Wildes Gamseck II – Bärenlochsteig

Gernot und ich kehren an den Ort zurück, an dem unsere gemeinsame Kraxelei begann. Das ist gar nicht so lange her. Am 28.08.2018 waren wir hier. Ich hatte damals Seil und Kletterutensilien entstaubt, und Gernot war das erste Mal am Seil im Fels unterwegs. Seit damals haben wir brav geübt und uns verbessert. Diesmal kommen wir ohne Seil und ohne Besorgnis.

Es ist ein herrlicher Herbsttag in den Herbstferien, an dem wir von Hinternasswald zusteigen. Ein paar Leute sind unterwegs. So kommt uns ein Mann mit seinem Sohn im Volksschulalter entgegen. Der junge Mann sieht fertig aus, aber das heißt bei Menschen in diesem Alter bekanntlich nicht viel. Ja, sie sind das Wilde Gamseck runter, was doch etwas viel war. Ich staune. Ja, ohne Seil bzw. Strickerl für den jungen Mann? Da waren doch eh teilweise Stahlseile. Ah, sie sind das Zahme Gamseck runter. Das glaube ich schon eher.

Schon fast beim Einstieg holen wir ein Paar in den Dreißigern ein. In tadellosen Jägerfarben, was definitiv Kontrast zu den bunten Paradiesvogelfarben der Kraxler ist, erkundigen sie sich, wie der Steig denn so sei. Für die Bergsteigerin ist es das erste Mal, und die Höhenangst ist da auch noch da. Na ja, muss halt er, der grüne Fels, dicht hinter ihr steigen. So schwer ist es auch nicht. Da kommt als Erwiderung, dass er auch eher wenig bis keine Klettererfahrung hat. Der Plan ist, soweit zu steigen, wie es möglich ist und gegebenenfalls, falls nichts mehr geht, umzudrehen. Ist zumindest ein Plan und es ist davon auszugehen, dass Bergretter ein gutes Einvernehmen mit Jägern haben. Ich bin zuversichtlich, dass es ohne Zwischenfall abgehen wird, bin aber wie sooft beeindruckt, was so alles gut ausgeht in den Bergen.

Für uns selbst ist der Steig wirklich nur noch Freude. Ein bisserl kalt ist es, aber auch steif in den Gelenken wir Pinocchio kann ich mich des griffigen Fels erfreuen. Gernot steigt vor und findet keine Schwierigkeiten. Dazwischen bedankt er sich immer wieder für meine damalige Geduld, als ich mir für diesen Steig das Seil angetan habe. Der Fortschritt ist unübersehbar. Und so sind wir auch keine Stunden im Steig, sondern zügig durch.

Der rasche Durchstieg hat keinen Hunger aufkommen lassen. Wir wollen durchs Bärenloch runter, und verspeisen bei der Grasbodenalm noch zwei Müsliriegel. Das muss und wird reichen.

Der Bärenlochsteig ist immer wieder lustig. Auch landschaftlich gibt er etwas her. Der Bärenlochsteig mündet in die Wildfährte und das ist Gernots erster Klettersteig gewesen. Eine Nostalgierunde sozusagen, die wir in Pernitz bei Kaffee und einer mächtigen Cremeschnitte ausklingen lassen.

Die Tour auf garmin.com

Klettern: Bürklesteig III+

Gernot hat den Bürklesteig herausgesucht. Aus einem Buch – Sachen gibt’s! Am Vorabend schauen wir uns die geplante Tour an. Der Grat hat viele Türme, ist aber nicht sehr steil. Auf den Bildern sieht es so aus, als könnte man jeden Turm umgehen. Den Einstieg mit der IIIer-Stelle kann man auch umgehen. In einem der Kamine soll es sehr eng sein. Dort kann man der Enge mit III- „über die Blöcke“ in III+ ausweichen. Das schauen wir uns an, wenn wir dort sind. Ich mache mir keine Sorgen. Kurz mache ich mir Gedanken, dass ich mir diesmal gar keine Sorgen mache, obwohl ich die Tour gar nicht kenne. Mann oh!

Wir starten in Losenheim und stoppen beim Anstieg in einem Moment, in dem ich in nur einem Schuhe im Wald herumstehe, zwei Forstarbeiter. Also, Gernot stoppt eigentlich nur im Scherz, aber schon stehen wir hinten auf einer Querstange eines Traktors und pressen mit unseren Fingern die letzten Tropfen aus dem Blechdach. So tuckern wir 150 bis 200 Höhenmeter Richtung Breite Ries. Na hoffentlich, gilt der heutige Ausflug dann überhaupt als Besteigung.

Weiter geht es über den nördlichen Grafensteig zur Kreuzung mit dem Bürklegrat. Gernot, der als einziger im Team die roten Markierungen in einer Entfernung von mehr als einem Meter erkennen kann, steigt vor, folgt aber dabei der GPS-Linie, die er aus dem Internet geladen hat. So kann man auch die Gegend kennenlernen. Der Zustieg zum Bürklesteig, also zur Kletterei, ist eher mäßig markiert. Wir plaudern, soweit der steile Wald das zulässt, und verpassen wohl den Einstieg und die Umgehung des ersten Turms. Dabei sind wir aber auf einem Steig mit roten Markierungen geblieben. All dessen sind wir uns zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst. Erst als wir wieder rote Punkte und Striche finden, sind wir wieder auf dem GPS-Track und am Grat. Aber wo sind wir? Sind wir schon in der Tour?

Seil brauchen wir da keines. Das ist fix. Wir wähnen uns noch immer eher unterhalb des Einstiegs oder doch nicht? Gernot klettert weiter vor. Ich staune, hätte er vor ein paar Monaten bei solchen Stellen noch das Seil verlangt. Als wir dann an einem engen Kamin angelangt sind und Gernot weiter vorsteigen will, bestehe ich mit mehr Nachdruck aufs Seil. Wenn wir es schon mithaben! Hier kann man noch gut anseilen. Gernot lässt sich überzeugen und steigt weiter vor. Doch schon nach 15 Metern ist Schluss. Er baut da mal einen Stand, höre ich von oben. Ich soll nachkommen und mir das anschauen. Gernot steht in einer komfortablen „Höhle“. Und hier geht es wirklich mal (fast) senkrecht nach oben. Es ist eng, man könnte da hinaufspreizen. Auch ein super enger Durchschlupf ist zu sehen. Uns dämmert, dass wir längst in der Tour sind.

Durch das enge Loch passe ich vielleicht, aber mit 54 Jahren im Allgemeinen und meiner malträtierten Hüfte im Speziellen bliebe ich da drinnen wie ein steifer Stock stecken. Also, außen rum! Zum Glück sind da Steigeisenspuren am Fels. Leute gibt’s!

Wer nicht spreizen kann, muss sich anders verkeilen. Also stemme ich mich wenig elegant nach oben. Erste Stufe geschafft, aber hoppala, ein IIer war das nicht. Egal, für die Topo habe ich jetzt keinen Kopf. Ich drehe mich, muss über den nächsten einklemmten Felsblock. Aber wo anhalten, wohin steigen? So einfach ist das wirklich nicht. Und trotzdem geht es. Nochmals rumdrehen in diesem engen, luftigen Gelände. Bei so einer Verrenkung gibt’s mir einen Stich im Genick. Oida! Jetzt gibt es kein Zurück mehr, die nächste Stufe muss geschafft werden. Ich hoffe sehr, dass der Turm damit erledigt ist. Wie ein Salamander schiebe ich mich über das letzte Hindernis. Stilnote im negativen Bereich, aber oben! Uff, ich baue einen Stand und muss in Vorfreude schon lachen. Was war denn das da jetzt? Der Gernot wird fluchen, aber er muss da rauf. Das ist fix!

„Kannst kommen!“, „Komme!“. Geschätzt sieben Meter sehr, sehr steil unter mir setzt sich Gernot in Bewegung. Noch ein „Hast mich eh?“ und er hat die erste Stufe. Spaßverderber, das ging aber flott. Dafür bekommt er an derselben Stelle denselben Stich. Das hat was! Unterhaltsam ist das. Mit nicht viel besseren Haltungsnoten ist Gernot bei mir heroben. Wir lachen, schütteln den Kopf.

Auf der Topo sind wir nun sicher, dass wir in dem Kamin sind, in dem man zwischen dem „III- eng“ und dem „III+ außen“ wählen konnte. Wir haben vermutlich die Variante außen gewählt. Dass man auch „innen“ durchkommt, können wir uns nicht vorstellen.

Den untersten Teil der Tour haben wir leider gänzlich verpasst. Für Erstbegeher, die diesen Eintrag lesen, sei gesagt, dass die roten Punkte den Einstieg unseres Erachtens in Aufstiegsrichtung rechts umgehen. Die von uns verwendete Topo zeigt die Umgehung links. Wir werden nochmals hierher zurückkehren und das erforschen.

Die restliche Route ist feine Kletterei. Eine Stelle ist noch in der Topo mit III- angeführt. Nun ja, Gernot ist in Fahrt und führt auch diese Stelle. Kurz gesagt, alles fein, alles machbar. In weiterer Folge geht es dann den Grat entlang zur Fischerhütte. Den Abstieg wählen wir nach ausreichendem Essen über den Fadensteig.

Fazit: Der Bürklesteig ist ein toller Anstieg auf den Schneeberg. Beim Zustieg muss man sich konzentrieren. Wir wollten die Tour von ganz unten machen bzw. zumindest am Einstieg entscheiden, ob wir umgehen oder nicht. Irgendwie haben wir aber eine Abzweigung verpasst und sind erst nach den ersten Herausforderungen in die Tour eingestiegen, was ein bisserl schade ist. Umso mehr Spaß hat uns die „Schlüsselstelle“ gemacht. Wir waren uns nicht bewusst, dass wir an der Schlüsselstelle sind. Ich habe mir nur kurz gedacht, dass das sicher kein IIer ist und mich konzentriert, dass ich da hinaufkomme. Auch bin ich davon ausgegangen, dass mit „außen“ gemeint war, dass man nicht in der Felsspalte (oder Kamin) klettert, sondern außen am Fels. Wenn wir das nächste Mal wissen, dass wir an der Schlüsselstelle sind, werden wir die Aufgabe technisch besser meistern. Da bin ich sicher. In Summe gibt es mehr Kletterei, als ich erwarte habe. Alles in allem sehr lohnend! Die Tour kombiniert eine anständige Wanderung mit einer längeren Kraxelei. Entsprechend ausreichend Zeit ist einzuplanen, vor allem bei frühem Sonnenuntergang.

Die Tour auf garmin.com

Klettern: Stadelwandgrat III

Der Parkplatz ist leer, uns erwartet eine einsame Tour im Bereich der Stadelwand. So soll es sein. Ausgerüstet mit jeder Menge Material gehen wir es an. Wir zweigen wie die letzten Male aus dem Stadelwandgraben relativ früh ab, um am Waldrücken aufzusteigen. Doch im Abstieg sind wir sicher, dass man den Graben, solange ansteigen könnte, bis der Weg auf den Schneeberg nach rechts aus dem Graben dreht. Dort ist ein gut ausgetretenes Steiglein nach links ohne viel Anstieg. Das werden wir das nächste Mal ausprobieren.

Durchs Gassl gehen wir ganz links. Das ist empfehlenswert, wenn man nicht unnütz Energie verschwenden will. Ab hier übernimmt Gernot die Routenwahl. Beim ersten Mal hat sich Peter unser dritter im Bunde auf seine Erinnerung von vor 15 Jahren verlassen. Beim zweiten Mal habe ich mich als einer mit ausgeprägter Rotsehschwäche probiert. So findet Gernot beim dritten Mal den offiziellen Zustieg. Alle paar Meter bin ich überrascht, wenn mir Gernot wieder einen Markierungspunkt zeigt. Ein Wunder, dass ich mich überhaupt irgendwie durchs Leben finde.

Nach dem Anseilen übernehme wieder ich. Die Hüfte quält mich seit geraumer Zeit. Die Diagnose und Prognose ist auch nicht sonderlich aufbauend und so bin ich etwas unsicher. Das merke ich gleich beim Abklettern des ersten Turms. Ich bin gar nicht sicher, ob der erste Turm überhaupt zur Route gehört. Immerhin muss man am fetten roten Pfeil in die Gegenrichtung vorbei, um dorthin zu gelangen. Nach dem Abstieg wartet ein blitzblank polierter Standplatz. Vielleicht geht es ja hier professionell los.

Mit den Seillängen kommt erst die Zuversicht und dann die Freude zurück. Die Bedingungen sind ideal. Es ist trocken und in der Sonne angenehm war. Wir experimentieren mit unseren neuen Sicherungsgeräten und erkennen durchaus Verbesserungsmöglichkeiten in unserer Handhabung. Ich denke, das versteht man unter Erfahrung sammeln, aber ohne dass etwas passiert ist. Sehr fein! Die Kraxelei ist fein und nun schon zweimal hier beschrieben.

Nach ungefähr zwei Drittel der Strecke oder ungefähr sieben Seillängen hat man wieder die Wahl, wie denn der kommende Abschnitt zu nehmen ist. Links herum in II, rechts herum mit leichtem Abstieg und folgendem III oder direkt in III+. Wir wählen wieder die IIIer-Variante. Mir gelingt sie leicht, das Gejammer mit der Hüfte war gestern, obschon die Stelle für uns spannend ist. Gernot erwischt es diesmal nicht so gut. Ein bisserl Demut nach der Euphorie der unteren zwei Drittel ist eh nicht schlecht.

Im letzten Drittel bleibe ich am Grat, was nochmals eine schöne Kletterei bringt. Auch diesmal sind wir am Ausstieg einigermaßen erschöpft. Gernot fragt, ob wir diesmal mit unseren dreieinhalb Stunden schneller waren als die letzten Male. Das weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass Ueli Steck in 2 Stunden 22 Minuten die Eiger Nordwand druchstiegen hat. Angesichts dieser Tatsache ist es wurscht, ob wir zwei oder acht Stunden für den Stadelwandgrat brauchen. Uns hat’s gefallen, und das zählt!

Die Tour auf garmin.com

Domeniggweg III-

Gernot kommt aus Wien und ich aus Graz. Fast auf die Minute genau treffen wir uns am Parkplatz des Gasthofs Bodenbauer. Für diesen prächtigen Herbsttag haben wir uns den Domeniggweg durch die Südwand des Hochschwabs vorgenommen. Wir packen jede Menge Kletterutensilien in die Rucksäcke und brechen kurz nach acht Uhr auf.

Gernot ist beim Vogauerkreuz nach über zwei Stunden schon schlapp. Beide suchen wir die Südwand ab, erkennen zwei Optionen und fragen uns jeweils für uns, wie wir da raufkommen sollen. Schauen ma a mal. Wir wandern weiter Richtung Trawiessattel. Das Pflichthoppala folgt. Ich schaue auf die schräge, nasse Felsplatte und erkenne, dass meine Schuhe nicht halten werden. Ausprobiert, ausgerutscht, aufgeschürft. Wie deppert kann man sein!

Egal, weiter geht’s. Jetzt spiegelt ein Schild in der Südwand aus weiter Ferne. Das wird der Einstieg sein. Der Domeniggweg von rechts unten nach links oben sieht spektakulär, aber doch auch ein bisserl machbar aus. Gernot schleppt sich dahin. Was ist denn mit ihm los? Knapp bevor der Weg vom Trawiessattel in die Obere Dullwitz abfällt, zweigen wir nach links bei einigen Steinmännchen in Richtung Südwand ab. Noch immer ist die Südwand ein Gegenanstieg und sieht damit fast senkrecht aus. Das wird besser werden, sagt die Erfahrung.

Sechs Gämsen haben es sich bei den Schildern des Einstiegs bequem gemacht. Gelegentlich lassen sie Steine auf uns, die sich die steilen Schrofen bzw. das Geröll hinaufquälen, ab mit den Worten: „Nehmt das!“. Aber wir sind nicht zu stoppen. Unterhalb der glitzernden Tafeln müssen wir links in den Steig abgebogen sein – vielleicht aus Angst vor den souveränen Gämsen. Vielleicht auch ganz richtig.

So stehen wir plötzlich in der Wand. Laut Topo werden wir von der ausgesetzten IIer-Stelle begrüßt. Ja, das sieht nicht schwer aus, aber es geht halt ziemlich runter. Wir seilen uns an – mitten im Steig. Das geht erstaunlich gut und trotzdem machen wir es nächstes Mal früher.

Ich steige los und setze zu meiner Beruhigung einen Friend. So ein Friend ist fein, wenn man wenig gewöhnt ist. Ab jetzt sind da alle paar Meter Haken. Da hätte ich leicht sechs oder gar sieben Exen verbraucht. So baumelt das Seil in der Sonne, auch schön. Vor der Schlüsselstelle warte ich auf Gernot. Der ist wieder zurück im Leben und meistert das alles locker. Die Schlüsselstelle ist mit III- bewertet. Ein senkrechtes Wandl mit kleinen Griffen soll auf uns warten. Aber wie sooft ist hier nichts senkrecht. Das ist objektiv feststellbar. Kleine Griffe sind subjektiv. Wie auch immer, wir empfinden die Schlüsselstelle als nicht so schwer. II+ hätte auch gereicht.

Nach der Schlüsselstelle steigt Gernot vor. Es geht fein dahin. Nach einem kurzen Abstieg stehe ich in einem Kessel bzw. am Beginn einer steil aufwärts gerichteten Rinne. Von Firn ist in der Beschreibung die Rede oder einer Variante in weitem Bogen. Beides finde ich nicht. Ich bin wieder vorne und suche nach Haken zur Orientierung, aber da ist nichts. Das Gelände ist nicht schwer, aber ein bisserl unheimlich ist es schon in der Wand. Was, wenn es da oben für uns nicht weitergeht?

Mangels Alternativen steige ich weiter, Gernot folgt nach. Und plötzlich sieht es auch so aus, als würde es unangenehm. Wir staunen, das sollen bestenfalls IIer-Stellen sein, also etwas, wofür wir kein Seil mitnehmen würden. Schauen wir einmal. Ich steige los und nach ein paar Metern tut sich rechts ein Felsenfenster auf, das man von unserem Stand aus nicht sehen konnte. Das sieht ein bisserl feucht, aber technisch nicht schwer aus. Aber warum fehlt in der Beschreibung das Felsenfenster? Das ist so etwas von markant. Die Beschreibung sagt, dass man sich in aufsteigenden Rinnen schwerlich versteigen kann, weil es stets rasch technisch schwer wird. Das beruhigt. Aber was, wenn der Autor nicht alle Rinnen ausprobiert hat? Das Gelände ist so, dass ich leicht aufsteigen kann, aber runter muss ich auch nicht unbedingt.

Also, durchs Fenster. Für Gernot verschwinde ich damit aus dem Blickfeld. Es wird schon weiter gehen da oben. Siehe da, in der Höhle des Felsenfensters ist ein Steigbuch. Soll ich nachschauen, auf welchem Steig ich bin? Quatsch, der Domeniggweg ist die Anfängervariante durch die Wand. Jede andere Option würde ich nicht packen. Das Felsenfenster war leicht und ich steige kühn zurück in die Sonne. Gernot freut sich sichtlich, als er mich über der Felsstufe sieht. Wahrscheinlich fragt er sich, wie ich da hinaufgekommen bin.

Beim nächsten Stand übernimmt wieder Gernot. Wie beschrieben wird es leichter. Einmal höre ich Rufe. Ich denke, es ist Gernot, aber was will er? „Alles gut“ höre ich irgendwann. Heute sind einige Seilschaften in der Wand. Das ist recht ungewöhnlich. Die gehen allesamt schwierigere Routen ab dem fünften Schwierigkeitsgrad. Wir schießen einmal sogar Fotos. Wild sieht das aus. Für uns geht es weiter. Nebel zieht auf, aber da droht nichts mehr. Haken, eher Rostgurken, tauchen auch wieder auf. Alles gut, weit kann es nicht mehr sein. Wir packen das Seil ein und stehen bald am Kleinen Schwaben. Ein paar weitere Minuten und wir sind am Schiestlhaus.

Hier treffen wir die Klettergruppen. Sie sind allesamt Alpinpolizisten. Fit sind sie und gut vorbereitet für den Einsatz. Verbrecher werden sie da selten fangen. Einzige Erklärung wird wohl die Aufklärung von Kletterunfällen sein. Da seilt man sich aber auch eher von oben ab. Egal, Arbeit darf ja auch mal Spaß machen.

Wir erwarten uns eine schnelle Erholung bei der späten Mittagspause. Diese will sich aber bei Gernot gar nicht einstellen. Die Freude, die bei der Kletterei als verdrängt hat, ist weg. Dafür ist der lange Abstieg da. Wir identifizieren das G’hackte als kürzeste Option. Beim Abstieg wird Gernot immer langsamer, beim G’hacktbründl ist ihm gar kalt. Die restlichen Kilometer sind am Hochschwab meist zäh, aber Gernot schaut mir heute gar nicht gut her. Wir rasten ungewöhnlich oft. Renate liegt mit einer Darmgrippe daheim. Vielleicht hat er sich angesteckt. Hat er! Aber das ist ihm erst in der Nacht bewusst, denn das Fieber und der miese Allgemeinzustand lassen sich nicht auf unsere Tour zurückführen.

Schade, denn es war wieder eine wirklich edle Tour. Wer einen IIIer schafft, braucht keine Sorge zu haben. Bei Nässe oder Schnee sieht das natürlich anders aus. Aber an so einem sonnigen Spätsommertag wie diesen Montag ist die Tour echter Genuss. Der Zustieg und der Rückweg sind lange. Das ist zu berücksichtigen. Wir waren neuneinhalb Stunden unterwegs, was fast eine kleine Ewigkeit ist. Ohne Virus würden wir aber auch wir weniger Zeit benötigen.

Tour auf garmin.com

Ötztaler Alpen

Von langer Hand geplant geht es für die Zeit vom 24. bis 29. Juli in die Ötztaler Alpen. Das Wetter passt und wir schaffen einiges:


Wildes Mannle (3.023m)
Wildspitze (3.768m) und Hinterer Brochkogel (3.623m)
Vorderer Brochkogel (3.565m)
Similaun (3.599m)


Die Hütten sind längst reserviert. Zwei Nächte auf der Breslauer Hütte, eine Nacht in Vent und zwei Nächte auf der Similaunhütte sind die Eckpfeiler. Hütten muss man sehr früh buchen, den Rest planen wir kurzfristig. Also, eigentlich plant Gernot in bester IBM-Qualität die Logistik. Wir reisen mit dem Zug an und reservieren ein Auto bei Rail & Drive. Damit klappt die Anreise super entspannt.

Der Klimawandel und der schneearme Winter werfen unsere Pläne über den Haufen. Auf den Gletschern ist kaum noch Schnee, der angenehme Firn ist schon seit Mitte Juli weg, Blankeis dominiert. Auf dem flachen Gletscher ist das noch angenehm, weil keine tückischen Schneebrücken lauern, aber ab einer gewissen Neigung muss man in den Fels ausweichen oder auf den Zacken kämpfen. All das unter stetem Steinschlag bei schlechter Routenwahl. Das ist wenig einladend. Aber der Reihe nach.

Wildes Mannle

Wir parken unseren schicken Golf beim Hotel Venter Bergwelt. Das dürfen wir, zumal wir ja in ein paar Tagen einchecken werden. Angesichts der Tatsachen, dass wir in der Woche viel vorhaben und ich auch schwach trainiert bin, entscheiden wir uns ohne jede Diskussion für die Nutzung des Sessellifts. In zwei Sektionen bringt uns dieser auf ~2.600m. Schon am Beginn der ersten Sektion verliere ich mein Ticket für Berg- und Talfahrt. Fängt ja gut an – grrr! Der eigentliche Plan sagt, dass wir die schweren Rucksäcke zur Breslauer Hütte bringen und dann einen Ausflug zum Wilden Mannle machen. Stattdessen entscheiden wir bei der Bergstation, besser gleich das Wilde Mannle mitzunehmen. Wir kennen uns zu gut. Einmal auf der Hütte, könnten wir den Apfelstrudel dem Wilden Mannle vorziehen.

In der Nachmittagssonne schleppen wir also die schweren Rucksäcke auf den ersten Dreitausender, überschreiten diesen und steigen Richtung Breslauer Hütte ab. Am Nachmittag sind die Gletscherbäche mächtig angeschwollen und wir verbringen einige Zeit mit der Suche nach passenden Stellen zur Überquerung der Bäche. Man könnte ja die Schuhe ausziehen und.. Aber wir verwerfen diese Idee lieber und steigen die Bachläufe bis zu geeigneten Stellen auf. So kommen wir trockenen Fußes gut bei der Hütte an.

Bei der Zimmereinteilung haben wir Glück. Wir teilen uns ein Zweierzimmer. Das ist zwar winzig, aber definitiv gehobene Klasse hier heroben. Die Hüttenwirtin meint, sie hätte sich geirrt und will uns vertreiben, aber da haben wir uns schon fest gekrallt. No way!

Wildspitze und Hinterer Brochkogel

Schon daheim hat mir die Möglichkeit, dass der fehlende Firn die Besteigung des Hinteren Brochkogels kompliziert machen könnte, Sorgen bereitet. Die Tourenberichte schreiben, dass man bei Blankeis in den Fels ausweichen muss. Die Klimaerwärmung hat den Permafrost aufgeweicht und so hängen die Platten recht locker in den Wänden. Wenn man dann nicht weiß, wo man denn am besten klettert, kann mir das schnell ein bisserl zu heikel werden. So haben wir einen Bergführer engagiert, der uns über Mitterkarjoch auf den Hinteren Brochkogel führen soll.

Kilian, Chef der Bergführerstelle Vent, bestätigt meine Sorgen und schließt kategorisch die Begehung des Mitterkarjochs aus. Damit fällt auch der Hintere Brochkogel. Stattdessen bietet Kilian die Wildspitze über den Rofenkarferner an. Nein, auch der Jubiläumsgrat ist für uns nicht begehbar. Es sei denn, wir sind bereit, uns in einigen Seillängen das 50° steile Blankeis „hinaufzuschrauben“. Aber er kenne einen steinschlagfreien Weg, den er uns führen kann. Aus und basta! Wir buchen. Am Telefon in Breitenfurt vermute ich noch gewisse Geschäftemacherei, aber bei Anblick der grauen, schmutzigen Gletscher bin ich schnell einsichtig. Nun ist die Wildspitze vermutlich das einzig spannende Ziel von er Breslauer Hütte aus.

So holt uns am Montag um 5:45 Kilian persönlich bei der Breslauer Hütte ab. Markant sind sein Norweger Pulli und sein Baseballkapperl. Gleich zu Beginn lässt er uns wissen, dass wir gerne auch schneller gehen können. Tun wir nicht, wir starten schön langsam. Wir rechnen mit einer kurzen Tour, sodass wir zu Mittag wieder bei einem Schnitzerl auf der Hütte sitzen.

Es geht über den Rofenkarferner in erträglicher Steigung hinauf. Nein, da brauchen wir noch nicht ans Seil, wir fühlen uns wohl. Ich erlaube mir einen Sturz, allerdings in flachem Gelände. Na, das läuft ja. Auf 3.500m kommen wir dann ans Seil, wir nehmen einen Teil des Jubiläumsgrates mit, umgehen aber das meiste im Fels. Diese Umgehung ist nicht jedes Jahr möglich und hängt stark von den Verhältnissen ab. Bald sind wir am Nordgipfel und kurz danach auf der Wildspitze.

Das angebotene Gipfelstamperl lehnen wir beide dankend ab. Aber Kilians zweites Angebot ist sehr wohl verlockend und spannend. Er fragt uns nach den weiteren Plänen. Wie jetzt? Was jetzt? Na, ob wir noch auf den Hinteren Brochkogel wollen! Ja, aber das geht doch nicht. Geht doch, aber kein Abstieg übers Mitterkarjoch. Stattdessen wieder in zahlreichen An- und Abstiegen über den Rofenkarferner zurück. So etwas geht in dieser Spontanität nur mit Bergführer. Wir überlegen. Statt zweieinhalb Stunden bis zum Mittagsschnitzerl wird es wohl bestenfalls eine späte Jause, wenn nicht gar nur ein Abendessen. Wir zögern, stimmen aber dann doch zu. Das Wetter ist edel und soll sich am morgigen Tag ändern.

So überschreiten wir die Wildspitze und verlassen beim Mitterkarjoch wieder den Trampelpfad, um auf den Hinteren Brochkogel zu steigen. Kilian kennt den besten Einstieg in die leichte Kletterei. Selbst hätten wir das nie gefunden. Beim Materialdepot rutscht mir der Pickel aus der Hand, bleibt aber zum Glück an einem Stein im Eis hängen. Mann oh, in was für einer Verfassung bin ich! Ein weiteres, starkes Argument für einen Bergführer.

Kilian klettert vor, wir folgen. Die Kraxelei ist technisch nicht schwer. irgendwo um die II+. Aber man muss das Gelände kennen, denn Markierungen gibt es nicht. Ohne Kenntnis des Geländes kann es auch leicht technisch schwerer oder eben recht brüchig werden. Das wäre nichts für uns. So hängen wir sicher am Seil, alles fein. Bis zu dem nicht sonderlich ausgeprägten Kar, in das man normalerweise vom Firn einsteigt, ist es dann eine leichte Blockkraxelei am Grat, danach dann eigentlich „Gehgelände“ über den restlichen Grat zum Gipfel. Der Hintere Brochkogel ist der sechsthöchste Berg Österreichs, aber kein Gipfelkreuz ziert den höchsten Punkt. Der Ausblick ist dafür fein. Die Wildspitze baut sich nicht allzu weit mächtig auf. Sehr fein, sehr edel!

Beim Abklettern erfreue ich mich der Tatsache, dass wir einerseits gesichert sind und anderseits, dass Kilian von oben die Route vorgibt. Ui, jui, da bin ich froh, dass wir nicht zu zweit unterwegs sind. Beim Materialdepot bergen wir noch meinen Pickel, ehe wir den langen Rückweg Richtung Breslauer Hütte antreten.

Erst geht es über den Taschachferner wieder am Mitterkarjoch vorbei – Oh, wie verlockend abkürzend wäre diese Variante! -, den Taschachferner Richtung Wildspitze hinauf. Die Mittagssonne brennt runter, aber es geht noch. Nach der Spaltenzone queren wir frei über den Gletscher zu einem Geröllhaufen. Dabei brechen Kilian, Gernot und letztlich noch ich in ein und dieselbe Gletscherspalte ein. Also, jedes Mal ist es nur ein Einbrechen mit einem Bein bis zur Hüfte. Aber man erkennt doch, dass es darunter tief und dunkel ist.

Auch der Geröllhaufen mit seinen sechzig Höhenmetern wird erledigt. Auf der anderen Seite treffen wir auf den Abstieg vom Nordgipfel der Wildspitze, es geht steil bergab. Kilian dreht eine Eisschraube in den Gletscher. Wir steigen gesichert ab, soweit das Seil reicht. Warten ist nun angesagt. So stehen wir da im steilen Hang und schauen Kilian zu, wie er das steile Eis frei absteigt. Gut, das ist sein täglicher Job. Wenn er stolpert, folgen wir ihm mit kurzer Verzögerung. Aber Kilian stolpert nicht, so schaut’s aus.

Nördlich und damit unterhalb des Jubiläumsgrates geht es nun durch eindrucksvolle Gletscherwelt ein letztes Mal bergauf in jene Scharte, über die wir in den Rofenkarferner einsteigen können. Der Tag ist schon lang, ich trotte am Seilende hinten nach. Alles gut! Wenn schon die körperliche Verfassung durch Covid und Namibia am Boden ist, so sagt die Erfahrung: „Lächeln, weitergehen, es wird enden!“. Das tut es auch. Wir steigen noch den Rofenkarferner ab, gehen ihn bis zu seinem Ende, ehe wir in den Fels wechseln. Offenkundig ist, dass auch Kilian der Tag schon ein bisserl lange ist. Ihm sind wir wohl ein bisserl zu langsam, wenngleich wir eigentlich ganz gut in der Zeit liegen. Wie auch immer, Kilian gönnt sich noch zwei Radler auf der Hütte, ehe er uns bei unserem Kaiserschmarren alleine lässt, und richtig Tal läuft. Endlich darf er sein Tempo wählen.

Was für eine Tour, was für ein Tag! Um halbneun liegen wir im Bett und schlafen ein. Schauen ma a mal!

Am nächsten Tag befragen wir noch einige Bergsteiger, die am Vortag über den Normalweg, also über den Mitterkarferner zum Mitterkarjoch und weiter zur Wildspitze aufgestiegen sind. Die Antworten haben all denselben Ton. Es ist ein Fluchen und das ist in solch einer Einhelligkeit selten in den Bergen. Ein Bergführer und damit die Route „hintherum“ war somit goldrichtig.

Vorderer Brochkogel

In der Nacht hat es geregnet, die Kühe haben uns mit ihren Glocken genauso wenig vom Schlaf abhalten können wie die besoffenen Nachteulen oder die Fünfuhraufsteher. Wir nehmen das zweite Frühstück (es gibt eines um 05:30 für die Wildspitzler und eines um 07:30 für die Hüttenwanderer). Um neun Uhr fühlen wir uns erstaunlich fit. Unsere einzigen Aufgaben sind der Abstieg nach Vent und das Abholen der E-Bikes in Sölden. Der Wetterbericht verspricht Besserung. Spontan entscheiden wir uns für den Vorderen Brochkogel, immerhin neunthöchster Berg Österreichs. Wir packen die Regenjacken ein und brechen auf. Kein Eis und Schnee, da darf die schwere Ausrüstung bei der Hütte warten.

Der Aufstieg ist nicht sonderlich herausfordernd. Zuerst geht es ein bisserl bergab, ehe man stetig den Vorderen Brochkogel hinaufsteigt. Gelegentlich ist ein bisserl eine Kraxelei dabei. Ein paar Meter erinnern, wieder sei der Klimaerwärmung Dank, eher an die Besteigung einer Sanddüne. Irre, wie sich die Bedingungen im Gebirge ändern.

Bald stehen wir beim ersten Gipfelkreuz. Damit sind wir nicht ganz oben. In hundert Metern Entfernung steht ein weiteres, kleineres Kreuz. Dort ist der höchste Punkt, aber den trennt laut Kilian ein wahnsinnig ausgesetzter Grat. Wenn es Kilian sagt, dann werden wir das Schicksal nicht fordern und die Besteigung also hier enden lassen. Auch recht. Wir teilen das Schicksal vieler Weltklasse Bergsteiger, die an der Annapurna am „Vorgipfel“ umgedreht haben. Blöder Vergleich – das gebe ich schon zu!

Wir steigen ab, fühlen uns erstaunlich fit, füllen unsere Depots mit Schnitzerl und fahren mit dem Sessellift nach Vent. Die Zimmer sind erfreulich groß, die Betten schon recht einladend. Wir müssen noch die E-Bikes aus Sölden holen. Den Plan, das Auto in Sölden zu parken und mit den Rädern wieder nach Vent rauf zu strampeln, lassen wir fallen. Der Golf muss zwei Räder schlucken. Schafft der Kombi.

Am Abend sitzen wir bei einem Glas Wein im Alt Vent und überlegen, was wir noch vorhaben und was wir noch schaffen können. Am Menü stehen Similaun, Finailspitze und eventuell Hintere Schwärze. Dafür haben wir die Similaunhütte gebucht. Doch so richtig will das nicht zusammenpassen. Vor allem ist das Hotelleben unvergleichbar angenehmer als das Hüttenleben. Nun haben wir die E-Bikes. Was tun? Wir lassen die Anzahlung auf der Similaunhütte verfallen und verlängern stattdessen im Hotel. Das klingt nach einem Plan.

Similaun über Marzellkamm

Wir starten um sechs Uhr mit den E-Bikes Richtung Martin-Busch-Hütte. Das sind acht Kilometer in eine Richtung, die wir nicht wandern müssen. Was sind wir froh. Selbst mit dem E-Bike sind wir 45 Minuten unterwegs und kommen damit pünktlich zum Frühstück, das allerdings die Anstrengung nicht wirklich wert ist. Wir parken die Räder und steigen nach kurzer Stärkung Richtung Marzellkamm auf.

Am Kamm geben tiefe Wolken und Nebel immer wieder Blicke auf die Hintere Schwärze und den Marzellferner frei. Uh, das sieht Respekt einflößend aus. Der Gletscher liegt wild zerklüftet und aper vor uns. Das könnte noch gehen, aber oben der Wechsel vom Eis in den Fels. Das ist zu weit weg und damit schwer zu beurteilen. Vielleicht ist es eine Abfolge einfacher Schritte, wenn man mal dort ist. Man weiß es nicht. Einsam und menschenleer ist es hier am Marzellkamm. Dort hinten am Marzellferner wäre es nochmals verlassener. Da verirrt sich heute keiner hin. Die Hintere Schwärze macht ihrem Namen alle Ehre und hat sich noch eine dunkle Wolke aufgesetzt. Sie zeigt uns die kalte Nordwand, in der sich noch Eis gegen die Klimaerwärmung stemmt.

Das Wetter bessert sich und der Ausblick auf den Similaun und die Hintere Schwärze sowie viele weitere Dreitausender sind eine Freude. Wir erreichen das Ende des Kamms und steigen auf den Gletscher ab. Am Niederjochferner kommt mein neues Seil, die Rad Line, zum Einsatz, juchhu! Upps, ist das lang. Wir werfen uns jede Menge Seilreserve über die Schulter, und trotzdem ist Gernot bei gespanntem Seil nur ein Punkt am Horizont. Damit kann fast ausschließen, dass im Falle eines Falles der Seilpartner mit in die Spalte fällt – gut so! Die Alpenvereinskarte sagt: gerade hinauf. Also, das sieht nicht so gut aus. Wir gehen nicht direkt, aber auch nicht im attraktiv scheinenden Bogen. Wer hat denn auch so viel Zeit.

Unsere semidirekte Variante führt uns jedenfalls in spaltenreiches Gelände. Im Zickzack umgehen wir Spalten. Gelegentlich müssen wir drüberspringen, ein anderes Mal ein Stück hinunter auf eine Schneebrücke steigen und auf der anderen Seite wieder aus der Spalte kraxeln. Das geht alles gut, aber kostet Zeit. Soll sein, wir sind ja nicht auf der Flucht. Und irgendwann sind wir draußen aus dem Spaltenlabyrinth und auf der Piste von der Similaunhütte zum Gipfel. Am Übergang zwischen Eis und Fels legen wir die Steigeisen ab und kraxeln ohne nennenswerte Herausforderungen auf den Gipfel. Der Similaun, achthöchster Gipfel Österreichs, ist damit auch erledigt.

Beim Abstieg holen wir eine siebenköpfige Seilschaft mit ihrem Bergführer ein. Während wir noch Seil auspacken und Steigeisen anlegen, startet die Gruppe. Der Bergführer in Jeans dirigiert die Gruppe ganz locker von oben. Aber halt, warum die rechte Spur? Die linke Spur führt doch zur Hütte. Will er direkt zur Martin-Busch-Hütte? Geht er über den Marzellkamm? Wir gehen links. Das geht auch gut so. Während ich den Weg so studiere, legt es mich wieder auf. Selbstzweifel kommen auf. Was ist denn los mit mir? Das kann blöd enden.

Irgendwann weicht der Firn und damit die Spur dem Blankeis. Gletscherwasser bahnt sich in selbst erschlossenen Rinnen den Weg ins Tal. Der Gletscher wird steiler, die erste Spalte tut sich auf. Gernot und ich erkennen auf den Uhren, dass die geplante Route über den Fels führt. Wir entscheiden uns für den Fels und hätten uns die Karte definitiv länger und besser ansehen sollen.

Geröll und weglos ist das, was wir antreffen. Aber es kommt schlimmer. Weiter unten trifft die Route wieder erneut auf Eis. Das liegt aber unter losem Schotter. Wir legen die Steigeisen wieder an, Spaß ist das keiner. Weit unten sehen wir die siebenköpfige Gruppe am Ende des Gletschers, wie sie sich bereitmacht, um zur Similaunhütte wieder aufzusteigen. Wir verlieren eine gute Stunde in dieser nicht ganz ungefährlichen Mühsal. Ärgerlich! Hätten wir ein bisserl länger auf die Karte geschaut, so hätten wir gesehen, dass eine Alternative über den Gletscher führt. Jetzt bei Niederschrift verstehe ich gar nicht mehr, was uns da in die Felsen getrieben hat. Ist halt so! Ist ja gut ausgegangen, wir kommen auch irgendwann zur Similaunhütte zur herzlichen Hüttenwirtin, die uns mit gutem, italienischem Essen und endlich wieder feinem Kaffee verwöhnt.

Jetzt bleibt noch der Abstieg zur Martin-Busch-Hütte. Wieder schlägt die Planung irgendeine Idiotie vor, aber wir schlagen einen direkten Kurs ein. Der Klimawandel erlaubt das, denn Gletscher ist hier längst keiner mehr. In der Ferne sehen wir jemand, der sein Motorrad hinter einem Fels hervorholt. Geht’s noch? Kapperl und Pullover kennen wir doch. Wir schildern unseren Irrtum und ernten ein: „Jo, durt geht schon seit Johren keiner mehr. Das geht schon lange nimma!“. Geht doch, aber ist echt mies.

Mann, das zieht sich bis zur Martin-Busch-Hütte, Der Regen holt uns ein. Ich lege die neue Regenhose an und wundere mich, dass sie doch nicht so gut passt wie im Geschäft. Siehe da, ich habe sie verkehrt rum an. Bedenklich, überaus bedenklich. Ich werde mich konzentrieren müssen, sodass ich noch heil ins Hotel komme.

Die Uhr sagt eine Ankunftszeit in Vent von 19:45 voraus. Aber bei der Martin-Busch-Hütte warten die Räder. Was für ein Segen! Wir lassen es laufen, triumphieren leise über die zermürbten und neidischen Fußgänger, die uns entgegenkommen. Um 18 Uhr, nach zwölf Stunden sind wir wieder in Vent im Hotel. Es wird immer gewisser, dass wir am morgigen Donnerstag nicht noch einmal so eine Tour schaffen. Die Hintere Schwärze bleibt damit von uns unbestiegen. Gernot, der deutlich fitter ist als sonst, erwägt noch die Fineilspitze. Aber die ist nicht einmal unter den Top 10.

Rettenbachferner per E-Bike

Am Morgen gibt es um 7 Uhr Frühstück und neue Pläne. Wir fahren mit den Rädern zum Tiefenbachferner und gondeln dort auf die umliegenden Dreitausender. Der Summer Card fürs Ötztal sei Dank! Die Fahrt ist ein Spaß. Nach Vent geht es fast nur bergab, das ist eine feine Sache. Aber noch lustiger ist die Fahrt von Vent zu den Gletschern. Jede Menge Rennradfahrer und Moutainbiker stellen sich der 14 Kilometer langen und Elends steilen Herausforderung. Da haben wir es auf unseren E-Bikes fein. Ohne nennenswerten Schweißverlust radeln wir vorbei. Mir ist es ein bisserl unangenehm. Bei den ersten Radfahrern entschuldige ich mich noch. Aber verdirbt man einem Masochisten nicht die Freude, wenn man sich entschuldigt. So schalte ich um, und filme gar die Kolonne der Verdammten beim Überholen. Möge uns nur nicht der Akku ausgehen! Sonst sind wir fällig.

Eigentlich wollten wir zum Tiefenbachferner. Aber den finden wir nicht. Es ist auch eigentlich egal. So fahren wir eben am Rettenbachferner ins Gletscherskigebiet. Aber ans Schifahren ist da nicht zu denken. Ui, ist das traurig und verzweifelt. Große Flächen sind abgedeckt. Dort, wo früher steile Flächen waren, schauen nun die nackten Felsen heraus. Als ich mit meinem Vater als Bub hier war, war hier alles weiß. Es gab auch damals schon Planen zum Schutz der Gletscher. Damals hat der Vater prophezeit, dass die Gletscher eines Tages verschwinden werden. Ich habe es mir nicht so recht vorstellen können, aber heute ist es unleugenbar.

Bei der Rückfahrt nach Vent sehe ich die Abzweigung zur Bergbahn Gaislachkogel. Dort wollten wir auch noch hin. Wie praktisch, da können wir abkürzen. 150 Meter vor der Mittelstation ist Gernots Akku leer und Gernot spürt, wie das so wäre. Ich schiebe am Rucksack an, solange mein Akku noch etwas hergibt. Das sieht so aus, als würde ich mich ziehen lassen. Egal, wir schaffen es zur Mittelstation, wo sich Downhiller bereit machen für die halsbrecherische Abfahrten auf ihren Trails im Wald. Wir machen uns bereit zur Auffahrt auf den nächsten Dreitausender.

Der Gipfel ist leicht über eine Eisenstiege zu erklimmen. Ein James Bond Museum sorgt für Kurzweil hier heroben. Das Beste ist ein Zwei-Hauben-Lokal, das wir natürlich einem Museum vorziehen. Kontrastprogramm halt, feines Essen, geschulte Bedienung. So soll es sein!

Wir wählen mit unseren Rädern die Asphaltstraße. Wir geben die Räder mit glühenden Bremsbelägen und leeren Akkus zurück und springen in den Bus, der uns nach Vent zurückbringt. Am Abend gibt es dann noch echt italienische Pizza im Venter Hotel Wildspitz.

Die Rückfahrt am nächsten Morgen ist völlig entspannt. Damit geht eine überaus erfolgreiche Bergwoche zu Ende. Vier der Top 10 Österreichs haben wir bestiegen. Wären wir jünger, fitter oder was auch immer gewesen, hätten wir noch die Hintere Schwärze mitgenommen. Aber in der Verfassung, in der ich war, bin ich froh, dass alles gut gegangen ist. Die Bilanz kann sich sehen lassen!

Malersteig III-

Gernot und ich packen das 60 Meter lange Einfachseil ein und mischen noch jede Menge Schlosserei dazu. Mio macht nach seiner Tour vom Vortag Pause. Von Griesleiten starten wir mit recht schwerem Gepäck. Der Zustieg überrascht schon, hat doch der Regen teils tiefe Rinnen in den Weg gerissen. Ich staune nicht schlecht. Entsprechend spannend ist auch der Zustieg nach dem Einstieg zum Haidsteig. Ist dieses Stück schon so kein Genuss, so hat es durch die Regenfälle noch einmal Spannungselemente zusätzlich. Teils ist das Geröll frisch aufgeschüttet und tiefe Rinnen stellen sich in den Weg. Die Sonne lacht, die Sicht ist gut und so gelangen wir problemfrei zum Einstieg.

Das Seil legen wir diesmal bei der Stelle mit II+ an. Das ist knapp vor dem Treffpunkt mit dem Königschusswandsteig. Den Malersteig kennen wir. Abwechseln steigen wir vor. Bin ich vorne, sehe ich die roten Punkte nicht so recht. Das macht die Tour wie immer ein bisserl spannend. Gernot hilft dann von weit hinten mit: „Den Kopf leicht nach links, zwei Meter oberhalb, beim hellen Fels ist ein roter Punkt,..“. „Ah ja, da geht’s weiter!“.

An der Mutprobe will Gernot vorsteigen. Ich staune, Gernot startet. Aber doch rasch ändert er seine Meinung. Schade, hätte gepasst. So haben wir unsere Hetz an dieser ausgesetzten Stelle, meistern sie aber wie auch den Rest wieder problemfrei.

Unser Besuch bei der Neuen Seehütte ist ernüchternd. Ein neuer Pächter hat die Hütte von Franz übernommen. Egal, oft werden wir hier nicht mehr vorbeischauen – schade! Ich war immer gerne hier. Anderseits vermuten wir, dass eh bald wieder ein neuer Pächter übernehmen muss. Momentan kann ich die Hütte nicht empfehlen.

Tour auf garmin.com

Klettern: Akademikersteig

Wir klettern spät, aber doch, die Saison an. Der Akademikersteig wird es. Der ist nun schon ein paar Mal hier beschrieben und Zwischenfälle gab es auch keine. Und trotzdem, oder gerade deswegen, war es wieder extra edel. Wir haben den Einstieg perfekt gefunden. Gernot ist Abschnitte ohne Seil vorgestiegen. Es wird! Na ja, und mir macht es wirklich jedes Mal einen echten Spaß. Es ist mehr ein Kraxeln als ein Klettern. Aber das tut der Freude keinen Abbruch!

Als Seil haben wir das Halbseil in 30 Meter verwendet. Das ist mehr eine psychologische Unterstützung. Es genügt in unserer Form der Nutzung nicht den Empfehlungen. Ich glaube trotzdem, dass es uns ausreichend sichert.

Wir haben uns im Weichtalhaus mit einer Lachsforelle belohnt. Die war ein Fang abseits der Bestellungen und entsprechend fein. So sind wir gar kulinarisch auf unsere Rechnung gekommen.

Urlaub: Ischgl

2020 hatte ich im März im Apart Viva angerufen und angefragt, ob wir wieder kommen können. Wie durch ein Wunder war eine der beiden Ferienwohnungen frei. Eine Familie aus Israel hat völlig grundlos mit Bezugnahme auf einen Covid-Virus storniert. Wer fürchtet sich schon vor einem Schnupfen! So die Denke im März 2020. Zu meiner Entschuldigung sei gesagt, dass ich im März 2020 weit von der Spur war. So haben wir auf 2021 verschoben und letztlich nochmals auf 2022.

Wie die Zeit alles verändert! 2022 reisen gerade mal Carina, Jasmin und ich an. Wir haben zu dritt sieben Betten zur Auswahl. Das Zimmer mit den drei Betten und dem eigenen Bad wird zum Master Bedroom und ein Zimmer bleibt unberührt. Gernot hat sich für ein paar Tage als Gast angesagt. Auf Gernot ist Verlass!

Die Bedingungen sind wieder traumhaft. Die Sonne lacht auch an Tagen mit ungünstigerem Wetterbericht. Einzig der letzte Tag wird schwach genutzt. Gernot ist schon weg, Wolken trüben das Sonnenlicht und die Temperaturen machen den Schnee stumpf. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir die Tage davor für unsere Verhältnisse sehr viel gefahren sind. Nie muss man anstehen, ab Mittag sieht man oft weit und breit keine anderen Skifahrer. Auf der Idalpe wimmelt es allerdings immer, aber das restliche Gebiet ist sehr, sehr dünn besetzt.

Am ersten Tag war der Schnee gar noch winterlich trocken. Die Mädels konnten sich im Tiefschnee vergraben, sind aber schon sehr sicher unterwegs. Der Firn auf der Val Gronda ist wie immer ein Genuss. Doch die Mädels sind keine Mäderln mehr. Das Gelände wird zu wenig steil. Dafür erkennen sie allmählich, dass die Abfahrt ins Fimbatal landschaftlich ein Traum ist.

Beide fetzen die Piste mindestens so schnell wie ich. Jasmin fährt einen Tag mit Gernot auf Zug. Tja, und leidet die restlichen Tagen an überlasteten Beinen. Die Skiausrüstung parkt über Nacht in der Talstation der Padratschgratbahn. Diese Neuerung ist ein Luxus.

Tolle, entspannte Tage in einem fantastischen Skigebiet!

Klettersteig: Haidsteig

Upps, schon wieder da! Gernot schlägt den Haidsteig vor. Mir soll es recht sein. Ich bin wieder fit, das Wetter passt. Heute folgen uns zwei andere Kraxler. Abgesehen von den beiden in der Ferne gehört der Steig uns alleine. Die Sonne knallt runter, es herrscht T-Shirt-Wetter – herrlich!

Einzig, Gernot ist nicht ganz fit. Ihn quälen ähnliche Symptome wie mich in den letzten Wochen: Erschöpfung, hoher Puls,.. Komisches Omikron und seine Nachwirkungen. So schaffen wir den Haidsteig und das Preinerwandkreuz und lassen es danach aber gut sein. Den Plan, über den Göbl-Kühn-Steig zum Waxriegelhaus zu queren, verwerfen wir. Der Schnee auf den vielen Querungen sieht anstrengend aus. Na ja, und erst gestern wurden zwei Bergsteiger unterhalb des Langermanngraben ausgeflogen.

Auch der Plan, über den Trinksteinsattel zum Karl-Ludwig-Haus zu wandern, wird abgelehnt. Der Schnee ist viel weicher als vor einer Woche. Gernot stimmt dem Abstieg über den Holzknechtsteig zu. Im Abstieg sieht es so aus, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Beim Auto ist Gernot aber schon wieder fit. Egal, wir sind auch so müde nach dem etwas verkürzten Tag in den Bergen. Passt!

Tourdaten auf Garmin

46. Skitour: Häuslalm – Zagelkar

Gernot und ich starten Richtung Hochschwab. Gernot war vor einer Woche hier und weiß von guten Bedingungen zu berichten. Diesmal wollen wir über die Häuslalm zum Zagelkar und dieses abfahren. Omikron hat mich in den Tagen davor niedergestreckt und Saharastaub liegt in der Luft. Schauen ma a mal!

Der Schnee ist gegenüber der letzten Woche weniger geworden. Man kann aber noch über eine geschlossene Schneedecke zur Häuslalm. Zu unserer Überraschung ist die Hütte geöffnet. Der Wirt öffnet von Donnerstag bis Sonntag. Wir sind die fast ersten Gäste in dieser Woche. Ohne Geld, aber mit dem Bedürfnis Umsatz zu machen, bestellen wir Hauswurst und Krainer. Die Sachen müssen immerhin zu Fuß heraufgetragen werden. Da wollen wir nicht geizen. Die Würstel sind gut, aber wir müssen uns eingestehen, dass wenige Athleten vor dem Wettkampf zwei Hauswürste oder eine Krainer in sich stopfen, um Bestleistung aus ihren Körpern zu holen.

Zuerst geht noch alles gut. Wir kommen zügig voran, aber spätestens ab der Hirschengrube stollt der Schnee an, dass es zum Heulen ist. Nach der Hirschengrube weicht der Schnee weitgehend Gras und Steinen. Da kann man zumindest den angestollten Schnee abstreifen. Aber der haftet gleich beim ersten Schneekontakt wieder an den Fellen.

Dass es weit zu gehen ist am Plateau, wissen wir ja. Nur heute erscheint es mir extra zäh. Da wären mal die Würstel, die vermutlich den geringsten Anteil an der einsetzenden Erschöpfung haben. Omikron ist schon eine bessere Erklärung. Die wahrscheinlichste Erklärung bzw. jene mit dem größten Gewicht ist jedoch jene, dass ich heute einfach nicht fit genug bin.

Das zeigt sich erstmal daran, dass ich nicht einmal die letzten Meter zum Zagelkogel aufsteigen will. Okay, es liegt wenig Schnee. Mit Skiern könnte man nicht abfahren. Für einen Auf- und Abstieg ohne Skier fehlen uns die Grödel und die Motivation. Dann verliere ich noch beim Abfellen eine Schutzfolie. Die treibt der Wind davon. Das tut mir weh, denn ich will weder, dass ich Plastikmüll verursache, noch, dass eine Gämse das Plastik frisst. Gernot ist fitter und versucht die Folie einzuholen – leider vergeblich.

Vom Hüttenwirt haben wir gehört, dass Tourengeher im Zagelkar bei der direkten Abfahrt auf eine apere Stelle von 50 Meter gestoßen sind. Der Wind hat wohl die Stelle ausgeblasen und so mussten die Tourengeher abschnallen. Das wollen wir definitiv nicht. Unser Plan B ist es, unter dem Ghacktkogel ins Zagelkar einzufahren – die Normalvariante. Aus der Ferne sieht man schon, dass es da völlig aper ist. Zu meiner Erschöpfung gesellen sich nun noch Zweifel. Es bleibt die Variante, ziemlich in der Mitte von Zagelkogel und Ghacktkogel einzufahren. Wir fahren an die Kante vor und sehen.. nichts. Also, wir sehen schon das Zagelkar unter uns, aber direkt unter uns? Stehen wir auf Felsen, einer Wechte,..? Ich bin im Sommer hier irgendwo rauf, da musste ich zumindest eine Steilstufe kraxeln. Ein Seil war angebracht. Hmm?

Weiter rechts sieht es dann machbar aus. Ich fahre als der schwächere Skifahrer vor. Der Schnee ist sogar recht fein. Ein bisserl mehr als Firn, aber gut fahrbar. Nur in meinen Beinen ist keine Kraft mehr und im Kopf die Idee von der Kletterstelle. Das sind keine Zutaten, um die Abfahrt zu genießen. Gernot hat mehr Kraft in den Beinen, weniger Zweifel im Kopf und bessere Skifertigkeiten. Egal, das Steilste ist bald hinter mir und ich gönne mir eine Pause auf einem Felsen. Beim Blick Richtung Zagelkogel sehen wir, dass auch die direkte Abfahrt entlang der Felsen gegangen wäre. Keine apere Stelle in Sicht. Macht nichts, unsere Variante ist auch edel.

Nun geht es noch einmal kurz steiler, ehe es abflacht und sich ein bisserl Frühjahrssulz breitmacht. Das Zagelkar ist ein langer Hang und eine feine Sache. Wir queren ins Trawiestal und schmieren dieses in der Sonne hinaus. Die Abzweigung zum Wanderweg verpassen wir, weil Gernot so eine Freude am Bachbett findet. Als wir die Position checken, sind wir schon weit unten. Gernot will dem Bachbett weiter folgen, aber das endet nach meinem Wissen in einem steilen Abbruch. Ich erinnere mich an einen Bericht von einer schwer zu findenden Jagdhütte und die Möglichkeit über Forststraßen abzufahren.

So ist das Schicksal mit einem erschöpften Gottfried dann doch noch gnädig. Wir müssen zwar ein bisserl durch Wald und unwegsames Gelände an der Jagdhütte vorbeischieben, erreichen aber bald das legendäre Bankerl. Ab hier gibt es Forststraße bis zum Auto. Und wir müssen nicht einmal tragen. Passt also!

Die Tour auf garmin.com