Bergsteigen: Nandlgrat

Exakt vier Wochen ist es her, dass sich Gernot selbst mit einer Gehirnblutung ins AKH eingeliefert hat. Eine Woche mit vielen Untersuchungen hat er über sich ergehen lassen, ehe er als geheilt entlassen wurde. Mit jeder Menge Empfehlungen und leichten Zweifeln wurde er entlassen. Als er mich am Vorabend vor der Tour anruft und auf den feinen Wetterbericht anspricht, sage ich ihm, dass ich den Nandlgrat vorhabe, ihn aber nicht zu fragen getraut habe. „Also, ‚Gehen Sie nicht den Nandlgrat!‘ hat keiner der Ärzte gesagt!“. Stimmt, dann können wir es ja probieren.

Die Bedingungen sind winterlicher als gedacht. In den Vortagen und in der letzten Nacht hat es ein paar Zentimeter Pulver drauf geschneit. Kalt ist es auch geblieben und so sieht alles extra fein aus. Darunter liegt teils Eis, das auf eine anstehende Vergletscherung hoffen lässt. Aber schon die nächsten Tage werden es richten.

Der Steig gehört uns alleine. Wir nehmen uns alle Zeit der Welt. Gernot hat sich einen Maximalpuls vorgenommen, den er nicht überschreiten will. Auch ich wurde ärztlich erinnert, Gernot zu bremsen. Bremsen lässt sich Gernot, aber sein Puls teils nicht. Was soll’s, wir haben so einen edlen Tag! Es macht richtig Spaß, Pickel und Grödel mal ein bisserl nützen zu können. Auf den Fotos sieht man uns die Freude an. Natürlich ist es dort nicht einmal halb so steil, wie es auf den Fotos aussieht. Die Fotos sind allesamt im Flachen gemacht und dann geschickt gedreht. Also, nicht alle, vielleicht ein paar, ein paar wenige,.. Ach, was weiß ich, mag sich jeder der fetzblauen Bilder erfreuen.

Wir erreichen nach ein paar „heikleren“ Stellen das Plateau – yes! Gernot entscheidet, dass wir noch weiter zur Fischerhütte steigen. Dort hat niemand die Tür zum Winterraum freigeschaufelt. Ob es daran liegt, dass immer wieder Leute in Bergnot eingebrochen sind? Sinn ergibt das keinen – hmm? Zum Glück lacht die Sonne bei nur schwachem Wind. Seltene Bedingungen sind das für das Schneeberg-Plateau. Es ist aber so kalt, dass weder Pause noch Jause attraktiv erscheinen. Wir steigen wieder ab Richtung Fadensteig, langsam aber immerhin mit schon fünf Stunden in den Knochen. Gernot, aus ärztlicher Sicht „Ein Traum von einem Patienten“, kontrolliert stets brav den Puls, und der will irgendwann trotz Abstieg auch in den kurzen Pausen nicht mehr sinken. Als Dr. Gottfried Google kombiniere ich, dass Gernot ja nicht wegen seines Herzens in Behandlung war, also wird es an der ungewohnten Belastung liegen. Gernot therapiert sich mit Müsliriegel und reichlich Flüssigkeit, und, siehe da, läuft bald wieder wie ein Duracell-Hase. Trotzdem sind wir beide überaus dankbar, als wir nach rund sieben Stunden wieder beim Auto sind. Bestzeit war das heute keine, aber darum ging es diesmal wirklich nicht.

Eine der edelsten Touren seit langem – aus unterschiedlichen Gründen!

Die Tour auf Garmin.com

Wandern: Ramsau

Gernot ist nach seinem Spitalsaufenthalt fast wieder ganz der Alte. Trotzdem gehen wir es langsamer an. Gernot ist mit Renate und seinem Dad, Norbert, für ein paar Tage in der Ramsau im Ennstalerhof. Mio und ich reisen für den Samstag und Sonntag nach. Wie zu erwarten, ist die kulinarische Versorgung herausragend. Das Hotel selbst ist fein und hat nun einen Infinity Pool. Aber die Klimaerwärmung hat es im Winter an den Rand gedrängt. Ums Hotel ist wenig Schnee, einzelne Langläufer rennen noch vergangenen Tagen hinterher. Ostern bleibt das Hotel schon geschlossen. Die Sommergäste werden erst später erwartet.

Am Samstag haben Gernot, Renate und Norbert schon Höhenmeter in den Beinen. Ich stoße am Nachmittag dazu und wir spazieren noch zur Brandalm auf Kuchen und Kaffee. Norbert hat immerhin schon seinen 85. Geburtstag hinter sich. Das hält ihn nicht ab, tapfer und unaufhaltbar wie eine Dampfmaschine weitere Höhenmeter zu schnupfen.

Am Sonntag geht es auf die Hochwurzen. Mio ist in seinem Element. Erst ist es der winterliche Wald und dann auf den letzten Metern sind es Rodler und Skifahrer. Wir haben ihn ja im ersten Jahr mit Radfahrern, Läufern, Pferden, Rindern, etc. vertraut gemacht. Woher hätten wir Wintersportler nehmen sollen? So jagt er erbost jeden Skifahrer und jeden Rodler die Piste runter. Letztlich hält ihn nur die Leine. Bei der Hochwurzenalm wurrelt es plötzlich von hunderten Skifahrern mit Helm. Das ist auch einem Lagotto irgendwann zu viel. Er resigniert. Und da er sich mit nassem Bauch nicht auf den Steinboden legt, darf er auf der Bank schlafen. Der Hund ist fertig, das Personal gnädig.

Die Brandalm-Tour auf Garmin
Die Hochwurzen auf Garmin

Bergsteigen: Karreralmsteig

Schon in der Wandersaison ist hier an der Südseite der Rax kaum was los. Aber um diese Jahreszeit ist es noch einsamer. Bis zur Reißthalerhütte sind noch Spuren zu erkennen, aber dann war wohl in letzter Zeit hier kein Mensch unterwegs. Als Steigerung dann der Karreralmsteig. Ich bin recht sicher, dass ich der erste im Jahr 2023 bin. Das ist aber auch wurscht.

Ich steige nach einer Pause bei der Karreralm das erste Geröllfeld hinauf. Jö, ist das fein! So ein Geröllfeld, so gut wie nie begangen und dann nach dem Schnee.. Hmm, das ist fein, zumindest, wenn man sich gerne ein bisserl selbst quält. Das ist so fein, dass ich zu weit aufsteige. So quere ich wieder einmal durch die Latschen. Der Schnee trägt dankenswerterweise. Und da sieht auch der Mann mit der Rotsehschwäche und der deswegen vielleicht so roten Kopfbedeckung schon eine rote Markierung am Fels. Es wird gekraxelt. Weil hier nur ganz wenig los ist und ich mir bei einer der vorigen Begehungen schon mal eine kleine Felsplatte in der Hand hatte, rüttle ich vor jedem Anziehen. Ich kann das hier nur empfehlen.

Durchs Felsenfenster und dann zur IIIer-Stelle. Die ist wirklich nicht lange. Ich stehe in den steigenfesten Bergschuhen da und die Saison ist ganz frisch. Also, ein steigenfester Bergschuh ist irgendwie das Gegenteil eines Kletterschuhs, der Antikletterschuh sozusagen. So setze ich an zum ersten Schritt, zögere, und setze wieder zurück. Zögerlicher Einstieg! Das geht ein paar Mal so, dann stehe ich in dieser drei bis vier Meter hohen Felsplatte. Gut fühlt es sich heute nicht an. Aber die Sohlenspitze hält, der nächste Griff ist einem IIIer auch nie weit und so schaffe ich es nach oben. Geht doch! Yes!

Für die erste Märzhälfte ist ganz, ganz wenig Schnee da. So mache ich mir Sorgen um die Wasserversorgung der Wiener im Sommer. Aber ich sollte mir eher Sorgen um meine Kondition machen. Steigeisen brauche ich diesmal nicht, das ist fein. Der Schnee ist einigermaßen weich und das sollte er auch im Schatten sein. Hier sind übrigens die schweren Schuhe den Kletterschuhen haushoch überlegen.

Also, rein mit den Schuhspitzen in den Frühjahrsschnee und schön den Pickel versenken. So geht es die enge Rinne rauf. Nun weitet sich das Schneefeld. Das ist bei dem Schneemangel vielleicht noch ein Grad steiler als die letzten Male. Zuerst versuche ich nach links auszuweichen, wo das Gras rausschaut. Aber dort wirke ich wie ein verlorener Steilhanggärtner, der mit seinem Pickel den Boden auflockern will. Selbst für ambitionierte Bergbauern ist es hier ein paar Grad zu steil. Da taugen weder Kletter- noch Bergschuhe. Also, zurück ins Schneefeld. Wie schnell man einen anständigen Puls erreichen kann! Der Ort taugt nicht für eine entspannende Pause. So beiße ich die Zähne zusammen und quäle mich ans obere Ende.

Ab hier geht es wieder auf Geröll nach oben, das grundsätzlich einen aufrechten Gang zulässt. Wäre ich nur nicht schon so fertig. Aber langsam geht alles, sieht mich ja keiner. Einmal stellt sich noch an unerwarteter Stelle jede Menge Triebschnee entgegen. Das ist bei aperen Verhältnissen eine leichte Kraxelei. Mit diesem tückischen Triebschnee als Auflage grabe ich da lange herum. Was bin ich über den Pickel froh!

Nochmals taumeln und schnaufen, und das Heldendenkmal ist erreicht. Der Schnee ist hier heroben weggeblasen. Eine ungewöhnlich große Gamsherde grast hier. Der Chef starrt mich an, ich weiche ihm aus. Er muss ja brillieren, nicht ich.

Das Karl-Ludwig-Haus erobere ich noch auf Ingress, ehe ich über den Karlgraben absteige. Oben taugen die Grödel, aber im Graben sind sie eine Gefahr. Sie stollen dermaßen an, dass ich sie nach ein paar Metern abnehme.

Das Waxriegelhaus ist menschenleer. Der schlurfende Kellner aus Nepal freut sich über mein Namaste. Nach zwei Gängen betritt zu meinem Kuchen und Kaffee ein Tourengeher die Hütte, sieht die leeren Tische und … setzt sich zu mir. Interessantes Sozialverhalten! Mir soll’s recht sein. Er glänzt, dass er schon seit 55 Jahren auf der Rax herumklettert. Okay, da fehlt mir noch ein Jahrzehnt. Kurz, überkommt mich eine Lebenskrise, da das Ergebnis meines Schaffens nun ein Platz am Tisch der peinlichen Legenden ist. Was soll’s! So erfahre ich, dass die Schneelage vor 30 Jahren oft eine Abfahrt des Langermanngrabens bis zur Forststraße zuließ. Irgendwann wurde ein Drahtseil angebracht, das die leichte Kletterei in den immer schneeärmeren Wintern sichern soll. Ob das Seil noch da ist? Keine Ahnung. Fix hingegen ist, dass Winter mit einer Abfahrt über den Abbruch aufgrund der unübersehbaren Klimaerwärmung nur noch sehr selten werden. Wer den Jungen dann sagt, dass man da runterfahren kann? Ich werde es nicht sein und steige zum Preiner Gscheid ab. Auf den letzten Metern setzt Regen ein. Ein besonderer Tag war es trotzdem hier.

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Bergsteigen: Haidsteig

Am 8. November war ich das letzte Mal hier. Das ist ja eine Ewigkeit. Über ein Monat ist mein letzter Lauf her. Damit hat sich meine Hüfte beruhigt. Also, sie nervt noch immer, aber man kann ja nicht sein Leben lang warten, bis sich etwas von selbst bessert. Kaputt kann ich auch nichts machen, also werde ich mich durchlächeln. Erwähnenswert ist auch, dass ich an einem Samstag unterwegs bin. Der Wetterbericht ist halt extra fein. Dies im Gegensatz zur nächsten Woche. Also, raus aus dem Haus!

Am Parkplatz um 9 Uhr stehen, wie von Gernot präzise prophezeit, keine fünf Autos – gutes Zeichen. Ein älterer Herr startet mit Schneeschuhen und Helm am Rucksack. Mein Rucksack ist mit Grödeln, Steigeisen, Stöcken, etc. gut gefüllt. Schauen ma a mal!

Am Einstieg hole ich meinen Vorgänger ein. Elegant steige ich vorbei und meine, dass dies nun mein Steig ist. Es liegt ein bisserl Schnee, der verdammt gut hält und ein bisserl Eis, das verdammt rutschig ist. Aber 98% sind trocken und so gibt es eigentlich nur feine Bedingungen. Unterhalb der Einmündung des Alten Haidsteigs sehe ich noch einen Kraxler ein Stück ober mir. Schön bunt und gut abgestützt auf allen Vieren. Ui, ist dort, wo das Seil fehlt, Bedarf für Grödel? Ich schließe auf und überhole. Den Mann treffe ich beim Abstieg nochmals. Da erklärt er mir, dass er Touren immer von einer Website runterlädt und dann nachgeht. Er ist derart schon einige Klettersteige gegangen. Welche? Na, daran kann er sich nicht erinnern. Aber er ist top ausgerüstet. Wochenende? Egal, passt schon.

Bei der Madonna raste ich ein bisserl. Long time no see, liebe Ulli!

Am Vortag habe ich noch einen meiner Berichte gelesen und mich erinnert, dass mich die Steigeisen bei meiner letzten Winterbegehung eher genervt haben. So bin ich nun oberhalb der Madonna auch auf allen Vieren. Der Schnee hält, der Fels soundso, aber das Eis nicht. Und das verrät sich manchmal nur als glasklarer Überzug. Vorsicht, keine Eile, hab eh keine Kondi.

Am Plateau meldet sich der Wind. 2h15 habe ich vom Parkplatz herauf gebraucht. Das ist fast eine Stunde mehr als vor zwei oder drei Jahren. Fast doppelt so lange – upps! Ein Teil der Verzögerung lässt sich den Bedingungen zuschreiben. Fix ist, dass ich wieder fit werden will. So geht das jedenfalls nicht weiter.

Die Neue Seehütte ist zu meiner Verwunderung geöffnet. Irgendwie sieht das jetzt wieder professioneller aus. Aber mir ist noch der deutsche und eher bergahnungslose Pächter in Erinnerung, der bei unserem ersten Besuch, Kaffee und Würschtel mit Solarenergie zubereitet hat. Das war ja eher nix. So lasse ich die Hütte links liegen und wähle den Göbl-Kühn-Steig. Der Schnee trägt überraschenderweise gut und so ist das durchaus zu verantworten.

Im Langermanngraben kommen mir Tourenfahrer entgegen – von unten mit den Skiern am Rücken. Sie erklären, dass sie absichtlich bis zum Abbruch abgefahren sin. Aber die Übellaune lässt vermuten, dass das nicht ganz so geplant war. Acht Schwünge, zwanzig Minuten schwitzen. Da wird ein Sessellift plötzlich attraktiv.

Das Waxriegelhaus ist rappelvoll. Martin, der Wirt, setzt mir drei Studenten aus Mannheim an den Tisch. Kein Rucksack, Turnschuhe ohne jedes Profil. Na ja, sie haben eigentlich gar nicht damit gerechnet, dass Schnee liegt. Sie wollten über den Altenbergersteig auf die Heukuppe, aber der Schranken war zu. Und so sind sie aufs Preiner Gscheid. Wie denn die Seehütte so ist? Kulinarisch nicht lohnenswert und mit dem Schuhwerk kaum erreichbar. Ah ja. Ich empfehle den Entenhügel, 100 Meter hinter der Hütte. Der Anstieg ist steil, aber ein Ausrutschen ist im Wald unwahrscheinlich und wenn, nicht so wild. Die Füße sind in den Schuhen sicherlich auch schnell nass. Wenn das alles erträglich ist, können sie ja weiter auf den Waxriegelgrat gehen. Der bringt einen Ausblick. Ob sie derart zum Karl-Ludwig-Haus gelangen? Mit den Schuhen wahrscheinlich nicht und nun ja, das hat geschlossen.

Wenn jemand sagt, dass ich ein Bergfex bin, winke ich stets ab. Jemand, der in Salzburg oder Tirol lebt, und Zeit seines Lebens jede Woche Touren geht, der hat viel Erfahrung. Nicht ich. Aber an Tagen wie heute, oder eben Samstagen, bin ich fast überzeugt, dass ich doch viel Erfahrung habe. Anderseits beneide ich die jungen Leute. Ich erkläre ihnen, dass mit den Schuhen das Absturzrisiko wohl bei zehn Prozent liegt und dass es auf einem steilen Harschdeckel oder Altschnee sehr, sehr wahrscheinlich kein Halten ohne Pickel gibt. Aber ich sage ihnen auch, dass das für sie bedeutet, dass sie es mit 90%iger Wahrscheinlichkeit schaffen würden. Und diese Sicht auf die Dinge lassen einem mit 20 Jahren Risiken eingehen, die Erinnerungen fürs Leben bringen. So wünsche ich ihnen das Allerbeste, viel Spaß in den Bergen und ermahne sie, sich von den Alten nicht einschüchtern zu lassen.

Am Weg nach Griesleiten überlege ich mir dann, welchen Preis mir die Hüfte in Rechnung stellen wird. Aber der ist auch am Sonntag noch erstaunlich tief. Ich muss wieder öfters in die Berge. Das ist meine Erkenntnis der Tour.

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Podersdorf am Neusiedlersee

Heute hat sich am Vormittag ein Baum im Wald der Länge nach auf unsere Route gelegt. Das ist erstens gefährlich und zweitens ein Indiz für Wind. So fahren Mio und ich lieber an den Neusiedler See, wo die Bäume den Wind gewöhnt sind und schießen ein paar Fotos. Die Anzahl der Kiter und Surfer ist beachtlich. Ob das ein Zeichen der Klimaerwärmung ist?

Mio erinnert sich, dass man in seiner Familie Enten apportiert hat, ehe man – ebenfalls klimabedingt – auf die Trüffelsuche umgestiegen ist. Der Neusiedler See bietet ausreichend Schlamm, sodass sich Mio wie sein Ururgroßvater gefühlt haben muss. Die Enten waren jedenfalls schneller als jeder Trüffel.

Wandern: Predigtstuhl

Lange habe ich mich geschont und das Laufen für meine beleidigte Hüfte verantwortlich gemacht. Dann bin ich am Vortag von Kaltenleutgeben direkt und steil zur Teufelstein Hütte aufgestiegen. Und weil ich mich danach fast nicht bewegen konnte, war der Beschluss schnell gefasst: ich muss wieder fitter werden.

Eine Skitour wäre grundsätzlich möglich, aber ich habe Mio. Und der führt sich wie ein Verrückter auf, wenn es steiler bergab geht. Ich habe Sorge, dass ich ihn mit den Stahlkanten meiner Skier bei der Abfahrt erwische. Das wäre gruselig. Deswegen lieber eine Tour im Schnee. Da wären Schneeschuhe fein, die habe ich aber nicht. Garmaschen müssen reichen. Die mildern nicht die Mühsal, aber halten zumindest die Socken trocken.

Mio und ich starten am Preiner Gscheid. Die alte Skipiste geht noch locker. Aber dem Waxriegelhaus wird es dann für beide allmählich härter. Mio erschließt sich nicht ganz, warum wir da hinauf müssen. Er läuft einfach vor und schaut mir dann zu, wie ich mich abquäle. Allmählich bekomme ich ein Gespür für Schnee. Eine Fehleinschätzung wird mit einem Einbrechen bis über den Oberschenkel sanktioniert. Wer das richtige Weiß findet, marschiert hingegen wie auf hart gepresster Piste. Auch für Mio gilt „Am Weg bleiben“. Weit kann er nicht jagen, da ihn schon nach ein paar Metern der tiefe Triebschnee bis zum Bauch verschwinden lässt.

900 Höhenmeter sind es in Summe. Das ist wirklich nicht viel, aber ich bin fertig. Ui, da muss jemand wieder trainieren! Und der Abstieg ist auch noch da. Dazu wandere ich über den Predigtstuhl zum Karl-Ludwig-Haus. Hier heroben ist alles abgeblasen. Da gibt es keine Schwierigkeiten. Für den Abstieg wähle ich die Eisenkette vom Karl-Ludwig-Haus Richtung Karlgraben. Mio muss an die Leine, da er bei einem der letzten Male gemeint hat, dass er sich auf dem über 30 Grad steilen Harschdeckel wälzen muss. Am Ende der Kette kommt er wieder frei. Den Karlgraben neben wir direkt. Mio flippt aus. Er schießt die Rinne hinunter. Bremsmanöver hinterlassen eine entsprechende Bremsspur. Er dreht um und fetzt den Graben wieder rauf. Angst und Atemnot kennt er nur begrenzt. Fein so!

Am Waxriegelhaus gönne ich mir drei Gänge, ehe ich zu meiner geringsten Überraschung kaum aufstehen kann. Aber ein bisserl strecken und dehnen, dann kommt das alles wieder in Schwung. Ein paar Touren wird es aber noch brauchen. Wird schon werden!

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Skiurlaub: Kolfuschg

Die Anreise in die Dolomiten ist von daheim aus schon ein ganzes Stück. Auch ist der viele Schnee eher im Norden gefallen. Aber die Vorfreude auf Italien entschädigt.

Wir sind wieder im wunderbaren Lüch de Costa untergebracht. Lydia und Jasmin sind im Ausland. Dafür ist Vicky mit dabei. Am ersten Skitag trüben noch ein paar Wolken am Nachmittag den Himmel, aber die restlichen fünf Tage sind fetzblau. Recht kalt ist es. So viel Gewand hatte ich beim Skifahren noch nie an! Dafür ist der Schnee entsprechend gut. Endlose Pisten warten. Jetzt war ich schon so oft hier, habe aber noch immer nicht annähernd jeden Lift zumindest einmal benützt. Wir machen uns keinen Stress. Auf den Hütten genießen wir das italienische Essen und wärmen uns für den Nachmittag. Von dem bleibt aber oft nicht viel übrig. Zu gut ist das Essen! Die Jimmy Hütte, die Rifugio Fredarola und die Refugio Domici empfehle ich gerne. Letztere grenzt schon ein bisserl gar an Dekadenz, lässt man sich doch angeblich den angebotenen Fisch jeden Tag frisch liefern, wenn nicht gar einfliegen.

Skiwochenende: Obertauern

Nun ist doch noch Schnee gekommen. Carina packt ihre Freundin, Vali, ein, und so fahren wir zu viert am Freitag los. Der Wetterbericht war ursprünglich ganz schlecht, aber nun verspricht er zumindet am Sonntag feinstes Skiwetter.

Die Hotels sind gut gebucht und wir kommen im Hotel Rigele Royal unter. Das ist fein, aber auch nicht meine Empfehlung. Es ist ein bisserl dysfunktional. Und royal ist es wirklich nicht. Es sein denn, man fühlt sich als König von Mallorca. Das liegt stark am Personal, das hier schon zum Frühstück fröhliche Ballermann-Stimmung verbreitet und über die eigenen Scherze am lautesten lacht. Wer’s mag, dem sei’s gegönnt.

Der Schnee ist jedenfalls ein Hammer. Schon am Samstag erfreuen wir uns am trockenen Pulver. Wenige Leute sind unterwegs, das macht die Sache noch feiner. Und am Sonntag dann strahlend blauer Himmel und knietiefer, trockener Pulver bei weit unter Null. Wow, das hatte ich schon lange nicht! Was für ein Genuss. Mittags können wir am Seekarhaus gar auf der Terrasse sitzen. Was für ein Tagerl!

Vom Pfaffensattel aufs Alois-Günther-Haus

Mio und ich starten spontan zu einer Tour raus aus dem Nieselregen in die Sonne. Das ist Luxus, muss aber sein. Wir rollen Richtung Pfaffensattel. Eigentlich wollten wir ja am Vortag mit Renate und Gernot die Tour auf Skiern machen. Da haben wir uns aber im Wetterbericht getäuscht und sind daheim geblieben. So geht es heute alleine und ohne Skier los.

Hundert Meter auf der Mautstraße und ich lasse Mio von der Leine. Mah, das ist eine Lebensfreude. Er fetzt mit aller Kraft die Mautstraße bergauf, dreht sich um, schaut mich an, wartet kurz und startet dann auf mich zu. Im Vollgas an mir vorbei, um ein paar Meter hinter mir umzudrehen und dann wieder nach oben und damit das Spiel von Neuem zu starten. Voller Lebensfreude wälzt er sich auf der Forststraße. Und wenn man ein Loch gräbt, dann ist man auch wieder auf der Erde zurück. Ein Hundetraum.

Der Nebel will nicht locker lassen, aber die Sonne kann nicht weit sein. Erst ganz oben zeigt sie sich dann immer wieder. Der Schnee ist ganz trocken und erinnert an vergangene Jahre. Solche Tage werden wegen der Klimaerwärmung leider immer seltener. Umso mehr Freude haben wir beide mit dem heutigen Tag.

Das Alois-Günther-Haus ist nach etwas einer Stunde erreicht. Die Hütte selbst ist wirklich keinen Besuch wert. „Lieblos und teuer“ trifft es. Für den großen Hunger stehen entweder Fleischlaibchen oder Erbsensuppe und Käsekrainer auf der Tafel, jeweils zu 15 Euro bei Selbstbedienung. Ich bestelle die Fleischlaibchen und ergattere das letzte. Singular und Plural sind bei Fleischlaibchen gleich. Trotzdem wirkt das eine Laberl neben dem Instant-Erdäpfelpüree und dem Tiefkühlgemüse ein bisserl gar traurig. Zehn vor zwölf werden die Fleischlaibchen von der Tafel gestrichen und durch Schinkenfleckerl, auch um 15 Euro, ersetzt. Kurz, kulinarisch ist das Ödland. Aber die Schilifte und die beiden Schirouten spülen verlässlich Gäste ins Haus. Alternative gibt es keine. Da ist die Versuchung groß, ohne Anstrengung das Geld zu kassieren. Schade, aber so ist es!

Mio stört das nicht. Beim Abstieg will er die Schuhbänder aufziehen und in meine Hosenbeine beißen. Das Spiel sieht vor, dass ich das austretende Pferd mache. Heute kann er es. Er springt in die Höhe und versucht, die Handschuhe zu erwischen. Er bellt und ist so voller Energie. Was ist mit dem kleinen Racker heute nur los? Hat er das Katzenfutter erwischt?

Auf Dauer bin ich ein langweiliges Opfer. Da bieten sich plötzlich Skifahrer an, die die Mautstraße zum Pfaffensattel abfahren. Die erste Dame stellt Mio. Das hat er jetzt auch noch nie getan. Zumindest findet er an den Schischuhen keine Schuhbänder. Als dann ein weiterer Schifahrer lachend meint: „Na, schauen ma a mal, wer von uns beiden schneller ist!“, überzeugt Mio mit satter Geschwindigkeit auf gepresstem Untergrund. Mit Mühe kann ich ihn zurückpfeifen.

Seine Versuche, in die weitere Landschaft zu verschwinden, scheitern, weil er in der ganzen nahen Landschaft erst bis zum Bauch, dann bis zu den Ohren im trockenen Schnee verschwindet.

Viel zu schnell sind wir wieder beim Auto. Mio verschläft den restlichen Tag.

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Skiurlaub: Obertauern

Uh, da haben wir wohl die letzten Zimmer ergattert. Und das in Obertauern! Das ist gut, weil in den Alpen liegt so gut wie kein Schnee. Da sollten wir doch in Obertauern auf der sicheren Seite sein. In Obertauern angekommen staunen wir über den Schneemangel nicht wenig. Aber zumindest liegt Schnee. In den anderen Gebieten sieht es noch trauriger bzw. grüner aus.

Die Gastgeber des Hotels Snowwhite sind herzlich und freundlich, das Essen gut. Überall stehen Zwerge herum. Ein bisserl viel Themenabend. Aber wir fühlen uns wohl und sind froh, überhaupt noch etwas gefunden zu haben.

Jeden zweiten Tag lacht die Sonne. Für Mitte Jänner ist es ungewöhnlich warm. Auf den Hütten können wir an den Sonnentagen auf der Terrasse sitzen. Das hat man wahrlich selten um diese Jahreszeit. Die Pisten sind sehr voll. Die Tagesgäste parken die Bundesstraße zu. Auch scheint es so, dass andere Wochengäste aus ihren schneearmen Urlaubszielen auf den Tauernpass flüchten. Viele Menschen und fast ausschließlich Kunstschnee führen zu rutschigen Eisplatten mit zusammengeschobenen Schneehaufen. Ins Gelände kann man nicht ausweichen. Das verstärkt das Gedränge auf den schmalen Pisten. An einem Tag bietet das nordseitige Zehnerkar gute, weil trockene Bedingungen. An einem anderen Tag firnt es gar auf, und der Schaidberg lädt zum Frühlingsfirn.

Bei der Abreise sieht der Wetterbericht einen Meter Neuschnee für die kommende Woche. Vergönnt sei es, notwendig ist es jedenfalls.