Madeira


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Der Hochzeitstag steht an. Es ist der zweite. Da ist das Savoy Palace in Funchal doch ein angemessener Ort, um eine Woche zu verbringen. Die Insel lockt im Oktober mit mildem Klima. An der Südseite ist der Regen eher selten, dafür die Sonne viel präsent. Churchill Winston kam zum Malen, Kaiser gekommen zum Sterben gekommen und wir wollen mal ausspannen. Ein bisserl Wandern, ein bisserl Essen, ein bisserl überhaupt.

Drei Wanderungen erledigen wir in der Woche. Schon die erste Wanderung PR 8 – Vereda da Ponta de São Lourenço ist überraschend gut. Die Felsen müssen bunt sein, denn selbst ich sehe die Farben. Touristen sind auch genug da. Auf Madeira muss man gar Zeit-Slots buchen und zahlen. Aber so genau nimmt es dann in der Nebensaison niemand.

Mit dem Leihauto geht es an einem anderen frühen Morgen zum PR 6 – Levada das 25 Fontes. Hier geht’s erstmal bergab durch schönen Lorbeerwald, ehe man dann entlang von Höhenlinien bzw. künstlich angelegten Wasserläufen folgt. Fontes wird mit Wasserfällen übersetzt. Hmm, mein Duolingo sagt, dass ein Salto im Spanischen ein Wasserfall ist. Fontes erinnert eher an Quellen. Ich weiß gar nicht, ob wir bei dem „See“ waren. Die Trockenheit hat 25 Rinnsale mit einer Lacke zurückgelassen. Schön war es trotzdem. Am Nachmittag besuchen wir den Feenwald bei Fanal. Der Passat weht hier stetig feuchte Luft vom Meer herauf. Entsprechend pittoresk ist die Szenerie. Wir schießen viele Fotos und sind beeindruckt.

Die letzte Wanderung führt uns auf den höchsten Punkt. Der PR1 – Vereda do Areeiro beginnt am  Pico do Areeiro (1.818 m), führt über den Pico das Torres (1.851 m) und endet am Pico Ruivo (1.862 m). Der Pico do Areeiro bietet die Himmelsleiter. Ich bin nicht ganz so beeindruckt. Angsteinflößend oder spektakulär ist hier wenig. Vielleicht liegt es am Geländer links und rechts. Die Landschaft ist jedenfalls beeindruckend. Richtung Pico Ruivo geht es nun in einer „Einbahnwanderung“ weiter. Kein Scherz, da ist ein Drehkreuz. Aber dann muss man mit dem Taxi wieder zurück zum Auto. Das lassen wir aus. Wir fahren zum Fuße des Pico de Ruivo. Es regnet, auf den Passat ist Verlass. Heute bringt er halt ein bisserl mehr Luftfeuchtigkeit mit. In Summe werden wir ordentlich gewaschen. Es gilt: „Das Gewand trocknet, die Ehre bleibt!“. So haben wir erfolgreich den höchsten Berg Madeiras bestiegen. Wir waren sogar alleine am Gipfel. „Kein Wunder bei dem Regen“ wird der eine oder die andere denken. Egal, wir waren oben, auch wenn wir nichts gesehen haben.

Zum Autofahren auf Madeira noch ein paar Worte: Madeira ist gebirgig und hat enge, kurvenreiche Straßen. Das Leihauto sollte Automatik haben. Das nehme ich nicht so ernst. Was soll schon sein? Fährt man mit Google Maps, ist man dann auf weniger kurvenreichen Straßen unterwegs. Google Maps wählt gerne Abkürzungen. All das bringt aberwitzige Abschnitte. Einmal ist die Straße täglich erst ab 09:30 geöffnet. Warum? Verstehe ich nicht. Wir umfahren nach Google. Mit geschätzt 25% geht es kerzengerade bergauf. 25% ist das Maximum, das unser Tacxi simulieren kann. Das habe ich noch nie geschafft. Umgelegt heißt das, hier habe ich mit dem Fahrrad nicht die geringste Chance! Die steilsten Abschnitte haben laut Internet 25-30%. An einer Stelle stehen wir auf einer Kuppe. Es geht so steil bergab, dass ich die Straße nicht sehe. Vor mir ist nur Motorhaube und weiter unten Wald. Solche Situationen kenne ich, aber eher vom Bergsteigen oder Skifahren. Tipp: Auto mit ausreichend PS und Automatikgetriebe (oder besser E-Auto – das hat ausreichend Kraft und Drehmoment bei fehlender Schaltung). Google Maps ist mit Vorsicht zu genießen, weil es auf die Steigung nicht Rücksicht nimmt. So werden die kürzeren Nebenstrecken zur spannenden Achterbahnfahrt.

Die anderen Aktivitäten sind ruhiger. Zu Renates Urlaub gehört gutes Essen. Wir starten schwach und werden von Tag zu Tag besser. Da fehlt zuletzt nichts. Beeindruckt bin ich beim Frühstück. Die ersten Slots für das schöne Sonnenlicht werden so vergebe, dass man um sieben Uhr beim Frühstück sein sollte. Noch vor Sonnenaufgang ist es stockfinster. Das ist schon ein ungewohntes Szenario. Speziell wird es, wenn Gäste sich zum Start in den Tag ein gut gefülltes Glas Cava, Prosecco oder Sekt reinzischen. Ich staune, ich staune wirklich. Legt man sich da gleich wieder nieder? Ist der Tag wieder vorbei, ehe er begonnen hat?

Zusammengefasst: Madeira ist schön, vor allem landschaftlich. Im Oktober sind die Temperaturen ideal. Im Frühjahr wird vermutlich mehr blühen. Das könnte man noch in Erwägung ziehen. Es ist sehr viel auf den Tourismus ausgerichtet. Kaum eine Speisekarte, die nicht viersprachig ist.

Zurück geht es in der Business Class. Die Mehrkosten lagen bei 50 Euro pro Person und Richtung. Austrian scheint zu experimentieren. So sitzen wir mit einem freien Platz zwischen uns und schmunzeln über die aufgeregten, neuen Gäste in dieser Buchungsklasse. Der Aufpreis war es jedenfalls wert. Schauen ma a mal, ob Austrian daran festhält. Eine Dame hat übrigens noch am Check-In aufbezahlt. Sie hat schon in der Lounge einen Teil des Aufpreises in Form von Pastéis de Nata wieder hereingebracht. So soll es sein!


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