Lydia hat bei Ahead Health zu arbeiten begonnen. Ich will die Chancen nutzen, um mich persönlich vom Angebot der Firma in Kenntnis zu setzen. Am Montag soll ich in die Röhre, davor gibt es Wochenendprogramm beim Tochterherz. Wir treffen uns Freitag und lassen die Woche am Abend bei Frisk Fisk ausklingen. Ein Norweger serviert in Zürich und trotzdem schrecken mich die Preise nicht sehr. Dank sei der Inflation in Österreich, denn durch sie wird es in Österreich im Vergleich zur Schweiz teurer und der Preisschock damit geringer. Wilde Welt!
Am Samstag treffen wir Thomas und seinen TomBot von TomFit. Seine Maschine steht in neuer Version da und ist wahrlich eine deutliche Verbesserung. So stimulieren wir unsere Muskulatur in kurzer Zeit. Wer brav andrückt, bringt Blumen am Bildschirm zum Blühen. Jede Blume steht für einen Tag mehr Vitallebenszeit. Menschen mögen das, wir füllen unsere Vasen mit Sträußen. Danach füllen wir noch die Mägen mit den notwendigen Speisen in einem Lokal hinter der Oper. Thomas und Lydia diskutieren die Auswirkungen der AI auf die Arbeitsprozesse. Ich staune nur so und spüre die Auswirkungen der Tatsache, dass mein Retirement vor 10 Jahren wahrlich early war. Ich hatte schon damals Gewissheit, dass durch meinen Ausstieg aus der Berufswelt Entwicklungen an mir vorbeiziehen werden. Diese Entwicklung zieht aber nicht vorbei, sie fetzt vorbei. Schauen wir, was da kommen mag!
Nach dem Lunch absolvieren Lydia und ich am frühen Abend noch ihre Hausrunde am Rennrad. Dazu hat sie für mich ein Rennrad ausgeliehen – edles Teil. Es geht auf die Albispasshöhe. Ein kleines Stück südlich von Zürich beginnt die Schweizer Heidi-Welt – nice! Ich lege mich ins Bett im 25hours Hotel, voller Eindrücke kehrt rasch Ruhe ein.
Der Sonntag bringt nochmals eine Radtour. Mit Lydia und Nico geht es um den Zürichsee. Ich habe für die harmlose, flache aber lange Route gestimmt, da ich meine Blutwerte am Montag nicht irgendwohin schießen möchte. Rund 70 Kilometer sind geplant. Das wird meine längste Strecke seit Jahrzehnten. Der PSA-Wert wird am Montag in Höhen sein. 😉
Die Tour ist lange, aber geht zum Glück nicht an die Substanz. Einmal kehren wir in ein Café ein, wo ich reichlich Kohlenhydrate nachfüllen kann und ein andermal pausieren wir am See zehn Kilometer vor dem Ende, um ordentlich zu lunchen.
Nur mit der Ankunft in Zürich ist der Tag noch nicht zu Ende. Von Lydias Wohnung geht es in der Limmat zum Bahnhof. Dazu bekomme ich eine Leihbadehose gestellt. Der Rest wird wasserdicht in Lydias Schwimmbeutel verstaut. Schweizerischer geht es wirklich nicht. Korrekt wäre es, vom Steg in die Limmat zu springen, aber dabei würde ich meine Kontaktlinsen riskieren. So wählen wir vati-gerecht die Leiter. Kaum sind wir im Wasser beginnt es zu tröpfeln, Wind kommt auf. Es entwickelt sich rasch ein Wolkenbruch mit Sturmböen. Das hat was! So treibe ich im Wasser und erinnere ich mich an heftige Windsurfbedingungen vor Jahrzehnten. Noch gut amüsiert über die wilden Bedingungen, spüre ich einen Stich am Kopf – plonk! Okay, keine Matte mehr wie vor Jahrzehnten auf der Schädeldecke, die eine schützende Wirkung entwickeln könnte – oha! Weiter geht es – plonk … plonk, plonk! Aua! Man sieht es nun am Wasser gut, wir sind Hagel ausgesetzt. Windböen haben ein aufblasbareres Kissen losgerissen, das mir Lydia als Schutz anbietet. Gute Idee, aber schwierig in der Umsetzung, denn, wenn ich mir das über den Kopf halte, gehe ich unter. Das Kind will mich umbringen! Aber so ist es nicht, eine Erinnerung fürs Leben bildet sich aus, und das ist gut so! Wieder aus dem Wasser zeigen sich meine Leichenfinger – all diese Eindrücke sind offensichtlich eine intensive Abwechslung von meinem sonstigen Tagesablauf. Zurück geht’s in den nassen Sachen Richtung Hotel – man gewährt mir eine kurze Verschnaufpause.
Nico lädt am Abend zu sich ein, wo er herrlichen Flammkuchen anbietet. Dabei erzählt er, dass er sich mit zwei Kollegen zum Chasing Cancellara Ende Juni angemeldet hat. Das ist ein Radrennen mit Start um zwei Uhr morgens in Zürich. Bis 17 Uhr muss man Andermatt erreicht haben. Ein Tag mit 200 Kilometer und 4.700 Höhenmeter sind zu bewältigen. Jeder aus dem Dreier-Team muss zeitgerecht durchs Ziel. Fein, ein bisserl Peer-Pressure. Okay, da bin ich nicht dabei. Obwohl, ich war eh nicht eingeladen. Da darf sich die Jugend messen.
Am Montag dann die Untersuchung. Lydia begleitet mich in die Klinik Hirslanden. Vorzüglich werde ich empfangen. Die Untersuchungen sind kein bisserl anstrengend. Beim MRT döse ich gar ein. Die Ergebnisse kommen eine Woche nach der Untersuchung. Das geht alles so friktionsfrei, dass ich sogar auf den früheren Flug umbuchen kann.
Intensive Wochenende mit medizinischem Auftrag – passt!
Am 8. Jänner 2025 habe ich unseren neuen Smart Trainer von Garmin, das Tacx NEO Bike Plus ausprobiert. Am 30. November 2025 habe ich meine Mallorca-Rundfahrt darauf beendet. 107 mal war ich am Tacxi unterwegs. Bei einem Anschaffungspreis von über 3.500 Euro kostet jedes Training noch immer über 30 Euro. Gar nicht wenig Geld. Aber es macht Spaß, denn sonst wäre ich nicht im Schnitt jeden dritten Tag aufs Rad gestiegen.
Garmin hat Tacx übernommen und damit auch die Tacx-App. Das Zusammenspiel zwischen der Garmin Connect App und der Tacx-App ist noch ein klein wenig hölzern.
Die Tacx-App bietet die Möglichkeit, dass man abgefilmte Strecken weltweit nachfahren kann. Da spürt man nicht nur die Steigungen und Abfahrten sondern sieht auch andere Radfahrer, Spaziergänger, Autos etc.. Anfangs habe ich mich noch automatisch in die Kurve gelegt, aber das bringt halt nichts. Man kann den gefilmten Menschen winken, aber sie winken nicht zurück. Warum ich das gemacht habe? Weil der Sauerstoff in den Beinen war und wenig fürs Hirn übrig war.
Anfangs bin ich diese Filme abgefahren und habe nach Leistungsdiagnostik trainiert. Bei der Leistungsdiagnostik wurden meine optimalen Trainingsbereiche wissenschaftlich präzise ermittelt und ein Plan erstellt. Über den Sommer habe ich das Filme-Abo gekündigt und bin nur nach Wissenschaft geradelt. Verbesserungen habe ich damit nicht erzielt. Erst, seit ich seit Oktober wieder Filme fahre, geht es bergauf.
So bin ich unter anderem eine teils selbst zusammengestellte Dolomitenrunde mit über 5 000 Höhenmetern auf 160 km Distanz in fünf Etappen geradelt. Die Mallorca-Runde brachte über 5 300 Höhenmeter bei 300 km in 8 Etappen. Was immer der Grund ist, diese Touren machen mich fitter und sie machen Spaß.
Die Filme drehen unterschiedliche Radfahrer. Auf Mallorca und in den Dolomiten waren es wohl sehr, sehr fitte Fahrer. Virtuell wurden in den Filmen vor allem auf Mallorca endlos andere Radfahrer überholt. Selbst bieten die Filme auf Mallorca nur zwei oder drei schneller Radfahrer. Das sieht jeder so, der die Route fährt. Warum? Ja, weil es demjenigen, der den Film gedreht hat, so ergangen ist. Dieses Material ist im Kasten und lässt sich nicht mehr ändern. Einzig die Geschwindigkeit, mit der der Film abgespielt wird, lässt sich ändern. Und die Geschwindigkeit wird genau in Relation zu der Geschwindigkeit abgespielt, mit der der Film gedreht wurde. Das hat lustige Effekte. Es gibt nur wenige Momente, wo ich schneller bin als derjenige, der den Film gedreht hat: beispielsweise bei Serpentinen oder an Kreuzungen. Einen Bergpass fahre ich mit 60 km/h den Berg runter. Es ist egal, wie eng die Kurven sind. Da bin ich natürlich vielleicht doppelt so schnell wie das Original. Radfahrer, die mir entgegenkommen, strampeln als Folge doppelt so schnell. Man meint, sie wären auf der Flucht. Umgekehrt bin ich bergauf viel langsamer als das Original. Motorradfahrer und andere Radler schleichen dann derart langsam dahin, dass man Angst bekommt, dass sie umfallen werden. Trete ich dann rein wie ein Verrückter, erwacht auch wieder Leben in den anderen, denn der Film dreht schneller. Wähle ich einen Film unter dem Motto „Trainiere mit den Profis“, kann ich problemlos mithalten. Die Profis treten halt in Zeitlupe rein.
Neben den gefilmten Teilnehmern gibt es noch die anderen Fahrer, die bei sich zuhause auf ihren Bikes sitzen. Es sind wenige und trotzdem kann ich nicht anders: ich prüfe, ob sich mein Abstand zu ihnen vergrößert oder verkleinert. Oh, da packt mich der Ehrgeiz. Meist bin ich alleine auf der Strecke unterwegs, nie hatte ich mehr als sechs virtuelle Partner. Da ist Garmin noch Ödland im Vergleich zu Zwift oder den anderen Plattformen.
Es ist ein teurer Spaß. Selbst bei meiner intensiven Nutzung kostet eine Tour so viel wie ein Fitness Center pro Monat. Kaum jemand hat so viel Zeit wie ich. Kurz, das mag gut überlegt sein.
Vorteile, an dich ich davor gar nicht gedacht habe, sind:
Kein einziger Sturz 😉
Handtuch, Taschentücher, Energieriegel, etc. – alles in Griffweite
Kein Autofahrer, der mich übersehen kann
Kein einziges Mal Luft nachfüllen, Kette reinigen, etc.
Kein einziges Mal in den Regen gekommen
Wer Interesse hat, kann sich die gpx-Tracks in einer Flyover-Animation ansehen. Warnung: das ist ein bisserl fad und zeigt keine echten Aufnahmen, sondern nur, wo ich gefahren bin.
Zwei Wochen ist die Hochzeit nun her. Mit dem Blog bin ich langsam, mit allem anderen waren wir schneller. Am 21. März 2023 haben wir uns kennengelernt, natürlich übers Internet. Am 18. Juni 2024 war die Verlobung am Preber und am 5. Oktober 2024 nun also die Hochzeit.
„Es ließe sich alles trefflich schlichten, könnte man die Sachen zweimal verrichten.“, so meinte es Goethe. So hatten wir erst vor, ohne Gäste zu heiraten, dann mit drei, dann mit fünf und dann vielleicht doch mit mehr. Wir haben angekündigt und wieder abgesagt. Am Ende zählt das Ergebnis und das ist wunderbar.
Als wir am 27. August am Weg in die Wachau waren, um unsere Ehetauglichkeit feststellen zu lassen, haben wir spontan entschieden, doch ein bisserl auf „Family & Friends“ zu wechseln. Da war die Einladung für die eine oder den anderen dann doch ein bisserl kurzfristig oder gar der ganze Prozess wirr. Seht es uns nach!
In der Kurzfristigkeit haben wir noch Trauzeugen gefunden und Mio trainiert, dass er die Ringe bringen kann. Renate hat die Feierlichkeiten organisiert, ich habe auch etwas getan.
Und dann war er da der 5. Oktober mit all seinen Gästen, aus Nah und Fern. Vielen herzlichen Dank an alle für euer Kommen! Wir waren und sind froh, dass wir uns für eine größere, kleine Runde entschieden haben. Die kleinen Aufmerksamkeiten und schriftlichen Glückwünsche sind ein schönes Andenken. Auch die Bergrettung wird sich über den Spendenregen gefreut haben und sich noch immer fragen, wer denn Renate & Gottfried sind.
Der für mich krönende Beitrag war Renates wunderbare, spontane Ansprache beim Hochzeitsessen. Mit ebenbürtiger Sicherheit schreibe ich nun an dieser Stelle, dass ich ganz sicher und unglaublich dankbar bin, die Richtige gefunden zu haben.
Und nun meldet sich hier Renate ausnahmsweise zu Wort und wiederholt: „Auch ich habe meine große Liebe gefunden und bin jeden Tag dafür dankbar.“
Vor einem Jahr sind Renate und ich einander das erste Mal über den Weg gelaufen. Dem Schicksal war nachgeholfen, ja die Beziehung gewissermaßen arrangiert. Getroffen haben wir uns erstmals am Cobenzl. Fürs zweite Treffen gleich am nächsten Tag haben wir uns spontan auf den Weg zur Marillenblüte in die Wachau gemacht. Unser Weg dorthin darf als turbulent und verworren bezeichnet werden. Selbst Google war aufgeregt und hat uns über eine der letzten Staubpisten Österreichs dann doch nicht an den gewünschten Ort gebracht. Die Herausforderung haben wir trotzdem gemeistert und sind dort angekommen, wo weder die Marillen geblüht haben noch die Gastgeber auf solch einen, durch einen Artikel im Kurier provozierten Ansturm vorbereitet waren. So wichtig war das aber an diesem Tag nicht und wir haben letztlich in Senftenberg beim Nigl gegessen. Ich hatte ja keine Ahnung, dass gutes Essen Renates fast größte Leidenschaft ist.
So ist nun ein Jahr mit vielen Gourmetgängen vergangen. Warum nicht wieder zu früh zur Marillenblüte? Selbst in Senftenberg ist die Zeit nicht stehen geblieben. Das Weingut hat einen neuen, modernen Hotelzubau. Wir essen fein und wandern zur Ruine Senftenberg, die mir im Vorjahr gar nicht aufgefallen war. Also, die werden sie hoffentlich nicht auch neu gebaut haben, oder?
Am nächsten Tag kommt dann der Ausflug nach Rossnatz an die Donau zu den Marillen und so. Wir sind gewohnt zu früh und ergattern einen der 12 Parkplätze. Viel getan hat sich hier im vergangenen Jahr nicht. Okay, die Vinothek, damals einziger, offener Gastronomiebetrieb, hat ihren Betrieb eingestellt. Der Stress im Vorjahr, neben den selbstverständlich alkoholischen Getränke am Vormittag noch Wasser und Kaffee für die Gäste aus aller Welt inklusive Breitenfurt Ostende auszuschenken, war wohl zu viel.
Wir flanieren zur Donau und sind uns nach einem dicht gepackten Jahr ganz sicher, dass es passt mit uns.
Wir besuchen Lydia in Zürich! Carina, Jasmin, Renate und ich starten ins Wochenende. Das Hotel Ameron ist es diesmal. es passt gut, da kann man herfahren. Jasmin verbringt das Wochenende mit unterschiedlichen Freunden, die sie in Kanada kennengelernt hat. Am Samstag gibt es einen Stadtbummel durch Zürich. Groß ist Zürich ja nicht, da reichen zwei Stunden.
Am Nachmittag wartet Thomas Maschine in seinem Büro. Er hat über mehrere Jahre hinweg eine Fitness-Maschine entwickelt und von Schweizer Maschinenbauern zusammenbauen lassen. Die Maschine stimuliert innerhalb von 30 Minuten deine Muskeln, ohne dass du ins Schwitzen kommst. Man strengt sich schon an, aber bekommt keine Schweißflecken und auch keinen Muskelkater. Software berechnet die optimale Belastung. Das Gerät ist so groß wie ein Kleinwagen und daher nicht unbedingt für den privaten Abnehmer gedacht. Stattdessen sollte es in Büros stehen und die Mitarbeiter fit machen. So der Plan! Mittlerweile kenne ich Thomas schon über 20 Jahre und bin sicher, dass er Abnehmer finden wird, selbst wenn meine 40 Jahre Fitnesscenter-Erfahrung mich ein bisserl zweifeln lassen. Man sieht Thomas jedenfalls an, dass ihm die endlosen Selbstversuche gut tun, und das ist gut so.
Am Abend sind wir bei Thomas und seiner Familie zum Abendessen, pardon Nachtessen, eingeladen. Carina kommt mit und auch Darek stößt dazu. Ein gelungener Abend ist das! Am Sonntag regnet es, wie so oft um diese Jahreszeit, in Zürich. Ein paar Maroni am See und heim geht es wieder.
Am Dienstag war ich beim Orthopäden. Es war die letzte Untersuchung, wenn sich nicht noch etwas verschlechtert. Somit ist alles gut am Weg, aber es wird noch dauern. Ich darf nun nach sechs Wochen wieder wandern, bergsteigen und auch ein bisserl kraxeln. Sogar ins Fitness Center darf ich wieder. Alles halt mit Maß und Ziel. Radfahren ist wieder möglich. Der Ellipsentrainer ist sicherlich optimal. Auf dem will ich mich ein paar Mal die Woche abrackern.
Eindrucksvoll hat mir der Orthopäde vorgehüpft, warum ich bergsteigen, aber nicht laufen kann. In sechs Wochen sollte dann aber auch Laufen wieder möglich sein. Im März besteht die Möglichkeit, dass alles so weit gefestigt ist, dass ich gar wieder skifahren kann. Es wird.
Ein bisserl einen Schrecken habe ich dem guten Mann auch eingejagt, als ich ihm berichtet habe, dass ich mit meiner Hüfte schnappen kann. Er hat das Vorführgelenk hervorgeholt und damit aufeinandergeschlagen. Klingt das so? Ja! Renate hat bestätigt, dass es so klingt. Ich habe aber auch gemeint, dass es bei mir so klingt, als ob ein gespannter Draht über eine Kante schnalzt. Es fühlt sich auch eher so an. Das hat ihn beruhigt. Seine Untersuchung hat bestätigt, dass mein verkürzter Hüftbeuger, der in den letzten Jahren wirklich nur noch kurz geführt wurde, jetzt ob der neuen Bewegungsfreiheit ein bisserl gestresst und angespannt ist. Meine Verdachtsdiagnose Coxa saltans hat sich damit bestätigt. Wenn es nicht besser wird oder sich gar verschlimmert, dann weiß der Orthopäde Mittel dagegen. Unter Lokalanästhesie wird die Sehne gedehnt. Ich denke, es hat sich schon gebessert, eigentlich spontan geheilt.
Meine grippaler Infekt und der Magen-Darm-Virus könnte auch eine andere Erklärung haben als ein unglücklicher Zusammenfall zweier Infekte. Die neue Covid-Variante bringt oft Durchfall mit. Das würde einige Symptome erklären, unter anderem, dass ich bei einem der Spaziergänge ordentlich beim Abstieg von der Wiener Hütte die Zähne zusammenbeißen musste. Da habe ich schon fast an die Bergrettung gedacht. Egal, Mio war eh mit und außerdem ist es Vergangenheit.
Vorgestern haben wir den Gebirgsvereinsteig gemacht. Damit endet auch mein regelmäßiger Hüftbericht. Ich bin froh, dass ich zu den 92,5% gehöre, für die die OP ohne Nacharbeiten ein Erfolg ist. Ich habe einiges dazugelernt und verstehe besser, warum man manches nach der OP so lange nicht tun darf. Die Muskelschmerzen stehen zumindest bei mir im Vordergrund. Ich bin beeindruckt, wie lange so ein Muskel und seine Sehnen nach so einem massiven Eingriff beleidigt sein können. Die Schmerzen sind im Ausmaß aktuell ähnlich wie vor der OP. Das halte ich problemlos aus. Vor allem, weil sie anders sind. Es überwiegt nämlich die Zuversicht, dass diese Schmerzen im Laufe der kommenden Wochen immer schwächer werden. Passt doch!
3.11.2023
Nun hat mich ein Magen-Darm-Virus niedergestreckt. Ich meine, geht’s noch? Da lässt sich schwer sagen, ob und wie die Genesung voranschreitet. So bin ich die Woche eben viel herumgelegen. Aber beim Herumliegen haben sich zumindest meine Oberschenkelmuskel erholt. Solange mich der Virus gequält hat, haben auch die Muskeln geschmerzt. Gestern konnte mein Immunsystem aber ein Ende der Kampfhandlungen bekanntgeben. Siehe da, die Beine waren okay, Das heißt, ich spüre nur noch minimale Auswirkungen der OP. Das ist sehr gut, aber auch nicht. Denn in meinem Übermut habe ich mich heute auf Renates Ellipsentrainer, was immer das auch ist, für 30 Minuten gestellt. Was war das für ein herrlicher Auslauf nach so langer Zeit! Allerdings habe ich schon nach einer Stunde ein vertrautes Gefühl wahrgenommen. Ein Gefühl, das einen ordentlichen Muskelkater in den nächsten 48 Stunden verspricht. Letzte Woche war ich schlapp, weil mich der Männerschnupfen erledigt hat, diese Woche war es das Magen-Darm-Virus und jetzt wieder gesund, ist es das erste Training, das mich ermüdet beim Fenster rausstarren lässt.
Egal, I’ll be back! Alles gut, am Dienstag geht es zum Orthopäden. Mal schauen, ob wir uns ein Glaserl Champagner auf den Erfolg reinzischen werden!
24.10.2023
Eine weitere Woche ist vergangen. Eine grippaler Infekt (Selbstdiagnose) hat mich mit Fieber wie schon seit Jahren nicht (mit Ausnahme Covid) umgelegt. Der Männerschnupfen (Fremddiagnose) hatte es in sich. Der Zustand war derart, dass ich gar beim Arzt angerufen habe. Denn plötzlich konnte ich nicht einmal Stiegen steigen und bin gar wieder auf Krücken durchs Haus. Nach einer Stunde waren die Schmerzen wieder weg. Ein Wunder? Was weiß ich! Für eine Obduktion ist es zu früh. Der Arzt hat am Abend zurückgerufen. Einen viralen Infekt hält die Hüfte aus, alles gut!
Seit gestern bin ich frei von Schmerzmitteln. Na ja, heute morgen habe ich mir ein einzelnes Novalgin gegönnt. Aber das zählt ja fast nicht. Die Physiotherapeutin meint, dass das eben die Muskeln sind. Auch der Chirurg meinte schon kurz nach der OP, dass die Muskelschmerzen gekommen sind, um eine ganze Zeit lange zu bleiben. Sehr gut!
So starte ich weiterhin zuversichtlich in die fünfte Woche nach der OP.
17.10.2023
Drei Wochen und einen Tag habe ich nun das neue Gelenk. Ich meine, dass sich die Genesungskurve abgeflacht hat. Gestern will es aber der Zufall, dass wir nochmals auf die Rax fahren. Eigentlich wollten wir auf den Schneeberg, aber die letzte Zahnradbahn fährt schon um 15:15. So wählen wir nochmals die Seilbahn, die immerhin bis 17:00 fährt. Renate und Gernot gehen den Alpenvereinssteig. Mio und ich fahren Seilbahn und besteigen wie vor knapp einer Woche wieder den Jakobskogel. Was merke ich da für einen Unterschied! Ich kann schnell gehen und das, obwohl ich gar keine Schmerztablette eingeworfen habe. Der Jakobskogel ist mir zu wenig und so gehen wir ihn ein zweites Mal. Ich habe vergessen, die Ingress-Schlüssel oben abzuholen. Da muss ich ein zweites Mal rauf – alles klar?
Danach gehen wir Renate und Gernot entgegen. Mio fetzt durch den ersten Schnee in dieser Saison, ich muss aufpassen, dass es mich bei meinem Geschick nicht auflegt. Es ist jedenfalls der erste Tag seit der OP, an dem ich über 1.000 kCal verbrannt habe. Kurz, es geht bergauf. Am Abend bin ich dann in den Beinen mächtig erschöpft, kann kaum gehen. Vielleicht ist das schon der Männerschnupfen, der sich über Nacht meiner bemächtigt. So gibt es an diesem Dienstag fix einen Rasttag mit weiterhin viel Zuversicht!
11.10.2023
Gestern waren es über 15.000 Schritte. Heute war die Rax dran. Renate ist mit Mio den Törlweg vom Knappenhof zum Otto-Haus gesprintet. Ich bin (noch) mit der Seilbahn rauf und von dort zum Otto-Haus. Auch wenn es ein bisserl mühsam für mich war, haben wir doch den Jakobskogel bestiegen.
Kurz, mir geht’s gut, auch wenn das Bein schon noch schmerzt. Natürlich bin ich bei meinen Ausflügen extra konzentriert. Heute und morgen ist jedenfalls eher Ruhe angesagt.
09.10.2023
Gestern wollte Mio erst gar nicht spazieren mit mir. Er war fassungslos, weil ich die Reste vom Grillhendl in der Mülltonne entsorgt habe und weil es nieselte. Aber dann konnte ich ihn doch überzeugen. Unverhofft waren wir bei der Wiener Hütte und einer von uns beiden stolz wie Oskar. Der Abstieg war von Vorsicht geprägt, weil ich nicht die Straße ausgehen sondern den direkten Weg durch den Wald nehmen wollte. Danach habe ich die Belastung ordentlich gespürt, aber das soll ruhig so sein.
Vor zwei Wochen wurde das rechte Hüftgelenk durch eine Prothese (TEP) ersetzt. Nach zwei Wochen kann ich mich bereits sehr gut bewegen. Schmerzmittel nehme ich auch wegen ihrer entzündungshemmenden Wirkung. Vor übermäßiger Belastung bin ich gefeit, weil mir das Körpergefühl davon abrät. Somit sieht das alles nach einem vollen Erfolg aus.
08.10.2023
Im Schrank habe ich noch ein Hydal gefunden. Als sparsamer Patient habe ich das im Krankenhaus, weil tadellos zugedröhnt, gespart und dann nicht übers Herz gebracht, es zu entsorgen. Noch ein bisserl Arthotec und gut geschlafen. All das hat mich am Freitag wieder gesund sein lassen. Ich habe mich gar als „bedingt geheilt“ erklärt. Als „bedingt geheilt“ habe ich die Krücken Krücken sein lassen. Falls jemand Interesse hat, ich habe da ein Paar kaum benützt zur Abgabe. Der erste Weg hat mich zur Tierärztin geführt. Das sind insgesamt gute zwei Kilometer. Den Polo habe ich auch gleich wieder in Betrieb genommen und den Weg zum Hofer riskiert. Am Abend haben wir uns mit Thomas und Ivana getroffen. Selbst die drei Stunden Sitzen beim Artner waren auszuhalten. Was heiß aushalten? Es war besser als vor der OP – kann aber auch an den Schmerzmitteln und den zwei Gläsern Rotwein liegen.
Am Samstag habe ich die Dosis dann weiter reduziert. Es geht gut. Heute am Sonntag habe ich bis lang (14:30) noch gar nichts genommen. Sicherlich werde ich mir aber noch eine Dosis reinzischen. Denn ich mag nicht, dass sich der Schmerz wieder allzu heftig meldet. Er ist da und sagt mir auf vernünftig erträgliche Art und Weise, dass ich eben nur „bedingt geheilt“ bin.
Meine Erlerntes aus den letzten ein, zwei Wochen ist: ich bin völlig fasziniert, dass man einem Menschen den Oberschenkelknochen abschneiden, diesen mit einem Titan-Span füllen, den Hüftknochen ausfräsen und dort eine Titanpfanne einschlagen kann. All das, ohne dass der Patient völlig aus dem Leben geschossen ist. Was war ich verwundert, dass ich am ersten Tag nach der OP aufstehen und über den Gang spazieren konnte. Da dachte ich mir schon, dass ich halt ein Wahnsinn bin. Das wahre Wunder ist, was Schmerzmittel zu leisten vermögen. Also, eigentlich beginnt es schon bei der Narkose. Der Chirurg hat mir erklärt, was während der OP mit mir gemacht wurde. Da möchte ich wahrlich nicht bewusst dabei sein. Deswegen auch meine super klare Empfehlung bei der Wahl, ob Narkose oder „Kreuzstich“. Beim Erwachen aus der Narkose hat das Bein geschmerzt, als wäre ich mit dem Mountain Bike gestürzt und mit dem Bein gegen einen Baum gekracht. Aber das war es. Am nächsten Tag habe ich ja, wie oben beschrieben, gedacht, dass ich mich wie ein Jugendlicher von dem Trauma erholt habe. Das fälschliche Absetzen der Schmerzmittel hat mir dann gezeigt, wie es bei und nach einer OP vor sechzig oder mehr Jahren gewesen sein muss.
Tja, und in dreißig Jahren wird der Knochen vielleicht gar nicht mehr abgeschnitten. Da wird eine Coxarthrose ohne chirurgischen Eingriff korrigiert. Irgendwo zwischen einst, heute und morgen bin ich jedenfalls recht zufrieden und in Vorfreude, was sich da noch alles verbessern mag.
05.10.2023
„Mutig“ gibt der Arzt als Antwort auf meine Ausführungen zu den letzten Tagen. Seit Dienstag geht es nämlich kontinuierlich bergab. Erst dachte ich, dass das schon mal vorkommen kann. Als es heute morgen nochmals härter war, habe ich mir mit „In zwei Wochen oder Monaten schmunzelst du darüber“ Mut zugesprochen. Sogar die Krücken kommen wieder zum Einsatz. Erwähnenswert ist das zeitliche Zusammenfallen des Einsetzens der Schmerzen mit dem Absetzen der Schmerzmittel. Als Informatiker habe ich nach ausführlicher Analyse den Verdacht, dass hier auch ein kausaler Zusammenhang bestehen könnte. Auch diese Vermutung bringe ich nicht unstolz vor. So fasst der Arzt zusammen: „Sie haben also alle Schmerzmittel am Dienstag abgesetzt. Das nenne ich mutig.“. „Na ja, steht ja so im Entlassungsbrief.“. „Es steht im Brief, was Sie mindestens nehmen müssen, um einer Ossifikation vorzubeugen. Da hätte ich vielleicht ausdrücklicher sagen sollen, dass Sie die Mittel danach nach Bedarf anpassen sollen.“. Ja, das mit der Ossifikation hat er gesagt. Das habe ich mir gemerkt und als Hypochonder auch sicherlich entwickelt. Egal, ich nehme jetzt nach Bedarf. Dann wird alles gut. Der Grat zwischen Mut und Dummheit ist bekanntlich ein schmaler.
Die Nähte sind draußen. Wir speisen noch im Stasta, ehe ich mich wieder daheim gierig der Drogenabteilung im Küchenkastl widme.
02.10.2023
Hier tut sich nicht viel. Die Krücken verwende ich nicht mehr. Wenn ich mich dann irgendwann von meiner Liegestatt erhebe, die Brüder Karamasov zur Seite lege, denke ich mir manchmal nach ein paar Schritten: „Halt, was ist denn mit meinem Bein?!“, um gleich zu erinnern: „Ah ja, ich hatte ja diese OP, das war wirklich und nicht nur geträumt.“. Eigentlich ein gutes Zeichen.
Am Donnerstag bin ich beim Orthopäden. Da werde ich mich meiner Punkte nochmals versichern. Auch zu meinem Verhalten werde ich ehrlich und ungefragt Auskunft geben. Er wird mich schon nicht entmündigen.
Also, am Donnerstagabend gibt es wieder ein Update hier. Ausgenommen sind natürlich Breaking News – eigentlich keine schöne Wortwahl in dem Zusammenhang. Falls am Freitag noch nichts da steht, hat man mich in Gewahrsam genommen. Schauen ma a mal!
30.09.2023
Renate sagt, das Foto könne ich ruhighochladen. Ich bin g’schamig, meinen durchleuchteten Hintern hier zu präsentieren, und habe das Foto daher ein bisserl verkleinert. Ich will ja meine Leserschaft nicht zu sehr belasten. Mich fasziniert es jedenfalls. Wie unvorstellbar ist mir, was medizinisch möglich ist! Ich habe Fragen über Fragen. Wieso stört der abgesägte Knochen nicht? Das ist sieht ja sogar ein bisserl ausgefranst aus. Muss man das Knochenmark vor dem Reintreiben der Prothese auskratzen oder wird das Mark komprimiert? Weitere Fragen zur Verwendung des Knochenmarks, speziell in Kombination mit Schwarzbrot, lasse ich bewusst aus. Wieso ist der Schaft so dünn? Ich dachte, ein Oberschenkelknochen ist extrem hart und bruchfest. Und dann wird er durch so einen dünnen Schaft ersetzt!
Heute haben anscheinend die Drogen nachgelassen. Ab morgen fallen dann alle Schmerzmittel weg. Das ist schlecht und das ist gut. Gut ist es, weil es meinen Bewegungsdrang dämpft. Mich stört der Schmerz nicht so, da ich ja daran gewöhnt bin, dass sich meine Hüfte meldet. Aber mit Schmerzmitteln möchte ich am liebsten loslegen.
Mittlerweile gehe ich die Treppen schon im normalen Schritt hinauf und das Gefühl dabei lässt vermuten, dass Bergsteigen richtig edel werden könnte, wenn das alles verheilt ist. Ich freue mich drauf! Hoffentlich erfüllt sich meine Erwartung. Haltet mir die Daumen!
29.09.2023
So, ich bin wieder daheim und mir ist ein bisserl gar fad. Sogar Tristan war auf Besuch.
Wofür die Krücken da sind, habe ich gehört. Aber anfangen kann ich mit denen nichts. Sie sollen mich nicht entlasten, sondern vor einem Sturz bewahren. So habe ich sie in den ersten Stunden im Haus rumgetragen und wäre einmal fast darüber gestolpert. Auch Stiegen steigen immer mit einem Bein voran und das andere nachsteigen lassen, ist gewöhnungsbedürftig. Okay, immerhin vertut man damit die doppelte Zeit.
Schaue ich mich im Spiegel an, so erkenne ich rechts eine recht venusförmige Rundung. Die neue Hüfte ist deutlich ausladender als die alte. Das wird sich hoffentlich zurückbilden.
Richtig lustig finde ich, dass ich am Hintern noch eine ähnliche Farbe habe wie der ehemalige, amerikanische Präsident im Gesicht. Das wird sich auch legen – also, bei mir, nicht bei ihm.
In meiner Langeweile habe ich bei Garmin nachgeschaut: im Schnitt verbrauche ich pro Nix-tu-Tag um 500 bis 1.500 Kalorien weniger als sonst. Nehmen wir 800 Kalorien im Schnitt. Das sind 100g Fett pro Tag! Upps, in sechs Wochen, also nach 42 Tagen habe ich um 4,2 kg mehr Fettdepots. Ein halbes Jahr bringen dann knapp über 18 kg zusätzlich, womit ich den 100er durchbrechen würde. Anderseits würde die geschwollene Hüfte dann nicht mehr auffallen. Hmm, seltsamer Ausblick.
28.09.2023
Geduscht und in Zivilkleidung warte ich auf die letzte Lymphdrainage. Mir geht es gut. Ich kann aufrecht stehen und gehen. Die Krücken verwende ich, weil sie vorgeschrieben sind. Ich fühle mich aber auch ohne sicher. Der Bewegungsapparat fühlt sich noch ein bisserl verzogen und beansprucht an. Das wird werden. Baba, Krankenhaus.
27.09.2023
Gestern habe ich mich mit einem Schlafmittel sediert. Hui, das hat gewirkt. Schmerzmittel gibt es reichlich, und so habe ich tief geschlafen. Der Therapeut war um halbacht da und musste einsehen, dass mit mir nichts anzufangen ist. Nach dem Frühstück gab es die Stiegen. Alles easy.
Die Krücken brauche ich nur als Schutz vor einem Sturz und nicht zur Entlastung. Somit könnte ich auch ohne Krücken gehen. Wenn ich so dastehe, hat sich mein Körpergefühl etwas geändert. Ich meine, dass ich aufrechter stehe. Dabei fühle ich mich gar jünger. Tja, da werdet ihr schauen.
Jetzt warte ich auf den Arzt. Lymphdrainage steht dann noch am Programm und natürlich Renates Besuch.
Kurz vor 20 Uhr kommt der Arzt. Alles gut! Schöne Bilder einer perfekt sitzenden Prothese hat er mit dabei. Einer Entlassung steht nichts im Wege. Gerne auch schon am Donnerstag. Ich brauche mir auch nicht allzu viel Sorgen machen. Das sitzt alles bombenfest. Wenn in ein paar Wochen der Muskelschmerz weg ist, wird es herrlich sein.
So gönne ich mir auch heute Abend wieder ein Schlafmittel. Der Wirkstoff macht sehr schnell süchtig, weiß das Internet. Dafür lasse ich halt das Morphin weg. Morgen endet das Drogenparadies ohnedies.
26.09.2023
Die OP gestern ist nach Aussagen der Ärzte optimal verlaufen. Die Keramiken (von Villeroy & Boch? ) und das Titan (Pfanne von Fissler?) passen perfekt. Die Beine sind gleich lang. Was will man mehr? Sieht gut aus.
Das Erwachen war mühsam und auch schmerzhaft. Das mag daran liegen, dass mein Aufwachengel nicht sonderlich aussagefreudig und ausschließlich auf die Sache fokussiert war. Der Arzt hat es dann in Ordnung gebracht. Alles tadellos. Das beruhigt.
Mein aufgefangenes Blut wollte nur langsam wieder in seine Heimat zurück. So hat es bis 19:45 gedauert, dass ich wieder ins Zimmer durfte. Ein paar Minuten später war auch schon Renate da. Sie war für 17 Uhr vorbereitet und wollte schon das Aufwachzimmer stürmen. In Renates Anwesenheit ging es dann gleich dramatisch bergauf.
Die Nacht war gut, da ich unter meinem Schnarchen ja nicht so leide. Um vier versuche ich wie ein Astronaut stoffzuwechseln. Da kommt nach einer halben Stunde zufällig der Pfleger, erfasst das erbärmliche Spiel, holt Krücken und macht wohl eine Ausnahme. Als ich in der Früh das Spiel wiederholen will, gibt’s ein Njet. Ich muss im Bett bleiben. Hoffentlich hat mein gnädiger Pfleger nicht Ärger bekommen. Auch er bleibt beim „Leider nicht“. Aber der Physiotherapeut wird zur offiziellen Mobilisierung angefordert.
Wie auf der Löwinger Bühne geht nach ein paar Minuten wieder die Türe auf und diesmal schaut der Arzt herein und stellt fest, dass ich topfit bin. Auf den Therapeuten warten? Der kommt nicht vor zehn. Was soll schon passieren? Weiß ja keiner. Problem gelöst.
Weil man hier ums Wohle der Patienten bemüht ist, steht nach zwanzig Minuten der Physiotherapeut da. Der reißt ein Aug‘ auf, weil ich ihm von meiner Übung nichts verrate und selbstsicher aus dem Bett springe. Das nennt er eine Auferstehung. Er wird mich für die Entlassung am Donnerstag bereit machen. Ich habe nach dieser kurzen Session die Lizenz zum selbständigen Aufstehen. Morgen wird Stiegensteigen geübt. Ob ich wieder ein bisserl üben soll? Das wird jedenfalls schwierig, da man mir noch das Gewand verweigert.
Auch wenn ich kaum Schmerzen habe, empfiehlt der Arzt die Einnahme der Tabletten. Ja, da ist ein Hydal dabei. Ich staune nicht schlecht, denn die gab es bei Ulli, weil morphiumhaltig, in der Apotheke nur mit Drogendealerpickerl.
Der Tag verläuft sonst unspektakulär. Ich bin ein bisserl zugedröhnt und schlummere vor mich hin. Zwei neue Patienten sind gekommen und werden sogleich operiert. Gelegentlich spazieren ich herum. Ruhige Genesung!
Kurz, weiterhin alles am besten Wege. Daumen halten!
25.09.2023
12:34 – eingeliefert, aufgenommen, ausgeliefert! Plötzliche Hektik – Fehlalarm, alles beim ursprünglichen Plan. Um 14 Uhr wird operiert.
Für sechs bis zehn Tage bin ich hier eingebucht. Detailliert darf ich die Essenswünsche für zehn Tage formulieren. Der Kaffee stark oder mild, die Milch warm oder kalt,… Blöd, dass ich nüchtern sein muss und hungrig bin. Ich kreuze mal alles an.
Ich liege alleine in einem Dreibettzimmer. Okay, bei der Buchung kein Wunder. Mein Bett steht hoffentlich ab Freitag dann auch leer.
24.09.2023
Morgen, am 25.9.2023, soll mein rechtes Hüftgelenk ersetzt werden. Seit Geburt an ist die Gelenkspfanne links und auch rechts ein Stückerl zu klein. Der Gelenkskopf ragt ein ganzes Stück aus der Gelenkspfanne. So ist eigentlich schon immer die Beweglichkeit eingeschränkt. Über die Jahre hat sich zu dieser Dysplasie eine Arthrose, also Abnützung, entwickelt. Mittlerweile liegt auf der rechten Seite Knochen auf Knochen. Das hat zur Folge, dass das Bein fast ständig leicht schmerzt. Schlafen geht noch gut, Laufen geht seit einem Anfang des Jahres nicht mehr. Dabei hält mich nicht ein starker Schmerz vom Laufen ab. Es ist eher ein dumpfer Dauerschmerz. Dass ich diesen nicht ignorieren kann, fasziniert mich.
Das Bergsteigen geht gut, solange es bergauf geht. Das Bergabgehen ist von Tour zu Tour nun schwieriger geworden. Der Körper weicht aus und belastet damit den restlichen Bewegungsapparat. So tun mir die Knie mittlerweile weh. Ich hoffe sehr, dass diese Beschwerden nach der OP und dem Wiederaufbau weg sind. Aber nicht nur der Bewegungsapparat sondern auch die Bewegung selbst hat gelitten. Mein Bergabgehen ist mehr ein Staksen als ein sportliches Runterzischen. Da leidet auch die Sicherheit darunter. Nein, das passt nicht.
Einigkeit besteht wohl, dass die Arthrose irreversibel ist. Mit Physiotherapie lassen sich die Symptome deutlich reduzieren, aber die weitere Verschlechterung kann sie auch nicht aufhalten. Da ich weiterhin Bergsteigen, Laufen und Radfahren will, habe ich mich zur OP entschieden. Schauen ma a mal!
Die adelige Familie Tacoli lädt zur Saisoneröffnung an den Millstätter See in ihre See-Villa. Ich leite die Einladung an Renate weiter und die hat Lust auf Tradition seit 1884. Carina findet es nicht so prickelnd und so sind wir zu zweit plus Hund unterwegs in Vorfreude auf ein Wochenende der anderen Art und des sicherlich guten Essens.
Wir sind im einstigen Privathaus der Familie untergebracht. Das Zimmer ist schön groß und direkt am See. Wir verpassen bei der Anreise den Prosecco-Empfang, aber für einen Spaziergang bei Sonnenuntergang sind wir zeitgerecht da. Es ist ruhig in der Vorsaison. Das hat was.
Die See-Villa hat nun eine neue Führung. Wenn ich das richtig verstanden habe, hat einer der drei Söhne vom kinderlosen Onkel geerbt und seine beiden Brüder kellnern. Der Vater und die Frau Mama sitzen wie schon vor Jahren jeden Tag in tadelloser Tracht am selben Tisch. Ein bisserl hat man den Eindruck, dass die Familie sich selbst mehr als genug wäre in dieser wundervollen Umgebung. Die Umstände machen es halt notwendig, dass man auch einfache Leute empfängt und bewirtet. Ist ja großzügig, aber vielleicht auch nervig, wenn man die Besitzungen fremden Besuchern von zweifelhaftem Stande zugänglich machen muss. Ach, die Zeiten verlangen es! Der Kunde ist König. Sagen alle, sagt irgendwer, sagt auch die Familie. Aber glauben tut dies hier keiner so recht. Meinetwegen glauben die Gastgeber das auch, aber danach handelt hier keiner. Ja, vielleicht die beiden angestellten Kellner aus dem Ausland. Gehört Ungarn wirklich schon zum Ausland? Wie die Zeit vergeht!
So liegt der Schleier der Dekadenz über dieser tollen Location. Das Essen ist weiterhin ausgezeichnet. Speziell Wild und Fisch sind zu empfehlen, wenngleich der Versuch an Sashimi und Sushi beim Gala-Dinner doch ziemlich in den Hosen geht. Das restliche Gala-Buffet ist fein, wenngleich die Zahl der Sitzgelegenheiten deutlich unter dem Andrang steht. So stehen wir als etwas zu spät kommende Gäste mit dem Fasan in der einen und dem Hund in der anderen Hand ein bisserl wie bestellt aber nicht abgeholt herum.
Als dann am Samstagabend fürs Wochenende das Brot ausgeht, esse ich halt vermutlich ganz im Sinne der Gastgeber eben Kuchen. Geht doch! Lage und Essen sind toll, die Zimmer ordentlich groß und trotzdem werden wir nicht ein weiteres Mal zu Besuch kommen.
Am Samstag versäumen wir die in unserem Package enthaltene Bootsfahrt wie schon die Stiftsführung am Vortag. Der Grund ist eine geplante Spazierrunde oberhalb von Millstatt. Wir schrauben uns mit dem Auto ein bisserl in die Höhe. Aber da schau‘ her, da fährt einer noch weiter. Wir folgen. Ein Mautschranken wird passiert, der Asphalt endet und es geht stetig bergauf. Der Schnee ist schon in Sichtweite. Auf knapp über 1.600m Seehöhe dann der Parkplatz. Okay, dann wandern wir zur Alexanderhütte. Das reicht nicht, wir spazieren weiter zur Millstätter Hütte. Ich bin in sommerlichen Laufschuhen unterwegs. Auch sonst haben wir keinerlei Bergausrüstung dabei. Die Füße sind im Schnee schnell nass. Was soll’s!
Bei der Millstätter Hütte empfängt uns der Koch, viele Tattoos und wenig Ahnung von der Umgebung. Er verspricht Kaspressknödel und den besten Kaiserschmarren. Gäste sind keine da. Auf unsere Fragen, wie der Gipfel da heißt und ob ich mit meinen Turnschuhen da rauf komme, hören wir, dass er selbst erst seit drei Tagen hier ist, keine Ahnung von den Bergen hat und dass es heute mit den Schuhen schon gehen sollte. Ah ha! Da frage ich mich kurz, was sich denn seit gestern so viel geändert hat. Aber was soll’s, die Regel heißt: „Frag‘ besser Leute, die vom Berg kommen, als den Hüttenwirt.“.
So besteigen wir den Kamplnock, sehen das nächste Gipfelkreuz und erledigen auch noch diesen Nock mit dem Millstätter Kreuz. Das Wetter zieht rum, mal tröpfelt es, in der Ferne schüttet es. Wir sind wieder gut gelaunt und schießen Fotos. Beim Rückweg kehren wir in der Millstätter Hütte ein und haben fürwahr herrlich frische Kaspressknödel und kaiserlichen Schmarren. Da kann der Adel im Tale noch etwas lernen!
Kurz vor dem Auto beginnt es zu regnen. Im Auto erleben wir dann wolkenbruchartige Schauer. Uh, das wäre kalt und unangenehm geworden. Aber uns lacht das Glück. So soll’s sein!
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass nicht nur Mio im Millstätter See gebadet hat, sondern auch wir beide. Einer von uns drei musste doch recht überredet werden. Die beiden Zweibeiner waren da mutiger. Nicht weit entfernt haben sich Brautleute auf der Wiese vor der See-Villa das Ja-Wort gegeben. Da hatte ich schon Sorge, dass ich in meiner Badehose vielleicht das eine oder andere Foto verderbe. Gut, Renate war mangels passender Garderobe für das Bad im See deutlich leichter bekleidet als ich. Dafür hat ihr das doch kalte Wasser ein mehr als erfrischendes Jauchzen entlockt. Könnte sein, dass da jetzt ein Paar ein Hochzeitsvideo mit gesteigertem Erinnerungsfaktor hat.
Wieder herrliche Tage gehabt!
Beim AbendspaziergangFreitagmorgenSurrealMio un ddie KärntnerÜber MillstattGenug von der Gala!
Traumtage in Neapel und Positano! Wenn das nicht gewagt ist! Gerademal 13 Tage sind vergangen, dass Renate und ich einander über den Weg gelaufen sind und schon sitzen wir im Flieger nach Neapel. Völlig entspannt ziehen wir durch die Altstadt, genießen die angeblich beste Pizza, haben auch sonst Glück mit der Lokalauswahl, spazieren ans Meer und sind im Hilton The Britannique bestens untergebracht.
Schon nach zwei Tagen geht es weiter nach Positano, wo wir ganz oben im Hotel Villa Franca untergebracht sind. Das ist definitiv auch eine feine Wahl. Am Anreisetag regnet es ein bisserl und es ist doch recht kalt. Aber das Meer will begrüßt sein. Feinste Tage sind das! Am zweiten Tag kutschiert uns Gaitano in seiner noblen Limousine nach Pompeij, wo es mehr Geschichte und Kultur gibt, als ich mir zur merken vermag. Am Rückweg noch ein Abstecher in Gaitanos Heimatstadt, Sorrento. Im Ristorante Donna Sofia passt der Branzino und alles rundherum auch. Wir spazieren noch durch die Altstadt, ehe uns Gaitano wieder aufgabelt. Was bin ich froh, dass ich nicht selbst fahren muss! Der letzte Tag begrüßt mit strahlendem Sonnenschein. Da hätten wir das Pool am Dach unseres Hotels noch gern genutzt. Wir frühstücken und blicken über Positano, wo vielleicht gerade die ersten Sonnenliegen okkupiert werden. Zu Mittag wartet schon wieder Gaitano mit der Rückfahrt zum Flughafen.
Sieht so aus, als hätte ich die beste Reisebegleiterin gefunden!
Mit Carina fliege ich nach Zürich, um am Samstag, den 1. April, an zwei Feiern teilzunehmen. Am Vormittag werden die Absolventen des Lehrgangs Master in Banking and Finance gefeiert. Die Stimmung ist ausgelassen, die Freude groß. In den Ansprachen ist von Schnelllebigkeit, immer schneller werdendem Wandel und großen Herausforderungen die Rede. Das war es vor 30 Jahren auch. So sitze ich da und werde ein bisserl nachdenklich. Die Absolventen strahlen zu recht. Längst keine Kinder mehr. Die neuen Leistungsträger und Entscheider sitzen da, in den Kinderschuhen ihrer Karriere. Jeder und jede Einzelne sicherlich leistungsfähiger, belastbarer und schneller als ich. Eltern sind gekommen und gar noch ein paar Großeltern. Schon bei mir als Elter ist es allzu offenkundig, dass ich den übermütigen Jungen nur noch ein bisserl mit Erfahrung, Weitsicht und Gelassenheit entgegenhalten könnte. Aber was soll das ausrichten gegen diese unbändige Energie gepaart mit einem analytischen Verstand, der sie nun als Absolventen des angesehensten Lehrgangs an der Universität St. Gallen hier sitzen lässt?
30 Jahre ist es her, dass ich selbst vorne gesessen bin. Einerseits ist das eine Ewigkeit, in der liebe Menschen gekommen und gegangen sind. Selbst habe ich mein Berufsleben in der Zeit gelebt, vor sieben Jahren abgeschlossen und das sogar recht erfolgreich. Anderseits kommt es mir vor, als wäre meine Feier letzte Woche gewesen. Man hat uns erinnert, neugierig und interessiert zu bleiben. Zuversicht und Mut hat der immer schnellere Wandel schon damals von den Absolventen verlangt. Ach ja, und der Uni und der Wissenschaft mögen wir verbunden bleiben. Die Banker haben gestern noch die Mahnung mitbekommen, stets ethisch zu handeln. Das hätte den Informatikern auch nicht geschadet. Es war wohl nur vergessen, damals.
Und so spaziere ich nun hinter Lydia im Anzug und in anständigen Schuhen durch St. Gallen Richtung Messehalle zur großen Feier. Der Anzug ist mir nicht mehr zuwider wie einst. Nun schützt er mich ein bisserl wie die Schildkröte ihr Panzer, verleiht mir Seniorität und macht mich ein bisserl resistenter gegen das Andrängen der Jungen. Tut sich ja doch etwas in den Jahrzehnten. Nur die Schuhe passen nicht! Die komfortable Dämpfung fehlt. Sieht ja keiner, wie ich hinterher stakse! Mann oh, wie die Zeit vergeht!
Macht nichts, ich bin stolz! Und ich habe gar nichts gegen den Wechsel. Mögen andere übernehmen und sich probieren! In unser aller Interesse wünsche ich dabei viel, ganz viel Erfolg! Wir als Gesellschaft und unser Planet werden viele Erfolge brauchen. Sie werden sich einstellen, ich bin zuversichtlich.
Toll gemacht, Lydia! Und nein, dein Studium mit solch einem Abschluss hätte ich auch bei aller Anstrengung nicht geschafft. Das muss dir erst einmal einer nachhüpfen.
Viel Erfolg und Freude! Mögen deine und eure Ziele erreicht werden!
Gernot ist nach seinem Spitalsaufenthalt fast wieder ganz der Alte. Trotzdem gehen wir es langsamer an. Gernot ist mit Renate und seinem Dad, Norbert, für ein paar Tage in der Ramsau im Ennstalerhof. Mio und ich reisen für den Samstag und Sonntag nach. Wie zu erwarten, ist die kulinarische Versorgung herausragend. Das Hotel selbst ist fein und hat nun einen Infinity Pool. Aber die Klimaerwärmung hat es im Winter an den Rand gedrängt. Ums Hotel ist wenig Schnee, einzelne Langläufer rennen noch vergangenen Tagen hinterher. Ostern bleibt das Hotel schon geschlossen. Die Sommergäste werden erst später erwartet.
Am Samstag haben Gernot, Renate und Norbert schon Höhenmeter in den Beinen. Ich stoße am Nachmittag dazu und wir spazieren noch zur Brandalm auf Kuchen und Kaffee. Norbert hat immerhin schon seinen 85. Geburtstag hinter sich. Das hält ihn nicht ab, tapfer und unaufhaltbar wie eine Dampfmaschine weitere Höhenmeter zu schnupfen.
Am Sonntag geht es auf die Hochwurzen. Mio ist in seinem Element. Erst ist es der winterliche Wald und dann auf den letzten Metern sind es Rodler und Skifahrer. Wir haben ihn ja im ersten Jahr mit Radfahrern, Läufern, Pferden, Rindern, etc. vertraut gemacht. Woher hätten wir Wintersportler nehmen sollen? So jagt er erbost jeden Skifahrer und jeden Rodler die Piste runter. Letztlich hält ihn nur die Leine. Bei der Hochwurzenalm wurrelt es plötzlich von hunderten Skifahrern mit Helm. Das ist auch einem Lagotto irgendwann zu viel. Er resigniert. Und da er sich mit nassem Bauch nicht auf den Steinboden legt, darf er auf der Bank schlafen. Der Hund ist fertig, das Personal gnädig.