Hohe Veitsch

Meine Planungsplattform, alpenvereinaktiv.com, liefert manchmal Ergebnisse der seltsamen Art. Recht spontan entscheiden wir uns für eine Runde auf die Hohe Veitsch. Den Wetterbericht hat Renate gecheckt und sie meint, dass es besser wird, als erwartet. Okay, da nehme ich nur kurze Sachen und Regengewand mit. Letzteres aus Prinzip, und das ist gut so. Dazu später.

Renates Schulter lässt weiterhin nur ambitionierte Wanderungen zu. So stehen wir beim Gasthof Scheikl und wollen los. Nur dort, wo laut Handy ein Weg oder Steig sein sollte, ist nichts. Mio muss an die Leine, weil da wieder einmal Kühe rumstehen und naturgemäß blöd schauen. Der geplante Track führt gerade nach oben. Da kann man nicht viel falsch machen. So steigen wir steiglos und steil Wiesen hinauf. Und weil niemand steil bergauf über einen Zaun mit Stacheldraht springen will, wechseln wir auf eine Lifttrasse. Jö, die ist schön zu gehen – so steil, so endlos! Schon bald höre ich wie sich in meinem kleinen Team Widerstand aufbaut. Mio ist es zu heiß und an der Leine zu fad. Nicht einmal Renate kann ich von der Sicht aufs Positive überzeugen. Immerhin lenkt einen nichts ab. Es geht einfach steil bergauf. Keine Fauna, keine besondere Flora, kein Blick übers Land, nur die lange Spur nach oben. So viel Fokus hat man selten. Man ist mit sich selbst und der Frage: „Warum der Scheiß?“ ganz allein. Auch lässt sich die Frage leicht beantworten, ob dem Bergsteigen hedonistische Züge innewohnen. Leider ist aber diese Strecke auch bald vorbei. Bei Renate muss sie eine Katharsis ausgelöst haben. Sie erwägt tatsächlich, weiter direkt zum Bergkamm aufzusteigen. Ist das eine Falle oder Unterzuckerung? Oder gar Sarkasmus? Sie erwägt es tatsächlich, aber ich verweigere strikt. Wir wollen ja gemeinsam im Auto heimfahren.

So wählen wir den vorgesehenen Goassteig, weichen dabei Kühen in Muttertierhaltung – wer hat sich übrigens das einfallen lassen? – aus und werden auch einmal ein bisserl vom Regen gewaschen. Von Schauern habe ich nichts gehört. Was soll’s? Wir gelangen aufs Plateau, wo die Wolken allmählich zu Nebel werden. Der Wind und leichter Niesel lassen meine kurzen Hosen und das T-Shirt komisch erscheinen. Mio erfreut sich letzter Schneefelder. Meine Hände haben mittlerweile eine ähnliche Farbe wie diese Felder. In mir formuliert sich eine Regel: „Den Wetterbericht glaubst du nur, wenn du ihn selbst gelesen hast.“. Bald habe ich die Notfallsausrüstung an. Mio und Renate verschwinden im Nebel. Die nächste Steigerung zur Wahrung des thermischen Wohlbefindens wäre es, in den Biwaksack zu schlüpfen, aber damit warte ich noch. Ich hole auf und wir erreichen das Gipfelkreuz. Es wartet ein kurzer Abstieg zum Graf-Meran-Haus, aber der hat es in sich.

Kuhglocken hallen durch den Nebel. Ach, was gehen mir diese Rindsviecher auf die Nerven. Wir weichen in steiles, nasses und entsprechend rutschiges Gelände aus. Plötzlich höre ich einen Schrei, Renate stürzt ab, bringt sich instinktiv in eine tadellose Langsitzhaltung und bremst den freien Fall auch schon wieder nach einem halben Meter. Ob was passiert ist? „Popschi nass!“ und ohne zeitliche Verzögerung „Ich muss mir die Hose umziehen!“. Da wundert sich der Bergfex in mir. Immerhin weht eine steife Brise aus Nordwest und der Nebel kommt recht feucht daher. Aber da steht Renate schon befreit von ihrer Hose. Ob das der richtige Ort für so eine Umziehaktion ist? Immerhin sind es maximal noch 250 Meter zur Hütte und die Kühe, soweit im Nebel erkennbar, schauen noch blöder als sonst. Ich kann mit Mio schon beruhigt vorgehen. Verwundert nehme ich das Angebot an und steige ab. Da höre ich von hinten noch durch den Wind, ob man die Regenhose ganz aufmachen kann. Ja, kann man. Der Nebel hebt sich und ich sehe eine Gruppe Bergsteiger mit Hund aufsteigen. Mann oh, die treiben die Kühe von links zu uns. Nach rechts ausweichen geht nicht, denn da sind Gämsen. Ober mir sehe ich Renate, die mit der Regenhose in Händen aber nicht an den Beinen kämpft. Was mögen nur die aufsteigenden Wanderer denken?

Mio und ich navigieren ruhig aber stark abgelenkt durch diese animalischen Gefahren. Ich drehe mich immer wieder um. Da steht meine Renate noch immer ohne Hosen. Komisch! Wir warten in der Nähe der Hütte. In einer Windpause höre ich etwas. Ruft oder flucht da Renate? Soll ich wieder aufsteigen? Kurz geben die Nebelfetzen einen Blick frei. Ah, tadellos gekleidet macht sie sich langsam an den Abstieg. Mir wird kalt und ich gehe zur Hütte vor. Aber der Wurm ist drin. Mio bekommt es als erster ab. Er streift mit seinem Schwanz den elektrischen Zaun. Er schreit auf und versteht nicht, wie ihm geschieht. Mir geht es ähnlich, als Renate wieder da ist. Halt, nicht ganz so schlimm! Renate prüft und meint, die Hütte hat zu. Schweigend und mit gesenktem Haupt stehen wir hinter Renate. Zweifel an der Aussage getrauen wir uns nicht anzubringen. Wir umrunden die Hütte, drinnen sitzen Leute. Ich gehe vor und probiere es an der Tür. Ist ja eh offen, aber jetzt ist Renate weg. Mann oh, das läuft ganz schlecht. Mio muss nochmal am Zaun vorbei und eine Runde um die Hütte drehen. Er fürchtet sich und ist dabei nicht ganz alleine. Ah, da ist sie ja!

Irgendwie geht es bekanntlich immer weiter und so sitzen wir ein paar Minuten später bei einer dürftigen Speisekarte im Gastraum. Aber die kalorische Versorgung zeigt Wirkung. Wetter und Stimmung hellen auf. Kulinarisch war es die Hütte nicht wert, aber zumindest mit Kalorien im Bauch und aufgewärmt starten wir den Abstieg. Irgendwer muss meine Trinkflasche nicht richtig zugeschraubt haben. Der Rucksack ist voll Wasser, das langsam, sehr langsam heraustropft. So habe ich während dem Abstieg einen konstant nassen Hintern. Ausgleichende Gerechtigkeit? Man weiß es nicht. Ach ja, wir weichen Kühen in Muttertierhaltung – langsam krieg‘ ich einen Grant – aus und landen auf einer Lifttrasse. Bergab sind diese übrigens auch nicht viel besser als bergauf.

Alles in allem eine kurzweilige Tour, wie man sie nicht unbedingt wiederholen muss. Trotzdem aber auch nicht wirklich übel. Eine Sitzheizung ist übrigens mitunter eine wahrlich feine Sonderausstattung!

Die Tour auf Garmin

Blarergraben – Windberg – Lohmgraben

Wir brauchen eine Wanderung ohne Hände, sagt Renates Schulter. Das ist gut so, denn da kann Mio mit. Und Gernot ist auch dabei. Es geht nach Altenberg und von dort den Blarergraben hinauf. Aber schon bald zeigt sich, dass das für einen hier anstrengend werden wird. Der arme Mio kann nicht schwitzen. Das können und tun wir, aber er kann nur hecheln. Bald legt er sich im Wald nieder. Uje, wir haben noch nicht einmal ein Drittel.

Beim Aufstieg durch den Blarergraben bewundern Gernot und ich uns gegenseitig. Dass man hier mit Skiern abfahren kann. Auch Renate entfleucht gelegentlich ein der Höflichkeit geschuldetes: „Nein, wirklich!“.

Mio macht uns Sorgen. Gernot ringt mit seiner Contenance, habe ich doch Mios Trinkflasche vergessen. Schnell ist ein Blatt gefaltet und Mio schlempert fröhlich einen halben Liter weg. Vor dem Ausstieg aufs Plateau wartet dann noch Schnee. Den Hund haben wir oben, das ist fix.

Wir wandern über die Hochfläche Richtung Windberg. Mio lockt die Kühe an, was wiederum Gernot verjagt. Es ist gar nicht so leicht, die Herde beisammenzuhalten. Am Gipfel des Windbergs warten schon andere zehn bis fünfzehn Rindviecher. Da ist heute was los. Eigentlich sind Zwei- und Vierbeiner recht gelassen. Aber Mio traut sich nicht vorbei und fängt zu bellen an. Jetzt kommt Bewegung in die Szene. Renate steht beim Gipfelkreuz, ich schreie die Rinder an, um einen Korridor für Mio zu schaffen. Nur, so richtig gut ist die Idee nicht. So wird das nichts. Die Kühe springen prompt auf, aber starten Richtung Mio, der sich in die Felsen verdrückt. Gernot macht sich auf den Weg, um Mio weit umzuleiten, aber der bellt weiter und will es wissen. Er versucht, die Rinder in die Felsen zu locken, vielleicht um sie von uns abzulenken. Schlauer Kerl. Die Situation deeskaliert letztlich durch Gernots Rufe aus sicherer Entfernung, Mio stürmt in großem Bogen in Sicherheit, ich folge hüftbedingt deutlich langsamer quer durch die Herde, die Kühe kennen sich gar nicht mehr aus und Renate steht weiterhin am Gipfel. So weit der Überblick.

Irgendwann ist das Katz-und-Maus-Spiel mit Rind und Hund allen fad. Aber Mio entdeckt neue tierische Herausforderungen. Die Murmelpfiffe erwecken seine Aufmerksamkeit. Murmel sind auch eher seine Gewichtsklasse und so stürmt er ihnen nach. Er folgt ihnen gar ihn ihre Höhle. Aber so schnell wie er rein ist, hüpft er wieder raus – und hinkt. Uh, da hat ihn wohl jemand in die Pfote gezwickt. Was für ein Tag, läuft nicht! Also, der Hund schon bald wieder.

Der Pausenbedarf steigt bei allen an, und wir zur Michelbauerhütte ab. Es wartet wirklich gutes Hüttenessen. Nach Kuchen und Kaffee geht es noch einmal an der angriffslustigen Kuhherde vorbei Richtung Lohmgraben. Der Abstieg führt an mumifizierten Gamsteilen vorbei. Mio erkennt darin seine geliebte Rinderkopfhaut, darf aber nicht an die gut abgelegte Gams ran. Vielleicht ist das der Grund, dass er irgendwann nicht mehr weiter will. Er sagt ja nichts! Hat er genug vom Bergsteigen? Tun die Pfoten weh? Ist es zu heiß? Trotzt er wegen der versagten Gams? Man weiß es nichts. Mit den letzten Leckerlis schaffen wir es noch zum Auto. Dort werden die Pfoten gut gekühlt, ehe den armen Hund der Tiefschlaf im Auto übermannt. Oha!

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Gebirgsvereinssteig

Heute ist der Gebirgsvereinssteig dran. Ich probiere die Steige lieber noch einmal aus, ehe ich Renate mitnehme. Beim Seiser Toni vergesse ich erst das Handy im Auto, dann schicke ich zwei Wanderinnen als vermeintlich Ortskundiger in die falsche Richtung. Kurz, es läuft noch nicht so recht.

Den Zustieg zum Steig finde ich aber schnell und auch der Steig ist keine sonderliche Überraschung. Alles wie hier schon mal notiert. Einzig der Fels ist ein bisserl abgeschliffener seit meinem letzten Besuch. Dieses Schicksal teilen wohl alle oft begangenen Steige. Es ist trocken und so bleibt das nur eine Notiz hier.

Kurzer Auslauf, alles tadellos!

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Haidsteig

Renate bringt mich mit Mio zum Parkplatz Griesleiten, von wo aus ich meinen Auslauf antrete. Selbst fährt sie mit Mio zur Rax-Seilbahn. Mio wundert sich, aber sagt wie gewöhnlich nichts. Der Plan ist, dass wir uns am Plateau treffen werden.

Zum Haidsteig gibt es nichts besonderes zu berichten. Es ist doch alles schon gesagt. Keine Leute, keine Vorkommnisse. Ich verweile kurz bei der Schwarzen Madonna, ehe ich in einer vernünftigen Zeit das Plateau erreiche. Dort bin ich dann so beschäftigt, bei all den Funklöchern Kontakt zu Renate aufzunehmen, dass ich fast auf dieses zischende Ding gestiegen wäre. Na, zum Glück habe ich das Handy gerade in der Hand. So gelingt mir die Aufnahme dieser schönen Kreuzotter.

Es dauert nicht lange, dann sehe ich schon meine beiden Lieben entgegenkommen. Für Mio muss die Welt voller Zufälle sein. Er freut sich jedenfalls. Wir spazieren zur Bergstation zurück. Renate beschließt fix, dass sie das nächste Mal mitgehen möchte. Na zack, schauen ma a mal!

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ÖTK-Steig, Blutspur, Matthias-Prinner-Steig

Dreierlei auf der Hohen Wand steht an. Ein neuer Steig erwartet mich gar. Schauen ma a mal!

Der ÖTK-Steig ist mir als nicht so wild in Erinnerung wie ich ihn meinen eigenen Beschreibungen entnehme. Aber ich verlasse mich mehr auf meine Aufzeichnungen als auf meine Erinnerungen. Das erscheint mir sinnvoll. Auch das Internet meint mittlerweile Schwierigkeit D/E. Am Einstieg habe ich entsprechend Respekt. Doch die Einstiegstelle und damit die Schlüsselstelle machen keine Not. Recht geschickt gelingt mir der kurze, „überhängende“ Abschnitt. Also, Abschnitt ist zu viel. Ein Felsen drängt ab. Aber älter und umsichtiger mache ich einen Schritt nach links und das war es auch schon mit der wilden Stelle. Der Rest geht auch gut. In einer Dreiviertelstunde bin ich oben. Die Sonne lacht.

Also, runter zum Einstieg der Blutspur. Vier Minuten soll sie nur dauern, habe ich meinen Aufzeichnungen entnommen. Das wird also auch bald vorbei sein. Und so ist es. Nach einer Viertelstunde bin ich wieder oben. Da waren Pause und der Abstieg wohl länger.

Runter geht es nun die Völlerin bergab zum „neuen“ Steig. Etwas unscheinbar im Wald versteckt entdecke ich den Einstieg des Matthias-Prinner-Steigs, da sich hier zwei Kletterer vorbereiten. Man lässt mich vor, obschon ich ein bisserl müde bin. Ist doch nett. Ein bisserl schräg geht’s los und schon hänge ich an der Stahlstrickleiter. Zwei „Action“-Elemente kündigt die Beschreibung an. Eigentlich mag ich diese künstliche Dramatik nicht. Wozu? Aber das habe ich schon mal hier diskutiert. So hangle ich mich auf diesem wackeligen Teil nach oben. Fast senkrecht geht es da. Ein Seil, um sich zu sichern, gibt es nicht. So muss, wer gesichert sein will, sich in die Sprossen einhängen. Geht ja. Nach der Leiter geht es ebenso steil weiter. Diesmal hat jemand freundlich jede Menge Stahl in den Fels getrieben. Ein Seil ist auch da. Und so steigt man doch recht künstlich den Fels hinauf. C/D finde ich ein bisserl tief gegriffen, hat man doch einigen Zug auf den Armen.

Nach ein bisserl Gehgelände die zweite Action. Drei Seile führen straff über den Abgrund gespannt leicht nach oben. Auf das unterste Seil gehören wohl die Füße und die beiden oberen Seile sind zum Anhalten und Sichern. Das untere Seil ist um einen halben Meter versetzt. Vor mir sehe ich jemand, der „quer“ steht. Das heißt, er hat so eine recht aufrechte Stützposition eingenommen und geigelt im Seitschritt nach oben. Uh, das sieht mühsam aus. Zumindest wirkt es kein bisschen entspannt. Was soll’s? Die Seile sind frei, und ich bin zu müde für den Mist. Wer den Seiltänzer in mir sehen will, wird ihn gleich sehen. Statt quer setze ich frontal meinen schlanken Fuß aufs Seil. Weil mir eine fünf Meter lange Stange für die Balance fehlt, halte ich mich halt an und marschiere mit starrem Blick los. Einen Sicherungskarabiner habe ich ins untere Seil eingehängt, den anderen ins obere. Das erschien mir sinnvoll. Immerhin habe ich zwei Gummibremser an einem Seil montiert gesehen. Die werden wohl für etwas gut sein. Vermutlich sollen sie die rasante Fahrt im Falle eines Sturzes abbremsen. Im Aufstieg muss man dafür bei ihnen angelangt umhängen, weil sie ja zu groß für die Karabiner sind. Das ist dann kurz ein bisserl spannend. Aber ich halte mich tapfer und erreiche die gegenüberliegende Seite sicher. Der Rest ist wieder einfaches Klettersteiggelände. Noch recht viel Erde und ein paar lockere Steine liegen herum. Der Steig ist ja noch jung.

Runter geht es dann Richtung Frauenluckensteig. Auch diesmal gelange ich in den Saufluchtgraben, erkenne meinen Fehler früh und verliere nur ganz wenig Höhenmeter. Die Frauenlucke hat zu meiner Überraschung, und das obwohl ich sie schon öfters gegangen bin, eine recht lange senkrechte Leiter. Und dann bin ich auch schon wieder beim Einstieg des Matthias-Prinner-Steigs. Noch ein paar Minuten und ich bin wieder im Auto.

Ein kurzer, aber feiner Spaß. Eine Blase an der rechten Hand ist aufgegangen. Es muss also doch mehr an den Steigen sein, als mir in Erinnerung bleiben wird. Fein war’s!

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Nandlgrat mit Mio

Der Sonntag wird strahlendblau – mit Ausnahme Schneeberg. Aber dort hat die Fischerhütte offen. Zu Mittag sind wir in Losenheim. Mio muss auch mit. Die Tierärztin hat gesagt, dass er übergewichtig ist. Das ist nicht der einzige Grund, warum Mio die Tierärztin nicht mag. Aber das ist eine andere Geschichte. Für Mios Figur gibt es also Bewegung und Ende Mai einen Termin beim Tierfriseur. Den trimmen wir schon hin.

Am Wochenende ist die Bürklehütte besetzt. Das heißt, ein Mitglied der Bergrettung ist in Begleitung von ein paar Leuten am Stützpunkt. Aber viel ist nicht los, wenn man von uns absieht.

Wir nehmen uns den Nandlgrat vor und freuen uns schon aufs Essen auf der Fischerhütte. Aber bald sticht Renates Knie kurz aber heftig. Kommt vor, komm wir gehen weiter. Mio plagt sich auch ein bisserl beim Verbrennen seiner unnütz gespeicherten Kalorien. Wir haben schon mehr als die Hälfte der Höhenmeter, als sich das Knie ein weiteres Mal mit einem heftigen Stich meldet. Was sind die Optionen?

– Aufstieg zur Fischerhütte und Abtransport zur Zahnradbahn.
– Dem gelangweilten Bergretter Kurzweil bescheren.
– Abstieg zum Auto
– Abstieg zur Edelweißhütte und Sessellift

Wir wählen die letzte Variante und machen davor noch eine kurze Fotopause. Und da kommt auch schon die spannende Frage: „Was machen wir bei der Edelweißhütte mit Mio?“. Okay, ich kann mit ihm unter dem Lift runter hetzen. Schauen ma a mal! Der Liftwart meint dann, dass Mio schon ruhig sitzen bleiben wird. Ich habe für Mio ein Brustgeschirr mit. Falls er doch hysterisch wird, hängt er wenigstens nicht mit einer Schlinge um den Hals am Sessellift. Doch es kommt alles ganz anders. Kaum sitzen wir am Sessel, legt sich Mio hin und macht keinen Mucks mehr. Den Kopf auf mein Knie gelegt staunt er fassungslos. Was das wieder für ein neuer Blödsinn ist? Irgendwie gefällt es ihm. Mal verhöhnt er Wanderer, die unter ihm zu Fuß absteigen müssen. Erst 30 Meter vor der Talstation wird er nervös. Es sieht ja so aus, als würden wir kerzengerade da unten in das Gebäude rauschen. Natürlich kommt es anders und Mio springt unter bewundernden Blicken vom Sessel. Ja, Mio kann jetzt Sessellift.

Wir belohnen uns beim Forellenhof mit wunderbarer Forelle und hoffen, dass sich das Knie so schnell wieder beruhigt, wie es sich aufgeregt hat.

Das Tourfragment auf garmin.com

Wildfährte und Bärenlochsteig

Das Wetter ziert sich anständig in diesem Jahr! Wieder will es nicht so recht. Die Schönwetterfenster sind klein und schließen sich immer wieder. So stehen wir alleine in Hinternasswald. Trocken soll es bleiben, sechs bis acht Stunden lange soll die Sonne scheinen. Wir decken uns noch mit Regenschutz bei Mammut in der SCS ein und haben warme Sachen mit. Los geht’s!

Klettersteigset und Helm brauchen wir nicht – so Renate. Mir soll es recht sein. Bei der Talstation der Materialseilbahn wartet der Koch des Habsburghauses. Offen ist die Hütte noch nicht. Wir müssen uns bis zum 23.5. gedulden. Na, das glaube ich nicht. Wer öffnet an einem Dienstag? Aber Renates Anfrage, ob sie im Transportkorb mitfahren darf, gefällt dem Herrn. Der Koch weiß auch, dass im Steig nur ein Schneefeld liegt. Ja, ob er das denn vom Korb aus gesehen hat. Nein, von der Hütte sieht man das. Ah ja, das glaube ich auch nicht. So wandern wir weiter, wie es gedacht war.

Renate meistert den Zustieg und die Wildfährte bravourös. Da gibt es nicht viel zu berichten. Bei der Grasbodenalm habe ich auf Sitzgelegenheit und Tisch gehofft, aber die Hütten sind noch nicht aus dem Winterschlaf erwacht. So sitzen wir ohne Tisch und verspeisen unsere Jausen. Kalt wird es allmählich. Keine Sonne! Wenn die noch 8 Stunden scheinen will, darf sie erst gegen 23 Uhr untergehen. So brechen wir auf und haben längst alles angezogen, was wir mithaben. Ich hatte auf intensive Sonne gehofft. Nix da, vielleicht nächstes Mal.

Der Abstieg über den Bärenlochsteig geht gut. Oben liegt noch so viel Schnee, dass wir die eine kleine, gar nicht ausgesetzte und doch dämliche Stelle gar nicht mitbekommen. Im Klettersteig selbst gibt es auch kein Problem. Renate empfiehlt sich als Begleiterin. Die Wildfährte im Abstieg erfordert Konzentration. Alles tadellos, wäre da nicht das Geröllfeld. Eigentlich bieten Geröllfelder eine entspannte und gelenkschonende Möglichkeit, Höhe zu verlieren. Aber was macht denn Renate da? Mit ausgestreckten Beinen rammt sie die Fersen ins Geröll. Das klappt ebenso wenig, wie es seltsam aussieht. Ah, das Missverständnis ist schnell aufgeklärt. Sie wendet dieselbe Technik wie im Karlgraben bei Schnee an. Nein, das geht offensichtlich nicht und ist schnell korrigiert. Wieder etwas dazu gelernt.

Müde, aber doch kommen wir nach sechs Stunden am noch immer leeren Parkplatz an. Die Sonne scheint endlich, aber jetzt hat der Tag nur noch sechs Stunden. Das mit dem Wetterbericht wird eng werden.

Fein war’s!

Wildfährte bis Grasbodenalm auf garmin
Bärlochsteig im Abstieg auf garmin


Haidsteig und Königschusswandsteig

Heute bin ich alleine unterwegs. Keine Renate, kein Mio und auch sonst niemand. Einen Menschen treffe ich, ein paar sehe ich in der Ferne. So starte ich meine vertraute Route. Los geht’s beim Griesleitenhof auf der Forststraße, diese verlässt man in der ersten Kehre, steigt durch den Wald, quert die Forststraße zweimal, ehe man am Ende des dritten Abschnitts noch einmal auf diese Forststraße trifft. Ich kenne mittlerweile einige der Bäume, die da rumstehen, auch ein paar Steine sind mir über die Jahre vertraut geworden. Die Wurzeln an markanten Stellen habe ich mir eingeprägt. Für die Menschheit eher unnützes Wissen!

So geht es weiter bis zum Bachinger Bründl und weiter zum Einstieg des Haidsteigs. Irgendein Schweindl mit Schnupfen muss am Wochenende unterwegs gewesen sein, denn verdächtig viele benützte Taschentücher liegen verteilt. Auch die Bananenschale ist noch frisch und stammt wohl auch vom Wochenende. Taschentuch und Banane verrotten, aber es dauert halt. Man sieht, ich mache mir Gedanken.

Beim Einstieg freue ich mich, dass ich wieder in passablem Tempo unterwegs bin. Müdigkeit? Nein, ich merke nichts. Sehr gut. Also, hinauf und weiter bis zur ersten Rast, der Schwarzen Madonna. Auch wenn ich teile, gehört mir das Packerl Mannerschnitten ganz alleine. Damit mich Ulli auch sicher erkennt, verlinke ich das Ingress-Portal. Habe ich da ein: „Das ist jetzt aber nicht wahr!?“ gehört?

Unspektakulär geht es den zweiten, leichteren Teil aufs Plateau und zum Preinerwandkreuz. Von dort runter über den Holzknechtsteig, der mich wieder überrascht. Jedes Mal denke ich mir, dass mich hier nichts mehr überraschen kann. Der ändert wirklich sooft sein Gesicht, dass ich überlege eine Timelapse-Kamera hier aufzustellen. Entsprechend schwierig ist es, die Querung zum Einstieg des Königschusswandsteigs zu finden. Mittelprächtig gelingt das heute, war schon schlechter, war schon komfortabler.

Ich bin noch immer nicht müde. Also, rein ins Vergnügen. Der Königschusswandsteig ist schon um eine echte Stufe schwerer als der Haidsteig. Während ich am Haidsteig, das Stahlseil über weite Strecken nicht nutze bzw. nur zur Sicherung verwende, hänge ich hier recht heftig im Stahlseil. Im Felsfenster mache ich wieder ein Figur, die mir eine negative Wertung für die Eleganz der Ausführung bei den Juroren einbringen müsste. Ich nehme mir vor, beim nächsten Mal hier langsam und konzentriert zu klettern. Das muss mit kleinen Schritten und mit deutlich mehr Leichtigkeit gehen.

Vom Felsfenster ist es dann nicht mehr weit aufs Plateau. Weiter geht es runter über den Holzknechtsteig wieder zum Einstieg des Haidsteigs. Zumindest in der letzten Stunde hat er sich kaum verändert. Mühsam ist er meist, auch heute. Beim Bachinger Bründl noch eine kleine Rast und dann zum Auto. Oh ha, ich verspüre Lust zu laufen. Geht doch!

Garmin meint, dass ich mich heute übernommen habe. Aber so fühle ich mich gar nicht. 45 Minuten vom Parkplatz zum Einstieg, 43 Minuten für den Haidsteig und 30 Minuten für den Königschusswandsteig sind recht fein. War ja nicht einmal im Wettkampffieber. Egal, es geht bergauf und das ist gut so!

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Teufelsbadstubensteig

Heute ist der Teufelsbadstubensteig dran. „Das Klettersteigset brauchen wir nicht, den Helm schon.“, so Renate. Mir soll es recht sein. Dafür nehme ich den Fotoapparat mit. Am späten Vormittag des Feiertags ist am Parkplatz vom Weichtalhaus schon einiges los. Aufgeregt eilt man zu Übungsfels oder schultert endlos Kletterseil und entsprechende Utensilien. Friends, Exen,.. alles klimpert aufgeregt. Aber auch Wanderer machen sich auf den Weg.

Schönbrunnerstiege und Höllental sind dann schon ruhiger. Bald sind wir am Ende des großen Höllentals und damit am Einstieg des Teufelsbadstubensteigs. Bei uns beiden ist es sicherlich schon zwanzig Jahre oder länger her, seit wir das letzte Mal hier waren. Der Steig macht uns keine sonderliche Mühe. Ich steige mit der Kamera locker baumelnd vor. Renate macht das Motiv. Entsprechend viele Fotos gibt es, vorrangig von Renate.

Wir sind vergnügt und nehmen die Sache nicht so ernst. Wir spielen Musik vom Handy und lachen viel. Schnell sind wir unterwegs. Oder sagen wir besser: nicht so langsam wie die Wochenendbesteiger, von denen reichlich unterwegs sind. Und so nehmen wir noch das gefürchtete Geröllfeld am Schluss des Steiges. Ein Seil ist gespannt und entschärft die aktuell ohnedies unspektakuläre Querung zusätzlich. Alles gut, alles easy. Wir sind bereit für die nächste Stufe!

Runter geht’s über den Wachthüttelkamm und der ist landschaftlich fein, aber sonst eher zach. Leitern über Leitern geht es scheinbar endlos bergab. Aber irgendwann ist Schluss und feines Essen mit Forelle wartet im Weichtalhaus.

Diesmal bei harmlosen Bedingungen und ebenfalls edel. Alles passt!

Bergsteigen: Gretchensteig

Wetter und freie Tage in Einklang zu bringen, erfordert Geduld. Aber die habe ich nicht. Aus welchem Grund auch immer will ich mit Renate heute auch auf einen Berg. Vielleicht rede ich mir auch ein, dass ich das schulde, weil ich ja am Vortag mit Gernot hier heroben war. An einem Tag, an dem sie arbeiten musste. Außerdem ist es vielleicht die letzte Chance, Renates neue Grödel und Gamaschen vor dem Sommer auszuprobieren. Wie auch immer, so stehen wir um halbzwölf am Preiner Gscheid und es schneit.

Was tun? Das Looshaus hat noch zu, der Knappenwirt auch. Oben sieht man Schneefahnen vom Plateau weit ins Lee ragen. Renate legt ein Veto ein. Was denn das bei diesen Bedingungen soll? Recht hat sie. Aber bei mir setzt es wieder einmal aus. Der Wetterbericht besteht auf Besserung, das Gelände sollte ich ausreichend gut kennen und die Tour ist auch ein bisserl kürzer als gestern. Lass‘ uns doch schauen, wie weit wir kommen. All das sind die Zutaten für einen Ausflug, der weitere gemeinsame Unternehmungen mit mir für immer vermiesen kann. So sitzen wir noch ein bisserl im Auto und schauen Mio zu, der draußen im Schnee die Welt nicht ganz packt.

Am Preiner Gscheid bläst der Wind und es ist ordentlich kalt. Das ist mir nichts Neues. Der Wind ist nach 100 Metern sicher weg. Nur heute nicht. Sachen gibt’s! So steigen wir im unverspurten Schnee Richtung Reißthalerhütte. Renate ist es sichtlich ein bisserl frisch. Also sichtlich heißt, dass ich das jetzt auf den Fotos sehe. Am Berg war ich im leichten Wahn. In eben diesem Wahn packe ich Renates Grödel und Gamaschen aus. Wir schnaufen den Rücken Richtung Gretchensteig hinauf. Zach ist es – no doubt! Kalt ist es, aber auch die Sonne lacht. Ebenso lacht Renate. Das nehme ich als Aufforderung für Weitergehen. Dann geht es durch die Latschen in immer tieferem Schnee. Der Puls steigt schneller als wir. Der Wind kann es auch. Wild schaut das aus.

Der Steig an sich ist ja nicht sonderlich lange und auch nicht technisch schwer. Nur bei den heutigen Bedingungen ist es ein bisserl spannend. Mio hat gut Schnee und Reif angelegt. Er versteht auch nicht, warum er da rauf muss. Wieder ziehe ich ihm die Schlinge um den Hals und diesmal schiebt Renate. Da ich kein Murren von hinten vernehme, steige ich weiter. Drehe ich mich um, sehe ich ein Lächeln und in den Windpausen höre ich ein „Muss gehen!“ als Antwort auf mein „Geht’s noch?“. Die Böen pfeifen den Steig hinauf, dass es eine Freude ist. Die Seile sind teils tief unter dem Schnee. Renate und ich funktionieren eingespielt, als hätten wir die letzten Jahre nichts anderes gemacht. Mit Ziehen und Schubsen kommt Mio den Berg rauf. Dicke Schneeknollen hat er am Fell. Ui, hoffentlich gibt der Hund nicht auf.

Dann ist der Steig erledigt. Das Plateau wartet. Erst habe ich Sorge, dass es Mio davon bläst, aber der hat wieder Energien und findet den Sturm da heroben lustig. Er hüpft und jagt herum. Wind oder Sturm haben Renate bei den Wetterprognosen auch immer alarmiert und jetzt steht sie da, Wind und Eiskristalle beißen im Gesicht. Und was höre ich: „Muss gehen!“. So stolpern wir in den Winterraum am Karl-Ludwig-Haus. Die Erholung tut gut.

Die Kette vom Karl-Ludwig-Haus führt heute durch Pulverschnee Richtung Karlgraben. Wann immer ich mich umdrehe, sehe ich Renate lachen. Aber hallo! Jetzt kommt noch der Karlgraben. Der ist unverspurt und recht tief. Renate fragt, ob das mein Ernst ist hier. Ist es, der direkte Abstieg durch den Graben geht doch schön entspannt. Mio hat heute keinen Übermut. Er bricht bis zum Bauch ein und will vermutlich schon gerne unten sein. Renate erkennt auch nicht ganz die Leichtigkeit, aber macht weiter gute Miene zu diesem Spiel. Blöd, dass ich meine Gamaschen vergessen habe. Aber irgendwie soll ich ja auch die Bedingungen spüren. Und das tue ich fast bei jedem Schritt, wenn der Schnee unter die Hose an die nackte Haut kommt.

Am Ende des Karlgrabens sagt Renate dann zu meiner völligen Überraschung, dass es ihr trotz der teils üblen Bedingungen auch irgendwie gefallen hat. Was staune ich!

Am Waxriegelhaus wird ordentlich gegessen. Auf der alten Schipiste geht dann ein Ausflug auf die Rax zu Ende, der sich sicherlich ganz tief in unsere Erinnerung eingebrannt hat.

Danke, Renate!

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