Ein bisserl spät, ein bisserl konfus. So starte ich in Griesleiten aber ohne Helm und in den falschen Schuhe. Ja, so etwas kommt vor. Am Internet ist man derart der „Vollkoffer in Laufschuhen und ohne Helm“. Aber jede Krise bietet auch eine Chance! Mah, sind die Schuhe leicht. Los geht’s!
„Haidsteig – Königschusswand“ weiterlesenHohe Wand – Triologie
Am Plan stehen ÖTK-Steig, Blutspur und Matthias-Prinner-Steig. Die Bedingungen sind recht gut. Das Auto parke ich am Sonnenuhr-Parkplatz. Drei Stunden sollten leicht reichen. Der Zustieg zum ersten Steig ist kurz. Am Wandfußsteig verplaudere ich mich ein bisserl, aber sonst alles normal. Der Fels kommt mir sehr rutschig vor. Hmm, die Schuhe sind dieselben, und so schnell wird Fels auch nicht speckig? Also, es muss an mir liegen. Ich setze die Sohlen besser auf den Fels. Nach ein paar Metern geht es auch schon besser.
„Hohe Wand – Triologie“ weiterlesenSchneeberg
Mio und ich starten am Parkplatz des Sesselliftes in Losenheim. Tourengeher kommen uns vergnügt und zufrieden entgegen. Ich staune, was haben denn die heute gemacht? Es ist kalt, der Boden hart, aber wenig Schnee. Keine Wolke trübt das Blau des Himmels, ein feiner Tag wartet, aber die sind schon fertig – hmm?
„Schneeberg“ weiterlesenPredigtstuhl
Neue Bergschuhe wollen ausprobiert werden, und überhaupt war ich schon lange nicht am Berg. Der angesagte Wind schreckt Renate ab und so mache ich mich mit Mio auf den Weg.
„Predigtstuhl“ weiterlesenHaidsteig – Königschuss
In Wien liegt seit Tagen oder gar Wochen der Nebel. In den Bergen hingegen lacht oft die Sonne. Haidsteig und, wenn es gut geht, auch Königschusswandsteig. Gernot verwendet lieber Knieschusswandsteig. Ihn brauche ich also gar nicht fragen. Renate bevorzugt auch sicherere Bedingungen. Mio wäre für alles zu begeistern, aber.. Also, geht es alleine los.
Der Zustieg geht schnell, weil schneefrei und gar nicht kalt. Die Madonna ist auch bald erreicht, wo ich die beim Spar gekauften Spitzbuben auspacke. Ulli lehnt dankend ab und so mampfe ich das ganze Packerl alleine runter. 500g, immerhin ein halber Kilo! Prompt ist mir auch bald ein bisserl schlecht. Also, genau gesagt, ist noch ein anderer Steiggeher nachgekommen, der mir ein Keks abgenommen hat. Vier Jahre ist er jünger, wir tauschen uns aus. Und dann kommt noch einer daher. Ohne Klettersteigset schwebt er vorbei, biegt nach links ab und tänzelt den Malersteig hinauf. Ich schau‘ nicht schlecht!
Ein bisserl bleibe ich noch, genieße die Sonne und Ullis schweigsame Gesellschaft, ehe ich weiter steige und auch zeitnahe das Preinerwandkreuz erreiche. Ich fühle mich fit und einige mich mit mir selbst auf den Königschusswandsteig. Zwischen den Latschen liegt Schnee, aber sonst alles easy. Also, zum Einstieg.
Die Sonne lacht, das langärmlige Shirt reicht. Mir fehlt ein bisserl die Übung, und so nehme ich den Königschusswandsteig heute als deutlich schwieriger wahr als sonst. Auf die Frage, welcher Steig denn schwieriger sei, hatte ich nie so recht eine Antwort. Hier im Osten sind alle ähnlich, aber heute merke ich den Unterschied. Die Bedingungen sind zumindest richtig fein, womit auch der Königschuss ein Genuss ist.
Runter dann den Holzknechtsteig, an den ich mich auch irgendwann gewöhnt habe. Und ab zum Auto! Edler Tag, Sonne getankt, alles gut!







Haidsteig
Tadellose Sonne, aber kalt und sehr einsam. So lässt sich mein diesmaliger Besuch beschreiben. Aus der Ferne möchte man überhaupt bezweifeln, dass ein Aufstieg möglich sein wird. Das Phänomen kennen wir: je näher man kommt, umso weniger Schnee liegt. Der Parkplatz ist verwaist, Iduna fühlt sich einsam, ich starte. Schon herunten liegt Schnee. Schauen ma a mal!
Erst ist noch eine Spur eines Menschen zu sehen, der mit einem Hund spaziert ist. Aber irgendwann gibt es nur noch Tierspuren. Ich bin entsprechend langsam, aber so langsam? Egal, das überlege ich mir wann anders.
Über eine Stunde brauche ich bis zum Einstieg. Im Steig lächeln mir dann früh Eiszapfen entgegen. Der Fels ist entweder aper, mit losem Eis, mit festem Eis oder Pulverschnee überzogen. So muss ich viele Schritte öfters setzen. Oh ja, ich spüre in den Sohlen, was mich erwartet. Am wenigsten Komfort macht sich breit, wenn Eis unter der Sohle ist. Denn dann muss ich mich ordentlich ins Seil hängen. Das ist eigentlich nur zur Sicherung da. Heute wird es aber auch mal von mir an diesen Stellen zum Raufziehen und Reibungsaufbau missbraucht. Der Steigerhalter mag es mir nachsehen.
Bei der Madonna pausiere ich lange. Es ist einer der seltenen Tage, an dem kein Wind geht. Ich trinke meinen Tee und denke mir, dass Ulli die Ewigkeit sicherlich schon auf die Nerven geht. Nun ja, hier kommt wenigstens Unterhaltung vorbei. Vielleicht bin ich heute der einzige Besuch. Und das Portal! Das muss natürlich eingenommen werden. Alles unverständlich – gut so!
Weiter geht es langsam Richtung Plateau und zum Preinerwandkreuz. Den Königschusswandsteig habe ich schon früh von der heutigen Liste gestrichen. Es liegt daran, dass die Bedingungen heute etwas ermüdend waren. So bleibt mir nur noch ein Abstecher zur Neuen Seehütte, wo ebenfalls ein Portal umgefärbt werden will.
Der Holzknechtsteig ist wie erhofft heute erträglich, ja gar fast angenehm. Am Weg liegt Schnee, und dieser dämpft und bremst den Schritt. Schnee kommt in den Schuh, aber das ist angenehmer als die Steinchen, die es sonst sind. Worüber man sich so freuen kann!
Beim Abstieg passiere ich den Einstieg zum Haidsteig. Hier sehe ich, dass noch zwei andere Klettersteiggeher gefolgt sind. Wie gesagt, am Haidsteig ist eigentlich immer etwas los. Und das ist gut so!
So steige ich nach diesem ruhigen, einsamen Tag ins Auto und rolle heim. Passt so!









Haidsteig -Königschuss – Haid
Ein Auto in der Griesleiten – da ist ja wie damals! Die Sommerferien sind vorbei, da wird es einsam an einem Mittwoch werden. Ich bin alleine unterwegs und will zügig den Haidsteig und den Königschusswandsteig gehen. #beatYesterday lautet Garmins Motto. Ich will auch besser sein als gestern. Schauen ma a mal! So ziehe ich los ohne übertriebene Eile, aber auch ohne Trödeln und verliere bis zum Einstieg gegenüber meinen schnellsten Tagen als Ü50 ganze zehn Minuten. Oida, wie geht denn das? Das muss ich daheim studieren. Nix mit #beatYesterday, eher #beatenByYesterday.
Der Haidsteig ist fein wie immer. So ganz alleine für mich mag ich ihn besonders. Bei Ulli schaue ich vorbei. Da ist ein neuer Aufkleber an der Hüttenbuchbox angebracht – siehe Fotos. Seltsam, ob sie das war? Ich bleibe ein bisserl bei ihr.
Der weitere Aufstieg ist natürlich auch kein Problem, nach knapp über eineinhalb Stunden bin ich am Ausstieg. Da fehlt dann eine Viertelstunde auf die alten Zeiten bzw. die Zeiten eines Ü50-Alten. Damit kann ich leben. Vielleicht will ich es ja einmal wissen und es in weniger als 90 Minuten schaffen. Die eineinviertel Stunden scheinen nicht mehr erreichbar. Wichtig war es nie und ist es nicht. Die Sportuhr muss herhalten! Sie ist schuld, weil sie mir das immer vorzeigt bzw. mich nachschauen lässt. Wie schnell ich mit 30 war? Keine Ahnung, da gab es solche Uhren noch nicht.
Beim Preinerwandkreuz treffe ich dann erste Wanderer. Aber kaum verlasse ich das Plateau und steige zum Königschusswandsteig ab, bin ich wieder alleine. Die Querung treffe ich diesmal gut. Beim Einstieg ein Packerl Schnitten und los geht es. Gut geht es. Das Felsenfenster ist gar nicht so feucht wie befürchtet und diesmal tritt ein, was selten vorkommt. Ich komme fast elegant, also ohne Quetschen, Schieben und Drücken, durch. Recht so, das gibt Auftrieb!
Wieder oben am Plateau sehe ich plötzlich das Gesicht eines finster dreinschauenden Kameraden in der gegenüberliegenden Felswand – siehe Fotos. Den habe ich noch nie gesehen. Es muss an der Wolkenstimmung oder am Sonnenstand bzw. der Jahreszeit liegen. Oder er war schon immer da, nur ich blicke diesmal in die richtige Richtung.
Der Boden ist „übersät“ mit Edelweiß. Die haben sich über die Jahre ausgebreitet. Ich mache Fotos und beschließe, den Haidsteig wieder abzusteigen. Man muss ja variieren. Beim Abstieg kommen mir dann vier Gruppen mit insgesamt zehn Kraxlern entgegen. Gleich viele Frauen wie Männer sind unterwegs. Ich plaudere und hole das soziale Defizit der letzten Stunden nach. Die tschechische Vierergruppe ist sehr jung und etwas verwundert, dass man den Steig auch bergab gehen kann. Kann man, ist leichter als gedacht.
Müde aber doch rolle ich wieder heim. Auch wenn alles unerklärlicherweise laut Uhr langsamer geworden ist, habe ich mich fast so gefühlt wie vor ein paar Jahren. Ich muss das noch einmal überprüfen oder – besser – einfach akzeptieren. Fein war es jedenfalls allemal!






Mahdlgupf Attersee Klettersteig
Der Attersee Klettersteig auf den Mahdlgupf ist recht bekannt und klingt einladend. Vielleicht sind zu viele der Einladung gefolgt. Der Einstieg wurde im August 2020 verlegt und ist nun von furchteinflößender Schwierigkeit D/E. Das soll Anfänger und Ungeübte abhalten. Wer am Einstieg ernste Nöte hat, könnte am Steig in Schwierigkeiten kommen. Fluchtwege gibt es nicht und der Steig ist mit 600 Höhenmetern recht lange.
Leider hat diese Maßnahme auch Renate abgeschreckt. Ich soll mal vorkosten. Sie wird einen anderen Steig ins Höllengebirge nehmen. Wenn es klappt, treffen wir uns beim Dachsteinblick. Wir buchen uns für zwei Nächte im Hotel Das Traunsee ein. Von dort ist es eine gute halbe Stunde zum Klettersteig.
So sind wir an einem Mittwoch mit tadelloser Wettervorhersage in Weißenbach am Attersee. Die Parkplatzflächen lassen vermuten, dass hier am Wochenende so einiges los ist.
Wir wandern los und schon nach kurzer Zeit trennen sich unsere Wege. Renate wählt den Brennerriesensteig und ich zweige rechts bergauf Richtung Wand ab.
Der Einstieg und die Schlüsselstelle ist bald erreicht. Die eigentliche D/E-Stelle ist kurz. Wer geübt ist, hat sie nach kurzer Zeit hinter sich. Fehlen Übung und/oder Kraft, dauert es länger, womit auch die Chancen rasch schrumpfen werden, überhaupt in den Steig einzusteigen. Selbst finde ich die Stelle nicht so schlimm. Bei Nässe sieht das sicherlich anders aus. Aber wer geht so einen Steig schon bei Nässe? Nach der Schlüsselstelle geht es einige Zeit noch anspruchsvoll dahin. Nicht so wild wie auf den ersten paar Metern, aber auch nicht zum Verschnaufen.
Der restliche Steig ist lange, steil und damit anstrengend. Wer in der Früh bzw. am Vormittag geht, steigt im Schatten. Das ist im Sommer nicht zu vernachlässigen. Auch im Schatten habe ich anständig geschwitzt. In eineinviertel Stunden bin ich durch den Steig durch. Dabei versuche ich mich nicht zu hetzen, aber eine Pause baue ich auch nicht ein. Es geht einfach immer weiter, und irgendwann geht mir dabei die Luft aus. Ich gehe kurz langsamer, bis es eben wieder weitergeht. Die meiste Zeit geht es steil bergauf, technische Schwierigkeiten warten eigentlich kaum. Es ist viel Eisen in der Wand. Zwei D-Stellen sind in der Topographie noch erwähnt. Diese brauchen ein bisserl Kraft, sind aber sicher nicht so wild wie der Einstieg. Die D-Stellen sind vor allem kurz. Da ist man mit Übung schnell drüber. Ach ja, und landschaftlich! Landschaftlich ist der Steig ein Hammer. Die steilen Felsen vor einem und Attersee und Traunsee unter einem – edelst!
Nach dem Ausstieg, Abschnitt 30 „Snake Escape“, ist auch der Gipfel des Mahdlgupf schnell erreicht. Ich bin doch recht gefordert. Hier heroben brennt die Junisonne von steil oben mir auf das lichte Haar.
Renate habe ich das inReach umgebunden. Das sendet alle zehn Minuten ihre Position an Satelliten. Diese Positionen kann ich auf meiner Webseite abrufen und schauen, wo sie denn ist. Okay, Mobilfunkempfang vorausgesetzt, könnte ich anrufen und sie fragen. Diese Variante hat jedoch so ihre Tücken. In der inReach-Variante kann ich nachschauen, wo sie ist und wo sie in den letzten Stunden war. Damit das keiner falsch versteht, das ist kein GPS-Tracker für Mio oder eifersüchtige Ehemänner. Das Garmin inReach Mini ist ein ernstzunehmendes Gerät, das ich gerne selbst verwende, wenn ich alleine unterwegs bin.
Am inReach erkenne ich also, dass sich Renate planmäßig und schneller als gedacht unserem Treffpunkt, dem Dachsteinblick, nähert. Ich breche schweren Beines auf. Renate ist so schnell, dass sie gar noch die Bennerin mitnehmen wird. Ich bin so langsam, dass ich einen Holländer kaum abhängen kann und will. Der gute Mann hat irgendwie Orientierungsnöte. Nicht nur, wenn er vorne ist, auch wenn er hinter mir ist, biegt er immer wieder in den Wald ab. Ich bin zu müde, um zu ergründen, was er da macht. Irgendwie kommt er dann doch kurz nach mir beim Dachsteinblick an. Wir plaudern, er ist am Weg zum Hochleckenhaus. Oha, leck Fetten! Da waren wir doch letzte Woche? Mein Hirn braucht dringend Nährstoffe und Flüssigkeit.
„Huh, huh!“ ruft es aus den Latschen. Die Niederlande sind begeistert, dass da meine Wife daherkommt. Verständlich, wenn man alleine kaum den Weg findet! Was für ein Wunder muss es sein, dass sich dann zwei Menschen fast zeitgenau auf einem Gipfel treffen?
So treffen wir beide an unserem Tag der Verlobung – ein Jahr ist es her, dass ich Renate am Preber gefragt habe, ob sie meine Frau werden will – wieder auf einem Berggipfel aufeinander. An diesem 18. Juni ist Renate fitter als ich. Soll sein, alles passt.
Wir wandern zurück zum Mahdlgupf und dann am Schoberstein vorbei Richtung Weißenbach am Attersee. Erst begeistert der Ausblick und dann die Wegführung. Der Weg hat so viele Serpentinen, dass auch der Geduldigste irgendwann abzukürzen beginnt. So verlieren wir gegen Ende unseres Abstiegs auch den Weg. Mit Geschick und Glück schaffen wir es aber bis auf ein paar Minuten Umweg nach abenteuerlicher Dschungeltour fast punktgenau zum Auto.
Mit einem Durst, wie er mich selten quält, geht es zurück ins Traunsee, wo erst rehydriert wird, ehe wir im neuen Restaurant „Belétage“ alles verputzen, was der Koch aufzuwarten vermag. Der Jahrestag klingt dann bei ein, zwei Glaserln Champagner aus. Wunderbar, könnte nicht besser gehen! Mit der Tour und meiner Frau!












MTB: Schöpfl
Alles wandelt sich. So bin ich von 2016 bis 2019 viel am Mountainbike im Wienerwald unterwegs gewesen. Dann folgten drei Jahre mit Laufen. 2023 und 2024 waren überwiegend Pause. Hüfte und Knie waren beleidigt und wurden teils ausgetauscht. Anfang 2025 zog das Neobike von Tacx/Garmin bei uns ein. Mit Renate habe ich schon 2024 wieder ein paar MTB-Touren im Freien gewagt und an diesem Sonntag hat es sich ergeben, dass ich alleine und ohne Mio daheim war. Da könnte ich doch Vergangenes wiederholen.
Der Schöpfl von daheim aus sollte gehen. Ich werde es mir ein bisserl leichter machen, indem ich die Route überwiegend auf festem Untergrund plane. Nur der Anstieg auf den Schöpfl und die Abfahrt sind auf unbefestigtem Untergrund.
Mit jeder Menge neuem Wissen gegenüber von vor sechs Jahren starte ich also an diesem Sonntag mit seinen optimalen Bedingungen. Ich habe im Rucksack eine Banane und Süßigkeiten, in der Trinkflasche ist purer Apfel-Ribisel-Saft. Die aktuellen Erkenntnisse, das sind im übrigen die Fehler von morgen, sagen, dass ich mir Kohlenhydrate und auch Zucker während der Aktivität reinziehen darf und soll. Fein, ich bin vorbereitet. Der Leistungsdiagnostiker hat meine Trainingsbereiche definiert. Ich weiß also, bei welcher Anstrengung ich durchhalte. Auch Garmin hat ausgerechnet, wann und wo ich wie stark treten solle. Selbst während der Tour rechnet es unentwegt, wie lange ich die jeweilige Belastung noch durchhalten werde. Das ist eine Ausstattung und Vorbereitung, die selbst für einen Profi von vor ein paar Jahrzehnten nicht selbstverständlich war. Da fällt mir die Geschichte von der Tour de France 1950 ein oder Vaters Erkenntnis aus seinen jungen Jahren: möglichst wenig trinken, um möglichst wenig zu schwitzen. Warum wenig schwitzen? Weil da Mineralien verlorengehen. Die hat er damals übrigens nachgefüllt, indem er auf Touren Salztabletten gelutscht hat. In den 40ern und 50ern hat man wohl andere Sorgen.
Heute fühle ich mich jedenfalls fit und starte Richtung Breitenfurt West, wo mich die erste Steigung mit maximal 15% erwartet. Auch der Anstieg in Gruberau kann mir nichts anhaben. Die Fahrer auf ihren Rennrädern sind natürlich schneller als ich auf meinem Mountainbike. Fast am Tag genau vor zwölf Jahren habe ich es mir gekauft. Da gibt es definitiv schon Besseres. Aber ich habe viel in die Reparatur investiert. Ich bin zufrieden.
Klausenleopoldsdorf und Schöpflgitter – es geht voran. Dann verlasse ich den befestigten Untergrund und biege nach rechts in die Schöpflklause und den Salygraben ein. Der Radcomputer sagt mir voraus, was mich erwartet. In regelmäßigen Abständen holt sich der Radcomputer übers Handy die aktuellen Winddaten, sodass er auch diesen Faktor berücksichtigen kann. Mit solch einem elektronischen Coach geht es also da hinauf. Je dunkler das Rot in der Vorhersage, umso steiler wird es. Anfangs sind noch hellrote und orangefarbene Auflockerungen dabei, doch irgendwann ist der weitere Verlauf durchgängig in einem dunklen Bordeaux-Rot. In diesem dunklen Abschnitt geht mir gar einmal die Luft aus. Es ist durchgehend über 15% steil und teils rutschig. Wenn man sehr fit ist, geht das einigermaßen auch ohne Absteigen. Na ja, ich erhole mich kurz, wirklich kurz, und radle weiter. Die Anzeige verkündet einmal gar 20% Steigung. Da sind die Winddaten unerheblich.
Die Warte schaffe ich auch noch irgendwie, obschon die Oberschenkel knapp dran sind, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Einen Streik kann ich jetzt nicht gebrauchen. Wieder beim Schutzhaus stolpere ich in eine Siegerehrung. Fast jede und jeder hält einen Pokal in der Hand. Ich gehe leer aus. Vielleicht bestelle ich mir einen eigenen Pokal am Abend auf Amazon.
Ich soll ordentlich essen und trinken, sagt der Sportwissenschaftler. Kaspressknödelsuppe, Linsen mit Knödel, Schokokuchen, ein Liter Hollundersaft, Wasser und Kaffee sollen mich wieder munter machen. Fürs Erste werde ich mal müde. Soll so sein!
Nach einer Stunde dann der Abstieg. Ich kann mich erinnern, dass mich Wilderes erwartet. An meinem Rad kann ich den Sattel ohne abzusteigen tiefer stellen. Der Luxus ist neu. Doch viel hilft das nicht, ich bin noch nicht ganz auf Touren und fahre den Steig nach Forsthof runter. Der ist steil, mit Wurzeln versorgt und durch große lockere Steine erschwert. Das ginge alles noch irgendwie, wären da nur nicht so viele Wanderer an diesem Sonntag. Die meisten sind deutlich älter als ich. Das wären Schlagzeilen, wenn ich als „Junger“ so ein paar Schneekugeln abräume.
Ein paar Mal steige ich also ab. Einmal ruft mir gar einer zu: „Da hast dir aber nicht den besten Steig für die Abfahrt ausgesucht. Ist wohl besser, wenn du absteigst! Zahlt sich nicht aus.“. Ich steige ab und stimme ihm zu: „Ja, da hast Recht. Für den Scheiß bin ich wirklich zu alt!“.
Weiter geht’s durch Ansiedlungen, die mir alle nichts sagen, wie Pamet, Höfer und Edhof, Richtung Innermanzing. Immerhin gibt es Innerfurt mit und ohne h am Ende. Ich staune! Staunen lässt mich auch, dass es dauernd bergab geht. Ja, bin ich so viel raufgeradelt?
Nach Außerfurt dann die Westautobahn. Yeah, das sollte ich schaffen. Der Computer sagt, dass ich noch 15 Kilometer durchhalte. Ui, sind aber noch 26! Ziemlich guter Rückenwind treibt mich an. Hoffentlich hat das Garmin diesen nicht schon eingerechnet. Gerade sind erst die neuesten Winddaten reingekommen. So beschließe ich, die Tour ein bisserl zu straffen. Selbst die kleinen Umwege, um auf Radwegen zu fahren, lasse ich aus. Jetzt mache ich auf Straßenrennfahrer. Immerhin kann ich den letzten Anstieg, den Roppersberg, nicht auslassen. Da muss ich rauf.
Die Änderungen tragen Früchte. Am Wienerwaldsee sind es noch knapp zehn Kilometer und ich habe noch Energie für sieben. Am Wienerwaldsee findet heute der „Art Walk“ statt. Wirklich übel spielende Blasmusiker stehen da am Wegesrand und lenken die Besucher ab. Die ausgestellten Bilder an den Zäunen sind um nichts besser. Die Krönung dann die tanzenden Gauklerinnen. Mann oh, der Hindernislauf hier raubt Energie. Meine elektronische Klingel ertönt schrill, aber bis ich sie auf dem kleinen Touchscreen gefunden habe, habe ich schon ein paar Besucher umgekegelt.
Nach der Autobahnbrücke gilt endlich wieder freie Fahrt, und ich stehe überraschend bald am „Roppersbergpass“. Meine persönliche Tankanzeige sagt noch drei Kilometer, während noch gut vier Kilometer vor mir liegen. Also, Ohren ausklappen, Rückenwind nutzen und bergab Richtung Breitenfurt-Ost-Ende!
In der Liesingtalstraße bin ich kurz versucht zu erkunden, was passiert, wenn ich jetzt noch ein paar Kilometer weiterfahre. Aber die Waden und Oberschenkel haben ich sich zusammengetan. So brav haben sie duchgehalten. Da will ich es mir nicht verscherzen.
Tadelloser Tag und stolz, die Runde geschafft zu haben!



Haidsteig
Am Vortag habe ich mich auf unserem Tacx NEO Bike Plus Trainer doch beansprucht, und soll der heutige Tag eine Wanderung mit Renate und Mio auf einen neuen Gipfel von Hinternasswald aus bringen. Aber dann ereignet sich das Hoppala auf unserer Treppe. Renate stürzt, hält das Wasserglas und weitere Utensilien hoch, während sie im Langsitz die Stufen nimmt. Das Bürzel ist geprellt. Wir müssen umdisponieren. Und weil mir nichts besseres einfällt, gehe ich den Haidsteig.
Dort geht aber nicht viel. Ich bin einfach schlapp. Am Zustieg überholt mich einer. Uje, ich werde alt. Oberhalb der Waldgrenze meldet sich Wind. Zumindest für Renate wäre das nichts gewesen.
Den Überholer hole ich beim Einstieg ein. Aber im Steig gibt er erst richtig Gas. Also das ist mir bislang auch nicht passiert. Die Uhr sagt, dass ich mich ein bisserl anstrengen könnte. Das ist ein amerikanisches Produkt, da will ich ein „You’re awesome!“ hören. Darauf wartet man bei Garmin aber ewig, heute ganz besonders.
In der Wand beutelt es mich hin und her. Da freut es mich nicht einmal sonderlich. Bei der Madonna ist auch kein Platz zum Verweilen. Da muss man froh sein, wenn einen der Wind nicht von dem Platzl dort bläst.
Ein bisserl Schnee und Eis ist auch noch da. Und so kommt es, dass ich im einfachen Teil abrutsche – die Bergschuhe sind heute auch nicht die richtigen – und ich mir die Fingerknöchel aufschürfe, ordentlich. Heute freut es mich gar nicht mehr, den Königschuss streiche ich.
Am Plateau lasse ich mich vom Wind bergauf zum Preinerwandkreuz treiben, ehe ich mich an den Abstieg mache. Die Neue Seehütte verweigere ich, auch wenn der Wirt ein einladende Tafel gegen den Wind platziert hat. Vor dem Holzknechtsteig lege ich mich zwischen die Latschen und suche Windschatten. Ich habe Renates Proviant mit. Ein Weckerl in drei Schichten mit Frischhaltefolie dazwischen. Das habe ich auch noch nie gesehen. Prompt nutzt der Wind die Chance, entreißt mir das Jausensackerl und ich muss hinterherrennen. Geh bitte! Echt jetzt?
Am Holzknechtsteig wird es wieder ein bisserl wärmer, mir kommt ein junger Bergsteiger entgegen. Deutsch ist nicht seine Muttersprache, und so verstehe ich nicht ganz, was er heute schon gemacht hat. Ich vermute, er war am Haidsteig und ist den Preinerwandsteig runter. Jetzt will er „hinten herum“ zum Königschusswandsteig. Ich zeige ihm die gelbe Tafel am Einstieg zu seinem Steig, und das ist eher die andere Richtung. Da zeigt er mir sein Planungstool am Handy. Ich hab‘ keine Lesebrille mit und bin verwirrt. Jedenfalls muss er wieder zurück. Ich empfehle ihm einen kurzen Abstieg, weil die Rinne unangenehm sein kann und das Überqueren der Rinne erst weit oben gut geht. Danach müsste er wieder absteigen. Er hört auf meinen Rat – oha. So steigen wir gemeinsam ab und hören nach dem Queren der Rinne ein ordentliches Gepolter. Da kommt ein Fels von der Größe eines Medizinballs in der Rinne runter. Wir schauen uns beide an. Jepp, da haben wir Glück gehabt.
Mir reicht es endgültig, ich steige ab. Ab ins Auto und nach Hause. Heute war ich einfach in der falschen Verfassung am falschen Ort!


