Haidsteig

Tadellose Sonne, aber kalt und sehr einsam. So lässt sich mein diesmaliger Besuch beschreiben. Aus der Ferne möchte man überhaupt bezweifeln, dass ein Aufstieg möglich sein wird. Das Phänomen kennen wir: je näher man kommt, umso weniger Schnee liegt. Der Parkplatz ist verwaist, Iduna fühlt sich einsam, ich starte. Schon herunten liegt Schnee. Schauen ma a mal!

Erst ist noch eine Spur eines Menschen zu sehen, der mit einem Hund spaziert ist. Aber irgendwann gibt es nur noch Tierspuren. Ich bin entsprechend langsam, aber so langsam? Egal, das überlege ich mir wann anders.

Über eine Stunde brauche ich bis zum Einstieg. Im Steig lächeln mir dann früh Eiszapfen entgegen. Der Fels ist entweder aper, mit losem Eis, mit festem Eis oder Pulverschnee überzogen. So muss ich viele Schritte öfters setzen. Oh ja, ich spüre in den Sohlen, was mich erwartet. Am wenigsten Komfort macht sich breit, wenn Eis unter der Sohle ist. Denn dann muss ich mich ordentlich ins Seil hängen. Das ist eigentlich nur zur Sicherung da. Heute wird es aber auch mal von mir an diesen Stellen zum Raufziehen und Reibungsaufbau missbraucht. Der Steigerhalter mag es mir nachsehen.

Bei der Madonna pausiere ich lange. Es ist einer der seltenen Tage, an dem kein Wind geht. Ich trinke meinen Tee und denke mir, dass Ulli die Ewigkeit sicherlich schon auf die Nerven geht. Nun ja, hier kommt wenigstens Unterhaltung vorbei. Vielleicht bin ich heute der einzige Besuch. Und das Portal! Das muss natürlich eingenommen werden. Alles unverständlich – gut so!

Weiter geht es langsam Richtung Plateau und zum Preinerwandkreuz. Den Königschusswandsteig habe ich schon früh von der heutigen Liste gestrichen. Es liegt daran, dass die Bedingungen heute etwas ermüdend waren. So bleibt mir nur noch ein Abstecher zur Neuen Seehütte, wo ebenfalls ein Portal umgefärbt werden will.

Der Holzknechtsteig ist wie erhofft heute erträglich, ja gar fast angenehm. Am Weg liegt Schnee, und dieser dämpft und bremst den Schritt. Schnee kommt in den Schuh, aber das ist angenehmer als die Steinchen, die es sonst sind. Worüber man sich so freuen kann!

Beim Abstieg passiere ich den Einstieg zum Haidsteig. Hier sehe ich, dass noch zwei andere Klettersteiggeher gefolgt sind. Wie gesagt, am Haidsteig ist eigentlich immer etwas los. Und das ist gut so!

So steige ich nach diesem ruhigen, einsamen Tag ins Auto und rolle heim. Passt so!

Gradonna


Zu den Fotos


Carina schlägt vor, dass wir die Herbstferien im Gradonna in Kals verbringen. Da schlage ich zu. Zwei Turm-Suiten sind noch für diesen Zeitraum frei. Die nehmen wir auch gleich. Wir reisen am Sonntag an, Jasmin kommt am Mittwoch nach. Passt!

Der erste Tag beginnt eiskalt. Ja, da schau her! Am Nachmittag fängt es gar noch an zu schneien. Wir besteigen die Kranzwand, um zu testen, ob Carina bergfit ist. Ist sie. Mio soundso!

So planen wir für den Dienstag den Aufstieg zur Glorer Hütte. Das sind 732 Höhenmeter. Nur ist da noch keine Spur gezogen. Macht aber nichts, denn der Weg ist nicht zu verfehlen. Einzig mit zunehmender Höhe wird der Schnee immer tiefer. Einer geht vor und plagt sich. Irgendwann kommt auch Mio drauf, dass es mit seinen kurzen Beinen besser ist, wenn er hinten nach geht. So hat er wenigstens irgendeine Chance, die Hütte zu erreichen. Dicke Schneeklumpen haben sich an seinem Fell festgeheftet. Uh, das ist so hart, dass ihn Renate gar mal trägt. Aber das ist für sie dann noch härter. Carina kämpft tapfer. Auch für sie ist es anstrengend. Ich habe meine schweren Bergschuhe daheim gelassen. Carin hat nicht einmal daheim hohe Bergschuhe. So haben Carina und ich bald nasse Füße. Das erfrischt, hilft aber auch nicht. Renate motiviert trockenen Fußes Carina und Mio. Noch ein Kilometer und der Schnee ist wirklich tief. Teils brechen wir bis übers Knie ein. Mann oh!

Und dann schaffen wir es doch. Hier heroben sitzt einsam Carsten, vermutlich ein deutscher Aussteiger. Wir sind und werden heute die einzigen Gäste bleiben. Ich kann das alles nicht glauben, aber Carsten ist mit sich im Reinen. Passt doch. Das Essen ist gut. Wir plaudern, Mio schnorrt ein Paar Frankfurter. Wir trauen uns den Abstieg wieder zu. Der ist auch viel leichter, wenn man in Kauf nimmt, dass die Schuhe völlig durchnässen.

Wieder beim Lucknerhaus zurück, bin ich erleichtert, dass die Sonne Schnee und Eis von der Straße geschmolzen hat. Wir sind mit Sommerreifen unterwegs. In der Früh ging es einigermaßen auf der Schneefahrbahn, weil bergauf. Bergab hätte das hart werden können. Ein E-Auto mit zweieinhalb Tonnen am Eis in Sommerreifen bergab – uff! Sorgen waren umsonst, alles gut! Das Abendessen haben wir uns verdient.

Die Tour zur Glorer Hütte auf Garmin


Am Mittwoch macht Carina Pause. Renate und ich kehren zum Lucknerhaus zurück. Von hier wollen wir aufs Figerhorn. Der Schnee hat sich gesetzt, es taut. Am Figerhorn warten über 800 Höhenmeter und eine Spur auf uns. Das sieht machbar aus. Schon nach kurzer Strecke warnt uns ein Vogelfotograf, dass Mio in Gefahr sein könnte. Zwei Adler sind unterwegs, und das könnte für Mio eng werden. Solche Geschichten habe ich auch schon gehört. Aber so richtig glauben will ich das nicht. Egal, Mio muss in der Nähe bleiben. Macht er aber nicht lange, und Adler sind auch keine zu sehen.

Die Tour ist heute bequemer als gestern, auch wenn nach dem Greibichel der Schnee tiefer wird. Dort, wo es dann steiler wird, ist der Weg tief eingeblasen. Der abgeblasene Grat hingegen ist schneefrei. Die Sonne hat brav gewirkt. Nur ist der Grat richtig steil und mit nun nassem Gras bedeckt. Rauf kommt man ja, auch wenn es anstrengend ist, aber runter? Egal, das überlegen wir uns später. So erreichen wir doch etwas außer Atem wieder den Weg, der nun den restlichen Grat entlang zum Gipfel führt. Hier ist es schneefrei und das Gipfelkreuz bald erreicht. Der Großglockner schaut her, wir machen Fotos. Die Bergsteigerjause aus dem Gradonna schmeckt , alles passt.

Irgendwann wird es dann doch kalt und wir steigen ab. Ein Paar hat sich am offiziellen Weg heraufgequält. Das finde ich sehr löblich, denn nun sollte der Abstieg kein Problem sein. Der junge Mann wirkt auf mich wie eine Dampflok, die sich auf Schienen durch den tiefen Schnee heraufgearbeitet hat. Er lacht. Ja, anstrengend war es schon. Aber was soll’s? Seine Partnerin ist gar im kurzen T-Shirt unterwegs, weil das so deppert anstrengend war. Auch sie ist sich bewusst, was das Spuren ihres Partners ihr erspart hat. Ich bedanke mich und bin beeindruckt.

Ja, so ist der Abstieg schnell erledigt. Die Schuhe sind zwar genauso nass wie am Vortag. Die kommen in den Trockenraum, und ich hole noch Jasmin aus Lienz ab. Als sichere L-Fahrerin bringt sie mich nach Kals zurück. Am Donnerstag ist Ruhetag für uns, das Wetter ist okay aber nicht sonderlich gut.

Das Figerhorn auf Garmin


Der Freitag bringt dann eine Tour mit Jasmin zur Blauspitze, immerhin über tausend Höhenmeter. Es ist frühlingshaft warm. Entsprechend sind die Sonnenseiten wieder abgetaut. Auf der Nordseite wird aber schon einiges an Schnee warten.

Wir steigen über das Bergrestaurant Glocknerblick auf. Die Hüttenwirtin erkenne ich prompt. Das letzte Mal habe ich sie vor knapp 25 Jahren gesehen. Wie die Zeit vergeht! Sachen gibt’s. Sie kann sich an mich nicht erinnern – komisch!

Wie auch immer, weiter geht es. Erst die Piste hinauf, ehe wir unter der Blauspitze nach Osten queren. Tja, und irgendwann geht es in die Schattseite des Berges, wo der Schnee beginnt. Eine Spur ist hier vorhanden, das hilft. Die Schneefelder, die es zu queren gilt, sind teils steil. Zum Glück trägt der Schnee gut. Jasmin kämpft tapfer. Oben unter dem Gipfel wird es dann nochmals mühsam. Aufgeben ist aber keine Option, und so erreichen wir lange nach Mio den Gipfel. Die Pause ist hier kürzer, denn es hat zugezogen und es beginnt gar leicht zu nieseln. Fotos, Mannerschnitten, Abstieg..

Mio ist völlig gaga. An den steilsten Stellen dreht er durch. Er will spielen. Das Spiel schaut derart aus, dass er versucht, meine Schuhbänder zu schnappen. Ich wehre ihn ab und er springt bellend herum. Keine gute Idee hier. Sein Hintern hängt bei diesen Spompanadeln bedenklich weit über dem Abgrund hinaus. Mio wird angeseilt mit Sicherung um den Hals. Na ja, besser als abgestürzt!

Auf der Hütte gibt es dreimal Burger. Eigentlich sperrt die Hütte schon um 15 Uhr, aber wir haben Glück. Und wie das schmeckt, da kann die Jause im Gradonna nicht mithalten. Am letzten Stück läuft uns Jasmin davon. Die jungen, elastischen Gelenke sind bergab schneller als meine. Einzig Mio schafft es, zwischen Jasmin und uns zu pendeln.

Die Blauspitze auf Garmin


Am Samstag machen wir noch einen letzten Ausflug zum Glocknerblick zur Jause. Jasmin und Carina genießen die Annehmlichkeiten des Mountain Resorts. Renate, Mio und ich geben unserem Bewegungsdrang nach, der aber nach dieser Woche schon deutlich abgeschwächt ist.

So geht am Sonntag eine Woche in den Bergen zu Ende. Auch das Ressort schließt hinter uns die Pforten. Nach einem Monat Pause beginnt Anfang Dezember hier die Wintersaison.

Fein war es!

Fuchsloch & Karl-Kantner

Vom Preinergscheid über den Fuchslochsteig zum Karl-Ludwig-Haus und von dort wieder runter zum Auto – soweit der Plan. Renate hält sich jetzt bei den Vorbereitungen mit verunsichernden Aussagen zurück, trotzdem fragt sie mich zumindest einmal, ob ich in der kurzen Hose gehe. Dass ich mich ganz spontan auf die Lange umentscheide, bereue ich dann knapp nach Beginn der Tour schwitzend.

Den Fuchslochsteig ist Mio nun schon ein paar Mal gegangen. Vielleicht ist es die Routine, aber heute will es nicht so recht. Wir erreichen den Einstieg rasch. Renate und ich sind beide fit. Garmin vermag keine sonderliche Anstrengung festzustellen. So kommen wir also frohen Mutes zum Steig. Mio schreitet voran und lässt massig Geröll auf uns hernieder. So weit, so normal. Bei der Schlüsselstelle – immerhin mit ausreichend glitzernden Haken versorgt – muss Mio geholfen werden. Diesmal hebe ich ihn hoch, Mio erreicht mit den Pfoten die Wand, drückt sich ab und hebelt mich fast aus der Wand. Pah, der hat eine Kraft! „Der will nur spielen!“ sagt man da als guter Hundehalter. Aber er will nicht spielen und ich finde es nicht lustig. Mann oh!

Die Schlüsselstelle ist wie schon ein paar Mal hier geschrieben wirklich nicht wild. Keine sechs oder gar zehn Meter, wie in mancher Literatur angegeben, und sicher nicht senkrecht. Sonst läge ich jetzt am Fuße der Schlüsselstelle. Also, Schlüsselstelle gut, Rest gut.

Kalt ist es am Plateau. Bin ich froh, dass ich eine Lange anhabe. Kurz nach elf kommen wir zum Karl-Ludwig-Haus. Es gibt Gams-Ragout. Das ist ausgezeichnet, aber auch ein bisserl komisch, da wir drei jede Menge Gämsen gerade noch bewundert haben. Einer ganz besonders, aber der geht jetzt leer aus. Wir plaudern entspannt mit den neuen Leuten der Hütte und brechen doch beeilt auf. Das Wetter ist nicht gut angekündigt und es sieht aus, als käme der Regen früher.

Spontan entscheiden wir uns für den Karl-Kantner-Steig. Eine „Kletterstelle“ umgeht Mio selbständig im Geröll, zweimal braucht er einen Lift. Zusätzlich zu seinem Halsband hat er jetzt ein Brustgeschirr oder passender einen Klettergurt an. Und damit er nicht wieder an der Wand antaucht, halte ich ihn von dieser weg, während ich die paar Schritte absteige. Der freischwebende Mio und ich geben sicherlich ein skurriles Bild ab, schaffen es aber derart ohne Zwischenfall über die zwei leichten Klettersteigstellen.

Knapp vor Einsetzen des Regens schaffen wir es ins Auto. Eine tadellose, kurzweilige Tour ist geschafft.

Die Tour auf Garmin

Haidsteig -Königschuss – Haid

Ein Auto in der Griesleiten – da ist ja wie damals! Die Sommerferien sind vorbei, da wird es einsam an einem Mittwoch werden. Ich bin alleine unterwegs und will zügig den Haidsteig und den Königschusswandsteig gehen. #beatYesterday lautet Garmins Motto. Ich will auch besser sein als gestern. Schauen ma a mal! So ziehe ich los ohne übertriebene Eile, aber auch ohne Trödeln und verliere bis zum Einstieg gegenüber meinen schnellsten Tagen als Ü50 ganze zehn Minuten. Oida, wie geht denn das? Das muss ich daheim studieren. Nix mit #beatYesterday, eher #beatenByYesterday.

Der Haidsteig ist fein wie immer. So ganz alleine für mich mag ich ihn besonders. Bei Ulli schaue ich vorbei. Da ist ein neuer Aufkleber an der Hüttenbuchbox angebracht – siehe Fotos. Seltsam, ob sie das war? Ich bleibe ein bisserl bei ihr.

Der weitere Aufstieg ist natürlich auch kein Problem, nach knapp über eineinhalb Stunden bin ich am Ausstieg. Da fehlt dann eine Viertelstunde auf die alten Zeiten bzw. die Zeiten eines Ü50-Alten. Damit kann ich leben. Vielleicht will ich es ja einmal wissen und es in weniger als 90 Minuten schaffen. Die eineinviertel Stunden scheinen nicht mehr erreichbar. Wichtig war es nie und ist es nicht. Die Sportuhr muss herhalten! Sie ist schuld, weil sie mir das immer vorzeigt bzw. mich nachschauen lässt. Wie schnell ich mit 30 war? Keine Ahnung, da gab es solche Uhren noch nicht.

Beim Preinerwandkreuz treffe ich dann erste Wanderer. Aber kaum verlasse ich das Plateau und steige zum Königschusswandsteig ab, bin ich wieder alleine. Die Querung treffe ich diesmal gut. Beim Einstieg ein Packerl Schnitten und los geht es. Gut geht es. Das Felsenfenster ist gar nicht so feucht wie befürchtet und diesmal tritt ein, was selten vorkommt. Ich komme fast elegant, also ohne Quetschen, Schieben und Drücken, durch. Recht so, das gibt Auftrieb!

Wieder oben am Plateau sehe ich plötzlich das Gesicht eines finster dreinschauenden Kameraden in der gegenüberliegenden Felswand – siehe Fotos. Den habe ich noch nie gesehen. Es muss an der Wolkenstimmung oder am Sonnenstand bzw. der Jahreszeit liegen. Oder er war schon immer da, nur ich blicke diesmal in die richtige Richtung.

Der Boden ist „übersät“ mit Edelweiß. Die haben sich über die Jahre ausgebreitet. Ich mache Fotos und beschließe, den Haidsteig wieder abzusteigen. Man muss ja variieren. Beim Abstieg kommen mir dann vier Gruppen mit insgesamt zehn Kraxlern entgegen. Gleich viele Frauen wie Männer sind unterwegs. Ich plaudere und hole das soziale Defizit der letzten Stunden nach. Die tschechische Vierergruppe ist sehr jung und etwas verwundert, dass man den Steig auch bergab gehen kann. Kann man, ist leichter als gedacht.

Müde aber doch rolle ich wieder heim. Auch wenn alles unerklärlicherweise laut Uhr langsamer geworden ist, habe ich mich fast so gefühlt wie vor ein paar Jahren. Ich muss das noch einmal überprüfen oder – besser – einfach akzeptieren. Fein war es jedenfalls allemal!

Die Tour auf Garmin

Altenbergsteig

An diesem Samstag zieht es uns wieder einmal an die einsame Seite der Rax. Am Preinergscheid ist noch massig Trubel. Die Parkplätze sind am späteren Vormittag schon knapp, die meisten Wanderer zieht es Richtung Waxriegelhaus.

Wie zu erwarten sind wir somit am Weg zu Karreralm einsam unterwegs. Renate düst dahin. Bei der Karreralm will sie nicht einmal eine Pause machen. So steigen wir nach ein paar Distelfotos eben weiter. Mit den Höhenmetern fällt die Temperatur und das ist Mio gerade recht. Der Aufstieg ist eine schöne Wanderung ohne technische Schwierigkeiten, und wer sie ohne Unterlass geht, ist auch bald oben.

Mio hat Gämsen erblickt. Aber er ist kein junger Hund mehr, also kein Imponieren oder angedeutetes Jagen mehr. Stattdessen die Schnauze tief am Boden jagt er über das Gras. Er mag das Plateau. Liegt es an der Kälte, die einige, junge Wanderer in kurzen Hosen und mit blauen Knien wegzulächeln versuchen? Pah, da pfeift der Wind und die Sonne versteckt sich hinter den Wolken. Der Sommer ist vorbei, zumindest für heute. Wir haben uns fest eingepackt.

Auf der Heukuppe drängen sich die kurzhosigen, jungen Männer aus dem Osten im Windschatten einer Mulde. Mio überwindet Sprachbarrieren und bettelt ihnen ihre Jause ab, zumindest den wurstigen Anteil. Er will gar nicht weiter. Als ich ihn dann doch losreiße, ist Renate schon vom eisigen Wind verweht. Zahlreiche Wanderer kommen vom Karl-Ludwig-Haus herauf. Mit dem Wind im Rücken vermag Mio sein Frauchen nicht zu erschnüffeln. Hat er es diesmal mit dem Nicht-Hören-Wollen übertrieben? Was für eine Freude, als er sie dann doch ausmacht!

Das Karl-Ludwig-Haus hat einen neuen Pächter. So viel Personal habe ich hier heroben überhaupt noch nicht gesehen. Alles läuft recht professionell ab. Wir werden freundlich empfangen. Okay, wir sind ein bisserl spät dran und die anderen Gäste mit dem Mittagessen wohl schon fertig. Egal, wir bekommen das Essen schnell und gut ist es auch. Am Internet beschweren sich die Gäste über die hohen Preise, doch die Aufregung mag konzertiert sein, denn mir fällt kein Aufschlag zu früher oder einer anderen Hütte in der Nähe auf. Wir sind zufrieden und steigen mit vollem Bauch den Schlangenweg ab, wo es allmählich wieder wärmer wird.

Der Abstieg vom Siebenbrunnenkessel über die Alte Schipiste wird renaturiert. Aha, was es nicht gibt. So geht es teils die Forststraße und teils durch den Wald zum Parkplatz zurück.

Schnelle Runde mit Renate und Mio – tadellos!

Die Tour auf Garmin

Weg ohne Grenze

Gernot hat Geburtstag – ein Grund nach Kärnten zu kommen. Am Vortag seines Ehrentages fahren wir gemeinsam vom Wörthersee auf den Plöckenpass. Zwei Klettersteige haben wir uns ausgesucht: den Cellonstollen und den „Weg ohne Grenze“. Ein gut besuchter Parkplatz auf italienischer Seite erwartet uns. Ein Stück müssen wir zurück Richtung Österreich (aber nicht im Tunnel!), ehe, gut angeschrieben, der Steig über die Verbauung bergauf führt. Der Zustieg ist kurz.

Geschichte ist hier angesagt, zumal der Cellon bzw. Frischkofel im ersten Weltkrieg wild umkämpft war. Wer die Gipfel hat, kontrolliert die Pässe und damit die Grenzen – so das damalige Motto. Als der Cellongipfel schon von den Italienern erobert war, schlugen die Österreicher den Stollen in den Stein, um die Stellung auf der Cellon-Schulter halten zu können. Steil geht es im Stollen hinauf. Alle 20 bis 30 Meter ein Luftloch. Damals waren Holzstufen verbaut, heute sind es ein Seil und dort, wo notwendig, Eisenklammern. Bei unserer Begehung war es feucht und ein bisserl rutschig, aber alles gut machbar. Wir haben so viele Fragen und sind voller Respekt, was das für eine Arbeit war. Die Begehung ist ebenso kurzweilig wie spektakulär.

An der Schulter angekommen, geht es weiter zum Klettersteig „Weg ohne Grenze“. Auch der Abschnitt ist nicht sonderlich weit und bald stehen wir am Einstieg des Klettersteigs. Die Schwierigkeit ist mit D angegeben. Entsprechend respektvoll blickt eine von uns den Herausforderungen entgegen. Einige Klettersteiggeher sind unterwegs, aber die lassen wir vor. Renate bekommt eine Blitz-Einschulung von Gernot in die Verwendung des Skylotecs, einem Sicherungsgerät, das die Sturzlänge im Falle eines Falles minimiert. Nicht wissend, was ich zwischenzeitlich mit meiner Zeit anfangen soll, mampfe ich den Proviant für den heutigen Tag in mich hinein.

Dann geht es los. Nach ein paar einfachen Metern erwartet uns eine steile Rampe. Sie ist mit B/C bewertet. Mit Erfahrung ist sie wirklich nicht annähernd so schwer wie sie spektakulär ist. Der gesamte Steig ist toll angelegt, der Fels ist durchgängig griffig und kein bisschen abgeschliffen (2025). Es warten eine C/D- und zwei D-Stellen. Alle drei Stellen sind eher kurz und somit nicht allzu kraftraubend. Dies vorausgesetzt, dass man zügig über die Stellen kommt. Zum Abschluss dann noch eine Wand mit der Schwierigkeit C und das Ende ist erreicht. Was sich kurz liest, ist zeitlich und von den Höhenmetern ein ganzes Stück. Es ist ein überaus feiner Steig, der das Prädikat „Empfehlenswert“ verdient. Für Anfänger und Kinder gibt es Passenderes. Wer es trotzdem probieren will, soll zu jedem Anfänger bzw. Kind jemand mit Erfahrung dabei haben, der gegebenenfalls an einem Seil sichert. Der Steig ist mit Klebehaken ausreichend versorgt.

Gegen Ende des Klettersteigs ist Nebel aufgezogen. Den Frischenkofel, oder besser bekannt als Cellon oder Creta di Collinetta, nehmen wir natürlich mit. Der Weg dorthin ist gesäumt, von von Menschen geschlagenen Höhlen mit Fenstern, um Richtung Plöckenpass feuern zu können. Hier auszuhalten, muss Irrsinn gewesen sein. Wie das im Winter war, 1916 war es sicher deutlich kälter, mag man sich gar nicht vorstellen. Gernots späte Berufung zum Immobilientreuhänder beweist sich hier. Er ist versucht, jede Höhle zu begehen, meint, Schlaf- und Essraum zu erkennen. Er schreitet ab, will ausmessen und überlegt wohl, wie er das potenziellen Mietern schmackhaft machen könnte. Jede Höhle beeindruckt ihn, uns weniger.

Wir rasten am Gipfel, die verbliebenen Kokoskuppeln müssen weg, aber ich explodiere gleich. Eine neue Form der Bedrohung hier heroben. Im Abstieg weichen wir von der geplanten Route ab, steigen kühn einen anderen, möglichweise zwar eingezeichneten, aber nicht offiziellen Weg ab und sparen uns derart doch einiges. Renates Fußballen streiken wieder einmal und so sind wir froh über die abgekürzten Kilometer.

Am Plöckenpass gibt es noch Pasta. Gernot hat nicht nur eine Leidenschaft für Erdlöcher sondern ebenso für alles, was aus Italien kommt. Er bestellt auf Italienisch – die vielen Duolingo-Stunden und Online-Kurse machen sich bezahlt. Ob es dann die beste Pasta war? Ich weiß es nicht. Vielleicht hatte ich einfach zu viel während der Tour in mich hineingestopft.

Die Runde kann man jedenfalls jedem empfehlen, der Freude an schönen, ausgesetzten und etwas fordernden Klettersteigen hat. Ein toller Tag war es auf jeden Fall!

Die Tour auf Garmin

Ankogel (3.252m)

Unsere Unternehmung steht an der Kippe, denn in Kärnten kommt am Vorabend Renate zur Erkenntnis, dass sie in Flip-Flops in Breitenfurt losgefahren ist, und derart ihre speziellen Einlagen für die Schuhe vergessen hat. Selbst mit Einlagen ist so eine Bergtour mitunter eine Mühsal, aber so! Das wird was!

Mit geliehenen Einlagen – von Renate zu Renate – geht es mit Gernot und Mio zur Talstation der Ankogel-Seilbahn und mit dieser bis auf 2.650m. Es ist warm. Das passt zum labilen Wetterbericht. So ziehen wir ein bisserl schwitzend in langen Hosen los. Heerscharen von Gipfelstürmern aus allen Herren Länder sind unterwegs, die meisten in Shorts und bei früher aufziehenden Gewittern in einer sicherlich unangenehmeren Lage. Aber meistens wird es wohl gutgehen. Wir sind halt überaus vorsichtig. So grüble ich, während wir in einer wilden Truppe Niederländer dahinziehen. Die Gruppe gibt alles und hält durch. Zumindest am ersten Teil, der leicht bergab Richtung Osten führt. Aber kurz nachdem sich der Anstieg ins ehemalige Lassacher Kees vom Tauern-Höhenweg trennt, trennen auch wir uns von der Gruppe. Da ist schon was los hier. Den weiteren Verlauf des Weges erkennt man leicht an den vielen Bergsteigern, die hier Richtung Ankogel bzw. zumindest Richtung Kleiner Ankogel stürmen.

Jetzt kommt die Stelle, an der ich schon manchmal geschrieben habe, wie das damals im vorigen Jahrtausend war, als ich mit dem Vater unterwegs war. Ich meine, es war damals eine Tour mit Begehung eines Gletschers. Aber es ist zu lange her, um mich belastbar zu erinnern. Also, diesmal kein Bericht von fast vor einem halben Jahrhundert.

Das bisserl Gletscher, das da noch über ist, bedarf keiner speziellen Ausrüstung. Entweder es liegt ausreichend weicher Firn oder das Eis ist dick von Geröll bedeckt. Mio ist völlig respektlos, er nimmt in den ärmlichen Gletschertümpeln ein Eisbad. Selbst, wenn ab sofort kein CO2 mehr ausgestoßen wird, der Gletscherrest wird hier in ein paar wenigen Jahren verschwunden sein. So steigen wir über loses Gestein und Blockwerk auf. Viel kann man da bei brauchbaren Bedingungen nicht falsch machen. Mittlerweile nehmen Wolken den größten Teil des Himmels ein, aber es sollte weiter trocken bleiben. Kurz, man überblickt fast die gesamte Strecke. Ich habe mir die Tour fast sträflicherweise nicht einmal heruntergeladen.

Der Kleine Ankogel ist bald erreicht. Hier findet Mio einen Kollegen, einen Irish Setter. Das Herrl will nicht weiter. Da sind wir zuversichtlicher, obschon Renate Sorge hat, ob sie denn mit ihren malträtierten Fußballen da wieder runterkommt – und vor allem wie. Anderseits, wie oft kommt man daher. Also, sie probiert es – tapfer! Mio wird auch den „Kletterteil“ mit I+ bis II schaffen. Der Grat und Hang sieht vom Kleinen Ankogel aus steil her. Aber das haben Gegenhänge so an sich. Schauen wir einmal, wie sich der Berg gibt, wenn wir dort sind. Und so ist es dann auch, was von gegenüber wild und abweisend wirkt, verliert bei näherer Betrachtung seinen Schrecken. Ganz oben warten noch zwei Stellen, wo Mio ein bisserl Hilfe in Anspruch nimmt. Aber ein IIer ist das ganz sicher nicht!

Beim Gipfelkreuz herrscht ein Treiben, das es einem anders werden lässt. Doch halt, die Felsnadel da drüben sieht doch höher aus. Mio hat Freundschaft mit einem Wurstsalat-Rudel gemacht. Schon davor hat er anderen Gipfelsiegern die Wurst aus dem Brot geschnorrt, aber so eine Tupperware-Schüssel mit Wurstsalat will sorgfältiger geteilt werden. Die einen bekommen den Salat, der andere die Wurst. Okay, Mio ist beschäftigt. Ich entferne mich unerlaubt von der Truppe und sehe mich nach leichtem Zustieg auf der Nadel. Schon macht sich der erste zu mir auf den Weg, und ich rufe Gernot zu, dass hier ganz heroben ist. Gernot kommt nach. Es werden Fotos gemacht. Das hat Auswirkung auf die Influencer und anderen Fotosüchtigen beim Gipfelkreuz. Man will jetzt ein Foto von dort oben auf der Felsnadel. Mein Plan geht auf, wir haben nun das Gipfelkreuz fast für uns alleine. An der Felsennadel müssen sich zwischenzeitlich tumultartige Szenen abspielen.

Die Wolken werden dunkler und wir haben es kurz ein bisserl eilig. Beim Abstieg heben wir Mio an zwei Stellen, aber das ist nicht so schlau. Denn wir stehen wackelig da und Mio will gar nicht, was wir da machen. Erste Protestrufe von aufgeschlossenen Bergsteigerinnen führen dazu, dass Mio die Route wieder selbst wählen darf. Das geht ohnedies besser. Ich bin wirklich erstaunt, wie er den Weg mit Leichtigkeit findet. Wir folgen ihm und stehen dann prompt einmal an. Das wäre ein Eintrag im Bergrettungsbericht: „Die gut ausgestatteten Alpinisten gaben an, ihrem Hund, einem italienischen Lagotto, in immer unwegsameres Gelände gefolgt zu sein…“. Es kam aber nicht so, wir konnten uns selbst retten.

Mio ist in der Zwischenzeit voraus und hat am Kleinen Ankogel wieder seinen Jausen-Check bei anderen Bergsteigern durchgeführt. Die sitzen am Boden. So eine Konstellation kann sich ein Lagotto nicht entgehen lassen. Als wir weiter absteigen, sieht Mio überhaupt keine Veranlassung, diesen für ihn so ertragreichen Flecken Erde hinter sich zu lassen. Wir sind für ihn außer Sichtweite, und ich schaue immer wieder hinter dem Felsen vor. Da steht Mio oben und bettelt. Die Leute sind jetzt irritiert. Vielleicht war es doch nicht so eine gute Idee, den Hund zu füttern. Na ja, machen wir es kurz, ich muss Mio holen. Denn nach den salzigen Snacks steigt er aus verständlichen Gründen in ein Schneefeld ab. Dort realisiert er, dass sein Betreuungsteam irgendwie abhandengekommen ist. Ah nein, da ist ja schon einer, nämlich ich. Uff, alles gut! Er springt das Blockwerk runter und holt Gernot und Renate rasch ein. Jetzt bin ich der, der als einziger aus der Gruppe noch knapp unterhalb des Kleinen Ankogels steht und nicht weitertut!

Der weitere Abstieg erfolgt im Beisein vieler anderer. Wie gesagt, alleine ist man da nicht. Zwei Bergsteigerinnen haben die Bergrettung angerufen, weil sich eine der beiden eine Wunde zugezogen hat und sich nicht in der Lage sieht, den Abstieg eigenständig zu bewältigen. Die beiden Frauen in meinem Alter wirken schon ein bisserl geschockt, scheinen aber recht bergerfahren. Sie haben gar einen Biwaksack mit. Was kann ich da noch an Unterstützung anbieten? Der Hubschrauber soll eh bald da sein. Wir gehen weiter, und tatsächlich hören wir nach ein paar Minuten schon den Hubschrauber, der sogar hier in dem Blockwerk etwas findt, um zu landen. Nochmal geschätzte zehn Minuten später stürzt sich ein gelber ÖAMTC-Rettungshubschrauber an un s vorbei spektakulär ins Tal hinunter. Wow, das funktioniert!

Wir hingegen schleppen uns Richtung Hannoverhaus. Renate stakst eher langsam dahin. Nach ihren Aussagen war die letzte Stunde wieder kein Genuss, aber es war die Tour jedenfalls wert. Beim Hannoverhaus gibt es reichlich Stärkung und die ersten Regentropfen.

Noch 70 Höhenmeter zur Bergstation und wir rauschen wieder runter in die Hitze. Beim Auto setz gar ein bisserl kräftigerer Regen ein. Auf die Minute genau, Glück muss man haben!

Die Tour auf Garmin

Tassilo – Schermberg

Der Tassilo-Klettersteig im Toten Gebirge steht auf der Liste. Und weil wir es gemütlicher angehen wollen, reservieren wir uns zwei Plätze auf der Welser Hütte.

Jede Tour beginnt mit einer sorgfältigen Vorbereitung. Diese sieht bei uns so aus, dass eine von uns beiden extrem großes Interesse zeigt, was der andere so einpackt. Also, ob ich eh weiß, dass es am Donnerstag in der Nacht nur 3° am Gipfel haben wird. Mag sein, aber um vier in der Früh werde ich da eh nicht oben sein. Sollen wir nicht doch auch die warmen Jacken mitnehmen? Zusätzlich zu den drei anderen? Mann oh! Während ich also packen will, bekomme ich das Handy vor die Nase gehalten, ob denn diese Kletterstelle mit jener vergleichbar ist, die sie am Hilde-Klettersteig bewältigt hat. Es reicht! Da bietet sich an, dass DPD heute eine neue Kaffeemaschine liefern will. Warum die alte Maschine bei der Reparatur ist? Na, da hat eine von uns beiden solange die Knöpfe gedrückt, bis eine Luftblase im Boiler hängen geblieben ist. Aber das ist eine andere Geschichte. Den Lieferwagen von DPD kann man am Internet verfolgen, und so kommt mir die Idee, ob Renate nicht dem Lieferwagen entgegenfahren will, um unsere neue Maschine zu holen. Das sollte mir Ruhe zum Packen verschaffen. Claro! Weg ist sie! Den findet sie nie.

Und schon läutet das Handy:

„Ich glaub‘, ich bin gerade am DPD-Auto vorbeigefahren?
Kannst du schauen, wo es ist?“
„Wo bist du denn?“
„Da bei der Kreuzung, wo wir eh auch vorgestern waren.“
„Ah, dann kenn‘ ich mich aus!“


Das wiederholt sich so ein paar Mal. Mein Plan war also für die Fische. Tja, dann läutet es erneut: „Ich hab‘ den Fahrer! Er sitzt vorm Billa und macht seine Mittagspause.“. So erjagt Massima die Kaffeemaschine – Respekt! Mein Respekt gilt auch dem Fahrer, denn der hat es mit Humor genommen. Immerhin erspart er sich so eine Fahrt. Sagt er, was er denkt, wissen wir nicht.

Renate hat bei der Anfahrt schon jede Menge Fragen an den Wirt, unter anderem, ob er einen Rucksack-Service anbietet. Der arme Wirt wirkt entnervt. Okay, dann müssen wir schleppen. Ich überlege, Renate das Handy abzunehmen.

Wir starten vom Parkplatz des Almtalerhauses. Zuerst geht es über einige Kilometer eine Schotterstraße bis zur Talstation der Materialseilbahn, nun noch ein bisserl Schonfrist im mäßig steilen Wald, ehe die Route ordentlich bergauf zur bereits früh sichtbaren Welser Hütte ansteigt. Zwei, drei Leitern warten auf dem von der Nachmittagssonne gut ausgeleuchteten Anstieg. Zum Glück ist es heute nicht so heiß.

Es geht erstaunlich gut und wir schaffen es mit Leichtigkeit pünktlich zum Abendessen auf die Hütte. Den Tisch teilen wir mit zwei Oberösterreichern. Es sind zwei Strukturbiologen, der eine unterrichtet an der Uni, der andere erfindet mRNA-Impfstoffe. Na, damit hätte ich nicht gerechnet. Wir diskutieren Renates Lieblingsthema, nämlich die kabellose Stromübertragung mit Tesla-Spulen. Weiter geht es mit Fragen wie, welche Strahlen auf welche Art Körperzellen erwärmen und warum KI auch nur die konsequente und rechenintensive Umsetzung der alten Ideen aus dem vorigen Jahrtausend ist. Yeah, ich war der erste Jahrgang an der TU, bei dem schon einige Übungen auf einem PC gemacht wurden und habe meinen Abschluss am Institut für Datenbanksysteme und Künstliche Intelligenz gemacht. Ja, da schaut ihr alle!

Wir haben ein Achterzimmer zu zweit. Das klingt widersprüchlich, zumal die Hütte keine freien Betten hat. Aber der Wirt und die Infrastruktur sind am Limit und so haben wir zu zweit die geräumige Juniorsuite. Ober uns quietscht der Holzboden, wenn jemand herumgeht, wir hören die abschließende Worte anderer BergsteigerInnen aus anderen Etagen vor dem Einschlafen und sind fast live dabei, wenn jemand noch aufs WC geht. Hüttenleben vom Feinsten, und trotzdem finden wir unseren Schlaf.

Der Morgen erwartet uns mit traumhaften Bedingungen. Renate fühlt sich fit und so geht es nach dem Frühstück los. Die meisten besteigen den Großen Priel, aber wir biegen nach 20 Minuten gemeinsamen Wegs rechts in die Einsamkeit ab und erreichen nach weiteren zehn Minuten den Einstieg des Tassilo-Klettersteigs.

Die Bedingungen sind wirklich einmalig. Der Steig ist wohl selten begangen, denn der Fels zeigt keinerlei oder kaum Abriebspuren. Die technischen Schwierigkeiten sind mit C/D fair beurteilt. D erscheint mir dann doch zu hoch. Ein paar Mal hat man kurz Zug auf den Armen. Nach so einer Stelle lässt der Steig aber sofort wieder locker. So erreichen wir das Almtaler Köpfl, womit wir laut Topo die Schwierigkeiten hinter uns haben sollten.

Ein Hubschrauber schwirrt am Plateau herum. Er setzt Leute am Seil ab und nimmt wieder welche auf. Übt man hier? Jedenfalls stört das Gerattere die Ruhe da heroben. Erst wieder daheim werden wir lesen, dass einer der beiden Wissenschaftler gestürzt ist und aufgrund seiner Verletzung am Unterschenkel vom Hubschrauber geholt werden musste. Uje, ihm alles Gute!

Der restliche Anstieg auf den Schermberg ist dann länger als erwartet und auch noch ein paar Mal zum Anhalten. Renate schnauft. Am Gipfel erwartet uns ein eher bescheidenes „Gipfelkreuz“ und vier andere BergsteigerInnen, die von der anderen Seite heraufgekommen sind. Das Wetter lädt zu einer Pause ein. Tadellos!

Der Abstieg erfolgt über den Hermann-Wöhs-Steig. Der ist technisch nicht schwierig, aber eben der Abstieg. Es geht über Gletscherabschliff an teils ordentlichen Felsspalten und Dolinen vorbei. Die Sohlen halten auf dem steilen Fels recht gut. Aber dann passiert es. Renate hält sich an einem größeren Felsbrocken, und der bricht aus. Die Folge sind ein schmerzverzerrtes Gesicht und ein offenkundig bald blutendes Schienbein. Ich überlege. Blöd, dass der Hubschrauber schon weg ist, sonst hätten die zwei Sturzpiloten in Gegenwart des Hubschrauberpiloten ein bisserl über Renates zweites Lieblingsthema „Herausforderungen des Beamens und Klärung der Frage, ob Renate das noch erleben wird“ fachsimpeln können.

Aber so muss Renate tapfer alleine absteigen. Heute wird nicht gebeamt. Eher mühsam vernichten wir Höhenmeter, bis wir endlich die Welser Hütte wieder erreichen. Es gibt ein ausreichendes Mittagessen und ein bisserl Erholung.

Jetzt fehlen nur 1.012 Höhenmeter im Abstieg. Das klingt nicht übertrieben viel, ist aber so mühsam, dass Renate ab der Talstation der Materialseilbahn nicht mehr so recht weiß, wie sie ihre Füße aufsetzen soll. Die Ballen streiken. Den letzten Kilometer stakst sie mehr als sie geht. Schaue ich sie an, höre ich ein: „Der Klettersteig war es aber wert!“. Na, dann! Und wie so oft erreichen wir dann doch noch den Parkplatz, von wo wir nach einer gelungenen Tour Richtung Heimat gleiten.

Die Details auf Garmin

Matthias-Prinner-Steig

Ganz ohne schlechtes Gewissen machen wir uns im E-Auto zu Mittag auf den Weg an die Hohe Wand. Renate möchte einen Klettersteig mit Seilbrücke ausprobieren. Das wird gemacht.

Bin ich mal zu ungewöhnlicher Zeit unterwegs, treffe ich ungewöhnliche Leute. Einige Novizen sind im Steig. Nach einem Klettersteig der Schwierigkeit A/B ist nun dieser Steig mit C/D dran. Und das klappt auch recht gut. Als nächstes Ziel verraten sie mir die Zugspitze. Ah ja, wer denn diese Ideen hat? Einer von den drei jungen Herren schaut YouTube und hat die Klettersteige entdeckt. Und es macht Spaß! Was soll da schon schiefgehen? Die Erfahrung wird kommen. Aufrichtig und ehrlich: alles Gute und viel Freude in den Bergen!

Die Krönung ist aber ein Paar, das wir nach der Frauenlucke im Abstieg treffen. Sie befinden sich im Aufstieg. Auch sie haben sich ein Klettersteigset ausgeborgt und sind begeistert. Welchen Steig sie denn gehen wollen? „We don’t mind!“. Ich vermute, sie wollen den Matthias-Prinner-Steig gehen, sind aber 50 Meter zu früh links weg, wo sie in der Frauenlucke recht wenig mit dem Klettersteigset als Sicherung anfangen können. Denn da fehlt das Seil. Sprachschwierigkeiten und meine vehement Aufmerksamkeit einfordernde Frau lassen es nicht zu, dass diese seltsame Situation aufgeklärt wird. Aber der junge Mann grinst, erkennt den Ernst meiner Lage und macht weiter. Den beiden gefällt es, was könnte besser sein?

Der Steig selbst ist nicht sonderlich lange und wird oft als einer von mehreren an einem Tag gemacht. Renate ist aber hier, um die Seilbrücke zu probieren. Am Königsjodler soll immerhin so ein Seiltanzstück auf sie warten. Da schau‘ her, ist mir gar nicht so erinnerlich.

Die steile Strickleiter am Einstieg des Matthias-Prinner-Steigs macht ihr keine Mühe und auch die Seilbrücke nicht. So sind wir recht rasch durch den Steig. Das Selbstvertrauen ist wieder ein bisserl gewachsen, neue Herausforderungen mögen kommen.

Runter dann durch die Frauenlucke, die mich mit ihrer 15 Meter hohen Leiter immer wieder überrascht. Also, es sind keine technischen Fähigkeiten nötig, wenn man von oben einsteigt. Aber ein bisserl Überwindung muss man schon aufbringen.

So rollen wir nach bestandener Probe wieder nach Breitenfurt. Strom haben wir so viel, da bleibt nur das bisserl Reifenabrieb. Alles gut!

Der Steig auf Garmin

Dachstein – Schulteranstieg

Renate fühlt sich als gebürtige Steirerin verpflichtet, den höchsten Berg der Steiermark zu erklimmen. Der Hohe Dachstein ist mit seinen 2.995 m nicht nur der höchste Berg der Steiermark und Oberösterreichs. Spitzfindige glauben zu wissen, dass das Gipfelkreuz auf der steirischen Seite steht. Nach italienischer Messung ist er übrigens 3.007 m hoch, aber das ist eine andere Geschichte.

Von meinem letzten Besuch vor fünf Jahren weiß ich, dass es sich am Klettersteig in der Früh ziemlich stauen kann. Ich weiß auch, dass damals um die Mittagszeit keine Bergsteiger mehr warteten. Die Wettervorhersage sieht windiges, aber sonst sonniges und trockenes Wetter. Sollte passen! Die Ausrüstung für den Randkluftsteig lassen wir daheim. Ich habe keine Lust auf das Schleppen der Gletscherausrüstung. Wir werden also den Schulteranstieg hinauf- und wieder hinuntersteigen.

Eigentlich wollten wir auf der Seethalerhütte übernachten. Wir hatten auf den Sonnenuntergang und Sonnaufgang gehofft. Aber leider ist laut Hüttenwirt alles voll. Vorort erfahren wir dann, dass eigentlich „alles leer“ richtig gewesen wäre, weil zwei Tage lang spontan geschlossen war oder geschlossen werden musste.

So wählen wir wieder einmal Schloss Pichlarn, von wo es eine knappe Stunde zur Südwand des Dachsteins ist. Wir reservieren unsere Bergfahrt für 10:45. Aber das habe ich mir anders vorgestellt! Die Parkplätze haben sich schon gefüllt, wir parken entlang der Straße und müssen die letzten paar Hundert Meter zu Fuß weiter. Zeitreserven waren eingeplant und wir schaffen es bis 10:45 zur Seilbahn. Aber statt einem „Kommen Sie nur vor!“ erwartet uns eine Schlange. Die 10:30-Reservierungen warten vor uns, wir inmitten der 10:45er. Die Sonne brennt runter, keine Gnade für mich in langen Hosen und langem Shirt, präpariert für den Gletscher. Meine Beobachtungen ergeben: bei normalem Andrang fahren die Gondeln alle 20 Minuten, bei hohem Andrang alle 7,5 Minuten. Da passen die Reservierungen alle 15 Minuten nicht dazu. Entweder ist das genial, weil es letztlich ganz gut gepasst hat – wir haben die Gondel um 10 Uhr 52 und 30 Sekunden erwischt und waren wie geplant um 11:00 bei der Bergstation – oder es ist dann doch im mathematischen Sinne irgendwie vertrottelt. Es gibt noch weitere Parameter wie die Kapazität der Gondel und die Anzahl der verkauften Plätzen. Die Verantwortlichen machen sogar Überbuchungen, cool! Steckt doch Software mit künstlicher Intelligenz hinter dem Algorithmus oder eher steirische Gelassenheit á la „Das geht sich jeden Tag irgendwie aus! Oben geblieben ist auf jeden Fall noch keiner und wenn, dann hat er auch irgendwie runtergefunden!“.

Bei der Bergstation warten die singenden Murmeltiere wie auch vor fünf Jahren auf ihre neuen Pflegeeltern. Wir sind es nicht, wir sind eher happy, dass wir nicht die kurzen Hosen gewählt haben, denn neben den Murmeltieren pfeift auch der Wind anständig. Die Bedingungen sind rauer geworden: Hütte geschlossen, lebhafter Wind,.. Zum Glück hat Renate ihre Polarbären bzw. Polarbeeren in die Trinkflasche gefüllt.

Nur wenige Wanderer sind auf dem Weg Richtung Seethalerhütte. Ich sehe keine Helme, unser Plan könnte aufgehen. Am Einstieg sehen wir dann doch schon aus der Ferne vier Kletterer in der Wand. Weit sind sie noch nicht gekommen. Sie bewegen sich auch nicht. Seltsam, sind die Deko? Wir kommen näher, aber die bunten Kleckse kleben mit gespreizten Beinen an der Wand. Hängen die schon seit den Morgenstunden da? Am Einstieg macht sich eine Einzelgängerin fertig, von der Seethalerhütte stürmt eine Gruppe in voller Montur und gut ausgerüstet aber in Trailschuhen herbei. Turnschuhe und Pickel – eine seltsame Kombi! Die fünf Herren kommen aus dem Osten, also nicht nur von der östlichen Seethalerhütte sondern auch aus Tschechien. Kein Gruß – stattdessen im Stechschritt in die Wand. Das verschreckt die Farbkleckse. Die Verstopfung löst sich und so sind bunte neunköpfige Perlenkette vor uns. Das wird gut gehen. Wir starten zu dritt in die Wand.

Der Steig ist am Anfang ein C und ein bisserl schwer, aber nicht sehr. Bei weniger Schnee ist der Einstieg vielleicht übler. Bei uns tut sich eher nur ein Randklüftchen auf. Trotzdem muss man sich da ein bisserl nach vorne fallen lassen. Nach links sollte man nicht schauen. Da tut sich hinter einem schmalen Spalt dann schon ein bisserl größerer Abgrund auf.

Die Sonne lacht, der Wind pfeift, der Fels ist ein bisserl abgeschliffen, aber okay. Es geht dahin. Die Einzelkämpferin ist Lise aus den USA. Ich plaudere angeregt und vergesse ganz, dass ich ja mit meiner Frau da bin. Renate hängt an einer der C-Stellen unter mir und will den passenden Tritt nicht finden. Ich bin mit meinem Schulenglisch oder besser mit meinem Deutsch-Italienisch-Polnisch-Englisch gut gefordert. Gut, dass mich Duo mit Spanisch und Arabisch unterstützen will, aber ich überhöre meine Frau, die ihre Seele in den Wind schreit. Die Situation könnte eskalieren, alles Welt hätte Verständnis. Da zeigen sich die Qualitäten meiner lieben Frau. Ich steige vorsichtig ab zu ihr. Mein Verhalten hätte eine neue Frisur gerechtfertigt. Und da hätten mich weder Helm noch mein Drei-Millimeter-Schnitt gerettet. Jeder Richter hätte sie verstanden, wenn sie mich in der Randkluft entsorgt hätte. Aber sie bleibt ruhig. Ich sehe nicht einmal einen „Stirb“ doch!“-Blick an ihr. Nichts, gar nichts! Das macht mir noch ein schlechteres Gewissen. Fix ist, ich bleibe besser hinter ihr.

Nun unterhält sich Renate mit Lise. Lise feiert ihren Geburtstag am nächsten Tag. Wir sind in also nur ein paar Jahre älter. Renate posaunt raus, dass sie im November 53 wird. Das ist mir zu dreist, ich erhebe inbrünstig Einspruch: „So ein Blödsinn, du wirst 56!“. Ein weiterer Grund, wenn auch im Affekt, der mir ein restliches und sehr kurzes Leben in der Randkluft bescheren hätte können. Ab jetzt muss das mit dem Zusammenreißen aber klappen für heute. Mann oh!

Der Steig ist mittlerweile leichter geworden, Schwierigkeitsstufe B bis B/C. Und doch ist er länger als gedacht. Das Gipfelkreuz scheint noch fern. Der Randkluftsteig hat optimale Bedingungen, soweit ich das aus der Ferne beurteilen kann. Aber ohne Pickel ist er im Abstieg wohl zu steil. Schade!

Ab dort, wo der Randkluftsteig in den Schultersteig mündet, geht es wieder etwas zünftiger bergauf. Uns kommen jede Menge Kletterer entgegen. Die Trailschuhgruppe springt wohl gelaunt in Richtung Randkluft. Na, das werden wir beobachten.

Wir erreichen das Gipfelkreuz – herrlich! Was für ein Panorama! Die Dohlen fressen mir die Manner-Schnitten aus der Hand. Ja, die Saison ist kurz da heroben. Da darf man nicht schüchtern sein. Ob die Skitourengeher auch so spendabel sind?

Nach den obligatorischen Fotos geht es wieder runter. Immer wieder schaue ich zum Randkluftsteig. Dort könnten wir viel Zeit sparen. Eine Fünfer-Gruppe versucht sich gerade. Sie sind ohne Seil, aber mit Pickel. Ich überlege, da stürzt einer in die Tiefe. Mit der Hand am Handy für die Bergrettung, „stürzt“ der zweite in die auf dieselbe Art und Weise in die Tiefe – am Hosenboden. Die haben Spaß dabei! Geht’s noch? Ob die beiden die Spalten kennen, die zum Vorschein kommen, wenn der Schnee weggeschmolzen ist? Lise fragt, ob wir das auch machen werden. Für mich ist die Antwort „Sicher nicht!“, schon aus Prinzip nicht.

So steigen wir den Klettersteig wieder ab. Erst gegen Ende, als die C-Stellen warten, halte ich es nicht mehr aus. Da hängt so ein altes Seil eine Felsrinne Richtung Gletscher runter. Ich bin weit vor Renate und Lise und will das probieren. Das Seil endet gut zehn Meter vor dem Gletscher. Das Gelände ist brüchig, aber was soll schon viel passieren.? Im schlimmsten Fall kollere ich da runter, bis ich noch ein paar Meter in den Auslauf des steilen Schneefelds rutsche. Renate ruft von oben. Mein Vorschlag ist also, ich checke, wie der Übergang zum Gletscher und die Querung am Gletscher zur ausgetretenen Spur ist und gebe danach meine Empfehlung. Gesagt, getan. Ich bald stehe ich in der Spur. Alles machbar, ein bisserl fordernd und sicherlich gut für die Erinnerung. „Ja, du kannst nachkommen!“. So stehe ich da und schaue zu, sehe wie Renate in interessanter Haltung absteigt. Ich kann gar nicht recht hinschauen, aber dann ist sie auch schon am Schnee und bald bei mir. Auch Lise ist gefolgt. Ich höre ein „The rope ends here!“, antworte mit „Jepp!“. Es folgt ein „That’s a bit scary!“, aber Angst ist nicht Lises Thema. So quert auch sie erfolgreich zu uns und bestreitet die letzten Meter auf mir fremde Art und Weise. Sie setzt sich in die Spur und rodelt am Hosenboden, offenkundig mit großer Freude, fast bis zum Einstieg des Klettersteigs. Sachen gibt’s!

Wir wandern wieder zur Bergstation und besuchen noch die Eishöhle. Ein Besuch, den ich empfehlen kann. Kalt ist es halt in so einem Gletscher. Hängebrücke und Skywalk sind Attraktionen, die die Besucher hier herauflocken. Auch diese Attraktionen sind beim Ticket inkludiert, aber für jemand, der gerade einen Klettersteig gemacht hat, nicht so beeindruckend, wie für viele andere Gäste. Toll gemacht sind die Sachen allemal.

Für uns geht es wieder mit der Seilbahn runter. Buchung, Reservierung und Verkauf verstehe ich auch jetzt nicht. Zehn Leute sitzen am Dach der Gondel im Freien. Ja, was haben denn die angestellt? Egal, für uns geht ein wunderbarer, kurzer Ausflug in die hohe Bergwelt zu Ende. Prädikat: tadellos!

Die Tour auf garmin.com (leider etwas unvollständig)