Anichspitze und Spiegelkogel


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Zustieg Ramolhaus und Anichspitze

Die Pläne sind groß, die Zeit wird knapp! Ich würde noch gerne einen Gipfel meiner Bergliste erledigen. Die Weißkugel wartet seit Jahren. Ich bin nicht sonderlich zuversichtlich, dass wir diese in diesem Jahr noch schaffen. Die Hütten schließen bald, die Tage werden kürzer, der erste Schnee könnte kommen. Da tut sich ein Zwischenhoch auf. Nicht sonderlich stabil, aber immerhin. Renate ist bei der Tour für Kurzentschlossene dabei. Wir planen den Anstieg zum Ramolhaus von Obergurgl aus am Donnerstag, die drei Ramolkogel am Freitag und den Schalfkogel am Samstag. Am Sonntag kann dann die Kaltfront in Ruhe kommen.

Mammut hat noch neue Hochtourenschuhe rechtzeitig herbeigeschafft. Meine alten Schuhe wurden bei der letzten Tour verwechselt und sind weiterhin verschollen. Am Donnerstag wollen wir früh in Breitenfurt los. Nur der Wetterbericht verschlechtert sich stündlich. Am Donnerstag Nachmittag wird es regnen, und der Freitag sieht auch gar nicht mehr so gut aus. Als wir in Obergurgl ankommen, regnet es wirklich. Aus dem Rucksacktransport wird es auch nichts, weil der Wind zu stark bläst. Mit schwerem Rucksack im Regengewand 1.100 Höhenmeter – da gibt es Attraktiveres. Wir planen um! Wir übernachten in Obergurgl und versuchen am Freitag Aufstieg zum Ramolhaus und Ramolkogel. Damit packen wir das Programm von zwei Tagen in einen Tag. Nach dieser planerischen Meisterleistung gönnen wir uns ein extra feines Abendessen im Grünerhof. Außer uns kommt niemand an diesem Abend auf diese Idee. Fängt doch gut an!

Am Freitag in der Früh nieselt es. Den Rucksacktransport nehmen wir nicht in Anspruch. So genau lässt sich ja nicht sagen, wann der Rucksack oben ankommt und wir wollen noch auf die drei Ramolkogel. Seil, Klettergurt, Karabiner, Eisschrauben, etc. lassen wir im Auto. Das macht den Rucksack leichter. Der Niesel endet bald und los geht es. Der Hüttenzustieg ist lange, aber technisch kein bisserl herausfordernd. Ein scheinbar endloser Almenweg führt stetig bergauf. Vis-a-vis sehen wir erst das Skigebiet, den Angerer und den Weg zur Langtalereckhütte. Das Ramolhaus schaut nach mehr als zwei Drittel der Strecke das erste Mal zu uns her. Wir sind vorbereitet, dass dies eine optische Täuschung ist. Denn der Weg führt unter dem Ramolhaus vorbei, ehe er dann in einem letzten Anstieg „hinten herum“ zum Haus führt. Das letzte Stück ist steil, aber nicht so steil, wie ich dachte. Renate hat an diesem Tag trotzdem hart zu kämpfen. Die Uhr zeigt mit einer Trainingsbelastung von 5.0 an, dass sie ihr sinnvolles Limit erreicht hat. Vielleicht hilft eine Pause mit Essen am Ramolhaus.

Am Ramolhaus empfängt uns Lenka mit blitzenden Augen. Sie führt die Hütte in der dritten Saison und hat alles fest im Griff. Sie empfiehlt, dass wir uns auf den Nördlichen Ramolkogel, die Anichspitze, beschränken sollen. Das ist der erste Gipfel. Vor allem der Große Ramolkogel ist zu dieser Jahreszeit aufgrund der geänderten klimatischen Verhältnisse doch kompliziert. Na ja, viel mehr als die Anichspitze wird sich heute eh nicht ausgehen.

Nach einer Stunde Pause entscheidet sich Renate, mich zu begleiten. Sie kann ja umdrehen, wenn es zu anstrengend wird. Die Anichspitze sollte nicht so wild sein. So gehen wir mit reduziertem Gepäck los. Immer mehr Nebel breitet sich aus. Aber der Wetterbericht verspricht, dass es trocken bleiben wird. Der Weg ist nicht ganz leicht zu finden. Es sind gar zwei Varianten markiert, wobei bei einer Variante die Markierungen teils ausgekreuzt sind. Komisch ist das, hatte ich noch nie. So folgen wir unserem GPX-Track auf Handy und Uhr. Dieser stellt irgendwie die dritte Variante dar.

Am Beginn der kärglichen Reste des Ramolferners stellt sich dann die Frage, ob wir im Fels bzw. Geröll bleiben oder das Eis nehmen. Wir entscheiden uns fürs Eis. Erst wieder auf der Hütte gesteht Renate, dass sie da schon ausreichend fertig war, aber nicht wegen des Nebels alleine zurückgehen wollte. Anderseits wollte sie mir auch nicht den Gipfel nehmen. So macht meine tapfere Begleitung schon recht erschöpft alles Weitere mit.

Wir steigen über den unteren Teil des Gletschers und wechseln dann in den Fels. Steinmänner und Steigspuren führen bis auf etwa 3.200m. Ab dort ist die Routenwahl für uns eine Glücksfrage. Wenn der Nebel aufreißt, sehe ich eine logische Linie, die auf die Anichspitze führt. Aber das Eis ist halt weit zurückgewichen. Damit ist der Untergrund recht lose. Vielleicht gibt es auch einen tadellosen Weg. Die Literatur erwähnt sogar Bohrhaken. Aber davon sehen wir nichts. Stattdessen kraxeln wir eben über loses Gestein Richtung Gipfel. Oh, da höre ich leichte Anzeichen der Verzweiflung. Das rutscht alles so! Der Unterhaltungswert ist auch wirklich nicht hoch – weglos im Nebel, im Instrumentenflug sozusagen. Wir holen für Renate den Pickel raus. Der gibt auf diesem Untergrund, auf diesen schrägen und von nassem Sand überzogenen Felsplatten Halt. „Positive Vibes“ lautet die Devise. Wie wir da wieder runterkommen? Dieser Frage widmen wir uns, sobald wir oben sind. So geht professionelle Planung! Und dann sind wir oben. Ein stolzes Gesicht sehe ich da! Wow, tapfer! Auf die beiden anderen Gipfel verzichten wir ohne lange Diskussion. Nach einer kurzen Pause rückt der Abstieg in den Fokus!

Der Abstieg über den Westgrat ist mal unspektakulär. Wir erreichen den Firn am oberen Ende des Ramolferners. Die direkte Variante über den Ferner trauen wir uns nicht so recht zu. Stattdessen gehen wir am oberen Rand Richtung Osten und steigen dann doch direkt über den Gletscher ab. Renate meistert auch dieses „erste Mal“ mit Bravour. Es ist schon ein bisserl gewöhnungsbedürftig, wenn man zum ersten Mal eine Eisfläche in dieser Neigung mit dem Gesicht voran im Vertrauen auf die Steigeisen absteigt. Eine der wenigen verbliebenen Gletscherspalten sieht man schon aus größerer Entfernung. Sie wird umgangen und wir steigen diesmal bis zum unteren Ende des oberen Teil des Ferners ab. Dann geht es in Steigeisen durch den Matsch und Geröll zum unteren Teil des einst ewigen Eises. Hier beginnt es leicht zu regnen. Mann oh, das ist ein bisserl zäh! Also, Regenjacke an und weiter geht es. Nun werde auch ich müde, die Uhr gibt auch mir eine 5.0 bei der Anstrengung. So wackeln wir beide mehr als wir gehen zurück zum Ramolhaus. Der letzte Gegenanstieg sieht wilder aus, als er ist. Gegen 17 Uhr sind wir wieder auf der Hütte. Das Abendessen wartet schon fast. Die Zimmer sind geräumig, wir schlafen früh ein. Der Schlaf ist laut Uhr aber wie zu erwarten wenig erholsam. So ist das halt in den Bergen. Das schreckt uns nicht!

Der erste Tag auf garmin.com

Hinterer Spiegelkogel und Abstieg Obergurgl

Es war schon am Vorabend absehbar, dass wir keine Lust und Kraft haben, noch den Schlafkogel vor dem Abstieg anzugehen. Lenka hat uns den Hinteren Spiegelkogel empfohlen. Der Empfehlung wollen wir folgen. Wir schlafen aus, soweit das auf einer Berghütte möglich ist. Um 6:44 steht der Sonnenaufgang am Programm. Die Luft ist klar, der Morgen entsprechend kalt mit Temperaturen leicht unter Null. Heute sieht das Wetter tadellos aus.

Beim Frühstück lassen wir uns Zeit. Meine Schuhe stehen brav noch an ihrem Platz. Wir packen den Rucksack für eine kurze Tour. Renate hat sich ob ihrer gestrigen Tapferkeit eine rucksackfreie Tour verdient. Lenka erklärt uns noch einmal, wie wir auf einem alten und nur teils markierten Steig über den Ostgrat auf den Spiegelkogel gelangen können. Die Runde geht dann weiter im Abstieg über den Nordostgrat zum Ramoljoch und von dort zurück zur Hütte.

Der Aufstieg ist eine leichte und kurzweilige Kraxelei. Es macht richtig Spaß, in der Morgensonne den alten Spuren und den für mich als Rotsehschwachen längst verbleichten Markierungen zu folgen. Bald stehen wir am eigentlichen Grat zum Hinteren Spiegelkogel. Zwei, drei Stellen sind ein bisserl spannender, alles andere gestaltet sich einfach. Die Route am Grat ist genuss- und aussichtsreich. Nach gemütlichen eineinhalb Stunden erreichen wir das Gipfelkreuz. Nur am Horizont sieht man Wolken, sonst ist alles blitzblau. Sehr fein! Wir bleiben diesmal länger am Gipfel. In der Sonne ist es angenehm warm.

Zurück geht es den Teil am Grat, den wir schon kennen. Dort, wo wir im Aufstieg von der Hütte herauf zum Grat gelangt sind, folgen wir nun weiter dem Grat Richtung Ramoljoch. Auch diese Variante ist technisch nicht schwierig, erfordert aber sicherlich Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Zwei, drei Stellen verlangen Aufmerksamkeit. Kurzweilig und schön empfinden wir diesen Abschnitt.

Über das Ramoljoch führt der Zentralalpenweg auf der einen Seite nach Vent, auf der anderen Seite zu unserem Ramolhaus. Am Joch ist richtig etwas los, treffen doch mit uns sieben Bergsteiger aufeinander. Das ist ja fast ein soziales Event hier!

Der Abstieg in den Kessel, wo früher wohl der Ramolferner lag, ist bestens gesichert und mit Steighilfen versehen. Wir sind nun eben nicht auf einer einsamen Route sondern am Zentralalpenweg, quasi einer Autobahn in den Bergen. So sind wir rasch wieder am Ramolhaus, wo wir noch einmal zu Mittag essen, ehe wir nach Obergurgl absteigen.

Die Rucksäcke und die Bergschuhe sind schwer. Der Abstieg ist einfach, aber lang. Schafe stellen sich in den Weg, lassen sich aber vertreiben. An einer Stelle schießt Wasser über den Weg und bietet eine unerbetene Abkühlung. Wie da die Hüttenwanderer in ihren Turnschuhen trockenen Fußes drüber kommen? Ich weiß es nicht, bin aber froh, dass wir die schweren Schuhe anhaben.

Wieder in Obergurgl angelangt, buchen wir uns im Hotel Edelweiß & Gurgl ein. Wir waren in den Semesterferien hier. Rezeptionistin und Kellner meinen sich an uns zu erinnern. Das soll uns recht sein. Nach dem Abendessen fallen wir jedenfalls bald in tiefen Erholungsschlaf. Am nächsten Morgen dann noch eine Seilbahnfahrt auf die Hohe Mut, und damit endet dieser Ausflug. Für Nachmittag ist Regen angesagt und in den folgenden Tagen Schnee. Damit ist auch unsere Hochtourensaison vermutlich beendet.

Für Schalfkogel und Ramolkogel müssen wir ein weiteres Mal vorbeikommen. Hoffentlich passt das Wetter dann. Wir werden ausreichend Zeit einplanen. Dann sollten die beiden Gipfel auf meiner Liste erledigt werden. Schauen ma a mal!

Besten Dank vor allem an meine tapfere, wunderbare Begleiterin Renate!

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Stubaier Alpen


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Sonntag, 4. August 2024

Schon am Samstag sind wir ins Stubaital angereist, um uns am Sonntag mit einer der ersten Gondeln auf über dreitausend Meter schaukeln zu lassen. Das Gletscher-Skigebiet ist geschlossen. Das könnte am weitgehend verschwundenen Gletscher liegen. Nein, hier heroben lässt sich die Klimaerwärmung nicht leugnen. Kaum ein Gast ist da. In Pflichterfüllung drehen sich die Gondeln und bringen uns nach oben.

Bestens ausgestattet marschieren wir los. Einmal irren wir uns. An der Bergstation eines sich im Sommerschlaf befindlichen Sessellifts erzeugt das Schaukeln eines Hinweisschildes ein Quietschen wie in einem Italo-Western. Ein bisserl trostlos, auch das Wetter will nicht so recht. Würde uns die Sonne ein Loch in den Rücken brennen, würde es auch nicht passen!

Kaum sind wir am Pfaffenjoch und nähern wir uns dem Gletscher, sind die Menschen da. Auch wir seilen uns an. Jede Menge Notfallausrüstung ist dabei, die nie zum Einsatz kommen soll. Wir wandern über den Sulzenauferner unter dem Zuckerhütl. Der Fels am Zuckerhütl ist im Sommer so locker, dass kaum noch jemand im Sommer es besteigt. Ich kann mich an meine Jugend erinnern, in der ich mich in dem steilen Firn, der bis oder fast bis ganz oben gereicht hat, gefürchtet hatte. Der Vater hat damals unten gewartet und ich bin alleine rauf.

Wir lassen das Zuckerhütl rechts liegen und widmen uns dem Wilden Pfaff. Der hat auf der Nordseite noch ein steiles Firnfeld, wo schon ein bisserl das Eis vorschaut. Man könnte auch im Fels gehen, aber wir wollen ja was erleben. Renate ist das erste Mal mit Steigeisen unterwegs und darf sich gleich beim ersten Mal fürchten. Ich habe sie am kurzen Seil. Das macht aus uns eine enge Schicksalsgemeinschaft. Wir würden beide den Firn abrauschen, und im Auslauf ein jammerndes, erbärmliches Bild geben. Passiert aber nicht.

Man kann uns als durchaus erschöpft bezeichnen, als wir den Wilden Pfaff (3.458m) erklommen haben. Ab jetzt geht es fast nur noch bergab. Und wie es bergab geht. In der Tourenbeschreibung stand fast von Schwierigkeit II mit Sicherungen an vielen Stellen. Das ist widersprüchlich und so habe ich es aus meiner Betrachtung gestrichen. Jetzt stehen wir da und starren sehr steil nach unten. In der Ferne sieht man schon das Becherhaus. Das ist wirklich noch ein ganzes Stück. So klettern wir das, was immer es auch ist ab, und staunen nicht schlecht über die heutigen Herausforderungen.

Jetzt noch über den Übeltalferner, an der Müllerhütte vorbei zum Becherhaus. Da kommt uns eine Fünfergruppe entgegen, das Becherhaus ist voll, sie wurden zur Müllerhütte geschickt . Kurz überlege ich Reaktionen, die mir einfallen, wenn das uns widerfährt. Keine ist im Einklang mit dem Strafgesetzbuch. Schauen ma a mal.

Das Becherhaus müssen wir erst noch erklimmen. Ein launischer Klettersteig raubt mir die letzte Energie. Renate geht es besser. Aber so richtig kann sie die Sissy-Stiege zur Hütte auch nicht genießen.

Die Hüttenleute empfangen uns freundlich, den Willkommensschnaps lehnen wir dankend ab. Schon vor dem Abendessen fange ich an, mit einem Kaiserschmarren meine Kohlenhydratespeicher aufzufüllen. Das Abendessen um 19 Uhr ist auch erstaunlich fein. Das Hüttenleben kann beginnen. Das Zimmer ist recht okay, vor allem, wenn man die Höhe bedenkt, auf der die Hütte liegt, immerhin 3.195m.

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Montag, 5. August 2024

Für heute haben wir uns die Sonklarspitze (3.450m) vorgenommen. Die Nacht war erbärmlich. Okay, das ist meist in dieser Höhe so. Unsere Uhren meinen, dass wir nicht ganz auf der Höhe sind. Von sportlicher Betätigung wird abgeraten. Renate hat es gestern besser ausgehalten als ich. Die Trainingsbereitschaft ist bei mir bei 1 von 100. Tiefer geht’s nicht.

Wir starten über die Sissy-Stiege und den kühnen Abstieg über die Leiter auf den Firn. Weiter geht es zur Müllerhütte und dann in einem Bogen an den Ostgrat der Sonklarspitze. Von Spalten ist keine Spur. Am Fels des Ostgrat lassen wir Seil und Steigeisen zurück. Nun wird gekraxelt und das ist, nun ja, kurzweilig. Hinauf geht es leichter, das wird im Abstieg spaßig. Renate hat aber eine Routine entwickelt, sodass mir das keine Sorge macht – Respekt!

Uns kommen überraschend viele Leute entgegen. Aber bald sind wir alleine, nur der Wind stört ein bisserl. Nach Jause und Fotos geht es wieder an den Abstieg. Der ist abermals kurzweilig. Renate meistert all das mit Bravour. Wir sammeln Seil und Steigeisen ein und machen uns wieder gletscherfit. Da gehört Disziplin dazu, den Gefahren vermag ich keine zu erkennen.

Der Aufstieg zum Becherhaus ist wahrlich zäh. Die Sonne brennt runter, der finale Anstieg zum Becherhaus gibt einem den Rest. Zumindest sind wir zum Mittagessen da, wovon wir ausgiebig Gebrauch machen.

Um 16 Uhr wollen wir noch auf den Wilden Freiger (3.418m) und die Drohne mitnehmen. Eine Stunde soll der Aufstieg dauern und einfach sein. So wandern wir los. Aber schon bald stellt sich der Anstieg als gar nicht so einfach dar. Renate ist an einer schwierigeren Stelle ein Stück zurück, eine ein bisserl ausgesetzte Stelle trennt uns. Sie schickt mich alleine weiter und lässt sich zu keiner anderen Option als der Umkehr überreden. Gut, die Hütte ist nahe und ich zische alleine weiter – ein bisserl schade ist das schon!

Knapp vor dem Gipfel fallen mir zwei junge Bergsteigerinnen auf. Da spricht mich die eine an, ob ich ihr einen Gefallen tun kann. Ich soll ihren Kontrollpass am Gipfelkreuz abstempeln. Sie war oben, hatte aber den Rucksack weiter unten abgestellt und derart den Pass vergessen. Ihre Freundin wirkt überaus desperat. Hmm, wir waren im Gespräch und ich wurde um einen Gefallen gebeten. Da werde ich nicht nochmals nachfragen.

Am Gipfel angekommen, probiere ich die Drohne aus. Aber sie will nicht. Flugdatenspeicher voll, Sichtsensoren deaktiviert und große Höhe. Mir kommt es vor, als würde sie Ausreden suchen. Das Licht und die Stimmung würden jedenfalls passen. So mache ich mich unverrichteter Dinge wieder an den Abstieg.

Beim Abstieg hole ich die zwei Bergsteigerinnen knapp vor der Hütte ein. Die eine trägt nun einen eindrucksvollen Verband an der Wade. Die Geschichte ist die: schon am Gipfel hat sie beide Sohlen ihrer Bergschuhe verloren, den Abstieg ohne Sohlen gewagt und sich nun bei einem Sturz ordentlich verletzt. Die fehlenden Sohlen und die tiefe Wunde sind zwei ganz starke Argumente für den Hubschrauber. Aber das wollen sie lieber nicht. Ich ringe ihnen das Versprechen ab, dass sie den Hüttenwirt informieren. Der Hüttenwirt macht klar, dass er nicht weiß, was er machen soll, wenn sich die Wunde in der Nacht entzündet. Am nächsten Tag kann sie ohne Sohlen ohnedies nicht absteigen. So kommt der Hubschrauber dann doch noch.

Renate und ich haben uns um je zehn Euro eine Dusche gegönnt und sind damit zumindest äußerlich wieder hergestellt. Zuversichtlich starten wir in die Nachtruhe.

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Dienstag, 6. August 2024

Sonnenaufgang bei wolkenlosem Himmel – wow! Für heute haben wir uns eine leichtere Tour vorgenommen. Sie führt über den Übeltalferner zum Botzer Ferner, diesen hinauf zur Botzer Scharte, dann den Ostgrat hinauf auf die Königshofspitze. Runter geht’s über den flachen, namenlosen Ferner und wieder hinauf über den Übeltalferner zum Becherhaus. So weit der Plan.

Der Hüttenwirt wirkt wirklich kompetent. Selbst hat er diese Touren auf alpenvereinaktiv zur Verfügung gestellt. Er erklärt, dass der Aufstieg über den Ostgrat ganz einfach ist. Man muss sich lediglich den Weg suchen, markiert ist da nichts. Der Abstieg über die Westseite ist ein Genuss. Am Internet ergänzt er: „Für Einsteiger und zu Übungszwecken geeignet.“.

Wir sind schon etwas erschöpft von den zwei Vortagen. Doch dann ist Renate wieder eine wunderbare Begleiterin, überwindet sich, und wir steigen auf den Übeltalferner. Eine einzige Spalte stellt sich uns in den Weg. Wir müssen sie umgehen. Das waren die Herausforderungen am Gletscher. Der Klimawandel hat die Gletscher abgeschliffen, und meines Erachtens damit entschärft. Auf anderen Gletschern wird es anders sein. Hier sieht es jedenfalls danach aus.

Der Hubschrauber hat Gletscherforscher in der Früh abgesetzt. Abgesehen von diesen, sind wir ganz alleine in dieser traumhaft schönen Landschaft unterwegs. Wir haben es nicht eilig. Die Tour sollte am frühen Nachmittag erledigt sein. Einige Pausen später sind wir am Botzer Ferner auch schon weit aufgestiegen. Der Aufstieg zur Botzer Scharte scheint wirklich gut machbar zu sein. Und weiter? Aber eins nach dem anderen. Wir steigen über den Firn und die Felsen zur Scharte auf. Renate ist wie immer tapfer, da gibt es kein Murren oder Zweifeln.

Aber bei mir kommt massiver Zweifel auf. Ich sehe bei bestem Willen nicht, wie wir da rauf kommen sollen. Ist der Hang abgerutscht? Loses Gestein türmt sich immer steiler werdend vor uns auf. Okay, es ist nicht weit, aber da gehe ich nicht rauf. Renate schlägt vor, noch ein Stück weiter zu steigen, aber diesmal verweigere ich strikt.

Wann denn der Hüttenwirt das letzte Mal hier war? Ich habe so meine Zweifel. Leicht soll es sein. Ich habe noch seine abweisende Armbewegung in Erinnerung, als er die Schwierigkeit erwähnt.

So sitzen wir auf der Scharte und erfreuen uns des wirklich feinen Jausenplatzes. Einsam ist es und wirklich schön ist es.

Irgendwann steigen wir wieder das Firnfeld und den Botzer Ferner ab. Danach geht es hinauf zum Becherhaus. Wir wählen eine längere, weniger steile Variante. Das Fehlen von Spalten lässt diese sorglose Wegwahl zu. Die Sonne brennt ganz schön runter.

Halt, was ist das? Eine Fata Morgana? Geht da einer mit den Skiern am Rücken in der Ferne alleine über den Gletscher. Alleine am Gletscher! Ha, der wird vom Alpenverein definitiv unehrenhaft entlassen. Mit dem Super-Tele am Handy erkennen wir mehr. Er trägt einen ganzen Bund Stangen auf der Schulter. In der anderen Hand trägt er das Handy, auf das er unentwegt starrt. Irgendjemand muss ihm GPS-Koordinaten aufgeschrieben haben. Die geht er jetzt ab. Hat er einen Punkt gefunden, legt er eine Stange ab. Da komme ich mir in der total professionellen Hochtourenausrüstung ein bisserl komisch vor. Seltsames Gefühl, so als Touri-Puri am Gletscher unterwegs.

Der Aufstieg geht dann besser als an den letzten Tagen. Trotzdem keuchen wir unter der Hütte gewaltig.  Auf der Sonnenterrasse werden Kalorien und Getränke nachgefüllt. Die Königshofspitze haben wir nicht geschafft, aber es war trotzdem ein toller Tag in den Bergen.

Bis zum Abendessen spielen wir noch zwei Runden Würfelpoker. Sachen macht man, wenn man nicht viel machen kann. Ich staune.

Die Hütte ist nicht mehr so voll, wir bleiben zu zweit in unserem Zimmer. Das Essen ist gewohnt gut, und so könnte der Tag gemütlich ausklingen, wäre da nicht der Wetterbericht für morgen, der heftige Gewittern ab 14 Uhr mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhersagt. Diese Gewitter waren schon von Anfang an für Mittwoch angekündigt, aber nun hat die Intensität zugenommen. Bei Renate kommt Unruhe auf. Auch ich habe keinen Funken Lust, bei Gewitter auf einem Grat oder Gletscher zu sein. Ich will nicht einmal das Regengewand anziehen. Das ist eine Schwitzerei, auch wenn es die besten Materialien sind, die man momentan kaufen kann. So schlage ich vor, dass wir um sieben Uhr starten, da jede halbe Stunde zählen könnte. Renate nickt und Gute Nacht.

Mittwoch, 7. August 2024

Die Nacht war schlaftechnisch nicht viel besser als die vorigen. Es hat geblitzt und gedonnert. Um 05:30 läutet der Wecker und augenblicklich steht Renate in voller Montur im Zimmer. Oha, ich bin beeindruckt. Für gewöhnlich dauert es eineinhalb bis zwei Stunden vom Aufwachen bis zum Aufbrechen. Alleine brauche ich eine Stunde – verlässlich durch viele Ereignisse belegt. Egal, heute hat es jemand eilig.

Frühstück, Rucksack packen, Zähneputzen und Zahlen. Renate legt Professionalität an den Tag, ich staune, mir soll es recht sein. Um sieben Uhr sind wir unterwegs – okay, sind auch eineinhalb Stunden, aber mit mehr notwendiger Vorbereitung als sonst. Wir starten Richtung Westen zur Müllerhütte. Eigentlich ein traumhaftes Wetter, wäre da nur nicht die große Gewitterwolke im Westen. Ich tippe und hoffe sehr, dass die aufgehende Sonne diesen bedrohlichen Amboss auflösen wird. Wetterberichte sind über die Jahre wirklich gut geworden! Nur sehe sehe ich auch nicht weit nach Westen. Was, wenn dort noch mehr labile Luft nachkommt. Wir haben keinen Plan B. Da gibt es also unschöne Szenarien. Nasser Fels, Gewitter am Grat oder Gletscher,.. Vielleicht schaffen wir es auch knapp zur Seilbahn, die dann aber wegen Unwetter eingestellt ist.

Wir wollen uns nicht in Panik reden und überlegen nur die eine oder andere Option. Renate bleibt cool und entspannt, das ist wirklich sehr angenehm!

Ein weiterer Vorteil ist, dass sie ein Tempo vorlegt, dass ich sie bremsen muss. Schon nach 45 Minuten sind wir an der Müllerhütte vorbei. So ein Tempo halten wir mit den schweren Rucksäcken sicher nicht durch.

Bald steht der Pfaffengrat an, der uns am Sonntag im Abstieg so überrascht hat. Rauf geht es leichter als runter. Die Kletterei ist wirklich eine Freude. So weit, so gut! Die Gewitterwolke hat übrigens gegen die aufgehende Sonne verloren. Auch das sieht gut aus. Und dann überholen wir noch ein junges Paar. Die junge Frau geht am kurzen Seil. So sind sie doch recht langsam unterwegs. Für sie ist es die erste Hochtour. Das ist wahrlich tapfer. Wir vereinbaren, dass das schnellere Paar bei der Seilbahn bekannt gibt, dass noch jemand unterwegs ist. Und ich hoffe doch sehr, dass wir es sind, die Bescheid geben werden.

Renate zischt den Grat hinauf und keucht wild. Die Höhe, durchgehend über 3.000m, fordert ihren Tribut. Und dann das Juchhu, wir sind am Wilden Pfaff. Das heißt, Klettern am nassen Fels bleibt uns schon mal erspart.

Vom Wilden Pfaff wählen wir die Normalroute im Abstieg und lassen das steile Firnfeld aus. Auch das Zuckerhütl und andere günstige Dreitausender ziehen unberücksichtigt an uns vorbei. Renate hat einen gut unterdrückten, aber auch unübersehbaren Zug zum Ziel.

So geht sie vor und ich hinten nach. Wie viel Schnee die Sonne in den letzten drei Tagen weggefressen hat! Ich schaue links, ich schaue rechts und plötzlich ist unter mir nichts mehr. Mit dem rechen Bein bin ich zur Gänze eingebrochen. Renate macht völlig automatisiert, was man in so einer Situation machen muss. Sie zückt das Handy. Aber Mist, das will dauernd ein Video machen und kein Foto. Wenn der Rest der Schneebrücke nachgibt, fliegt sie mir mit ihrem Handy hinterher. Okay, das ist unwahrscheinlich, aber trotzdem will ich da raus. Die Fotografin gibt ihr Okay, und ich ziehe mein zwischenzeitlich gut gekühltes Bein aus dem kalten, feuchten Schneeloch.

Dann ist auch der Gletscher schon aus, wir sind wieder am Pfaffenjoch. Wir werden auch nicht bei Gewitter am Gletscher stehen. Jetzt drohen nur noch eine Regenwanderung oder eine eingestellte Seilbahn. Da gönnen wir uns doch glatt eine Pause mit Jause.

Die weiteren Teile der Strecke ziehen problemlos vorbei. Müdigkeit macht sich breit. Wir sind im Skigebiet angekommen und müssen noch zur Seilbahn aufsteigen. Hart, aber machbar.

Der Himmel ist mittlerweile bedeckt, das Wetter hat zugezogen. Oben bei der Aussichtsplattform und der Gondel stehen ausreichend Menschen. Das wird sich ausgehen. Wir treffen auf ein junges Paar aus Holland. In kurzen Hosen und Turnpatschen wurden sie von der Gondel auf 3.200m ausgespuckt. Wo wir denn herkommen? Ah, die Müllerhütte! Dort wollen sie hin, aber es ist wohl schon zu spät heute. Wie bitte? Was bitte? Ich bin zu müde. Alternativ gehen sie eben nur bis zur Hildesheimer Hütte. Nein, da kommt keine Hütte. Was soll der Blödsinn? Nein, eine Karte haben sie nicht. Jetzt erbarmen wir uns doch. Ein Blick aufs Handy sagt, dass sie falsch gegangen sind. Sie müssen zurück zur Gondel und dann einen anderen Weg nehmen, der aber auch über den Gletscher führt. Fasziniert schauen sie auf mein Handy. Ja, haben die denn gar nichts mit! Ob man auf dem richtigen Weg Steigeisen braucht? Na ja, sieht nicht so steil aus, aber ohne Grödel wird es nicht gehen. Man braucht nur 45 Minuten. So steht es am Schild bei der Bergstation. Schon, aber am richtigen Weg und in die richtige Richtung. Und in Turnschuhen? Geht’s noch? Mir wird die Diskussion zu anstrengend, die Reserven sind wirklich aufgebraucht. Eine Frage noch: ob ich glaube, dass es zu regnen beginnen wird. Na ja, der Wetterbericht sagt, ab 14 Uhr und es ist 13:30. Mag sein, dass es sich verzögert. Auch, wenn ich so alt bin wie die beiden zusammen, kann ich den Regen nicht riechen, sorry!

Ich überlege kurz, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass wir hier auf einen Extremfall getroffen sind. Das wird eher die Regel als die Ausnahme sein. Wir starten zur Bergstation. Die Niederländer bleiben zurück. Wir haben den Weg verloren und mein Anstieg ist ihnen zu steil. There must be another route! Alles Gute!

Mit leeren Batterien kommen wir bei der Bergstation an. Renate hat so professionell durchgehalten, aber jetzt hält sie nichts mehr. Sie will runter vom Berg. Wir stolpern in eine freie Gondel und abwärts geht es. Die Dresdner Hütte bei der Mittelstation bietet sich für ein Mittagessen an. Aber die ersten Tropfen fallen schon. Nein, gleich bis runter zum Auto, ohne weiteres Risiko, kompromisslos! Alles ist gut gegangen. Für uns zumindest, denn nach ein paar Kilometern im Auto schüttet es abenteuerlich. Wie sich das in Turnschuhen in über 3.000m abfüllen muss? Ich weiß es nicht, und will es auch trotz feiner Ausrüstung, soweit möglich, vermeiden.

Der Mittwoch auf garmin.com

Für uns gehen vier intensive Tage zu Ende. Ich habe in Renate eine herausragende Begleiterin gefunden. Das kann ich gar nicht oft genug erwähnen. Jepp, so ist es!

Wir fahren nach Lans bei Innsbruck zum Isserwirt, wo wir um 17:30 Abendessen und danach unmittelbar in Tiefschlaf verfallen. So soll es sein! Nach einem Spaziergang in Innsbruck rollen wir nach Salzburg, wo Renate mit ihrer Freundin die Festspiele besucht. Ich liege im Bett. Entweder habe ich mir einen neuen Virus in der Gondel eingefangen oder der alte Virus war so freundlich, die vier Tage zu pausieren. Den Stadtspaziergang in Salzburg absolviere ich noch einigermaßen würdevoll, das geplante Essen mit Renates Freunden lassen wir besser ausfallen.


Fazit

  • Renate ist eine wahrlich tapfere und Ruhe bewahrende Partnerin, auf die ich mich voll verlassen kann. Vielleicht habe ich das schon erwähnt.
  • Drei Nächte und vier Touren in vier Tagen sind anstrengend, wirklich anstrengend für uns.
  • Die Stubaier Alpen sind ein tolles Tourengebiet, auch wenn sie durch den Klimawandel einiges an Strahlkraft verloren haben.
  • Das Becherhaus ist toll geführt und auf jeden Fall einen Besuch wert. Die Lage ist beeindruckend und einmalig.
  • Die Müllerhütte wäre für uns besser gelegen. Wir hätten uns einige Wegzeiten gespart. Nach Angaben anderer Bergsteiger war die Hütte in diesen Tagen wenig besucht. Ob das immer so ist, kann ich natürlich nicht sagen. Die Hütte soll ebenso wie das Becherhaus gut und freundlich geführt sein.

Singapur und Bali


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Singapur

Über Zürich fliegen wir nach Singapur. Wir, das sind Renate, Carina, Tilla und ich. Renate hat vor doch schon einiger Zeit ein Jahr in Singapur studiert und so statten wir diesem Stadtstaat einen Besuch ab. Der Flug ist erstaunlich erträglich. Selbst in der Economy Class kann ich ganz gut schlafen. Das Fliegen wird besser. Die Immigration ist ebenso professionell und kurzweilig. Da funktioniert alles.

Zwei Taxis werden uns zugeteilt, weil wir zu viert mit dem Gepäck nicht in eines passen. Renate hat die Hotels ausgesucht. Das ist mir überaus angenehm, weil mich die Hotelwahl schlicht nervt. Ehe sie mit Tilla ins Taxi hüpft, ruft sie mir noch zu: „Wir sehen uns im Fullerton Bay Hotel“. Gerne, mir soll es recht sein. Im Taxi prüfe ich die Buchung und wundere mich, dass hier steht „The Fullerton Hotel“. Ich frage den Taxler. Ja, es gibt das Fullerton Bay Hotel und „The Fullerton“. Um es kurz zu machen, wir sitzen zu viert im Fullerton Bay bei der Rezeption. Eine Buchung findet der gute Mann nicht. Das Bay ist das modernere Hotel und gefällt den Mädels sehr gut. Das Fullerton ist das ehemalige Postgebäude mit jeder Menge Historie. Die Rezeption findet unsere Buchung letztlich im Schwesterhotel und wir wandern ins gar nicht so weit entfernte Fullerton. Uppsi, kann man ja vertauschen!

Singapur ist eine feine Stadt. Auch die angekündigte Schwüle ist bei unserem Besuch bis auf einmal eigentlich erträglich. Selbst mir gelingt es, im Freien und ohne Schweißausbruch zu essen. Wir besichtigen die Gardens by the Sea, Chinatown, Little India, das arabische Viertel, natürlich das Raffles Hotel,…

Die Stadt ist wohl organisiert und sehr sicher. Der Besuch hier ist tiefenentspannt und macht Spaß. Alles hat seine Ordnung. Na ja, und dass man fürs bei Rot-über-die-Ampel-gehen gleich eingesperrt wird, bezweifle ich nun mal schwer. Der Taxler, der uns wieder zum Flughafen bringt, hält es mit den Regelungen nicht so streng. Wir sitzen zu viert im Taxi, und weil der Kofferraum für unser Gepäck zu klein ist, habe ich einen Koffer am Schoß. Alles ganz entspannt!

Bali

Spätabends kommen wir in Denpasar an. Die Einreise ist ähnlich unkompliziert wie in Singapur, und trotzdem erkennt man einen ziemlichen Unterschied. Indonesien lässt für den Zoll genauestens ausfüllen. Das passiert ganz modern am Handy. Ich verschweige die Einfuhr des Tablets und habe ein bisserl Stress. Aber am Zoll reicht das Hochhalten des Handys für die gefällige Prüfung. Der Zöllner hält sein Handy ebenfalls hoch. So halten alle ihr Handy hoch und die Zollkontrolle ist damit für alle erledigt. Wer will, kann sich auch noch auf ähnliche Art und Weise kontrollieren lassen, ob er die Umweltabgabe gezahlt hat. Wir haben gezahlt, aber verzichten auf das Winken mit dem Handy. Welcome to Bali!

Ubud

Suad, unser Fahrer, wartet schon auf uns. Er bringt uns nach Ubud. Google Maps meint, dass wir für die 36 Kilometer fast zwei Stunden brauchen werden. Da bin ich mal gespannt. Aber so ist es dann auch wirklich auf Bali. In einer endlosen Kolonne, flankiert links und rechts von hunderten Mopeds, zuckeln wir dahin. Im Dunklen ziehen Imbissbuden, eine an die andere gereiht, an uns vorbei. Endlich in Ubud angekommen, erkennen die Mädels, dass man hier vermutlich gut shoppen kann. Die Imbissbuden sind besseren Lokalen und jede Menge Läden bekannter Marken gewichen. Im Hotel werden wir überaus freundlich empfangen. Am Zimmer wartet ein Obstkorb. Begeistert schäle ich eine Schlangenfrucht, beiße kraftvoll in den vermeintlich weichen Kern und verabschiede mich von meinem Schneidezahn. Okay, mit ausgebrochenem Schneidezahn bin ich hier nicht der einzige. Das ist mir schon am Flughafen aufgefallen. Vielleicht macht es mich sogar sympathisch hier. Es sieht jedenfalls für meine Begleiterinnen ein bisserl irritierend aus. Aber was soll’s? Wir fallen müde in die Betten, vielleicht wächst er ja über Nacht nach.

In Ubud stehen Reisplantagen, Tempel und der Monkey Forest am Programm. Kurz, alles was so zu Bali gehört. Zu Bali gehört natürlich auch der Kaffee, dessen Bohnen von irgendwelchen katzenähnlichen Viecherln vorverdaut wurden. Aha, eine Delikatesse! Die erschließt sich mir nicht zu hundert Prozent. Oder, meinetwegen bzw. für meinen Kaffee braucht niemand den Katzenmist einsammeln.

Während unseres Aufenthalts erreicht uns die Nachricht, dass Österreich von Platz 1 der Liste mit der unfreundlichsten Bewohner durch Kuwait verdrängt wurde. Ich horche in mich hinein und muss gestehen, das mit der Unfreundlichkeit ist nicht so ganz an den Haaren herbeigezogen. Die Leute sind hier so uneingeschränkt freundlich, dass ich anfangs immer dachte: „Was will die von mir?“ oder „Macht sich der gar lustig?“. Schon nach kurzer Zeit akzeptiere ich, dass man hier eben freundlich ist, auch wenn ich mir das als Bewohner des nun zweitunfreundlichsten Landes der Welt nicht so recht vorstellen kann. Es ist halt so und es ist fein so.

Sanur

Nächster Stopp auf Bali ist das Bali Beach Hotel in Sanur. Es ist das einzige Hochhaus. Als erstes Hotel dieser Art wurde es in den 60ern errichtet und diente wohl als Mahnmal, was man hier nicht will. Nun wurde und wird es renoviert. Wow, der Blick von unserem Balkon ist ein Wahnsinn. Der Pool ist riesig, Renate kann ihre Bahnen ziehen. Das Hotel lässt mich aber auch schmunzeln. Alles ist schön und großzügig. Bei genauerem Hinsehen frage ich mich aber, ob das alles auf Temu oder Wish bestellt wurde. Und welchen Beruf hat der Elektriker gelernt? Die Lichtschalter zeigen erratisches Verhalten und der Kriechstrom lässt es im Zimmer auch ein bisserl hell sein, obwohl alles ausgeschaltet ist. Macht aber nichts, weil wir unter den ersten Gästen nach der Renovierung sind. Meine Prognose ist: lange wird das nicht halten. Aber diese Prognose behalte ich für mich, sonst erkennt man mich gleich als unfreundlichen Österreicher.

Renates Sache sind die offenen Gewässer nicht. Das scheint widersprüchlich zur Tatsache, dass sie so gerne schwimmt. Egal, so fahre ich mit Carina und Tilla alleine zum Schnorcheln. Zu dritt haben wir drei Angestellte auf unserem privaten Motorboot. Das Motorboot ist ein bisserl in die Jahre gekommen und gleicht nicht sonderlich dem Boot auf den Fotos, mit denen geworben wurde. Damit taugt es nicht ganz für die sozialen Medienauftritte der Mädels, aber es bringt uns gut zu den unterschiedlichen Spots. Wir tauchen mit Rochen und Schildkröten. Einmal winken uns gar Delfine zu. Mein Highlight ist das Drift Snorkeling. Bequemer geht nicht! Eine starke Strömung zieht dich über Kilometer entlang der Küste dahin. Man muss gerade die Taucherbrille ins Wasser halten.

Jimabaran

Letzter Stopp ist Jimabaran. Hier wird nochmals ausgiebig Strandleben genossen. Es ist eine teure Ecke auf Bali, für das uns gewöhnte Preisniveau aber überaus günstig. So leisten wir uns auch hier wie bei den anderen Stationen feinstes Essen und schlürfen aus Kokosnüssen zu für Bali unverschämten Preisen. Die Mädels braten, pardon tannen, in der prallen Sonne, um bei der baldigen Heimkehr auch ordentlich Respekt bei den Daheimgebliebenen einzufahren.

Ein ganz entspannter Urlaub geht zu Ende. Der Rückflug ist ein bisserl anstrengender. Warum, weiß ich nicht. Wenn eines Tages Fernreisen umweltverträglich werden, kann man dann so einen Ausflug auch ohne schlechtes Gewissen tätigen. Ich bin sicher, daran wird gearbeitet! Dann wird alles, aber wirklich alles gut!

Rauher Kamm – Ötscher

Noch nie war ich am Ötscher! Also, jetzt schon – nach diesem Montag. Und darum geht’s in diesem Beitrag.

Google hat interessante Ideen bei der Anreise. Wir fahren doch recht lange auf einer Schotterstraße durch wildromantische Schluchten zu unserem Parkplatz Raneck. Von Lackenhof aus ist die Straße asphaltiert.

Renate hat eine recht große Runde ausgesucht. Diese beginnt mal mit einem Abstieg auf der Forststraße, ehe ein langer, steiler Anstieg im Wald folgt. Eine schweißtreibende Tour ist das um diese Jahreszeit und bei dieser Schwüle. Oberhalb der Waldgrenze wird es besser. Nach zwei Stunden erfolgt plangemäß die neu eingeführte Tradition mit Weckerl, Schoko und Getränk! Wer modern sein will, kann sich ja auch Carb-Gels reinzischen. Klingt besser, bringt dasselbe.

Nach unserer Pause beginnt der Rauhe Kamm. Der ist in unserer Wahrnehmung eine feine, abwechslungsreiche Kraxelei. Mio tut sich anfangs leicht, braucht aber bald ein paar Mal Unterstützung. Rasch entwickelt er eine neue Methode. Mutig springt er die Kletterstellen hoch, strampelt so weit er kommt und wartet dann auf die humane Unterstützung. Oh, oh, wenn das nur auf ewig gutgeht!

Der Rauhe Kamm endet auf einem Plateau. Nicht zu groß, aber doch ein Stück zu gehen, bis zum Gipfel. Für die Jause ist es hier zu kalt. Der Ötscher trägt Wolken über sich, Wind geht auch etwas. Kurz, es ist ungemütlich, und wir steigen zum Ötscher Schutzhaus ab. Das ist laut Internet nur offen, wenn der Lift in Betrieb ist. Im Juni sieht es unter der Woche aber schlecht aus.

Der Abstieg zur Hütte ist unspektakulär. Die Ankunft umso erfreulicher, denn die Hütte hat offen. Kaspressknödel, Toast, Marillenkuchen,… wir füllen nach. Runter geht es direkt die schwarze Schipiste. Als wir dann schon fast ganz unten sind, fährt der Sessellift los. Mann oh! Da wird ein junger Hüttenhelfer wohl den Berg rauf transportiert. Na ja, soll sein, wir sind ja schon unten. Ein paar Kilometer noch Richtung Raneck und unsere Tour ist geschafft.

Der Rauhe Kamm ist eine leichte, kurzweilige Kraxelei, die mit Hund durchaus machbar ist. Landschaftlich ist die Tour jedenfalls eine Empfehlung. Von Juni bis August empfehle ich ein Auge aufs Thermometer und Hygrometer. Der Anstieg durch den Wald kann schon recht schwitzig werden.

Ein feiner Tag war’s!

Die Tour auf Garmin

Scharnock (2.498m)

Nach einem Ruhetag holt uns Gernot ab und wir fahren nach Hintergöriach. Dort haben wir zwei Optionen: entweder wir packen den Hochgolling oder den Scharnock. Vermutlich sind wir für den Hochgolling ebenso zu früh wie fürs Roteck. So stellen sich Renate und ich auf eine Wanderung auf den Scharnock ein. 1.100 Höhenmeter und ein ein bisserl ausgesetzter Abschluss – das wird gemütlich.

Gemütlich kuschelt sich auch eine Kuh an ein Auto am Parkplatz. Kurz habe ich Sorge um Gernots Gefährt. Die anderen Autos sind eingezäunt. Aber einen Zaun haben wir nicht dabei. Mal sehen, ob sich eine Kuh in Mercedes verliebt.

Zurück zum Gemütlichen! Wir wandern in toller Landschaft auf einer Forststraße dahin, durchqueren Weiler mit Hütten, die man mieten kann, um dem einfachen Leben zu frönen und kommen bald über die Baumgrenzen. Im Göriachwinkel schauen wir in die Gollingscharte. Da ist noch viel Schnee, aber die Steigung wahrlich nicht dramatisch. Aber so wie es aussieht, müssten wir einige steile Schneefelder queren, um auf den Hochgolling zu kommen. Rasch ist entschieden, dass wir zur Landawirseehütte und von dort auf den Scharnock gehen.

Bei der Landawirseehütte hören wir einen sympathischen Hüttenwirt, der weiß, wie hoch die Schneeauflage über dem Eis am Hochgolling ist. Nein, die Scharte kann man verkehrt gehen – warum eigentlich? -, aber der Hochgolling geht nur mit Steigeisen. Der Scharnock braucht Grödel bis zur Scharte, ab dann ist es trocken. All das sprudelt kompetent aus dem guten Mann, aber ich habe meine Zweifel. Bestärkt werden diese durch seine Statur, die vermuten lässt, dass er in letzter Zeit weder auf Hochgolling noch Schnarnock war. Wofür sollte ich auf den Scharnock über die wenig steilen und vor allem weichen Schneefelder Grödel brauchen? Egal, wir haben welche mit und den Rest packen wir auch.

So steigen wir zur Scharte unter dem Scharnock auf, ganz ohne Grödel. Nicht einmal die Stöcke wären notwendig. Die Scharte ist erreicht und nach wenigen Metern packen wir die Stöcke weg, die könnten ab hier im Weg sein. Nach ein paar Metern tut sich ein Anblick auf, der zusammenzucken lässt. Schnee und Regen haben den steilen Hang abrutschen lassen. Erdreich und Steine liegen herum. Ein Weg ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Seit dem Ereignis sind wir wahrscheinlich die ersten hier. Zum Glück ist die Erde zäh und trägt. Wenn das beispielsweise trockener und sandiger wäre, müssten wir erneut umkehren. Renate hat ein mulmiges Gefühl, macht aber tapfer mit. Zum Glück sind die Markierungen nicht abgerutscht. Allzu weit kann es auch nicht mehr sind, sind wir doch schon auf fast 2.400m. So steigen wir in gut gebückter Haltung vorsichtig höher und machen uns ein bisserl Gedanken, wie das im Abstieg werden wird. Jeder Schritt gibt uns zumindest immer mehr Zuversicht, dass das alles hier hält.

Der Gipfel ist ausgesprochen schön. Ausblick und Wetter passen auch. Im Gipfelbuch ist der letzte Eintrag vom Oktober 2023. Wir fotografieren, jausnen und genießen, ehe es an den Abstieg geht. Renate hat ein mulmiges Gefühl. Aber wir gehen die Herausforderung an, Schritt für Schritt. Mag ich solche Schrägen schon im Allgemeinen nicht, ist es mit dem gerissenen Meniskus noch einmal unangenehmer, weil so ein Gefühl der Instabilität dabei ist. So nehme ich fleißig die Hände zur Unterstützung. Renate tut es mir gleich. Aber als letzter geht einer aufrecht im Vertrauen auf sein Training am Balance-Board und seine Erfahrung beim Skifahren: man muss nur die Kante ordentlich reindrücken. Mann oh! Der Abstieg geht jedenfalls deutlich besser als vermutet. Nur bei Renate bricht einmal ein Tritt aus. Der Schrei schreckt mich nicht, habe ich mich doch daran schon gewöhnt. So einer kommt ja auch, wenn beispielsweise die Trinkflasche überraschend schnellt aufschnappt. Und der Schrei ist nur kurz. Trotzdem muss nun unser Skifahrer dran. Wie ein Gentleman gräbt er kleine Tritte mit den Schuhspitzen. Der andere Nichtso-Gentleman hat die letzte Querung hinter sich, freut sich, dass alles gutgegangen ist und sieht mit Erleichterung, dass auch die beiden mittlerweile wieder am unbeschädigten Weg sind.

Der Abstieg über die Schneefelder ist schön und ohne Zwischenfälle. Ich probiere es noch mit Eisbaden im Landawirsee, immerhin auf 2.000m. Das geht gut und kommt mir nicht mal soo kalt vor. Soll ja für die Gelenke gut sein und ewig jung halten. Schauen ma a mal!

Wieder bei der Hütte berichten wir von der Rückseite des Scharnock. Der Hüttenwirt schaut sich die Fotos an, lacht und meint, dass er das den Wegewarten melden muss. Und weg ist er. Er kommt mit drei Zirbenbränden zurück – gegen den Schock – und hüpft wie ein Flummi die Stiegen der Terrasse zu seinem Jeep hinunter. Wow, macht sich der jetzt an die Reparatur des Weges? Nicht ganz, oder muss er erst Werkzeug aus dem Tal holen?

Nach ausreichendem Essen mit einem Kaiserschmarren, der vielleicht zu viel Vorschusslorbeeren hatte, geht es die Forststraße wieder zum Auto. Die Kühe haben Mercedes abgeschleckt, aber keinen weiteren Schaden angerichtet. Uff!

Die Tour war überraschend kurzweilig und landschaftlich durchgehend mehr als lohnend – super fein!

Die Tour auf Garmin

Roteck – Preber – Verlobt

Endlich ein Hochdruckgebiet! Es geht in den Lungau ins Lerchpeuntgut. Die 3.000er haben noch zu viel Schnee, aber hier sollte schon was gehen. Für den ersten Tag habe ich das Roteck ausgesucht und so starten wir vom Prebersee.

Die Preberhalterhütte ist bald erreicht. Hier wird nach links in den Preberkessel abgebogen. Recht einsam ist es und auf jeden Fall landschaftlich überaus schön. Ehe es steil wird, jausnen wir. Das Internet sagt (aktuell), dass wir Kohlenhydrate nachzufüllen haben. Das wird gemacht. Vis-a-vis gibt es unentwegt Steinschlag. Die Sonne schmilzt den Schnee, Wasserfälle beleben die Idylle, das Wetter passt. Besser könnte es nicht sein.

Die Route führt zum Mühlbachtörl hinauf. Der Weg wird nun deutlich steiler, aber alles unaufgeregt. Selbst die Umgehung der Schneefelder ist nicht sonderlich spannend. Am Mühlbachtörl geht es rechts über den Jakob-Reicher-Weg auf den Preber und links aufs Roteck. Der Pfad wird nun nochmals schmaler und offenkundig kaum begangen. Ein Hinweisschild warnt vor anstehenden Unannehmlichkeiten. Gelesen habe ich von ein paar kurzen IIer-Stellen, einmal Abklettern und Ausgesetztheit. Auch das Fehlen einer Markierung ist erwähnt. Zumindest das stellt sich am Beginn der Tour als nicht richtig heraus. Hier sind sehr wohl rote Punkte, sogar weiß umrandet. Die erste IIer-Stelle fordert uns auch nicht. Vorsichtigen Schrittes arbeiten wir uns vorwärts. Dann sehen wir den Gipfel erstmals. Ui, der ist aber schon noch weit. Aber das schaffen wir schon. Immerhin habe ich als Überraschung den Verlobungsring mit.

Und dann ist es auf einmal aus. Schneefelder versperren den Weg. Die sind so steil! Gingen da nicht alte Spuren hinüber, wäre ich sicher, dass wir den Weg verloren haben. Aber da ist nichts zu rütteln, wir stehen bei einer Markierung und erkennen am anderen Ende der Schneefelder den Weg. Ich pack‘ das alles nicht. Wie kann denn der Schnee da halten? Ich versuche einen Schritt. Der Schnee ist extrem weich und nass. Vielleicht ist er das nur am Rand und in der Mitte wird es besser. Aber schon der erste Schritt! Unsere Grödel sind auch keine Option. Die würden in dem weichen Gatsch genau gar nichts helfen. Weiter oben im Schneefeld sieht man Spuren, aber angenehmer sieht es dort auch nicht aus. Renate mahnt zur Vernunft, ich will überlegen. Selbst Steigeisen und Pickel hätten mir diesmal keine Zuversicht geschenkt. Der Schnee scheint grundlos und weich. Okay, wir haben eh nur Grödel und Stöcke mit. Damit wird es sicher nichts. Soll das ein Zeichen sein für mein Vorhaben?

So schnell gebe ich nicht auf. Vielleicht kann man ja oben am Grat umgehen. Am trockenen Felsgrat ist leicht klettern, aber es widerspricht halt meiner Regel „Bleib‘ am Weg!“. Nach 80 Meter gebe ich auf und kehre wieder zur wartenden Renate zurück. Wir steigen in die Scharte ab und packen den Preber. Was soll’s?

Der Anstieg ist landschaftlich recht schön und technisch keine Herausforderung. So schaffen wir es auf den 2.740m hohen Preber, den Hausberg der Tamsweger. Hier sitzen zwei Bergsteiger und genießen die Aussicht. Bald wird es da heroben ruhig sein. Ein schönes Bankerl hat man hier aufgestellt. Sehr passend für mein Vorhaben, finde ich.

Renate weiß von der anstehenden Verlobung, denn den Ring haben wir gemeinsam ausgesucht. Sie war schon ungeduldig mit meiner Langsamkeit. Ich habe mir aber das Recht ausbedungen, entscheiden zu dürfen, wann und wo ich den Antrag mache. Der letzte Vorwand war, dass wir den Moment mit der Drohne filmen. Nur die Drohne ist heute nicht mit. Als weitere Maßnahme habe ich die leere Verpackung im Schrank in Breitenfurt gelassen. So sitzen wir also nebeneinander auf der Bank, ich krame im Rucksack, stell die Ringbox gut verpackt in der Objektivtasche auf die Bank. Renate schaut mir zu, kommentiert alles Mögliche, wundert sich kein bisschen. Dann werde ich zu unvorsichtig und stelle die Box so auf die Bank und will mit meinem Antrag beginnen. Ah, jetzt weiß sie schnell, worum es geht. Und ein paar Augenblicke später sind wir verlobt.

Wir posten Fotos von unserer Verlobung. Als erstes werden die Familiengruppen versorgt. Ein Herzerl von Carina als Antwort kommt ungewöhnlich schnell, und ein paar Minuten später läutet das Telefon. Jasmin ist es – oha! Aber WhatsApp hat sie nicht angeschaut. Ihr Anliegen ist eher das Auffüllen ihres Bankkontos. Okay, die Welt ist gleichgeblieben. Alles im Lot!

Nach dem Verkünden unserer Verlobung auf WhatsApp kommen die ersten Gratulationen. Sehr fein! Und während wir uns da so freuen, kommt eine Tamswegerin den Berg herauf gelaufen. Sie ist wohl ein paar Jahre älter als wir. Auffallend sind ihre Fitness und ihr Lippenstift. Wir kommen ins Gespräch und schießen auf ihren Wunsch ein Gipfelfoto von ihr. Spontan schießt es aus Renate: „Und wir haben uns gerade verlobt!“. Da freut sie sich und erwidert: „Und ich habe am Freitag spontan geheiratet!“. Da staunen wir nicht wenig, lachen und unterhalten uns prächtig. Die geteilte Freude ist wahrlich eine vielfache Freude. Sachen gibt’s! Sie erzählt uns ihre Geschichte. Ja, das Leben ist spannend und bietet so viele Facetten. Hier heroben ist in dem Moment alles mehr als gut!

Ehe ich emotional abhebe, hält mich meine Nüchternheit, die mich bislang durchs Leben geführt hat, am Boden: „Wenn sie jetzt noch zufällig Standesbeamtin ist, dann hat’s was.“. Aber dem ist nicht so, sie meint noch, dass es gut war, dass wir am Roteck umgedreht haben. Ein ganz böser Berg ist das, der schon viele Opfer gefordert hat. Sie war schon unzählige Male am Preber aber erst einmal am Roteck. Dann zischt sie wieder den Preber hinunter.

Auch wir machen uns an den Abstieg. Über die Schneefelder geht es angenehm Richtung Preberhalterhütte. Dort gönnen wir uns eine Jause. Der Hüttenwirt bestätigt, dass das Roteck mittlerweile lieber verschwiegen wird. Selbst auf den Wandertafeln ist es gelöscht. Auch Einheimische verunglücken an dem Berg. Wir haben besser daran getan umzudrehen. Speziell beim Rückweg verliert man leicht die Orientierung. Wow, der Berg ist sagenumworben.

Jetzt noch das letzte Stück zur Ludlalm, wo das Auto wartet. Eine wahrlich eindrucksvolle Tour an einem ganz besonderen Tag endet. Auch im Lerchpeuntgut freut man sich aufrichtig mit uns und gratulier. Aber man weiß ebenfalls von vielen Unfällen und Verunglückten am Roteck. Wir haben alles richtig gemacht. Und plötzlich ist sie wieder da diese Nüchternheit und ich schaue im Internet nach. Das kennt immerhin zwei Unfälle und einen Einsatz der Bergrettung.

Wie auch immer, wir lassen den Abend bei einer Flasche Champagner ausklingen. So soll das sein, frisch verlobt!

Renates Tour auf garmin – Mein Tour ist auf mysteriöse Art und Weise verschwunden, kein Scherz! Das ist nun das erste Mal passiert!

Königschusswandsteig

Renate wagt sich an die nächste Stufe! Der Königschusswandsteig, immerhin mit D/E eingestuft, ist dran. Wir reisen mit dem E-Mini an, da die Q wegen Getriebeproblemen in der Werkstatt ist, und zittern wegen der Reichweite des E-Minis unberechtigt, denn wir schaffen es sogar noch bis nach Hause mit derselben Ladung. Aber so ist es in den Bergen oft, man macht sich Sorgen, und in der Nachbetrachtung waren sie völlig unbegründet. Sind sie aber nicht, weil man bei einer Fehlplanung ein echtes Problem bekommen kann. Also, in den Bergen und nicht mit einem leeren E-Mini auf der Bundesstraße. Alles klar?

Wir wählen den Zustieg vom Preinergscheid über den Göbl-Kühn-Steig. Damit will ich Renate Ermüdung ersparen, die sich meines Erachtens beim Zustieg über den Holzknechtsteig einstellt. Im Nachhinein bin ich nicht so ganz sicher, ob man sich etwas erspart, wenn man vom Preinergscheid zusteigt und nicht von Griesleiten aus.

Vielleicht liegt es auch daran, dass der kurze, schräge Abstieg über das Geröll Renate ein bisserl stresst. Im Aufstieg ist das Geröll aber nicht nur mühsam sondern sicherlich auch erschöpfend. Also, wird schon die richtige Wahl sein.

Wir haben das 20m lange Halbseil mit. Das kommt auch gleich bei der Einstiegswand zum Einsatz. Ich erwische den Einstieg nicht so gut und habe schon Sorge, dass ich Renate derart verschrecke. Aber die ist wohl mit sich selbst beschäftigt. Den „Stand“ beziehe ich oberhalb der paar D-Stellen und lasse nachkommen. Renate meistert diese Stellen problemlos. Das ist gut so. Denn, wer sich hier als Rookie verausgabt, hat die restliche Wand Stress.

Ich binde Renate aus dem Seil und schicke sie weiter. Die kommende Passagen bis zum „Rastplatz“ sollte sie alleine schaffen. Ich nehme mal das Seil auf und verstaue es. Das geht erstaunlich gut, wenn man bedenkt, dass man beispielsweise am Parkplatz deutlich stabiler steht als hier in der Wand. Von oben höre ich ein: „Aber viel einfacher ist das da aber auch nicht!“. Seltsam, wo ist sie denn schon?

Der Plan ist, dass wir bis zur D/E-Stelle ohne Zusatzseil gehen. Es warten ja nur C/D-Stellen und die Rampe, auf der mir beim letzten Mal die Gams entgegengekommen ist. Da läutet das Telefon und bringt gute Nachrichten: Die Q hat keinen Getriebeschaden und kann gerettet werden. Ich verweise, dass wir in der Wand hängen, trotzdem bekomme ich eine ausführliche Erklärung, wie sie gerettet wurde. Renate steigt zwischenzeitlich weiter und ruft: „Links oder rechts?“. Woher ihre Zuversicht kommt, dass ich das von 20 Meter unter ihr sagen kann? Die übliche Antwort: „Immer dem Seil nach und das Seil immer ober dir.“ hat sich abgenutzt, weswegen sie nun ein „Warte, ich komme nach!“ hört. Geduldiges Warten ist im allgemeinen nicht Renates Stärke und im speziellen nicht in unklaren Klettersituationen. „Wenn er wieder einmal nicht da ist, wenn man ihn braucht, dann mache ich halt alleine weiter!“. Derart erreicht sie die Rampe und schnauft diese tapfer hinauf.

Beim Steigbuch wird in der virtuellen Welt das Ingress-Portal eingenommen. Sehr gut! Ich vermag, wieder zurück im realen Leben, nicht die Ursache für das D/E hier zu erkennen. Wenn man sich ein bisserl umschaut, findet man links und rechts Tritte und Griffe, sodass der „überhängende Fels“ seinen Schrecken verliert. Trotzdem hängen wir uns wieder ins Zusatzseil. Bei der „Höhle“ kommt Renate nach. Sie hat nach ihrer Aussage ein bisserl gekämpft, aber alles war machbar.

Die „Höhle“ oder der Durchschlupf oder meinetwegen das Felsfenster zeigt sich von der angenehmen Seite. Selbst das Moos ist ein bisserl staubig trocken. Keine Nässe, keine Feuchtigkeit, kein Rutschen – sehr fein! „Nicht am Seil, sondern links davon. Dann sollte es machbar sein.“ und andere Tipps gebe ich noch und sogleich führe vor. Geht ja! Nach dem Felsspalt errichte ich den Stand und rufe „Nachkommen“. Da kommt sie auch schon, wieder ohne augenfällige Schwierigkeiten. Beim Seil aufnehmen und verstauen stehe ich diesmal besser. Renate kraxelt noch einmal ein C, ehe es zum Ausstieg hin immer leichter wird.

Tadellos, damit ist es geschafft! Renate ist diesmal ganz ruhig. Keine Ahnung, was sie denkt. Sie meint, dass diesmal Demut dabei war. Vielleicht ist auch Verwunderung dabei, dass trotz aller Bedenken und Überlegungen alles so fein gegangen ist. Okay, es war anstrengend, aber jetzt ist es vorbei.

Wir mischen uns unter die Menschenmassen und machen Fotos am Gipfel, ehe wir über Neue Seehütte, Göbl-Kühn-Steig und Waxriegelhaus wieder zum Preinergscheid absteigen.

Gratulation an meine Renate! Tadelloser Tag!

Die Tour auf garmin.com

Donnerkogel Klettersteig

Den Vormittag nach dem Traunstein verbringen wir noch am Traunsee, ehe es am frühen Nachmittag weiter an den Gosausee geht. Das Wetter ist weiterhin instabil. Meine sonst so zuversichtliche Renate hat Wettersorgen. Nach einigen Wiederholungen habe auch ich verstanden, dass sie den Klettersteig nicht bei Regen gehen will. Das will ich auch nicht. Aber ich bin in meinem von Regenerinnerungen geprägten Kindheitsmodus. „Den Vormittag müssen wir nutzen.“, „Wenn am Nachmittag der Regen kommt, sind wir wieder längst in der Hütte.“,.. Der Wetterbericht war damals ungenau und sehr großräumig mit „Im Alpenraum häufig schon am späten Vormittag Schauer. Im Osten hingegen noch überwiegend trocken.“. Mittlerweile haben wir das Wetterradar und für jeden Quadratkilometer eine eigene Wettervorhersage, die meist auch noch recht genau stimmt.

So stimmen auch die angesagten Schauer in Gosau für heute Nachmittag. Aber bis wir in der Gondel sind – ja, wir sind ein bisserl faul heute -, ist es schon wieder trocken. Die 380 Meter Distanz zur Gablonzer Hütte schaffen wir. Gunnar und Jeannette, die Betreiber der Hütte, kenne ich. Sie sind die beiden, die sich am Karl-Ludwig-Haus probiert haben. Nun haben sie eine Hütte gefunden, die sie das ganze Jahr betreiben können und deutlich mehr ihren Vorstellungen entspricht. Im Winter sorgt das Skigebiet für Gäste, im Sommer der Klettersteig mit seiner riesigen Leiter. Die beiden wirken überaus zufrieden. Wir sind gewohnt früh am Zimmer. Der Abend klingt bei Gewittern aus. Auch in der Nacht regnet es weiter heftig. Das wird was werden!

Um kurz vor sieben sind wir die ersten beim Frühstück. Komfortbergsteigen auf 1.500m eben. Mein Plan ist es, früh am Steig zu sein und die Leiter für uns zu haben. Um halbneun kommt die Seilbahn und bringt sicher Bergsteiger in Scharen. Und die anderen Gäste auf der Hütte? Faktisch kommt es aber ganz anders, dazu später. Wir starten um halbacht und sind bis zum Gipfel ungestört.

15 Minuten ist der Einstieg von der Gablonzer Hütte entfernt. Der erste Teil mit der Kaiserverschneidung ist ein bisserl herausfordernd, zumal es von der Nacht noch ordentlich nass ist im Steig. Der Steig hat zwei Stellen, die mit C/D angegeben sind, und vier oder fünf mit C. Der Rest ist dann leichter. Bei der Nässe sieht das alles ein bisserl anders aus, in jedem Fall machbar. Renate kämpft und keucht durch den ersten C/D-Abschnitt. Tapfer ist sie. Es kostet eben Kraft, auf diesen rutschigen, weil nassen und von endlosen Kraxlern abgeschliffenen Felsen, Halt zu finden. Zum Glück wurde an Stiften und Klammern nicht gespart.

Wir verpassen die Abzweigung über den Kleinen Donnerkogel und gehen einfach das Seil entlang weiter. Das nächste Mal möchte ich hier achtsamer sein. Den Kleinen Donnerkogel hätte ich auch gerne mitgenommen.

Mit der Leiter in Sichtweite steige ich vor, um den besten Fotoplatz auszuwählen. Eindrucksvoll sieht das aus. Ich bestaune die Leiter von allen Seiten. Das Wetter sollte halten. Passt! Nun ist auch Renate bei der Leiter angelangt. Ein Blick nach oben, und dann steigt sie zuversichtlich los. Immerhin haben das schon so viele vor ihr geschafft. Erst steigt sie verwegen, dann vorsichtiger immer mit demselben Bein voran. Sprosse für Sprosse geht es höher, die Fotos werden toll. Und irgendwann ist sie oben und nimmt im Schwung auch gleich die C/D-Stelle mit.

Nun bin ich dran. Meine Erkenntnisse, die man vielleicht nicht so oft liest, sind:

  • Der Sprossenabstand ist größer als erwartet. Manche Sprossen sind ein bisserl schief. Da werden die meisten ihre Schritte mit Bedacht wählen müssen.
  • Das Gefühl war teils mulmig. Die Leiter wackelt nur wenig. Immerhin war ich alleine auf der Leiter und es ging kein Wind.
  • Beim Umhängen war mir ebenfalls etwas mulmig. Da kann der Verstand hundertmal wiederholen, dass da nichts, aber absolut gar nichts passieren kann.
  • Beim zweiten Mal ist es wahrscheinlich nicht mehr annähernd so spannend wie bei der Prämiere. Dafür werde ich mehr nach links, rechts, oben und unten schauen. Vielleicht mache ich auch Fotos auf der Leiter.
  • Am Wochenende im Sommer mit vielen Wartenden ist die Herausforderung sicher eine andere. Vier Personen dürfen maximal zu gleich auf der Leiter sein. Wenn sich da nur alle daran halten,.. Aber schon vier Personen sind sicherlich ein Gewackel der Sonderklasse. Wenn dann noch die ersten ungeduldigen Rufe von unten kommen: „Jetzt tua‘ scho‘!“, „Mah, was is ’n da los?“,.. werden sicherlich einige Kandidaten ordentlich geprüft werden.

Nach der Leiter wartet noch ein schönes Stück Kletterei. So ist der Steig in Summe als mittel bis eher lange zu bezeichnen. Am Gipfel sind wir jedenfalls happy, die Aufgabe bewältigt zu haben. Wir sind eine Zeit lang alleine hier heroben, fotografieren, jausnen und genießen den Ausblick.

Wir wollen schon aufbrechen, da erreicht ein Bergführer mit seinem Kunden den Gipfel. Der Bergführer muss ordentlich Geschwindigkeit vorgegeben haben. Sein Gast kommt etwas fertig in Jeans, einer gelben Regenhaut und mit dem Rucksack in der Hand. 28 Buchungen in dieser Saison für die Tour hat der Bergführer schon. Ist halt irgendwann auch nur ein Job. Aber er lacht, die Saison hat erst angefangen, da geht’s noch gut. Beim Abstieg werden sie uns überholen, der Bergführer dabei am Handy in ein Gespräch vertieft.

Wo sind eigentlich die von mir gefürchteten Massen? Von den Hüttengästen ist niemand zu sehen. Ein paar Bergsteiger, die mit der Gondel gekommen sind, habe ich im Steig gesehen, aber wo sind die jetzt hin? Egal, wir machen uns an den Abstieg. Dieser ist als zäh beschrieben. Wir sind vorbereitet und finden ihn dann doch nicht so schlimm. Der Abstieg vom Traunstein hat das Prädikat „zäh“ sicherlich verdient. Auch ist der Abstieg vom Donnerkogel niemals gefährlich. Die Nässe macht ihn rutschig. So muss man eben eher vorsichtig und langsam absteigen, aber es geht.

Ah, da sind drei Bergsteiger! Wo kommen die nur her? Die müssen wohl einen Notausstieg gewählt haben. Eine amerikanische Bilderbuchfamilie ist es. Die Tochter sitzt am Hosenboden und versucht derart, das Geröllfeld zu meistern. Dad hat Mom am kurzen Seil. Ja, sie haben nach der Leiter den letzten Notausstieg gewählt. Ich bin sicher, dass der restliche Aufstieg zum Gipfel und die Normalroute schöner und angenehmer waren als das Schotterfeld. Speziell, wenn offenkundig nur einer in der Runde Bergerfahrung hat. Die Tochter hat aber die Fotos für Instagram geschossen und ist zufrieden. Passt also!

Bald treffen wir das nächste Paar. Der Kletterhelm lässt vermuten, was sie vorhaben. Deutsch- und Englischkenntnisse erlauben aber nur eine spärliche Kommunikation. Verstehe ich sie richtig, so suchen sie die Leiter, auf der sie ihren Freund fotografieren wollen, der als einziger den Einstieg in den Klettersteig gepackt hat. Wie, was?

Und da ist schon die nächste Vierergruppe mit Helm im zügigen Schritt. Diesmal frage ich gar nicht nach ihrem Vorhaben. Vielleicht komme ich mal im Sommer vorbei und schau mir das Treiben hochmotivierter und mitunter ebenso bergahnungsloser Influencer bei gekühlten Getränken und Popcorn an.

Der Abstieg ist heute viel kürzer als sonst. Wir stärken uns nochmals auf der Gablonzer Hütte bei herrlichem Rindfleischsalat und Indischer Currysuppe. Die Garmin-Uhr diagnostiziert bei Renate Vitalwerte, die eigentlich ein baldiges Koma anzeigen. Aber sie wirkt recht frisch und aufgekratzt. Nach dem Kaiserschmarren, der schmeckt, wie ihn nur ein Norddeutscher zubereiten kann, schießt es aus Renate: „In sieben Minuten fährt die nächste Gondel!“. Das ist die mittlere Wartezeit beim 15-Minutentakt, aber ich bin ob der Dringlichkeit in Renates Stimme so alarmiert, dass ich schnell alles zusammenpacke, eine Trinkflasche fülle, ehe wir gemeinsam im Schweinsgalopp zur Gondel zische.

Schön war’s! Gunnar verspreche ich einen weiteren Besuch und meine es ernst,

Die Tour auf Garmin

Traunstein

Das Wetter erinnert ein bisserl an meine Kindheit, ständig regnet es im Westen. Was soll’s? Wir haben Programm. Donnerkogel und Traunstein sind bei unserem Ausflug an den Mondsee unerledigt geblieben. Wir starten, obwohl der Wetterbericht unbeständig ist.

Am Parkplatz am Ostufer des Traunsees werden wir noch ein bisserl abgezogen. 10 Euro für fünf Stunden und 25 Euro für 24 Stunden. Nach dem Zahlen lese ich das dicht bedruckte Informationsblatt der Gemeinde. Unter der Woche empfiehlt die Gemeinde das kostenlose Parken entlang der Straße. Danke für den Tipp! Hmm, das hätte man auch auf die Rückseite des Tickets drucken können.

Wir starten. Erst geht es in eher unnötigen Kehren den Wald hinauf. Der Ausgangspunkt liegt unter 500m und da es auch am Vortag geregnet hat, ist es dampfig. Das gibt so ein bisserl Tropen-Vibes. Renate zischt los, als gäbe es kein Morgen. Das Seil im Rucksack, mit dem ich Renate im Traunsee Klettersteig zusätzlich sichern will, wirkt auch nicht kühlend. So steigen wir den Hernlersteig nach oben. Schnell ist er steil geworden, sehr steil und ohne Verschnaufpause. Erst bei der Rast mit Dachsteinblick halten wir inne. Endlos Fliegen erfreuen sich meines Kühlmechanismus, der etwas hysterisch arbeitet. Zum Glück versteckt sich die Sonne, ich kühle aus. Ab jetzt geht es in Normalbetrieb weiter – sehr angenehm.

Die Felsschrofen führen steil hinauf. Renate hat sich nicht eingelesen und ist dementsprechend vom langen Zustieg überrascht. Auch, dass es so viele Seile hier gibt, wundert sie. Am Horizont im Westen regnet es heftig. Wir sind noch zweihundert Höhenmeter vom Einstieg entfernt. Zieht das Wetter vorbei? Nein, bald sieht man die Böen über den See laufen und wir haben es eilig ins Regengewand zu kommen. Das nenne ich ein Pech. Immerhin sagt das Regenradar, dass nach diesem Schauer nichts nachkommen soll. Mann oh!

Renate verliert verständlicherweise die Lust auf den mit D qualifizierten Sportklettersteig. Ich hoffe auf die trocknende Wirkung der Sonne, die aber noch nicht so recht durchschauen will. Der Schauer ist vorbei, die Felsschrofen rutschig und wir erreichen die Abzweigung vom Hernlersteig zum Traunsee Klettersteig. Das sind gerade mal 150 Höhenmeter. Der Fels ragt sehr steil auf. Der wird nicht mehr nass sein, aber dazwischen wird es wohl rutschig sein. Renate will den Hernlersteig gehen und bietet an, dass ich den schwierigeren Steig mache. Das passt mir erst nicht so recht. Warum sich da trennen? Nur, damit ich einen Steig gehen kann. Dann meint sie, das der Vorteil darin besteht, dass ich den Steig für unser nächstes Mal dann schon kenne. Okay, das überzeugt. Geschickt ist sie, meine Renate!

Renate fotografiert noch, während ich das erste Stück kraxle. Ja, das ist ein D-Steig. Viel Tritte sind in die Wand geschlagen. Im gesamten Steig muss ich nur an wenigen Stellen auf Reibung setzen. Meist sind Stahlstifte eingeschlagen. Trotzdem hat es der Steig in sich. Oft ist er ausgesetzt, manchmal drängt er ab. Psyche und Armkraft werden gefordert. Der Ausblick ist beeindruckend, manchmal steigt man auf einen Stift, unter dem viel Luft ist, ganz viel Luft.

Nach gut 20 Minuten bin ich bei der Gmundner Hütte. Renate kommt fast zeitgleich an. Der rutschige Aufstieg, das An- und Ausziehen der Regenkleidung all das hat Kraft und Zeit gekostet. Aber wir zischen noch schnell ohne Rucksäcke zum großen Kreuz am Traunstein. Ein paar Fotos werden geschossen, ehe es in der Gmundner Hütte dann etwas zu essen gibt.

Als Optionen für den Abstieg bieten sich der Naturfreundesteig und der Mairalmsteig an. Der Naturfreundesteig soll ein bisserl ausgesetzter sein. Von Klettersteigen haben wir für heute genug, auch wenn die Sonne mittlerweile lacht. Wir wählen die einfachere Variante. Aber auch der Mairalmsteig ist steil und lang. Der Traunstein hat also keinen Zustieg, der MTB-tauglich ist. So steigen wir scheinbar endlos nach unten. Mir quetscht es die mukoide Substanz, die meinen gerissenen Meniskus nicht heilen lassen will, in die benachbarten Regionen meines desolaten linken Knies. Da tröstet auch die Tatsache nicht, dass rechts die Hüfte brav ist. Renate zählt wohl auch schon die Schritte. Nein, sie will gar nicht wissen, wie weit es noch ist.

Knapp oberhalb des Sees haben wir zwei Optionen: durch die zwei Tunnel oder den landschaftlich reizvollen Miesweg. Wir widerstehen dem Reiz nicht, steigen zum See ab, spazieren ein Stück und stehen vor einem Wasserfall, der uns den Weiterweg versperrt. Nasse Schuhe oder wieder aufsteigen? Renates Antwort kommt schnell, an einen erneuten Aufstieg ist nicht zu denken. Oha, da staune ich. Die Füße bleiben dafür bei der Überquerung erstaunlich trocken. Der Miesweg kämpft wohl auch mit den heftigen Niederschlägen in diesem Jahr. Vielleicht wir finden ihn auch einfach nicht. So geht es statt geradewegs zum Auto immer wieder bergauf und dann in die nächste romantische Bucht hinunter. Aber mit Romantik hat der „letzte“ Kilometer nur noch sehr wenig oder eher gar nichts zu tun. So trottet eine von uns beiden schicksalsergeben und in Trance die Schotterstraße entlang. Wanderer, die wir überholt haben oder nach uns bei der Hütte gestartet sind, überholen uns. Der Weg durch die Tunneln war wohl kürzer.

Auch unsere heutige Tour geht irgendwann zu Ende. Wir wechseln an die andere Seeseite, wo man im Hotel Das Traunsee schon auf uns wartet. Der See ist überraschend kalt und die Fische schlafen schon auf der Seite liegend auf der Treppe. Wir stören die Fischlein kurz und fühlen uns ein bisserl erfrischt. Durch den Energieschub und weil es eh schon wurscht ist, gehen wir spät essen und stoßen mit Champagner an. Morgen ist ja ein Erholungstag eingeplant. Den brauchen wir dann auch dringend.

Tadelloser Tag!

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Gebirsgsvereinssteig

An diesem Nachmittag setzen wir eine Trainingseinheit an. So wird’s gemacht. Renate ist ein bisserl aufgekratzt. Ob es nass ist, ob es Regen geben kann, wie es diesmal ist? Aufgekratzt, aber definitiv nicht ängstlich. Man merkt, sie hat nun schon ein paar Touren hinter sich. Und mit der Erfahrung kommt das Bewusstsein für die Herausforderungen. Gut so!

Den Zustieg vom Seiser Toni aus finden wir schnell, auch wenn ich diesmal wie jedes Mal denke, dass wir zu weit sind. Da denke ich mir dann, dass ich mir das jedes Mal denke und es deswegen okay ist, aber wir diesmal wirklich zu weit sind. Alles klar? Passt aber jedes Mal.

Im Einstieg ist es gar noch feucht, aber das meistern wir schon mal. Zu sagen ist, dass sich der Fels in den letzten Jahren hier rasch abgenutzt hat. Das ist schon eine speckige Partie da rauf. Entweder schmiergelt sich der Fels der Hohen Wand extra rasch ab oder es sind hier Massen unterwegs. Heute ist jedenfalls nichts los. Deswegen sind ja wir da.

Auch die weiteren Schwierigkeiten nimmt Renate im „Vorstieg“. Steil ist es, die Hände und Arme braucht man. Eine von uns beiden strengt sich wirklich an. Der andere nicht so. Die Hängebrücke wackelt nach dem Winter auch ein bisserl mehr und gehört mal „nachgestellt“. Machbar ist sie trotzdem leicht. Danach bietet die Wand mit der Hängeleiter feine Fotomotive. Da muss man ein bisserl warten, bis man fotografieren kann. Aber dann wird’s gut.

Der Notausstieg ist erreicht. Der Rastplatz hier lässt vermuten, dass man es geschafft hat, aber man ist noch nicht ganz oben. Da wartet noch ein bisserl Kraxeln inklusive der Querung. Und diese Querung ist heute nass. Die Topo gibt der Querung ein C. Das ist auch berechtigt bei trockenen Verhältnissen, wenn die Schuhe gut auf dem steilen Fels halten. Heute halten sie nicht. Da muss der Fuß ein bisserl gezielter platziert werden. Stellenweise mag man aber keinen Absatz oder Spalt finden und da ist es dann kein C mehr, sondern ein sattes D. Zum Glück ist das Seil trocken.

Die folgende D-Stelle ist auch trocken und damit fast einfach. Der Ausstieg lässt nicht lange auf sich warten. Juchhu, Renate hat den Steig ein zweites Mal geschafft. Sehr fein! Runter geht’s den Wagnersteig.

Die Steinböcke stehen wie gewohnt herum. Zu diesen habe ich am Internet nachgelesen. Eigentlich ist so ein Steinbock erst über 2.000m anzutreffen, aber hier trotzen sie der zunehmenden Hitze. Und wie sind sie daher gekommen? Vor Jahrzehnten sind ein paar Steinböcke aus einem Gehege auf der Hohen Wand ausgebrochen. Mittlerweile ist die Population auf 100 Tiere angewachsen – je nach Angaben ein bisserl mehr oder weniger. Einige, vorrangig die Jäger, sagen, dass es viel zu viele sind. Ein Abschuss kommt in der Öffentlichkeit aber nicht so gut an. Die Ausflügler, die die Wildnis so sehr lieben, solange sie nicht wild ist, würden vermutlich protestieren. Wie auch immer, ich verstehe nun, warum Mio nicht auf die Hohe Wand darf, aber sonst eben keine Gefahr besteht, auf einen Steinbock unterhalb von 2.000m zu treffen. Ach, der Hochschwab ist auch noch eine Ausnahme. Dort wurden die Steinböcke bewusst angesiedelt. Aber das ist eine andere Geschichte.

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