial dazugelegt. Ich ärgere mich kurz, weil ich wirklich zurückhaltend freundlich gefragt habe, aber mir der Gleichaltrige mit seinem Allerwertesten ins Gesicht fahren muss. Seine Begleiterin lächelt entschuldigend. Wie auch immer, sie muss es mit ihrem Herzilein aushalten.

Abgesehen davon war es ein feiner Tag auf einer diesmal stärker frequentierten Hohen Wand!

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