Wildes Gamseck II – Bärenlochsteig

Gernot und ich kehren an den Ort zurück, an dem unsere gemeinsame Kraxelei begann. Das ist gar nicht so lange her. Am 28.08.2018 waren wir hier. Ich hatte damals Seil und Kletterutensilien entstaubt, und Gernot war das erste Mal am Seil im Fels unterwegs. Seit damals haben wir brav geübt und uns verbessert. Diesmal kommen wir ohne Seil und ohne Besorgnis.

Es ist ein herrlicher Herbsttag in den Herbstferien, an dem wir von Hinternasswald zusteigen. Ein paar Leute sind unterwegs. So kommt uns ein Mann mit seinem Sohn im Volksschulalter entgegen. Der junge Mann sieht fertig aus, aber das heißt bei Menschen in diesem Alter bekanntlich nicht viel. Ja, sie sind das Wilde Gamseck runter, was doch etwas viel war. Ich staune. Ja, ohne Seil bzw. Strickerl für den jungen Mann? Da waren doch eh teilweise Stahlseile. Ah, sie sind das Zahme Gamseck runter. Das glaube ich schon eher.

Schon fast beim Einstieg holen wir ein Paar in den Dreißigern ein. In tadellosen Jägerfarben, was definitiv Kontrast zu den bunten Paradiesvogelfarben der Kraxler ist, erkundigen sie sich, wie der Steig denn so sei. Für die Bergsteigerin ist es das erste Mal, und die Höhenangst ist da auch noch da. Na ja, muss halt er, der grüne Fels, dicht hinter ihr steigen. So schwer ist es auch nicht. Da kommt als Erwiderung, dass er auch eher wenig bis keine Klettererfahrung hat. Der Plan ist, soweit zu steigen, wie es möglich ist und gegebenenfalls, falls nichts mehr geht, umzudrehen. Ist zumindest ein Plan und es ist davon auszugehen, dass Bergretter ein gutes Einvernehmen mit Jägern haben. Ich bin zuversichtlich, dass es ohne Zwischenfall abgehen wird, bin aber wie sooft beeindruckt, was so alles gut ausgeht in den Bergen.

Für uns selbst ist der Steig wirklich nur noch Freude. Ein bisserl kalt ist es, aber auch steif in den Gelenken wir Pinocchio kann ich mich des griffigen Fels erfreuen. Gernot steigt vor und findet keine Schwierigkeiten. Dazwischen bedankt er sich immer wieder für meine damalige Geduld, als ich mir für diesen Steig das Seil angetan habe. Der Fortschritt ist unübersehbar. Und so sind wir auch keine Stunden im Steig, sondern zügig durch.

Der rasche Durchstieg hat keinen Hunger aufkommen lassen. Wir wollen durchs Bärenloch runter, und verspeisen bei der Grasbodenalm noch zwei Müsliriegel. Das muss und wird reichen.

Der Bärenlochsteig ist immer wieder lustig. Auch landschaftlich gibt er etwas her. Der Bärenlochsteig mündet in die Wildfährte und das ist Gernots erster Klettersteig gewesen. Eine Nostalgierunde sozusagen, die wir in Pernitz bei Kaffee und einer mächtigen Cremeschnitte ausklingen lassen.

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Klettersteig: Haidsteig – Königschusswandsteig

Gernot übergibt eine Wohnung. Da könnte ich doch… Richtig, meine zwei Steige gehen. Als gäbe es sonst nix in der Gegend. Mio ist bei Rambo und Josefine. Um halbneun geht’s in der Griesleiten los. Jedes Mal frage ich mich, wann der Eigentümer eine Gebühr fürs Parken verlangen wird. Er muss die Menschen mögen. Der Parkplatz ist saniert und gebührenfrei. Sehr fein ist das!

Knapp vor dem Einstieg überhole ich zwei Haidsteig-Geher. Beim Einstieg selbst machen sich drei Kletterer bereit. Im Steig ist aber niemand zu sehen. Also, mit Schwung und ohne Sicherung an den Leuten vorbei. Die wundern sich vielleicht, warum ich denn den Helm am Rucksack trage. Ich hole nur ein bisserl Vorsprung heraus, sodass ich mich nach dem ersten gesicherten Abschnitt und dem ungesicherten Teil in Ruhe andirndeln kann.

Die Bedingungen sind traumhaft. Der Wind aus Süd ist stark und bläst die Wand hinauf. Vom letzten Mal habe ich noch ein bisserl Sorge. Da war es nass und ich habe in beiden Steigen etwas gekämpft. Unter dem zweiten Steigbaum ist es dann auch in der Querung nass. Sagt doch da eine Stimme in mir, dass ich den Königschusswandsteig halt sein lassen soll. Oh ha, wer war denn das?

Im großen Kessel pfeift es anständig. Das hat einen Vorteil, die Wand ist hier staubtrocken. Auch die „Schlüsselstelle“ unter der Madonna ist trocken. Gut so, da kommt der zweite Steig also auch noch dran.

Die „Verfolger“ sind weit hinter mir. So bleibt mir Zeit bei der Madonna und das ist gut so. Hier ist übrigens ein Ingress-Portal. Was das ist? Nicht so wichtig. Jedenfalls war es für fast zwei Jahre in meinem Besitz. Dann ist ein Blauer raufgeklettert und hat es erobert. Der kurtlbuaa von den Grünen hat es aber rasch wieder für uns zurückgeholt. Ob das wichtig ist? Sicher nicht, aber gemacht gehört es trotzdem 😉

Die letzten Meter aufs Plateau pfeift es dann so richtig. Trotzdem muss das Preinerwandkreuz mitgenommen werden. Meine Aufstiegszeit ist recht passabel, ohne dass ich mich gehetzt oder darauf geachtet hätte. Geht langsam wieder schneller.

Der Holzknechsteig fasziniert mich bei jeder Begehung. Der ändert ständig sein Gesicht. Ich weiß mittlerweile, wo die Markierungen sind. Aber der Regen wäscht den Steig von einem aufs andere Mal weg und legt ihn neu an, dass ich aus dem Staunen nicht rauskomme. Diesmal verpasse ich gar die Querung zum Königsschusswandsteig und muss nochmals ein ordentliches Stück aufsteigen. Der Regen hat nämlich eine ein paar Meter tiefe neue Rinne hervorgebracht. Ob von dem Berg in zwanzig oder zweitausend Jahren noch etwas über ist? Man weiß es nicht.

Aus zwei anderen Richtung quälen sich weitere Kraxler Richtung Königschusswandsteig. Daher gleicher Schmäh wie schon am Haidsteig. Da ich den Klettergurt angelassen habe, kann ich ein bisserl eher starten und habe auch diesen Steig für mich alleine. Ich bin erfreulich fit. Auch meine Sorge um die nasse „Höhle“ war unberechtigt. Das letzte Mal war das Stahlseil nass und ich habe echt Nöte gehabt. Aber diesmal ist der Föhn voll aufgedreht. So gut waren die Bedingungen schon lange nicht. Vielleicht tut dem Königschusswandsteig seine unfreundliche Art vom letzten Mal leid, und er will es wieder gut machen. Man weiß es nicht.

Der zweite Steig ist damit auch recht zügig erledigt. Da ich keinen Hunger habe, wackle ich Richtung Holzknechsteig, um abzusteigen. Der wird immer komischer. Jetzt ist das feine Geröll zum Abfahren verschwunden. Vielleicht komme ich mal bei sintflutartigen Regenfällen her. Ich wüsste zu gerne, ob das Material langsam oder mit großem Getöse den Berg runterkommt.

Beim Einstieg des Haidsteigs treffe ich wieder Leute zum Plaudern. Im Steig sieht man die bunt gekleideten Bergsportler am Stahlseil aufgefädelt. Sie sind da oben ganz konzentriert und in ihren Gedanken in ihrer eigenen Welt. Da vergessen sie ganz, dass man ihre Unterhaltung bis nach unten hört. „Und jetzt den linken Fuß da rüber! Na ned den, den anderen!“. Schmunzel und okay, ich bin dahin.

Beim Spar gibt es noch das traditionelle Käsleberkäsekurkumaweckerl mit allem. Woher die Sehnsucht kommt, mich nach so einer gesunden Aktivität gleich wieder ein bisserl vergiften zu wollen? Man weiß es nicht. Aber diese Ketchup-Mayonnaise-Senf-Mischung quetscht es so schön raus, wenn man reinbeißt! Ein Genuss ist das fürwahr fast so wie die Anstrengung davor, aber nur fast.

Klettersteig: Königschusswandsteig – Haidsteig

Um 3:45 läutet der Wecker, aber zum Glück nicht für die Rax. Jasmin startet ihr Auslandssemester in Kanada. Direkt vom Flughafen auf die Rax? Nein, lieber nochmals nach Hause ins Bett. Ich wache um 10 Uhr auf und starte zu Mittag.

Der Parkplatz ist voll, im Haidsteig hängt eine Perlenkette. Das habe ich schon fast erwartet und steige weiter zum Königschusswandsteig. Was der Regen so anrichten kann! Der Zustieg ist immer zäh und heute kein bisserl lustiger. Der Steig lässt mich spüren, dass ich in den letzten Monaten wenig trainiert habe, aber es geht. Es geht einigermaßen gut bis zum Felsfenster. Mah, da ist alles nass. Selbst das Drahtseil ist nass. Die Sohlen halten nicht und ich rutsche am Stahlseil. Echt jetzt? Also, Pause und ein erneuter Versuch. Upps, das ist mir jetzt auch noch nie passiert. Mit schlechter Haltungsnote und hohem Puls schaffe ich es dann durch. Na, glorreich war das nicht. Ich taumle noch zum Preinerwandkreuz und lasse mich dann in den Haidsteig fallen.

Bei der Madonna sehe ich schon von oben eine Menschenansammlung. Um diese Uhrzeit verwundert mich das, aber die Stimmung scheint ausgelassen. Den Platz habe ich gut ausgesucht. Da ist immer ein bisserl etwas los. Diesmal sind die Besucher aus Ungarn. Sie sind zu acht – zwei Experts und zwei Beginners. Sechs Kletterer sitzen bei der Madonna und feiern ausgelassen den unteren Teil des Haidsteigs. Wo ich denn absteigen werde? Komische Frage, als gäbe es mehr als eine Option. Die junge Expertin ist verwundert ob meiner Antwort. Ob ich denn wisse, was ich da tue und ob ich schon einmal hier war. Na ja, das erste Mal vor ungefähr 44 Jahren. Trotzdem warnt sie mich, dass es im Großen Kessel rutschig ist. Na fein!

Ich bleibe bei dem Rummel hier nur kurz und schon nach wenigen Metern sehe ich die zwei weiteren Kletterer. Der Expert hat einen großen Rucksack und weitere 25 Kilogramm Zusatzgewicht eng am Körper verstaut. Die Beginnerin hängt im Steig und ist verzweifelt. Sie kämpft tapfer, aber die Haltung lässt nichts Gutes vermuten. Ich warte und versuche aufzumuntern. Zwanzig Meter sind die beiden entfernt von mir. Es tut sich wenig abgesehen von der Konversation in einer Sprache, in der ich kaum etwas verstehe. Die Minuten vergehen, keine Bewegung. Dann doch und die letzten zwei Meter der „schwierigen“ Stelle sind geschafft. Als die junge Dame dann bei mir ist, erzählt sie, dass das ihr erster Steig ist und sie sonst eher Yoga macht. Mit meiner Frage, ob Yoga ihr im Steig geholfen hat, kann sie wenig anfangen. Ich frage den Experten, wie sie denn absteigen werden. Sie gehen „The red one“. Na dann, dann ist alles klar. Kurz denke ich an die Bergretter, die dann auf der Red One suchen dürfen. Denn die Achtergruppe hat noch ein Stück vor sich. Aber es wird gut gehen, wie eigentlich fast immer.

Und schon hänge ich in der Schlüsselstelle. Die kann es heute aber wirklich. Die Sohlen sind wertlos, als läge da Schnee im Fels. Ich zweifle kurz, wie das dann direkt vor dem Großen Kessel wird. Aber es kommt dann doch anders. Ich steige also den rutschigen Kamin ab. Ja, Spaß ist das heute keiner. Schon sehe ich den Abschnitt, vor dem ich bei Nässe eigentlich mehr Respekt hätte. Die Nachmittagssonne hat ganze Arbeit geleistet, es ist staubtrocken. Und manchmal hat man auch Glück. Uff!

Noch einmal treffe ich ein junges Paar aus Tschechien. Ob es denn noch einen anderen Weg runter gibt. Also, das nenne ich eine Vorbereitung der Tour. Haben sich die denn irgendetwas angeschaut? Zumindest sind sie mit brauchbarer Geschwindigkeit unterwegs.

Unter dem Bachinger Bründl treffe ich sogar noch ein junges Paar, das den Haidsteig gehen will. Gut, die sehen fit aus. Es ist halt schon 16:45. Mir soll’s recht sein.

Völlig geschafft setze ich mich ins Auto. Am Rückweg bringe ich noch etwas ins Möbelhaus zurück und gable danach zwei Autostopperinnen in der Nähe des Brunner Astes auf. Sie wollen nach Linz. Also, das halte ich für hoffnungslos. Vielleicht kann ich sie an eine chancenreichere Stelle bringen. Sie packen ihre Rucksäcke ins Auto. Da hängen ja Kletterhelme dran. Ja, Klettersteige sind ihre Leidenschaft. Sie sind am Weg nach Mondsee und wollen die Drachenwand und den Intersport Klettersteig gehen. Ah ja, super! Wo sie denn übernachten werden? Ach, sie haben gelesen, dass man am Mondsee auf einer Wiese schlafen kann. Dann wacht man schon mit Blick auf die Drachenwand auf. Ich staune und setze die beiden 21-jährigen Studentinnen in ihren kurzen Hosen bei Dämmerung letztlich in der Westausfahrt ab. Ob das schlau war? Ich hoffe so. Wie weit bin ich nur von diesem Alter weg. Fast ein bisserl beängstigend. Egal, mögen sie schöne Tage in den Bergen haben!

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Fuchslochsteig mit Hund

Ah, da ist es wieder – ein senkrechtes Wandl von 10 Meter Höhe stemmt sich laut den Berichten am Internet dem forschen Raxgeher in den Weg. Also, weder Mio noch ich schaffen 10 Meter senkrecht. Aber einen II- mit Hund traue ich mir schon zu. Zumal die Kletterstelle leicht und kurz sein soll.

Nach Covid und mühsamen Untersuchungen wird es Zeit Kondition für den Sommer aufzubauen. Mio war eh zwei Tage in Betreuung, und so darf er mit. Falls die 10 Meter hohe Wand nicht packbar ist, müssen wir halt umdrehen und zur Not das Kleine Fuchsloch gehen.

Vom Preiner Gscheid geht’s los. Alles kein Problem, außer meine Kondition. Aber 1.000 Höhenmeter sollten in jedem Zustand zu meistern sein. Heiß ist es. Mio leidet unter der Hitze sichtlich mehr als ich. Aber kein Jammern kommt ihm über die Lippen. So schaffen wir den Zustieg und los geht’s.

Da ist auch schon die erste Erkenntnis: der Hund drei bis fünf Meter oberhalb von dir nimmt keine Rücksicht auf dich. So stehe ich unter stetem Beschuss mit Steinchen, während Mio auf vier Pfoten schiebt und haxelt. Ich hätte zumindest den Helm aufsetzen sollen.

Ist das die senkrechte, 10 Meter hohe Wand? Sieht so aus. Mio schaut mich an. Ja, da rauf müssen wir. Sicher nicht senkrecht. Das sind 65° bis 70° Steigung. Das ist so viel, dass man im aufrechten Stehen schon mit leicht ausgestrecktem Arm den Fels berühren kann. Feine Neigung fürs Kraxeln, aber der Hund kommt da nicht rauf. Ich habe eine Bandschlinge und Karabiner mit. Aber ehe mich Mio in Panik aus der Wand hebelt, kommt eine andere Technik zum Einsatz: Ich hebe Mio bis zum nächsten Tritt hoch und drücke ihn sanft an den Fels. Nun steige ich nach und wiederhole das Vorgehen. Öfter als zwei oder dreimal müssen wir das nicht machen, dann sind die technischen Schwierigkeiten schon überwunden. Wahrlich keine Hexerei.

Über steile Grashänge geht es aufs Plateau. Die Gämsen haben es sich auf einem Schneefeld bequem gemacht. Das gefällt meinem Vierbeiner. Er muss mit Schnee ohne Gams vorlieb nehmen. Aber das ist ihm im Juni schon Freude genug.

Ein Stück weiter sehen wir einen älteren Mann, der Figl anlegt. Mit den Worten „Mir ist alles wurscht. Nach zehn Jahren probiere ich es noch einmal. I foahr no a moi da runter, bevor i die Patsch’n aufstell‘!“. „Na, das wird schon noch dauern!“ entgegne ich. Aber der Mann weist auf sein 80stes Lebensjahr und die Operation eines Krebstumors hin. Ich staune, und er startet. Mir bleibt nicht viel außer ein „Alles Gute!“, ehe er losgeigelt. Aber die Abfahrt will nicht klappen. „Ui, des is aber hoart! I foahr trotzdem.“. Sagt’s und verschwindet hinter der Kuppe. Oha!

Am weiteren Weg zur Kriegerdenkmal begegnen wir noch einem Gamsbock, der auf Ärger aus ist. Mio plustert sich auf, „Kein Millimeter dem Aggressor!“, aber ich weiche großräumig aus. Mio geniert sich ein bisserl für mich, aber mir ist nach unserer Steinbockkonfrontation eben nicht alles wurscht.

Pause am Karl-Ludwig-Haus und Abstieg über den Schlangenweg verlaufen erwartungsgemäß problemfrei. Okay, ein Kühlmittelschlauch ist gerissen. Aber das ist mir dann wurscht.

Mio kann II-! Feiner Tag am Berg!

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Klettersteig: Haidsteig

Upps, schon wieder da! Gernot schlägt den Haidsteig vor. Mir soll es recht sein. Ich bin wieder fit, das Wetter passt. Heute folgen uns zwei andere Kraxler. Abgesehen von den beiden in der Ferne gehört der Steig uns alleine. Die Sonne knallt runter, es herrscht T-Shirt-Wetter – herrlich!

Einzig, Gernot ist nicht ganz fit. Ihn quälen ähnliche Symptome wie mich in den letzten Wochen: Erschöpfung, hoher Puls,.. Komisches Omikron und seine Nachwirkungen. So schaffen wir den Haidsteig und das Preinerwandkreuz und lassen es danach aber gut sein. Den Plan, über den Göbl-Kühn-Steig zum Waxriegelhaus zu queren, verwerfen wir. Der Schnee auf den vielen Querungen sieht anstrengend aus. Na ja, und erst gestern wurden zwei Bergsteiger unterhalb des Langermanngraben ausgeflogen.

Auch der Plan, über den Trinksteinsattel zum Karl-Ludwig-Haus zu wandern, wird abgelehnt. Der Schnee ist viel weicher als vor einer Woche. Gernot stimmt dem Abstieg über den Holzknechtsteig zu. Im Abstieg sieht es so aus, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Beim Auto ist Gernot aber schon wieder fit. Egal, wir sind auch so müde nach dem etwas verkürzten Tag in den Bergen. Passt!

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Wandern: Predigtstuhl

Mio mag den Schnee. Wir fahren aufs Preiner Gscheid. Die Sommerzeit lässt eine ausschlafen, aber Mio den anderen nicht. Egal, zu Mittag starten wir. Erst gegen 13 Uhr sind wir am Parkplatz. Der Waxriegelsteig bietet interessante Bedingungen. Einerseits ist er tief eingeweht und der Altschnee trägt. Wenn man einbricht, fällt man tief, denn unter den Schneebrücken ist es ausgehöhlt. Mio stolpert, Sabine schlägt sich wacker. Wir kommen ob dieser seltsamen Bedingungen nur langsam voran. Bergsteiger in kurzen Hosen kommen uns entgegen, während man im Siebenbrunnkessel die Tourengeher abfahren sieht.

Nach den Latschen wird es allmählich besser. Sabine nimmt Fahrt auf und wir besteigen den Predigtstuhl. Nach kurzer Pause geht es weiter zum Karl-Ludwig-Haus. Wir meinen, die letzten Gäste zu sein, aber es haben sich sogar noch Wanderer für die Nacht angesagt. Zumindest für den Abstieg werden wir wohl zu den späten Wanderern gehören. Im tiefen Sonnenlicht gehen sich noch ein paar Fotos aus. Sabine ist nervös ob des Abstiegs, der noch auf sie wartet.

Wir steigen durch den Karlgraben ab. Mio, der bergauf zu allermeist in der Nähe bleibt, vertschüsst sich zweimal. Einmal verschwindet er Richtung Karl-Kantner-Steig und war nicht mehr gesehen. Da kann ich ihm wirklich nicht nach. Hoffentlich findet er zurück. Findet er, guter Hund!

Der Karlgraben liegt schon geraume Zeit im Schatten und so zieht der Schnee trotz der hohen Temperaturen an. Der Abstieg ist trotzdem komplikationsfrei. Sabine meistert ihn jedenfalls bravourös, alle Aufregung umsonst. Spuren einer Rodel lassen mich rätseln. Man kann doch den Graben nicht runterfahren?

Beim Abstieg zum Parkplatz sehen wir noch die Hubschrauber im Einsatz. Wir werden nachlesen, dass zwei Wanderer im Langermanngraben in eine missliche Lage gekommen sind und gerettet wurden. Ja, an so einem Sonntag ist da schon etwas los.

Sabine hat sich tapfer geschlagen. Mio hat’s getaugt und mir sowieso!

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Bergsteigen: Haidsteig – Predigtstuhl – KaLu

Für eine Skitour ist in der Nähe zu wenig Schnee, aber für eine Bergtour warten ideale Bedingungen auf mich. Ich starte in der Griesleiten. Der Parkplatz ist nur wenig vom Schnee geräumt. Mit einem Ansturm ist also nicht zu rechnen. Außer mir parkt niemand und auch am Nachmittag wird nur die Q warten.

Mittlerweile mag ich den Haidsteig in der Nebensaison. Kein Mensch weit und breit. Im Sommer wartet man da eine Ewigkeit am Einstieg, Hektiker drängeln, Anfänger bremsen. An einem Montag im März ist hier genau gar nichts los. Heute bin ich langsam, sehr langsam. Liegt es noch immer am Omikron? Mag sein, wird werden. Ich lasse mir Zeit. Über eine Stunde brauche ich bis zum Einstieg. Zehn Minuten länger und ich wäre in meiner besten Zeit schon wieder beim Ausstieg. Macht nichts, ist halt so.

Bei der Madonna raste ich und genieße die Ruhe. Der Steig ist absolut schneefrei, der Himmel uneingeschränkt blau. Entsprechend entspannt erreiche ich dann den Ausstieg – nach über zwei Stunden.

Ich besuche das Preinerwandkreuz und wandere gemütlich zum Trinksteinsattel. Die Schneedecke hat einen festen Harschdeckel, trägt gut und firnt allmählich auf. So kann ich direkt aufsteigen und erspare mir das Queren von Schneefeldern. Die Grödel können im Rucksack bleiben. Viele Gämsen schauen mir zu und wundern sich über den einsamen Wanderer, der da zum Predigtstuhl aufsteigt.

Nach dem Predigtstuhl treffe ich die ersten beiden Menschen, es sind Skitourengeher. Aber Schnee ist auf dieser Seite gar keiner. Sie wollen die Nazrinne abfahren. Oh ha, die kenne ich gar nicht. Ob sie sich über die Wechte am Predigtstuhl direkt in den Siebenbrunnkessel stürzen werden? Ihr ernster Gesichtsausdruck lässt das vermuten. Keine zweihundert Meter treffe ich den nächsten Tourengeher. Der sieht gesprächiger aus. Sein Ziel ist die Nazrinne. Aber hallo, ist da heute ein Skirennen? Der gute Mann kennt sich aus und klärt mich auf. Am Ende des Bismarcksteigs geht es durch die Latschen runter. Ist also eher das Nazfeld als die Nazrinne, wieder was gelernt.

Am Karl-Ludwig-Haus freut sich der junge Mann über den einsamen Besuch. Bald kenne ich einen Teil seiner Lebensgeschichte und seine Pläne. Seit die Hütte neue Pächter hat, kann man hier echt wieder herkommen. Freundliche Wirtsleute und gutes Essen warten.

Ich steige über den Karlgraben ab, gönne mir Kuchen und Kaffee am Waxriegelhaus, ehe ich mich wundere, wieviel Schnee da im Wald Richtung Griesleiten ist. Dort wartet schon einsam die Q, aber das habe ich schon erwähnt.

Feiner Tag bei besten Bedingungen!

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Bergsteigen: Gretchensteig im Winter

Der Wetterbericht verspricht einen traumhaften Tag. Ich möchte in die Berge. Mio braucht Betreuung. Gernot hat Omikron hinter sich und möchte nur im niedrigen Pulsbereich etwas tun. Er könnte mit Mio spazieren und mir eine Raxüberquerung ermöglichen. Ach was, wir planen eine Spazierwanderung im niedrigen Pulsbereich. Unbesorgt und mit wenig Ausrüstung, weil der Hund dabei ist, und wenig Planung, weil anstrengend darf es eh nicht werden, verabreden wir uns für morgen.

In der Früh dann die Horrornachricht. Putin hat die Ukraine angegriffen. Was soll ich tun? Den ganzen Tag Nachrichten lesen und fassungslos sein? Ablenkung wird gut sein. Gelingt nicht ganz, aber besser als daheim.

Am Preiner Gscheid geht’s los. Mio wirft sich in den Schnee und wälzt sich. Skitourengeher starten, aber wir sind nach 60 Meter Richtung Reißthaler Hütte wieder weg und völlig alleine unterwegs. Die Reha-Wanderung unter Aufsicht Gernots Pulsuhr startet problemfrei. Bald ist es unverspurt. Der Schnee im Wald ist tief und damit teils ein bisserl zach, aber es geht. Dafür verspricht der Südhang ab der Reißthaler Hütte apere Abschnitte. Aber nicht lange, dann geht es wieder in tiefen Schnee. Mühsam, die Pulsziele werden nach oben angepasst. Aber wir schaffen das.

Oberhalb der Latschen ist Mio plötzlich auf und davon. Weit entfernt quert er einen steilen Hang und verschwindet Richtung Raxenmäuern. Aber diesmal hört er auf den Pfiff, vielleicht war es auch Zufall. Ein bisserl außer Atem kommt er zurück. Das muss schön anstrengend sein, wenn man bei jedem Schritt bis zum Bauch einsinkt und so bergauf rennt.

Den Martinsteig finden wir nicht. Oder wir wollen ihn nicht suchen. Der Gretchensteig sollte auch passen. Die Kraxelei ist teilweise unter einem steilen Schneefeld verborgen. Mio kommt an die Leine, er wird angeseilt. Bei den Stahlseilen, die zum Teil unter dem Schnee sind, wird es spannend. Er präsentiert sich als kühner Kletterer. Nur zweimal hebe ich ihn über eine Stufe. Er wäre schon nachgekommen, aber ich habe ihn beim ersten Mal lieber vor mir, habe ich doch selbst genug mit den Bedingungen und Mios Leine in einer Hand zu tun. Und so richtig versteht Mio auch nicht, warum wir gerade da rauf müssen.

Am Plateau warten jede Menge Gämsen. Der Hund ist begeistert, denn diese Tiere riechen so wie die „Adventure Wild Deer“-Leckerlis von Nestle. Zum Glück ist er angeseilt.

Nach ausführlicher Rast am Karl-Ludwig-Haus geht es den Karlgraben runter. Mio lässt nochmals mangelnde Bergerfahrung aufblitzen, als er sich in Laune auf dem über 35° steilen Harschdeckel wälzen will. Entsetzen sehe ich in seinen Augen, als die Fahrt losgeht. Aber mehr als einen Ruck schafft er nicht. Zum Glück ist er ja angeseilt.

Im Karlgraben ist seine Lebensfreude nicht mehr zu stoppen. Der Graben hat auch eine anständige Steigung. Mio springt wie ein Gamsbock runter, eine Freude ist das! Beim Anblick des Parkplatzes am Preiner Gscheid bleibt er stehen und streikt. Nein, Heim will er anscheinend nicht.

Tadellose Tour mit dann doch nicht ganz Niederpulswanderungscharakter. Super war’s!

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Bergsteigen: Preiner Gscheid – Karreralmsteig

Der Winter 2021/22 hat bislang wenig Schnee gebracht. Also, definitiv zu wenig, um in der näheren Umgebung eine Skitour zu gehen. Für den Mittwoch ist nochmals Kaiserwetter angesagt, ab Donnerstag soll vielleicht Schnee kommen. Der Karreralmsteig im „Winter“ könnte ein Erlebnis sein. Diesmal bin ich ganz zuversichtlich, alle Herausforderungen locker zu meistern.

Am Preiner Gscheid parkt ein Auto, und schon nach hundert Metern ist der Waldweg unverspurt. Oh, da ist schon länger niemand gegangen. Vor der Reißtalerhütte treffe ich dann doch auf eine Spur und folge ihr. Dabei mache ich meine Überlegungen, wie fit mein Vorgänger sein muss. Und so folge ich der Spur, während die Navigation der Uhr links sagt. Das besorgt mich nicht, führen doch mehrere Wege zur Karreralm.

Dann steht auch schon mein Vorgänger vor mir. Es ist ein älterer und wahrlich fitter Wanderer, der aber nicht ganz hinauf will. So habe ich nun für kurze Zeit zwei Spuren vor mir, ehe diese enden und ich spuren darf. Die Grödel sind bei dem Schnee unbrauchbar. Ganz schnell stollen Klumpen an den Sohlen an. Mühsam ist das! Die Karte meint nun, dass ich am Weg zum (Kleinen) Fuchsloch bin. Oh, da war ich schon mal! Das wollte ich aber gar nicht. Oder sollte ich gleich den Fuchslochsteig gehen? Hier am entlegenen Teil der Rax halte ich lieber an meinem Plan fest. Auch die Internetverbindung fehlt, um mich schlau zu machen.

Weil ich diesmal nicht wieder absteigen will, folge ich Gamspfaden. Die namensgebenden Tiere schauen mir verwundert zu. Wie ungeschickt der über das Geröll stolpert, in den Schneefeldern geht es einigermaßen. Aber vom Gehen auf zwei Beinen kann ich die Gämsen nicht überzeugen. Mein Gefühl und meine Karte sagen, dass es nicht mehr weit zum Einstieg sein kann. So überwinde ich einige Latschenfelder. Das geht am besten mit einem leichten Höhenverlust, weil die Latschen eben bergab gerichtet sind. Zurück kann ich da aber dann nicht. Hmm?

Plötzlich stehe ich punktgenau am Einstieg des Karreralmsteigs. Das muss einem mal gelingen! Meist ist es ein etwas nerviges Suchen, aber diesmal en point!

Die Sonne lacht, der Fels ist trocken. Los geht’s! Der Steig ist wirklich selten begangen. Einmal stellen sich gar Latschen in die steile Rinne, die hinaufgeklettert wird. Also, so eine exakte Routenführung gibt es eigentlich gar nicht. Alle zwanzig, dreißig Meter mal ein verblasster, roter Strich und das war’s dann auch.

Das markante Felsfenster sollte man schon finden. Bis dahin ist es leichtes, feines Kraxeln bis maximal Schwierigkeit II. Dann kommt die IIIer-Platte. Kurzes Überlegen und Zögern, aber dann steige ich los. Es sind gerademal drei Schritte, ehe man sich an der Oberkante der Platte schon wieder gut anhalten kann. Man kann die Platte leicht links umgehen. Aber dieses Mal lasse ich mir den Triumph nicht nehmen. Geschafft, hurra!

Durch den Umweg und den Schnee im Zustieg habe ich ein bisserl Müdigkeit aufgerissen. Ganz fit bin ich auch nicht. So gönne ich mir eine Pause unter den hier senkrechten Raxenmäuern. Frühlingshaftes Wetter – nicht schlecht. Während ich mir Tee und Schnitten zuführe, inspiziere ich die Querung und mutmaße über die Bedingungen in der Rinne. Die IVer-Stelle lasse ich, wie in der Literatur empfohlen, aus. Die Umgehung führt durch eine steile Geröllrinne und infolge über steile Grasschrofen. Da liegt überall Schnee, der hier in der Sonne schön weich ist. Ich habe aber keine Lust, im Schatten im Steilen auf gefrorenen Altschnee zu stoßen. So lege ich schon hier, an diesem komfortablen Rastplatz, die Steigeisen an. Wenn ich sie schon mitschleppe,…

Damit sollte ich auch rechtbehalten, denn wie vermutet, ist es in der schattigen Rinne hart. Das Schneefeld in der Querung ist von der Sonne aufgeweicht, sodass die schweren Bergschuhe anfangs noch ausreichend Halt finden, aber hier?

Zuerst dringen noch die Schuhspitzen tief genug in den Schnee ein, aber irgendwann bin ich über die Steigeisen froh. Das ist hier nur ein steiles Schneefeld und kein 70° steiles Eis in einer der bekannten Nordwände. Und trotzdem fangen mir die Wadeln an zu brennen. Ich kann rasten, indem ich die Schuhe quer in den Schnee stelle und mich auf den Pickel stütze. So entwickle ich eine Vorstellung, wie das sein muss, wenn du in so einer Nordwand stehst und dich über Stunden nicht entspannen kannst.

Mah, ist das anstrengend da rauf. Das ist es auch ohne Schnee, aber heute! Na, ich bin zumindest froh, dass es nach dem steilen Abschnitt fast schneefrei ist. Wenn dieser Teil zu spuren wäre! Ich zähle schon so die Schritte, was ein Zeichen von extremer Müdigkeit bei mir ist. Fünfzig Schritte mindestens – davor gibt es keine Pause!

Irgendwann taumle ich zum Heldendenkmal und treffe auf Wanderer. Ich ziehe mich wärmer an und steige zum Karl-Ludwig-Haus ab. Der vorherige Pächter, ein Grantscherben, der jedem, der nicht seiner Meinung war, gewünscht hat, dass in der Blitz beim Scheißen treffen soll, ist zum Glück weg. Ein Niederländer und eine Deutsche betreiben die Hütte nun unaufgeregt professionell. Vor allem sind sie auch im Winter da. Ich hätte ihnen mehr Schnee und damit Tourengeher gewünscht. So will ich eine anständige Zeche machen. Aber da bezweifelt die Wirtin, dass ich Kaspressknödelsuppe und Gulasch schaffe. Dann einen Kaiserschmarren? Auch zu viel, ihrer Einschätzung nach. Schauen wir einmal! Auch recht, ist mir schon lange nicht passiert.

Nach Kaspressknödelsuppe, Kaiserschmarren, Kaffee und jeder Menge Ingwersaft steige ich ab. Der Karlgraben ist gut eingeweht und so kann ich gelenksschonend in den Siebenbrunnenkessel absteigen. Auf der Piste zum Auto ist es dann aper. Der Wind hat in der letzten Stunde stetig zu genommen, vielleicht bringt er den notwendigen und angekündigten Schnee.

Ein toller Tag war’s. Heute am Tag der Niederschrift merke ich, wie anstrengend das war. Das rechte Bein mag gar nicht recht belastet werden. Ich habe sicherlich wieder schaurige Blutwerte! Aber ich kann mich ja ausruhen, das wird wieder. Es dauert halt viel länger als vor dreißig Jahren. Ist halt so!

Tour bis zum KaLu-Haus auf garmin.com

Klettersteig: Haidsteig

Wie sich alles ändert! Früher hätte ich weniger Bedenken gehabt. Auch viel weniger Ausrüstung hatte ich. Nun habe ich viel Auswahl und viele Bedenken. Seit ich mit Garvin den Malersteig gegangen bin und er mir von seinen Winterbegehungen erzählt hat, lässt mich die Idee einer Winterbegehung zumindest des Haidsteigs nicht los. Gernot will lieber den Nandlgrat gehen, lässt sich aber leicht überreden. Und da ist schon das erste Bedenken: „Was, wenn ich ihn überredet habe und er gar nicht wollte?“.

Also, wie wird der Zustieg sein? Liegt viel Schnee im Wald? Geht das überhaupt ohne Schneeschuhe? Nach der Einstiegstelle in den Steig wartet freies Felsgelände. Das ist oft feucht. Wird das voll mit Eis sein? Werden die Seile zumindest abschnittsweise mit Eis überzogen sein? Im großen Kessel könnte viel Schnee liegen und der Abschnitt danach ist bei Feuchte schon unangenehm. Dann noch der Abschnitt nach der Schwarzen Madonna und der Ausstieg…

-14° in der Früh bis -10° auf 2.000m. Da ist nicht nur die Frage nach den richtigen Handschuhen angebracht. Welche Schichten? Welche Hose? Steigeisen, Grödel,..? Pickel, Stöcke,..? Früher hätte ich aufgrund mangelnder Optionen nicht solange nachdenken müssen. Der Anorak wäre mitgekommen. Aber so einfach ist das längst nicht mehr.

Und trotzdem ringen wir uns durch. Wir schleppen fast alles mit. Der Parkplatz ist leer und fast unverspurt. Der Zustieg durch den Wald ist dann wirklich unverspurt. Das heißt, seit Sonntag war noch niemand hier. Ein paar Zentimeter Schnee liegen im Wald. Älterer Schnee ist aufgetaut und festgefroren, da tun die Grödel einen guten Dienst. Den Zustieg werden wir schaffen.

Im Steig sieht es erfreulich schneearm aus. Ich steige den Einstieg rauf, um die erste Sorgenstelle zu inspizieren. Pah, lächerlich, machbar. Das geht leicht mit Grödel und ohne Pickel. Bei sorgfältiger Routenwahl vielleicht gar ohne Grödel. Aber wenn wir sie schon mithaben.

Das Seil ist kalt, aber weder mit Eis überzogen noch unter dem Schnee verschwunden. Wir sind früh im Winter dran. Fix ist, dass seit dem letzten Schneefall niemand den Steig gegangen ist. Das gibt eine feine Stimmung. So steigen wir in top Ausrüstung gemächlich durch den Steig. Kaiserwetter, keine Eile nötig. Auch wenn wir weit von -14° entfernt sind, wird mir langsam kalt, vor allem in den Händen. Wir haben sogar beheizbare Handschuhe mit. Eher peinlich, aber angenehm. Und zum Kraxeln taugen sie auch. Was soll da schiefgehen?

Nächste Überraschung: im großen Kessel liegt wenig Schnee. Wir sind ohne Grödel oder Steigeisen unterwegs und ich mache mich an die nächste Sorgenstelle. Die steile Wand aus dem Kessel ist im trockenen Zustand schon abgeschliffen, im nassen Zustand recht rutschig und jetzt? Beherzt und in Erwartung von Unannehmlichkeiten steige ich ein. Was man erwartet, bekommt man auch. So habe ich mich noch nie am Haidsteig angestellt. Ich lasse mir nichts anmerken und hantle mich wie ein Afferl das Seil hinauf. Kalt ist mir nicht mehr. Hat doch auch etwas Gutes. Gernot ist mit dem Skylotec und ohne Selbstzweifel unterwegs, entsprechend leichter tut er sich. Damit hätten wir die Herausforderungen doch gemeistert!

Bei Kaiserwetter rasten wir bei der Schwarzen Madonna und wünschen Ulli schon Frohe Weihnachten. Was für ein Kulisse! Heute weht kein Lüfterl, fast ein bisserl frühlingshaft, aber nur fast.

Der nächste, ungesicherte Anstieg hat wenig Schnee. Wir sind mit den Grödeln unterwegs. Nach Wiederbeginn der Versicherungen wird es erstmals herausfordernd. Die Sonne hat Schnee oberhalb geschmolzen, das Schmelzwasser ist in den Steig geronnen und überzieht hier im Schatten den Fels im wieder gefrorenen Zustand. Um die Steigeisen anzulegen, gibt es bessere Stellen. So wurschteln wir uns die 20, 30 Meter weiter und wechseln gar auf die Steigeisen. Die sitzen bombenfest, geben aber das Gefühl in Stöckel- oder Plateauschuhen unterwegs zu sein. So stellen wir uns das zumindest vor, Erfahrung ist ja keine da. Also, nicht mit Stöckel- oder Plateauschuhen, aber dafür mit Steigeisen. Ach, was schreibe ich da! Faktum ist, dass uns der einfache Teil des Haidsteigs Schweiß und Anstrengung kostet.

Irgendwann sind wir oben. Meine erste Winterbegehung ist geschafft. Und wieder ist die Erkenntnis da, dass die Bedenken und Sorgen des Vorabends unberechtigt waren. Anderseits, vielleicht führen sie zu sorgsamer Tourenplanung. Jeder hat für sein Handeln eine Erklärung.

Beim Abstieg über den Holzknechtsteig erwartet uns oben ein steiles Schneefeld. Das erfüllt alle Bedingungen für ein Schneebrett. Na ja, der Lawinenlagebericht meint, dass heute kaum etwas passieren kann. Aber Gernot ist eh schon unterwegs und von hinten sieht es auch lustig aus, wie er da runtertorkelt. Als ich dann selbst in der Querung bin, wird es mir etwas mulmig und ich bin konzentriert. Da hätten wir vielleicht doch oben umgehen sollen. Hmm?

Das Auto steht noch immer einsam am Parkplatz. Ein bisserl fühlen wir uns als Helden. Der Moment des Triumphs wehrt kurz und wird durch ein Bergläuferpärchen gestört, das von oben herab an uns vorbeiläuft. Wo kommen die denn her?

An dieses Mal werde ich mich lange erinnern. das ist fix. Erste Winterbegehung bei Wetter, wie man es am 22. Dezember nicht erwarten darf. Auch die Windstille an diesem Tag ist eine extreme Ausnahme. Vielleicht all das, weil Lydia heute ihren 24. Geburtstag feiert. Alles Gute, liebe Lydia! Hoffentlich kippe ich am Abend nicht im Shiki weg.. Super war’s!

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