Kanzelsteig

Renate will den Kanzelsteig gehen und vielleicht sogar den Technikersteig. Das ist doch fein, wir parken gut ausgerüstet beim Seiser Toni. 40m-Seil, drei Bandschlingen, ein paar Karabiner und vier Exen werden reichen. Mal sehen, wie oft wir die Sachen brauchen werden.

Der Zustieg zum Steig ist einfach, trotzdem gehen wir falsch. Mit zwei, drei Minuten Verspätung sind wir trotzdem beim Schild Kanzelsteig. Die erste Seillänge nimmt Renate ohne Seil – tadellos. Eine Seillänge unter dem Testamentwandl seilen wir dann aber an. Sie war schon lange nicht unterwegs und fühlt sich wohler. Gerne, wozu haben wir denn das Zeug mit.

Der Steig ist tadellos und durchgängig rot markiert, nur sehe ich bekannterweise die roten Punkte erst, wenn ich draufstehe oder sie riesengroß sind. So kraxle ich vor und Renate kommt nach. Was höre ich da? „Die Exe ist gebrochen!“. Also, das gibt’s wirklich nicht. Ich habe gesehen, wie etwas ein paar Meter runtergefallen ist. Aber sicher ist, dass keine Exe „gebrochen“ ist. „Oh ja, es ist nur noch die Hälfte da!“. Ja, dann musst du runter und den anderen Karabiner holen. „Ich hole ihn dann vom Seiser Toni aus. Das ist so ein Schas darunter.“. Nix da, der Karabiner muss geborgen werden. Da bleibe ich hart. Renate schafft das dann auch in ein paar Minuten. Mann oh!

So, jetzt übers Testamentwandl. Von unten ruft mir Renate die Route der roten Punkte zu. Statt direkt übers Wandl geht es also erst links entlang und dann unschwer drüber. Renate hat auch keine Mühe. Danach verstaue ich das Seil wieder, Renate wird ausgehängt, es folgt steiles Gehgelände.

Leider ziehen die Wolken zu und der Wind macht es ein bisserl ungemütlich. Bis zur Abzweigung zum Technikersteig ist auch noch ein bisserl Kraxeln dazugekommen, das wir seilfrei gemeistert haben. Renates Abenteuerlust ist aufgebraucht, sie will den Kanzelsteig fertig gehen. Auch recht, dann machen wir das so.

Das klappt auch gut. Es ist ja eine feine Kraxelei. Am Grat dann lasse ich Renate an meinem Stand vorbei gleich weitergehen. Das macht sie auch, bis sie aus Sichtweite ist. Der Wind pfeift schon ordentlich und es wird kalt. Aber am Seil tut sich nichts mehr. Ich warte, ich friere, ich höre nichts. Irgendwann wird es mir zu bunt. Was soll da schon sein auf diesem Stückerl? Ich fixiere das Seil und gehe nachschauen. Ja, da sitzt meine Frau und zieht sich gerade den warmen Anorak an. Sie hat eh gerufen, ihr ist kalt geworden und da hat sie sich gedacht, dass ich irgendwann eh kommen werde, Irgendwann ist jetzt und mir ist ein bisserl sehr kalt. 😉

Der letzte Abschnitt zum Kreuz rauf ist dann wieder fein. Renate triumphiert, wir bauen ab und flüchten uns in die warme Wilhelm-Eichert-Hütte. Das nächste Mal will Renate den Techniker wagen.

Runter geht es das Zahme Perchersteiglein. Hier treffen wir auf Kletterer, die es bis 9c angehen. Da schau her. Uns hat für heute II+ gereicht. Fein war’s! Das Wetter hat leider ein bisserl früh auf Herbst gemacht. Alles andere, top!

Die Tour auf Garmin