Namibia – Juli 2022


Fotos gibt es hier!


Anreise und Vorbereitung

Am Nachmittag des 3. Juli starten wir nach Namibia. Das Ziel haben wir spontan ausgesucht und die Planung wieder an Relax ’n Travel übergeben. Unsere Vorbereitung fällt noch kärglicher aus als sonst, zumal das Haus gerade umgebaut wird. Dafür läuft alles ausgezeichnet. Die Anreise ist entgegen aller Prophezeiungen pünktlich und unproblematisch. Wir hören von Verspätungen und Stornierungen, merken davon aber nichts. Und so finden wir uns bei Sonnenaufgang am Rollfeld des Flughafens in Windhoek wieder.

Afrika begrüßt mit seinen eindrucksvollen Farben. Das Personal hat alle Hände voll zu tun, die übernachtigen, aber fotografierlustigen Ankömmlinge Richtung Flughafengebäude zu bugsieren.

In Windhoek übernehmen wir unser Mietauto, alles sehr entspannt. Auf der 300 Kilometer langen Fahrt verwechseln wir Blinker und Scheibenwischer, aber nie die Fahrspur. Links fahren geht doch.

Kalahari – Anib Lodge

Das erste Ziel ist die Kalahari Anib Lodge. Ein Zimmer muss noch von einem Skorpion befreit werden, aber dann darf für eine Stunde ausgeruht werden, ehe es zum Sundowner Drive losgeht. Moses erklärt uns anfangs jedes Vogelnest, ehe endlich das Abendessen in reichlicher Zahl vorbeihüpft. Die Springböcke sind wohlgenährt, Moses verweist auf viel Regen in diesem Jahr. Giraffen, Gnus, etc. stellen sich auch noch ein. Läuft definitiv für den ersten Game Drive.

Krönender Abschluss ist das Buffet zum Sonnenuntergang. Die Farben sind surreal. Das Abendrot, der rote Sand, der rote Wein,.. Was für ein Start in den Urlaub!

Zurück in der Lodge ist noch der Springbock am Parkplatz zu erwähnen. Meldet er sich freiwillig fürs Buffet? Man weiß es nicht. Wir fallen in komatösen Tiefschlaf.

Am nächsten Morgen folgen wir der Empfehlung und frühstücken früh, ehe es mit den E-Bikes nochmals in die Kalahari geht. Was für eine Stimmung! Auch den Mädels gefällt es. Bis auf drei Springböcke zeigt sich aber kein Tier. Zu bunt sind die Biker aus dem fernen Österreich. Unsere Sorgen, dass die Akkus nicht halten, sind unbegründet. Da die Anzeigen schon beim Start nur auf halbvoll waren und hier kein Handyempfang ist, habe ich schon mal nachgefragt, was im Falle des Falles zu tun ist. Li beruhigt, Fahrrad stehen lassen und zu Fuß zurück zur Lodge. Okay, ist eine Idee, aber wir wollten unser Survival Skills in der Wüste noch nicht so früh auf unserer Reise testen.

Nach Cappuccinos gibt es Ankommen in Afrika am Pool. Alles gut.

Namib – Hoodia Lodge

Nach einem Morgenlauf durch die Kalahari in Begleitung von Springböcken und nach einem ausgiebigen Frühstück brechen wir Richtung Westen auf. Bis zur Maltahöhe ist es asphaltiert, dann beginnt der wilde Teil der Fahrt. Es ist so abgelegen, dass Jasmin für eine halbe Stunde übernimmt. Auf Google ist auch kein Verlass mehr, aber was soll schon schief gehen?

Die Landschaft wechselt, wird erst immer pittoresker, ehe Farben und Formen gänzlich surreal werden. Ein Google-Fehler kostet uns nochmals eine gute halbe Stunde, aber dann sind wir schon da. Vom Tor zur Rezeption der Hoodia Lodge sind es noch ein paar Kilometer. Hier winken uns schon Thomas, Carina und Enos aus der Ferne zu. Thomas aus dem fernen Hamburg hat sich hier vor zwanzig Jahren niedergelassen und eine wunderbare Lodge errichtet. Dass er davor beruflich Innenräume gestaltet hat, sieht man. Beene ist begeistert, uns gefällt es. Akribisch werden die kommenden drei Tage an unsere Bedürfnisse abgestimmt. Lieber Appeltizer oder Grapetizer? Zum Lunch vielleicht ein paar Quichetörtchen? Rosé passt zum Picknick?..

Nach Bezug der Chalets geht es jedenfalls zum Sonnenuntergang auf dem Honeymooner Hill. Enos deckt den Tisch, entzündet das Lagerfeuer und lässt uns alleine zurück. Wir schießen Fotos, blicken über die Ebene, die von der tiefstehenden Sonne in warmes Licht getaucht wird. Wir sind wohlgeglaunt, herrlich ist es hier. Das Abendessen mit Oryxfilet ist dekadent gut hier im Nirgendwo. Wunderbar!

Am Morgen heißt es dann raus aus den warmen Betten. Es ist noch dunkel, es steht einiges am Programm. Enos führt uns einen Tag durch den nahen Nationalpark. Ein englisches Paar ist auch mit dabei.

Wir haben eine Stunde Geographie und Biologie dabei. Dabei wird der Freiluftunterricht aufgelockert, indem Enos mal zwischendurch gezielt eine White Lady aus ihrem Zuhause holt. Na, da schauen wir.

Alpinistisch steht die Besteigung des Big Daddy am Programm. Big Daddy ist eine 250m hohe Düne aus rotem Sand. Bei den herrschenden Temperaturen ist es erträglich, obschon der Sand den Aufstieg anstrengend macht. Vom Gipfel aus entschädigt ein Blick über Dünen so weit das Auge reicht. Herrlich!

Der Abstieg erfolgt über einen durchgängigen Hang losen Sandes vom Gipfel bis ins Flussbett, mit einer Neigung von geschätzt 40 Grad. Das ist ordentlich steil und macht mächtig Spaß.

Unten erwartet uns dann das Highlight des Tages. Vor sechshundert Jahren sind die Bäume abgestorben. Der Lehm hält sie fest. Der trockene Lehm, die roten Dünen und die Bäume ergeben Fotomotive ohne Ende. Auch unglaublich!

Die Engländer haben leider früh aufgegeben und warten sicherlich schon. Aber speziell Beene kann sich nicht losreißen. Enos ist geduldig, obwohl er noch so viel auf Lager hätte. Sossusvlei ist nach zehn Jahren wieder einmal mit Wasser gefüllt, ein Schakal bettelt am Parkplatz,.. wir müssen weiter. An einem Platz, der Out of Africa entnommen sein könnte, deckt Enos den Tisch. Wo sind Meryl Streep und Robert Redford?

Jetzt ist uns aber wirklich die Zeit davon. Eine Stippvisite noch zu einem Canyon, Enos hat fast ein bisserl Stress. Die nächsten Gäste wollen ja zum Sunset gebracht werden.

Uns soll es recht sein, wir sind ein bisserl fertig. Wir entspannen am Pool. So lässt es sich leben!

Swakopmund – Beach Lodge

Nach herzlicher Verabschiedung geht es nach Swakopmund, an den kühlen Atlantik. Wir sind direkt am Meer in der Beach Lodge untergebracht. Einzig bei der Zimmerauswahl hätten wir mehr Glück haben können. Lage und Ausblick entschädigen. Im der Pizzeria treffen wir Thomas, den Eigentümer der Hoodia Lodge mit seiner Frau. Tja, wer seine Frau ausführen will, muss schon mal eine Anreise von gut vier Stunden in Kauf nehmen. Die Pizzeria ist gar ausgebucht. Thomas bietet seinen Tisch an. Wir lehnen dankend ab und finden im „The Hug“ eine authentische Alternative.

Am nächsten Tag stehen Flamingos und eine Seehundkolonie am Programm. Die Seehunde sind ein bisserl gruselig für mich. Zum einen stinken sie ziemlich, zum anderen führt ein Steg quer durch die Kolonie. Geht man den Steg entlang, so brüllen und heulen die Seehunde unter einem auf. Tantes Göttliche Komödie kommt mir in den Sinn.

Da ist der Lunch am Cape Cross infolge entspannter. Ob wir zur Verdauung noch am Strand spazieren dürfen? Ja, Richtung Norden bis Angola. Außer ein paar Fischern ist da niemand, und bis Angola sind es geschätzt 800 Kilometer. Im Auto haben wir noch einen Steinschlag zu vermelden. In Namibia regt das aber gar niemanden auf. Wer are absolutely safe. Na bitte!

Am Montag geht’s aufs Boot. Ohne jede Erwartung buche ich. Was schaue ich blöd, als uns dann ein Seehund am Boot begrüßt. Was für ein Zufall, was für ein Glück! Weit gefehlt, im Laufe der Tour erfahren wir, dass sich aktuell vier Seehunde an Bord trauen, zwei berührt werden dürfen und die anderen nicht. Aha!

Als nächstes Highlight tauchen Delfine in großer Zahl auf. Sie springen und tanzen und Boot. Nun jagen teils Seehunde und Delfine das Boot. Das hatte ich auch noch nie.

Was bietet die Vogelwelt? Wir lernen, wie man Guano für eine halbe Million verkaufen kann und worin Guano so enthalten ist. Aber die echte Sensation sind zwei Pelikane, die das Boot stürmen und gegen Fisch Selfies zulassen. So geht die Fahrt bei Sekt und reichlich Austern zu Ende. Das waren übrigens die besten und wohl frischesten Austern seit langem.

Swakopmund war ein Kontrast zu den Wüsten und die Reise auf jeden Fall wert!

Twyfelfontein

Beene übernimmt das Steuer und entdeckt den Walter Röhrl in ihr. So brettern wir die nächsten viereinhalb Stunden über die Schotterpiste weiter Richtung Norden. Beene trällert sich ein Liedchen und driftet die wenigen Kurven. Gelegentlich kracht ein Ast in die Scheibe. Soll sich der Baum halt woanders hinstellen.

Die Twyfelfontein Lodge ist mehr ein Beherbungsbetrieb. Viele Gäste, wohl geordneter Betrieb. Schön ist es allemal. Der Sundowner bringt uns erstmals mit Elefanten in Kontakt. Es sind Wüstenelefanten, ein bisschen kleiner, dafür mit langen Beinen. Die jungen Elefanten wälzen sich im Staub und liefern ihre Show.

Das Besondere an Jahrtausende alten Felszeichnungen bleibt mir auch diesmal unerschlossen. Ich scheine zumindest nicht der einzige zu sein.

Ongava Tented Lodge

Nach einer Nacht in Twyfelfontein geht es nun Richtung Etosha Nationalpark. Direkt vor dem Eingang zweigen wir ins tolle Ongava Resort ab. Der freundliche Wachmann fotografiert das Auto und schiebt das schwere Tor zur Seite. Willkommen! Zu unserer Unterkunft, dem Ongava Tented Camp, sind es 12 Kilometer. Das ist Afrika!

Leroy begrüßt uns mit einer Herzlichkeit! Oh, das wird fein hier! Wenige, feste Zelte mit noch weniger Gästen warten auf uns. Christina und Ndali laden zum Lunch. Sie haben offensichtlich Freude an ihrem Job. Für Kurzweil beim Lunch sorgen die Elefanten. Die Lodge liegt direkt an einem Wasserloch, worin die Elefanten gerne eine Erfrischung nehmen. Doch besser schmeckt das Wasser aus dem Pool. Auch wenn die Elefanten gewöhnt sind, hier auf Menschen zu treffen, sind sie auf Abstand bedacht. Wer sich zu rasch bewegt oder zu nahe kommt, wird mit einem Rüssel voll Wasser auf Distanz gehalten. Jasmin wird derart gemaßregelt, findet es aber recht lustig.

Noch lustiger findet aber Tuly alles mögliche. Er wird unser privater Guide für die kommenden zwei Tage sein. Um 16:30 geht’s los. Der Patronengurt irritiert ein wenig. Ja, bei Gelegenheit steigen wir aus und nähern uns Rhinos oder Elefanten zu Fuß. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ein Dickhäuter oder ein Löwe etwas gegen uns hat, will man ja gewappnet sein. Denn im Busch sind die süßen Viecherl auf Distanz bedacht. Hier ist der Mensch entweder Rivale ums Futter oder ein leckerer Happen, je nach Spezies.

Tuly ist eher der Großwildjäger. Auch wenn er in seiner Rangerausbildung viel, viel Wissen mitgenommen hat, so verschwendet er wenig Zeit mit Antilopen, Federvieh oder sonstigem Kleintier. Elefanten, Rhinos und Löwen zählen.

Zweimal wird auf unseren drei Ausfahrten angehalten und das Gewehr geladen. Wir bekommen Instruktionen, wie das Funkgerät zu bedienen ist, falls Tuly gefressen oder auf andere Art ausgeschaltet wird. Tuly trägt die hellste Kleidung und ist damit Target No. 1. Von bunter Kleidung wird dringend abgeraten. Wir sind in erstaunlich erdfarbenen Hosen und Shirts unterwegs.

Das Leben in der Lodge ist herrlich. Christina und Ndali achten darauf, dass jederzeit Kalorien zugeführt werden. Und das in erlesener Form. Zum Dinner gibt es Auswahl, auch wenn nur drei Tische besetzt sind. In der Dämmerung bzw. Dunkelheit stellen sich gar Nashörner, Löwen mit Jungen und die verschiedensten Antilopen ein.

Einzig kalt ist es in der Nacht und am Morgen. Thermophore helfen, aber es bleibt bitterkalt. Von eigenständigem Pendeln zwischen den Chalets und dem Hauptgebäude wird abgeraten. Das finde ich auch diesmal anfangs übertrieben. Als wir dann Löwengebrüll am Morgen hören bzw. Elefantenabdrücke im Sand gezeigt bekommen, bin ich einsichtig. So holt uns Tuly mit seiner Rifle morgens ab. Sein Lachen ist so erfrischend, dass wir es als Ringtone für Jasmin aufnehmen möchten. Es ist mitreißend und herzlich, sodass die Kälte etwas weniger kalt erscheint.

Es gäbe noch so viel zu dieser wunderbaren Lodge zu schreiben. Tuly erklärt auf meine Anfrage den Dung. Der von Elefanten hilft als Rauch selbst gegen Covid. Oder Tulys Lachen, als zwei weiße Nashörner ein schwarzes Nashorn durch den Busch jagen. Ja, da sind wir alle begeistert, aber am meisten Tuly. Ein anderes Mal liegen Löwe und Löwin um unser Auto. Sie ist leider zwischen dem Zaun des Nationalparks und der Lodge gefangen. Alles eigentlich recht entspannt. Erst als in weiter Ferne die zu Hilfe angeforderten Wildhüter anrücken, verdrücken sich die beiden Großkatzen. Sie kennen das Geräusch der Wildhüterautos. Da heißt es dann unter den Königen der Tiere: “Flüchte, wer kann!“.

Etwas wehmütig verabschieden wir uns. Aber bald sind wir wieder zurück, denn eine von uns hat ihren Sack mit Schuhen vergessen. Wer das ist? Dazu schweige ich lieber!

Etosha – Mushara Lodge

Mit etwas Verspätung treten wir also die eigene Fahrt durch den Nationalpark an. 135 Kilometer fahren wir von Westen nach Osten. Beeindruckend sind die endlose Weite des Etosha-Pfanne und die doch einigermaßen reichlich vorhandenen Wildtiere, liebevoll Game genannt. So stehen wir gelegentlich mal in einer Kudu-Zebra-Springbock-Herde mit mehreren hundert Tieren, aber nach dem Ongava Resort ist der eine oder andere schon ein bisserl Safari-müde. Im Auto erscheint es auch etwas anstrengender als im offenen Safari-Wagen. Das Aussteigen ist nur an wenigen Stellen erlaubt. Aber schön anzuschauen. Schon wieder auf asphaltierter Straße übersehe ich noch drei oder vier Giraffen, die friedlich im Sonnenuntergang grasen. Aber aus der zweiten Reihe höre ich, dass eine Giraffe auch nur eine Kuh mit langem Hals ist.

Die Mushara Lodge empfängt uns als großzügig angelegtes Resort mit feinem Essen und bestmöglicher Entspanntheit. Den morgendlichen Game Drive lassen wir aus. Wir bleiben am Pool. Der Pool ist winterlich kalt, aber schreckt uns nicht ab. Mungos oder Mangusten (bin ja kein Biologe) sorgen für Kurzweil. Kuscheln soll ich sie nicht. Ah, sehen aber süß aus!

Der Sundowner ist schon gebucht. Wir fahren wieder in den Nationalpark zurück. Ich freue mich, dass wir erstmals eine Führerin haben. Ich bin schon gespannt. Bei der Fahrt zum Park sperrt in einer hohlen Gasse ein Elefantenbulle die asphaltierte Straße. Kein Vorbeikommen, „Big Problem, False Feeding, Very Dangerous!“. Ein Stau wächst langsam. Andere Safari-Autos drängen vor und werden zurückgedrängt. Letztlich gelingt es den Elefantenbullen in einer konzertierten Aktion zweier wagemutiger Tour-Guides von der Straße zu treiben. Was gar nicht so leicht ist, weil es aus der Gegenrichtung staut. Aber das sind private Autos. Die sind viel kleiner und wir sind froh, dass wir nicht in so einem Touri-Auto sitzen.

Im Park zeigt die gute Frau weniger Geschick beim Aufspüren der Tiere. Gelegentlich zeigen wir ihr das eine oder andere Tier und erhalten ein: „I saw that also.“. Dafür scheint sie jeden und jede im Park zu kennen. Fenster auf „How are you? I love you all!“. Irgendwann kommt dann doch über Funk die Nachricht, wo man hin muss. Wir rasen gemächlich dorthin um uns mit vielen anderen des Anblicks von vier Löwen in der Ferne zu erfreuen. Wir wollten einen Leoparden sehen, aber für unsere Anführerin sind das alles Katzen. Gelegentlich werden andere Beobachter aufgefordert leise zu sein. Das ist ja schon an sich ein bisserl seltsam. Speziell wird es, als sich die gute Frau bei so einem „Pst, Pst!“ irrtümlich auf die Hupe setzt. Okay, den Löwen war es wurscht, die waren eh weit genug weg.

Etwas verlegen schenkt sie den „Gin Irgendwas“ ein und erfreut sich der Tatsache, dass sie schon wieder alle am Parkplatz kennt. „I love all humans!“ – fein! Als Entschädigung gibt es noch eine Einführung in ihre Muttersprache, die von Klicklauten lebt. Sabine filmt und muss nachsprechen. Der Gin hilft. Das ist alles spannend, aber ich komme schon mit Spanisch auf Duolingo nicht so recht weiter. Soll sein!

Erongo Mountains

Ai Aiba – The Rock Painting Lodge

Zum Abschluss gibt es nochmals eine extrafeine Lodge. Weit entfernt vom Irgendwo liegt die Ai Aiba Lodge. Klein und überaus luxuriös. Am Pool kann man sich problemlos auch in der Wintersonne einen Sonnenbrand holen. Das Internet hat wie in den meisten Lodges Glückspielcharakter. So ist das halt hier.

Wir schließen uns der Sundowner-Wanderung auf einen nahegelegenen Hügel an. Leicht militärischer Drill herrscht, die Touris folgen brav. Als der Guide dann Giraffen-Kugerln am Weg aufhebt, kostet, drauf beißt und zu erkennen meint, dass die Giraffe vor fünf, sechs Tagen hier war, kommt in mir Sorge auf, dass wir unser einer Game-Dung-Verkostung angeschlossen haben. Upps!

Der Spazierweg hält einige Kletterstellen im Bereich 1- parat. Da höre ich im Umfeld schon Gemurre und Sorgen, die aber von einem „My Team is strong! I can feel it!“ an der Spitze erstickt werden. Bald rufen wir im Chor „Sir! Yes, sir!“. Aber soweit kommt es dann doch nicht. Zu schnell erreichen wir den Gipfel. Getränkevergabe gehört zum Sundowner-Ritual. In den besseren Lodges kann man die Getränke vor dem Aufbruch auswählen. Wir haben Mineralwasser und Sekt gewählt. Die restlichen Teilnehmer begnügen sich mit einem Bier oder Sprite. Nur auf die Schweizer ist Verlass. Die zwitschern zumindest eine Flasche Weißwein. Ja, unser Drill Sergeant hatte einen schweren Rucksack mit. Als er nun zum krönenden Abschluss fragt, wer den Champagne bestellt hat, müssen wir da halt durch. Beim Militär wird kein Platz verschenkt! Entsprechend werden die Gläser gefüllt. Wir haben es lustig. Dazu gibt es Biltong, von den Mädels wegen der Ähnlichkeit zu Mios Leckerlis liebevoll Rinderkopfhaut genannt.

Beim Abstieg fährt der Sekt ein. Wir haben reichlich Spaß. Als Sabine und ich die Lodge erreichen, hat sich unser Sergeant schon wieder aus dem Staub gemacht. Die anderen Gäste sitzen beim Abendessen. Hurra, wir sind auch schon da!

Den Sundowner am nächsten Tag, wieder im offenen Wagen, lassen die Mädels aus. Sie sind der Sundowner endgültig satt. Soll sein. Wir sind aber erneut erfreut und lernen Interessantes. Der Guide erkennt Spuren eines Leoparden, der seine Beute über den Weg geschleift hat. Selbst Blutspuren vermag er zu erkennen. Oh ha!

Auf glatt geschliffenen Felsen, die an Australiens Ayers Rock erinnern liegen kugelrunde Felsen von mehreren Metern Durchmesser auf der Schräge, als hätten sie Riesen vor Millionen Jahren einfach liegen gelassen. Ich staune, wie diese Steine Jahrmillionen so liegen können. Auch ein riesiger, versteinerter Sportschuh steht auf einem der Felsen, die bezeichnende Namen wie „The Submarine“ tragen. Auch den müssen die Riesen liegen haben lassen.

The Sneaker

Bei einer Flasche Weißwein geht die Sonne das letzte Mal für uns unter. Der Königstein, der höchste Berg Namibias, verabschiedet sich in weiter Ferne in tadellosem Abendrot.

Rückfahrt

Am nächsten Tag warten zu Mittag rund 300 Kilometer zum entfernten Flughafen. Ganz knapp vor dem Gate der Lodge verabschiedet sich ein riesiger Giraffenbulle nochmals von uns. Wieder hätte ich ihn fast übersehen. Was für ein elegantes Tier!

Es folgen die letzten Kilometer Schotterpiste. Unser Toyota Corolla Crossover fliegt über die kleinen Rippen. Nichts kann uns aufhalten, wäre da nicht diese Straßenglättmaschine auf der Gegenfahrbahn. Die ebnet einerseits die Straße, schiebt aber auch wie ein Schneepflug überschüssiges Material zur Seite und in die Straßenmitte. Mit etwas mehr als 100 km/h krache ich in bzw. über einen Stein von der Größe einen Ziegelsteins. Rumms, völlig synchron krachen wir vier mit der Schädeldecke an das obere Ende der Fahrgastzelle des flinken Japaners. Hoppla, das war jetzt nicht gut. Nach wenig Metern hören und spüren wir das Flap-Flap-Flap. Links rangefahren, Koffer raus, Reserverad raus. Jahrelanger Reifenwechsel zahlt sich aus. Sabine und ich wechseln den Reifen in Windeseile. Die Mädels bleiben im Auto. Kein vorbeifahrendes Fahrzeug oder Löwe stört, nicht einmal Paviane interessieren sich für Gepäck. Als ich die Koffer wieder ins Auto wuchte, springt der Corolla vom Wagenheber und Sabine, die gerade die Radmuttern anzieht, mit gazellenartiger Leichtigkeit zur Seite. So geht Reifenwechsel.

Noch 30 Kilometer, dann ist die sichere B2 erreicht. Nun kann nicht mehr viel schiefgehen. Am Flughafen verabschiedet sich Namibia mit dem letzten Sonnenuntergang. Ein bisschen wehmütig steige ich ins Flugzeug. Dieses Afrika gefällt mir!

Malersteig III-

Gernot und ich packen das 60 Meter lange Einfachseil ein und mischen noch jede Menge Schlosserei dazu. Mio macht nach seiner Tour vom Vortag Pause. Von Griesleiten starten wir mit recht schwerem Gepäck. Der Zustieg überrascht schon, hat doch der Regen teils tiefe Rinnen in den Weg gerissen. Ich staune nicht schlecht. Entsprechend spannend ist auch der Zustieg nach dem Einstieg zum Haidsteig. Ist dieses Stück schon so kein Genuss, so hat es durch die Regenfälle noch einmal Spannungselemente zusätzlich. Teils ist das Geröll frisch aufgeschüttet und tiefe Rinnen stellen sich in den Weg. Die Sonne lacht, die Sicht ist gut und so gelangen wir problemfrei zum Einstieg.

Das Seil legen wir diesmal bei der Stelle mit II+ an. Das ist knapp vor dem Treffpunkt mit dem Königschusswandsteig. Den Malersteig kennen wir. Abwechseln steigen wir vor. Bin ich vorne, sehe ich die roten Punkte nicht so recht. Das macht die Tour wie immer ein bisserl spannend. Gernot hilft dann von weit hinten mit: „Den Kopf leicht nach links, zwei Meter oberhalb, beim hellen Fels ist ein roter Punkt,..“. „Ah ja, da geht’s weiter!“.

An der Mutprobe will Gernot vorsteigen. Ich staune, Gernot startet. Aber doch rasch ändert er seine Meinung. Schade, hätte gepasst. So haben wir unsere Hetz an dieser ausgesetzten Stelle, meistern sie aber wie auch den Rest wieder problemfrei.

Unser Besuch bei der Neuen Seehütte ist ernüchternd. Ein neuer Pächter hat die Hütte von Franz übernommen. Egal, oft werden wir hier nicht mehr vorbeischauen – schade! Ich war immer gerne hier. Anderseits vermuten wir, dass eh bald wieder ein neuer Pächter übernehmen muss. Momentan kann ich die Hütte nicht empfehlen.

Tour auf garmin.com

Fuchslochsteig mit Hund

Ah, da ist es wieder – ein senkrechtes Wandl von 10 Meter Höhe stemmt sich laut den Berichten am Internet dem forschen Raxgeher in den Weg. Also, weder Mio noch ich schaffen 10 Meter senkrecht. Aber einen II- mit Hund traue ich mir schon zu. Zumal die Kletterstelle leicht und kurz sein soll.

Nach Covid und mühsamen Untersuchungen wird es Zeit Kondition für den Sommer aufzubauen. Mio war eh zwei Tage in Betreuung, und so darf er mit. Falls die 10 Meter hohe Wand nicht packbar ist, müssen wir halt umdrehen und zur Not das Kleine Fuchsloch gehen.

Vom Preiner Gscheid geht’s los. Alles kein Problem, außer meine Kondition. Aber 1.000 Höhenmeter sollten in jedem Zustand zu meistern sein. Heiß ist es. Mio leidet unter der Hitze sichtlich mehr als ich. Aber kein Jammern kommt ihm über die Lippen. So schaffen wir den Zustieg und los geht’s.

Da ist auch schon die erste Erkenntnis: der Hund drei bis fünf Meter oberhalb von dir nimmt keine Rücksicht auf dich. So stehe ich unter stetem Beschuss mit Steinchen, während Mio auf vier Pfoten schiebt und haxelt. Ich hätte zumindest den Helm aufsetzen sollen.

Ist das die senkrechte, 10 Meter hohe Wand? Sieht so aus. Mio schaut mich an. Ja, da rauf müssen wir. Sicher nicht senkrecht. Das sind 65° bis 70° Steigung. Das ist so viel, dass man im aufrechten Stehen schon mit leicht ausgestrecktem Arm den Fels berühren kann. Feine Neigung fürs Kraxeln, aber der Hund kommt da nicht rauf. Ich habe eine Bandschlinge und Karabiner mit. Aber ehe mich Mio in Panik aus der Wand hebelt, kommt eine andere Technik zum Einsatz: Ich hebe Mio bis zum nächsten Tritt hoch und drücke ihn sanft an den Fels. Nun steige ich nach und wiederhole das Vorgehen. Öfter als zwei oder dreimal müssen wir das nicht machen, dann sind die technischen Schwierigkeiten schon überwunden. Wahrlich keine Hexerei.

Über steile Grashänge geht es aufs Plateau. Die Gämsen haben es sich auf einem Schneefeld bequem gemacht. Das gefällt meinem Vierbeiner. Er muss mit Schnee ohne Gams vorlieb nehmen. Aber das ist ihm im Juni schon Freude genug.

Ein Stück weiter sehen wir einen älteren Mann, der Figl anlegt. Mit den Worten „Mir ist alles wurscht. Nach zehn Jahren probiere ich es noch einmal. I foahr no a moi da runter, bevor i die Patsch’n aufstell‘!“. „Na, das wird schon noch dauern!“ entgegne ich. Aber der Mann weist auf sein 80stes Lebensjahr und die Operation eines Krebstumors hin. Ich staune, und er startet. Mir bleibt nicht viel außer ein „Alles Gute!“, ehe er losgeigelt. Aber die Abfahrt will nicht klappen. „Ui, des is aber hoart! I foahr trotzdem.“. Sagt’s und verschwindet hinter der Kuppe. Oha!

Am weiteren Weg zur Kriegerdenkmal begegnen wir noch einem Gamsbock, der auf Ärger aus ist. Mio plustert sich auf, „Kein Millimeter dem Aggressor!“, aber ich weiche großräumig aus. Mio geniert sich ein bisserl für mich, aber mir ist nach unserer Steinbockkonfrontation eben nicht alles wurscht.

Pause am Karl-Ludwig-Haus und Abstieg über den Schlangenweg verlaufen erwartungsgemäß problemfrei. Okay, ein Kühlmittelschlauch ist gerissen. Aber das ist mir dann wurscht.

Mio kann II-! Feiner Tag am Berg!

Die Tour auf garmin.com

Klettern: Akademikersteig

Wir klettern spät, aber doch, die Saison an. Der Akademikersteig wird es. Der ist nun schon ein paar Mal hier beschrieben und Zwischenfälle gab es auch keine. Und trotzdem, oder gerade deswegen, war es wieder extra edel. Wir haben den Einstieg perfekt gefunden. Gernot ist Abschnitte ohne Seil vorgestiegen. Es wird! Na ja, und mir macht es wirklich jedes Mal einen echten Spaß. Es ist mehr ein Kraxeln als ein Klettern. Aber das tut der Freude keinen Abbruch!

Als Seil haben wir das Halbseil in 30 Meter verwendet. Das ist mehr eine psychologische Unterstützung. Es genügt in unserer Form der Nutzung nicht den Empfehlungen. Ich glaube trotzdem, dass es uns ausreichend sichert.

Wir haben uns im Weichtalhaus mit einer Lachsforelle belohnt. Die war ein Fang abseits der Bestellungen und entsprechend fein. So sind wir gar kulinarisch auf unsere Rechnung gekommen.

Paris

Carina wünscht sich ein Wochenende in Paris zum Geburtstag. Eine Freundin darf auch mit. So mache ich mich mit Lydia, Jasmin, Carina und Ilina auf den Weg. Die Blicke, die ich mir als mutmaßlicher Mädchenhändler in solchen Situationen beim Check-In einfange, erspare ich mir diesmal. Es ist mein erstes Mal Airbnb. Da gibt es keine Rezeption, der junge Mann hat andere Sorgen und Interessen.

Ein weiteres erstes Mal habe ich. Auch Uber steht am Programm. Das klappt super. Als Dino aus einem anderen Jahrhundert interessiere ich mich für Fragen nach dem Vertragspartner und Rechnung. Ui, ui – das sieht nach Ärger aus. Auf der Rechnung steht nur salopp Uber. Damit genügt die Rechnung sicher nicht den Anforderungen. Und so funktioniert ein modernes Unternehmen mit Milliardenumsatz – ich staune. Ähnlich meine Gedanken zu Airbnb. Aber hier ende ich lieber in meinem Ausführungen. Da hatte ich als Geschäftsführer jedenfalls wegen deutlich nichtigeren Themen ein Thema.

Die Mansardenwohnung in der Nähe des Place de la République am Boulevard Saint-Martin ist extravagant und schön. Wir haben ausreichend Platz und keinen Grund zur Klage. An Airbnb muss ich mich noch gewöhnen. Aber das ist eine andere Geschichte – siehe oben.

Wir haben Wetterglück und erledigen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Entspanntes Frühstücken und Spazieren stehen am Programm. Der Eifelturm bei Nacht muss auch sein. Wie ich mich freue, dass teils noch Metro-Wagen fahren, die schon 1983 unterwegs waren, als ich mit Oskar durch Europa getrampt bin! Auch wenn Masken, Uber und Airbnb neu sind, so haben die alten Waggons noch Bestand.

Das Abflugsterminal 2G am Flughafen Charles de Gaulle erinnert ein bisserl von der Größe her an einen Flughafen auf einem der kleinen Inseln des kanarischen Archipels. Das erstaunt sogar den moderenen Uber-Fahrer.

Gelungene Tage mit meinen vier jungen Begleiterinnen. Fein war’s!

Urlaub: Ischgl

2020 hatte ich im März im Apart Viva angerufen und angefragt, ob wir wieder kommen können. Wie durch ein Wunder war eine der beiden Ferienwohnungen frei. Eine Familie aus Israel hat völlig grundlos mit Bezugnahme auf einen Covid-Virus storniert. Wer fürchtet sich schon vor einem Schnupfen! So die Denke im März 2020. Zu meiner Entschuldigung sei gesagt, dass ich im März 2020 weit von der Spur war. So haben wir auf 2021 verschoben und letztlich nochmals auf 2022.

Wie die Zeit alles verändert! 2022 reisen gerade mal Carina, Jasmin und ich an. Wir haben zu dritt sieben Betten zur Auswahl. Das Zimmer mit den drei Betten und dem eigenen Bad wird zum Master Bedroom und ein Zimmer bleibt unberührt. Gernot hat sich für ein paar Tage als Gast angesagt. Auf Gernot ist Verlass!

Die Bedingungen sind wieder traumhaft. Die Sonne lacht auch an Tagen mit ungünstigerem Wetterbericht. Einzig der letzte Tag wird schwach genutzt. Gernot ist schon weg, Wolken trüben das Sonnenlicht und die Temperaturen machen den Schnee stumpf. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir die Tage davor für unsere Verhältnisse sehr viel gefahren sind. Nie muss man anstehen, ab Mittag sieht man oft weit und breit keine anderen Skifahrer. Auf der Idalpe wimmelt es allerdings immer, aber das restliche Gebiet ist sehr, sehr dünn besetzt.

Am ersten Tag war der Schnee gar noch winterlich trocken. Die Mädels konnten sich im Tiefschnee vergraben, sind aber schon sehr sicher unterwegs. Der Firn auf der Val Gronda ist wie immer ein Genuss. Doch die Mädels sind keine Mäderln mehr. Das Gelände wird zu wenig steil. Dafür erkennen sie allmählich, dass die Abfahrt ins Fimbatal landschaftlich ein Traum ist.

Beide fetzen die Piste mindestens so schnell wie ich. Jasmin fährt einen Tag mit Gernot auf Zug. Tja, und leidet die restlichen Tagen an überlasteten Beinen. Die Skiausrüstung parkt über Nacht in der Talstation der Padratschgratbahn. Diese Neuerung ist ein Luxus.

Tolle, entspannte Tage in einem fantastischen Skigebiet!

Klettersteig: Haidsteig

Upps, schon wieder da! Gernot schlägt den Haidsteig vor. Mir soll es recht sein. Ich bin wieder fit, das Wetter passt. Heute folgen uns zwei andere Kraxler. Abgesehen von den beiden in der Ferne gehört der Steig uns alleine. Die Sonne knallt runter, es herrscht T-Shirt-Wetter – herrlich!

Einzig, Gernot ist nicht ganz fit. Ihn quälen ähnliche Symptome wie mich in den letzten Wochen: Erschöpfung, hoher Puls,.. Komisches Omikron und seine Nachwirkungen. So schaffen wir den Haidsteig und das Preinerwandkreuz und lassen es danach aber gut sein. Den Plan, über den Göbl-Kühn-Steig zum Waxriegelhaus zu queren, verwerfen wir. Der Schnee auf den vielen Querungen sieht anstrengend aus. Na ja, und erst gestern wurden zwei Bergsteiger unterhalb des Langermanngraben ausgeflogen.

Auch der Plan, über den Trinksteinsattel zum Karl-Ludwig-Haus zu wandern, wird abgelehnt. Der Schnee ist viel weicher als vor einer Woche. Gernot stimmt dem Abstieg über den Holzknechtsteig zu. Im Abstieg sieht es so aus, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Beim Auto ist Gernot aber schon wieder fit. Egal, wir sind auch so müde nach dem etwas verkürzten Tag in den Bergen. Passt!

Tourdaten auf Garmin

Wandern: Predigtstuhl

Mio mag den Schnee. Wir fahren aufs Preiner Gscheid. Die Sommerzeit lässt eine ausschlafen, aber Mio den anderen nicht. Egal, zu Mittag starten wir. Erst gegen 13 Uhr sind wir am Parkplatz. Der Waxriegelsteig bietet interessante Bedingungen. Einerseits ist er tief eingeweht und der Altschnee trägt. Wenn man einbricht, fällt man tief, denn unter den Schneebrücken ist es ausgehöhlt. Mio stolpert, Sabine schlägt sich wacker. Wir kommen ob dieser seltsamen Bedingungen nur langsam voran. Bergsteiger in kurzen Hosen kommen uns entgegen, während man im Siebenbrunnkessel die Tourengeher abfahren sieht.

Nach den Latschen wird es allmählich besser. Sabine nimmt Fahrt auf und wir besteigen den Predigtstuhl. Nach kurzer Pause geht es weiter zum Karl-Ludwig-Haus. Wir meinen, die letzten Gäste zu sein, aber es haben sich sogar noch Wanderer für die Nacht angesagt. Zumindest für den Abstieg werden wir wohl zu den späten Wanderern gehören. Im tiefen Sonnenlicht gehen sich noch ein paar Fotos aus. Sabine ist nervös ob des Abstiegs, der noch auf sie wartet.

Wir steigen durch den Karlgraben ab. Mio, der bergauf zu allermeist in der Nähe bleibt, vertschüsst sich zweimal. Einmal verschwindet er Richtung Karl-Kantner-Steig und war nicht mehr gesehen. Da kann ich ihm wirklich nicht nach. Hoffentlich findet er zurück. Findet er, guter Hund!

Der Karlgraben liegt schon geraume Zeit im Schatten und so zieht der Schnee trotz der hohen Temperaturen an. Der Abstieg ist trotzdem komplikationsfrei. Sabine meistert ihn jedenfalls bravourös, alle Aufregung umsonst. Spuren einer Rodel lassen mich rätseln. Man kann doch den Graben nicht runterfahren?

Beim Abstieg zum Parkplatz sehen wir noch die Hubschrauber im Einsatz. Wir werden nachlesen, dass zwei Wanderer im Langermanngraben in eine missliche Lage gekommen sind und gerettet wurden. Ja, an so einem Sonntag ist da schon etwas los.

Sabine hat sich tapfer geschlagen. Mio hat’s getaugt und mir sowieso!

Tourdaten auf Garmin

Bergsteigen: Haidsteig – Predigtstuhl – KaLu

Für eine Skitour ist in der Nähe zu wenig Schnee, aber für eine Bergtour warten ideale Bedingungen auf mich. Ich starte in der Griesleiten. Der Parkplatz ist nur wenig vom Schnee geräumt. Mit einem Ansturm ist also nicht zu rechnen. Außer mir parkt niemand und auch am Nachmittag wird nur die Q warten.

Mittlerweile mag ich den Haidsteig in der Nebensaison. Kein Mensch weit und breit. Im Sommer wartet man da eine Ewigkeit am Einstieg, Hektiker drängeln, Anfänger bremsen. An einem Montag im März ist hier genau gar nichts los. Heute bin ich langsam, sehr langsam. Liegt es noch immer am Omikron? Mag sein, wird werden. Ich lasse mir Zeit. Über eine Stunde brauche ich bis zum Einstieg. Zehn Minuten länger und ich wäre in meiner besten Zeit schon wieder beim Ausstieg. Macht nichts, ist halt so.

Bei der Madonna raste ich und genieße die Ruhe. Der Steig ist absolut schneefrei, der Himmel uneingeschränkt blau. Entsprechend entspannt erreiche ich dann den Ausstieg – nach über zwei Stunden.

Ich besuche das Preinerwandkreuz und wandere gemütlich zum Trinksteinsattel. Die Schneedecke hat einen festen Harschdeckel, trägt gut und firnt allmählich auf. So kann ich direkt aufsteigen und erspare mir das Queren von Schneefeldern. Die Grödel können im Rucksack bleiben. Viele Gämsen schauen mir zu und wundern sich über den einsamen Wanderer, der da zum Predigtstuhl aufsteigt.

Nach dem Predigtstuhl treffe ich die ersten beiden Menschen, es sind Skitourengeher. Aber Schnee ist auf dieser Seite gar keiner. Sie wollen die Nazrinne abfahren. Oh ha, die kenne ich gar nicht. Ob sie sich über die Wechte am Predigtstuhl direkt in den Siebenbrunnkessel stürzen werden? Ihr ernster Gesichtsausdruck lässt das vermuten. Keine zweihundert Meter treffe ich den nächsten Tourengeher. Der sieht gesprächiger aus. Sein Ziel ist die Nazrinne. Aber hallo, ist da heute ein Skirennen? Der gute Mann kennt sich aus und klärt mich auf. Am Ende des Bismarcksteigs geht es durch die Latschen runter. Ist also eher das Nazfeld als die Nazrinne, wieder was gelernt.

Am Karl-Ludwig-Haus freut sich der junge Mann über den einsamen Besuch. Bald kenne ich einen Teil seiner Lebensgeschichte und seine Pläne. Seit die Hütte neue Pächter hat, kann man hier echt wieder herkommen. Freundliche Wirtsleute und gutes Essen warten.

Ich steige über den Karlgraben ab, gönne mir Kuchen und Kaffee am Waxriegelhaus, ehe ich mich wundere, wieviel Schnee da im Wald Richtung Griesleiten ist. Dort wartet schon einsam die Q, aber das habe ich schon erwähnt.

Feiner Tag bei besten Bedingungen!

Tourdaten auf Garmin

46. Skitour: Häuslalm – Zagelkar

Gernot und ich starten Richtung Hochschwab. Gernot war vor einer Woche hier und weiß von guten Bedingungen zu berichten. Diesmal wollen wir über die Häuslalm zum Zagelkar und dieses abfahren. Omikron hat mich in den Tagen davor niedergestreckt und Saharastaub liegt in der Luft. Schauen ma a mal!

Der Schnee ist gegenüber der letzten Woche weniger geworden. Man kann aber noch über eine geschlossene Schneedecke zur Häuslalm. Zu unserer Überraschung ist die Hütte geöffnet. Der Wirt öffnet von Donnerstag bis Sonntag. Wir sind die fast ersten Gäste in dieser Woche. Ohne Geld, aber mit dem Bedürfnis Umsatz zu machen, bestellen wir Hauswurst und Krainer. Die Sachen müssen immerhin zu Fuß heraufgetragen werden. Da wollen wir nicht geizen. Die Würstel sind gut, aber wir müssen uns eingestehen, dass wenige Athleten vor dem Wettkampf zwei Hauswürste oder eine Krainer in sich stopfen, um Bestleistung aus ihren Körpern zu holen.

Zuerst geht noch alles gut. Wir kommen zügig voran, aber spätestens ab der Hirschengrube stollt der Schnee an, dass es zum Heulen ist. Nach der Hirschengrube weicht der Schnee weitgehend Gras und Steinen. Da kann man zumindest den angestollten Schnee abstreifen. Aber der haftet gleich beim ersten Schneekontakt wieder an den Fellen.

Dass es weit zu gehen ist am Plateau, wissen wir ja. Nur heute erscheint es mir extra zäh. Da wären mal die Würstel, die vermutlich den geringsten Anteil an der einsetzenden Erschöpfung haben. Omikron ist schon eine bessere Erklärung. Die wahrscheinlichste Erklärung bzw. jene mit dem größten Gewicht ist jedoch jene, dass ich heute einfach nicht fit genug bin.

Das zeigt sich erstmal daran, dass ich nicht einmal die letzten Meter zum Zagelkogel aufsteigen will. Okay, es liegt wenig Schnee. Mit Skiern könnte man nicht abfahren. Für einen Auf- und Abstieg ohne Skier fehlen uns die Grödel und die Motivation. Dann verliere ich noch beim Abfellen eine Schutzfolie. Die treibt der Wind davon. Das tut mir weh, denn ich will weder, dass ich Plastikmüll verursache, noch, dass eine Gämse das Plastik frisst. Gernot ist fitter und versucht die Folie einzuholen – leider vergeblich.

Vom Hüttenwirt haben wir gehört, dass Tourengeher im Zagelkar bei der direkten Abfahrt auf eine apere Stelle von 50 Meter gestoßen sind. Der Wind hat wohl die Stelle ausgeblasen und so mussten die Tourengeher abschnallen. Das wollen wir definitiv nicht. Unser Plan B ist es, unter dem Ghacktkogel ins Zagelkar einzufahren – die Normalvariante. Aus der Ferne sieht man schon, dass es da völlig aper ist. Zu meiner Erschöpfung gesellen sich nun noch Zweifel. Es bleibt die Variante, ziemlich in der Mitte von Zagelkogel und Ghacktkogel einzufahren. Wir fahren an die Kante vor und sehen.. nichts. Also, wir sehen schon das Zagelkar unter uns, aber direkt unter uns? Stehen wir auf Felsen, einer Wechte,..? Ich bin im Sommer hier irgendwo rauf, da musste ich zumindest eine Steilstufe kraxeln. Ein Seil war angebracht. Hmm?

Weiter rechts sieht es dann machbar aus. Ich fahre als der schwächere Skifahrer vor. Der Schnee ist sogar recht fein. Ein bisserl mehr als Firn, aber gut fahrbar. Nur in meinen Beinen ist keine Kraft mehr und im Kopf die Idee von der Kletterstelle. Das sind keine Zutaten, um die Abfahrt zu genießen. Gernot hat mehr Kraft in den Beinen, weniger Zweifel im Kopf und bessere Skifertigkeiten. Egal, das Steilste ist bald hinter mir und ich gönne mir eine Pause auf einem Felsen. Beim Blick Richtung Zagelkogel sehen wir, dass auch die direkte Abfahrt entlang der Felsen gegangen wäre. Keine apere Stelle in Sicht. Macht nichts, unsere Variante ist auch edel.

Nun geht es noch einmal kurz steiler, ehe es abflacht und sich ein bisserl Frühjahrssulz breitmacht. Das Zagelkar ist ein langer Hang und eine feine Sache. Wir queren ins Trawiestal und schmieren dieses in der Sonne hinaus. Die Abzweigung zum Wanderweg verpassen wir, weil Gernot so eine Freude am Bachbett findet. Als wir die Position checken, sind wir schon weit unten. Gernot will dem Bachbett weiter folgen, aber das endet nach meinem Wissen in einem steilen Abbruch. Ich erinnere mich an einen Bericht von einer schwer zu findenden Jagdhütte und die Möglichkeit über Forststraßen abzufahren.

So ist das Schicksal mit einem erschöpften Gottfried dann doch noch gnädig. Wir müssen zwar ein bisserl durch Wald und unwegsames Gelände an der Jagdhütte vorbeischieben, erreichen aber bald das legendäre Bankerl. Ab hier gibt es Forststraße bis zum Auto. Und wir müssen nicht einmal tragen. Passt also!

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