Haidsteig

Schon fast unentschuldbar lange waren Renate und ich nicht am Haidsteig. Wir haben uns blitzblauen Himmel ausgesucht. Es ist angenehm warm. Beste Bedingungen!

Eine gute Stunde sind wir am Zustieg unterwegs. Das ist ein angemessenes Tempo. Doppelt so schnelle Geher brauchen die halbe Zeit, halb so schnelle die doppelte. So, damit wäre das auch mal gesagt.

Trotz der guten Bedingungen und der Tatsache, dass wir an einem Freitag unterwegs sind, ist im Steig wenig los. Weit oben hören wir ein paar Leute, und am Einstieg macht sich eine tschechische Debütantin mit ihrem Partner für die Premiere bereit.

Renate war in den letzten zwölf Monaten wenig in Klettersteigen unterwegs. Das macht aber keinerlei Probleme. Bald haben wir die Debütantin und ihren Partner eingeholt und überholen sogar. Renate ist gut drauf, der Steig fällt ihr leicht und sie ist bester Laune. Wenn die Bedingungen gut sind, also wenig Leute und trockener Fels, gehört der Haidsteig weiterhin zu meinen Lieblingen. Allmählich kenne ich die Abschnitte und Stellen wirklich schon auswendig. Manchmal stelle ich fest, dass wieder die eine oder andere Sicherung erneuert oder versetzt wurden. Ich denke, dass ich nächstes Jahr mein 50-Jahr-Jübiläum am Steig feiere.

Großer Kessel und Schlüsselstelle – Renate marschiert vor und durch. Bei der Schwarzen Madonna holen wir die anderen Kletterer ein. Ich gönne mir eine Dose Spitzbuben und decke damit meinen Zuckerbedarf für die Woche. Renate übertreibt etwas gegenüber den anderen Kletterern mit der Schilderung meiner Heldentaten in dieser Wand. Erinnere ich mich richtig, so hat sie erzählt, dass ich an übermütigen Tagen gar mit dem Kopf voran den Königschusswandsteig runterklettere. Ein Zeichen jedenfalls, dass es ihr gutgeht.

Ab der Schwarzen Madonna üben wir den Aufstieg ohne Nutzung der Hände zum Abstützen. Das ist ökonomischer, aber trotzdem anstrengend. Weiter geht es nochmals in leichter Kletterei im Klettersteig aufs Plateau und zum Preinerwandkreuz.

Die Seehütte ist noch immer nicht mein Fall. Nach zwei Getränken aus dem Einweg-Plastikbecher schlage ich missmutig den Abstieg über den Holzknechtsteig vor. Keine gute Idee, aber deutlich kürzer als der Göbl-Kühn-Steig zum Waxriegelhaus, wo das Essen auch nicht so eine Wucht ist. Der Holzknechtsteig ist wirklich nur etwas für Leute mit Leidensfähigkeit. Fürs Protokoll: den Holzknechtsteig gehe ich nur noch solo. Okay, Gernot darf vielleicht mit.

Wir schaffen es zum Auto und gönnen uns nochmals ein Hirschragout im Payerbachhof. Kurz, ein feines Tagerl mit Renate am Berg. Der Abstieg war halt falsch gewählt, und das hätte ich ahnen können. Trotzdem fein, sag ich mal!

Die Tour auf Garmin