Bergsteigen: Karreralmsteig – Habsburghaus

In der Früh sollen sich die Wolken verziehen und so kann ich mich gut für ein bisserl Run & Kraxln ausschlafen. Als Route suche ich mir „Preiner Gscheid – Karreralmsteig – Heukuppe – Habsburghaus – Waxriegelkamm – Preiner Gscheid“ aus.

Für welches höhere Ziel ich trainiere, weiß ich noch nicht so recht. Aber allmählich werde ich fit. In einer knappen Stunde bin ich bei der Karreralm, die sich wie immer sehr malerisch in die Landschaft einbindet. Diese Seite der Rax ist wahrlich recht verlassen. Lediglich bei der Reißthalerhütte habe ich drei Leute beim Himbeer-Pflücken gesehen.

Den Einstieg zum Karreralmsteig finde ich auch dieses Mal wieder nicht. Ich probiere es diesmal, indem ich den Weg übers Geröllfeld hinaus noch weiter in den Wald folge und muss letztlich wieder „wild“ aufsteigen. Das nächste Mal geh‘ ich das Geröllfeld hinauf und aus. Vielleicht passt ja das.

Ich kraxle über Fels, der immer wieder durch Latschen unterbrochen ist und finde irgendwann die erste Markierung. Diese ist recht blass wie auch der gesamte Steig lausig markiert und gepflegt ist. Vielleicht soll ihn ja auch keiner finden. Unter dem Felsfenster versteige ich mich und werde gleich abgestraft. Ich prüfe, ob alles fest ist. Ist es nicht und ein paar hundert Kilo Fels lösen sich. Zum Glück kann ich mich wegdrehen. Es lärmt gewaltig und der Fels fährt ab, nur ein Brocken meint, noch mein Schienbein abscheren zu müssen.

Alles ganz geblieben. Ich zieh mir den Socken über die Wunde und steige weiter. In dem Zustand umklettere ich die IIIer-Stelle, obwohl sie recht machbar herschaut und lange wäre sie auch nicht. Ich möchte aber in ruhigerer Umgebung das Bein anschauen. Die ruhigere Umgebung finde ich ein paar Hundert Meter weiter. Der Wind ist weg und so kann ich in aller Ruhe unter der eindrucksvollen Wand das Erste-Hilfe-Set auspacken.

Gleich überkommt mich auch Ärger über mich selbst. Also, eigentlich überrasche ich mich wenig mit dem, was ich da sehe. Ich habe das Set immer mit und wenn ich es daheim einpacke, denke ich mir: „Das taugt im Ernstfall garantiert nichts. Es ist homöopathisch klein und jahr(zehnt)e alt. Aber es ist leicht“. Mit diesem Ansatz könnte man eigentlich auch Papp-Helme fürs Motorrad verwenden – leicht, billig,.. aber halt unbrauchbar.

Unbrauchbar ist auch das Set geworden. Die Pflaster lösen sich beim Herausnehmen auf. Sie hätten außerdem eh nur die Größe für einen Kratzer, den man nicht versorgen müsste. Aber da ist noch so eine Gaze-Auflage und ein Gaze-Rolle. Naja, die Auflage wäre vielleicht noch steril, wenn sich nicht das umschließende Plastik in den vergangenen Jahren selbst geöffnet hätte. Schön weiß ist die Auflage aber noch und damit sicher besser als der schmutzige Socken. Also, drüber und weitergeht’s.

Nach einer weiteren Stunde bin ich auf der Heukuppe. Es bläst, ist kalt und menschenleer. Fotos habe ich von da heroben auch schon endlos. Also, weiter zum Habsburghaus. Wieder eine Stunde und auch diese Etappe ist geschafft. In der Hütte sind zumindest ein paar Gäste. Der Feiertagsansturm folgt wohl erst morgen am 15. August. Linsen, Kuchen und ein freundliches Namaste an die Küchenhilfe später und ich zische weiter.

Da ich den inReach vergessen habe, will ich auf der geplanten Tour bleiben. Anm.: Meine geplante Tour findet sich auch meist auf diesem Server. Im Turbowahn staune ich plötzlich nicht schlecht, dass mich die Tourplanung nicht über den Schlangenweg sondern den Trinksteinsattel schickt. Das Erstaunen erfolgt aber spät und ich muss durch einen Graben auf den „richtigen“ Weg queren. Die Gämsen sind empört! Da haben Touristen nix verloren. Warnende Pfiffe, aber zum Glück kein Angriff.

Wieder am Weg ruft Ulli an. Just, als ich die einzige Wanderin treffe, hänge ich am Telefon. Völlig wurscht, was die gute Frau von mir denkt, aber komisch ist es schon. Ich unterbreche das Telefonat kurz und grüße zumindest freundlich. Ein bisserl Manieren müssen schon sein.

Der Rest ist schnell erzählt: in wieder einer Stunde bin ich beim Waxriegelhaus. Bei Kaffee und Kuchen verplaudere ich ein Stündchen mit Gertrude, die zusagt, für Ulli den Himmel oben zu halten.

Den Rest zum Preiner Gscheid laufe ich wieder, wie auch schon davor einige Strecken. Mittlerweile bekomme ich davon keinen fürchterlichen Muskelkater mehr. Ich werde fitter. Eines Tages werde ich es brauchen können. So schaut’s aus!

Die Tour auf garmin.com.

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