14. Skitour: Gscheid – Gsenger – Göller (1.766m)

Das Hintergrundbild habe nicht ich geschossen. Es ist von der Webseite des Gasthofs Zum Niederhaus.

Details der Tour via Garmin (Leider wieder ein bisserl zu spät gestoppt!)
Lawinenlagebericht

Auf der Westautobahn schüttet es. Das lässt Zweifel bei Ulli und bei mir aufkommen. Der Wetterbericht verspricht für die Mittagszeit strahlenden Sonnenschein im Westen. Im Osten regnet es. Wir sollten auf der Sonnenseite unterwegs sein. Für Jänner war es die letzten Tage viel zu warm, aber da bislang viel Schnee gefallen ist, sollten die Bedingungen passen. Als Ziel habe ich den Göller ausgesucht, an dem ich am 24. April 2017 in Unmengen an Neuschnee aufgeben musste. Nach St. Pölten endet der Regen – geht doch.

Am Parkplatz angekommen erkenne ich blitzschnell, dass da ein bisserl wenig Schnee liegt. Auf Facebook habe ich noch gelesen, dass der Göller vom Lahnsattel aktuell eine tolle Tour ist. Mein Schluss, dass es dann auf der Nordseite noch toller sein muss, passt nicht so. Wir schultern die Schier in der Hoffnung, dass im Wald schon genug Schnee liegen wird. Bald packen wir die Schier auf die Rucksäcke, weil wir erkennen müssen, dass mit Schnee nicht viel ist. Der Boden ist weich und ich erwarte jeden Moment Schneerosen. So steigen wir erstaunlich bequem den Bergrücken weiter und weiter nach oben, aber Schnee will nicht kommen. Erst unterhalb des Gsengers schnallen wir die Schier erstmals an. Auf der Ostseite hat sich genug Schnee abgelagert und dann aufgrund der Menge dem Regen getrotzt. Erst beim Gsenger auf rund 1.400m gibt es eine Schneedecke. Und plötzlich wird es winterlich. Erst leicht, dann immer stärker, beginnt es zu schneien. Von wolkenlosem Himmel keine Spur. Hier heroben haben dann am letzten Stück die Wetterkapriolen der letzten Tag für eindrucksvolle Bedingungen gesorgt. Teils blankes Eis macht das Vorankommen mühsam. Ulli legt gar die Steigeisen an, die ich vorsorglich mitgenommen habe, um nicht erneut am Göller zu scheitern. Am Gipfel herrscht dann tiefster Winter und keine 20 Meter Sicht. Der Ort lädt nicht zum Verweilen ein. Aber ganz so schnell habe ich Felle und Steigeisen nicht verstaut. Dann verhakt sich noch mein Schischuh und Ulli wird kalt. Natürlich hält Ulli tapfer durch. Bergab ist sie eh nicht zu halten und mit der Abfahrt wird es rasch wärmer werden.

Davor geht es aber Richtung Hühnerkralle im Pflug den Grat entlang, Sicht null. Ich weiß nur vom Handy, dass es zu unserer Linken recht steil hinuntergeht. Rechts geht es auch steil über Latschen ins Tal. Aber dann ist da auch schon so ein Kar und wir biegen rechts ab. Ich prüfe nochmal am Handy und wir sind goldrichtig. Es ist ja schon ein komisches Gefühl, wenn man da bei null Sicht, bergab schlittert, bis es nicht mehr weitergeht, um zu erkennen, dass man es genau nach Plan gemacht hat. Schnell wird die Sicht besser und die Hühnerkralle überrascht mit Abfahrtsfreuden. Es ist steil mit geschätzt dreißig bis 35° Neigung. Auf dem tragenden Harschdeckel haben sich ein paar Zentimeter Neuschnee gelegt. So kommen wir gut voran. Irgendwann kommt aber doch die Höhe, wo der Harschdeckel sein Ende hat und wir schmieren in tiefem, durchnässtem Schnee dahin. Es wird enger und der Bach ist kaum noch von Schnee bedeckt. Abrutschen und ein erfrischendes Bad nehmen, wollen wir nicht. Aus dem Schnee ist Regen geworden und die Ausrüstung wird auf Dichtheit geprüft. Im Wald dann ist die Abfahrt schon so schräg, dass sie wieder Unterhaltungswert hat. Mit Geschick muss man seinen Weg suchen. Dabei geht es wie in einem Funpark über Baumstämme, die man mit den Kanten abrutschen kann (bis der erste Ast den Spaß beendet). Weiter unten stoßen wir auf einen Weg, der zu Beginn nur leicht von einem Traktor geebnet wurde. Das macht das Weiterkommen natürlich viel leichter. Richtig lustig wird es ab einer Wildstelle. Diese wird anscheinend regelmäßig vom Jäger besucht. So können wir die Forststraße entlangrauschen. In den Fahrrillen fließt das Wasser über blankes Eis. Wird man zu schnell, fährt man in die Mitte des Weges, wo der stumpfe Schnee prompt verlässlich bremst. Zur Beschleunigung geht es wieder in die Bobbahn. So schaffen wir es bis zum Parkplatz zurück.

Der Göller ist auch im Winter geschafft. Die Tour war ganz anders als erwartet, aber überaus abwechslungsreich und überraschend. Andersrum gesagt: so schnell werden wir den Göller nicht vergessen 😉